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Yoshiaki Tsutsumi

Zuletzt geändert am 02.08.2010 @ 9:07

Von 1989 bis 2004 war Yoshiaki Tsutsumi (* 1934) Ehrenpräsident des Japanischen Olympischen Komitees und Ehrenmitglied im IOC. Tsutsumi war außerdem Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Präsident des nationalen Skiverbandes, des Eishockey-Verbandes und Vize-Chef des olympischen Organisationskomitees. Als Tsutsumi 2005 wegen Finanzfälschungen zu 3 Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße verurteilt wurde, suspendierte das IOC seine Mitgliedschaft.

- Das Geld:

Tsutsumi war Haupteigentümer und bis 2004 Vorsitzender der Seibu Group mit Hotelketten (Prince), Kaufhäusern, Freizeitparks und Eisenbahnlinien.

„Tsutsumi hielt 70 Prozent der Anteile an Japans riesiger Skisportindustrie und war immer auf Expansion aus, besonders wenn er den japanischen Steuerzahler an den Kosten beteiligen konnte“ (Jennings 1996, S. 159).

Sein Lieblingsspruch war: „When I speak, 100 politicians jump“ (Kistner, Weinreich 2000, S. 202). Bis 1990 wurde Tsutsumi auf der Forbes-Liste als reichster Mensch der Welt geführt. Er kontrollierte 70 Firmen mit 35 000 Angestellten. Zwischen 1995 und 1998 verlor er fünf Milliarden Dollar und rutschte bei Forbes mit 5,7 verbliebenen Milliarden Dollar auf Platz 41; seit 2007 ist er nicht mehr auf der Liste. 2005 wurde er wegen Aktienbetrugs zu 30 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldbuße verurteilt; sein Konzern musste umgerechnet 2,5 Millionen Euro Strafe zahlen (spiegelonline 27.10.2005).

„Als Samaranch Geld für sein Herzensprojekt, das Olympische Museum in Lausanne, brauchte, war Tsutsumi mit zehn Millionen Dollar zur Stelle. Und als Tsutsumi Olympische Spiele brauchte, war Samaranchs IOC zur Stelle“ (Spiegel 23.2.1998).

Er organisierte mit 19 anderen japanischen Konzernen 20 Millionen Dollar für das Olympische Museum seines Freundes Samaranch. Er bekam den Olympischen Orden in Gold und drückte die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano durch: Es flossen 18 Millionen US-Dollar Schmiergelder. Das Time Magazine beschrieb 1999 den Kauf diverser Olympischer Spiele, unter andeen den Fall Nagano (spiegelonline 27.10.2005; Sullivan 25.1.1999).

- Nagano 1998:

Über 13 Millionen Euro kostete allein die Bewerbung. Dazu bezahlte Nagano umgerechnet fast 10 Millionen Euro für die Spezialbetreuung von Olympia-Funktionären des IOC (einschließlich Geishas). Die Unterlagen, 90 dicke Ordner, wurden von einem Mitglied des Bewerbungskomitees verbrannt (weltonline 22.1.1999).

IOC-Präsident Samaranch bekam ein Samurai-Schwert im Wert von umgerechnet 14 000 Euro, er und andere IOC-Mitglieder erhielten wertvolle Gemälde. 20 Milliarden Dollar investierte die japanische Regierung in die Erneuerung der Infrastruktur um Nagano. Allein die Anbindung mit dem Shinkansen-Expresszug kostete 12,5 Milliarden – bei dessen Betreibergesellschaft die Tsutsumi-Gruppe die Mehrheit hielt (Kistner/Weinreich 2000, S. 201f). Den größten Nutzen aus den Olympischen Winterspielen zogen neben der Bauwirtschaft zwei Hotelbetreiber: Seibu und Tokyu. Der Mischkonzern Tokyu bekam für seine Hotel- und Freizeitanlagen im Wintersportort Hakuba eine verbesserte Verkehrsanbindung.

Yoshiaki Tsutsumi war der größte Profiteur der Spiele. Er war Präsident der Seibu-Gruppe, die in der Umgebung von Nagano an den Austragungsorten Shiga Kogen und Karuizawa viele Hotels, Ski- und Golfanlagen gebaut hat. Auch seine Hotels in Nagano wurde mit Tokio über den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen verbunden.

Die Olympischen Winterspiele 1998 wurden nicht von ungefähr „Tsutsumi Open“ genannt. Bulldozer schlugen für 16 Tage Olympische Winterspiele breite Pisten für eine Gebirgsautobahn in die Berge. Obwohl Nagano mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen angebunden wurde, fuhren Funktionäre und Sportler mit 1300 Autos und 1300 Bussen – angeblich auf Wunsch des IOC. Für die Bobbahn wurden 5000 Bäume gefällt. (Spiegel 10.2.1997; Kistner/Weinreich 2000, S. 201). Heerscharen von Beamten wurden abkommandiert, Schulklassen mussten zum Jubeln antreten.

- Nach den Winterspielen:

In Nagano wurde eine der größten und teuersten Eishallen der Welt gebaut – für umgerechnet 230 Millionen Euro. Schon vor den Spielen war klar, dass sie eine Fehlinvestition war. Der Spiegel schrieb bereits im Juli 1997: „Wer die Riesenbauten nach der Olympiade benutzen soll, ist häufig noch ungeklärt. Fest steht nur: Den Unterhalt muss die Stadt Nagano bezahlen, die bereits verzweifelt nach Spendern sucht“ (Spiegel 7/1997).

Nagano ist so gut wie bankrott: Der Schuldenberg beträgt 11 Milliarden Euro. Der erhoffte Tourismusboom ist ausgeblieben. Die Baukosten für Infrastruktur (mit Schnellzuganbindung) und die Betriebskosten für die vielfach leer stehenden Anlagen belasten den Haushalt. Nagano wird 25 Jahre lang den Schuldenberg abzutragen haben – bis 2023.

Quellen:

Das erste IOC-Mitglied tritt zurück, in weltonline 20.1.1999

Geplatzte Seifenblase, in Spiegel 10.2.1997

Jennings, Andrew, Das Olympia-Kartell, Reinbek 1996

Kistner, Thomas/Weinreich, Jens, Der olympische Sumpf, München 2000

Kuske, Tobias, Angst vor Milliardendefizit in Vancouver, in Sponsors 28.1.2010

Nicolaysen, Lars, Milliardenschwere Mauschel-Meister, in Manager Magazin 14.4.2004

Nie mehr nach Japan, in Spiegel 23.2.1998

Schwerreich und kriminell, in Manager Magazin, 27.10.2005

Sullivan, Robert et al., Now the Olympics were bought, in Time Magazine 25.1.1999

Vom reichsten Mann der Welt zum Kriminellen, in spiegelonline 27.10.2005

Zimbalist, Andrew, Is it worth it?, in Finance & Development March 2010


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