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Gazprom-Chronik (1): bis 31.12.2012

 
Zuletzt geändert am 10.01.2016 @ 13:10

Was ein Gaskonzern und Sport, Oligarchen und Putin miteinander zu tun haben. Gazprom-Chronik (1) bis 31.12.2012: hier; Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier; Gazprom-Chronik (3) 9-10/2014: hier; Gazprom-Chronik (4) 11/2014 – 12/2015: hier; Gazprom-Chronik (V): ab 2016 (9.1.2016)

Exkurse:
Die Silowiki; Itera und Igor Makarow; Datschenkooperative Osero; Greathill; Die St.-Petersburg-Connection; Medienholding Media-Most; Igor Bakai; Dmytro Firtasch; Eural Trans Gas (ETG); RosUkrEnergo; Russisch-Ukrainischer Gasstreit; Nord Stream und Gerhard Schröder; Matthias Warnig; Gazprom Germania; TNK-BP; Emfesz; Nord Stream; Der Gazprom-Wolkenkratzer; Gazpromi Beckenbauer, Fernsehsender Doschd und GazpromMedia; Arctic Sunrise 

Intro
Diese – natürlich unvollständige – Chronologie des russischen Gaskonzerns ist aus mehreren sportpolitischen Gründen, aber auch geopolitischen Gründen auf der Nolympia-Webseite sinnvoll und wichtig.
1) Gazprom hat aus Gründen der Imagepflege einen wachsenden Einflusses als Sport-Sponsor und Miteigentümer zahlreicher Sportvereine und –verbände wie FC Schalke 04, Zenit St. Petersburg, Roter Stern Belgrad. Außerdem ist Gazprom seit 2012 offizieller Partner der Uefa Champions League und seit 2013 offizieller Fifa-Partner für die Periode 2015 bis 2018 bis zur WM 2018 in Russland. Einer Bewerbung von St. Petersburg um die Olympischen Sommerspiele 2024 gilt als wahrscheinlich.
2) Dazu kommt das internationale und nationale Engagement der russischen Regierung bei Sport-Großereignissen wie zum Beispiel: Leichtathletik-WM 2013 in Moskau; Olympische Winterspiele 2014 inSotschi/Russland; Formel-1-Rennen 2014 inSotschi/Russland; Judo-WM 2014 in Tscheljabinsk/Russland; Fecht-WM2014 in Kasan/Russland; Schwimm-WM 2015 in Kasan/Russland; Eishockey-WM 2016inMoskau/St. Petersburg/Russland; Fußball-WM 2018inRussland. (Vgl. auch Gazprom; Der Sport ist politisch; Sport-Oligarchen)
3) Der russische Präsident Wladimir Putin besetzte in den letzten Jahren zahlreiche nationale und internationale Positionen von Sportfunktionären mit russischen Vertrauten. Russland hat vier Mitglieder im IOC (Witalji Smirnow, Schamil Tarpischtschew, Alexander Schukow, Alexander Popow). Um nur einige der russischen Oligarchen mit Sportfunktionen zu nennen:
Igor Makarow (Mitglied im Weltradsportverband UCI); Roman Abramowitsch (FC Chelsea), Dmitri Rybolowlew (AS Monaco), Alischer BurchanowitschUsmanow (Präsident des Internationalen Fechtverbandes FIE); Wladimir Lisin (Vorsitzender des Europäischen Schützenverbandes); Witalji Mutko (Russlands Sportminister, seit 2009 Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee), etc.(Vgl. hierzu im Kritischen Olympischen Lexikon zur Involvierung mit dem Sport: Gazprom; Putin, Wladimir, Putin-Russland; Sport-Oligarchen.)
Aber auch zum Verständnis der derzeitigen geopolitischen Entwicklung ist der historische Hintergrund der Gazprom-Chronik hilfreich. Die Machtstellung von Gazprom, des größten Gaskonzerns und einer der größten Erdölkonzerne der Welt, betrifft Europa, Vorderasien – und seit Mai 2014 auch China als neuen Abnehmer. Hinzu kommt der „Gaskrieg“ mit der Ukraine und die damit bis zum Jahr 2014 dauernden kriegsähnlichen Konflikte. Und nicht zuletzt spielt die Klimaerwärmung eine wichtige Rolle: So war im April 2014 erstmals dauerhaft der CO2-Wert in der Atmosphäre über der Marke von 400 ppm gestiegen (spiegelonline 26.5.2014; zur Keeling-Kurve hier). Viele Details konnten hier nicht aufgeführt werden. Einer wichtige Quelle ist das Buch von Jürgen Roth: Gazprom -. Das unheimliche Imperium (Frankfurt 2012; Seitenzahlen hier in Klammern). Dazu kommen zahlreiche am Schluss aufgeführte Quellen sowie Fundstücke von der Nolympia-Webseite.
Und in eigener Sache: Mein Mitgefühl gilt der Bevölkerung Russlands und der Ukraine, die in unterschiedlicher und doch gleicher Weise unter der Ausplünderung leiden.
Und: Auch wenn man Putin-Russland und die dortige Oligarchen-Welt kritisiert, muss deswegen noch kein Freund der US-Politik und der US-Oligarchen, des US-Drohnenkriegs und der NSA-Überwachung sein. 

Gazprom heute
Gazprom ist einer der mächtigsten Energiekonzerne der Welt mit Erdgas- und Ölförderung. Der Gaskonzern beschäftigt über 400.000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von über 130 Milliarden Euro: Der Gewinn liegt bei rund 25 Prozent. Gazprom ist auch Mitbesitzer von Banken, Investmentgesellschaften, Fluggesellschaften, Versicherungen, Bauunternehmen, und Medien. Für Übernahmen hat Gazprom nach Schätzungen zwischen 2001 und 2007 über 40 Milliarden Dollar ausgegeben (Roth S. 8; Wikipedia). Der Kreml dominiert über die Gazprom-Tochter Gazprom-Media die fünf wichtigsten  Fernsehsender und zwei Drittel aller russischen Medien (Roth S. 12). – „Schließlich sind sie nicht mehr als das Sprachrohr des Kreml“ (Roth S. 13). 

Vorgeschichte
– Der Beginn der Gaslieferungen:
„Die Sowjetunion lieferte ab dem Jahr 1973 eine halbe Milliarde Kubikmeter Erdas jährlich an die Bundesrepublik, ab 1978 dann drei Milliarden Kubikmeter Erdgas. Im Gegenzug lieferte Mannesmann 1,2 Millionen Tonnen Großrohre an die UdSSR, die damit ihre Gaspipelines ausbaute. Die großen deutschen Banken gewährten der Sowjetunion einen zinsgünstigen Kredit über 1,2 Milliarden Deutsche Mark“ (Pörzgen S. 67). – „Daraus entwickelte sich Deutschlands größtes Erdgasimport- und -Verteilungsunternehmen mit einer quasi monopolartigen Stellung, die durch den Abschluss der deutsch-sowjetischen Verträge 1973 noch wuchs. Bei dem Geschäft, das die Errichtung einer Erdgaspipeline von Sibirien bis nach Deutschland vorsah, lieferte die Mannesmann AG finanziert von der Deutschen Bank nahtlose Rohre, die zum Bau der Pipeline benötigt wurden. Im Gegenzug belieferte die heutige Gazprom die Ruhrgas mit Erdgas. Aus dem über Jahrzehnte bis zum Jahr 2000 fixierten Erlös tilgte die sowjetische Seite den Kredit bei der Deutschen Bank“ (Wikipedia.org).

– „Unsichtbare Parteiwirtschaft“. Schon früh dachte das Zentralkomitee der KPdSU über notwendige Maßnahmen nach dem Ende der UdSSR nach. Roth zitiert aus einem KPdSU-Dokument: „Auszuarbeiten sind Vorschläge für die Schaffung neuer ‚vermittelnder’ Wirtschaftsstrukturen (Fonds, Assoziationen…), die bei minimal ‚sichtbaren’ Verbindungen zum ZK der KPdSU zu Zentren der Herrschaft einer ‚unsichtbaren’ Parteiwirtschaft werden können“ (Roth S. 137. Quelle: Bernd Knabe, Die System-Mafia als Faktor der sowjetisch-russischen Transformation, Köln 1998). Ein wichtiger Baustein sollte der Gazprom-Konzern werden, der zu Zeiten der UdSSR ein „Arbeitsbereich des Ministeriums für Gasförder- und Gastransportindustrie“ war (Roth S. 7).
Ein Insider beschrieb die Aufteilung nach dem Ende der UdSSR so: „Banken und Wirtschaftssteuerung haben die Nachrichtendienste übernommen, die Partei die Administration und die Armee die Schwerindustrie. Die Mafiaorganisationen werden in allen Bereichen für die nötige Ruhe und Stabilisierung sorgen“ (Roth S. 138). 

Exkurs: Die Silowiki
„An den Schalthebeln des Putin-Systems – und damit auch bei der Gazprom – sitzen ungewöhnlich viele ehemalige Kader des Militärs und des KGB beziehungsweise des heutigen FSB. Diese Kader der sowjetischen Sicherheitsstrukturen werden (…) Silowiki genannt. Auf sie stützt sich die Herrschaft Putins. (…) Die Silowiki beherrschten die feine wie die grobe Diplomatie (…) So viel  hat sich da bis heute nicht geändert“ (Roth S. 147).
Roth fand in der Gazprom-Führungsriege über ein Dutzend KGB-Veteranen, z.B.: „Valery Golubew, Gazproms stellvertretender Vorsitzender; Konstantin Tschuitschenko, der Leiter der Gazprom-Rechtsabteilung und Geschäftsführer von RosUkrEnergo; Sergej Uschakow, stellvertretender Leiter des Gazprom-Verwaltungsausschusses, Jury Schamalow, Leiter von Gazflot; Jewgeni Plyusnin, der seit 2009 Chef der Gazprom-Sicherheitsabteilung und in Personalunion Leiter der Unternehmenskommunikation ist“ (Roth S. 150). Luke Harding nennt im Guardian noch Igor Setschin, Nikolai Patruschew (Chef des Inlandgeheimdienstes FSB 1999 – 2008), seinen Nachfolger Alexander Bortnischew und Viktor Iwanov, einer von Putins engsten Verbündeten (Harding 21.12.2007).
Zu den Silowiki gehören inzwischen auch der Nachwuchs der Putin-Günstlinge, vor allem in den russischen Bankhäusern (Roth S. 121). Söhne und Töchter „nahmen erst dann Managementfunktionen ein, nachdem die Väter sich durch wenigstens einen Amtswechsel innerhalb des Systems Putin als dessen treue Begleiter erwiesen hatten“ (Roth S. 122). Putin-Kritiker Alexej Nawalny: „Die Verantwortlichen dieser Firmen werden über ihre Kinder das Vermögen aus den Staatsbetrieben für sich generieren“ (Roth S. 122). Ähnlich wurden und werden die Posten im großen Gazprom-Konzern-Geflecht verschoben. 

1989:
Das Gasministerium wurde 1989 nach dem Ende der UdSSR in das Staatsunternehmen Gazprom umgewandelt „und hatte sofort das Monopol auf 95 Prozent der gesamten sowjetischen Gasförderung“ (Roth S. 7).
Wiktor Tschernomyrdin wurde der erste Vorstandsvorsitzende von Gazprom (Roth S. 33). Tschernomyrdin „liefert ein hervorragendes Beispiel dafür, was den Diebstahl von Staatseigentum angeht“ (Roth S. 35). Er hat in Österreich Scheinfirmen installiert, „über die er einen Teil seines Vermögens bei Gazprom abgezweigt haben soll. Es soll sich um circa 600 Millionen Euro handeln. Vorgeworfen wurden ihm zudem, dass hohe Summen über Gazprom an ihn und an Firmen, die von seinen Kindern kontrolliert würden, geflossen seien. Die Rede ist von fünf Milliarden US-Dollar. (…) Da ist es kein Zufall, dass ein großer Teil der Bauvorhaben von Gazprom über die Stroitransgas realisiert werden, einer Firma, die vom Tschernomyrdin-Klan beherrscht wurde“ (Roth S. 36).
Das System lief und läuft so: „Gazprom liefert das Erdgas zu sehr niedrigen russischen Preisen an private Handelsfirmen, die im Besitz des Managements oder von befreundeten Unternehmern waren. Diese Handelsfirmen wiederum verkauften das Erdgas mit sehr hohen Profiten zu Weltmarktpreisen. Die Erlöse landeten auf ausländischen Konten, insbesondere in Zypern, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz“ (Roth S. 38).

1990:
Gazprom gründete mit Gazexport und Lukoil die Imperialbank (Roth S. 137).
Gazprom gründet mit Wintershall die Beteiligungsgesellschaften Wintershall Erdgas Handelshaus GmbH und Vorläufergesellschaften der Wingas GmbH (www.gazprom-germania.de): Damit bekam Gazprom einen direkten Zugang zum deutschen Markt. 

17.2.1992: Der Staatskonzern Gazprom wurde eine private Aktiengesellschaft: Der russische Staat hielt zunächst 41 Prozent (Roth S. 7f; S. 37). Tschernomyrdin war zwischen 1992 und 1998 unter Boris Jelzin russischer Ministerpräsident. „Seine wichtigste Rolle bestand unter anderem darin, dass der Gasriese minimale Steuern bezahlte“ (Roth S. 37). Sein Nachfolger als Gazprom-Chef wurde Rem Wjachirew (Roth S. 37).
Nachdem Tschernomyrdin 1992 aus dem Amt des Ministerpräsidenten ausgeschieden war, kehrte er als Aufsichtsratsvorsitzender zu Gazprom zurück; 2001 wurde er Botschafter in der Ukraine (Roth S. 37). Der ehemalige russische Finanzminister Boris Fjodorow äußerte, Tschernomyrdin hätte illegal während der Privatisierung von Gazprom große Anteile des Konzerns erhalten: Fjodorow „bezeichnete die Privatisierung von Gazprom als den größten Raubzug der Geschichte“ (Roth S. 38).
Tochter und Sohn von Gazprom-Chef Rem Wjachirew erhielten für einen symbolischen Betrag von wenigen Dollar eine Firma, die Gazprom mit Industrieanlagen belieferte (Roth S. 39). „In anderen Fällen wurde den Kindern der Topmanager eine Tarnfirma übertragen, die ein Zehntel des Gasexports nach Ungarn kontrollierte“ (Ebenda).
Wjachirew unterstützte bei der Präsidentenwahl im Jahr 2000 den falschen Kandidaten, nämlich den Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow – und nicht Wladimir Putin. „Er verlor den Job als Vorstandsvorsitzender und sein Sohn den Posten bei der Tochtergesellschaft Gazexport“ (Roth S. 39). Nachfolger Wjachirews wurde – bis zum heutigen Tag – Alexei Miller, der vier Jahre unter Putin in St. Petersburg gearbeitet hatte (Roth S. 40). Miller war „1996 Chef der Seehäfen, 1999 Generaldirektor der Baltische Pipeline Systeme, 2000 Vizeminister für Energie, 2001 Gazprom-Vorstandschef“ (Mihm 21.4.2006; Balser 25.6.2014a).

Exkurs: Itera und Igor Makarow
Makarow war Broker für Gazprom und „endete als Hauptexporteur von turkmenischem Gas in die Ukraine und nach Europa, ein Milliardengeschäft“ (S. 51). Makarow, Mitglied im inneren Zirkel von Wladimir Putin und ehemaliger Radsportler, ist heute Präsident des Russischen Radsportverbandes und Eigentümer des Doping-berüchtigten Katjuscha-Teams mit dem Sponsor Gazprom (Wikipedia); er war auch Unterstützer des Briten Brian Cookson bei dessen Wahl zum UCI-Präsidenten im September 2013. 1992 gründete Makarow das Unternehmen Itera International Energy: „Finanziert wurde Itera mit einem Kredit von Gazprom in Höhe von 427 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig lieferte ihm Gazprom Erdgas unter dem Selbstkostenpreis“ (Roth S. 51f). Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC stellte fest, „dass Gazprom einen Anteil von 32 Prozent der Gazprom-Tochtergesellschaft Purgas an Itera verkauft hatte, und zwar für sage und schreibe 1200 Dollar. Der tatsächliche Marktwert, errechnete PwC, hätte jedoch 400 Millionen Euro betragen“ (Roth S. 52). Im unter Verschluss gehaltenen Prüfbericht von PwC aus dem Jahr 2002 stand auch: „Seltsam war zudem, dass Gazprom Itera mit weiteren 616 Millionen Kreditgarantien, Darlehen und anderen Dienstleistungen unterstützte“ (Roth S. 52). Makarow stieg mit Itera massiv in den Ölhandel ein und „wird im Kreml geradezu hofiert“ (Roth S. 52). 

1995:
Der Amerikaner William Browder war Hedgefonds-Manager und wurde Mitglied im Gazprom-Aufsichtsrat. Bald fiel ihm Merkwürdiges auf. „Während der Gaspreis in Russland bei 21 US-Dollar pro tausend Kubikmeter lag und das Gas nach Deutschland für 103 Dollar verkauft wurde, mussten die Verbraucher in Deutschland dafür insgesamt 352 Dollar bezahlen. Eine Preissteigerung von 242 Prozent“ (Roth S. 43).
Die vom Tschernomyrdin-Clan beherrschte Firma Stroitransgas bezahlt für einen Gazprom-Anteil von 4,83 Prozent gerade einmal 2,5 Millionen Dollar – der damalige Marktwert betrug 191 Millionen Dollar (S. 43). Stroitransgas wurde 2002 von einem Gericht verurteilt, diese Anteile für 2,5 Millionen Dollar an Gazprom zurückzugeben: Nun zahlte Gazprom für die 4,83 Prozent plötzlich 144 Millionen Dollar. „Und Browder wunderte sich noch mehr, als er herausfand, dass Stroitransgas von Gazprom dafür bezahlt wurde, Geschäfte mit der eigenen Tochtergesellschaft zu tätigen“ (Roth S. 43). Browder übte auch Kritik am Gaszwischenhändler Itera: „Gazprom war ein armes Unternehmen, nur weil es Itera reich machte“ (S. 43)
Browder forderte schließlich von Gazprom radikale Änderungen: Deshalb musste er 2005 Russland verlassen und verlor alle Vermögenswerte; sein Anwalt Sergei Magnitski starb laut der Moskauer Menschenrechtsorganisation Helsinki-Gruppe bei einer Folter durch Beamte des Innenministeriums (Roth S. 47). Die US-Regierung verhängte im Juli 2011 gegen über sechzig in den Browder-Skandal verwickelte Personen ein Einreiseverbot, worauf vom Kreml im Gegenzug elf amerikanische Beamte im Oktober 2011 zu unerwünschten Personen erklärt wurden (Roth S. 50f).
Tim Neshitov behandelte ausführlich das Thema Magnitski unter dem Titel: Der Kreml, 230 Millionen Dollar und der Unbestechliche (SZ-Magazin 6.2.2015): Er referierte dort über das Buch von William Browder: Red Notice. Wie ich Putins Staatsfeind Nr. 1 wurde. Browder versuchte zusammen mit Magnitski, gegen Korruption und Oligarchentum anzugehen „Seinen wichtigsten Sieg errang Browder über den Energiemonopolisten Gazprom. Als Putin den korrupten Gazprom-Chef feuerte, schoss die Gazprom-Aktie an einem einzigen Tag um 134 Prozent in die Höhe. Bald kostete sie bereits das 100-fache von dem Preis, den Hermitage einst dafür bezahlt hatte. (…) ‚Der Vorteil an Putin war‘, sagt Browder: ‚Als ehemaliger KGB-Agent hatte er keine Vergangenheit. Jeder durfte sich seinen Putin zusammenwünschen. Auch ich blendete viel aus, den Krieg in Tschetschenien etwa.‘ Browder bekam erst Zweifel, als ein anderer Oligarch, den er gern hinter Gittern gesehen hätte, Roman Abramowitsch, von Gazprom 13 Milliarden Dollar für eine Ölfirma kassierte, die er sich unter dubiosen Umständen angeeignet hatte. ‚Ich sah, dass Putin nicht dabei war, eine korrupte Oligarchie zu beseitigen. Er baute seine eigene auf‘“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).

1996:
Gazprom hatte 1990 mit dem Ölförderer Lukoil die Imperialbank gegründet. „Nach Konflikten mit Lukoil entschloss sich Gazprom 1996, eine eigene Bankengruppe zu schaffen. Die Konzernfinanzen wurden seitdem von der Gazprombank und der National Reserve Bank (NRB) abgewickelt“ (Roth S. 137). 

Mai 1996:
Pawlo Lasarenko
wurde Ministerpräsident in der Ukraine. Nach schweren Korruptionsvorwürfen muss er im Juli 1997 zurücktreten. Er soll „bei einem Geschäft mit dem Energieversorger ‚Vereinigte Energiesysteme’ 260 Millionen Doller in die eigene Tasche gewirtschaftet haben“ (Hartmann 3.7.1997). Im November 2000 erhielt die Ukraine 13,4 Millionen DM von einem Lasarenko-Konto in der Schweiz zurück. Im Februar 1999 wurde Lasarenko in den USA verhaftet und im Juni 2003 gegen eine Kaution von 65 Millionen US-Dollar aus der Haft entlassen; wegen Erpressung und Geldwäsche wurde er 2006 zu neun Jahren Haft und zu zehn Millionen Dollar Geldstrafe verurteilt (Wikipedia). In der Anklageschrift stand: „Lasarenko und seinen Partnern gelang es, Hunderte Millionen Dollar durch Betrug, Erpressung, Bestechung und Unterschlagung … für die Verteilung von Gasimporten erhalten zu haben“ (Follath, Schepp 12.5.2014). 

Exkurs: Datschenkooperative Osero
Am 10.11.1996 wurde eine Kooperative von Datschen namens „Osero“ (der See) in der Nähe von St. Petersburg eingetragen. Laut Jürgen Roth wurden die Mitglieder von „Osero“ von der Mafiaorganisation Tambowskaja geschützt: „Wer Mitglied der Kooperative Osero war, die von der Tambowskaja geschützt wurde, der brachte es später zu großem Einfluss und Reichtum“ (Roth S. 201). Nach Boris Nemtsow „stiegen diese Freunde von durchschnittlichen Unternehmern zu Dollarmilliardären auf“ (Roth S. 201).
Vorsitzender war
–          Wladimir Smirnov, Vorstandsvorsitzender der Petersburg Fuel Company zwischen 1997 und 1998, Generaldirektor der Tekhsnabexport (Tenex), Export von Nukleartechnologie mit 35 bis 50 Prozent Weltmarktanteil; Berater von Rosatom (Wikipedia.org)
Mitglieder waren:
–          Wladimir Putin, 2000 – 2008 und ab 2012 russischer Ministerpräsident; 2008 – 2012 Premierminister
–          Wladimir Jakunin: „Jakunins Karriere hat wie die Putins beim sowjetischen Geheimdienst KGB begonnen“ (Veser 20.3.2014). Er wurde stellvertretender Verkehrsminister 2000, Präsident der Russischen Eisenbahnen 2005. Er war verantwortlich für die Zerstörung des Mzymta-Tals durch den Bau von Autobahn und Eisenbahn für Sotschi 2014. Jakunin musste sich 2014 Geld aus dem Russischen Staatshaushalt leihen. Er hat ein großes Anwesen im Moskauer Umland: “Auf einem komplexen Schaubild, das eine ganze Großleinwand füllt, hat der Anti-Korruptions-Blogger Alexej Nawalny dargestellt, wie Jakunin Geld aus russischen Staatsaufträgen über ein Gewirr von Off-Shore-Firmen ins Ausland transferieren soll” (Hans 22.3.2014. Jakunins Sohn hat in London eine 15-Millionen-Dollar-Villa). Seit April 2014 steht Jakunin auf der Sanktionsliste der USA.
–          Andrei Fursenko, von 2004 bis 2012 Minister für Erziehung und Wissenschaft; seit April 2014 auf der Sanktionsliste der US-Regierung (Veser 20.3.2014).
–          Sergey Fursenko,Generaldirektor von Lentransgaz, dann von Gazprom Transgaz St. Petersburg, Vorstandsvorsitzender Rossija-Medienholding NMG (Roth S. 201), Vorsitzender des russischen Fußballverbandes 2010 – 2012, Präsident des Fußballklubs Zenit St. Petersburg
–          Viktor Myachgin war Direktor der Rossjia Bank von 1995 bis 1998 und von 1999 – 2004.
–          Yury Kowaltschuk, laut Forbes-Liste 2008 mit einem geschätzten Vermögen von 1,9 Milliarden US-Dollar Nummer 53 der reichsten Russen; Vorstandsvorsitzender der Rossija Bank. Diese soll eine Bank des russischen Geheimdienstes KGB und der KPdSU gewesen sein mit Sitz in St. Petersburg. Sie „wurde von privaten Investoren um Wladimir Putin aufgekauft und ausgebaut“ (wikipedia.org). Kowaltschuk ist seit April 2014 auf der Sanktionsliste der USA. Die US-Regierung hat am 20.3.2014 auch das US-Vermögen der Rossija Bank eingefroren (Hans 22.3.2014; Wikipedia).
–          Putin erklärte daraufhin, er werde bei der ihm angeblich unbekannten Bank ein Konto eröffnen: “Sie gilt als persönliche Bank des Präsidenten und hoher Beamter” (Hans SZ 24.3.2014). – “Sie ist mehrheitlich im Besitz von Personen, die zum Umfeld des russischen Präsidenten gehören. (…) Die Rede ist dabei nicht von dem Vermögen, das aus dem Gehalt Putins aus seiner Tätigkeit als Präsident oder Regierungschef angefallen ist, sondern von großen Geldströmen, die aus Staatsaufträgen wie etwa dem überteuerten Olympia-Projekt in Sotschi abgezweigt wurden” (Hans 22.3.2014).
–          Eigentumsverhältnisse der Rossija-Bank: 30,4 Prozent Jury Kowaltschuk, 12,6 Prozent Nikolai Schamalow: über die restlichen 57 Prozent macht Wikipedia keine Angaben. Die Rossija-Bank hält u. a. 51 Prozent an Sogaz, dem Versicherungskonzern für die Gasindustrie (Roth S. 201). – „Sogaz ist heute das Versicherungsunternehmen in der russischen Gasindustrie. Sie versichert unter anderem die Pipelineprojekte South Stream, Nord Stream und Blue Stream“ (Roth S. 207). – „Sogaz wiederum kontrolliert die Gesellschaft Lider, die das Vermögen des Gazprom-Pensionsfonds Gazfond verwaltet. Gazfond ist größter Aktionär der Gazprom-Bank. Die Bank Rossija kontrolliert auch ein wichtiges Medienunternehmen und hält 50 Prozent an den Aktien des viertgrößten Mobilfunkkonzerns in Russland“ (Hosp 22.3.2014).
–          Nikolai Schamalow hält 12,6 Prozent an der Rossija-Bank (siehe auch oben). Er war auch beteiligt am „Palazzo Putin“. 

Exkurs: Palazzo Putin
(Dieser Palastbau hat nicht direkt mit Gazprom, jedoch mit engen Bekannten von Putin aus der Osero-Zeit zu tun und wirft ein bezeichnendes Licht auf den Umgang mit Geldern des russischen Staates.)
Schamalow, ein gelernter Zahnarzt, war zwischen 2001 und 2008 Repräsentant der Siemens AG für die Nord-West-Region von Russland. (…) Erst als öffentlich wurde, dass Nikolai Schamalow unter anderem Krankenhäusern Computertomographen zu weit überhöhten Preisen verkaufte, wurde er von Siemens entlassen. (…) In deutsche Schlagzeilen geriet Nikolai Schamalow, als durch Veröffentlichungen der Moskauer Zeitung Vedemosti bekannt wurde, dass er der Bauherr eines prächtigen Palastes in der Nähe des Dorfes Praskowejewka am Schwarzen Meer sei“ (Roth S. 205f). Schamalows italienischer Palazzo verfügt über ein Kasino, einen Winter-Theatersaal, ein Sommer-Amphitheater, eine Kirche, Schwimmbäder, Sportanlagen, Hubschrauberlandeplätze, einen Landschaftspark, Teehäuser, Bedienstetengebäude und technische Infrastruktur – auf einem Areal von 70 Hektar. Dies alles hat angeblich 770 Millionen Euro gekostet (rund eine Milliarde US-Dollar). Dazu wurde eine eigene Gas- und Stromversorgung und eine neue Gebirgsstraße gebaut (Wikipedia.org). Kommentar in der Zeit: „Denn erstaunlich ist dieses Gebäude vor allem, weil es uns vorführt, wie arm selbst der größte Reichtum sein kann und wie teuer es offenbart ist, einen schlechten Geschmack zu haben“ (zeitonline 28.1.2011). In Wirklichkeit soll der Palast Schamalows Osero-Kollegen Wladimir Putin gehören.
Sergej Koleschnikow kannte Schamalow seit 1993, als dieser noch Direktor von Petromed war: Seit 2000 waren sie Geschäftspartner (Wikipedia.org). Koleschnikow sandte 2010 dem damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew Unterlagen und Fotos über den Palast – natürlich ohne Reaktion. Der Kreml dementierte umgehend. Putins Pressesprecher Dmitri Peskow: „Die Anlage sei vielmehr für Olympiagäste gedacht, der Premier habe damit überhaupt nichts zu tun“ (aktuell.ru 20.1.2011).
Im März 2011 übernahm angeblich der russische Milliardär Alexander Ponomarenko den Luxuskomplex für 350 Millionen Dollar (Wikipedia.org). Ponomarenko hatte mit einem Partner die Russian General Bank in Moskau gründete, die zur Übernahme der Hafengesellschaft Nowosibirsk diente. 2008 verkauften sie 20 Prozent ihrer Holding an Putin-Freund Arkadi Rotenberg (Forbes 24.5.2014). 2010 verkaufte Ponomarenko mit seinen Partnern (u. a. wieder Rotenberg) seine Anteile am Nowosibirsk-Hafen und erhielt vom staatlichen Ölkonzern Transneft zwei Milliarden US-Dollar (aktuell.ru 3.3.2011).
– Luxuspalast statt Gesundheitsfürsorge. Jürgen Roth hatte schon 2012 geschrieben, dass der Prachtbau mit Geldern finanziert wurde, die eigentlich für die Anschaffung von medizinischem Gerät für russische Krankenhäuser gedacht waren (Roth S. 206). Im Mai 2014 geriet diese Geschichte erneut in die Presse. Die Nachrichtenagentur Reuters schrieb am 21.5.2014, der Palast sei „mit russischen Steuergeldern aus einem Projekt für die Modernisierung von Krankenhäusern gebaut worden“ (reuters.com 21.5.2014). Russlands Gesundheitsfürsorge sollte mit einer Milliarde US-Dollar vom Staat und durch Spenden von reichen russischen Oligarchen verbessert werden. So stellte Roman Abramowitsch 203 Millionen US-Dollar zur Verfügung, von Alexej Mordaschow (CEO von Severstal) kamen 14,9 Millionen (Wikipedia.org). Koleschnikov sagte, dass 15 bis 20 Prozent seiner Verträge an Siemens gingen. Aber Putin verfügte, dass 35 Prozent des Kapitals auf Offshore-Konten überwiesen werden sollten (Ebenda). – „Es geht um Lieferungen von Medizintechnik, bei denen der russische Staat letztlich um bis zu 100 Millionen Dollar geprellt worden sein könnte“ (Giesen, Ott 22.5.2014). 

Exkurs: Greathill
Die zwei Vertrauten von Putin, Nikolai Schamalow und Dmitri Gorelow, gründeten in Großbritannien die Firma Greathill. „In dem 2005 von Putin ins Leben gerufenen, eine Milliarde Dollar teuren Gesundheitsprojekt agierten Schamalow und Gorelow als Vermittler, wie aus den Reuters vorliegenden Dokumenten ersichtlich ist“ (Ebenda). Eine Milliarde Dollar sollten für 15 High-Tech-Kliniken ausgegeben werden: Der russische Staat zahlte für die Siemens-Geräte aber oft doppelt so viel wie üblich (Giesen, Ott 22.5.2014). Schamalkow und Gorelow erhielten staatliche Verträge in Höhe von 200 Millionen Dollar (zeitonline 21.5.2014). Greathill kaufte die medizinischen Geräte von Siemens und lieferte sie überteuert an Petromed: „eine Firma in St. Petersburg, die einem anderen Großaktionär der Rossija-Bank gehörte. Die Bank hatte Petromed in den frühen Neunziger Jahren gegründet. Einer der Kapitalgeber damals war eine Abteilung der Stadt Sankt Petersburg – geleitet seinerzeit von Wladimir Putin. (…) Von den gut 200 Millionen Dollar, die der russische Staat über Petromed an Greathill gezahlt hat, sollen laut Reuters-Dokumenten 84 Millionen Dollar auf Schweizer Bankkonten gewandert sein“ (Giesen, Ott 22.5.2014).
Der oben erwähnte frühere Geschäftspartner von Schamalow, Sergej Koleschnikov schätzte, dass 2007 insgesamt um die 500 Millionen Dollar in der Schweiz angesammelt worden waren. Als 2005 die 200-Millionen-Grenze überschritten wurde, gründete man Rosinvest, eine Tochtergesellschaft von Lirius, um das Geld in Russland zu investieren. Rosinvest gehörte zu 94 Prozent Putin persönlich, je 2 Prozent Koleschnikov, Schamalow und Gorelow (Ebenda). Nach 2006 überwies Greathill 56 Millionen Dollar auf Konten der Firma Lanaval in der Schweiz; Lanaval transferierte 48 Millionen Dollar auf ein Konto der Firma Medea Investment in Liechtenstein. Diese Firma wird vom Architekten Lanfranco Cirillo kontrolliert, der den Putin-Palast entworfen haben soll. Cirillo räumte dies ein, äußerte sich aber nicht zur Finanzierung des Projektes (Ebenda). 

Dezember 1997:
Gründung des European Business Congress, Sitz Berlin. „Hier trifft sich eine quasi handverlesene Elite überwiegend aus der deutschen und russischen Energiewirtschaft mit einer übermächtigen Beteiligung von Mitgliedern aus der Russischen Föderation. Noch klarer wird die Intention bei einem Blick in die Mitgliederliste unter dem Buchstaben G. Da stehen neben Gazprom weitere acht Unternehmen, die direkt zum Gazprom-Imperium gehören“ (Roth S. 78). 

– Kriminelle Machenschaften. 1997 stellte eine Untersuchung des Washingtoner Zentrums für Strategische und Internationale Studien fest, es seien „zwei Drittel der russischen Wirtschaft unter Kontrolle krimineller Syndikate“ (Roth S. 140). – „Gleichzeitig waren jedoch noch weit größere Gangster am Werk, jene, die über die Rohstoffindustrie herrschten“ (Ebenda). Roth erwähnt die Oligarchen Boris Beresowski (der ein erklärter Gegner Putins war und unter ungeklärten Umständen im März 2013 in London starb) und Roman Abramowitsch (Putin-Freund, Eigentümer des FC Chelsea), der Beresowski bei der Übernahme von dessen Anteilen am Aluminiumkonzerns Rusal und am Ölkonzerns Sibneft betrog: Im November 2011 verkaufte Abramowitsch dann Sibneft für 13 Milliarden US-Dollar an Gazprom (Roth S. 141).
Dazu gehört auch Oligarch Alisher Usmanow, der wegen Betrugs, Kidnapping und Erpressung 1980 zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde (Roth 141). Usmanow wurde 1988 stellvertretender Vorsitzender der Gazprom Invest Holding und sorgte für die Wiederbeschaffung von Gazprom-Vermögenswerten wie Stroitransgas, Severneftegazprom und Zapsibgazprom. „Putin schätzte ihn außerordentlich. Und die Gazprom Invest Holding wurde unter anderem zu einem der maßgeblichen Finanziers von Naschi, der Jugendorganisation der Regierung, um Putins Partei Einiges Russland zu unterstützen“ (Roth S. 145). Usmanow ist bis heute für Investitionen von Gazprom zuständig und wird auf ein Vermögen von 5,5 Milliarden US-Dollar geschätzt (S. 144).

– St. Petersburg: Hier erfolgte 1997 die Gründung der „Vereinigung von Bankinvestitionen in den Hafen“ (OBIP). „Miteigentümer waren Ilja Traber und Viktor Korytov, ein weiterer Anteil wurde von der Rossija Bank gehalten, Wladimir Putins Hausbank. Viktor Korytov hatte von 1979 bis 1992 für den KGB gearbeitet, war also ein Kollege von Wladimir Putin. Er ist heute stellvertretender Vorsitzender des Managementvorstandes der Gazprombank“ (Roth S. 199). Alexander Djukow kam ebenfalls 1998 zum St. Petersburger Hafen und wurde dort Generaldirektor. Er ist heute Vorstandsvorsitzender vom Ölexporteur Gazprom Neft, einer Gazprom-Tochter (Roth S. 199). Mikhail Sirotkin war 2000 bis 2001 bei der Betreibergesellschaft des St. Petersburger Hafens; er ist heute Leiter des Departments Einkaufsmanagement der Gazprom  und Generaldirektor von Krasnoyarskgazprom und Gazprom Dobycha Krasnoyarsk (Roth S. 199; gazprom-germania.de).
Alexej Miller war in den Jahren 1998 bis 1999 OBIP-Repräsentant und Direktor für Entwicklung und Investitionen des Sankt Petersburger Seehafens“ (Roth S. 199): Miller wurde im Mai 2001 von Putin zum Vorstandsvorsitzenden von Gazprom ernannt (Wikipedia; siehe auch unter 2001).
Jürgen Roth zitiert einen Bericht des damaligen russischen Innenministers vom August 2001: Die kriminelle Organisation Tambowskaja kontrolliere in St. Petersburg nicht nur über hundert Industrieunternehmen, sondern auch zu achtzig Prozent die vier wichtigsten Seehäfen St. Petersburg, Kaliningrad, Arkhangel und Murmansk (Roth S. 199). 

Juli 1998:
Wladimir Putin
wird Direktor des Inlandgeheimdienstes FSB

1999:
– Schon 1999 erließ Wladimir Putin einen Befehl, „wonach ‚aktive Maßnahmen’ gegen kritische Journalisten durchgeführt werden müssten. (…) Großen Wert legte er auf Berichte des FSB über die politischen Sympathien der Chefredakteure aller Massenmedien“ (Roth S. 149). 

Dezember 1999:
Am 31.12.1999 „gewährte Putin per Dekret Jelzin Straffreiheit für seine Handlungen während der Amtszeit sowie für künftiges Handeln und gewährte ihm und seiner Familie einige Privilegien“ (Wikipedia.org; Hervorhebung WZ). 

Exkurs: Die St.-Petersburg-Connection
So „wird eine Gruppe von Männern in der russischen Administration und der staatsnahen Wirtschaft bezeichnet, die seit dem Amtsantritt Wladimir Putins im Jahre 2000 die russische Politik dominiert“ (Wikipedia.org). Dazu gehören u. a.:
Wladimir Putin selbst
Dmitri Medwedew, Aufsichtsratsvorsitzender von Gazprom, Ministerpräsident und Interims-Präsident (2008 – 2012)
Alexej Miller, CEO von Gazprom
German Gref, Wirtschaftsminister, Vorstand von Gazprom
Wiktor Iwanow, Vorstandsvorsitzender von Aeroflot
Sergei Iwanow, KGB, Verteidigungsminister 2001 – 2007; Vorsitzender der russischen Präsidialverwaltung (seit Mai 2014 auf der US-Sanktionsliste)
Nikolai Patruschew, FSB-Chef
Witali Mutko: studierte in St. Petersburg und arbeitete in der Ära Putin in der dortigen Stadtverwaltung (Wikipedia). Putins heutiger Sportminister Mutko machte eine bemerkenswerte Karriere: 1979 Eintritt in die KPDSU, 1990 Präsident des Sowjets, 1992 Aufsichtsrat des Fußballvereins Zenit St. Petersburg, wurde dessen Präsident von 1995 bis 2003; Verkauf von 25 Prozent Zenit-Anteile an Gazprom-Partner Lentransgaz; gewann Gazprom 1999 als Haupt-Sponsor; Präsident des russischen Fußballverbandes (2005 bis 2009), seit 2009 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Wahlkampfhelfer von Wladimir Putin 2000; Aufsichtsrat des Organisationskomitees von Sotschi 2014; russischer Minister für Sport, Tourismus und Jugend seit 2008 (Wikipedia; russiaprofile.org).
Gennadij Nikolajewitsch Timtschenko, Wohnsitz Genf, Gründungsmitglied vom St. Petersburger Judo-Klub „Jawara-Newa“ (mit Putin als Ehrenpräsident und Arkadi Rotenberg als Vorsitzendem). „Putin und Timtschenko kennen sich ebenfalls aus den frühen 1990er Jahren, als Putin in der Stadtverwaltung von St. Petersburg für Außenwirtschaftsbeziehungen zuständig war“ (Hosp 22.3.2014). Timtschenko, Oligarch, Ölhändler, Großaktionär des Konzerns Gunvor, wird aufgrund bester Kontakte zu den staatlichen Ölkonzernen Rosneft und Gazpromneft von Forbes auf 14,1 Milliarden Dollar Vermögen geschätzt (Bidder 13.1.2011; aktuell.ru 29.3.2011; Wikipedia). „Doch erst nach dem Einzug Putins in den Kreml stieg Timtschenkos Ölhandelsunternehmen ‚Gunvor’ in die erste Liga des weltweiten Rohölhandels auf (…) Die amerikanische Regierung gibt zur Begründung für die Sanktionen gegen Timtschenko an, Putin habe in Gunvor investiert. Auch Timtschenko, der sein Portfolio in den vergangenen Jahren um Baufirmen erweitert hat, soll an den Winterspielen in Sotschi sehr gut verdient haben“ (Veser 20.3.2014). Timtschenko, sechstreichster Russe auf der Forbes-Liste, verkaufte noch blitzschnell am 19.3.2014 seine Aktien am Ölhandelsunternehmen Gunvor , bevor er am 20.3.2014 auf die US-Sanktionsliste gesetzt wurde(SZ 22.3.2014; zeitonline 15.4.2014).
Arkadi und Boris Rotenberg, profitierten u. a. vom Pipeline-Bau für Gazprom und lukrativen Aufträgen für Sotschi 2014. „Ihnen wurde günstig die Bausparte von Gazprom zugeschlagen. Ihr Konzern ‚Stroigazmontash’ bekommt jetzt reihenweise üppig dotierte Gazprom-Aufträge zum Bau von Gaspipelines und ist größter Lieferant von Gasleitungsrohren für Gazprom“ (aktuell.ru 29.3.2011). – „Die Multimillionärs-Brüder Rotenberg gelten als enge Bekannte von Staatschef Wladimir Putin. Für die Winterspiele in Sotschi sollen sie Verträge erhalten haben, die ihnen rund sieben Milliarden US-Dollar  in die Tasche spielten” (SZ 22.3.2014).
Andrei Fursenko, 2004 bis 2012 Minister für Erziehung und Wissenschaft
Zur St. Petersburg Connection zählen des weiteren Dmitri Kosak, Boris Guslow, Leonid Reiman, Juri Schewtschenko, Schores Iwanowitsch Alfjorow, Ilja Klebanow (wikipedia.org). 

2000:
– Staat wieder mit Gazprom-Mehrheit.
„Nach Wladimir Putins Machtantritt im Jahr 2000 erhöhte sich die Beteiligung des russischen Staates an Gazprom auf 50,002 Prozent. Putin machte Gazprom zu seinem persönlichen Projekt“ (Roth S. 8). – „Gazprom war nach Putins Machtantritt am 7.5.2000 das erste Unternehmen, in dem sämtliche Schlüsselpositionen durch seine Bekannten und/oder engen Freunde aus St. Petersburg besetzt wurden“ (Roth S. 10).

2001:
Sergej Uschakow
, ein KGB-Veteran aus St. Petersburg, war von 2001 bis 2002 stellvertretender Direktor des FSB und bis 2007 im Gazprom-Vorstand für die Sicherheit des Unternehmens zuständig. Ab 2007 beriet er Putin, danach Medwedew (Roth S. 202).

Exkurs: Medienholding Media-Most und GazpromMedia
„Auch die Übernahme des ehemaligen unabhängigen Fernsehsenders NTV der Medienholding Media-Most des Oligarchen Wladimir Gussinski im April 2001 war ein merkwürdiger Vorgang“ (Roth S. 111). NTV hatte vor den Parlamentswahlen 2000 über die Korruption des Jelzin-Systems berichtet und Putin wegen dessen brutaler Tschetschenienpolitik kritisiert. „Wenige Tage, nachdem Putin zum Präsidenten gewählt worden war, stürmte die Steuerpolizei, begleitet von Staatsanwälten und dem FSB, den Fernsehsender und Media-Most. Am 13. Juni 2000 wurde schließlich Gussinski verhaftet. Erst als er hinter Gittern im Gefängnis Butyrka eine besondere Vereinbarung mit dem Informationsminister Mikhail Lesin unterschrieb, kam er wieder frei und flüchtete kurze Zeit darauf nach Spanien. (…) Gleichzeitig übereignete er Gazprom seinen gesamten Media-Most-Konzern“ (Roth S. 111). Da die Holding des Fernsehsenders 300 Millionen US-Dollar Schulden bei Gazprom angehäuft hatte, sollte zu deren Begleichung die Mostbank, die im Besitz von Gussinski war, zur Schuldentilgung an eine Tochter der Zentralbank verkauft werden. Putin persönlich ließ diesen Verkauf stoppen. Der neue Chef von GazpromMedia, Alfred Koch, kündigte als erstes eine Vereinbarung, dass 211 Millionen Dollar Schulden von Media-Most in eine Aktienbeteiligung umgewandelt werden: Koch forderte die sofortige Rückzahlung der 211 Millionen Euro und im Juni 2001 weitere 262 Millionen Dollar. Dies konnte Gussinski aufgrund der Restriktionen nicht leisten. Der Focus-Journalist Boris Reitschuster:  „Als Henker musste der staatlich kontrollierte Gazprom-Konzern herhalten – zum Unmut der eigenen Manager“ (zitiert nach Roth S. 112). Gazprom kam damit in den Besitz der Komsomolskaja Prawda, aber auch der Iswestija, „die sich daraufhin von einem liberalen zu einem strikt linientreuen Blatt wandelte. (…) Zu GazpromMedia gehören darüber hinaus die Fernsehsender NTV, NTV plus und TNT, das Nachrichtenmagazin Itogi, mehrere Zeitschriften sowie die Hälfte des Radiosenders Echo Moskwy“ (Roth S. 113).

Mai 2001:
Alexej Miller
wurde von Putin zum Vorstandsvorsitzenden von Gazprom ernannt (Wikipedia)

Exkurs: Igor Bakai
Der ukrainische Gashändler Dmytro Firtasch (siehe Exkurs unten) traf in Turkmenistan den ukrainischen Geschäftsmann Igor Bakai. Dieser hatte den ukrainischen Präsidenten Leonid Krawtschuk überzeugt, Gas aus Turkmenistan für die Ukraine zu kaufen. 1998 wurde Bakai dann Generaldirektor der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Naftogaz (Roth S. 235) – mit erheblichen finanziellen Folgen. Bakai „soll zusammen mit seinem Vizechef bei Naftogaz 86 Millionen US-Dollar unterschlagen haben“ (Roth S. 238). Naftogaz-Vizechef Igor Didenko wurde im Januar 2001 in Deutschland verhaftet und im Juni 2004 wegen Beihilfe zur Untreue zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Als er nach drei Jahren in Untersuchungshaft wieder in die Ukraine ausreisen konnte, wurde er umgehend wieder Vizechef von Naftogaz (Roth 238f).
In der Ukraine wurde Wiktor Juschtschenko im Zug der „Orangen Revolution“ im Januar 2005 neuer Präsident. Bakai erhielt daraufhin von Putin persönlich die russische Staatsbürgerschaft. Roth zitiert die Badische Zeitung vom 10.3.2009: „Bakai soll einst als Chef des ukrainischen Staatsunternehmens Naftogaz ein offenbar märchenhaftes Vermögen angesammelt haben“ (Roth S. 241). Bakais Frau kaufte 2009 Schloss Rodeck bei Baden-Baden für 4,65 Millionen Euro (badische-zeitung.de 10.3.2009), 2010 das Schlosshotel Bühlerhöhe für 18 Millionen Euro (stuttgarter-nachrichten.de 11.12.2013) und die Grundig-Villa in Baden-Baden für acht Millionen Euro (welt.de 19.3.2010; Roth S. 241).
Bakai kehrte nach der Wahl von Putins Mann Wiktor Janukowitsch nach Kiew zurück. „Ohne seine Hilfe wäre Dmytro Firtasch wahrscheinlich nicht zu seiner heutigen Machtstellung auf dem europäischen Gasmarkt gekommen“ (Roth S. 240).

Exkurs: Dmytro Firtasch
Dmytro Firtasch
„ist ein ukrainischer Geschäftsmann und Mitbesitzer des Gaszwischenhändlers RosUkrEnergo, der zu 50 Prozent im Besitz von Gazprom steht. Firtasch gilt mit einem im März 2014 auf 10 Milliarden Euro geschätzten Vermögen als einer der reichsten Ukrainer. Er verfügte, insbesondere während der Amtszeit von Wiktor Janukowytsch, über einen großen politischen Einfluss in der Ukraine. Firtasch hat enge Kontakte zu Russland und ist im Gas-, Chemie-, Medien- und Bankengeschäft tätig“ (Wikipedia).
Firtasch kooperierte zunächst mit dem früheren ukrainischen Präsidenten Leonid Krawtschuk, dann mit dessem Nachfolger Wiktor Juschtschenko, dann mit dessen Nachfolger Wiktor Janukowitsch. Schließlich soll er nach der Flucht von Janukowitsch und den Maidan-Kämpfen die UDAR-Partei des früheren Profiboxers Vitali Klitschko unterstützt haben.
„Seine Firmen steuert er über die DF Group. In Wien residieren die Dünger-Handelsfirma Ostchem und die Centragas. Beide Firmen haben Ableger in Zug: die erst 2012 gegründete Ostchem Gas Trading und die während der Gaskrise bekannt gewordene Gashandelsfirma RosUkroEnergo. Firtaschs Vermögen wird auf über 10 Milliarden Dollar geschätzt. Laut der Wiener Zeitung ‚Standard’ wirft allein Centragas pro Jahr rund 300 Millionen Franken Profit ab“ (Odenahl 14.3.2014).
Firtasch war mit 90 Prozent und Ivan Fursin mit 10 Prozent an Centragas beteiligt. Centragas war mit Gazprom zu je 50 Prozent Eigentümer von Eural Trans Gas (vgl. Exkurs unten), die 2004 in RosUkrEnergio umfirmierte (vgl. Exkurs unten).
Die Firma Itera des Oligarchen Igor Makarow hat enge Geschäftsverbindungen mit Gazprom. Itera bezog von Firtasch Ausrüstungsmaterial über dessen Unternehmen Highrock Holding (Roth S. 208). Als es zum finanziellen Streit kam, begann Firtasch seinen eigenen Gashandel mit turkmenischem Gas und drängte Makarow aus dem ukrainischen Markt (zu Firtasch siehe auch Mai 2014). Firtasch drängte auch 2004 Julija Timoschenko aus dem ukrainischen Gasgeschäft. „Er wird der Komplizenschaft mit dem ukrainischen Mafiapaten Semjon Mogilewitsch verdächtigt, der seit 2009 auf der FBI-Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher steht“ (Odehnal 14.3.2014). Da Firtasch von den USA mit einem Auslieferungsbefehl gesucht wurde, verhaftete ihn die Wiener Polizei am 12. März 2014. (Vgl. auch Exkurs: RosUkrEnergo, Russisch-Ukrainischer Gasstreit und unter Mai 2014).

Exkurs: Eural Trans Gas (ETG)
Die ETG wird mit einem Grundkapital von 12.000 Dollar am 6.12.2002 im ungarischen Dorf Csapdi von drei rumänischen Bürgern gegründet: einer Schauspielerin, ihrem Mann und einer Krankenschwester. Ein ungarischer Rechtsanwalt hatte ihnen für diese Schein-Gesellschafterexistenz Geld in Aussicht gestellt. Der vierte Gesellschafter war Igor Fisherman, ein Komplize der Unterweltgröße Semjon Mogilewitsch (Roth S. 216).
Am Tag der Eintragung von ETG ins Handelsregister „unterschrieb einer der Hintermänner von ETG bei Gazprom in Moskau den Gasvertrag zwischen ETG und Gazprom. Damit waren die Rechte für den Gastransport von Zentralasien über Russland in die Ukraine in Höhe von mehreren Milliarden Dollar an die ETG vergeben“ (Roth S. 214; Hervorhebung WZ). Gazprom gewährte der ETG im ersten Halbjahr 2003 einen Kredit von 227 Millionen Euro, die Gazprom-Bank weitere 70 Millionen Euro (Roth S. 215). Hintermänner bei ETG waren der ukrainische Oligarch Dmytro Firtasch – und Semjon Mogilewitsch: „Und der Gazprom-Vorstand in Moskau wusste das natürlich und hatte keine Skrupel, mit solchen Personen Milliardengeschäfte abzuschließen“ (Roth S. 219). Erst 2004 trennte sich Gazprom von der ETG. „Im Jahr 2004 wurde dieses Unternehmen liquidiert, unter anderem wegen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Seit dem Jahr 2005 ist RosUkrEnergo der Zwischenhändler für die Gaslieferungen Russlands an die Ukraine. Firtasch hält 45 Prozent der Anteile des Unternehmens“ (Wikipedia.org). – Siehe unter 2004: Exkurs RossUkrEnergo

2003:
Das Imperium des Oligarchen Michail Chodorkowski „wurde von Putin zerschlagen und unter seinen Günstlingen verteilt“ (Roth S. 83). Chodorkowski wurde erst der Steuerhinterziehung beschuldigt, dann „zwangen die Finanzbehörden ihn zum Verkauf seines Energiekonzerns Yukos. Dieser wurde im Jahr 2005 weit unter Wert von einer Briefkastenfirma der Baikalfinanzgruppe übernommen. Hinter der mysteriösen Baikalkfinanzgruppe versteckte sich der Staatskonzern Rosneft“ (Roth S. 118). – Rosneft „ist inzwischen einer der größten russischen Ölproduzenten, eng mit Gazprom verbunden“ (Ebenda).

Februar 2003:
Der Bau von Blue Stream, einer Pipeline von der Stadt Izobilny an der Schwarzmeerküste nach Samsun in der Türkei, war fertiggestellt und kostete 3,2 Milliarden Dollar: Der (später enteignete) Gazprom-Finanzinvestor William Browder kritisierte, dass der russische Teil nach den Preisen der türkischen Baufirmen um 596 Millionen Dollar billiger gekommen wäre. Aber es musste „ja das russische Unternehmen Stroitransgas bedient werden, quasi ein Familienunternehmen von Gazprom-Managern“ (Roth S. 23).

2004:
Putins wirklicher Reichtum: “Als 2004 der Präsidentschaftskandidat Iwan Rybkin erklärte, Putin sei in Wahrheit der reichste Mann des Landes, und Kowaltschulk kümmere sich um seine Finanzen, verschwand er auf ungeklärte Weise von der Bildfläche und tauchte erst Tage später wieder auf” (Hans 22.3.2014).

– „Werbekosten“: 2004 überwies Gazprom Millionenbeträge an eine unbekannte Filmfirma für eine Werbeserie über Gazprom. Jürgen Roth hält es für wahrscheinlich, dass „es in Wirklichkeit nur darum ging, bestimmten Personen aus dem Umfeld Putins für dessen Wahlkampf 2004 Geld zu spenden“ (Roth S. 110).

– 6000 von KGB und FSB. Die russische Wissenschaftlerin Olga Kryschtanowskaja schrieb bereits 2004 in ihrem Buch „Anatomie der russischen Elite“: „Unabhängige Quellen gehen davon aus, dass bereits mehr als 6000 ehemalige Mitarbeiter von KGB und FSB in Putins Gefolge Machtstrukturen erobern und wichtige staatliche Ämter besetzen konnten“ (Iwanowski, Szyszkowitz 16.3.2012).

– Georgien will von Itera weg. Seit 2004 versuchte Georgien unter dem neuen Präsidenten Michail Sakaschwili, sich vom Gasversorger Gazprom bzw. seines Verteilers Itera unabhängig zu machen. Ab 2006 sollte das russische Gas doppelt so teuer sein als vorher. Als Russland den Transit von Gas aus Kasachstan durch russische Pipelines nach Georgien ablehnte, musste die georgische Regierung nachgeben (Roth S. 90).

– Russischer Lieferstopp. Jürgen Roth stellte den Stopp der russischen Erdgas- und Erdöl-Lieferungen zusammen: an Lettland Öl 2003, an Litauen Öl zwischen 1992 und 2002 und 2006, an Polen Gas 2004, an Tschechien Öl 2008; Gaskrieg zwischen Russland und Ukraine 2006; an Deutschland Öl 2006 und 2007 (Roth S. 90).

Exkurs: RosUkrEnergo
Putin
und der ukrainische Ministerpräsident Leonid Kutschma gründeten im Juli 2004 die Russisch-Ukrainische Energie RosUkrEnergo (RUE) mit Sitz im Schweizer Kanton Zug. Kutschma schied nach der Niederlage gegen Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 aus dem Amt. Er verfügte danach über ein Vermögen von geschätzten 1,2 Milliarden Euro (Roth S. 240). Geschäftszweck war der Handel mit Energie. Eigentümer von RosUkrEnergo waren zwei Firmen mit je 50 Prozent: Rosgas Holding AG gehört dem Gazprom-Konzern (Wikipedia.org), und der in Wien registrierten Centragas, die zu 90 Prozent Dmytro Firtasch und zu zehn Prozent Ivan Fursin gehört (Roth S. 221). Roth erwähnt hier wieder die Verbindung zum russischen Mafiaboss Semjon Mogilewitsch: „Die ehemalige ukrainische Premierministerin Julija Tymoschenko beschuldigte Mogilewitsch, hinter der Firma RosUkrEnergo zu stehen, die in den russisch-ukrainischen Gasstreit verwickelt ist. (…) Mogilewitsch wird vom FBI wegen Erpressung, Geldwäsche und Betrug gesucht“ (Wikipedia.org). Im März 2008 saß er 18 Monate in Moskau in Haft, bis er – wohl auf Intervention des Stabes des russischen Präsidenten – wieder frei kam“ (Roth S. 217). Jürgen Roth zitiert aus der offiziellen FBI-Webseite vom 21.10.2009: „Durch sein extensives internationales kriminelles Netzwerk kontrolliert Mogilewitsch Naturgaspipelines in Osteuropa, und er benutzt seinen Reichtum und seine Macht nicht nur für seine kriminellen Unternehmen, sondern auch, um Regierungen und deren Wirtschaft zu beeinflussen“ (Roth S. 218. Dies steht auch noch im Mai 2014 auf der FBI-Webseite).
„2006 berichtete die Gazprombank, dass Gazprom von RusUkrEnergo eine Dividende von 367,8 Millionen Dollar erhalten habe. Das heißt aber auch, das Dmytro Firtasch und Ivan Fursin eine Dividende in gleicher Höhe gutgeschrieben bekamen, die ansonsten bei Gazprom die Aktionäre gefreut hätte. Bis 2009 zahlte RUE an Gazprom über zwei Milliarden Dollar an Dividenden – das Tausendfache des Kaufpreises“ (Roth S. 224f). Die NGO Global Witness stellte deshalb im Januar 2009 in einem Brief an Gazprom-Chef Alexej Miller die Frage, warum der Zwischenhändler RosUkrEnergo überhaupt nötig sei (Roth S. 224).

Exkurs: Russisch-Ukrainischer Gasstreit
Im November 2005 erhöhte Gazprom für die Ukraine den Gaspreis für 1000 Kubikmeter von 160 auf  230 Dollar. Da die Ukraine sich weigerte, diesen Preis zu bezahlen, stoppte Russland im Januar 2006 die Gaslieferungen und sandte nur noch das für die mitteleuropäischen Länder bestimmte Gas in die Pipeline. Die Lieferschwankungen erklärte Russland mit der unberechtigten Gasentnahme der Ukraine. Im Januar 2006 stimmte die Ukraine der Preiserhöhung zu: „Der Konzern verkauft das Gas über den Zwischenhändler RusUkrEnergo und erhält dafür 230 Dollar je 1000 Kubikmeter. RusUkrEnergo bekam von der Ukraine ihre Kaufrechte auf das weitaus billigere turkmenische Erdgas zu 50 Dollar und verkaufte ihr anschließend einen Mix aus russischem und turkmenischem Gas für einen Preis von 95 Dollar“ (Wikipedia.org; das Mischverhältnis war eins zu zwei).
Im Oktober 2007 drohte Gazprom wieder mit der Einstellung der Gaslieferungen, falls die Ukraine nicht die Schulden in Höhe von rund 900 Millionen Euro begleichen würde: Dies geschah bis Ende 2007 (Ebenda).
Im März 2008 schrieb die frühere ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko einen Brief an Präsident Wiktor Juschtschenko und betonte, „dass zukünftige Gaslieferungen aus Russland in die Ukraine ausschließlich in direkter Zusammenarbeit Gazproms mit Naftogaz ohne jegliche Zwischenhändler erfolgen sollen“ (Ebenda). 2009 drängte Timoschenko die RUE und damit Firtasch aus dem Gasgeschäft „und erzwang direkte Gaslieferungen von Russland in die Ukraine ohne den Umweg über einen ominösen Mittelmann. Der staatliche ukrainische Gaskonzern Naftogaz beschlagnahmte deshalb kurzerhand 12,1 Milliarden Kubikmeter Gasreserven von RUE“ (Roth S. 225). Im Winter 2009 war Naftogaz völlig überschuldet, und gleichzeitig war RusUkrEnergo aus dem Geschäft. „Im tiefsten Winter 2009 kam aus der Ukraine kein Gas mehr. Russland hatte den Gashahn für die Ukraine zugedreht“ (Roth S. 231). Da damit auch andere europäische Länder nicht mehr beliefert werden konnten, war dies ein weiterer Grund für den Bau der Pipelines Nord Stream und South Stream.
RUE klagte gegen die Beschlagnahme der 12,1 Milliarden Kubikmeter Gas vor Gericht: Im August 2010 wurde Naftogaz verpflichtet, die Gasmenge zurückzugeben oder drei Milliarden US-Dollar zu erstatten: „Ein anderes Urteil wäre in Kiew auch nicht zu erwarten gewesen. Jetzt herrschte Viktor Janukowitsch… Auf jeden Fall können sowohl Gazprom wie Dmytro Firtasch seitdem weiter ihre Geschäfte betreiben“ (Roth S. 225f). Timoschenko, die sich beim neuen Gasvertrag mit Russland nicht persönlich bereichert hat, wurde im Oktober 2011 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt: „Ihre Entscheidung, sich von RosukrEnergo zu lösen, hätte bei dem Staatsunternehmen Naftogaz zu einem Schaden von 188 Millionen Dollar geführt“ (Roth S,. 226; vgl. zu Firtasch auch Exkurs und Mai 2014). Unter Janukowitsch sank dann der Anteil von Naftogaz an den ukrainischen Gasverteilern zugunsten von Gazprom und Firtasch (Roth S. 232).
Am 30.4.2010 unternahm Putin einen Versuch, auf die ukrainischen Endverbraucher zugreifen zu können, stellte einen Kredit über 500 Millionen Dollar in Aussicht und lockte mit niedrigeren Gaspreisen: „Ich schlage eine Fusion von Gazprom mit Naftogaz vor“ (Reuters 1.5.2010). Die damalige Oppositionsführerin Julia Timoschenko: „Das ist keine Fusion, die auf Partnerschaft basiert, sondern der Aufkauf der Ukraine durch Russland“ (Ebenda). Als Janukowitsch im September 2011 günstigere Gaspreise wollte, bezeichnete der (damalige) russische Präsident Dmitri Medwedew die Haltung der Ukraine als „Schmarotzertum“: „Wenn ihr einen Nachlass auf den Gaspreis haben wollt, müsst ihr Teil des Integrationsraums werden“ (Gnauck 9.9.2011). – „Damit meinte er wohl einen Beitritt zur Zollunion Russland – Weißrussland – Kasachstan“ (Ebenda). Im Februar 2014 floh Janukowitsch dann aus der Ukraine nach Russland – mit einem gestohlenem Vermögen von 200 Millionen Euro.

2005:
„Seit 2005 sichert ein Gesetz dem Staat die Mehrheit an Gazprom“ (Pörzgen S. 54).

Die Gas-Pipeline-Pläne für Nord Stream begannen: Sie war vom russischen Hafen Wyborg durch die Ostsee nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern geplant

Exkurs: Nord Stream und Gerhard Schröder
Zur Erinnerung an das Jahr 2004: “Schröder antwortete in der ARD-Sendung ‘Beckmann’ (…) auf die Frage, ob Putin ein lupenreiner Demokrat sei: ‘Ja, ich bin überzeugt, dass er das ist’” (Hamburger Abendblatt 23.11.2004). Jürgen Roth wies darauf hin, dass Schröder auch im Dezember 2006 im Focus und im November 2007 in n-tv Putin als “lupenreinen Demokraten” qualifizierte (Roth S. 281).
– Intro: Die Nord Stream AG wurde am 2.12.2005 gegründet; Sitz der Gesellschaft ist Zug/Schweiz. „Die Nord Stream-Pipeline (…) ist eine Gasleitung, die am 8. November 2011 eingeweiht wurde und russisches Erdgas u. a. vom Erdgasfeld Juschno-Russkoje durch die Ostsee nach Deutschland transportiert. Eigentümer und Betreiber ist die Nord Stream AG (Wikipedia). Die Aktienmehrheit hielt mit 51 Prozent Gazprom; die BASF-Tochter Wintershall und E.on Ruhrgas hielten je 24,5 Prozent. Später kamen Gasunie und GDF Suez dazu und erhielten von Wintershall und E.on je 9 Prozent (Ebenda).
Die Baukosten der auf dem Meeresgrund verlegten Pipeline ist zwar höher als die einer an Land verlegten Pipeline: Dafür ist der Durchsatz höher, da die Nord Stream-Pipeline mit über 200 bar Druck betrieben werden kann, das Doppelte einer Pipeline im Landbetrieb (Ebenda). Der Vorteil von Nord Stream liegt für Gazprom in der Möglichkeit, westeuropäische Partner beliefern zu können und gleichzeitig osteuropäische Länder von der Gaslieferung abzutrennen.
– Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin „assistierten am 11. April bei der Unterzeichnung der Grundsatzvereinbarung über die Beteiligung der BASF am Bau der nordeuropäischen Gaspipeline“ (Roth S. 269).
– Im Mai 2005 kündigte Schröder vorzeitige Bundestags-Neuwahlen an.
– „Zehn Tage vor der Bundestagswahl (sie war am 18.9.2005; WZ) wurde der Vertrag über die Ostseepipeline zwischen Schröder und Putin unterschrieben“ (Roth S. 270).
– „Am 22. September 2005 leitet der Vorsitzende des Interministeriellen Ausschusses Siegfried Borggrefe einen Vermerk in dieser Angelegenheit weiter – über den Staatssekretär Pfaffenbach an den damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), ‚mit der Bitte um Zustimmung’. Da habe er zum ersten Mal von dem Sachverhalt erfahren, berichtete Pfaffenbach vorige Woche vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestags. Als er gefragt wurde, ob er auch den Kanzler informiert habe, sagte Pfaffenbach: ‚Ich hätte die Möglichkeit gehabt, das zu tun, aber ich habe es bewusst nicht getan’“ (Bornhöft u. a. 10.4.2006).
– Am 10.10.2005 berichtete die Bildzeitung, dass Schröder eine Stelle bei Gazprom angeboten worden sei: Es erfolgte ein heftiges Dementi (Roth S. 270).
– „Am 28. Oktober 2005 unterzeichnete Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) eine Vorlage für eine Bürgschaft für das Pipelineprojekt in Höhe von einer Milliarde Euro“ (Roth S. 270). – „Er war gemäß den offiziellen Bekundungen der einzige Minister der Regierung Schröder, der von der Bürgschaft erfuhr. Seinem Kanzler oder anderen Kabinettskollegen will er nie davon erzählt haben, sagt er“ (Bornhöft u. a. 10.4.2006; Hervorhebung WZ).
– Am 22.11.2005 wurde Angela Merkel Bundeskanzlerin.
– Am 2.12.2005 wurde die Nord Stream AG in Zug in der Schweiz gegründet. Eigentümer waren Gazprom mit 51 Prozent und die BASF-Tochter Wintershall und E.on Ruhrgas mit je 24,5 Prozent (Wikipedia).
– Am 9.12.2005 gibt der Gazprom-Vorstand bekannt, dass Schröder Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG wird (Roth S. 271).
– Die Bild am Sonntag berichtete, dass Schröders Jahresgehalt über einer Million Euro liegen würde (vgl. manager-magazin.de 12.12.2005). Schröder dazu: „Die Russen hätten ihm zunächst sogar ein Millionengehalt für seine Tätigkeit als Aufsichtsratschef angeboten, Er habe aber um eine bescheidenere Summe gebeten… ‚Langsam’, so Schröder, ‚können sich meine Gegner mal bei mir entschuldigen“ (Bornhöft u. a. 10.4.2014. Schröder gibt den Beckenbauer der Politik; WZ).
– Der FDP-Fraktionsvize Carl-Ludwig Thiele äußerte in Bild seinen Verdacht zum Grund der Neuwahlen: “Wollte Schröder sein Amt loswerden, weil ihm lukrative Jobs zugesagt waren?” (Janisch, Wolfgang, Schröder muss es aushalten, in SZ 11.7.2014). Schröder klagte gegen den Springer-Verlag und gewann vor dem Land- und Oberlandesgericht Hamburg (ehrenrühriger und nicht durch Fakten gedeckter Verdacht) und schließlich vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Bundesverfassungsgericht. “Der Straßburger Menschengerichtshof dagegen, vor dem Springer gegen die Bundesrepublik klagte, sieht die Pressefreiheit verletzt – mit der naheliegenden Begründung, dass ein Kanzler mehr aushalten muss als ein Privatmensch” (Ebenda).
– Die FAZ meldete am 18.12.2005, dass der Posten für Schröder schon vor der Bundestagswahl am 18.9.2005 vereinbart worden war (Roth S. 270).
Focus meldet am 10.12.2005: „In neuem Licht erscheint jetzt auch Schröders Verzicht auf sein Bundestagsmandat: Als Abgeordneter hätte er alle Nebeneinkünfte offenbaren müssen – jetzt bleibt geheim, was der Altkanzler verdient“ (focus 10.12.2005).
Focus meldet am 25.12.2005: „Der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, hat indirekt den Einstieg von Altbundeskanzler Gerhard Schröder bei der russisch-deutschen Betreibergesellschaft der Ostsee-Gaspipeline kritisiert. ‚Träger höchster Staatsämter sind nicht von einem auf den anderen Tag in der persönlichen Gestaltung ihres Lebens völlig frei’“ (focus.de 25.12.2005).
– Der russische Oppositionspolitiker und Vize-Chef der Oppositionspartei Jakoblo, Sergej Mitrochin, bezeichnete Schröders Pläne als Skandal: „Das Verhalten des Ex-Bundeskanzlers schreit danach, dass es die deutschen Behörden auf den Verdacht der Vorteilsannahme abklopfen“ (focus.de 28.3.2006).
– Am 30.3.2006 wurde Schröder in Moskau zum Aufsichtsrats-Chef der North European Gas Pipeline gewählt (Bornhöft u. a. 10.4.2006).
– Im September 2007 stellte Schröder die russische Übersetzung seiner Memoiren Entscheidungen vor. „Das Vorwort schrieb Dmitri Medwedew, damals Vizeministerpräsident und Vorsitzender des Aufsichtsrats von Gazprom, der natürlich ebenfalls anwesend war“ (Roth S. 277).
– „Die ersten beiden Röhren waren im Jahr 2013 etwa zur Hälfte ausgelastet. Der Bau von zwei weiteren Röhren ist in Planung“ (Wikipedia).
– “Im Europaparlament haben die Grünen versucht, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Thema Krim-Krise zum Schweigen aufzufordern. (…) Schröder sollte wegen seiner Beziehungen zum russischen Energiekonzern Gazprom ‘keine öffentlichen Aussagen zu Themen machen, die Russland betreffen’” (SZ 14.3.2014). Der Antrag wurde abgelehnt.
Nachtrag zu Schröder: Nach dem Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeug über der Ukraine bahnte sich in der SPD ein Streit über Schröders Russland-Engagement an. “Gleich mehrere SPD-Außenpolitiker fordern im SPIEGEL, Schröder sollte mit Blick auf die Ukraine-Krise und den Abschuss eines Passagierjets durch prorussische Separatisten seine Freundschaft zu Präsident Wladimir Putin und seine beruflichen Verbindungen nach Moskau überdenken” (Gebauer 27.7.2014). Jan Fleischhauer schrieb in seiner Spiegel-Kolumne: “Neue Sanktionen gegen Russland stehen an. Doch auf der Liste der Bösewichter fehlt ein Mann: Altkanzler und Putin-Buddy Gerhard Schröder. Dabei hätte er sich seinen Platz redlich verdient. (…) Niemand hat sich in den vergangenen Jahren im Westen mehr für Putin ins Zeug gelegt als der siebte Kanzler der Bundesrepublik” (Fleischhauer 29.7.2014). – Wolfgang Münchau in seiner Spiegel-Kolumne: “Schröders Kuschelkurs gegenüber Wladimir Putin gehört zu den größten außen- und industriepolitischen Irrtümern in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach den bislang vorliegenden Informationen ist Schröders Freund durch seine Unterstützung von Rebellen in der Ukraine indirekt für den Tod von 298 Menschen an Bord der abgeschossenen Maschine von Malaysian Airlines verantwortlich, zwei Drittel der Passagiere stammen aus der Europäischen Union. Ihr Tod war der Kollateralschaden von Putins Politik” (Münchau 21.7.2014).
Julian Hans zitierte in der SZ einen Diplomaten, der beim ersten Treffen von Putin und Schröder dabei war: „Schröder bewunderte Putin heimlich um seine große Macht. Und Putin beneidete Schröder – der ist echt gewählt“ (Hans 8.9.2014).
(Zu Schröders diversen finanziellen Beziehungen zu Carsten Maschmeyer vgl. Hickmann, Christoph, Ott, Klaus, Eine Brutto-Netto-Freundschaft, in SZ 14.11.2014).

Exkurs: Matthias Warnig (*1955)
Warnig wurde 2006 Geschäftsführer des deutsch-russischen Pipeline-Projektes Nord Stream, des Konsortiums Nordeuropäische Gaspipeline (NEPG, mit Gerhard Schröder als Aufsichtsratsvorsitzendem).
Warnig ist 18 Jahre alt und „glühender Jungkommunist, als er sich bei der Staatssicherheit der DDR verpflichtet. die Stasi lässt ihn an der Hochschule für Ökonomie Bruno Leuschner in Ost-Berlin studieren. Er soll Offizier im besonderen Einsatz (OibE) werden“ (Nass 20.1.2014) – mit dem Spezialgebiet Industriespionage. Er war von 1974 bis 1990 Major beim Ministerium für Staatssicherheit der Ex-DDR tätig.
„1986: Die Staatssicherheit der DDR entsendet ihren Mitarbeiter Matthias Warnig nach Düsseldorf. Sein Auftrag: Er soll große westdeutsche Unternehmen ausspionieren“ (Zwei Karrieren, in Die Zeit 20.11.2014). Im August 1989 wurde Warnig vor dem Auffliegen rechtzeitig abgezogen und arbeitete dann in der Ost-Berliner Stasi-Zentrale. Am 7.10.1989 erhielt er von Erich Mielke die „Medaille für treue Verdienste in der Nationalen Volksarmee in Gold“ – einen Monat vor dem Mauerfall (Nass 20.11.2015).
Laut Wall Street Journal lernte er in Dresden Wladimir Putin kennen (Crawford 267.4.2005; NZZ 18.12.2005). In einem Artikel der Zeit steht dagegen, dass Warnig 1991 Putin in St. Petersburg kennengelernt hat (Die Zeit 20.11.2014). Warnig war im Auftrag der Dresdner Bank fort, um für sie die Genehmigung zur Eröffnung der ersten Filiale in Russland zu organisieren. Im Oktober 1991 trafen sich Warnig und der damalige stellvertretende Bürgermeister Putin, der die Banklizenz Nummer eins unterschrieb (Nass 20.11.2014). In St. Petersburg lernte Warnig auch den Gazprom-Vorsitzenden Alexej Miller kennen. „Der große Karrieresprung kommt für Warnig, als sich die Pläne zum Bau einer russisch-deutschen Gaspipeline konkretisieren. (…) Die Ostsee-Pipeline war ein Projekt von gewaltigen Dimensionen. Zwei parallele Leistungsstränge von 1224 Kilometer Länge, vom russischen Wyborg ins mecklenburgische Lubmin. Eine Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr“ (Ebenda).
Warnig „gehört zu den wenigen Deutschen, die von sich sagen könnten, dass sie persönlich mit Putin befreundet sind – ein anderer: Altkanzler Gerhard Schröder. Beide arbeiten nun für die Pipeline-Firma, Warnig als Geschäftsführer, Schröder für angeblich 250.000 Euro im Jahr als eine Art Cheflobbyist. Von Warnigs Stasi-Akte ist heute nicht mehr viel übrig: zwei Karteikarten zur Person, einige Listen für Ordensverleihungen und Beförderungen, in denen er auftaucht“ (Dahlkamp u. a. 25.8.2008).
Warnig ist auch Mitglied in den Aufsichtsräten des Aluminiumkonzerns Rusal, dem Energiekonzern Rosneft, der Ölpipeline-Gesellschaft Transneft und der Bank VTB und Vorsitzender des Verwaltungsrates von Gazprom Schweiz (Nass 20.11.2015). Warnig „ist der wichtigste Deutsche, den wir in Russland haben“ – sagte Henning Voscherau, Aufsichtsratsvorsitzender von South Stream (Nass 20.11.2014).
Fazit von Hans-Martin Tillack im Stern: „In der Geschichte dieser Invasion wimmelt es jedenfalls von alten Stasi-Leuten und halbseidenen Figuren. Es geht um Briefkastenfirmen, die nicht einmal einen Briefkasten haben, um ineinander verschachtelte Firmen und Unterfirmen, die vor allem eins bewirken: Sie verbergen Geldflüsse. Gazoviki werden die Gazprom-Manager in Russland genannt. Viele von ihnen kommen vom KGB oder aus dem sonstigen Freundeskreis des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Weil sie wegen der staatlich verordneten Niedrigpreise im eigenen Land nur Verluste machen, müssen die Gazoviki ran an die europäischen Endverbraucher“ (Tillack 22.9.2007).

Juni 2005:
„Die Journalistin Catherine Belton (..) fand im Sommer 2005 heraus, dass das Unternehmen Trubny Torgovy Dom als Zwischengesellschaft für Gazprom Pipelines kauft und Hunderte von Millionen US-Dollar wert ist. Das Unternehmen wurde im Jahr 2003 von einer 27-jährigen Frau mit gerade einmal 350 US-Dollar gegründet“ (Roth S. 120). Belton fand am angegebenen „Firmensitz“ kein Büro: nur ein Büro von Putins Partei Einiges Russland. „Vermutet wird, dass mit dieser Firma Förderer von Putins Partei Einiges Russland bedient wurden“ (Roth S. 120).

Exkurs: Gazprom Germania
1990: „Die Zarubezhgaz-Erdgashandel-Gesellschaft mbH, Berlin, wird als 100-prozentiges Tochterunternehmen des Außenhandelsunternehmens Zarubezhgaz (heute Gazprom Export) gegründet“ (gazprom-germania.de).
1993: „Der Erdgasspeicher Rehden (Niedersachsen) wird mit einem Arbeitsgasvolumen von 1,5 Milliarden Kubikmetern in Betrieb genommen“ (Ebenda).
Gazprom Germania geht auf eine Kooperation zwischen der ehemaligen V/O Zarubezhgaz (heutige Gazprom) und der BASF-Tochter Wintershall AG im Jahre 1990 hervor. Gazprom Germania ist mit 49,98 Prozent an Wingas beteiligt; die übrigen 50,02 Prozent hält Wintershall; Im November gaben BASF und Gazprom bekannt, dass der Anteil von Gazprom bis Ende 2013 auf 100 % aufgestockt werden soll“ (Wikipedia.org).
Geschäftsführer „war Hans-Joachim Gornig, der bis zur Wende DDR-Beauftragter für den Gasleitungsbau war (…) An der Spitze von Gazprom Germania stehen zudem der Finanzchef Felix Strehober und Personalchef Hans-Uve Kreher, ehemalige DDR-Funktionäre mit engen Beziehungen zum Ministerium für Staatssicherheit“ (Roth A. 163f). Strehober und Kreher wollten per einstweilige Verfügung gegen den Vorwurf der Stasitätigkeit klagen: Angesichts der Beweislage zogen sie die Anträge zurück (Roth S. 167ff). Fazit von Jürgen Roth zur Stasidichte bei Gazprom Germania: „Aus bekehrten Kommunisten wurden hier in Deutschland wie in Russland blitzschnell ebenso bekehrte Kapitalisten“ (Roth S. 173).
Der Geschäftsführer von Gazprom Germania, Hans-Joachim Gornig sorgte auch dafür, dass die winzige Firma Gasconsult (ohne Büro, mit Handy-Nummer im Telefonbuch) jedes Jahr von Gazprom-Germania eine Million abkassiert. Zwanzigprozentiger Miteigentümer von Gasconsult: Hans-Joachim Gornig, der zu DDR-Zeiten Stellvertreter des Ministers für Kohle und Energie war und an Erich Honecker 1983 eine Ergebenheitsadresse im Neuen Deutschland richtete: „”Unser Wort als Trassenbauer aus der sozialistischen DDR gilt auch weiterhin, dass wir unter allen Bedingungen den Auftrag unserer Partei ehrenvoll erfüllen” (Dahlkamp u. a. 25.8.2008). 80 Prozent von Gasconsult gehören einer zweiten Firma: „An der ist Gornig praktischerweise auch mit gut 60 Prozent beteiligt. Dort, bei Firma Nummer zwei, führt Gornigs Sohn Mika die Geschäfte“ (Ebenda). Gornig ging 2010 in Rente (Evert 9.7.2010).
Fazit des Spiegel-Artikels „Giftiger Cocktail“: „Wer sind die deutschen Gasowiki, bei Gazprom Germania, bei der Ostsee-Pipelinegesellschaft Nord Stream? Woher kommen sie, wofür stehen sie? Das ernüchternde Ergebnis: viele alte DDR-Spitzenkader. Und dazu bis in die oberste Spitze frühere Stasi-Leute, in der DDR perfekt geschult darin, wie man wahre Absichten unter allen Umständen verbergen kann. Davon steht natürlich im Geschäftsbericht von Gazprom Germania kein Wort. (…) So leistet sich die Gazprom heute drei Ex-Stasi-Männer in Spitzenfunktionen: zwei bei Gornigs Germania, einen bei jenem internationalen Konsortium namens Nord Stream, das unter Führung der russischen Gazprom-Mutter die mehr als 1200 Kilometer lange Ostsee-Pipeline baut.“ (Dahlkamp u. a. 25.8.2008).

April 2006:
Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok warnte vor Expansionsbestrebungen von Gazprom; der Konzern wolle die Herrschaft über Netze und Durchleitungsrechte, „damit ohne Gazprom nichts mehr geht“ (Roth S. 87).

Das geplante bulgarische Atomkraftwerk Belene sollte vom russischen Unternehmen Atomstroiexport gebaut werden, an dem Gazprom 53,85 Prozent hält. Der Kostenvoranschlag lag bei 3,9 Milliarden Euro. Später beteiligte sich RWE mit 49 Prozent, zog sich aber im Oktober 2009 zurück – angeblich nicht wegen der Proteste, sondern wegen der gestiegenen Kosten. Der russische Energieminister erklärte umgehend, dass Russland den Anteil übernehmen würde. Atomstroiexport hatte bereits einen Vier-Milliarden-Euro-Kontrakt mit Bulgarien abgeschlossen, stieg seinerseits aber im Februar 2011 aus, da die Finanzierung seitens Bulgariens nicht gesichert sei (Roth S. 101f).

September 2006:
Ein Konsortium um den Shell-Konzern musste „wegen angeblich nicht erfüllter Umweltauflagen die Mehrheit am bislang größten russischen Gasprojekt Sachalin-2 an Gazprom übertragen“ (BP-Tochter tritt Gasfeld an Gazprom an, in mopo.de 22.6.2007). Dutch-Shell wurden 30 Milliarden US-Dollar Strafe angedroht. „Nachdem die Kontrollmehrheit an Gazprom abgegeben wurde, erklärte Wladimir Putin, Minuten nach der Unterzeichnung des Vertrages, dass es keine Umweltprobleme mehr gebe und die Regierung nun in vollem Umfang das Projekt unterstütze. (…) Ähnlich erging es den US-amerikanischen Konzernen  ExxonMobil und Chevron. Entgegen einer Vereinbarung aus dem Jahr 1993, wonach die beiden Konzerne einen wichtigen Anteil des Sachalin-Feldes zur Erschließung erhalten hatten, mussten sie ihre Anteile 2006 an Gazprom und den Staatskonzern Rosneft übergeben. 2007 wurde ExxonMobil gezwungen, das von dem Konzern geförderte Naturgas nur über Gazprom nach China zu verkaufen. Und die Preise bestimmte Gazprom. In allen Fällen wurde die hochentwickelte technische Ausrüstung der ausländischen Konzerne mehr oder weniger preisgünstig erworben“ (Roth S. 117; Hervorhebung WZ).

Dezember 2006:
Gazprom erhöhte Weißrusslands den Gaspreis von bislang moderaten 47 US-Dollar auf 105 US-Dollar. „Gleichzeitig sollte Russlands westlicher Nachbarstaat 590 Prozent der Anteile am Erdgas-Verteilersystem an den Energiekonzern abtreten“ (Wikipedia.org).

2007:
– Symbiose Militär und Energiewirtschaft
. „Im Jahr 2007 wurde im russischen Parlament auf Druck von Gazprom und dem staatlichen Erdölkonzern Transneft ein neues Gesetz verabschiedet. Danach haben strategische Unternehmen und strategische Sicherheitsunternehmen das Recht, Waffen zu besitzen, um ihre ‚Pflichten nach den föderalen Gesetzen’ erfüllen zu können. Es war ein ausschließlich auf Gazprom und Transneft zugeschnittenes Gesetz mit weitreichenden Befugnissen. Nur sie erhielten die Genehmigung, eine eigene bewaffnete Armee zu unterhalten. Das Gesetz erlaubt es ihnen zudem, auch außerhalb der Grenzen Russlands zu operieren, um die Pipelines zu schützen“ (Roth S. 153. – Interessant wäre es, ob Gazprom auch in Deutschland eingreifen darf – siehe die geplante Übernahme von Wingas im Sommer 2014). Präsident von Transneft ist Nicolai Tokarew, ein Putin-Freund aus KGB-Zeiten. „Sein Vermögen wird auf vier Milliarden US-Dollar geschätzt“ (Roth S. 158).
Der Sicherheitsdienst von Gazprom beschäftigt laut Roth mindestens 25.000 Personen, um unter anderen 95.000 Meilen Gaspipelines zu kontrollieren (S. 152). Eingesetzt werden neben unbemannten Flugkörpern zwei Überwachungssatelliten und zwei Telekommunikationssatelliten (Roth S. 154).

Januar 2007:
Sportsponsor Gazprom: Gazprom Germania wird Hauptsponsor des deutschen Bundesligisten FC Schalke 04. Der Vertrag wurde im Mai 2011 bis Ende Juni 2017 verlängert (Wikipedia). „125 Millionen Euro soll Gazprom an den FC Schalke 04 für einen fünfjährigen Sponsorenvertrag gezahlt haben. (…) Fußballspieler und Fans des FC Schalke 04 werden es sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass sie seitdem, wenn sie das Trikot ihres geliebten Bundesligavereins mit dem Schriftzug Gazprom überziehen, kostenlose Propaganda für die Diebe und Gauner machen, wie Putins Partei Einiges Russland gemeinhin von Kritikern genannt wird“ (Roth S. 70f). – Regimekritiker Alexej Nawalny rief vor der Parlamentswahl Ende 2011 die Russen dazu auf, “sie könnten für jede Partei stimmen, nur nicht für die ‘Partei der Gauner und Diebe’. Die pointierte Bezeichnung für die Regierungspartei Einiges Russland wurde fortan zum geflügelten Wort im kritischen Teil der Bevölkerung” (Nienhuysen 17.4.2013; Hervorhebung WZ).
Weiteres Sport-Engagement von Gazprom: Eigentümer von Zenit St. Petersburg, Hauptsponsor des serbischen Superligisten Roter Stern Belgrad, des russischen Volleyballvereins ZSK Gazprom-Ugra Surgut, des russischen Tischtennisvereins Gazprom Fakel Orenburg, des 2009 gegründeten Radsportteam Katjuscha (Eigentümer: Igor Makarow). Außerdem ist Gazprom seit Juli 2012 offizieller Partner der Uefa Champions League für die Spielzeiten 2012/2013 bis 2014/2015 (uefa.org PM 9.7.2012) und seit September 2013 offizieller Fifa-Partner für die Periode 2015 bis 2018 einschließlich der WM 2018 in Russland (www.gazprom Press release 14.9.2013).

März 2007:
Gazprom-Image-Pflege.
Gazprom schließt einen Vertrag mit der PR-Agentur Gavin Anderson und bezahlt pro Monat 100.000 US-Dollar für Imagepflege (Roth S. 259). Gazprom Export bemüht für die Imagepflege das US-Unternehmen Ketchum und bezahlt 247.500 US-Dollar pro Monat (Roth S. 259). „2007 wurde Wladimir Putin im Time-Magazin als ‚Mann des Jahres’ ausgezeichnet. Besonders hilfreich dabei, dies zu erreichen, war die amerikanische Public-Relations-Company Ketchum“ (Roth S. 260).

– Kampf um Endverbraucher. „Nach einem Bericht der von Boris Beresowski nach 1999 wiederaufgebauten russischen Wirtschaftszeitung Kommersant aus dem März 2007 sähen Gazprom-Manager den direkten Zugang zu jeder Gasheizung in Deutschland und Europa als ihr Ziel. Dies bedeute, dass sie Zwischenhändler umgehen könnten, pro tausend Kubikmeter Gas 400 bis 500 US-Dollar einnähmen, statt wie bisher 290 Dollar, und der Endverbraucher ebenfalls niedrigere Preise zahlte“ (Wikipedia-.org).

Exkurs: TNK-BP
Das Öl- und Gas-Unternehmen TNK-BP wurde 2003 von BP (50 Prozent), der Renova-Group von Viktor Wechselberg (12,5 Prozent) und der Alfa-Group von Michail Fridman (37,5 Prozent) gegründet. Auf Druck der russischen Regierung unter Wladimir Putin musste TNK-BP im Juni 2007 ihren Anteil am ostsibirischen Gasfeld Kowytka deutlich unter Wert an Gazprom verkaufen“ (Wikipedia). – „Die russischen Behörden hatten TNK-BP zuvor mit einem Entzug der Förderlizenz gedroht. (…) Kreml-Kritiker werten Kowytka als weiteren Fall einer ‚Enteignung’ eines ausländischen Energiekonzerns in Russland“ (mopo.de 22.6-2007). Die Moskauer Umweltbehörde drohte mit dem Entzug der Förderlizenz, da TNK-BP Pipelines fehlten. Gazprom könne als Pipeline-Monopolist dagegen die Förderung gewährleisten (Ebenda).
„Diese Transaktion wurde aber nie vollzogen“ (nzz.ch 2.3.2010). „Im Juli 2008 flüchtete der Unternehmenschef Bob Dudley aus Russland“ (Wikipedia, TNK-BP). – „Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde im Januar 2009 als eines von drei unabhängigen Mitgliedern in den Aufsichtsrat (von TNK-BP; WZ) berufen. Am 22. Oktober 2012 gab Rosneft bekannt, dass man TNK-BP übernehmen werde“ (Ebenda).

Juli 2007: Zu Sotschi 2014
Bei der Bewerbung 2014 hatte Sotschi ein Organisationsbudget von 1,5 Milliarden Dollar, Pyeongchang von 1,26 Milliarden Euro und Salzburg von 965 Millionen Dollar. Letztlich war es ein Duell der Konzerne Gazprom und Samsung. Der russische Präsident Putin setzte sich persönlich Anfang Juli 2007 für seinen Urlaubsort Sotschi am Schwarzen Meer ein. „Doch Sotschis Agenten hatten 100 Millionen Euro lockergemacht, hieß es in Bewerberkreisen. Und Ex-KGB-Zar Wladimir Putin ließ IOC-Chef Jacques Rogge den Energieriesen Gazprom als Topsponsor andienen, von sagenhaften Konditionen war die Rede. Zur Kür in Guatemala flogen die Russen eine Antonow mit 70 Tonnen Material ein, um in den Tropen eine Freilauf-Eisfläche zu installieren. Deren Besuch war den IOC-Mitgliedern per Ethik-Kodex verboten, doch nicht alle hielten sich daran. Schließlich lockten allabendlich Kaviar, Tanz und nette Mädels“ (Kistner 6/2008). Thomas Kistner kam zu dem Schluss: „Nie wurde Olympia schamloser versteigert“ (Ebenda). Der frühere IOC-Präsident  Juan Antonio Samaranch hatte 2006 schließlich die entscheidenden Stimmen für Sotschi 2014 besorgt, da er immer noch ein Kontingent von 30 bis 40 IOC-Stimmen kontrollierte.

September 2007:
Gazprom-Vize Alexander Medwedew: „Es ist schwer, eine Firma zu finden, die nicht auf unserer Watchlist steht“ (Roth S. 56; Tillack 22.9.2007).

Oktober 2007:
Der damalige ukrainische  Präsident Viktor Juschtschenko auf die Frage, ob Russland Gas als politische Waffe einsetzen werde: „Immer mehr Länder werden diese Bedrohung spüren. Das ist kein Problem der Ukraine, sondern der ganzen Welt, auch von Europa und Deutschland“ (S. 88). Die damalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko erfuhr in einem Gespräch mit dem russischen Botschafter, dass es zu einem Handelskrieg käme, falls die Ukraine der Nato beitreten würde (S. 89)
Im Frühjahr 2010 verlor Timoschenko dann die Wahl gegen Viktor Janukowitsch. Dieser handelte – wie schon erwähnt – mit dem Kreml aus, dass die Ukraine einen Gas-Rabatt von 30 Prozent erhält: Im Gegenzug darf die russische Schwarzmeerflotte noch 25 bis 30 Jahre die Krimhäfen benutzen (Roth S. 89). Der Rest ist bekannt: Janukowitsch wurde im Februar 2014 vertrieben und hatte vorher seine geraubten 200 Millionen Euro auf alpenländische Banken und nach Russland gebracht. Die Krim wurde im März  2014 von Russland annektiert. Und deshalb gelten die 30 Prozent Rabatt für die Ukraine nicht mehr – Gazprom rechnet bis 2010 zurück und fordert im April 2014 über vier Milliarden Euro.

Dezember 2007:
Gazprom Germania
machte 2007 einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro und einen Jahresgewinn von 420 Millionen Euro (Waldermann 7.5.2008). 

2008:
– Aktionär Putin. Nach einem Bericht des Guardian soll Wladimir Putin einen Aktienanteil von 4,5 Prozent an Gazprom besitzen (Roth S. 14).
– Hat Putin 40 Milliarden?
Der Moskauer Politologe Stanislaw Belkowski bezifferte das Privatvermögen Purtins vor der Präsidentenwahl 2008 auf 40 Milliarden Dollar: „So viel seien die Aktienpakete von Öl- und Gasunternehmen wert, die der Politiker angeblich kontrolliere“ (Bidder 13.1.2011). Im Guardian wiederholte Belkowsky seine Behauptung, dass Putin riesigen Besitz bei drei russischen Öl- und Gaskonzernen hat, der hinter einem„nicht-transparenten Netzwork von Offshore-Trusts“ versteckt wird (Harding 21.12.2007). Putin kontrolliert 37 Prozent von Surgutneftegaz, Russlands drittgrößtem Ölproduzenten, Wertr 20 Milliarden US-Dollar; 4,5 Prozent von Gazprom und mindestens 75 Prozent von Gunfor (Ebenda).

– „In der Zeit der (ersten; WZ) Präsidentschaft von Wladimir Putin, also zwischen 2000 und 2008, wurden aus Russland insgesamt 427 Milliarden US-Dollar illegal ins Ausland transferiert“ (Roth S. 58).

– South Stream. „Gazprom Germania  beteiligt sich mit 50 Prozent an der Gründung der Gesellschaft South Stream in Zug (Schweiz). Die Pipeline verläuft unter dem Schwarzen Meer hindurch über Bulgarien bis an die italienische Grenze und soll ab 2015 Südeuropa mit Erdgas versorgen“ (www.gazprom-germania.de). South Stream soll zwischen 10 und 24 Milliarden Euro geschätzt und war vor allem gegen das EU-Pipeline-Projekt Nabucco gerichtet, das durch Drohungen und bevorzugte Lieferbedingungen seitens Gazprom schließlich verhindert und im Sommer 2013 beendet wurde. South Stream “besteht aus drei Komponenten: dem Ausbau der Transportkapazität in Russland bis zu Schwarzmeerküste bei Anapa, dem Bau von Erdgasleitungen durch das Schwarze Meer sowie dem Weiterbau der Erdgas-Pipeline vom bulgarischen Varna“ (Wikipedia).

Alischer Burchanowitsch Usmanow ist seit 2008 Präsident des Internationalen Fechtverbandes FIE. Er gehört laut Forbes zu den 35 reichsten Männern der Welt mit Nähe zum Gazprom-Konzern und ist u. a. Generaldirektor von Gazprominvest, Mitbesitzer von Metalloinvest und Eigentümer des Verlagshauses Kommersant (Dreis 29.11.2013).

Mai 2008:
Igor Setschin
ist laut Jürgen Roth der zweitmächtigste Mann Russlands und einer der treuesten Verbündeten Putins (Roth S. 124). Er war Leiter seines persönlichen Büros (Windisch 9.3.2014) und kommt – natürlich aus St. Peterburg. Bis 2008 war er ein enger Berater von Putin, wurde Vorstandsvorsitzender des Staatsbetriebes Rosneft und im Mai 2008 Vize-Ministerpräsident der Regierung der Russischen Föderation. Er betrieb die Übernahme des Yukos-Konzerns. Die US-Regierung verhängte gegen Setschin im Gefolge der Ukraine-Krise ein Einreiseverbot und Kontosperren (Wikipedia; vgl. auch Mai 2014: BP und Rosneft).

Sotschi 2014
„Damit Gazprom in Ruhe bauen konnte, waren die Schutzauflagen des Nationalparks gesenkt worden. Die Umweltwache klagte. Im Oktober gab ihnen ein Gericht in der Stadt Majkop recht. ‚Zwei Wochen waren alle Bauarbeiten in Krasnaja Poljana illegal’, sagt Dimitrij, ‚auch die Olympia-Anlagen’. Dann kassierte ein Bezirksgericht das Urteil. Die Welt war wieder normal“ (Zekri 29.9.2008). – Das Biathlon-Zentrum, die Skipisten und die Hotelbauten gleichen einem ökologischen Albtraum. Selbst der russische Umweltminister sagte nach einer Besichtigung im Frühjahr 2009: „Unsere Baustellen sehen furchtbar aus“ (Zekri 19.3.2009).
Fünf Oligarchen und russische Konzerne wurden von Putin bzw. dem Kreml „eingeladen” und bauten dann die fünf Wintersportressorts. Der von Wladimir Putin geförderte vielfache Nickel-Milliardär Wladimir Potanin baute Rosa Khutor, der Mischkonzern von Milliardär (und Anteilseigner des österreichischen Strabag-Konzerns) Oleg Deripaska baute das Olympische Dorf, Gazprom baute das Skizentrum mit Langlauf und Biathlon. (Smejkal, Michael, Disneylands Härten, in sueddeutsche.de 13.2.2012).

Exkurs: Emfesz
Die „Erste Ungarische Erdgas- und Energiehandels- und Service-GmbH“ (Emfesz) war früher ein staatlicher Betrieb, dann seit 2003 ein Betrieb in ukrainischem Privateigentum: der zweitgrößte ungarische Gasimporteur gehörte Dmytro Firtasch. Am 28.4.2009 gab Emfesz bekannt, dass es kein Gas mehr von RosUkrEnergo mehr beziehen wird, weil kein Gas mehr ankomme (Roth S. 244). „Sämtliche Aktien der Emfesz wurden am 29.4.2009 – ohne Wissen und Zustimmung des eigentlichen Eigentümers – auf ein Unternehmen in der Schweiz übertragen. Kaufpreis: ein Dollar“ (Roth S. 243). Das neu gegründete Unternehmen hieß RosGas AG mit Sitz in der Schweiz. István Gaczi von Emfesz verkaufte in betrügerischer Absicht das Unternehmen an seinen eigenen Assistenten: Bis heute ist unklar, wer hinter der Rosgas AG steckte.
Emfesz schuldete seinem Eigentümer Firtasch 500 Millionen Dollar, wollte jedoch nicht zahlen, sondern es mit den 1,7 Milliarden Dollar verrechnen, die Firtasch dem Unternehmen schuldete. Firtasch klagte gegen die Fremdübernahme in der Schweiz und verlor. Im März 2010 entschied ein Gericht in Ungarn, dass der Verkauf der Emfesz an die RosGas AG illegal war (Roth S. 246). Im November 2011 entschied der ungarische Appellationshof, dass Emfesz an RosUkrEnergio 537 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen muss (Roth S. 247). 2014 meldete Wikipedia, dass Emfesz zur Group DF des ukrainischen Geschäftsmannes Dmytro Firtasch gehört, 4000 Personen beschäftigt, und im Erdgasgeschäft einen Umsatz von 770 Millionen US-Dollar macht. „Emfesz hat einen Vertrag mit dem Gashändler RosUkrEnergo, der zu 45 Prozent Firtasch gehört und Gaslieferungen aus Turkmenistan erhält. Seit 2005 wird ein Teil des Erdgases von Emfesz an Polen weiterverkauft“ (Wikipedia.org).

Exkurs: Nord Stream
Im April 2010 begann der Pipeline-Bau vom Gazprom-Pipeline-Projekt „Nord Stream“. Bei einem Erörterungstermin dazu wurde diskutiert, dass das EU-Vogelschutzgebiet Greifswalder Bodden und südlicher Strelasund durch Bau und Betrieb der Anladestation erheblich beeinträchtigt werden könnte. Am 31. März 2011 verkündete Nord Stream, dass eine Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee gegründet wurde und Nord Stream ein Stiftungskapital von zehn Millionen Euro einbringt. Zur Stiftung gehört der BUND Mecklenburg-Vorpommern und der WWF Deutschland (Roth S. 17f)
Für die Pipeline werden 140.000 Rohre benötigt, die von der Firma Europipe in Mühlheim produziert werden. Ein Teil des Auftrages wird über das Handelshaus Eurotube in Kaarst abgewickelt. Eurotube wurde 2005 gegründet, als auch der Bau von Nord Stream, beschlossen wurde. Drei Unternehmer aus Russland halten 46 Prozent: Igor Schabalow (war vorher Generaldirektor von Gaztaged, kontrolliert von Putin-Freund Boris Rotenberg) hält 16,65 Prozent, Boris und Arkadi Rotenberg halten je 16,675 Prozent (Roth S. 20ff), macht 50 Prozent.
Arkadi Rotenberg trainierte mit Putin in den neunziger Jahren in St. Petersburg Judo. Den Rotenberg-Brüdern gehört u. a. die Bank Severny Morskoy Put. „Gazprom verkaufte an Arkadi Rotenberg im Jahr 2008 fünf Firmen“ (Roth S. 21). Boris Rotenberg gehören zwei Firmen, die Pipelines und Ausrüstungsmaterial für Gazprom liefern (S. 22).

Juli 2009:
Mehr als ein Viertel des Gas-Gesamtbedarfs der EU stammen aus russischen Quellen. „Laut Berechungen  des deutschen Bundestags wird die Abhängigkeit der EU bis zum Jahr 2030 auf sechzig Prozent anwachsen“ (Roth S. 87; Zitat NZZ, 25.7.2009). Bulgarien, Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Slowakei sind zu 100 Prozent von Gazprom abhängig, Österreich zu 63 Prozent, Deutschland um die 40 Prozent (Roth S. 87).

2010:
Der Gazprom-Gewinn betrug 2010 über 23,8 Milliarden Euro (Roth S. 8).

Die Brüder Rotenberg verkauften 2010 an Gazprom über 1,5 Millionen Tonnen Pipeline-Röhren im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar und machten damit 266 Millionen US-Dollar Gewinn (Roth S. 22).

Februar 2010:
Roberto Scarpinato
, Oberstaatsanwalt aus Palermo: „Was Russland angeht, so ist bekannt, dass mafiöse kriminelle Vereinigungen, die aus dem KGB und dem sowjetischen Staatsapparat hervorgegangen sind, sich in den höchsten Positionen wirtschaftlicher und politischer Macht etabliert haben. Inzwischen wird allgemein anerkannt, dass der russische Kapitalismus mafiös ist – und zwar zu etwa 60 bis 70 Prozent“ (Roth S. 29).

April 2010:
Beginn des Pipeline-Baus von Nord Stream

Exkurs: Der Gazprom-Wolkenkratzer
Gazprom plante einen 77stöckigen, fast 400 Meter hohen Wolkenkratzer für zwei Milliarden Dollar direkt an der Newa im historischen Zentrum von St. Petersburg. Die Pläne vom britischen Architekturbüro RMJM wurden 2006 vorgestellt: Das Gazprom-Hochhaus sollte ein gedrehter Turm sein und eine Flamme symbolisieren: Er wurde im Volksmund „Maiskolben“ genannt.
In der denkmalgeschützten Altstadt von St. Petersburg galt aber seit der Zarenzeit für Bauten eine Maximalhöhe von 48 Metern: „Kein Gebäude durfte höher sein alsdie ebenmäßige Silhouette am Fluss Nerwa“ (Pörzgen S. 62).  Der Widerstand in der Bevölkerung wuchs. „Die Wahlkommission verbot erst ein Referendum und untersagte dann der Oppositionspartei ‚Jakoblo’, die sich gegen das Mammutprojekt engagiert, die Teilnahme an den Stadtratswahlen im März. Gazprom selbst weiß bislang (.) nicht so recht mit den Protesten umzugehen. So sehr Gazprom im Westen der Wind ins Gesicht weht: Öffentlichen Widerstand in Russland ist der Konzern nicht gewöhnt“ (Hartmann 19.2.2007).
„Dann gab Russlands heimlicher Präsident  Wladimir Putin sein Plazet, und jeder weitere Protest gegen den Prestigebau schien zwecklos. Doch die Mächtigen hatten die Bevölkerung unterschätzt. Die Meinung von Russlands Elite war weniger monolithisch als erwartet. Die Kultur-Elite verdammte die Gasflamme, stilisierte sie zum Emblem der russischen Energie-Hybris; der Direktor des Hermitage Museums protestierte gegen das Gebäude; der Kulturminister monierte, der Bau sei zu hoch, er verstoße gegen die städtischen Bauvorschriften. Dann drohte auch noch die Unesco, der Stadt St. Petersburg ihren Status als Weltkulturerbe abzuerkennen“ (spiegelonline 10. Dezember 2010. Putin war „heimlicher Präsident“, weil in der Zeit von 2008 bis 2012 Dmitri Medwedew offizieller Präsident war; WZ). Im Dezember 2010 wurde dann der Standort von Gazprom an den Stadtrand verlegt.

Oktober 2011:
Der russische Publizist Wladimir Iwandize musste wegen seiner kritischen Berichterstattung Russland verlassen. Er sagte: „Gazprom ist eine Mafia-ähnliche Organisation, weil Gangster das Geld von Gazprom für ihre Aktivitäten benutzen“ (Roth S. 7).

Der russische Oppositionspolitiker Grigori Jawlinski: „Warum wurde das System Putin erst möglich? Doch erst durch die massive Unterstützung der westlichen Welt, durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Weltbank und durch die westlichen Regierungen“ (Roth S. 27). – „Nach seinen Worten könnten 98 Prozent der russischen Nomenklatura sofort wegen Korruption angeklagt werden“ (Roth S. 27).

Nach den Erkenntnissen des Moskauer Journalisten Roman Shleynow werden die Pipelines von den Freunden Putins gebaut; angeblich werden an die für den Geschäftsabschluss Verantwortlichen 25 Prozent Provision fällig. „In Gazprom können sie alles tun. Es ist ein einziges Netzwerk von Günstlingen, die alle Bereiche von Gazprom beherrschen“ (Roth S. 119).

November 2011:
Die Sunday Times schrieb: „Putins Clan kontrolliert Unternehmen im Wert von 130 Milliarden Dollar” (Iwanowski, Szyszkowitz 16.3.2012).

Prof. Jonathan Stern, Oxford: Gazprom ist „für Wladimir Putin eine mächtige Melkkuh“ (Roth S. 30). – Jürgen Roth: „Gemolken werden in Wirklichkeit wir, die ahnungslosen Verbraucher in Europa, die in Zukunft immer höhere Energiepreise zahlen müssen“ (Ebenda).

Dezember 2011:
Der Freistaat Bayern vereinbarte mit Gazprom-Chef Alexej Miller den Bau neuer Gaskraftwerke in Bayern (Roth S. 57).

Gazprom machte 2011 einen Umsatz von 120 Mrd. Euro und 2012 einen Gewinn von 29 Mrd. Euro (wikipedia.org).

„Die Türkei hat zum Jahresende 2011 den Bau der Gaspipeline South Stream durch ihre Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer genehmigt. Im Gegenzug sicherte Russland der Türkei langfristige Gaslieferungen bis 2025 zu. (…) Nächstes Ziel, South Stream gegen Nabucco in Stellung zu bringen, war im Jahr 2009 Kroatien“ (Roth S. 106).
Bemerkung zu Nabucco: Für dieses Pipeline-Projekt machte sich der frühere Außenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) stark. Es hätte der EU eine gewisse Unabhängigkeit von Russland gebracht: Erdgas-Lieferanten wären aber die Diktaturen Turkmenistan, Kasachstan und Aserbaidschan gewesen.

Firtaschs Gasgeschäfte. Ein Bericht des BND trug im Dezember 2011 den Titel: „Gasmarkt wird zunehmend von Gazprom und dem ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch kontrolliert“ (Roth S. 120). Firtasch wurde in der Ukraine protegiert vom Energieminister Yuriy Bykov, vom Direktor des Geheimdienstes SBU Valeri Khoroshowskij und dem Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch (Roth S. 121). Viele Hinweise deuten darauf hin, „dass über Tochtergesellschaften von Gazprom und auf unerklärliche Weise eingeschaltete Zwischenfirmen hohe Politiker, leitende Kreml-Mitarbeiter, Geheimdienstmitarbeiter und persönliche Freunde der Sankt Petersburger Clique’ bedient’ werden. (…) Der größte Teil der Gewinne aus diesem Firmengestrüpp wird wiederum verwendet, um Firmenanteile, Immobilien und Hotels in Westeuropa und den USA zu kaufen. Diese Anteile werden dann den Familienmitgliedern der privilegierten Kreml-Kaste überschrieben“ (Roth S. 121).
Der spezielle Name dafür lautet „Silowiki“, (Vgl. zu Silowiki 1988).

– Der ewige Putin. Wladimir Putin war von 2000 bis 2008 russischer Präsident, dann bis 2012 Ministerpräsident und seit 2012 wieder Präsident. 2012 wurde die Amtszeit auf sechs Jahre verlängert. Putin liebäugelt durchaus mit einer vierten Amtszeit. Er wäre dann bis 2024 im Amt: eine Art Sepp Blatter der russischen Politik.

März 2012:

Der frühere Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau tritt in Schröders Nord-Stream-Fußstapfen. Bereits im März 2012 hatte Gazprom-Chef Alexej Miller angekündigt: „Wir sind überzeugt, dass die Erfahrung und Autorität von Henning Voscherau helfen wird, dieses strategisch wichtige Projekt erfolgreich und termingerecht zu realisieren“ (spiegelonline 20.3.2012). Im April  2012 wurde Voscherau dann zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats des South-Stream-Projekts gewählt.
Im Dezember 2012 wurde in Anwesenheit von Putin die erste Naht von South Stream geschweißt. Putin sagte zur Eröffnung: „South Stream schafft die Voraussetzung für eine zuverlässige Versorgung unserer Kunden in Europa“ (spiegelonline 8.12.2012). – „Nach seiner Rede umarmte der Präsident South-Stream-Aufsichtsratschef Henning Voscherau(Ebenda). Alexej Miller feierte den Sieg über Nabucco: „Wir haben Gas, wir haben Abnehmer, bei uns ist alles fertig“ (Ebenda). South Stream soll über vier Stränge mit 2380 Kilometer Länge maximal 63 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa befördern, ausreichend für 38 Millionen Haushalte (Ebenda).

Exkurs: Gazpromi Beckenbauer
„Tütensuppen, Sportartikel, Autos und Handyverträge – es gibt viele Produkte, für die Franz Beckenbauer bereits Werbung gemacht hat”, berichtete das WDR-Fernsehen am 5.11.2012, um sich dann dem neuesten Geschäftszweig zuzuwenden: “Nun kommt ein weiteres lukratives Engagement hinzu. Beckenbauer soll künftig im Auftrag der Russischen Gasgesellschaft RGS für sportliche Großereignisse in Russland werben, besonders für die Fußball-WM 2018“ (Schlömer 5.11.2012). Ab Juni 2012 begann Franz Beckenbauers Kooperation mit Gazprom bzw. der „Russian Gas Society” (RGS). „Die RGS ist die Vereinigung aller Gas fördernden Unternehmen in Russland. Wichtigstes Mitglied ist der Gas-Gigant Gazprom. Gazprom-Chef Alexej Miller soll Beckenbauer am Donnerstag offiziell ins neue Amt einführen“ (focus.de 30.5.2012).
Beckenbauer erhielt einen Fünfjahresvertrag als Botschafter, um zunächst Sotschi 2014, aber auch die Eishockey-WM 2016 und die Fußball-WM 2018 in Russland zu unterstützen (Zekri 1.6.2012). Die RGS hängt eng mit dem Gazprom-Konzern und dadurch mit Präsident Putin zusammen. Bild schrieb im Mai 2012: “Beckenbauer wird der neue Sport-Zar von Russland” (Nienhuysen 9.7.2012). Beckenbauer: „Ja, ich bin eine Art Botschafter dieser ‘Russian Gas Society’… Ich freu’ mich darauf, wenn ich für die Russen irgendwas tun kann…” (Wagner 8.6.2012).
Bei seiner ersten Pressekonferenz als Gazprom-Sportbotschafter sagte Beckenbauer: “Ich bin hier als Sportler. Es geht um ein Miteinander, nicht um Politik” (Thaler 2.7.2013). – „Dass bei dem einstigen Fußballkaiser purer Idealismus am Werk ist, scheint wenig wahrscheinlich. Auf die Frage, wie viel Beckenbauer mit seinem Werbedeal bei Gazprom verdiene, lächelt dieser nur verschmitzt und verweist auf seinen Manager Marcus Höfl. Auch der schüttelt den Kopf: ‘Die genaue Summe habe ich vergessen’, sagt er. Wichtig seien für ihn nur die Werte und das Miteinander im Sport, sagt Beckenbauer, und Gazprom-Vize Medwedew stimmt seinem deutschen Freund zu: ‚Ohne Ideale wäre solch ein Projekt nicht möglich gewesen’, sagt er. Ohne eine lukrative Geldsumme an Beckenbauer sicherlich auch nicht” (Ebenda).
Mehr als pikant: Beckenbauer saß bis Juni 2011 im Exekutivkomitee der Fifa, die die umstrittenen WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar entschied. “Den Gastgeber der WM 2018 gab die FIFA am 2. Dezember 2010 in Zürich bekannt” (Wikipedia).

Kritik an Beckenbauers Gazprom-Deal:
Marc Schlömer, WDR: „Doch die Verbindung sorgt für Diskussionen (…) Beckenbauer, so die Kritiker, lasse sich mit seinem Werbeengagement für die RGS letztlich nur vor den Karren eines zweifelhaften Regimes spannen” (Schlömer 5.11.2012).
Der Europa-Abgeordnete Werner Schulz (Bündnis 90/Die Grünen) urteilte über Beckenbauers Engagement für Gazprom: „Wer sich zum Botschafter von Gazprom machen lässt, manövriert sich ins politische Abseits und hilft nur dem Regime von Wladimir Putin” (Nienhuysen 9.7.2012).
Lars Spannagel: “Jetzt wirbt der 66-Jährige eben für sportliche Großereignisse in Russland, der Staatskonzern Gazprom wird ihm dafür in den kommenden Jahren ein kaiserliches Gehalt überweisen. Ein zweifelhafter Deal – der Beckenbauer trotzdem kaum schaden wird” (Spannagel 2.6.2010).
Susanne Amann u. a.: “Der Ehrenpräsident des FC Bayern München gehört zum Netzwerk der Russen-Versteher, er wirbt für Sport-Events in Russland und wird dafür von der Russian Gas Society bezahlt” (Amman u. a. 28.4.2014).
Oliver Fritsch: „Der Sport schweigt besonders laut“ (Fritsch 24.5.2013).

September 2012:
Zenit St. Petersburg
(Eigentümer: Gazprom) kaufte vom FC Porto einen brasilianischen Nationalstürmer für 50 Millionen Euro. Der Stadion-Neubau von Zenit St. Petersburg kostet eine Milliarde Dollar (Aumüller 5.9.2012; Wikipedia).

November 2012:
Gazprom hielt bis dato 50 Prozent am zweitgrößten deutschen Gashändler Wingas und 10,5 Prozent an VNG in Leipzig und hatte damit auch Zugang zu 30 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten (Roth S. 56). „Am 14. November vereinbaren BASF SE und Gazprom einen Tausch von wertgleichen Unternehmensteilen. Danach erhält die BASF-Tochter Wintershall 25 Prozent plus einen Anteil an den Blöcken IV und V der Achimov-Formation des Urengoi-Feldes. Im Gegenzug überträgt Wintershall das bislang gemeinsam betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft vollständig auf Gazprom“ (www.gazprom-germania.de; Hervorhebung WZ). Wieder ein Schritt weiter für Gazprom: hin zum Endverbraucher und Übernahme der Erdgasspeicher. Auch bemerkenswert: Anscheinend hat die BASF nie von den Enteignungen von BP und Shell durch die Kreml-Bürokratie gehört.

Dezember 2012:
Gazprom-Eigentümer
. Anteilsbesitz zum 31.12.2012 in Prozent laut www.gazprom.com:
Russische Föderation 50.002 (davon: Federal Agency for State Property Management 38.373; Rosneftegaz 10.740; Rosgazifikatsiya 0.889); The Bank of New York Mellon (Depositary bank of OAO Gazprom’s ADR Proghram) 26.955; Andere Aktionäre 23,043.
Interessant sind die bei der Bank of New York Mellon hinterlegten “Depositen“ von über einem Viertel der Einlagen: Hier wäre es höchst interessant, die Identität der Einlagengeber herauszufinden – deren Nationalität vermutlich in der Hauptsache russisch sein dürfte.

Gazprom-Tochtergesellschaften: u. a. Gazprom Germania, Gazprombank, Gazprom-Media, Nord Stream AG, South Stream, Gazprom Neft (früher Sibneft), Armrosgazprom, Gazpromavia, Gazprom Export, NIGAZ (mit Nigerias staatlichen Energieversorger NNPC) (Wikipedia). „Gazprom hat 61 hundertprozentige Tochtergesellschaften und hält bei 45 Firmen die Aktienmehrheit. Beteiligt ist Gazprom an 69 Unternehmen, darunter auch bekannten wie die Horizon Investment Company. Die Gazprom-Tochter Gazprom Germania GmbH (Berlin) hält 50 Prozent minus eine Aktie an der deutschen Wingas (mehrheitlich im Besitz der BASF)“ (Ebenda; ab Sommer 2014 hat Gazprom 100 Prozent, siehe oben).

Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier
Gazprom-Chronik (3) ab 9/2014: hier

Quellen:
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– Erinnerung an Glanz und Größe, in SZ 20.2.2013
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– Überall Bekannte, in SZ 15.1.2014
Balser, Markus
– Illegale Verträge, in SZ 6.12.2013
– Der Griff des Oligarchen, in SZ 18.3.2014
– Das Rohr zum Westen, in SZ 19.3.2014
– In der Hand von Moskau, in SZ 7.4.2014
– Sorgen in Sibirien, in SZ 2.5.2014
– Engpass im Rohr, in SZ 17.6.2014
– Gasputin, in SZ 25.6.2014a
– Feuer und Flamme, in SZ 25.6.2014b
– Warnung für Moskau, in SZ 14.8.2014
Balser, Markus, Fried, Nico, Fremde Partner, in SZ 3.8.2014
Balser, Markus, Fromm, Thomas, “Das wird alles überschatten”, in SZ 22.7.2014
Balser, Markus, Gammelin, Cerstin, Blick in die Röhre, in SZ 5.3.2014
Balser, Markus, Liebrich, Silvia, “Mit Energie darf keiner spielen”, in SZ 11.8.2014
Balser, Markus, Nienhuysen, Frank, Moskau soll 50 Milliarden Dollar  zahlen, in SZ 29
Banse, Dirk, Müller, Uwe, Gazprom-Manager im Visier der Justiz, in welt.de 7.5.2008
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– In der Hand von Moskau, in SZ 29.3.2014
– Pakt der Energieminister gegen Putin, in SZ 7.5.2014
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Bau der South-Stream-Pipeline beginnt, in spiegelonline 8.12.2012
Bayern fordert nationale Gasreserve, in spiegelonline 13.6.2014b
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– Ein Premier, ein Traumschloss, viele Gerüchte, in spiegelonline 13.1.2011
– Wie Washington die Kreml AG strafen will, in spiegelonline 18.7.2014
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BP macht Milliardendeal mit Rosneft, in spiegelonline 26.5.2014
BP-Tochter tritt Gasfeld an gazprom ab, in mopo.de 22.6-2007
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– Unabhängigkeit auf allen Seiten, in SZ 22.5.2014
–  Politisch nicht durchzusetzen, in SZ 16.5.2014
– Der Hahn bleibt noch offen, in SZ 11.6.2014
– Oettingers Einsatz, in SZ 17.6.2014
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Ukraine will Teil seiner Gas-Schulden begleichen, in spiegelonline 30.5.2014
Ukrainische Regierung stellt sich auf Gas-Stopp ein, in spiegelonline 13.6.2014a
Urban, Thomas, Erdgas aus der Sahara, in SZ 16.6.2014
Verseck, Keno, Premier Orbán buhlt um Putins Gunst, in spiegelonline 21.5.2014
Veser, Reinhard, Putins Datschen-Freunde, in faz.net 20.3.2014
Voswinkel, Johannes, Gigant von Putins Gnaden, in Greenpeace Magazin 2/2014
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Zekri, Sonja
–  Dunkle Wolken über den Ringen – Bürgermeisterwahl bereitet Olympiastadt Sotschi neue Probleme, in SZ 19.3.2009
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Zwei Karrieren, in Die Zeit 20.11.2014


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (269 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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