Lee Kun Hee und Samsung
Lee Kun Hee (* 1942) ist der reichste Mann Südkoreas und war von 1987 bis 2008 und wieder ab 2010 Chef des Mischkonzerns und IOC-Topsponsors Samsung. Im August 1996 wurde er zum ersten Mal in Seoul wegen Bestechung in Höhe von umgerechnet rund 23 Millionen Euro zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt: Der Großteil des Geldes war an die damaligen südkoreanischen Diktatoren Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo geflossen. Schon 1997 wurde Lee Kun Hee von der Regierung begnadigt.
2008 wurde Lee wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung und umgerechnet 109 Millionen Dollar Strafe verurteilt; bereits 2010 begnadigte ihn der Staatspräsident (Wagner 30.4.2012): Lee wurde für die Bewerbung Olympische Winterspiele Pyeongchang 2018 benötigt, siehe unten.
Lee kehrte im April 2010 wieder an die Konzernspitze des Samsung-Konzerns zurück. Anfang Dezember 2010 machte er an seinen Sohn Lee Jay Yong zum Präsidenten von Samsung Electronics; seine Tochter Lee
Boo Jin übernahm die Spitzenposition in weiteren Firmen (Wagner 30.4.2012).
Lee Kun Hee und das IOC
Lee wurde 1996 vom damaligen IOC-Präsidenten Samaranch zum IOC-Mitglied ernannt und blieb dies bis 2008; seit Februar 2010 ist er erneut IOC-Mitglied.
Lee spendete zwei Millionen Dollar für Samaranchs Olympisches Museum und wurde 1991 Träger des Olympischen Ordens. Er hat über Samsung die südkoreanischen Olympia-Bewerbungen von Seoul (1988) und Pyeongchang (2010, 2014 und 2018) finanziert: Die drei Pyeongchang-Bewerbungen sollen etwa 150 Millionen Dollar gekostet haben
Der Samsung-Konzern wurde in Seoul 1988 ein Nationaler Sponsor und 1997 einer der Hauptsponsoren des IOC im TOP-IV-Programm (1997–2000). Dieses Engagement kostete den Konzern 45 Millionen Dollar. Das IOC hat 2007 den Sponsorenvertrag mit Samsung bis 2016 verlängert – für 100 Millionen Dollar.
Pyeongchang 2018
2008 legte Lee Kun Hee seine IOC-Mitgliedschaft wegen der Anklage zur Steuerhinterziehung und Veruntreuung nieder. Im August 2009 wurde er zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung und umgerechnet 95 Millionen Dollar Strafe verurteilt. Bereits am 30. Dezember 2009 wurde Lee Kun-Hee vom südkoreanischen Staatschef begnadigt, da er dringend für die (dritte) Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang benötigt wurde. Anfang Februar 2010 erhielt Lee auch seinen IOC-Sitz postwendend zurück. Die offizielle, etwas merkwürdige Begründung des IOC lautete: „In der Begnadigung durch die Regierung wurde Pyeongchang nicht erwähnt.“
Am 6.7.2011 konnte er in Durban beim IOC-Kongress die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 nach Pyeongchang feiern. Ob dies in Zusammenhang mit der Einflussnahme koreanischer Konzerne im
November 2010 auf Internationale Sportverbände und IOC-Mitglieder stand, kann nur vermutet werden.
Nachtrag 2012:
Samsung erwirtschaftet mit 344.000 Mitarbeitern ein Fünftel des gesamten Bruttoinlandsproduktes von Südkorea und hatte 2010 einen Umsatz von 220 Milliarden Dollar (Wagner 30.4.2012). Lee Kun Hee ist mit einem Vermögen von mehr als sieben Milliarden Dollar der reichste Südkoreaner (Bernau 18.1.2012).
Quellen:
Bernau, Varinia, Kopf der Woche: Lee Kun Hee, in SZ 18.1.2012
IOC Marketing: Media Guide, Vancouver 2010
Kistner, Thomas, So korrupt ist das IOC, in Cicero Juni 2008
Kistner, Thomas/Weinreich, Jens, Der olympische Sumpf, München 2000
Kreisl, Volker, Milliarden statt Schnee, in SZ 22.6.2010
Lee reinstated to IOC, in AP/sports.espn. 7.2.2010
Neidhart, Christoph, Es bleibt alles in der Familie, in SZ 4.12.2010
Seung-woo, Kang, Governor Wants IOC to Reinstate Lee Kun-hee’s Membership, in The Koreatimes 17.11.2009
Wagner, Wieland, Der Reiter des Kraken, in der Spiegel 18/30.4.2012
Wikipedia
Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (118 Einträge)
Ablasshandel - Adidas - Alleinstellungsmerkmal - Amateursportler - Artiade - Bach, Thomas - Barcelona, Olympische Sommerspiele 1992 - Biathlon - Blatter, Sepp - Bogner, Willy - Brundage, Avery - Court of Arbitration for Sport (CAS) - Chowdhry, Anwar - CO2-Neutralität - Coca-Cola - Dassler, Adolf - Dassler, Horst - Daume, Willi - Deloitte - Deutsche Sporthilfe - Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) - Deutscher Alpenverein, olympisch - Diem, Carl - Doping - Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) - Dow Chemical - Elite - Eliteschulen des Sports - Event - Fackellauf - Fernsehrechte - Fifa - Formel-1-Gelder - Fußball - Gendoping - Greenwashing - Grüne Spiele - Grünes Erbe - Guelfi, André - Hall of Fame/Shame - Halt, Karl Ritter von - Hasan, Mohamad Bob - Havelange, João - Hill & Knowlton - Hodler, Marc - International Olympic Committee (IOC) - IOC und Diktaturen - ISL / ISMM - Kim Un Yong - Krümmel, Carl - Lee Kun Hee - Leuchtturm-Projekt - Lewald, Theodor - London 2012 - McDonald’s - Mecklenburg, Adolf Friedrich zu - Mengden, Guido von - Motorsport - Nachhaltigkeit - Naturschutz versus "Natursport" - National Broadcasting Company (NBC) - Nebiolo, Primo - Neckermann, Josef - Neuendorff, Edmund - NS-Sportfunktionäre - Nyangweso, Francis W. - Ökologische Milchbubenrechnung - Ökologisches Blabla - Olympic Broadcasting Services (OBS) - Olympische Charta - Olympische Familie - Olympische Jugendspiele - Olympische Prostitution - Olympische Ringe - Olympische Sommerspiele Berlin 1936 - Olympische Spiele - Olympischer Kongress, Beispiel Paris - Olympischer Orden - Olympisches Erbe - Olympisches Motto - Olympisches Museum - Park Yong-sung - Planersprache - Pyeongchang-Bewerbung - Reichenau, Walter von - Reichssportfeld - Rogge, Jacques - Salt Lake City - Samaranch, Juan Antonio - Samsung - Schneekanonen - Sotschi - Sponsoren - Sponsoring - Sport - Sportpalast-Architekten - sport intern - Sport-Pharaonen - Sportbericht der Bundesregierung - Sportindustrie - Sportsoldaten - Takac, Artur - Takac, Goran - Tarpischtschew, Schamil - Techno-Doping - Tröger, Walther - Tschammer und Osten, Hans von - Tsutsumi, Yoshiaki - Ude, Christian - UV-Blutdoping Erfurt - Vazquez Rana, Mario - Vertrag mit der Olympia-Gastgeberstadt - Vesper, Michael - Weber, Jean-Marie - White Elephants - WBA-Institute - Witt, Katarina -
Ausgewählte Fachliteratur


