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Katar-Sport

 
Zuletzt geändert am 14.11.2017 @ 17:20

Erdöl und Erdgas
Katar ist inzwischen aufgrund der Erdöl- und Erdgasvorkommen das reichste Land der Welt mit einem Pro-Kopf-Einkommen von über 100.000 Dollar (Smoltczyk, Zand 12.3.2012; Augstein 30.4.2013). Es ist der größte Flüssiggas-Produzent der Welt. „Allein die Gasvorkommen reichen bei derzeitiger Förderung für mehr als 200 Jahre, die Ölförderung für knapp 100 Jahre“ (Bauchmüller 5.12.2012). – „Seine Erdgasvorkommen sind die drittgrößten der Welt und werden das Land noch geschätzte 225 Jahre beglücken. Alljährlich verdient das Emirat mit dem Verkauf seines verflüssigten Erdgases 30 bis 40 Milliarden Dollar“ (Augstein 30.4.2013).
Katar ist knapp halb so groß wie Hessen und hat 1,7 Millionen Einwohner, von denen nur ein Fünftel im Wüstenstaat geboren wurde (Mölter 16.1.2013). „Katar importiert neunzig Prozent aller nötigen Lebensmittel, die Vorräte reichen stets nur für eine gute Woche. Die Süßwasservorräte reichen gerade einmal für zwei Tage“ (Augstein 30.4.2013).

Intransparenz
„Katar hat ein Luxusproblem: Das kleine Emirat, gelegen auf einer Halbinsel an der Ostküste des Persischen Golfs, verdient so viel Geld mit der Ausbeutung der drittgrößten Erdgasvorkommen der Welt, dass der Emir kaum weiß wohin damit. Im Jahr 2005 gründete das Herrscherhaus daher einen Staatsfonds, die Qatar Investment Authority (QIA), deren Investitionsvolumen auf insgesamt 304 Milliarden Dollar geschätzt wird – Tendenz steigend. (…) So halten die Araber etwa Beteiligungen an Volkswagen, sind bei Siemens und dem Baukonzern Hochtief engagiert. Von der Deutschen Bank kauften sie ebenso Anteile wie von der Credit Suisse und der Bank of America, sie stiegen beim Schweizer Bergbauunternehmen Xstrata ein, beim französischen Ölkonzern Total und dem weltgrößten Rohstoffhändler Glencore. In London, wo die QIA nun für das Viertel Canary Wharf bietet, gehören dem Fonds 20 Prozent an der Flughafengesellschaft Heathrow Airports. In Frankreich übernahm Katar im Jahr 2011 die Kontrolle über den Fußballklub Paris Saint Germain. (…)
Katar zählt zu den größten ausländischen Investoren in Deutschland– die QIA hat hier 18 Milliarden Dollar angelegt. Dabei scheint es in Deutschland bislang kaum jemanden zu stören, dass die QIA Teil eines sehr intransparenten Staatsfonds ist, wie die Genfer Beratungsfirma Geo-Economica in einer im Oktober veröffentlichten Studie festgestellt hat“ (Krüger, Paul-Anton, Luxus-Probleme, in SZ 18.12.2015; Hervorhebung WZ).

Keine Demokratie
Katar ist keine Demokratie: Der Emir ernennt die Beratende Versammlung, und es gibt kein Wahlrecht.  In einer Studie von „Trade & Invest“ steht: „Die zentrale Rolle bei der Rechtsetzung befindet sich aber – wie bei anderen Ländern der Golfregion – in den Händen der Exekutive“ (Augstein 30.4.2013). „Der Lyriker Mohammed Ibn al-Dheeb wurde im November (2012; WZ) ohne Angaben von Gründen zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er hatte Spottverse auf die Herrscherfamilie verfasst und den Emir speziell durch ein Gedicht auf den Arabischen Frühling verärgert“ (Chimelli 25.6.2013).
„In der Reihe politisierender Dichter steht seit einiger Zeit auch ein Mann aus Katar, der vielleicht kein Büchner ist, aber sicher zu Unrecht in Haft sitzt. Mohamed al-Ajami hatte nach dem Aufstand 2011 in Tunesien geschrieben: ‚Im Angesicht der unterdrückerischen Elite sind wir alle Tunesien‘; er hatte sich lustig gemacht über die Scheichs und Islamgelehrten ‚mit ihren Playstations‘ – und ja, er hat auch den Herrscher des Emiras Katar ein bisschen beleidigt. Grund genug für ein Verfahren, bei dem zunächst ein Todesurteil drohte. Die lebenslange Haft, welche die Richter stattdessen verhängten, wurde dann noch abgeschwächt in 15 Jahre, Ausdruck großer Milde der Obrigkeit. (…) Anwalt Nuaimi, ehemals Justizminister in Doha, sagte, der Dichter habe einen Teil seiner Poesie überhaupt nur im Kreis von Freunden vorgetragen“ (Avenarius 2.4.2014).
Der Emir von Kuwait, Hamad bin Chalifa Al Thani, war der erste, der 2007 Sarkozy zur Wahl gratulierte. „Dann versorgte der französisch-deutsche Luftfahrtkonzern EADS Katar für 250 Millionen Euro mit Sicherheitssystemen“ (Kistner 2012, S. 304). – „Persönlich schützt sich der Emir durch eine Garde von mehreren hundert Mann. Die 10.000 Soldaten der Armee sind überwiegend ausländische Soldaten. Eine bessere Sicherungsgarantie  als sie bietet das Vorhandensein der größten US-Militärbasis im Nahen Osten“ (Chimelli 25.6.2013). Im Juni 2013 übergab Emir al-Thani seinem Sohn Tamim al-Thani die Macht

Al-Dschasira/Al Jazeera
Der Nachrichtensender Al-Dschasira (Al Jazeera) wurde 1996 vom Emir von Katar gegründet. Aktham Suliman, ein Journalist, der bei al-Dschasira im August 2012 gekündigt hat: „Vor dem Beginn des arabischen Frühlings waren wir eine Stimme des Wandels. Inzwischen ist al-Dschasira ein Propagandasender“ (Kühn,Reuter, Schmitz 9.2.2013). Den im Verlauf des arabischen Frühlings an die Macht gelangten ehemaligen Dissidenten schmeichelt Al-Dschasira. Im eigenen Land greift Scheich Chalifa al Thani durch: „Mittlerweile jedoch tut sich der Emir, der selbst autokratisch regiert und missliebige Journaisten auch mal einsperren lässt, bei seinem Lieblingsprojekt zunehmend schwer mit unabhängigen Geistern… Der Generaldirektor des Senders ist nun ein Verwandter des Emirs, ebenso der Chef des Verwaltungsrates. Die müssen offenbar politischen Vorgaben aus dem Palast folgen… also fanden beispielsweise die heftigen Proteste gegen das benachbarte  Regine in Bahrain – enge Verbündete des Emirs – auf al-Dschadsira so gut wie nicht statt“ (Ebenda).
Ein weiterer Grund: Katar war neben anderen Emiraten an der Niederschlagung des Aufstandes in Bahrain beteiligt. “Amnesty International spricht von Auspeitschungen und der Ausbeutung ausländischer Arbeitsmigranten. Der strenge Islam wahhabitischer Prägung ist auch in Katar Staatsreligion. Über die Niederschlagung der Protestbewegung im Königreich Bahrain, an der sich auch Katar beteiligte, wurde von al-Dschasira erst gar nicht berichtet” (Smoltczyk, Zand 12.3.2012).
Al Jazeera gründete 2013 eine US-Tochter mit zwölf amerikanischen Büros und 625 neuen Mitarbeitern. Der Katar-Sender warb berühmte Journalisten bei der US-Konkurrenz ab (Piper 25.7.2013). Der Stand August 2013: „Die Eigner des Senders, die Königsfamilie aus Katar, soll schon gut eine Milliarde Dollar in den amerikanischen Ableger gesteckt haben“ (Werner 23.8.2013). Der Erfolg bleibt aus: In der Hauptsendezeit schalten gerade einmal 15.000 Menschen ein; im April 2014 entließ Al-Jazeera fast hundert Mitarbeiter; und obwohl Time Warner Cable und AT&T das Programm ihren Kunden übertragen und Al-Jazeera damit fast 55 der 100 Millionen TV-Haushalte erreicht, schalten diese nicht ein (Werner 11.8.2014).

Sport-Aktivitäten von Katar

Der Politikmanager Richard Attias behauptet über Katar: „Das Land hat einen hochqualifizierten Masterplan und weiß genau, wo es hinwill. Und der Sport gehört zur DNA Katars“ (Ashelm 11.1.2013).
Das ist natürlich Unsinn: Wieso sollte der Sport „zur DNA Katars“ gehören? Er ist Mittel zum Zweck für den Emir: seinen politischen Einfluss auszubauen.
Deshalb kann man an dieser Stelle auch einen Blick auf die erstaunlichen Sportaktivitäten von Katar werfen. Denn das Sport-Engagement des autoritären Emirats Katar und seines Scheichs ist äußert auffällig.
Neben der Qatar Investment Authority (QIA) gibt es Qatar Diar, Qatar Gas und die Qatar Foundation, den Sportableger Qatar Sports Investments QSI (mit Laurant Platini) und das Sportsicherheitszentrum ICSS (Kistner 2012, S. 389).
– Katar unterstützte Sepp Blatter bei dessen Wahl zum Fifa-Präsidenten. Blatter besuchte im Dezember 1997 heimlich Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani in Katar: Thema war die Finanzierung von Blatters zwielichtigem Fifa-Präsidentschaftswahlkampf 1998. “Ich weiß nicht, was Blatter dem Scheich angeboten hat, aber ich wäre nicht schrecklich überrascht, wenn es in naher Zukunft eine Ankündigung der Fifa geben sollte, dass eines der vielen Turniere … in Katar abgehalten werden soll” (Yallop, David A., Wie das Spiel verloren ging, München-Düsseldorf 1998, S. 378).
– Katar gründete 2004 die Aspire Sport Academy
– Katar richtete die Asienspiele 2006 in seiner Hauptstadt Doha aus – mit 45 Nationen, 9520 Sportlern, 39 Sportarten und 46  Disziplinen.
– Zur WM 2022 (siehe auch unten): „Katar sponsorte Anfang 2010 den Kongress des Afrikaverbandes CAF in Angola. Ein klarer Bruch der Regeln: Das Emirat erhielt als einziger Bewerber Zugang zu Afrikas vier Fifa-Exekutivlern“ (Kistner 2012, S. 390). Der Versuch, auch den Kongress der Uefa zu sponsorn, scheiterte (Ebenda).
– Sportkongress im Dezember 2012 in Doha in der Aspire-Akademie, „der größten und teuersten Sporthalle der Welt“ (Ashelm 11.1.2013).
– Katar bewarb sich mit Doha vergeblich um Olympische Sommerspiele 2016.
– In Doha fand im Mai 2012 der Auftakt der Wettkampfserie “Diamond League” des Leichtathletik-Welt-Verbandes IAAF statt.
– Katar lud im Februar 2013 zur Sitzung der European Club Association (ECA), dem Zusammenschluss europäischer Fußballklubs; näheres hier. Katar übernahm sämtliche Kosten (Kistner 4.3.2013).
– Katar richtet die Kurzbahn-WM der Schwimmer 2014 aus.
– Katar richtet die Handball-WM 2015 aus. Katar versuchte, internationale Spieler zu einem Wechsel der Nationalität zu bewegen (Mölter 16.1.2013).
– Katar schloss einen Werbevertrag mit dem FC Barcelona ab: Von 2011 bis 2016 fließen insgesamt 165 Millionen Euro an den Fußballclub – für den Trikot-Aufdruck “Qatar Foundation”. Damit ist das Barcelona-Trikot das teuerste der Welt (Busse, Ritzer 28.4.2012). Kistner nannte 2012 die Summe von 250 Millionen Dollar: „Es ist der teuerste Sponsorvertrag der Fußballgeschichte“  (Kistner 2012, S. 389). Ab 2013 gibt es einen neuem Sponsor aus Katar. Da prangt wohl auf den Barcelona-Trikots das Logo von Qatar Airways: Das soll bis 2018 rund 170 Millionen Euro bringen (Ashelm 11.1.2013; vgl. Nachtrag 8). Interessant ist hier wiederum die Verbindung des Klubpräsidenten Sandro Rosell, dessen Agentur Bonus Sport Marketing beim Start des monumentalen Talentwettbewerbs der Aspire-Akademie an vorderster Linie beteiligt war. Die Qatar-Connection funktioniert“ (Ebenda).
– Katar bewarb sich mit Doha vergeblich um Olympische Sommerspiele 2020.
– Katar bekam den Zuschlag für die Fußball-WM 2022. Das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner lieferte dafür den erfolgreichen Masterplan für die Fußball-WM 2022 in Katar (gekühlte Fußballstadien bei Außentemperaturen von plus 45 Celsius!). Eingeplant wird auch die Konstruktion von Sitzplatz-reduzierbaren und komplett abbaubaren Fußballstadien; vgl. hier.
– Katar bewirbt sich um Olympische Sommerspiele 2024.
– Katar baute und organisierte das “Qatar Olympia and Sports Museum”.
– Katar finanziert die Ausstellung “Olympia, Kult und Spiele” im Berliner Gropius-Bau. Die anfangs kritisch geplante Ausstellung wird nun Olympia-freundlich: Die ursprünglich damit betrauten fünf Wissenschaftler werden von der Direktion hinauskomplimentiert. Es übernimmt der Direktor des “Qatar Olympia and Sports Museum”. “Der Eindruck, dass es sich bei der Ausstellung “Mythos Olympia – Kult und Spiele” um ein Projekt handelt, bei dem mit 30 Prozent Finanzierung durch den Bund in Wirklichkeit die Olympia-Bewerbung des Emirats Katar unterstützt wird, wurde heute nicht ausgeräumt. Er hat sich noch verstärkt” (Hessenland, Frank, Nicht auf Medaillenkurs, in dradio.de 13.2.2012). Für die Berliner ausstellung wird der Zeitraum 1896 bis heute ganz gestrichen und erst in Katar und Athen gezeigt.
– Katar kauft für 25 Millionen Euro den spanischen Fußball-Erstligisten FC Malaga.
– Der Formel-1-Rennstall Williams hat ein Technologiezentrum im Emirat Katar.
– Eine Immobilienfirma aus Katar kaufte das Olympische Dorf von London 2012. Verlust für den britischen Steuerzahler: 275 Millionen Pfund.

Qatar Sports Investments: French Connection
Die Qatar Sports Investments (QSI) kaufte im Frühjahr 2011 für weniger als 50 Millionen Euro die Aktienmehrheit des französischen Fußballclub Paris Saint-Germain PSG (Meiler 26.2.2013). Die Tourismusbehörde Katars schloss rückwirkend ab 2012 bis 2016 einen Werbevertrag: Er bringt PSG jährlich rund 200 Millionen Euro und könnte gegen die Financial-Fairplay-Regeln der Uefa verstoßen (Ashelm 11.1.2013). „Ausgestattet mit einem Finanzpolster von 300 Millionen Euro ist PSG jetzt die fünftgrößte Finanzmacht im europäischen Fußball“ (Dupré 22.1.2013).
QSI stellte 2011 Laurent Platini ein, den Sohn des Uefa-Chefs Michel Platini, der sich nach eigenem Bekunden für die Fußball-WM in Katar 2022 eingesetzt hat (Kistner 2012, S. 302). Der katarische Fernsehsender Al-Jazeera kaufte Anfang 2012 Übertragungsrechte an der französischen Fußballiga für 240 Millionen Euro. „Die Machtübernahme in Paris durch QSI ging einher mit dem Einstieg der Sportkanal-Kette beIN Sport im vergangenen Juni, einer Tochter der katarischen Gruppe Al Jazeera“ (Dupré 22.1.2013). Und Platinis Uefa vergab die Medienrechte aller Spiele der Uefa Europa League von 2012 bis 2015 an: Al-Jazeera (Kistner 2012, S. 305).
Der frühere Präsident Nicolas Sarkozy pflegte und pflegt enge Beziehungen zu Katar: „Vor drei Jahren erhielten qatarische Investitionen in französische Liegenschaften per Parlamentsbeschluss eine Steuerbefreiung“ (Ashelm 11.1.2013). Sarkozy hielt auch eine der Auftaktreden beim Sportkongress im Dezember 2012 in Doha (Ebenda).
Thomas Kistner listete noch auf: „Qatar Sports Investments hält rund 13 Prozent  am Lagardère-Konzern, der wiederum Anteile an der Amaury Sports Organisation (ASO) hält, die unter anderem die Tour de France veranstaltet. Das Haus Amaury ist Fifa-Partner beim größten Fußballereignis außerhalb des Rasens, der Spielerwahl des Jahres, dem Ballon d’Or. Lagardère besitzt zudem die Agentur SportFive, die viele Vermarktungsrechte der Uefa hält, auch am EM-Turnier 2012. Nun sitzt Platini junior auf oberster Ebene, aufgestiegen von Lagardère zur QSI – und kümmert sich um Europa. Europas oberster Fußballsachwalter ist der Herr Papa“ (Kistner 2012, S. 303).
Qatar Sports Investment – die „Geldverbrenner von PSG“ (Burkert 1.2.2013) hat bis Ende 2012 in PSG 250 Millionen Euro allein an Spieler-Ablösungen investiert; bis 2016 soll nochmal die doppelte Summe investiert werden (SZ 1.2.2013). Im Januar 2013 verpflichtete PSG den alternden Fußballer David Beckham  – vermutlich für Millionen (SZ 1.2.2013).

Fußball-WM im Wüstenstaat
Die Fußball-WM 2022 wurde unter dubiosen Umständen ausgerechnet an den heißen Wüstenstaat Katar vergeben. Bayern-Präsident Uli Hoeneß kommentierte diese Vergabe so: “Offensichtlich hat heutzutage nur noch eine Bewerbung Erfolg, wenn zusätzlich Zahlungen unter dem Tisch gemacht werden”  (Smoltczyk 25.5.2012). Katar will für die WM 2022 die unglaubliche Summe von 140 Milliarden Dollar investieren (Ebenda). Im Oktober 2012 regte der technische Berater des katarischen Verbandes, Ronald de Boer, eine Verlegung des Turniers in den Winter an (SZ 12.10.2012).
Und schon wird 2013 gebaut: „So fällt zum Beispiel auf, wie der Wüstenstaat im Höchsttempo die Vorbereitungen für eine WM antreibt, die erst in knapp einer Dekade stattfindet. Mit der flotten Vergabe von Milliardenaufträgen, aber auch mit der mutmaßlichen frühzeitigen Umstellung des internationalen Spielkalenders für eine Winter-WM am Golf lassen sich Fakten schaffen, die für den Fall, dass Katar dereinst doch verbotener Tricksereien überführt werden sollte, eine Aberkennung des Turniers unwahrscheinlicher macht. Es stünden nämlich schon jetzt Schadensersatzfragen in Milliardenhöhe im Raum und dazu offekundig bald auch eine sportpolitische Entscheidung, die dann umständlich revidiert  werden müsste“ (Kistner 4.3.2013).
„Neun neue Stadien sollen errichtet und schon vorhandene für den Besucheransturm umgerüstet werden. In Katar ist es heiß? Kein Problem, alle Stadien sollen überdacht und mit solarbetriebenen Klimaanlagen ausgestattet werden… Die Zuschauertribünen des Stadions, das die Reisenden besichtigen, sind eigens für sie gekühlt worden, wenn auch mit fossilen Brennstoffen. Diese ungeheure Energieverschwendung stört die Zuständigen nicht: Katar verbraucht pro Kopf sehr viel mehr Energie als die USA“ (Augstein 30.4.2013).

Nachtrag zu den Aktivitäten
– Zur Ausstellung “Mythos Olympia – Kult und Spiele”: Inzwischen verzichtet die Leitung ganz auf den umstrittenen zweiten Teil der sich mit den modernen Olympischen Spielen seit 1896 bis heute beschäftigen sollte. Offizielle Begründung: Dieser würde nicht rechtzeitig fertig werden. Der zweite Teil wird dann aber nach der Berliner Station in Doha und Athen gezeigt – außerhalb deutscher Einflussnahme (zeit.de 10.5.2012).
„Nachdem jedoch der Einwand laut geworden war, es gebe in Deutschland durchaus renommiertere (wenn auch nicht ganz so steinreiche) Experten zu diesem Thema, sagte der Gropius-Bau dem Emirat wieder ab und beschränkt sich nun auf Exponate der olympischen Antike“ (Herrmann 25.8.2012).
– Zur Bewerbung Olympische Sommerspiele 2020: Nach dem internationalen Diktaturenpegel hätten eigentlich Doha/Katar und Baku/Aserbaidschan die besten Chancen haben müssen. Im Fall von Katar sprach die klimabedingt notwendige Verlegung des Spieltermins dagegen, bei Baku wurden die mäßige Infrastruktur und die fehlende Erfahrung bei Großereignissen moniert. Madrid (3. Anlauf), Istanbul (5. Anlauf) und Tokio kamen für 2020 in die engere Wahl. In Wirklichkeit bedauerte das IOC diese Wahl eher. Madrid ist klamm, Istanbul bewirbt sich zeitgleich um die Fußball-EM 2020, und Japan ist von der Atomkatastrophe gebeutelt. Da sagt man finanziell potenten Kandidaten wie Katar ungern ab: Katar wird sich natürlich weiter um Olympische Sommerspiele bewerben (reuters.vom 15.11.2012).
Der Präsident und Eigentümer des AC Mailand, Silvio Berlusconi, möchte gern den Fußballclub zumindest zum Teil verkaufen, da er 80 Millionen Euro zur Verlustdeckung 2011 aufbringen musste. Aussichtsreichster Kandidat ist der Staatsfond von Katar, dem schon der französische Spitzenclub St. Germain gehört. Interessiert ist wohl auch der russische Oligarch Oleg Deripaska (SZ 13.10.2012).
– Die Paris Saint. Germain-Investoren aus Katar blätterten 45 Millionen Euro für den brasilianischen Fußballer Lucas Moura hin: Er spielt nun für PSG (Kistner 3.1.2013).
– Das katarische Projekt „Football Dreams“ ist das „gigantischste Talentprogramm der Welt“ und soll „der größte Talentwettbewerb der Geschichte“ werden (Ashelm 11.1.2013). Eine dreiviertel Million Jugendlicher aus Asien, Afrika und Südamerika werden getestet; die besten erhalten Stipendien, eine Fußball-Infrastruktur wird mitaufgebaut (Ebenda).

Das IOC, die internationalen Sportverbände und Katar
Das IOC stoppte die Bewerbung von Doha für olympische Spiele 2020. Für Jens Weinreich hat das IOC damit ein – unfreiwilliges – Signal gesetzt: „Das Aus für Doha darf als Kulturbruch verstanden werden. Es dient der Korruptionsbekämpfung. IOC-Präsident Rogge wollte Schlagzeilen verhindern, wie sie der Fußball-Weltverband (Fifa) machte, als er die WM 2022 nach Katar vergab. Etliche IOC-Mitglieder raunten Reportern zu: Wenn Doha zur Kandidatenstadt bestimmt worden wäre, hätte Katars Hauptstadt im September 2013 auch gewonnen. Geld für den Stimmenkauf auf allen Ebenen, meist getarnt als Entwicklungshilfe, ist Dank gewaltiger Gas- und auch Öl-Vorräte reichlich vorhanden“ (Weinreich 25.5.2012).

Friedhard Teuffel schrieb zu Katar und dem IOC: “Das IOC kann eben nicht leugnen, sich in autoritären Staaten doch ganz wohl zu fühlen. Dort wird ihm noch immer der Rote Teppich ausgerollt, und das Regime erfüllt bereitwillig alle olympischen Wünsche” (Teuffel, Friedhard, Wo Olympia sich wohl fühlt, in tagesspiegel.de 25.5.2012).
„Dass der deutsche IOC-Vize Thomas Bach flötete, Doha habe ‚Potenzial für die Zukunft‘, ist eher dem Umstand geschuldet, dass Bach auf der IOC-Session im Herbst 2013, wenn der Ausrichter gekürt wird, seinerseits als IOC-Präsidentschaftsbewerber in den Ring steigen dürfte“ (Catuogno 25.5.2012). – „Einige seiner Stimmen holt Bach stets in dieser Region, in der er auch Geschäfte macht“ (Weinreich 25.5.2012).
Schließlich ist Bach nicht umsonst seit 2006 auch Präsident der Arab-German Chamber of Commerce and Industry e.V.

Ein Beispiel: Klima-Gastgeber Katar wirft Kritiker raus
„Wer protestiert, fliegt raus: Klimagipfel-Gastgeber Katar hat Aktivisten, die ein Banner entrollten, des Landes verwiesen. Bei der Verhandlungsführung zeigt der Staat diese Härte nicht – dabei müssten sich die Ölstaaten am Golf dem Klimaschutz besonders verpflichtet fühlen.
Für Mohammed A. und Raied G. endete das Abenteuer Klimagipfel plötzlich. Die beiden jungen Männer aus Algerien und Libyen wurden von Uno-Sicherheitspersonal am Donnerstag dabei erwischt, wie sie im Kongresszentrum der katarischen Hauptstadt Doha ein Banner entrollten. Die Botschaft darauf war keine ungewöhnliche. Wie so viele Klimaaktivisten forderten sie die Weltgemeinschaft auf, nach zweiwöchigem Dauerpalaver endlich nennenswerte Fortschritte zu erzielen.
Da die Protestaktion jedoch nicht autorisiert war, büßten die beiden unabhängigen Aktivisten ihre Gipfelakkreditierung ein – und flogen hochkant aus dem Kongresszentrum. Aber damit nicht genug: Ohne Akkreditierung hatten sie auch kein Visum für Katar. Die beiden Männer mussten innerhalb von 24 Stunden das Land verlassen, Polizisten im Hotel sollten dafür sorgen, dass das auch passiert“ (Schindler, Seidler 7.12.2012).

Blatter von der Fifa und der Emir von Kuwait
Einer der ehemals engsten Kumpels von Fifa-Präsident Blatter, der Kuwaiter Mohamed Bin Hammam, fiel in Ungnade, weil er versucht hatte, gegen den Fifa-Paten 2011 Fifa-Präsident zu werden. Nun sollte Bin Hammam am 19.12.2012 beim Europarat vor dem Ausschuss für Kultur und Sport zu den korrupten Geschäftspraktiken der Fifa aussagen. Diesen Termn musste Bin Hammam leider absagen. Und das am so:
In der Woche zuvor flog Blatter mal eben so zufällig zum Emir von Kuwait, Hamad bin Chalifa al-Thani nach Doha. Da einigte man sich augenscheinlich. Und am 17.12.2012 gab die Fifa bekannt, dass ihre Ethikkommission Bin Hammam erneut lebenslang für jede Tätigkeit im Fußball gesperrt habe. Und am 17.12.2012 sagte Bin Hammam seinen Besuch beim Europarat ab. (Kistner 18.12.2012). “Nun versetzt sein jäher Rückzug, rechtzeitig vor der Europarat-Anhörung, die Fifa in die komfortable Lage, den Fall abzuhaken… Dass Bin Hammam dies urplötzlich nicht mehr tut, dürfte das Resultat der Blatter-Visite beim Emir sein” (Kistner 19.12.2012).
Da mögen der Fifa-Chefermittler, Michael Garcia und der Chef der Fifa-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, gestaunt haben, wie ihr Präsident die Dinge so regelt – und ganz ohne ihr Zutun!
Vermutlich hat Blatter zum Emir ein paar Andeutungen zur Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar gemacht: Und schon sprang der große Emir dem Fifa-Paten bei.

Nachtrag 1: Die Rallye Platini-Katar
Uefa-Präsident Michel Platini musste Ende Januar 2013 wieder einmal dementieren: „Zu glauben, dass meine Wahl für Katar 2022 aufgrund von Arrangements zwischen dem französischen Staat und Qatar getroffen wurde, ist nicht als reine Spekulation“ (faz.net 29.1.2013). Denn die französische Zeitung France Football hatte in einem Artikel namens „Katar-Gate“ genau darüber berichtet: „Platini habe auf Drängen das damaligen französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy dem Wüstenstaat die Stimme gegeben“ (Ebenda) – gegen Investitionen der Katarer im französischen Fußball. (Platinis Sohn Laurent  arbeitet zudem für die Qatar Sports Investments (QSI). Nun gehört France Football zum Amaury-Konzern, „der mit der Fifa den Weltfußballer des Jahres kürt“ (Kistner 31.1.2013).
Fifa-Präsident Sepp Blatter versucht gerade, über France Football seinen Kontrahenten Platini mit der Katar-2022-Vergabe abzusägen.
Beim Abendessen am 23.11.2010 im Élysée-Palast, neun Tage vor der WM-Vergabe,  empfing der damalige Präsident Sarkozy den Emir von Katar, Scheich Hamid Al Thani, sowie die damalige Klubführung von Paris Saint Germain (PSG) – und Platini, der das Abendessen nicht bestreitet, aber seine Stimme unabhängig für Katar abgegeben haben will: „Eines Tages wurde ich von Sarkozy eingeladen, da war auch der Premier von Katar dabei. Sarkozy hat mich aber nie gebeten, Katar meine Stimme zu geben“ (Kistner 31.1.2013).
Am 2.12.2010 gab die Fifa die Wahl Katars für die WM 2022 bekannt. „Inzwischen haben die Araber PSG gekauft und viele Stars wie Zlatan Ibrahimovic in die französische Hauptstadt geholt“ (faz.net 29.1.2013). Bis 2016 will die Katar-Tourismusbehörde QTA 600 Millionen Euro investieren (Kistner 31.1.2013), 150 bis 200 Millionen Euro pro Jahr (Meiler 26.2.2013). „Fly Emirates“ steht auf der Trikotwerbung, siehe unten.
Der ehemalige Vizepräsident der Fifa, Jack Warner, deutete schon 2012 an, dass die Katarer vier Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees mit umgerechnet 15 Millionen Euro bestochen hätten (Ebenda).

Nachtrag 2: Emirates, sportlich
Die Fluggesellschaft Emirates gehört der Herrscherfamilie des Emirates Dubai. Auch hier überraschen die sportlichen Investitionen:
„Emirates investiert rund 3,5 Prozent ihres Umsatzes jährlich in Werbung, davon rund die Hälfte in Sponsoring-Aktivitäten. Einer Umfrage zufolge kennen bereits 30 Prozent der Deutschen die Marke ‚Emirates, nachdem es die Fluggesellschaft im Jahr 2006 schaffte, anstelle der Heimatfluglinie Lufthansa die Partnerfluggesellschaft der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland zu werden. Sponsorenverträge existieren in folgenden Bereichen:

Nachtrag 3: Gewerkschaften erkennen in Katar Sklaverei.
Sharan Burrow, die Generalsekretärin des internationalen Gewerschaftsbundes ITUC, äußerte Ende März 2013 zur geplanten Fußball-WM 2022 in Katar: “Katar ist ein Sklavenhändler-Staat. Um die Infrastruktur zu bauen, werden wahrscheinlich mehr Arbeiter sterben als die 736 Fußballer, die bei der WM auf dem Rasen stehen werden” (Fußball-WM 2022: Wieder Wirbel um WM 2022 – Gewerkschaftsbund: Sklaverei, in sueddeutsche.de 27.3.2013; Hervorhebung WZ). Gründe: “Laut ITUC herrschen in Katar für Arbeiter menschenunwürdige Zustände. Das sogenannte Visa-Sponsoring ermögliche die Auferlegung von Zwangsarbeit, da die Reisepässe der ausländischen Hilfskräfte, die meist aus Nepal oder den Philippinen kommen, von den Arbeitgebern einbehalten werden. Auch seien oftmals versprochene Leistungen und Gehaltszahlungen nicht eingehalten worden. Die Arbeiter müssten zudem in schmutzigen, überfüllten Arbeitslagern leben” (Ebenda).

Nachtrag 4: Aus der Sport– und Rüstungswelt Katar
“Der Konzern Rheinmetall hat am Dienstag Details zum umstrittenen Panzerdeal mit Katar bekannt gegeben. In den Jahren nach 2014 sollen Kampfpanzer und Artillerie-Geschütze an das Emirat geliefert werden. Zwei Monate nachdem der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) über den Großauftrag für 62 Leopard-2 -Panzer und 24 Panzerhaubitzen berichtet hatte, nannte der Zulieferer Rheinmetall Details zu seinem Anteil an dem umstrittenen Geschäft. Demnach wird Rheinmetall wesentliche Teilsysteme und Dienstleistungen in einem Gesamtwert von etwa 475 Millionen Euro beisteuern. Die Auslieferungen an den Systempartner KMW seien für die Jahre 2015 bis 2018 geplant” (DPA, Rheinmetall nennt Zahlen, in SZ 19.6.2013).
Kleines Preisrätsel: Wem nützt der Katar-Wehr-Sport? Dienen die Rüstungskäufe a) dem Schutz der Bevölkerung, b) dem Schutz der herrschenden Kaste des Emirs, c) der Vorbereitung auf die Fußball-WM 2022?
Bitte senden Sie uns die richtige Lösung.

Nachtrag 5: Despotenwechsel in Katar.
Katars Emir Scheich Hamad Bin Chalifa übergab am 25. Juni 2013 die Macht an seinen Sohn Scheich Tamim. “Seit dem Morgen werden die Moderatoren auf Katars Nachrichtensender al-Dschasira nicht müde, den friedlichen Machtwechsel als Modell für die arabische Welt zu preisen. Dass die Macht dabei lediglich von einem absolutistisch regierenden Monarchen auf den nächsten übergeht, verschweigen sie” (Sydow, Christoph, Gernegroß II:, in spiegelonline 25.6.2013; der Emir hat schließlich al-Dschasira 1996 selbst gegründet). Scheich Hamad bin Chalifa hat 2010 die Fußball-WM 2022 nach Katar geholt. Auch sein Sohn ist Sportsfreund. “Der neue Emir Tamim – zweiter Sohn von Hamad und seiner Zweitfrau Scheicha Mosa – hat dieses Engagement im Weltsport maßgeblich mit vorangetrieben. Schon seit 2002 sitzt er im Internationalen Olympischen Komitee, damals war er gerade 22 Jahre alt. Als Chef des Nationalen Olympischen Komitees und designierter Thronfolger hatte er großen Anteil daran, Großereignisse wie die Handball-WM 2015, die Rad-WM 2016 und die Fußball-WM 2022 an den Golf zu holen. Bis 2030, so sieht es der nationale Masterplan vor, soll Doha die Welthauptstadt des Sports werden” (Ebenda).
Michael Stephens, Wissenschaftler am Royal United Services Institute in Doha, sagt: “Die halbe arabische Welt hasst Katar” (Ebenda). – „Ein Land, das Pressefreiheit predigt und einen Dichter wegen kritischer Verse zu lebenslanger Haft verurteilt“ (Ebenda). – “Demonstranten in Libyen und Ägypten verbrennen inzwischen nicht mehr amerikanische und israelische Flaggen, sondern das rot-weiße Banner des Golfstaats. Viele Libyer und Ägypter machen Emir Hamad für die Islamisierung ihrer Gesellschaften verantwortlich. Katar gilt als Hauptfinancier der Muslimbrüder in diesen Ländern. Der islamistischen Regierung in Kairo hat das Emirat Kredite in Höhe von acht Milliarden Euro zur Verfügung gestellt” (Ebenda).

Nachtag 6: Al-Jazeera America
Seit 20.9.2013 ist der amerikanische Ableger von Al Jazeera aus Katar auch in den USA empfangbar. 900 Mitarbeiter sollen 14 Stunden Nachrichten täglich senden. Ob die Amerikaner das Angebot annehmen, ist unklar: „Schließlich haben es viele dem Sender nicht verziehen, dass er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 fast ungefiltert Al-Qaida-Videos sendete“ (Werner 20.8.2013). Inzwischen hat der Sender seine anfängliche Unabhängigkeit von Katars Königshaus komplett eingebüßt. Der Qualitätskontrolleur Aref Hijjawi: „Derjenige, der die Party schmeißt, wählt die Musik aus“ (Avenarius 2.5.2014). – „Und die Katar-Party gibt das Herrscherhaus“ (Ebenda).

Nachtrag 7: 96 Millionen Euro für drei Jahre
Der FC Barcelona kassiert 96 Millionen Euro von Qatar Airways von 2013 bis 2016 – plus einen Bonus für den Gewinn der Uefa Champions League von fünf Millionen Euro (Barcelona kassiert fast 100 Millionen für Trikotwerbung, in spiegelonline 27.8.2013).

Nachtrag 8: Katar-Sklaven
Pete Pattisson berichtete im Guardian über die Arbeitssklaven, welche Katars FußballSportstätten für die WM 2022 errichten: Wie die nepalesische Botschaft in Doha feststellte, starben zwischen 4. Juni 2013 und 8. August 2013 mindestens 44 nepalesische Arbeiter, mehr als die Hälfte durch Herzattacken, Herzversagen oder Arbeitsunfälle. Arbeiter berichteten, dass ihnen der Zugang zu Trinkwasser verweigert wurde – bei bis zu 50 Grad Celsius. Viele Nepalesen berichteten, dass sie seit Monaten nicht bezahlt wurden, damit sie nicht weglaufen. Ram Kumar Mahara (27) berichtete, dass sie 12 Stunden durcharbeiten mussten und dann die ganze Nacht keine Nahrung bekommen hätten – 24 Stunden Hunger: “Als ich mich beschwerte, beleidigte mich mein Vorarbeiter und schmiss mich aus dem Arbeitslager, in dem ich lebte und weigerte sich, mir irgendetwas zu bezahlen. Ich musste bei anderen Arbeitern um Nahrung betteln” (Pattisson, Pete, Revealed: Qatar’s World Cup ‘slaves’, in theguardian.com 25.9.2013).
Viele Arbeiter haben riesige Schulden bei nepalesischen Arbeitsvermittlern. Die Pässe der Arbeiter werden an einigen Baustellen routinemäßig eingezogen, ohne dass ID-Cards ausgestellt würden: Damit werden diese Arbeiter zu illegalen Ausländern. Maya Kumari Sharma, nepalesische Botschafterin in Katar, bezeichnete das Emirat kürzlich als “offenes Gefängnis” (Ebenda).
Katar will im Rahmen der FußballWM 100 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investieren: 20 Milliarden Dollar in neue Straßen, 4 Milliarden Dollar in einen Causeway zwischen Katar und Bahrain, 24 Milliarden Dollar für ein Hochgeschwindigkeitsnetz, dazu 55.000 Hotelzimmer (Ebenda).
Katar hat über 90 Prozent Anteil an ausländischen Arbeitskräften; Nepalesen stellen 40 Prozent. 2012 verließen über 100.000 Nepalesen ihr Land, um nach Katar zu gehen. Eines der ärmsten Völker der Welt (Nepalesen) wird von einem der reichsten Völker ausgebeutet – für das populärste Sportturnier der Welt (Ebenda).
Umesh Upadhyaya, der Generalsekretär der Vereinigung nepalesischer Gewerkschaften, sagte: “Jeder spricht über die Auswirkungen von Katars extremer Hitze auf ein paar hundert Fußballer. Aber alle ignorieren Elend, Blut und Schweiß der tausende ausländischer Arbeitskräfte, welche die Weltcup-Stadien bauen – in Schichten, die acht mal so lang wie ein Fußballspiel dauern können” (Ebenda. Vergleiche auch: Katar soll Arbeiter wie Sklaven halten, in spiegelonline 26.9.2013.  Die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Sharan Burrow, hatte bereits im März 2013 im Interview mit der Bild-Zeitung geäußert,, Katar sei ein “Sklavenhändler-Staat. Um die Infrastruktur zu bauen, werden wahrscheinlich mehr Arbeiter sterben als Fußballer bei der WM auf dem Rasen stehen werden” (“Moderne Sklaverei”, in SZ 27.9.2013). Und Besserung ist laut Burrow nicht in Sicht, wie sie im September 2013 feststellte: „Die katarischen Behörden tun in dieser Sache nichts, was Substanz hat“ (Ebenda). Azfar Khan vom UNO-Gremium Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stellte daraufhin fest, dass Katar bei der Umsetzung der Konvention gegen Zwangsarbeit versage, die Katar 2007 unterschrieben hat. „Die Kritik Khans hat Gewicht, da der ILO-Experte während der vergangenen zwei Jahre Katar eng begleitet hat“ (Uno wirft Katar Versagen beim Kampf gegen Zwangsarbeit vor, in spiegelonline 27.9.2013). Brandan Schwab ist Asien-Chef der Fifpro, dem Dachverband der Fußballer-Gewerkschaften und sagte dem Guardian: „Wenn die Berichte stimmen, muss der Fußball reagieren“ (Ebenda). Derzeit sind 1,2 Millionen ausländische Arbeiter in Katar; im Lauf der WM-Vorbereitung sollen noch einmal 500.000 hinzukommen (Ebenda). „Die Fifa teilte zunächst via Twitter mit, sie sei ’sehr besorgt'“ (Gewerkschaft berichtet von Hunderten Toten bei WM-Vorbereitungen in Katar, in sueddeutsche.de 26.9.2013).
Zum Artikel von  Matteo Fagotto und Matilde Gattoni: GastarbeiterInnen in Katar – „Herzfehler“ auf der Baustelle in der WOZ 35/28.8.2014: hier

Nachtrag 9: Katar und der Handball-Pharao
Die Internationale Handball-Föderation (IHF) vom „Pharao“ Hassan Moustafa kassiert für die Übertragungsrechte von 2014 bis 2017 rund 100 Millionen Schweizer Franken (rund 81 Millionen Euro) – vom katarischen Sportableger von Al Dschazira, beIN Sports. General Manager von beIN Sports ist Nasser Ghanim Al-Khelaifi, der auch seit 2011 Präsident des Fußballklubs St. Germain Paris (PSG) mit dem Mehrheitseigner Qatar Sports Investment ist (Eggers, Erik, Der Scheich liebt Handball, in faz.net 27.2.2014). Dazu findet im Januar 2015 in Doha die Handball-WM statt: Hierfür wurden drei neue Arenen für über 200 Millionen Euro gebaut. Das verstärkt den Vorwurf gegen Katar: „Der Staat am Persischen Golf wolle den internationalen Sport kaufen“ (Ebenda).

Nachtrag 10: Katar in Ascot
Bis zum Sommer 2014 war beim Pferderennen in Ascot keinbe Werrbung zugelassen. Bis Qipco kam, eine Holding, die der Herrscherfamilie aus Katar gehört. Qipco wird mit seinen Schriftzügen am ersten Tag auf der Royal-Ascot-Rennwoche zu sehen sein (Werbekönige aus Katar, in Der Spiegel 10/1.3.2014).

Nachtrag 11: Deutscher Chef des Gewerkschaftsbundes gegen Katar
Besonders berüchtigt ist das in Katar und anderen arabischen Staaten geltende „Kafala-System“, wonach jeder ausländische Arbeitnehmer einen einheimischen „Bürgen“ braucht, ohne den er quasi das Land nicht mehr verlassen darf. Der Bundesvorsitzende des DGB, Michael Sommer, äußerte dazu: „Unsere Befürchtungen, was das Regime in Katar betrifft, bestätigen sich voll. Man muss Katar die WM 2022 entziehen, wenn sie an dem Kafala-System, das an Sklaverei grenzt, festhalten“ (Kistner, Thomas, Zwei Millionen an die Familie, in SZ 19.3.2014).
„Katar ist nach Luxemburg das reichste Land der Welt, aber ein Arbeiter aus Nepal darf dort nur mit 300 Euro im Monat rechnen. Damit er diese Arbeit bekommt, muss er zudem 1000 Euro Vermittlungsgebühr zahlen, er wird morgens um halb fünf zur Arbeit abgeholt und abends um sieben zurückgebracht in ein Zimmer, das er sich mitunter mit 25 Mann teilt. Der Lohn wird mal ausgezahlt, mal nicht; und schließlich gibt es das Kafala-System, das Arbeitgebern die Verfügungsgewalt über die Pässe ihrer Untergebenen sichert. Womit Letztere zu nichts anderem als zu Zwangsarbeitern werden. Sklavenähnlich gehaltene Wanderarbeiter hat Michael Sommer, der deutsche Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), dazu gesagt. Manchmal übertreiben Gewerkschafter ja. In dem Fall ist es eine präzise Formulierung. (…) Das Organisationskomitee verweist auf eine Arbeiter-Charta, die es angeblich entworfen und mit internationalen Arbeitsorganisationen sowie Amnesty International und Human Rights Watch besprochen hat. Wenn man bei den Organisationen nachfragt, haben einige von einer Charta noch nie etwas gehört. Es gibt nur ein Papier, das die Qatar Foundation eine Stiftung der Familie des Emirs im April 2013 vorgestellt hat. Es enthält Vorschriften zu Ausbildung, Arbeitszeiten, Transport, Urlaub, Unterkünften. Die 51 Seiten lesen sich zunächst recht imponierend; sogar, dass der Weg zur Toilette maximal zehn Meter sein darf, ist dort geregelt. In Wahrheit ist dieses Papier ein Wisch. Es soll in der Welt einen seriösen Eindruck machen, mehr nicht“ (Esslinger 28.1.2014).

Nachtrag 12: Katar + Kafala = Sklavenhaltung
Besonders berüchtigt ist das in Katar und anderen arabischen Staaten geltende „Kafala-System“, wonach jeder ausländische Arbeitnehmer einen einheimischen „Bürgen“ braucht, ohne den er quasi das Land nicht mehr verlassen darf.
Tim Röhn hat in der Welt den aufschlussreichen Artikel „Rote Karte“ geschrieben. Ein Auszug daraus: „In Katar hat das Kafala-System Gültigkeit. Das ermöglicht es Firmenbossen, ihre Angestellten wie Leibeigene zu behandeln. Nicht der Staat registriert die Ausländer, sondern das katarische Unternehmen, das als Arbeitgeber fungiert. Die Firma, genannt Sponsor oder Kafeel, entscheidet darüber, wann ein Arbeitnehmer ausreisen und ob er den Arbeitgeber wechseln darf. Kurzum: Ein Mensch liefert sich einem anderen Menschen aus. Laut einer Studie der Universität Doha aus dem vergangenen Jahr mussten 90 Prozent der Billigarbeitskräfte ihren Reisepass abgeben, nur etwas mehr als die Hälfte bekam von ihrem Sponsor – wie gesetzlich vorgeschrieben – eine Krankenversicherungskarte ausgehändigt. 21 Prozent der Befragten gaben an, ‚manchmal, selten oder nie‘ pünktlich bezahlt zu werden. Die Arbeitsverträge haben in der Regel eine Laufzeit von zwei Jahren, vorzeitige Kündigung ausgeschlossen. Wer seinem Sponsor davonläuft, macht sich in Katar eines Verbrechens schuldig und wird zur Fahndung ausgeschrieben“ (Röhn, Tim, Rote Karte, in Die Welt 23.3.2014).
Der Bundesvorsitzende des DGB, Michael Sommer, äußerte dazu: „Unsere Befürchtungen, was das Regime in Katar betrifft, bestätigen sich voll. Man muss Katar die WM 2022 entziehen, wenn sie an dem Kafala-System, das an Sklaverei grenzt, festhalten“ (Kistner, Thomas, Zwei Millionen an die Familie, in SZ 19.3.2014).

Nachtrag 13: Katar-Millionen nach Paris
Eigentlich gibt es bei der Uefa das „Financial Fair Play“, das einen Finanzrahmen mit einer Schuldenbremse vorgibt. Michel Platini als Präsident der Uefa muss nun eventuell gegen den Fußballklub Paris St. Germain (PSG) ermitteln lassen: Dieser „verdankt sein erstaunliches Comeback ja einer Pipeline voller Petrodollar, die der Wüstensprengel Katar bereitstellt. Neunstellige Fantasiebeträge für absurde Werbeleistungen werden da verrechnet“ (Kistner, Thomas, Modellfall Paris, in SZ 8.4.2014). Die Gegenleistung ist lau: „QTA, das Touristen-Werbebüro für Katar, überweist jährlich 200 Millionen Euro an die Franzosen, um Werbung für einen Urlaub im Wüstensand zu betreiben. (…) Der Verdacht liegt nahe, dass der von der katarischen Investmentgruppe QSI kontrollierte Pariser Klub mit diesem Sponsoren-Vertrag die 45 Millionen Euro Schulden, die er in dieser und der nächsten Saison noch machen darf, finanzieren möchte“ (SID, Strafe angedroht, in SZ 8.4.2014). Besonders pikant für Platini: „Der Klub hängt am Finanztropf von Katar, das wiederum Platinis Sohn beschäftigt und auch sonst Papas hohe Gunst genießt: Platini hat die WM 2022 nach Katar gewählt“ (Kistner 8.4.2014). – „Frankreichs Vorzeigeklub ist vollgetankt mit Katars Gas-Millionen“ (Kistner, Thomas, Ich! Nein, ich! in SZ 5.4.2014).
Katar verdoppelt also PSG-Umsatz. Katar übernahm PSG im Sommer 2011. „Im zweiten Jahr schon investierte Katar 144 Millionen Euro in neue Spieler; der gesamte Rest der Ligue 1 wandte damals 15 Millionen auf. (…) PSG setzt jetzt 400 Millionen Euro im Jahr um. (…) Die katarische Tourismusbehörde QTA, wie QIA (katarischer Staatsfonds; WZ) ein Arm des katarischen Staates, pumpt jährlich 200 Millionen in den Verein“ (Meiler, Oliver, Schaufenster der Scheichs, in SZ 2.4.2014).

Nachtrag 14: Katar-Pferdesport
Neue Tendenz: Reiche aus Vorderasien oder Osteuropa kaufen für Millionen auf dem westeuropäischen Pferdesportmarkt die erfolgreichsten Pferde, die dann unter ungenügend qualifizierten Reitern verlieren. Einer dieser Fälle ist das Pferd Bella Donna, das Meredith Michaels-Beerbaum und einer amerikanischen Unternehmerfamilie gehörte: Um die  Jahreswende 2013/14 wurde Bella Donna für sechs bis acht Millionen Dollar nach Katar verkauft. „Kurz vorher hatte ein Milliardär aus der Ukraine öffentlich fünf Millionen Euro für Bella Donna geboten. Zu wenig. Diesen Fehler machten die Interessenten aus Katar nicht. In gummiweichem Englisch warfen sie jetzt mal andere Summen über den Tisch. Wenig später war Bella Donna verkauft. An eine der reichsten Mannschaften im internationalen Wettbewerb, finanziert von der Armee von Katar“ (Hertreiter, Laura, Ausverkauft, in SZ 7.7.2014). – „Zu Turnieren im Ausland wird sie mit eigenem Flugzeug geflogen, gemeinsam mit den anderen Pferden des Teams. Unter anderem mit einem fuchsfarbenen Wallach aus der Schweiz namens Palloubet D’Halong. Er gilt als das bislang teuerste Springpferd der Welt – mehr als 13 Millionen Euro soll die Armee bezahlt haben. Bella Donnas Preis wird von Fachleuten auf eine Summe zwischen sechs und acht Millionen geschätzt – für ein Pferd, das ab dem zehnten Lebensjahr mit jeder Saison an Wert verliert (…)  Für erfolgreiche Pferde aus Deutschland wird gerade so viel Geld ausgegeben wie nie zuvor. Innerhalb weniger Monate wechselten vier der besten deutschen Springpferde in die USA, die Ukraine und nach Katar (…) Vor wenigen Jahren investierte Saudi- Arabien aus einem Fonds rund 50 Millionen in den Kauf von Pferden und gewann bei den Olympischen Spielen in London Bronze. Katar will Ähnliches schaffen, drei Teams trainieren für den Spitzensport“ (Ebenda). – „Das Team der Ukraine etwa wurde vom Erdgas-Milliardär Alexander Onitschenko aufgebaut. ‚Reit-Abramowitsch‘ tauften ihn die Medien, nachdem er 2005 begonnen hatte, Pferde, Reiter, Trainer und einen Turnierstall in Niedersachsen zusammenzukaufen. Die Mannschaft landete nur ein Jahr später bei der WM in Aachen aus dem Nichts auf dem vierten Platz. Mit zwei deutschen, zwei belgischen Reitern sowie einem aus der Schweiz – alle rasch ausgestattet mit ukrainischen Pässen. Vor einigen Monaten kaufte Onitschenko den Erfolgshengst aus dem Emsland. Dessen Reiter engagierte er als neuen Trainer. Mit seinem Fünf-Millionen-Gebot für Bella Donna aber blitzte er ab“ (Ebenda).

Nachtrag 15: Katar-Kontrolleure verschwunden
Die Organisation Global  Network for Rights and Development (GNRD) gab bekannt, es seien zwei Briten „nach Begutachtung der Arbeitsverhältnisse auf den Baustellen der WM-Stadien für 2022 verschwunden und möglicherweise festgenommen worden“ (Kontrolleure verschwunden, in SZ 5.9.2014). Die katarische Regierung bestätigte, dass die zwei Briten am 31.8.2014  festgenommen wurden und etwa eine Woche in Haft waren (Wieder frei, in SZ 10.9.2014). – „Katars Regierung hatte am vergangenen Sonntag die umstrittene Verhaftung mit einwöchiger Verzögerung bestätigt. Als Begründung nannte das Außenministerium Verstöße der Festgenommenen gegen nationale Gesetze“ (Katar lässt britische Menschenrechtler frei, in spiegelonline 9.9.2014).

Nachtrag 16: Emir Tamim Bin Hamad al-Thani in Berlin
Katar ist nicht nur an Hochtief, Volkswagen und der Deutschen Bank beteiligt. Es bezog im ersten Halbjahr 2014 von der deutschen Rüstungsindustrie Waffen im Wert von 635 Millionen Euro, darunter 62 „Leopard“-Kampfpanzer und 24 Panzerhaubitzen. Katar bestreitet, den „Islamischen Staat“ (IS) zu unterstützen. Zweifelsfrei unterstützt das Emirat aber die palästinische Hamas. Heikel: „Katar ist einer der weltgrößten Produzenten von Flüssiggas. Weil Deutschland intensiv nach Alternativen zum Erdgas aus Russland sucht, ist ein gutes Verhältnis zu dem Golfstaat auch energiepolitisch wichtig“ (Gebauer, Matthias, Sydow, Christoph, Der zwielichtige Scheich besucht Berlin, in spiegelonline 17.9.2014). Der Emir zur WM 2022: „Wir sind verwundert darüber, dass einige glauben, wir hätten die Ehre der Fußball-Weltmneisterschaft nicht verdient“ (Balser, Markus, Die Wut des Emirs, in SZ 19.9.2014).

Nachtrag 17: WM 2022 in Katar – oder nicht
Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, ist auch Vorsitzender der European Club Association (ECA), welche die Interessen der europäischen Fußballvereine gegenüber Fifa, Uefa und der europäischen Politik vertritt. Eine Verlegung der WM 2022 muss eng mit der ECA in Genf aufgrund der Spielpläne auf Widerstand. Die Fifa schließt eine Verlegung auf Januar und Februar 2023 grunsätzlich aus: „Katar habe den Zuschlag für 2022 bekommen, deshalb müsse das Turnier entweder zu Beginn oder am Ende jenes Jahres stattfinden“ (Teevs, Christian, Rummenigge warnt vor Winter-WM, in spiegelonline 9.9.2014). Anfang 2022 finden die Olympischen Winterspiele statt: „Die Fifa dürfte sich kaum mit dem IOC anlegen und eine Überschneidung riskieren“ (Ebenda). Das deutsche Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, Theo Zwanziger, hält eine WM 2022 in Katar für eher unwahrscheinlich. So gefährde die Hitze nicht nur die Spieler, sondern auch die Fans. „Der erste lebensbedrohliche Vorfall würde sofort zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen führen. Das würde niemand im Fifa-Exko verantworten wollen“ („Die WM wird nicht in Katar stattfinden“, in spiegelonline 22.9.2014). Die Fifa deklarierte Zwanzigers Aussagen als „persönliche Meinung“ (Ebenda).

Nachtrag 18: Nordkorea, Blatter, Katar und der Sklaven-Sport
„Tausende von Wanderarbeitern aus Nordkorea schuften seit Jahren auf Baustellen in Katar – praktisch ohne Bezahlung. Sie werden in den neuen Vierteln eingesetzt, die 2022 das Herzstück der umstrittenen Fußball-WM bilden sollen. Nach einem Bericht des ‚Guardian‚ sind die Männer so etwas wie ’staatlich geförderte‘ Sklaven. ‚Wir sind hier, um Devisen für unsere Nation zu verdienen‘, sagte ein nordkoreanischer Arbeiter der Zeitung. (…) In der weitläufigen Baustelle von Lusail City, wo die Nordkoreaner eingesetzt werden, nördlich der Hauptstadt Katar, seien vier Großbaustellen, sagte ein nordkoreanischer Arbeiter. In der Planstadt soll 2022 auch das WM-Finale stattfinden. (…) Aidan McQuade, Direktor von Anti-Slavery International, der ältesten Menschenrechtsorganisation der Welt, sprach von ‚moderner Sklaverei‘. Schätzungen zufolge arbeiten in Katar mehr als 3000 Nordkoreaner“ (Nordkoreaner schuften als Staats-Sklaven auf Baustellen, in spiegelonline 8.11.2014; Hervorhebung WZ). Weltweit sollen über 65.000 Nordkoreaner als Sklaven arbeiten, vornehmlich in Russland (WM 2018???), China, Mongolei und dem Mittleren Osten (Pattisson, Pete, North Koreans working as ’state-sponsored slaves‘ in Qatar, The Guardian 7.11.2014).

Nachtrag 19: Der Sport ist „unpolitisch“
Die Kurzbahn-WM im Schwimmen findet vom 3.-7.12.2014 in Doha/Katar statt. Ägypten hat seine Mannschaft zurückgezogen, weil Katar die Moslem-Bruderschaft unterstützt. Am ersten November-Wochenende hatten bereits die Vereinigten Emirate ihr Handballteam von der Handball-WM 2015 in Katar zurückgezogen (Krüger, Paul-Anton, Mölter, Joachim, Abberufen aus Doha, in SZ 13.11.2014). Die Internationale Handball-Föderation (IHF) steht vor der Schwierigkeit, dass der Zweit- und der Viertplatzierte der Asienmeisterschaft zurückgezogen haben. Südkorea würde als Fünftplatzierter nachrücken. Der sechstplatzierte wäre Saudi-Arabien, auch ein Gegner der Politik Katars, wie der Nächstplatzierte, das Sultanat Oman. Am 21.11.2014 will die IHF das Procedere entscheiden.
IHF-Präsident und Handball-„Pharao“ Hassan Moustafa aus Ägypten gerät nun in Schwierigkeiten: „Erst im Frühjahr unterzeichnete er einen globalen Fernsehvertrag mit der Al-Jazeera-Tochter beIN Sports, welcher der IHF ist 2017 angeblich rund 81,5 Millionen Euro einbringt“ (Ebenda).

Nachtrag 20: Katar gewinnt Leichtathletik-WM
Der Weltverband für Leichtathletik (IAAF) hat am 18.11.2014 die WM 2019 an Katar vergeben. Im Vorfeld hatten Amnesty International und Human Rights Watch angesichts der menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter in Katar protestiert (Gernandt, Michael, Erneut fette Beute, in SZ 19.11.2014). Wie kam es zur Vergabe nach Katar? „Doha offerierte ein Sponsorenpaket in zweistelliger Millionenhöhe und eine Spende für Kunststoffbahnen zugunsten des IAAF-Entwicklungsprogramms“ (Ebenda). Genauer: 30 Millionen Dollar (24 Millionen Euro) kommen von einer Bank aus Katar, die damit IAAF-Sponsor  wird. Sieben Millionen Dollar (5,5 Millionen Euro) gehen in das Kunststoffbahn-Programm (Rowbottom, Mike, IAAF claim Doha’s $37 million offer in 2019 World Championship bid was legal and within guidelines, in indsidethegames.biz 20.11.2014). – „Die Katarer hatten auf den letzten Drücker auch ein attraktives sogenanntes ‚incentive‘ – einen nicht nur in der IAAF üblichen Extraanreiz – ausgelobt. Ein auf fünf Jahre angelegtes Sponsoringpaket mit einem Volumen von rund 30 Millionen US-Dollar sowie das Versprechen, Leichtathletik-Entwicklungsländern zehn Tartanbahnen zu stiften. Wer mochte da noch Nein sagen? 15 der 27 Council-Mitglieder jedenfalls nicht“ (Hungermann, Jens, Geld ist eben doch alles, in welt.de 290.11.2014).
Der (skandalöse) IAAF-Präsident Lamine Diack freute sich grenzenlos: „Ich bin mir sicher, dass wir in Doha eine wundervolle Ausgabe der Weltmeisterschaft haben werden. (…) Das waren die besten Präsentationen, die wir je hatten“ (Doha to host the 2019 IAAF World Championships, in iaaf.org 18.11.2014). Die WM findet üblicherweise im August statt.
Da ist es, wie man seit der Bewerbung Katars um die Fußball-WM 2022 weiß, bis zu 40°C und mehr heiß.
Katar möchte nun die WM im Oktober stattfinden lassen – Kollisionen mit den TV-Übertragungen der CHampions League und der US-Football-Liga NFL sind vorprogrammiert.
Barcelona schied in der ersten Runde aus. José Maria Odriozola, der Präsident des spanischen Leichtathletikverbandes, äußerte zu Katar: „Alles was sie haben, ist Geld… Katar hat 37 Millionen Dollar geboten. Wir haben gesagt, dies ist illegal, da die Frist für Unterstützungsprojekte und Anreize am 7. November abgelaufen ist… Ich bin sehr enttäuscht und sehr wütend. Ich werde nicht hinfahren. Ich denke, dies ist ein schlechter Zug für die Leichtathletik“ (Rowbottom 20.11.2014).
Michael Reinsch in der FAZ: „Der Emir von Katar spendiert 50 Millionen Dollar, und schon verschachert der Leichtathletik-Weltverband seine WM nach Doha. Menschenrechtsfragen werden ebenso ignoriert wie die Diskussion über Käuflichkeit des Sports und das Wohl der Athleten. (…) Mit dem Zuschlag für Doha sagt der  Welltverband IAAF; ‚Wir bleiben wir. Uns interessiert nur Geld.‘ (…) Die Gesundheit der Athleten ist in Gefahr? Hauptsache, die Kasse klingelt. (…) Der Leichtathletikverband erweckt den Eindruck, dass er die Sportart, die er international vertreten soll, in Wirklichkeit ausplündert. Das viele Geld, das er zusammenrafft, könnte ihn noch teuer zu stehen kommen“ (Reinsch, Michael, Hauptsache, die Kasse klingelt, in faz.net 20.11.2014).
Hallo IOC: Warum macht euer Privatverein ehrlicherweise nicht demnächst einen Umzug der Lausanner IOC-Zentrale plus den rund 50 Internationalen Sportverbänden nach Doha?

Nachtrag 21: Katar 2022 wie gehabt
Der Sportminister von Katar ist optimistisch: Die Weltmeisterschaft 2022 wird Qualitätsmerkmale setzen, „die fast unmöglich übertroffen werden können“ (Amnesty kritisiert anhaltende Ausbeutung von Fremdarbeitern, in spiegelonline 12.11.2014). Amnesty International legte dagegen am 12.12.2014 einen konträren Bericht vor: Das Kafala-System, in dem ein Arbeitnehmer die Genehmigung des Arbeitgebers zum Arbeitsplatzwechsel benötigt, ist nach wie vor in Kraft. Klagen über ausstehende Löhne, unzumutbare Arbeitsbedingungen, schlechte Unterkünfte und Gewalt wurden angeprangert. Philipp May berichtete im Deutschlandfunk: „Wenn sie sich (die Gastarbeiter; WZ) bei den katarischen Behörden über die Zustände beschweren, melden die das dann dem Arbeitgeber, sagt ein anderer. Und der würde dann zur Strafe das Gehalt von umgerechnet circa 200 Euro monatlich noch einmal kürzen. Dann zeigen die Gastarbeiter uns ihre Unterkunft: bis zu zehn Menschen in einem Zimmer. Das eigene Bett ist gleichzeitig Schrank. Die Wände voller Schimmel. Die sanitären Anlagen: versifft. Es riecht nach Fäkalien. Man läuft durch Abwasser aus undichten Rohren. Dritt-Welt-Zustände im reichsten Land der Welt. ‚Das, was Sie da erlebt haben, ist gang und gäbe. Die Arbeitsbedingungen in Katar sind im Allgemeinen katastrophal‘, sagt Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch“ (May, Philipp, Auf dem Rücken der Gastarbeiter, in deutschlandfunk.de 16.11.2014). Michalski sieht die Fifa und ihr „Wertekorsett“ in der Pflicht. Aber Katar tut das, was es am besten kann: Es überweist. „Katar will eine Million Dollar (806.000 Euro) in einen Forschungsfonds der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada einzahlen“ (SID, Katar hilft Wada, in SZ 26.11.2014).

Nachtrag 22: Die Katar-”Incentives” für die IAAF
Die Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 durch den Internationalen Leichtathletikverband IAAF an Katar war nicht billig: “Doha offerierte ein Sponsorenpaket in zweistelliger Millionenhöhe und eine Spende für Kunststoffbahnen zugunsten des IAAF-Entwicklungsprogramms” (Ebenda). Genauer: 30 Millionen Dollar (24 Millionen Euro) kommen von einer Bank aus Katar, die damit IAAF-Sponsor  wird. Sieben Millionen Dollar (5,5 Millionen Euro) gehen in das Kunststoffbahn-Programm (Rowbottom, Mike, IAAF claim Doha’s $37 million offer in 2019 World Championship bid was legal and within guidelines, in indsidethegames.biz 20.11.2014). – “Die Katarer hatten auf den letzten Drücker auch ein attraktives sogenanntes ‘Incentive’ – einen nicht nur in der IAAF üblichen Extraanreiz – ausgelobt. Ein auf fünf Jahre angelegtes Sponsoringpaket mit einem Volumen von rund 30 Millionen US-Dollar sowie das Versprechen, Leichtathletik-Entwicklungsländern zehn Tartanbahnen zu stiften. Wer mochte da noch Nein sagen? 15 der 27 Council-Mitglieder jedenfalls nicht” (Hungermann, Jens, Geld ist eben doch alles, in welt.de 29.11.2014).
Der frühere IAAF-Präsident Primo Nebiolo (1981 – 1999) hatte die “Incentives” (besser: Bestechungsgelder) eingeführt und “festgelegt, das es den WM-Bewerbern fortan erlaubt sei, sich mit finanziellen Argumenten gegenseitig zu überbieten, indem sie sogenannte “Incentives” einbringen” (Gertsch, Christof, Das Jahrzehnt des Golfstaats, in nzz.ch 10.12.2014). So brachte die Vergabe der Leichtathletik-WM 2011 nach Daegu/Südkorea der IAAF 25 Millionen Dollar (Sponsor: Samsung). Die WM 2123 ging für 50 Millionen Euro nach Moskau (Sponsor: die VTB-Bank) (Ebenda). Und im November 21014 ging die WM 2019 für rund 50 Millionen Dollar nach Katar (vgl. Chronologie November 2014). Übrigens kann man nicht nur bei der IAAF den WM-Austragungsort kaufen: Die Handball-WM 2015 ging ebenfalls nach Katar: Der dortige TV-Sender al-Jazeera bezahlte 110 Millionen Dollar – für die Übertragungsrechte (Ebenda).

Nachtrag 23: Formel 1 in Katar?
Zuerst hatte Bahrain einen Formel-1-Kurs – und sich von Bernie Ecclestone ein Vetorecht für weitere Kurse in der Nachbarschaft einräumen lassen. Dann verständigte sich Bahrain mit Abu Dhabi auf einen weiteren Formel-1-Grand Prix in der Gegend. Nun will – natürlich – auch Katar einen Formel-1-Kurs bauen. Im Dezember 2014 scheiterte dies am Veto Bahrains – zum Bedauern von Ecclestone (dpa, Bahrein und Abu Dhabi gegen Qatar, in faz.net 12.12.2014).
Wie viele überflüssige und ausgemusterte Formel-1-Kurse gibt es eigentlich schon?

Nachtrag 24: Noch mehr tote Arbeiter
Nach einem Bericht im Guardian starb 2014 alle zwei Tage ein nepalesischer Arbeiter auf den Baustellen der Fußball-WM 2022 in Katar, obwohl die Regierung versprochen hatte, die Bedingungen zu verbessern (Gibson, Owen, Pattisson, Pete, Cup workers revealed, in The Guardian 23.12.2014). Die nepalesische Behörde für Auslandsbeschäftigung teilte mit, dass 157 Arbeiter zwischen Januar und Mitte November 2014 umkamen (im Vergleichszeitraum 2013: 188). 67 starben durch plötzlichen Herzstillstand, acht durch Herzanfall. 2012 und 2013 starben insgesamt 964 Arbeiter aus Nepal, Indien und Bangladesch. Menschenrechtsorganisationen klagten Katar an, selbst die bescheidensten Reformen zu verhindern. Katar selbst hatte Anfang 2014 bei der Anwaltskanzlei DLA Piper eine Untersuchung in Auftrag gegeben. DLA Piper empfahl, die Todesfälle von einer unabhängigen Kommission untersuchen zu lassen. “Das Emirat versprach zudem, das Kafala-System zu reformieren. Doch selbst diese minimalen Reformen wurden bis heute nicht umgesetzt, kritisiert Amnesty International” (Teevs, Christian, Die Katastrophe von Katar, in spiegelonline 24.12.2014).
Hauptursache der Todesfälle sind die langen Arbeitszeiten bei hohen Temperaturen um die 50 Grad Celsius. Nicholas McGeehan von Human Rights Watch, äußerte: “Wir wissen, dass Menschen, die lange Zeit bei hohen Temperaturen arbeiten, höchst anfällig für tödliche Hitzschläge werden, und deshalb ist es offensichtlich, dass diese Zahlen weiter Alarm auslösen” (Guardian 23.12.2014). Das in Katar praktizierte Kafala-System bindet die Arbeiter an die Länge ihres Arbeitsvertrages, die oft bis zu fünf Jahren betragen kann. In Katar arbeiten 1,4 Millionen ausländische Arbeiter, darunter 400.000 Nepalesen auf den Baustellen, die mit umgerechnet rund 175 Milliarden Euro veranschlagt werden.

Nachtrag 25: FC Bayern sonnt sich in Katar
Pünktlich zu Anfang Januar 2015 reiste der FC Bayern wieder in sein einwöchiges Trainingslager nach Katar – ungeachtet der Menschenrechtsdiskussionen. Vorstand Karl-Heinz Rummenigge sagte: “Die Plätze sind wunderbar, das Klima perfekt” und: “Bayern München ist nicht verantwortlich für Katar” (Warmbrunn, Benedikt, Botschafter ohne Botschaft, in SZ 9.1.2015). Benedikt Warmbrunn nennt einen anderen Grund für das Trainingslager des FCB in Katar. “Ein Grund zum Beispiel ist es, dass die Tage in Doha viel Geld wert sind” (Ebenda). Der FC Schalke 04 hatte einen Vierjahresvertrag – und verlängerte ihn über 2015 hinaus nicht. Der FC Bayern dagegen “lässt sich sein Trainingslager sponsern… Dass auch das Geld eine Rolle bei der Trainingslagerwahl gespielt haben könnte, sagt kein Funktionär” (Ebenda). Dabei hat der FCB bei seiner Mitgliederversammlung Ende November 2014 ein Eigenkapital über 405 Millionen Euro verkündet (Ebenda). Pekunia non olet…

Nachtrag 26: Katarer dick, deswegen Sport-Großereignisse?! „50 Prozent der Bevölkerung sind übergewichtig, 17 Prozent haben Diabetes (in den USA sind es acht). Die Zahlen sind kein Zufall, selbst kurze Strecken fahren viele Katarer mit dem Auto… Daher der Wunsch von Scheich und Regierung, die Jugend gesund zu erziehen, ihr einen Anreiz zur Bewegung zu geben“ (Warmbrunn, Benedikt, Geld macht träge, in SZ 17.1.2015). Offiziell ein Grund für die Aspire Zone mit 15 Fußballplätzen, 14 Kilometer Laufstrecke, sieben Kilometer Reitweg, einer Schwimmhalle, das Khalifa International Stadium mit 50.000 Plätzen und dem Aspire Dome, die größte Multifunktionshalle der Welt mit 13 Spielfeldern. Hier gibt es auch eine Akademie mit 320 Schülern zwischen elf und 18 Jahren. „Auf einen Schüler kommen etwa sieben Betreuer, Trainer, Psychologen, Physiotherapeuten, Biomechaniker“ (Ebenda). – „Es ist ein endloser Gesang auf der Aspire Zone in Doha. Alle paar Meter erklingt er. Aus Lautsprechern. (…) Auf dem Aspire-Gelände gibt es zum Beispiel auch echte Vögel. Aber sie sind klein und dunkel, und ihr Gesang ist kaum zu hören“ (Ebenda). Da im Gegensatz zum Handballverband die Fifa eine Einbürgerung verbietet, wenn ein Spieler ein Länderspiel für sein Heimatland absolviert hat, muss Katar wohl oder übel eigene Fußballspieler ausbilden (Warmbrunn 31.1.2015).
Was man doch alles Sinnvolles mit den Milliarden aus der Gasblase vor Katar machen kann – angesichts der Nöte und Probleme der Welt…(Ebenda).

Nachtrag 27: “Jubel-Katarer”. Für die Handball-WM 2015 hatte der spanische Trainer Rivera eine Idee, “wie man bei den WM-Spielen der Katarer Stimmung in die Halle bekommen könnte. Also machte sich der katarische Handballverband in Riveras Heimat Spanien auf die Suche und fand 60 Menschen, denen man Flug, Hotel und Eintrittskarten bezahlte. Und so trommeln, trompeten und brüllen seither bei jedem Katar-Spiel Dutzende Südeuropäer auf der Tribüne, um die Gastgeber anzufeuern. ‘Das ist krank’, entfuhr es Schwedens Kapitän Tobias Karlsson, als er von den gekauften Fans erfuhr” (Hamann 20.1.2015). “Die rund 60 Handball-Fans, die seit WM-Beginn für die Mannschaft aus Katar trommeln und trompeten, sind aus Spanien eingeflogen worden, Klatsch-Spanier aus Valencia, Cuenca, Arranda und Puerto de Sagunto” (Mölter, Joachim, Klatsch-Spanier für Katar, in SZ 21.1.2015). Nur die Besucherzahlen lassen zu wünschen übrig: Spiele vor leeren Rängen bis auf die Spiele von Katar. “Allerdings sieht man auch in diesen Spielen wenig Einheimische auf den Tribünen. Es sind vor allem Anhänger der anderen Nationen, die die Spiele verfolgen. Und natürlich die 60 gekauften Spanier” (Hamann 20.1.2015).

Nachtrag 28: Katar kauft alles, auch die Fans
“Die spanischen Fans sind nicht die einzigen, die derzeit auf Kosten Katars bei der WM weilen. Aus Deutschland sind 18 Männer und Frauen einer Einladung gefolgt, die kurz vor Weihnachten an den ‘Freundeskreis des Deutschen Handballs’ (FDDH) gegangen ist. Für diese 18 übernimmt das Organisationskomitee Flug-, Unterkunft-, Visa-, Ticket- und Transportkosten in Doha, solange die deutsche Mannschaft im Wettbewerb ist. Die Gegenleistung, die die WM-Gastgeber wollten: ‘Unsere Nationalmannschaft zu unterstützen, an Fantreffen teilzunehmen und mit unserer Teilnahme eine internationale Handball-Atmosphäre in den verschiedenen Arenen herzustellen’, wie es in einem Schreiben des FDDH an seine interessierten Mitglieder heißt. (…) Wie viele Handball-Freunde aus aller Welt nach Doha eingeflogen worden sind, um eine internationale Atmosphäre in den drei WM-Arenen herzustellen, ist nicht bekannt. Hassan Moustafa, der Präsident des Weltverbandes IHF, sagte dem Magazin ‘Handball Time’ im vorigen Sommer: ‘Katar will wenigstens 5000 Leute einladen, vielleicht sogar 10 000′“ (Mölter 21.1.2015). Trotzdem blieben die Hallen oft leer: “Das allgemeine Interesse ist eher gering, für manche Partien wird selbst die offizielle (also in der Regel eher hochgeschraubte) Zuschauerzahl nur mit 600, 700 angegeben” (Ebenda).
Auch die unter dem Kafala-System leidenden Sklaven Katars dürfen mitmachen: “Die blligen Blöcke des Oberrangs gegenüber der Loge von Staatsoberhaupt Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani  werden von Gastarbeitern besetzt, die kleine katarische Fähnchen dabei haben” (Falsche Fans stimulieren Stimmung, in faz.net 20.1.2015).

Nachtrag 29: Katars Handball-Söldner erfolgreich
Angeblich bekommen Katars Handballspieler pro Sieg 100.000 Dollar (Mölter 28.1.2015). Zarko Markovic aus Montenegro und Rafael Capote aus Kuba sollen je zwei Millionen Euro für die Einbürgerung erhalten haben (Warmbrunn, Benedikt, Ein Verein namens Katar, in SZ 31.1.2015). „Die Katarer trainiere bereits seit August zusammen, ein Vorteil, den die Favoriten aus Europa nicht hatten“ (Teevs 28.1.2015). Und sie schlugen im Viertelfinale am 28.1.2015 die deutsche Mannschaft und sind damit für Rio 2016 qualifiziert. Bei der WM 2015 wurden sie mit ihrer zusammrengekauften Mannschaft Vizeweltmeister.
Emir Tamim Bin Hamad Al Thani überreichte im Mai 2015 jedem Spieler eine Rolex-Uhr; 16 Teamspielern verlieh er die volle kararische Staatsbürgerschaft (Rolex und Gratissprit, in Der Spiegel 23/30.5.2015).

Nachtrag 30: Frankreich Weltmeister, Katar zweiter!
„Aber bei diesem Turnier in Doha hat sich eben einiges verschoben. So war etwa für den Sonntagmittag die traditionelle Abschluss-Pressekonferenz anberaumt worden, als Teilnehmer waren aber zunächst nur angekündigt: Scheich Joaan Bin Hamad Bin Khalifa Al-Thani, der Präsident des Organisationskomitees; Ahmed Mohammed Al-Shaabi, der Präsident des katarischen Handball-Verbandes; Thani Abdulrahman Al-Kuwari, der Generaldirektor des Organisationskomitees. Erst kurzfristig wurde die Liste ergänzt um Hassan Moustafa, den Präsidenten des Weltverbandes IHF, und Miguel Roca, seinen Vizepräsidenten.
Die Episode zeigt, wer bei diesem Turnier in Katars Hauptstadt das Sagen hatte – nicht die IHF. Hassan Moustafa durfte nur vordergründig auf der Bühne das große Wort führen, beaufsichtigt von den neben ihm sitzenden Einheimischen verlas er die üblichen Rekordzahlen. Als da sind: Fernsehübertragungen in 177 Länder, fast dreimal so viele wie vor zehn Jahren (66), fast eine Milliarde Zuschauer weltweit. ‚Wir sind auf dem richtigen Weg, um unseren Sport auch außerhalb Europas bekannt zu machen‘, resümierte Moustafa“ (Mölter, Joachim, Triumph des alten Europa, in SZ 2.2.2015). Als gefragt wurde, ob der leichte Wechsel der Handballspieler von einer Nationalmannschaft zu einer anderen demnächst erschwert würde, antwortete Moustafa: „Das ist eine Entscheidung des Kongresses, die wir zu respektieren haben. Und diese Entscheidung treffen alle 200 IHF-Mitglieder, nicht nur Katar. Katar hat bloß die Möglichkeiten aus genutzt, die das Regelwerk bietet“ (Ebenda).

Nachtrag 31: Der Spiegel von Katar verklagt
Das  Hamburger Nachrichtenmagazin hatte im Oktober 2013 über den Fall des französischen Fußballers Zahir Belounis berichtet, der beim Fußball-Verein der katarischen Armee gespielt hatte. Er wurde dann nicht mehr eingesetzt, bekam kein Geld mehr und wurde auf der Grundlage des Kafala-Systems über zwei Jahre an der Ausreise gehindert. „Der Militärklub, der dem Emir nahesteht, verklagte das  deutsche Nachrichten-Magazin vor einem Gericht in Doha auf Schadenersatz in Höhe von fünf Millionen Euro, die Klageschrift ging in Hamburg erst wenige Wochen nach dem ersten Verhandlungstag ein. Der Armeeklub wirft dem Spiegel ’seelischen und moralischen Mord‘ vor“ (Wulzinger, Michael, Im Alleingang, in Der Spiegel 11.4.2015).

Nachtrag 32: Keine Verbesserungen. Der Fernsehjournalist Florian Bauer von der ARD reiste im Frühjahr 2015 zum vierten Mal nach Katar, um die angeblichen Verbesserungen der Lebensbedingungen der Katar-Gastarbeiter zu überprüfen. Aus dem Text: „Die Küche sieht abstoßend aus, sie ist viel zu klein. Auch Toiletten gibt es viel zu wenige, vielleicht zehn für 100 Personen, manche haben nicht mal eine Tür. Privatsphäre gibt es hier nicht. Die meisten Arbeiter, die in dieser Baracke leben, kommen aus Nepal. Sie zeigen mir ihre Zimmer. Zwölf bis 16 Personen auf gerade Mal 20 Quadratmetern – so leben sie zwei Jahre lang, Tag ein, Tag aus, ohne Urlaub. (…) Sie bekommen nicht den vereinbarten Lohn. 700 Qatari Riyal verdienen sie, erzählen sie. Das sind keine 200 Euro im Monat, deutlich unter dem zwischen Katar und Nepal vereinbarten Mindestlohn von 900 Qatari Riyal“ (Bauer, Florian, „Dass ist doch kein Leben“, in dw.de 8.5.2015). Und dann werden Bauer und seine Begleiter von der Sicherheitspolizei festgenommen: „Als mein Kameramann, mein Kameraassistent, mein Fahrer und ich festgenommen werden, drehe ich mit meinem Kamerateam für die ARD-Story „Der verkaufte Fußball“ gerade Bilder von Gastarbeitern, die an ihrem einzigen freien Tag in der Woche Fußball spielen. Wir müssen die Dreharbeiten sofort abbrechen. Es folgt ein 14-stündiges Verfahren. Wir werden vom Staatsschutz und der Polizei verhört, bis wir dem Staatsanwalt vorgeführt werden. (…) Erst nach fünf Tagen, als klar ist, dass sich diese Angelegenheit noch Wochen oder gar Monate hinziehen kann, wird der katarische Außenminister informiert. Er veranlasst unsere Freilassung. Unser beschlagnahmtes technisches Material soll vier Tage später freigegeben werden. Tatsächlich wird es ganze dreieinhalb Wochen einbehalten. Alle Datenträger sind gelöscht, Handys, mein Laptop, Festplatten. Auch alle privaten Daten wie Fotos und Kontakte von Freunden sind verloren. In diplomatischen Kreisen ist man erzürnt“ (Bauer, Florian, Festgenommen und verhört, in dw.de 8.5.2015). Nach internationaler Berichterstattung über die Festnahmen entschuldigen sich hochrangige Beamte bei dem ARD-Team.
Katar: Business as usual.

Nachtrag 33: Handball wird erobert. Ab 2011 übernahm Qatar Sports Investments QSI) schrittweise für 80 Millionen Euro den Klub Paris Saint-Germain (PSG). “Als wären sie von Sinnen, pumpten die Katarer in den vergangenen vier Jahren eine weitere halbe Milliarde Euro in den Klub – und trieben Ablösesummen und Gehälter auf dem Spielermarkt auf ein geradezu absurdes Niveau” (Eggers, Erik, Lockruf aus Paris. in Der Spiegel 25/13.6.2015). Allein der schwedische  Stürmer Zlatan Ibrahimovíc verdient netto 15 Millionen Euro: Paris Saint-Germain muss dazu für Ibrahimovic den Spitzensteuersatz von bis zu 75 Prozent aufbringen (Ebenda). Dann stieg QSI in die Handballsparte von PSG ein: In der Saison 2013/20154 lag der Etat bei über 15 Millionen Euro. Nun soll Nikola Karabatic vom FC Barcelona geholt werden – angeblich für die Rekord-Ablösesumme von zwei Millionen Euro. Dazu der Startrainer Zvonimir Serdarusic. Kommentar der Geschäftsstelle vom deutschen Handballverein THW Kiel: “Der Feind sitzt in Paris” (Ebenda).

Nachtrag 34: Steigt Katar in Formel 1 ein? Der Fonds Qatar Sports Investments soll zusammen mit dem Sportkonzern RSE Ventures für die Formel-1-Anteile von CVC Capital Partners, der noch 35,5 Prozent Anteile hält, bieten. „Der katarische Fonds wolle die Formel 1 langfristig komplett übernehmen, heißt es. Bislang gelang es dem Emirat nicht, ein Rennen nach Katar zu holen. Stattdessen drehen die Fahrer beim Rivalen Bahrain ihre Runden“ (Finke, Björn, Pole-Position für die Scheichs, in SZ 25.6.2015). – „Die Rennserie braucht einen Neuanfang: eine neue Strategie – und einen neuen Chef“ (Finke, Björn, Bye-bye Bernie, in SZ 26.6.2015).
Dann doch lieber gleich diese grandiose Umweltverschmutzung Formel 1 ganz abschaffen!

Nachtrag 35: Propagandaschlacht für Katar 2022. Die Opposition in Katar hält die offiziellen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für leere Worte. Außerdem gibt es in konservativen Kreisen Widerstand gegen Reformen: „Der Shura Council, der konsultative Rat Qatars, in dem Stammesvertreter, alteingesessene Familien und einflussreiche qatarische Geschäftsleute sitzen, hatte sich vor Ramadan-Beginn gegen den Emir sowie seine Regierung gestellt und verlangt, den Reformprozess nicht weiter voranzutreiben“ (Ashelm, Michael, Wie Qatar die Fußball-WM retten will, in faz.net 8.8.2015). Dessen ungeachtet läuft die katarische Propagandamaschine: „Währenddessen sorgt das Emirat mit ungeheurem Aufwand für eine PR-Offensive, um das negative Meinungsbild gegenüber dem WM-Land zu korrigieren. Dahinter steckt vor allem die Angst, doch noch in den Sog des Korruptionsskandals rund um den Weltfußballverband Fifa zu geraten und dadurch möglicherweise das Recht auf die Ausrichtung des WM-Turniers 2022 zu verlieren. (…) Für Europa und die Vereinigten Staaten wurden PR-Agenturen engagiert. Eine von ihnen heißt Portland Communications, hinter der ein Berater des ehemaligen britischen Premiers Tony Blair steht. Auf höchsten Ebenen werden hier Verbindungen zu Meinungsmachern geknüpft, manchmal mit fragwürdigen Methoden. In England soll angeblich ein Sportblog im Internet eröffnet worden sein, in dem Prominente aus dem Fußballgeschäft gegen Bezahlung versuchten, der Kritik an Qatar etwas entgegenzusetzen“ (Ebenda).

Nachtrag 36: Deutsche Waffen für Katar. 2013 hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung den Export von 62 Leopard-2-Panzern und 24 Panzerhaubitzen nach Katar  genehmigt: Vertragswert rund zwei Milliarden Euro. Inzwischen ist Katar Teil der Allianz von Saudi-Arabien, die im Jemen Krieg führt.  Trotzdem sind kürzlich vier Panzer und drei Panzerhaubitzen nach Katar verschifft worden (Hickmann, C., Mascolo, G., Deutschland liefert Kampfpanzer nach Katar, in SZ 7.10.2015).

Nachtrag 37: Geld, aber kein Interesse. Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Behindertensportler in Katar: „Die  Hitze von fast 40 Grad  Celsius war an der Grenze des Zumutbaren, die gähnende Leere im Stadion von Doha ernüchternd. (…) Dem Zufall überließen die Kataris bei der bisher größten WM nichts, die reichen Gastgeber scheuten keine Kosten und Mühen. Doch die mangelnde Zuschauerresonanz und die klimatischen Gegebenheiten konnten sie nicht ändern“ (Leistungsschübe vor leeren Tribünen, in sueddeutsche.de 1.11.2015). Bundestrainer Willi Gernemann sprach von einem „skurrilen Bild. Die Kataris haben zwar Geld, aber offensichtlich kein Interesse am Sport“ (Ebenda).

Nachtrag 38: 37 Millionen Dollar plus zwei Range Rover. Soviel kostete die Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 an den Wüstenstaat Katar – mindestens. „Die 37 Millionen Dollar des Emirs waren nicht genug. Um den Zuschlag für die Weltmeisterschaften der Leichtathleten 2019 in Doha wirklich zu bekommen, sicherte sich Qatar gegen Lieferung von zwei Luxusautos die Stimme von Isaiah Kiplagat, dem Präsidenten des kenianischen Leichtathletik-Verbandes. (…) Die Range Rovers auf dem Hof von Kiplagat legen schlagend nahe, dass die Vergabe der WM 2019 vor vierzehn Monaten mit 15:12 Stimmen für Doha das Ergebnis von Korruption ist. Hat Qatar auch andere Mitglieder des Gremiums gekauft? Alles deutet zudem darauf hin, dass auch bei der freihändigen Vergabe der folgenden, der WM 2021 nur sechs Monate später Bestechung eine Rolle spielte. Ein Gesandter des Bewerbungskomitees von Eugene, dem Gründungsort des Sportartikelherstellers Nike, flog nach Europa, um Lamine Diack, den damaligen Präsidenten der IAAF, persönlich zu treffen. (…) Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorstellen, welche Art von Argumenten Diack überzeugte, den Ehrenpräsidenten der IAAF. Er hat ebenso wie Kiplagat Athleten für üppiges Handgeld vor Kontrollen und Sperren bewahrt. Er ist wegen des Vorwurfs von Korruption und Geldwäsche nur auf Kaution noch frei“ (Reinsch, Michael, Weder Doha noch Eugene, in faz.net 2.12.2015).

Nachtrag 39: FC Bayern fährt 2016 wieder nach Katar. Ungeniert fährt der FC Bayern auch im Januar 2016 wieder nach Katar zum Wintertraining. „Die Aspire Academy im Süden von Doha hat 15 Fußballplätze, sie hat 14 Kilometer Laufstrecke, zu ihr gehören ein Fußballstadion mit 50 000 Sitzen, eine Halle mit eigenem Fußballplatz, ein Hotel, das wie eine olympische Fackel aussieht, ein Hotel, das wie ein Puppenhaus aussieht, außerdem steht an ihrem Rand eine Shopping Mall, in der sich, unter anderem, ein kleiner Kanal befindet, ein Vergnügungspark sowie eine Eislauffläche“ (Warmbrunn, Benedikt, Mein Verein, mein Vorbild, in SZ 5.1.2016). Dabei war das Wintertraining 2015 des FC Bayern äußerst umstritten. „Erst war das Team acht Tage lang in Katar, dem Ausrichterland der Fußball-WM 2022, in dem mehrere internationale Organisationen Menschenrechtsverletzungen beanstanden. Dann flog die Mannschaft noch zu einem Testspiel nach Saudi-Arabien, auf Einladung der dortigen Volkswagen-Niederlassung. Sie landete dort an dem Tag, an dem ein Blogger ausgepeitscht werden sollte, weil er sich unter anderem für Demokratie und religiöse Freiheit ausgesprochen hatte“ (Ebenda). 2016 hält die Kritik an: „Und doch ist es für den FC Bayern auch im Jahr 2016 nicht so einfach, allein aus sportlichen Gründen nach Doha zu reisen. Sozialdemokraten aus dem Europaparlament sehen in der Reise weiterhin eine politische Dimension. So habe sie ‚den Effekt, dass die Position eines Landes wie Katar gestärkt wird‘, sagte Norbert Neuser, der Koordinator des Ausschusses für Entwicklung. Besonders tief sitzt die Verstimmung jedoch bei den eigenen Anhängern“ (Ebenda). Dessen ungeachtet gab  FCB-Sportvorstand Matthias Sammer einen arroganten Kommentar zum neuerlichen Trainingslager in Katar ab: „Wir haben uns geäußert dazu, aber wir werden uns jetzt nicht noch mal dazu äußern und uns dann zu den Äußerungen, die dazu gekommen sind, noch mal äußern, damit die, die sich geäußert haben, wieder auf die Äußerungen reagieren“ (Warmbrunn, Benedikt, Neues vom Mahner, in SZ 8.1.2016).

Nachtrag 40: Hat Katar die Leichtathletik-WM 2019 gekauft?
„Neue Korruptionsvorwürfe belasten den Leichtathletik-Weltverband IAAF. Das Emirat Katar soll sich die Ausrichtung der WM 2019 erkauft haben. Das will der Chef des Weltverbands von anderen Funktionären erfahren haben. Dem krisengeschüttelten Leichtathletik-Weltverband IAAF droht offenbar weiterer Ärger. Die Ethikkammer könnte in Kürze die Vergaben der Weltmeisterschaften 2017 an London und 2019 an Doha untersuchen. Das deutete Ed Warner, Präsident des britischen Verbandes UK Athletics, bei einer Sitzung des Ausschusses für Kultur, Medien und Sport im britischen Parlament an. (…) Warner berichtete nun, dass ihm im November 2011 in Monaco am Rande der WM-Vergabe für 2017 berichtet wurde, dass Vertreter aus Katar ‚braune Umschläge voller Bargeld‘ verteilt hätten. Namen wollte der Engländer in diesem Zusammenhang nicht nennen“ („Braune Umschläge voller Bargeld“, in spiegelonline 26.1.2016).

Nachtrag 41: FC Bayern in Treue fest – zu Katar
Seit sechs Jahren fährt der FC Bayern mit seinen Fußballern zum Trainingslager nach Katar – und kassiert dafür nicht einmal so wenig Geld. Die Treue (Katars) musste ja mal belohnt werden. Kaum war der FCB vom Trainingslager 2016 zurück in München, verkündete er einen Sponsorenvertrag mit dem Flughafen der Hauptstadt Doha: Dieser wird der zehnte „Platin Partner“ des FCB – für mehrere Millionen Euro pro Jahr. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versprach, was er weder halten kann noch will: „… dass wir gemeinsam soziale Projekte und den Dialog über gesellschaftspolitisch kritische Themen fördern werden“ (FC Bayern schließt umstrittenen Sponsoren-Deal ab, in spiegelonline 27.1.2016). Partner des FCB ist Akbar Al Baker: „er ist nicht nur Chef der Staatsairline Qatar Airways und des Flughafens in Doha, er ist auch Mitglied im Aufsichtsrat von Volkswagen, denn Katar ist mit 17 Prozent am Wolfsburger Autokonzern beteiligt. VW-Tochter Audi wiederum ist Anteilseigner beim FC Bayern München – das klingt nach großer  Familie“ (Busse, Caspar, Heikle Geschäfte, in SZ 28.1.2016).
Non olet… Geld stinkt nicht? Doch. Und wie!
Dazu Peter Ahrens in spiegelonline: „Und man fragt sich: Ist die Vereinsspitze mittlerweile komplett schmerzfrei? Die Antwort muss wohl lauten: ja. (…) Der FC Bayern versteht sich längst als supranationale Marke, er ist mehr oder weniger freiwillig zwar immer noch Teil der deutschen Bundesliga, aber vom Selbstverständnis sieht man sich längst woanders, als Global Player in einer Reihe mit Real Madrid, Manchester, Chelsea und Barcelona – die sich allesamt herzlich wenig um moralische Befindlichkeiten kümmern, wenn es ums Business und um Kontakte mit den Öl-Multis geht. Da ist es reichlich egal, dass Katar mittlerweile zu einer Art Symbol für alles Sündige im Weltsport geworden ist“ (Ahrens, Peter, Scheich Di! in spiegelonline 27.1.2016). Ahrens rät seinen Journalistenkollegen und -kolleginnen, immer wieder bei den FCB-Pressekonferenzen nachzufragen:
„- Welche gesellschaftlichen Diskussionen in welchem Rahmen werden mit den Scheichs geführt? – Welche Maßnahmen ergreift der FC Bayern konkret, um die Menschenrechtslage in dem Emirat zu verbessern? – Wann und wem gegenüber meldet sich Rummenigge zu Wort, wenn es um Frauenrechte in Katar geht? – Was tut der Verein, um den miesen Arbeitsbedingungen vor Ort abzuhelfen? – Wann findet noch mal die sicherlich angedachte gemeinsame Pressekonferenz mit Amnesty International statt?
Der FC Bayern ist jetzt in der Pflicht. Aus der man ihn nicht mehr herauslassen sollte. Eine Pflicht, nicht nur pro forma die Augen, sondern auch mal den Mund aufzumachen. Und sich als kritischer Partner des Flughafens Doha als Streiter für die Menschenrechte zu profilieren. Wir freuen uns sehr darauf, von dem Verein Entsprechendes zu hören“ (Ebenda).
Und René Hofmann in der SZ: „Der Deal ist mehr als bloß ein Deal. Er ist ein Signal. Und zwar kein gutes. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Herrscher von Katar seit Jahren immer wieder. Unter anderem wegen der armseligen Arbeitsbedingungen, die in ihrem Emirat vielerorts herrschen. (…) Ausgerechnet jetzt mit den Scheichs noch enger auf Kuschelkurs zu gehen, wirkt da fast trotzig“ (Hofmann, René, Nur kuscheln, in SZ 28.1.2016).

Nachtrag 42: Katar-TV
Die Rechte der Handball-WM liegen beim Welthandball-Verband IHF und dessen Präsidenten Hassan Moustafa. „Unter Leitung dieses Präsidenten hat der IHF die TV-Rechte 2015 und 2017 an ‚BeIn Sports‘ verkauft. Eine Firma, die hier kaum jemand kennt, aber die sich nach eigenen Angaben anschickt, ein weltweit führender Unterhaltungskonzern zu werden. Hauptsitz ist Katar, die Firma war einmal Teil von Al Jazeera, dem Quasi-Staatssender aus dem Emirat Katar. In Spanien, Frankreich und bald wohl auch Italien läuft das Geschäft mit dem Pay-TV bestens. Der deutsche Markt hingegen ist schwierig: Trotz steigender Abozahlen bei Sky ist Pay-TV hierzulande immer noch nicht wirklich angekommen. Und überhaupt ärgern sich die Kataris über dieses frei empfangbare Fernsehen aus Deutschland: etwa wenn das ZDF auch per Satellit die Mittwochsspiele der Fußball-Champions-League in Wohnzimmer im Nahen und Mittleren Osten sendet. (…) Position der Kataris sei, so sagen mit der Materie vertraute Personen auf deutscher Seite: Wenn ihr die Handballrechte wollt, dann beschneidet die Satellitenverbreitung beim Fußball und die der Handballspiele ebenso. Doch das geht technisch nicht: Satellitensignale kennen keine Ländergrenzen. Eine generelle Verschlüsselung aller Signale kommt für die Öffentlich-Rechtlichen nicht in Frage, davon wären 18  Millionen Haushalte in Deutschland betroffen. Schon bei der WM 2015 scheiterte die Handballübertragung daran. Als nächste Eskalationsstufe ließen die BeIn-Unterhändler angeblich durchblicken, dass man künftig einfach alle wichtigen Sport-TV-Rechte aufkaufe, der Preis spiele keine Rolle. Man habe manchmal den Eindruck, da gehe es nicht mehr nur ums Geld, sondern um Macht, formuliert einer von der deutschen Seite“ (Hägler, Max, Die Macht der Bilder, in SZ 4.2.2016).

Nachtrag 43: Katar 2028
Katar fiel bei der Wahl der Austragung Olympischer Sommerspiele 2020 durch – will sich aber weiter im die Austragung bemühen. „Katar hat seinen Willen zur Austragung Olympischer Spiele bekräftigt und will sich womöglich schon für das Sportereignis 2028 bewerben. ‚Die Vision und das Ziel heißen, irgendwann Olympische Sommerspiele auszutragen‘, sagte Thani Al-Kuwari, Generalsekretär des Olympischen Komitees von Katar, in der Hauptstadt Doha. Wie Kuwari ausführte, baue sein Land derzeit viele Wettkampfstätten, die für Olympia genutzt werden könnten. Das Emirat hatte bereits Zuschläge für viele große Sportereignisse bekommen, etwa die Leichtathletik-WM 2019, die Fußball-WM 2022 und die Schwimm-WM 2023. Man verfüge über zahlreiche Erfahrungen, zum Beispiel durch die Austragung der Handball-WM sowie der Leichtathletik-WM der paralympischen Sportler, sagte Kurawi: ‚All diese Wettkampfstätten stehen zur Verfügung, speziell nach 2022 sind 99 Prozent der benötigten Arenen fertig'“ (Katar will auch Olympische Sommerspiele ausrichten, in spiegelonline 8.2.2016).

Nachtrag 44: „Krankenwagen ohne Sirene“
Thomas Kistner in der SZ über den Film „Dirty Games“ von Benjamin Best: „Nicht eingedenk von Bildern wie der Einstiegsszene zum Film ‚Dirty Games‘: Särge aus Doha landen am Flughafen Kathmandu. Das Gesicht Bahadours, von blütenweißen Leintüchern umwölkt und so friedlich, wie ihn die Bosse in Doha auf die letzte Heimreise geschickt haben: Herzstillstand ist die offizielle Todesursache. Es ist die Art Herzstillstand, die nahezu täglich eintritt am Golf bei Fremdarbeitern wie Bahadour. Er wurde 26 Jahre alt und war Vater einer kleinen Tochter. 4000 Tote auf Katars Baustellen bis zum WM-Anpfiff 2022, lautet die Prognose von Menschenrechtsgruppen; sie wirkt statistisch stabil. Das sind die wirklich relevanten Informationen, zum Turnier und zur Milliardenindustrie mit dem Sport. Aber ins Auge sticht nur, was der Fan sieht  – jedenfalls in der Bilderwelt des Sports, der aus allen Starkult-Nähten platzt. Hier sind sie also, die Särge junger Männer; zu sehen auch zahllose Todesurkunden, die sich in nepalesischen Ämtern stapeln. (…) ‚Dirty Games‘ legt das Blendwerk offen. Franz Beckenbauer behauptet, er habe ’nie einen Sklaven in Katar‘ gesehen. Im Film berichten die nepalesischen Arbeiter, dass der Krankenwagen ‚ohne Sirene kommt‘, wenn ein Toter abgeholt wird. Die Scheindebatte um Katar, in der sich Mitverdiener aus dem Sport sogar als subtile Weltverbesserer gerieren, ist indes nur ein Teil der Betrugsbereiche, die der Film beleuchtet. Nur die strukturelle Dopingproblematik bleibt ausgeklammert, ansonsten geht es ins Zentrum der Show“ (Kistner, Thomas, Wenn die Sirene schweigt, in SZ 11.2.2016).

Nachtrag 45: Millionen aus Katar für Paris St. Germain
„Fünf Jahre sollten reichen, sagten die Katarer, als sie Paris St. Germain kauften, um aus diesem mittelprächtigen Verein aus der superprächtigen Stadt eine Größe in Europa zu machen – eine Referenz, eine strahlende Marke. (…) Damit der europäische Fußball-Verband Uefa mit seinem Financial Fairplay nicht allzu viel aussetzen konnte, hat der Emir von Katar immer neue Schatullen geöffnet, von denen er behauptete, sie gehörten ihm nicht direkt. Eine Verrenkung wie eine Zirkusnummer. Hunderte Millionen Euro schoss der Emir schon in neues Personal…“ (Meiler, Oliver, Gebaut für Europa, in SZ 16.2.2016). PSG-Star Zlatan Ibrahimovic wurde das Gehalt ab Beginn 2016 von 800.000 auf 1,5 Millionen Euro angehoben – pro Monat. „Und da es den Anschein hat, als ließe sich Real Madrid nicht überzeugen, Cristiano Ronaldo nach Paris ziehen zu lassen, offenbar nicht einmal für sagenhafte 140 Millionen Transfer-Euro, dürfte ‚Ibra‘ noch etwas länger bleiben als  vertraglich ausgemacht“ (Ebenda).

Nachtrag 46: Immer noch Menschenrechts-Verletzungen
Ein neuer Bericht von Amnesty International vom März 2016 listet die alten Vergehen der katarischen Arbeitgeber – besser Sklavenhalter – auf: niedrigere Gehälter als versprochen, Bezahlung nach monatelanger Verspätung, Zwangsarbeit, Verweigerung der Ausreise, Entzug der Pässe… Und die Fifa schweigt dazu (Evelt, Andreas, Amnesty wirft Fifa Versagen in Katar vor, in spiegelonline 31.3.2016).

Nachtrag 47: Katar doch „Krebsgeschwür des Fußballs“?
Theo Zwanziger darf den künftigen WM-Gastgeber Katar weiter ungestraft als ‚Krebsgeschwür des Fußballs‘ bezeichnen. Die 6. Kammer des Düsseldorfer Landgerichts unter Vorsitz des Richters Joachim Matz wies die Unterlassungsklage des katarischen Fußball-Verbandes QFA am Dienstag ab. Die Äußerung sei zwar ein ‚beleidigendes Werturteil‘, aber vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt und keine Schmähkritik“ (Zwanziger darf Katar „Krebsgeschwür des Fußballs“ nennen, in spiegelonline 19.4.2016).
Aus einem Beitrag von Thomas Kistner in der SZ: „Im Rechtsstreit mit Zwanziger stufte die Kammer das Etikett ‚Krebsgeschwür‘ zwar als stark herabwürdigend ein; jedoch habe der ehemalige DFB-Präsident damit konkret die Vergabe der WM an Katar kritisiert. Dieser Sachverhalt überwiege die öffentliche Diffamierung; die Aussage sei also vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt und keine Schmähkritik. (…) Im Prozess verhandelt wurde Zwanzigers Radio-Aussage von Juni 2015: ‚Ich habe immer klar gesagt, dass Katar ein Krebsgeschwür des Weltfußballs ist.‘ Katars Anwälte planen Berufung beim OLG“ (Kistner, Thomas, Jenseits von Zwanziger, in SZ 20.4.2016). Infrage steht auch die Fußball-WM 2022 an Katar: nicht nur die Vergabe durch ein völlig korruptes Fifa-Exekutivkomitee, sondern auch die Begleitumstände: Menschenrechtsverletzungen, tausende Tote auf den WM-Baustellen, sklavenähnliche Beschäftigungsverhältnisse. Im Auftrag der Fifa legte der Harvard-Professor John Ruggie ein Gutachten vor mit der Empfehlung: „Die Fifa solle Ländern, die ihre Missstände nicht beheben, den Entzug der WM-Gastgeberrolle androhen. Ruggie beschrieb Ausbeutung, Enteignung und Diskriminierung und riet zu flottem Handeln: Die Fifa müsse beweisen, dass sich ihre Verbandskultur geändert habe. Zugleich prangert Amnesty International im neuen Bericht ‚Die hässliche Seite des schönen Spiels‘ Zwangszustände auf WM-Baustellen an. Die internationale Arbeitsorganisation ILO kündigt eine eigene Katar-Prüfkommission an“ (Ebenda).

Nachtrag 48: Verklagt eine Gewerkschaft die Fifa wegen Katar 2022?
„Der niederländische Gewerkschaftsbund FNV will den Fußball-Weltverband Fifa wegen der schlechten Arbeitsbedingungen beim Bau der WM-Stadien in Katar möglicherweise vor Gericht bringen. Im Namen eines Gastarbeiters aus Bangladesch schickte die Gewerkschaft der Fifa die Androhung einer Klage zu. Der Verband habe drei Wochen Zeit zu reagieren, andernfalls werde beim Amtsgericht in Zürich die Klage eingereicht, teilte die FNV in Utrecht mit. Die Gastarbeiter müssten oft für wenig Geld oder unbezahlt ‚Sklavenarbeit‘ leisten, sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft, Ruud Baars. ‚Tausende sehr armer Arbeiter etwa aus Bangladesch, Indien und Nepal arbeiten sich im wahrsten Sinne des Wortes fast zu Tode, um das Fußballfest zustande zu bringen.‘ Der von der FNV vertretene Nadim Shariful Alam soll 10.000 Euro als Entschädigung bekommen“ (Gewerkschaft will Fifa verklagen, in spiegelonline 10.10.2016).

Nachtrag 49: „Nur ein Toter“
„Ende Oktober starb der 29 Jahre alte Anil Kumar Pasman auf dem Gelände des Al-Wakrah-Stadions südlich von Doha. Ein Arbeiter aus Nepal, überfahren von einem Tanklastwagen. Der erste Tote auf einer der offiziellen Stadionbaustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. ‚Diese Tragödie dient als Erinnerung, dass immer noch mehr für die Sicherheit getan werden kann‘, kommentierte Hassan Al-Thawadi das Unglück, der Generalsekretär des WM-Organisationskomitees: ‚Wir werden aus dem tragischen Ereignis lernen, um eine Wiederholung zu verhindern.‘ Wieso kommt einem das jetzt zynisch vor? Vielleicht, weil laut internationalen Beobachtern außerhalb der Stadionbaustellen, beim Bau der WM-Infrastruktur, alle paar Tage ein Arbeiter stirbt – 4000 Tote bis zum Anpfiff, lautet eine Hochrechnung von Menschenrechtsgruppen. Und selbst wenn die Zahl übertrieben sein sollte: Das Emirat Katar ist längst zum Symbol dafür geworden, dass es halt mehr braucht als bloß Ambitionen und Öldollars, um so ein Weltsportereignis wenigstens halbwegs im Einklang mit jenen Werten auszurichten, die der Sport für sich in Anspruch nimmt“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Bach liefert, in SZ 16.11.2016; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 50: Bach für Olympische Sommerspiele in Katar
„Die Staatsanwaltschaft in Paris untersucht die Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 nach Doha. Die Schweizer Bundesanwaltschaft und das FBI spüren der Frage nach, unter welchen Umständen die Fußball-WM 2022 an das Emirat ging. Und nun kam auch noch die Meldung, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada dem Labor in Doha vorerst die Akkreditierung entzogen hat, weil es den notwendigen Standards nicht genügt“ (Ebenda). Unfassbar, aber wahr: . IOC-Präsident Thomas Bach tritt für Katar als Austragungsort für Olympische Sommerspiele ein: „Thomas Bach hat das soeben gesagt. Doha werde ‚eines Tages Kandidat sein‘. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees schiebt Katar auf die Bühne – in Zeiten wie diesen, in denen seine olympische Bewegung ohnehin einen dramatischen Glaubwürdigkeits-Verlust erlebt“ (Ebenda). Aumüller und Kistner erinnern an den denkwürdigen Satz des kuwaitischen Scheichs Ahmad Al-Sabah vor Bachs Wahl 2013 zum IOC-Präsidenten: „Der Inthronisierung des Deutschen liege eine zwölf Jahre zuvor getroffene Abmachung zugrunde, und Bach wisse natürlich, dass es Bedingungen gebe, die er jetzt ‚erfüllen“ müsse. Fast bedingungslose Unterstützung Russlands in der Staatsdoping-Affäre. Rückendeckung für Katar. Vieles, womit der IOC-Chef sein Publikum irritiert, wirkt genau so: als würde Bach jetzt seinen Teil einer Abmachung erfüllen“ (Ebenda).

Nachtrag 51: Baustellen-Inspektion möglich?
„Im Grunde ist der Mann, der für die Rechte der Arbeiter streitet, froh über die Neuigkeiten aus Katar. Erstmals dürfen internationale Beobachter die wegen ihrer unwürdigen und teils lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen kritisierten Stadionbaustellen für die Fußball-WM 2022 inspizieren; mit diesem Abkommen waren am Dienstag Gespräche zwischen dem Baugewerkschaftsverband BHI und dem katarischen WM-Planungsgremium zu Ende gegangen. ‚Das ist gut‘, sagt Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor von Human Rights Watch am Tag darauf. Allerdings nicht ohne Einschränkung: ‚Das Abkommen ist ein Scheinriese. Je näher man es betrachtet, umso kleiner wird es.‘ (…) Die Inspektionen sind beschränkt auf Stadionbaustellen, ‚alle Baustellen waren nicht umsetzbar‘, sagt er. Außerdem werden in der Vereinbarung zwar ‚Gesundheit und Sicherheit aller Arbeiter‘ erwähnt, nicht jedoch deren Arbeitnehmerrechte und faire Bezahlung. Dabei sind das ebenso große Kritikpunkte. Menschenrechtsorganisation sprechen von mehr als tausend Opfern seit 2010 – weil sie die Infrastruktur miteinbeziehen, die auch wegen der WM rasant wächst“ (Fischer, Sebastian, Scheinriese im Blickfeld, in SZ 17.11.2016).

Nachtrag 52: Amnesty International ist unzufrieden
„Menschenrechtsexperten galt das ‚Kafala‘-System als moderne Form der Sklaverei. Die Organisation Amnesty International ist jedoch auch mit der nun angekündigten Reform unzufrieden. Die Lage der zahlreichen ausländischen Arbeiter in Katar hatten in den vergangenen Jahren verstärkt Schlagzeilen gemacht, weil sich auf Baustellen für die in dem Golfstaat geplante Fußballweltmeisterschaft 2022 zahlreiche tödliche Unfälle ereigneten. Nach Untersuchungen des Internationalen Gewerkschaftsbunds kamen seit dem Jahr 2010 auf WM-Baustellen etwa 1200 Arbeiter ums Leben. Viele von ihnen sind Ausländer, die meisten von ihnen kommen aus armen Staaten Asiens. (…) Das bisher benötigte Visum für eine Ausreise fällt künftig weg. Vorgesetzte, die weiter den Pass ihrer Angestellten einziehen, müssen mit mehreren Tausend Euro Strafe rechnen. Allerdings brauchen die ausländischen Arbeitskräfte auch künftig vor dem Verlassen des Landes die Genehmigung ihres Sponsors. Mit möglichen Streitfällen über eine Ausreise soll sich ein Komitee befassen, das am Dienstag seine Arbeit aufnimmt. Amnesty International warf der Regierung der ölreichen Golfmonarchie vor, mit der Reform kaum etwas zu ändern. ‚Dieses neue Gesetz mag das Sponsorensystem abschaffen, aber das grundlegende System bleibt erhalten‘, hieß es in einer Stellungnahme der Menschenrechtsorganisation“ (Katar reformiert umstrittenes Arbeitsgesetz, in spiegelonline 13.12.2016).
„Sklavensystem light“: „Aufatmen können die 2,1 Millionen Arbeitsmigranten in Katar trotzdem nicht, denn der Umgang mit ausländischen Minderheiten basiert auf einer tiefsitzenden Furcht der Golfaraber: Unter keinen Umständen wollen sie die Kontrolle über die ausländischen Arbeiter verlieren. Das kleine Emirat auf der arabischen Halbinsel hat 2,4 Millionen Einwohner, davon sind 2,1 Millionen Ausländer aus Südostasien und arabischen Ländern. Die etwa zwölf Prozent der Katarer arbeiten vor allem in Regierungsbehörden, niedrig qualifizierte Jobs werden Ausländern überlassen. (…) Katar hat sich bisher nicht getraut, ernsthafte Zugeständnisse an die Arbeitsmigranten zu machen. Sie brauchen künftig zwar kein Ausreisevisum mehr, allerdings benötigen sie noch immer die Genehmigung des Arbeitgebers, wenn sie das Land verlassen wollen. Über Streitfälle soll künftig eine neue Behörde entscheiden, die allerdings häufig nur mit Einheimischen besetzt wird, und die entscheiden erfahrungsgemäß meist zu Gunsten ihrer Landsleute. Immerhin gibt es eine Verbesserung: Der Arbeitnehmer muss innerhalb weniger Tage Bescheid bekommen, ob ihm die Ausreise genehmigt wird oder nicht. (…) Viele Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften halten die katarische Arbeitsreform für unzureichend. Amnesty International spricht sogar von einer Verschlimmerung der Lage, weil die Arbeitgeber in Zukunft künftig völlig legal die Reisepässe der Arbeitsmigranten einfach einbehalten können. Nicholas McGeehan von Human Rights Watch sagt der Süddeutschen Zeitung zu der Reform: ‚Im Grunde wurde nur der Name geändert, wirklich bedeutsame Verbesserungen gibt es nicht’“ (Ramadan, Dunja, Sklavensystem light, in SZ 15.12.2016).

Nachtrag 53: FC Bayern auch 2017 wieder in Katar
„An diesem Dienstag (3.1.2017; WZ) landet am Hamad International Airport von Doha der FC Bayern, er landet dann mitten im Spannungsfeld, in dem sich das Emirat Katar befindet. Der Flughafen ist modern und prunkvoll. Der Flughafen steht aber auch für das, wofür Katar international kritisiert wird: Für Gastarbeiter ist er ein Sehnsuchtsort, für die Ausreise brauchen sie die Genehmigung ihres Arbeitgebers; gerade schlecht bezahlten Arbeitern wird sie oft verweigert. Wenn aber der FC Bayern in Doha landet, dann landet er auf einem Flughafen, mit dem er einen millionenschweren Werbevertrag abgeschlossen hat. Sieben Tage wird sich der Klub in Doha auf die Rückrunde vorbereiten, zum siebten Mal in Serie, es ist das politischste Trainingslager der Bundesliga. (…) Katar wird regelmäßig für Menschenrechtsverletzungen kritisiert; im Dezember hatte Amnesty International gerügt, dass die jüngste Arbeitsrechtsreform die Situation mancher Gastarbeiter verschlimmert habe – so können Arbeitgeber den Reisepass von jedem Beschäftigten einfach einbehalten. Auch ist das Land in Korruptionsfälle verwickelt“ (Warmbrunn, Benedikt, Das politischste Trainingslager, in SZ 3.1.2017). – „Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat das erneute Wintertrainingslager des deutschen Rekordmeisters Bayern München in Doha (Katar) mit ‚Aberglauben‘ begründet. ‚Wir bereiten uns seit Jahren in der Aspire Academy auf die Rückrunde vor. Wir haben seit dieser Zeit sehr viele Titel gewonnen. Fußball hat auch was mit Aberglauben zu tun‘, sagte Rummenigge im einem Interview mit der ‚Bild‘-Zeitung“ (Bayern München aus „Aberglauben“ in Katar, in spiegelonline 4.1.2017).
Schaun mer mal, ob der FC Bayern auch noch aus Aberglauben nach Katar fährt, wenn er mal nix mehr gewinnt…

Nachtrag 54: Katar-TV-Sport
„Der Horror des deutschen Handball-Publikums hat zwei Namen: Geoblocking und Overspill. Allerdings hat das Handball-Publikum von diesen Fachbegriffen aus der Übertragungstechnik vermutlich wenig Kenntnis. Geoblocking bedeutet, dass von ausländischen Computern nicht auf deutsche Internet-Übertragungen zugegriffen werden kann. Overspill zu unterbinden bedeutet, dass ausländische Satellitenfernsehzuschauer deutsche Sender nicht sehen können. Geoblocking zu installieren und Overspill zu verhindern waren die Voraussetzungen für Übertragungen von der Handball-Weltmeisterschaft aus Frankreich (13. bis 29. Januar). Der TV-Rechte-Inhaber ‚beIN Media‚ aus Katar hatte ARD und ZDF wegen des nicht zu unterbindenden Overspills längst abgesagt. Kurzfristig im Dezember haben dann auch der Bezahlsender Sky sowie die Internet-Plattformen sportdeutschland.tv und Dazn eine Abfuhr bekommen. (…) BeIN Media, eine Tochterfirma des Fernsehsenders Al Jazeera, besitzt die WM-Übertragungsrechte bis einschließlich der Frauen-WM 2017. Das Unternehmen macht deutschen Sendern und Internet-Plattformen das Leben schwer, weil es um jeden Preis verhindern will, dass deutsche Übertragungen per Satellit auch im benachbarten Ausland, in Nordafrika oder im Mittleren Osten gesehen werden können. Dieses Ausschlusskriterium erschwert auch die Übertragungen in Deutschland selbst bis hin zum drohenden schwarzen Bildschirm“ (Hartmann, Ulrich, Geoblocking und Overspill, in SZ 7.1.2017). – Die Handball-WM 2017 in Frankreich wird nun in Deutschland auf einer Internetseite des Hauptsponsors des Deutschen Handball-Bundes, der Deutschen Kreditbank (DKB) übertragen.

Nachtrag 55: Katar schließt Abkommen mit internationalem Gewerkschaftsbund
„Seit dem 1. Januar ist ein Abkommen in Kraft, das die ‚Bau- und Holzarbeiter Internationale‘ (BHI) im November mit den WM-Planern von Katar geschlossen hat, dem Supreme Committee for Delivery & Legacy. Der Gewerkschaftsbund mit zwölf Millionen Mitgliedern in 130 Ländern darf nun die Baustellen für die Fußball-WM 2022 inspizieren. Dietmar Schäfers, 61, ist als stellvertretender BHI-Chef für das Abkommen zuständig. Er äußerte im SZ-Interview: „Das alles ist natürlich eine Gratwanderung. Wir dürfen uns nicht einbilden, nun alle Probleme zu beseitigen. Auch weiterhin werden Arbeitnehmer aus anderen Ländern mithilfe von Agenturen dorthin geschleppt, und denen müssen sie mehrere Tausend Dollar für die Vermittlung zahlen. Sie können ihren Arbeitsplatz nicht einfach wechseln, und sie brauchen weiterhin die Erlaubnis ihres katarischen Arbeitgebers, wenn sie die Schnauze voll haben und das Land verlassen wollen. (…) Es ist das erste Mal, dass Katar mit einer Gewerkschaft einen Vertrag geschlossen hat, der Kontrollen überhaupt zulässt. Ich kann mich noch erinnern, auf welche Ablehnung wir stießen, als ich vor dreieinhalb Jahren das erste Mal da unten war. Aber wegen der permanenten Medienberichterstattung und des öffentlichen Drucks mussten die Katarer sich bewegen. (…) Es beschränkt sich leider auf die WM-Baustellen. Wir erreichen also nicht die 1,5 Millionen Wanderarbeiter, die es in Katar gibt – sondern maximal 40 000“ (Esslinger, Detlef, „Aus der Nummer kommen die Katarer nicht mehr raus“, in SZ 4.1.2017).

Nachtrag 56: Züricher Gericht entscheidet für WM 2022 in Katar
„Das Handelsgericht des Kantons Zürich hat eine Klage gegen den Fußball-Weltverband Fifa bezüglich der WM 2022 in Katar abgewiesen. Die niederländische Gewerkschaft FNV, die bangladeschische Gewerkschaftsunion BFTUC und Bau- und Holzarbeitergewerkschaft sowie eine Privatperson waren wegen ‚angeblich unerlaubter Handlungen und Haftung der Fifa für Menschenrechtsverletzungen‘ im WM-Gastgeberland Katar vor Gericht gezogen. Eine Klage von drei internationalen Gewerkschaftsverbänden sei ‚aus formellen Gründen‘ unzulässig, hielt das Handelsgericht in seiner Mitteilung fest. Das Gericht sei für ‚geschäftliche Tätigkeiten‘ zuständig – was die Gewerkschaften von der Fifa forderten, habe damit aber nichts zu tun, hieß es unter anderem. Das Gericht beschäftigte sich deshalb gar nicht inhaltlich mit der Frage, ob Arbeiter aus Bangladesch in Katar ‚Sklavenarbeit‘ verrichten müssten, wie es in der Klage hieß“ (Gericht weist Klage gegen Katar-WM ab, in spiegelonline 6.1.2017).

Nachtrag 57: Katar wird blockiert
Am 5.6.2017 hat eine von Saudi-Arabien geführte arabische Koalition Katar isoliert – und damit auch dessen Sender Al Jazeera. „Sein früheres  Alleinstellungsmerkmal hat Al Jazeera schon länger verloren und etwa mit Sky News Arabia, BBC Arabic und al-Arabiya Konkurrenz bekommen. (…) Der zu Al Jazeera gehörende Sportkanal Be In hält in einigen arabischen Ländern die Senderechte für die Champions League und die englische Premier League“ (Baumstieger, Moritz, Bildstörung, in SZ 12.6.2017).

Nachtrag 58: WM 2022 wieder infrage gestellt
„Nach dem Vorwurf der Terrorunterstützung wird Katar von deutschen Spitzenpolitikern als WM-Gastgeber mehr denn je infrage gestellt. ‚Die Vorwürfe wiegen zu schwer. Die Diskussion über die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Katar muss ernsthaft geführt werden‘, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder der ‚Passauer Neuen Presse‘. Die Fußball-WM 2022 soll in Katar stattfinden. Kauder sagte dazu, es sei kaum vorstellbar, dass in einem Land, aus dem der Terrorismus massiv unterstützt werde, ein WM-Turnier ausgetragen werden könne. Das Emirat müsse nun zur Aufklärung beitragen“ (Deutsche Politiker ziehen WM in Katar in Zweifel, in spiegelonline 7.6.2017). – „‚Die aktuelle Entwicklung ist nur ein weiterer trauriger Beleg dafür, dass Katar als Austragungsort für eine Fußball-WM denkbar ungeeignet ist‘, sagte Bundestag-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) der Zeitung Die Welt. Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag bemängelte die Zurückhaltung des Weltverbandes in der Debatte. (…) Der Turn-Weltverband beschäftigt sich bereits mit einer Alternative zur WM 2018 in Doha. ‚Wir haben einen Plan B ausgearbeitet“, sagte sein Präsident Morinari Watanabe als Gast des Turnfests in Berlin: ‚Aber es ist nicht der Moment, ihn schon zu veröffentlichen.‘ Der Leichtathletik-Weltverband, der die WM 2019 nach Doha vergab, teilte mit, er befinde sich in Gesprächen, um die kurz- und langfristigen Implikationen zu verstehen“ (DPA, SZ, „Kaum vorstellbar“, in SZ 8.6.2017).
Dazu aus einem Kommentar von Johannes Aumüller in der SZ: „Es ist eine schwierige Gemengelage. Denn im Kern kann es keinen Zweifel an der These geben, dass Katar kein geeigneter Austragungsort ist. Es ist ein Unding, dass das Emirat das Turnier überhaupt erhielt; und ebenso, dass die Fifa es ihm nicht schon längst entzog. Rund um jene von Korruptionsvorwürfen umrankte Abstimmung im Dezember 2010 interessierten den Fifa-Vorstand die Menschenrechte im Emirat ebenso wenig wie die schlechte technische Bewertung des Kandidaten. Die vergangenen Jahre wiederum offenbarten zur Genüge, dass es auch kaum Folgen hat, wenn die Weltöffentlichkeit intensiver auf ein Regime wie das katarische blickt. Hunderte Todesfälle gab es auf den WM-Baustellen, die Bedingungen für die Arbeiter sind unmenschlich. Es hat sich nahezu nichts verbessert, und wenn sich formal etwas gebessert hat, fehlt es an der Umsetzung – solch ein Resümee zieht Amnesty International. Auch die Tatsache, dass Terror-Organisationen aus Katar finanzielle Unterstützung erhalten, wäre ein Grund, einem Land ein Turnier zu entziehen. Aber die Fifa interessierte das alles nie groß. Jedoch ist schon die Frage: Warum kommt manche Kritik und Forderung erst und ausgerechnet jetzt, wenn Saudi-Arabien und seine Verbündete Katar isolieren? (…) In einem Jahr steht das zweite Turnier an, das die Fifa im Dezember 2010 vergab: die WM in Russland – und da böten sich allen (Sport-)Politikern genügend Argumente, um konkrete Konsequenzen zu fordern. Die beginnen beim völkerrechtswidrigen Verhalten Russlands auf der Krim und enden beim Einsatz nordkoreanischer Zwangsarbeiter zum Stadionbau noch lange nicht“ (Aumüller, Johannes, Warum erst jetzt? in SZ 8.6.2017).

Nachtrag 59: Pariser Sonderstaatsanwaltschaft untersucht Vergabe Katar 2022
Der 222 Millionen Euro teuere Einkauf von Neymar für den Katar-Klub Paris Saint Germain weckte die Fans: „Auf den Champs-Élysées standen sich die Passanten die Beine in die Bäuche, um möglichst zu den Ersten zu gehören, die im eilig umgebauten Laden des Vereins ein Trikot von PSG mit der ’10‘ und dem Namenszug des Brasilianers auf dem Rücken kauften. Für 140 Euro. Über Nacht waren einige tausend bedruckt worden. Manche Fans fürchteten wohl, dass es schon bald keine mehr geben könnte, doch zumindest in diesem Punkt dürfen sie wohl gelassen sein. Andere warteten den halben Tag vor dem Hotel Royal Monceau, einem Fünfsternepalast im VIII. Arrondissement. Da wohnen die Neymars in diesen ersten Pariser Tagen, alle, auch Juniors Mutter und Schwester sind angereist, der Vater sowieso. Das Hotel gehört, wie PSG, dem Emir von Katar“ (Meiler, Oliver, Science-Fiction mit Fußball, in SZ 5.8.2017; Hervorhebung WZ). Benötigt wird der Sieg von PSG in der Champions League – für Katar: „Ob die Operation auch sportlich gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich mit ‚Ney‘ endlich auch der internationale Erfolg einstellt, in der Champions League. Nur diese größte Trophäe zählt, nur sie gibt die erhoffte Strahlkraft. Dafür hatte Katar den Verein vor sechs Jahren gekauft, dafür pumpt es jedes Jahr Hunderte Millionen in den Verein. PSG ist das Imagevehikel des Emirats, der Marketingmotor. Wer an Katar denkt, soll an Fußball denken, an die Weltmeisterschaft 2022, an Spektakel und Zirkus, und besser nicht an die wüsten Geschichten über die angebliche Nähe Dohas zu islamistischen Extremisten, an geopolitische Wirren in der Region, an katastrophale Arbeitsbedingungen auf den Baustellen. (…) So elegant hat man Neymar selten gesehen. Er war gekleidet wie ein Botschafter, der zum Kamingespräch erwartet wird. Das passt ja auch zur neuen Rolle: Neymar wird zum wichtigsten Botschafter Katars. (…) Die 222 Millionen Euro aus Katar liegen jetzt also in Barcelona. Sie dopen den Markt. (…) Wollten die Katalanen Neymar mit einem ähnlichen Spielerprofil ersetzen, einem linken Flügelstürmer als Zuträger von Messi und Suárez, kämen zwei sehr junge Herrschaften in Frage, zwei französische Großtalente: Ousmane Dembélé von Borussia Dortmund und Kylian Mbappé von AS Monaco. Dembélé ist 20, Mbappé gar erst 18. Unter 100 Millionen Euro, so hört man, wollen ihre Vereine aber gar nicht erst verhandeln“ (Ebenda).
Dazu aus einem Beitrag von Thomas Kistner in der SZ: „Mit dem bizarren Neymar-Transfer stürzt der FC Paris St. Germain die Sportwelt in Aufruhr und das Financial-Fairplay-System der europäischen Fußball-Union Uefa in die Krise. Auch die Profispielergewerkschaft Fifpro lehnt sich gegen den 222-Millionen-Deal auf, sie forderte am Freitag ein Einschreiten der EU-Wettbewerbskommission. (…) Die Pariser Sonderstaatsanwaltschaft Parquet National Financier (PNF) untersucht die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar; sie will wissen, ob damals auf Staatsebene geschachert wurde. Dabei spielt nach SZ-Informationen der Verkauf von PSG an Katars Investmentfonds QSI eine zentrale Rolle. Im Fokus der PNF-Ermittler stehen Vorgänge in der Regierungszeit des von 2007 bis 2012 amtierenden Nicolas Sarkozy. Der Staatschef, enger Freund Katars und glühender PSG-Anhänger, hatte im Herbst 2010 im Élysée-Palast den Kronprinzen Tamim bin Hamad al-Thani mit Michel Platini zum Dinner zusammengebracht. Frankreichs Fußballheros war Uefa-Präsident und einer der 24 Wahlleute im Vorstand des Weltverbands Fifa, die über die WM-Vergabe 2018 (Russland) und 2022 (Katar) abstimmten. Die Kür erfolgte zehn Tage nach dem Festmahl. Platini soll bei dem Treffen überzeugt worden sein, für eine WM am Golf zu votieren. (…) Die französischen Staatsanwälte befragten den früheren Fifa-Boss im April im Zuge einer Amtshilfe in der Schweiz. Sie gehen nun dem Verdacht nach, dass Platini auch drei europäische Kollegen im Fifa-Vorstand auf das Emirat eingestimmt haben soll. Platinis Sohn Laurent erhielt ein Jahr nach der Kür einen Job bei QSI und stieg dort bald zum Europa-Chef auf – also just in der Firma, der auch PSG gehört. (…) Die Pariser Ermittler glauben, beim Fußball-Dinner 2010 unter Spitzenvertretern Frankreichs und Katars sei der Verkauf von PSG in ein Gesamtpaket eingebunden worden. Der Klub, seit 1994 ohne Meistertitel und stets in Geldnot, gehörte der US-Investmentfirma Colony Capital; nur Monate nach dem Élysée-Treff wurde er an QSI verkauft. Direktor von Colony Capital war ein französischer Freund Sarkozys. (…) Die WM-Vergabe 2022 steht im Fokus von Strafermittlungen, eng begleitet von der US-Bundespolizei FBI. Zugleich versucht das Emirat mit allen Mitteln, Führungsmacht im Weltfußball zu werden. So erscheint der Neymar-Transfer als Teil eines Wettlaufs, der darauf abzielt, in Windeseile systemrelevant im beliebtesten Sport des Planeten zu werden. Und zu groß, um zu fallen?“ (Kistner, Thomas, Dinner im Èlysée, in SZ 5.8.2017).
Und Claudio Catuogno dazu in der SZ: „Tatsächlich sind die 222 Millionen katarische Außenpolitik. Tamim bin Hamad al-Thani, 37, der Emir von Katar und Besitzer von PSG, hat sich den buntesten aller Vögel in seine Hofvoliere geholt, auf dass er dort über all die aktuellen Misstöne hinwegzwitschere. Von seinen Nachbarn wird Katar geächtet wegen angeblicher Terrorfinanzierung und Kontakten zu Saudi-Arabiens Erzfeind Iran; in Europa und den USA interessieren sich Strafbehörden für die Frage, auf welchem Weg das kleine Emirat den Zuschlag für die große Fußball-WM 2022 bekam. Und dass die Arbeitsbedingungen auf den Großbaustellen kaum besser werden, wird spätestens in den Fokus rücken, wenn der 2018-Gastgeber Russland keinen Schatten mehr wirft. Man müsste Katar dieses Fußballturnier wieder wegnehmen – aber wer wird das wagen, wenn dem Emir die größten Attraktionen im Fußballzirkus gehören? Too big to fail. Es ist gleichwohl ein riskanter Plan. Würde PSG jetzt wirklich noch 180 Millionen für Kylian Mbappé dazulegen – spätestens dann müsste eine Uefa, die ihre Regeln ernst nimmt, die dann spektakulärste Elf des Planeten aus ihrer Champions League verweisen. Der Markt ist hier nicht das Thema. Der Skandal besteht darin, in Paris 222 Millionen für einen Ballkünstler hinzustellen – und den Tausenden Gastarbeitern, die zu Hause die Theater bauen, nicht mal genug Wasser“ (Catuogno, Claudio, Zwitschern in der Voliere des Emir, in SZ 9.8.2017).

Nachtrag 60: Auch die Fans für die WM 2019 einkaufen
Michael Johnson hatte eine Idee, eine gar nicht so schlechte dazu: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF möge allen Fans, die in London die WM mit außergewöhnlicher Stimmung begleitet hatten, rabattierte Karten, Flüge und Hotels verschaffen, schlug der emeritierte 400-Meter-Großmeister jetzt vor. Damit die Atmosphäre beim kommenden WM-Gastgeber Doha nicht verkümmert. Katar verfügt ja über viele Sportevents, nicht aber über das Publikum, um sein knapp 50 000 Zuschauer fassendes Stadion für die Dauer einer handelsüblichen WM zu befüllen. (…) Warum nicht gleich die Fans einkaufen für eine WM, die seit jeher vom Verdacht umschwirrt wird, sie sei erkauft? Verbrieft ist, dass Doha der IAAF ein Sponsoringpaket über 30 Millionen Euro schnürte, bevor die WM vergeben wurde, ganz legal. Auf dem Hof des einstigen kenianischen Verbandschefs tauchten nach Katars Kür plötzlich zwei Geländewagen auf, gestiftet von den Herren aus dem Emirat. Weniger legal. Aber bestimmt Zufall. Vor der Wahl des Gastgebers 2017, die Katar gegen London verlor, sollen braune Umschläge die Besitzer gewechselt haben, ebenfalls gesponsert von Dohas Delegation. Das behauptete Ed Warner, damals Chef des britischen Verbands. (…) Dem eigenen Ethos treu bleiben, zugleich aber mitverdienen – nicht nur die Leichtathleten haben sich tief in diesem Konflikt verheddert. Katar ist politisch isoliert, weil es angeblich Terrorismus finanziert. Strafermittler durchleuchten die Vergabe der Fußball-WM 2022. Auf den WM-Baustellen leiden und sterben Arbeiter. Gleichzeitig löst der Emir von Katar, der Nebenjob auch Paris Saint-Germain unterhält, einen Fußballspieler für 222 Millionen Euro aus. Nicht mehr unsere Welt, sagen sie beim FC Bayern, wegen der irren Ablöse. Gleichzeitig gab der Klub jetzt in Doha bekannt, dass er mit dem örtlichen Flughafen auf seinen Trikot-Ärmeln wirbt. Öffentliche Kritik am Emirat, eine wirksame Form des Protests? Fehlanzeige. Der Rekordmeister wirbt lieber offensiv für jene neue Welt, zu der er nicht mehr gehören will“ (Knuth, Johannes, Tonnenweise Sonnencreme, in SZ 16.8.2017).

Nachtrag 61: Mit den Sport-Millionen gegen den Terrorismus-Vorwurf
222 Millionen Euro zahlte der Eigentümer von Paris  Saint Germain, der Emir von Katar, für den Fußballer Neymar. Kurz danach 180 Millionen Euro  für den 18-jährigen Fußballer Kylian Mbappé. „Mbappés Transfer macht aus diesem Geschäftssommer den heißesten der Sporthistorie. Der Emir aus Katar, dem PSG seit 2011 gehört, hebt mit diesem zweiten Großcoup in nur drei Wochen eigenhändig alle Gesetze und Größenordnungen aus den Angeln, die bisher gegolten hatten. Man dachte schon, Neymar sei verboten teuer gewesen: 222 Millionen Euro. Aber Neymar ist immerhin ein gestandener Superstar und Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft, einer mit Millionen Fans und Followern, der auch die Einkünfte des Vereins aus den Fernsehrechten und aus dem Sponsoring treiben kann. Mbappé dagegen ist gerade mal volljährig. Vor einem Jahr kannten ihn nur Eingeweihte. (…) Nach außen soll es aber unbedingt so aussehen, als bezahle man nach den 222 Millionen Euro für Neymar nun nicht auch gleich noch 180 Millionen für Mbappé, obschon genau das passiert: Die Leihe ist ein Zeittrick, eine Vernebelung. Mbappé soll ein Jahresgehalt von 18 Millionen Euro erhalten, das ist etwa doppelt so viel, wie Real geboten hatte. (…) 192 Millionen Euro gab PSG in der vergangenen Saison allein für Spielersaläre aus – vor der Verpflichtung Neymars, und der allein verdient 30 Millionen Euro, netto. Ein Irrsinn? Die Uefa hat PSG 2014 schon einmal mit einer Sanktion belegt, weil der Emir aus der Ferne einfach mal einige Hundert Millionen Euro aus seinen Staatsfonds eingeschossen hatte. Die Uefa verhängte damals eine Geldstrafe und beschränkte den Kader für die Champions League auf 21 statt 25 Spieler. Geändert hat sich seitdem nicht viel. Noch immer pumpt das Emirat jedes Jahr 170 Millionen Euro aus der Qatar Tourism Authority, der katarischen Tourismusbehörde, in die Kassen von PSG. Offiziell läuft das unter Sponsoring. Doch eigentlich ist es eine klassische Querfinanzierung“ (Meiler, Oliver, Jenseits der Ringstraße, in SZ 29.8.2017).
Dazu aus  einem Kommentar von Johannes Aumüller in der SZ: „‚Financial Fairplay ist tot‘, heißt es nun angesichts der Millionen-Ablösen aus Paris/Katar für Neymar (222) und Kylian Mbappé (mutmaßlich 180), zuzüglich exorbitanter Gehälter. Aber das ist falsch. Richtig ist, dass es nie gelebt hat. Seit 2010 gibt es diese Finanzvorschriften mit den im Kern guten Zielen. Vereine sollen nur so viel ausgeben wie sie einnehmen – und ein externer Investor darf binnen drei Jahren maximal 30 Millionen Euro an Defizit ausgleichen. Aber neben anderen Schwächen, beispielsweise wettbewerbsrechtlichen Fragen, gab es von Anfang an ein großes Problem: dass die Uefa Verstöße gegen die Regel nicht konsequent ahndete. Als Axt erwies sich FFP nur bei den kleinen Vereinen, bei den großen bestenfalls als Taschenmesser. Scheich-Klubs wie Manchester City oder Paris verstießen schon vor Jahren massiv gegen die Vorgaben. Die Folge: Kein Ausschluss aus dem Europapokal, sondern eine Reduzierung des Kaders auf 21 Spieler und, Achtung!, eine Geldstrafe – über diesen Scherz der Uefa ist bei den Eigentümer-Treffen weltweit herzhaft gelacht worden. (…) Es geht nicht nur um die irre klingenden ‚222‘ oder ‚180‘ als solche. Es geht auch um die begleitenden Finanz-Tricksereien, mit denen das Ganze so aufgestellt werden kann, dass es sich absurderweise auch noch als FFP-konform darstellen lässt. Wenn zum Beispiel seltsame Sponsorenverträge zwischengeschaltet werden; wenn Leihgeschäfte konstruiert werden; oder wenn sich plötzlich Unterstützer finden, die nur wegen der Verpflichtung eines bestimmten Spielers ihre Zuwendungen kräftig aufstocken“ (Aumüller, Johannes, Höchstens ein Taschenmesser, in SZ 29.8.2017).
Die Katar-Sport-Millionen (bzw. insgesamt -Milliarden) sollen aus dem kleinen Emirat eine „Sport-Großmacht“ machen, die über dieses Konstrukt dem Vorwurf besser begegnen kann, internationalen Terrorismus zu unterstützen.

Nachtrag 62: Katars Fußball-Sport-Milliarden
„Die Uefa hat angekündigt, den Transfer-Taifun bei Paris Saint-Germain streng zu prüfen. Ernsthaft! Nach den Regeln ihres – nicht lachen – Financial-Fairplay-Reglements (FFP). Doch, doch. Vereinfacht besagen diese Regeln, dass Klubs nicht mehr Geld ausgeben als einnehmen und externe Investoren über drei Jahre höchstens 30 Millionen Euro Defizite ausgleichen dürfen. Und in manchen Fällen hat die Uefa auch schon zugelangt: Sie sperrte unter anderem griechische und türkische Zwerge für den Europapokal. Den Geldausgebern von ManCity und PSG hingegen drohte sie welche Sanktionen an? Ja, im Ernst: Geldstrafen! Nach einem Jahr Zurückhaltung am Spielermarkt hob die Uefa diese Sanktion gegen Paris 2015 sogar wieder auf – drohte den Geldsäcken an der Seine aber tapfer, ihre Transfers stünden fortan ‚unter strenger Überwachung‘. Das hat die Manager in Paris, sprich: die PSG-Marionetten am Ende der Petrodollar-Pipeline aus dem Emirat Katar, so beeindruckt, dass sie ein Jahr lang die Füße stillhielten. Um jetzt ein Beben auszulösen, das den Fußballbetrieb verwandeln wird. Neymar kam für 300 Millionen Euro brutto, der 18-jährige Kylian Mbappé für 180 Millionen netto: Wer glaubt, dieses Geld habe ein Verein mit der Kickerei erworben, hat das Haupt schon sehr tief in der Klub-Bettwäsche stecken. Ein Staat kauft Kicker, andere werden nachziehen. Darum geht es. Und die Sachwalter des Fußballs lernen gerade auf die harte Tour, dass es sich längst nicht mehr um dieses Phänomen dreht, das Sportbeobachter ergriffen als freien Markt resp. rotierende Preisspirale beschreiben. (…) Der Wüstensprengel in der Dimension Nordhessens weiß um die Endlichkeit seiner Erdgasvorräte, er beschloss schon vor einer Dekade die Expansion in die Sport- und Konsumgüterindustrie des Westens. Dohas Olympiabewerbung floppte, aber bei den Funktionären des Fußballweltverbands klappte es: 2010 erhielt Katar die WM 2022. Heute haben nur zwei der 24 Fifa-Wahlleute keine Strafermittlung am Hals. Was aber nicht ausschließen soll, dass sich die Sportsfreunde für Katar nur deshalb so begeistert haben, weil sie endlich mal die WM in Backofenhitze austragen wollten“ (Kistner, Thomas, Handelskrieg mit Kickern, in SZ 4.9.2017).

– Katars Fußball-Millionen
„Paris Saint-Germain, ein ehemals hoch verschuldeter Klub, wurde vor sechs Jahren auf Anordnung des heutigen Emirs von Katar von einem Investor, der Qatar Sports Investment Authority (QIA), des elftgrößten Staatsfonds der Welt. Die QIA legt die Überschüsse aus dem Öl- und Erdgasverkauf Katars an und hält aktuell allein Unternehmensbeteiligungen im Wert von 338,4 Milliarden Dollar. (…) Bereits in den vergangenen Jahren pumpten die PSG-Besitzer 700 Millionen Euro für neue Spieler in den Verein. Jetzt kommen nochmal 400 Millionen dazu“ (Buschmann, Rafael, Pfeil, Gerhard, Röhn, Tim, Winterbach, Christoph, Wulzinger, Michael, Raubtiere, in Der Spiegel 39/23.9.2017). Für u. a. Neymar 222 Millionen (für den FC Barcelona) und Kylian Mappé (145 Millionen + 35 Millionen Euro an den AS Monaco). Neymar erhält ein monatliches Grundgehalt von 3.069.520 Euro – plus Prämien und Sonderzahlungen (Ebenda).

Nachtrag 63: Immer noch desaströse WM-Baustellen
„Ausbeutung, missachtete Menschenrechte, schlechte Arbeitsbedingungen: Beim Bau der Stadien zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar ist das Normalität – obwohl diese Missstände immer wieder kritisiert wurden. Jetzt erhebt die internationale Organisation Human Rights Watch (HRW) erneut schwere Vorwürfe gegen das Ausrichterland am Golf und den Weltverband Fifa. Risiken der großen Hitze und Feuchtigkeit auf den Baustellen würden ignoriert, die Ursache von Todesfällen nicht ausreichend untersucht. In einem neuen Report prangert die Organisation an, dass es zwar Fortschritte gebe, diese jedoch längst nicht ausreichten. Vor allem die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufgrund der enormen Hitze auf den WM-Baustellen in Katar würden nicht genügend beachtet und weiterhin zu Todesfällen führen. (…) Schon vergangenes Jahr hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Vorwürfe gegen die Fifa wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern auf WM-Baustellen in Katar erhoben. Angesichts von Zwangsarbeit, niedrigen Gehältern, armseligen Arbeitslagern und dem Entzug von Pässen sowie der Verweigerung der Ausreise von Arbeitern kritisierte Amnesty, es mangele dem Weltverband an Interesse an den Problemen, es fehle ein ‚ernstgemeinter Einsatz‘ zur Bekämpfung der Menschenrechtsverletzungen und des unwürdigen Umgangs mit den beim Stadionbau eingesetzten Arbeitern. (…) Scharfe Kritik übt HRW daran, dass Katar kaum für die Aufklärung der Ursache von hunderten Toten auf den WM-Baustellen des Emirats sorge. Die Darstellung der Todesfälle von Wanderarbeitern, sei undurchsichtig und oberflächlich. Es fehlten Autopsien, um die Todesursachen herauszufinden. Katar beschäftigt vor allem Menschen aus Bangladesh, Indien und Nepal beim Bau der WM-Stadien“ (Mörderische Hitze, in spiegelonline 27.9.2017). –
„In einem am Mittwoch publizierten Bericht fordert die international tätige Organisation Human Rights Watch (HRW) die Fifa und deren Mitgliedsverbände auf, die ‚Maßnahmen zum Schutz der Bauarbeiter‘ zu forcieren; es geht um ‚Hitzerisiken und vermeidbare Todesfälle‘. HRW tritt für die Wahrung der Menschenrechte ein und findet, der Fußball müsse in diesem Sinne Druck auf Katar ausüben. HRW geht weiterhin von Todesfällen im Zusammenhang mit der WM-Bautätigkeit aus. Der Bericht hält zwar fest, dass das zuständige Supreme Committee Fortschritte eingeleitet habe. So sei im Vorjahr ein besseres Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Arbeitspausen festgelegt worden, um die klimatischen Belastungen durch Hitze und Feuchtigkeit auszubalancieren. Doch das sei zu wenig, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden und Todesfälle zu verhindern. Zumal diese Maßnahmen nur für die direkt an den WM-Baustellen tätigen Arbeitsmigranten gelten, also rund 12 000 Menschen. Das entspricht aber nur 1,5 Prozent der rund 800 000 Bauarbeiter, die im Emirat insgesamt tätig sind. Und eine große Zahl davon dürften dennoch für WM-Arbeiten eingesetzt werden, etwa bei der Infrastruktur. (…) Human Rights Watch rügt dezidiert die undurchsichtige Darstellung von Todesfällen unter den Wanderarbeitern. Das Emirat habe auf Anfrage mitgeteilt, dass es 2016 zu 35 Todesfällen am Arbeitsplatz kam, die sich ‚meistens aus Stürzen, vermutlich auf Baustellen‘, ergeben haben. Jedoch habe die Regierung nicht die Gesamtzahl der Todesfälle vorgelegt – zugleich würden vereinzelte Informationen von Botschaften der Herkunftsländer der Beschäftigten belegen, ‚dass die Zahl der jährlichen Todesopfer in die Hunderte geht‘. Das betrifft vor allem Arbeiter aus Bangladesch, Indien und Nepal“ (Kistner, Thomas, „Hitzerisiken und vermeidbare Todesfälle“, in SZ 27.9.2017).

Nachtrag 64: Katar-Sport und der FC Bayern
„Der Bericht kam womöglich nicht zufällig an dem Tag heraus, an dem zwei vom Emirat gesponserte Fußballklubs aufeinandertreffen: Paris St. Germain und der FC Bayern München. Ersterer machte zuletzt Schlagzeilen durch den 222-Millionen-Euro-Transfer des Brasilianers Neymar, den Katar finanzierte. Und die Münchner verkündeten jüngst, dass der Flughafen von Katar, der bereits seit einiger Zeit als sogenannter Platin-Sponsor des deutschen Rekordmeisters firmiert, nun auch als sichtbarer Sponsor auf dem Trikotärmel wirbt. Geschätzt zehn Millionen Euro pro Saison, heißt es, fließen in die Kasse; konkrete Zahlen nennt der FC Bayern nicht. (…) Nicholas McGeehan, der am Katar-Report mitgearbeitet hat, mittlerweile aber nicht mehr für HRW tätig ist, sagt: ‚Der FC Bayern wurde von HRW im Januar 2016 sehr deutlich gewarnt vor möglichen Auswirkungen seiner Beziehung zu Katar.‘ Zudem führt er aus: ‚HRW offerierte Beratung zu den Schritten, die der Klub tun könnte, um seinen Ruf zu schützen. Seitdem hat sich die Beziehung zu Katar vertieft, aber Bayern schwieg weiter zur Frage des Missbrauchs von Arbeitern.‘ Der Verein sei ‚in einer sehr sichtbaren Kommerzbeziehung‘ mit einer Regierung, die das Leben junger Männer missachte. ‚Es wäre angebracht für den FC Bayern, seinen Einfluss auf Katars Regierung zu nutzen und öffentlich sofortige Schritte zu fordern, um das Leben der Wanderarbeiter in Katar zu schützen‘, sagt McGeehan“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 65: PSG und der Eine-halbe-Milliarde-Sturm
„Vorstandschef Nasser Al-Khelaifi hat einem Bericht der Zeitung El País zufolge versucht, dem uruguayischen Stürmer Edinson Cavani sein Vorrecht abzukaufen, die Strafstöße auszuführen. Das sollte dem im Sommer für 222 Millionen Euro erworbenen Brasilianer Neymar vorbehalten sein, der mit seinen Toren weltweit und exklusiv für Paris (und Katar) zu werben hat. Cavani und Neymar hatten sich jüngst beim 2:0 gegen Lyon darum gestritten, wer den Elfmeter schießen darf. Neymar forderte den Ball, Cavani schoss (und vergab). Das Angebot, künftig zu verzichten, lehnte er ab. Es geht wohl auch dabei ums Geld: Cavani und Neymar sollen Zusatzprämien für von ihnen erzielte Tore erhalten“ (Elfmetergeld, in SZ 26.9.2017). – „Am ‚Abend der Bewährung‘, wie das an diesem Mittwoch stattfindende Heimspiel von PSG gegen den FC Bayern in der Champions League genannt wird, stehen sie aber wieder nebeneinander auf dem Platz – alle drei, auch Kylian Mbappé, mit erst 18 Jahren der jüngste und bescheidenste im Trio. Der gesamte 466-Millionen-Euro-Sturm, der teuerste der Fußball-Historie. Zusammengekauft vom Emir aus Katar, dem Besitzer von PSG, der damit mal schnell die bisher bekannten Dimensionen im Markt in eine andere Sphäre beförderte. (…) Neymar wird schon so lange gehuldigt, dass sich seine Starallüren mit der Zeit zur Übergröße ausgewachsen haben. Und nun, da er endlich da angekommen ist, wo er hinwollte, mitten in den Fokus des Weltinteresses, als Nummer 1 seines Vereins mit einem Jahreslohn von 37 Millionen Euro, kann er diese Allüren offenbar nur noch leidlich kontrollieren. (…) Man will nun erfahren haben, dass die Katarer Cavani eine Million Euro angeboten haben, wenn er auf sein bisheriges Recht verzichtet, jeden Elfmeter zu treten. Cavani lehnte ab, angeblich getroffen in der Würde“ (Meiler, Oliver, Sie gönnen sich nichts, in SZ 27.9.2017).

Nachtrag 66: Keine Fortschritte, neue Versprechungen
„Katar hat fünf Jahre vor seiner Fußball-WM 2022 wieder einmal Verbesserungen für die unhaltbare Arbeits- und Lebenssituation ausländischer Arbeiter auch auf den WM-Baustellen angekündigt. Arbeitsminister Issa Saad Al-Jafali Al-Nuaimi stellte bei einer Konferenz mit ausländischen Diplomaten die Einführung eines Mindestlohns und von Rechtsschutz in Aussicht. Allerdings machte der Politiker keinerlei Angaben zur Höhe der künftigen Entlohnung der geschätzt 800.000 Arbeiter oder zum Zeitpunkt der Lohnreform. In Bezug auf den Rechtsschutz für Arbeiter aus anderen Ländern hat Katar laut Al-Nuaimi bilaterale Abkommen mit 36 anderen Staaten geschlossen. (…) Die katarischen Machthaber begegnen der weltweiten Kritik bereits seit einiger Zeit mit vollmundigen Ankündigungen von kleineren Reformen im Arbeitsrecht. Neutrale Beobachter konnten allerdings kaum eine nachhaltige Verbesserung der Lage für Arbeiter aus dem Ausland bestätigen“ (Katar verspricht Mindestlöhne und Rechtsschutz, in spiegelonline 25.10.2017).

Nachtrag 67:WM 2022 entziehen!
„Seit in Katar an den Bauten für die WM gearbeitet wird, gibt es harsche Kritik an den Arbeitsbedingungen dort. Allein 2013 sind 520 Menschen auf den Baustellen gestorben. Schon damals warnte der Internationale Gewerkschaftsbund, dass ohne Schutzmaßnahmen bis zum Ende der Bauarbeiten 4000 Arbeiter ihr Leben auf den Baustellen verlieren könnten. Nach einer aktuellen Untersuchung hat Human Rights Watch erneut kritisiert, dass die Behörden weder Zahlen von Todesfällen vorlegen, noch die Todesursachen untersuchen. (…) Die meisten Arbeiter kommen – oft mit falschen Versprechungen über die Lohnhöhe angeworben – aus Asien. Für die Vermittlung werden laut Amnesty Gebühren zwischen 500 und 4300 Dollar verlangt. Bei der Ankunft müssen sie ihre Pässe abgeben, in teilweise erbärmlichen Unterkünften wohnen, können sich in Katar nicht frei bewegen und ohne Zustimmung des Arbeitgebers weder den Arbeitgeber wechseln noch das Land verlassen. Nun hat Arbeitsminister Issa Saad Al-Jafali Al-Nuaimi angekündigt, dieses System abzuschaffen. Es soll einen Mindestlohn geben, besseren Rechtsschutz und auch die Möglichkeit, Gewerkschaften zu bilden. (…) Die Bundesregierung, der internationale Gewerkschaftsbund ITUC und internationale NGOs haben die Verantwortlichen in Katar und bei der Fifa wiederholt aufgerufen, die Rechte der Arbeiter zu schützen. 2015 hat die Fifa daraufhin den ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für Wirtschaft und Menschenrechte, John Ruggie, beauftragt, ihr eine Strategie zu entwickeln, wie sie die Menschenrechte auch bei der Ausrichtung der Weltmeisterschaften achten kann. Bei der Vorlage des Berichts hat Ruggie 2016 die Fifa explizit aufgefordert, Katar die Spiele zu entziehen, falls die Regierung die Rechte der Arbeiter nicht schützt. (…) Über den Austragungsort einer Fußball-Weltmeisterschaft entscheidet der Fifa-Kongress mit einfacher Mehrheit. Ein Fünftel der Mitgliedsverbände kann eine Tagung erzwingen. Dazu müssen sie dem Fifa-Rat, dem zweithöchsten Gremium der Fifa, ein entsprechendes Verlangen mit Angabe der zu behandelnden Themen vorlegen. Innerhalb von drei Monaten kann dann ein außerordentlicher Fifa-Kongress mit einfacher Mehrheit den Austragungsort der WM 2022 neu festlegen. Das Exekutivkomitee ist offensichtlich nicht bereit aus den vorliegenden Berichten Schlüsse zu ziehen. Insofern sollten die Mitgliedsverbände jetzt die Notbremse ziehen und der Fifa wieder ein Stück Integrität zurückgeben“ (Löning, Markus, Ein Rest von Integrität, in SZ 28.10.2017).

Nachtrag 68: FC Bayern und Katar – Alte Freunde kann niemand trennen…
„Der FC Bayern München wird sich vom 2. bis 7. Januar in einem Trainingslager in Katar auf die zweite Saisonhälfte vorbereiten. Auch in der kurzen Winterpause in der WM-Saison stimmt sich die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes also wieder in der Aspire Academy in Doha ein, wird sich dort aber kürzer aufhalten als in den vergangenen Jahren. (…) Das Bundesliga-Team der Frauen des FC Bayern bestreitet erstmals ein Trainingslager in Katar (27. Januar bis 3. Februar)“ (DPA, Wieder nach Katar, in SZ 10.11.2017). – „Katar, das mit Paris und Neymar dagegenhält, beschleunigt die Preisspirale, indem es keine marktgerechten sportlichen Preise, sondern in erster Linie politische bezahlt. Der Druck auf Katar ist gewaltig: Die globale Förderung der Elektromobilität gefährdet die Öl-Einnahmen, das vom großen Nachbarn Saudi-Arabien initiierte Handelsembargo bremst den Geschäftsfluss. In dieser komplexen Lage soll sich der Neymar-Transfer auszahlen, in Paris behaupten sie, er sei geradezu ein Schnäppchen. Das mag aus der Katar-Perspektive der Fall sein, sofern es dem Brasilianer gelingt, dann auch als das Werbegesicht der WM 2022 die Schlagzeilen wegzulächeln, von denen sich der Wüstenstaat gerade bedrängt sieht. Menschenrechtsorganisationen prangern weiterhin die unwürdigen, lebensgefährlichen Bedingungen auf den WM-Baustellen an; Staatsanwaltschaften weltweit prüfen, ob der Zuschlag gekauft wurde. Mit alldem hat sich der FC Bayern nun hautnah verknüpft. Trotz Kenntnis der Fakten intensiviert er seine Partnerschaft mit dem Hamad International Airport Qatar – gegen zehn Millionen Euro trägt der deutsche Rekordmeister das Logo des Flughafens auf dem Trikotärmel“ (Hoeltzenbein, Klaus, Ball-Besitz, in SZ 19.8.2017; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 69: Katarischer Multifunktionär al-Khelaifi unter Druck
„Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) verdächtigt den Geschäftsmann Nasser al-Khelaifi, den langjährigen Fifa-Generalsekretär Jerôme Valcke im Gegenzug für WM-Fernsehverträge geschmiert zu haben. Am Freitag teilte die italienische Polizei die Beschlagnahme einer Villa in Porto Cervo auf Sardinien mit. Al-Khelaifi soll Valcke diese als ‚Mittel zur Bestechung‘ im Kontext von WM-Rechtevergaben überlassen haben. (…) Al-Khelaifi ist Präsident von Paris Saint-Germain, das kürzlich dank diverser Multimillionen-Transfers in die Schlagzeilen geriet; auch ist er Chef des katarischen Sportsenders beIN Sports, einem Ableger von Al Jazeera. Um die Rolle dieser Firma und um Verträge für WM-Turniere von 2018 bis 2030 geht es. Valcke soll von al-Khelaifi sowie einem weiteren, nicht benannten Rechtehändler ’nicht gebührende Vorteile angenommen‘ haben. (…) Das neue Verfahren dringt zum Kern der alten Fifa vor. Auf der einen Seite al-Khelaifi, 43, einer der höchsten Sportvertreter Katars, der auch den nationalen Sportinvestmentfond QSI leitet und gerne mal Tennis spielt mit seinem Jugendfreund Tamim al-Thani – dem Emir. Auf der anderen Seite Valcke, skandalumtoster Fifa-General der Sepp-Blatter-Ära. Einer, dessen Vita sich auch ohne die neuen Vorwürfe wie ein Krimi-Drehbuch liest. (…) Was seine Katar-Verbindung angeht, rücken nun diese Vorgänge ins Licht: Im April und im September des Jahres 2010, an dessen Ende (!) die Fifa ihre WM 2022 nach Katar vergab, soll Valcke vor Zeugen erklärt haben, dass das Turnier schon an das Emirat vergeben sei. Ende 2015 suspendierte die Fifa ihren General, Valcke hatte sich beim WM-Ticketing in den eigenen Interessen verheddert. Die Fifa-Ethiker verbannten den Franzosen für zehn Jahre aus dem Fußball, in der Schweiz wird gegen ihn ermittelt“ (Kistner, Thomas, Schmiergeldverdacht, in SZ 14.10.2017). – „Am Freitag versiegelte die italienische Polizei eine sieben Millionen Euro teure Villa auf Sardinien, die al-Khelaifi dem Fifa-Mann als „Mittel zur Bestechung“ im Kontext von WM-Rechten überlassen haben soll. Valckes Anwalt sagt, sein Klient habe Miete bezahlt. Ob die über einen Freundschaftspreis hinausging, sagte er nicht“ (Kistner, Thomas, „Sie widersetzen sich der Herausgabe von Daten“, in SZ 16.10.2017).

Nachtrag 70: Mysterium Katar 2022
Mit den Ermittlungen könnte nun auch öffentlich Bewegung in eines der größten Mysterien in der Geschichte der Fußball-WM-Vergaben kommen: wie der Zuschlag für das Turnier 2022 an Katar bewerkstelligt worden ist. Im Herbst 2015 zeichnete der ehemalige US-israelische Fußballer und Sportrechtehändler Benny Alon in einem Vortrag vor Journalisten in Zürich nach, wie internationale Sportrechte- und Ticketing-Unternehmen über Jahre hinweg mit der Fifa über die Vergabe von Rechten verhandelt hatten. Dabei hatte Alons Agentur JB einen Vertrag erzielt, der ihr umfangreiche Ticketpakete für die Turniere von 2010 bis 2022 zusicherte. Verhandlungspartner war aber nicht die offizielle Fifa-Agentur, sondern Valcke persönlich. Details aus jenem Vortrag führten noch am selben Tag zur Suspendierung des Franzosen bei der Fifa. Besonders brisant war ein Vorfall, der sich am Rande zugetragen haben soll, nach der Unterschrift des Vertrages im Frühjahr 2010. Damals, so Alon, habe ihm Valcke eröffnet, dass die WM 2022 bereits Katar fest zugesagt sei – offiziell vergeben wurde sie indes erst Ende 2010. Benny Alon will damals viele Leute informiert haben, auch den US-Verband. Monate später soll Valcke die Aussage, Katar habe die WM schon sicher, in einem Zürcher Lokal wiederholt haben, diesmal vor Zeugen“ (SZ, Strafverfahren gegen PSG-Chef, in SZ 13.10.2017).

Nachtrag 71: Wie Katar „kooperiert“
„Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) ermittelt wegen Bestechung, Betrugs und Untreue, sie verdächtigt Nasser al-Khelaifi, Chef des in Doha ansässigen Sportsenders beIN Media Group, den langjährigen Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke im Zuge einer diskreten TV-Rechtevergabe geschmiert zu haben. Das zielt auf den Sportstatthalter und Tennispartner des Emirs; al-Khelaifi dirigiert neben dem Sender auch den nationalen Sport-Investmentfonds (QSI), der so illustre Figuren wie Michel Platinis Sohn Laurent anheuerte (nachdem der Papa in der Fifa 2010 für die WM-Vergabe an Katar votiert hatte). Zudem präsidiert al-Khelaifi dem Klub Paris St. Germain, dessen Millionen-Prasserei am Transfermarkt die europäische Fußballunion Uefa untersucht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Parquet National Financier (PNF) in Paris die Büros des Senders durchsucht hatte, verkündete beIN, man weise die Vorwürfe zurück, kooperiere aber vollständig mit den Behörden. Nur: Die Behörden sehen das ganz anders. Von Kooperation könne keine Rede sein, erklärt ein PNF-Vertreter auf SZ-Nachfrage. ‚Sie widersetzen sich der Herausgabe von Daten. Sie wollen eindeutig nicht kooperieren – das ist verdächtig.‘ Vergeblich habe die PNF Material angefordert, das der Sender auf seinen Servern in Doha blockiere. Nun soll ein Rechtshilfe-Ersuchen an Doha folgen, doch die Ermittler haben wenig Illusionen: ‚Bis dahin wird es ihnen leicht fallen, alles zu bereinigen.‘  Das Verhalten erstaunt; als gäbe es nicht schon genug Verdachtsmomente in dieser Causa. Dazu zählt auch der Umstand, dass beIN Sports zwar die WM-Übertragungsrechte 2026 und 2030 für Nordafrika und den Mittleren Osten erworben hat – dies aber über Jahre so klandestin für sich behielt, dass es erst durch die Strafermittlung publik wurde. Vier Jahre alt sollen die Vereinbarungen sein – jetzt reibt sich eine komplette Branche die Augen: warum haben das weder die Fifa noch beIN Sports je publik gemacht? (…) Für Katar dürfte das noch heikel werden. Denn die Frage, warum die Fifa Ende 2010 die Sportwelt mit der Kür des Emirats überrumpelte, blieb ja bis heute ohne nachvollziehbare Erklärung; der Zwergstaat mit den drittgrößten Erdgas-Reserven des Globus hat weder eine Fußballkultur noch geeignete Klimaverhältnisse, weshalb das Turnier schon auf Winter 2022 umdatiert wurde. Falls es dort stattfindet, so darf allmählich ergänzt werden. Korruptionsgeraune überschattet das Event seit der Vergabe; fast alle damals abstimmenden Fifa-Granden zappeln heute in den Netzen der Justiz. Nur zwei aus dem 24-köpfigen Gremium blieben unverdächtig. (…) Jetzt ermittelt auch das Fifa-Ethikkomitee. Es kämpft, nach einer dramatischen Umbesetzung durch den skandalerprobten Fifa-Boss Gianni Infantino, um seine Glaubwürdigkeit. Die wäre endgültig dahin, falls aus den gravierenden Beschuldigungen nicht bald provisorische Maßnahmen erwüchsen. Valcke ist bereits gesperrt. Doch für al-Khelaifi wäre ein Bannspruch der Ethiker verheerend. Dann wäre er über Nacht das Chefamt im Geldverbrenner-Klub Paris SG los“ (Kistner, Thomas, „Sie widersetzen sich der Herausgabe von Daten“, in SZ 16.10.2017).

Nachtrag 72: Ende der Katar-Sklaverei?
„Katar hat fünf Jahre vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in dem Golf-Emirat weitreichende Arbeitsmarktreformen angekündigt. Laut dem Internationalen Gewerkschaftsbund ITUC kommen sie einer Abschaffung des umstrittenen Kafala-Systems gleich. Dabei bürgt der Arbeitgeber für das Visum der ausländischen Arbeiter, in Katar mehr als zwei Millionen, überwiegend aus Südasien. Damit sind die Arbeiter von ihm abhängig, was vielfältigen Machtmissbrauch ermöglicht. So behielten Firmen oft Gehälter ein, kassierten illegale Vermittlungsgebühren und konnten die Arbeiter daran hindern, ihren Job zu wechseln oder das Land zu verlassen. Die teils lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen und miserable Unterbringung sind seit der Vergabe der WM an Katar ständige Kritikpunkt gewesen. Die ITUC begrüßte nun ‚den Durchbruch der Regierung von Katar, das Kafala-System zu beenden‘, das die ITUC als #moderne Sklaverei‘ gegeißelt hatte. Entsprechende Entscheidungen von Emir Tamim bin Hamad al-Thani und Arbeitsminister Issa Saad al-Jafali al-Nuaimi seien ‚der Beginn echter Reformen‘, sagte ITUC-Generalsekretärin Sharan Burrow der Süddeutschen Zeitung. (…) Laut der ITUC verpflichtet sich Katar einen Mindestlohn unabhängig vom Herkunftsland der Arbeiter einzuführen und dafür zu sorgen, dass Arbeitgeber sie nicht länger daran hindern können, das Land zu verlassen. Bislang wurden die Löhne nach Herkunftsland festgesetzt – Menschenrechtler kritisierten das als rassistisch. Überdies soll ein zentrales Register für die Arbeitsverträge geschaffen werden, um zu verhindern, dass Arbeitern nach ihrer Ankunft in Katar schlechtere Bedingungen aufgezwungen werden können. Die Arbeiter sollen Ausweise vom Staat erhalten, womit ihr Zugang zur kostenfreien medizinischen Versorgung sichergestellt wäre. An jedem Arbeitsplatz sollen von den Beschäftigten gewählte Komitees eingerichtet werden. Für den Fall von Meinungsverschiedenheiten wird ein Schlichtungsgremium geschaffen, das in festen Fristen Entscheidungen über Beschwerden treffen muss. (…) Nicholas McGeehan von der Menschenrechtsorgansiation Human Rights Watch sagte, bisher handele es sich nur um Versprechungen – und Versprechen habe Katar auch schon gebrochen. Seine Organisation hatte jüngst erst einen besseren Schutz der Arbeiter vor der brutalen Hitze jenseits der Sommermonate gefordert. Amnesty International sah sich außer Standes, die Ankündigungen zu bewerten, solange die Regierung nicht mehr Details vorlege“ (Krüger, Paul-Anton, Ende der modernen Sklaverei? in SZ 27.10.2017).

Nachtrag 73: Katar-2022-Überweisungen
„Die Einschläge rücken näher. Seit der Fußball-Weltverband (Fifa) vor fast sieben Jahren Katar den Zuschlag für die WM 2022 erteilte, gibt es dazu massiven Korruptionsverdacht. Nun verdichten sich in einem der vielen Ermittlungsstränge neue Erkenntnisse der Strafbehörden. Demnach steht der langjährige Fifa-Vorstand Ricardo Teixeira im Verdacht, im Kontext eines in Doha ausgetragenen Freundschaftsspiels zwischen Brasilien und Argentinien aus Katar eine Millionen-Überweisung erhalten zu haben. Der Brasilianer Teixeira, jahrzehntelang einer der einflussreichsten Männer im Weltfußball, steht seit einiger Zeit im Fokus der Ermittlungen der französischen Behörden. Es geht dabei unter anderem um ein Bankkonto in Monaco, auf dem er rund 22 Millionen Dollar bunkerte.(…) Nun werden neue Hintergründe sichtbar, über die am Freitag das brasilianische Blatt Estadao berichtete. Demnach soll Teixeira von dem Testspiel Brasiliens gegen Argentinien persönlich profitiert haben, das am 17. November 2010 stattfand, nur 15 Tage vor Vergabe des WM-Turniers. Als Organisator des Spiels fungierte der Konzern Ghanim Bin Saad Al Saad & Sons Group (GSSG), der Großinvestitionen in Bereichen wie Bau, Luftfahrt und Finanzen verwaltet. Chef des Unternehmens war Ghanim Bin Saad Al Saad. Der steht im Verdacht, die für den Test gezahlten 8,6 Millionen Dollar gedrittelt zu haben: Rund zwei Millionen sollen auf ein Konto in Singapur gegangen sein, das die Ermittler seinem Umfeld zuordnen; der Rest soll zwischen Teixeira und einem ‚argentinischen Topfunktionär‘ verteilt worden sein. (…) Die französische Anti-Korruptions-Polizei in Nanterre, einem Vorort von Paris, spürt seit langem diversen Investitionen Katars nach, die es rund um die Ende 2010 erfolgte WM-Kür gab. Dazu zählen nach SZ-Informationen auch angebliche Ungereimtheiten beim Erwerb eines Aktienpaketes der Firma Veolia durch das Unternehmen Qatari Diar, das zu einem katarischen Staatsfonds gehört. Damals der entscheidende Mann dort: Ghanim Bin Saad Al Saad. Der Verdacht: Unterschlagung. Vermutet wird, dass bei den Verhandlungen insgesamt etwa 120 Millionen Euro an Firmen in Steueroasen umgeleitet wurden“ (Geld aus Katar, in SZ 28.10.2017).

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Aus Arbeitsgründen können die neuen Entwicklungen zur Vergabe von Katar 2022 hier nicht laufend ergänzt werden: bitte in der Chronologie nachsehen.

Vergleiche auch IOC und Diktaturen: hier; Handball-WM 2015

Quellen:
Aktuelle Chronologie
Ashelm, Michael, Die Qatar-Connection, in faz.net 11,1,2013
Augstein, Franziska, Wer nichts zahlt, darf auch nicht mitreden, in SZ 30.4.2013
Avenarius, Thomas
– Gefährliche Verse, in SZ 2.4.2014
– Tonstörung, in SZ 2.5.2014
Bauchmüller, Michael, Tausche Gas gegen Grün, in SZ 5.12.2012
Berlusconi sucht Käufer, in SZ 13.10.2012
Burkert, Andreas, Nebelkerze aus Katar, in SZ 1.2.2013
Busse, Caspar, Ritzer, Uwe, 200 cm2 auf der Brust, in SZ 28.4.2012
Catuogno, Claudio, Gegen Katar – für Istanbul, in SZ 25.5.2012
Chimelli, Rudolph, Machtwechsel bei den Riesenzwergen, in SZ 25.6.2013
Dupré, Rémi, Neue Herrscher im Prinzenpark, in SZ 22.1.2013
Eichler, Christian, Die lieben Verwandten, in faz.net 30.1.2012
Esslinger, Detlef, Die WM der Sklaven, in SZ 28.1.2014
FC Malaga an Katar-Scheich verkauft, in focus.de 17.6.2010
Glamour unterm Eiffelturm, in SZ 1.2.2013
Gropius-Museum verzichtet auf das moderne Olympia, in zeit.de 10.5.2012
Hahn, Thomas, Vorhang auf für die Überführten, in SZ 10.5.2012
Herrmann, Boris, Symbole im Wüstensand, in SZ 25.8.2012
Hessenland, Frank, Nicht auf Medaillenkurs, in dradio.de 13.2.2012
Katar bewirbt sich um Olympia 2024, in zeitonline 24.6.2012
Kistner, Thomas,
Fifa Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball, München 2012
– Druck von oben, in SZ 18.12.2012
– Überfallartiger Rückzug, in SZ 19.12.2012
– Zwei auf Crashkurs, in SZ 3.1.2013
– Dinner mit Scheich, in SZ 31.1.2013
– Weihnachten in der Wüste, in SZ 4.3.2013
Kühn, Alexander, Reuter, Christoph, Schmitz, Gregor Peter, Bröckelnde Insel, in Der Spiegel 7/9.2.2013
Meiler, Oliver, Scheichs Leckerbissen, in SZ 26.2.2013
Mölter, Joachim, Viel Geld und weiße Strände, in SZ 16.1.2013
Piper, Nikolaus, Willkommen bei Al Jazeera, in SZ 25.7.2013
Platini weist Korruptionsvorwurf zurück, in faz.net 29.1.2013
Qatar to continue bidding for Olympic Games, in football.uk.reuters.com 15.11.2012
Schindler, Jörg, Seidler, Christoph, Gipfel-Gastgeber Katar verbannt seine Kritiker, in spiegelonline 7.12.2012
Smoltczyk, Alexander, Vater Morgana, in Der Spiegel 22/26.5.2012
Smoltczyk, Alexander, Zand, Bernhard, Flüssige Diplomatie, in Der Spiegel 11/12.3.2012
Teuffel, Friedhard, Wo Olympia sich wohl fühlt, in tagesspiegel.de 25.5.2012
Votum für den Winter, in SZ 12.10.2012
Warmbrunn, Benedikt, Ein Verein namens Katar, in SZ 31.1.2015
Weinreich, Jens, Intrige gegen Istanbul, in berliner-zeitung.de 25.5.2012
Werner, Kathrin
– Das Millionen-Experiment, in SZ 20.8.2013
– Die gute Nachricht, in SZ 23.8.2013
– Fernsehen ohne Zuschauer, in SZ 11.8.2014
Wikipedia
Yallop, David A., Wie das Spiel verlorenging – Die korrupten Geschäfte zwischen Fifa und den Medien, Düsseldorf 1998

Vergleiche wiederum im Kritischen Olympischen Lexikon IOC und Diktaturen: hier

 


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (274 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
Ablasshandel - Adidas - Afrika-Cup 2015 - Al Khalifa, Salman - Al-Sabah, Ahmed Al-Fahad Al Ahmed - Alleinstellungsmerkmal - Almaty 2022 - Amateursportler - Armstrong, Lance - Artiade - Aserbaidschan-Sport - Athletenvereinbarung - Audi - Bach, Thomas - Bahrain-Sport - Barcelona, Olympische Sommerspiele 1992 - Beckenbauer, Franz - Beilschmidt, Rolf - Berliner Doping-Studie - Biathlon - Blatter, Sepp - Bogner, Willy - Boston 2024 - Boston 2024 - Brasilien 2013 - Brasilien Juni 2013 - Brot und Spiele - Brundage, Avery - Bubka, Sergej - Buenos Aires 9/2013 - Court of Arbitration for Sport (CAS) - Chowdhry, Anwar - CO2-Biographie - CO2-Neutralität - Coca-Cola - Coe, Sebastian - Dassler, Adolf - Dassler, Horst - Daume, Willi - Defizitgarantie - Deloitte - Deripaska, Oleg - Deutsche Sportärzte - Deutsche Sporthilfe - Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) - Deutscher Alpenverein, olympisch - Deutsches "Sommermärchen" 2006 - DFB gegen Galopprennbahn - Diack, Lamine - Diem, Carl - Discovery - Donike, Manfred - Doping - Doping Russland (I): IAAF etc. - Doping Russland (2): Die Wada-Untersuchung - Doping Russland (3): Rodtschenkow und Sotschi 2014 - Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) - Dow Chemical - Eishockey-WM 2014 - Eishockey-WM 2014 beim Diktator - Elite - Eliteschulen des Sports - European Games 2015 - European Games 2019 - Eurosport - Event - Fackellauf - "Fancy Bears" - Fasel, René - Fernsehrechte - Fifa - Fifa-Eckert-Report - Fifa-Kunstrasen - Formel-1-Gelder - Franke, Andreas - Frühinvaliden - Fußball - Gazprom - Gazprom-Chronik (3): ab 9/2014 - Gazprom-Chronik (4): 11/2014 - 12/2015 - Gazprom-Chronik (6) ab 07/2017 - Gazprom-Chronik (2): 1/2013 - 8/2014 - Gazprom-Chronik (1): bis 31.12.2012 - Gazprom-Chronik (5): 01/2016 bis 06/2017 - Gazprom NTW - Gendoping - Graubünden 2022 - Greenwashing - Grüne Spiele - Grünes Erbe - Guelfi, André - Hall of Fame/Shame - Halt, Karl Ritter von - Hamburg 2024 - Hamburg-Berlin 2024 (2) 7-8/2014 - Hamburg-Berlin 2024 (3): 9-10/2014 - Hamburg-Berlin 2024 (4):11/2014 - 3/2015 - Hamburg-Berlin 2024 (1) bis 6/14 - Handball-WM 2015 - Hasan, Mohamad Bob - Havelange, João - Hayatou, Issa - Heinrich, Lothar/Schmid, Andreas - Hickey, Patrick - Hill & Knowlton - Hodler, Marc - Hörmann, Alfons - Hollmann, Wildor - Hooligans - Fußball-EM 2016 etc. - Host Broadcasting Services (HBS) - Host City Contract 2018 - Host City Contract 2022 - Huber, Georg - Immo-Welt 2018 - Infantino, Gianni - Infront - Innsbruck 2026 - International Association of Athletics Federations (IAAF) - International Biathlon Union - Internationale Sportverbände - Internationale Sportverbände und Diktaturen - International Olympic Committee (IOC) - IOC und Diktaturen - ISL / ISMM - Jahn, Matthias - Kasper, Gian Franco - Katar-Sport - Keul, Joseph - Kim Un Yong - Kindermann, Wilfried - Klümper, Armin - Korruption - Kosten Olympischer Spiele - Krümmel, Carl - Landessportbund Thüringen - Lee Kun Hee/Samsung - Leichtathletik-Weltmeisterschaften-Ausverkauf - Leichtathletik-WM 2015 in Peking - Leuchtturm-Projekt - Lewald, Theodor - London 2012 - Lukaschenko, Alexander - Machbarkeitsstudie - Makarow, Igor - Masse, Die - McDonald’s - McLaren-Report II: Russisches Systemdoping - McQuaid, Pat - Mecklenburg, Adolf Friedrich zu - Meldonium - Mengden, Guido von - Motorsport - Moustafa, Hassan - München 2022 - Multi Party Agreement - MUNICH MASH - Nachhaltigkeit - Nagano 1998 - Naturschutz versus "Natursport" - National Broadcasting Company (NBC) - Nebiolo, Primo - Neckermann, Josef - Neuendorff, Edmund - NS-Sportfunktionäre - Nuzman, Carlos - Nyangweso, Francis W. - Öko-Institut - Ökologische Milchbubenrechnung - Ökologisches Blabla - Oligarchen-Sport - Olympic Agenda 2020 - Olympic Broadcasting Services (OBS) - Olympic Channel - Olympische Charta - Olympische Familie - Olympische Jugendspiele - Olympische Prostitution - Olympische Ringe - Olympische Sommerspiele Berlin 1936 - Olympische Spiele - Olympischer Kongress, Beispiel Paris - Olympischer Orden - Olympischer Zaun - Olympisches Dorf München 2018 - Olympisches Erbe - Olympisches Motto - Olympisches Museum - Olympisches Vermächtnis - Oslo 2022-Bewerbung - Panama Papers und der Sport - Paris 2024/Los Angeles 2028 - Park Yong-Sung - Peking 2022 - Pferde-Sport - Planersprache - Polizeieinsätze in Fußballstadien: Die Kosten - Profisport-Funktionäre - Public Viewing - Putin-Russland - Putin, Wladimir - Pyeongchang-Bewerbung - Rachimow, Gafur - Radmann, Fedor - Red Bull - Reichenau, Walter von - Reichssportfeld - Ringier - Rogge, Jacques - Rosell, Sandro - Rotenberg, Arkadij, Boris - Russland in Rio 2016: Ja oder Nein? - Salt Lake City - Samaranch, Juan Antonio - Samsung - Scharapowa, Maria - Schladming 2013 - Schneekanonen - Sicherheit - Siemens olympisch - Sky TV - Sotschi 2014/I - Sotschi 2014/IV - Sotschi 2014/II - Sotschi 2014/III - SPD und München 2022 - Sponsoren - Sponsoring - Sport - Sportpalast-Architekten - Sport-Demokratur - sport intern - Sport ist politisch - Sport-Paläste - Sport-Pharaonen - Sportausschuss Bundestag - Sportbericht der Bundesregierung - Sportindustrie - Sportjournalisten - Sportsender ARD/ZDF - Sportsoldaten - Sprüche des Tages - St. Moritz 2022? - Stadtratsbeschluss 6.10.2010 - Takac, Artur - Takac, Goran - Tarpischtschew, Schamil - Techno-Doping - Therapeutic Use Exemptions - Timtschenko, Gennadij Nikolajewitsch - Tokio 2020 - Totalitärer Sport-Terminkalender - Tröger, Walther - Tschammer und Osten, Hans von - Tsutsumi, Yoshiaki - Ude, Christian - Union Cycliste Internationale (UCI) - UV-Blutdoping Erfurt - Vancouver 2010 - Vazquez Rana, Mario - Verbruggen, Hein - Vertrag mit der Olympia-Gastgeberstadt - Vesper, Michael - VIP-Logen - Weber, Jean-Marie - "Weltbild" von Fifa/ Uefa - White Elephants - Wintersport und Klimaerwärmung: 2013/2014 - Wintersport und Klimaerwärmung: 2014/2015 - WBA-Institute - Witt, Katarina - Wolfarth, Bernd - X Games - Zucker -

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