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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Hamburg-Berlin 2024 (2) 7-8/2014

 
Zuletzt geändert am 02.11.2014 @ 11:05

Hamburg-Berlin -6/2024 (1): hier;  (2): 7-8/2014: hier;  (3): 9-10/2014: hier; (4) 11/2014: hier
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Termine Berlin:
16.9.2014, 19 Uhr, NOlympia Berlin: Sportliches Spektakel für die einen – Bürde für die anderen: Braucht Berlin Olympia?
Mit Jens Weinreich, Judith Demba, Mehmet Yildiz.Helle Panke, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin. Zur Pressemitteilung: hier

19.9.2014, 19 Uhr: nächsten NOlympia-Berlin-Bündnistreffen in der Geschäftsstelle der NaturFreunde, Paretzer Straße 7, 10713 Berlin (U-und S-Bahnhof Heidelberger Platz). Wir werden über die bisherigen Aktivitäten sprechen, neue Aktivitäten planen und freuen uns, wie immer, über neue Ideen und Mitstreiter*innen.

26.09.2014, 14:00 – 19:45 Uhr: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion: Andere Spiele sind möglich! – Sportgroßereignisse nachhaltig und in Einklang mit Menschenrechten gestalten
Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, Raum 4.900, Eingang PLH West, Konrad-Adenauer-Str. 1,. 10557 Berlin. Zum Programm: hier. Dazu der Beitrag: Wir helfen IOC und DOSB
U. a.: Michael Vesper, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), Barbara Susec, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und Tilman Heuser, BUND für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Berlin e.V.
Da ist sie, die Traumkombination: Vesper/DOSB und Heuser/BUND Berlin, die ich mir schon im Juni 2014 gedacht habe. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Vesper und Heuser sind die Bündnispartner für die Fiktion „Andere Spiele sind möglich“. (Vielleicht 2024 in St. Petersburg…). Vorschlag für weitere zarte Verbesserungen Olympischer Spiele: Kaugummiverbot; Jutekondome; bleifreies Coca-Cola; Recycling-Nationalfahnen; temporäre Sportbauten – aufgehängt an Siemens-Lufthaken; Kugelstoß-Kugeln aus Recycling-Eisen; FCKW-freie Hochsprunglatten; Hürden aus Palettenholz; Gazprom-Biogas für das Olympische Feuer; Olympische Urkunden aus Altpapier-Karton; Olympische Medaillen in Katzen-Gold und Silber-Imitat … Weitere Vorschläge gern unter: info@goef.de
Zur Erinnerung meine drei Standardsätze zur Reformwilligkeit des IOC: 1) Eher hört die NSA auf, in Deutschland zu spionieren, als dass sich das IOC reformiert. 2) Eher führt Deutschland ein Tempolimit auf Autobahnen ein, als dass sich das IOC reformiert. 3) Eher wird Wladimir Putin ein bisschen demokratisch, als dass sich das IOC reformiert. Bachs IOC-Reform Agenda 2020 erinnert mich an ein Schild in einer Kneipe in Amsterdam: “Free Beer tomorrow”.

Termine Hamburg:
4.9.2014, 19 Uhr: Grüne Fraktion Hamburg, Olympia in Hamburg – Ja bitte oder Nein danke, Rathaus, Raum B

Zur Einladung: hier. Wie üblich nicht fair zur NOlympia-Seite: ein Gegner (Dirk Seifert), dazu drei Befürworter von Hamburg 2024 plus eine Moderatorin, die bei den Grünen Sprecherin für Sportpolitik ist
Veranstaltung von NOlympia Hamburg September/Oktober 2014:
Brot & Spiele – Sportgroßevents als Katalysator für Aufwertungsvisionen
Brot & Spiele I
, 10.9., 19.30 Uhr Centro Sociale, Sternstraße 2
Sportgroßevents, Sicherheitspolitik und Widerstand
Brot & Spiele II, 7.10., 19.30 Uhr, Centro Sociale, Sternstraße 2
Sportgroßevents, städtische Umstrukturierung und Widerstand
Brot & Spiele III, Werkstattgespräch, 21.10., 19.30 Uhr, Lichtmeß, Gaußstraße 25
Hamburg macht nun in Olympia: Konzepte, Ziele und Proteste
Zum Programm: hier

Siehe auch: www.nolympia-hamburg.de; www.nolympia-berlin.de

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Juli 2014:
– Umfrage: 61 Prozent in Berlin dagegen
. Die Berliner Zeitung führt derzeit eine Umfrage durch – zur Umfrage hier. Stand am 25.6.2014 um 11.30: 61 Prozent dagegen, 35 Prozent dafür, 4 Prozent ist es egal. Teilnehmerzahl bis dato: 1.364. Stand am 2.7.2014: 61 Prozent dagegen, 33 Prozent dafür, 6 Prozent ist es egal. Teilnehmerzahl 3959.

– Mammut Olympia. Die Kolumnistin des Berliner Tagesspiegel, Hatice Akyün zur Blendwirkung von Berlin 2024: “Ach so, da habe ich doch glatt verdrängt, dass die Spiele die Chinesen mal so eben 40 Milliarden gekostet haben. London war für knapp zwölf Milliarden dagegen ein echtes Schnäppchen. Und man schaffte zusätzlich einen rechtsfreien Raum, in dem das IOC schaltet und waltet, wie es lustig ist. Mitmachen darf nämlich nur, wer für Sponsorenverträge, Übertragungsrechte und Lizenzgebühren bezahlt. Pommes nur von einer Fastfood-Kette und Brause aus Atlanta. Die Infrastruktur stemmen das Land Berlin und der Bund aus Steuergeldern. Eintrittsgelder sind steuerfrei, ebenso wie alle wirtschaftlichen Umsätze, die das IOC generiert. Was nutzt mir also ein neuer Weltrekord in 100 Meter Kraulschwimmen, wenn dafür das Schulschwimmen aus Geldmangel ausfällt? Was bleibt den Bürgern als Nutzen, wenn der Rummel vorbei ist?” (Akyün, Hatice, Ein Mammut namens Olympia in Berlin, in tagesspiegel.de 3.7.2014). Und zum IOC schreibt Akyün: “Nur die Organisation tritt den Sinn dahinter aus Gier mit den Füßen. Das gefällt den Menschen nicht. Die Münchner sagten ‘nein’ zu Olympia. Wir Berliner werden das hoffentlich auch tun. Warum werden wir nicht einfach die internationalste, modernste und sozialste Stadt mit dem ganzen Geld, dass wir ohne Olympia sparen würden? Das kann man einfach tun, man muss nur runtersteigen vom Olymp. Den Wettbewerb der Ideen und Taten kann man entfachen, ohne lange zu fackeln. Es muss einem nur ein Licht aufgehen” (Ebenda).

– Harald Wolf: “NOlympia wird wieder gebraucht”. Wolf ist Mitglied von DIE LINKE im Berliner Abgeordnetenhaus. Er erinnerte in seinem Beitrag an die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2000 am 23.9.1993 nach Sydney: Die Olympia-Gegner, Mitglieder der damaligen PDS, der Grünen und des Anti-Olympia-Komitees jubelten. “Blamable neun von 88 möglichen Stimmen entfielen auf die Berliner Bewerbung – einer Bewerbung, die von Skandalen, Pleiten, Pech und Pannen begleitet war und zu einer breiten Protestbewegung führte. (…) Furcht vor Preissteigerungen und Verdrängung, sowie die immer schwieriger werdende soziale Lage führten dazu, dass in der Bevölkerung keine Olympia-Euphorie aufkam. (…) So wurden die knappen öffentlichen Mittel in olympiataugliche Sportstätten investiert, während öffentliche Bäder verfielen und Schulen im maroden Zustand waren” (Wolf, Harald, NOlympia wird wieder gebraucht, in neues-deutschland.de 3.7.2014).
Die Berliner Bewerbungsgesellschaft legte Dossiers über die sexuellen Vorlieben von IOC-Mitgliedern an. Ein Untersuchungsausschuss entdeckte viele Vergünstigungen für die IOC-Mitglieder (vulgo: Bestechungen). “Skandalös auch das für die IOC-Mitglieder vor dem Pergamon-Altar ausgerichtete Dinner – wie schon bei der Nazi-Olympiade 1936. Aber nicht nur der Senat und seine Olympia-GmbH betrieben Lobbying beim IOC. Auch die NOlympiabewegung betrieb ein – letztlich erfolgreiches – Gegenlobbying. Zweisprachige Informationsdossiers, in denen über die soziale Lage in Berlin und Widerstand berichtet wurden, Bilder von gewaltsamen Auseinandersetzungen bei Demonstrationen sollten durchaus Eindruck bei IOC-Mitgliedern hinterlassen. Demonstrationen und Aktionen während der Besuche von IOC-Mitgliedern machten deutlich, dass die Olympiabegeisterung in Berlin nicht ungeteilt war. (…) Und auch heute stellen wir wieder die Frage: Braucht Berlin angesichts wachsender sozialer Spaltung, explodierender Mieten, zunehmender Verdrängung und mangelnder Investitionen in die soziale Struktur der Stadt eine Olympiabewerbung mit allen Folgekosten und Investitionen nach den Anforderungskatalogen des IOC? Es sieht so aus, als bräuchten wir eine neue NOlympia-Bewegung” (Ebenda).

– Wowereit will Milliarden vom Bund. “Ich gehe davon aus, dass Berlin das allein nicht stemmen kann” (Alberti, Stefan, Piraten steuern Olympia an, in taz.de 4.7.2014. Ziemlich klar bei 60 Milliarden Euro Schulden). Vgl. auch Hamburg-Berlin 2024 (1). Der CDU-Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen “nannte eine Forderung von Linken-Exsenator Harald Wolf im Neuen Deutschland nach einer neuen ‘NOlympia’-Bewegung ‘eine fatale Entscheidung gegen den Sport’” (Ebenda).
Im Gegenteil, Herr Zeelen: Das wäre eine sehr begrüßenswerte und sinnvolle Entscheidung gegen den IOCDOSBSport.
Für den Fraktionsvorsitzenden der Berliner Linken, Udo Wolf, ist Wowereit und seine rot-schwarze Koalition gar nicht am Sport interessiert: “Diese Olympiabewerbung machen Sie doch nur zur Ablenkung von Ihrer miesen Performance. (…) Ersparen Sie uns eine Bewerbung, die Sie nur aus Eitelkeit und Verzweiflung betreiben” (Ebenda).

– “Ganz lieb”. Der Berliner Senatssprecher Richard Meng äußerte am 4.7.2014 im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses: “Wir wollen Berlin so präsentieren, wie es ist, offen und pluralistisch. Ich bitte Sie ganz lieb, diesen Weg mitzugehen” (Bombosch, Frederik, Die Berliner sollen mitreden, in berliner-zeitung.de 4.7.2014; Hervorhebung WZ). – “Von der Opposition gibt es verhaltene Unterstützung für eine Berliner Kandidatur. Grüne und Piraten sind gesprächsbereit, die Linken lehnen das Vorhaben ab” (Ebenda).

– Frank Steffel: “Olympia 2024? So wird das nichts”. So betitelte der Bundestagsabgeordnete Frank Steffel seinen Beitrag für den Tagesspiegel. “Zu überstürzt war der Ruf nach einer deutschen Olympia-Bewerbung für die Sommerspiele 2024 nach dem niederschmetternden Votum der bayerischen Gemeinden gegen die Winterspiele 2022″, schrieb Steffel und sieht Hamburg und Berlin im “politischen Schaulaufen. Ein nachhaltiges Konzept und eine begeisternde Vision, um die Menschen zu überzeugen und für das Großprojekt Olympia zu gewinnen, ist weit und breit nicht zu erkennen” (Steffel, Frank, “Olympia 2024? So wird das nichts”, in tagesspiegel.de 6.7.2014).

– Teures “Vergnügen”. Der Berliner Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) nannte Zahlen: “Das Interessenbekundungsverfahren kostet rund 100.000 Euro, eine über zwei Jahre laufende Bewerbung für die Spiele 2024 etwa 50 bis 60 Millionen Euro” (Beikler, Sabine, Zawatka-Gerlach, Ulrich, Pi mal Daumen: ein paar Milliarden, in tagesspiegel.de 6.7.2014). Die Spiele selbst gibt Wowereit in schöner Berliner Tradition mit einer ungewissen “Milliardenhöhe” an (Ebenda). Berlin bewirbt sich außerdem für die Polo-EM 2016, um die Bahnradsport-EM 2017, um die IPC Leichtathletik-EM der Behinderten 2018, um die Geräteturn-WM 2019 und die Bahnradsport-WM 2020 (Ebenda).
Olympische Fakten: 17 Wettkampftage mit 10.500 Sportlern, 25.000 Medienvertretern, ein Viertel der 160.000 Hotelbetten für die “olympische Familie” (hat Berlin so viele Fünf-Sterne-Suiten?), 17.000 Betten im Olympischen Dorf. Genannt werden weiter 28 Sportarten mit 35 Wettkampfstätten und 30 Trainingsstätten (Ebenda).
Bis 2024 – in zehn Jahren – kann es noch viel mehr werden! Das IOC kann in seinen einseitig verpflichtenden Verträgen auch nach Vertragsunterzeichnung z. B. noch weitere Sportarten einbringen.

– “Wir als CDU haben große Sympathie für Olympia!” Das sagte der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf. Und was lernte Graf aus der gescheiterten Olympia-Bewerbung München 2022: “Bezieht die Bürger frühzeitiger in eine solche Entscheidung ein” (Treichel, Thorkit, Olympia und Vorschule wären gut für Berlin, in berliner-zeitung.de 11.7.2014). Zur Rekapitulation (wie schon im Juni 2014 erwähnt) die fünf Punkte unseres Plakates zur Abstimmung am 10.11.2013: “Nein zu Schuldenbergen, Nein zum Wachstumswahn, Nein zur Mietpreisexplosion, Nein zu IOC-Knebelverträgen, Nein zur Naturzerstörung”. Das alles interessiert den CDU-Fraktionsvorsitzenden nicht – nur die “frühzeitige Einbeziehung” der Bürger. Abgesehen davon hätten die bayerischen Bürger auch mit frühzeitiger Einbeziehung dagegen gestimmt!
Graf formulierte in seinem Beitrag für den Berliner Tagesspiegel: “In der Stadt der Nachhaltigkeit kann das olympische Sportfest des Friedens auch ein Fest der Berliner Zukunftsentwicklung und Hochmesse der Stadtentwicklungsplanung werden” (Graf, Floerian, “Wir schaffen ein neues Wir-Gefühl”, in tagesspiegel.de 22.7.2014).
Oh heilige Einfalt.

– Olympische Piraten. Der sportpolitische Sprecher der Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus, Andreas Baum, sieht Olympische Sommerspiele 2024 als Chance für Berlin – mit einem gerüttelten Maß an Naivität: “Die Lehre aus der Vergabe der Olympischen Spiele an nicht demokratisch organisierte Staaten darf nicht dazu führen, dass wir die Bedingungen des IOC einfach abnicken. Im Gegenteil: Wir sind dazu aufgerufen, einen Dialog auf Augenhöhe über die Ausgestaltung des Vertragswerks einzufordern. Das IOC wird sich auf Berlin einstellen müssen. Ob eine generelle Steuerbefreiung für den Veranstalter oder die sehr restriktiven Vermarktungsrechte noch zeitgemäß sind, muss ernsthaft besprochen werden” (Baum, Andreas, “Olympia darf nicht als Wowereit-Projekt diskutiert werden”, in tagesspiegel.de 11.7.2014).
Viel Spaß! Wieso schaut niemand in den Host City Contract – oder in das fundamentale Gutachten, das Prof. Gerrit Manssen in unserem Auftrag erstellt hat??? Dann wäre es mit dieser Naivität gleich vorbei.

– Aus der Rede von Mehmet Yildiz, DIE LINKE, in der Hamburger Bürgerschaft: “Die LINKE fordert Investitionen im Bereich des Breitensports, anstatt riesige Mengen von Geld für ein Spitzensportevent zu verbrennen. Hier hat Hamburg einen großen Nachholbedarf. Wir brauchen mehr Investitionen in Sportanlagen, in Vereine und in Schulen. Hier wären Gelder sinnvoll angelegt und vor allem wäre das eine langfristige Investition in die Zufriedenheit und die Gesundheit der Hamburgerinnen und Hamburger. Eine bessere Sportinfrastruktur für die Bevölkerung würde Hamburg wesentlich attraktiver machen als die Austragung von Großevents. Der Entscheid der bayerischen Bevölkerung gegen eine Münchner Bewerbung für Olympia – und Bayern ist, wie ihr wisst, reicher als Hamburg – ist ein Zeichen dafür, wie skeptisch die Bevölkerung gegenüber solchen Prestigeprojekten ist. Vor diesem Hintergrund lehnen wir eine olympische Bewerbung ab” (nolympia-hamburg.de, 11.7.2014; zum Beitrag hier).

– Der “olympische Geist”. Die Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, fragt sich, ob Berlin 2024 ein Beispiel für Olympische Spiele werden könnte, “die dem ‘Olympischen Geist’ wieder ganz und gar verpflichtet sind” (Pop, Ramona, “Macht Wowereit Olympia zu seinem Projekt, ist es zum Scheitern verurteilt”, in tagesspiegel.de 12.7.2014).
Wie schon erwähnt: Der olympische Geist ist durch die IOC-Herren Juan Antonio Samaranch und Jacques Rogge exemplarisch fortentwickelt worden und wird es derzeit unter IOC-Präsident Bach. Der olympische Geist bedeutet in Wirklichkeit: teurer, gedopter, verschuldeter.
Ramona Pop: “Olympia in Berlin könnte so das Projekt einer jungen Generation jenseits von Klaus Wowereit werden” (Ebenda).
Diese junge Generation wird dann die olympischen Berliner Folgen und Schulden bis ins hohe Alter abzutragen haben.
Pop: “Fraglich ist auch, welche Einschränkungen ihrer Freiheitsrechte die Berlinerinnen und Berliner für die Spiele in Kauf nehmen müssten” (Ebenda).
Das ist nicht fraglich und alles im Host City Contract nachzulesen: Ausnahmezustand, Einschränkung der Demonstrations- und Versammlungsfreiheit, der Meinungsfreiheit, Reglementierung der Werbeflächen bis hin zur “Lufthoheit”, Verbot des Ausschanks von Berliner Bier in den Sportstätten und Außenflächen, Flugabwehrraketen auf Berliner Gebäuden usw. usw.

– Hörmann hofft. DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat große Erwartungen an den Reformen, die auch das olympische Bewerbungsverfahren betreffen. Sie sollen ‘noch mehr Lust auf Olympia machen’, hofft er – vor allem auch in Deutschland, das mit Berlin oder Hamburg von dem möglichen Aufwind profitieren will. Das IOC will die ‘Agenda 2020′ am 8./9. November auf der außerordentlichen Session verabschieden” (dpa, IOC kürt Kandidaten für Olympia 2022: München schaut zu, in sueddeutsche.de 4.7.2014).
Eher hört die NSA das Ausspionieren in Deutschland auf, als dass sich das IOC reformiert!

– Albert Speer & Partner bei Hamburg 2024: immer dabei. In Hamburg arbeitet seit einigen Wochen eine vom Sportsenator Michael Neumann eingesetzte Projektgruppe an Hamburg 2024. “Am nächsten Mittwoch (9.7.2014; WZ) trifft sich das Team in Hamburg mit der Frankfurter  Agentur Albert Speer & Partner, die Hinweise geben soll, in welche Richtung und wie ausführlich der DOSB Antworten auf seine zum Teil sehr offenen Fragen erwartet” (Grünberg, Rainer, Senator befragt Hamburger zu Olympia, in welt.de 4.7.2014).
Der Beginn einer wunderbaren (und für Hamburg sehr teuren!) Freundschaft zwischen Hamburg 2024 und Frankfurt. Albert Speer & Partner haben uns schon mit der Bewerbung um Olympische Winterspiele München 2018 und 2022 beglückt…

“Olympia-Gesetz”. In Hamburg hatte die CDU-Fraktion am 21.5.2014 in der Bürgerschaft den Antrag zum “Erlass eines Gesetzes zur Ermöglichung von Volksbefragungen” gestellt: Dieser braucht  eine Dreiviertel-Mehrheit (Ebenda).

– Auch in Hamburg: alles schon da. Sportsenator Michael Neumann erzählte laut NOlympia-Hamburg: “Hamburg habe bereits jetzt schon 30 olympische Wettkampfstätten von 35 benötigten, es sei quasi schon alles da. Dass von den 35 Stätten viele enorm sanierungsbedürftig sind, musste er vor den anwesenden Sportfunktionären wohl oder übel zugeben. (…) Da wären ja noch die fünf fehlenden Stadien, darunter die großen Wettbewerbsarenen für Leichtathletik und Schwimmen…” Und zur Volksbefragung: “Vorher muss noch das Lex Olympia verabschiedet werden, das solche Volksentscheide von oben überhaupt erst ermöglicht. Dass es zum Zeitpunkt des Bürgerentscheids lediglich ein Bewerbungskonzept der Stadt Hamburg geben wird und nicht das vom IOC später umgesetzte Konzept ist, macht das Ganze zum partizipativen Luftsprung: Höher, weiter, uninformierter” (www.nolympia-hamburg.de, Nolympia proudly presents… Neumanns Figuren Balett, 14.7.2014: hier).
Zur Erinnerung: Bei der Bewerbung München 2022 erzählte der DOSB, die Tourismusinitiative TIM und überhaupt alle olympischen Lobbyisten, es seien schon 84 Prozent aller nötigen Bauten vorhanden... Auch das stimmte nicht.

Olympische Spiele = kommerzielle Perversion. Dora Heyenn, die Fraktionsvorsitzende von DIE LINKE in der Hamburger Bürgerschaft, zur Bewerbung Hamburg 2024: “Aber was in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem Olympischen Gedanken gemacht wurde, ist eine kommerzielle Perversion. Das hat mit Sportsgeist und Völkerverständigung nichts mehr zu tun. Zudem würde es die Stadt sehr viel Geld kosten. Schauen Sie sich doch mal die Investitionsruinen der Winterspiele in Sotschi oder der Fußball-WM in Brasilien an: diese Gigantomanie ist unverantwortlich. (…) Und außerdem würden Olympische Spiele Preistreiber sein für die Mieten, für andere Lebenshaltungskosten – das würde die soziale Spaltung der Stadt weiter verschärfen” (Veit, Sven-Michael, “Olympia ist eine Perversion”, in taz.de 20.7.2014).
Was würde Hamburg eigentlich mit einem Olympiastadion mit 80.000 Plätzen nach 2024 machen?

– DIE LINKE Lübeck: sehr teurer Spaß. Gesegelt würde bei Hamburg 2024  in Lübeck oder Kiel. Die Lübecker CDU forderte schon den Bürgermeister auf, sich zu bewerben. Ragnar Lüttke, Fraktionsgeschäftsführer DIE LINKE in Lübeck: “Das würde ein sehr teurer Spaß werden. Für den Lübecker Sport ist immer weniger Geld da, soziale Leistungen werden gekürzt, die meisten Schulen sind in einem maroden Zustand. (…) Wer unbedingt ein sportliches Großereignis nach Lübeck holen will und sich nicht an gedopten Sportlern stört, sollte lieber die Tour de France einkaufen” (Olympiabewerbung ist teurer Quatsch, in die-linke-luebeck.de 22.7.2014).

– Hamburger angeblich für Hamburg 2024. Die Initiative Markt- und Sozialforschung befragte 500 Bürger zwischen dem 30.6. und dem 10.7.2014 telefonisch. Angeblich waren 73 Prozent der Hamburger für eine Bewerbung und nur 27 Prozent skeptisch (Umfrage: Hamburger für Olympia-Bewerbung, in ndr.de 25.7.2014). Behauptung: “Die Stichprobe ist repräsentativ” (Meyer, Peter Ullrich, Olympia-Skepsis eher bei Älteren – sonst breite Zustimmung, in abendblatt.de 25.7.2014).
Nein, die Stichprobe ist nicht repräsentativ: Dafür braucht es statistisch gesehen mindestens 1000 Befragte.
Was haben wir bei München 2018 und München 2022 nicht alles an Umfragen an den Kopf geworfen bekommen – bis hin zu einer recht “professionellen” Befragung, bei der vorsichtshalber nur sportaffine Menschen gefragt waren: mit entsprechend positivem Ergebnis. Am 10.11.2013 wurden dann wirklich die bayerischen Bürger befragt – und lehnten vier mal ab.

– Berlin und Hamburg nehmen Bürger NICHT mit. Über einer DOSB-Meldung zur ach so demokratischen Befragung der Bürger in Hamburg und Berlin stand der Titel: “Berlin und Hamburg nehmen Bürger frühzeitig mit” (dosb.de, 25.7.2014). Dass dies ein Fake ist, dazu im folgenden.
– Befragung Hamburg 2024:
Der Hamburger Senat hat der Einfachheit halber die 13 DOSB-Fragen an die Hamburger gestellt.
NOlympia Hamburg stellte dazu fest: Olympia in Hamburg – das Gegenteil von transparent. “Mit Transparenz und Bürgerbeteiligung ist das so eine Sache: Sie wird einerseits gern postuliert, andererseits sollen die Bürger/innen bitteschön den Regierenden nicht zu doll ins Werk fuschen. So zumindest läuft die Öffentlichkeitsarbeit des Hamburger Senats in Bezug auf Olympia. Es gibt die ‘Einladung’ an alle Hamburger/innen, sich an dem Fragenkatalog des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu beteiligen und kreative Antworten zu schicken. Anstatt die Antworten der engagierten Bürger/innen direkt in einem Blog sichtbar zu machen, um so eine Diskussion überhaupt zu ermöglichen, gibt es nur eine Mailadresse für Vorschläge. So bleibt es ein Geheimnis des Senats, welche Ideen und Feedbacks dort eintrudeln” (Zum Beitrag: hier)

– Befragung Berlin 2024:
Die Berliner Verwaltung startete Mitte Juli 2014 eine Onlinebefragung, die auf der offiziellen Hauptstadtportal nur schwer zu finden war: Das sei laut Senatssprecher Bernhard Schodrowski ein “erster Schritt im Hinblick auf eine Bürgerbeteiligung” (Beikler, Sabine, Senat versteckt Bürgerbefragung zu Olympia, in tagesspiegel.de 29.7.2014). Am 29.7.2014 legte Schodrowski nach: “In Zukunft werde man ‘sicher auch mal die Frage stellen: Will man das, ja oder nein’” (Schulz, Bert, Ihr wollt es doch auch! in taz.de 29.7.2014).
Die neun Fragen für den Senats-”Stimmungstest” sind weichgespült und lassen inhaltlich keine grundsätzliche Kritik zu. Einige Beispiele nach dem Motto: Sie sind doch auch dafür, dass… – “sich Olympia an die Stadt anpassen muss und nicht umgekehrt”; – “Olympische und Paralympische Spiele besser verzahnt und mit Angeboten für den Breitensport ergänzt werden sollten; dazu kommen Fragen zur sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit (hat sicher niemand was dagegen), dito zur Bescheidenheit, Vielfalt, Transparenz, Weltoffenheit (berlin.de, Befragung zur Grundausrichtung einer möglichen Bewerbung Berlins für Olympische und Paralympische Spiele, Teilnahmeschluss 31.8.2014).
Peinlich, zielvermeidend, überflüssig, weil aussagelos und unverbindlich.
Einige Erkenntnisse der derzeit 100 antwortenden Personen: “Dass auch 73 Prozent der Befragten fürchten, Olympia würde zu teuer für die Stadt und 72 Prozent würden das Geld lieber für andere Projekte ausgeben” (Sportbund macht eigene Umfrage zu Olympia, in welt.de 28.7.2014).Diese “Art Stimmungstest” der Berliner Senats-Umfrage vermeidet die Schlüsselfrage: Ob die Berliner Olympische Spiele in der Stadt überhaupt wollen – ja oder nein. – “Deswegen traut sich der Senat auch nicht, klare Fragen zu stellen wie: ‘Sind Sie für Olympische Spiele in Berlin?’ Stattdessen windet er sich um die kritischen Punkte herum” (Schulz, Bert, Ihr wollt es doch auch! in taz.de 29.7.2014). – “Der Senat fragt seine Bürger nicht, ob sie Olympia haben wollen, sondern er fragt: Na, was machen Sie denn so, wenn Olympia dann mal da ist” (Ruwoldt, Stefan, Berlins neun Fragen zur Stimmungsaufhellung, in rbb-online.de 29.7.2014). – “So sieht sie also aus, die neue Bürgerbeteiligung: suggestiv, verschleiernd und belanglos. Stattdessen müssten doch jetzt als erstes Fakten geliefert werden, um sich eine Meinung bilden zu können: Was kostet das, welche Konzepte gibt es? (…) Für das angeblich noch folgende ‘umfassende’ Beteiligungsverfahren lässt das nichts Gutes erwarten – im Gegenteil” (Kröger, Martin, Befragungsfake, in neues-deutschland.de 30.7.2014).

Fußball-WM = Olympische Spiele? Der Berliner Sportsenator Frank Henkel wertet die 400.000 Besucher der Fanmeile bei der Triumphfeier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 15.7.2014 als Bestätigung für Berlin 2024: “Was für den Fußball gilt, gilt auch für die Olympischen Spiele, und daher ist es richtig, dass Berlin sich für Olympia bewirbt” (Törne, Lars von, Berlin will WM-Jubel für Olympia-Bewerbung nutzen, in tagesspiegel.de 16.7.2014; Henkel will WM-Begeisterung für mögliche Olympiabewerbung nutzen, in Berliner Zeitung 16.7.2014). Senatssprecher Richard Meng: “Aber eine gute Visitenkarte sei die riesige Party schon gewesen” (Bombosch, Frederik, Wo schwimmen sie denn? in berliner-zeitung.de 16.7.2014). Berlin plant längst: “Neben der Senatskanzlei sind vier Verwaltungen in die Beantwortung des Fragenkatalogs eingebunden” (Ebenda). Und die Konkurrenzsituation – vom DOSB absolut gewollt – funktioniert. Der Präsident des Berliner Landessportbundes, Klaus Böger: “Hamburg hat bisher nur ein Planwerk, bei uns stehen die meisten Anlagen schon” (Ebenda).
Obacht, Herr Böger, Herr Neumann/Hamburg sagt, in Hamburg stehen 30 von 35 Anlagen schon, siehe oben.

– Auch SPD Berlin streng dafür. Der Vorsitzende der Berliner SPD-Fraktion, Raed Saleh, ging in seinem Beitrag auf die Hamburg-Konkurrenz ein: “Die Bundesrepublik hätte aus meiner Sicht nur Chancen auf Olympia, wenn sie es schafft, Berlin als Austragungsort zu gewinnen. Derzeit lässt uns der Bund mit Hamburg in einer Pseudo-Konkurrenz zappeln – das hat Berlin als größte, meistbesuchte und attraktivste Stadt Deutschlands gar nicht nötig” (Saleh, Raed, Olympia in Deutschland geht nur mit Berlin, in tagesspiegel.de 16.7.2014). Und  dann träumt Saleh so vor sich hin: “Die Spiele müssten ökologisch und sozial nachhaltig konzipiert werden – wenn eine Stadt das kann, dann Berlin” (Ebenda).
Wie naiv und von jeder Olympia-Fachkenntnis unbeleckt muss man sein, um das so zu formulieren! Das IOC macht und fordert die Spiele, die das IOC will – und niemand hat da reinzureden. Wieder einmal: Ein Blick in den Host City Contract genügt, um solche pseudo-ökologischen Phrasen zu beenden.

– Veranstaltung von Grüne Liga und NaturFreunde zu Berlin 2022. Judith Demba und Karen Thormeyer schrieben in der Einladung für eine Diskussionsveranstaltung: “CDU und SPD, und allen voran der Regierende Bürgermeister, träumen von einer erneuten Berliner Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele. Die Pleiten-Pech-und-Pannen-Bewerbung von 1993 scheint vergessen. Braucht Berlin wirklich Olympische Spiele, mit denen vor allem Gigantomanie und Korruption, Flächenverbrauch und weitere Verschuldung verbunden werden?
Die NaturFreunde Berlin und die GRÜNE LIGA Berlin stehen den Plänen des Senates sehr skeptisch gegenüber. Die Versprechen von Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit nehmen wir diesem Senat nicht ab. Leider ist zuletzt der Eindruck entstanden, die Berliner Umweltbewegung unterstütze die Olympia-Bewerbung. Das wollen wir so nicht stehen lassen. Wir möchten daher gerne mit allen interessierten Verbänden und Organisationen über unsere Haltung zu einer möglichen Olympiabewerbung diskutieren, die Erfahrungen von damals in Erinnerung rufen und ggf. Optionen für den öffentlichen Diskurs entwickeln.”
Diese offene Diskussionsveranstaltung findet statt am Donnerstag, 17.7.2014 um 19 Uhr in der Geschäftsstelle der NaturFreunde Berlin, Paretzer Str. 7, 10713 Berlin (U- und S-Bahnhof Heidelberger Platz oder U-Bahnhof Blissestraße U7). 

– Geheimniskrämer DOSB: “Der DOSB hat ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut beauftragt, “in drei repräsentativen Umfragen mit jeweils mehr als 1000 Teilnehmern den Standpunkt von Berlinern, Hamburgern und Deutschen zu Olympia zu erforschen. Wann dies sein wird, soll vorerst geheim bleiben” (Sportbund macht eigene Umfrage zu Olympia, in welt.de 28.7.201).

– Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin: Olympische & Paralympische Sommerspiele in Berlin – ja, nein, vielleicht? Freitag, 25.7.2014, 18.30 im Abgeordnetenhaus, Niederkirchnerstr. 5, 10117 Berlin, Raum auf Infotafel. Teilgenommen hat u. a. Katharina Schulze aus München, MdL (Bündnis 90/Die Grünen), sportpolitische Sprecherin und Sprecherin der NOlympia-Kampagne München.
Zum Bericht aus der taz: “Olympia in Berlin wird von den Grünen nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Bei der letzten Berliner Bewerbung für die Spiele im Jahr 2000 gehörten die Grünen zum Bündnis der Gegner. Zur derzeit diskutierten Bewerbung für das Jahr 2024 lud die Grünen-Fraktion am Freitagabend zur Debatte mit Befürwortern und Gegnern” (Heiser, Sebastian, Mögen die Spiele beginnen, in taz.de 27.7.2014).
Für den aktiven Olympia-Trommler Tilman Heuser, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), sind die Spiele in Berlin „nur durchführbar, wenn sie ökologisch, sozial und wirtschaftlich vertretbar sind und von den Berlinerinnen und Berlinern breit akzeptiert werden“: So stand es in seinem Positionspapier vom Juni 2014 (siehe oben), das die Position und die Möglichkeiten des Austragungsortes völlig fehl einschätzt. ” “Ende  des Monats muss Berlin ein erstes Olympia-Konzept vorlegen. Die Stadt plant – und die Gegner formieren sich. Das wundert allerdings die Umweltschützer vom BUND” (Beikler, Sabine, Linksfraktion schließt sich Olympia-Gegnern an, in tagesspiegel.de 4.8.2014).
Was der BUND möglichst umgehend bräuchte, ist ein Konzept für ein  gemeinsames Vorgehen zu Sport-Großereignissen. Das ersparte dem Umweltverband die Peinlichkeit und das Hin- und Her wie jetzt durch den BUND Berlin. Denn viele andere Umweltverbände haben sich schon bei den Gegnern von Berlin 2024 versammelt. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper wird sehr froh sein, dass er die Unterstützung des Umweltverbandes BUND Berlin vermelden kann.
Auf der Veranstaltung am 25.7.2014 sagte Heuser, “Berlin stehe ‘auch in einer globalen Verantwortung’, weil hier nachhaltige Spiele möglich seien. ‘Wir können doch nicht sagen: Hurra, wir bleiben von den Spielen verschont, dafür werden sie in Südkorea gemacht. Wir wollen diese Art von Olympischen Spielen auch weltweit nicht, die so in die Natur eingreifen.’ Die meisten Sportstätten seien in Berlin schon vorhanden, die fehlenden könnten temporär gebaut werden” (Ebenda).
Ganz anders sah dies die bayrische Grünen-Landtagsabgeordnete Katharina Schulze: „Es ist eine Illusion, dass eine Stadt dem IOC die Bedingungen vorgeben kann“ (Ebenda). – “Die Erfahrung aus der Münchner Winterspielbewerbung zeige, dass es genau umgekehrt sei: Schon bei der Bewerbung müsse die Stadt einen Vertrag unterschreiben, durch den sie die Kontrolle abgibt. Das mit der globalen Verantwortung hielt Schulze für ein ‘Scheißargument’, da sich ‘in meinen Augen IOC und Fifa nur dann ändern, wenn endlich kein demokratisches Land mehr dieses Riesenspektakel ausrichten will’. Wenn sich die Bedingungen der Organisatoren nur noch in autokratischen Regimen durchsetzen lassen, steigt durch die Öffentlichkeit der Druck, auch auf Sponsoren. Berlin dürfe sich nicht als Feigenblatt hergeben” (Ebenda; Hervorhebung WZ).

– NOlympia Berlin hat sich getroffen. “Am Donnerstag haben sich mehrere linke, soziale und ökologische Gruppen zum Bündnis NOlympia zusammengeschlossen. Sie wollen die von Rot-Schwarz geplante Bewerbung für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2024 oder 2028 verhindern, weil sie sie für Geldverschwendung halten. Die Naturfreunde und die Grüne Liga hatten das Gründungstreffen organisiert” (Schulz, Bert, Olympiagegner bilden ein Team, in taz.de 1.8.2014). Dabei sind derzeit NaturFreunde, Grüne Liga, Naturschutzbund, die Lateinamerika Nachrichten, die Abgeordnetenfraktion DIE LINKE, Roter Stern Berlin 2012, FDCL Forschungs- und Dokumentationszentrum. Nach den Sommerferien wird mit weiteren Bündnispartnern gerechnet (Schulz, Bert, Olympiagegner bilden ein Team, in taz.de 1.8.2014). Aus der Gründungsmitteilung von NOlympia Berlin: “Berlin braucht sozialen Wohnungsbau, kein olympisches Dorf” (Ebenda; siehe unten).
Die Grünen waren bei der gescheiterten Bewerbung Berlin 2000 bei den Gegnern. “Diesmal sei die Fraktion jedoch ‘nicht auf dem Kurs dahin’, sagte Fraktionssprecherin Antje Kapek der taz” (Ebenda). Zum Artikel in der taz: hier und im Neuen Deutschland: hier.
Judith Demba, Geschäftsführerin der NaturFreunde Berlin: “Unser gemeinsames Anliegen ist es, schon mal die Bewerbung zu verhindern. Damit es gar nicht dazu kommt, dass Berlin beim IOC als die Stadt angezeigt wird, die sich für Olympische Spiele bewirbt” (Kempe, Robert, Gegner formieren sich, in deutschlandfunk.de 2.8.2014).
Unsere Webseite www.nolympia.de hatte durch die Berliner Aktivitäten am 1.8.2014 4.852 Besucher!

– Aus der Presseerklärung von NOlympia Berlin, 31.7.2014:
• Berlin braucht eine ökologische Stadtplanung, keine weitere Versiegelung von Flächen für Olympia
• Berlin braucht eine vielfältige Stadtstruktur, nicht noch mehr Prestigeprojekte
• Berlin braucht sozialen Wohnungsbau, kein Olympisches Dorf
• Berlin braucht mehr und gute Anlagen für den Breitensport, keine gigantischen Großsporthallen
• Berlin braucht keine einseitige Ausrichtung auf den Leistungssport, sondern auf die Entwicklung des Sports in seiner Vielfalt
• Berlin braucht Transparenz und demokratische Teilhabe – keine undurchsichtigen Host-City-Verträge
• Berlin braucht Investitionen in die soziale Infrastruktur und keine Neuverschuldung für Olympia

August 2014:
– Kritik der Berliner Linken-Abgeordneten Gabriele Hiller: Der DOSB sei von niemand legitimiert, sich zu bewerben. “Das sind doch nur einige Männer, die wollen, dass Olympia nach Deutschland kommt” (Zülch, Tim, NOlympia-Widerstand in Berlin formiert sich, in neues-deutschland.de 2.8.2014). Dem Senat gehe es gar nicht um Beteiligung, und nicht nur der Bürger bleibe außen vor, auch das Parlament selbst. “Das Parlament ist nicht ein einziges Mal offiziell einbezogen worden. Die Fragen sind über das Internet bekannt geworden, sind nicht an das Parlament herangetragen worden. Es gab keine öffentliche Erörterung dazu, wie man zum Beispiel die Bevölkerung mitnehmen wird. Wie man Finanzierungen stemmen wird. Wie andere Fragen auch öffentlich diskutiert werden. Allein dass zeigt, dass dieser Ansatz, der ja vor sich hergetragen wird – wir wollen Mitbestimmung – dass der nur scheinbar umgesetzt wird. Dass man das zwar verbal bekundet, aber nicht wirklich ernst meint” (Kempe, Robert, Gegner formieren sich, in deutschlandfunk.de 2.8.2014).
NOlympia Hamburg zur “Befragung” der BerlinerInnen: “Den Berliner/innen geht es auch nicht besser. So hat der Berliner Senat einen suggestiven Fragebogen den Bürger/innen gereicht. Vom Charakter her ist der so, wie wenn man jemanden fragt: Magst du denn auch gutes Wetter? So wird zum Beispiel abgefragt, wie wichtig den Berliner/innen Bescheidenheit und Transparenz sei und ob sie die Paralympics gut finden. Am Ende ist sich dann der Senat sicher: ‘Berlin ist bereit für Olympia’ – ganz egal, was die Bürger/innen dazu denken mögen…” (NOlympia Hamburg, Olympia in Hamburg – das Gegenteil von transparent, 2.8.2014).

– Rot-Grün zu Berlin 2024: Der Berliner SPD-Vorsitzende Jan Stöß äußerte im Interview: “Solange aber im IOC Persönlichkeiten sitzen, die nach preußischer Tradition nicht in verantwortungsvolle Positionen gehören, bin ich äußerst skeptisch, ob wir uns von diesem Gremium Vorgaben machen lassen sollten” (Ide, Robert, Beikler, Sabine, Zawatka-Gerlach, Braucht Rot-Grün in Berlin eine Paartherapie? in tagesspiegel.de 2.8.2014).
Ganz einfach: Wenn sich die Berliner keine Vorgaben machen lassen wollen, bekommen sie die Spiele nicht.
Umgehend rief DOSB-Präsident Alfons Hörmann Stöß zur Ordnung: “Jede potentielle Bewerberstadt muss sich bewusst sein, dass alles, was zum möglichen Bewerbungskonzept gesagt wird, hohe Aufmerksamkeit genießt. Und wenn es von führenden Politikern gesagt wird, hat  es umso mehr Gewicht” (Bachner, Frank, Landessportbund-Chef kritisiert SPD-Chef Jan Stöß, in tagesspiegel.de 5.8.2014).
Also, Politiker, wenn ihr Olympische Spiele wollt, vermeidet Kritik: Lobhudelei ist angesagt.
Die Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop im selben Interview: “Das Komitee kann nicht die Regeln in Berlin diktieren.  Es wäre undenkbar, dass Berlin möglicherweise Schmiergelder zahlen müsste, um Olympia zu bekommen” (Ebenda).
Wo leben wir denn? Natürlich diktiert das IOC die Regeln. Wiederum bemerkenswert: die Naivität führender Politiker. Wie schon erwähnt: Warum schaut denn niemand in den Host City Contract – oder in das Gutachten von Prof. Gerrit Manssen dazu?!

– Aus einem Beitrag von Jochen Stoltenberg in der Berliner Morgenpost: “Trotz des Versprechens, bei einer Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 alles besser zu machen und die Berliner frühzeitig einzubeziehen, ist jetzt ein Geheimpapier aufgetaucht, das die Versprechen des Senats geradezu Lügen straft. (…) Aber warum – verdammt noch mal – so ein Geheimnis darum? Die Berliner müssen sich schon wieder von der Politik getäuscht fühlen. (…) Wieder ist es ein Kommunikationsdesaster. Der Senat hat am Dienstag die jetzt bekannt gewordenen Pläne zustimmend zur Kenntnis genommen. Was nur hat ihn angesichts seines Versprechens für Transparenz und Bürgerbeteiligung gehindert, die Pläne sogleich auch öffentlich zu präsentieren? Das wäre ehrlich und überzeugend gewesen, hätte den Eindruck erneuter Geheimniskrämerei vermieden. (…) Das “Geheimpapier” reiht sich ein in einen vertrauten Trend zur Unprofessionalität. Gerade hat der Senat eine Online-Befragung zur Haltung der Berliner zu Olympia 2024 gestartet. Aber die entscheidende Frage, ob sie dafür oder dagegen sind, dürfen sie nicht beantworten. Wovor hat der Senat bei dieser Bewerbung Angst? Etwa vor den Berlinern?” (Stolteberg, Jochen, So wird nichts aus Olympia 2024, in morgenpost.de 2.8.2014).

– Ramona Pop verwundert. Nun soll der Berliner Flughafen Tegel zugebaut werden (nach dem es mit der Bebauung von Berlin-Schönefeld nichts wurde…): Nach Tegel soll das Olympische Dorf mit geplanten 4000 bis 5000 Wohnungen, die vermutlich wie fast überall nach den Spielen als Eigentumswohnungen verkauft werden, um die olympischen Schuldenlöcher zu stopfen. Segeln, Dressurreiten, Kanu und Rudern nach Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ramona Pop, war dann doch überrascht: “Die Bürgerbeteiligung des Senats wird immer mehr zur Witzveranstaltung, wenn er das Ergebnis jetzt schon vorweg nimmt” (Konkrete Pläne, in SZ 2.8.2014).
Aber so ist er, der olympische Prozess, der mit Demokratie nichts zu tun hatte. Und diesen Prozess kann man nur verlieren.

– Online-Abstimmung Berlin 2024: 58 Prozent dagegen. Stand der Online-Abstimmung in der Berliner Zeitung mit 9.212 Teilnehmern am 4.8.2014: 58 Prozent dagegen, 35 Prozent dafür, 7 Prozent “egal” (“Berlin, Finger weg von Olympia!” in berliner-zeitung.de 4.8.2014). Zur Abstimmung: hier

– “Kein Olympia für die Hauptstadt” – Aus der PM von Grüne Liga Berlin und NABU Berlin, 5.8.2014
“Die bislang bekannten vertraglichen Vereinbarungen anderer Olympiastandorte haben den beiden Naturschutzverbänden deutlich gemacht, dass weder Naturschutz, noch Transparenz oder Mitbestimmung eine Rolle spielen, wenn das IOC seine Forderungen an die Stadtentwicklung stellt. Die Umsetzung der potenziellen Planungen ist Aufgabe der Senatsverwaltung. In den letzten Jahren wurde aber gerade die Abteilung personell und finanziell ausgedünnt, die bei Bebauungen die kontrollierende Behörde im Bereich Natur- und Artenschutz ist. Derzeit sieht man sich dort beispielsweise nicht mehr dazu in der Lage, die Kernkompetenzen, wie die Ausweisung von gemeldeten beziehungsweise die Pflege von bestehenden Schutzgebieten, zu erfüllen. Eine umfangreiche planerische Begleitung der Olympiabewerbung sehen daher sowohl NABU Berlin als auch GRÜNE LIGA Berlin nicht gewährleistet.”

– Aus einem Kommentar von Rudi Wais im Mannheimer Morgen: “Ein Flughafen, der nicht fertig wird, mehr als 60 Milliarden Euro Schulden und ein Bürgermeister, der in einer Umfrage soeben als unbeliebtester Politiker der Stadt geoutet wurde: In keiner deutschen Großstadt türmen sich die Probleme so wie in Berlin. Regierungschef Klaus Wowereit und seinen Senat allerdings hindert das nicht daran, schon das nächste Großprojekt zu planen: Sie wollen die Olympischen Sommerspiele zum zweiten Mal nach 1936 in die Hauptstadt holen” (Wais, Rudi, Und jetzt auch noch Olympia, in morgenweb.de 5.8.2014).

– Der Berliner SPD-Vorsitzende Jan Stöß im Interview: “Wir machen einen Fehler, wenn wir uns mit der gescheiterten Bewerbung von München nicht gründlich auseinandersetzen. Wenn die Spiele nach dem Motto ‘reicher, teurer, größer’ stattfinden sollen, funktioniert eine Bewerbung auch bei uns nicht. Die Spiele müssen sich der Stadt anpassen. Nicht die Stadt den Spielen. (…) Es ist doch bemerkenswert, wenn keine einzige der gut funktionierenden Berliner Sportanlagen den derzeitigen Vorgaben des IOC genügt. (…) Es gibt ein großes Misstrauen gegenüber den internationalen Sportverbänden. Damit muss man umgehen. Weltweit wird es immer schwieriger, in demokratischen Gesellschaften eine Mehrheit für die Ausrichtung der Spiele zu bekommen” (Zylka, Regine, Olympische Spiele nicht um jeden Preis, in berliner-zeitung.de 6.8.2014).

– Umfrage der Berliner Zeitung: nur 52 Prozent dafür. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Berliner Zeitung eine Umfrage mit 1003 Beteiligten in Berlin abgeschlossen: 52 Prozent Befürworter, 46 Prozent Gegner. 58 Prozent möchten vor der Bewerbung eine Abstimmung; nur 38 Prozent erwarten einen finanziellen Nutzen (Bombosch, Frederik, Nur eine knappe Mehrheit ist für Olympia, in berliner-zeitung.de 7.8.2014). Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ramona Pop, “warnte den Senat, sich mit knappen Mehrheiten zufriedenzugeben. Die Berliner seien skeptisch, ob der Senat ein solches Großprojekt überhaupt stemmen könne” (Berlin in Olympia-Frage gespalten, in sueddeutsche.de 8.8.2014).

– Bund der Steuerzahler warnt vor Berlin 2024. “Der Bund der Steuerzahler Berlin nimmt die aktuelle Diskussion um eine Olympia-Bewerbung Berlins zum Anlass, an die beispiellose Verschwendung von Steuergeldern durch die damalige ‘Olympia Berlin 2000 GmbH’ zu erinnern. ‘Es darf diesmal der Regierung nicht wieder so leicht gemacht werden, zusammen mit den beteiligten Wirtschaftsunternehmen die Staatskasse zu plündern’, sagte der Berliner Vorsitzende des Steuerzahlerbundes, Alexander Kraus” (Bund der Steuerzahler Berlin e.V., Bewerbung um Olympia 2000, 8.8.2014). Zitiert wird der damalige stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Wowereit am 12.9.1996 im Berliner Abgeordnetenhaus: “Die vom Rechnungshof nachgewiesenen Verstöße gegen das Haushaltsrecht durch die Senatskanzlei und den Zuwendungsempfänger, aber viel mehr noch der grenzenlose Dilettantismus der Olympia GmbH zum Schaden Berlins lassen die Entscheidung des IOC, Sydney den Zuschlag für die Olympischen Spiele zu erteilen, im nachhinein als den größten Glücksfall für die Stadt Berlin erscheinen” (Ebenda).

– Preußische Stiftung lehnt ab. Berlin 2024 präferiert als Segelrevier Rostock-Warnemünde. Das Olympische Dorf und Wettkampfstätten könnten auf dem bis dann stillgelegten Flughafen Tegel entstehen. “Bereits vom Tisch ist die Idee, Spring- und Dressurreiten im Park von Sancoussi zu veranstalten. ‘Nicht auf unserem Rasen’, stellte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten klar” (Mit Hamburg in einem Boot, in taz.de 8.8.2014). 

– Olympische Nichtschwimmer Berlin. “Der Fraktionsvorsitzende von DIE LINKE im Berliner Abgeordnetenhaus, Udo Wolf, sprach von einer Bewerbung ‘aus politischer Verzweiflung’. Die gescheiterten Senatspläne zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes und die nach wie vor ungewisse Fertigstellung des Flughafens BER seien Niederlagen, von denen der Senat mit einer Olympiabewerbung ablenken wolle. ‘Die Koalition brauchte ein neues Thema, um sich noch ein weiteres Jahr zu tragen’, so Wolf. Die vorhandenen Berliner Sportstätten olympiatauglich und kostenintensiv zu modernisieren, hat für den Fraktionschef bei den momentan zu bewältigenden Aufgaben in der Hauptstadt keine Priorität. ‘Wichtiger ist doch, dass überhaupt so etwas wie Schulschwimmen stattfinden kann. Bei den Berliner Bäderbetrieben gibt es einen Sanierungsstau von 90 Millionen Euro’” (neues deutschland: LINKE-Fraktionschef Wolf: Berliner Olympia-Bewerbung wäre Verzweiflungstat, in presseportal.de 7.8.2014).

– Olympische Nichtschwimmer Hamburg: Der sportpolitische Sprecher von DIE LINKE Hamburg, Mehmet Yildiz: “Was sollen wir mit Olympia, wenn in manchen Schulklassen 90 Prozent der Kinder nicht schwimmen können?” (Festring-Zadeh, Kristina, Olympia in Hamburg: Chance oder “Schwachsinn”? in ndr.de 7.8.2014). Für Yildiz ist eine erneute Bewerbung Hamburgs “Schwachsinn”, auch angesichts der Kosten von Hamburg 2024: “Dagegen ist die Elbphilharmonie Peanuts” (Ebenda). Wenn Hamburg erst einmal die  “Knebelverträge” des IOC unterschrieben habe, würden die Kosten aus dem Ruder laufen: “Und der Steuerzahler badet es aus” (Ebenda).

– À propos: Temporäres Schwimmen für Berlin 2024. Vom 13. bis 24.8.2014 findet in Berlin die Schwimm-EM statt. In das Radsportstadion Velodrom wurde ein temporäres Schwimmbecken mit einem Fassungsvermögen von 2,5 Millionen Liter Wasser aufgebaut. Da täglich 200 Liter Wasser verdampfen, muss die Halle auf 27 Grad Celsius vorgewärmt werden, um Schwitzwasser zu vermeiden. Ein Grund für die temporäre Nutzung einer Radsporthalle als Schwimmhalle: Die daneben liegende Schwimmhalle hat nur 4.000 Plätze und wurde damit zu klein für eine Schwimm-EM befunden (Hilgert, Ole, Schwimmen statt Radfahren, in rbb-online.de 7.8.2014t). Das Velodrom hat 5.000 Sitzplätze: dafür der Aufwand! “Schwimm-Europameisterschaften pflegen im allgemeinen Angebot größerer Sportwettkämpfe eher als Ladenhüter betrachtet zu werden. (…) Glücklich für den Schwimmverband fügt sich, dass die Stadt gerade vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mehr oder weniger diskret in eine neue Olympiabewerbung getrieben wird. (…) Allerdings würde es sich gut machen, wenn die EM zumindest keine Schreckensmeldungen nach sich zöge. Der Aufwand mit dem Becken im Fahrradstadion hat nämlich seinen Preis. Über den genauen Etat schweigen die Organisatoren lieber” (Winterfeldt, Jörg, Rost, Susanne, Schwimm-EM mit Fehlstart am Stadtrand, in berliner-zeitung.de 11.8.2014).

– Segeln bei Hamburg 2024: Angeblich mit Eifer dabei sind Lübeck-Travemünde und Kiel. “In Politik und Wirtschaft in beiden Städten gibt es fast nur Unterstützung für die Pläne, zumindest Lübeck hat aber angekündigt, eine Bürgerbefragung durchzuführen” (Veit, Sven-Michael, Wettstreit um Regatten, in taz.de 7.8.2014). Kiels Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) äußerte, “als Olympiastadt von 1936 und 1972 war es selbstverständlich, erneut den Hut in den Ring zu werfen” (Mit Hamburg in einem Boot, in taz.de 8.8.2014). Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) forderte naiv ein “Konzept der ökologischen und finanziellen Vernunft” (Ebenda). Austragungsorte könnten neben Hamburg die Handballhallen von TSG Flensburg-Handewitt und THW Kiel, dazu die Bundesliga-Stadien von Bremen, Hannover und Wolfsburg sein.

– Hamburg 2024 und Berlin 2024: Olympische Begeisterung von oben. Aus einem Beitrag von Johannes Aumüller und Thomas Kistner in der SZ: “Dabei ist die Bevölkerung in den Städten viel zurückhaltender als ihre politische Führung. Die Skepsis gegenüber dem IOC ist nicht kleiner geworden… die Vorbehalte gegenüber dem IOC sind in Deutschland so groß wie in anderen westlichen Demokratien. In einer Ende Juli veröffentlichten Umfrage unter Hamburger Bürgern fanden mehr als 70 Prozent, die Ausrichtung sei zur teuer und die Stadt solle lieber in andere Projekte investieren. In beiden Städten sind ja jüngere Bau- und Finanzdesaster dauerpräsent: in Berlin der Flughafen, in Hamburg die Elbphilharmonie” (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, 2024, 2028 oder lieber 2032? in SZ 7.8.2014; Hervorhebung WZ).

– DLV für Berlin. Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, präferiert Berlin, da dort bereits die Leichtathletik-WM ausgetragen wurde. “In Funktionärskreisen gilt Hamburg eher als Underdog, gegen Berlin spreche die erwartbar hohe Zahl der Olympiagegner” (Vorteil für Berlin, in Der Spiegel 33/11.8.2014).

– Ja, Ja, Ja! Der Berliner Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) erklärte am 12.8.2014 im Roten Rathaus: “Ja, Ja, Ja! Ich wll Olympische Spiele in Berlin, und ich will alles, was ich kann, dafür tun” (Hoffmann, Karl, Linkspartei bezichtigt Henkel der Tiefstapelei, in neues-deutschland.de 14.8.2014).
Wie war das mit: “Schaden vom deutschen Volk abwenden”?!
“Nach Einschätzung des Senats würde für die Veranstaltung von Olympischen Spielen in der Stadt zwischen 1,8 Milliarden und 2,2 Milliarden Euro fällig werden” (Ebenda).
Ob das der Berliner Senat selber glaubt? Wohl nicht. Selbst Hamburg 2024 setzt zwischen sechs und sieben Milliarden Euro an (Lorenz, Markus, Sieben Milliarden Euro für olympia, in weser-kurier.de 14.8.2014). Und zur offiziellen Summe kommt dann noch ein Faktor fünf bis zehn: Das zeigt die Realität der vergangenen Spiele.

– Harald Wolf hätte Wowereit abgeraten. Der frühere Berliner Wirtschaftssenator und Linken-Abgeordnete Wolf im Interview zu Berlin 2024: “Das ist eine hochdefizitäre Veranstaltung. Statt in Olympia zu investieren, muss Berlin andere Prioritäten setzen. Wichtiger sind neue Schulen und Kindertagesstätten, bezahlbare Wohnungen oder eine bessere Verkehrsinfrastruktur. (…) Wer glaubt, man könne mit dem IOC bescheidene Spiele organisieren, der macht die Rechnung ohne den Wirt. (…) schauen Sie sich den Host City Contract an, den jede Austragungsstadt unterschreiben muss. Ich halte den für verfassungsrechtlich bedenklich. Man tritt Souveränitatsrechte an das IOC ab, also an eine private Organisation. Die Stadt übernimmt alle Risiken, und das IOC verdient” (Zylka, Regine, Wolf kritisiert Wowereits Olympia-Pläne, in berliner-zeitung.de 13.8.2014). 

– Udo Wolf: IOC-Politik der Intransparenz und Korruption. Der Fraktionsvorsitzenden der Linken, Udo Wolf ist Bergsteiger und Sportler und äußerte dazu im Interview in der taz, warum er gegen Berlin 2024 ist: “Ich finde zwar auch, dass Leistungssport vernünftig gefördert werden soll, glaube aber, dass Olympische Spiele in Berlin keinen Beitrag dazu leisten, sportpolitisch etwas zu verbessern” (Alberti, Stephan, “Das ist alles wirr geplant”, in taz.de 14.8.2014). Zu den von Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) genannten Kosten von 1,8 bis 2,2 Milliarden Euro für Berlin 2024: “Ich vermute mal, dass der Sportsenator nicht den Unterschied zwischen dem Durchführungsbudget, dem Investitionsbudget und den sogenannten nicht-olympischen Investitionen kennt. Also, das Durchführungsbudget allein hat 2012 bei den Spielen in London 2,6 Milliarden Euro betragen, aber die Investitionen – zum Beispiel, um die Sportstätten überhaupt olympiatauglich zu machen – sind damit gar nicht abgedeckt. Je nachdem, welche Budgets man einbezieht, rechnet man in London mit 14 bis 28 Milliarden. (…) Solange in Berlin nicht alle Schulklos saniert sind, so lange das Schulschwimmen nicht wohnortnah sichergestellt ist, so lange die Bäderbetriebe von neuen Spaßbäder träumen, während existierende Hallenbäder in sich zusammenfallen, so lange braucht man gar nicht über irgendwelche Großprojekte nachzudenken. Überlegen Sie mal: Olympia, das ist wie 44 Weltmeisterschaften auf einmal mit immensen Investitionskosten” (Ebenda; Hervorhebung WZ). Und zur Befürwortung von Berlin 2024 durch den Bund für Umwelt und Naturschutz: Dieser “macht aber ein Bedingungsgeflecht auf, von dem ich sage: Das ist illusionär, wenn man sich die Bedingungen beim IOC und in Berlin anguckt” (Ebenda).

– Transparency International fordert Transparenz. Die Regionalgruppen Berlin und Hamburg von Transparency International (TI) forderten den Regierenden Bürgermeister von Berlin und den Ersten Bürgermeister von Hamburg zu “transparenten und ethischen Standards” bei einer mögliche Bewerbung 2024 auf. Anlässlich der (am 10.11.2013 von der Bevölkerung vierfach abgewählten) Bewerbung München 2022 hatten der DOSB, die Stadt München und die beteiligten Gemeinden mit Unterstützung von TI einen Ethik-Code samt Richtlinien verfasst. Sylvia Schenk, ehemals Präsidentin im Bund Deutscher Radfahrer und jetzt bei TI Leiterin der AG Sport: “Der Beschluss zur Münchner Olympiabewerbung hat einen Standard gesetzt, der auch für eine neuerliche Bewerbung aus Deutschland gelten muss: Transparenz und klare ethische Vorgaben mit einer systematischen Einbeziehung aller Interessensgruppen sind essentiell für die Akzeptanz in der Bevölkerung” (PM TI, Transparente Olympiabewerbung: Berlin und Hamburg prüfen Bewerbung um die Spiele 2024, transparency.de 12.8.2014).
Ich habe sowohl die “Richtlinien Bewerbungsgesellschaft” als auch den “Ethik-Code der Bewerbergesellschaft” durchgesehen: Der von Schenk erwähnte Standard dieser beiden Papiere ist voll von juristischen Selbstverständlichkeiten und Blabla, reichlich harmlos und tut niemand weh. Ein Beispiel: “Geltende  Gesetze sowie sonstige interne und externe Richtlinien und Regeln, insbesondere die IOC-Vorgaben für Olympiabewerber, sind einzuhalten” (Ethik-Code für die Bewerbung, Sachstand 23.10.2013, S. 2). – “Die Vorgaben des IOC für Olympiabewerbungen sind unbedingt einzuhalten” (Richtlinien Bewerbungsgesellschaft, S. 4). Wenn man z.B. an die Umstände der Vergabe Olympischer Winterspiele an Sotschi denkt, dienten diese “IOC-Vorgaben” nicht zur Einhaltung ethischer Maßstäbe, im Gegenteil. 

– Hamburg 2024: unrealistisch.
Erster Bürgermeister Olaf Scholz: “Olympische Spiele in Hamburg wären doch großartig. (…) Olympische Spiele bieten große Chancen, und zwar im Hinblick auf Infrastruktur und internationalen Bekanntheitsgrad” (Arndt, Markus, Meyer, Hagen, “Olympische Spiele in Hamburg wären großartig”, in bild.de 12.7.2014). Scholz: “Keine Schulden für Olympia” (Veit, Sven-Michael, Stadt, Land, Spiele, in taz.de 12.8.2014). Scholz weiter: “Die Spiele sollen nachhaltig und zum Nutzen der Bürger gestaltet sein. Sie sollen ohne Schuldenbelastung finanziert werden” (Heike, Frank, Hamburg ist Berlin schon einen Schritt weiter, in tagesspiegel.de 14.8.2014).
Das übliche olympische Blabla: Außerdem eine finanziell unseriöse Darstellung: Die Realität würde eine hohe Verschuldung für Hamburg mit sich bringen – wie an allen anderen Olympia-Orten.
– “Und nachhaltig müsse die Veranstaltung auch sein, sagte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel” (Ebenda). – “Nach den internen Berechnungen muss Hamburg lediglich fünf Standorte neu errichten, fünf weitere – etwa für Beachvolleyball oder Bogenschießen – würden nach den Spielen wieder abgebaut. Vier Sportstätten müssten saniert werden, 16 sind bereits vorhanden und wären kurzfristig nutzbar” (Ebenda).
Woher weiß Hamburg 2024 im Jahr 2014, welche Sportarten und Disziplinen sich das IOC bis dahin ausdenkt? Und welche Kriterien es an diese Sportstätten anlegt? Und das IOC darf auch nach Vertragsunterzeichnung einseitig alles umplanen, siehe Host City Contract.
– “Mit etwas Glück, so die Strategen im Hamburger Rathaus, bliebe unter dem Strich sogar Geld übrig” (Lorenz, Markus, Sieben Milliarden Euro für Olympia, in weser-kurier 14.8.2014; Hervorhebung WZ).
Glück haben bei Olympischen Spielen ausschließlich das IOC und die Sponsoren.
– Zu den 50 Millionen Euro Bewerbungskosten meint die Stadt Hamburg: “Zahlen sollen das vor allem die Sponsoren” (Ebenda).
Hamburger Traumtänzereien! Zur Erinnerung: Bei der Bewerbung München 2018/2022 durften dann die staatlichen und öffentlichen Unternehmen Lotto Bayern, Flughafen München, Stadtwerke München, Messe München, Olympiapark GmbH, etc. einspringen – und bis heute liegen weder für München 2018 noch für München 2022 Abschlussrechnungen vor.
– Der Hamburger Senat plant im Mai 2015 ein Referendum: Dies würde aber eine Verfassungsänderung erfordern.
Der logischste Weg: Man erspart sich die Befragung des Bürgers.

– Planungen Hamburg 2004. Olympisches Dorf (3.000 Wohnungen), Olympiastadion mit 70.000 Plätzen und Schwimmhalle auf dem Grasbrook. Olympiastadion wird nach 2024 auf 20.000 Plätze rückgebaut. Olympia-Dom könnte als Kreuzfahrtterminal genutzt werden. Zentraler Flughafen auf dem Airbus-Gelände in Finkenwerder, Pendelbarkassen mit den Sportlern zum Stadion an den Elbbrücken. Kosten der nationalen Bewerbung: ca. 200.000 Euro; Kosten für die internationale Bewerbung: ca. 50 Millionen Euro (Was Hamburg für Olympia plant, in ndr.de 13.8.2014).

– Wieviel Sportstätten braucht Hamburg 2024 wirklich: neu und gebraucht?
1) “Nach den internen Berechnungen muss Hamburg lediglich fünf Standorte neu errichten, fünf weitere – etwa für Beachvolleyball oder Bogenschießen – würden nach den Spielen wieder abgebaut. Vier Sportstätten müssten saniert werden, 16 sind bereits vorhanden und wären kurzfristig nutzbar” (Veit, Sven-Michael, Stadt, Land, Spiele, in taz.de 12.8.2014).
2) “16 der mindestens 30 benötigten Sportstandorte sind in Hamburg bereits vorhanden, vier müssten vollständig saniert, fünf temporär errichtet und fünf – wie das Olympiastadion (70.000 Plätze), das teuerste Projekt – neu gebaut werden” (Grünberg, Rainer, Hamburgs Pläne für Olympia werden konkreter, in welt.de 13.8.2014).
3) “31 der 35 für Olympia benötigten Stätten gibt es schon” (Heike, Frank, Hamburg ist Berlin schon einen Schritt weiter, in tagesspiegel.de 14.8.2014).
4) “30 der erforderlichen 35 Sportstätten sind in Hamburg und im Umland bereits vorhanden”(Lorenz, Markus, Sieben Milliarden Euro für Olympia, in weser-kurier 14.8.2014).
5) Der Hamburger Sportsenator Michael Neumann (SPD): “Von 41 erforderlichen Sportstätten haben wir bereits 35” (Goy, Martina, Lauterbach, Jörn, “Olympia geht alle etwas an”, in Die Welt 17.8.2014).
Scheint ja eine wahnsinnig professionelle Bewerbung zu werden! Woher weiß eigentlich Hamburg 2024 im Jahr 2014, welche Sportarten und Disziplinen sich das IOC bis dahin ausdenkt? Und welche Kriterien es an diese Sportstätten anlegt? Das IOC darf einseitig alles umplanen, siehe Host City Contract.
Kleiner Tipp aus dem DOSB-Fragenkatalog für die Bewerbung 2024 des im olympischen Sektor anscheinend unersetzbaren Büros Albert Speer & Partner, Frankfurt – Durchschnittswerte der Bewerberstädte 2020: insgesamt 26 Wettkampfstätten, festehend 18, geplant 4, zusätzlich 8, temporär 6 (8.7.2014, S. 18).

– Wer zahlt was und wieviel? Das Olympiastadion wird mit (unrealistischen, weil vel zu niedrigen) 300 Millionen Euro angegeben. “Die Handelskammer rechnet mit Gesamtkosten von 6,5 Milliarden Euro. Eine Milliarde davon soll die Stadt aufbringen. Der Rest, vor allem für die Verkehrsinfrastruktur, fiele auf den Bund” (Heike, Frank, Hamburg ist Berlin schon einen Schritt weiter, in tagesspiegel.de 14.8.2014).
Genauso unrealistisch.

– Katharina Fegebank eher skeptisch. Die Hamburger Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen: “Für Olympia in Hamburg müsste vorher alles durchleuchtet werden. Was ist positiv, was ist negativ – und was kostet das Ganze. (…) Unter den bisherigen Voraussetzungen, also Kostendrittelung zwischen Bund, Land und Stadt, bleiben zwei Drittel bei Hamburg hängen. Das geht gar nicht” (Arndt, Markus, Grünen-Chefin Fegebank: Zweifel an Olympia in Hamburg, in bild.de 12.8.2014). Zu den Olympia-Strömungen bei den Grünen äußerte Fegebank: “Es gibt mehrere Strömungen: Es gibt begeisterte Fans, es gibt die Kritiker, und es gibt die ‘Olympia? Aber nur wenn’-Leute bei uns” (Ebenda). Die Hamburger Grünen entscheiden über Hamburg 2024 bei ihrem Parteitag Ende September 2014. Fegebank: Gigantomanische Spiele mit Knebel-Verträgen für die Stadt kommen für uns nicht infrage” (Ebenda). Und auf die Frage: “Ob das IOC das mitmacht?” antwortete sie: “Da habe ich noch so meine Zweifel” (Ebenda).

– Die Handelskammer: eine alte Bekannte. “Olympia, Volksentscheide, Seilbahnen. Überall hat die Hamburger Handelskammer ihre Finger drin. Bislang konnte sie schalten und walten, wie sie wollte und die Politik in nahezu allen Belangen vor sich her treiben. Dafür sorgt z.B. auch der Umstand, dass es eine Zwangsmitgliedschaft für Betriebe und Unternehmen gibt, verbunden mit entsprechenden Beiträgen. 170.000 Zwangs-Mitglieder hat die Handelskammer Hamburg dadurch und allein Rücklagen von geschätzten 50 Millionen Euro. Nun gibt es erstmals eine Opposition im Plenum. “Die Kammer sind Wir” zog im Frühjahr mit 12 VertreterInnen in dieses Gremium ein. Nun gibt es Streit und Auseinandersetzungen in dem sonst so harmonischen Kreis. Und es gibt mehr Öffentlichkeit, denn die Oppositionellen bloggen über ihre Auseinandersetzungen zur Reform der Handelskammer. Über Seilbahnen, Olympia und einiges mehr. Mehr darüber auf ‘umweltFAIRaendern.de’ unter diesem Link” (Seifert, Dirk, Macht und Millionen: Hamburgs Handelskammer, in www.nolympia-hamburg.de 14.8.-2014). – Der Hamburger Sportsenator Michael Neumann (SPD): “Bis vor Kurzem war es allein die Handelskammer, die sich für eine Bewerbung Hamburgs als Olympiaveranstalter stark machte” (Goy, Martina, Lauterbach, Jörn, “Olympia geht alle etwas an”, in Die Welt 17.8.2014).
Und die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) hält mit. “Auf der Seite 1 der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung hat der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, ein gewisser Eric Schweitzer, verkündet, warum Berlin die Olympischen Spiele unbedingt nach Berlin holen müsse” (Hoeltzenbein, Klaus, Die alte Dame hat schon wieder schlechte Laune, in SZ 15.9.2014). Schweitzer ist Miteigentümer der Berliner Entsorgungsfirma Alba (Alba Basketball), seit 2004 Präsident der IHK Berlin und seit 2013 Präsident des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag; Loke, Matthias, Thomsen, Jan, Alba-Chef Schweitzer wird DIHK-Präsident, in berliner-zeitung.de 18.3.,2013). Schweitzer im O-Ton zu Berlin 2024: “Das wäre für Berlin eine große Chance, sich international zu präsentieren… Die Berliner Wirtschaft ist für Olympia” (Loke, Matthias, Miller, Tobias, “Berlin ist einfach sexy”, in berliner-zeitung.de 12.9.2014).
Anmerkung von nolympia.de: Auch in München war die hiesige Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern treibende Kraft der Bewerbung München 2022. Der Zwangsmitgliedschaft kann man sich als Firma nur durch Verlegung des Firmensitzes entziehen, also quasi gar nicht. Derzeit laufen vor hohen Gerichten Klagen gegen diese Zwangsmitgliedschaft. Was treibt die IHKs in nunmehr drei Bundesländern an, diese olympische Propaganda zu betreiben?

– Diskussion mit Gleichgesinnten. Die Welt am Sonntag hat zur Diskussion über Hamburg 2024 eingeladen, und zwar den Sportsenator (Michael Naumann, SPD), den Manager der Boxsport-Klitschko-Brüder (und HSV-Aufsichtsrat), drei aktive Sportler und eine ehemalige Sportlerin. Wen wundert, dass alle für Hamburg 2024 waren? Und  dann sagte der Klitschko-Manager Bernd Bönte: “Zumindest aber muss man den Menschen die Angst vor dem Moloch IOC nehmen, davor, dass Sponsoren über der Stadt kreisen wie die Aasgeier und dass Probleme zwischen Regierung und Menschen für vier Wochen einfach ausgeblendet werden” (Goy, Martina, Lauterbach, Jörn, “Olympia geht alle etwas an”, in Die Welt 17.8.2014).
Die Zustände hat Bönte bestens beschrieben: So ist es, und deshalb muss man den Menschen auch nicht diese nur zu berechtigten Ängste nehmen.

– Finanzielle Risiken für Hamburg. Jens Kerstan, Hamburger Grünen-Fraktionschef: “Wir haben eine sehr klare Meinung dazu: Wir wollen nicht, dass Hamburg für Olympische Spiele unabsehbare finanzielle Risiken eingeht. Ein paar Wochen Party für die Welt und anschließend jahrelang einen schweren Kater – das geht nicht. Deshalb brauchen wir konkrete Pläne, um abwägen zu können, ob der Nutzen die Kosten übersteigt oder nicht. Wenn nicht, sind wir gegen Olympia in Hamburg” (Veit, Sven-Michael, „Urbanes Leben ohne Auto“, in taz.de 17.8.2014).

– Der Hochsicherheitstrakt. Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan befürchtet , dass die Vorstellungen des IOC “ganz Hamburg monatelang zu einem Sperrgebiet machen” – es sei “inakzeptabel, eine ganze  Stadt zum Hochsicherheitstrakt mit drastisch eingeschränkten Bürgerrechten zu machen” (Veit, Sven-Michael, Spiele im Hochsicherheitstrakt, in taz.de 20.8.2014). NOlympia Hamburg verwies in diesem Zusammenhang auf London 2012 – mit 13.500 Soldaten, 12.000 Polizisten und 14.500 sonstigen Sicherheitskräften (Ebenda). “Für die Hamburger Innen- und Sportbehörde sei das ‘noch kein Thema’, sagt eine Sprecherin von Senator Michael Naumann (SPD): “Wir wissen doch jetzt noch gar nicht,  was in zehn Jahren an Sicherheitsmaßnahmen möglich und nötig ist’” (Ebenda).
Das ist eine sehr verharmlosende Aussage: Angesichts der derzeitigen Weltlage (Ukraine, Syrien, Irak, Gazastreifen, Nigeria …) wird sich das Ausmaß des Hochsicherheitstraktes im Vergleich zu London 2012 noch wesentlich verschärfen. Das gilt natürlich genauso für Berlin.

– Doppelmayr in Hamburg – nicht – angekommen. Die Musicalfirma Stage Enterprise und der österreichische Seilbahnbauer Doppelmayr möchten eine 1,5 Kilometer lange Seilbahn von der U-Bahnstation St. Pauli über die Elbe bis zu den beiden Musical-Theatern bauen und betreiben. “Und sie bieten eine Spende von zehn Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke, falls sie die Seilbahn bauen dürfen. Als Bestechungsversuch verstanden das viele St. Paulianer – und sind seither noch erboster” (Widmann, Marc, Am stählernen Faden, in SZ 20.8.2014). Ein Hintergrund: Das Seilbahngeschäft von Doppelmayr im Skisportbereich ist rückläufig. Nun überschwemmt die Firma alle möglichen Städte mit Stadt-Seilbahnen. Am Sonntag, den 24.8.2014 stimmten die Hamburger im Bezirk Mitte über die Seilbahn ab. Von 50.081 gültigen Stimmen waren 63,4 Prozent dagegen, nur 36,6 Prozent dafür (Hamburger stimmen gegen Elbe-Seilbahn, in spiegelonline 27.8.2014). “Mit diesem plumpen Bestechungsversuch in Richtung des teilweise hoch bedürftigen Bezirks war das flotte Projekt schon im Ansatz gescheitert” (Killy, Daniel, Olympia-Alarm, in weser-kurier.de 28.8.2014).

– “Aus München wenig gelernt”. Vom DOSB gewollter olympischer Zeitdruck: Ende Mai 2014 hat der DOSB seinen Fragebogen an Hamburg und Berlin versandt. Den beiden (hochverschuldeten) Städten bleiben genau drei Monate Zeit, diese Fragen zu beantworten. Im Dezember 2014 stimmt der DOSB darüber ab, welche Stadt es treffen wird mit der Bewerbung für 2024. “Hamburg hat einen Bürgerentscheid für Mai 2015 angekündigt. In Berlin ist man sich über die Art der Bürgerbeteiligung noch uneins. Was zum einen an den gesetzlichen Grundlagen, aber wohl auch an den Erfahrungen des Senats mit der Berliner Bevölkerung rundum das Tempelhofer Feld liegt. Aus München scheint man also wenig gelernt zu haben” (Kempe, Robert, Keine guten Aussichten, in deutschlandfunk.de 17.8.2014).

– “Die  dreckigen fünf  Ringe”. Aus einem Kommentar von Ariane Bemmer im Berliner Tagesspiegel: “Es geht los. Das Krumme, Ungerade, Halbseidene, auf alle Fälle Intransparente, das seit Jahrzehnten das Wirken des Internationalen Olympischen Komitees begleitet, befällt die derzeit handlungsbevollmächtigten Akteure schon, wenn sie nur darüber sprechen, dass sie bei Olympia mitmachen wollen. Und so wird es weitergehen.
Je verbindlicher die Lage, desto krummer die Wege, die beschritten werden, desto klandestiner wird agiert. Denn vor der schönen, hehren Idee der Olympischen Spiele steht das IOC – ein milliardenschwerer, weitgehend unbehelligt agierender Parallelweltverein, der vom Schönen und Hehren weit entfernt ist. (…) Wissenschaftler der Said Business School der Universität von Oxford haben 27 Spiele von 1960 bis 2012 ausgewertet und errechnet, dass die Kosten für Sommerspiele durchschnittlich 252 Prozent (!) über dem Plan lagen. (Und sie addierten nur die offiziellen Zahlen – es gibt ausreichend innoffizielle, verschwiegene und in andere Haushaltsbereiche verschobene Kosten!) Die Autoren nennen die Spiele ‘eines der finanziell riskantesten Megaevents, die es gibt, eine Tatsache, die viele Städte und Länder zu ihrem Schaden gelernt haben’. Und auch jenseits der pekuniären Dimension wirken Olympische Spiele auf die Austragungsorte. Die emeritierte kanadische Soziologin Helen Lenskij (Universität von Toronto) schreibt 2010, dass der enorme Bedarf an freiwilligen Helfern während der Spiele die ehrenamtlichen Strukturen vor Ort dauerhaft geschädigt habe, wenn für die Spiele Tausende von Freiwilligen aus den Suppenküchen und Altenheimen abwandern, die später nicht mehr zurückkehren. Auch hat Lenskij vielerorts eine allgemeine Erhöhung des Miet- und Lebenshaltungsniveaus ermittelt. Diese drei Punkte treffen vor allem die sozial Schwachen, von denen es in Berlin viele gibt.” (Bemmer, Ariane, Die dreckigen fünf Ringe, in tagesspiegel.de 18.8.2014). Vgl. auch: Kosten Olympischer Spiele

Sabine Beikler zur Abstimmung in Berlin: “Eine Ja-Nein-Frage (“Wollen Sie Olympische und Paralympische Spiele in Berlin?”) wird es laut Sportsenator Frank Henkel wohl nicht geben. Derzeit arbeitet der Senat an ‘klugen Lösungen’ zur Einbeziehung der Bevölkerung” (Beikler, Sabine, Ja oder Nein – das ist nicht die Frage, in tagesspiegel.de 19.8.2014).
Vielleicht ist die Lösung so “klug”, dass die Berliner gar nicht gefragt werden.

– Der DOSB-Präsident weiß was. Alfons Hörmann weilte (zum Bekanntwerden in der olympischen Familie?) bei den Olympischen Jugendspielen im chinesischen Nanjing: “Es gibt weltweit eine gefühlte Grundstimmung, dass Deutschland nach fünf Jahrzehnten mal wieder an der Reihe wäre, Olympische Sommerspiele auszurichten” (DOSB-Präsident Hörmann: “Gute Chancen bei möglicher deutscher Olympia-Bewerbung”, in ndr.de 18.8.2014).
Ei der Daus, wie fühlt Hörmann denn das – wo sich der DOSB doch laufend geirrt hat! Zur Erinnerung: Am 6.7.2011 in Durban galt München für den DOSB als Favorit für die Olympischen Winterspiele 2018: und fiel mit 25 Stimmen gegen 63 für Pyeongchang durch. Und am 10.11.2013 wollte die Bewerbung München 2022 alle vier Abstimmungen über die Bewerbung gewinnen – und verlor alle vier.
Hörmann drohte weiter: “Wenn wir uns bewerben, muss die Stadt die grundsätzliche Bereitschaft mitbringen, mindestens auch ein zweites Mal anzutreten” (Ebenda).
Die Stadt muss beim zweiten Mal nicht nur die Bereitschaft mitbringen, sondern auch die nächsten 50 bis 60 Millionen Euro.

– Der IOC-Präsident weiß was. Thomas Bach: “Tatsache ist, dass eine deutsche Bewerbung, die dann von der großen Mehrheit der Bevölkerung getragen wird, sicherlich eine sehr, sehr starke Bewerbung wäre. Sie hätte wirklich eine gute Chance” (“Deutsche Olympia-Bewerbung hätte eine wirklich gute Chance”, in focus.de 20.8.2014).
Ja, ja. Was man eben als IOC-Präsident so sagt, wenn Zählkandidaten im olympischen Bewerbungsspiel aufgepäppelt werden. Für 2024 abgesagt haben bereits Paris und mehrere amerikanische Städte.

– Der DOSB-Generaldirektor weiß was. Im Interview des Deutschlandfunks äußerte Michael Vesper: “Die beiden größten deutschen Städte, Berlin und Hamburg, hätten jetzt Interesse bekundet” (Küpper, Moritz, “Es ist Zeit, Sommerspiele nach Deutschland zu holen”, in deutschlandfunk.de 23.8.2014).
Das ist Geschichtsklitterung. In Wirklichkeit haben unzählige Sportlobbyisten des DOSB es geschafft, wider jede Vernunft den hochverschuldeten Stadtstaat Hamburg und die noch höher verschuldete Hauptstadt Berlin in eine ziemlich lächerlich anmutende Bewerbungskonkurrenz zu drängen. Noch unverständlicher ist, dass der DOSB erfolgreich einen unglaublichen Termindruck aufbauen konnte – wiederum ohne Murren der Regierenden!

– Billige Berliner Bewerbung. Der Berliner Sportsenator Frank Henkel nannte erneut die Summe von 50 Millionen Euro für die Bewerbung und die – völlig illusionäre – Summe von “etwa zwei Milliarden Euro” für die Ausrichtung von Berlin 2024 (Olympia-Bewerbung kostet 50 Millionen, in berliner-zeitung.de 20.-8.2014). Der Berliner Bundestagsabgeordnete Swen Schulz (SPD) forderte eine finanzielle Unterstützung des Bundes für Berlin 2024 von rund 50 Prozent der Kosten (Beikler, Sabine, Keine Spiele ohne Unterstützung des Bundes, in tagesspiegel.de 21.8.2014).
Hallo Herr Henkel: Hier kommt Nachhilfe von ProProjekt / Albert Speer und Partner, dem DOSB-Partner beim Fragebogen vom 8.7.2014, den Sie ja kennen sollten. AS&P hat die Budgets der drei Bewerber um Olympische Sommerspiele 2020 zusammengestellt. Als Gesamtbudget der drei Summen OCOG-Budget, NON-OCOG-Budget und Incremental Costs ergaben sich für Istanbul 25,2 Milliarden Dollar, Tokio 10,1 Milliarden Dollar und Madrid 7,2 Milliarden Dollar. Das sind die OFFIZIELLEN Kosten – da sind noch keine Kostenüberschreitungen mit dem Faktor drei bis zehn dabei, wie bei Olympischen Spielen inzwischen üblich! Vergleiche auch: Kosten Olympischer Spiele
Also, Herr Henkel: Damit sollte Schluss sein mit Ihren lächerlichen “rund 2 Milliarden Euro”!

– Der Regierende Bürgermeister Berlins phantasiert. Originalton Klaus Wowereit: “Olympische Spiele stehen nach wie vor für eine weltumfassende Idee, für Völkerverständigung, für ein Treffen der Jugend der Welt (Anker, Jens, Richter, Christine, “Wowereit – Berlin hat damals eklatante Fehler gemacht”, in morgenpost.de 24.8.2014).
Wer es glaubt, wird selig. Die “Jugend der Welt” ist mehr oder weniger Nebensache; Hauptsache sind die Milliardengewinne für das IOC. Und die wahre Völkerverständigung war nach Sotschi 2014 mit der russischen Annektierung der Krim und dem Einmarsch in die Ostukraine zu besichtigen.
“Es ist die größte Sportveranstaltung der Welt und bringt für die Gastgeberstadt viele Möglichkeiten” (Ebenda).
Vor allem die Möglichkeit von Schuldenbergen, Mietpreiserhöhungen und IOC-Knebelverträgen.
“In Deutschland tun manche so, als wenn es etwas Negatives wäre, Olympische Spiele auszutragen. Das sehen meine Kollegen in anderen Städten weltweit ganz anders” (Ebenda).
Nicht unbedingt – Paris, Rom und amerikanische Großstädte haben für 2024 bereits abgesagt. Und bei Tokio 2020 beginnt schon jetzt der olympische Blues.
“Wenn wir den Fragebogen zu den Olympischen Spielen jetzt an den DOSB abgeben, dann ist das nur ein erster Schritt. Anschließend wird es darum gehen, die Pläne gemeinsam genauer auszuarbeiten, Finanzpläne zu erstellen und Möglichkeiten der Mitwirkung zu schaffen” (Ebenda).
Möglichkeiten der Mitwirkung? Waren bei München 2018 und München 2022 nicht gegeben; die olympischen Pläne unterlagen strikter Geheimhaltung.
“Berlin hat schon heute hervorragende Sportstätten – der überwiegende Teil der erforderlichen Anlagen existiert schon” (Ebenda).
Das wurde bei der Bewerbung München 2022 auch behauptet. Gegenthese: Das einzige Gebäude, das vor der Abstimmung am 10.11.2013 schon olympiatauglich war, war der Münchner Flughafen.
“Man geht davon aus, dass die Kosten für die Durchführung der Spiele selbst sich durch die Eintrittsgelder und das, was das IOC gibt, decken” (Ebenda).
Das ist die offizielle IOC-Doktrin – deshalb nicht wahrer, im Gegenteil.

– Falsche grüne Überlegungen. Die Sportpolitikern von Bündnis 90/Die Grünen, Anja Schillhaneck, äußerte nur allzu berechtigte Zweifel am Reformwillen des IOC, folgerte dann aber: “Intransparente Spiele und Knebelverträge für die Stadt wird es mit uns nicht geben” (Beikler, Sabine, Die Transparenzoffensive des Senats, in tagesspiegel.de 23.8.2014).
Ohne Host City Contract = IOC-Knebelvertrag keine Olympischen Spiele – so einfach ist das. Meine drei Standardsätze zur Reformwilligkeit des IOC: 1) Eher hört die NSA auf, in Deutschland zu spionieren, als dass sich das IOC reformiert. 2) Eher führt Deutschland ein Tempolimit auf Autobahnen ein, als dass sich das IOC reformiert. 3) Eher wird Wladimir Putin ein bisschen demokratisch, als dass sich das IOC reformiert.
Noch eine Bemerkung zum IOC: Es ist nicht einfach nur eine Franchise-Organisation für sein Produkt Olympische Spiele. Übersehen wird oft, dass das IOC längst die von Putin gerühmte “vertikale Demokratie” (früher auch Führerprinzip genannt) im weltweiten Sport eingeführt hat: Stramm vom IOC in Lausanne über den DOSB aus bis hinunter in den letzten deutschen Sportverein ist der Sport streng hierarchisch durchorganisiert – mit eilfertiger Hilfestellung der DOSB-Oberen. Mit Demokratie hat das internationale Sportgeschehen schon längst nichts mehr zu tun.
Vergleiche: Die Sport-Demokratur

– Aus einem Kommentar von Harry Nutt in der Berliner Zeitung: “Es braucht nicht viel Fantasie, sich die geballte Gegnerschaft von Olympischen Spielen 2024 oder 2028 auszumalen. Berlin ist die Hauptstadt des Bürgerentscheids und fast immer waren die Abstimmungen, zum Beispiel gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes, trotzige Urteile über die halbherzigen Pläne der Regierenden. (…) Für zwei Wochen wird der schöne Schein der Völkerverständigung simuliert, und wenn die Karawane weitergezogen ist, bleiben meist Probleme, Schulden und Bauruinen zurück. Eine Stadtgesellschaft aber, die sich bewusst für die Ausrichtung eines weltweit beachteten Megaevents entscheidet, hat auch die Chance, darüber mitzubestimmen, was und wie es gespielt wird. (…) Als bloße Folklore und Exportprodukt aus der alten Welt für autokratische Regime und zur Stabilisierung der Macht von Diktatoren werden Olympische Spiele nicht überleben” (Nutt, Harry, Olympische Spiele brauchen eine Legitimation, in berliner-zeitung.de 24.8.2014).

– “Olympia? Lasst es  einfach sein. Es gibt Wichtigeres zu tun.” Pressemitteilung Stadt- und Mietenpolitische Initiativen Berlins vom 25.8.2014: hier

– “Berlins Politik ist nicht reif für Olympia”. So betitelte Gerd Appenzellner seinen Artikel im Tagesspiegel und schrieb u.a.: “Diese Stadt hat auch im übertragenen Sinne zu viele Schmutzecken, in denen erst einmal gekehrt werden müsste, bevor man Kraft und Geld in spektakuläre Neubauprojekte investiert:
So lange in Marzahn vorhandene Gelder für kleine Reparaturen an Schulen nicht abgerufen werden, weil das bezirkliche Hochbauamt mit Großprojekten voll ausgelastet ist,
so lange in Charlottenburg auf Bürgerämtern und den Beratungsstellen für Behinderte der Personalmangel auf dem Rücken Hilfe suchender Menschen ausgetragen werden,
so lange in Mitte der Personalmangel zu einer Verwahrlosung der Grünflächen und des gesamten öffentlichen Raumes führt,
so lange in Pankow aus Personalmangel Ämter geschlossen werden, ohne das ratsuchenden Bürgern gesagt wird, an wen sie sich wenden können,
so lange in fast allen Bezirken Schulen vergammeln oder ihr Umbau nicht rechtzeitig zum Schuljahrsbeginn fertig wird,
so lange der Bau preiswerter Mietwohnungen nur schleppend voran kommt, während die Stadt Jahr für Jahr wächst,
so lange ist diese Stadt für Olympische Spiele nicht reif” (tagesspiegel.de 25.8.2014).

– Wer hätte das gedacht? Am 26.8.2014 beschloss der Senat von Hamburg, sich beim DOSB um 2024 zu bewerben und den DOSB-Fragebogen zu beantworten. Am 26.8.2014 beschloss der Senat von Berlin, sich beim DOSB um 2024 zu bewerben und den DOSB-Fragebogen zu beantworten. Dazu hatten Hamburg und Berlin einen aufmüpfigen Plan: “… die Öffentlichkeit über erste Konzepte zu informieren, lässt sich auch als weiterer Pfeil gegen den Sportverband (DOSB; WZ) interpretieren” (Reinsch, Michael, Wowereits Vermächtnis, in faz.net 26.8.2014). Pustekuchen: Als Disziplinierungsmaßnahme untersagte der DOSB den beiden Millionenstädten, die Antworten zu veröffentlichen. “Die Konzepte möchte der Sportbund selbst ins Internet stellen – und zwar am 1. September” (Zylka, Regine, Olympiabewerbung von Berlin und Hamburg im Vergleich, in berliner-zeitung.de 25.8.2014).
Das geht gut los und würde so weitergehen bis 2024: Schließlich ist der DOSB der Herr im Haus des Sports. Und die Vertreter der beiden größten deutschen Städte lassen sich behandeln wie die Schulbuben.

– Weder noch. Judith Demba von NOlympia Berlin formuliert ihre Vorstellung: “Unser Ziel ist es, dass die Mitgliederversammlung des DOSB beschließt, dass sich weder Berlin noch Hamburg für die Spiele bewerben” (Rada, Uwe, Die Wiederkehr der Judith Demba, in taz.de 25.8.2014). – “Der Bund für Naturschutz in Deutschland (BUND) dagegen steht nun auf der anderen Seite der Barrikade und will die Möglichkeiten ausloten, ökologische und nachhaltige Spiele nach Berlin zu holen. Judith Demba hält das für naiv. ‘Das IOC ist nicht reformierbar’, betont sie und nennt den Host City Contract, jenen Vertrag, mit dem sich die Herren der Ringe noch in jeder Olympiastadt die Gewinne gesichert haben, während die Bewerberstädte und die gastgebenden Länder auf den nicht selten galoppierenden Kosten sitzen blieben” (Ebenda; Hervorhebung WZ).

– Einladung zur Pressekonferenz von NOlympia Berlin am Freitag, 29.8.2014 um 11 Uhr im Konferenzraum Deutscher Naturschutzring, Marienstr. 19-20, 10117 Berlin (klingeln unter 101). Teilnehmer: Johannes Verch, Sportwissenschaftler; Karin Thormeyer, Geschäftsführerin Grüne Liga; Hauke Brenner, NOlympia-Aktivist der 90er Jahre; Judith Demba, NaturFreunde Berlin; zur PM: hier

– “Det wird nüscht”. Aus einem Kommentar von Martin Kröger im Neuen Deutschland: “Dass aber ein Volksentscheid in Berlin anders ausgehen wird als in München, ist unwahrscheinlich. Bereits jetzt sammeln sich die Olympia-Gegner, zu denen neben Umweltverbänden und Basisorganisationen auch die Linkspartei zählt. Selbst bei den Grünen sprach sich der erste Bezirksverband gegen den realexistierenden olympischen Größenwahn aus. Das sind, nebenbei bemerkt, dieselben kampagnenerfahrenen Gruppen, die dem Senat jüngst die krachende Niederlage beim Volksentscheid zur Zukunft des Tempelhofer Feldes beigebracht haben. Berlin und Olympia 2024 oder 2028 – det wird nüscht” (Größenwahn fürs IOC, in neues-deutschland.de 30.8.2014).

– “Anti-IOC ist gerade in.” Ein Kommentar in der Nordwestzeitung sieht in der zunehmenden Nähe zwischen IOC-Präsident Bach und Wladimir Putin wenig Aussicht auf eine Demokratisierung des IOC. “Auch in Hamburg und Berlin stehen die NOlympia-Aktivisten schon Gewehr bei Fuß. sie werden Gehör finden, und zwar nicht nur mit dem Argument, dass allein eine Olympia-Bewerbung etwa 50 Millionen Euro verschlingen wird. Anti-IOC ist gerade in. Sollte das IOC im Dezember nicht die richtigen Weichen stellen, sollte auch der DOSB die schmerzhafte Entscheidung in Erwägung ziehen, aus Protest auf eine Bewerbung zu verzichten” (Berlin, Hamburg oder gar keiner? www.nwzonline.de 28.8.2014).

– “Mehr Brot statt Spiele!” – Titelzeile der Presseerklärung NOlympia Berlin vom 29.8.2014: hier

– “Dabei sein ist nicht alles”. So titelte die Welt zur Haltung der Grünen in Hamburg: “Auf der Klausurtagung der Bürgerschafts-Fraktion vor den Sommerferien etwa zeichnete sich nach ‘Welt’-Informationen eine klare Mehrheit für ein Nein zur Bewerbung Hamburgs um die Spiele ab – gegen das Votum des Fraktionsvorstands” (Meyer, Peter Ulrich, Dabei sein ist nicht alles: Grüne hadern mit Haltung zu Olympia, in welt.de 27.8.2014). Der frühere Justizsenator und jetzige verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Till Steffen: “Ich meine, meine Partei wäre gut beraten, sich jetzt klar zu äußern. Ich empfehle, dass wir uns gegen Olympia aussprechen” (Ebenda).

– Hamburg-2024-Fan Wolfgang Maennig recycelt. Der Goldmedaillengewinner im Ruder-Achter 1988 Wolfgang Maennig gab der dpa im Juli 2014 ein Interview (“IOC muss sich Bewerberstädten anpassen”, in mittelhessen.de 8.7.2014). Das ziemlich deckungsgleiche Interview lieferte er am 4.8.2014 in der FAZ ab (Deutschland ist dran! in faz.net 4.8.2014).

– Hamburg: Olympisches Dorf und Mietwohnungen: von wegen. Wolfgang Maennig gewann 1988 im Ruder-Achter Gold, war auch IOC-Mitglied und unterstützte die Bewerbungen München 2018 und 2022. Er äußerte im Interview mit dem NDR: “Auch bei Diskussionen wie ‘Wer finanziert eigentlich das olympische Dorf?’ wäre es in Hamburg einfacher zu sagen, das ist ein privater Bauträger, der das anschließend auch verkaufen kann” (Ringel, Guido, Gerska, Holger, Maennig: “Olympia muss kleiner werden”, in ndr.de 29.8.2014).
Mit Gewinn natürlich. Das wäre dann das Schicksal der Olympischen Dörfer von Vancouver 2010, London 2012 etc. Von wegen bezahlbare Mietwohnungen oder gar Sozialwohnungen…

Zeitplan Olympische Sommerspiele 2024:
– 31.8.2014: Abgabe der 13 Fragen an den DOSB
– Am 6. Dezember 2014 möchte der DOSB sich dann bei seiner Mitgliederversammlung in Dresden gnädig zwischen Berlin und Hamburg entscheiden dürfen. Solange werden beide Kandidaten bei Laune und im Rennen gehalten. “Auch 2028 oder 2032 kommen demnach als Alternativen in Frage” (Anker, Jens, Olympische Spiele in Berlin? in welt.de 10.6.2014). Inzwischen hat die DOSB-Spitze den Entscheidungstermin 6.12.2014 gekippt.
– Falls es Hamburg erwischt, ist im Mai 2015 eine Befragung der Hamburger Bürger geplant. Für Berlin ist derzeit noch nichts bekannt.
– Im Herbst 2017 wird das IOC den Austragungsort 2024 wählen.

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Hamburg-Berlin 2024 (1) bis Juni 2014: hier


Kritisches Olympisches Lexikon - Sach- und Personenregister: (257 Einträge, wird laufend aktualisiert und ergänzt)
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