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White Elephants

Zuletzt geändert am 04.12.2011 @ 15:47

Darunter versteht man ungenutzte oder abzubrechende Sportbauten, die für knapp drei Wochen in Betrieb sind und die nach den Olympischen Spielen niemand mehr brauchen kann. Die nutzlosen Bauten kosten die Städte und Gemeinden einen hohen Unterhalt.

In Lillehammer (Olympische Winterspiele 1994) mit 25 000 Einwohnern steht seitdem ein Eissportstadion für 15 000 Zuschauer weitgehend leer. In Nagano wurde für die Winterspiele 1998 eine der größten und teuersten Eishallen der Welt (umgerechnet 230 Millionen Euro) errichtet, die seitdem weitgehend leersteht. Der Unterhalt trifft die durch 1998 hoch verschuldete Stadt Nagano hart. Das neue, eigens für 200 Millionen Dollar erbaute Stadion in Atlanta (Sommerspiele 1996) wurde nach den Spielen halbiert und zu einem Spielfeld für Profi-Baseball umgebaut.

Der amerikanische Wirtschaftsprofessor Andrew Zimbalist veröffentlichte im März 2010 in der IMF-Zeitschrift Finance & Development unter dem bezeichnenden Titel „Ist es das wert?“ eine Warnung an die Austragungsorte. Er schilderte darin die vielfältigen Risiken für Olympische Sommer- und Winterspiele. Darin verwies Zimbalist auch auf die „White Elephants“: So kostete die Bobbahn in Turin 108 Millionen Dollar und verursacht jährlich hohe laufende Kosten für den Unterhalt; sie ist seit den Spielen 2006 außer Betrieb. Bereits im Jahr 2005 (also vor den Spielen!) wurden dort Überlegungen angestellt, nach der Winterolympiade 2006 in Turin die Sprungschanzen und die Bob- und Skeletonbahn sofort wieder abzureißen.

In Sydney (Olympische Sommerspiele 2000) kostet der Unterhalt des olympischen Stadions (90 000 Plätze) 30 Millionen Dollar im Jahr.
Viele der Wettkampfstätten in Athen (2004) sind entweder verlassen oder selten benutzt und besetzen wertvolle Baugrundstücke mitten in der Stadt; die Bäume in den olympischen Grünanlagen und Parks sind verdorrt. Peter Dalheimer berichtet in einem Beitrag des SWR, dass eine der Ursache der griechischen Staatsverschuldung die Ausrichtung der Olympischen Spiele war: “Die Kosten von 11 Mrd. Euro konnten damals nur mit Hilfe von Krediten gestemmt werden. Allein 7 Milliarden wurden in den Neubau von Sportstätten investiert. Anlagen, die heute niemand mehr nutzt” (Dalheimer 3.12.2011).
Auch in Peking (2008) stehen viele unternutzte Stadien.

In der High-Tech-Eislaufhalle in Vancouver 2010 (120 Millionen Euro Kosten) werden nach den zwölf olympischen Wettbewerben keine Eislaufrennen mehr stattfinden. Bei den Olympischen Winterspielen im subtropischen Sotschi 2014 plant man schon die Demontage von Sportstätten, die eventuell anderswo wieder aufgebaut werden sollen, wo man sie wirklich brauchen kann. Und der Bestand wird panisch völlig umgeplant:

„Aus dem Eishockeystadion soll ein Sport- und Kongresszentrum werden, aus dem Eiszentrum eine Handels- und Ausstellungsstätte, aus dem Pressezentrum ein weiteres Handelszentrum,. Aus dem Olympiapark ein Themenpark. Und was wird aus den 42 437 Hotelbetten, die das Olympische Komitee vorgeschrieben hat?“ (Nienhuysen 9.6.2010).

In Peking steht das Nationalstadion (“Vogelnest”) mit 80.000 Plätzen seit den Olympischen Sommerspielen 2008 weitgehend leer. Es hat umgerechnet 409 Millionen Euro gekostet und verursacht jährliche Kosten von 11,4 Millionen Euro (Geinitz 31.7.2010). Ähnlich sieht es in Sydney (2000) und Athen (2004) aus (Hungermann 10.7.2011).

Die Sprungschanzen in Whistler für die Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 wurden zuerst in den Berg gesprengt: Nun, Anfang 2011, sind sie schon wieder abgerissen und existieren nicht mehr (Der Anfang vom Ende der olympischen Träume, in wienerzeitung.at 22.2.2011).
Es gibt jede Menge weiterer Beispiele von olympischen White Elephants: so viel zum „positiven materiellen Erbe“ Olympischer Spiele. Aber auch die FIFA produziert White Elephants. Für die WM in Südafrika forderte sie fünf neue und fünf generalüberholte Stadien; sie werden nach dem Turnier nicht mehr gebraucht und verfallen oder werden rückgebaut, wie es schon mit den White Elephants in Japan und Südkorea geschehen ist.

Das neue Green Point Stadium für 66 000 Besucher in Kapstadt – von Blatter angeblich allein bei einem Segeltrip entschieden –, das nun Cape Town Stadium heißt, kostete 420 Millionen Euro: Bei der WM 2010 fanden dort ganze acht Spiele statt. Danach wird es laufende jährliche Kosten zwischen ein bis sieben Millionen Euro verursachen: Die Finanzierung ist unklar.

Das Drama geht bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien weiter. „Manaus und Culaba sind ohne Team in den Profiligen. Den Stadien dort droht nach der WM Leerstand“ (SZ 9.7.2010).

Die nächsten White Elephants des IOC und der FIFA sind vorprogrammiert…

Quellen:
Dalheimer, Peter, Griechenland: Milliardengrab Olympiabauten, SWR 3.12.2011
Der Anfang vom Ende der olympischen Träume, in wienerzeitung.at 22.2.2011
Geinitz, Christian, Dabei sein war alles in Peking, in faz.net 31.7.2010
Germann, Daniel, Ein hoher Preis, in Neue Zürcher Zeitung 27.2.2010
Gertz, Holger/Kistner, Thomas, Spielverderber, in SZ 26.6.2010
Hungermann, Jens, Ist Olympia kaum mehr als eine große  Party? in weltonline 10.7.2011
Jennings, Andrew, Das Olympia-Kartell – Die schäbige Wahrheit hinter den fünf Ringen, Reinbek 1996
Nienhuysen, Frank
- Vollgefressene Kater, in SZ 2.3.2010
- 42 437 Hotelbetten für einen Kurort, in SZ 9.6.2010
Nur das Logo steht, in SZ 97.2010
Rosner, Maik, Eine Herde weißer Elefanten, in SZ 7.7.2010
Vougioukas, Janis, Zum Einkaufen in den Wasserwürfel, in SZ 26.8.2008
Zimbalist, Andrew, Is it worth it?, in Finance & Development March 2010


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