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Olympisches Erbe

 
Zuletzt geändert am 10.07.2017 @ 11:53

Irgendwann hatte es sich herumgesprochen, dass Olympische Spiele für die Umwelt eine Riesenbelastung sind. Also begann das IOC nicht etwa an den Bedingungen und an ihrem gigantischen Wachstum etwas zu ändern, sondern ließ sich den PR-Trick einfallen, die Spiele auf grün umzufärben und vom „Olympischen Erbe“ (oder „Olympischen Vermächtnis“) zu sprechen. Das ist natürlich reine Ideologie. Das Olympische Erbe ist ein Fake und soll verkleistern, dass die Gesamtbilanz der Spiele verheerend und die ökologischen und ökonomischen Belastungen untragbar sind.

Ungeachtet aller White Elephants, der immensen CO2-Emissionen, des globalen Welttransports von Athleten und Sportfunktionären, Politikern und Journalisten, Material und Ausrüstung per Flugverkehr und Luftfracht etc. erfolgt ein > Greenwashing der Spiele. Es wird so getan, als sähe es ökologisch ohne Olympische Spiele schlechter bzw. mit Olympischen Spielen besser aus. Im ursprünglichen „Umweltkonzept München 2018“ vom 9.11.2009 steht auf Seite 1: „Letztendlich kann durch ein lebendiges Umweltkonzept in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau ein ‚Olympisches Erbe’ erwachsen, das langfristig zum Wohl von Menschen und Umwelt beiträgt.“ Das Wort kann lässt sehr bewusst viele Möglichkeiten offen, z. B.: Es muss aber nicht so geschehen. In der Version vom 24.3.2010 steht, dass ein „‚positives Grünes Erbe‘ in der Region hinterlassen“ und „eine positive Vision der nachhaltig grünen Spiele umgesetzt“ werden soll. (S. 63)

Das Biosphärenreservat Garmisch-Partenkirchen (in dieser Version des Umweltkonzeptes noch enthalten) ist „die revolutionäre Weiterentwicklung eines wirklich nachhaltigen Olympischen Erbes in Form eines Großschutzgebietes für Mensch und Natur …“ (S. 40). Das Biosphärenreservat war in kürzester Zeit gestorben, und die revolutionäre Idee wie so viele Revolutionen leider nicht erfolgreich.

Auf der Website der Bewerbungsgesellschaft ist die schöne Frage zu finden: „Was würde mit den Anlagen nach den Spielen passieren?“ Leider steht dort kein einziges Wort über temporäre Bauten in München (diverse Hallen, die nach den Spielen wieder abgerissen werden), dito in Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau. Der Ort wurde im Juli 2010 durch den Widerstand in der Bevölkerung gestrichen; dort hätten die Wettkampfstätten ausschließlich aus temporären Bauten bestanden. Jetzt wird mit Gut Schwaiganger weitergeplant.

In der Sitzungsvorlage des Münchner Stadtrats vom 11.11.2009 ist das „Olympische Erbe“ auf den Seiten 3, 5 und 6 erwähnt. Auf S. 5 heißt es, dass sich München 2018 bewirbt, um „der Welt zu zeigen, dass Wettkampf und Nicht-Wettkampfstätten als Olympisches Erbe die Strategie für die Zukunft einer Stadt positiv mitgestalten“. Auf Seite 6 steht: „Mit der konsequenten Umsetzung des innovativen Umweltkonzeptes werden die beeinträchtigenden Umweltauswirkungen auf ein Minimum beschränkt und zugleich dauerhafte, positive Umwelteffekte erzielt und somit ein Olympisches Erbe geschaffen.“ Das Gegenteil ist der Fall (siehe unsere 18 Gründe).

Das Umweltkonzept wird nie konsequent umgesetzt und ist nicht innovativ; die Umweltauswirkungen sind so beträchtlich, dass sie auf kein Minimum zu beschränken sind, und die Umweltauswirkungen müssen notgedrungen negativ sein. Außerdem wird München 2018 zum Beispiel vom Olympiapark nach der Bebauung nicht mehr viel übrig gelassen haben! So sieht das Olympische Erbe in Wirklichkeit aus.

In der Internet-Version der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war bereits 2007 über die Olympischen Winterspiele 2014 zu lesen, „dass Sotschi als Olympisches Erbe wohl vor allem eine zerstörte Landschaft hinterlässt“. So war es 2006 in Turin und 2010 in Vancouver, und so würde es 2018 auch in München und den beteiligten Alpengemeinden sein.

Am besten tritt man dieses Olympische Erbe gar nicht erst an bzw. schlägt es aus. Sonst läuft man Gefahr, dass man sich ruiniert.

Nachtrag April 2014: Simon Jenkins in The Guardian zu Rio 2016
Das Erbe des Erbes ist bittere Enttäuschung… Aktivisten des ‚Popular Committee for the World Cup and Olympics‘ behaupten, dass mehr als 170.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben wurden. Rio mag vielleicht nicht den Rekord von Peking bezüglich Vertreibung schlagen, wo 2008 von 1,5 Millionen umgesiedelten Menschen die Rede war, aber die Zahl hier steigt schnell“ (Jenkins, Simon, The World Cup and Olympics threaten to overwhelm Rio – yet there is time to create a sensation out of desaster, in The Guardian 23.4.2014).

Nachtrag März 2016: Rio 2016 – Olympisches Vermächtnis/Erbe entfällt
Claudio Catuogno beschäftigte sich mit den Sorgen der olympischen Segler bei Rio 2016 wegen der Gewässerverschmutzung in der Guanabara-Bucht: „Die Guanabara-Bucht ist 380 Quadratkilometer groß, das sind etwa zwei Drittel der Fläche des Bodensees. (…) Man muss manchmal daran erinnern, dass in Rio auch vor und nach den 17 olympischen Tagen Menschen leben. Junge Frauen, die schwanger sind, sich aber keine Moskitonetze leisten können. Fischer, deren Boote zu klapprig sind, um damit aufs offene Meer hinaus zu fahren, und die ihre Netze deshalb tagein tagaus in der giftigen Brühe auswerfen. Die Sorgen um Olympiasegler – so berechtigt sie sind – müssen ihnen ein wenig wohlfeil vorkommen. Wenn diese Menschen überhaupt etwas mit den Spielen verbindet, dann ist es ein Versprechen, das ursprünglich mal mit ihnen einherging: die Guanabara-Bucht um 80 Prozent sauberer zu machen. Das sollte das Vermächtnis der Spiele sein. Das Vermächtnis fällt leider aus. Zehn Millionen Menschen leben an der Bucht, 4,4 Millionen sind an ein funktionierendes Abwassersystem angeschlossen. Für den Rest eine Kanalisation und Kläranlagen zu bauen, wäre ein Projekt, das Jahrzehnte in Anspruch nimmt. So viel Zeit hatte das Internationale Olympische Komitee natürlich nicht, als es die Spiele 2008 an Rio vergab. Nun, man hätte wenigstens mal substanziell damit anfangen können“ (Catuogno, Claudio, Vermächtnis fällt aus, in SZ 1.3.2016).

Nachtrag April 2016: Olympisches Erbe zerschellt
In Rio de Janeiro brachten Meereswellen eine frisch eingeweihte Fahrradbrücke zum Einsturz: Sie war Teil eines Radweges, der eigens für Rio 2016 gebaut worden war. „Die Organisatoren sprechen gerne vom ‚olympischen Vermächtnis‘. Gut 100 Tage vor der Eröffnungsfeier steht fest, dass zu diesem Vermächtnis zwei tote Radfahrer gehören, die zur falschen Zeit auf der falschen Brücke waren.(…) Das größte Land Südamerikas treibt derweil wie ein herrenloses Schiff auf seine olympischen Festspiele zu. Niemand weiß so genau, wer tatsächlich ‚eventuellen Fehlern‘ in der Vorbereitung nachgeht. Und vor allem, wer dafür Sorge trägt, dass weitere Fehler verhindert werden. Die Mängelliste ist jedenfalls lang. Während Brasiliens Politik im Wachkoma liegt, verschärft sich die Wirtschaftskrise. Der Bundesstaat Rio, der unter anderem für Sicherheit, Verkehr und Gesundheit zuständig wäre, ist praktisch pleite. Die Behörden sind weit davon entfernt, die Zika-Epidemie in den Griff zu bekommen. In einigen bereits befriedeten Favelas wird wieder geschossen. Beim Testwettbewerb der Turner am vergangenen Wochenende fiel im Olympiazentrum immer wieder der Strom und damit die Ergebnisanzeige aus. Solche Probleme gibt es nicht nur in der Turnhalle. Angesichts des Zeitdrucks wurden bei zahlreichen Bauten offenbar Umwelt- und Sicherheitsauflagen großzügig ausgelegt. Jene Firma, die den eingestürzten Fahrradweg errichtete, ist auch am Bau einer Hochstraße beteiligt, um die Trabantenstadt Barra da Tijuca besser an Rios Zentrum anzubinden. Auch die geplante U-Bahn nach Barra, wo sich das Olympische Dorf befindet, ist noch nicht fertig. Es droht im August ein Verkehrschaos“ (Hermann, Boris, Ein Fehler, eventuell, in SZ 25.4.2016).

Nachtrag  August 2016: Olympisches Erbe Rio 2016 (I)
Boris Herrmann schrieb in der SZ zu Rio 2016: „Die dringlichere Frage ist, was zurückbleibt, wenn der Partytross wieder abzieht. Im olympischen Jargon ist in diesem Zusammenhang vom ‚Vermächtnis‘ die Rede, ein Begriff, der zu den größten Lügen des globalen Sportgeschäfts gehört. es wäre schlichtweg naiv zu glauben, dass sich Brasilien mit seinen Spielen aus dem Schlamassel ziehen kann. Solche Mega-Events sind für die Ausrichter keine Konjunkturprogramme und keine Entwicklungshilfe, sondern zunächst einmal ein teures Vergnügen. Ein Luxus, den man sich leisten können muss. Brasilien kann das eigentlich nicht“ (Herrmann, Boris, Olympische Verlierer, in SZ 3.8.2016).

Nachtrag Dezember 2016: Olympisches Erbe Rio 2016 (II)
„Unter dem Fachausdruck ‚olympisches Vermächtnis‘ wurden den Bewohnern der Stadt in den zurückliegenden Jahren allerlei Wunder versprochen: friedliche Favelas, ein besseres Nahverkehrsnetz, eine saubere Guanabara-Bucht oder auch vier neue Schulen – errichtet aus der temporären Handballarena. Zum Weihnachtsfest 2016 lässt sich in Sachen Wunderheilung von Rio bilanzieren: In den Favelas wird so viel gemordet wie seit Jahren nicht mehr. Der Verkehr hat sich für ein paar Privilegierte verbessert und für die breite Masse im besten Fall nicht verschlechtert. In der Bucht schwimmen weiter mehr Mülltüten als Speisefische. In den öffentlichen Schulen streikt das Personal. Und die Handballarena oxidiert seit der letzten Schluss-Sirene an Ort und Stelle vor sich hin“ (Herrmann, Boris, Das Vermächtnis des Känguruhs, in SZ 24.12.2016). Von 3604 Wohneinheiten des olympischen Dorfes in 31 Wohntürmen mit jeweils 17 Stockwerken waren Ende Dezember 2016 gerade 240 verkauft. Die als Luxuswohnungen angebotenen Wohneinheiten befinden sich in einem verwahrlosten Zustand. „Genau wie im Athletendorf sollen auch auf dem Gelände des Olympiaparks Luxuswohnungen für eine ’noble Elite‘ entstehen, mit Gärten ‚wie sie nur Könige kennen‘. So hat das jedenfalls Carlos Carvalho angekündigt, der größte aller Olympiasieger von Rio. Reich war er schon länger, aber dieses Mega-Sportfest hat ihn zu einem der reichsten Brasilianer überhaupt gemacht. Er ist 92 Jahre alt, langjähriger Sponsor der Wahlkampagnen von Rios Bürgermeister Paes sowie Chef der Firma Carvalho Hosken, die gemeinsam mit Brasiliens führendem Baukonzern Odebrecht den Olympiapark und das Athletendorf errichtete. Dafür ließ sich Carvalho zusichern, diese Orte hinterher ‚kommerzialisieren‘ zu dürfen. (…) Es wäre natürlich interessant zu wissen, was ‚Rio 2016‘ zu all dem sagt. Das lokale Organisationskomitee ist laut Carvalho Hosken noch bis zum 31. Dezember 2016 für den Betrieb und die Instandhaltung des Olympiadorfes zuständig. B. behauptet: ‚Die sind schon vor Wochen einfach abgehauen, weil sie kein Geld mehr haben’“ (Ebenda). Die Favelas wurden mit Bulldozern zerstört, die Bewohner vertrieben: Offiziell wurden 77.000 Bewohner Rios „umgesiedelt“. „Das IOC hat in seinem olympischen Jahresrückblick auch den nun abtretenden Bürgermeister Paes zitiert: ‚Wir haben ein fantastisches Vermächtnis für die Stadt geschaffen, das nur dank der Olympischen Spiele möglich war.‘ Denselben Paes haben zur selben Zeit brasilianische Staatsanwälte ins Visier genommen – wegen des konkreten Korruptionsverdachts beim Bau des olympischen Golfplatzes. Die Firma Odebrecht, die an nahezu allen Olympiabauten beteiligt war, steht wiederum im Zentrum des größten Schmiergeldskandals in der Geschichte Brasiliens. Der Bundesstaat Rio de Janeiro hat den Finanznotstand ausgerufen. Wer die versprochenen Schulen bauen soll, kann im Rathaus niemand sagen. Das Organisationskomitee meldet sich nicht mehr. Die Klos im Olympiadorf sind immer noch verstopft. Und der Immobilen-Mogul Carlos Carvalho ist der Meinung, das Zentrum von Rio gehöre der Elite, für die Armen sei der Stadtrand da. Viel mehr muss man über das olympische Vermächtnis nicht wissen“ (Ebenda).

Nachtrag Dezember 2016: Olympisches Erbe Rio 2016 (III)
„Kurz vor Weihnachten traf sich das Exekutivkomitee des IOC in Lausanne, um ein Resumée der Sommerspiele in Rio de Janeiro zu ziehen. Die Sitzung dauerte drei Tage. Es kam dabei heraus: Alles war richtig super an der Copacabana. Olympia habe ein ‚großartiges Erbe‘ hinterlassen, hatte IOC-Chef Thomas Bach bereits unmittelbar nach den Spielen gesagt. Was war mit Bach los? Auf welchem Planeten leben die? Rio ist pleite seit Olympia. Die Gewalt ist in die Favelas zurückgekehrt. Die Krankenhäuser sind in einem noch jämmerlicheren Zustand als vor den Spielen“ (Pfeil, Gerhard, Idole, in Der Sppiegel 1/30.12.2016).

Nachtrag Januar 2017 (I): Maracana-Stadion in Rio am Ende
„Das Maracanã ist das Herz der Fußballnation Brasilien, einst sollen 200.000 Zuschauer in dem Stadion Platz gefunden haben. Für die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 wurde das Maracanã für über 350 Millionen Euro umgebaut. Es ist eine moderne Arena geworden. Doch seit einigen Monaten verkommt das Stadion – und nun ist auch noch der Strom abgestellt worden, wegen unbezahlter Rechnungen. (…) Im August hatten hier die prachtvollen Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele stattgefunden. (…) Das Konsortium will das Stadion aber offenbar auch abstoßen, ein Interesse, die vorhandenen Schäden zu beheben, scheint nicht vorhanden zu sein. (…) Da viele Schäden nicht behoben worden seien und viele Plastiksitze im Stadion fehlen, weigert sich die Betreibergesellschaft, das Stadion wieder zu übernehmen. Der Rasen ist inzwischen vertrocknet. (…) Das Maracanã ist nur eine von mehreren Sportstätten, die nach den Olympischen Spiele in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Der Golfplatz hat Probleme, das Geld für die Unterhaltungskosten zusammenzubekommen. Außerdem haben vier Sportstätten im olympischen Park keine Betreiber gefunden“ (Strom im Maracana-Stadion abgestellt, in spiegelonline 27.1.2017; Hervorhebung WZ).

Nachtrag Januar 2017 (II): Rio am Ende
„Wo eben noch die olympische Eröffnungsfeier stattfand und vor nicht allzu langer Zeit ein WM-Finale gespielt wurde, verdorrt der Rasen, verschimmeln die Wände, blättert der Putz. Tausende Sitzschalen fehlen. Nun ist auch der Strom abgestellt. Die für 400 Millionen Euro frisch umgebaute Arena hat derzeit keinen Betreiber und niemand will sich darum kümmern. Mehrere Parteien, darunter der korruptionsumwitterte Baukonzern Odebrecht, die Landesregierung sowie das lokale Olympiakomitee „Rio 2016“ schieben sich gegenseitig die Schuld an dem Verfall zu. Eine Tochterfirma von Odebrecht hatte vor Jahren die Betriebslizenz erworben. Wegen der hohen laufenden Kosten will sie das Stadion aber loswerden. Nachdem im November der Zwischenmietvertrag mit den Olympiaorganisatoren ausgelaufen war, verweigerte Odebrecht die Rücknahme. Das Stadion sei in deutlich schlechterem Zustand als vor Olympia, hieß es. ‚Rio 2016‘ hat aber keine Mittel mehr, um die Reparaturarbeiten zu übernehmen. Auch der Eigentümer, das Land Rio de Janeiro, kann nicht als Betreiber einspringen. Es hat den finanziellen Notstand erklärt und noch ganz andere Sorgen. Beamte, Polizisten und Rentner warten zum Teil seit Monaten auf ihr Geld“ (Herrmann, Boris, Im Abseits, in SZ 16.1.2017).
„Nicht einmal sechs Monate nach den Olympischen Spielen sind die Stadt Rio de Janeiro und der gleichnamige Bundesstaat bankrott. Im Januar wurden die Zahlungen für Notunterkünfte und Pflegeheime eingestellt. Mehr als 100 soziale Einrichtungen, darunter auch einige von MISEREOR-Partnerorganisationen, sind von den radikalen Sparmaßnahmen betroffen. Ältere Menschen, Behinderte, Kinder und andere bedürftige Menschen sitzen wortwörtlich auf der Straße. (…) Die Tageszeitung US-Today berichtete in ihrer Internetausgabe vom 02.12.2016, dass in Rio durch Misswirtschaft, Korruption und Kosten zur Ausrichtung des Mega-Sportevents insgesamt ein Schuldenberg von mehr als 107 Milliarden Real, umgerechnet etwa 31 Milliarden Euro, aufgehäuft wurde. Nach einer Studie der Universität Oxford kostete allein die Austragung der Olympischen Spiele 4 Milliarden Euro, weitere Milliarden kommen für die Baumaßnahmen anlässlich der WM dazu. (…) Um die olympischen Sporttempel selbst ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Hoch bejubelt wurden die ambitionierten Nachhaltigkeitspläne von IOC und Präfektur, die vorsahen, den Olympiapark sowie andere Sportstätten in Freizeitparks, öffentliche Schwimmbäder und für die Bevölkerung zugängige Sporteinrichtungen umzuwandeln. Jetzt ist ausgerechnet das Maracana-Stadion, das Mekka des brasilianischen Fußballs, in die Schlagzeilen geraten. Braune, trockene Flecken breiten sich wie Pilze über den nicht gewässerten Rasen aus. Im ganzen Stadion staut sich der Müll, Sitzschalen verkommen in den Katakomben, der Putz fällt von den Wänden. Nach Berichten der britischen Zeitung ‚Sun‘ wurden mehr als 7000 Sitze entwendet. Stadionbetreiber und IOC liegen im Clinch. Der IOC hatte die Auflage, das Stadion so zu übergeben, wie er es vorgefunden hatte. Das ist nicht geschehen. Wenn es nicht einmal gelingt, das beliebteste Stadion Brasiliens in Stand zu halten, schließt sich die Frage an, wie man bei leeren Haushaltskassen die bei der Eröffnungsfeier der Olympiade emotional dick aufgetragene Nachhaltigkeit der vielen anderen Sportstätten umsetzen will? Die Olympischen Spiele in Rio laufen Gefahr, als Spiele der leeren Phrasen in die Geschichte einzugehen, die nicht den wirtschaftlichen Aufschwung, sowie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit fördern sondern stattdessen Gewalt, Armut und Ungleichheit in Brasilien weiter vorantreiben. IOC und FIFA müssen sich zunehmend Fragen über die Mitverantwortung für das Chaos nach den Spielen von Rio gefallen lassen“ (Kramer, Stefan, Rio de Janeiro steckt nach Olympia in tiefer Krise, in miserior.de 23.1.2017. Kramer leitet die MISERIOR Dialog- und Verbindungsstelle in Brasilia).
Zur Bildstrecke der verfallenden Sportstätten vom August 2016 in faz.net (20.2.2017): hier
Zur Bildstrecke in spiegelonline vom 19.3.2017: hier

Nachtrag Juli 2017: Die Schulden von Rio
Die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro sind mit ihrer Bitte um eine erneute millionenschwere Finanzhilfe beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gescheitert. (…) Die Organisatoren hatten sich einmal mehr an das IOC gewandt, weil die Stadt und das Bundesland Rio de Janeiro wegen leerer Kassen angesichts der Rezession in Brasilien ihren Zusagen in Höhe von über 26 Millionen Euro nicht nachkommen. (…) Erst vor Kurzem hatte die Ende März gegründete Verwaltungsbehörde für Olympisches Vermächtnis (AGLO) in Rio neue Kostensteigerungen an den Olympiastätten öffentlich gemacht. Der Olympia-Etat beläuft sich demnach heute offiziell auf 41,03 Milliarden Real, umgerechnet 11 Milliarden Euro. Die Spiele von Rio fanden von 5. bis 21. August vergangenen Jahres statt. Während Teile der für Olympia erschaffenen Infrastruktur auch nach den Spielen genutzt werden – etwa U-Bahn-Streckennetze und Buslinien – bleiben viele der teuren Sportstätten, die errichtet wurden, weitgehend verwaist. Zudem wurden weniger als zehn Prozent der Apartments aus dem Olympischen Dorf verkauft“ (Rio bleibt nach Olympia auf Millionen-Schulden sitzen, in spiegelonline 10.7.2017).

Vergleiche auch: White Elephants

Quellen:
Bewerbung Mini Bid Book, Sitzungsvorlage Nr. 08-14/V 03101, 11.11.2009
Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Konzept für umweltverträgliche und nachhaltige Olympische Winterspiele München 2018, Interner Entwurf zur Fachkommission „Umwelt“ am 24.3.2010, Deutsche Sporthochschule Köln, Öko-Institut
Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Umweltkonzept, Eckpunktepapier, München 2009
Hahn, Jörg, Viel Geld, verspieltes Erbe, in faznet 5.6.2007


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (274 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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