Irgendwann hatte es sich herumgesprochen, dass Olympische Spiele für die Umwelt eine Riesenbelastung sind. Also begann das IOC nicht etwa an den Bedingungen und an ihrem gigantischen Wachstum etwas zu ändern, sondern ließ sich den PR-Trick einfallen, die Spiele auf grün umzufärben und vom „Olympischen Erbe“ zu sprechen. Das ist natürlich reine Ideologie. Das > Olympische Erbe ist ein Fake und soll verkleistern, dass die Gesamtbilanz der Spiele verheerend und die ökologischen und ökonomischen Belastungen untragbar sind.
Ungeachtet aller > White Elephants, der immensen CO2-Emissionen, des globalen Welttransports von Athleten und Sportfunktionären, Politikern und Journalisten, Material und Ausrüstung per Flugverkehr und Luftfracht etc. erfolgt ein > Greenwashing der Spiele. Es wird so getan, als sähe es ökologisch ohne Olympische Spiele schlechter bzw. mit Olympischen Spielen besser aus. Im ursprünglichen „Umweltkonzept München 2018“ vom 9.11.2009 steht auf Seite 1: „Letztendlich kann durch ein lebendiges Umweltkonzept in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau ein ‚Olympisches Erbe’ erwachsen, das langfristig zum Wohl von Menschen und Umwelt beiträgt.“ Das Wort kann lässt sehr bewusst viele Möglichkeiten offen, z. B.: Es muss aber nicht so geschehen. In der Version vom 24.3.2010 steht, dass ein “‘positives Grünes Erbe’ in der Region hinterlassen” und “eine positive Vision der nachhaltig grünen Spiele umgesetzt” werden soll. (S. 63)
Das Biosphärenreservat Garmisch-Partenkirchen (in dieser Version des Umweltkonzeptes noch enthalten) ist „die revolutionäre Weiterentwicklung eines wirklich nachhaltigen Olympischen Erbes in Form eines Großschutzgebietes für Mensch und Natur …“ (S. 40). Das Biosphärenreservat war in kürzester Zeit gestorben, und die revolutionäre Idee wie so viele Revolutionen leider nicht erfolgreich.
Auf der Website der Bewerbungsgesellschaft ist die schöne Frage zu finden: „Was würde mit den Anlagen nach den Spielen passieren?“ Leider steht dort kein einziges Wort über temporäre Bauten in München (diverse Hallen, die nach den Spielen wieder abgerissen werden), dito in Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau. Der Ort wurde im Juli 2010 durch den Widerstand in der Bevölkerung gestrichen; dort hätten die Wettkampfstätten ausschließlich aus temporären Bauten bestanden. Jetzt wird mit Gut Schwaiganger weitergeplant.
In der Sitzungsvorlage des Münchner Stadtrats vom 11.11.2009 ist das „Olympische Erbe“ auf den Seiten 3, 5 und 6 erwähnt. Auf S. 5 heißt es, dass sich München 2018 bewirbt, um „der Welt zu zeigen, dass Wettkampf und Nicht-Wettkampfstätten als Olympisches Erbe die Strategie für die Zukunft einer Stadt positiv mitgestalten“. Auf Seite 6 steht: „Mit der konsequenten Umsetzung des innovativen Umweltkonzeptes werden die beeinträchtigenden Umweltauswirkungen auf ein Minimum beschränkt und zugleich dauerhafte, positive Umwelteffekte erzielt und somit ein Olympisches Erbe geschaffen.“ Das Gegenteil ist der Fall (siehe unsere 18 Gründe).
Das Umweltkonzept wird nie konsequent umgesetzt und ist nicht innovativ; die Umweltauswirkungen sind so beträchtlich, dass sie auf kein Minimum zu beschränken sind, und die Umweltauswirkungen müssen notgedrungen negativ sein. Außerdem wird München 2018 zum Beispiel vom Olympiapark nach der Bebauung nicht mehr viel übrig gelassen haben! So sieht das Olympische Erbe in Wirklichkeit aus.
In der Internet-Version der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war bereits 2007 über die Olympischen Winterspiele 2014 zu lesen, „dass Sotschi als Olympisches Erbe wohl vor allem eine zerstörte Landschaft hinterlässt“. So war es 2006 in Turin und 2010 in Vancouver, und so würde es 2018 auch in München und den beteiligten Alpengemeinden sein.
Am besten tritt man dieses Olympische Erbe gar nicht erst an bzw. schlägt es aus. Sonst läuft man Gefahr, dass man sich ruiniert.
Quellen:
Bewerbung Mini Bid Book, Sitzungsvorlage Nr. 08-14/V 03101, 11.11.2009
Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Konzept für umweltverträgliche und nachhaltige Olympische Winterspiele München 2018, Interner Entwurf zur Fachkommission “Umwelt” am 24.3.2010, Deutsche Sporthochschule Köln, Öko-Institut
Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Umweltkonzept, Eckpunktepapier, München 2009
Hahn, Jörg, Viel Geld, verspieltes Erbe, in faznet 5.6.2007
www.muenchen2018.org/bewerbungsthemen (Die Seite wurde vom Netz genommen)
Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (118 Einträge)
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