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McDonald’s

Zuletzt geändert am 11.03.2012 @ 18:41

McDonald’s und IOC
Seit den Olympischen Winterspielen in Grenoble 1968 ist McDonald’s „ein stolzer Unterstützer der olympischen Bewegung“. Seitdem hat der Konzern nach eigenen Angaben „seine Speisekarte der Auswahl und Vielfalt an Millionen Athleten, Trainer und deren Familien und Freunden serviert“ – in enger Kooperation mit Coca-Cola, dessen größter Abnehmer er ist. (IOC Marketing Media Guide)

In Peking 2008 wurde das „McDonald’s Champion Kids“-Programm eingeführt: damit auch die Jüngeren die kalorienhaltige Industrienahrung offiziell kennenlernen können. Aber was wird da serviert? „Auswahl“ und „Vielfalt“ sehen anders aus. Es scheint, dass die Qualität des Fast-Food-Konzerns nicht mit dem Werbeeinsatz mithalten kann.

Der Hamburger-Konzern bezeichnet seine Restaurants mit den Fließbandprodukten gern als „Systemgastronomie“. Auch bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London wird der Fastfood-Konzern die Athleten und die Spiele beliefern. Vier Restaurants versorgen – natürlich konkurrenzlos – die Besucher; ein Burger-Restaurant für die Sportler und Offiziellen entsteht im Olympischen Dorf.

Greenwashing
Der Versuch des Greenwashing bei den deutschen McDonald’s-Filialen im Herbst 2009 misslang: Das Logo zeigt neben der Farbe Gelb als Hintergrund künftig grün statt rot. Der Farbwechsel wurde zunächst als Bekenntnis und Respekt vor der Umwelt begründet. Damit wollte man wohl von den Umweltsünden des Konzerns ablenken: hohes Müllaufkommen durch Einweggeschirr und Einwegverpackungen (45 000 Tonnen pro Jahr allein in Deutschland), hoher Energieverbrauch durch Einfrieren, Lagerhaltung, Auftauen, Transport, Warmhalten, dazu hohe Methanemissionen durch die Rindfleisch-Burger, die automobilen McDrives (die fast 40 Prozent des Umsatzes bringen) etc.

Im Februar 2010 sagte der Deutschland-Chef, die Designumstellung sollte kein stärkeres Umweltbewusstsein signalisieren: „Wir sind kein grünes Unternehmen“ (Liebrich 10.2.2010).
Wie wahr.

Im Februar 2012 lieferte McDonald’s ein weiteres Beispiel für Greenwashing: “Der Burgerbrater will künftig seine Lieferanten verpflichten, auf Käfighaltung bei Schweinen zu verzichten. Dass kaum ein McDonald’s-Produkt Schweinefleisch enthält, ist nebensächlich” (Giesen 15.2.2012).

Greenpeace gegen McDonald’s
2006 veröffentlichte Greenpeace den Bericht “Eating up the Amazon”. Der Sojaanbau in Brasilien hatte sich von 1999 bis 2006 verdoppelt: “Im Wirtschaftsjahr 2004/05 wurden in Brasilien Sojabohnen auf einer Anbaufläche von fast 23 Millionen Hektar geerntet, einer Fläche so groß wie Großbritannien… Zwischen August 2003 und August 2004 wurden 2,7 Hektar Urwald zerstört. Dies entspricht in erwa der Fläche von Belgien. Drei Viertel davon wurden illegal gerodet” (Greenpeace, Wir essen Amazonien auf)
Die Abholzung wird von den drei US-Getreidehändler Cargill, Bunge und ArcherDanielsMidland mitverursacht, welche den Soja-Anbau vorantreiben. Die Greenpeace-Recherchen zeigten die Verbindung zwischen brasilianischem Soja aus dem Regenwald und dem Fastfood-Giganten McDonald’s, das Geflügelfleisch der Firma Sun Valley bezieht, einer Cargill-Tochter, die fast die Hälfte aller Geflügelprodukte von McDonald’s in Europa produziert. Ein Greenpeace-Koordinator äußerte deswegen: “Jedes Mal, wenn Sie ein Chicken McNugget kaufen, können Sie ein Stück vom Amaonas-Regenwald wegnehmen” (derstandard.at 2.5.2006).

Konzernzahlen
McDonald’s erzielte 2010 mit 400.000 Mtarbeitern und rund 32 000 „Restaurants“ in 120 Ländern einen Jahresumsatz von etwas über 24 Milliarden US-Dollar bei einer Gewinnmarge von über 15 Prozent. In Deutschland wurde mit 62.000 Mitarbeitern und 1415 Filialen im Jahr 2011 ein Umsatz von 3,2 Milliarden Euro erreicht (Giesen 15.2.2012; Wikipedia).
McDonald’s ist übrigens einer der weltgrößten Immobilienbesitzer und macht einen Großteil seines Umsatzes über Franchisegebühren und Miet- und Pachtzinsen, die um das Fünf- bis Zehnfache über den üblichen Gewerbemieten liegen (Liebrich 10.10.2009). Einer der Gründer von McDonald’s sagte deswegen: “Eigentlich sind wir ja ein Immonbienunternehmen. Der einzige Grund, warum wir Hamburger verkaufen, ist die Tatsache, dass diese am meisten Gewinn abwerfen, von dem unsere Restaurantbesitzer uns Miete zahlen können” (Eric Schlosser, fast Food Nation, zitiert nach Wikipedia).

Jugendliche Fettleibigkeit
In den USA, in Brasilien und in vielen anderen Ländern steigt der Anteil übergewichtiger Jugendlicher – aufgrund des Fast-Foods von McDonald’s, aber auch aufgrund der Süßgetränke von Coca-Cola und Co: “Hintergrund der Sorgen ist, dass Brasilianer zunehmend übergewichtig sind. Das hat nicht unwesentlich mit ihren Essgewohnheiten zu tun, mit fettigem Fastfood und zuckrigen Softdrinks. Laut Studien haben sich die Probleme mit Fettleibigkeit bei brasilianischen Kindern und Jugendlichen in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht, inzwischen wiegen zehn bis 15 Prozent der Minderjährigen zu viel. Bluthochdruck und Diabetes sind oft die Folge” (Burghardt 8.12.2011). “Die Huffington Post meldete, Schnellrestaurants hätten allein 2006 ungefähr 360 Millionen US-Dollar für Spielsachen ausgegeben und 1,2 Milliarden Kinderportionen verkauft” (Ebenda).

Olympische Jung-Burger
Da kann sich der Fast-Food-Konzern die Millionen an olympischen Sponsorengeldern leicht leisten – und die olympische Werbung für seine unsportlichen Produkte. Und so verlängerte der Fastfood-Konzern bezeichnenderweise genau am Tag der Eröffnung der Olympischen Jugend-Winterspiele in Innsbruck den Sponsorenvertrag mit dem IOC bis zum Jahr 2020 (Rosner 13.1.2012). Geschätzter Geschäftsumfang: 200 Millionen Dollar (Rüthenauer 13.1.2012). IOC-Präsident Jacques Rogge traf sich dazu höchstpersönlich mit McDonald’s Präsident Don Thompson in einem McDonald’s-Restaurant in der Innsbrucker Innenstadt (Köhn 13.1.2012).
Ab jetzt versorgt McDonald’s die Olympischen Spiele plus die Olympischen Jugendspiele.

Fazit des UN-Experten für das Recht auf Nahrungsmittel, Olivier de Schutter:
“Während in armen Ländern der Kampf gegen den Hunger kaum Erfolge bringe, sorgten in den reichen Staaten aus dem Ruder gelaufene Systeme von Subventionen mit dafür, dass Millionen von Menschen viel zu viel und zugleich zu viel Ungesundes essen. Rund eine Milliarde Menschen leide Hunger, etwa 1,4 Milliarden seien übergewichtig durch falsche Ernährung” (spiegelonline 6.3.2012).

Quellen:
Burghardt, Peter, Kein Kater im Happy Meal, in SZ 8.12.2011
Dobelmann, Anna, McDonald’s & Co verfüttern den Regenwald, in taz.de 15.4.2006
Fritten statt Fettucine, in SZ 17.2.2009
Giesen, Christoph, Eine schweinische Idee, in SZ 15.2.2012
Greenpeace, Wir essen Amazonien auf, Hamburg 4/2006
Greenpeace wirft McDonald’s Zerstörung des Amazonas-Regenwalds vor, in derstandard.at 2.5.2006
Heinrich, Marc, Frühstück mit Rogge: Junge Küche, volle Kasse, in faz.net 13.1.2012
IOC Marketing: Media Guide Vancouver 2010
Kammermann, Tanja, Neues Logo: McDonald’s Hoffnung ist grün, in Basler Zeitung 23.11.2009
Kaufman, Marc, New Allies on The Amazon, in washingtonpost.com 24.4.2007
Köhn, Rüdiger, Burger für Olympia, in faz.net 13.1.2012
Kornelius, Stefan, Die Kraft von Grün, in SZ 25.9.2009
Liebrich, Silvia
- Deutschland isst billig, in SZ 17.2.2009
- Big Mac’s jüngere Geschwister, in SZ 11.8.2009
- Schönfärberei bei McDonald’s, in SZ 24.11.2009
- „Wir sind kein grünes Unternehmen“, in SZ 10.2.2010
Liebrich, Sylvia/Slavik, Angelika, Aus Rot wird Grün, in SZ 24.11.2009
McDonald’s and Cargill in plan to help Amazon forests, in telegraph.co.uk 3.11.2007
McDonald’s: (K)ein grüner Hintergrund, in www.klima-luegendetektor 24.11.2009
Nicht ein bisschen grün, in SZ 10.2.2010
Rosner, Simon, McOlympia in Innsbruck, in wienerzeitung.at 13.1.2012
Rüthenauer Andreas, Mitmachzirkus  für die Kleinen, in taz.de 13.1.2012
Ulrich, Stefan, McWildschwein, in SZ 21.8.2010
Uno-Experte fordert Steuer auf Cola und Junk Food, in spiegelonline 6.3.2012
Wikipedia
Zoff im Hamburger-Land, in SZ 10.10.2009


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