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Bach, Thomas

 
Zuletzt geändert am 15.03.2017 @ 10:59

Thomas Kistner über Thomas Bach nach dessen Wahl zum IOC-Präsidenten am 10.9.2013: „Er war stets ein Mann des Systems, das er nun verkörpert“ (Kistner 31.12.2013).

Thomas Bach (*1953) ist promovierter Jurist, FDP-Mitglied, Wirtschaftsanwalt, multifunktionaler Sportfunktionär, Präsident des DOSB, IOC-Mitglied seit 1991 und Vize-Präsident des IOC von 2000 bis 2004 und wieder ab 2006; Präsident des Revisions-Schiedsgerichts am Internationalen Sportgerichtshof (> CAS); Präsident der juristischen Kommission und der Kommission Sport und Recht; Mitglied der Marketing-Kommission des IOC und seit 10. September 2013 IOC-Präsident.
Bach ist Aufsichtsratsvorsitzender der Michael Weinig und der Weinig International AG: Bei ihr vertritt die „Kölner Hohenstaufen Vierundneunzigste Vermögensverwaltungs GmbH die Interessen der kuwaitischen Großaktionäre – nur noch fünf Prozent der AG befinden sich noch in Streubesitz (handelsblatt.com 21.8.2000). Bach war auch Mitglied im Verwaltungsrat der Siemens Schweiz AG und ist seit 2006 Präsident der Ghorfa, einer Vereinigung zur Förderung deutsch-arabischer Wirtschaftskontakte (Effern, Riedel, Ruhland 17.1.2012; siehe unten).
Er erhielt 2004 das Große Bundesverdienstkreuz und durfte am 30. Juni 2010 für die FDP den Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) mitwählen.

Bach und Horst Dassler
Nachdem 1981 IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch Bach persönlich in die IOC-Athletenkommission berufen hatte, machte ihn im Herbst 1985 Horst Dassler von Adidas in Herzogenaurach zum Direktor für internationale Promotion, wo er spezielle Projekte für Dassler bearbeitete. Bach verließ Adidas im Dezember 1987, neun Monate nach Dasslers Tod. Horst Dassler „war ein Urheber der systematischen Korruption im Weltsport“ (Kistner, Gertz 9.9.2013).

Bach und Samaranch
Bei Dassler war auch zunächst Sepp Blatter tätig: „Was Dasslers dunkle Seite anging, haben Blatter und Bach stets jedes Wissen bestritten, Auch m Operettenregime des früheren IOC-Chefs Samaranch hat Bach nie viel mitgekriegt. Bei ihm leistete er 1991 den Fahneneid und rückte fünf Jahre später in den Vorstand. Samaranch, ein Vertrauter des spanischen Diktators Francisco Franco, hatte das IOC in den Sumpf des Salt-Lake-City-Skandals geführt. Die Spiele waren durch Bestechung in den Mormonenstaat gekommen. Seiner IOC-internen Säuberungskommission gehörte auch Bach an, obwohl der Chef der Prüfkommission für Salt Lake City gewesen war und in der Rolle nichts mitgekriegt hatte von korrupten Bewerberpraktiken“ (Kistner, Gertz 9.9.2013).
Samaranch war Bachs väterlicher Freund, wie Thomas Kistner und Jens Weinreich in Der olympische Sumpf schreiben: „Hingegen ficht kaum ein zweites wichtiges IOC-Mitglied so für den greisen IOC-Paten wie Bach… Zweieinhalb Jahre später verteidigte er auf dem Olympischen Kongress in Paris sogar ein IOC-Diktum, demzufolge die Wortbeiträge Monate vorher in Lausanne vorzulegen waren“ (Kistner, Weinreich 2000, S. 253).
Bach unterstützte Samaranch tatkräftig bis zum Ende der Amtszeit im Jahr 2001. So sollte 1995 bei der IOC-Tagung in Budapest auf Antrag von Bach die Altersgrenze von 75 auf 80 Jahre erhöht werden, da der 1920 geborene Samaranch sonst für keine weitere Amtszeit hätte kandidieren können. Der erste Abstimmungsversuch dafür scheiterte. Als die ersten Delegierten abgereist waren, ließ Samaranch erneut abstimmen – und diesmal war der Vorstoß erfolgreich.
1999 wurde dann das Alterslimit auf öffentlichen Druck auf 70 Jahre gesenkt – erneut auf Vorschlag von Bach. Samaranch wäre 2001 über 80 Jahre alt gewesen und hätte sowieso nicht mehr antreten können.
Der Spiegel berichtete im Dezember 1998, dass Sachverständige die IOC-Mitglieder in drei Gruppen einteilten: Zur Gruppe eins gehörten anständige Menschen mit festem Glauben an das Gute des Sports; Gruppe zwei „beheimatet solche, die ohne Unterlass den obersten Fürsten Samaranch umschwirren; der deutsche Thomas Bach, 44, gilt hier als richtungweisend“. In der dritten Gruppe, der größten, sind Sitte und Anstand „eine Frage von Angebot und Nachfrage“. (Brinkbäumer, Geyer, Wulzinger 21.12.1998)

Bach und die Karriere
Bach war unter anderem Mannschaftsolympiasieger im Florett bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal. Er sollte im Folgenden ein bedingungsloser Vertreter der offiziellen IOC-Politik werden.

Seine Lieblingsthese lautet, dass die fünf Ringe weltweit bekannter seien als das christliche Kreuz. Sein deutscher IOC-Kollege Walther Tröger beschrieb ihn einmal so: „Ein typischer Fechter, der fintiert und zusticht, wenn niemand damit rechnet“ (Thomas Kistner, Der Strippenzieher).

Bach berichtet auch oft von den zwei Lebenslügen des Sports: „Erstens, Sport habe nichts mit Wirtschaft und Geld zu tun. Und zweitens: Sport habe nichts mit Politik zu tun.“ Der Berliner Philosoph Gunter Gebauer konterte daraufhin: „Das Schlimmste ist, wenn man Lebenslügen abschafft und sich nicht mehr daran erinnern kann, warum man mit einer Lebenslüge angefangen hat“ (zitiert nach Weinreich 2.8.2008).

Die Reklame-Orgie bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta wurde von den europäischen Nationalen Olympischen Komitees (NOKs) als „billig und unwürdig“ bezeichnet. Bach dagegen kommentierte: „Die kontrollierte Kommerzialisierung des IOC ist auf einem guten Weg.“ Firmen, die ohne Sponsorenverträge mit dem IOC mit Olympischen Spielen warben, nannte er „Parasiten, die versuchen, die Olympischen Spiele auszusaugen, ohne wirklich etwas dafür zu geben“ (Weinreich 22.4.1997).

Vor dem Verein Frankfurter Sportpresse äußerte er: „Wer schon bei der Bewerbung rechnet, was das alles kosten könnte, sollte gar nicht erst kandidieren“ (Kistner, Weinreich 2000, S. 256). Wer nachrechnet, könnte nämlich auf den Gedanken kommen, dass das Ganze unbezahlbar sein wird bzw. er es sich gar nicht leisten kann, die olympischen Heuschrecken einzuladen.

Im IOC pflegte Bach merkwürdige Beziehungen. Er war 2001 bei der Wahl des IOC-Präsidenten einer von drei Bürgen für den südkoreanischen Geheimdienstmann der Militärjunta und IOC-Vizepräsident > Kim Un Yong, der gegen Jacques Rogge kandidierte und 2004 in Südkorea wegen Bestechlichkeit verurteilt wurde. Auch das indonesische IOC-Mitglied > Mohamad Bob Hasan, der Hauptverantwortliche für die Vernichtung des dortigen Tropenwaldes, pflegte mit Bach engeren Umgang: Bei der IOC-Session im Juni 1999 in Seoul „schlenderte er Arm in Arm mit Sportfreund Thomas Bach durch das Shilla-Hotel“ (Kistner, Weinreich 2000, S. 216).

Im deutschen Nationalen Olympischen Komitee (NOK) hatte Bach zunächst wenig Einfluss. Also bemühte er sich, dort über den Deutschen Sportbund (DSB) Einfluss zu gewinnen. Der damalige Präsident des NOK, Walther Tröger verbat sich bei der Generalversammlung des NOKs im Oktober 1996 in Chemnitz „die unfreundliche Übernahme“ durch den DSB. Tröger trat 2002 zurück, und im Mai 2006 hatte Bach sein Ziel erreicht: DSB und NOK wurden zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vereinigt – mit Thomas Bach als Präsidenten.

Bach und Doping
Wie Samaranch hatte Bach stets Bedenken gegen eine harte Linie im Kampf gegen Doping. Bei der Weltkonferenz gegen Doping Anfang Februar 1999 in Lausanne erklärte Bach, es sei eine „juristische Realität“, dass eine zweijährige Mindeststrafe für Doping-Erstsünder nicht durchsetzbar sei. Dagegen urteilte der renommierte Sportrechtler Björn Ziegler: „Für Bachs Ansicht fehlen die Beweise… Warum muss eigentlich für die ganze Welt gelten, was der deutsche Jurist Bach rechtlich empfindet und empfiehlt?“ (Kistner, Weinreich 2000, S. 257).

Bei dieser Weltkonferenz hatten DSB und NOK die Zweijahresfrist bei Doping gemeinsam befürwortet. Das deutsche IOC-Exekutivmitglied Bach äußerte dagegen verfassungsrechtliche Bedenken: „Hier sind sich doch alle einig, dass Sportler auch Menschenrechte haben. Eine strikte Strafregelung entspricht nicht den rechtlichen Gegebenheiten“ (Kreuzer 4.2.1999) Die automatische Zwei-Jahres-Sperre wurde schließlich durch das IOC, durch > Sepp Blatter von der > FIFA und Hein Verbruggen vom Welt-Radsportverband UCI erfolgreich verhindert.

Zu dieser Konferenz waren auch Politiker eingeladen, die eine harte Linie gegen Doping befürworteten. Sie mussten nach drei Tagen abreisen und fehlten dann am vierten Tag, als die endgültige Resolution zur Abstimmung stand. Bach kommentierte: „Sie waren ja für drei Tage eingeladen“ (Ebenda).

Als der frühere Bundesinnenminister Otto Schily sich ebenfalls für schärfere Maßnahmen beim Thema Doping aussprach, sandte Bach am 17. Februar 1999 über seine Kanzlei ein „streng vertrauliches“ Fax an Zeitungsredaktionen mit der Stellungnahme des Karlsruher Verfassungsrichters Udo Steiner, der angeblich die von Schily verfochtene Zweijahresfrist für juristisch nicht korrekt erachtete. Am 18. Februar 1999 war die Meldung in ganz Deutschland zu lesen. An diesem Vormittag rief Bach bei Steiner an und erklärte, dass es da wohl ein Missverständnis in der Presse gegeben habe. Steiners Text stammte nämlich bereits aus dem Jahr 1991 und war laut Steiner im Jahr 1999 überholt (Vgl. Kistner, Weinreich, S. 257f).

Bis heute konnte das IOC die automatische Zwei-Jahres-Sperre bei Dopingüberführung verhindern. In den IOC Anti-Doping Rules für Peking 2008 steht auf S. 15 lediglich, dass die Disziplinarische Kommission des IOC Executive Board einen Athleten zeitlich oder dauerhaft von den Spielen ausschließen kann. Dopingexperte Prof. Werner Franke äußerte zum am 10.9.2013 neu gewählten IOC-Präsidenten Bach: „Der hat noch nie effektiv etwas gegen Doping unternommen, da bin ich jahrelanger Zeitzeuge“ (Bohnensteffen, Marcel, Doping bei Olympia: Experten kritisieren IOC für lasche Kontrollen vor Sotschi, in huffingtonpost.de 10.1.2014).

Bach und Salt Lake City
Der > Salt Lake City-Skandal wurde 1998 publik. „Thomas Bach ist der Leidtragende der Filzokratie“, schrieben Thomas Kistner und Jens Weinreich in Der olympische Sumpf:

„Ungezählte Male hat er seine Verwunderung zum Ausdruck gebracht über Dinge, die in all den Jahren fehl gelaufen sind, und von denen er nie etwas mitbekommen hat… Zweimal wurde er zum Chef der IOC-Prüfungskommission für Kandidatenstädte ernannt: für die Winterspiele 2002, die an Salt Lake City gingen, und für die Sommerspiele 2004, die Athen gewann. Da hat Bach mit seinen Kolonnen sämtliche Bewerber besucht, ist umjubelt, gefilmt, bedrängt und umgarnt worden – aber unsittliche Angebote an und von IOC-Mitgliedern, noch dazu solche, die wirklich angenommen wurden? Davon erfuhr er erst Jahre später, im Dezember 1998“ (Kistner, Weinreich 2000, S. 228).

Im Fall Salt Lake City wurde gegen 13 IOC-Mitglieder ermittelt. Es ergab sich, dass 632.000 Dollar an IOC-Mitglieder und Verwandte bezahlt wurden, dazu Flugtickets, Jobs, Arztbehandlungen. Der Spiegel schrieb dazu im Dezember 1998:

„Zwei Wochen lang versuchte IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch, 78, seine Firma verschwiegen zu halten. Dann war es soweit. Am vergangenen Wochenende lief dem Schweizer Marc Hodler, 80, in Lausanne der Mund über… Agenten würden durch die Welt fliegen und Stimmen von IOC-Mitgliedern anbieten – zwischen ‚500.000 und einer Million Dollar für einen Stimmblock’ würden die Makler verlangen.“

Da Bach als Verantwortlicher nichts bemerkt hatte, durfte er dann auch zur Aufklärung beitragen und wurde – als ehemaliger Chef der Prüfungskommission – Mitglied in dem von Samaranch einberufenen Untersuchungsausschuss. Er äußerte zu den Korruptionsvorwürfen, dass im „juristischen Sinne“ von Korruption keine Rede sein könne, da der Begriff Korruption immer einen Austausch („Geld gegen Stimme oder gegen Leistung“) sowie einen Vertrag voraussetze. Kistner und Weinreich fragten an dieser Stelle: „Wer, bitteschön … hat je einen olympischen Korruptionsvertrag vorgelegt?“

Bach und Sponsoren
„Im Sport gilt Bach als Mann der Wirtschaft, in Industrie und Politikerkreisen jedoch als Mann des Sports“ (Kistner, Weinreich 2000, S. 266). Bach hat stets bestritten, Geld für Mittlerdienste zwischen IOC und Sponsoren erhalten zu haben.

1996 schloss Lufthansa einen Vertrag mit dem IOC bis zum Jahr 2006 ab, laut Auskunft von Lufthansa stellte Bach den Kontakt her. Rückfragen erbrachten keine Auskunft, ob Bach dafür entlohnt wurde. Die IOC-eigene Revue des Presses berichtete im November 1996, dass Bach u. a. die Konzerne Philipp Holzmann AG, Lufthansa sowie drei weitere als Klienten hätte und er zuletzt ein Projekt von mehreren hundert Millionen Mark im Ausland akquirieren konnte (Kistner, Weinreich 2000, S. 233).

Der Spiegel berichtete 1999, dass Bach von der Philipp Holzmann AG seit 1995 rund 250.000 Mark pro Jahr (ca. 130.000 Euro) bekam – für „umfangreiche juristische Beratungen“. Ein beim Vorstand angesiedelter Ex-Abteilungsleiter konnte sich seit 1997 an keinen Schriftsatz oder andere Leistungen von Bach erinnern (Spiegel 52/1999; Weinreich 12.3.2004).

Bach ist auch Mitglied des ZDF-Fernsehrates: Und hier deutete sich ebenfalls eine Kollision der Interessen an. Im Dezember 2008 wollte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates Kurt Beck deshalb prüfen lassen, ob der vielseitige Sportfunktionär Bach möglicherweise in Interessenskollisionen mit dem ZDF-Fernsehrat Bach gerät, da Bach wiederum für das IOC die TV-Rechtslage sondiert (Kollision der Interessen, in SZ 19.12.2008).

Bach und Schelsky
Bach war auch für den Siemens-Konzern als hoch dotierter Berater tätig, siehe unten. Hier kommt der Duzfreund von Bach und langjährige Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger“ (AUB), Wilhelm Schelsky ins Spiel. Dieser bekam von Siemens von 1991 bis 2006 insgesamt rund 50 Millionen Euro zur Finanzierung der AUB, einer Art konzerneigener Gewerkschaft. „Die Zahlungen an Schelsky wurden als Berater- und Schulungshonorare verschleiert und von Siemens steuerlich als Betriebsausgaben geltend gemacht“ (Ritzer 26.10.2010).
Bach soll Schelsky über das Sportsponsoring von Siemens kennen gelernt haben. „Die engen geschäftlichen Bande zwischen Bach und Siemens hatte einst Schelsky geknüpft. Sogar den Entwurf des Bach/Siemens-Vertrages fanden die Nürnberger Ermittler bei Hausdurchsuchungen auf einem Computer Schelskys… Auch eine E-Mail vom September 2006, welche die Fahnder bei Schelsky fanden, wurde nicht hinterfragt. Bach wollte darin von Duzfreund Schelsky wissen, ob er ihm bei Siemens helfen könne…“ (Kistner, Ott, Ritzer 2008).
Bach ist Aufsichtsratsvorsitzender der Tauberbischofsheimer Weinig AG; auch Schelsky erhielt 2001 einen Sitz im Aufsichtsrat.
Schelsky wurde am 24.11.2008 wegen besonders schwerem Betrug, Beihilfe zu Untreue und Steuerhinterziehung vom Landgericht Nürnberg zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt; er saß etwa zwei Jahre in Untersuchungshaft und legte mit Teilerfolg Revision ein. Im September 2010 wurde Schelsky zu 3,2 Millionen Euro Schadenersatz an den Siemens-Konzern verurteilt (Fromm 2.9.2010). Im November 2014 stand Schelsky aufgrund eines erfolgreichen Revisionsantrages beim Bundesgerichtshofes 2010 erneut vor dem LG Nürnberg vor Gericht (Ritzer 3.11.2014).

Bach und die Bewerbung Leipzig 2012
Die Bewerbung von Leipzig für die Olympischen Sommerspiele 2012 war angeblich von Siemens unterstützt worden – wiederum über Schelsky. Dieser hat die Kosten für Banner, Fahnen und Logos über seine Siemens-Konten beglichen. Hieraus ergab sich der Verdacht des heimlichen Olympia-Sponsoring.

Das damalige NOK-Mitglied Bach habe von Schelskys Engagement bezüglich der Leipziger Bewerbung nichts gewusst, teilte Bachs Anwalt mit. Die Bewerbungsgesellschaft sei rechtlich unabhängig vom NOK gewesen und die Geschäftsführung der Bewerbergesellschaft habe „nicht in den Händen des NOK gelegen“.

Dabei saßen im Kuratorium der Leipziger Bewerbungsgesellschaft 2012 Bach und der Siemens-Vorstandsvorsitzende von Pierer. Bei dieser Bewerbungsgesellschaft hatte das NOK den Mehrheitsanteil von 50,1 Prozent; NOK-Chef Klaus Steinbach war Aufsichtsratschef. Zum Vergleich: Bei der Bewerbungsgesellschaft München 2018 hält der DOSB 51 Prozent; deren Präsident ist DOSB-Präsident Thomas Bach, Vorsitzender des Aufsichtsrates ist > Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB.

Der DOSB teilte damals mit, dass er keine Untersuchung wegen der Leistungen aus Siemens-Kassen anstrengen wolle.

Bach und Siemens
Der Beratervertrag mit dem Wirtschaftsanwalt Bach existierte seit dem Jahr 2000 und wurde 2004 und 2005 verlängert. Zunächst betrug die Jahressumme 250.000 DM, dann 400.000 DM, zum Schluss 400.000 Euro. Dazu kam ein Tagessatz von 5.000 Euro. Selbst der Siemens-Aufsichtsrat missbilligte diesen Vertrag, der erst Anfang April 2008 bekannt wurde. Ende April 2008 nahm Bach deswegen mit der Siemens-Abteilung Compliance Kontakt auf. Der Vertrag wurde dann im Juni 2008 im gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst, „wobei Siemens versicherte, es habe alles seine Ordnung gehabt (Kistner, Ott, Ritzer, 8.8.2008).

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Siemens ist ein globaler Technikzulieferer für sportliche Großereignisse. Der Konzern liefert auch die Technik für Olympische Sommer- und Winterspiele und erhält Aufträge für Verkehrswege, Stadien, Hotels, Energieversorgung und technische Infrastruktur im weiteren Sinn.

China hat sich die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking rund 40 Milliarden Dollar kosten lassen; die meisten Ausgaben gingen in die Infrastruktur. Peking hat nun den größten und modernsten Flughafen der Welt, 34 neue Buslinien und drei neue U-Bahnen.

Siemens stattete für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking Stadien und Hotels aus und lieferte technische Anlagen für U-Bahnen und ein Gepäcktransportsystem für den Flughafen. Der Konzern gab den Gesamtumsatz für Peking 2008 mit 1,1 Milliarden Euro an.

Russland wird zwölf Milliarden Dollar in den Ausbau von Sotschi für die Winterspiele 2014 und die Verkehrsmittel investieren. Siemens gab Ende 2009 wiederum bekannt, für den Ausbau des Verkehrssystems in Sotschi die Züge zu liefern (Siemens liefert für Sotschi, in SZ 20.12.2009). Offizielle Mitarbeiter von Olympstroy schätzen die gesamten Kosten für den Eisenbahnausbau der Russischen Eisenbahn für Sotschi auf 8,5 Milliarden Dollar (Lee 15.6.2010).

Nachtrag März 2012: Siemens kassiert wie erwähnt auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 kräftig mit. Für das Regionalverkehrssystem, das Zuschauer und Sportler vom Schwarzen Meer zu den olympischen Wettkampfstätten bringt, liefert der Konzern neue S-Bahnen und Regionalzüge. Die fünfteiligen Züge der Marke Desiro RUS kosten bis zu elf Millionen Euro: der Siemens-Auftrag soll ein Gesamtvolumen von rund fünf Milliarden Euro haben (Koch, Klaus C., Rot und Spiele, in SZ 12.3.2012).
Es wäre doch verwunderlich, wenn DOSB-Präsident und – zumindest bis Juni 2008 enger und hochbezahlter – Siemens-Repräsentant Thomas Bach hier nicht mitvermittelt hätte: und vermutlich nicht einmal umsonst.

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Mitte 2008 gab Bach an, im Jahr 2005 bei Siemens an einem Gespräch zur Entwicklung des Marktes für Sportveranstaltungen mit allgemeinen Fragen teilgenommen zu haben. Als Siemens 2007 um ein weiteres Gespräch ersuchte, habe er abgelehnt. Er habe für den Siemens-Konzern „vertragsmäßig wichtige Beratungsleistungen zu wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen“ geleistet, sei aber nicht für das Unternehmen im Sinn von Vermittlung von Aufträgen tätig geworden: „Das gilt selbstverständlich auch für China.“

An dieser Stelle stellt sich die Frage, wofür der Industriekonzern Siemens die hohen Honorare ausgab. Oder wie es Thomas Kistner formulierte: „Und dabei griff der Konzern angeblich nicht mal auf die erstklassigen Beziehungen seines Beraters Thomas Bach zurück, der sich, wie er sagt, rigoros raushält aus derlei Geschäften“ (Kistner, Juni 2008). Für Thomas Kistner und Klaus Ott geht es hier

„um die Grundsatzfrage, ob Ehrenämter wie die beim IOC und DOSB vereinbar sind mit dem Engagement für einen Konzern, der an Aufträgen rund um den Sport verdient… Wie muss man sich das vorstellen, wenn Bach dort unterwegs ist und seine Jobs sauber auseinander halten will? Spricht er dann als IOC-Vize vor, geht zur Tür hinaus und kommt als Siemens-Mann wieder herein? Dieses Szenario sei ‚realitätsfern, lässt Bach seinen Anwalt antworten. Er trenne strikt zwischen Sport und Geschäft“ Kistner, Ott 26.4.2008).

Siemens wäre auch gern bei der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 in München als Sponsor dabei gewesen. Das Problem war der Konkurrent General Electric, der TOP-Sponsor des IOC ist. Immerhin wurde der Kommunikationschef von Siemens Deutschland, Toni Lösch, als Sprecher an die Bewerbungsgesellschaft „ausgeliehen“.

Bach und Arabien
Im Mai 2006 wurde Bach zum Präsidenten der Arab-German Chamber of Commerce and Industry e.V. gewählt, und zwar auf ausdrücklichen Wunsch von Siemens, wie er im April 2008 betonte. Bach will für den Siemens-Konzernchef Einladungen aus dem arabischen Raum organisiert sowie dort Kontakte zu hochrangigen Repräsentanten von Regierungen und Parlamenten vermittelt haben. Schließlich kenne er sich als Präsident der Arabisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer dort besonders gut aus.
Im Herbst 2008 ermittelte die Sonderkommission „Amigo“ im Vorfeld des Prozesses wegen AUB gegen Schelsky. Bach hatte stets betont, trotz seines Beratervertrages strikt zwischen geschäftlichen Tätigkeiten und „ehrenamtlichen Funktionen im Sport“ getrennt zu haben. Ein Bericht in spiegelonline gibt Aufschlüsse über diese strikte Trennung:
„Eine E-Mail vom 31. Januar 2005, die Bach an den Siemens-Vorstand Rudi Lamprecht schickte, liest sich dagegen anders. Damals bemühte sich Siemens darum, Kuwait als Großinvestor zu gewinnen, und Bach meldete, sein ‚Freund und Kollege, Energieminister Scheich Ahmed al-Sabah’, sei derzeit für eine vertrauliche Anfrage zum Stand der Verhandlungen schwer erreichbar. Am 9. März meldete der IOC-Funktionär dagegen an den Siemens-Vorstand, er habe ‚die Investitionsfrage noch einmal mit dem Energieminister vertraulich besprochen’. Da Bach kein Minister und der Scheich kein Rechtsanwalt ist, ergibt sich daraus, dass Bach den Scheich bei seiner Siemens-Tätigkeit nur in einer anderen Hinsicht als Kollege angesprochen haben kann: Sabah ist Mitglied des IOC. Bach dementierte dennoch jede Verquickung ‚zwischen dem IOC-Ehrenamt’ und seiner ‚beruflichen Tätigkeit’. Es gebe aber ‚vielfältige Lebenssachverhalte, in denen sich persönliche, durch Freundschaften oder auch Ehrenämter begründete Bekanntschaften und berufliche Kreise überschneiden’“ (spiegelonline 20.9.2008).
Das IOC-Mitglied Sheik Ahmad Al-Fahad Al-Sabah war laut www.olympic.org von 2003 bis 2006 Kuwaits Energieminister und ist ab 2006 dort Verteidigungsminister, dazu IOC-Mitglied und Vorsitzender der ANOC, der Vereinigung aller 205 Nationalen Olympischen Komitees.
Das Öl-Emirat Katar bewarb sich mit seiner Hauptstadt Doha (vergeblich) um die Olympischen Sommerspiele 2016. Bei einem IOC-Wettbewerb der weltweit besten Stadien belegte Doha die Plätze zwei und drei. Die Medaillen in Silber und Bronze überreichte Thomas Bach in Doha an Sheikh Saoud bin Abdulrahman Al Thani. Die Quatar Tribune meldete dann 2008, dass Sheikh Saoud bin Abdulrahman Al Thani Mitglied der IOC Sport and Environment Commission wurde.
Das DOSB-Präsidium sah sich 2008 genötigt, eine Erklärung abzugeben: „Dem DOSB waren und sind die beruflichen Tätigkeiten von Herrn Dr. Bach ebenso bekannt wie sein Amt als Präsident der Arabisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer“ (spiegelonline 4.10.2008).

Bachs Ghorfa-Connection
Bach war im Juli 2010 nach wie vor Präsident der Arab-German Chamber of Commerce and Industry e.V. Die Ghorfa ist ein Israel-kritische Unternehmen: Deutsche Unternehmen brauchen den Stempel der Ghorfa, welche damit versichert, dass die Produkte nicht unter israelischer Mitwirkung entstanden sind (Vgl. Kistner 26.7.2012; Weinreich 25.7.2012). Als die grüne Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon nach Bachs Verbindungen zur Ghorfa nachfragte, antwortete im Juni 2013 die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Anne-Ruth Herkes, dass die Ghorfa-Bedingungen in der EU als “Handelshemmnis” gelten: „Deutsche Handelsdokumente dürfen keine Boykott-Erklärungen in Form negativer Ursprungserklärungen enthalten“ (Hartmann 27.6.2013). Dies blieb bislang ohne Konsequenzen. “Noch immer nämlich profitiert der Bach-Verein von einer hoch umstrittenen israel-feindlichen Praxis, von der sogenannten Vorlegalisierung. Unternehmen, die in arabische Staaten exportieren, lassen sich bei der Ghorfa per Stempel bescheinigen, dass ihre Produkte keine Teile aus Israel enthalten. 2011 kassierte der Verein dafür 900 000 Euro, 43 Prozent seiner Einnahmen. Die Prüfung stammt aus den Siebzigerjahren; sie diente der Arabischen Liga als Waffe im Israel-Boykott. Inzwischen ist fraglich, ob die Stempelei überhaupt noch erforderlich ist. Viele Experten bezeichnen sie als „Abzocke“ ohne legale Basis” (Ebenda). – „Mit ihrer Unterstützung für Bach stehe die Kanzlerin, so meint jedenfalls von Cramon, ‚in der Verantwortung für die politisch und rechtlich skandalösen Geschäftspraktiken der Ghorfa'“ (Ebenda).
Grit Hartmann stellte im Juli 2013 fest, dass die Geschäfte der Ghorfa die “fundamentalen Prinzipien” des IOC  gegen Diskriminierung konterkarrieren würden. “Der Stempel bestätigt, dass die Lieferanten keine Unternehmenstöchter in Israel haben und kein Teilchen ihres Produkts aus Israel kommt. Die Prüfung stammt aus den 70er-Jahren; sie diente der Arabischen Liga als Waffe im Israel-Boykott” (Hartmann 25.7.2013).
Siehe auch Nachtrag 25.

Bach und die Olympischen Jugendspiele
Zu den genannten Kosten der olympischen Jugendspiele in Singapur 2010 von 400 Millionen Dollar sagte Bach: „Ich kenne die Zahlen nicht. Und das ist auch nicht mein Thema, denn das sind Investitionen in die Zukunft der Olympischen Spiele und der olympischen Jugend. Besser kann man kaum investieren“ (Simeoni 9.8.2010).
Bach kann natürlich beim besten Willen nicht auf die Idee kommen, dass man mit den riesigen Summen öffentlicher Gelder wahrlich besseres vollbringen kann, als bestens verdienende Hochleistungs-Sportler global auf das Motto „höher, schneller, weiter“ zu trimmen, wobei die Athleten fast zwangsläufig immer häufiger mit diversen Chemikalien in Verbindung kommen und im Alter geraume Probleme mit ihrem geschundenen Körper haben. Oder leer stehende High-Tech-Sportstätten zu produzieren, die nie wieder gebraucht werden. Oder temporäre Sportstätten wie in München 2018 geplant, wo deren Anteil schon bei 30 Prozent liegt.

Bach und Dow Chemical
Zur Frage nach dem neuem Sponsor des IOC, dem Chemiekonzern Dow Chemical (dem Produzent von Agent Orange und Napalm im Vietnam-Krieg) und zu der schlechten Versorgung der Opfer der Chemiekatastrophe in Bhopal (Dow Chemical hatte den Verursacher Union Carbide übernommen) sagte Bach: „Unsere Marketingabteilung hat den Auftrag, sich vor einem Abschluss zu versichern, dass die Top-Sponsoren den Wertestandards des IOC entsprechen“ (Simeoni 9.8.2010).
Wenn die IOC-Marketingabteilung die IOC-Sponsoren überprüft: Was kann da wohl herauskommen?

Und er führt fort: „Zu glauben, dass sich 40 Jahre nach Agent Orange der Konzern Dow Chemical durch die Olympischen Ringe von einem schlechten Image befreien möchte – das halte ich für abwegig.“ (Simeoni, Evi, Interview mit Thomas Bach in faz.net 9.8.2010)
Das kann man auch so verstehen, dass nicht einmal Dow Chemical heutzutage durch die fünf in reichlich Misskredit geratenen Ringe noch einen Imagegewinn einfahren kann.

Seit längerem wird vom IOC mit den Fernsehanstalten über die Fernsehlizenzen für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 und die Olympischen Sommerspiele in Rio 2016 verhandelt. Für die wichtigsten europäischen Länder Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien fallen die Rechte-Verhandlungen in den Zuständigkeitsbereich von Bach als IOC-Vizepräsident  (Gehrmann 23.2.2010). Der Wirtschaftsanwalt wird diese wohl nicht ohne Honorar führen.

Bach und München 2018
Nun steht die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 an, die im Juli 2011 entschieden wird. Sie sollte zunächst 30 Millionen Euro kosten, dann 47, später 37 und im Juli 2010 noch 33 Millionen. (Die Bewerbungsgesellschaft hatte zu diesem Zeitpunkt  nach eigenen Angaben 22 Millionen Euro eingenommen, davon kamen bislang fast 9 Millionen von Unternehmen der Öffentlichen Hand.)

Evi Simeoni von der FAZ fragte Bach bei den Olympischen Jugendspielen in Singapur im August 2010, ob die Münchner Bewerbung ein „unangenehmes Thema“ sei. Bach antwortete: „Im Gegenteil – sehr angenehm. Es gibt so viel Positives zu berichten… Im IOC sieht man das große Bild… Und den Beitrag, den München und Garmisch-Partenkirchen leisten können für die Weiterentwicklung der Winterspiele“ (Simeoni 9.8.2010).
Sofern man die beiden Orte nach den Spielen noch wieder erkennen kann.

Und auf die Frage nach den 2000 Unterschriften gegen die Bewerbung antwortete er: „2000 Unterschriften nach zwei oder drei Wochen, von denen man nicht einmal weiß, woher die kommen., Und auf der anderen Seite 70 Prozent Zustimmung durch eine unabhängige Meinungsumfrage“ (Simeoni 9.8.2010).
Die 2000 Stimmen sind anhand der Adresse exakt nachprüfbar, ganz im Gegensatz zu den 70 Prozent: Die „unabhängige Meinungsumfrage“ wurde durch ein vom Sport-Informationsdienst regelmäßig beauftragtes Institut ermittelt, dessen Befragte zu über 70 Prozent Sportbegeisterte sind!

Anlässlich der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen sagte Bach in Richtung der dortigen Grundeigentümer: „Mehrheitsentscheidungen müssen respektiert werden, das entspricht unserer demokratischen Kultur. Man darf aber nicht erlauben, dass Einzelinteressen die Mehrheitsentscheidungen torpedieren“ (München 2018: DOSB-Präsident Bach greift „NOlympia an“, in merkur-online 13.2.2011).

Der Bach des Jahres
DOSB-Präsident Thomas Bach nutzte den Auftritt bei der Ehrung der „Sportler des Jahres“ am 18.12.2010 im ZDF und sagte vor einem Millionenpublikum, an die Grundeigentümer in Garmisch-Partenkirchen gerichtet: „Hier muss die Mehrheit der Deutschen hinter diesen Spielen stehen. Unsere Chancen sind wirklich gut. Das lassen wir uns nicht von einzelnen kaputt machen“ (Hahn, Jörg, Verwirrende Signale, in faz.net 20.12.2010) Jörg Hahn bemerkte dazu: „Und das ZDF übertrug die forschen Worte in die Wohnzimmer“ (Ebenda).
Das ist Sport-Demokratie! Immer fiktive Mehrheiten vortäuschen, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Bach verrät seit geraumer Zeit bei seinen öffentlichen Auftritten, dass er seinem Ziehvater Juan Antonio Samaranch politisch näher steht als dem Grundgesetz.

Nach dem Brief von Rechtsanwalt Seitz an Jacques Rogge vom 23.12.2010 tat DOSB-Präsident Thomas Bach so, als bestünde nach wie vor kein Grund zur Beunruhigung. „Die IOC-Mitglieder wissen einzuschätzen, wie so etwas abläuft, und dass es für so ein Großprojekt nie 100 Prozent Zustimmung geben kann.“ Laut Bach wäre eine Enteignung der Grundstückseigner laut Gesetz möglich, aber „keine Option“. Gleichzeitig drohte er: „Natürlich haben wir Enteignungen erlebt bei anderen internationalen Bewerbungen, es wäre nichts ungewöhnliches“ (Hannemann, Hungermann, 26.12.2010).
Bachs Nichtverständnis der Situation in Garmisch-Partenkirchen ist gewollt und Teil seiner Strategie. Und dass für das IOC Enteignungen nichts Ungewöhnliches sind (Peking/China, Sotschi/Russland), lässt tief blicken!

Die Wahl des IOC-Präsidenten, bei der Bach als Nachfolger von Jacques Rogge im Rennen ist, erfolgt 2013. IOC-Präsident Rogge sagte im August 2010: „Natürlich erwartet jeder, dass er antreten wird“ (SZ 6.8.2010). Zwei deutsche Siege sind unwahrscheinlich. Bach hat nur eine Chance auf die IOC-Präsidentschaft, wenn München die Olympischen Spiele 2018 nicht erhält.
Claudio Catuogno schrieb in Zusammenhang mit den umstrittenen „Zielvereinbarungen“ in der SZ, dass der DOSB „keine vernehmbare Stimme hat, sondern den Präsidenten Thomas Bach, der am liebsten hinter
den Kulissen die Strippen zieht. Vorwiegend in eigener Sache. Transparenz hat im deutschen Sport keine Tradition“ (Catuogno 11.8.2012). Und René Hofmann schrieb dort, dass sich Bach zu München 2022 bedeckt halte: „Was er nicht sagt: Die Frage tangiert auch seine eigenen Ambitionen“. Hofmann zitiert sodann Martin Gerster, den sportpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion: „‚Wie Mehltau‘ liege das Thema ‚über allen wichtigen Debatten im DOSB“ (Hofmann 14.8.2012).

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Lenin
Bach, Fechter aus Tauberbischofsheim, ist seit 1991 IOC-Mitglied.
Wer wurde 2008 zweites deutsches IOC-Mitglied – bei 27,5 Mitgliedern im DOSB? Claudia Bokel, Fechterin aus Tauberbischofsheim.

Bach und das UV-Blutdoping
Im Olympiastützpunkt Erfurt wurde über lange Jahre UV-Blutdoping betrieben  Erst im Januar 2012 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft seit 2011 ermittelt. Die Wada hatte umgehend bekanntgegeben, dass Blutdoping seit mindestens 2005 verboten ist (vergleiche hier).
DOSB-Präsident Thomas Bach hatte von Anfang an die Linie vorgegeben, dass das UV-Doping erst ab 2011 verboten sei. Dies wurde im April 2012 zur offiziellen Linie der Wada. Bach jubelte denn auch nach dem Einknicken der Wada: “Diese Stellungnahme schafft Klarheit… Wir hoffen, dass die Verfahren zügig zum Abschluss gebracht werden…” (spiegelonline 27.4.2012).
Es wird mit Sicherheit im Hintergrund kräftig Druck auf die Wada vom DOSB und dem für Sport zuständigen Bundesministerium des Innern, von deutschen Sportfunktionären und sportaffinen Politikern ausgeübt worden sein. Schließlich will man die hoch subventionierten Sportler bei London 2012 starten und wenn möglich siegen sehen. Wieder ist eine Schranke gefallen.
Es muss sich bei der nachträglichen Legalisierung des UV-Blutdopings eindeutig um den Einfluss deutscher Sportlobbyisten und Sportpolitiker handeln, da derzeit weltweit kein ähnlich gelagerter Fall wie Erfurt bekannt ist. Die Wada hat sich damit keinen Dienst erwiesen und ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt. Gleichzeitig kann man über den weitreichenden Arm von DOSB und ähnlichen deutschen Institutionen nur staunen.

Bach und Weißrussland
Auch bei der im deutschen Bundestag gestoppten parteiübergreifenden Bewegung gegen die Eishockey-WM 2014 beim Diktator Alexander Lukaschenko in Weißrussland sieht es stark danach aus, dass Bach interveniert hat. „In der Opposition wurde wahrgenommen, die Koalitionsfraktionen und vor allem die FDP hätten im Sinne des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, gehandelt, der Mitglied der FDP und zudem Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) – mit angeblich weitergehenden Ambitionen – sei. Bach hatte im April vor einer Überforderung des Sports gewarnt. ‚Der Sport ist nicht in der Lage, für die Einhaltung und Umsetzung der Charta der Vereinten Nationen zu sorgen. Dies ist Aufgabe der Politik’“ (Bannas 10.5.2012).
Der Staat bezahlt den Spitzensport, der sich nicht um Demokratiefragen schert.
Vergleiche auch: Internationale Sportverbände und Diktaturen, Bach-Blüten

Bach hat einen Freund in der Ukraine
DOSB-Präsident Bach will das Finale der Fußball-EM 2012 am 1.7.2012 besuchen: „Ich habe eine Einladung von meinem Freund Sergej Bubka, der ich gern folgen möchte“ (handelsblatt.com 12.6.2012).
Anscheinend geht Bach als “Sportler” Julia Timoschenko nichts an. Und außerdem fährt er in die Ukraine, damit ihn IOC-Kollege Bubka im Herbst 2013 als IOC-Präsident wählt.
Die Ausgaben für die EM 2012 der Fußballbauten in der Ukraine stiegen auf irrwitzige 11 Milliarden Euro an und erforderten über zehn Prozent des Bruttosozialprodukts. Durch die Verfügung des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, Bauaufträge ohne Ausschreibung an handverlesene Firmen dieses Clans zu vergeben, seien Milliarden aus den Haushaltsmittel verschwendet worden, wie Haushaltsmitglieder kritisieren (Vgl. Ashelm 9.6.2012).
Und der Sport-Gigantismus in der Ukraine soll noch weiter gehen. Der frühere Stabhochspringer und Bach-Freund Sergej Bubka ist seit 2005 Präsident des Olympischen Komitees der Ukraine und IOC-Mitglied. Bubka lebt in der Oligarchen-Hochburg Donesz, aus der auch Janukowytsch stammt. „Von 2002 bis 2006 war Bubka Abgeordneter im ukrainischen Parlament für die Partei der Regionen von Wiktor Janukowytsch. Seit dem 23. Juni 2005 ist er als Nachfolger von Janukowytsch Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine. Seit 2002 ist er Vorsitzender der Athletenkommission des IOC. 2007 wurde er zum Vizepräsidenten der IAAF gewählt. Seit 2004 ist er der Präsident der Kiewer Rodovid Bank, deren Haupteigentümer er auch sein soll. Sein Vermögen wird auf 350 Mio. $ geschätzt” (Wikipedia).
Bubka will nach dem “Erfolg der Euro 2012″ auch Olympische Winterspiele in die Ukraine holen: “Die Ukraine ist beim olympischen Sport ein starkes Land… Vergangenes Jahr sagte unser Präsident Janukowitsch, dass die Zukunft in den Karpaten liege, weil wir einen Schub für den Wintersport brauchen. Wir brauchen die Infrastruktur. Wir sind stark im olympischen Sommersport, aber im Winter? In der Vergangenheit waren wir kein Wintersport-Land” (O’Connor 15.6.2012).
Wenn Bubka wirklich die olympischen Heuschrecken in die Ukraine holt, wäre der nächste zweistellige – und sinnlos investierte – Milliardenbetrag in dem armen Land fällig. Und die Oligarchen in dem totalitären Staat würden die nächsten Milliardenschiebungen machen.

Über Intransparenz und Zielvereinbarungen
Thomas Kistner sieht im Zusammenhang mit den Medaillenregelungen durch Zielvorgaben als zentrales Problem DOSB-Präsident Bach selbst: “Der deutsche Sport braucht eine offene Debatte. also genau das, was Thomas Bach nicht gebrauchen kann. Denn seine Uhr tickt. In zwölf Monaten will der DOSB-Boss den Thron des Internationalen Olympischen Komitees besteigen, was im IOC nur einer nicht bestätigt: er selbst (Kistner 26.9.2012). Für Kistner ist Bach “ein Vollzeitfunktionär mit enger Anbindung an die Golfregion. Genaueres über seinen Broterwerb leuchtet nur selten auf… Vielleicht ist es ja nur Zufall, dass das nationale Funktionärstum unter Bachs anfangs diskreter Regie an galoppierendem Qualitätsschwund leidet” (Ebenda).

Jens Weinreich stellte angesichts der Verhinderung von Anti-Doping-Maßnahmen auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 8. Dezember 2012 fest: „Auch das ist ein Problem des Sports: Privatinteressen von Figuren wie Bach, der in der Grauzone von Wirtschaft und Politik beheimatet ist, stets in Skandalnähe agiert und als Lobbyist ein fürstliches Auskommen genießt, sind seit je dominant“ (Weinreich 17.12.2012).

Die Wahl der Sportler des Jahres oder Die Wahl des DOSB-Präsidenten des Jahres 2012
Eigentlich wurden die Sportler des Jahres in Baden-Baden gewählt. Vielleicht hätte besser auch ein neuer DOSB-Präsident gewählt werden sollen. Kurzer Bericht von Boris Herrmann aus dem Kurhaus:
DOSB-Präsident Thomas Bach fasste das Jahr mit einer rhetorischen Frage zusammen: ‘Sportlerherz, was willst du mehr?’ Wenn man die Reaktionen der rund 800 Gäste im Saal zum Maßstab nimmt, dann könnte man schlussfolgern: Viele Sportlerherzen könnten sich zum Beispiel einen besseren Chef vorstellen. Als sich Bach zur Begrüßung erhob, bekam er nicht einmal Anstandsapplaus. Seltsam still war es auch, als er es hinsichtlich seiner Ambitionen, im kommenden Jahr IOC-Präsident zu werden, mit dem Spruch versuchte: ‘Schau’ mer mal’“(Herrmann 18.12.2012).

Bach und Lance Armstrong
Der frühere Radrennfahrer Lance Armstrong gestand im Januar 2013 bei Oprah Winfrey Minimales zu seinem Doping: Er benannte keine Hintermänner, beleuchtete nicht die Rolle des Weltradsportverbandes UCI und der IOC-Mitglieder Hein Verbruggen und Pat McQuaid. Bach stellte umgehend fest, dass es nach Armstrongs TV-Beichte „keine Ansätze für neue Maßnahmen gegen den Radsport generell gibt“ (Ahrens 18.1.2013).

Zur im Juli 2012 gerichtlich verfügten Veröffentlichung der „Zielvorgaben“ vergleiche unter: Deutscher Olympischer Geheimbund
Zur DOSB-Mitgliederversammlung am 8.12.2012 vergleiche: Die Reihen fast geschlossen
Zur Dopingproblematik: Der Dopingexperte des DOSB

Das “Bach-Dilemma”
Tritt DOSB-Präsident als IOC-Präsident an oder nicht? Darauf ist seit Jahren die gesamte deutsche Sportpolitik zugeschnitten – und deshalb werden (hoffentlich) die deutschen Sportverbände unwirsch. “Falls Bach, der offiziell noch mauert in der Frage, ob er um den IOC-Thron kandidiert, scheitert, wäre eine deutsche Beteiligung höchstwahrscheinlich. Andernfalls nicht – es sei denn, es bliebe beim globalen Desinteresse. dann könnte München womöglich ja dem IOC des neuen Präsidenten aus der Patsche helfen” (Burgener, Kistner 4.3.2013).
Der Bach-Vesper-DOSB funktioniert so: “Denn die Sportpolitik in diesem Land bestimmt, von der Ablehnung harter Anti-Doping-Gesetze bis zur Olympia-Bewerbung, allein der Deutsche Olympische Sportbund. Und im DOSB hat einer das Sagen: Präsident Thomas Bach. Stramm eskortiert von seinem General Michael Vesper, der Bach beerben könnte, so wird in hohen Verbandskreisen besorgt geraunt” (Kistner 6.3.2013).
Und warum wehren sich die hohen Verbandskreise nicht endlich? Weil das Bundesberliner Füllhorn insgesamt pro Jahr rund 250 Millionen Steuergelder für den Spitzensport aufbringt, die dann vom Bach-Vesper-DOSB relativ freihängig verteilt werden. Und wer hier in Ungnade fällt, hat finanziell nichts mehr zu lachen.

Bach bewirbt sich um das Amt des IOC-Präsidenten
Bach hat am 9.5.2013 seine Kandidatur für das Amt des IOC-Präsidenten bekanntgegeben.
Wer hätte das gedacht…
His Master’s Voice: Vesper huldigteBach kurz vor der Wahl im September 2013 mit den Worten, dieser Mann habe Olympia „in der DNA“ (Kistner, Gertz 9.9.2013).
„Die Botschaft des DOSB, verlesen von Generaldirektor Michael Vesper, lautete, Bachs Kandidatur sei eine Kandidatur im nationalen Interesse“ (Weinreich, Jens, Bach will an die IOC-Spitze, in berliner-zeitung.de 10.5.2013; Hervorhebung WZ).
Da fragt man sich doch sofort, ob man nicht umgehend seine Staatsbürgerschaft zurückgeben soll. Immerhin hat die Bundesregierung das „nationale Interesse“ (noch) nicht bestätigt.
„Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)  steht für eine Null-Toleranz-Politik im Anti-Doping-Kampf…“ (Bach bestätigt Kandidatur als IOC-Präsident, in Münchner Merkur 10.5.2013).
Leider ist das Gegenteil der Fall: Der Bach-Vesper-DOSB verteidigt bis heute vehement den Besitz an „geringen Mengen Dopingmittel“ der Athleten.

Anlässlich der Kandidatur von Bach schrieb Jens Weinreich: „Das Erbe Dasslers wirkt nach, jedenfalls in personeller Hinsicht. In Fifa-Präsident Joseph Blatter, einst bester Kumpel Dasslers – und eben in Dasslers ehemaligem Adlatus Thomas Bach. Bach will als Mitglied der sportpolitischen Abteilung von Adidas, wo er Mitte der achtziger Jahre unter Dassler als Direktor fungierte, nie etwas mitbekommen haben von den unsauberen Geschäften, vom flächendeckenden Geben und Nehmen. Und Bach hat auch seit Dasslers Tod im Jahr 1987 alle Klippen erfolgreich umschifft, etwa wenn seine fürstlich dotierten Geheimverträge mit Wirtschaftskonzernen (Holzmann, Siemens) publik und in Frage gestellt wurden. Bach prägte dazu den wunderbaren Begriff der „vielfältigen Lebenssachverhalte“ (Weinreich 10.5.2013).

Und eine kurze Zwischenbilanz zu Bach von Thomas Kistner: „Im Deutschen Olympischen Sportbund, dem er präsidiert, regt sich Unmut über sein auf Kontrolle und Gehorsam gegründetes Regiment. Dass es kein nationales Anti-Doping-Gesetz gibt, fällt ebenso auf Bach zurück wie die Versteckspiele um deutsche Medaillenziele, die erst ein Gerichtsbeschluss zutage förderte“ (Kistner 10.5.2013; Hervorhebung WZ).

Nachtrag Mai 2013 – ein Beitrag von Thomas Kistner:„Mit Bach verbindet mancher eher die Ära des Rogge-Vorgängers Juan Antonio Samaranch. Auch ist es der dort geübte Führungsstil, der heute im Flurfunk des seit 2006 von Bach regierten DOSB beraunt wird. Kritik an dem von Bach und seinem General, dem Grünen-Politiker Michael Vesper, kontrollierten Verbandswesen fand jüngst Eingang in einen Beitrag des NDR-Magazins Zapp : Vorgeführt wurde eine restriktive Medienarbeit. Stramme Kontrolle herrschte auch im IOC, bis 2001 Rogge kam und jene Kommunikationsagenturen ausmistete, die Samaranchs Getreuen zugearbeitet und schwarze Listen über kritische Journalisten erstellt hatten“ (Rückkehr der alten Lager, in SZ 18.5.2013).

 

Nachtrag Juni 2013: „Anything but Bach“
IOC-Präsidentschaftswahl: Jens Weinreich konstatierte Ende Juni 2013, dass der Widerstand gegen die Kandidatur von Thomas Bach wächst. „Dabei schien es vor wenigen Monaten, als sei die Sache vorentschieden. Als sei Thomas Bach quasi konkurrenzlos. Viele Mitglieder befürchteten, sie hätten in Buenos Aires nur noch abzunicken. Manchen hat das nicht gefallen. Spätestens im Herbst 2012 begannen einige Mitglieder im Hintergrund an Alternativen zu arbeiten. Und nun, im Wahlsommer, geht ein Raunen um in der Szene. IOC-Mitglieder, Verbandspräsidenten, einflussreiche NOK-Vertreter, Spindoktoren und Lobbyisten flüstern sich grinsend und beinahe konspirativ ein Kürzel zu: ‚ABB‘. Zitieren lassen mochte sich bisher niemand. ABB – das Akronym steht für: anything but Bach. Alles außer Bach“ (Weinreich, Jens, Das konspirative Kürzel, in berliner-zeitung.de 25.6.2013). Auch die übergroße Nähe zum kuwaitischen „Königsmacher“ Scheich Ahmed Al-Sabah kommt nicht gut an: „Der Präsidentschaftskandidat Oswald hat kürzlich angemerkt, was der Scheich treibe, entspreche nicht seinem Demokratieverständnis. Al-Sabahs Parteinahme für Bach würde gegen mindestens drei Regeln verstoßen, die von der IOC-Ethikkommission für diesen Wahlkampf aufgestellt wurden“ (Ebenda).
IOC-Präsident Jacques Rogge soll selbst zwei  der sechs Kandidaten zur Kandidatur ermuntert haben. Und  die alte Hausmacht von Bach aus den Zeiten des damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch schwand langsam dahin: „39 der aktuell 100 IOC-Mitglieder wurden in Rogges Präsidentschaft aufgenommen“ (Ebenda).

Nachtrag Juli 2013: Siemens in Brasilien: tango corrupti.
Bericht von Peter Burghardt und Klaus Ott in der SZ am 16.7.2013: “Der Konzern hat bei der brasilianischen Wettbewerbsbehörde Cade Selbstanzeige wegen Kartellabsprachen bei Bau und Wartung von U-Bahnen und Zügen in São Paulo und Brasília erstattet. Bei sechs öffentlichen Ausschreibungen sollen die Konzerne Bombardier aus Kanada, CAF aus Spanien, Mitsui aus Japan und eben Siemens ihre Angebote und Preise ausgemauschelt haben. Das betrifft Geschäfte von mehreren Hundert Millionen Euro. Insider berichten von offenbar ‘nachweisbaren Absprachen’ und ‘großen Summen’. Siemens sagt dazu nur, man sei über die Untersuchungen von Cade informiert und kooperiere ‘vollumfänglich mit den Behörden’. Das mea culpa aus München kommt reichlich spät. Die Causa reicht zurück bis ins Jahr 2008, in dem Siemens erste Hinweise auf Verstöße erhalten hatte. Später hatten sich brasilianische Lokalpolitiker sowie ein früherer Siemens-Mitarbeiter wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen an heimische Staatsanwälte gewandt. Die wiederum fragten auch bei Siemens an, was es damit auf sich habe. Lange Zeit kam dabei nichts heraus, weil der Konzern angeblich nicht fündig wurde. Später folgte die Selbstanzeige… Bereits im Juni 2008 hatte Siemens sehr konkrete Hinweise auf schmutzige Machenschaften in São Paulo bekommen. Bei der von Siemens für solche Fälle eingeschalteten Anwaltskanzlei Beckstein in Nürnberg ging ein Brief aus Brasilien ein, in dem ein dortiger Abgeordneter auf fünf eng beschriebenen Seiten ganz genau schilderte, wie Siemens mit anderen Konzernen bei großen Nahverkehrsprojekten alles abgesprochen haben soll. Und das angeblich garniert mit Schmiergeld für Regierungsmitglieder und Behördenvertreter… Es geht, unter anderem, um die neue Metro-Linie 5 in São Paulo. Um neue Züge, um Wartungsverträge und um einiges mehr. Alles sehr teuer, alles sehr profitabel für jene, die den Zuschlag erhalten. Alles sehr peinlich, sollte sich erweisen, dass die beteiligten Konzerne sich an Brasiliens Bürgern bereichert hätten. Ach ja, auch die in dem Schreiben von 2008 genannten Konzerne sind größtenteils identisch mit jenen, die heute Gegenstand der Kartelluntersuchung sind” (Burghardt, Peter, Ott, Klaus, Ausgerechnet Siemens, in SZ 16.7.2013).
Siemens musste wegen diverser Schmiergeldaffären 2007 über eine Milliarde Euro Strafe zahlen und wechselte nahezu alle Vorstandsmitglieder aus. Peter Löscher wurde der neuer Siemens-Vorstandsvorsitzender und damit neuer Saubermann. Wirklich?
Von 2008 bis 2010 herrschte Funkstille im großen Siemens-Konzern, auch nach neuen Hinweisen auf schmutzige Deals in Brasilien im Herbst 2010: “Aber auch dann ohne Ergebnis. Wollte Siemens vielleicht gar nicht wissen, was in Brasilien geschah, weil das aufstrebende Land in Südamerika den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 erhalten hatte? Solche Großereignisse gehen einher mit Großinvestitionen in Stadien, Verkehr, Telekommunikation und anderen Infrastruktur-Projekten, die Milliardenbeträge kosten. Und bei denen meist sehr viele Aufträge für Siemens anfallen, weil der von München aus global agierende Industriekonzern genau auf solche Vorhaben spezialisiert ist. Da liegt der Verdacht nahe, dass Siemens die Auftrags-Aquisation in Brasilien nicht mit peinlichen Untersuchen belasten wollte… Die jetzigen Kartell-Ermittlungen kommen für die meisten der davon betroffenen Konzerne zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Brasilien plant eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von São Paulo nach Rio de Janeiro. Um das neue Megaprojekt mit modernsten Schnellzügen bewerben sich gleich mehrere der Unternehmen, die den Staat beim öffentlichen Nahverkehr ausgenommen haben sollen.” (Ebenda: Hervorhebung WZ).
Zuerst der öffentliche brasilianische Nahverkehr plus dies und das, dann der Fernverkehr etc.: Die Siemens-Katze lässt das Mausen nicht. Arme Brasilianer!

Nachtrag August 2013: Zur Studie „Doping in Deutschland“
Klaus Kleber interviewt Thomas Bach im HeuteJournal, 5.8.2013.
Kleber: „Das kann doch nicht sein, dass Sie in all der Zeit vom Ausmaß dieser Betrügereien, wie wir das heute nennen würden, keine Kenntnis bekommen haben“
Bach: „“Schon als Athlet, ich war ja selbst Mitglied der Olympiamannschaft 1976, war für uns in Fechterkreisen das Thema Doping kein Thema…“
Kleber:Nie davon gehört?“
Bach:In unseren Kreisen war das wirklich kein Thema. Wir haben dann hinterher aus Zeitungen und aus vielen anderen Quellen dann natürlich immer Einzelstücke erfahren…“ (Hervorhebung WZ)
Wegen dieser Aussageb von Bach stellte Heidi Schüller diesen an den Pranger. Die frühere Leichtathletin (sprach den Athleteneid 1972 in München) zur Bachs Unkenntnis über Doping: „Bach ist für mich eindeutig der falsche Mann am falschen Platz. Zum Thema Doping muss er mehr gewusst haben, als er zugibt. Damals wurde überall darüber gesprochen… Als Funktionär muss er das ja so darstellen. Das hat damals in München jeder mitbekommen, der es wollte. Da wurde darüber geredet. Thomas Bach hat aber eine Funktionärskarriere eingeschlagen, da muss man angepasst sein und sich auf der  Schleimspur bewegen, wenn man nach oben kommen will“ (Schüller stellt Bach an den Pranger, in Münchner Merkur 7.8.2013).

Nachtrag 2, August 2013:  Bachs Anwalt schreibt wieder einen Brief
Achim Muth von der Mainpost stellte Bach Fragen zu “Doping in Deutschland”, zu Bachs Unkenntnis jeglicher Dopingvorgänge in seiner Zeit als aktiver Fechter und seiner Verbindung zum Tauberbischofsheimer Fechttrainer Emil Beck, der wiederum enge Verbindungen zu den Freiburgern Reindell und Keul sowie DDR-Trainern hatte. Thomas Bach ließ seinen Anwalt Christian Schertz antworten, der umgehend mit rechtlichen Schritten drohte. Muth: “Eine Presseanfrage wird mit einem anwaltlichen Verfahrenskürzel beantwortet, statt Antworten wird gemauert und gedroht. Nach einer langen Einleitung mit vielen Worten wie ‘Verdachtsberichterstattung’. ‘Mandant’, ‘Berichterstattungsanlass’ schreibt Scherz schließlich: ‘Zu Ihren Fragen kann festgestellt werden, dass sich hier jegliche Verbindung zu Ihrem Mandanten in einem etwaigen Bericht verbietet” (Muth, Achim, Das Schweigen des Thomas Bach, in mainpost.de 29.8.2013). Ähnliches schrieb Schertz auch der Journalistin Grit Hartmann (aufgrund des Artikels „Schwierige Mentalität“ in berliner-zeitung.de 13.8.2013), vergleiche hier bei Jens Weinreich. Der Presseanwalt der Mainpost, Johannes Weberling, schrieb: “Das offenbar hinter dem Vorgehen von Herrn Bach stehende Verständnis des Grundrechts der Pressefreiheit in einer freien Gesellschaft hat mich regelrecht erschreckt” (Muth 29.8.2013).
Kleiner Baustein aus der Sportdemokratur…

Nachtrag 3, September 2013: Bach im Spiegel: „Er sagt, dass er seine sportlichen Ehrenämter und sein berufliches Engagement strikt voneinander trenne. Dennoch geriet sein Name in die Nähe der Skandale um Siemens und die Sportmarketingfirma ISL. Sein Ruf wurde von kompliziert klingenden Institutionen wie der Compliance-Abteilung der Firma Siemens und dem Corporate-Governance-Beauftragten des DOSB gerettet. Liest man deren Erklärungen, hat man nicht das Gefühl, dass Thomas Bach unschuldig ist, sondern dass man ihm nichts nachweisen kann“ (Osang, Alexander, Der Strohmann, in Der Spiegel 36/2.9.2013).

Nachtrag 4, Buenos Aires: Neuer IOC-Präsident aus Deutschland?
Wolfgang Hettfleisch erwähnt zu Bachs Biographie den Tauberbischofsheimer Fecht-Papst Emil Beck, Adidas-Chef Horst Dassler, NOK-Präsident und IOC-Mitglied Willi Daume und Bachs Förderer Juan Antonio Samaranch, den früheren IOC-Präsidenten (Hettfleisch, Wolfgang, Die Geduld des Fechters, in berliner-zeitung.de 5.9.32013. Im Kritischen Olympischen Lexikon steht Entsprechendes zu Thomas Bach.) “Sollte Bach zum Präsidenten des IOC gewählt werden, wird sich dort nichts grundlegend ändern. Er ist ein Konformist durch und durch, der Kandidat des Systems, gegen das er nie aufbegehrt, dessen Prinzipien er nie infrage gestellt hat” (Ebenda).
IOC-Mitglied und Scheich Al-Sabah aus Kuwait hat in letzter Zeit etwas sehr offen für Bach geworben – unter Verweis auf ihre “gemeinsame Vision” (Osang, Alexander, Der Strohmann, in Der Spiegel 36/2.9.2013) und erwähnt nebulös eine zwölf Jahre alte Abmachung (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Letzte Hoffnung der Abgeschlagenen, in SZ 7.9.2013). Osang bezeichnet Bach als den “Strohmann” von Al-Sabah, der 2012 vom ehemaligen IOC-Mitglied Mario Vazques Rana der Korruption und des Stimmenkaufs bezichtigt wurde (Weinreich, Jens, Bach und der Strippenzieher-Scheich, in spiegelonline 3.9.2013).
Erste Proteste gab es bereits. Der Schweizer Kandidat auf das IOC-Präsidentenamt, Denis Oswald, sagte schon im Juni 2013: “Wenn es stimmt, ist das nicht unbedingt das, was ich unter Demokratie verstehe” (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Antwort mit der Charta, in SZ 2.9.2013). Kurz vor der Wahl des IOC-Präsidenten im September 2013 sagte Oswald: „Er benutzt seine Position, um füür die Gesellschaften, die er (als Anwalt) vertritt, Vorteile herauszuholen. Ich wünsche mir einen unabhängigen Präsidenten“ (Germann, Daniel, Ein unerlaubter Befreiungsschlag, in nzz.ch 10.9.2013).
Und Bachs Konkurrent Ser Miang Ng aus Singapur äußerte, die olympische Bewegung brauche “einen Präsidenten von höchster Integrität, der unabhängig ist, frei von jeglichem Einfluss von außen und frei von Vorwürfen” (Ebenda).
Das deutsche IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger sieht den deutschen Einfluss im IOC schwinden – unter der Ägide Bach (Teuffel, Friedhard, Wir sind IOC? in tagesspiegel.de 6.9.2013). Ein IOC-Präsident könne auch nicht Olympische Spiele – siehe München 2022 – ins eigene Land holen. Bach, konstatiert Jens Weinreich, “ist im IOC nicht beliebt. Man respektiert ihn, manche fürchten ihn, einige hat er mit seiner Sieger-Attitüde und seinen harschen Reaktionen nach der Niederlage des Olympiakandidaten München vor zwei Jahren verärgert” (Weinreich 3.9.2013).
Und was wäre Bachs Position im internationalen Anti-Doping-Kampf, zur Welt-Anti-Doping-Agentur Wada? “Bach ist vehement gegen ein Antidopinggesetz. Er sieht keinen Handlungsbedarf und stellt bei Bedarf auch Persilscheine aus. (…) Dopingskandale tut er als bedauerliche Ausnahmen ab” (Hettfleisch 5.9.2013). In diesem Zusammenhang dürfte auch die absurde DOSB-Diskussion in Zusammenhang mit der Studie “Doping in Deutschland” sicher aufmerksam im IOC verfolgt werden.

Nachtrag 5: Von Horst Dassler zu Sepp Blatter und Thomas Bach
Am Dienstag, 10.9.2013 wurde der 9. IOC-Präsident gewählt. Thomas Bach wurde es im zweiten Wahlgang – dank Scheich Al-Sabah aus Kuwait. Bei anderen Kandidaten hätte man sich ja mehr erwartet. Bei Bach weiß man, was einen erwartet – und was nicht. Beim Thema Doping zum Beispiel gar nichts.
Nun sind also zwei Haupt-Schüler von Horst Dassler an der obersten Spitze der wichtigsten Internationalen Verbände: Sepp Blatter, Fifa-Präsident seit 1998 und Bach, 2000 bis 2004 und 2006 bis 2013 IOC-Vize, nun Präsident. Nun ja.

Nachtrag 6: Viola von Cramon über Thomas Bach
(Viola von Cramon ist sportpolitische Sprecherin von Bündis 90/Die Grünen und Mitglied im Sportausschuss des Deutschen Bundestages)
… Thomas Bach wird als Teil des System von Antonio Samaranch, dem Vorgänger von Jacques Rogge als IOC-Präsident, wahrgenommen. Samaranch war bis zu seinem Tod ein bekennender Faschist. Ich frage mich, ob es gut ist, wenn einer, der als ‚Nachkomme‘ von Samaranch gilt, nun zum IOC-Präsidenten gewählt würde.
… Thomas Bach ist seit einigen Jahren der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Wenn Sie die Ohren offen halten, dann wissen Sie, dass kaum Reformen angefasst wurden, dass es Bach nicht darum geht, eine Debattenkultur zu entwickeln oder um möglichst viel Mitsprache und Kompetenz der Fachverbände. Bach geht es in allererster Linie um seine eigene Karriere. Warum sollte ihn der Reformeifer gerade jetzt im IOC packen? Denken wir nur an die derzeitige Debatte um Doping im deutschen Sport. Bach steckte als Mitglied der Olympiamannschaft von 1976 mitten drin im deutschen Sportgeschehen. Jetzt spielt er die personifizierte Ahnungslosigkeit. Es ist jedenfalls kein gutes Zeichen, wenn er kritische Anfragen durch einen Medienanwalt abwehren lässt. Ich glaube nicht, dass so jemand ein aufrichtiger Kandidat ist, der die Glaubwürdigkeit des Sports wiederherstellen kann.
… Thomas Bach ist dem Sportausschuss jahrelang ausgewichen. Ich habe ihn als Menschen erlebt, der keine Position bezieht, als Menschen, der immer gerne ausweicht. Er hat keine klare Vision. Er ist ein Mensch, der meist reagiert, statt zu agieren. Er ist gut vernetzt, weiß, wie er Parteien gegeneinander ausspielen kann. Er macht Politik in Hinterzimmern“ (Ahäuser, Jürgen, „Personifizierte Ahnungslosigkeit, in fr-online.de 9.9.2013).
„… es ist natürlich auch mit einer gewissen Hoffnung verbunden – Hoffnung darauf, dass es möglicherweise wirklich Reformen geben wird, dass man möglicherweise zurückkehren kann zu der olympischen Idee, weg von dem kommerziellen Hype, den wir in den letzten 20 Jahren beim Internationalen Olympischen Komitee gesehen haben. Aber letztendlich bin ich natürlich sehr skeptisch, wenn ich mir anschaue, in welcher Form Dr. Thomas Bach bisher in der internationalen Sportpolitik gewirkt hat, und vor allem, mit welcher Unterstützung er die Wahl gewonnen hat. Das heißt zum einen der Scheich, das heißt zum anderen der Vorsitzende von Sportaccord, der Marius Vizer, mit einem ganz engen Draht zu Putin, zu anderen Diktatoren, dann muss man sich natürlich schon Gedanken machen, welche Stimmen da gesammelt wurden, um an die Spitze dieses Sportverbandes zu kommen.
… auf jeden Fall hat Thomas Bach natürlich jahrelang, jahrzehntelang auf diesen Thron hingearbeitet. Das ist sicherlich unbestritten. Er hat dabei, würde ich mal sagen, den deutschen Sport eher vernachlässigt als befördert, denn Reformen in den letzten Jahren sind ja im DOSB überhaupt nicht angefasst worden. Er hat ja mit der Karriereplanung im Grunde den deutschen Sport gelähmt. Anders kann ich das jedenfalls nicht einschätzen“ (Barenberg, Jasper, Von Cramon: Thomas Bach hat den deutschen Sport vernachlässigt, in dradio.de 11.9.2013).

Nachtrag 7: Bach und Keul
Andreas Strepenick berichtete in der Badischen Zeitung (BZ), dass der Freiburger Mediziner Joseph Keul in einem Interview in der BZ am 29.8.1998 ein gutes Verhältnis zum IOC-Mitglied Bach pflegte. Dagegen DOSB-Sprecher Christian Klaue: “Herr Bach hat Herrn Keul weder ‘beraten’ noch ‘unterstützt’” (Strepenick, Andreas, Heikle Fragen: Thomas Bach und die Freiburger Sportmedizin, in badische-zeitung.de 9.9.2013). – “Keul gab seine Antwort auf die Frage im Interview 1998 freilich ganz bewusst. Mit Fax vom 27. August 1998 autorisierte er es. In der Rohfassung des Interviews war zunächst nur von einem “sehr guten Verhältnis” zu Bach die Rede gewesen. Keul bat die BZ in seinem Fax ausdrücklich darum, diesen Satz noch ergänzen und öffentlich erklären zu dürfen, Bach habe ihn wiederholt ‘bei Dopingproblemen beraten und unterstützt’. So hat die BZ es dann auch gedruckt” (Ebenda).

Nachtrag 8: Wahlkämpfer Bach
Barcelona sagte im Oktober 2013  seine Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022 ab – nicht ganz freiwillig. Die spanische Stadt bewirbt sich NICHT um Olympische Winterspiele 2022. Angeblich hätte die Niederlage von Madrid gegen Tokio bei der Wahl der Olympischen Sommerspiele 2020 die öffentliche Unterstützung ruiniert (Barcelona will not bid for 2022 Winter Olympics and Paralympics , it is claimed, in insidethegames 14.10.2013). Hoppla, Herr IOC-Präsident Bach! Das geht ja gut los: Xavier Trias, Bürgermeister von Barcelona, berichtete: „Bei einem Besuch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sei ihm von einer Bewerbung abgeraten worden. ‚Man hat mir gesagt, dass wir im Wintersport ein höheres Niveau erreichen müssten‘ (…) IOC-Präsident Thomas Bach hatte nach Medienberichten beim Treffen mit Trias darauf hingewiesen, dass der Wintersport weder in Katalonien noch im übrigen Spanien auf große Begeisterung stoße und dass das Land keine herausragenden Winter-Athleten vorzuweisen habe “ (Ein Konkurrent weniger für 2022, in SZ 18.10.2013). OB Ude frohlockte aufgrund von Wahlhelfer Bach: „Ein Verzicht der Spanier würde die Aussichten der Bewerbung München 2022 „weiter verbessern“ (Ebenda; vgl. auch Olympia 2022: Barcelona verzichtet, in zeit.de; Barcelona will auf Kandidatur verzichten, in merkur-online.de 17.10.2013).
Obacht, Herr OB: Wenn München 2022 nicht von der Bevölkerung am 10.11.2013 abgewählt wird, verliert München 2022 am 31.7.2015 gegen Oslo 2022. Und dann gibt es sicher viele Olympia-Trunkene (Wasmeier, Neureuther, Mittermaier…), die gleich München 2026 anpeile. So sieht man sich dann eventuell mit Barcelona 2026 wieder.

– Nachtrag 9: Bach belässt Hein Verbruggen im Amt
Der im IOC für die internationale Berichterstattung zuständige frühere Präsident der UCI, Hein Verbruggen, der in quasi jeden Skandal im internationalen Radsport involviert war, wird vom neuen IOC-Präsidenten bis nach Sotschi 2014 im Amt gehalten (Bach beruft Mitarbeiter, in SZ 17.10.2013).

Nachtrag 10: Bach zur Abwahl von München 2022 am 10.11.2013
„Ich bin eher enttäuscht und besorgt, dass es in unserem Land möglicherweise in weiten Teilen eine gewisse Mutlosigkeit gibt, wichtige Zukunftsprojete konsequent anzugehen. Dies ist beim Bau von Flughäfen, Straßen und Bahnhöfen teilweise zu beobachten. Durch den Fall München gehört jetzt auch die Durchführung von Olympischen Spielen dazu“ (dpa, München-Aus: Bach „enttäuscht und besorgt“, in merkur-online 15.11.2013).
Berliner Großflughafen, Stuttgart 21, Elbphilharmonie – aber NICHT München 2022…

Nachtrag 11: Sport-Paten stehen Schlange beim Papst. Am 22.11.2013 bekam neben anderen europäischen IOC-Mitgliedern der ewige Fifa-Präsident Blatter eine Audienz bei Papst Franziskus (Deutschland wollte WM in Qatar, in faz.net 22.11.2013). Mit zum Papst kam auch IOC-Präsident Bach. Am 23.11.2013 verlieh Bach dem Papst den Olympischen Orden in Gold: (Bach: Verändertes Olympia-Bewerbungsverfahren prüfen, in sueddeutsche.de 22.11.2013).
Die Frage, wie sich der Papst den Olympischen Orden „verdient“ hat, stellt sich: Ist der Pressetermin für  Bach/Blatter der einzige Grund? Das macht die Baustellen in Katar, Sotschi und Brasilien auch nicht humaner!

Nachtrag 10: DOSB-Ehrenpräsident Bach
Bach wird am Samstag zum Ehrenpräsidenten des DOSB ernannt. In der Begründung heißt es unter anderem, es sei ihm gelungen, den Dachverband zur Stimme des Sports in Deutschland zu machen. Jetzt muss sie nur noch vernommen werden von den Menschen in der größten Bürgerbewegung des Landes. Mit Taten, die dann auch den Worten über die Werte des Sports entsprechen. Damit er im großen Stil zurückgewinnt, was er peu à peu auf vielen Ebenen verliert, nicht nur im Kampf gegen Doping: Glaubwürdigkeit“ (Hecker, Anno, Reinsch, Michael, Kontroll- und Wertverlust, in faz.net 6.12.20123). – „Die DOSB-Mitgliederversammlung wählte Bach ohne Gegenstimme zum Ehrenpräsidenten der Dachorganisation des deutschen Sports. Während seiner Dankesrede kämpfte Bach mit den Tränen“ (Hörmann ist neuer DOSB-Präsident, in spiegelonline 7.12.2013).

Nachtrag 11: Bachs Erbe
Sportwissenschaftler Wolfgang Buss: über die Ära Bach: „Thomas Bach hat nicht besonders viel kritisches Potenzial gefördert. Ich glaube eher, dass der jetzige DOSB in Bezug auf die Pfründe, die er zu verteilen hat, sehr autoritär und sehr machtbewusst mit umgegangen ist. Diejenigen, die opportun mitgeschwommen sind, sind gefördert worden, die anderen ausgegrenzt worden. Er hat uns da kein besonders transparentes, demokratisches Potenzial hinterlassen“ (Kempe, Robert, Verpasste Chance, in deutschlandfunk.de 29.12.2013).

Nachtrag 12: Bachs Neujahrsbotschaft 2014
In einem Kommentar zu Bachs Neujahrsbotschaft stellte Reinhard Schüssler in „Der Westen“ fest, dass sich Bach, der sich ins höchste Sportamt laviert hat, mit keinem Mächtigen – und schon gar nicht mit Putin – anlegen möchte: „Um Terrorakte im Vorfeld der Spiele als ‚feige‘ zu verurteilen, ist nun wahrlich kein Mut nötig. Eher schon dafür, mit der Autorität des IOC-Vorsitzes nachdrücklich auf die Menschenrechtsverletzungen und das aktuell im Fokus stehende Anti-Homosexuellen-Gesetz im Land des Olympia-Gastgebers hinzuweisen. Doch Bach, der mit Lavieren die oberste Sprosse der Funktionärs-Karriereleiter erklommen hat, geht auch diesmal den Weg des geringsten Widerstandes und legt sich nicht mit noch Mächtigeren an. Mehr noch: Mit seinem platten Appell, die Olympischen Spiele sollten ‚keine Plattform für Politik‘ sein, ignoriert er geflissentlich die Realität. Hat es doch unpolitische Spiele noch nie gegeben. Niemand weiß dies besser als der IOC-Präsident“ (Schüssler, Reinhard, Bachs Botschaft: Sich mit keinem anlegen, in derwesten.de 1.1.2014).

Nachtrag 13: Ein Sportfunktionär feiert Geburtstag
IOC-Präsident Bach wurde Ende Dezember 60 und ließ sich am 10. Januar 2014 in Fecht-Eldorado Tauberbischofsheim feiern. Eine Kolonne dunkler Limousinen rollte heran – u. a. mit Gazpromi Franz Beckenbauer, Gazpromi Gerhard Schröder, FDP-Parteikollege Hans-Friedrich Genscher, dem für die Finanzierung des Sports wichtigen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und dem neuen/alten Bundessport-Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Außerdem waren neben vielen anderen die München 2018/2022-Botschafter Katarina Witt und Georg Hackl anwesend. Es wurden tatsächlich rote Teppiche ausgerollt, Schulkinder jubelten. Damit die Putin-Spiele Sotschi 2014 nicht thematisiert werden konnten, sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue: „Bitte nur Fragen zum Geburtstag jetzt“ (Hahn, Thomas, Gratulanten vom Golf, in SZ 11.1.2014).
de Maizière ließ vor/für Bach ein unverlangtes Bekenntnis für Olympische Spiele ab: „Natürlich sei er dafür, sagte der CDU-Politiker, dass Deutschland künftig Olympische Spiele ausrichte“ (Becker, Christoph, Bachs Party mit Problemzonen, in faz.net 11.1.2014). Allerdings war die vierfache Abwahl der Bewerbung München 2022 auch bis zu ihm durchgedrungen: „Wenn wir den Olympischen Geist nicht wiederbeleben, werden wir nicht die Zustimmung der Bevölkerung finden, dafür ihr Geld auszugeben“ (Ebenda). Der Bundessport-Innenminister scheint ein recht inniges Verhältnis zum obersten Weltsportler gefunden zu haben: Als Geschenk hatte de Maizière für Bach, den er duzt, übrigens eine Polizeikelle dabei“ (Ebenda).
Eingeladen hatte die Stadt Tauberbischofsheim, der Deutsche Olympische Sportbund und die Michael Weinig AG, dem weltgrößten Hersteller von holzverarbeitenden Maschinen, die in katarischem Besitz ist und deren Aufsichtsratschef Bach ist. Den Vorsitz der arabischen Handelskammer Ghorfa hat Bach niedergelegt; deren Generaldirektor war ebenfalls zum Geburtstag eingeladen, ebenso der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (Hahn, Thomas, Gratulanten vom Golf, in SZ 11.1.2014).

Nachtrag 14: Bach und Sotschi
„Nach Athen 2004, das enorm von der EU subventioniert wurde und zur griechischen Finanztragödie beitrug, und den Peking-Spielen 2008 mit ihren gewaltigen Bauruinen, zeigt Sotschi den Gipfel der Absurdität – und dass das IOC zur Korrektur nicht fähig ist. Druck muss von außen kommen, starke Signale gibt es ja schon. Die braucht es. Auch der neue IOC-Boss Thomas Bach ist ja keiner, der für Reformen steht. Der deutsche Industrieberater zählte stets zum engen Kreis um den Geld-Apostel Samaranch“ (Kistner, Thomas, Gipfel der Absurdität, in deutschlandfunk.de 12.1.2014).

Nachtrag 15: Bach: Keine Putin-Spiele etc.
IOC-Präsident Bach kritisierte die Politiker, die demonstrativ nicht nach Sotschi fahren – und damit unter anderem auch Bundespräsident Joachim Gauck. „Ich finde, wenn Politiker eine politische Botschaft haben, dann sollten sie auch den Mut haben, diese Botschaft im direkten Dialog mit den politisch Verantwortlichen vorzubringen und sie nicht auf dem Rücken der Athleten zu transportieren“ (IOC-Präsident Bach kritisiert Politiker, in faz.net 26.1.2014). – „Die Spiele sind für die Athleten da und den Sport. Die Athleten sollten von den Politikern unterstützt werden“ (Ebenda). – „Man darf nicht den Fehler machen, dass man die politische Meinung über ein Land auf die Spiele überträgt“ (Ebenda). Bach kritisierte auch den Begriff „Putin-Spiele“ als Schlagwort: „Es sind Olympische Spiele in Russland“ (Ebenda). – „Selbst die Empörung westlicher Länder über das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz wertete der IOC-Chef als positive Auswirkung der Spiele. In weltweit mehr als 70 Ländern sei Homosexualität verboten – im Gegensatz zu Russland. ‚Ich verteidige diese Gesetze nicht, dass da kein Zweifel aufkommt. Sie sehen aber gerade, welche Wirkung die Vergabe der Spiele hervorruft. Die Augen der Welt richten sich darauf. Zur gleichen Zeit finden in Nigeria drakonische Verschärfungen der Gesetzgebung gegen Homosexualität statt, die kaum wahrgenommen werden. Die aktuellen Diskussionen sind also eine positive Wirkung der Spiele’, sagte Bach“ (Thomas Bach kritisiert fernbleibende Politiker, in sueddeutsche.de).
Nach den Ausführungen des IOC-Präsidenten muss man in der Tat feststellen, dass die Olympischen Winterspiele so exzellent nach Sotschi passen wie das IOC in das Putin-Russland!

Aus einem Kommentar dazu von Jürgen Kaube in der FAZ: „… und freuen uns auf Spiele demnächst vielleicht in Nigeria, Guantanamo oder Tschetschenien. (…) Es folgt daraus auch zwingend eine olympische Besuchspflicht für Politiker. Alles  andere wäre ein Verstoß gegen die Rollenerwartung. Sich dem Gefilmtwerden (mit Herrn Putin, mit Rennrodlern, mit Herrn Bach, mit Herrn Vesper) durch Abwesenheit zu entziehen, wertet Bach entsprechend als Dialogverweigerung“ (Kaube, Jürgen, Schüttelpflicht, in faz.net 28.1.2014). Und Amnesty International resigniert: „Amnesty International teilte am Montag resigniert mit, das IOC habe auf vorgelegte Beweise für Menschenrechtsverletzungen ‚kaum effektive Maßnahmen ergriffen’“ (Kistner, Thomas, Originelle Erinnerungen, in SZ 28.1.2014).

Nachtrag 16: Der IOC-Präsident und Sotschi 2014
Thomas Bach im Interview zu Sotschi 2014: “Sotschi hat die Voraussetzungen für hervorragende Olympische Spiele: Die Bedingungen für die Athleten sind großartig. Die Sportstätten haben sich in den Testwettkämpfen bewährt und sind zum Teil noch verbessert worden. Die olympischen Dörfer sind hervorragend gelungen. (…) Es wird Sicherheitsmaßnahmen geben, und die olympische Atmosphäre wird sich entfalten. Das zeigt übrigens die Erfahrung. (…) In dem Augenblick aber, in dem das olympische Feuer brennt, in dem die ersten Wettbewerbe beginnen, wird deutlich, dass es zuvorderst um die Athleten und den Sport geht.“
Zur Frage der hohen Kosten: „Man darf hier nicht mit dem saturierten Blick Westeuropas herangehen, wo es teilweise nicht einmal mehr möglich ist, einen Bahnhof um- oder eine Flughafen-Startbahn neu zu bauen. (…) Und ich betone auch: Das operative Budget der Spiele in Sotschi ist mit 2,2 Milliarden US-Dollar im völlig normalen Rahmen, von einer Kostenexplosion kann keine Rede sein.
Zur Diskussion, wie die olympischen Spiele in Russland zum Positiven verändern können: „Wir sprechen über Umweltfragen in Sotschi, über die Rechte von Homosexuellen, über gesellschaftliche Umstände in Russland. Das wäre sonst nicht der Fall. Und das zeigt einmal mehr, wie die Wahl einer Stadt den Olympiagastgeber in den Fokus der Weltöffentlichkeit rückt. (…) Mit den Spielen hingegen wird es uns ermöglicht zu verdeutlichen, für welche Werte wir stehen“ (Alle Zitate: Hungermann, Jens, Meinhardt, Gunnar, “Von einer Kostenexplosion kann keine Rede sein”, in welt.de 2.2.2014; Hervorhebung WZ).
Stimmt: Das IOC steht für Gigantismus, zweistellige Milliarden-Verschwendungen, Nicht-Nachhaltigkeit, Protz und Prunk – gerade in Sotschi!

Nachtrag 17: Schönredner Bach
Die 126. Session des IOC vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi „findet unter dem Eindruck statt, dass das Image der Olympischen Spiele sowie vor allem das Image des IOC desaströs sind wie noch nie. Menschenrechtsbeauftragte prangern die Vergehen rund um die Veranstaltung in Sotschi an; Politiker bleiben fern oder mahnen zu Veränderungen; und in demokratischen Ländern wie Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Schweden haben die Menschen in vielen Umfragen keine Neigung mehr erkennen lassen, die Spiele des IOC zu veranstalten“ (Aumüller, Johannes, Agenda 2020, in SZ ). Und nun redete IOC-Präsident Bach, der Sotschi 2014 stets vehement verteidigte, über seine „Agenda 2020“, als wäre nichts gewesen. „Ausgerechnet der Wirtschaftsanwalt Bach, der wie kaum ein anderer das IOC-System verkörpert, in dem er seit fast zwei Jahrzehnten fast durchgehend eine zentrale Rolle spielte – er macht nun auf großen Reformer“ (Ebenda).
Deshalb wurde er ja am 10.9.2013 IOC-Präsident – weil er das marode IOC idealtypisch verkörpert.

Nachtrag 18: Bachs Bilanz: mehr als lau
Anscheinend versteckte sich Bach während Sotschi 2014 hinter unzähligen Terminen und seiner „Olympischen Familie“ und ward kaum gesehen. Zum Abschluss gewährte er gnädig eine Pressekonferenz und beantwortete genau neun Fragen. Man höre „viel Lob für diese Spiele“, wollte er gehört haben („Russland hat geliefert, in SZ 24.2.2014). Putin habe „eine sehr wichtige Rolle“ gespielt. Und zum Schluss: „Russland hat geliefert, was es versprochen hat“ (Ebenda).
Kommentar von Richard Herzinger zu Bach in der Welt: „Die Art und Weise, wie IOC-Präsident Thomas Bach die olympischen Winterspiele in Sotschi beendete, war – gelinde gesagt – peinlich. Gewiss, niemand erwartete bei der insgesamt schönen Schlussfeier, die ein Fest der Anerkennung für die Athleten sein sollte, politische Protestnoten und die Provokation diplomatischer Eklats. Doch etwas weniger trunken von seiner eigenen Kritiklosigkeit und nicht ganz so ranschmeißerisch hätte sich der oberste olympische Sportfunktionär bei diesem Anlass schon geben können. Sein ausdrücklich an die Person Wladimir Putins gerichteter emphatischer Dank für dessen „außerordentliche Bemühungen bei den Spielen“ erinnerte auf unangenehme Weise an den Sound unterwürfiger Lobhudeleien, wie man ihn aus diktatorischen Staaten gewohnt ist. (…) Das IOC muss dringend seine Ignoranz gegenüber den Menschenrechten hinterfragen, will es nicht endgültig zum Trittbrettfahrer zahlungskräftiger Despoten verkommen“ (Herzinger, Richard, Thomas Bachs peinliche Lobhudelei für Putin, in welt.de 24.2.2014).
Kommentar von Friedhard Teuffel zu Bach im Tagesspiegel: „Bei seinen ersten Spielen als IOC-Präsident hat Thomas Bach jedenfalls nichts getan, um sich von irgendwem oder irgendwas Offiziellem bei diesen Spielen zu distanzieren. Es waren von der Idee her Wladimir Putins Spiele. (…) Aber wann immer es politisch wurde bei diesen Spielen, türmte Bach die immergleichen Wortbausteine zu einem Gebäude auf, das weder Ecken noch Kanten hat. Bach versuchte die Spiele als Bollwerk gegen jegliche politische Instrumentalisierung darzustellen. Die Weigerung, Ausnahmen vom Protokoll zuzulassen, und sei es für einen Trauerflor für den verstorbenen Bruder einer Mannschaftskameradin, wirkten kleinlich. Vor allem hat Bach nicht erkennen lassen, dass er die berechtigten Vorwürfe bei der Ausbeutung von Olympiaarbeitern und der Natur so ernst nimmt, wie es angemessen wäre“ (Teuffel, Friedhard, Thomas Bach: Funktion vor Inhalt, in tagesspiegel.de 24.2.2014).

Nachtrag 19: Gleich und gleich gesellt sich gern
Bach hat Wladimir Putin am 17.3.2014, einem Tag nach der russischen Einverleibung der Krim-Halbinsel, zu einem Besuch der IOC-Zentrale und des Olympischen Museums in Lausanne eingeladen (SID, IOC-Präsident Bach lädt Putin nach Lausanne ein, in zeitonline 20.3.2014). Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte, dass Bachs „Kumpanei“ mit Putin offenbar keine Grenzen kenne: „Wohlfeil und verlogen offenbart sich hier Bachs stets hochgehaltene Behauptung von der angeblichen Politikferne des Sports“ (Bach lädt Putin ein, in SZ 22.3.2014). Das IOC habe das Ziel, durch Sport zu einer friedlichen und gerechten Welt beizutragen. „Sein Präsident übt stattdessen lieber den Schulterschluss mit Diktatoren“ (Ebenda).
Ob Putin wohl noch ein Visum für die Schweiz bekommt?

Nachtrag 20: Thomas Bach – Crisis? What crisis?
Irgendwelche internationalen Sporttreffen gibt es täglich. Ende März 2014 traf sich in Kuwait das ANOC, der Zusammenschluss aller nationalen Olympischen Komitees. IOC-Präsident Bach spielte die Risiken der Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022 herunter, das ist schließlich Teil seiner Jobbeschreibung. In Lviv, Ukraine droht die Kriegsgefahr mit Russland; fraglich, ob eine neue Regierung sich weiter bewirbt. Und in Oslo, Norwegen sind staatliche Defizit-Garantien etc. fraglich. Bach: „Wir sind immer noch im frühen Stadium des Bewerbungsprozesses… Es ist in diesem frühen Stadium nicht neu, dass wir noch nicht alle Garantien haben“ (Mackay, Duncan, „I’m not too worried“ claims Bach over troubled race for 2022 Winter Olympics, in insidethegames.biz 30.3.2014). In Krakau, Polen wird es am 25.5.2014 ein Referendum geben. Bach: „Bezüglich Krakau ist der Bürgermeister sehr optimistisch“ (Ebenda). Für Bach hat der „Erfolg“ (?) von Sotschi 2014 den Bewerberorten geholfen, die Vorteile Olympischer Winterspiele und Paralympics zu erkennen: „Ich bin sicher, dass sie den großen Erfolg von Sotschi 2014 gesehen haben, wo im Gegensatz zu davor jetzt über das positive Erbe der Olympischen und Paralympischen Spiele diskutiert wird“ (Ebenda).
50 Milliarden US-Dollar für Putins Einweg-Spiele! Aber Gesundbeten gehört auch zur Jobbeschreibung eines IOC-Präsidenten.
Laut Bach „ist die Kandidatur für die Spiele eine große Gelegenheit, eine Region und eine Gesellschaft zum Besseren umzuwandeln“ (Ebenda).
Genau. Die Gegend um Sotschi ist jetzt um so vieles schöner. Und Bachs Freund Putin marschierte bei der olympischen Gelegenheit mal eben in der Krim ein.

Nachtrag 21: Bach: IOC braucht sich nicht ändern
Am 15.5.2014 traf sich IOC-Präsident Bach mit Schweizer Medienvertretern. Thema war auch die Abwahl von Graubünden 2022, München 2022, Wien 2028 und der Rückzug von Stockholm. Kein Wort für die vielen Gründe gegen Olympische Winterspiele wie Gigantomanie, ständig wachsende Kosten, Verschuldung auf Jahrzehnte, leerstehende Olympiabauten, Umweltzerstörungen etc.
Kommentar Bach: “Viele Wintersportzentren in West- und Mitteleuropa sind saturiert. Sie sind auf Jahre ausgebucht und haben ihre Stammgäste” (Nach dem Scheitern von Graubünden 2022 wünscht sich das IOK eine neue Herangehensweise, in suedostschweiz.ch 16.5.2014).
Das IOC wie gehabt: beratungsresistent, kritiklos, überheblich, ignorant…
Bach weiter: “Solche Zentren würden es nicht unbedingt als notwendig erachten, in die weitere Zukunft zu investieren” (Ebenda).
Irrtum, Herr IOC-Präsident: Das ist keine Zukunft, in Olympische Winterspiele zu investieren – das ist die Verhinderung von Zukunft, das ist Verschuldung, Ruin, Landschaftszerstörung. Und die Bürger haben sich sehr bewusst dagegen entschieden.
Bach: “Von jenen Kreisen, die Winterspiele in neuen Regionen mit wenig Schneesport-Tradition wie beispielsweise Sotschi kritisieren, forderte Bach, selbst eine Kandidatur auf die Beine zu stellen” (Ebenda).
Man darf also die nur allzu berechtigte Kritik an Sotschi 2014 – und demnächst Almaty 2022 – nur äußern, wenn man sich selbst bewirbt: lächerlich. Das IOK wünscht gerade KEINE neue Herangehensweise. Es hat nichts verstanden, und es will nichts verstehen.
In der Zukunft müssen wir das anders gestalten. Wir müssen die Kandidaten auffordern, mehr nachzudenken, kreativer zu sein. Sie sollen dem IOK sagen, wie Olympische Spiele in ihr soziales, ökologisches und ökonomisches Umfeld passen” (Ebenda).
Aber Herr IOC-Präsident, haben Sie denn noch nichts von Ihrem eigenen Host City Contract gehört, dem Knebelvertrag, der alles genauestens im Sinn des IOC regelt? Kann ich mir nicht vorstellen. Bei Ihrer langen IOC-Zugehörigkeit…

Nachtrag 22: Bach betet gesund
Im Interview in der Welt am Sonntag verbreitete IOC-Präsident Thomas Bach nur Zuversicht (Meinhardt, Gunnar, Distanzieren Sie sich nun mehr von Putin, Herr Bach? in welt.de 31.8.2014).
– Bach zu den ersten 365 Tagen als IOC-Chef: „Extrem intensiv und sehr ermutigend. Die große Überraschung ist die breite Unterstützung und vorbehaltlose Bereitschaft zu Reformen.“
Wer’s glauben mag…
– Bach zum von ihm „praktizierten Schulterschluss mit Russlands Präsident Wladimir Putin bei den Winterspielen in Sotschi“: “Die Aufgabe des IOC und der Olympischen Spiele ist es, sicher zu stellen, dass während der Spiele und für alle Teilnehmer die olympische Charta Anwendung findet. Das war der Fall. (…) Die Olympischen Spiele waren ein herausragender Erfolg, den man auch durch die nachfolgenden Ereignisse nicht abwerten darf.
Bach zu einer IOC-Krise: „Für Krisenmanagement gibt es überhaupt keinen Anlass. Wir stehen auf einer sehr gesunden Basis. Unsere Partner bringen uns ein enormes Vertrauen entgegen: So haben wir zum Beispiel mit NBC den TV-Vertrag von 2021 bis 2032 für 7,75 Milliarden US-Dollar verlängert. Mit Topsponsoren haben wir ebenfalls weitere langfristige Verträge geschlossen. Insgesamt habe ich allein in diesem Jahr Verträge im Wert von circa zehn Milliarden US-Dollar unterschrieben.“
– Bach zum schwachen Bewerberfeld für olympische Winterspiele 2022: „Wir sind in der glücklichen Lage mit Almaty, Oslo und Peking drei starke Bewerber mit ganz unterschiedlichen Konzepten zu haben. Wenn jemand diese Konzepte nicht für das Optimum hält, möge er sich bewerben und zeigen, dass er es besser oder anders kann. Aber es ist eben bequemer, sich auf die Couch zu setzen und alles zu kritisieren, ohne selbst den Willen oder die Vorstellung aufzubringen und zu beweisen, dass die eigene Vorstellung die bessere ist.“
Es gibt keiner eigenen Vorstellungen – das IOC diktiert alle Bedingungen!
– Bach zu den wachsenden Milliardensummen für olympische Spiele: „Ich glaube, dass dies bei einigen auf Missverständnisse zurückzuführen ist. Manche denken immer noch, dass Olympische Spiele zig Milliarden kosten würden. Das aber stimmt so nicht, das ist ein Vorurteil. Das nutzen jedoch jene, die in grundsätzlicher Opposition zu Olympia stehen.“
– Bach zum Eindruck, beim IOC „geht es nur noch um den größtmöglichen Reibach“: „Das ist für Olympische Spiele nicht richtig. 90 Prozent der Einnahmen des IOC fließen zurück in die Finanzierung des Weltsports, und nur deshalb kann der Sport so universal wirken.“
– Bach zur Frage nach den finanziellen Gewinnen des IOC und der Steuerbefreiung im Austragungsland: „Wir investieren sofort in das Gastgeberland unter anderem mit unseren Milliardenzuschüssen für das Organisationskomitee. Darüber hinaus haben wir regelmäßig auf den dem IOC zustehenden Anteil am Gewinn der Spiele zu Gunsten des Sports im Gastgeberland verzichtet. Deshalb sind Steuerfragen eher ‚linke Tasche, rechte Tasche’, weil ja das, was erwirtschaftet wird, zum großen Teil ins Land zurückgeführt wird und im Übrigen der internationalen Solidarität im Sport dient.“
– Bach zur Bewerbung von Hamburg und Berlin um 2024: „Ich verfolge das mit großer Sympathie. Wenn sie Umfragen von Hamburg lesen, dass dort 73 Prozent der Bevölkerung Olympische Spiele haben möchten, ist das entgegen vieler dieser Auguren eben auch Ausdruck der Faszination Olympias. Hier gehen öffentliche Meinung und veröffentlichte Meinung einmal mehr auseinander.“
Die 73 Prozent Zustimmung werden gebetmühlenartig von Sportfunktionären heruntergebetet – sie stammen von nicht repräsentativen 500 Befragten.

Nachtrag 23: Ein Jahr IOC-Präsident: ziemlich schlechtes Fazit.
Zu einem Jahr IOC-Präsident Bach fällt vielen deutschen Sportjournalisten eher Negatives ein.
Thomas Kistner im Gespräch mit dem Deutschlandfunk: “Thomas Kistner hat den IOC-Präsidenten Thomas Bach im DLF für seine Äußerung, dass Sport und Politik nicht vermischt werden dürfe, scharf kritisiert. ‘Es gibt in unseren Zeiten nichts politischeres als den Sport’, sagte der IOC-Kenner. Außerdem hätten sich die Bilder von Bach mit Wladimir Putin in Zeiten der Ukraine-Aggression eingeprägt. Ein Mann, der solche Bilder produziere, aber gleichzeitig von einer Trennung von Sport und Politik rede, sei einfach nicht glaubwürdig, sagte Kistner” (“Für Bach hat alles Charme, was in seine Pläne passt”, in deutschlandfunk.de 6.10.2014).
Thomas Lelgemann in Der Westen: “Während das IOC im Geld schwimmt, finden sich immer weniger Bewerber um Olympische Spiele. (…) Für Bach gehören Politik und Sport nicht zusammen. Bei den Winterspielen in Sotschi hat er sich jedoch mehr als nötig vom russischen Präsidenten vereinnahmen lassen” (Die Bilanz von IOC-Präsident Bach hat einen großen Fehler, in derwesten.de 9.9.2014).
Michael Helms in Frankfurter Neue Presse: “Bach hat in seiner jetzt zwölf Monate währenden Regentschaft niemanden enttäuscht, denn mit seiner Wahl waren keinerlei Hoffnungen verknüpft. (…) Dafür hielt Bach weiterhin jeden Anflug von Politik von der ach so heilen Welt des Sports fern. Er warf sich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin während der Winterspiele in Sotschi rhetorisch an den Hals, als ob es keine Zwangsumsiedlungen und Gewalt gegen Homosexuelle in der Olympiastadt gegeben hätte. Schon allein aus diesem Grund sind zwölf Monate mit Bach an der IOC-Spitze kein Grund zum Feiern” (Helms, Michael, Kein Grund zum Feiern, in fnp.de 10.9.2014).
Axel Eger in Thüringer Allgemeine: “Doping, Korruption, Amtsmissbrauch – der Sport kennt viele Baustellen. Die Neuausrichtung des IOC ist überfällig. Die 50-Milliarden-Spiele von Sotschi krönten den bisherigen Gigantismus. Immerhin: Im Dezember will Bach seine Reformpläne dem Komitee vorstellen. Sein Versprechen, die Spiele den Athleten zurückzugeben, muss er noch einlösen. Doch die Zukunft Olympias wird nicht mehr allein im exklusiven Zirkel der Ringe entschieden. Erst jüngst haben die Deutschen möglichen Winterspielen in München per Bürgerentscheid eine Absage erteilt. Trotz eines Präsidenten Thomas Bach” (Eger, Axel, Pulsschlag: Das Versprechen des Präsidenten, in thueringer-allgemeine.de 10.9.2014).
Phillipp May in Deutschlandfunk: “Keine Frage, IOC-Präsident Thomas Bach hat Dampf gemacht in seinem ersten Jahr. Doch was sagt das über seine Qualitäten aus? Nicht sehr viel. Denn Reformen im IOC sind nach Jahren des Stillstands unter seinem zuletzt kranken Vorgänger Jacques Rogge schlicht unvermeidbar. Sonst findet sich – insbesondere für die Winterspiele – bald kein Ausrichter mehr. Doch dafür, dass sich die Ringe Organisation unter Bach zu einem transparenten Gegenentwurf zum skandalumtosten Weltfußballverband FIFA verwandelt, spricht derzeit wenig bis nichts. Nicht ein kritisches Wort von Bach zum Olympia-Gigantismus a la Sotschi. Nichts zu den Menschenrechtsverletzungen der russischen Behörden während der Spiele, stattdessen nur überschwängliches Lob für Putin. (…) Nach seinem ersten Jahr an der IOC-Spitze ist – allem Reformgerede zum Trotz – Skepsis angebracht” (May, Phillipp, Skepsis ist angebracht, in deutschlandfunk.de 10.9.2014).
Friedhard Teuffel im Berliner Tagesspiegel: “Die Übertragungsrechte in den USA für die Spiele von 2022 bis 2032 hat das Komitee für 7,75 Milliarden Dollar an den Sender NBC verkauft, 10 Milliarden Dollar kommen über weitere Fernseh- und Sponsorenverträge herein. Das IOC hat also unter Bachs Führung das getan, was es besonders gut kann: vermarkten und verdienen. Doch es gibt im Sport noch eine zweite Währung, Glaubwürdigkeit. Und wenn man sich die Bewerber für die Winterspiele 2022 anschaut, musste man zuletzt einen Kursverfall feststellen. Almaty, Peking und Oslo sind noch im Rennen, doch die Norweger könnten sich noch zurückziehen. Die Bewerbungen in Graubünden, München, Stockholm und Krakau waren an der Bevölkerung gescheitert” (Teuffel, Friedhard, Was hat Thomas Bach für Olympia erreicht? in tagesspiegel.de 10.9.2014).
Johannes Aumüller in der SZ: “Während sich die Welt wegen Russlands Verhalten gegenüber Gastarbeitern, Zwangsumgesiedelten und Homosexuellen aufregte; während die Justiz parallel zu den Spielen mit einem konstruierten Vorwurf den Olympia-Kritiker Jewgenij Witischko in Lagerhaft steckte; während Russland während der Paralympics auf der Krim zu zündeln begann und damit nicht nur gegen das Völkerrecht, sondern auch gegen die viel beschworene antike Tradition der olympischen Waffenruhe verstieß – da waren von Bach keinerlei kritische Worte zu hören. Stattdessen gab es Bilder, auf denen Bach gut gelaunt mit Putin an der Schwarzmeerküste spazieren ging oder mit einem Gläschen Sekt anstieß. (…)Die umstrittene Sotschi-Sause preist er noch heute als ‘herausragend’, und zum Thema Spiele und Finanzen fällt ihm der bemerkenswerte Satz ein: ‘Manche denken immer noch, dass Olympische Spiele zig Milliarden kosten würden. Das aber stimmt so nicht, das ist ein Vorurteil.’ Leider stimmt es so schon, nicht nur bei den Exzessen wie in Sotschi. Ein paar Milliarden Euro kostet die Infrastruktur für Spiele immer, das wäre auch bei den jetzt erwogenen Bewerbungen von Hamburg und Berlin so” (Aumüller, Johannes, Jahr der großen Worte, in SZ  10.9.2014).
Markus Völker in der taz: „Thomas Bach hat in seinem ersten Jahr als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mehrmals den Globus umrundet, 81 Staats- und Regierungschefs die Hand geschüttelt und zweimal den Papst besucht. Er hat Sportfunktionäre sonder Zahl beschwatzt, bei den Winterspielen von Sotschi den russischen Premier Wladimir Putin gut aussehen lassen und bei den Jugendspielen von Nanking den freundlichen Sportchef zum Anfassen gegeben. (…) Auch das IOC eignet sich neuerdings den Sprachgebrauch der westlichen Elite an, parliert von „Nachhaltigkeit“ und „Transparenz“. Druck kommt von nationalen Olympischen Komitees aus Deutschland, Schweden, der Schweiz und Österreich, die auch gern mal wieder im Schatten der fünf Ringe mittanzen würden, aber zuletzt ihr Publikum nicht bei Laune halten konnten, weil das IOC für den demokratiegeschulten Bürger eben auch für Privilegienreiterei, Kungelei und Intransparenz steht“ (Völker, Markus, Schmiere fürs Getriebe, in taz.de 11.9.2014).

Nachtrag 24: Das Demokratieverständnis des IOC-Präsidenten
Thomas Bach zur Demokratieform Bürgerbegehren: “Ist ein Bürgerbegehren tauglich, um Großprojekte zu legitimieren? Ich sehe manchmal eine gewisse Mutlosigkeit mit einer gewissen Selbstzufriedenheit in einigen Ländern, wo man Projekte nicht in Angriff nimmt, weil es allerlei Bedenken gibt” (Sulzer, Thomas, Bach: “Bürgerbegehren für Olympia nötig?” in bild.de 19.11.2014).
Thomas Kistner
in der SZ zu Bachs Bürgerbegehren-Verachtung
IOC-Chef Thomas Bach stellt die Bürgerbegehren zu Olympia-Bewerbungen infrage. „Ist ein Bürgerbegehren tauglich, um Großprojekte zu legitimieren? Ich sehe manchmal eine gewisse Mutlos’gkeit mit einer gewissen Selbstzufriedenheit in einigen Ländern, wo man Projekte nicht in Angriff nimmt, weil es allerlei Bedenken gibt‘, sagte er der Bild. Dass es aber just so mutlose Bedenkenträger sind, die in demokratischen Ländern immer öfter Großprojekte kippen, das arbeiten Bachs frühere Untergebene im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) stets gerne heraus. Bürgerbegehren – das Votum der Basis, die per Steuergelder Olympia finanzieren muss – passen nicht in die Welt von IOC und Spitzensportindustrie; zumal nach all den Spiele-Absagen in München, Oslo und der Schweiz. Pikant ist aber trotzdem, wenn sich der Chefolympier nun so deutlich positioniert. Es geht darum, was Bürger legitimieren dürfen, und Bachs Skepsis klingt deutlich heraus“ (Kistner, Thomas, Wenn Bürger begehren, in SZ 21.11.2014).

Nachtrag 25: Einmal Ghorfa, immer Ghorfa. Am 10.9.2013 wurde Bach zum IOC-Präsidenten gewählt. Am 16.9.2013 trat er vom Posten des Ghorfa-Präsidenten zurück. „Die Ghorfa steht im Verdacht, die antiisraelische Politik einiger arabischer Länder zu befördern. (…) Firmen, die Waren in arabische Staaten ausführen, werden von deren Botschaften aufgefordert, ihre Dokumente gegen Gebühr erst der Ghorfa vorzulegen, ehe diese nochmals von den Empfängerländern geprüft werden. (…) Geradezu fatal für das Image der Ghorfa ist der immer wieder geäußerte Verdacht, sie würde den Boykott israelischer Waren unterstützen“ (Becker, Sven, Wulzinger, Michael, Alte Freunde, gute Freunde, in Der Spiegel 52/20.12.2014). Bach ist immer noch Aufsichtsratsvorsitzender bei der Weinig International mbH. Sein kuwaitischer Aufsichtsratskollege Ali Al-Ghanim ist Vizepräsident der Ghorfa: Präsident ist der ehemalige Bundesverkehrsminister und derzeitige Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Deutschen Bundestag, Peter Ramsauer (CSU). Am 4.6.2014 beschloss das Präsidium der Ghorfa, dass ein Ehrenmitglied auch Ehrenpräsident werden kann. „Anschließend tagte die Generalversammlung, die das Konzept auch abnickte. Dort wurde Bach umgehend zum Ehrenmitglied ernannt – die Vorstufe vor seiner Beförderung zum Ehrenpräsidenten“ (Ebenda).

Nachtrag 26: Was verdient der IOC-Präsident wirklich? Die Fifa versucht ja gar nicht erst, Transparenz vorzugaukeln: Niemand weiß, was ihr Präsident Sepp Blatter im Jahr wirklich verdient: Das wird seit Jahrzehnten als Geheimnis behandelt. Nun kommt die Transparenz-Offensive des IOC: Sein Präsident Thomas Bach soll eine Aufwandsentschädigung von 225.000 Euro bekommen (DPA, Wie viel Geld Thomas Bach vom IOC bekommt, in faz.net 2.4.2015). (Zum Vergleich: Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper verdiente in seiner damaligen Position als Generaldirektor 270.000 Euro im Jahr (Quelle: Zapp, Fischer-Solms kritisiert die DOSB-Pressearbeit, in ndr.de 15.5.2013, 23,20 Uhr; Stelle bei 28.20 Minuten) und wird sich in seiner neuen Position vermutlich noch verbessert haben.
Man kann also die 225.000 Euro von Bach glauben oder nicht… oder an die weiteren Möglichkeiten von Extravergütungen, Tagesgelder, Pauschalen diverser Art etc. denken. Da wären natürlich die persönlichen Steuererklärungen aus Deutschland und der Schweiz aussagekräftiger als eine nicht nachprüfbare IOC-Pressemitteilung. Außerdem hat Bach ja noch andere Jobs, z.B. den Aufsichtsratsvorsitz bei der Michael Weinig AG, Tauberbischofsheim.

Nachtrag 27: Martin Luther Bach. Unter dem Titel “Bach, der Reformator”  gab IOC-Präsident Thomas Bach in der Berner Zeitung wie üblich Bemerkenswertes von sich (alle Zitate: Keller, Marco, Ruch, Adrian, Bach der Reformator, in bernerzeitung.ch 13.4.2015).
IOC keine Machtzentrale: “Natürlich hat das IOC Einfluss auf die Gestaltung des Sports, es ist aber nicht die Machtzentrale.”
Nein. Der Weltsport wurde vom IOC über Jahrzehnte gleichgeschaltet. Die nationalen Sportverbände sind weitgehend entmachtet und werden von den Nationalen Olympischen Komitees dominiert, siehe den Sport im DOSB-Deutschland.
IOC-Präsident im Ehrenamt: “Der IOC-Präsident – wie übrigens jedes IOC-Mitglied – arbeitet ehrenamtlich.”
225.000 Euro im Jahr zu erhalten – plus diverse Sonderzahlungen und Extraboni – und vom Ehrenamt zu reden: Das ist IOC.
Das IOC baut -wieder einmal: “Wir machen das mit der Entscheidung zum Bau des neuen Hauptquartiers auch sichtbar. Es ist eine erhebliche Investition von bis zu 200 Millionen Franken. Mein Nachfolger soll davon nicht nur 15 oder 20 Jahre profitieren.”
Der nächste olympische Palazzo prozzo, natürlich in Lausanne. Was Blatters Fifa auf den Zürichberg gestellt hat, kommt nun über Bachs IOC an das Ufer des Genfer Sees.
Am IOC-Wesen soll die Welt genesen: “Überlegt euch mal, wie gut es in unserer Weltgesellschaft funktionieren könnte, wenn es wäre wie an den Olympischen Spielen. Dort gibt es ein Gesetz, das für alle gilt, und vor diesem Gesetz sind alle gleich.”
Vor allem die Sportfunktionäre sind Gleiche unter Gleichen, allerdings ein bisschen gleicher…
“Der Sport ist der einzige Bereich des menschlichen Lebens, in dem es ein Weltgesetz gibt. Im Sport sind tatsächlich alle Menschen gleich. Dieses Prinzip dürfen wir nicht opfern.
Das Weltgesetz wird in Lausanne vom Internationalen Sportgerichtshof CAS ausgelegt, einer Unterorganisation des IOC. Hier sind also IOC-Judikative und IOC-Exekutive in einer Hand. Das soll die Bach’sche Demokratie sein. Und nicht nebenbei: Gehen wir einmal von der Bach’schen Hypothese eines weltweiten Sportglobus aus: Dann hätte man auch in allen Ländern Doping, Korruption, Schiebungen, eine Herrschaft alter Männer etc.: kein Vorbild- sondern ein weiteres Kapitel der Sport-Demokratur.

Nachtrag 28: Bach spricht. Im Interview mit der FAZ mogelte sich IOC-Präsident Thomas Bach um kritische Fragen herum und verkaufte die IOC-Politik, die Ausrichtung Olympischer Spiele in Diktaturen und die fehlende Kritik des IOC daran mit leeren Worthülsen (Zitate: Simeoni, Evi, “Boykotte sind auch Diskriminierung”, in faz.net 30.4.2015). “Der Sport ist der einzige  Bereich in unserem menschlichen Leben, wo tatsächlich alle gleich sind.”
Auch so eine Lebenslüge des IOC-Sports…
“Boykotte sind auch Diskriminierung.”
Bach konnte als Fechter bei den Olympischen Sommerspielen in Moskau 1980 nicht antreten – das hat bis heute Nachwirkungen.
– “Haltung ist nicht, wenn ich sage, dessen Meinung gefällt mir nicht, dessen politisches System gefällt mir nicht, mit dem rede ich nicht. Das ist keine Haltung. Das ist Gesprächsverweigerung.”
Damit kann das IOC überall hin gehen – Putin-Russland, Aserbaidschan, Kasachstan, China: kein Problem. Wann wird sich Nordkorea beim IOC bewerben?
Zur Loser-Bewerbung Hamburg 2024 äußerte Bach: “”Ich freue mich sehr über diese Bewerbung, und vor allen Dingen freue ich mich, wie der DOSB das Verfahren gestaltet hat” (Simeoni, Evi, “Der Ausrichtervertrag verbietet Diskriminierung”, in faz.net 1.5.2015).
Wo der DOSB es geschafft hat, die zwei größten deutschen Städte (mit jeweils einem SPD-Regenten) in diesen lächerlichen Wettbewerb zu treiben. Und wo die Frage des Referendums so elegant und demokratisch “gelöst” wird!
Zur Frage der Bewerbungen Almaty 2022 und Peking 2022 in zwei astreinen Diktaturen: “es ist nicht Aufgabe des IOC, die Gesetze, das politische System eines souveränen Staates umzukippen. Wenn ein IOC-Mitglied für ein Land stimmt, stimmt es nicht über das politische System eines Landes ab” (Ebenda).
Zur Doping-Problematik: “Das IOC steht für ein funktionierendes Anti-Doping-System mit der Sicherstellung der Prinzipien des Anti-Doping-Kampfes.”
Man könnte auch anhand der Sporthistorie sagen, das IOC versucht, einigermaßen erfolgreich den Deckel auf die ganze Doping-Problematik zu halten.

Nachtrag 29:“Das IOC ist keine Weltregierung”. Im Spiegel-Interview äußerte IOC-Präsident Thomas Bach zur Vergabe der Europa-Spiele in die Diktatur Aserbaidschan: “Es ist kein Votum für ein politisches System. Das IOC ist keine Weltregierung” (Eberle, Lukas, Großekathöfer, Maik, “Langsam, langsam”, in Der Spiegel 25/13.6.2015).
Bach zieht sich hier taktisch zurück auf den reinen Sportkonzern IOC. Damit legitimiert er die Vergabe an jede Diktatur.
Bach weiter: “Uns geht es darum, dass sich im olympischen Dorf alle Athleten vorurteilsfrei begegnen” (Ebenda; Hervorhebung WZ).
Wie es außerhalb des olympischen Dorfes aussieht, wie viel politische Gefangene in der Alijew-Diktatur Aserbaidschan sitzen und gefoltert werden, interessiert das IOC damit nicht mehr.
Die Spiegel-Redakteure verwiesen auf Paragraph 6 der Olympischen Charta, der die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbiete und dass damit Kasachstan und Peking für die Olympischen Winterspiele 2022 abgelehnt werden müssten: In Kasachstan wird seit Jahren ein Anti-Homosexuellen-Gesetz nach Putinschem Modell gefordert, in China werden Homosexuelle mit Stromschlägen gequält. Bach: “Die Verantwortung und die Möglichkeiten des IOC beziehen sich auf die Olympischen Spiele und auf Vorgänge, die damit unmittelbar in Zusammenhang stehen” (Ebenda).
Die Redakteure erwähnten die Kosten von 20 Millionen Euro und die Zerstörung des Naturschutzgebietes (vgl. Mai 2015). IOC-Präsident Thomas Bach erwiderte, dass dies der erste öffentliche Golfkurs in Rio werden würde (Eberle,
Das ist angesichts der luxuriösen Bautätigkeit um den Golfplatz äußerst unwahrscheinlich: Reich und reich gesellt sich gern.
Außerdem hätte der Bürgermeister von Rio Bach versichert hätte, an anderer Stelle würde eine 17-mal so große Fläche aufgeforstet und auf dem Golfplatz würden 625.000 Setzlinge gepflanzt (Ebenda).
Die übliche Antwort auf die Zerstörung von uralten, wertvollen Naturschutzgebieten: Man pflanzt irgendwo irgendetwas an und legitimiert damit die Zerstörung.
Zur Frage, ob es nicht ein Problem sei, dass sehr wahrscheinlich die Vergabe der Fußball-Europameisterschaft 2024 nach Deutschland erfolgen wird – bei gleichzeitiger Bewerbung mit Hamburg 2024 sagte Bach: “Nein. Ein wirtschaftlich starkes und gleichzeitig sportbegeistertes Land wie Deutschland kann beides stemmen” (Ebenda).
Reiner Humbug – siehe Interview mit Uefa-Präsident Michel Platini (unter Juni 2015), der auf das Beispiel der Türkei 2020 verwies, die dann weder EM noch Olympische Spiele erhalten hat. Außerdem würden die Sponsoren zwei Mega-Sportereignisse kurz hintereinander nicht mitmachen.

Nachtrag 30: Niederlage der Bewerbung Hamburg 2024 am 29.11.2015. Dazu schriebMichael Reinsch in faz.net: „Noch weniger aber als Politik und Politikern scheint die Öffentlichkeit dem Sport und ihren Vertretern zu glauben. Das dürfte weniger Alfons Hörmann betreffen, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbund. Er setzte den Kandidaten Hamburg anstelle des Kandidaten Berlin durch. Vielmehr richtet sich der Blick auf seinen Vorgänger Thomas Bach. Ihn, den Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, holt die Ablehnung der Kandidatur Münchens um die Winterspiele 2018 ein. Weder als erster Mann des deutschen Sports noch als Nummer eins des Weltsports konnte er die Sportbegeisterung seiner Landsleute in eine Bewerbung ummünzen. Wie auch? Ob systematisches Doping im russischen Sport, ob eine erpresserische Verbandsspitze in der Welt-Leichathletik, ob korrupte Fußball-Funktionäre in Handschellen oder dubiose Millionenzahlungen im Zusammenhang mit dem Sommermärchen 2006: So wie Vielfalt und Faszination des Sports sich bei Olympischen Spielen auf siebzehn Wettkampftage verdichten, konzentrieren sich Abscheu und Misstrauen gegenüber dem Sport auf die Organisation im Zeichen der Ringe, den Milliarden-Konzern IOC“ (Reinsch, Michael, Der Traum ist gestorben, in faz.net 29.11.2015).
Zum selben Thema schreiben Johannes Aumüller und Thomas Kistner in der SZ: „Die Geschichte des deutschen Olympia-Scheiterns ist aber auch die Geschichte des Mannes, der an der Spitze des sportpolitische Systems steht. Thomas Bach. Bei allen sechs deutschen Kandidaturen war er in unterschiedlichen Rollen präsent. Wie heikel bei einem Olympier, der zum Throne strebt, so eine sportpolitische Interessenskonstellation aussehen kann, zeigte Münchens Kandidatur 2018. Sie war von Anfang an aussichtslos, weil klar war, dass Pyeongchang im dritten Anlauf den Zuschlag erhalten würde. Aber Münchens Kandidatur passte besser in Bachs Pläne als eine durchaus aussichtsreiche Kandidatur für die Sommerspiele 2020 – denn die wurden auf derselben Session vergeben, auf der sich Bach zum IOC-Chef wählen ließ. Und zwei deutsche Sieger, das ist im Weltsport ausgeschlossen. Hamburgs Nein kommentierte Bach am Montag mit den Worten: ‘Wir sehen darin eine verpasste Chance für Hamburg und Deutschland.’ Aber auch für den IOC-Chef ist das Votum alles andere als ein Vertrauensbeweis. (…) Und wie geht es weiter mit dem Thema Deutschland und Olympia? Nach dem Hamburg-Votum dürfte sich für 2028 jede Debatte verbieten. Pläne für eine weitere rasche Kandidatur ließen sich der Bevölkerung nicht vermitteln. Dazu passt auch die IOC-Perspektive. Ein Nein aus demokratischen Gesellschaften ist für dessen Mitglieder zwar nichts Neues mehr; aber dass ein Sportland wie Deutschland binnen zweier Jahre erst für den Winter und dann für den Sommer die Spiele ablehnt, dürften viele Olympier auch sehr persönlich nehmen” (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Die Dolchstoß-Legende, in SZ 1.12.2015).

Nachtrag 31: Zur „Einladung“ von Thomas Bach an die Stepanowas und Bachs Sportpolitik
Detlef Hacke schrieb im Spiegel: „Wenn man, wie die Stepanowas, aus der Heimat geflogen ist und sich in billigen Absteigen versteckt gehalten hat, wenn man seine Existenz drangegeben hat, um als Whistleblower ein staatliches Dopingsystem bloßzustellen, dann klingt so eine Einladung herabwürdigend. Sie sagten ab. (…) Als nun bewiesen war, dass  Doping in Russland von staatlichen Stellen organisiert und gedeckt wird, positive Dopingtests verschwinden und der Geheimdienst bei den Winterspielen in Sotschi dreckige gegen saubere Proben austauschte, stand Bach vor der heiklen Entscheidung, Russlands Athleten vor den Sommerspielen auszuschließen. Es wäre ein Signal gewesen für einen sauberen Sport. Es hätte der ‚Entschlossenheit‘ und ‚Null-Toleranz-Politik‘ entsprochen, die Bach propagiert. Russland hatte eine rote Linie überschritten. (…) Doch als es um Konsequenzen ging,  entschied er sich für ‚eine ausgewogene Lösung. Als Chef eines Verbandes, der Werte wie Fairness und Menschlichkeit wie eine Monstranz vor sich herträgt, wählte Bach den faulen Kompromiss. (…) Bachs Ideale, sofern er jemals welche besessen hat, sind auf der Strecke geblieben“ (Hacke, Detlef, Öliger Weg, in Der Spiegel 30.7.2016).

Nachtrag 32: Deutscher Chefdiplomat Bach
IOC-Präsident Thomas Bach darf laut IOC-Statuten wie alle IOC-Mitglieder nur IOC-Interessen vertreten – und keine deutschen Interessen. Dennoch besitzt Bach einen Diplomatenpass. „Bach verfügt demnach schon seit den 1990er-Jahren über einen Diplomatenpass, nach Lage der Dinge seit 1994. Weitere Fragen aber will das IOC nicht beantworten. Auch das für die Ausstellung zuständige Auswärtige Amt äußert sich nicht konkret. So bleiben Kernfragen offen: Wofür braucht Bach seit mehr als 20 Jahren einen Diplomatenpass? Warum weiß die Öffentlichkeit nichts von dieser Vorzugsbehandlung? Und vor allem: Hätte er ihn gemäß der Regularien überhaupt erhalten dürfen? (…) Bach schien viel an dem Ausweis gelegen zu sein. Es fällt auf, wie flott er ihn nach seiner Aufnahme ins IOC erhielt. Die erfolgte 1991, da war er ein 37-jähriger Wirtschaftsanwalt. Seine Parteizugehörigkeit geriet ihm vermutlich nicht zum Nachteil: Bach ist FDP-Mitglied, das Auswärtige Amt war traditionell – und zumal Mitte der Neunzigerjahre – fest in Händen der Liberalen. Womöglich empfand Bach es auch nur als selbstverständlich. Im exquisiten Olympia-Zirkel gehört ein Diplomatenpass ja zum guten Ton. Juan Antonio Samaranch, Bachs Vorvorgänger an der IOC-Spitze (und sein sportpolitischer Ziehvater), etwa besaß einen. (…) Die vielen Vorbehalte gegen Bachs Organisation dürften das Thema schüren. Das IOC überstand zur Jahrtausendwende nur mit Mühe eine gewaltige Korruptionsaffäre, heute steht es erneut für Klüngel und Intransparenz – und wird sogar innerhalb des Weltsports kritisiert. Gegen manch langjähriges Mitglied liefen oder laufen Ermittlungen. Etwa gegen den Kuwaiter Ahmad al-Sabah, gegen den Senegalesen Lamine Diack, gegen den Iren Pat Hickey. Alle drei zählen oder zählten zu Olympias mächtigsten Granden und zu Bachs zentralen Förderern auf dem Weg zum Thron im Herbst 2013. (…) Nach vielen Anfragen ohne konkreten Antworten meldet sich am Freitag die IOC-Pressestelle. Sie will darauf hinweisen, ‚dass sich eine diplomatische Funktion des IOC ganz besonders in seiner Stellung als <Permanenter Beobachter> bei den Vereinten Nationen zeigt‘. Diesen Status gibt es. Aber eben erst seit 2009, also lange nach Übergabe des Passes an Bach. Und zudem hat dieser Status nichts mit den Regeln zur Ausstellung deutscher Diplomatenpässe zu tun“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Ausweis fürs Paralleluniversum, in SZ 15.10.2016).
Am logischsten wäre es doch, wenn Wladimir Putin einen russischen Diplomatenpass für Thomas Bach ausstellen ließe: nach dessen Beihilfe bei Sotschi 2014 und beim Start russischer Athleten in Rio und überhaupt.
„Politiker verschiedener Parteien zeigen sich irritiert, dass IOC-Präsident Thomas Bach bereits seit den Neunzigerjahren im Besitz eines Diplomatenpasses der Bundesrepublik Deutschland ist. ‚Das verwundert mich, weil mir eine inhaltlich nachvollziehbare Begründung jedenfalls bisher fehlt‘, sagte Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, der SZ. Ähnlich äußerte sich der Staatsrechtler und frühere Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz (CDU). ‚Eine Legitimität kann ich nicht erkennen‘, sagte er dem Deutschlandfunk: ‚Deshalb ist ein Diplomatenpass nach meiner Auffassung hier völlig fehl am Platz.‘ (…) ‚Die Ausstellung des Diplomatenpasses ist nach ganz klaren Regularien festgelegt, und deswegen möchte ich von der Bundesregierung wissen, mit welcher Begründung Herr Bach einen solchen Diplomatenpass besitzt‘, sagte Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Grünen“ („Kann Legitimität nicht erkennen“, in SZ 17.10.2016).
Das Auswärtige Amt scheint ebenfalls verblüfft: „Auch die Spitze des Auswärtigen Amtes ist verblüfft, dass IOC-Präsident Thomas Bach bereits seit 1994 im Besitz eines Diplomatenpasses ist. In der Fragestunde des Bundestages am Mittwoch sagte Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu: ‚Ich habe das genauso jetzt erfahren und bin genauso überrascht wie Sie.‘ Zu den Gründen für die Ausstellung des Ausweises für Bach konnte sie aber ebenso wenig mitteilen wie zu den Fragen, wie oft und unter welcher Minister-Verantwortung der Ausweis in den vergangenen 22 Jahren verlängert wurde. Dazu hätte sie keine Informationen, sagte Böhmer. (…) Normalerweise ist der Diplomatenpass nur für hochrangige Politiker, echte Diplomaten sowie deren Familienangehörige gedacht. Es sind gemäß der gültigen Verordnung allerdings Ausnahmen möglich für Personen, die ‚Reisen im amtlichen Auftrag oder im besonderen deutschen Interesse‘ unternehmen. Beim IOC handelt es sich jedoch um eine private Institution, deren Mitglieder nur die Interessen des exquisiten Olympia-Zirkels und nicht die ihres Heimatlandes zu vertreten haben“ („Bin genauso überrascht“, in SZ  20.10.2016).
– „In den Neunzigerjahren dürften die Wege für Bach zum Auswärtigen Amt jedenfalls kurz gewesen sein. Dieses war fest in der Hand der FDP, Bach ist seit Jahrzehnten FDP-Mitglied und war von 1991 bis 1995 Schatzmeister der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Und mit dem von 1992 bis 1998 amtierenden FDP-Außenminister Klaus Kinkel verband ihn ein gutes Verhältnis, das die beiden auch schon mal auf dem Tennisplatz zusammenführte. Aber auch später, als an der Spitze des Hauses ein Grüner (Joschka Fischer) oder ein Sozialdemokrat (Frank-Walter Steinmeier) standen, schien die Verlängerung kein Problem zu sein“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Ein Pass für alle Fälle, in SZ 2.11.2016; Hervorhebung WZ).
– „Nun muss Bach vielleicht erleben, dass sich die Zeiten geändert haben. Auch in Deutschland, das im Laufe von Bachs IOC-Amtszeit mit Berlin, Leipzig und München insgesamt drei gescheiterte Spiele-Bewerbungen erlebte. Und wo zuletzt gleich zwei neue Anläufe (in München und Hamburg) per Bürgerbegehren abgeschmettert wurden – wobei sich die Voten nicht gegen den Sport, sondern deutlich gegen das IOC und dessen Gigantismus richteten. Da wäre es logisch, wenn sich die Privilegien reduzieren. Eine Sondererlaubnis für die Sicherheitskontrollen erhielt Bach nicht. Und im politischen Berlin diskutieren schon einige Zirkel, wie es mit dem Diplomatenpass weitergehen soll. Ein Entzug scheint schwer vorstellbar zu sein. Wohl aber die Möglichkeit, ihn nicht zu verlängern“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Ein Diplomatenpass ist nicht genug, in SZ 4.11.2016; Hervorhebung WZ).
Das Auswärtige Amt verteidigte im November 2016 die Ausstellung des Diplomatenpasses für Thomas Bach, weil die internationale olympische Bewegung „in erheblichem deutschen Interesse“ wäre. Ministeriumssprecher Martin Schäfer: „Es gebe keine Pläne, dem IOC-Chef den Pass zu entziehen“ (DPA, Bach einer von 15.000, in SZ 10.11.2016).

Nachtrag 33:  Bach gestattet keine Nachfragen zu Tokio 2020
„Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio werden für das Internationale Olympische Komitee (IOC) offenbar immer mehr zum Problem. Mitten in eine Pressekonferenz von IOC-Präsident Thomas Bach am Mittwoch in der japanischen Hauptstadt platzten Gerüchte, wonach ein Teil der olympischen Wettbewerbe aus Kostengründen nach Südkorea ausgelagert werden soll. Fragen dazu erlaubte Bach nicht, die Pressekonferenz vor rund 100 Journalisten wurde abrupt beendet. (…) Das Budget der Spiele ist mittlerweile auf 28 Milliarden Dollar gestiegen und damit viermal so hoch wie festgelegt“ (SID, Bach bricht Auftritt ab, in SZ 20.10.2016; Hervorhebung WZ).
Zur Erinnerung – Tokio 2020 und die Agenda 2020: „Tokio hatte den Zuschlag für vernünftige, kostengünstige, ökologische Spiele erhalten: Sie sollten insgesamt 768 Milliarden Yen kosten, rund 6,7 Milliarden Euro. Dabei war Hadids Stadion in dieser Rechnung nicht einmal enthalten, da es nicht von der Stadt, sondern der Zentralregierung gebaut wird. In den Bewerbungs-Unterlagen hatte Tokio behauptet, fast alle Wettkampfstätten würden bereits bestehen, sie müssten nur erneuert werden. Kaum hatte Tokio den Zuschlag, wurden die Spar-Vorsätze jedoch dem Hang zum Größenwahn geopfert. Jede Einrichtung sollte die beste der Welt sein“ ((Neidhart, Christoph, Mit dem Geld anderer Leute, in SZ 6.10.2016). Vgl. dazu auch: Olympische Sommerspiele 2020: Drei Fußkranke bewerben sich

Nachtrag 34: Stipendium von Bach
Thomas Bach will der russischen Whistleblowerin Julia Stepanowa ein Stipendium gewähren und ihrem Mann Witali Stepanow ein Amt als Anti-Doping-Berater einräumen. Das IOC bestätigte am Montag den Sachverhalt, über den der Branchendienstes insidethegames.biz berichtet hatte. Die Stepanows zeigten sich erleichtert über die Ergebnisse des Treffens. ‚Wir sind sehr froh, dass wir jetzt in der Lage sind, Doping weiter zu bekämpfen und unsere Erfahrungen in Russland und als Whistleblower mit einzubringen’“, sagte Stepanow insidethegames.biz“ (SID, Stipendium für Stepanowa, in SZ 25.10.2016).
Dazu Johannes Knuth in der SZ: „Das IOC doziert gerne über Ethik, Fairness, Erziehung. In Wahrheit ist es längst derart weit von diesen Werten abgerückt, dass es sie nicht mal mehr mit dem Fernglas erspähen kann. Jetzt weht also die Kunde herein, dass Bach Stepanowa und ihren Ehemann Witali unterstützen will. Ein Stipendium für die 800-Meter-Läuferin, ein Beraterjob im Anti-Doping-Ressort des IOC für Witali, der sich in Russlands Anti-Doping-Behörde einst gegen die Korruption stemmte. Klingt gut. Kommt leider ungefähr zwei Jahre zu spät. Damals hatten die Stepanows in der ARD erstmals Beweise für den Systemschwindel vorgelegt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur und der Leichtathletik-Weltverband IAAF gaben sich entsetzt, die Stepanows aber wurden ignoriert. (…) Und das IOC? Schlug sich auf die Seite des Kremls; Russland sieht in Stepanowa eine Verräterin, bis heute. (…) Dass Bach sich erst jetzt diskret mit den Stepanows trifft, da seine Umfragewerte im Keller und die Scheinwerfer des olympischen Theaters ausgeknipst sind – dafür hat sich das IOC nachträglich auch eine Medaille verdient: Gold in der Disziplin Heuchelei“ (Knuth, Johannes, Gold im Heucheln, in SZ 25.10.2016).

Nachtrag 35: Bach und Dopingtests Rio 2016
Aus einem Kommentar von Thomas Kistner in der SZ zum verheerenden Wada-Bericht über die Dopingtests bei Rio 2016: „Die Dopingtests bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro sind ‚erfolgreich gemanagt‘ worden. Behauptet das Internationale Olympische Komitee. Das ist unzutreffend, aber auch sehr hilfreich: Es entlarvt die absurde Reinheits-Metaphorik des IOC. Tatsächlich war das Management der Betrugsfahndung ein einziges filmreifes Desaster, dies enthüllt nun der Expertenbericht eines unabhängigen Beobachterstabs (IO), den die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada publizierte. (…) Klingt da leiser Widerspruch zu IOC-Boss Thomas Bachs Lieblingsfloskeln an? Denenzufolge wird ja die Betrugsfahndung bei den Spielen mit ‚Nulltoleranz‘ bzw. ‚oberster Priorität‘ betrieben. (…) Nun stellt die Wada dem Moralapostel-Clan des deutschen Wirtschaftsanwalts ein verheerendes Zeugnis aus“ (Kistner, Thomas, „Schwerwiegende Verfehlungen“, in SZ 29.10.2016).

Nachtrag 36: Bach und Beckenbauer
Holger Gertz zur Gemeinsamkeit von Thomas Bach und Franz Beckenbauer: „Das ist der Widerspruch des Weltsports: Die Geschichten, die er (Beckenbauer; WZ) erzählt, passen nicht zu den Realitäten. Und genau an dieser Stelle verbindet sich der Heldensturz des charismatischen Beckenbauer mit der Politik des charismafreien Bach. Der eine sagt, dass er alles ehrenamtlich macht, kassiert aber auf Umwegen. Der andere steht auf dem olympischen Podium und predigt von der Gleichheit der Menschen, nachdem bei Olympia soeben die Ungleichheit der Menschen herausgestellt worden ist“ (Gertz, Holger, Zum Abschied, in SZ 17.9.2016).

Nachtrag 37: Bach für Olympische Sommerspiele in Katar
„Die Staatsanwaltschaft in Paris untersucht die Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 nach Doha. Die Schweizer Bundesanwaltschaft und das FBI spüren der Frage nach, unter welchen Umständen die Fußball-WM 2022 an das Emirat ging. Und nun kam auch noch die Meldung, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada dem Labor in Doha vorerst die Akkreditierung entzogen hat, weil es den notwendigen Standards nicht genügt“ (Ebenda). Unfassbar, aber wahr: . IOC-Präsident Thomas Bach tritt für Katar als Austragungsort für Olympische Sommerspiele ein: „Thomas Bach hat das soeben gesagt. Doha werde ‚eines Tages Kandidat sein‘. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees schiebt Katar auf die Bühne – in Zeiten wie diesen, in denen seine olympische Bewegung ohnehin einen dramatischen Glaubwürdigkeits-Verlust erlebt“ (Ebenda). Aumüller und Kistner erinnern an den denkwürdigen Satz des kuwaitischen Scheichs Ahmad Al-Sabah vor Bachs Wahl 2013 zum IOC-Präsidenten: „Der Inthronisierung des Deutschen liege eine zwölf Jahre zuvor getroffene Abmachung zugrunde, und Bach wisse natürlich, dass es Bedingungen gebe, die er jetzt ‚erfüllen“ müsse. Fast bedingungslose Unterstützung Russlands in der Staatsdoping-Affäre. Rückendeckung für Katar. Vieles, womit der IOC-Chef sein Publikum irritiert, wirkt genau so: als würde Bach jetzt seinen Teil einer Abmachung erfüllen“ (Ebenda).

Nachtrag 38: DLV-Präsident Prokop greift Bach an
Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, der Jurist Clemens Prokop, hat in einem Beitrag in der FAZ dem IOC-Präsidenten Thomas Bach Rechtsbruch vorgeworfen, weil  Bach trotz des erwiesenen russischen Systemdopings russische Sportler bei Rio 2016 zugelassen habe. Prokop bezog sich dabei auf den Paragraphen 59 der Olympischen Charta, der die Suspendierung von Nationalen Olympischen Komitees regelt: Danach hätte das russische Olympiakomitee so lange von Olympischen Spielen ausgeschlossen werden müssen, bis das russische Staatsdoping beendet wird. Prokop bezog sich auch auf den Paragraphen 27, der die Dopingbekämpfung den NOKs überträgt. Dazu kommentierte Thomas Kistner in der SZ: „Dass ein Jurist einem Juristen öffentlich eine Art Rechtsbruch vorwirft, kommt im Sport nicht alle Tage vor. Fast unvorstellbar war bisher, dass so eine Attacke auf den Thronherrn dieser Sportwelt zielen könnte: auf Thomas Bach, den Boss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). (…) Prokop pocht überdies auf Regel 27, die den NOKs die Dopingbekämpfung überträgt: Gar keine Frage, Russlands ROK hat diese Kernaufgabe nicht erfüllt. Bach aber sieht es lieber so, dass letzte Beweise für die Dopingteilhabe des ROK so wenig vorlägen wie dafür, dass Sportminister Mutko gewusst habe, was sein Ministerium trieb. Das sei kaum vorstellbar, sagt Prokop und stellt die Vernunftsfrage: Wie realitätsfern müssen Funktionäre sein, die ‚eine institutionell strukturierte Dopingpraxis in diesem unglaublichen Ausmaß nicht wahrnehmen?‘  Die Russland-Affäre wird immer absurder. Dass Moskau dazu kräftig beiträgt, liegt in der Natur der Sache“ (Kistner, Thomas, Anklage vom Juristen, in SZ 21.12.2016).

Nachtrag 39: Bach hat drei Diplomatenpässe
Bisher ging die Öffentlichkeit davon aus, dass Bach über einen Diplomatenpass verfügt – weit gefehlt. „Denn wie sich nun herausstellt, besitzt Bach nicht nur eines dieser begehrten Ausweisdokumente. Sondern gleich drei. Gültig bis März 2017, März 2018 sowie August 2021. So steht es in einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage des Grünen- Abgeordneten Özcan Mutlu. Das IOC will sich zu dem Thema nicht äußern. Das Ministerium begründet die Passhäufung so: Gemäß Passgesetz sei bei einem ‚berechtigten Interesse‘ die Ausstellung mehrerer Pässe möglich. Ein solches Interesse läge unter anderem vor, ‚wenn bei Vielreisenden aus zeitlichen Gründen die Visaeinholung für die Zielstaaten parallel erfolgen muss. Dies ist nach Darlegung von Herrn Thomas Bach der Fall.‘ (…) Das IOC ist ein privater Verein, seine Charta hält explizit fest, dass sich seine Mitglieder nicht nach Weisungen oder Interessen des Heimatlandes richten dürfen. Sondern allein nach Interessenslage des IOC. Als der Sachverhalt bekannt wurde, teilte das Ministerium mit, Bach den Pass trotzdem nicht zu entziehen. ‚Ich frage mich, welche deutschen Interessen er konkret vertritt, für die er gleich drei Diplomatenpässe braucht‘, sagt Grünen-Politiker Mutlu. Insofern wird es interessant sein zu sehen, wie Bach und das Auswärtige Amt im März handeln. Das IOC will die Frage, ob Bach einen neuen Pass beantragt, nicht beantworten“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Drei Ausweise für Thomas Bach, in SZ 31.1.2017):
Wiederum mein Vorschlag: Drei russische Diplomatenpässe für IOC-Chef Bach würden der tatsächlichen Interessensvertretung von Bach gerechter, siehe die zugelassenen russischen Systemdoper von Rio 2016.

Nachtrag 40: Bach und wie er die Welt sah
Im Interview mit Armin Gibis vom Münchner Merkur äußerte Thomas Bach zum Rückzug von fünf Kandidaten für Olympische Sommerspiele 2024 – zuletzt Budapest: „Es ist richtig: Budapest ist nicht der erste Rückzug. Aber wenn man die Muster anschaut, lässt sich feststellen: Die Gründe für die Rückzüge haben überwiegend nichts mit Olympia zu tun.“ – Zu den Milliardenkosten Olympischer Spiele: „Da müssen wir feststellen, dass wir mit unseren Fakten nicht durchdringen konnten… Dass die Organisation von Olympischen Spielen in der Regel entweder profitabel ist oder eine rote beziehungsweise schwarze Null aufweist.“ – Zur Frage, warum die IOC-Botschaft nicht ankommt: „Kompromisse einzugehen. Es wird nicht mit Fakten gearbeitet, sondern mit Schlagworten: Gigantonomie, Geldverschwendung, Knebelverträge ecetera.“ Und zum „Olympischen Erbe“ von Rio 2016: „Man darf gerade bei Rio das große Erbe nicht übersehen. Das ist wie einst in München: Ohne Olympische Spiele hätte München vielleicht noch heute keine U-Bahn.“ (Sic! WZ)
(Das sollte Bach einmal so im bankrotten Rio de Janeiro äußern – aber da traute er sich schon zu den Paralympics nicht hin, weil er Angst vor einer polizeilichen Vernehmung hatte; WZ.)
Zur Frage der geplanten gleichzeitigen Vergabe von 2024 und 2028: „Ich könnte mit einem Totschlagargument antworten: Nichts im Leben ist ohne Risiko.“ – Zur politischen Weltlage: „Wir haben momentan eine sehr schwierige Weltsituation. Umso wichtiger sind die Olympischen Spiele als das einzige Großereignis, das noch in der Lage ist, die ganze Welt zusammenzubringen.“
Realistischer: auseinanderbringen, ruinieren…
Zur politischen Unterdrückung in Sotschi 2014: „Wir hatten hinsichtlich der Winterspiele in Sotschi eine sehr konstruktive Zusammenarbeit. Das hat sich auch darin gezeigt, dass Präsident Putin auf unser Verlangen hin Demonstrationszonen eingerichtet hat, dass auf unsere Verlangen hin ein homosexuellen-feindliches Gesetz rund um die Olympischen Spiele keine Anwendung gefunden hat.“
Die Demonstrationszonen waren so weit von Sotschi entlegen, dass sie quasi unerreichbar waren bzw. nicht in der Presse Aufmerksamkeit erregten. Homosexuelle wurden bestenfalls für die zwei  Wochen der Spiele weniger verfolgt. Putins Repressionen in der Russischen Föderation wurden seither immens verschärft.
(Alle Zitate: Gibis, Armin, IOC-Präsident Bach im großen Merkur-Interview: „Rio ist wie einst in München“, in merkur.de 2.3.2017).
Dazu Johannes Knuth in einem Kommentar in der SZ: „Seit 2013 stemmen sich Bürger und Politiker vermehrt gegen Olympia-Bewerbungen, in Wien, München, Stockholm, Krakau, Boston, Hamburg, Rom, Budapest, Graubünden, Letztere zum zweiten Mal. Auch Paris wackelt, einer von bloß zwei Kandidaten für die Spiele 2024. Was laut Bach aber nichts mit seinem vielleicht doch nicht so wohltuenden olympischen Wellness-Paket zu tun hat. Sondern damit, dass viele die segensreiche Kräfte Olympias nicht erkennen würden, wie er kürzlich dem Münchner Merkur und den Stuttgarter Nachrichten erzählte. ‚Wir leben in einer Zeit‘, so Bach, ‚in der ein politischer Dialog, eine Auseinandersetzung mit Argumenten nicht mehr stattfindet.‘ Das kann man so sehen. Man kann es aber auch so sehen, dass manche Argumente des IOC eine Auseinandersetzung mit der Realität nicht überstehen. Das Nachhaltigkeits-Argument etwa, das Bach im Merkur so ausführte: ‚Ohne Olympische Spiele hätte München vielleicht heute noch keine U-Bahn.‘ Keine U-Bahn? Ein Rundgang durch die Archive verrät: Der Vater der Münchner U-Bahn war Stadtplaner Klaus Zimniok… Nachdem Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel mit Bund und Land gerungen hatte, wer wie viel Geld gibt, schritt Vogel am 1. Februar 1965 zum Spatenstich, mit Festreden und Blasmusik. Die Sommerspiele? Fielen München später zu, am 26. April 1966. Olympia 1972 habe die Entwicklung der U-Bahn beschleunigt, das schon, erinnerte sich Vogel vor zwei Jahren im SZ-Gespräch, weil das Netz nun schneller fertig werden musste. ‚Aber U- und S-Bahn wären auch ohne Olympia gekommen'“ (Knuth, Johannes, Thomas Bach und das Märchen von der Münchner U-Bahn, in sueddeutsche.de 15.3.2017).

Mehr Nachrichten über Bach in der „Aktuellen Chronologie“.

Vergleiche: Der DOSB-Dopingexperte; Deutsche Sportärzte; Die DOSB-Doping-DesinformationDie Reihen fast geschlossen; Goliath gegen David, oder wie die Sportdemokratur funktioniert; Was will Thomas Bach wirklich? und
Der olympische Siemens-Konzern: Samba corrupti
Monitor 29.8.2013: Umstritten: Der designierte IOC-Präsident Thomas Bach
„Doping in Deutschland“ – Randnotizen
Der Sport-Pate: Al-Sabah

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Wikipedia


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (267 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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