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Primo Nebiolo

Zuletzt geändert am 02.08.2010 @ 9:02

Der Bauunternehmer Primo Nebiolo (* 1923, † 1999) war seit 1961 Präsident des Internationalen Hochschulsport-Verbandes. 1992 wurde er von  Samaranch als IOC-Mitglied ernannt und blieb dies bis zu seinem Tod 1999.

Mit der Hilfe von > Horst Dassler wurde Nebiolo wie folgt zum Präsidenten der International Amateur Athletic Federation (IAAF) gewählt: Der amtierende Präsident hatte Neuwahlen angesetzt und wollte wieder kandidieren. Dassler kaufte Stimmen für Nebiolo und warnte den Amtsinhaber, der daraufhin seine Kandidatur zurückzog. Damit war Nebiolo der einzige Kandidat und kam ohne Abstimmung 1981 ins höchste Amt der Leichtathletik. Er besetzte dieses Amt bis 1999 und wurde sechs Mal ohne Gegenkandidat wiedergewählt (Simson, Jennings S. 128ff).

Unter Nebiolos Ägide erfolgten die Ausrichtung zum Profisport und die Kommerzialisierung der Leichtathletik. Er handelte Südkorea im Namen der IAAF für die Olympischen Sommerspiele in Seoul 1988 einen zusätzlichen Anteil von 20 Millionen Dollar für Fernsehrechte ab, die er in eine persönliche Stiftung in Monte Carlo einbrachte (International Athletics Foundation IAF), deren Mitglieder und Ausgaben er bestimmte und die jährliche Feste für 500 000 Dollar veranstaltete.

Bei den Weltmeisterschaften 1987 in Rom wurde der gedopte Ben Johnson Weltmeister über 100 Meter. Zwei Tage später wurde das Dopingmittel Stanozol in seiner Blutprobe gefunden und ihm die Goldmedaille aberkannt. Sowohl Samaranch als auch Nebiolo erklärten, dass Johnson bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona willkommen sei. Das gerade in der Leichtathletik immer virulentere Dopingproblem wurde von Nebiolo, aber auch vom IOC unter Samaranch unter den Tisch gekehrt.

Nebiolo war auch Präsident des italienischen Leichtathletikverbandes FIDAL, musste aber dort nach dem Skandal bei der WM 1987 in Rom zurücktreten. Der Weitspringer Giovanni Evangelisti wurde mit Wissen Nebiolos auf den dritten Platz getrickst: Der Messstift war schon vor dem Sprung von korrupten Kampfrichtern in den Sand gesteckt worden. Dabei wurde aber eine fest installierte Kamera am Ende der Sprunggrube übersehen, die den Betrug aufzeichnete (Simson; Jennings S. 211ff).

Nebiolo setzte das Prinzip durch: „ein Land, eine Stimme“, das auch beim IOC und der FIFA herrscht. Dieses pseudodemokratische System hat einen einfachen Grund: Kleine Staaten mit wenig Sportlern können mit relativ wenig Geld gefügig gemacht werden und haben das gleiche Stimmengewicht wie große Staaten mit vielen Sportlern. Die großen Sportnationen attackierten Nebiolo wegen seiner immensen Ausgaben; die Vertreter der Kleinstaaten durften einfliegen und votierten für Nebiolo. Und alles sah richtig demokratisch aus.

Seine Biografie aus den Achtzigerjahren zeigte ihn im freundlichem Gespräch mit dem rumänischen Diktator Nicolae Ceaucescu.

Quellen:

Jennings, Andrew, Das Olympia-Kartell, Reinbek 1996

Kistner, Thomas/Weinreich, Jens, Der olympische Sumpf, München 2000

Simson, Vyv/Jennings, Andrew, Geld, Moral und Doping – Das Ende der olympischen Idee, München 1992

Wikipedia


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