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Coca-Cola

Zuletzt geändert am 08.02.2013 @ 11:27

Olympisches Coca-Cola
Seit 1928 ist Coca-Cola als Sponsor das „offizielle Getränk der Olympischen Spiele“ – bis heute und noch länger. Die aktuellen Verträge laufen derzeit bis zum Jahr 2020. Und Mitte der Siebziger Jahre startete Coca-Cola die Kooperation mit der Fifa – mit einem Vertrag mit 25 Jahren Laufzeit. “Umgekehrt konnte die  Getränkefirma endlich ihr obskures Image als Symbol der ausbeuterischen Groißmacht USA abstreifen – Coca-Cola bringt jetzt etwas Großzügiges zu den Menschen, den Sport” (Kistner 2012, S. 55).
Coca-Cola beeinflusste auch die Wahl des Austragungsortes der „Jahrhundertspiele 1996“ massiv: Dadurch wurde es Atlanta, der Firmensitz von Coca-Cola. Eine Viertelmilliarde Dollar hat sich der Konzern die Spiele an seinem Stammsitz angeblich kosten lassen. Der olympische Fackellauf hieß dann auch „Coca-Cola Olympic Torch Relay“: Coca-Cola wählte 2500 der 10 000 Fackelträger selbst aus. Der Fernsehsender NBC sendete für 60 Millionen Dollar Coca-Cola-Werbespots – damit nicht die von Pepsi ins Programm kamen.
Christoph Dieckmann schrieb dazu 1996 in der Zeit: “Aber endgültig gestorben ist Olympia für mich erst am 18. September 1990. Zufällig war ich in Atlanta, als das IOC die Jubiläumsspiele 1996 nicht nach Athen vergab. Diese antigeschichtliche Korruptheit fanden die Amis ganz, ganz great cause money rules” (Dieckmann 19.7.1996).
Jean-Claude Killy, ehemaliger Skirennfahrer und IOC-Mitglied seit 1995, ist Chef von Coca-Cola Frankreich; auch andere IOC-Mitglieder üben in ihren Ländern Funktionen bei Coca-Cola aus.

Konzerngröße
“Der Umsatz lag im Jahre 2010 bei 35,1 Milliarden Dollar bei einem Nettoergebnis von 11,8 Milliarden Dollar und  einer Gesamtabfüllmenge von etwa 130 Milliarden Liter” (Wikipedia). Laut Aufstellung der weltweit wertvollsten Marken lag Coca-Cola 2011 auf Platz 1 mit einem Markenwert von 71,9 Milliarden Dollar (SZ 24.8.3012).

Pappsüß
Der Zusammenhang von Coca-Cola und Olympischen Spielen erschließt sich nicht über den gesundheitlichen Nutzen des Süßgetränks – ganz im Gegenteil –, sondern über finanzielle Transaktionen an das IOC gegen Werbeflächen bei Olympischen Spielen und die Olympischen Ringe auf einem Getränk, das für jeden Sportmediziner eine Zumutung sein müsste.
Gesundheitliche Schäden entstehen durch das Zusammenwirken des Säuerungsmittels Phosphorsäure, Kohlensäure und Zitronensäure (der pH-Wert liegt bei 3) und dem hohen Zuckergehalt: Ein Liter Coca-Cola enthält den Zuckergehalt von etwa 36 Stück Würfelzucker. Das Süßgetränk kann zu Übergewicht, Zahnschäden und Osteoporose führen (Wikipedia).

Gesundheitsschäden
In Deutschland sind 20 Prozent der Fünf- bis 17-Jährigen übergewichtig, in Frankreich 21 Prozent und in den USA 35 Prozent. In den USA entstanden 2010 diverse Pläne zur Besteuerung der Süßgetränke wie Coca-Cola. Die Lobby der Süßgetränke-Hersteller investierte im Jahr 2009 die stolze Summe von 18,9 Millionen Dollar für die Lobbyarbeit gegen eine solche Steuer (Piper 8.6.2010).
Als Frankreich eine Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke (die “Cola-Steuer”) einführen wollte, reagierte der Konzern (und damit auch IOC-Mitglied Jean-Claude Killy) mit einem Investitionsstopp: Es werden keine 17 Millionen Euro in ein neues Werk bei Marseille investiert (SZ 9.9.2011).
Frankreich führte 2012 eine “Cola-Steuer” ein, um die Verbraucher vom Süßgetränk und damit von Dickmachern abzuhalten, Die 1,5-Liter-Flasche soll um elf Cent teurer werden. “Cola und Co “gelten als Dickmacher. Zum Beweis führt das Gesundheitsministerium ärztliche Studien an” (Kläsgen 30.12.2011).

Kampagnen in den USA
Mehr als ein Drittel der US-Amerikaner sind übergewichtig, darunter zwölf Millionen Kinder. Hieraus resultieren jährlich geschätzte 215 Milliarden Dollar Schäden durch Gesundheitsausgaben, Produktivitätseinbußen etc.
in New York und anderen Großstädten. zehn Prozent aller New Yorker leiden an Diabetes; tausende Amputationen pro Jahr sind die Folge. Deshalb liefen Anfang 2012 Kampagnen gegen die Süßgetränk-Konzerne Coca-Cola und Pepsi – auch vor dem Hintergrund zunehmend größerer verkaufter Einheiten: “Nach offiziellen Angaben sind die Pappbecher heute viermal größer als vor 50 Jahren” (Koch 25.1.2012).
Coca-Cola und Pepsico protestierten wütend gegen die Kampagnen, die auf Kosten der Steuerzahler nur “irreführende Propaganda” verbreiten würden (Ebenda).
Richtig ist dagegen, dass die Steuerzahler und die Allgemeinheit die gesundheitlichen Schäden zu bezahlen haben, die von den Süßstoffgetränken hervorgerufen werden.
Als Transportmittel für die süßlichen Dickmacher dient ausgerechnet der olympische Sport – gegen viele Millionen des IOC-TOP-Sponsors von Coca-Cola!
Konsequent betreibt Coca-Cola Werbung bei Sportveranstaltungen wie z.B. der Super Bowl im American Football: für vier Millionen Dollar 30 Sekunden Werbefilm in der Halbzeitpause (Slavik 5.2.2013).

Coca-Cola lässt bespitzeln
Der IOC-TOP-Sponsor Coca Cola ließ – wie auch Dow Chemical – über das US-Spionageunternemen Stratfor Gegner bespitzeln: nämlich vor den Olympischen Winterspielen Vancouver 2010 die Tierschutzorganisation Peta, die dem Süßgetränkekonzern Tierversuche vorwarf. Der Konzern wollte wissen, welche Methoden Peta anwenden würde, wie die Unterstützung in Kanada für Peta aussah und ob Verbindungen zu Anarchistengruppen bestünden (Kreuzer 2.3.2012).
Coca-Cola erklärte dazu ganz ungeniert, es sei “gute Geschäftspraxis, bei jedem Großereignis, das wir sponsorn, nach Protestaktivitäten Ausschau zu halten, die unsere Partner, Kunden, Konsumenten und Mitarbeiter betreffen könnten” (Kistner 2012, S. 251).

Reaktion in Brasilien
Wie in den USA nimmt die Entwicklung zur Fettleibigkeit auch in Brasilien zu – verursacht durch Süßgetränke, aber auch durch McDonald’s, ebenfalls TOP-Sponsor des olympischen IOC-Sports:
“Hintergrund der Sorgen ist, dass Brasilianer zunehmend übergewichtig sind. Das hat nicht unwesentlich mit ihren Essgewohnheiten zu tun, mit fettigem Fastfood und zuckrigen Softdrinks. Laut Studien haben sich die Probleme mit Fettleibigkeit bei brasilianischen Kindern und Jugendlichen in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht, inzwischen wiegen zehn bis 15 Prozent der Minderjährigen zu viel. Bluthochdruck und Diabetes sind oft die Folge” (Burghardt 8.12.2011).
An den jahrzehntelangen Geschäftsbeziehungen der TOP-Sponsoren Coca-Cola und McDonald’s zum IOC erkennt man die Verlogenheit eines “gesunden olympischen Sports”. Es geht dem IOC nur um die hunderte von Millionen Euro.

Fazit des UN-Experten für das Recht auf Nahrungsmittel, Olivier de Schutter:
“Während in armen Ländern der Kampf gegen den Hunger kaum Erfolge bringe, sorgten in den reichen Staaten aus dem Ruder gelaufene Systeme von Subventionen mit dafür, dass Millionen von Menschen viel zu viel und zugleich zu viel Ungesundes essen. Rund eine Milliarde Menschen leide Hunger, etwa 1,4 Milliarden seien übergewichtig durch falsche Ernährung” (spiegelonline 6.3.2012).

Nachtrag:
Das New England Journal of Medicine hatte im September 2012 drei Studien vorgestellt, die einen klaren Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Süßgetränken feststellten. Der Kinderarzt an der Universität Ulm, Martin Wabitsch, äußerte dazu: “Mit diesen Studien ist klar: Zuckerhaltige Getränke sind gewichtsstreibend, und sie führen zu einer Erhöhung der Körperfettmasse” (Burger 2.10.2012).
Unter dem Stichwort “Supersizing” hatten die Getränkehersteller in den letzten Jahren laufend die Großmengen ihrer Softdrinks erhöht. In New York begrenzte Bürgermeister Bloomberg seit Oktober 2012 Süßgetränke wie Coca-Cola auf maximal bis zu 16 Unzen (0,47 Liter) pro Einheit (Richter 6.10.2012). Diese Maßnahme läuft unter dem Motto “Kampf gegen die Fettleibigkeit” (Burger 2.10.2012).

Quellen:
Burger, Kathrin, Flüssige Gefahr, in SZ 2.10.2012
Burghardt, Peter, Kein Kater im Happy Meal, in SZ 8.12.2011
Cola-Werk auf Eis gelegt, in SZ 9.9.2011
Dieckmann, Christoph, Ariersilber, Negergold, in Die Zeit 19.7.1996
Die wertvollsten Marken, in SZ 23.8.2012
Faster, fatter, in ft.com 9.7.2012
IOC Marketing: Media Guide Vancouver 2010

Jennings, Andrew, Das Olympia-Kartell, Reinbek 1996
Kläsgen, Michael, Teurer Zuckertrank, in SZ 30.12.2011
Kistner, Thomas, Fifa Mafia. Die schmutzigen Geschäfte im Weltfußball, München 2012
Koch, Moritz, Der Cola-Krieg, in SZ 25.1.2012
Kreuzer, Heinz Peter, Olympiasponsoren im Zwielicht, in dradio.de 2.3.2012
Liebrich, Silvia, Sponsoren, die dick machen, in SZ 10.7.2012
Piper, Nikolaus, Süße Steuer, in SZ 8.6.2010
Richter, Peter, Geh, süßer Tod, in SZ 6.10.2012
Slavik, Angelika, Autsch! in SZ 6.2.2013
Uno-Experte fordert Steuer auf Cola und Junk Food, in spiegelonline 6.3.2012
Weinreich, Jens, Der olympische Geist versteckt sich in der Flasche, in Berliner Zeitung 17.7.1997
Wikipedia
www.coca-cola.com

 


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (170 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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