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Willy Bogner

Zuletzt geändert am 02.08.2010 @ 8:56

Willy Bogner sen. (1909–1977) sprach den Olympischen Eid bei den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen 1936. Die Bekleidungsfirma Bogner rüstet seither die deutschen Skisportler bei Olympischen Winterspielen aus. Sein Sohn Willy Bogner (*1942) führte die Bekleidungsfirma fort.

Im November 2009 wurde Bogner auf Vorschlag von DOSB-Präsident Thomas Bach Bewerbungschef für München 2018. Bogner rühmte sich des „Ein-Euro-Jobs“, genießt aber gleichzeitig unentgeltlich die nicht unbeträchtliche Werbewirkung für seine Firma. Schon im November 2007 ließ Bogner 450 Tonnen Kunstschnee vor seinem Laden nahe der Staatsoper zu einer künstlichen Sprungschanze aufschütten, um die Bewerbung München 2018 zu unterstützen (SZ 6.11.2007).

Bogner beendete umgehend die Pläne der neun Garmisch-Partenkirchner Vereine, das Olympische Dorf auf dem Gelände des Golfplatzes in Burgrain unterzubringen. Er appellierte an „einzelne Bauern, die ihre hochsubventionierten Wiesen nicht an die olympischen Organisatoren verpachten wollten, ihrer Verantwortung für das Land gerecht zu werden“ (Bielicki 28.1.2010). Und er erinnerte die Bürger an vermeintliche Pflichten: „Winterspiele sind ein Ereignis von nationaler Bedeutung, die Staatsbürger sollten sich an die Zusagen, die die Volksvertreter einmal gemacht haben, halten“ (Pfeil 22.2.2010).

Zur Kritik aus Garmisch-Partenkirchen meinte Bogner: „Manches ist einfach Fundamentalopposition, die nur die Aufmerksamkeit nutzt, die ihr die Spiele bieten. In Garmisch-Partenkirchen, wo sich der Gemeinderat ja einst einstimmig für die Bewerbung ausgesprochen hat, gibt es sicher noch ein paar Einzelinteressen, die befriedigt werden müssen“ (SZ 26.2.2010). Wieder unterstellte er den um ihre Existenz fürchtenden Bauern schnöde finanzielle Interessen.

Willy Bogner fasste seine Vancouver-Erfahrungen so zusammen: „Deutlich wird auch die weltweite Aufmerksamkeit, die Olympische Spiele auf eine Stadt richten. Wenn man diese Werbewirkung auf drei Milliarden Fernsehzuschauer bezahlen müsste, würde das viele, viele Milliarden kosten.“ (Interview, in SZ 26.2.2010)

Dieser Vergleich mit den potenziellen Kosten von Fernseh-Werbezeit für eine Stadt ist natürlich unsinnig. Für einen Austragungsort sind diese „Werbekosten“ von Olympischen Winterspielen in der Realität extrem hoch: Die Austragungsorte bezahlen tatsächlich Milliarden mit zweifelhaftem Nutzen – und an den Schulden jahrzehntelang ab. Und wem nützt diese „Werbewirksamkeit“? Geworben wird letztlich nur für das IOC und seine Sponsoren.

Als die olympischen Planungen in Oberammergau Ende Juni 2010 am Widerstand der Bevölkerung scheiterten, sagte Bogner:

„Es tut mir eigentlich leid für die Oberammergauer. Denen wollten wir eigentlich wirklich was Gutes tun. Wir hätten ja von Anfang an auf den Schwaiganger gehen können, was wir nicht gemacht haben, um eben auch den Oberammergauern ihre Chance zu geben“ (BR-Rundschau 6.7.2010).

Manche „Chancen“ werden nicht genutzt, weil sie schlicht und ergreifend gar keine sind. Denn Bogner ignorierte ständig die berechtigten Befürchtungen der Bauern um ihre Wiesen und um die von ihnen erhaltene Kulturlandschaft im Loisachtal und in Oberammergau und diffamierte sie zuerst als Empfänger hoher Subventionen, damit die Bewerbungsgesellschaft Müpnchen 2018 für nicht zu verantwortende olympische 18 Tage an deren Wiesen gelangen kann.

Er verwies auf die Verantwortung „für das Land“ und setzte hier die Interessen der Olympia-Macher mit den Interessen des ganzen Landes gleich: Die Staatsbürger sollen gefälligst das nachvollziehen, was ihre Volksvertreter oben beschlossen haben. Und mit dem Hinweis auf die „zu befriedigenden Einzelinteressen“ unterstellte er wiederum den um ihre Heimat Besorgten rein materialistische Motive.

Er lieferte damit einen weiteren Hinweis auf das mangelnde Demokratieverständnis der Olympia-Macher: Jeder, der sich kritisch äußert, wird öffentlich diffamiert. Aber eine Enteignung von Grund und Boden ist selbst für olympische Zwecke nicht machbar.

Anfang Juli 2010 rückte Bogner damit heraus, dass er statt dem genehmigten Bewerbungsetat von 30 Millionen Euro lieber 47 Millionen hätte. Später reduzierte er seine Forderung auf 37 Millionen Euro.  Er drohte mit seinem Rücktritt und sagte: „Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr sie nicht“ (SZ 15.7.2010). Der Aufsichtsrat kürzte den Etat dann auf 33 Millionen Euro. Aber bislang wurden erst 22 Millionen Euro nach Angaben der Bewerbungsgesellschaft eingesammelt (davon kommen fast neun Millionen von Unternehmen der Öffentlichen Hand.) Woher die fehlenden11 Millionen Euro kommen sollen, ist unbekannt. Vermutlich werden irgendwann weitere öffentlichen Gelder fließen.

Auf der Suche nach dem verlorenen Geld stießen Thomas Kistner und Christian Mayer auf die Filmprojekte des Profi-Filmers Bogner: „War für Filmprojekte ursprünglich eine Million Euro in den Bewerberetat eingestellt, soll sich nach SZ-Informationen allein dieser Betrag auf vier bis fünf Millionen Euro erhöht haben“ (SZ 15.7.2010).

Bogner hat den teuersten Ein-Euro-Job der Republik!

Quellen:

Berr, Christina Maria, Ice, Ice, Baby!, sueddeutsche.de 6.11.2007

Bielicki, Jan

- Willy Bogner und der Ein-Euro-Job, in SZ 7.11.2009

- München über den Wolken, in SZ 28.1.2010

BR-Rundschau-Magazin 6.7.2010, 21.45 Uhr

Kistner, Thomas/Mayer, Christian, Frust beim Frontmann, in SZ 14.7.2010

Pfeil, Gerhard, Weiße Krawatten, in Spiegel 8/22.2.2010

„Wir müssen noch viel tun“, Interview mit Willy Bogner“, in SZ 26.2.2010

„Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr keine“, in SZ 15.7.2010

Willy Bogner sen. (1909–1977) sprach den Olympischen Eid bei den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen 1936. Die Bekleidungsfirma Bogner rüstet seither die deutschen Skisportler bei Olympischen Winterspielen aus. Sein Sohn Willy Bogner führte die Bekleidungsfirma fort.

Im November 2009 wurde Bogner auf Vorschlag von DOSB-Präsident Thomas Bach Bewerbungschef für München 2018. Bogner rühmte sich des „Ein-Euro-Jobs“, genießt aber gleichzeitig unentgeltlich die nicht unbeträchtliche Werbewirkung für seine Firma. Schon im November 2007 ließ Bogner 450 Tonnen Kunstschnee vor seinem Laden nahe der Staatsoper zu einer künstlichen Sprungschanze aufschütten, um die Bewerbung München 2018 zu unterstützen (SZ 6.11.2007).

Bogner beendete umgehend die Pläne der neun Garmisch-Partenkirchner Vereine, das Olympische Dorf auf dem Gelände des Golfplatzes in Burgrain unterzubringen. Er appellierte an „einzelne Bauern, die ihre hochsubventionierten Wiesen nicht an die olympischen Organisatoren verpachten wollten, ihrer Verantwortung für das Land gerecht zu werden“ (Bielicki 28.1.2010). Und er erinnerte die Bürger an vermeintliche Pflichten: „Winterspiele sind ein Ereignis von nationaler Bedeutung, die Staatsbürger sollten sich an die Zusagen, die die Volksvertreter einmal gemacht haben, halten“ (Pfeil 22.2.2010).

Zur Kritik aus Garmisch-Partenkirchen meinte Bogner: „Manches ist einfach Fundamentalopposition, die nur die Aufmerksamkeit nutzt, die ihr die Spiele bieten. In Garmisch-Partenkirchen, wo sich der Gemeinderat ja einst einstimmig für die Bewerbung ausgesprochen hat, gibt es sicher noch ein paar Einzelinteressen, die befriedigt werden müssen“ (SZ 26.2.2010). Wieder unterstellte er den um ihre Existenz fürchtenden Bauern schnöde finanzielle Interessen.

Willy Bogner fasste seine Vancouver-Erfahrungen so zusammen: „Deutlich wird auch die weltweite Aufmerksamkeit, die Olympische Spiele auf eine Stadt richten. Wenn man diese Werbewirkung auf drei Milliarden Fernsehzuschauer bezahlen müsste, würde das viele, viele Milliarden kosten.“ (Interview, in SZ 26.2.2010)

Dieser Vergleich mit den potenziellen Kosten von Fernseh-Werbezeit für eine Stadt ist natürlich unsinnig. Für einen Austragungsort sind diese „Werbekosten“ von Olympischen Winterspielen in der Realität extrem hoch: Die Austragungsorte bezahlen tatsächlich Milliarden mit zweifelhaftem Nutzen – und an den Schulden jahrzehntelang ab. Und wem nützt diese „Werbewirksamkeit“? Geworben wird letztlich nur für das IOC und seine Sponsoren.

Als die olympischen Planungen in Oberammergau Ende Juni 2010 am Widerstand der Bevölkerung scheiterten, sagte Bogner:

„Es tut mir eigentlich leid für die Oberammergauer. Denen wollten wir eigentlich wirklich was Gutes tun. Wir hätten ja von Anfang an auf den Schwaiganger gehen können, was wir nicht gemacht haben, um eben auch den Oberammergauern ihre Chance zu geben“ (BR-Rundschau 6.7.2010).

Manche „Chancen“ werden nicht genutzt, weil sie schlicht und ergreifend gar keine sind. Denn Bogner ignorierte ständig die berechtigten Befürchtungen der Bauern um ihre Wiesen und um die von ihnen erhaltene Kulturlandschaft im Loisachtal und in Oberammergau und diffamierte sie zuerst als Empfänger hoher Subventionen, damit die Bewerbungsgesellschaft Müpnchen 2018 für nicht zu verantwortende olympische 18 Tage an deren Wiesen gelangen kann.

Er verwies auf die Verantwortung „für das Land“ und setzte hier die Interessen der Olympia-Macher mit den Interessen des ganzen Landes gleich: Die Staatsbürger sollen gefälligst das nachvollziehen, was ihre Volksvertreter oben beschlossen haben. Und mit dem Hinweis auf die „zu befriedigenden Einzelinteressen“ unterstellte er wiederum den um ihre Heimat Besorgten rein materialistische Motive.

Er lieferte damit einen weiteren Hinweis auf das mangelnde Demokratieverständnis der Olympia-Macher: Jeder, der sich kritisch äußert, wird öffentlich diffamiert. Aber eine Enteignung von Grund und Boden ist selbst für olympische Zwecke nicht machbar.

Am 13.7.2010 rückte Bogner damit heraus, dass vom Bewerbungsetat a) erst 22 Millionen Euro eingesammelt wurden (davon fast neun Millionen öffentliche Gelder) und b) insgesamt nicht 30, sondern 37 bis 47 Millionen gebraucht werden: Die fehlenden 20 Millionen sollen von der öffentlichen Hand kommen. Er drohte mit seinem Rücktritt und sagte: „Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr sie nicht“ (SZ 15.7.2010).

Auf der Suche nach dem verlorenen Geld stießen Thomas Kistner und Christian Mayer auf die Filmprojekte des Profi-Filmers Bogner: „War für Filmprojekte ursprünglich eine Million Euro in den Bewerberetat eingestellt, soll sich nach SZ-Informationen allein dieser Betrag auf vier bis fünf Millionen Euro erhöht haben“ (SZ 15.7.2010).

Bogner hat den teuersten Ein-Euro-Job der Republik!

Quellen:

Berr, Christina Maria, Ice, Ice, Baby!, sueddeutsche.de 6.11.2007

Bielicki, Jan

- Willy Bogner und der Ein-Euro-Job, in SZ 7.11.2009

- München über den Wolken, in SZ 28.1.2010

BR-Rundschau-Magazin 6.7.2010, 21.45 Uhr

Kistner, Thomas/Mayer, Christian, Frust beim Frontmann, in SZ 14.7.2010

Pfeil, Gerhard, Weiße Krawatten, in Spiegel 8/22.2.2010

„Wir müssen noch viel tun“, Interview mit Willy Bogner“, in SZ 26.2.2010

„Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr keine“, in SZ 15.7.2010


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