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Olympic Broadcasting Services (OBS)

Zuletzt geändert am 17.09.2011 @ 15:47

Das Geschäftsmodell
Bei den Olympischen Sommerspielen in Rom 1960 wurden die Fernsehrechte für gerade einmal 1,2 Millionen US-$ vergeben. Tokio 1964 erbrachte 1,6 Millionen US-$. In Los Angeles 1984 wurde in 156 Nationen übertragen. Für die Übertragung der Spiele in Barcelona 1992 wurde „Radio Television Olimpica“ (RTO ‚92) gegründet. Die Fernsehrechte für die olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer brachten schon über 500 Millionen US-$.
Das IOC begann umgehend, diie Einnahmequelle durch die internationalen Fernsehsender auszubauen und die Gebühren rasant zu steigern.

Gründung von OBS
Die Übertragungsrechte für die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002 wurden an die kleine Firma ISB vergeben, die dem langjährigen Samaranch-Vertrauten Manolo Romero gehörte, siehe unten. Den Vertrag für die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City soll Romero „auf Druck Samaranchs erhalten haben, obwohl sein Angebot 20 Millionen teurer war als das anderer Interessenten“ (Weinreich 23.8.2008).

Danach nutzte das IOC die Chance, selbst als einziger und ständiger „Host Broadcaster“ für die olympischen Spiele aufzutreten und die Hoheit über alle produzierten Bilder zu haben. So wurde Olympic Braadcasting Services 2001 vom IOC mit einem Startkapital von einer Million Schweizer Franken gegründet. Zunächst war der Geschäftssitz der des IOC, Château de Vidy in Lausanne; seit 2005 befindet er sich in Madrid. Erstmals übertrug OBS die Olympischen Sommerspiele in Peking 2008. (www.obs.es; www.moneyhouse.ch).

Aufgaben
OBS produziert und überträgt die Rundfunk- und Fernsehberichterstattung der olympischen Spiele mit den „International Television and Radio (ITVR) Signals, das 1968 eingeführt wurde. OBS errichtet hierzu das International Broadcast Centre (IBC), wo auch die internationale Regie untergebracht ist. Das IBC in Peking 2008 war über 80.000 Quadratmeter groß, das der Olympischen Winterspiele in Vancouver 20.000 Quadratmeter. Hier war OBS erstmalig alleiniger Produzent des Bildmaterials (Wikipedia).

Das OBS koordiniert und versorgt verschiedene Einrichtungen und Dienste für die „Rights Holding Broadcasters“ (RHB) (www.obs.es). Während der Olympischen Spiele berichtet OBS mit über 6000 Mitarbeitern und 1000 Kameras. Es wird ein sogenanntes „Weltsignal“ ausgesendet, das die internationalen Fernsehanstalten mit eigenem Material ergänzen: Sie zahlen dafür Milliardenbeträge (Weinreich 23.8.2008).

Vorstand
Vorstandsvorsitzender ist der Niederländer Hein Verbruggen, der frühere (und einigermaßen übel beleumundete) langjährige Präsident des Internationalen Radsportverbandes (UCI), den er von 1991 bis 2005 leitete. Er setzte durch, dass seit 1996 auch Radprofis bei den olympischen Sommerspielen starten dürfen. Seit 1996 ist Verbruggen auch Mitglied des IOC, seit 2008 Ehrenmitglied. Unter seiner Ägide lieferte Lance Armstrong zwei Schecks über 125.000 US-$ bei der UCI ab, wohl um Dopingvorwürfen zu entgehen (vergleiche Doping).

Vorstandsmitglied und Geschäftsführer (und eigentlicher OBS-Chef) ist Manolo Romero. Er produzierte früher mit seiner eigenen Forma International Sport Broadcasting (ISB), siehe oben.

Nun arbeitet er seit Jahren für die OBS des IOC. Er gilt als pressescheu. „Seit den Sommerspielen 1968 in Mexiko dominiert Romero das Geschäft. Damals war sein Freund und Landsmann Juan Antonio Samaranch noch Protokollchef des IOC“ (Weinreich 23.8.2008).

Weitere Vorstandsmitglieder sind der leitenden IOC Olympic Games Executive Director Gilbert Felli, IOC Director General Urs Lacotte, IOC Senior Legal Adviser Francois Carrard, IOC Director of Finance & Administration und Howard Stupp, IOC Director of Legal Affairs (www.obs.es).
Das OBS ist also organisatorisch fest im IOC verankert.

Olympische Spiele in 3D
Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London werden 6000 Mitarbeiter des OBS etwa 6000 Stunden konventioneller Fernsehbilder produzieren. 300 Mitarbeiter werden Bilder in der neuen 3D-Technik erstellen. OBS wird den interessierten (und zahlungswilligen) Sendern über 200 Stunden dieser noch aufwändiger erstellten 3D-Fernsehtechnik zur Verfügung stellen. Pro Einstellung werden für 3D zwei Bildsignale von zusätzlichen Spezialkameras benötigt, dazu Glasfaserkabel für die gigantischen Datenmengen (focus 31.8.2011; Martin-Jung 12.9.2011).
Noch mehr Technik, noch mehr  Energie, noch mehr olympische Ideologie. Aber wenn schon Amerika und Europa ökonomisch kollabieren und der weltweite ökologische Niedergang zu beklagen ist, kann dann der olympische Betrachter wenigstens mit seinem neuen 3D-Gerät der Alltags-Tristesse zu entfliehen versuche. Jeder verdrängt, so gut es eben geht: Und das IOC liefert die Prothesen dafür.

Panasonic, mindestens bis 2016 einer der Hauptsponsoren des IOC, liefert die Kameras, das Equipment – und natürlich die Fernsehgeräte und die gesamten Home Entertainment Systems für die Konsumenten (www.businesswire.com). Panasonic erhofft sich natürlich einen Schub für die weitere Entwicklung und Verbreitung der 3D-Technik und damit für seine Geschäfte und seinen Umsatz.

Quellen:
Die Spiele in der dritten Dimension, in focus.de 31.8.2011
Martin-Jung, Helmut, Olympia in der Dritten Dimension, in SZ 12.9.2011
Weinreich, Jens, Der Herr der schönen Bilder, in Frankfurter Rundschau 23.8.2008
Wikipedia
www.businesswire.com
www.moneyhouse.de
www.obs.es

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