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McDonald’s

 
Zuletzt geändert am 17.06.2017 @ 12:47

„1940 eröffneten die Brüder Richard und Maurice McDonald den ersten Burgerladen in Kalifornien. (…) Jedes Jahr wurden immer neue Filialen in neuen Ländern eröffnet – 1971 gab es das erste deutsche Restaurant in München -, und damit wurden der Umsatz, der Gewinn und der Börsenkurs immer weiter nach oben getrieben. Es war eine riesige Geldmaschine über Jahrzehnte. Möglich wurde das durch ein globales Franchisekonzept: McDonald’s steht in Wirklichkeit für Hunderte einzelne Unternehmen, die alle nach demselben Prinzip funktionieren. Die Zentrale in den USA ist der Lizenzgeber, die operativen Geschäfte werden vor Ort betrieben“ (Busse 30.1.2015).

McDonald’s und IOC
Seit den Olympischen Winterspielen in Grenoble 1968 ist McDonald’s „ein stolzer Unterstützer der olympischen Bewegung“. Seitdem hat der Konzern nach eigenen Angaben „seine Speisekarte der Auswahl und Vielfalt an Millionen Athleten, Trainer und deren Familien und Freunden serviert“ – in enger Kooperation mit Coca-Cola, dessen größter Abnehmer er ist. (IOC Marketing Media Guide)
In Peking 2008 wurde das „McDonald’s Champion Kids“-Programm eingeführt: damit auch die Jüngeren die kalorienhaltige Industrienahrung offiziell kennenlernen können. Aber was wird da serviert? „Auswahl“ und „Vielfalt“ sehen anders aus. Es scheint, dass die Qualität des Fast-Food-Konzerns nicht mit dem Werbeeinsatz mithalten kann.
Der Hamburger-Konzern bezeichnet seine Restaurants mit den Fließbandprodukten gern als „Systemgastronomie“. Auch bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London wird der Fastfood-Konzern die Athleten und die Spiele beliefern. Vier Restaurants versorgen – natürlich konkurrenzlos – die Besucher; ein Burger-Restaurant für die Sportler und Offiziellen entsteht im Olympischen Dorf.

Greenwashing
Der Versuch des Greenwashing bei den deutschen McDonald’s-Filialen im Herbst 2009 misslang: Das Logo zeigt neben der Farbe Gelb als Hintergrund künftig grün statt rot. Der Farbwechsel wurde zunächst als Bekenntnis und Respekt vor der Umwelt begründet. Damit wollte man wohl von den Umweltsünden des Konzerns ablenken: hohes Müllaufkommen durch Einweggeschirr und Einwegverpackungen (45 000 Tonnen pro Jahr allein in Deutschland), hoher Energieverbrauch durch Einfrieren, Lagerhaltung, Auftauen, Transport, Warmhalten, dazu hohe Methanemissionen durch die Rindfleisch-Burger, die automobilen McDrives (die fast 40 Prozent des Umsatzes bringen) etc.
Im Februar 2010 sagte der Deutschland-Chef, die Designumstellung sollte kein stärkeres Umweltbewusstsein signalisieren: „Wir sind kein grünes Unternehmen“ (Liebrich 10.2.2010).
Wie wahr.
Im Februar 2012 lieferte McDonald’s ein weiteres Beispiel für Greenwashing: „Der Burgerbrater will künftig seine Lieferanten verpflichten, auf Käfighaltung bei Schweinen zu verzichten. Dass kaum ein McDonald’s-Produkt Schweinefleisch enthält, ist nebensächlich“ (Giesen 15.2.2012).

Greenpeace gegen McDonald’s
2006 veröffentlichte Greenpeace den Bericht „Eating up the Amazon“. Der Sojaanbau in Brasilien hatte sich von 1999 bis 2006 verdoppelt: „Im Wirtschaftsjahr 2004/05 wurden in Brasilien Sojabohnen auf einer Anbaufläche von fast 23 Millionen Hektar geerntet, einer Fläche so groß wie Großbritannien… Zwischen August 2003 und August 2004 wurden 2,7 Hektar Urwald zerstört. Dies entspricht in etwa der Fläche von Belgien. Drei Viertel davon wurden illegal gerodet“ (Greenpeace, Wir essen Amazonien auf)
Die Abholzung wird von den drei US-Getreidehändler Cargill, Bunge und ArcherDanielsMidland mitverursacht, welche den Soja-Anbau vorantreiben. Die Greenpeace-Recherchen zeigten die Verbindung zwischen brasilianischem Soja aus dem Regenwald und dem Fastfood-Giganten McDonald’s, das Geflügelfleisch der Firma Sun Valley bezieht, einer Cargill-Tochter, die fast die Hälfte aller Geflügelprodukte von McDonald’s in Europa produziert. Ein Greenpeace-Koordinator äußerte deswegen: „Jedes Mal, wenn Sie ein Chicken McNugget kaufen, können Sie ein Stück vom Amaonas-Regenwald wegnehmen“ (derstandard.at 2.5.2006).

Konzernzahlen
McDonald’s erzielte 2010 mit 400.000 Mitarbeitern und rund 32 000 „Restaurants“ in 120 Ländern einen Jahresumsatz von etwas über 24 Milliarden US-Dollar bei einer Gewinnmarge von über 15 Prozent. In Deutschland wurde mit 62.000 Mitarbeitern und 1415 Filialen im Jahr 2011 ein Umsatz von 3,2 Milliarden Euro erreicht (Giesen 15.2.2012; Wikipedia).
McDonald’s ist übrigens einer der weltgrößten Immobilienbesitzer und macht einen Großteil seines Umsatzes über Franchisegebühren und Miet- und Pachtzinsen, die um das Fünf- bis Zehnfache über den üblichen Gewerbemieten liegen (Liebrich 10.10.2009). Einer der Gründer von McDonald’s sagte deswegen: „Eigentlich sind wir ja ein Immobilienunternehmen. Der einzige Grund, warum wir Hamburger verkaufen, ist die Tatsache, dass diese am meisten Gewinn abwerfen, von dem unsere Restaurantbesitzer uns Miete zahlen können“ (Eric Schlosser, fast Food Nation, zitiert nach Wikipedia).
Laut Aufstellung der wertvollsten Marken lag McDonald’s 2011 auf Platz 6 mit einem Markenwert von 35,6 Milliarden Dollar (SZ 24.8.3012).

Jugendliche Fettleibigkeit
In den USA, in Brasilien und in vielen anderen Ländern steigt der Anteil übergewichtiger Jugendlicher – aufgrund des Fast-Foods von McDonald’s, aber auch aufgrund der Süßgetränke von Coca-Cola und Co: „Hintergrund der Sorgen ist, dass Brasilianer zunehmend übergewichtig sind. Das hat nicht unwesentlich mit ihren Essgewohnheiten zu tun, mit fettigem Fastfood und zuckrigen Softdrinks. Laut Studien haben sich die Probleme mit Fettleibigkeit bei brasilianischen Kindern und Jugendlichen in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht, inzwischen wiegen zehn bis 15 Prozent der Minderjährigen zu viel. Bluthochdruck und Diabetes sind oft die Folge“ (Burghardt 8.12.2011). „Die Huffington Post meldete, Schnellrestaurants hätten allein 2006 ungefähr 360 Millionen US-Dollar für Spielsachen ausgegeben und 1,2 Milliarden Kinderportionen verkauft“ (Ebenda).

Olympische Jung-Burger
Da kann sich der Fast-Food-Konzern die Millionen an olympischen Sponsorengeldern leicht leisten – und die olympische Werbung für seine unsportlichen Produkte. Und so verlängerte der Fastfood-Konzern bezeichnenderweise genau am Tag der Eröffnung der Olympischen Jugend-Winterspiele in Innsbruck den Sponsorenvertrag mit dem IOC bis zum Jahr 2020 (Rosner 13.1.2012). Geschätzter Geschäftsumfang: 200 Millionen Dollar (Rüthenauer 13.1.2012). IOC-Präsident Jacques Rogge traf sich dazu höchstpersönlich mit McDonald’s Präsident Don Thompson in einem McDonald’s-Restaurant in der Innsbrucker Innenstadt (Köhn 13.1.2012).
Ab jetzt versorgt McDonald’s die Olympischen Spiele plus die Olympischen Jugendspiele.

Für London 2012 wurden vier McDonald’s in den Olympischen Park gebaut, darunter  das größte der Welt für 1500 Kunden (Blitz 8.7.2012). In Großbritannien sind zwei Drittel der Erwachsenen und bereits ein Drittel der Kinder übergewichtig (ft.com 9.7.2012).

Fazit des UN-Experten für das Recht auf Nahrungsmittel, Olivier de Schutter:
„Während in armen Ländern der Kampf gegen den Hunger kaum Erfolge bringe, sorgten in den reichen Staaten aus dem Ruder gelaufene Systeme von Subventionen mit dafür, dass Millionen von Menschen viel zu viel und zugleich zu viel Ungesundes essen. Rund eine Milliarde Menschen leide Hunger, etwa 1,4 Milliarden seien übergewichtig durch falsche Ernährung“ (spiegelonline 6.3.2012).

Nachtrag 1: Russische Filialen von TOP-Sponsor McDonald’s geschlossen
Das wird ein pikanter Einsatz für Fifa-Präsident Sepp Blatter. Der TOP-IOC-Sponsor des IOC (Sotschi 2014) und der Fifa (Fußball-WM 2018 in Russland), McDonald’s, betreibt mehr als 400 Filialen in Russland und begann 1990 mit einem Trick: „Mcdonald’s Kanada gründete ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Moskauer Stadtverwaltung, die 51 Prozent der Anteile hielt. Formell gesehen war Moskwa-McDonald’s damit ein sowjetisches Staatsunternehmen“ (Hans, Julian, Der Westen schmeckt nicht, in SZ 22.8.2014). Nach der Annektierung der Krim kündigte die US-Regierung Strafen für US-Unternehmen an, die sich weiterhin auf der Krim engagieren: Daraufhin schloss McDonald’s die dortigen Filialen. Nun ließ der Kreml am 20.8.2014 McDonald’s von der Verbraucherschutzorganisation Rospotrebnadsordie ersten vier russischen Filialen im Rahmen der Sanktionen von der Putin-Regierung schließen: ausgerechnet aus Hygienegründen. Der Pizza-Kettenbesitzer Fjodor Owtschinnikow: „Wenn wir McDonald’s wegen Verstoßes gegen die Standards schließen, dann können wir die ganze Gastrobranche im Land zumachen“ (Ebenda).
Und was wird mit dem Fifa-TOP-Sponsor McDonald’s bei der WM 2018?

Nachtrag 2: McDonald’s in der Krise? Weltweit gab es 2014 rund 36.000 McDonald’s, davon fast 1.500 in Deutschland. „Den Globus mit den immer gleichen Restaurants zu überziehen, ist kein zukunftsträchtiges Geschäft mehr. (…) McDonald’s stand viele Jahrzehnte für ‚billig und ungesund‘. Und dieses Image hat die Burger-Kette bis heute nicht ablegen können“ (Busse 30.1.2015). Nach nur drei Jahren wurde der Vorstandsvorsitzende Don Thompson ausgetauscht. „Ausgerechnet zum 75. Geburtstag der Hacksemmel-Bude kaufen dort immer weniger ein. (…) Das erste Mal seit zehn Jahren sinken die Verkäufe in den weltweit 36.000 Fast-Food-Buden. (…) Es gibt keine Anzeichen, dass der Trend zu gesundem, interessantem Essen nachlässt“ (Hägler 30.1.2015).
McDonald’s „kämpft längst nicht mehr nur gegen das Image, Mitarbeiter auszubeuten und Kunden dick zu machen. Der Konzern, der einst das Essen globalisierte und als unangreifbar galt, ist ins Wanken geraten. 2014 verzeichnete  das Unternehmen erstmals seit Langem einen Umsatzrückgang. Der in dieser Woche verkündete Rauswurf von Firmenchef Don Thompson mutet wie ein Alt der Verzweiflung an, es ist der vierte Chefwechsel innerhalb von zehn Jahren. Im Werbejargon von McDonald’s lässt die  Entwicklung nur ein Urteil zu: Einfach schlecht, bei McDonald’s ist es einfach schlecht“ (Böll, Sven, Einfach schlecht, in Der Spiegel 6/31.1.2015).

Nachtrag 3: Keine Geburtstagslaune. „Die größte Restaurantkette der Welt feiert ihr 60-Jähriges. Es gibt Geburtstagsburger und Geburtstags-Werbespots. (…) Denn zum Feiern gibt es eher wenig Grund. Besucherzahlen und Gewinn schmelzen seit Jahren. Der Umsatz sank 2013 und 2014 jeweils um knapp fünf Prozent, obwohl neue Filialen dazukamen und der Fast-Food-Markt insgesamt wächst. Die Zahlen sind von Experten geschätzt, McDonald’s Deutschland darf auf Befehl der Zentrale in Illinois seit ein paar Jahren keine eigenen mehr herausgeben. Ende Januar trat der amerikanische Vorstandschef Don Thompson zurück. Seine dreijährige Amtszeit lief miserabel: Fleischskandale bei Zulieferern in China, politische Gängelungen in Russland, Streiks gegen Billiglöhne in den USA. Das größte Problem ist aber eines, das auf dem Goetheplatz sichtbar wird – und dem man nicht mit fairen Löhnen beikommt. Fast Food passt nicht mehr zum Zeitgeist“ (Stremmel Jan, Das Landesgericht, in SZ 7.4.2015).

Nachtrag 4: Abstieg. „MacDonald’s hat ein Imageproblem, die Marke steht für billige Kalorienbomben, schlechte Arbeitsbedingungen und Zutaten mit ungeklärter Herkunft“ (Werner, Kathrin, M wie mutlos, in SZ 6.5.2015).
Unter anderem deshalb kämpft McDonald’s seit längerem mit Kundenschwund – auch in den USA, weil selbst die Amerikaner inzwischen kalorienbewusster sind. Der Umsatz sinkt, Filialen sollen an Franchisenehmer verkauft werden: Nur noch zehn Prozent der Läden sollen in Eigenregie betrieben werden (Ebenda).

Nachtrag 5: „Bio-Burger“ schon wieder aus
Nach sieben Wochen Probelauf kam das Aus für den „Bio-Burger“ von McDonald’s. „Bei McDonald’s wird es vorerst keinen Hamburger aus Biofleisch mehr geben. (…) Das Echo sei zwar positiv gewesen, aber der ‚McB‘ sei ’noch kein Produkt im Angebt für alle Gäste. Bio ist noch eine Nische‘, hieß es am Montag aus der deutschen McDonald’s-Zentrale“ (DPA, McDonald’s ohne Bio-Burger, in SZ 9.2.2016).

Nachtrag 6: „unsozial“
Im Januar 2016 wird in Brüssel eine globale Allianz gegen McDonald’s gegründet. Der amerikanische Gewerkschaftsführer Scott Courtney: „Die Firma mit dem goldenen Bogen führt das globale Rennen zu immer niedrigeren Sozialstandards an“; McDonald’s stehe für „einen Kannibalen-Kapitalismus“ und schade Arbeiter, Steuerzahler, Konsumenten und Regierungen (Hage, Simon, Pauly, Christoph, Allianz gegen den Riesen, in Der Spiegel 8/22.2.2016). In England müssen sich die meisten Mc-Donald’s-Beschäftigten über Nullstundenverträge „24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr auf Abruf für ihren Arbeitgeber bereithalten. Dabei gibt es keine Garantie, dass McDonald’s regelmäßig anruft. (…) Im vergangenen Jahr legte das Bündnis eine Studie über die Steuervermeidungsstrategie von McDonald’s vor. Danach soll der Konzern allein in Europa zwischen 2009 und 2013 über eine Milliarde Euro weniger Steuern gezahlt haben, weil er hohe Lizenzgebühren über eine Luxemburger Tochter leitet“ (Ebenda). Der überwiegende Teil, der 36.000 Filialen wird im Franchiseverfahren vergeben: „Vorstandschef Easterbrook hat angekündigt, den Anteil der fremdbetriebenen Restaurants in den nächsten Jahren von gut 80 auf 90 Prozent zu steigern“ (Ebenda).

Nachtrag 7: McDonald’s in Florenz
„Manche hatten sich vielleicht auf einen saftigen McBrunelleschi in Florenz gefreut, doch daraus wird vorerst nichts. Stattdessen hat die Stadt aber nun Ärger mit McDonald’s. Die amerikanische Fast-Food-Kette hat die Stadtverwaltung auf Zahlung von 17,8 Millionen Euro Schadenersatz verklagt, weil Bürgermeister Dario Nardella die Eröffnung einer Imbiss-Filiale direkt am Domplatz von Florenz, im Schatten der weltberühmten Kuppel des Baumeisters Brunelleschi, nicht genehmigt hat. ‚Wir möchten unser künstlerisches Erbe schützen‘, begründete der Bürgermeister seine Entscheidung. Es ist ein neuer Höhepunkt im italienischen Kulturkampf ums Essen. Vor fast 30 Jahren regte sich in Rom starker Widerstand, als McDonald’s eine Filiale an der Spanischen Treppe eröffnete. Der Protest verfehlte sein Ziel. Doch die verlorene Schlacht wurde 1989 zur Geburtsstunde der Slow-Food-Bewegung. Gegen die Fast-Food-Kultur postulierte der Gründer Carlo Petrini zunächst das ‚Recht auf Genuss'“ (Sauer, Ulrike, Dicker Klops, in SZ 9.11.2016). McDonald’s verlor schließlich im Fall Florenz vor Gericht. „In der Schadenersatzforderung wirft der Konzern der Stadtverwaltung vor, gegen EU-Wettbewerbsrichtlinien zu verstoßen. ‚Wir werden alles dafür tun, unser bestes Restaurant der Welt am Domplatz zu bekommen‘, kündigte Masi an. Der Bürgermeister stützt sich dagegen auf eine neue kommunale Vorschrift, nach der in der Altstadt, die als Weltkulturerbe der Unesco geschützt ist, 50 Prozent der angebotenen Speisen aus der Toskana stammen müssen. ‚Das ist kohärent mit unserem Kampf gegen Fast Food zum Schutz der Tradition und der Identität der Stadt‘, twitterte Nardella“ (Ebenda).

Nachtrag 8: Ungesundeste Fast-Food-Stadt
Die Kleinstadt Huntington,, West Virginisa, am Westhang der Appalachen wurde 2009 zur ungesundesten Stadt der USA wegen lauter trauriger Rekorde erklärt: „Der höchste Anteil krankhaft übergewichtiger Menschen an der Bevölkerung, mehr als ein Drittel? Check. Die Stadt mit der höchsten Rate an Herzkranken in ganz Amerika? Check. Der zweithöchste Rang bei Diabetes? Check. Den Grund musste niemand lange suchen. Nicht ganz 50 000 Einwohner zählte Huntington, aber sechs McDonald’s und drei Burger Kings, sechs Subway– und vier Taco-Bell-Filialen, vier Mal Wendy’s und je zweimal Pizza Hut und Kentucky Fried Chicken, dazu mindestens ein Dunkin’ Donuts. Und das sind nur die gängigsten Namen. Im Schulzentrum gab es Pizza schon zum Frühstück. (…) Und es kamen Nachahmer. All die Ketten folgten einem Rezept zum Erfolg: schnell zubereitetes, ohne Hilfsmittel zu verzehrendes Essen: also bloß keine Messer und Gabeln, und für die Fettfinger gab es Papierservietten. Die Filialen sind verkehrsgünstig gelegen, mehr als die Hälfte der Amerikaner lebt in nur drei Minuten Entfernung vom nächsten McDonald’s – mit dem Auto versteht sich. Seit den Siebzigerjahren haben die großen Ketten auch Drive-ins, wo der Kunde gar nicht mehr sein Auto verlassen muss, um Burger und Coke zu bestellen. Und alles gibt es zu erschwinglichen Preisen. Der einst kaum erreichbare Luxus, mit der Familie auswärts essen zu gehen, wurde zur Alltagsroutine. So sehr, dass sie Amerika dick und krank machte. Denn massenhaft produziertes Fast Food enthält, gemessen am Nährwert, viel zu viele Kohlenhydrate, zu viel Zucker, zu viel Salz und ungesundes Fett. Wissenschaftler machen Fast Food – oder besser: dessen unmäßigen Verzehr – dafür verantwortlich, dass heute zwei von drei Amerikanern zu viel wiegen. Ein Teil ist so extrem übergewichtig, dass sie schwere gesundheitliche Probleme haben oder bekommen werden: Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes, Krebs. Die Centers for Disease Control and Prevention, Amerikas oberste Gesundheitsbehörde, haben herausgefunden, dass sich die Größe der Fast-Food-Mahlzeiten innerhalb des vergangenen halben Jahrhunderts in den USA vervierfacht hat. Und weil Fast Food längst kein amerikanisches Phänomen mehr ist, lässt sich dieser Trend global beobachten. In der saudischen Hafenstadt Dschidda zum Beispiel haben Mediziner festgestellt, dass deutlich mehr Jugendliche übergewichtig sind, seitdem Fast Food auch den Nahen Osten erobert hat“ (Klüver, Reymer, Fest der Fülle, in SZ 15.4.2017).

Nachtrag 9: McDonald’s steigt beim IOC aus
Im Juni 2017 stieg McDonald’s als TOP-Sponsor beim IOC aus. „McDonald’s wolle künftig andere Schwerpunkte setzen. ‚Als Teil unseres globalen Wachstumsplans haben wir alle Aspekte unseres Geschäfts überdacht und haben diese Entscheidung in Zusammenarbeit mit dem IOC getroffen, um uns auf verschiedene Prioritäten zu fokussieren‘, erklärte McDonalds-Marketingchefin Silvia Lagnado auf der IOC-Homepage. Über die finanziellen Vereinbarungen wurden keine Angaben gemacht. (…) Die Top-Sponsoren, zu denen auch der Burger-Hersteller gehört, zahlen dem Komitee für einen Vier-Jahres-Zyklus insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar. Eigentlich wäre der Vertrag zwischen IOC und McDonald’s noch bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio gelaufen. Das IOC teilte mit, die Trennung erfolge im gegenseitigen Einvernehmen. Gesundheits-Aktivisten haben dem IOC vorgeworfen, Sponsoren wie McDonald’s oder Coca Cola die Möglichkeit zu geben, eher ungesunde Produkte bei den Olympischen Spielen zu bewerben“ (McDonald’s steigt als Olympia-Sponsor aus, in spiegelonline 16.6.2017).

Quellen:
Blitz, Roger
– McDonald’s Olympic sponsorsgip queried, in ft.com 8.7.2012
– Rogge hits back  over sponsorship criticism, in ft.com 8.7.2012
Burghardt, Peter, Kein Kater im Happy Meal, in SZ 8.12.2011
Busse, Caspar, Schwer verdaulich, in SZ 30.1.2015
Die wertvollsten Marken, in SZ 24.8.2012
Dobelmann, Anna, McDonald’s & Co verfüttern den Regenwald, in taz.de 15.4.2006
Faster, fatter, in ft.com 9.7.2012
Fritten statt Fettucine, in SZ 17.2.2009
Giesen, Christoph, Eine schweinische Idee, in SZ 15.2.2012
Greenpeace, Wir essen Amazonien auf, Hamburg 4/2006
Greenpeace wirft McDonald’s Zerstörung des Amazonas-Regenwalds vor, in derstandard.at 2.5.2006
Hägler, Max, Brite am Grill, in SZ 30.1.2015
Heinrich, Marc, Frühstück mit Rogge: Junge Küche, volle Kasse, in faz.net 13.1.2012
IOC Marketing: Media Guide Vancouver 2010
Kammermann, Tanja, Neues Logo: McDonald’s Hoffnung ist grün, in Basler Zeitung 23.11.2009
Kaufman, Marc, New Allies on The Amazon, in washingtonpost.com 24.4.2007
Köhn, Rüdiger, Burger für Olympia, in faz.net 13.1.2012
Kornelius, Stefan, Die Kraft von Grün, in SZ 25.9.2009
Liebrich, Silvia
– Deutschland isst billig, in SZ 17.2.2009
– Big Mac’s jüngere Geschwister, in SZ 11.8.2009
– Schönfärberei bei McDonald’s, in SZ 24.11.2009
– „Wir sind kein grünes Unternehmen“, in SZ 10.2.2010
– Sponsoren, die dick machen, in SZ 10.7.2012
Liebrich, Sylvia/Slavik, Angelika, Aus Rot wird Grün, in SZ 24.11.2009
McDonald’s and Cargill in plan to help Amazon forests, in telegraph.co.uk 3.11.2007
McDonald’s: (K)ein grüner Hintergrund, in www.klima-luegendetektor 24.11.2009
Nicht ein bisschen grün, in SZ 10.2.2010
Rosner, Simon, McOlympia in Innsbruck, in wienerzeitung.at 13.1.2012
Rüthenauer Andreas, Mitmachzirkus  für die Kleinen, in taz.de 13.1.2012
Ulrich, Stefan, McWildschwein, in SZ 21.8.2010
Uno-Experte fordert Steuer auf Cola und Junk Food, in spiegelonline 6.3.2012
Wikipedia
Zoff im Hamburger-Land, in SZ 10.10.2009


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (274 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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