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Olympic Broadcasting Services (OBS)

 
Zuletzt geändert am 19.07.2017 @ 16:46

Das Geschäftsmodell
Bei den Olympischen Sommerspielen in Rom 1960 wurden die Fernsehrechte für gerade einmal 1,2 Millionen US-$ vergeben. Tokio 1964 erbrachte 1,6 Millionen US-$. In Los Angeles 1984 wurde in 156 Nationen übertragen. Für die Übertragung der Spiele in Barcelona 1992 wurde „Radio Television Olimpica“ (RTO ‚92) gegründet. Die Fernsehrechte für die olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer brachten schon über 500 Millionen US-$.
Das IOC begann umgehend, die Einnahmequelle durch die internationalen Fernsehsender auszubauen und die Gebühren rasant zu steigern.

Gründung von OBS
Die Übertragungsrechte für die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002 wurden an die kleine Firma ISB vergeben, die dem langjährigen Samaranch-Vertrauten Manolo Romero gehörte, siehe unten. Den Vertrag für die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City soll Romero „auf Druck Samaranchs erhalten haben, obwohl sein Angebot 20 Millionen teurer war als das anderer Interessenten“ (Weinreich 23.8.2008).

Danach nutzte das IOC die Chance, selbst als einziger und ständiger „Host Broadcaster“ für die Olympischen Spiele aufzutreten und die Hoheit über alle produzierten Bilder zu haben. So wurde Olympic Broadcasting Services 2001 vom IOC mit einem Startkapital von einer Million Schweizer Franken gegründet. Zunächst war der Geschäftssitz der des IOC, Château de Vidy in Lausanne; seit 2005 befindet er sich in Madrid. Erstmals übertrug OBS die Olympischen Sommerspiele in Peking 2008. (www.obs.es; www.moneyhouse.ch).

Aufgaben
OBS produziert und überträgt die Rundfunk- und Fernsehberichterstattung der olympischen Spiele mit den „International Television and Radio (ITVR) Signals, das 1968 eingeführt wurde. OBS errichtet hierzu das International Broadcast Centre (IBC), wo auch die internationale Regie untergebracht ist. Das IBC in Peking 2008 war über 80.000 Quadratmeter groß, das der Olympischen Winterspiele in Vancouver 20.000 Quadratmeter. Hier war OBS erstmalig alleiniger Produzent des Bildmaterials (Wikipedia).

Das OBS koordiniert und versorgt verschiedene Einrichtungen und Dienste für die „Rights Holding Broadcasters“ (RHB) (www.obs.es). Während der Olympischen Spiele berichtet OBS mit über 6000 Mitarbeitern und 1000 Kameras. Es wird ein so genanntes „Weltsignal“ ausgesendet, das die internationalen Fernsehanstalten mit eigenem Material ergänzen: Sie zahlen dafür Milliardenbeträge (Weinreich 23.8.2008).

Vorstand
Vorstandsvorsitzender ist der Niederländer Hein Verbruggen, der frühere (und einigermaßen übel beleumundete) langjährige Präsident des Internationalen Radsportverbandes (UCI), den er von 1991 bis 2005 leitete. Er setzte durch, dass seit 1996 auch Radprofis bei den olympischen Sommerspielen starten dürfen. Seit 1996 ist Verbruggen auch Mitglied des IOC, seit 2008 Ehrenmitglied. Unter seiner Ägide lieferte Lance Armstrong zwei Schecks über 125.000 US-$ bei der UCI ab, wohl um Dopingvorwürfen zu entgehen. Vergleiche Doping; Hein Verbruggen, Pat McQuaid und die UCI

Vorstandsmitglied und Geschäftsführer (und eigentlicher OBS-Chef) ist Manolo Romero. Er produzierte früher mit seiner eigenen Forma International Sport Broadcasting (ISB), siehe oben.

Nun arbeitet er seit Jahren für die OBS des IOC. Er gilt als pressescheu. „Seit den Sommerspielen 1968 in Mexiko dominiert Romero das Geschäft. Damals war sein Freund und Landsmann Juan Antonio Samaranch noch Protokollchef des IOC“ (Weinreich 23.8.2008).

Weitere Vorstandsmitglieder sind der leitenden IOC Olympic Games Executive Director Gilbert Felli, der bis 2011 amtierende IOC Director General Urs Lacotte, IOC Senior Legal Adviser Francois Carrard, IOC Director of Finance & Administration und Howard Stupp, IOC Director of Legal Affairs (www.obs.es).
Das OBS ist also organisatorisch fest im IOC verankert.

Olympische Spiele in 3D
Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London werden 6000 Mitarbeiter des OBS etwa 6000 Stunden konventioneller Fernsehbilder produzieren. 300 Mitarbeiter werden Bilder in der neuen 3D-Technik erstellen. OBS wird den interessierten (und zahlungswilligen) Sendern über 200 Stunden dieser noch aufwändiger erstellten 3D-Fernsehtechnik zur Verfügung stellen. Pro Einstellung werden für 3D zwei Bildsignale von zusätzlichen Spezialkameras benötigt, dazu Glasfaserkabel für die gigantischen Datenmengen (focus 31.8.2011; Martin-Jung 12.9.2011).
Noch mehr Technik, noch mehr  Energie, noch mehr olympische Ideologie. Aber wenn schon Amerika und Europa ökonomisch kollabieren und der weltweite ökologische Niedergang zu beklagen ist, kann dann der olympische Betrachter wenigstens mit seinem neuen 3D-Gerät der Alltags-Tristesse zu entfliehen versuche. Jeder verdrängt, so gut es eben geht: Und das IOC liefert die Prothesen dafür.

Panasonic, mindestens bis 2016 einer der Hauptsponsoren des IOC, liefert die Kameras, das Equipment – und natürlich die Fernsehgeräte und die gesamten Home Entertainment Systems für die Konsumenten (www.businesswire.com). Panasonic erhofft sich natürlich einen Schub für die weitere Entwicklung und Verbreitung der 3D-Technik und damit für seine Geschäfte und seinen Umsatz.

Das Gegenstück zum OBS von Fifa/Uefa ist Host Broadcasting Services (HBS). Die Arbeitsweise ist absolut identisch.

Nachtrag 1: Auf der Sitzung des IOC-Exekutivkomitees im Dezember 2013 in Montreux wurden die Pläne mit OBS weiterausgebaut. “Darüber hinaus will die Exekutive eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, um festzustellen, ob durch die hauseigene Sendeanstalt OBS ein olympischer TV-Sender gegründet werden kann” – wie die Fifa (15 Millionen Euro für Kampf gegen Doping und Wettbetrug, in spiegelonline 15.12.2013).

Nachtrag 2: OBS in Sotschi 2014
„Mehr als 450 Kameras filmten die Athleten in Sotschi, so viele wie noch nie. Die Technik hat sich den Anforderungen der Sportarten bis ins Detail angepasst. Es kamen Kameras zum Einsatz, die speziell dafür entwickelt wurden, einen Bob bei knapp 150 Stundenkilometern zu erfassen. Über der Freestyle-Piste kreisten Drohnen, um die Salti und Schrauben der Fahrer zu filmen, Nahaufnahmen in HD-Qualität. Die Skicrosser trugen Helmkameras, damit man die Stürze aus ihrer Perspektive sah. Die Bilder vermittelten den Eindruck, alle Kritik an den Spielen sei nichts als Nörgelei. Aber Bilder erzählen selten die ganze Geschichte.
Die Skispringer starteten immer spätabends, die Fernsehzuschauer sahen Athleten, die durch die Nacht segelten. Den gewaltigen Dreckhügel, den die Bagger und Sattelschlepper neben der Schanze hinterlassen hatten, sahen sie nicht. Er verschwand in der Dunkelheit, hinter einer weißen Plane.
So war es beim Langlauf, beim Rodeln, beim Riesenslalom. Neben den Stadien, in denen Postkartenmotive ins Bild gerückt wurden, lagen Bauschutt, kaputte Rohre, Reste von Stacheldrähten, Hundekadaver. Die schöne und die hässliche Seite trennten bei diesen Spielen nur der Sicherheits-Check am Eingang“ (Eberle, Lukas, Großekathöfer, Maik, Ja, aber, in Der Spiegel 9/24.2.2014).
Die schöne neue OBS-Fernsehwelt…

Nachtrag 3: Olympischer TV-Kanal
Olympisches TV total: Ab April 2016 soll der TV-Kanal kommen mit Sitz in Madrid, rechtzeitig vor den Olympischen Sommerspielen in Rio 2016. Der totale Sportkanal wird eine digitale Plattform im Internet. „Was das IOC auf globaler  Ebene anstrebt, hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schon umgesetzt, mit sportdeutschland.tv“ (Huber, Joachim, Im Bild sein ist alles, in tagesspiegel.de 28.4.2015). Damit kann es mit den Öffentlich-Rechtlichen Sportsendern ARD und ZDF zu Problemen kommen: „Die Sportverbände, der DOSB wie das IOC, müssen aufpassen, sich mit eigenen TV-Plattformen die teuren Rechtedeals kaputtzumachen. Klar ist: Die Sommer- beziehungsweise Winterspiele werden auf dem IOC-Kanal zu sehen sein, immerhin wurden die Übertragungsrechte an den Sport-Events bereits an verschiedene Sender verkauft. In Deutschland wird Olympia 2016 von ARD und ZDF übertragen. Was die Sender für die Rechte bezahlt haben, verraten sie nicht“ (Ebenda). Und hier kommt wieder der Olympic Broadcasting Service ins Spiel: „Hier soll bis 2016 eine 100-köpfige Redaktion aufgebaut werden, sagte Yiannis Exarchos, Chef der Produktionsfirma Olympic Broadcasting Services. Er erwartet Einnahmen in Höhe von rund 600 Millionen Dollar (rund 580 Millionen Euro), die in den nächsten zehn Jahren durch den Sender eingespielt werden. Damit könnte das IOC seine Ausgaben decken, bis 2021 will der Verband 490 Millionen Euro in das Projekt stecken“ (Ebenda).

Nachtrag 4: Der DOSB-Kanal
Der DOSB hat seit 2011 die Abteilung New Media mit Sitz in Köln gegründet. Seit 2014 sendet der DOSB mit seinem eigenen Internet-Kanal Sportdeutschland.tv. Zwölf Kernsportarten und 56 weitere waren dort Ende 2014 vertreten: „Eine Plattform für die bunte Welt des Sports, einen großen Gemischtwarenladen“ (Klein, Günter, Sportdeutschland.TV zeigt dutzende Sportarten, in tz.de 24.10.2014). Oliver Beyer, Geschäftsführer von DOSB New Media: „…da wollen wir eben zusammen mit Sportverbänden, mit Ligen, mit Veranstaltern Hand in Hand gehen und erstmalig das alles bündeln, damit ich auch für Sportfans eine zentrale Anlaufstelle habe“ (Herkel, Günter, Kanal der Außenseiter, in deutschlandradiokultur.de 3.5.2015). Der DOSB wird auch hier die Zentralstation – mit Entscheidungsrecht: „Es gehe darum, den einzelnen Verbänden und Sportarten eine zentrale Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. So lässt sich umständlicher Mehrfachaufwand vermeiden: Rechteerwerb, Technik, redaktionelle Betreuung – das alles liefert der DOSB aus einer Hand“ (Ebenda).
Die volle DOSB-Dröhnung: Brot und Spiele pausenlos im Internet.

Nachtrag 6: Olympic Channel startet bei Rio 2016
„Auch wenn die Party in Rio jetzt endet, die Show geht weiter – auf dem neuen Olympia-Kanal, dem Olympic Channel. Dieser wurde noch am Abend der Eröffnungsfeier gestartet. Genau genommen wurde er eingestellt – ins Internet und in die Stores, über die sich Apps herunterladen lassen. (…) Sein simpler Slogan: ‚Where the games never end.‘ (…) Das Projekt ist Chefsache. Im September 2013 wurde der einstige Fechter Bach an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees gewählt. Ein Jahr später beschlossen die IOC-Mitglieder auf sein Betreiben hin den Aufbau des Kanals. Bis 2021 steht dafür ein Budget von 446 Millionen Euro bereit. Der Reifenhersteller Bridgestone ist als Gründungspartner dabei; der größte Teil kommt aus IOC-Kassen. (…) Am Olympic Channel werkeln derzeit etwa 90 Mitarbeiter, die aus rund 20 Ländern zusammengecastet wurden – ‚handverlesene Experten‘, wie Kanal-Chef Yiannis Exarchos sagt. Der Sender hat sein Hauptquartier in Madrid. Die handverlesenen Experten der Firma Olympic Broadcasting Services, die vom IOC 2001 ins Leben gerufen wurde, um von allen Spielen Live-Bilder zu produzieren, sollen nach der Rückkehr aus Rio nebenan einziehen. (…) Ein Grund, wieso die öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland bei der Vergabe der Rechte von 2018 bis 2024 nicht zum Zug kamen und von Discovery Communications ausgestochen wurden, war: Das US-Unternehmen trat der IOC-Digitaloffensive etwas geschmeidiger entgegen, als dies ARD und ZDF taten oder – wegen der gesetzlichen Vorgaben – tun können“ (Hofmann, René, Bilder gegen das Vergessen, in SZ 25.8.2016).
Und Holger Gertz in der SZ: „Olympia ist ein besonderes Ereignis, aber es ist verschattet, es macht befangen. Das Geld – die Rede ist von 600 Millionen Dollar für die ersten sieben Jahre – für so einen Olympiakanal wäre in ein tatsächlich wirksames Antidopingsystem besser investiert, oder man könnte den Brasilianern mehr geben dafür, dass sie ihre schöne Stadt und die Menschen in dieser Stadt als Kulisse bereitstellen. Beim IOC haben sie als Antwort auf sämtliche Kritik die Bilder, Bilder sind ihre Argumente. Aber Bilder sind schwache Argumente, wenn sie nur Ausschnitte zeigen, wenn sie kontrolliert wirken und inszeniert. Der Olympic Channel ist ein Beispiel, wie der große Fernseher im olympischen Dorf, auf dem die Höhepunkte des Wettkampftages flimmern, die Stimmen der Sprecher sind sehr getragen. Etwas geschieht, und schon im selben Moment wird es heroisiert. Die europäischen Fernsehrechte für die Spiele von 2018 bis 2024 hat das IOC kürzlich an Discovery Communications vergeben, die Muttergesellschaft von Eurosport. Die Öffentlich-Rechtlichen verhandeln noch, inwieweit auch sie in Zukunft Olympia zeigen dürfen. Wer sich von Eurosport Zwischentöne und Kritik erwartet, also Bildstörungen aller Art, hat den Sender selten an“ (Gertz, Holger, Läuft doch, in SZ 20.8.2016).

Nachtrag 7: Felix Lill in der ZEIT über die Olympic Broadcasting Services
Tim Hensgen, Mitarbeiter vom TV-Sender RTL, zu den OBS-Übertragungen Rio 2016: „Die Leute schauen unseren Sender eigentlich, damit sie heimische Athleten sehen können. Aber wir müssen das nehmen, was vom OBS kommt“ (Lill, Felix, Wir sehen das nicht so, in Die Zeit 11.8.2016). Für Rio 2016 war der Aufwand so gigantisch wie noch nie: „Rund 1.000 OBS-Kameras nehmen mehr als 7.000 Stunden Fernsehmaterial auf, das dann auf eine Plattform hochgeladen wird, von der sich alle akkreditierten TV-Kanäle bedienen können. Aus dieser einen Quelle werden die potenziell fünf Milliarden Zuschauer weltweit versorgt. (…) Bei Olympia 2012 in London gewannen von 204 Nationen nur 85 überhaupt Medaillen. Wer leer ausgeht, läuft daher auch Gefahr, in Sachen Bildmaterial zu kurz zu kommen. Denn die Extralizenz, um zusätzlich zu den OBS-Aufnahmen eigenes Material filmen zu dürfen, können viele Sendeanstalten nicht bezahlen. (…) Von den gut fünf Milliarden US-Dollar, die das Internationale Olympische Komitee im Vierjahreszyklus von 2012 bis 2016 einnahm, kamen knapp drei Viertel aus Fernsehgeldern. (…) Alle Sportgroßveranstaltungen sind längst hochkommerzialisiert. Olympia aber ist die Zuspitzung. Garry Whannel, Medienprofessor an der Universität Bedfordshire in England, schrieb in einem Aufsatz vor den Londoner Spielen 2012, Olympia dürfe man gar nicht mehr als Sportveranstaltung begreifen, sondern als TV-Event. Im Gegensatz zu weltweit beliebten Einzelsportarten wie Fußball oder Basketball sei nämlich ausgeschlossen, dass Olympia ohne Fernsehen auch nur annähernd seinen heutigen Beliebtheitsgrad erreicht hätte. (…) Das, was die Fernsehzuschauer seit Jahren zu sehen bekommen, ist ein Unternehmens-Imagefilm des IOC‘. Dass das IOC mehrere Milliarden einnehmen kann, obwohl die Olympischen Sommer- und Winterspiele sich nur alle zwei Jahre abwechseln, ist also vor allem den Fernsehbildern zu verdanken. Für die wiederum ist die IOC-Tochter OBS verantwortlich. Seit der hauseigene Berichterstatter 2001 schrittweise eingeführt wurde, haben sich die Einnahmen des IOC verdoppelt. Ansässig in Madrid, schickt OBS ihre auf die jeweiligen Sportarten spezialisierten Fernsehcrews, Kameras und Sendekonzepte zu den Spielen“ (Ebenda).
Der Kommunikationswissenschaftler Jörg-Uwe Nieland von der Deutschen Sporthochschule Köln kritisiert die OBS-Sendungen: ‚Das, was die Fernsehzuschauer seit Jahren zu sehen bekommen, ist ein Unternehmens-Imagefilm des IOC‘, sagt er. Bei den Olympischen Sommerspielen in London war er selbst als Zuschauer, vormittags schaute er sich Wettkämpfe in den Stadien an, nachmittags verfolgte er die Berichterstattung im Fernsehen. ‚Die hohe Polizei- und Militärpräsenz konnte ich dort nicht sehen‘, erinnert er sich. (…) Ab den Spielen 2008 in Peking übernahm dann der Olympia-Sender OBS, womit die Tochter des IOC auch eine gleich hohe Sendequalität für alle Länder versprach. OBS-Chef Yiannis Exarchos spricht von einem ‚beschleunigten Labor‘, wenn er die Bilder der Spiele meint. So werden einige Wettkämpfe und Zeremonien in Rio de Janeiro erstmals im Format 8K Super High Vision übertragen, einer Auflösung 16-mal so hoch wie High Definition, das bisher als beispiellos fein galt. Auf speziellen Headsets ist Olympia auch zum ersten Mal in Virtual Reality zu erfahren. Mit einem hochmodernen Angebot will das IOC die Kritik klein halten, die auch aus den Sendern kommt. Denn bei einer derart zentralisierten Sendestruktur ist auch die eigentlich versprochene freie Berichterstattung nicht mehr ganz so frei. So zeigen die OBS-Kameras wenig vom Schmutz in den Gewässern, in denen vor Rios Küste gesegelt wird. Wer die Eröffnungsfeier am 5. August im Fernsehen sah, hörte nur wenig von den lauten Buhrufen aus dem Publikum gegen Carlos Arthur Nuzman, den Vorsitzenden des Nationalen Olympischen Komitees Brasiliens. Die Stadien, bei denen die meisten Plätze leer bleiben, weil viele Brasilianer die teure und korruptionsbeladene Veranstaltung meiden, wirken im Fernsehen auch besser besetzt, als sie sind“ (Ebenda).
Aufstellung in der ZEIT, was alles nicht aus Rio 2016 übertragen wurde: Demonstranten, die ein gelbes T-Shirt mit der Aufschrift „Rio“ verbrennen, leere Tribünen, brasilianisches Militär, das  Stadionbesucher abführt, Pappschilder mit „Fora Temer!“ („Temer raus“; Temer ist brasilianischer Staatspräsident), die illegalen Mülldeponien und Menschen, die sich mit Homosexuellen solidarisch zeigen bei Sotschi 2014, Protestbanner „No Olympics on stolen native land“ bei Vancouver 2010 (Ebenda).

Nachtrag 5: Olympic Channel auf Sendung
„365 Tage im Jahr olympischer Sport im TV, weltweite Reichweite, Fechten und Badminton zur besten Sendezeit: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) macht mit seiner Vision vom eigenen TV-Kanal ernst, der Startschuss fällt am 21. August direkt nach dem Ende der Abschlussfeier in Rio de Janeiro. ‚Der Start des olympischen Kanals ist der Start einer aufregenden Reise, um die weltweite Öffentlichkeit das ganze Jahr mit der olympischen Bewegung zu vernetzen‘, sagte IOC-Präsident Thomas Bach.Der Kanal soll für den Zeitraum zwischen 2015 und 2021 ein Budget von 446 Millionen Euro haben und rund um die Uhr senden. Empfangbar ist der Sender zunächst sowohl per App auf dem Mobiltelefon als auch über die Internetplattform olympicchannel.com. (…) Der Sender bietet News, Livebilder, Athleten-Portraits sowie Filme zum Thema Olympia an. 60 Vollzeitbeschäftigte aus 20 Ländern arbeiten an den Standorten Lausanne und Madrid an dem Projekt.Das IOC verständigte sich mit 27 internationalen Sportverbänden auf eine Zusammenarbeit, dazu zählen Basketball (Fiba), Golf (IGF), Ski (Fis) und Schwimmen (Fina). Mit wichtigen Welt-Verbänden wie Fußball, Leichtathletik, Radsport oder Handball gab es bislang keine Einigung“ (DPA, Fernseh-Olympia, in SZ 29.7.2016).

Nachtrag 6: Olympic Channel for ever
„Wer Vorstellung über die Zukunft bekommen möchte, kann sich das Projekt ‚Olympic Channel‘ (Motto: ‚wo die Spiele niemals enden‘) anschauen. Für seinen eigenen Medienkanal rechnet das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit einer Anschubfinanzierung von 600 Millionen Dollar über sieben Jahre. Fachleute aus dem Silicon Valley hat das IOC bereits eingekauft, Es wird ein gigantisches digitales Sportprojekt, eine Mischung aus Olympic Facebook, Olympic Netflix, Olympic Twitter, Olympic Intagram, Olympic iTunes. Das IOC kann das Projekt in aller Ruhe angehen, da die bereits abgeschlossenen Rechteverträge mit den Fernsehanstalten bis  ins Jahr 2032 genügend Milliarden in die Kassen spülen. Womöglich ist das IOC dann so weit, sein Produkt selbst verkaufen zu können. Olympia macht alles selbständig“ (Hacke, Detlef, Ludwig, Udo, Weinreich, Jens, Olympic Netflix, in Der Spiegel 4/21.1.2017).

Nachtrag 7:  Nur Positives!
„Es lohnt bei einem TV-Sender bisweilen, darauf zu achten, was es dort nicht zu sehen gibt. Beim amerikanischen Kabelkanal ‚Olympic Channel: Home of Team USA‘ etwa, der am Wochenende für 35 Millionen US-Haushalte freigeschaltet wurde, wird auf alles verzichtet, was den durchtrainierten Körpern von Profisportlern ihre heldenhafte Überhöhung nehmen könnte: Doping, Bestechung, Vergabe der Olympischen Spiele an autoritäre Staaten – und all die hässlichen Diskussionen darum. ‚Wir greifen keine Debatten auf, sondern konzentrieren uns auf die Athleten und jene Sportarten, die ein bisschen Unterstützung brauchen‘, sagt NBC-Manager Jim Bell. Die Sendergruppe bezahlt dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele von 2014 bis 2032 insgesamt knapp 12,2 Milliarden Dollar und betreibt gemeinsam mit dem IOC den neuen Kanal: ‚Diskussionen bringen häufig das Schlechteste im Menschen hervor, uns dagegen geht es um das Beste: um inspirierende Geschichten, die alle zwei Jahre für zwei Wochen die Leute zu begeistern scheinen.‘ Vor einem Jahr schon hat das IOC einen 24-Stunden-Kanal für Internet, Tablet und Smartphones eingeführt, die Olympischen Spiele sollen bestenfalls auch jenseits der eigentlichen Wettkämpfe weitergehen, und schließlich beschweren sich zahlreiche Sportler sogenannter Randdisziplinen, dass sie nicht oft genug zu sehen seien. (…) Man verfüge, so Sendermanager Mark Parkman, über 45 000 Stunden Material, darunter Bewegtbilder von den Olympischen Spielen 1896. Die sollen nun verarbeitet werden: Der Produzent Frank Marshall etwa soll mehrere Dokumentarfilme erstellen, die es mit den bisweilen legendären Folgen der Serie 30 for 30 des Sportsenders ESPN aufnehmen sollen“ (Schmieder, Jürgen, Wer redet hier von Doping? in SZ 18.7.2017).

Quellen:
Die Spiele in der dritten Dimension, in focus.de 31.8.2011
Martin-Jung, Helmut, Olympia in der Dritten Dimension, in SZ 12.9.2011
Weinreich, Jens, Der Herr der schönen Bilder, in Frankfurter Rundschau 23.8.2008
Wikipedia
www.businesswire.com
www.moneyhouse.de
www.obs.es


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (274 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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