Das gescheiterte Konzept der Sportstätten
© Text: Sylvia Hamberger, Gesellschaft für ökologische Forschung
Die Olympischen Wettkämpfe sollen wegen des vermeintlichen Vorteils einer „kompakten Bewerbung“ nur an drei Orten stattfinden: in München („Eis-Park“), in Königsee (Bob, Rodeln und Skeleton) und in Garmisch-Partenkirchen („Schnee-Park“).
Zum “Schnee-Park” gehören aber auch Langlauf- und Biathlon-Wettbewerbe. Die langwierige Suche nach geeigneten Orten für diese Wettkampfstätten zeigt die Problematik von München 2018 auf. Die Dimensionen Olympischer Winterspiele sind für das Oberland zu groß. Alle ursprünglich „ins Auge gefassten Gebiete“ der Planer – wie Klais, Kaltenbrunn und Barmsee – scheiterten wegen der Naturschutz- und FFH-Gebiets-Auflagen.
Die Bewerber wichen als Austragungsort zunächst auf Oberammergau aus. Damit war aber die „kompakte Bewerbung“ von “München plus 2″ bereits gescheitert. Ab da ging um „München + 3“ und die Bewerbung wurde unverfänglicher in “München 2018″ umbenannt.
Auch Oberammergau ist inzwischen ausgeschieden: Ein Erfolg für die Bürgerinitiative in Oberammergau, denn die Bewerbungsgesellschaft hatte den Passionsspielort wegen “massiven Widerstands” aus den Planungen für die Olympischen Spiele 2018 genommen (s. unter “Aktuelles”).
Eigentlich hätte schon der Ausstieg von Oberammergau zum AUS für die Bewerbung führen müssen, denn der Status “candidate city” für “München 2018″ bezieht sich auf das Konzept mit München, Garmisch-Partenkirchen, Schönau am Königssee und Oberammmergau!
Jetzt soll das “Nordische Zentrum” mit den Biathlon- und Langlaufwettbewerben samt Stadien und Streckenverläufen auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt gebaut werden: Noch tiefer gelegen als Oberammergau und damit noch weniger schneesicher.
Die Klimaprognosen sprechen gegen Gut Schwaiganger – nur 660 m ü. NN: Wie und mit welchem Aufwand will man in acht Jahren in sonniger Lage Schnee-Wettbewerbe abhalten? Wo bleibt da das Nachhaltigkeitspostulat?
Die Planungen gehen davon aus, dass alle Anlagen des “Nordischen Zentrums” temporär gebaut werden: mit hohen Kosten und gravierenden Eingriffen in die Landschaftsräume.
Einziges Kriterien für diese Wahl: Staatlicher Besitz – also keine Grundbesitzer, die ihre Unterschrift für die olympische Nutzung – und damit längerfristige Zerstörung ihres Grundes – ablehnen könnten.
Es lässt sich in diesem Kontext nicht nachzuvollziehen, warum die Veranstalter Ruhpolding, Oberstdorf und Inzell nicht einbezogen haben:
- Die Biathlon-WM findet 2012 in Ruhpolding statt. Dafür wird die Chiemgau-Arena für 16 Millionen Euro ausgebaut. Die Summe stammt komplett aus dem Konjunkturpaket II.
- Oberstdorf bestritt die Nordischen Ski-WM 2005 (verschuldete sich dabei bis heute mit 63 Millionen Euro) und will sich nach der FIS-Absage für die WM 2013 wieder für eine Nordische Ski-WM bewerben. Sportstätten und Langlauf-Loipen sind vorhanden.
- Inzell wird 2011 die Einzelstrecken-WM im Eisschnellauf ausrichten. Die neue Eisschnelllaufhalle mit Überdachung soll 36 Millionen Euro kosten – auch dieses Geld kommt aus dem Konjunkturpaket II.
Trotzdem will man für den olympischen Eisschnell-Lauf im Münchner Olympiagelände ebenfalls eine neue Halle bauen: temporär.
Ein schlüssiges Sportstätten-Konzept fehlt für den bayerischen alpinen Raum.
Die genannten Anlagen in Oberstdorf, Ruhpolding und Innzell sind bereits fertig oder kurz vor der Fertigstellung. Die Planungen für “München 2018″ sehen aber vor, die gleichen Anlagen nur für die olympische Nutzung nochmals zu bauen und nach den Spielen 2018 wieder abzureißen.
Damit mißachtet diese Planung ganz offensichtlich eines der angeblich „stärksten“ Argumente für olympische Spiele: Die Investitionen, gerade in Sportanlagen, sollen über Olympia hinaus einer langfristigen Nutzung dienen.
Jetzt sind Wettkampfstätten bereits vorhanden und werden modernisiert – ganz ohne Olympia – , aber sie sollen laut Bewerbungsunterlagen für 2018 nicht genutzt werden! Schilda läßt grüßen.






