Willy Bogner sen. (1909–1977) sprach den Olympischen Eid bei den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen 1936. Die Bekleidungsfirma Bogner rüstet seither die deutschen Skisportler bei Olympischen Winterspielen aus. Sein Sohn Willy Bogner (*1942) führte die Bekleidungsfirma fort. Die Werbung durch die deutsche Ski-Nationalmannschaft lässt sich Bogner pro Jahr zwei bis drei Millionen Euro kosten (Meck 28.1.2011).
Im November 2009 wurde Bogner auf Vorschlag von DOSB-Präsident Thomas Bach Bewerbungschef für München 2018. Bogner rühmte sich des „Ein-Euro-Jobs“, genießt aber gleichzeitig unentgeltlich die nicht unbeträchtliche Werbewirkung für seine Firma. Schon im November 2007 ließ Bogner 450 Tonnen Kunstschnee vor seinem Laden nahe der Staatsoper zu einer künstlichen Sprungschanze aufschütten, um die Bewerbung München 2018 zu unterstützen (SZ 6.11.2007).
Bogner beendete umgehend die Pläne der neun Garmisch-Partenkirchner Vereine, das Olympische Dorf auf dem Gelände des Golfplatzes in Burgrain unterzubringen. Er appellierte an „einzelne Bauern, die ihre hochsubventionierten Wiesen nicht an die olympischen Organisatoren verpachten wollten, ihrer Verantwortung für das Land gerecht zu werden“ (Bielicki 28.1.2010). Und er erinnerte die Bürger an vermeintliche Pflichten: „Winterspiele sind ein Ereignis von nationaler Bedeutung, die Staatsbürger sollten sich an die Zusagen, die die Volksvertreter einmal gemacht haben, halten“ (Pfeil 22.2.2010).
Zur Kritik aus Garmisch-Partenkirchen meinte Bogner: „Manches ist einfach Fundamentalopposition, die nur die Aufmerksamkeit nutzt, die ihr die Spiele bieten. In Garmisch-Partenkirchen, wo sich der Gemeinderat ja einst einstimmig für die Bewerbung ausgesprochen hat, gibt es sicher noch ein paar Einzelinteressen, die befriedigt werden müssen“ (SZ 26.2.2010). Wieder unterstellte er den um ihre Existenz fürchtenden Bauern schnöde finanzielle Interessen.
Willy Bogner fasste seine Vancouver-Erfahrungen so zusammen: „Deutlich wird auch die weltweite Aufmerksamkeit, die Olympische Spiele auf eine Stadt richten. Wenn man diese Werbewirkung auf drei Milliarden Fernsehzuschauer bezahlen müsste, würde das viele, viele Milliarden kosten.“ (Interview, in SZ 26.2.2010)
Dieser Vergleich mit den potenziellen Kosten von Fernseh-Werbezeit für eine Stadt ist natürlich unsinnig. Für einen Austragungsort sind diese „Werbekosten“ von Olympischen Winterspielen in der Realität extrem hoch: Die Austragungsorte bezahlen tatsächlich Milliarden mit zweifelhaftem Nutzen – und an den Schulden jahrzehntelang ab. Und wem nützt diese „Werbewirksamkeit“? Geworben wird letztlich nur für das IOC und seine Sponsoren.
Als die olympischen Planungen in Oberammergau Ende Juni 2010 am Widerstand der Bevölkerung scheiterten, sagte Bogner:
„Es tut mir eigentlich leid für die Oberammergauer. Denen wollten wir eigentlich wirklich was Gutes tun. Wir hätten ja von Anfang an auf den Schwaiganger gehen können, was wir nicht gemacht haben, um eben auch den Oberammergauern ihre Chance zu geben“ (BR-Rundschau 6.7.2010).
Manche „Chancen“ werden nicht genutzt, weil sie schlicht und ergreifend gar keine sind. Denn Bogner ignorierte ständig die berechtigten Befürchtungen der Bauern um ihre Wiesen und um die von ihnen erhaltene Kulturlandschaft im Loisachtal und in Oberammergau und diffamierte sie zuerst als Empfänger hoher Subventionen, damit die Bewerbungsgesellschaft Müpnchen 2018 für nicht zu verantwortende olympische 18 Tage an deren Wiesen gelangen kann.
Er verwies auf die Verantwortung „für das Land“ und setzte hier die Interessen der Olympia-Macher mit den Interessen des ganzen Landes gleich: Die Staatsbürger sollen gefälligst das nachvollziehen, was ihre Volksvertreter oben beschlossen haben. Und mit dem Hinweis auf die „zu befriedigenden Einzelinteressen“ unterstellte er wiederum den um ihre Heimat Besorgten rein materialistische Motive.
Er lieferte damit einen weiteren Hinweis auf das mangelnde Demokratieverständnis der Olympia-Macher: Jeder, der sich kritisch äußert, wird öffentlich diffamiert. Aber eine Enteignung von Grund und Boden ist selbst für olympische Zwecke nicht machbar.
Anfang Juli 2010 rückte Bogner damit heraus, dass er statt dem genehmigten Bewerbungsetat von 30 Millionen Euro lieber 47 Millionen hätte. Später reduzierte er seine Forderung auf 37 Millionen Euro. Er drohte mit seinem Rücktritt und sagte: „Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr sie nicht“ (SZ 15.7.2010). Der Aufsichtsrat kürzte den Etat dann auf 33 Millionen Euro. Aber bislang wurden erst 22 Millionen Euro nach Angaben der Bewerbungsgesellschaft eingesammelt (davon kommen fast neun Millionen von Unternehmen der Öffentlichen Hand.) Woher die fehlenden11 Millionen Euro kommen sollen, ist unbekannt. Vermutlich werden irgendwann weitere öffentlichen Gelder fließen.
Auf der Suche nach dem verlorenen Geld stießen Thomas Kistner und Christian Mayer auf die Filmprojekte des Profi-Filmers Bogner: „War für Filmprojekte ursprünglich eine Million Euro in den Bewerberetat eingestellt, soll sich nach SZ-Informationen allein dieser Betrag auf vier bis fünf Millionen Euro erhöht haben“ (SZ 15.7.2010). Bogner hatte den teuersten Ein-Euro-Job der Republik.
Am 6. September 2010 trat er zurück; er gab gesundheitliche Gründe an. Auf die Frage, wie groß der Schaden für die Bewerbung durch den Rückzug Bogners war, antwortete Thomas Bach: “Das ist kein Schaden, die Ampeln stehen auf Grün” (Lode 9.9.2010). Bei solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr.
Selbst noch eine Woche nach seinem Rücktritt attackierte Bogner die Bauern in Garmisch-Partenkirchen: “Die haben sich jeglicher Kommunikation verschlossen”. Es gehe ihnen vor allem um Geld. Auf die Frage, ob die widerspenstigen Grundbesitzer nur die Preise hochtreiben wollten, antwortete er: “Dem würde ich nicht widersprechen” (merkuronline 13.9.2010). Und Ende Januar 2011 äußerte er zu Garmisch-Partenkirchen: “Die große Mehrheit der Menschen dort ist für die Spiele. Dass sich ein paar querstellen, ist ganz normal, das wird sich legen” (Meck 28.1.2011).
“Der Bewerbungschef, einst als Münchner Messias im Ein-Euro-Job gefeiert, brauchte keine zehn Monate, um mit seinem Rücktritt im September vor allem Erleichterung auszulösen” (Eichler 16.10.2010).
Nachdem die Modefirma Bogner die deutsche Mannschaft Olympischer Winterspiele seit 1936 einkleidet, darf sie dies nun ab 2012 auch bei Olympischen Sommerspielen tun. DOSB-Generaldirektor Vesper begrüßte ausdrücklich die Ausweitung der Partnerschaft. “Damit auch Fans sich wie Olympioniken fühlen können, wird eine Lizenzkollektion für den öffentlichen Verkauf produziert, die 2012 im Handel erhältlich sein wird” (PM DOSB 27.7.2011).
Hat sich also der Ein-Euro-Job bei München 2018 für Willy Bogner doch gelohnt!
Quellen:
Berr, Christina Maria, Ice, Ice, Baby!, sueddeutsche.de 6.11.2007
Bielicki, Jan
- Willy Bogner und der Ein-Euro-Job, in SZ 7.11.2009
- München über den Wolken, in SZ 28.1.2010
Bogner attackiert Garmischer Bauern, in merkur-online 13.9.2010
BR-Rundschau-Magazin 6.7.2010, 21.45 Uhr
Eichler, Christian, Der schwere Gang, in Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.10.2010
Hutter, Dominik, Lode, Silke, Willy Bogner tritt zurück, in SZ 7.9.2010
Kistner, Thomas/Mayer, Christian, Frust beim Frontmann, in SZ 14.7.2010
Lode, Silke, “Bogners Rückzug ist kein Schaden”, Interview mit Thomas Bach in SZ 9.9.2010
Meck, Georg, “Reiche Leute wollen ihren Luxus auch zeigen”, Interview mit Bogner in faznet 28.1.2011
Pfeil, Gerhard, Weiße Krawatten, in Spiegel 8/22.2.2010
PM DOSB, Olympioniken marschieren in London in Bogner-Mode ein, 27.7.2011
Weinreich, Jens, München 2018 und die Olympiafinanzierung: Willy Bogners Probleme mit der Wahrheit, Blog 19.3.2010
„Wir müssen noch viel tun“, Interview mit Willy Bogner“, in SZ 26.2.2010
„Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr keine“, in SZ 15.7.2010
Willy Bogner sen. (1909–1977) sprach den Olympischen Eid bei den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen 1936. Die Bekleidungsfirma Bogner rüstet seither die deutschen Skisportler bei Olympischen Winterspielen aus. Sein Sohn Willy Bogner führte die Bekleidungsfirma fort.
Im November 2009 wurde Bogner auf Vorschlag von DOSB-Präsident Thomas Bach Bewerbungschef für München 2018. Bogner rühmte sich des „Ein-Euro-Jobs“, genießt aber gleichzeitig unentgeltlich die nicht unbeträchtliche Werbewirkung für seine Firma. Schon im November 2007 ließ Bogner 450 Tonnen Kunstschnee vor seinem Laden nahe der Staatsoper zu einer künstlichen Sprungschanze aufschütten, um die Bewerbung München 2018 zu unterstützen (SZ 6.11.2007).
Bogner beendete umgehend die Pläne der neun Garmisch-Partenkirchner Vereine, das Olympische Dorf auf dem Gelände des Golfplatzes in Burgrain unterzubringen. Er appellierte an „einzelne Bauern, die ihre hochsubventionierten Wiesen nicht an die olympischen Organisatoren verpachten wollten, ihrer Verantwortung für das Land gerecht zu werden“ (Bielicki 28.1.2010). Und er erinnerte die Bürger an vermeintliche Pflichten: „Winterspiele sind ein Ereignis von nationaler Bedeutung, die Staatsbürger sollten sich an die Zusagen, die die Volksvertreter einmal gemacht haben, halten“ (Pfeil 22.2.2010).
Zur Kritik aus Garmisch-Partenkirchen meinte Bogner: „Manches ist einfach Fundamentalopposition, die nur die Aufmerksamkeit nutzt, die ihr die Spiele bieten. In Garmisch-Partenkirchen, wo sich der Gemeinderat ja einst einstimmig für die Bewerbung ausgesprochen hat, gibt es sicher noch ein paar Einzelinteressen, die befriedigt werden müssen“ (SZ 26.2.2010). Wieder unterstellte er den um ihre Existenz fürchtenden Bauern schnöde finanzielle Interessen.
Willy Bogner fasste seine Vancouver-Erfahrungen so zusammen: „Deutlich wird auch die weltweite Aufmerksamkeit, die Olympische Spiele auf eine Stadt richten. Wenn man diese Werbewirkung auf drei Milliarden Fernsehzuschauer bezahlen müsste, würde das viele, viele Milliarden kosten.“ (Interview, in SZ 26.2.2010)
Dieser Vergleich mit den potenziellen Kosten von Fernseh-Werbezeit für eine Stadt ist natürlich unsinnig. Für einen Austragungsort sind diese „Werbekosten“ von Olympischen Winterspielen in der Realität extrem hoch: Die Austragungsorte bezahlen tatsächlich Milliarden mit zweifelhaftem Nutzen – und an den Schulden jahrzehntelang ab. Und wem nützt diese „Werbewirksamkeit“? Geworben wird letztlich nur für das IOC und seine Sponsoren.
Als die olympischen Planungen in Oberammergau Ende Juni 2010 am Widerstand der Bevölkerung scheiterten, sagte Bogner:
„Es tut mir eigentlich leid für die Oberammergauer. Denen wollten wir eigentlich wirklich was Gutes tun. Wir hätten ja von Anfang an auf den Schwaiganger gehen können, was wir nicht gemacht haben, um eben auch den Oberammergauern ihre Chance zu geben“ (BR-Rundschau 6.7.2010).
Manche „Chancen“ werden nicht genutzt, weil sie schlicht und ergreifend gar keine sind. Denn Bogner ignorierte ständig die berechtigten Befürchtungen der Bauern um ihre Wiesen und um die von ihnen erhaltene Kulturlandschaft im Loisachtal und in Oberammergau und diffamierte sie zuerst als Empfänger hoher Subventionen, damit die Bewerbungsgesellschaft Müpnchen 2018 für nicht zu verantwortende olympische 18 Tage an deren Wiesen gelangen kann.
Er verwies auf die Verantwortung „für das Land“ und setzte hier die Interessen der Olympia-Macher mit den Interessen des ganzen Landes gleich: Die Staatsbürger sollen gefälligst das nachvollziehen, was ihre Volksvertreter oben beschlossen haben. Und mit dem Hinweis auf die „zu befriedigenden Einzelinteressen“ unterstellte er wiederum den um ihre Heimat Besorgten rein materialistische Motive.
Er lieferte damit einen weiteren Hinweis auf das mangelnde Demokratieverständnis der Olympia-Macher: Jeder, der sich kritisch äußert, wird öffentlich diffamiert. Aber eine Enteignung von Grund und Boden ist selbst für olympische Zwecke nicht machbar.
Am 13.7.2010 rückte Bogner damit heraus, dass vom Bewerbungsetat a) erst 22 Millionen Euro eingesammelt wurden (davon fast neun Millionen öffentliche Gelder) und b) insgesamt nicht 30, sondern 37 bis 47 Millionen gebraucht werden: Die fehlenden 20 Millionen sollen von der öffentlichen Hand kommen. Er drohte mit seinem Rücktritt und sagte: „Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr sie nicht“ (SZ 15.7.2010).
Auf der Suche nach dem verlorenen Geld stießen Thomas Kistner und Christian Mayer auf die Filmprojekte des Profi-Filmers Bogner: „War für Filmprojekte ursprünglich eine Million Euro in den Bewerberetat eingestellt, soll sich nach SZ-Informationen allein dieser Betrag auf vier bis fünf Millionen Euro erhöht haben“ (SZ 15.7.2010).
Bogner hat den teuersten Ein-Euro-Job der Republik!
Quellen:
Berr, Christina Maria, Ice, Ice, Baby!, sueddeutsche.de 6.11.2007
Bielicki, Jan
- Willy Bogner und der Ein-Euro-Job, in SZ 7.11.2009
- München über den Wolken, in SZ 28.1.2010
BR-Rundschau-Magazin 6.7.2010, 21.45 Uhr
Kistner, Thomas/Mayer, Christian, Frust beim Frontmann, in SZ 14.7.2010
Pfeil, Gerhard, Weiße Krawatten, in Spiegel 8/22.2.2010
„Wir müssen noch viel tun“, Interview mit Willy Bogner“, in SZ 26.2.2010
„Wenn ihr die Spiele nicht wollt, kriegt ihr keine“, in SZ 15.7.2010
Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (112 Einträge)
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