Platzbedarf
© Text: Gesellschaft für ökologische Forschung
Die Anzahl der Sportarten für die Olympischen Winterspiele ist permanent gewachsen.
1952 Oslo : 694 Teilnehmer
1972 Sapporo: 1.006 Teilnehmer
1988 Calgary: 1.423 Teilnehmer
Seit Calgary wurden neben den Wettbewerben auch neuer Gigantismus (Sportbauten), Einflussnahme des Fernsehens (ABC hatte die Rechte für 309 Millionen Dollar erworben), die erstmalige Teilnahme von Profisportlern sowie Streitigkeiten um die augenfällige Werbung an Kleidung und Sportgerät geboten.
1998 Nagano mit 2.302 Teilnehmern, 68 olympische Wettbewerben.
2006 Turin: 2.633 Teilnehmer, 84 olympische Wettbewerben.
2010 Vancouver: 2629 Teilnehmer, 86 Wettbewerbe
Für die München-Bewerbung zu den Olympischen Winterspielen 2018 sollen mindestens 86 Entscheidungen ausgetragen werden. Davon sind 28 Wettbewerbe in München, 25 in Garmisch-Partenkirchen, 26 auf Gut Schwaiganger statt in Oberammergau und 8 Wettbewerbe in Schönau am Königssee geplant.
„Olympische Spiele sind in ihrer heutigen Dimension mit enormen Waren-, Energie- und Personenströmen verbunden. .. Die Flächeninanspruchnahme der Sportstätten und der notwendigen Infrastruktur, die Beherbergung und Verköstigung von Millionen Menschen, deren Versorgung mit Energie und Wasser haben einen enormen Einfluss auf Umwelt und Ökosysteme“ (Umwelt-Konzept der Bewerbungsgesellschaft München 2018).
Das olympische Dorf 2018 in München muss ca. 3.500 Athleten beherbergen, in einem „Main Media Village“ mit temporären Unterkünften will man mindestens 6.000 der erwartenden 10.000 Medienvertreter unterbringen. Bis 2015 sind 17 Hotelprojekte mit insgesamt ca. 2.200 Zimmern geplant.
Garmisch-Partenkirchen soll für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 das „Snow-Cluster“ mit den Alpin-Ski-Disziplinen aufnehmen und Gut Schwaiganger bei Ohlstadt im Loisachtal die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe. Schönau am Königssee erhält laut Planung die Rodel- und Bobwettbewerbe. Zu den eigentlichen Sportanlagen kommen noch hinzu: Zufahrts-Straßen, Parkplätze, Beleuchtungsanlagen auch für die Wettkampfbereiche, Standorte und Tribünen für Presse und Besucher, Sicherheitseinrichtungen, olympisches Dorf und „temporäres Mediendorf“ und alle Ver- und Entsorgungseinrichtungen sowie die technische Infrastruktur.
In Garmisch-Partenkirchen wollte man in einem zweiten „Snow Village“ (olympisches Dorf) ca. 2.500 Athleten und Betreuer sowie zusätzlich und - über GaP verteilt – 3.700 Medienvertreter unterbringen müssen. Die Grundstücksverhandlungen haben bisher nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt, und eine Interessensgemeinschaft aus Trachtenvereinen, Weidegenossenschaften, Bauernverband und Alpenvereinssektion u.a. hatte alternative Standorte für „Snow-Village“ und das ursprünglich geplante „Mediendorf“ vorgeschlagen.
Noch ist nichts sicher und da einige Grundstückseigner und Landwirte – ähnlich wie in Oberammergau – ihr Land nicht für Olympische Nutzungen verpachten wollen, steht alles auf der Kippe.
Allein die Unterbringung von Athleten, Betreuern und Medienleute würde fast die Verdoppelung der Bettenkapazität in Garmisch-Partenkirchen erfordern. Noch nicht dabei sind die Übernachtungskapazitäten für die restliche „Olympische Familie“ wie Mitglieder des IOC, des OCOG und des DOSB, Sponsoren und dazu das Personal und Hilfskräfte für die Versorgung der Spiele, etc.
Umfangreiche Sicherheitsanlagen und Unterbringungsmöglichkeiten für das Sicherheitspersonal (geschätzte 10.000 Leute) und Volunteers (insgesamt 20.000 Menschen, davon wohl die Hälfte in Garmisch-Partenkirchen) sowie Hotels und Unterkünfte für die Besucher kommen noch hinzu. An den Sportstätten wird mit folgenden Besucherzahlen gerechnet:
Kandahar: Ski-Alpin mit Riesenslalom, Super-G und Abfahrt: 18.000 Zuschauer
Hausberg: Parallel-Giantslalom, Snowboard und Skicross (14.000) und Halfpipe 6.000 Zuschauer.
Gudiberg und Schanzen: Skispringen (20.000), Ski alpin mit Slalom (18.000), „Aerials“ und Buckelpisten (14.000 Zuschauer)
In Garmisch-Partenkirchen, Grainau und Farchant soll die Hotelkapazität von etwa 3.000 Zimmern um weitere 5.000 Betten (!) ausgebaut werden. Erwartet Garmisch-Partenkirchen für die WM 2011, bei der nur die „Alpinen“ Wettbewerbe durchgeführt werden, schon 250.000 Gäste, dürften es bei den Olympischen Winterspielen 2018 erheblich mehr werden. Für olympische Tagesbesuche rechnet man mit Spitzen von bis zu 100.000 Zuschauern allein in Garmisch-Partenkirchen.
Oberammergau ist im Juli 2010 ausgeschieden, denn die Bewerbungsgesellschaft hat den Passionsspielort wegen “massiven Widerstands” aus den Planungen für die Olympischen Spiele 2018 genommen (s. unter “Aktuelles”): Ein Erfolg für die Bürgerinitiative in Oberammergau!
Jetzt will man die Biathlon- und Langlaufwettbewerbe samt Stadien und Streckenverläufen auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt bauen: Noch tiefer gelegen als Oberammergau und damit noch weniger schneesicher. Im Bereich der Romanshöhe in Oberammergau waren insgesamt über 40.000 Besucher – bei Langlauf 15.000 und Biathlon 25.000 – geplant. Das wird auch für Gut Schwaiganger gelten.
Einziges Kriterien für diese Wahl: staatlicher Besitz. Kein vernünftiger Grundbesitzer soll mit seiner Ablehnung der olympische Nutzung – und damit längerfristige Zerstörung seines Grundes – für Bewerbungsunsicherheiten sorgen. Obwohl staatlicher Grund ja gerade den Bürgern – und nicht den Politikern – gehört.
In Schönau am Königssee erwartet man 12.000 Zuschauer bei Bob-, Rodel- und Skeleton-Wettbewerben. Ein neues 400-Betten-Hotel soll zur Unterbringung der Sportler direkt am Königssee oder in einem FFH-Gebiet in der Gemeinde Schönau errichtet werden.
Wie die Erfahrung früherer Olympia-Orte (und anderer Wintersportgroßveranstaltungen) zeigen, waren die Hotelkapazitäten nach den Spielen viel zu groß. Das Fazit: Hotel-Konkurse. Das Gleiche kann auch mit den Sportstätten selbst passieren. Hier kommen hohe Unterhaltskosten auf die Gemeinden zu. (Bisherige Erfahrungen mit Olympischen Winterspielen)




