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Biathlon

 
Zuletzt geändert am 14.03.2017 @ 18:10

Der Ursprung
Vom Militär stammende Disziplin (griechisch: Zweikampf) mit Langlauf und Stehend- und Liegendschießen, die zunehmend an Beliebtheit gewinnt. Bei ARD und ZDF hat das Biathlon mit bis zu fünf Millionen Zuschauern die höchsten Einschaltquoten aller Wintersportarten. Der Sportchef der FAZ, Jörg Hahn, stellte fest: „ARD und ZDF haben Biathlon durch inflationäre Übertragungen in eine groteske Position gebracht“ (Blaschke, S. 16).
Vielleicht ist Biathlon in Deutschland deshalb so erfolgreich, weil es eine Art Kriegssport ist, wo die Läufer nach dem Langlauf ihre Gewehre in Position bringen und runde Zielscheiben treffen müssen. Außerdem lässt sich die Sportart vortrefflich mit einem Bier vor dem Fernseher aus verfolgen.

Biathlon begann mit einer Disziplin bei den Olympischen Winterspielen 1960 und wurde bis 2010 auf sechs Disziplinen bei Männer und Frauen erweitert. Die deutschen Biathleten sind meist bei Bundeswehr oder Zoll an- bzw. freigestellt, um Medaillen zu erwerben.

Doping im Biathlon
Seit 2002 wurde ein verstärkter Einsatz von Dopingmitteln festgestellt. Der Biathlet Frank Ullrich war Weltmeister und Goldmedaillengewinner 1980 in Lake Placid. Dann war Ullrich Trainer für die damalige DDR, danach deutscher Bundestrainer und nun verdächtig, in der DDR für Doping verantwortlich gewesen zu sein. Der frühere DDR-Biathlet Jürgen Wirth sagte in der ARD: „Ullrich hat uns damals angewiesen, dieses Mittel Oral-Turinabol einzunehmen“ (Hahn 11.2.2014). Thomas Pfüller war in der ehemaligen DDR Skilanglauf-Cheftrainer und stellvertretender Generalsekretär des DDR-Skiverbandes und wurde im September 2010 zum Vize-Präsidenten des Welt-Biathlonverbandes IBU gewählt. Der ehemalige DDR-Biathlon-Nationaltrainer Kurt Hintze musste wegen seiner Doping-Vergangenheit 1992 als Biathlon-Bundestrainer abtreten und ist heute im Präsidium des WSV Oberhof 05 (Purschke).

Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin wurden im Rahmen einer Razzia bei der österreichischen Mannschaft medizinische Geräte und Apparate für Doping gefunden; zwei Biathleten wurden vom IOC lebenslang gesperrt. Der frühere Betreuer der österreichischen Langlauf- und Biathlonmannschaften, Walter Mayer, wurde im August 2011 als „Dopingsünder“ schuldig gesprochen („Blutbeutel-Affäre“) und zu einer Gesamtstrafe von 15 Monaten verurteilt: Er hat von 2005 bis 2008 Spitzensportler mit Anabolika, Hormonen und Stimulanzmitteln versorgt (SZ 18.8.2011).
Bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Pyeongchang, Korea, im Februar 2009 mussten drei russische Biathleten überstürzt abreisen, weil ihr Dopingbefund positiv war. Gerüchten zufolge war die vierte Epo-Generation zum Einsatz gekommen, aber von Labors enttarnt worden. Der seit 2002 amtierende und immer noch im Amt befindliche Vizepräsident der Internationalen Biathlon-Union (IBU), der Russe Alexander Tichonow, sprach sich sofort für die drei Gedopten aus und zweifelte die IBU-Tests an. (Tichonow wurde 2007 für schuldig befunden, mit Komplizen einen Mordversuch auf einen Gouverneur geplant zu haben – aber umgehend amnestiert.) Der deutsche Biathlontrainer der schwedischen Nationalmannschaft sprach von russischen Morddrohungen gegen sein Team. Die IBU bezeichnet sich übrigens gern als Familie.
In der Saison 2009/2010 wurden innerhalb eines Jahres wieder fünf Biathleten des russischen Biathlon-Verbandes RBU mit illegalen Drogen erwischt: Die IBU belegte den russischen Verband daraufhin mit 50.000 Euro Geldstrafe (SZ 16.11.2010). Tichonow verließ im September 2010 die IBU: „… aber nichts deutet darauf hin, dass es ab sofort in Russland um sauberen Sport geht“ (Kreisl 4.9.2010).

Biathlon auf Kunstschnee
In Pyeongchang war es im Februar 2009 zu warm für eine künstliche Beschneiung, und der Dauerregen bei plus 16 Grad Celsius ließ die Schneevorräte im wahrsten Sinn des Wortes zusammenschmelzen. Da auch im thüringischen Oberhof 2007 beim Biathlon-Weltcup Tauwetter herrschte, baute man für 14,4 Millionen Euro einen künstlich gekühlten Biathlon-Tunnel, der nun auch im Sommer bei Außentemperaturen von 30 Grad plus genutzt werden kann, da er auf drei Grad heruntergekühlt wird. Sechs Hektar Wald wurden gerodet, jede Menge Energie und fast eine Million Euro Betriebskosten sind jährlich erforderlich: Und schon kann man einen Sport aus der freien Natur nach innen verlegen, mit bester Platzierung der Fernsehkameras. Das reiche Deutschland bietet seinen Biathleten vollste Unterstützung: Ärmere Länder können diese Trainingsmöglichkeiten nicht bieten.
Und die technische Aufrüstung geht weiter. Der Deutsche Skiverband stellte 2011 einen monströsen „Wachstruck“ für 400.000 Euro in Dienst: einen 20-Tonner-Lkw mit 400 PS, 18,4 Meter lang und 2,6 Meter breit, in dem 380 Paar Biathlon-Ski bearbeitet werden können (Kreisl 9.11.2011).
Der fährt dann mit entsprechendem Kraftstoffverbrauch quer durch Europa von Finnland bis Italien –  sofern er nicht außerhalb Europas eingeflogen wird…

Und die Biathlon-Anlage in Ruhpolding wurde für die WM 2011 für 16 Millionen Euro umgebaut. Der Umbau hinterließ eine Spur der Verwüstung: Dafür ist die Spur jetzt 14 Meter breit.
Vergleiche auch hier. Das ist  aber nicht die einzige Zuwendung aus öffentlichen Mitteln.

Biathlon wird noch teurer
Die International Biathlon Union (IBU) hatte 1993 noch einen Etat von umgerechnet 400.000 Euro: 2012 verfügte sie über 12 bis 15 Millionen Euro. Das Geld kommt auch über die Fernsehrechte herein, und hier zahlen vor allem die Öffentlich-Rechtlichen Sender. Deren Zusammenschluss, die European Broadcasting Union (EBU), überweist jährlich etwa zwölf Millionen Euro an die IBU. Vergleiche Die Sport-Sender.
Die Verträge laufen nach der Saison 2013/2014 aus. Eine Reihe von Sportmarketinghändlern würde sich gern zwischen Sportverband und Sender drängen und verdienen, u. a. der Sportrechtehänder Infront. Dessen CEO und Präsident ist Philippe Blatter, ein Neffe des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Die Fifa hat mit Infront die Fußball-WM in Südafrika vermarktet und zog mit rund vier Milliarden US-Dollar Profit ab, während Südafrika auf Kosten von vier Milliarden US-Dollar sitzen blieb. So war es auch in Ruhpolding: Die Internationalen Sportverbände spielen ihr Spiel.

Nachtrag 1: Doping-Trainer Walter Mayer zurück ins Geschäft?
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City als Dopingtrainer der österreichischen Langläufer erwischt, von der FIS lebenslänglich gesperrt: Dagegen klagte Walter Mayer vor dem Innsbrucker Arbeitsgericht. Ab 2004 konnte er wieder Trainer beim ÖSV sein, von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel unterstützt. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin erfolgte eine Dopingkontrolle bei den österreichischen Langläufern und Biathleten, wo bei einer Polizeirazzia über 100 Spritzen und 30 Schachteln mit Medikamenten sowie Apparate für Bluttests und Transfusionen gefunden wurden (Wikipedia). Obwohl vom IOC gesperrt, hatte Mayer in der Mannschaftsunterkunft übernachtet.
Nun will Mayer Biathlon-Nationaltrainer in Litauen werden (Kreisl 4.5.2013).

Nachtrag 2: Dumm gelaufen
Einen Tag nach seinem versehentlichen Bremsmanöver während des Staffelrennens beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding hat sich Russlands Trainer Wolfgang Pichler bei Laura Dahlmeier entschuldigt. Er habe das gar nicht mitbekommen, sagte Pichler während des Frauen-Trainings am Donnerstag zu der dreimaligen Junioren-Weltmeisterin, er wolle sich für den Vorfall entschuldigen. Russland hatte am Mittwoch das dritte Staffel-Rennen der Saison vor Deutschland gewonnen. Als Dahlmeier während des Rennens an Position drei unterwegs war und gerade zum Überholen ansetzen wollte, war ihr Pichler im Weg. Er feuerte gerade seine Läuferin an. „Da war ein bisschen wenig Platz für mich“, sagte Dahlmeier“ (Pichler im Weg, in SZ  10.1.2014).
Aktive Behinderung?! Tausend Tricks im Biathlon…

Nachtrag  3: Biathlon-Doping
„Die russische Biathletin Jekaterina Jurjewa, 31, ist wegen wiederholten Epo-Dopings vom Weltverband IBU für acht Jahre gesperrt worden. Das teilte der Verband am Donnerstagabend mit. Die ehemalige Weltmeisterin war im vergangenen Jahr bei Trainingskontrollen in Pokljuka/Slowenien zweimal innerhalb einer Woche positiv getestet worden. (…) Sie war bereits am letzten großen Doping-Skandal im Biathlon beteiligt gewesen. Kurz vor der WM 2009 in Pyeongchang war sie zusammen mit ihren Landsleuten Albina Achatowa und Dimitri Jaroschenko gesperrt worden“ (Acht Jahre Sperre, in SZ 19.7.2014).

Nachtrag 4: IBU-Vizepräsident schickt Sohn zu Dottore Epo
Der Italiener Gottlieb Taschler ist Organisationschef des Biathlon-Weltcups in Antholz und wurde im September 2014 als Vizepräsident der Internationalen Biathlon-Union IBU wiedergewählt. Wie die Staatsanwaltschaft Padua ermittelte, vermittelte Taschler 2010 seinen Sohn Daniel Taschler, einen mäßig erfolgreichen Biathleten, an Dottore Epo, Michele Ferrari. Gottlieb Taschler sagte zur Südtiroler Tageszeitung: „Es ging um ein medizinisches Problem meines Sohnes, nicht um Doping“ (Mölter, Joachim, Der Arztbesuch des Sohnes, in SZ 12.12.2014). Ferrari wurde wegen Sportbetrugs und Verstoßes gegen Anti-Doping-Gesetze angeklagt und ist von der Anti-Doping-Agentur der USA, der Usada, im Zusammenhang mit Lance Armstrong lebenslang gesperrt worden. „Man darf gespannt sein, warum er seinen Sohn nicht zu einem Facharzt schickte, sondern ausgerechnet mit Michele Ferrari zusammenbrachte“ (Ebenda). Die Gazzetta dello Sport hat Abhörprotokolle, in denen Ferrari mit Daniel Taschler die Dosis („immer 1000“) und die Spritzmethode („in die Vene“) bespricht („In die Vene?“ – „In die Vene“, in SZ 12.12.2014).
Die Staatsanwaltschaft Padua ermittelt gegen Ferrari als Mitglied einer 30-köpfigen Bande, die mit systematischem Doping 30 Millionen Euro umgesetzt hat, wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche (Mölter 12.12.2014). Die IBU hielt sich völlig bedeckt. Ihre Generalsekretärin Nicole Resch: „Wir äußern uns nicht zu dem Fall, wir warten auf die Falten“ (Mölter, Joachim, Nichts wissen, nichts sagen, in SZ 13.12.2014).

Nachtrag 5: Weiter Biathlon-Doping
„Der Biathlon-Weltverband IBU hat am Montag zwei neue Dopingfälle bekannt gegeben. Durch die erneute Untersuchung von alten, außerhalb von Wettkämpfen entnommenen Proben hat die IBU den Russen Alexander Loginow und den Ukrainer Sergei Sednew als Epo-Sünder überführt. (…) Vor allem bei russischen Biathleten gab es in der Vergangenheit immer wieder Dopingfälle. Zuletzt war eine Woche vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi Irina Starych positiv getestet worden. Die 27-Jährige wurde im Juli vom Anti-Doping-Hearing-Panel der IBU für zwei Jahre gesperrt.Im Dezember 2008 waren Albina Achatowa, Jekaterina Jurjewa und Dimitri Jaroschenko des Epo-Missbrauchs überführt und gesperrt worden. Die 31 Jahre alte Jurjewa kehrte in den Wettkampfbetrieb zurück, wurde aber im vergangenen Juli wegen wiederholten Epo-Dopings für acht Jahre aus dem Verkehr gezogen“ (DPA, Im Nachtest überführt, in SZ 13.1.2015).
Dazu aus einem Kommentar von Joachim Mölter in der SZ: „Die Biathlon-Generalsekretärin Nicole Resch hat im Zusammenhang mit den Fällen Loginow/Sednew versichert, dass die IBU ihre ‚Nulltoleranz gegen Doping‘ konsequent weiterverfolgen wird. Der Weltverband täte allerdings gut daran, sich nicht zu sehr feiern zu lassen für seine jüngsten Fahndungserfolge. Dafür gibt er in der Öffentlichkeit bisweilen ein allzu passives Bild ab – zu begutachten in der Affäre um seinen Vizepräsidenten Gerhard Taschler aus Italien, der im Dezember für Wirbel sorgte: Da war tagelang nichts von der IBU zu hören. Direkt offensiv war dieses Schweigen nicht. Aber es passt ins allgemeine, also nicht nur auf den Biathlonsport bezogene Bild, dass man die weniger bekannten Sünder mit größerer Strenge verfolgt und bestraft als die prominenten, die in der Hierarchie weiter oben stehen. Und es passt ebenso ins Bild, dass man die Härte gegen die Kleinen als Fortschritt im Anti-Doping-Kampf preist“ (Mölter, Joachim, Zu spät enttarnt, in SZ 13.1.2015; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 6: Vier Biathleten gedopt
Im Januar 2015 wurden drei russische Biathleten und ein ukrainischer Biathlet des Dopings überführt. Dopingtforscher Perikles Simon zur Haltung des Biathlon-Weltverbandes IBU: „Ich würde das eher als ‚Anti-Anti-Doping-Offensive‘ bezeichnen, denn ich halte es für eine Maßnahme, die zur Beruhigung der Öffentlichkeit dient. Man hat bei der IBU offensichtlich festgestellt, dass man Dreck am Stecken hat und diesen beseitigen muss. Dort wussten die Verantwortlichen wohl schon länger, dass bestimmte Athleten nicht sauber sind. Deshalb hat man diese wohl noch einmal gezielt getestet. Nun hat der Verband für die Öffentlichkeit vier Dopingsünder, verweist stolz auf diese Alibi-Maßnahmen und kann sagen: ‚Seht her, wir tun etwas gegen Doping.‘ Dabei hat der Verband nur das getan, was er schon längst hätte tun sollen.

Nachtrag 7: Folgen des zweiten McLaren-Berichtes – nach Bob und Skeleton sagt auch Biathlon ab
Am 9.12.2016 veröffentlichte der kanadische Professor Richard McLaren den zweiten Report zum russischen Staatsdoping. Die Biathlon-Weltverband IBU erhielt von der Wada eine Liste mit 31 russischen Biathleten und-innen, die dopingverdächtig sind. Die IBU hatte sofort nach Veröffentlichung des zweiten McLaren-Berichts am 9.12.2016 eine Arbeitsgruppe am 12.12.2016 gegründet mit Experten im Bereich Dopingbekämpfung, Medizin, Recht und Ergebnismanagement. Die IBU-Vorstandssitzung am 22.12.2016 in München brachte u. a. als  Ergebnis, dass eine formelle Untersuchung durch die IBU gegen die russische Biathlon-Union RBU und 29 im McLaren-Bericht genannten AthletInnen eingeleitet wird. Zwei AthletInnen, Teilnehmer von Sotschi 2014, wurden suspendiert. Die RBU hat die IBU informiert, dass sie die Jugend- und Junioren-WM 2017 (an Ostrov) und der BMW IBU-Weltcup 2017 (Tyumen) zurückgeben wird. IBU-Präsident Anders Besseberg: „Die  Erkenntnisse des McLaren-Berichts zeigen schwerwiegende Probleme im russischen Sport und seinen Anti-Doping-Kontrollsystem auf. Die IBU nimmt alle diese Informationen sehr ernst; es ist nun an uns, im Einzelnen herauszufinden, welches Ausmaß dieses Problem im russischen Biathlon hat“ (IBU-Pressemitteilung: Außerordentliche Sitzung des IBU-Vorstandes, in de.biathlonworld.com 22.12.2016). Die Maßnahmen waren allerdings sehr milde: Gegen die RBU und 29 AthletInnen wurden formelle Verfahren und gegen zwei BiathletInnen Disziplinarmaßnahmen eingeleitet; diese wurden vorläufig suspendiert (Mölter, Joachim, Die nächsten Lawinen, in SZ 23.12.2016). – „Der erste Vizepräsident der IBU, der auch Mitglied des Vorstands der Russischen Biathlon-Union ist, hat sich nicht an den Entscheidungen beteiligt“ (Ebenda). Falls  sich die IBU entscheide, Athleten zu sperren, soll dies vor der ersten Weltcup-Woche 2017 in Oberhof geschehen (Dopingverdacht gegen 31 russische Sportler, in spiegelonline 15.12.2016).
Die Rückgabe von Ostrov und Tyumen durch die RBU „dürfte allein taktisch motiviert sein, denn so wie sich die Dinge zuletzt entwickelten, wäre ohnehin kaum ein anderer Biathlet dort angetreten“ (Kreisl, Volker, Vergiftete Winterwelt, in SZ 25.12.2016). So sagte der fünfmalige Biathlon-Gesamtsieger Martin Fourcade aus Frankreich: „Ich hoffe, sie haben die Eier, sie zu sperren… Wenn nicht, müssen die Biathleten selbst aktiv werden“ (Hofmann, René, „Wir sind bereit, diese Opfer zu bringen“, in SZ 17.12.2016). Auch die tschechische Spitzenbiathletin Gabriela Koukalova und die gesamte norwegische Mannschaft hatten mit Boykott gedroht (Kreisl 24.12.2016). – „Das Internationale Olympische Komitee IOC hat Doping-Ermittlungen gegen 28 russische Athleten eingeleitet und wird darüber hinaus die Dopingproben aller Olympiateilnehmer von Sotschi 2014, London 2012 und Vancouver 2010  aus Russland erneut analysieren. Das teilte das IOC am Freitag (23.12.2016; WZ) mit“ (IOC ermittelt gegen 28 Athleten, in spiegelonline 23.12.2016).
Dazu Volker Kreisl in einem Beitrag in der SZ: „Die Vertreter des Ski-Zweikampfs stehen im Zentrum des Wintersports, und sie präsentieren sich besonders als harmonischer Clan. Doch nun herrscht Streit in der Familie. Im Biathlon ging es zuletzt nicht mehr um die Sieger eines Rennens, sondern um die Frage, wie man mit dem russischen Staatsdoping umgehen soll. Die Atmosphäre ist vergiftet, beherrscht von Unsicherheit, Misstrauen und Wut gegen die gerade wieder mal plötzlich erfolgreichen russischen Kontrahenten – und gegen den eigenen Weltverband IBU. (…) Wie die IBU, so lobte auch die Fis den neuen russischen Willen zur Kooperation, auch sie hofft, dass sich nun die Stimmung beruhigt – und auch sie täuscht sich wahrscheinlich. Denn für eine echte Kooperation, also die gemeinsame Aufklärung der Vergiftung der Winterwelt, wäre als Basis die Einsicht vonnöten, dass irgendetwas falsch gelaufen ist. Doch der aktuell beste Biathlet Anton Schipulin, Staffel-Olympiasieger von Sotschi, sagte nur, dass die Dopingvorwürfe politisch motiviert seien, ‚Beschuldigungen ohne jede Beweise‘. (…) Die Gemüter werden sich auch bei den Biathlon-Weltcups in Oberhof, Ruhpolding und wohl auch bei der WM in Hochfilzen/Österreich kaum beruhigen, denn besonders die jüngere russische Biathlon-Geschichte ist eine Geschichte des Dopings. Bei den Spielen in Turin wurde Olga Pylewa gesperrt, 2009, kurz vor der WM in Pyeongchang, war das Doping dann klar systematisch: Die drei aufgeflogenen Sportler nahmen alle den gleichen modifizierten Blutbeschleuniger. Dafür erhielt der Verband eine Strafe von 50 000 Euro, und im Jahr 2014, als abermals die RBU drei Dopingfälle hatte, eine Strafe von 100 000 Euro. Das russische Biathlon-Doping hat eine historische und eine politische Dimension durch die naheliegende Verwicklung in Vertuschung in Sotschi. Es ist nahezu unmöglich, nicht davon überzeugt zu sein, dass staatlich gelenktes Doping vorliegt“ (Kreisl, Volker, Vergiftete Winterwelt, in SZ 24.12.2016).

Nachtrag 8: Russisches System-Doping und Biathlon
Nach den Erkenntnissen über das russische Staatsdoping sagt nach Bob und Skeleton auch Biathlon ab. Die Biathlon-Weltverband IBU erhielt von der Wada eine Liste mit 31 russischen Biathleten und -innen, die dopingverdächtig sind. Die IBU hatte sofort nach Veröffentlichung des zweiten McLaren-Berichts am 9.12.2016 eine Arbeitsgruppe am 12.12.2016 gegründet mit Experten im Bereich Dopingbekämpfung, Medizin, Recht und Ergebnismanagement. Die IBU-Vorstandssitzung am 22.12.2016 in München brachte u. a. als  Ergebnis, dass eine formelle Untersuchung durch die IBU gegen die russische Biathlon-Union RBU und 29 im McLaren-Bericht genannten AthletInnen eingeleitet wird. Zwei AthletInnen, Teilnehmer von Sotschi 2014, wurden suspendiert. Die RBU hat die IBU informiert, dass sie die Jugend- und Junioren-WM 2017 (an Ostrov) und der BMW IBU-Weltcup 2017 (Tyumen) zurückgeben wird. IBU-Präsident Anders Besseberg: „Die  Erkenntnisse des McLaren-Berichts zeigen schwerwiegende Probleme im russischen Sport und seinem Anti-Doping-Kontrollsystem auf. Die IBU nimmt alle diese Informationen sehr ernst; es ist nun an uns, im Einzelnen herauszufinden, welches Ausmaß dieses Problem im russischen Biathlon hat“ (IBU-Pressemitteilung: Außerordentliche Sitzung des IBU-Vorstandes, in de.biathlonworld.com 22.12.2016). Die Maßnahmen waren allerdings sehr milde: Gegen die RBU und 29 AthletInnen wurden formelle Verfahren und gegen zwei BiathletInnen Disziplinarmaßnahmen eingeleitet; diese wurden vorläufig suspendiert (Mölter, Joachim, Die nächsten Lawinen, in SZ 23.12.2016). – „Der erste Vizepräsident der IBU, der auch Mitglied des Vorstands der Russischen Biathlon-Union ist, hat sich nicht an den Entscheidungen beteiligt“ (Ebenda). Falls  sich die IBU entscheide, Athleten zu sperren, soll dies vor der ersten Weltcup-Woche 2017 in Oberhof geschehen (Dopingverdacht gegen 31 russische Sportler, in spiegelonline 15.12.2016).
Die Rückgabe von Ostrov und Tyumen durch die RBU „dürfte allein taktisch motiviert sein, denn so wie sich die Dinge zuletzt entwickelten, wäre ohnehin kaum ein anderer Biathlet dort angetreten“ (Kreisl, Volker, Vergiftete Winterwelt, in SZ 25.12.2016). So sagte der fünfmalige Biathlon-Gesamtsieger Martin Fourcade aus Frankreich: „Ich hoffe, sie haben die Eier, sie zu sperren… Wenn nicht, müssen die Biathleten selbst aktiv werden“ (Hofmann, René, „Wir sind bereit, diese Opfer zu bringen“, in SZ 17.12.2016). Auch die tschechische Spitzenbiathletin Gabriela Koukalova und die gesamte norwegische Mannschaft hatten mit Boykott gedroht (Kreisl 24.12.2016). – „Das Internationale Olympische Komitee IOC hat Doping-Ermittlungen gegen 28 russische Athleten eingeleitet und wird darüber hinaus die Dopingproben aller Olympiateilnehmer von Sotschi 2014, London 2012 und Vancouver 2010  aus Russland erneut analysieren. Das teilte das IOC am Freitag (23.12.2016; WZ) mit“ (IOC ermittelt gegen 28 Athleten, in spiegelonline 23.12.2016). Dazu Volker Kreisl in einem Beitrag in der SZ: „Die Vertreter des Ski-Zweikampfs stehen im Zentrum des Wintersports, und sie präsentieren sich besonders als harmonischer Clan. Doch nun herrscht Streit in der Familie. Im Biathlon ging es zuletzt nicht mehr um die Sieger eines Rennens, sondern um die Frage, wie man mit dem russischen Staatsdoping umgehen soll. Die Atmosphäre ist vergiftet, beherrscht von Unsicherheit, Misstrauen und Wut gegen die gerade wieder mal plötzlich erfolgreichen russischen Kontrahenten – und gegen den eigenen Weltverband IBU. (…) Wie die IBU, so lobte auch die Fis (Internationaler Skiverband; WZ) den neuen russischen Willen zur Kooperation, auch sie hofft, dass sich nun die Stimmung beruhigt – und auch sie täuscht sich wahrscheinlich. Denn für eine echte Kooperation, also die gemeinsame Aufklärung der Vergiftung der Winterwelt, wäre als Basis die Einsicht vonnöten, dass irgendetwas falsch gelaufen ist. Doch der aktuell beste Biathlet Anton Schipulin, Staffel-Olympiasieger von Sotschi, sagte nur, dass die Dopingvorwürfe politisch motiviert seien, ‚Beschuldigungen ohne jede Beweise‘. (…) Die Gemüter werden sich auch bei den Biathlon-Weltcups in Oberhof, Ruhpolding und wohl auch bei der WM in Hochfilzen/Österreich kaum beruhigen, denn besonders die jüngere russische Biathlon-Geschichte ist eine Geschichte des Dopings. Bei den Spielen in Turin wurde Olga Pylewa gesperrt, 2009, kurz vor der WM in Pyeongchang, war das Doping dann klar systematisch: Die drei aufgeflogenen Sportler nahmen alle den gleichen modifizierten Blutbeschleuniger. Dafür erhielt der Verband eine Strafe von 50 000 Euro, und im Jahr 2014, als abermals die RBU drei Dopingfälle hatte, eine Strafe von 100 000 Euro. Das russische Biathlon-Doping hat eine historische und eine politische Dimension durch die naheliegende Verwicklung in Vertuschung in Sotschi. Es ist nahezu unmöglich, nicht davon überzeugt zu sein, dass staatlich gelenktes Doping vorliegt“ (Kreisl, Volker, Vergiftete Winterwelt, in SZ 24.12.2016).

Nachtrag 9: Deutsche Biathletin übt sportpolitische Kritik
Die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier forderte angesichts des russischen Dopingskandals forderte in Antholz Maßnahmen des Biathlon-Weltverbands IBU vor der Weltmeisterschaft im Februar 2017. „‚Auch um einfach der Welt zu zeigen, wir Biathleten sind für einen sauberen Sport – und auch die IBU steht voll hinter uns‘, sagte die 23-Jährige am Donnerstag dem ZDF. ‚Wir möchten jetzt konsequente Handlungen, am besten noch vor der WM.’Am Samstag trifft sich am Rande des Biathlon-Weltcups in Antholz der IBU-Vorstand, danach soll es eine Pressekonferenz geben. (…) Nachdem im zweiten McLaren-Report im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zu Staatsdoping in Russland 31 russische Skijäger genannt worden waren, rumort es in der Biathlon-Szene. Bisher sind die zurückgetretene Olga Wiluchina und Jana Romanowa von der IBU vorläufig gesperrt worden. Gegen 29 namentlich nicht bekannte Russen und den Verband laufen Untersuchungen“ (DPA, SZ; SID, Dahlmeier siegt und kritisiert, in SZ 20.1.2017). – „Bislang hat sich die IBU in Sachen Anti-Doping-Kampf nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, er hat trotz der Erkenntnisse des McLaren-Reports über gezieltes russisches Doping im Biathlon erst zwei Athleten gesperrt, obwohl in dem Report 31 Sportler belastet werden. Die Verfahren gegen 22 Sportler sind bereits wegen Mangels an Beweisen eingestellt worden. (…) Frankreichs Biathlonstar Martin Fourcade, der aufgrund seiner überragenden Leistungen selbst schon mit Argwohn beäugt wurde, hatte mehrfach im Vorfeld der WM sogar einen Boykott ins Spiel gebracht, wenn nicht nachdrücklicher gegen die Russen vorgegangen wird. Deutschlands ehemalige Biathlon-Königin Magdalena Neuner hat ebenfalls ein hartes Vorgehen gegen den russischen Verband verlangt und hält eine Sperre für das komplette russische Team für richtig. (…) Zu einer Sperre des gesamten russischen Teams wird sich der Verband wohl nicht durchringen. Dass die Strafen für Dopingsünder jedoch erhöht werden, gilt als wahrscheinlich. Im Gespräch ist eine Geldstrafe von bis zu einer Million Euro. Bisher liegt die Höchstgrenze dafür bei 100.000 Euro“ (Ahrens, Peter, Neben der Spur, in spiegelonline 8.2.2017).

Nachtrag 10: IBU entzieht Russland die Biathlon-WM 2021
„Der russische Biathlon-Verband RBU will nicht freiwillig auf die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2021 im westsibirischen Tjumen verzichten. Das bestätigte Verbandschef Alexander Krawtsow der nationalen Nachrichtenagentur TASS. (…) Demnach gibt es Überlegungen, gerichtlich gegen die Entscheidung des Weltverbandes IBU vorzugehen. Nach den Doping-Anschuldigungen gegen die russischen Skijäger hatte die IBU nach einem außerordentlichen Kongress im österreichischen Hochfilzen mitgeteilt, dass Russland die Veranstaltung bis zum 24. Februar offiziell zurückgeben soll. Ansonsten entzieht die IBU den Russen das Event. Die WM soll beim ordentlichen Kongress 2018 neu vergeben werden“ (Russischer Verband will Biathlon-WM 2021 nicht freiwillig zurückgeben, in spiegelonline 9.2.2017).

Nachtrag 11: Doping-Razzia bei WM-Auftakt in Hochfilzen
„Kurz vor dem Start der Biathlon-Weltmeisterschaft hat die österreichische Polizei eine Doping-Razzia in den Teamunterkünften der kasachischen Nationalmannschaft in Hochfilzen durchgeführt. Laut einer Mitteilung des Bundeskriminalamtes wurden bei der in der Nacht auf Donnerstag durchgeführten Durchsuchung zahlreiche medizinische Produkte und Medikamente sichergestellt. …) Im Januar, so die Mitteilung des BK, sei beobachtet worden, wie Insassen mehrerer Kleinbusse an einer Tankstelle in Osttirol einen großen Karton entsorgt hätten. Im Karton befand sich demnach ‚eine beträchtliche Menge an gebrauchtem medizinischen Einwegmaterial wie Einwegspritzen, Infusionen und Ampullen sowie handschriftliche Aufzeichnungen, die auf einen Dopingvorgang schließen ließen.‘ Zudem wurden diverse Akkreditierungen für IBU-Veranstaltungen gefunden. (…) Nach Auswertung der Dokumente wurde der Karton samt Inhalt dem kasachischen Biathlon-Team zugeordnet. (…) ‚Wir bedanken uns für die Anstrengungen der Behörden und sind sehr froh, in einem Land zu sein, in der es eine professionell arbeitende Nada gibt‘, sagte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch. (…) Im McLaren-Report waren zuletzt 31 Dopingfälle im Biathlon erwähnt worden. Die Verfahren gegen 22 der betroffenen Sportler sind allerdings wegen Mangels an Beweisen eingestellt worden. Die IBU hatte wegen Russlands Doping-Verwicklung zudem angekündigt, dass die WM 2021 nicht wie geplant im russischen Tjumen stattfinden solle“ (Doping-Razzia bei kasachischem Team, in spiegelonline 9.2.2017; vgl. auch SID, Razzia bei Biathlon-WM, in SZ 10.2.20167).

Nachtrag 12: Russische Biathleten: wie nichts geschehen…
Biathlon-WM 2017 im Februar in Antholz: Die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier kritisiert russische Biathleten. „Angesichts des russischen Dopingskandals fordert die Biathletin noch vor der Weltmeisterschaft in drei Wochen Maßnahmen des Biathlon-Weltverbands IBU. ‚Auch um einfach der Welt zu zeigen, wir Biathleten sind für einen sauberen Sport – und auch die IBU steht voll hinter uns‘, sagte die 23-Jährige am Donnerstag dem ZDF. „Wir möchten jetzt konsequente Handlungen, am besten noch vor der WM.“ Am Samstag trifft sich am Rande des Biathlon-Weltcups in Antholz der IBU-Vorstand, danach soll es eine Pressekonferenz geben. …) Nachdem im zweiten McLaren-Report im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zu Staatsdoping in Russland 31 russische Skijäger genannt worden waren, rumort es in der Biathlon-Szene. Bisher sind die zurückgetretene Olga Wiluchina und Jana Romanowa von der IBU vorläufig gesperrt worden. Gegen 29 namentlich nicht bekannte Russen und den Verband laufen Untersuchungen“ (Dahlmeier siegt und kritisiert, in SZ 20.1.2017). – Der deutsche Biathlon-Männertrainer Mark Kirchner sieht Bewegung im Weltverband IBU. „Die Debatten, die Kirchner meint, drehen sich um massive Dopingvorwürfe gegen 31 russische Biathleten, die im sogenannten McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Agentur aufgeführt sind und länderübergreifend die Forderung nach harten Konsequenzen hervorgerufen haben – bis hin zum Komplett-Ausschluss des russischen Verbandes. Die IBU hatte versichert, neue, schärfere Regeln im Anti-Doping-Kampf noch vor WM-Beginn in Kraft zu setzen. (…) Die Russen haben jedenfalls mal ein Team nach Hochfilzen geschickt, und dessen Mitglieder tun so, als sei nie etwas gewesen. Sie haben sogar ganz unbekümmert die Dopingsünder Irina Starych und Alexander Loginow mitgenommen, deren drei bzw. zwei Jahre gültigen Sperren wegen Epo-Missbrauchs erst Ende 2016 abgelaufen sind. Bei der EM im Januar haben sie dann auf Anhieb jeweils drei Titel gewonnen, und der deutsche Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig erwartet, dass sich die beiden auch bei der WM ‚konkurrenzfähig im Vorderfeld platzieren können‘. Nicht nur bei ihm spürt man Unbehagen über die Situation: ein offensichtlich fehlendes Schuldbewusstsein der russischen Athleten; ein genereller Verdacht; eine gewisse Ohnmacht darüber, dass man Leute wie Starych und Loginow laufen lassen muss, weil sie ja eine Strafe verbüßt haben“ (Mölter, Joachim, „Die sind da relativ schmerzfrei“, in SZ 9.2.2017). – „Am Donnerstagabend (9.2.; WZ) ist sogar das Wort ‚Krieg‘ gefallen, der Russe Anton Schipulin hat es verwendet, als er auf dem Family-Podium saß. ‚Das russische Biathlon-Team ist eine große Familie, und wenn ein Mitglied angegriffen wird, wenn uns jemand den Krieg erklärt, dann stehen wir zusammen‘, sagte der Bronzegewinner in Richtung des am anderen Podium-Ende sitzenden Silbergewinners Martin Fourcade aus Frankreich. Der wies den Begriff des ‚kalten Krieges‘ zwar zurück: ‚Den gab’s zwischen Russland und den USA‘, nicht zwischen dem russischen Team und ihm. Aber dass es Streit gibt in der Biathlon-Verwandtschaft, dass die Atmosphäre giftig ist, das Misstrauen zunimmt – das ist nicht zu leugnen. Auslöser des inzwischen offen ausgetragenen Konflikts ist der sogenannte McLaren-Report, dessen zweiter Teil im Dezember 2016 veröffentlicht worden ist. (…) Die Internationale Biathlon-Union (IBU) prüft einige der Vorwürfe noch, aber die Athleten fordern längst schärfere Konsequenzen im Anti-Doping-Kampf. Martin Fourcade, als fünfmaliger Gesamtweltcup-Gewinner und zehnmaliger Weltmeister das gerade bekannteste Gesicht der Branche, hat sich zum Wortführer der Bewegung aufgeschwungen. In Russland nimmt man ihm das übel. Es ist ja so, dass die russischen Biathleten, Sportler ebenso wie Funktionäre, keinerlei Einsicht, Schuldgefühle oder Reue zeigen. So weigert sich der russische Verband RBU beispielsweise vehement, die nach Tjumen in Sibirien vergebene WM 2021 freiwillig zurückzugeben. Dieses fehlende Unrechtsbewusstsein stößt vielen Menschen in der Szene sauer auf. Dass die RBU für die WM in Hochfilzen in Alexander Loginow und Irina Starych dann noch zwei Athleten nominierte, deren Strafen wegen Epo-Missbrauchs erst kürzlich abgelaufen sind, wurde als Provokation empfunden. Martin Fourcade wollte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, über die sozialen Medien mahnte er: „Nur weil man jemandem erlaubt, dass er wieder starten darf, darf man nicht vergessen, was er in der Vergangenheit getan hat'“ (Mölter, Joachim, Kreuzfeuer in der Familie, in SZ 11.2.2017). Beim Mixed-Wettbewerb fuhr Fourcade dem russischen Biathleten (und überführtem Doper) Loginow über die Ski. „Loginow und Schipulin verweigerten Fourcade den obligatorischen Handschlag, der Franzose verließ kurzzeitig das Podium. Der Disput setzte sich in der Pressekonferenz fort, in einem hitzigen Wortgefecht ging es hin und her zwischen Fourcade und Schipulin, über die Köpfe der in der Mitte sitzenden Deutschen hinweg. Deren Erfolg rückte in den Hintergrund. (…) Die russische Läuferin Jekaterina Glasyrina wurde unmittelbar vor dem Sprintrennen provisorisch gesperrt. Begründet wurde das mit weitergehenden Untersuchungen des McLaren-Reports; demnach sei eine Arbeitsgruppe des Weltverbandes auf Auffälligkeiten bei Dopingproben der 29-Jährigen gestoßen“ (Ebenda).

Quellen:
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Eisberg voraus, in SZ 14.2.2009
Filser, Hubert, Das Ruhpoldinger Gefühl, in SZ 19.2.2009
Hahn, Thomas
– Vor der Kulisse eines falschen Friedens, in SZ 30.3.2009
– Unbewusst verdrängt, in SZ 11.2.2014
Kreisl, Volker
– Die dicken Tränen der Kathi Wilhelm, in SZ 16.2.2009
– SMS aus dem Kreml, in SZ 21.2.2009
– Franz Berger, in SZ 16.2.2010
– Fassungslos über so viel Dreistigkeit, in 16.2.2010
– Auch im Sommer ist jetzt Winter, in SZ 3.7.2009
– Das russische Erbe, in SZ  4.9.2010
– Hörst du, wie der Schütze flucht? in SZ 15.1.2011
– Privilegiert wachsen, in SZ 9.11.2011
– Böser Geist im Schaufenster, in SZ  4.5.2013
Niedliche Parolen, in SZ 14.2.2009
Purschke, Thomas, Die Olympiabewerbung München 2018 und die dunklen Schatten der Vergangenheit, in dradio.-de 30.1.2011
Rehm, Holger, Der Kampf um die Biathlon-Rechte, in spiegelonline 2.4.2012
Sportpolitischer Geisterfahrer, in SZ 19.2.2009
Teure Dopingfälle, in SZ 16.11.2010
Walter Mayer verurteilt, in SZ 18.8.2011
Wikipedia


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (269 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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