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Kim Un Yong

Zuletzt geändert am 29.07.2010 @ 19:20

Von 1986 bis 2005 war Kim Un Yong  (* 1931) Mitglied im IOC, dazu Mitglied im IOC-Exekutivkomitee und seit 2003 IOC-Vizepräsident.

Kim war Agent des südkoreanischen Geheimdienstes und Sekretär des Premiers Park Chung Hee, der den blutigen Staatsstreich 1961 initiierte. Er hatte auch zwischen 1970 und 1988 engste Kontakte zu den südkoreanischen Militärdiktatoren Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo. „Jeder blutrünstige General, der die Macht an sich riss, konnte auf seine Loyalität zählen“ (Andrew Jennings).

Kim Un Yong wurde Präsident der World Taekwondo Federation. Der eigentliche Entwickler dieser Sportart, der südkoreanische General Chi Hong Hi, der nichts mit der Militärdiktatur zu tun haben wollte, wurde von Kim ausgetrickst – und damit drei Viertel aller Taekwondo-Sportler. Kim holte mit > Horst Dassler die Olympischen Sommerspiele 1988 nach Seoul.

Kim setzte 1993 auch die Aufnahme des koreanischen Kampfsports Taekwondo als olympische Disziplin im Jahr 2000 durch, indem er diesmal die Karate-Sportler ausbootete. Er kassierte mit Wissen von > Samaranch von Sportlern, Kampfrichtern und den Funktionären des Taekwondo-Sports Gebühren für die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Kim beherrschte den südkoreanischen Sport dreißig Jahre lang. Er führte einen falschen Doktortitel und war in den Bestechungsskandal von Salt Lake City verwickelt. Ein Geschäftsmann aus Salt Lake City sagte vor Gericht aus, dass er an den Sohn John Kim 70 000 Dollar für die Stimme des Vaters bezahlt habe. (John Kim hatte sich nach Korea abgesetzt und fand Arbeit im Samsung-Konzern des IOC-Mitglieds > Lee Kun Hee.) Für Kim Un Yong erfand das IOC eine eigene Bestrafungskategorie: den „strengstmöglichen Tadel“.

Kim Un Yong wurde 2004 wegen der Annahme von umgerechnet 660 000 Euro Bestechungsgeld und der Veruntreuung von über zwei Millionen Euro zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er kam durch seinen Rücktritt vom Amt des IOC-Vizepräsidenten einem Ausschluss zuvor.

Samaranch bezeichnete Kim früher als „einen meiner wichtigsten Mitarbeiter“ und lud ihn noch zu den Sommerspielen 2008 in Peking als Stammgast ein. Auch > Thomas Bach war mit ihm befreundet und einer der drei Bürgen, als Kim Un Yong gegen > Jacques Rogge 2001 um das Amt des IOC-Präsidenten kandidierte und verlor.

Quellen:

Gnadenakt für den Olympiatraum, in SZ 30.12.2009

Haftstrafe für IOC-Vize Kim Un Yong, in Handelsblatt 3.6.2004

Jennings, Andrew, Das Olympia-Kartell, Reinbek 1996

Kistner, Thomas

- An den Fäden des Sportbundes, in SZ 7.10.2009

- So korrupt ist das IOC, in Cicero 6/2008

Kistner, Thomas/Weinreich, Jens, Der olympische Sumpf, München 2000

Lee wieder im IOC, in SZ 9.2.2010

Pyeongchang: Olympiafavorit für 2018, Blog 4.5.2009

Sandomir, Richard, Olympics: Suspended I.O.C. Official Is Asking for Receipts, in nytimes.com 18.3.2004

Schneppen, Anne, Anklage gegen Kim – Südkorea verstößt seinen Sportkaiser, in FAZ 4.3.2004

Simson, Vyv/Jennings, Andrew, Geld, Macht und Doping – Das Ende der olympischen Idee, München 1992

Votum mit politischer Brisanz, in Berliner Zeitung 9.2.2006

Weinreich, Jens

- Kims letzter Kampf, in Berliner Zeitung 19.3.2004

- Mahnendes Beispiel, in SZ 11.3.2009


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (118 Einträge)
Ablasshandel - Adidas - Alleinstellungsmerkmal - Amateursportler - Artiade - Bach, Thomas - Barcelona, Olympische Sommerspiele 1992 - Biathlon - Blatter, Sepp - Bogner, Willy - Brundage, Avery - Court of Arbitration for Sport (CAS) - Chowdhry, Anwar - CO2-Neutralität - Coca-Cola - Dassler, Adolf - Dassler, Horst - Daume, Willi - Deloitte - Deutsche Sporthilfe - Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) - Deutscher Alpenverein, olympisch - Diem, Carl - Doping - Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) - Dow Chemical - Elite - Eliteschulen des Sports - Event - Fackellauf - Fernsehrechte - Fifa - Formel-1-Gelder - Fußball - Gendoping - Greenwashing - Grüne Spiele - Grünes Erbe - Guelfi, André - Hall of Fame/Shame - Halt, Karl Ritter von - Hasan, Mohamad Bob - Havelange, João - Hill & Knowlton - Hodler, Marc - International Olympic Committee (IOC) - IOC und Diktaturen - ISL / ISMM - Kim Un Yong - Krümmel, Carl - Lee Kun Hee - Leuchtturm-Projekt - Lewald, Theodor - London 2012 - McDonald’s - Mecklenburg, Adolf Friedrich zu - Mengden, Guido von - Motorsport - Nachhaltigkeit - Naturschutz versus "Natursport" - National Broadcasting Company (NBC) - Nebiolo, Primo - Neckermann, Josef - Neuendorff, Edmund - NS-Sportfunktionäre - Nyangweso, Francis W. - Ökologische Milchbubenrechnung - Ökologisches Blabla - Olympic Broadcasting Services (OBS) - Olympische Charta - Olympische Familie - Olympische Jugendspiele - Olympische Prostitution - Olympische Ringe - Olympische Sommerspiele Berlin 1936 - Olympische Spiele - Olympischer Kongress, Beispiel Paris - Olympischer Orden - Olympisches Erbe - Olympisches Motto - Olympisches Museum - Park Yong-sung - Planersprache - Pyeongchang-Bewerbung - Reichenau, Walter von - Reichssportfeld - Rogge, Jacques - Salt Lake City - Samaranch, Juan Antonio - Samsung - Schneekanonen - Sotschi - Sponsoren - Sponsoring - Sport - Sportpalast-Architekten - sport intern - Sport-Pharaonen - Sportbericht der Bundesregierung - Sportindustrie - Sportsoldaten - Takac, Artur - Takac, Goran - Tarpischtschew, Schamil - Techno-Doping - Tröger, Walther - Tschammer und Osten, Hans von - Tsutsumi, Yoshiaki - Ude, Christian - UV-Blutdoping Erfurt - Vazquez Rana, Mario - Vertrag mit der Olympia-Gastgeberstadt - Vesper, Michael - Weber, Jean-Marie - White Elephants - WBA-Institute - Witt, Katarina -

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