Synonym zum Whitewashing (beschönigen, schönreden, schönfärben, euphemistisch darstellen). Unter Greenwashing (oder Greenwash) versteht man das Vorgehen der Industrie, sich als ökologisch vorbildlich darzustellen, obwohl es sich dabei um reine PR-Maßnahmen handelt, die keinerlei konkrete Verbesserung für das Klima und die Umwelt bedeuten.
So werben Industriekonzerne für den Kauf von Produkten, indem sie einen kleinen Obolus für einen guten Zweck abführen. Dieses „Cause related Marketing“ (CrM) kann bedeuten, dass die Brauerei Krombacher für jeden Kasten Bier vier Cent für die Rettung des Regenwaldes abführt („Saufen für den Regenwald“) oder einer der größten Umweltsünder, Procter & Gamble, pro Windelpackung 5,3 Cent an UNICEF abliefert.
Der Fastfood-Konzern > McDonald’s ersetzte 2009 in Deutschland die rote Farbe seines Logos durch ein Grün mit Erdtönen: Das ändert nichts an den Umweltsünden des Konzerns: hohes Müllaufkommen durch Einweggeschirr und Einwegverpackungen (45 000 Tonnen pro Jahr allein in Deutschland), hoher Energieverbrauch durch Einfrieren, Lagerhaltung, Auftauen, Warmhalten, dazu hohe Methanemissionen durch die Rindfleisch-Burger, die automobilen McDrives etc.
Mit verfälschenden Vorgaben seitens der Hersteller trickste eines der WBA-Institute die Ökobilanz von Getränkedosen besser als die von Glasflaschen. Auftraggeber war der größte europäische Getränkedosenhersteller, der zu dem Schluss kam: “Die Getränkedose ist grün” (Deutsche Umwelthilfe 8.8.2010).
Auch die angeblich kompostierbaren, umweltfreundlichen und CO2-neutralen “Bioplastikbecher”, die in einigen Fußballstadien Verwendung finden, sind eine “Luftnummer”, wie Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) äußerte. Der Verband der Europäischen Bioplastikhersteller “European Plastics” wurde inzwischen von der DUH abgemahnt. In Wirklichkeit wären Spezialanlagen nötig, die nicht vorhanden sind: Deshalb werden die Becher nicht einmal getrennt gesammelt, sondern in Müllverbrennungsanlagen verbrannt (Deutsche Umwelthilfe PM 15.3.2011).
Der > RWE-Konzern ließ 2009 einen grünen Riesen durch alternative Energielandschaften streifen. RWE ist der größte CO2-Emittent Europas (mit nur zwei Prozent Stromanteil aus erneuerbaren Energien) und warnt gleichzeitig die Politiker vor dem Verlust von Zehntausenden Jobs wegen CO2-Auflagen. Der Stromerzeuger Vattenfall sponsort gegen den Protest von Umweltgruppen das Cyclassic-Radrennen und baut neue klimaschädliche Kohlekraftwerke.
BMW lobte sich im Herbst 2009 in einer Anzeigenserie für 100 Prozent Recycling und das Zukunftsauto mit Null-Emissionen, nachdem es kurz zuvor den X6-Boliden auf die Straße gebracht hatte – mit Motoren von mehreren Hundert PS. Und der Chef des Mercedes-Tuners AMG rechnete den 571-PS-Motor des neuesten Rennmodells sparsam: „Pro PS braucht der SLS nur 0,023 Liter pro 100 Kilometer.“ Das bedeutet einen sowieso schon bewusst zu tief angegebenen Normverbrauch von über 13 Liter, der auf der (meist männlichen) Adrenalinskala problemlos zu verdoppeln ist.
Bei der Frauen-Fuißball-WM 2011 in Deutschland entwarfen DFB und Öko-Institut das “Green Goal 2011″: Der Senf der Imbissbuden kam nicht mehr aus Plastiktütchen, sondern aus nachfüllbaren Spendern; Urinale funktionierten wasserlos, und die Fahrer der (dicken) Limousinen bekamen ein Spritspar-Trraining (Spiegel 25/2011).
Zum Greenwashing gehören auch die berühmt-berüchtigten „Selbstverpflichtungen“ der Industrie (z. B. die von der Autoindustrie angebotene CO2-Reduzierung bis 2008 auf 120 g, die nie eingehalten wurde). Oft werden von den Konzernen Tarnorganisationen gegründet wie in den USA die scheinbar um das Klima besorgte Organisation „Global Climate Coalition“, ein Lobbyverband von Erdöl- und Autokonzernen gegen sämtliche Klimaschutzmaßnahmen der jeweiligen amerikanischen Regierung.
Mit dieser grünen Imagepflege der Konzerne werden für Millionensummen große PR-Agenturen betraut, welche die dramatischen ökologischen Entwicklungen negieren, leugnen und beschönigen sollen. Ähnlich wie sich eine White-Collar-Kriminalität entwickelte, wird sich auch eine Green-Collar-Kriminalität einstellen.
Auch im Privaten gibt es Greenwashing-Pseudolösungen: mit der Energiesparlampe die Klimaanlage oder mit dem Sammeln von Altpapier die Unmengen Computerausdrucke kompensieren zu wollen. Oder mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Hausdach den schweren Geländewagen gegenzurechnen. Das alles wird nicht im Entferntesten reichen, um Zukunft zu ermöglichen.
Ein symptomatisches Beispiel für Greenwashing sind Olympische Spiele mit dem Gerede von Grünen Spielen oder Grünem Erbe.
Quellen:
Bündnis gegen Vattenfall: Radrennen – ja gern! Mit Vattenfall? Nein danke! Stop Greenwashing, PM 15.8.2010
Deutsche Umwelthilfe
- Ein Lehrstück an Verbrauchertäuschung: Wie Dosenhersteller Bierbüchsen ökologisch schön rechnen lassen, PM 4.8.2010
- Einwegbecher aus Bioplastik: Umweltbetrug in Fußballstadien, 15.3.2011
Grüner Fußball, in Der Spiegel 25/20.6.2011
Grünweg, Tom, Cooler Abschluss für den Silberpfeil, in spiegelonline 6.11.2009
IOC Marketing: Media Guide Vancouver 2010
Jackisch, Samuel, Das Märchen vom grünen Riesen, in spiegelonline 17.12.2009
Kornelius, Stefan, Die Kraft von Grün, in SZ 25.11.2009
Liebrich, Silvia, Wir sind kein grünes Unternehmen, in SZ 10.2.2010
Nicht ein bisschen grün, in SZ 10.2.2010
Nie mehr aus der Welt zu kriegen, in SZ 17.12.2009
Prummer, Karin, Verdienen am schlechten Gewissen, in SZ 5.12.2009
Slavik, Angelika
- Die Märchenerzähler, in SZ 7.12.2009
- Sauberes Image für böse Jungs, in SZ 28.9.2010
Wikipedia
Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (112 Einträge)
Ablasshandel - Adidas - Alleinstellungsmerkmal - Amateursportler - Artiade - Bach, Thomas - Barcelona, Olympische Sommerspiele 1992 - Biathlon - Blatter, Sepp - Bogner, Willy - Brundage, Avery - Court of Arbitration for Sport (CAS) - Chowdhry, Anwar - CO2-Neutralität - Coca-Cola - Dassler, Adolf - Dassler, Horst - Daume, Willi - Deloitte - Deutsche Sporthilfe - Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) - Deutscher Alpenverein, olympisch - Diem, Carl - Doping - Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) - Dow Chemical - Eliteschulen des Sports - Event - Fackellauf - Fernsehrechte - Fifa - Fußball - Gendoping - Greenwashing - Grüne Spiele - Grünes Erbe - Guelfi, André - Hall of Fame/Shame - Halt, Karl Ritter von - Hasan, Mohamad Bob - Havelange, João - Hill & Knowlton - Hodler, Marc - International Olympic Committee (IOC) - IOC und Diktaturen - ISL / ISMM - Kim Un Yong - Krümmel, Carl - Lee Kun Hee - Leuchtturm-Projekt - Lewald, Theodor - McDonald’s - Mecklenburg, Adolf Friedrich zu - Mengden, Guido von - Nachhaltigkeit - Naturschutz versus "Natursport" - National Broadcasting Company (NBC) - Nebiolo, Primo - Neckermann, Josef - Neuendorff, Edmund - NS-Sportfunktionäre - Nyangweso, Francis W. - Ökologische Milchbubenrechnung - Ökologisches Blabla - Olympic Broadcasting Services (OBS) - Olympische Charta - Olympische Familie - Olympische Jugendspiele - Olympische Prostitution - Olympische Ringe - Olympische Sommerspiele Berlin 1936 - Olympische Spiele - Olympischer Kongress, Beispiel Paris - Olympischer Orden - Olympisches Erbe - Olympisches Motto - Olympisches Museum - Park Yong-sung - Planersprache - Pyeongchang-Bewerbung - Reichenau, Walter von - Reichssportfeld - Rogge, Jacques - Salt Lake City - Samaranch, Juan Antonio - Schneekanonen - Sotschi - Sponsoren - Sponsoring - Sport - Sportpalast-Architekten - sport intern - Sport-Pharaonen - Sportbericht der Bundesregierung - Sportindustrie - Sportsoldaten - Takac, Artur - Takac, Goran - Tarpischtschew, Schamil - Techno-Doping - Tröger, Walther - Tschammer und Osten, Hans von - Tsutsumi, Yoshiaki - Ude, Christian - Vazquez Rana, Mario - Vertrag mit der Olympia-Gastgeberstadt - Vesper, Michael - Weber, Jean-Marie - White Elephants - WBA-Institute - Witt, Katarina -
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