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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Hamburg-Berlin 2024 (4):11/2014 – 3/2015

 
Zuletzt geändert am 30.06.2017 @ 15:09

(Hamburg-Berlin 2024 (1): – 6/2014: hier; Hamburg-Berlin (2) 7-8/2024: hier; Hamburg-Berlin 2024 (3): hier
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Aktualisiert: 30.6.2015. Neu unter „Aktuelles“: Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?
Siehe auch unter „Aktuelles“: Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen

Aus Platzgründen (Februar-Chronologie wird zu lang) wird Hamburg-Berlin 2024 nun doch weiter als separater Teil der Webseite fortgeführt, obwohl die Bewerbung und das Procedere für 2024 aus den genannten Gründen (u. a. Fußball-EM 2024 in Deutschland, Boston 2024) nicht ernst zu nehmen sind.

Termine:
Februar 2015: zweite repräsentative Umfrage des DOSB in Hamburg und Berlin
16.3.2015: Offizielle Empfehlung des DOSB für Hamburg oder Berlin
21.3.2015: DOSB entscheidet auf außerordentlicher Mitgliederversammlung über Kandidat 2024
Juni 2016: IOC entscheidet über Candidate Cities
Sommer 2017: IOC wählt Austragungsort 2024
(Schneider, Sebastian, Das Heer der Ringe, in rbb-online.de 27.11.2014).

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November 2014:

– 2024 „viel zu früh“. Aus einem Beitrag von Wolfgang Hettfleisch im Deutschlandfunk: „Kommunikationsforscher Jörg-Uwe Nieland, der sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie mit dem Scheitern der Münchner Bewerbung beschäftigt hat, hält den richtigen Zeitpunkt, um das Großereignis nach Deutschland zu holen, noch nicht für gekommen. Ich glaube, es kommt viel zu früh. Ich glaube, es ist nicht durchdacht. Man hat nach der ersten Absage nicht richtig gearbeitet, um die Fehler aufzuarbeiten. Das war fatal. Wir haben eine ganz grundsätzliche Diskussion über, ja, sportliche Großereignisse in Demokratien im Gegensatz zu autoritären Systemen. Und das ist einfach zu schnell.‘ Gut möglich, dass eine deutsche Bewerbung für 2024 auf dem Altar der großen Sportpolitik geopfert wird. Das Internationale Olympische Komitee mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach muss fürchten, dass die Weltmesse des Sports zunehmend als Wanderzirkus durch autoritär geführte Länder wahrgenommen wird“ (Hettfleisch, Wolfgang, Bewerbung im Doppelpack, in deutschlandfunk.de 1.11.2014).

– Auch Olaf Scholz ist Billigheimer. „Berlin und Hamburg haben fast identische Kalkulationen für die Sportstätten. In beiden Fällen sind es Investitionen von knapp über zwei Milliarden Euro“ („Gaugele, Jochen, Sturm, Daniel Friedrich, „Nicht in Größenwahn verfallen“, in welt.de 2.11.2014).
Nur für die Sportstätten? Was kostet allein das – rückzubauende – Olympiastadion mit 80.000 Plätzen? Wer glaubt denn so was? Zweistellige Milliardenbeträge sind hier für die Gesamtkosten als realistisch zu nennen.

– Aus einem Beitrag von Jan Dams, Michael Gassmann und Martin Greive und Stefan Reinbold in der Welt: „Hamburg oder Berlin? Die Frage, welche der beiden deutschen Metropolen sich für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 bewerben darf, wird zwar erst im Frühjahr kommenden Jahres geklärt, wenn überhaupt. Doch die deutsche Bauindustrie hat bereits einen Favoriten gekürt – Hamburg. Der Grund: Die Firmen rechnen sich viel bessere Geschäfte aus. „Hamburg ist besonders spannend, weil dort ein Hafenareal völlig neu entwickelt werden soll“, hieß es nach der Bekanntgabe der Olympia-Pläne bei einem der größten deutschen Bauunternehmen. Da würde es in der Kasse richtig klingeln. Milliardenausgaben für Arenen und Stadien, Straßen und olympische Dörfer.
Gegner der Olympia-Bewerbung gibt es in beiden Städten. Ihnen spielt diese Unsicherheit in die Hände. In Berlin sind aktuell 48 Prozent der Bevölkerung für und 49 Prozent gegen die Spiele, in Hamburg sind 53 Prozent dafür und 44 Prozent dagegen. Überraschend ist die verbreitete Ablehnung nicht. Beide Städte haben kein Geschick beim Handling großer Projekte bewiesen. Der Berliner Flughafen und die Elbphilharmonie kommen nicht nur später, sie werden auch viel teurer als geplant“ (Dams, Jan, Gassmann, Michael, Greive, Martin, Offene Rechnung, in welt.de 2.11.2014).

– Realismus contra Zweckoptimismus. „Vor allem der öffentliche Nahverkehr und die Schulen hätten eine Finanzspritze bitter nötig, sagt Judith Demba vom Berliner Bündnis NOlympia: ‚Die Schulen zerfallen, die Sanitäranlagen sind unter aller Sau.‘ Die Gegner glauben auch, dass die ohnehin steigenden Mieten in der Stadt noch schneller nach oben klettern könnten. Senatssprecher Richard Meng bezeichnet solche Argumente als ‚totalen Quatsch‘. Die Furcht vor steigenden Mieten sei in allen größeren Städten gegenwärtig. Darauf hätten Olympische Spiele keinen Einfluss. Auch die Angst vor einer Kostenexplosion hält Meng für überzogen und verspricht: ‚Wir werden mit Abstand preiswerter arbeiten als London oder Peking.‘ Der Senat rechnet mit rund zwei Milliarden Euro Kosten. Hamburg geht von 6,5 Milliarden aus, allein 2,2 Milliarden würden für neue Sportstätten benötigt“ (Dobers, Reinhold, Olympia in Deutschland: die Gegner formieren sich schon, in augsburger-allgemeine.de 4.11.2014).
Der Herr Senatssprecher müsste es besser wissen – in den letzten Jahrzehnten sind all diese großmäulig angekündigten Preisphantasmen um ein Zigfaches überschritten worden.
Vergleiche: Kosten Olympischer Spiele

– Berlin 2024: “keine gute Idee”. Heiner Giersberg, ehemaliger Sprecher der Berliner Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2000, lieferte im Berliner Tagesspiegel einen kritischen Beitrag zur Bewerbung Berlin 2024 ab: “Wichtigste Frage: Könnte Berlin diese Milliardeninvestitionen überhaupt stemmen… Wäre dies sinnvoll für eine Stadt, die finanziell klamm, sogar pleite ist und die wahrlich andere Sorgen hat, als für 14 Tage Heimstatt der inzwischen weitgehend pervertierten olympischen Idee zu sein? (…)  Die Skepsis der Berliner ist erneut groß. Zu Recht. (…) Wäre dies sinnvoll für eine Stadt, die finanziell klamm, sogar pleite ist und die wahrlich andere Sorgen hat, als für 14 Tage Heimstatt der inzwischen weitgehend pervertierten olympischen Idee zu sein? Was würden wir denn mit den nur für diesen einen Zweck gebauten Anlagen mangels kontinuierlicher Auslastung anfangen? Milliardenkosten für einen Augenblick, Folgekosten und Schulden für Jahrzehnte?
Nein, Olympische Spiele in Berlin sind keine gute Idee. Überall, wo in den letzten 30 Jahren der ‘olympische Zirkus’, sommers wie winters, weilte, gibt es olympische Bauruinen ohne Zahl, in die ohne Ende Geld gepumpt wird, um sie vor dem gänzlichen Verfall zu retten. Meist erfolglos. Alle Veranstaltungsorte tragen noch nach Jahrzehnten riesige Olympia-Schulden ab. Solche Spaßveranstaltungen mögen andere noch für sinnvoll halten, vor allem, wenn sie das nötige Geld dafür haben und nicht über verfallene Schulen, Bäder, Turnhallen, kaputte Straßen und über den unfassbaren Skandal eines unsinnigen, milliardenteuren Flughafens die Augen schamhaft zu Boden schlagen müssen. Wir sollten es den Osloern, Berchtesgadenern, den Graubündenern, den Stockholmern, ja den Münchnern mit ihrem Nein zu Winterspielen nachmachen und Hamburg bei dieser Bewerbung den Vortritt lassen: bescheiden und anerkennend. Künftige Generationen werden es uns danken!” (Giersberg, Heiner, Der olympische Zirkus hinterlässt nur Bauruinen, in tagesspiegel.de 4.11.2014).

– Grünes Licht von Bach? Der DFB bewirbt sich für 2024 um die Fußball-Europameisterschaft. Damit ist eine Bewerbung um Olympische Spiele 2024 zum Scheitern verurteilt – wenn es so läuft wie 2013 mit der Türkei (Fußball-EM 2020) und Istanbul (Olympische Sommerspiele 2020): Da legte der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge sein Veto ein, und die Türkei musste sich entscheiden und setzte (vergeblich) auf die Sommerspiele 2020 (Vergleiche: Olympische Bewerbung 2024: verpfuscht). Nun schaltete sich IOC-Präsident Thomas Bach ein. Die Vergabe der Olympischen Spiele 2024 durch das IOC erfolge im Herbst 2017, die der Fußball-EM 2024 durch die Uefa 2018. Und er sähe in einer deutschen Doppelbewerbung „kein Konfliktpotential“ (EM-Entscheidung fällt erst nach Olympia-Vergabe, in spiegelonline 5.11.2014). Das ist zumindest überraschend, wenn nicht unrealistisch: Die EM findet üblicherweise etwa vom 10. Juni bis 10. Juli statt, die Olympischen Spiele im August. Da kollidiert viel – und ist für Sponsoren des Sports unerfreulich.
Der einzig sinnvolle Schluss: Hamburg 2024 und Berlin 2024 wären sowieso nur Zählkandidaten. Für mich wäre 2024 Putins Heimatstadt St. Petersburg Favorit, auch im Hinblick auf die Tradition des IOC mit totalitären Staaten…

Thomas Kistner in der SZ zum illusionären „deutschen Supersommer“ 2024 mit Fußball-EM und Olympischen Sommerspielen: „Es ist aber absurd zu glauben, dass es eine Rolle spielt, in welcher Abfolge die Topevents 2024 verteilt werden; dass also das IOC 2017 nicht weiß, wie die Uefa 2018 entscheidet. (…) Die EM 2024 in Deutschland ist die Steilvorlage für alle Rivalen von Los Angeles bis Paris. (…) Ihm (Thomas Bach; WZ) können ja nicht genug westliche Länder im Ring stehen nach Spielen in Sotschi, Rio, Pyeongchang, Tokio, Almaty oder Peking. Wer indes Bachs Locken wirklich folgen will, sei erinnert, dass der auch schon München 2018 den eigenen IOC-Zielen geopfert hat; oder wusste ausgerechnet er nicht, dass München im IOC stets nur ein Streichkandidat war?“ (Kistner, Thomas, Spielchen mit den Spielen, in SZ 7.11.2014).

– Aus einem Leitartikel von Wolfgang Scheerer in der Südwest-Presse: „Gibt es keine Mehrheit für eine Bewerbung, oder fällt der deutsche Kandidat nach 2024 auch 2028 durch, dann ist die olympische Idee in Deutschland auf lange Sicht gescheitert“ (Olympia-Pläne: Letzte Chance, in swp.de 7.11.2014:
Nein, dann wird sich der DOSB einfach um 2032 bewerben… Wer hätte gedacht, dass er nach der Vierfach-Klatsche gegen München 2022 am 10.11.2014 schon wieder seinen Finger für 2024 hebt?! Auch bei olympischen Drogensüchtigen hilft nur der kalte Entzug, so unser Nolympia-Mitglied B.W.

– Hamburg kann jetzt schon keine Grenzwerte einhalten. Nicole Vrenegor von (N)Olympia Hamburg verweist in einem Beitrag vom 8.11.2014 auf die erfolgreiche Klage eines Anwohners der Hamburger Max-Brauer-Allee hin: Die Hansestadt wurde vom Verwaltungsgericht verpflichtet, mehr für eine bessere Luftqualität zu tun. Da die Olympischen Spiele 2012 in London mit 3,4 Millionen Tonnen CO2 berechnet wurden, muss man sich natürlich fragen: „Wie verkraftet Hamburg die zusätzlichen 3,4 Millionen Tonnen CO2, wenn die Stadt schon im normalen Betrieb nicht in der Lage ist, die Grenzwerte einzuhalten“ (Zum Beitrag: hier).

– Berliner SPD-Basis für Berlin 2024. „235 Delegierte verabschiedeten ohne Aussprache (!WZ) auf dem Parteitag am Sonnabend einen Antrag, in dem Olympia als ‚eine große Chance für die Stadt‘ bewertet wird. (…) Zuvor hatten sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und sein designierter Nachfolger Michael Müller deutlich für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen“ (Beikler, Sabine, SPD-Basis entscheidet sich für Olympia-Bewerbung, in tagesspiegel.de 8.1.2014).

– Hörmann antwortet. Im Interview äußerte DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf die Frage nach der Stimmung in Hamburg und Berlin: „Die wohl alles entscheidende Frage ist also: Wie entwickelt sich die Stimmung in Hamburg und Berlin bis zum März 2015?“ Er verwies auf die beiden vom DOSB geplanten repräsentativen Umfragen in beiden Städten im Februar 2015. Zur Frage nach einer möglichen Ablehnung in beiden Städten sagte Hörmann: „Darüber will ich nicht spekulieren.“ Zu den nötigen Milliarden für Olympische Spiele 2024 in Zeiten knapper öffentlicher Mittel verstieg sich Hörmann zu der Aussage: „Ein Projekt wie Olympia und die Paralympics bringt neue Perspektiven für den Schulsport, für die Bewegung über alle Ebenen – dann sind wir in Kindergärten. Aber man darf auch Seniorenzentren nicht vergessen. Und schon sind wir bei den Themen Inklusion und Integration. Da ist Olympia der Motor, um sich in diese Richtung aufzumachen.“ (Alle Zitate: Niemeyer, Jörg, Hörmann: „Wir brauchen die Spiele“, in weser-kurier.de 9.11.2014).
Da muss man doch einfach Olympische Spiele durchführen! – Ob Hörmann das alles selbst glaubt?

DOSB und NOlympia Berlin: Zwei Welten begegnen sich. „Das NOlympia-Bündnis hat eine kurzfristige Einladung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) angenommen, um sich über die Berliner Olympiabewerbung auszutauschen. Dabei zeigte sich, dass die Gesprächsbasis derzeit nur rudimentär vorhanden ist, weil die Positionen deutlich auseinander liegen“ (PM nolympia-berlin.de 11.11.2014). – „Wir haben grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen zu einer Olympia-Bewerbung‘, wurden DOSB-Präsident Alfons Hörmann und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper in einer Mitteilung zitiert“ (dpa, NOlympia und DOSB nach Treffen: „Es wird keine Zusammenarbeit geben“, in zeitonline 11.11.2014). – „Es ist wenig überraschend, dass der Termin nur dazu dienen konnte, die jeweiligen Positionen darzustellen. Die Olympiagegner legen Wert darauf, sich nicht umarmen zu lassen“ (Kneisl, Sigrid, Gegner wollen nicht mit DOSB zusammenarbeiten, in tagesspiegel.de 12.11.2014).
Derweilen ist in einem Protokoll von NOlympia Berlin nachzulesen, dass der DOSB schon NABU und BUND nach Frankfurt eingeladen hat – beide Umweltverbände haben dankend abgelehnt.
Zur PM: Zwei Welten begegnen sich: NOlympia-Bündnis trifft auf DOSB

– Hörmann ignoriert DFB-Bewerbung für die Fußball-EM 2024. Alfons Hörmann: „Weder von vertraglicher Seite noch in der Charta des Internationalen Olympischen Komitees gibt es irgendeine Festlegung, die eine Doppelbewerbung verhindern würde. (…) Für uns könnte die Vision eines Super-Sportjahres 2024 durchaus schöne Realität werden“ (Mögliche Doppelbewerbung ist für DOSB-Chef kein Problem, in rbb-online.de 12.11.2014).
Hörmann weiß ganz genau, dass dieser Super-Sommer ein Super-Fake ist.
Schon für die Sponsoren wäre dies verhängnisvoll. André Bühler, Direktor des Deutschen Institutes für Sportmarketing im September 2014: „Man hätte zwei Großevents, die sich die Aufmerksamkeit wegnehmen würden“ (Ebenda).
Dadurch ist die Erfolglosigkeit der Bewerbung Hamburg 2024 oder Berlin 2024 vorprogrammiert. Damit kann man 2028 gleich noch mal antreten – wie es der DOSB ja will. Vergleiche unter Aktuelles: Olymische Bewerbung 2024: verpfuscht

– Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag (SPD): „Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass die Zeit reif ist für Olympische und Paralympische Spiele in unserem Land. (…) Dass einige notorische Olympiagegner in diesem Kontext ihre Chance suchen, das Projekt schon in der Anfangsphase zu zerreden, muss man aushalten und ihnen mit besseren Argumenten begegnen“ (Strohmann, Gerd, Nachtigäller, Petra, Sportausschuss-Vorsitzende Freitag im Interview, in halternerzeitung.de 12.11.2014).
Frau Freitag hat schon bei der Bewerbung München 2018 eine recht unkritische Rolle gespielt.

– Zur Sicherheitslage: Olympischer U-Bahnhof während Hamburg 2024 nicht benutzbar. Die im Rahmen von Hamburg 2024 geplante U-Bahnstation „Olympiastadion“ dürfte aus Sicherheitsgründen von den Olympiabesuchern nicht benutzt werden: „Bombenattentäter könnten sonst während der Sommerspiele mitten ins Olympische Dorf fahren“ (Kein Halt am „Olympiastadion“ während Olympia, in ndr.de 13.11.2014).

– Anonymer Hinweis zu Hamburg-2024-Kosten: Die Räumung und Herstellung des Hafengeländes kostet nach internen Behördenberechnungen sechs Milliarden Euro, die gesamte Bewerbung liegt zwischen 15 und 18 Milliarden Euro. (nolympia-hamburg.de, 12.11.2014: Anonymer Hinweis: Enorme Kosten für Olympia Hamburg)

– Hamburger Hafenbetriebe von Bewerbung bedroht. Durch die Bewerbung Hamburg 2024 wären zahlreiche am Hafen angesiedelte Unternehmen negativ betroffen, wie z. B. Unikai-Terminal, C. Steinweg, Sasol, etc. Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, sieht deswegen die Investitionen der Betriebe im Hafen bedroht. Dazu kommt, dass die lärm- und lichtintensive Nachtarbeit im Hafen nicht mit den geplanten Wohnprojekten zu vereinbaren ist (Vrenegor, Nicole, Hafenwirtschaft gegen Olympia, in nolympia-hamburg.de 18.11.2014).Hauptbetroffener ist die Hamburger Hafen und Logistik (HHLA) – sie bleibt aber stumm: „Die Zurückhaltung mag zum einen daran liegen, dass die HHLA zu 68 Prozent der Stadt gehört. Und wenn der Mehrheitseigner Olympische Spiele durchführen will, kann sich das Unternehmen schlecht verweigern“ (Kopp, Martin, Bedroht die Olympia-Bewerbung Investitionen? in welt.de 18.11.2014).
Bei der Bewerbung München 2018 und 2022 hatten wir die zahlreichen vom damaligen Oberbürgermeister Ude zwangsverpflichteten städtischen und staatlichen Unternehmen – die dann alle den Mund halten und die Bewerbung unterstützen mussten.

– Gelddruckmaschine IHK. Sowohl in Hamburg als auch in Berlin unterstützen die Handelskammern die Bewerbung 2024 heftig. Da bei München 2022 die Industrie- und Handelskammer von München und Oberbayern an vorderster Front der Unterstützer stand, sind einige Zahlen dazu interessant: Die Mitgliedschaft in der IHK ist zwingend – und damit der Beitragseingang. Die IHK München und Oberbayern hat 400.000 Mitglieder. Diese bezahlten 2013 mehr als 50 Millionen Euro Zwangs-Beiträge – bei hohen Rücklagen. Die IHK lässt gerade für anfangs 73 Millionen Euro, derzeit 89 Millionen Euro ihren Stammsitz an der Max-Josef-Straße in München sanieren (Riedel, Katja, Entscheidung im Sommer, in SZ 15.11.2014).

– Berlin: Kosten werden erst nach Zuschlag berechnet! Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski: „Die genauen Kosten werden erst ermittelt, wenn Berlin den Zuschlag erhält“ (Senat lässt sich Zeit mit genauer Kostenrechnung für Olympia, in rbb-online.de 16.11.2014). Der Berliner Senat plant gerade mal mit lächerlichen 2,5 Milliarden Euro. Dieser olympische Berliner Billigheimer geht laut Statzkowski so: „Die Agentur, die unsere Interessensbekundung analysiert hat, ist aber der Meinung, dass wir äußerst vorsichtig geschätzt haben, dass also sogar noch finanzieller Spielraum drin ist“ (Ebenda).
Vorschlag für Berlin 2024: Mit der genaueren Kostenermittlung auch warten, bis die Bevölkerung befragt wurde. Die muss die genauen Kosten ja auch nicht kennen.
Angesichts der in den letzten Jahrzehnten gravierenden Kostenüberschreitungen bei Olympischen Spielen – die von Wissenschaftlern seriös berechnet wurden -, muss man auch heutzutage konstatieren, dass man schon ganz gut für blöd verkauft wird.

– Nur flaues Interesse an Berlin 2024. Die DOSB-Befragung im September 2024 ergab, dass 49 Prozent der Berliner dagegen und nur 48 Prozent dafür sind. Senatssprecher Richard Meng stellte fest, man befinde sich derzeit „in einer Phase, in der Olympia nicht ganz im Zentrum der Debatte ist“ (Beikler, Sabine, Noch sind die Berliner Olympia-Muffel, in tagesspiegel.de 19.11.29014).

– Claudio Catuogno in der SZ zur IOC-Reform“ und der DOSB-Bewerbung 2024: „Die Spiele der Fußball-EM 2024 sind dem Deutschen Fußball-Bund so gut wie versprochen. Schon deshalb erübrigt sich eigentlich die Frage, ob die von Thomas Bach präsentierten IOC-Reformen die Bewerbungen von Berlin und Hamburg um die Sommerspiele 2024 nun substantiell voranbringen. (…) Doch irgendwann sollen ja die Bürger befragt werden, in Hamburg oder Berlin. Dann wird wieder all das in den Blick gerückt, was Thomas Bach kaum oder gar nicht antasten will. Knebelverträge für die Ausrichter. Steuerbefreiung fürs IOC. In Oslo hat man kürzlich fast genüsslich die Anforderungs-Kataloge des IOC zerpflückt: Welche Raumtemperatur herrscht im Funktionärshotel? Wie müssen die Obstkörbe zusammengestellt sein? Und dann ist man ausgestiegen aus dem Rennen um die Winterspiele 2022, für die man wohl den Zuschlag erhalten hätte. Während die Deutschen mit den Spielen weiter nur spielen“ (Catuogno, Claudio, Spiele auf Schalke, in SZ 19.11.2014).

– Bundestags-Abgeordnete: Skepsis für 2024 durch Fifa. „Mehrere Abgeordnete des Bundestages sehen eine deutsche Bewerbung um Olympische Sommerspiele durch die jüngste Krise im Fußball-Weltverband FIFA bedroht. Die mangelnde Aufklärung möglicher Korruption bei den WM-Vergaben für 2018 und 2022 an Russland und Katar würde die Skepsis in der deutschen Bevölkerung vor großen Sportverbänden und Großveranstaltungen wachsen lassen. ‚Der Eindruck fehlender Selbstkontrolle Internationaler Sportverbände wirft einen langen Schatten auf die Diskussion um eine Bewerbung Deutschlands für Olympische Spiele, denn der Vorwurf der Korruption in den Weltsportverbänden ist eines der stärksten Argumente gegen internationale Großveranstaltungen‘, erklärten die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und der sportpolitische Sprecher der Partei, Özcan Mutlu“ (SID, Politiker sehen deutsche Olympia-Bewerbung bedroht, in zeitonline 20.11.2014).

Walther Tröger (31 Jahre im IOC) im Interview. Zur Bewerbung Hamburg 2024 und Berlin 2024: „Wollen sie erfolgreich sein, müssen auch die Berliner und Hamburger demütig genug  sein, sich keine Gedanken über andere zu machen, die sie nichts angehen. Die Mehrzahl der IOC-Mitglieder hält Peking und Almaty nicht für problematisch“ (Mebus, Jörg, Walther Tröger (85): „Hamburg hat gute Chancen“, in mopo.de 20.11.2014).
Und zur Frage, ob das IOC mehrheitlich undemokratisch ist: „Man kann anderen nicht verwehren, anders zu denken. Demokratie wird weltweit unterschiedlich interpretiert. Eine Demokratiedebatte würde im IOC zu keinem Ergebnis führen“ (Ebenda).

– Die neue DOSB-Bescheidenheit: 50,01 Prozent reichen. Bei der geplanten Bürgerbefragung in der vom DOSB auserwählten Stadt für 2024 stellte DOSB-Präsident Alfons Hörmann klar, dass eine einfache Mehrheit über 50 Prozent schon ausreicht: „Wenn wir nicht 50,01 Prozent erreichen, dann müssen wir sagen: Wir lassen es“ (Mehr als 50 Prozent, in berliner-zeitung.de 24.11.2014).

– (N)Olympia Hamburg: „Fakt ist: Bisher wurde in keinem Land, in dem die Bürgerinnen und Bürger über Olympische Spiele abstimmen konnten, sich für Olympia entschieden“ (Vrenegor, Nicole, Bürgerbegehren? Muss nicht sein! Thomas Bachs Demokratieverständnis, in nolympia-hamburg.de 21.11.2014).

– Ein unpolitischer Olympia-Koch. “Im dritten Stock des Roten Rathauses ist am Mittwoch bei der Vorstellung der Botschafter so viel von toller Stimmung die Rede, dass die Linken-Abgeordnete und Olympia-Gegnerin Gabriele Hiller später kritisieren wird, der Senat gaukle sich eine Euphorie vor, die es gar nicht gebe. (…) Dann steht auch der Sternekoch Tim Raue am Mikrofon und berichtet, dass ihm sein Opa begeistert von den Olympischen Spielen erzählt habe, von ‚Dingen, die man sich nicht vorstellen kann’, die ‚bahnbrechend’ waren. Raue ist 40, meint er etwa die Spiele von 1936? Ja, bestätigt er. Nur: Wie kann man denn so von den Spielen aus der Nazi-Zeit reden, angesichts etwa des Ausschlusses jüdischer Sportler aus dem deutschen Team? Gretel Bergmann zum Beispiel, damals weltbeste Hochspringerin, wurde so um Olympia-Gold gebracht. ‚Davon habe ich keine Ahnung, ich bin kein politischer Mensch, ich bin Koch’, antwortet Raue darauf” (Alberti, Stefan, Opa erzählt vom Spirit, in taz.de 26.11.2014; Hervorhebung WZ). – „Er habe damit natürlich die Läufe von Jesse Owens gemeint, erklärt Raue später“ (Fischer, Sebastian, Hahn, Thomas, Spielzeug-Begeisterung, in SZ 27.12.2014).

– „Olympia-Beirat“ mit BUND? „In einem ‚Olympia-Beirat‘ mit Verbänden, dem BUND, Gewerkschaften oder der IHK sollen auch Olympia-Kritiker mitarbeiten“ (Beikler, Sabine, Pfaffenzeller, Martin, Didi Hallervorden: „Dafür muss ich nicht nach Hamburg fahren, in tagesspiegel.de 27.11.2014).
Eine Teilnahme des BUND wäre etwas verwunderlich, da sich der BUND auf der Bundesdelegiertenkonferenz am 22.11.2014 in Berlin grundsätzlich gegen eine Beteiligung an Sport-Großveranstaltungen ausgesprochen hat.

– Die nächste olympische Milchbubenrechnung. Der Berliner Sport-Staatssekretär, Andreas Statzkowski, rechnet so: „Auf rund zwei Milliarden Euro werde die Durchführung der Spiele kosten. Dafür gebe es 1,2 Milliarden vom Internationalen Olympischen Komitee. ‚Mit den übrigen Einnahmen aus Ticketverkauf, Briefmarken, Merchandising können wir heute die Olympischen Spiele bestreiten‘, sagte Statzkowski. Soll heißen: Die Durchführung der Spiele kostet den Berliner Steuerzahler nichts. Zahlen muss er vielmehr für den zweiten großen, noch nicht näher bezifferten Topf: die Infrastrukturmaßnahmen“ (Teuffel, Friedhard, Voigt, Benedikt, Höher, weiter, sauberer? in tagesspiegel.de 25.11.204).
Es ist immer wieder erstaunlich, welche mutwillig falschen Zahlen präsentiert werden! Dabei gibt es längst Berechnungen, dass in den letzten Jahrzehnten die ursprünglichen Kostenaussagen für Olympische Spiele um ein Vielfaches übertroffen wurden.
So veröffentlichten im Juni 2012 Bent Flyvbjerg und Allison Stewart von der Saïd Business School der University of Oxford die Studie: „Olympic Proportions: Cost and Cost Overrun at the Olympics 1960 – 2012“.(Zur Studie hier). Sie stellten drei verschiedene Budgets fest:
1. OCOG-Kosten: Durchführungskosten der Spiele wie Technologie, Transport, Arbeitskräfte, Verwaltung, Sicherheitskosten, Catering, Eröffnungs- und Schlussfeiern, medizinische Versorgung… 2. Direkte NON-OCOG-Kosten: Baukosten des Austragungsortes, des Landes oder privater Investoren, um die Austragungsstätten, das Olympische Dorf, das Internationale Fernsehzentrum und das Medien- und Pressezentrum zu errichten. 3. Indirekte NON-OCOG-Kosten: Straßen-, Schienen- und Flughafeninfrastruktur, private Kosten wie Verbesserungen im Hotelsektor oder Geschäftsinvestitionen zur Vorbereitung der Spiele.
Ganz wichtig: Um das OCOG-Budget möglichst niedrig zu halten (und nur mit dieser Zahl argumentieren die Bewerber in der Öffentlichkeit gern), wird alles, was geht, vom OCOG-Budget in das direkte und indirekte NON-OCOG-Budget umgeschichtet.

Dezember 2014:

– Hafen Hamburg stellt Forderungen. Rechts-, Planungs- und Investitionssicherheit wird gefordert, dazu keine betrieblichen oder verkehrlichen Einschränkungen vor, während und nach den Spielen, keine Wohnbebauung in Hafennähe et. (Bonz, Gunther, Brief an das Plenum der Handelskammer vom 1.12.2014).

– Berlin super-demokratisch. Gemäß der Devise „Wir befragen das Volk, das auf unserer Seite ist“ fragt der Berliner Senat die Berliner nach den „Pro-Olympia“-Argumenten: Kontra gibt es nicht. Senatssprecher Richard Meng: „Immer deutlicher wird, dass viele Menschen olympische und paralympische Spiele in Berlin begrüßen würden. Mit der Aktion auf berlin.de wollen wir ihnen die Möglichkeit geben, sich auch direkt für einer Olympiabewerbung auszusprechen und das Argument zu nennen, das ihnen dabei persönlich am wichtigsten ist“ (von Törne, Lars, Ja oder Ja – die Berliner haben die Wahl, in tagesspiegel.de 2.12.2014). Linken-Fraktionschef Udo Wolf nannte die Senats-Webseite eine „lächerliche Propagandaplattform“ (Ebenda).
Warum dann erst noch das Volk befragen? Völlig überflüssig…

– Olympische Winterspiele 2022 kollidieren mit Fußball-WM 2022 im Winter. „IOC-Präsident Thomas Bach geht davon aus, dass es nicht zu einer terminlichen Kollision der olympischen Winterspiele 2022 mit der Fußball-WM in Qatar kommt.(…) Bach betonte, dass es ‚keine Gewinner‘ gebe, wenn die Olympischen Winterspiele 2022 und die Fußball-WM zusammenfielen. ‚Die Athleten und die Spieler würden die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, nicht bekommen. Auch für alle Sponsoren und Sendeanstalten, die daran beteiligt wären, wäre es sehr, sehr schwierig dies zu handhaben‘, sagte der 60-Jährige“ (dpa, Keine Kollision von Olympia und Fußball-WM 2022, in faz.net 2.12.2014).
Und nun übertragen wir die Situation der Olympischen Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin mit der Fußball-EM 2024 in Deutschland: „Die Athleten und die Spieler würden die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, nicht bekommen. Auch für alle Sponsoren und Sendeanstalten, die daran beteiligt wären, wäre es sehr, sehr schwierig dies zu handhaben“.
Völlig irreal, dass beides zusammen stattfinden würde – auch wenn die DOSB-Sportfunktionäre die Kollision vehement abstreiten!

– Berliner Sportchef ignoriert Realität. Der Berliner Landessportbund-Vorsitzende Klaus Böger äußerte zu der Vereinbarkeit der Bewerbung des DFB um die Fußball-EM 2024 und Olympischen Sommerspielen 2024 in Deutschland: „Der Deutsche Fußball-Bund hat beim DOSB signalisiert, dass er beide Veranstaltungen parallel sehr wohl für möglich hält“ (Uthoff, Jens, „Keine Londoner Verhältnisse“, in taz.de 5.12.2014).
Falls der DFB dies tatsächlich so geäußert haben soll, ist das folgenlos: Das IOC sieht dies mit Sicherheit anders. Aber Bach-Hörmann-Vesper treiben Hamburg und Berlin in die chancenlose Bewerbung 2024, um einen Streichkandidaten aus einem demokratischen Land vorweisen zu können.

– Auch DOSB negiert Realität. Auch auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 6.12.2014 in Dresden hieß es „Volle Kraft voraus“ für das wegen der DFB-Bewerbung um die Fußball-EM 2024 völlig unrealistische Projekt Olympische Winterspiele 2024: Die Olympiabewerbung 2024 wurde „per Akklamation und ohne jegliche Diskussion abgesegnet“ (Ahäuser, Jürgen, Harmonisches Mittelmaß im DOSB, in fr-online.de 8.12.2014; Hervorhebung WZ). Jürgen Ahäuser schreib dazu in der Frankfurter Rundschau: „Doch jenseits der wohl auch durch die beste Bewerbung kaum zu überzeugenden Anhänger der Bewegung NOlympia, hat sich der deutsche Sport selbst einen gravierenden Stolperstein auf dem Weg zu den Spielen 2024 gelegt. Im Sommer in neuneinhalb Jahren sollen nämlich nicht nur Athletinnen und Athleten aus aller Welt um Gold, Silber und Bronze kämpfen, es soll auch Fußball auf allerhöchstem Niveau gespielt werden. Der Deutsche Fußball-Bund bewirbt sich um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024. (…) Es ist bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit die beiden sportlichen Großprojekte (noch) allenthalben angeschoben werden und die Frage „Wer soll das bezahlen?“ bislang umdribbelt wird. Selbst auf relativ schmal getrimmte Sommerspiele werden Milliardensummen verschlingen, und um die eine oder andere Renovierungsmaßnahme unserer Fußballtempel werden wir auch nicht umhinkommen“ (Ahäuser, Jürgen, Überdosis Sport, in fr-online 8.12.2014).

– Vesper will es wieder nicht wissen. Auch auf der IOC-Sitzung am 8./9. 12.2014 war eine Doppelbewerbung von DFB und DOSB Thema. „Vielmehr sah sich dort auch DOSB-Vorstandschef Michael Vesper gestärkt: Die Agenda werde den Stimmungswandel in Deutschland fördern, trug er der Presse vor. Ein solcher Stimmungswandel setzt aber ein Unwissen voraus, das offenbar auch im IOC noch herrscht: dass ein deutscher Sommerkandidat die praktisch sichere Fußball-EM 2024 als ein K.-o.-Kriterium mit sich herumschleppen würde. Wo immer dieser Hinweis fiel, setzte Skepsis ein. Das Gros der Einschätzungen spiegelte die Chancenlosigkeit einer Doppelbewerbung wider. Der Schweizer IOC-Mann und Eishockey-Weltpräsident René Fasel brachte es auf den Punkt: ‚Das wäre ein Verpuffen der Energien. Und ein tolles Werbemittel für die Mitbewerber, die argumentieren könnten: Gebt uns die Spiele, Deutschland hat doch eine Großveranstaltung im selben Sommer'“ (Kistner, Thomas, Alles hübsch inszeniert, in sueddeutsche.de 10.12.2014).

– „Abenteuerliche Argumente“ des DOSB. Johannes Aumüller schrieb in der SZ: „Mit abenteuerlichen Argumenten versucht der Deutsche Olympische Sportbund, die Chancen einer Bewerbung um die Sommerspiele 2024 großzureden. (…) Die Orchestrierung des Themas ist irritierender denn je. Das betrifft in erster Linie die sportpolitischen Eckdaten. Denn die Chancen sind nahe null. (…) In Paragraph 34 (der Olympischen Charta; WZ) heißt es, Ausrichtung und Ablauf der Spiele dürften in keiner Weise von einer anderen Veranstaltung beeinträchtigt werden, die in der Gastgeberstadt oder in ihrer Umgebung stattfindet. (…) Vorstandschef Michael Vesper überraschte mit einer exklusiven Fassung des IOC-Regelwerkes: ‚Die Regel 34 besagt, dass von einer Woche vorher bis einer Woche nach den Spielen kein vergleichbares Ereignis stattfinden darf‘. Eine EM sei üblicherweise im Juni und Juli, Sommerspiele erst in der zweiten August-Hälfte, da sei ausreichend Zeit dazwischen. Allerdings: Solche Zeitangaben finden sich in der Charta nicht (Aumüller, Johannes, Das bisschen Fußball, in SZ 8.12.2014; Hervorhebung WZ).Sponsoren werden eine solche enge zeitliche Überschneidung nicht akzeptieren, die Sicherheitsvorkehrungen wären in der Öffentlichkeit kam zu vermitteln. Außerdem hätte ein Bewerber aus den USA wegen des milliardenschweren TV-Vertrages mit NBC beste Chancen.
DOSB-Präsident Alfons Hörmann will nicht einmal die DOSB-Mitgliederversammlung über den Austragungsort entscheiden lassen. Am 16.3.2015 gibt das DOSB-Präsidium eine Empfehlung heraus, die am, 21.3.2015 von den Mitgliedern abgesegnet werden soll. Die Delegierten haben praktisch keine Alternative. Hörmann: „Wir können keinem Mitgliedsverband verbieten, Anträge zu stellen. Ob das dann sinnvoll ist, ist etwas anderes“ (Ebenda).
So funktioniert sie, die Sport-Demokratur.

– Referendum oder kein Referendum: Das ist in Hamburg die Frage. Die Hamburger SPD laviert um die so hoch gelobte Bürgerbefragung zu Hamburg 2024 herum. Ein neues Volksbefragungsgesetz müsste her. Doch wenn es Berlin 2024 wird, war alles umsonst. „Hartnäckig hält sich allerdings das Gerücht, dass die SPD eine Entscheidung über die Einführung von Referenden am liebsten in die nächste Legislaturperiode verschieben würde. Ende März wird der DOSB sich nach jetzigem Stand für Hamburg oder Berlin als nationale Bewerberstadt entscheiden. Sollte Hamburg das Nachsehen haben, so das Kalkül mancher Sozialdemokraten, gäbe es gar keinen Grund mehr, das ungeliebte Instrument Referendum in Hamburg einzuführen“ (Meyer, Ulrich, Olympia-Referendum: Spielt die SPD auf Zeit? in welt.de 1.12.2014).

Nicole Vrenegor: Augen auf beim Olympia-Kauf – Warum Hamburg sich nicht auf Olympische Ausmaße mästen lassen sollte“. Zum Diskussionsbeitrag in der Zeitung des Winterhude-Eppendorfer Turnvereins voin 1880: hier

– Berlin: Nur noch beten. Unter dem Titel „Für Berlin hilft nur noch beten“ schrieb Christian Hönicke im Tagesspiegel zum Einstieg der USA, Italien und (vielleicht) Frankreich: „Die  USA und Katar haben Geld. Paris hat die Liebe, Rom göttlichen Beistand. Oh je, Berlin, machen wir uns nichts vor: Da hilft wohl nur noch beten“ (tagesspiegel.de 16.12.2014).

– Landessportbund Berlin trommelt. LSB-Präsident Klaus Böger schrieb am 22.12.2014 Vereine und Unternehmen an: „Wir würden uns freuen, wenn Sie das Thema in Ihren Sportgruppen und im Freundes- und Bekanntenkreis diskutieren, die Chancen der Bewerbung für Berlin abwägen und sich eine fundierte Meinung bilden“ (LBS, Interessensbekundung Olympische und Paralympische Spiele in Berlin, 22.12.2014). Und zwar natürlich eine positive – unter dem bescheidenen Motto: „Wir wollen die Spiele!“ Unterthemen: „Werden Sie Teil der Bewerbung! – Nutzen Sie Ihre Kommunikationskanäle! Sprechen Sie Ihre Belegschaften an! Seien Sie bei den Olympischen und Paralympischen Wochen dabei!“ (23.1. – 8.2.2015) Netter Gag: „Die Berlinerinnen und Berliner werden von Anfang an in den Bewerbungsprozess einbezogen.“ Bis Ende 2014 ist kein Dialog erfolgt, sondern nur ein Monolog PRO 2024. Die ganze Berliner Stadtgesellschaft soll die (DOSB-)Bewerbung tragen. In Trambahnen, Bussen, Bädern wird über die Bewerbung informiert. Unternehmen, Kammern und Verbände tragen das Olympia-Thema in die Öffentlichkeit. „SportlehrerInnen tragen das Thema Olympische und Paralympische Spiele in den Unterricht“ (Ist das überhaupt erlaubt???)
Neben einer Reihe nachweislich falscher Zahlen in Bezug auf Kosten und Bewerbung, dem finanziellen Ergebnis von London 2012 etc. wird in einem Aufsatz wieder einmal der anscheinend unvermeidliche Olympia-Berechner Holger Preuß mit dem demagogischen Satz zitiert: „Nur reiche Städte können es sich leisten, sich nicht für Olympische Spiele zu bewerben“ (Brandi, Heiner, Wer finanziert die Spiele? in Sport in Berlin, Dezember 2014).
Da könnte man fast Berlin die Spiele wünschen – um dann 2024 die Milliarden-Verschuldung bewiesen zu bekommen: wenn wir die Milliarden nicht alle bezahlen müssten.

– Billigheimer Landessportbund Berlin. Das Präsidium des LSB will alle Großvereine mit mehr als 2000 Mitglieder besuchen, um olympische Propaganda für Berlin 2024 zu betreiben. LSB-Sportdirektor Heiner Brandi: „Wir müssen eine stärkere Informationspolitik betreiben und den Menschen mitteilen, dass Berlin weder die Ausrichtung noch die Organisation der Spiele etwas kostet“ (Kröger, Martin, „Lex Olympia“ ist in Planung, in neues-deutschland.de 29.12.2014).
Das ist schon nicht mehr schlecht erfunden, sondern – angesichts der gigantischen Kosten der letzten und der kommenden Olympischen Sommerspiele in zweistelliger Milliardenhöhe – unverschämt.

DOSB eilt es nicht. Die Oppositionsparteien CDU und Grüne werfen in Hamburg der SPD vor, eine Volksbefragung zu Hamburg 2024 zu verschleppen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärte im Interview, ein Referendum in Berlin wäre auch im Jahr 2016 noch „vollkommen okay“ (Zawatka-Gerlach, Ulrich, Bürger zu Olympia nicht wirklich gefragt, in tagesspiegel.de 29.12.2014).

Januar 2015:

– Hamburg 2024: kein Platz, keine Zeit. „Der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Gunther Bonz, hält die Vorbereitungszeit für Olympische Spiele 2024 in der Hansestadt für viel zu kurz. Für das vom Senat vorgeschlagene Olympia-Gelände auf dem Kleinen Grasbrook müssten mehrere Unternehmen mit insgesamt 2000 Beschäftigten umgesiedelt werden, sagte Bonz der Deutschen Presse-Agentur.Bonz sieht praktische, bürokratische und politische Probleme. Für die Unternehmen vom Kleinen Grasbrook müssten zunächst geeignete Ersatzflächen gefunden werden. Hafenerweiterungsflächen gebe es noch in Altenwerder und Moorburg. ‚Die wird man in Anspruch nehmen müssen'“ (DPA, Hafenwirtschaft: Planungszeit für Olympia zu kurz, in welt.de 2.2.2015). Dagegen würden aber die Grünen sein, und gegen das nötige Planfeststellungsverfahren würden die Umweltverbände klagen (Ebenda).

– Hafen-Verlagerung umstritten. Das Olympia-Gelände soll auf dem Kleinen Grasbrook errichtet werden – dafür müssten zahlreiche Hafenunternehmen umziehen: 2.000 Beschäftigte wären betroffen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert eine 100-prozentige Transparenz bei den nötigen Verlagerungen: „Der BUND sieht diese Vereinbarung als Selbstverständlichkeit, warnt aber, dass von Seiten des Unternehmensverbands Hafen Hamburg (UVHH) und seines Präsidenten Gunther Bonz bereits jetzt auf Flächen im heutigen Stadtteil Moorburg geschielt werde. Bislang gebe es zwar keine offiziellen Äußerungen der Stadt hierzu – die Umsiedlung der großen Betriebe mit einem Flächenbedarf von über 100 Hektar dürfe jedoch keinesfalls zur weiteren Zerstörung der wertvollen Natur- und Kulturlandschaft im Hamburger Südosten führen“ (PM Olympia: BUND fordert klare Aussagen zu Umsiedlungsflächen, Hamburg 11.2.2015). Der Landesgeschäftsführer Manfred Braasch: „Der Slogan ‚Kompakte Spiele in der Stadt‘ hört sich gut an. Einer Vertreibung der Menschen in Moorburg und einer Vernichtung des dort noch weitgehend intakten Naturraums wird sich der BUND aber entgegenstellen“ (Ebenda).
Der hafenpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion, Anjes Tjarks, schrieb in einer Pressemitteilung: „Das laute Rufen der Hafenwirtschaft nach Entschädigung hat sich anscheinend gelohnt. Die Einigung zwischen Stadt, HPA und Hafenunternehmen über die Verlagerungskosten geht einseitig zu Lasten der stadteigenen HPA – und damit der Steuerzahler. Hier hat der SPD-Senat fünf Tage vor der Wahl und dem DOSB-Votum seine absolute Mehrheit ausgespielt. Das ist schlechter politischer Stil und in der Sache ein teurer Fehler. Die HPA soll nicht nur alle erforderlichen Ersatzinvestitionen an neuen Standorten übernehmen, sondern auch ‚jegliche sonstige im Zusammenhang mit der Verlagerung anfallenden Nachteile aufseiten der HHLA und deren Untermieter‘. Das ist ein Blankoscheck für die Hafenunternehmen und die HHLA. Niemand kann genau beziffern, was hier auf die Steuerzahler zukommt. Klar ist heute nur, dass wir von mehreren Hundert Millionen für die Steuerzahler sprechen. Olympia wird damit zum Goldregen für die HHLA und alle anderen betroffenen Hafenunternehmen. Zahlen müssen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“ (PM Olympischer Goldregen für die HHLA – auf Kosten der Steuerzahler, Hamburg 11.2.2015).

– Berliner Sanierungsstau selbstverschuldet. Die Präsidentin des Berliner Landesrechnungshofes, Marion Claßen-Beblo, warf dem Berliner Senat vor, seit 1998 einen Sanierungsstau verursacht zu haben: „Nun ist er da, der Sanierungsstau in Größenordnungen, dass einem schwindlig wird“ (Berlins Rechnungshof gibt Senat Schuld am Sanierungsstau, in morgenpost.de 2.2.2015). Allein bei den Berliner Schulen würden eine Milliarde Euro fällig und bei öffentlichen Gebäuden zwölf Milliarden Euro (Ebenda).
Berlin 2024 wird natürlich im Handumdrehen ganz Berlin sanieren…

– Beleuchten und Joggen für Berlin 2024. „Mit einer Lichtinstallation will Berlin seine Einwohnerschaft für eine Olympiabewerbung der Stadt begeistern. (…) Die Stadt wird zur Werbefläche für den Sportkonzern IOC. Und nichts anderes als eine Werbefläche ist in diesen Tagen das Brandenburger Tor. ‚Wir wollen die Spiele. Berlin für Olympia‘ ist in großen Lettern auf die Sandsteine unter der Quadriga projiziert. Wer das sieht, wird nicht lange über den künstlerischen Wert dieser Lichtinstallation nachdenken. Sie hat keinen. (…) Und damit man nicht allein Touristen erreicht, strahlt nun auch der Fernsehturm am Alexanderplatz in den von der Stadt neu definierten Olympiafarben. Mit einem Volkslauf wurde am Wochenende das Licht vom Tor zum Turm getragen. Um die Hundert Teilnehmer sollen an diesem wohl besser als Völkchenlauf zu bezeichnenden Event mitgewirkt haben. Die Olympiagegner in der Stadt gossen eimerweise Häme über den traurigen Joggermarsch aus. Tenor: Das war’s wohl mit Olympia in Berlin“ (Rüttenauer, Andreas, Trauriger Joggermarsch für Olympia, in taz.de 5.2.2015).

– Berlin 2024: Heiße Luft und buntes Licht. Die Berlin-Werber projizieren „Wir wollen die Spiele“ auf den Fernsehturm, die Berliner Verkehrsbetriebe sind Olympia-oktroyiert, 2024-Fahnen wehen, demnächst werden zig Plakate Berlin zukleistern, die Industrie- und Handelskammer lässt ihr ausreichend vorhandenes Geld springen… Ob es was nützt? Sigrid Kneist sieht das im Tagesspiegel anders: „Wenn wir alle nur oft genug lesen, dass wir die Spiele wollen, wollen wir sie auch. Und dann glaubt das auch der mächtige Sportbund. (…) Meint irgendjemand im Senat, bei den Berlin-Werbern oder bei den Kampagnen-Organisatoren, nur mit ordentlich viel Leuchtmitteln und tausenden Plakaten mit dem immer gleichen Motto könnte so etwas wie eine Olympiastimmung in dieser Stadt entstehen? Während eine verbindliche Bürgerbefragung erst für September angedacht ist? Beleuchtung statt Beteiligung – das ist eine Strategie aus dem letzten Jahrtausend! Dass Werbung allein nicht mehr zieht, müssten die Fürsprecher eigentlich wissen. Nicht zuletzt nach den letzten Erfahrungen mit Volksentscheiden, etwa zur Zukunft des Tempelhofer Felds. Da zeigte sich bereits: Selbst wenn die Stadt noch so zugekleistert ist und die Kritiker oder Projektgegner bei der Materialschlacht nicht ansatzweise mithalten können: Wir, die Bürger, nicken nicht einfach ab. Im Gegenteil: Wenn die mit dem Zugang zu Macht und Infrastruktur beim Marketing die Muskeln spielen lassen, weckt das heute eher den Widerspruchsgeist“ (Kneist, Sigrid, Nur buntes Licht reicht nicht für Olympia! in tagesspiegel.de 8.2.2015).

– Karl Brenke: „kein zivilgesellschaftlichen Dialog“. Der Ökonom am DIW, Karl Brenke, schrieb in einem Beitrag zu Hamburg 2024 und Berlin 2024 für den Berliner Tagesspiegel: „Von einem ‚breiten, zivilgesellschaftlichen Dialog‘ kann jedoch bisher keine Rede sein. Vielmehr wird hier wie dort eifrig die Werbetrommel gerührt, um die Bevölkerung auf dem Wege einer emotionalen Ansprache für die Bewerbung zu begeistern. ‚Wir wollen die Spiele‘ (Berlin), man soll für sie ‚Feuer und Flamme‘ (Hamburg) sein. Der Steuerzahler zahlt erst einmal für seine eigene, informationslose Beeinflussung. Denn es gibt noch nicht einmal Planungen über die erforderlichen Investitionen in Sportstätten und in die übrige Infrastruktur; dasselbe gilt für andere Aufwendungen“ (Brenke, Karl, „Wir brauchen einen Bürgerentscheid über Olympia“, in tagesspiegel.de 10.2.2015).

– Berliner DOSB-Staatsgäste. „Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper werden am 24. Februar an der Sitzung des Berliner Senats teilnehmen. Das sagte das DOSB-Präsidium der Senatskanzlei am Mittwoch zu. Die Sitzung wird im Olympiastadion stattfinden“ (DOSB-Präsidium besucht Senatssitzung, in morgenpost.de 5.2.2015). Derweil legt sich der Berliner Senat mit der ganzen Stadtmaschinerie ins Zeug: „Die Olympiawerbung ist unter anderem auf U- und S-Bahnhöfen, am Hauptbahnhof sowie auf großen LED-Werbetafeln zu sehen. Auch Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und Fahrzeuge der Stadtreinigung (BSR) werden damit ausgestattet“ (Ebenda. Das war bei München 2022 im Vorfeld der Abstimmung genauso: Genützt hat es nichts).

– Chefkalkulator Preuß für Berlin 2024. Der olympische Chefkalkulator Holger Preuß von der Universität Mainz äußerte, mit Olympia habe man „noch nie Minus gemacht„. „Ich rate zu Olympischen Spielen. Die Stadt wäre blöd, sich nicht zu bewerben“ (Beikler, Sabine, Voigt, Benedikt, Berlin plant mit Milliarden-Spielen, in tagesspiegel.de 6.2.2015; Hervorhebung WZ). Zur Erinnerung: Der für Internationale Beziehungen Verantwortliche im DOSB-Präsidium, Bernhard Schwank, ehemals zuständig für die Bewerbungen München 2018 und 2022, meinte zu Berlin 20924: „Risiken und Kosten decken sich“ (Beikler, Sabine, DOSB-Vorstand erwartet Spiele mit Schwarzer Null, in tagesspiegel.de 30.1.2015).
Olympische Schwarzrechner…

Februar 2015:

– Der Senat antwortet Gabriele Hiller – nicht. Auch im obigen diesem Zusammenhang ist die Anfrage von Hiller vom 14.1.2015 und die Antwort des Senats vom 5.2.2015 interessant (Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 17/15279, 5.2.2015). Auf die Frage, in welcher Höhe bisher private Gelder welcher Sponsoren o.ä. in die bisherigen Veranstaltungen flossen, lautete die Antwort: Keine. Auf die Frage nach dem Anteil der Stiftung „Zukunft für Berlin“ an der Olympiabewerbungskampagne lautete die Antwort: „… entzieht sich der Kenntnis des Senats„. Und die Frage nach den aufgebrachten Mitteln landeseigener Unternehmen war die nebulöse Antwort: „… bestimmen sämtliche Beteiligten eigenständig. Dem Senat liegen keine Informationen über den jeweiligen Mitteleinsatz vor.“

– Berliner haben am 13.9.2015 nichts zu bestimmen. Das von CDU und SPD beschlossene „Gesetz über eine Befragung zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Berlin“ (Drucksache 17/2061, 20.1.2015; Hervorhebung WZ) soll eine Befragung der Berliner am 13.9.2015 regeln. Die Frage lautet: „Soll sich Berlin um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 und gegebenenfalls 2028 bewerben?“ Entscheidender Fakt: Die 3,3 Millionen Euro Befragung ist völlig konsequenzlos:
§ 1 (4): „Das Ergebnis der Befragung ist für das Abgeordnetenhaus, den Senat und die Verwaltung nicht bindend.
S. 6: „Da das Ergebnis der Befragung keine rechtliche Bindungswirkung entfaltet, setzt sich die Bevölkerung durch die Befragung – im Gegensatz zu einem Volksentscheid – nicht an die Stelle der Volksvertretung; sie trifft keine förmliche Entscheidung durch Gesetz oder sonstigen Beschluss. Das Votum ist allein beratender Natur. (…) Einer vorausgehenden Änderung der Verfassung von Berlin bedarf es nicht, da mit diesem Gesetz allein die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um ein unverbindliches Meinungsbild zu schaffen.“
S. 7: „Mit der Befragung soll ein Meinungsbild in der Berliner Bevölkerung geschaffen werden.“ Absatz 4 bestimmt, „dass von dem Ergebnis keinerlei bindende Wirkung gegenüber den Verfassungsorganen und der Verwaltung ausgeht.“
Olympische Pseudo-Demokratie…

– Berlin 2024: Goliath gegen David. Wie bei den Bewerbungen München 2018 und 2022 werden auch bei den Bewerbungen Hamburg 2024 und Berlin 2024 jede Menge städtische Manpower und Gelder investiert. Für Berlin bezifferte gerade der Senat auf Anfrage der Linken-Abgeordneten Gabriele Hiller die bisherigen Kosten auf rund 174.000 Euro, dazu bis zur Entscheidung des DOSB Mitte März nochmals 130.000 Euro. Parallele zu München 2018 und 2022: Der Anteil der privaten Sponsoren (so überhaupt vorhanden) wird nicht beziffert (Friedrich, Tina, Senat gibt erstmals Kosten für Olympia-Kampagne bekannt, in rbb-online 7.2.2015).

– Olympisches Ablenkungsmanöver. „Nicht die Stadt braucht Olympische Spiele, sondern der Senat, um davon abzulenken, dass er schlecht regiert. Dafür geht er ein neues großes Haushaltsrisiko ein“ (Fraktion Die Linke, Berliner Abgeordnetenhaus, Info „Für Berlin. Nicht für Olympia“, 8.2.2015).

– Was haben Berlin 2024 und London 2012 gemeinsam? „Um nacholympische Umbauten zu vereinfachen, sollen die fünf Geschosse hohen, auch behindertengerechten Häuser als ‚Baukastensystem‘ entstehen. Das klingt nach dünnen Rigips-Wänden und hellhörigen Buden aus den 1950er Jahren. Dabei manövrierte sich schon London mit niedrigen Standards ins Aus. Für die Spiele 2012 sollte eine private Firma das Olympiadorf bauen und die Wohnungen später mit Gewinn verkaufen. Doch die Firma scheiterte schon an der Finanzierung. Die Stadt musste einspringen, und der Steuerzahler blieb auf Verlusten von 275 Millionen Pfund sitzen. Und die Wohnungen? Sie boten wenig Komfort: Spartanisch eingerichtete Zimmer, dünne Wände, kleine Aufenthaltsbereiche, beklagten Athleten aus russischen und deutschen Olympiateams gleichermaßen – der Standard deutscher Jugendherbergen sei besser“ (Schönball, Ralf, Flughafen Tegel: Erst Olympisches Dorf, dann Wohnviertel, in tagesspiegel.de 8.2.2015).

Berliner Senat ist nicht Charlie. Die Blogger von Metronaut haben Motive der Olympischen Sommerspiele Berlin 1936 mit dem Logo von Berlin 2024 versehen und ins Internet gestellt. Der DOSB hat sich umgehend beim Berliner Senat beschwert. Der brach in vorauseilendem DOSB-Gehorsam zusammen und ließ den Metronaut-Bloggern zwei einstweilige Verfügungen mit brutal kurzer Reaktionszeit zustellen: Die erste kam um 16:14, die zweite um 17:34: Eine Frist wurde bei beiden bis 18 Uhr gesetzt. Die Metronauten ersetzten das Berlin-2024-Logo durch: „zensiert“. Zu den zensierten Motiven: hier. John F. Nebel (Pseudonym) von den Metronauten erklärte, die Diskussion über die Vergangenheit von Olympia in Berlin komme zu kurz, die Kampagne sei „so dermaßen von oben herab, Ablehnung wird ausgeblendet. „Diese Abmahnung ist natürlich totaler Quatsch. Diese Nervosität ist doch total überzogen. aber natürlich sind die nervös… Also, aus Mediensicht ist das natürlich ein Super-Eigentor. Unsere Story war ja letztlich durch, das haben ein paar tausend Leute gelesen. Jetzt haben die halt genau die Diskussion, die sie nie wollten. Eben David gegen Goliath: Dass sie auf ein kleines Blog draufhauen, weil das die Diskussion über die Olympiade in Berlin und die Nazis aufmachen will“ (Boeselager, Matern, Der Berliner Senat hat einen Blog verklagt, weil er sich über die Olympia-Kampagne lustig gemacht hat, in vice.com 10.2.2015).
Matern Boeselager schrieb im Vice Channel: „Der Berliner Senat hat sich stattdessen dafür entschieden, die Berliner einfach mit einer Brachial-Kampagne zu überrollen. Seit Januar hängen an jedem freien Fleckchen Plakate, auf denen immer wieder ‚Wir wollen die Spiele‘ steht—als könnte man es der bockigen Bevölkerung so einbläuen, was sie zu wollen hat. Das ging natürlich einer Menge Menschen auf die Nerven. Dazu gehören auch die Blogger von metronaut, die reagierten, indem sie den Schriftzug der Kampagne kurzerhand auf die alten Plakate der Sommerspiele 1936 klebten. Darauf hat nun wiederum der Senat reagiert, und zwar in der souveränsten Form, mit der ein Staat überhaupt mit Satire umgehen kann: mit einer Unterlassungsklage per Anwalt, von denen den Bloggern gestern Nachmittag gleich zwei ins Büro flatterten“ (Boeselager, Matern, Der Berliner Senat hat einen Blog verklagt, weil er sich über die Olympia-Kampagne lustig gemacht hat, in vice.com 10.2.2015).
Ausführlicher unter „Aktuelles“: Berliner Senat ist nicht Charlie

– Gefangenen-Pfannkuchen vom Justizsenator. „Berlin (dpa/bb) – Mit Pfannkuchen aus der Gefängnisbäckerei Tegel sollen Berliner auf den Geschmack für Olympia kommen. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) will am Rosenmontag (13.30 Uhr) rund 300 Exemplare mit stilisiertem Werbe-Logo ‚Wir wollen die Spiele‘ in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg verteilen, wie eine Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage mitteilte. Die Pfannkuchen seien ordentlich bestellt und bezahlt. Sie seien mit Marmelade gefüllt. (…) Olympia-Gegner rufen im Internet zu lautstarkem zivilen Ungehorsam gegen die ‚Manipulationsmaschine‘ des Senats auf“ (Süße Werbung für Olympia – Senator verteilt Pfannkuchen, dpa/bb 11.2.2015).
Wer ist dieser Senator eigentlich? „Justiz- und Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) hat als Gründer der Werbefirma Scholz & Friends ein Vermögen gemacht. Mehr als zehn Jahre lang war er Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender. Mittlerweile ist der studierte Jurist aus dem Unternehmen ausgestiegen. Heilmann hat sein Geld in mehreren Firmen und Immobilien angelegt und investiert in Start-up-Unternehmen“ (Anker, Jens, Fahrun, Joachim, Kraetzer, Ulrich, Justizsenator Heilmann stand kurz vor dem Rauswurf, in Berliner Morgenpost 25.6.2014). Interessantes Detail: Heilmann versuchte seinen Kollegen, dem Hamburger Finanzsenator Ulrich Nußbaum, „per Unterlassungserklärung zu untersagen, Fragen nach möglichen geschäftlichen Beziehungen Heilmanns in die Energiebranche und einer daraus folgenden Befangenheit bei der Gasnetzvergabe zu stellen. Die Frage Nußbaums findet Wowereit (der damalige Regierende Bürgermeister; WZ) durchaus berechtigt, denn Heilmann war lange Jahre Aufsichtsratschef des Energiebrokers Ampere AG und ist weiterhin an dem Unternehmen beteiligt. Auch die Frage, ob Heilmann in seiner rechtlichen Kritik an Nußbaums Entscheidung möglicherweise Formulierungen aus der Klageschrift der Gasag verwendet habe, hält Wowereit für angemessen“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).

– AUFGEBEN! Angelika Herrmann schrieb auf Facebook: „Ohne wenn und aber: AUFGEBEN… Wir können das nicht… Wo sollen denn all die vielen Gäste landen“ (Christmann, Karin, Hesselmann, Markus, Berger, Melanie, NOlympia-Politiker und 70 Jahre Sarrazin, in tagesspiegel.de 12.2.2015).

– Berliner Verkehrsbetriebe fahren auf Olympia ab. Email 12.2.2015 von BVG an BVG-Verteiler bezüglich BVG-Olympiamotiv: „Wir freuen uns, Ihnen unser BVG-Olympiamotiv präsentieren zu dürfen. In Unterstützung der laufenden gemeinsamen Berlin-Kampagne haben wir uns entschlossen, den Mediendruck über ein Olympiamotiv im Rahmen unserer Imagekampagne zu erhöhen. Die Schaltung erfolgt in den heutigen Tageszeitungen und in allen gängigen Werbemedien. Wir schaffen das!
Mit herzlichen Grüßen Ihre Dr. Sigrid Evelyn Nikutta Henrik Falk Dirk Schulte
Die unansprechende Werbung für Berlin 2024 bringt im Text u. a. „Auch wir lieben Olympia. Und unterstützen die Bewerbung der Stadt um die Olympischen Sommerspiele und Paralympische Spiele… Ihr Vorstand. Das Foto zeigt eine unscharfe U- oder S-Bahn, das Logo von Berlin 2024 und eine Fliese im Bahnhof mit: I-Herz-Olympia.
Wie bei der Bewerbung München 2018 verpflichtet die Stadt Berlin für Berlin 2024 den Öffentlichen Verkehr finanziell als Werbeträger. War nicht anfangs mal von einer Diskussion über Berlin 2024 die Rede? Der ganze Prozess Berlin 2024 ist ausschließlich eine Pro-Veranstaltung: Kontra soll nicht zu Wort kommen. Chancengleichheit sieht anders aus.

– Obdachlose für Olympia! Aus einem Thesenpapier von „interessierten Künstlern, Kreativen und Machern“ pro Berlin 2024: „Obdachlose werden nicht aus der Stadt gedrängt, sondern gehören ins Stadion eingeladen“ (Einladung zur öffentlichen Veranstaltung: #OlympiaGehtAuchAnders, PM www.berlin.de 12.2.2014).
 Oh heilige Einfalt.

– Jens Weinreich zu Berlin 2024. Weinreich berichtete von „zehn schlecht besuchten Olympiaversammlungen“  – und die erste am 12.2.2015 für die Bürger, die die Rechnung bezahlen, war auch nicht gut. Symptomatisch: „Bei deutschen Olympiabewerbungen werden immer erst Tatsachen geschaffen. Das heißt auch: Es werden erst Millionen ausgegeben, bevor Bürger befragt werden. Zum Absurden dieser 2024er Kampagne zählt zudem, dass der DOSB ohne Kompass und einen nachprüfbaren Katalog technischer Kriterien, mithin sogar ohne fairen Wettbewerb der Argumente und Fakten, zwischen Hamburg und Berlin auswählt und am 21. März den deutschen Kandidaten bestimmt. Das ist ein Skandal für sich, der viel zu selten thematisiert wird, allerdings auch nicht mehr zu beeinflussen ist, weil der Sport sein eigenes Reich bildet, eine Parallelgesellschaft“ (Weinreich, Jens, Olympia-Bürgerforum: Dauerlächler vs Dauerbrüller, Blog, krautreporter.de 13.2.2015).

– Berlin 2024 und Heiner Brandi. Weinreich ließ sich speziell über Heiner Brandi aus, „Direktor des Landessportbundes Berlin (LSB), der wiederholt gröbsten Unsinn erzählte, was zwei Interpretationsmöglichkeiten lässt: Entweder ist Brandi wirklich so ahnungslos – oder er lügt. (…) LSB-Mann Heiner Brandi erntete einige Male empörte Lacher und ungläubiges Kopfschütteln. Zu Recht. Einmal behauptete Brandi, unter den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) habe es in der Vergangenheit ‚eigentlich nur einen Korruptionsfall‘ gegeben. Ich möchte da nicht zu sehr ins Detail gehen, verweise nur kurz und unvollständig auf die gerichtlich belegten Korruptionsfälle der jüngsten Vergangenheit João Havelange, Guy Drut, Lee Kun-Hee (ja, der Übervater des Samsung-Konzerns), Lamine Diack, Mohamad Bob Hasan, Issa Hayatou, Kim Un-Yong, Park Yong-Sung, auf die wegen Bestechlichkeit aus dem IOC ausgeschlossenen Iwan Slawkow, Jean-Claude Ganga, Augustin Carlos Arroyo, Abdel Gadir, Paul Seuili Wallwork, Lamine Keita, Sergio Santander Frantini, auf die unter der Last der Belege ausgetretenen Charles Mukora, Pirjo Häggman, David Simbandze, Bashir Attarabulsi und viele andere mehr. Ich habe über all diese Fälle ausgiebig berichtet. Der oberste Angestellte des Berliner Sports, gemäß jüngster Bestandserhebung verantwortlich für 607.809 Vereinsmitglieder, irrlichtert über ‚einen Korruptionsfall‘ im IOC. Unwahrheiten über das IOC sind vergleichsweise leicht zu verschmerzen. Viel ärgerlicher sind die Aussagen Brandis zu den Kosten Olympischer Spiele, die sich mit jüngsten Postulaten von Senatsmitgliedern decken. Mit derlei verbalen Nebelkerzen führen Brandi und Co. nicht nur LSB-Mitglieder hinters Licht, sondern auch 2,9 Millionen weitere Berliner. Brandi behauptete am Donnerstag zum Beispiel, die Ausrichtung Olympischer Spiele ‚kostet Berlin keinen Cent‘. Das ist ziemlich finster“ (Ebenda).

– Blinder Aktionismus des Berliner Senats. Die Anmeldeliste für die Veranstaltung „Senat diskutiert über Olympia“ wurde vorsichtshalber schon vorher geschlossen: Im Ewerk gäbe es nur maximal 350 Plätze (Beikler, Sabine, Erstes Bürgerforum ohne politisch Verantwortliche, in tagesspiegel.de 12.2.2015). Dazu passt eine Pressemitteilung von NOlympia Berlin, 13.2.2015:
Senat lügt sich Beteiligung zusammen. Anders als presseöffentlich behauptet, haben sich gestern beim vom Senat einberufenen Bürgerforum zur Diskussion um eine Olympiabewerbung Berlins weniger als 150 Menschen statt der behaupteten 350 beteiligt und davon haben sich nur knapp ein Drittel für eine Bewerbung ausgesprochen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Menschen werden täglich mit den Konsequenzen der verantwortungslosen Sparpolitik des Senates konfrontiert. Sei es in Schulen und Kitas, beim Sport oder auf dem Bürgeramt.“

– Air Berlin ist nicht olympisch. „Am 5. Februar stellten der Regierende Michael Müller (SPD) und Air-Berlin-Chef Stefan Pichler einen Airbus A320 als fliegenden Olympia-Botschafter für die Hauptstadt vor. Mit einem Werbebanner: ‚Wir wollen die Spiele! Berlin für Olympia‘ (Wedekind, Olaf, Olympia-Rüffel für Berlin, in bild.de 17.2.2015). Das ging nicht lange gut – der DOSB intervenierte. „Die Fluggesellschaft Air Berlin muss das Wort ‚Olympia‘ auf dem Werbebanner eines ihrer Flugzeuge überkleben. Der Grund: Unternehmen, die nicht offizieller Partner des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind, dürfen ‚Olympia‘ und ‚Olympische Spiele‘ nicht für Werbung verwenden. ‚Wir bleiben natürlich Partner der Olympia-Initiative‘, betonte ein Air-Berlin-Sprecher“ (DPA, Nichts mit Olympia, in SZ 17.2.2015). Der Berliner Präsident des Landessportbunds, Klaus Böger, verstand die Welt nicht mehr: „Wie sollen wir mit unseren Unterstützern aus der Wirtschaft für Olympia werben, wenn wir nur von Spielen schreiben dürfen? Mit Spielen könnte auch Fußball gemeint sein“ (Wedekind 17.2.2015).

– Berlin 2024: Geschichtsklitterung. In spiegelonline lieferten die „glühenden Olympiafans“ Thomas Heilmann und Tim Renner einen Gastbeitrag ab. Darin schrieben sie u. a.: „Zur traurigen Wahrheit gehört, dass der eigentliche Kern der olympischen Idee 1936 in Berlin missbraucht und mit Füßen getreten wurde. Hier verlor Olympia seine Unschuld“ (Heilmann, Thomas, Renner, Tim, warum Berlin eine gute Olympia-Stadt ist, in spiegelonline 17.2.2015). Das ist Geschichtsklitterung. Man kann sagen, dass sich Hitler-Deutschland und die IOC-Granden bei den Olympischen Sommerspielen 1936 idealtypisch ergänzten.  Der deutsche NS-Sportfunktionär Carl Diem handelte mit IOC-Gründer Pierre de Coubertin sogar aus, dass nach Berlin 1936 im Jahr 1937 im faschistischen Berlin ein „Internationales Olympisches Institut“ gegründet wird, das alle Dokumente, Papiere und Projekte des Barons erhalten sollte. (Das Gebäude des tatsächlich gegründeten Institutes – Leiter wurde Carl Diem – brannte im September 1943 aus; damit verbrannten auch die teilweise schon gelieferten Unterlagen Coubertins; vgl. Laude, Achim, Bausch, Wolfgang, Der Sport-Führer – Die Legende um Carl Diem, Göttingen 2000, S. 116ff. Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon auch: Die NS-Sportfunktionäre; Olympische Sommerspiele Berlin 1936, Olympische Spiele).
Noch 1971 betonte der von 1952 bis 1972 herrschende IOC-Präsident Avery Brundage: „The Berlin Games were the finest in modern history…I will accept no dispute over that fact“ (http://avery-brundage.inmemoriam.org/). Zufall? – Juan Antonio Samaranch war von 1980 bis 2001 IOC-Präsident – und bekennender Faschist und Franco-Anhänger. Zufall?

– Nabu droht mit Boykott von Hamburg 2024. Aus einer PM des NABU Hamburg: „Der NABU Hamburg wirft dem Senat jetzt vor, bei der Planung und Bewerbung der Olympischen Spiele den Umweltschutz nicht ausreichend zu berücksichtigen. Zum einen würden an dem Olympia-Gipfel die Umweltverbände nicht beteiligt, zum anderen wird bei Marketing-Maßnahmen keine Rücksicht auf die Natur genommen und außerdem die Hafenerweiterung nach Moorburg gefordert, kritisiert der NABU. (…) ‚Wenn der Senat und die Olympia-Betreiber weiterhin nur von Nachhaltigkeit reden, die Natur- und Umweltperspektive im Zweifel aber übergehen, werden wir die Bewerbung nicht unterstützen‘, erklärt Porschke“ (Olympia: Nachhaltig geht anders, in hamburg.nabu.de 19.2.2015). Bezeichnend: Beim Hamburger Olympia Gipfel am 18. Februar waren keine Vertreter der großen Hamburger Umweltverbände eingeladen. NABU-Vorstand Alexander Purschke: „Wie Hamburg mit besonderer Nachhaltigkeit werben will, wenn man die Hamburger Vertreter der ökologischen Perspektive gar nicht erst an den Tisch holt, ist mir schleierhaft“ (NABU droht mit Boykott einer Olympia-Bewerbung Hamburgs, in welt.de 19.2.2015). Außerdem erleuchten seit dem 16. Januar bis Ende Februar erhellen Skybeamer für Werbezwecke Hamburg 2024 den Hamburger Himmel: „Skybeamer können eine erhebliche Beeinträchtigung von Naturschutzbelangen wie dem Vogelzug darstellen, deshalb ist ihr Einsatz in anderen Bundesländern nur bis zum 15. Februar erlaubt. Das ist auch in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) bekannt. Trotzdem wurden nur wachsweiche Auflagen für deren Betrieb festgelegt, die nach NABU-Beobachtungen darüber hinaus nicht eingehalten werden“ (PM 19.2.2015). zudem hat der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Gunther Bonz, wiederholt gefordert, „zur Verlagerung von Flächen das Hafenerweiterungsgebiet in Moorburg in Anspruch nehmen zu wollen. Am 11. Februar wurde von einer Vereinbarung mit Senatsvertretern berichtet, nach der die Verlagerung der Unternehmen ‚in den Grenzen des Hafenerweiterungsgebietes beziehungsweise – sofern von der HHLA gewünscht – auch außerhalb des Hafennutzungsgebietes‘ erfolgen werde“ (Ebenda). Dies lehnt der NABU aus ökologischen Gründen strikt ab.

– Straft der Berliner Senat ab? Anscheinend haben nur unkritische Tageszeitungen in Berlin Anzeigen pro Berlin 2024 von der Stadtverwaltung erhalten. Beispielsweise haben der Tagesspiegel und die Taz keine derartigen Anzeigen offeriert bekommen. Der Regierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) behauptete dagegen: „Es gibt kein Belohn- und Bestrafungssystem durch Anzeigen, die der Senat schaltet“ (Beikler, Sabine, Weiter Ungereimtheiten bei Olympia-Anzeigen, in tagesspiegel.de 20.2.2015).

– „Zäh und leblos“. „Irgendwie fühlt sich diese Olympiabewerbung zäh an, gezwungen, leblos. Keiner will so richtig. Vieles mutet provinziell und kleinkariert an, viele scheinen beim Zuruf ‚Olympia‘ in Deckung zu gehen. Abgeordnete und Politiker aus Bund und Ländern, selbst die, die sonst zu allem etwas wissen und gerne vor den Kameras stehen, drängeln sich nicht, um olympische Statements abzugeben. Die jeweiligen Städte bemühen sich, Athleten und Prominente für den olympischen Gipfelanstieg zu gewinnen, aber ‚Feuer und Flamme‘ (Hamburger Motto) sind sie nicht. Und außer dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der qua Amt schon olympischen Enthusiasmus verkünden muss, scheint zum Beispiel der Berliner Sportsenator Frank Henkel eher zur olympischen Jagd getragen werden zu müssen, als dass er sich freiwillig für das Berliner Motto ‚Wir wollen die Spiele‘ warmläuft. (…) Wie will man nun auf den letzten Metern Menschen für Olympische Spiele begeistern, die ja – zumindest glaubt das die Funktionärskaste noch immer – ein Selbstläufer sind, ein Phänomen, von dem sich alle in den Bann ziehen lassen? Doch genau an diesem Punkt muss man mittlerweile ein dickes Fragezeichen setzen. Ist das wirklich noch so? Die Menschheit wird weltweit mit Events und Mega-Events überschüttet. Die Spiele sind ein Event von vielen, auch wenn gebetsmühlenartig immer wieder betont wird, dass Olympia an sich schon etwas Besonderes ist, Werte vermittelt und friedensstiftend ist“ (Schreiber-Rietig, Bianka, Die Definition der breiten Mehrheit, in sportspitze.de 20.2.2015).

– Ab 22.2.2015 darf NEIN gesagt werden. Ab Sonntag, den 22.2.2015 startet Forsa im Auftrag des DOSB seine Telefonumfrage zu Hamburg 2024 und Berlin 2024.

– Keine DOSB-Regeln bekannt. Johannes Aumüller in der SZ: „Klare und verbindliche Kriterien sind in dem langen Wettkampf zwischen den Städten vom Deutschen Olympischen Sportbund nicht kommuniziert worden“ (Aumüller, Johannes, 3000 Bürger sind gefragt, in SZ 21.2.2015).
Die einzige klare Regel ist die, dass der DOSB nach Gutdünken und freihändig entscheidet, ob Hamburg oder Berlin 50 Millionen Euro Steuergelder in eine erfolglose Bewerbung 2024 investieren muss.

– Online-Petition gegen Hamburg 2024. Nolympia Hamburg: „Wir haben uns entschieden, eine Online-Petition zu starten und möchten euch bitten, diese Initiative zu unterstützen und weiter zu verbreiten. Nachdem wir am Donnerstag Nachmittag damit gestartet sind, haben bereits über 2.700 Menschen unterschrieben. Da geht bestimmt noch mehr!
Zur Petition geht es hier weiter: www.change.org/nolympia
Weitere Informationen rund um die Olympia-Bewerbung erfahrt ihr mit vielen neuen Texten natürlich weiterhin unter www.nolympia-hamburg.de

– Deutsche Doping-Vergangenheit und Gegenwart. In einem Gespräch von Johannes Aumüller in der SZ mit Ines Geipel vom Doping-Opfer-Hilfe-Verein antwortete Geipel zu den aktuellen Bewerbungen um Olympische Sommerspiele: “Es ist ja im Grunde nicht verwunderlich, dass man als Politiker oder Sportfunktionär lieber über eine zukünftige Olympia- Bewerbung redet als über die Wunden der Vergangenheit. Aber auch das hängt doch miteinander zusammen! Wer jetzt Olympische Spiele forciert und Deutschlands Sportsystem entsprechend optimiert und auf Medaillen trimmt, ohne dass er mit den Hypotheken ernsthaft umgegangen ist – der ist ganz klar auch weiterhin für systematischen Betrug. Ein anderes Fazit ist nicht drin” (DOH; “Es ist gaga, wie wir die Realitäten wegdrücken”, in SZ 21.2.2015).

– „Skurriler Zweikampf“. „Hamburg oder Berlin? Am 16. März wird das DOSB-Präsidium ‚gemeinsam mit Experten‘ eine Empfehlung erarbeiten, über die die Vollversammlung am 21. März abstimmt. Wer diese Experten sind, bleibt bis 15. März geheim, um eine Einflussnahme durch die Bewerberstädte zu verhindern. (…) Nun soll über eine Frage abgestimmt werden, deren Antwort der Senat vorgibt: ‚Wir wollen die Spiele‘. Dabei liegt eine seriöse, wirklich detaillierte Kostenschätzung für das Megaprojekt bislang nicht vor, monieren die Kritiker. Gleiches gilt für Hamburg“ (Hungermann, Jens, Skurriler Zweikampf, in welt.de 22.2.2015).

Hörmann bei 48 Prozent befriedigt. Der DOSB lässt das Forsa-Institut in Hamburg und Berlin je 1500 Personen per Telefon befragen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann machte sich tiefsinnige Gedanken zur Befragung: „Es kann sein, dass aus den Umfragen etwas feststellbar ist, es kann aber auch anders herum sein“ (Olympia-Bewerbung: DOSB trifft sich mit IOC in Lausanne, in zeitonline 23.2.2015). Hörmann schwant wohl Fürchterliches, deshalb senkte er die Zufriedenheitsschwelle weiter ab: „Auch 48 Prozent Zustimmung für Olympia in einer Stadt könnte als höchst ermutigend interpretiert werden“ (Ebenda).

– Neues aus der Sport-Demokratur. „Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hat die Politik für den Umgang mit den Meinungsumfragen in Berlin und Hamburg zur möglichen Olympia-Bewerbung kritisiert. (…) ‚Grundsätzlich bin ich dafür, dass man die Bevölkerung mitnimmt’, erklärte Seifert. ‚Aber wir leben in einer Zeit, in der Personenminderheiten Meinungsmehrheiten suggerieren können, auch durch den geschickten Einsatz sozialer Medien.’ Daher sei ein Meinungsbild nicht allein auf Umfragen zu reduzieren“ (DPA, DLF-Geschäftsführer Seifert kritisiert Politik für DOSB-Umfrage, in zeitonline 25.2.2015). Noch besser formuliert es Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga: „Wir sollten auch nicht zu viel Rücksicht auf irgendwelche Abstimmungen nehmen. Mal ketzerisch gefragt: Warum sollen Leute befragt werden, die sich eh nicht für Sport interessieren?“ (Ebenda).
Weil zum Beispiel auch Sport-Uninteressierte für die DOSB-Brot-und-Spiele mitbezahlen müssen, Herr DEL-Geschäftsführer.

– Leitmotiv Angst vor dem Bürger. Claudio Catuogno in der SZ: „Wir dürfen es nicht noch mal vermasseln. Das ist das zentrale Leitmotiv des deutschen Sports bei der Frage, ob er nun mit Berlin oder Hamburg ins Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2024 geht. (…) Vermasseln wie mit München 2018, jener Winter-Bewerbung, bei der selbst Eingeweihte erst nachher kapierten, dass sie nie eine Chance hatten gegen Pyeongchang, die aber den Karriere-Ambitionen von Thomas Bach im IOC gut in den Zeitplan passte. Oder vermasseln wie mit München 2022, jenen Spielen, die man angesichts der Mitbewerber Peking und Almaty fast schon sicher hatte – die dann aber der um Zustimmung gebetene Bürger krachend durchfallen ließ in München und Oberbayern. (…) Die wahre Entscheidungsgrundlage ist: Angst. “ (Catuogno, Claudio, Angst als Leitmotiv, in SZ 27.2.2015). Und zwar nicht vor Boston 2024 oder Rom 2024: „Sondern die Angst vor dem Bürger. Winterspiele sind in Deutschland nach dem München-Votum erst mal unmöglich geworden; würden nun auch Sommerspiele durch ein Bürger-Nein diskreditiert, kann der DOSB das Thema Olympiabewerbung insgesamt für Jahrzehnte vergessen“ (Ebenda).

– Untransparentes Verfahren 2024. Das Präsidium des DOSB entscheidet zwischen Hamburg 2024 und Berlin 2024. Das Verfahren ist intransparent, und ortsansässige Vertreter gelten als befangen. „Diskussionen gibt es auch über die Bedeutung der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 21. März. Die bisher veröffentlichte Tagesordnung deutet darauf hin, dass sich dort nur noch ein Kandidat präsentieren kann – die vom Präsidium bereits vorgeschlagene Stadt. Mancherorts wird dies mit Blick auf gängige demokratische Gepflogenheiten kritisch gesehen. Ein DOSB-Sprecher sagt, dass sich die Tagesordnung auf Antrag ändern ließe. Jedoch hätten beide Städte erklärt, dass sie das Votum des Präsidiums am 16. März akzeptieren würden“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Hamburg und Berlin rätseln über Wahlverfahren in sueddeutsche.de 27.2.2015).
Konkret sieht das DOSB-Verfahren also so aus: Plusminus zehn Personen entscheiden am 16.3. zwischen Hamburg und Berlin. Und am 21.3. nickt eine außerordentliche Mitgliederversammlung die erwählte Stadt ab. Sport-Demokratur pur…

– Nein vom Berliner Nabu. Die Geschäftsführerin des Berliner Landesverbandes Nabu, Anja Sorges, schrieb u. a. in einem Beitrag für den Tagesspiegel: „Von 2008 bis 2013 haben alle Interessensvertreter aus Ökonomie und Ökologie über die Nachnutzung von Tegel gesprochen. Und es ist halbwegs gelungen, ein Konzept auszuarbeiten, das die Bedürfnisse des Wissenschaftsstandorts und der Industrie, aber auch die Belange des Naturschutzes berücksichtigt hat. Das alles floss in einen Flächennutzungsplan beziehungsweise einen Masterplan TXL. Wir waren soweit zufrieden. Ein Jahr später kam dann die Diskussion über Olympia. Nun drängt man wieder auf die Freiflächen und ignoriert das frühere Konzept völlig“ (Sorges, Anja, Der Naturschutz sagt Nein zu Olympia, in tagesspiegel.de 27.2.2015).

März 2015:

– Berliner Senat lädt olympisch ein. 80 geladene Gäste wurden zu Wolfsbarsch mit Schwarzwurzeln, Rehrücken und Butterkekseis in das Bode-Museum eingeladen. „’Uns wurde gesagt, dass man auf so ein Signal aus Berlin gewartet hat’, erklärte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, auf die Frage nach dem Sinn der Veranstaltung. Die Rechnung für den Abend teilen sich die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer, der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) und die Stadtwerber Berlin Partner. Das Dinner fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt” (Bachner, Frank, Hoffmann, Kevin P., Berlin umwirbt den Sportbund im Bode-Museum, in tagesspiegel.de 2.3.2015). Kommentar von www.olympiaverhindern.de: “Das Bode-Museum war nur ein Ausweichquartier. Wäre das Pergamon-Museum nicht gerade wegen Renovierung geschlossen, hätte das Luxus-Dinner für die DOSB-Bonzen gestern dort und nicht im Bode-Museum stattgefunden – wie schon 1991 und wie schon 1936. Senat, IHK, Berlin Partner, DOSB – sie schämen sich nicht” (Wolfsbarsch auf Staatskosten für DOSB-Bonzen, Polizeischikanen gegen Kritiker*innen – Es reicht! PM 2.3.2015).

– Wen vertritt die Handelskammer in Wirklichkeit? „Die Handelskammer sieht Olympia als größte Zukunftschance für die 150.000 Hamburger Unternehmen, deren Interessen sie vetritt. Schon als Hamburg sich vor zwölf Jahren zum ersten Mal darum bewarb, Deutschlands Olympia-Bewerber zu werden, trat die Handelskammer als mächtiger Befürworter auf“ (Hahn, Thomas, Warmlaufen für den großen Sprung, in SZ 11.3.2015). Gunther Bonz, der Präsident des Unternehmerverbandes Hafen, wies immer wieder auf die nötigen Ausgleichsflächen für die auszulagernden Unternehmen hin – und auf den Zeitdruck. „Hamburg müsste sich in Teilen fieberhaft umbauen, so etwas scheitert leicht am hiesigen Baurecht“ (Ebenda).
Zumindest die auf 4,5 Quadratkilometer auf dem Kleinen Grasbrook angesiedelten Hafenbetriebe vertritt die Handelskammer nicht.

– Berlin braucht Olympische Spiele nicht. Der Landesverband der Grünen und Wirtschaftsexperten sprachen sich auf einer Veranstaltung am 2.3.2015 gegen das Olympiakonzept des Senats aus (Alle Zitate: Grüne: Berlin hat Olympia nicht nötig. in rbb.de 3.3.2015). Bettina Jarasch, Vorsitzende des Grünen-Landesverbandes: „Berlin ist eine faszinierende Stadt ohne Olympische Spiele.“ – Karl Brenke, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: „Olympia ist für die Bürger wie die Katze im Sack kaufen.“ – Imke Duplitzer, Degenfechterin, fünffache Olympionikin: „Das IOC betreibt den Verkauf der olympischen Idee.“

DOSB-Intransparenz. Jens Weinreich hat ausführlich zur Bewerbung 2024 und den unveröffentlichten Bewertungskriterien des DOSB Stellung genommen: Olympia 2024: Transparenzattacke wider Willen (krautreporter.de 5.3.2015). „Seit Monaten ist der DOSB unter medialem Druck, endlich mehr Informationen zur Olympiabewerbung 2024 herauszugeben. Bislang hatten sich Vorstand und Präsidium erfolgreich dagegen gewehrt und in zahlreiche Widersprüche verstrickt. (…) Auf diese Diskrepanz zwischen ihren Postulaten und Taten wurde die fünfköpfige DOSB-Delegation am Montagnachmittag in Lausanne in einem Meeting in der IOC-Konzernzentrale von Christophe Dubi (Executive Director Olympic Games) und Jacqueline Barrett (Head of Bid City Relations) hingewiesen. Das überzeugte sogar die Informationsblockierer um den DOSB-Vorstandsvorsitzenden Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen). Im Klartext: Die deutsche Öffentlichkeit verdankt die Herausgabe dieses Papiers letztlich dem IOC. Ohne den Hinweis der Olympiaverwalter hätte der DOSB noch länger gewartet. (…) Das Dokument – erstellt von der Proprojekt GmbH, von der Albert Speer & Partner GmbH und dem DOSB – liegt seit drei Wochen vor und ist in Details bereits überholt“ (Ebenda). Wer sich das DOSB-Papier (mit 102 Seiten) ansehen möchte – Jens Weinreich hat den Link veröffentlicht: hier

– Belohnen und Bestrafen. Der Berliner Tagesspiegel wurde aus einer Anzeigenkampagne des Berliner Senats herausgenommen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hatte im Parlament behauptet, keinen Einfluss genommen zu haben: Berlin Partner habe die Entscheidung so gefällt. Nach anderen Informationen „soll im Verlauf einer Telefonkonferenz der Chef der Staatskanzlei, Björn Böhning, Berlin Partner aufgefordert haben, den Tagesspiegel in der Kampagne nicht zu berücksichtigen“ (Beikler, Sabine, Opposition fordert Aufklärung wegen Olympia-Anzeigen, in tagesspiegel.de 6.3.2015). – „Böhning strafe offenbar ‚Medien für unliebsame Berichterstattung ab‘, sagte dagegen  Grünen-Politiker Lux“ (Ebenda).

– Hamburg 2024: Kosten im Dunkeln. Die taz sprach mit Dirk Seifert von (N)Olympia Hamburg: „’Wie sollen sich die Bürger eine Meinung zu Olympia bilden, wenn sie nicht wissen, was die Spiele kosten werden‘, fragt Seifert. Als Gunther Bonz, der Chef des Hamburger Hafenunternehmens-Verbands, im September bestätigte, dass der Umzug der Hafenfirmen weg von der vorgesehenen Olympia-Elbinsel Kleiner Grasbrook etwa 5 bis 7 Milliarden Euro kosten könnte, blieb der Senat, der die Übernahme der Umzugskosten bereits versprochen hatte, stumm. Bislang ist nur bekannt, dass insgesamt mit operativen Kosten von 6,5 Milliarden Euro für die Spiele gerechnet wird“ (Kopp, Johannes, Die Macht der Neinsager, in taz.de 7.3.2015). Der Kleine Grasbrook umfasst übrigens 4,5 Quadratkilometer oder 4,5 Millionen Quadratmeter –  die wegen 16 Tagen olympischer Party komplett umgesiedelt werden müssten.

– Hörmann verängstigt. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte kurz vor Bekanntgabe der Forsa-Umfrage in Hamburg und Berlin: „Die Frage ist: Wo haben wir die größere Sicherheit, dass uns nicht ein zweites München passiert?“ (Berlin oder Hamburg – Vorentscheidung schon am Dienstag? in rp-online.de 8.3.2015).

– Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024? (Siehe unter Aktuelles auch hier) Der DOSB veröffentlichte am 10.3.2015 die Zahlen der Forsa-Umfrage unter jeweils 1.500 telefonisch Befragten von Ende Februar 2015. DOSB-Präsident Alfons Hörmann jubelte. Und zwar über die Hamburger Zustimmung von 64 Prozent, die Berliner Zustimmung von 55 Prozent. Hörmann: „Wir freuen uns über die riesige Zustimmung zu Olympischen und Paralympischen Spielen“ (DOSB, PM DOSB veröffentlicht Ergebnisse der Forsa-Umfrage, 10.3.2015).
Naja, Herr Hörmann, eine „riesige Zustimmung“ sieht wohl anders aus als 64 und 55 Prozent.
Methodisch stellen sich auch ein paar Fragen:
– Wieso wurden auch Hamburger und Berliner ab 14 Jahren befragt? (Forsa, Meinungen der Bürgerinnen und Bürger in Hamburg und Berlin zu einer Bewerbung um die Austragung der Olympischen Spiele, Berlin 4.3.2015, S. 1). Im Herbst 2015 darf erst ab 18 abgestimmt werden.
– Wieso sind die Zustimmungsraten dieser Gruppe von 14 bis 18-Jährigen nicht aufgeführt, sondern erst die der 18- bis 29-Jährigen? (S. 8). Ist die Zustimmung der Jugendlichen aufgrund fehlender Kenntnis signifikant höher?
– Wieso begrüßen 82 Prozent der Hamburger und 81 Prozent der Berliner, wenn Olympische Spiele 2024 in Deutschland stattfänden (S. 2), warum sind dann aber nur 64 Prozent der Hamburger und 55 Prozent der Berliner dafür, dass die Spiele in ihrer eigenen Stadt stattfinden? Das fiel auch Forsa auf (S. 15). Nach dem Motto: „Oh heiliger St. Florian, schon unser Haus, zünd andere olympisch an.“
– Dann muss man erwähnen, dass in der Vergangenheit bei diversen DOSB- und anderen Umfragen sport-affine Personen befragt wurden. Und Telefonbefragungen hatten früher aus statistischen Gründen einen Hautgout: nicht zuletzt bei den Auswahlkriterien der Befragten und der Frage, wie repräsentativ eine Umfrage mittels Telefon ist.
– Bei den Bewerbungen München 2018 und München 2022 wurden unglaubliche Befürworterwerte bei Umfragen festgestellt: Am 10.11.2013 war damit Schluss – viermal war München 2022 durchgefallen.
Kommentar in der SZ: „Das Ergebnis bedeutet vor allem: Beide Städte befürworten Olympische Spiele. Das war nach der gescheiterten Münchner Bewerbung und der öffentlichen Kritik in den vergangenen Jahren an den Olympischen Verbänden nicht unbedingt zu erwarten“ (Hamburger und Berliner wollen Olympia, in sueddeutsche.de 10.3.2015).
Fazit: Es ist nicht ungewöhnlich, dass der DOSB das IOC-Geschäftsmodell Olympische Spiele zu verkaufen versucht: Das ist schließlich sein Geschäftsmodell. Das olympische Brimborium hat letztlich funktioniert. Nicht zu verstehen ist, dass sich die beiden größten deutschen Städte in diesen lächerlichen Wettkampf hineintreiben ließen: nach allem, was seit langem über Kostenentwicklung, Folgekosten, White Elephants, Korruption, Doping, etc. bekannt war – und in jüngster Zeit bekannt wurde. Und so würde es dem Hamburger Ersten Bürgermeister Olaf Scholz und dem Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller im Fall – des unwahrscheinlichen – Zuschlags ergehen wie der damals für die Olympischen Sommerspiele London 2012 zuständigen Ministerin Tessa Jowell. Sie sagte bereits 2008 angesichts der Kostensteigerungen: „Wenn wir gewusst hätten, was wir heute wissen, hätten wir uns dann um die Spiele beworben? Mit Sicherheit nicht“ (Osborne, Alistair, Tessa Jowell: London 2012 Olympics was a mistake in light of recession, in Telegraph.co.uk, 12.11.2008).
Die endgültige Abstimmung findet am 21.3.2015 in der Frankfurter Paulskirche statt. Wie sinnträchtig: An diesem Ort trafen sich von 1848 bis 1849 Delegierte der Frankfurter Nationalversammlung. Und jetzt, am 21.3.2015, die erlauchten Delegierten des DOSB. Wobei „Abstimmung“ in der Sport-Demokratur Abnicken heißt: „Die Delegierten der empfohlenen Stadt werden gar nicht mehr nach Frankfurt am Main reisen, das Abnicken der DOSB-Mitglieder gilt als Formsache“ (Olympia – Hamburg will es mehr, in spiegelonline 10.3.2015).
Wobei Hamburg noch nicht den Zuschlag erhalten hat, Prozentpunkte hin oder her. Vermutlich laufen demnächst diverse finanzielle Verhandlungen im Hintergrund. Wie es im Sportbetrieb nicht erst seit Sotschi 2014, Russland 2018 und Katar 2022 der Fall ist.

– Das DOSB-Dilemma. „Dilemma: eine Situation beim Entscheiden, bei der die Wahl einer jeden der sich anbietenden Alternativen verlangt, eines der zu verfolgenden Ziele zugunsten eines anderen zu vernachlässigen“ (Lexikon zur Soziologie, Opladen 1994).
Entscheidet sich der DOSB am 21.3.2015 für Berlin 2024, läuft er Gefahr, die Abstimmung am 13.9.2015 zu verlieren: Aber das IOC wird eher Berlin goutieren (mehr 5-Sterne-Hotels etc.). Entscheidet sich der DOSB am 21.3.2015 für Hamburg, könnte er – möglicherweise – die Abstimmung im September 2015 gewinnen: Aber für das IOC ist Hamburg eher zu klein.
So kommt es, wenn man von Haus aus keine wirkliche Beteiligung der Bevölkerung gewollt hat, sondern sich mit diffusen Umfragen zu behelfen versucht.

– Warum überhaupt Hamburg/Berlin 2024? „Seit September 2013 ist Thomas Bach IOC-Präsident – und er hat ein Problem: Seine Organisation steckt in der Glaubwürdigkeitskrise. Bei den Putin-Spielen 2014 in Sotschi gab es viel Kritik – auch am IOC. Besonders bitter: Für die Winterspiele 2022 bewerben sich nur zwei Städte: Peking in China und Almaty in Kasachstan. Beides sind autoritäre Regime. Bach ist viel daran gelegen, seine Institution in ein besseres Licht zu rücken. Dazu braucht er Kandidaten aus Demokratien. Bach begrüßt deswegen eine deutsche Kandidatur. Dass diese kaum eine Chance hat, dürfte ihm nicht so wichtig sein. Solange keine Diktatur gewinnt“ (Sonnabend, Lisa, Duell offen, Chancen gleich null, in sueddeutsche.de 10.5.2015).
Wetten dass – sich Wladimir Putins Heimatstadt St. Petersburg 2024 bewirbt – und es auch wird?

DOSB – Meinungsäußerung erlaubt, Votum nicht. Die Spitzenverbände des deutschen Sports wollten im Vorfeld der Entscheidung vom 21.3.2015 eine Meinungsabfrage organisieren. Siegfried Kaidel, Ruderpräsident und Sprecher der Spitzenverbände, schrieb einen Brief, um eine „Meinungsumfrage“ zu organisieren. Kaidel: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein klares Votum der Verbände ignoriert wird“ (Aumüller, Johannes, Auf Nummer sicher, in SZ 14.3.2015). Bernhard Bauer, Handball-Präsident, betonte, die Verbände seien „keine Erfüllungsgehilfen, die Souveränität der Verbände muss berücksichtigt werden“ (Ebenda). Da schritt der Herr DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper aber umgehend ein. „Doch nun grätscht der DOSB dazwischen. Er stellt infrage, ob es überhaupt zu einem formalen Beschluss der Spitzenverbände kommt. Ob deren Haltung als ‚Meinungsumfrage‘ oder ‚Votum‘ eingeholt werde, werde erst der Verlauf der Sitzung zeigen, sagte ein Sprecher“ (Ebenda).
In der DOSB-Sport-Demokratur hat der die Macht, der die Sportmillionen des Bundesinnenministers freihändig an die Verbände verteilt: der DOSB.

– Die grandiose Kür Hamburg 2024 oder Berlin 2024. Peter Ahrens in spiegelonline: „Zu den 43 Vertretern, die der DOSB als Experten anhören will, bevor er seine Empfehlung am Abend ausspricht, gehören unter anderem Fechterin Britta Heidemann, die Ex-Bundesministerin Ulla Schmidt, Ex-Intendant Fritz Pleitgen und der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters. Was sie zu Fachleuten in der Frage macht, ob Hamburg oder Berlin die geeignetere Bewerberstadt für Olympische Spiele ist, ist nicht immer im Detail erkennbar. (…) Egal ob Berlin oder Hamburg, eine Bewerbung käme ernsthaft ohnehin erst für das Jahr 2028 in Betracht. Fußball-EM und Olympia innerhalb weniger Wochen im selben Land – das wird es nicht geben. Die Olympia-Bewerbung 2024 ist eine reine Show-Nummer. Eine Bewerbung der sportpolitischen Taktik, nichts anderes.(…) Hörmann hat am Samstag im ZDF-Sportstudio noch einmal damit geworben, dass Deutschland ‚kleine, bescheidene Spiele‘ veranstalten wolle. Ein Argument, das vor allem an die kritische Öffentlichkeit gerichtet ist. Dem DOSB-Boss ist bestens bewusst, dass er möglichst demütig auftreten muss, um vor dem finalen Bürgerentscheid im September die Bevölkerung gnädig zu stimmen. Mit Bombast ist in Deutschland nichts zu gewinnen, zu prägend sind die Erfahrungen aus Stuttgart 21, aus dem Flughafen Berlin-Schönefeld, aus der Elbphilharmonie in Hamburg. Also muss man ganz kleinlaut auftreten, wohl wissend, dass Olympische Spiele und Bescheidenheit letztlich zwei Unvereinbarkeiten sind“ (Ahrens, Peter, Und der Gewinner ist… in spiegelonline 15.3.2015; Hervorhebung WZ).

IOC soll sich bewerben, nicht umgekehrt. Aus einem Kommentar von Gereon Asmuth in der taz: „Befürworter einer deutschen Bewerbung argumentieren gern, man müsse schon deshalb ins Rennen gehen, damit die Spiele nicht nur Diktaturen überlassen werden – und dafür zur Not auch mal fünfe gerade sein lassen. Das ist gleich doppelt falsch. Zum einen ist ein Basis-Nein zu Olympia kein Manko der Demokratie, sondern ein Problem für das IOC. Einen wirklichen Wandel würde es erst geben, wenn die Olympiaherren gezwungen wären, sich aus Imagegründen bei westlichen Städten zu bewerben – und nicht umgekehrt“ (Asmuth, Gereon, Verlieren ist das neue Gewinnen, in taz.de 15.3.2015).

– Vorprogrammierter Ärger. “Der Zentralverband der deutschen Schiffsmakler (ZVDS) betrachtet die geplante Anschlussnutzung der Flächen, wenn Hamburg olympische Spiele austragen darf, mit Sorge: Die Bewerbung Hamburgs zeige deutlich, dass die Frage, wie der Konflikt zwischen Wohnbebauung und gewerblicher Flächennutzung aufgelöst werden kann, noch zu klären ist, sagte der ZVDS-Vorsitzende Christian Koopmann anlässlich der Mitgliederversammlung der Schiffsmakler im Hamburger Hafen-Klub. ‘In jedem Fall rückt die Wohnbebauung an die operativen Hafenbetriebe heran. Aus unserer Sicht darf dieses aber nicht zu Einschränkungen für die Schifffahrt oder die Hafenbetriebe führen’, so Koopmann. Es bedürfe einer ‘dringenden’ Klarstellung dahingehend, ‘dass nicht die Hafenbetriebe oder Schiffe, sondern die Wohnungen die Störer sind’”, ergänzte er” (Schiffsmakler in Sorge über Zukunft des Olympia-Geländes, in welt.de 19.3.2015).
So einfach wie Scholz & Olympia-Friends es sich vorstellen, wird das sicher nicht auf dem Kleinen Grasbrook – bei geschätzten Umzugskosten von fünf bis sieben Milliarden Euro und dem Umzugsdruck auf neue Gebiete Hamburgs.

– Einstimmigkeit in der Sport-Demokratur. Am 21.3.2015 stimmten 410 Delegierte des DOSB in der geschichtsträchtigen Frankfurter Paulskirche (drunter tun es die DOSB-Oberen nicht) über Hamburg 2024 ab. Und wen wundert es: Das Ergebnis war EINSTIMMIG (Hecker, Anno, Hamburg geht ins Olympia-Rennen, in faz.net 21.3.2015).
Wie es eben in der Sport-Demokratur gern gesehen wird – siehe Beschluss der IOC-Agenda 2020 etc.
DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU) setzte wieder sein neues Verbal-Bonmot ein: “Sportdeutschland steht vor einem Aufbruch” (Hamburg jetzt auch offiziell deutscher Olympiabewerber, in spiegelonline 21.3.2015. Sportdeutschland steht für: DOSB-Deutschland). Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wusste ebenfalls etwas: “Es kann nicht sein, dass alle begeistert Olympische Spiele schauen, aber uns nicht zutrauen, sie zu organisieren. Wir können das” (Ebenda).
Hallo, Scholz & Olympic Friends: Vielleicht schauen die Leute lieber zu, wenn sie das Olympische Spektakel nicht beherbergen müssen…
Und der Bundes-Sportinnenminister Thomas de Maizière gab den Ober-DOSB-Lobbyisten: “Eine große Sache gibt es nicht ohne Bedenken, aber davon darf man sich nicht lähmen lassen, man muss sie ernst nehmen, die Chancen sehen und nutzen, das täte unserem Land weit über die Olympischen Spiele hinaus verdammt gut” (Hecker 21.3.2015).
Ob der Bundes-Sportinnenminister das selbst glaubt, was er da von sich gibt? Mal schauen, was die Hamburger glauben, die vor dem 15.9.2015 befragt werden sollen. Falls das überhaupt geschieht…

– Deutscher Nationalismus triumphiert. Treffpunkt der Sport-Versammlung war die geschichtsträchtige Frankfurter Paulskirche. DOSB-Präsident Hörmann predigte wieder von Sport-Deutschland. Die Stimmzettel waren Schwarz-Rot-Gold. Die 410 Delegierten mühten sich bei Tagesordnungspunkt 10 durch die deutsche Nationalhymne.
Behauptet jemand, der deutsche Sport sei nicht nationalistisch, der Sport an sich friedliebend und völkerverbindend?

– Total(itär)e Einigkeit. Aus einem Kommentar von Jürgen Ahäuser in fr-online: “Im Jahr 1848 hat die bürgerliche Gesellschaft an gleicher Stelle den Aufstand gegen die Aristokratie geprobt. Dass die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes in der Frankfurter Paulskirche gegen das DOSB-Präsidium und die hauptamtliche Führung des deutschen Sports, den DOSB-Vorstand, aufmucken würden, war nicht zu erwarten. Ein bisschen Grummeln in der Sport-Demokratie wäre aber ganz nett gewesen. (…) Die demonstrative Einigkeit nicht nur beim inbrünstigen Intonieren der Nationalhymne sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees im Sommer 2017 dem sich jetzt so einig gebenden Sport-Deutschland noch Zerreißproben bevorstehen. Kaum waren die letzten Töne von Einigkeit und Recht und Freiheit verklungen, sickerte durch, dass die Bürgerbefragung in der Freien Hansestadt vielleicht erst nach Abgabe der offiziellen Bewerbung stattfinden soll. Das wäre alles andere als das viel beschworene Mitnehmen der Hamburger. Nicht nur die Fans von NOlympia würden das als Affront empfinden” (Ahäuser, Jürgen, So einig, in fr-online 23.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Dazu Thomas Hahn in der SZ: “Und nach der Wahl folgte Tagesordnungspunkt 10: Nationalhymne. Die Leute erhoben sich, als die Melodie erklang. Schleppend und halblaut sangen sie mit. (…) ‘Hundert Prozent Zustimmung – mehr geht nicht’, rechnete DOSB-Präsident Alfons Hörmann vor, ‘das deutet darauf hin, dass vollumfängliche Unterstützung von Sport-Deutschland und Politik gegeben ist.’ (…) Es war fast witzig, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière von einem „Konzept der Bescheidenheit“ sprach. Abgesehen davon, dass die Hamburger selbst noch nicht wissen, wie viele Milliarden Euro ihre hübschen Olympia-Ideen kosten – mit Bescheidenheit hat das wenig zu tun, wenn man derart riesenhafte Veranstaltungen wie Olympia und Paralympics veranstalten will. Schon gar nicht bei dem Hamburger Spiele-Entwurf, der den hinreißenden Luxus eines Olympiaparks im Hafen vorsieht. (…) An diesem Dienstag treffen sich Stadt und DOSB, um über die neue Bewerber-Gesellschaft zu reden, deren Mehrheitsgesellschafter der DOSB wird. Für Hörmann liegt es nahe, dass sie ähnlich besetzt wird wie jene erfolglose der Münchner Bewerbung für 2018. Also mit dem hauptamtlichen DOSB-Vorstand Bernhard Schwank als Geschäftsführer, was unweigerlich die Frage aufwirft, ob es klug ist, ein Verlierer-Team neu aufzulegen” (Hahn, Thomas, Es kann losgehen, in SZ 23.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Hallo Hamburg: London als Vorbild? Der amerikanische Ökonom Andrew Zimbalist hat in seinem Buch „Circus Maximus“ u. a. auch die Olympischen Spiele 2012 in London analysiert. „Die Amerikaner haben ein seltsames Wort für ‚Fehlinvestition‘: ‚White Elephant‘. Ein solcher weißer Elefant – teuer, aber zu nichts zu gebrauchen – ist das Olympia-Stadion in London. Eingedenk schlechter Erfahrungen anderswo überlegten sich die Organisatoren der Spiele von 2012 zwar eine Nachnutzung – der Profi-Fußballclub West Ham United sollte künftig hier spielen –, doch bei der Planung des Stadions war nicht bedacht worden, dass die Aschenbahn würde entfernt werden müssen, um eine Fußball-Arena zu schaffen. Zudem war das Stadion für West Ham viel zu groß und musste um den oberen Rang mit 55.000 Plätzen verkleinert werden. Allein dieser Umbau kostete mindestens 323 Millionen Dollar – so viel wie andernorts ein Stadion. (…) Der Olympia-Park sollte ein Musterbeispiel nachhaltigen Lebens sein und das Land sich als kreativer, inklusiver und gastfreundlicher Ort präsentieren. Doch für die Jobs während des Baus waren die Bewohner der betroffenen Stadtteile nicht qualifiziert. Während der Spiele meldeten Theater, Taxen und Museen Nachfrageeinbrüche von 20 bis 40 Prozent. In den Hotels übernachteten weniger Menschen, wofür sie aber mehr ausgaben. Am eigentlichen Ost-London floß der Besucherstrom vorbei. Im Olympia-Park wurden die Ziele beim Klimaschutz und beim Anteil der Sozialwohnungen nicht erreicht. Die Spiele beschleunigten eine Gentrifizierung, die bereits angelaufen war. Und auch die Volkserziehung haute nicht hin: Ein Jahr nach den Spielen trieben die Briten eher weniger Sport als mehr. Dafür war Olympia, wie das Nationale Audit errechnete, mit 15,7 Milliarden Dollar Gesamtkosten mindestens dreimal so teuer wie geplant“ (Knödler, Gernot, Wie Olympia Städte auspresst, in taz.de 20.3.2015; Hervorhebungen WZ).

– Abstimmung nach der Bewerbung. „Kaum jemand im Rathaus rechnet ernsthaft damit,. dass ein dazu notwendiges Gesetz vor Ablauf der offiziellen IOC-Bewerbungsfrist am 15. September verabschiedet werden kann. Es könnte zu einer absurden Konstellation kommen: Die Bürger stimmen erst über das Olympiaprojekt ab, nachdem sich die Stadt bereits offiziell beworben hat. Derzeit wird für das Referendum ein Termin im November angepeilt“ (Buschmann, Rafael, Deggerich, Markus, Großekathöfer, Maik, Hacke, Detlev, Latsch, Gunther, Pfeil, Gerhard, Energie aus der Elbe, in Der Spiegel 13/21.3.2015). Nach über einem Jahr Vorlauf von Hamburg 2024 begründete Senatskanzleichef Christoph Krupp die Zeitverschiebung auf Oktober oder Noivember 2015 wie folgt: „Das Referendum könnte eine Verfassungsänderung erfordern“ (SID, Hamburgs Bürgerbefragung im Oktober oder November, in zeitonline 24.3.2015).
Warum lässt man die Bürger eigentlich nicht jeweils nach den Olympischen Spielen abstimmen – ob sie diese haben wollen?

– Der Spiegel zitiert Axel Doering. Der aktuelle Spiegel vom 21.3.2015 zitiert aus einem Beitrag von Axel Doering von NOlympia Bayern bei einer Veranstaltung gegen Berlin 2024 von NOlympia Berlin vom Oktober 2014: “Die Leute, die Olympia planen, werden euch belügen, sie werden euch betrügen, sie werden euch verleumden, sie werden mit falschen Zahlen arbeiten, glaubt mir, es geht denen nur darum, Geld zu verdienen, ihr werdet eure Stadt nicht wiedererkennen. Ihr müsst stark sein, ihr müsst zusammenhalten, nur so könnt ihr den Irrsinn stoppen” (Buschmann, Rafael, Deggerich, Markus, Großekathöfer, Maik, Hacke, Detlev, Latsch, Gunther, Pfeil, Gerhard, Energie aus der Elbe, in Der Spiegel 13/21.3.2015. Ich war auch zu dieser Veranstaltung als Referent eingeladen und bin aus diversen Gründen froh, dass ich nicht noch einmal hin muss).
Genauso ist es – auch in Hamburg. Allein wie Scholz & Olympic Friends die Kosten der Verlegung der Hafenwirtschaft vom Großen Grasbrook verschweigen, obwohl in der Verwaltung längst Zahlen in Milliardenhöhe kursieren, ist ein Skandal. Siehe im Anschluss:

– Thema Kleiner Grasbrook. In der Wirtschaftswoche vom 26.3.2015 fragte sich Andreas Freytag in einem sehr lesenswerten Kommentar: „Sollen wir uns Olympische Spiele leisten?“ Darin stellt Freytag fest:
„- Das Internationale Olympische Komitee ist notorisch korrupt, möglicherweise weniger als die FIFA (aber mehr geht ja auch kaum!). Immer wieder gibt es Berichte zu Zahlungen von Bewerberstädten und –verbänden an Mitglieder des IOC im Vorfeld von Vergabeentscheidungen. Auch fällt auf, dass die Auflagen der Vergabe sich regelmäßig über die Interessen der Menschen in den Olympiastädten hinwegsetzen. Die Interessen der Sponsoren scheinen eindeutig höher gewichtet zu werden.
– Dies hat sicherlich mit dem Gigantismus und dem Größenwahn der Sportfunktionäre zu tun. Die Anlagen müssen perfekt und groß sein, bereits Bestehendes hat nur geringe Aussichten, genutzt zu werden. Da hat die Stadt zum Glück schon einmal vorgebaut und in ihrem Konzept etliche bereits existierende Anlagen, z.B. die Bundesligastadien in Norddeutschland angegeben“ (Ebenda).
Im Artikel befindet sich auch ein sehr aufschlussreiches Schiebebild mit dem Kleinen Grasbrook im Ist-Zustand und mit der geplanten Olympia-Überbauung: hier. Man sieht, dass der Kleine Grasbrook mitnichten leer ist, sondern angefüllt mit Betrieben der Hafenwirtschaft. Geschätzte Umzugskosten allein hierfür laut N(O)lympia Hamburg: 5 bis 7 Milliarden Euro.

Leserbrief von Diane Simpson zu Boston 2024 – gilt auch für Hamburg 2024: Das ist nicht die Bewerbung von Boston. Es ist die Bewerbung von unserer Schattenregierung, der Boston-2024-Gruppe.Diese Gruppe verhandelt mit nationalen und internationalen Organisationen im Namen der Bürger von Boston, aber ohne unsere Erlaubnis. Solange bis ein Referendum abgehalten wird mit dem Ergebnis, dass die Bürger dieser Stadt dieses Unterfangen stark unterstützen, muss es angehalten werden. (…) Die hohen Herrscher von Boston 2024 sollen uns nicht mehr wie Konsumenten behandeln. Wir sind Bürger, und das ist unsere Stadt. Sie wollen öffentlichen Grund und Boden, und sie wollen das Versprechen öffentlicher Gelder zur Unterstützung ihrer Pläne. So sollten wir aufhören, über Märchengeschichten zu reden, bis wir herausfinden, ob die Bewohner von Boston diese Geschichte überhaupt aufgeführt haben möchten“ (Until there is a referendum, this will not be ‚Boston’s bid‘, in bostonglobe.com 18.3.2015; Hervorhebung WZ).

Uefa-Präsident Michel Platini skeptisch mit Hamburg 2024. Thomas Kistner berichtete in der SZ vom Uefa-Kongress in Wien: „Zur Deutschland-Frage äußerte Platini Richtungsweisendes. Gleich zwei global beachtete Events will ja der deutsche Sport 2024 ausrichten, erst die EM und Wochen später die Sommerspiele in Hamburg. Platini schmunzelt. Über die EM ist intern bereits viel geredet worden, sie soll Wolfgang Niersbachs Ägide als DFB-Präsident krönen und ist – ganz inoffiziell – schon im Zuge der EM-Vergabe 2020 platziert worden. Damals zog Deutschland zugunsten Englands zurück, das nun Halbfinals und Endspiel des europaweit ausgespielten Turniers ausrichten wird. Er werde den Teufel tun und den Deutschen Ratschläge erteilen, sagte Platini nun. Dann tat er es doch und erinnerte an die Türkei, die für 2020 ja dieselbe Doppel-Bewerbung EM/Olympia geplant hatte. ‚Am Ende‘, so Platini, ‚hatten sie alles verloren!‘“ (Kistner, Thomas, Der furchtlose Holländer überzeugt, in SZ 26.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Ex-Turner Gienger seiner Zeit voraus. Eberhard Gienger war in der Bundestagsdebatte am 26.3.2015  voreilig. „‚Erst am Samstag hat der organisierte Sport die Olympischen Spiele nach Hamburg vergeben‘, dozierte der CDU-Abgeordnete, korrigierte sich jedoch umgehend: ‚Also, Hamburg als deutschen Bewerber bestimmt, natürlich'“ (Hungermann, Jens, Wie verdorben ist der Weltsport? in welt.de 26.3.2015).

Axel Hacke im SZ-Magazin zur Frage, was Planungs-Deutschland nach Berliner Flughafen, Hamburger Elbphilarmonie und Kölner U-Bahn Neues planen: „Berlin und Hamburg haben in vorbildlicher Weise reagiert und sich um die Olympischen Spiele 2024 beworben. Hamburg hat die deutschlandinterne Konkurrenz gewonnen und wird mit Boston und Rom konkurrieren. Die Sache soll 2,17 Milliarden Euro koste. Nimmt an die Elbharmonie, bei der sich die Kosten verdreizehnfachten und die Eröffnung um sieben Jahre verzögerte, als Maßstab, wird man am Ende 28 Milliarden bezahlen, und die Olympischen Spiele 2024 werden 2031 stattfinden“ (Hacke, Axel, Das Beste aus aller Welt, in SZ-Magazin 27.3.2015).

Und damit kommt das Thema Hamburg 2024 ab April 2015 wieder in der normalen Chronologie vor. Hier ist Schluss.

Aktueller Nachtrag vom Juni 2017: „In der Hamburger SPD ist es ein gern gelüftetes Geheimnis, dass die Stadt den G-20-Gipfel schlucken musste, um bei der Olympiabewerbung 2024 von Berlin unterstützt zu werden. Aber die Hamburger hatten genug von Großbauprojekten und vom Sicherheitswahn und stimmten im November 2015 gegen die eigenen Eliten: NOlympia!“ (Smoltczyk, Alexander, Einschlag ins Kontor, in Der Spiegel 25/17.6.2017).


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (274 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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