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Juan Antonio Samaranch

 
Zuletzt geändert am 26.02.2015 @ 16:01

Juan Antonio Samaranch (* 17.7.1920, † 21.4.2010) war von 1966 bis 2010 IOC-Mitglied, von 1974 bis 1980 IOC-Vizepräsident und von 1980 bis 2001 IOC-Präsident. Er entstammte einer reichen Familie aus Barcelona, die in der Textilindustrie tätig war. Samaranch wandte sich früh der Bewegung von General Francisco Franco zu, mit dem er gut befreundet war. Er bezeichnete sich als „hundertprozentigen Franco-Anhänger“.
„Er war faschistischer Parlamentarier, faschistischer Stadtrat von Barcelona, faschistischer Präsident des katalanischen Regionalrats und eine Zeit lang sogar faschistischer Sportminister“ (Simson/Jennings 1992, S. 99ff).
Briefe an Sportfunktionäre beendete Samaranch mit dem Satz: „Stets zu Ihren Diensten, grüße ich Sie mit erhobenem Arm.“ Den faschistischen Gruß praktizierte er bis zum Tod Francos 1975: Da war er schon IOC-Vizepräsident. Doch darüber schweigt die offizielle IOC-Biografie (a. a. O., S. 106; Jennings 1996, S. 40).
Er zeigte nicht nur Nähe zu autoritären Regimen, sondern blieb auch ein Anhänger rechter Symbolik. So erwarb er 1993 für sein „Olympisches Museum“ die Replik einer Statue von Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker. Anlässlich der Bewerbung Berlins um die Olympischen Sommerspiele 2000 wurde die IOC-Führung vor dem Pergamon-Altar bewirtet – am selben Ort wie 1936 im faschistischen Deutschland. Und 2001 verlieh er Leni Riefenstahl den Olympischen Orden – nachträglich für ihre Olympia-Filme von 1936!

– Diktatorischer IOC-Präsident
Nach dem Ende der Franco-Diktatur blieb Samaranch nur die Karriere in der Sportpolitik. 1956 war er Mitglied des Spanischen Olympischen Komitees geworden, 1966 IOC-Mitglied, und 1980 wurde er – mit der Hilfe von Horst Dassler (Adidas) – zum IOC-Präsidenten gewählt. Der abgewählte irische Lord Michael Killanin sagte dazu: „Ich dachte, dass das Amt des IOC-Präsidenten nicht käuflich sein sollte“ (Kistner 2012, S. 46).
Die Wahl 1980 blieb die einzige Wahl, die Samaranch absolvierte: 1985, 1989, 1993 und 1997 wurde er durch bloße Akklamation, also durch Händeklatschen, im Amt bestätigt. Samaranch ließ sich im IOC gern mit „Exzellenz“ anreden (Kistner/Weinreich 2000, S. 84).
Im IOC und den nationalen Sportgremien schuf Samaranch autoritäre Strukturen. Bereits 1992 schrieben Simson und Jennings: „Minderheiten haben im IOC keine Stimme … Selbst hinter geschlossenen Türen finden keine Diskussionen statt, die nicht vom Führer (Samaranch) zugelassen wurden“ (Simson/Jennings 1992, S. 327).
Interessant war auch sein Umgang mit der internationalen Presse. Samaranchs Taktik beschrieb sein IOC-Kollege Dick Pound so:
„Pressekonferenzen, die Samaranch gibt, sind bewusst fad gestaltet, im Allgemeinen sind sie sogar quälend langweilig. Das ist seine Absicht; er glaubt, dass bei solchen Anlässen durch brillantes Auftreten nichts zu gewinnen ist … Zudem lässt er nicht zu, dass ein Journalist mehrere Fragen stellt … Gelegentlich beantwortet er absichtlich eine ganz andere Frage als die gestellte“ (Jennings 1996, S. 287).
Im November 1994 erklärte Samaranch: „Ich habe nicht vor, 1997 als Präsident wiedergewählt zu werden, und natürlich stehe ich nicht als Kandidat zur Verfügung“ (a. a. O., S. 276). Aber 1995 ließ Samaranch bei der IOC-Tagung in Budapest mit vielen Tricks und der Hilfe von > Thomas Bach das Alterslimit für IOC-Mitglieder auf 80 Jahre anheben, da er 1997 sonst nicht wieder hätte antreten können. Und 1997 erklärte er dann in der International Herald Tribune, dass demokratische Reformen im IOC „selbstmörderisch“ seien (Kistner/Weinreich 2000, S. 29, 117).
Zu Beginn seiner Amtszeit 1980 setzte er durch, dass die Schweizer Regierung dem IOC per Gesetz Immunität gewährte. Seine Hybris ließ Samaranch bereits diplomatischen Status für die IOC-Mitglieder und Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen fordern. (Diesen Status erhielt das IOC dann im Jahr 2010.)  Er beauftragte die PR-Agentur Grey International, den Friedensnobelpreis zu akquirieren – was das IOC selbst leugnete und die Agentur später abstritt, da das IOC für diesen Plan weltweit Spott erntete (a. a. O., S. 95f., 165; Jennings 1996, S. 250f.; 295).

– Mitgliederernennung
Seit seinem Amtsantritt wählte Samaranch alle Mitglieder selbst aus (persönliches Erhebungsrecht) und ließ seine Vorschläge vom IOC praktisch nur noch bestätigen. Er schlug neue Mitglieder wie üblich am Tag der Abstimmung vor, sodass niemand sich eine Meinung bilden oder sich gar informieren konnte. Die Qualität und Reputation dieser Mitglieder waren häufig äußerst fragwürdig.
Die IOC-Mitglieder waren willens, Samaranch als Führer anzuerkennen und ihm zu dienen, denn er hatte Privilegien zu verteilen und Pfründe zu vergeben:
„Seine Mitglieder verehren den Vater des Olymps, bei Abstimmungen verwöhnen sie ihn mit Voten, wie man sie aus Diktaturen und Politbüros kennt: Einheit, Einstimmigkeit, stehende Ovationen – die Demokratie der glühenden Hände. Die Masche mit der Macht funktioniert. Das einzelne Mitglied ist Teil einer kompatiblen Gefolgschaft, es hat zu funktionieren und wird dafür mit Privilegien entlohnt – mit Titeln, schönen Reisen und Tophotels …“ (Kistner/Weinreich 2000, S. 115f).
Die von Samaranch bevorzugte Klientel von IOC-Mitgliedern, von Paten und Patronen war bemerkenswert:
„Ob nun der korsisch-marokkanische Schmiergeldbote André Guelfi, der usbekische Patron Gafour Rachimow, der Immobilientycoon Yoshiaki Tsutsumi, der Holzfällerbaron Mohamad Bob Hasan, der Wodkaimporteur Schamil Tarpischtschew – sie alle lieben Reichtum und Macht … Fast alle diese obskuren Figuren unterhalten erstklassige Kontakte zu Juan Antonio Samaranch. Der IOC-Papst zieht Vermittler aus dem Graubereich der Legalität offenbar magisch an … Ölhändler, Holzhändler, Schnapshändler, Baumwollhändler, Waffenhändler, Stimmenhändler, Geldwäscher“ (Kistner/Weinreich 2000, S. 15).
Das Niveau des IOC besserte sich auch unter Samaranchs Nachfolger Rogge nicht: Neuer TOP-Sponsor wurde im Juli 2010 der Chemiegigant Dow Chemical, u. a. Hersteller von Agent Orange und Napalm, im Gentechnik-Business.

– Zusammenarbeit mit Horst Dassler
Samaranch gründete mit Horst Dassler die Firma International Sports and Leisure (ISL), die weltweit Sportereignisse wie Olympische Spiele, Fußballweltmeisterschaften und andere Sportgroßereignisse vermarktete. Samaranch und Dassler entwarfen auch das Sponsorenprogramm TOP (The Olympic Program): Die Sponsoren konnten weltweit mit olympischen Symbolen ihre Produkte bewerben. Damit begann der Ausverkauf der Olympischen Spiele und Ringe an Sponsoren und multinationale Konzerne.

– Ende des Amateursport
Kurz nach Antritt seiner Präsidentschaft ließ Samaranch 1981 beim Olympischen Kongress in Baden-Baden die Amateursportregeln abschaffen und Profisportler an den Olympischen Spielen teilnehmen. Er äußerte zwar öffentlich, dass die Teilnahme von erklärten Profis unterwünscht sei. „Doch er hatte ihnen bereits Tür und Tor geöffnet, und an jeder weiteren Olympiade nahmen mehr Profisportler teil“ (Jennings 1996, S. 57).
Inzwischen nimmt kaum mehr jemand zur Kenntnis, dass zum Beispiel von den 153 deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver zwei Drittel Sportsoldaten sind, die bei Bundeswehr, Polizei und Zoll beschäftigt werden. Sie sind freigestellt, und ihr einziges Ziel ist es, Rekorde aufzustellen und Medaillen zu erringen. Sie gewannen dann auch 21 der 30 deutschen Medaillen. 30 Millionen Euro zahlt der Steuerzahler für 850 Sportsoldaten. Mit insgesamt 250 Millionen Euro pro Jahr wird in Deutschland der Spitzensport unterstützt – auch das ein Ergebnis der Sportpolitik des Samaranch-IOC.
Ärmere Länder haben keine Chancen mehr. Und in den reicheren Ländern wird häufig am Breiten- und am Schulsport gespart.

– Kein Kampf gegen Doping:
Unter der 21-jährigen Präsidentschaft Samaranchs wurde der Kampf gegen Doping nicht aufgenommen, sondern verschleppt; Dopingfälle wurden vertuscht, Labors und kritische Mediziner nicht mehr beschäftigt.
Bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles verschwanden die Codierungslisten zwischen Urinproben und Sportlern am Tag nach der Abschlussfeier aus dem verschlossenen Hotelzimmerschrank des Vorsitzenden der Medizinischen Kommission des IOC, Prince de Merode. Das IOC wartete mit folgender Erklärung auf: Der Raum war nur bis zu diesem Tag gemietet, deshalb wurden die Dokumente im Reißwolf geschreddert.

Der 1988 bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul gedopte Sprinter Ben Johnson wurde von Samaranch persönlich nach zwei Jahren wieder zu den Spielen zugelassen (im folgenden olympischen Halbfinale schied Johnson als Letzter aus und dopte erneut). 1992 in Barcelona wurden bei zehn Prozent der Dopingproben synthetische Hormone festgestellt – damit wären insgesamt an die tausend Athleten betroffen gewesen. Das wurde dennoch kein öffentliches Thema.
Im Oktober 1994 erklärte Samaranch: „Der chinesische Sport ist vollkommen sauber“ (Jennings 1996, S. 230). Und 1998 äußerte er in einem Interview mit El Mundo: „Die Liste der verbotenen Dopingmittel muss drastisch reduziert werden“ (Kistner/Weinreich 2000, S. 113).
Dopingfälle kann es nur geben, wenn etwas gefunden wird. Aber das IOC wollte und will kaum etwas finden. Und so wird seit den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau, dem Beginn der Ära Samaranch, getrickst und gelogen: Proben verschwinden, Zeugen verstummen, Labors wurden dichtgemacht, Nachuntersuchungen nicht veröffentlicht. So bleibt der Sport – vordergründig – sauber.

– Kommerzialisierung der Spiele
Mit dem Ende des Amateursports begannen die Geldflüsse. Andrew Jennings beschrieb den Transformationsprozess so:
„Die Aristokraten, die die Olympischen Spiele ins Leben riefen, waren in ihrer Zeit die herrschende Schicht. Die Macht ist in die Hände der internationalen kapitalistischen Unternehmen gewandert, die mehr Einfluss besitzen als viele Staatsregierungen“ (Jennings 1996, S. 289).
Samaranch machte aus den Olympischen Spielen „eine gigantische, von vorne bis hinten durchkommerzialisierte Großveranstaltung, eine niemals versiegende Geldquelle“ (Peter Ahrens). Die Zahl der Disziplinen stieg von 50 auf über 120; Sponsoren und Fernsehrechte sorgten für satte finanzielle Gewinne bei Olympischen Spielen. Neben den Sponsoren und Fernsehsendern ist der einzige weitere Nutznießer gemäß der Samaranch-Doktrin das IOC. Und die Rechnung zahlen seit Jahrzehnten die Austragungsorte.
Samaranch profitierte aber auch selbst: Im Gegensatz zur ehrenamtlichen Tätigkeit seiner Vorgänger erhielt er eine steuerbefreite jährliche „Aufwandspauschale“ von umgerechnet einer halben Million Euro: Über die Boni herrschte Stillschweigen. Dazu kamen jährliche Reiseaufwendungen im sechs- bis siebenstelligen Bereich.

– „Olympisches Erbe
Die Olympischen Spiele erzeugen von Mal zu Mal höhere finanzielle Belastungen und größere Umweltzerstörungen. Bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville waren die ökologischen Zerstörungen das erste Mal besonders gravierend. 20 Europa-Abgeordnete bezeichneten diese Winterspiele als „ökologisches Negativbeispiel“. Die Alpenschutz-Kommission CIPRA überschrieb einen Bericht der Schäden mit dem Titel: „Das olympische Maß ist voll“. IOC-Präsident Samaranch lobte dagegen die französischen Organisatoren: „Wir sind der Natur eng verbunden, unsere ganze Kultur wurzelt darin.“ Daraufhin forderte der Deutsche Naturschutzring seinen Rücktritt.
An den Orten der Olympischen Winterspiele in Nagano (1998), Salt Lake City (2002), Turin (2006) und Vancouver (2010) verschärfte sich diese Entwicklung noch. Für Sotschi (2014) kann man mit noch schlimmeren Folgen rechnen. Und 2018 sollten München, Garmisch-Partenkirchen, Schönau/Berchtesgaden und Gut Schwaiganger die Leidtragenden sein (Oberammergau ist wegen des Widerstands der Bevölkerung kein Austragungsort mehr).

– Luxusleben
Die Koordinatorin für die Bewerbung von Salt Lake City 1990, Kim Warren, beschrieb Samaranchs Auffassung von einem angemessenen Lebensstil so:
„Er musste in einem Privatjet einfliegen. Er musste in einer Präsidentensuite logieren – es musste der feinste Raum in der ganzen Stadt sein … Wir mussten Limousinen für ihn anfordern – Lincoln Town Cars waren nicht gut genug“ (Kistner/Weinreich 2000, S. 97).
Bei Lincoln Town Cars handelt es sich immerhin um Luxusautos von Ford, die ein Pendant zur Mercedes-S-Klasse darstellen und in den USA ein Statussymbol sind.
Stretchlimousinen, Fünf-Sterne-Hotels, Erste-Klasse-Flüge, Meetings an den schönsten Orten der Welt gehörten zur Grundausstattung von Samaranchs IOC – und Präsente der Bewerbungsorte. Dazu erklärte Samaranch: „IOC-Mitglieder sollten doch etwas bessere Geschenke bekommen als andere Leute“ (Jennings 1996, S. 129). Er erkaufte sich förmlich die Gefügigkeit der IOC-Mitglieder. Ein dem IOC nahestehender Marketingexperte urteilte:
„Wenn Sie erst einmal dieses Luxusleben genossen haben, ständig auf Achse und mit den Führern der Welt auf du und du sind, dann können Sie sich nicht aufs Altenteil zurückziehen und im Garten Rasen mähen. Sie haben sich zu sehr an die Macht gewöhnt …“ (a. a. O., S. 275).
Mit dem Geld, das diese Hundertschaft vornehmlich betagter Männer (und sehr wenige Frauen) von Samaranch bis zu seinem Nachfolger Jacques Rogge jährlich verkonsumierten, hätte man viel für den Breitensport tun können.
„Wenn Samaranch auf dem IOC-Kongress in Baden-Baden für die paar hundert Meter zwischen Hotel und Kongresshalle den Mercedes 500 anrollen lässt, erinnern sich die alten Recken daran, dass sie den Weg früher im Laufschritt, gewissermaßen Arm in Arm, geschafft haben. Wenn der Spanier fast nur noch im Privatjet reist und jährlich einen Etat von 1,5 Millionen Schweizer Franken verpulvert, erinnern sie sich wehmütig an den amerikanischen Bau-Millionär Avery Brundage, der genug Geld hatte, alles selbst zu bezahlen“ (Spiegel 23/1986).
Auch die Präsentatoren von der Bewerbung Berlins um Olympische Sommerspiele 2000 befriedigten Samaranchs Luxusleben: „Auf Daumes Wunsch hin war an den Sitzungstagen des IOC in Berlin nichts wichtiger als umfassendes Wohlfühlen. Für Samaranch war die Schinkel-Suite (3000 Mark pro Tag) im Grandhotel reserviert, 16 Mercedes-Limousinen der S-Klasse bildeten den Fuhrpark“ (Spiegel 23.9.1991). Die Berliner IOC-Sitzung kostete weit über eine Million DM (Ebenda). 

– Nähe zu Diktatoren
Samaranch hatte enge Kontakte zu dem Diktator und Faschistenführer Francisco Franco, dazu mit den südkoreanischen Diktatoren Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo, mit Leonid Breschnew, Saddam Hussein, Fidel Castro, Boris Jelzin, Deng Xiaoping und vielen anderen. Mit dem korrupten philippinischen Diktator Ferdinand Marcos ließ er sich – verbunden mit den Olympischen Ringen – 1981 auf einer Briefmarke abbilden.

Die Briefmarke begeisterte Samaranch so, dass er den „Internationalen Verband für die Sammlung Olympischer Briefmarken“ (FIPO) gründete: 1985 bekam die FIPO vom IOC 200 000 Dollar: Der gesamte Behindertensport wurde vom IOC im selben Jahr mit gerade einmal 60 000 Dollar gefördert (Jennings 1996, S. 224).

1993, nur vier Jahre nach dem Massaker 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens mit 3000 Toten, versuchte Samaranch, Peking die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2000 zuzuschanzen. Ausnbahmsweise scheiterte er – das Massaker war noch zu frisch im Gedächtnis. Wenige Jahre später war er dann erfolgreich: 2008 fanden die Spiele in Peking statt.

Unter Samaranchs Präsidentschaft wurden olympische Orden – oftmals von ihm persönlich – an auffallend viele Mitglieder autoritärer oder diktatorischer Regimes verteilt, wie an den höchsten DDR-Sportfunktionär und Doping-Verantwortlichen Manfred Ewald, den Generalsekretär und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (DDR), die Diktatoren Nicolae Ceaucescu (Rumänien), Todor Schiwkow (Bulgarien), Islam Karimow (Usbekistan), Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo (Südkorea) sowie Boris Jelzin (Russland).

– Rücktritt 2001
Auch bei der Wahl seines Nachfolgers Jacques Rogge mischte Samaranch stark mit. Um den zunächst vorgesehenen Koreaner Kim Un Yong in letzter Minute zu verhindern, diktierte Samaranch am Vorabend der Moskauer Wahlsession 2001 viele IOC-Mitglieder in sein Hotelzimmer. IOC-Mitglied Richard Pound berichtete darüber: „Er sagte jedem: Ich habe dich ins IOC geholt, du bist mir einen Gefallen schuldig“ (Kistner 10.9.2013).
2001 trat er nach 21 Jahren mit 81 Jahren zurück. Zahlreiche Rücktrittsforderungen waren vorher von ihm ignoriert worden. Er setzte noch durch, dass auch sein Sohn Juan Antonio Samaranch jr. IOC-Mitglied wurde.

Bis zum Schluss verfügte Samaranch über ein Stimmenkontingent von 30 bis 40 IOC-Stimmen. Noch 2005 versprach Samaranch dem spanischen König Juan Carlos, dass die Spiele 2016 nach Madrid gehen würden. Das misslang zugunsten von Rio de Janeiro; dafür besorgte Samaranch 2006 die nötigen Stimmen für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014.

– Das vorläufige Ende
Samaranch starb am 21. April 2010. Die Sportfunktionäre trauerten ihm nach – wie der Vizepräsident des IOC und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach: „Der deutsche Sport verneigt sich in Trauer vor Juan Antonio Samaranch“ (SZ 22.4.2010). Bach will 2013 IOC-Präsident werden.

Aber auch mit dem Tod von Samaranch kehrte kein Frieden ein. Die rechtskonservative Partido Popular forderte die Umbenennung des Lluís-Companys-Stadion in Barcelona in Juan-Antonio-Samaranch-Stadion. Lluís Companys war 1940 von einem Schnellgericht Francos zum Tode verurteilt und hingerichtet worden, während der Franco-Anhänger Samaranch zur gleichen Zeit an seiner Karriere arbeitete.

Bei manchen Menschen stiftet selbst der Tod keinen Frieden.

Siehe auch NS-Sportfunktionäre

Quellen:
Ahrens, Peter, Olympias Retter, Olympias Verräter, in spiegelonline 21.4.2010
Das „Eigenleben“ des Sports in der Bundeswehr, in faz.net 8.6.2010
„Dassler will alles kontrollieren“, in Spiegel 23/1986
Effektiver Botschafter, in SZ 22.4.2010
Flocken, Jan von, Der Erinnerungsakrobat, in Focus 22.4.2000
Gernandt, Michael, Der Machthaber, in SZ 22.4.2010
Jennings, Andrew, Das Olympia-Kartell – Die schäbige Wahrheit hinter den fünf Ringen, Reinbek 1996
Kistner, Thomas
Fifa Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball, München 2012
– Schlammschlacht am Rio de la Plata, in SZ 10.9.2013
Kistner, Thomas/Weinreich, Jens, Der olympische Sumpf – Die Machenschaften des IOC, München 2000
Olympic.org
Simson, Vyv/Jennings, Andrew, Geld, Moral und Doping – Das Ende der olympischen Idee, München 1992
Streit um Samaranch, in SZ 6.4.2010
Sullivan, Robert et al., How the Olympics were bought, in Time Magazine 25.1.1999
Weinreich, Jens
– Beim König im Wort, in SZ 11.12.2008
– Ten Years after: Marc Hodler, in www.jensweinreich.de 11.12.2008
Wikipedia


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