nach unten

Bedrohung der Landschaft und Natur

Zuletzt geändert am 15.07.2010 @ 9:34
© Foto: Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

©  Text: Sylvia Hamberger, Axel Doering, Wolfgang Zängl, Gesellschaft für ökologische Forschung

Garmisch-Partenkirchen soll für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 das Snow-Cluster mit den Alpin-Ski- und Skisprungdisziplinen aufnehmen,  Oberammergau wurde wegen “massivem Widerstand” im Passionsort aus den Planungen für die Olympischen Spiele 2018 genommen - ein Erfolg der Bürgerinitiative und vieler Grundbesitzer, die der olympischen Nutzung – und damit der längerfristigen Zerstörung – ihrer Grundstücke nicht zugestimmt haben.

Jetzt sind die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt geplant – und  Schönau am Königssee erhält laut Planung die Rodel- und Bobwettbewerbe.

Eigentlich hätte schon diese Umplanung  zum AUS für die Bewerbung führen müssen, denn der Status “candidate city” für “München 2018″ bezieht sich auf das Konzept mit München, Garmisch-Partenkirchen, Schönau am Königssee und Oberammmergau!

Es zeigt sich bei all dem längst, dass die Olympischen Winterspiele zu Dimensionen herangewachsen sind, die die naturräumlichen Kapazitäten dieser Gemeinden überfordern. Winterspiele müssen großteils im Gebirge stattfinden – doch deren Täler können die Gigantomanie nicht mehr fassen. (Platzbedarf)

Zu den eigentlichen Sportstätten kommen folgende Flächen hinzu: das Snow-Village, die Unterbringung der Medienleute, die Fern- und Zufahrtsstraßen, Parkplätze für tausende Autos und Busse, Stadien, Standorte und Tribünen für Presse und Besucher, neue Hotelanlagen und alle Ver- und Entsorgungseinrichtungen sowie technische und Sicherheits-Infrastrukturen. und – was gerne vergessen wird – die Infrastruktur für die Sicherheitsmaßnahmen gegen Terror und Gewalt.

Kein Pappenstiel – das wissen auch die Olympia-Planer selbst: „Die Flächeninanspruchnahme der Sportstätten und der notwendigen Infrastruktur, die Beherbergung und Verköstigung von Millionen Menschen, deren Versorgung mit Energie und Wasser haben einen enormen Einfluss auf Umwelt und Ökosysteme.“ (Entwurf Umwelt-Konzept der Bewerbungsgesellschaft München 2018)

Aber es fehlt den Bewerbern der Mut, zu Inhalt und Dramatik dieser Aussage zu stehen. Denn um jeden Preis müssen die Spiele das Etikett ökologisch und nachhaltig tragen – vor allem, um im Rennen um den Zuschlag gut dazustehen. Schließlich erwartet das IOC ein Umweltkonzept, und die Weltöffentlichkeit wirft im Zuge des Klimawandels ein grünes Auge auf die Bewerbung. Man setzt sich einem Anspruch aus, den man allein schon wegen der Dimension der Spiele nicht erfüllen kann. Damit beruht die ganze Bewerbung auf einer Täuschung.

Zur Ausgangslage:

Weit über die Hälfte (66%) der Landschaften und Naturräume des Landkreises Garmisch-Partenkirchen sind ökologisch besonders wertvoll und wurden deshalb unter Landschafts- oder Naturschutz gestellt. Weitere wertvolle Bereiche wurden als FFH-Gebiete ausgewiesen. Die Gemeindefläche Oberammergaus  ist jetzt gerettet – dank der Bürgerinitiative und einiger Grundbesitzer, die die “olympischen Nutzungsverträge” nicht unterzeichnet haben! Auf staatlichen Flächen – wie auf dem jetzt anvisierten Gut Schwaiganger – gilt eine besondere Sorgfaltpflicht des Staates in allen Naturschutz- und Umweltbelangen. 84% des Gemeindegebietes Schönau am Königssee gehören zum Nationalpark Berchtesgaden.

Die streng geschützten Naturschutzflächen sind von der Planung für die Olympischen Winterspiele bisher weitgehend – aber nicht vollständig – ausgenommen. Es ist zu befürchten, dass die Baustellen und Anlagen dann doch in geschützte Biotope ausgedehnt werden, wenn Änderungen, wie z.B. die verständliche Weigerung von Landwirten, ihre Wiesen und Gründe abzutreten, das gesamte Olympia-Konzept zu Makulatur machen könnten - oder man steigt endlich aus dieser Pannen-Bewerbung aus.

Die Flächen, die unter Landschaftschutz stehen, sind von den Planungen nicht ausgenommen.

Völlig ungeklärt ist auch die Frage: Wohin mit dem Aushub? Allein der Straßen- und Tunnelausbau im Loisachtal (Verkehr) ergibt die Menge von mindestens 3 Millionen m³ Deponiematerial.

Der Landschafts-Verbrauch

Bisher wollte man das Snow-Village, das Mediendorf, Straßen und Parkplätze in Garmisch-Partenkirchen sowie 64 ha für Biathlon- und Langlaufanlagen temporär in Oberammergau auf landwirtschaftlichen Flächen unterbringen. Oberammergau ist ausgestiegen, aber jetzt trifft es Ohlstadt mit dem Gut Schwaiganger.

Aber viele Grundbesitzer und Bauern in Garmisch-Partenkirchen sehen bisher auch keine Veranlassung, ihre Existenzbedingungen dem Olympia-Hype von Sportfunktionären und Politikern zu opfern.

Stieranger, Garmisch-Partenkirchen

Die Bauern fragen sich, wo ihre Tiere drei bis vier Jahre lang weiden sollen. Und nicht nur die Bauern, sondern auch die Einheimischen und die Gäste sehen die jahrhundertealte Kulturlandschaft – das Kapital dieser Gegend – für ein 18-tägiges Megaevent vor die Hunde gehen.

Hier geht es nicht nur um Grünland – hier geht es um berühmte Landschaften mit artenreichen und herrlichen Blumenwiesen und alten Baumstädeln, die platt gemacht werden müßten.

Blumenwiese, Garmisch-Partenkirchen, Zugspitzmassiv

Bewerbungschef Willy Bogner lehnte die Pläne der neun Garmisch-Partenkirchener Verbände und Vereine ab, das Olympische Dorf – statt auf ihren Wiesen – auf dem Gelände des Golfplatzes in Burgrain unterzubringen. Er appellierte an „einzelne Bauern, die ihre hochsubventionierten Wiesen nicht an die olympischen Organisatoren verpachten wollten, ihrer Verantwortung für das Land gerecht zu werden.“ (Bielicki, Jan, München über den Wolken, in: SZ 28.1.2010).

In Vancouver äußerte sich Bogner abfällig über die Bauern aus Oberammergau, die sich um die Zukunft ihrer Landwirtschaft Sorgen machen und ihre Wiesen und Weiden nicht abgeben möchten: “Winterspiele sind ein Ereignis von nationaler Bedeutung, die Staatsbürger sollten sich an die Zusagen, die die Volksvertreter einmal gemacht haben, halten.” Und der Spiegel kommentiert: “Ein harter, drohender Satz.” (Pfeil, Gerhard, Weiße Krawatten, in: Der Spiegel 8/22.2.2010)

Sportfunktionäre und manche Politiker wollen offenbar in Gutsherrenart über die Wirtschaftsgrundlagen der Bauern verfügen. Aber eine Enteignung von Grund und Boden ist auch für Olympische Zwecke nicht machbar.

Baumstadel, Garmisch Partenkirchen

Ein Teil der benötigten Gesamtfläche sollen temporär für die Olympischen Spiele genutzt wird, „wobei eine Regeneration und Wiederherstellung der landwirtschaftlich genutzten Flächen möglich ist.

Nach Olympischen Plänen will man die z.T. historischen Heustädel ab- und wieder aufbauen und die Wiesen regenerieren: Legoland lässt grüßen.

Wie werden solche Wiesen nach den Olympischen Winterspielen aussehen?

Blumenwiese, Garmisch-Partenkirchen, Zugspitzmassiv

Die Landschaft verliert ihren einmaligen und authentischen Charakter und ihre ökologische Vielfalt.

Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft“ (Bayerischen Naturschutzgesetz, Artikel 1) sind nicht ohne gravierende Verluste zu regenerieren.

Garmisch-Partenkirchen

Geplant sind bzw waren das Snow-Village für 2.500 Athleten und Betreuer, ein neues Kongresshaus und eine Multifunktionshalle, dazu kommen ggf ein (oder mehrere kleine) Mediendörfern für 3.700 Medienvertreter mit benachbartem Sub Media Center plus temporäre Park-, Lager- und Serviceflächen und ggf neue Verbindungsstraßen für die Athleten- und Medienbereiche (Platzbedarf).

Von den Vorschlägen der Interessensgemeinschaft aus Weidegenossenschaften, Bauernverband, Trachtenvereinen und Alpenvereinssektion u.a. wurde nur die Alternative für die Unterbringung der Medienleute  geprüft.  Beim Snow-Village bekräftigte der Gemeinderat die Entscheidung von Bewerbungschef Bogner und hält – wahrscheinlich oder vielleicht – trotz des Widerstandes vieler Grundbesitzer am alten Standort mit kleineren Einschränkungen fest.

Bisher scheint nichts wirklich sicher zu sein. Offen ist noch, welche  Bereiche fest und welche nur temporär bebaut werden sollen – und ob überhaupt. Niemand – außer einem eingeschworenen kleinen Kreis, der undemokratisch sein Wissen zurück hält – hat bisher die ganze Planung gesehen. Und viele Grundbesitzer wollen diese Verträge, die sie zugeschickt bekommen hatten und “unterschrieben im Rathaus” abgeben sollen, unter den gegebenen Umständen nicht unterzeichnen. “Darin sollen die Grundstückseigentümer unterschreiben, dass sie ihr Land für Parkplätze, Wettkampfstätten, Stadion, olympische Infrastruktur und Zufahrtswege zur Verfügung stellen. Was auf jedem einzelnen Stück Land geschehen soll, wird nicht schriftlich fixiert – für viele Eigentümer ein Grund, warum sie den Vertrag ablehnen.” (SZ, 9.7.2010)

Planung für Snow-Village 2018, Garmisch-Partenkirchen

Nicht nur die Wiesen und Weiden sind betroffen. Auch das Garmischer Eisstadion (dessen neuerer Teil erst vor 19 Jahren für 50 Millionen D-Mark errichtet worden ist) und das Hallenbad sollen – oder doch nicht? – abgerissen werden.

Umplanungen, die immer wieder verworfen werden, zeigen, dass einem tragfähigen Gesamtkonzept immer noch die geeigneten Standorte fehlen.

Für die Gemeinden im Oberland und die beengten Tallagen ist der Paltzbedarf für Olympische Winterspiele einfach zu groß. Der Zeitdruck, unter dem die Bewerbungsgesellschaft steht, ist hoch – zu hoch, um die Nöte und Hektik der Planungen verbergen zu können.

Flächen für die Alpin-Ski-Wettbewerbe

Die Alpin-Ski-Wettbewerbe sollen an der Kandahar, am Hausberg, am Gudiberg und auf den Skischanzen stattfinden.

Die Bewerber wollen damit punkten, dass sie vorgeben: „Die meisten Anlagen sind schon da.“ Der DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bezeichnete den Natur- und Umweltschutz als „unser Alleinstellungsmerkmal“. (DAV Panorama 4/2009, S. 7).

Aber die Behauptung der Planer und der Bewerbungsgesellschaft, diese Anlagen stünden unter dem Zeichen der Nachhaltigkeit, muss widersprochen werden. So versteckt man sich hinter der Behauptung, „die für die Ski-WM (2011) ertüchtigten Pisten (würden) für die Alpin-Wettbewerbe (schon) zur Verfügung stehen.

Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit sieht aber anders aus

Bergwaldrodung für neue WM-Pisten, Kandahar, Garmisch-Partenkirchen

Mit massiver Landschaftszerstörung wurde die Kandahar „weltmeisterlich“ hergerichtet.

Der Ausbau für die WM 2011 wich vollständig von den ursprünglich genehmigten Planungen ab.

Insgesamt wurden einschließlich der Flächen für den Beschneiungssee und Deponien über 16 ha wertvoller Berg- und ausgewiesener Schutzwald gerodet. Diese Rodungen haben die Vorgaben des Bergwaldprotokolls der Alpenkonvention (ein völkerrechtlich bindender Vertrag) missachtet, das insbesondere in Art. 6 den Bergwäldern mit Schutzfunktion eine Vorrangstellung einräumt, wonach diese an Ort und Stelle zu erhalten sind.  (Ausbauten der Kandahar für Ski-WM 2011 mit Fotovergleichen) Im Umweltkonzept für 2018 steht natürlich nichts über diese Umweltsünden, die bereits begangen wurden.

Dieses Verschweigen und Schönreden der Zerstörungen für die WM 2011 (ertüchtigte Pisten) lässt erahnen, welche Ertüchtigung für 2018 zu erwarten ist. Die neuen, schon im großen Stil aus dem Bergwald herausgeschlagenen Pisten der Kandahar werden den Olympischen Wettkampf-Standards für 2018 – mit hoher Wahrscheinlichkeit und nach allen bisherigen Erfahrungen – nicht genügen. Deshalb muss man von einem weiteren Pisten-Um- und Ausbau ausgehen.

Die gekühlte neue Großschanze könnte gerade noch den Kriterien im Jahr 2018 genügen.

Neue Skisprungschanze Garmisch-Partenkirchen

Wie groß die finanziellen Risiken hierbei sind, zeigt alleine der Neubau der Großschanze, deren Kosten von 9,8 Millionen auf über 17 Millionen Euro gestiegen sind. Diese Schanze wird meist nur an einem Tag im Jahr (Neujahrsspringen) genutzt.

Die kleine Schanze müsste neu gebaut werden.

Nicht vorhanden sind Anlagen für Halfpipe, Buckelpisten und Parallelslalom. Die Anlagen für Snowboard und Freestyle sind inzwischen an der Hornabfahrt geplant. Keine Aussagen werden bisher zu weiteren Liftplänen, Unterbringung der Zuschauer (z.B. Hornabfahrt) und dazu notwendigen Eingriffen, Kosten und Nachfolgelasten gemacht.

In den Bewerbungsunterlagen wird betont: „Lediglich ein kleiner Teil von unter 2 % der skisportlich genutzten Fläche ist explizit für die Olympischen Spiele baulich umzugestalten bzw. eine bestehende Pistenfläche seitlich zu erweitern“.

Schön wärs:  Das ist der offizielle Stand 2009. Wie sieht es aber bis 2018 aus? Und wie zuverlässig sind Planungen dieser Dimension (Erfahrungen mit der Ski-WM 2011).

Bei diesen „unter zwei Prozent“ neu in Anspruch genommener Fläche kann es sich -  nach den Angaben der Planer – nur um die Waldflächen handeln, die zusätzlich – bereits nach den heutigen Plänen – gerodet werden sollen. Weitere Flächen kommen aber dazu.

In Einzelnen wird genannt (Zitate aus dem Entwurf „Umweltkonzept“ der Bewerbungsgesellschaft, 9.1.2009/ Hervorhebungen durch uns):

Hornabfahrt:

Bei Übernahme des derzeitigen Planungsstands ergeben sich allerdings für die unteren Pistenabschnitte Überlagerungen mit den angrenzenden Waldflächen … Das gilt ebenfalls für die Zuschauertribünen A2 im Zielbereich, wo zusätzlich noch die Einsehbarkeit des Zielhanges zu prüfen ist.“

Und: „Der gesamte Hang ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiete oder gar Naturschutzgebiete sind auch in der Umgebung der Wettkampfstätten nicht vorhanden“.

Sowie: „Aus den vorliegenden Planungsunterlagen geht die Beförderung der Zuschauer zum Zielhang nicht hervor, Fuß- und Fahrstraßen sind nicht gekennzeichnet“ – müssten also noch gebaut werden.

Im Klartext heißt das: Im Landschaftsschutzgebiet wird – für Wegebauten, Aufstellmöglichkeiten für Medien-Übertragungswagen, Zuschauertribünen u.a. – Bergwald gerodet und Gelände planiert.

Kandahar-Abfahrten:

Die Landschaftszerstörung und Bergwaldrodung für die Ski-WM 2011 haben wir bereits thematisiert.  Im Entwurf des „Umweltkonzeptes“ wird weiter genannt: „ … auch die Einsehbarkeit des Zielhanges ist aufgrund des Waldes fraglich.

Man kann davon ausgehen, dass weiterer Bergwald gerodet wird.

Ob das alleine ausreichen wird, ist ebenfalls fraglich. Geht man von den Pisten in Vancouver/Whistler aus, kommen einem Zweifel, ob die jetzigen Kandaharabfahrten nicht viel zu schmal sind. Die immer höheren Geschwindigkeiten bei (Olympischen) Ski-Rennen und die daraus resultierenden Sicherheitsabstände und – einrichtungen erzwingen Pisten, deren Breite mit einer mehrspurigen Autobahn vergleichbar sind.

Die vorsichtigen Ansätze für eine Geschwindigkeitsverminderung auf den Abfahrten sind bisher gescheitert.

Oberammergau

Oberammergau wurde wegen “massivem Widerstand” im Passionsort aus den Planungen für die Olympischen Spiele 2018 genommen. Die Langlauf- und Biathlonanlagen sollten im Bereich der Romanshöhe entstehen: Das sind Oberammergaus sonnigste Wiesen und Erholungsgebiete. Aber die Bürgerinitiative und viele Grundbesitzer haben da nicht mitgemacht.

Die Sportanlagen (zwei Stadien und die Loipen)  sollten temporär errichtet und nach den Spielen wieder abgebaut werden. Wie wäre das mit der versprochenen Nachhaltigkeit – sprich Nachnutzung – zu vereinbaren gewesen?

So wäre der Bereich der Romanshöhe olympisch bebaut worden – aber diese Landschaft ist jetzt gerettet.

Die Wiesen an der Romanshöhe wären für mindestens drei Jahre in eine Riesenbaustelle verwandelt worden, und selbst nach dem Rückbau werden diese Flächen verdichtet, degradiert – und banalisiert sein.

Gut Schwaiganger bei Ohlstadt

Jetzt sind die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt geplant.

Gelände Gut Schwaiganger

Auf staatlichen Flächen gilt eine besondere Sorgfaltpflicht des Staates in allen Naturschutz- und Umweltbelangen. Genau wie in Oberammergau können auch in Schwaiganger die Loipen nur an südlich exponierten Hängen angelegt werden. Die nördlich exponierten Hanglagen sind aus ökologischen Gründen nicht nutzbar. Gut Schwaiganger liegt noch tiefer als Oberammergau.  Was dies für die Schneesicherheit bedeutet, kann man sich vorstellen. Das ist nur mit intensivster künstlicher Beschneiung zu bewerkstelligen – wenn überhaupt – , und wo z.B. das Wasser für diese Beschneiung herkommen soll, weiß wohl bisher niemand. Die Attribute “ökologisch” und “nachhaltig” sind für die Bewerbung “München 2018″ eine Täuschung.

Schönau am Königssee

In der Nationalparkgemeinde Schönau am Königssee entspricht das vorhandene Zentrum der Bob- und Rodelbahn ebenfalls nicht den olympischen Ansprüchen und muss ausgebaut werden: für ein neues Zielhaus und den Startbereich, eine neue Schlusskurve und die Anpassung der ganzen Strecke für höhere Geschwindigkeiten. Insbesondere beim Neubau und der Erweiterung des Rodelstarts und des mobilen Eiskletterturms sollen Felsen gesprengt, ein Wildbach verbaut und Bergwald (Schutzwald) gerodet werden. Noch nicht dabei sind drei Zuschauertribünen, die ebenfalls in heutigem Waldbereich gebaut werden sollen. Durch diese Eingriff in den Berg- und Schutzwald werden Steinschlagrisiken forciert und damit weitere Verbauungsmaßnahmen in direkter Nachbarschaft zum Nationalpark erforderlich.

Ein neuer Fussgängersteg über den Königssee und ein neues 400-Betten-Hotel sollen zur Unterbringung der Sportler direkt am See (oder in einem FFH-Gebiet in der Gemeinde Schönau) errichtet werden. Der projektierte Straßenbau wird für den normalen Gebrauch deutlich überdimensioniert sein und beansprucht wertvolle Grünlandflächen im Talraum.

Resümee: Die Olympischen Winterspiele 2018 sind in den dafür „ausersehenen“ Alpengemeinden ohne hohen Natur- und Landschaftsverbrauch nicht zu haben.  Gerade hier sind die Flächen ökologisch besonders sensibel und in den begrenzten Talräumen besonders rar. Natur und Landschaft sind aber das eigentliche Kapital dieser Kommunen, und nicht der vergängliche Ruhm, im Jahr 2018 eine Nummer hinter „München +2“ gewesen zu sein.

Für 18 Tage Party würde kostbare Kultur- und Natur-Landschaft geopfert – Landschaft, die nicht nur für den Tourismus da ist, von dem man lebt, sondern vor allem auch für die Einheimischen selbst, die ihre Landschaft lieben, pflegen und stolz darauf sind.

Deshalb können diese Spiele nicht ökologisch und nicht nachhaltig sein – und sie sind nicht fair gegenüber denjenigen, die hier leben und wirtschaften.