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München 2018 – die Bewerbung

Zuletzt geändert am 05.05.2011 @ 11:44
© Foto: Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Wolfgang Zängl

München hat sich für die Olympischen Winterspiele 2018 beworben und das Bid Book ist beim IOC abgegeben. Doch München hat ein Handikap: München hat keine Berge. Man sieht die Berge – nur bei Föhn bezaubernd nah. Das weckt Sehnsucht.

Deshalb heißt der Slogan des Bewerbungslogos wohl auch „Berge im Föhn“. In München selbst wird der Eislauf stattfinden und die Feste, der Zauber, die Goldene Seite der Spiele. (Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Oylmpische Probleme gibt es auch in München).

Berge – und Schnee – sind aber DIE Voraussetzungen für winter-olympische Wettbewerbe wie Alpin-Ski, Snow Board, Freestyle, Skisprung, Biathlon- und Langlauf sowie Bob, Skeleton und Rodeln etc. Die Orte, und Landschaften, die diese Berge haben, kommen als Namen in der Bewerbung nicht vor: Garmisch-Partenkirchen, Schwaiganger, das Loisachtal und Schönau am Königssee. Obwohl die Bewerbung „München 2018“ heißt, wird Garmisch-Partenkirchen im Fall des Zuschlags die Hauptlast der Olympischen Winterspiele 2018 tragen.

Olympische Winterspiele sind zu groß für Garmisch-Partenkirchen und für das Loisachtal.

Mit mehr als fünfzig Veranstaltungen im „Snow-Cluster“ Garmisch-Partenkirchen sind das fast fünfmal so viele Veranstaltungen wie bei den Ski-Weltmeisterschaften im Februar 2011. Die Biathlon- und Langlaufwettbewerbe samt zwei Stadien und Loipen sind “temporär” auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt geplant:  Noch tiefer gelegen als Garmisch-Partenkirchen und damit noch weniger schneesicher.

 

Gelände Gut Schwaiganger / ©goef-ad

Einziges Kriterien für die Wahl von Schwaiganger scheint zu sein:  Staatlicher Besitz – also keine vernünftigen Grundbesitzer, die ihre Unterschrift für die olympische Nutzung – und damit längerfristige Zerstörung ihres Grundes – ablehnen können.

Ökologische Kriterien gelten für diese so angepriesenen Bewerbung  “ökologischster Spiele aller Zeiten” schon lange nicht mehr.

Falls es je zu diesen Spielen „München 2018“ mit  Garmisch-Partenkirchen, Gut Schwaiganger und Schönau am Königssee kommen sollte, wird das Oberland den Alptraum erleben. 

Der Klimawandel verschärft diese Situation

Die „Berge im Föhn“ sind ein Symbol, das die Schieflage dieser Bewerbung deutlich zeigt. Am Alpenrand – da wo wir hinschauen von München aus -, steigen bereits die Temperatur-Maxima besonders an:

Während der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen im Februar 2011 lag keine geschlossene Schneedecke mehr. Tagsüber herrschten ausnahmslos Plusgrade – sogar im zweistelligen Bereich. Auch die Nachttemperaturen waren für die Jahreszeit viel zu warm. Die Präparation der WM-Piste gelang nur mit Mühe – und nur mit großen Mengen an Kunstschnee, Vereisung und nächtlicher Dauerpräparation.

In sieben Jahren kann Olympia 2018 buchstäblich ins Wasser fallen. Wie die Schneewettkämpfe in Vancouver im Februar 2010, die mehrmals verschoben werden mussten – sogar für die Schneekanonen war es dort zu warm.

Mit „Grünen Spiele“ wirbt „München 2018“. Um jeden Preis will man dieser Bewerbung das Etikett „ökologisch“ und „nachhaltig“ aufdrücken. Diese Ansprüche können nicht erfüllt werden.

Aber „Grüne Spiele“ – das ist gefährlich nah an der Realität:  Grüne statt weiße Landschaft, denn in Zeiten des Klimawandels sind acht Jahre – bis 2018 – ein langer Zeitraum. Trotz Schneekanonen.

Man muss neben den realen Folgen auch mit symbolischen Kipp-Effekten rechnen

Außergewöhnliche Wetterereignisse, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, können zu dessen Symbol werden. Damit könnte sich auch die öffentliche Meinung auf den Kopf stellen und die von den Bewerbern erhoffte Begeisterung (man fragt sich schon jetzt: Wer ist eigentlich begeistert?)  schlägt um in Ablehnung.

Eine realistische Planung muss jetzt damit rechnen, dass Olympische Winterspiele, die mit Schneekanonen gegen den Klimawandel erzwungen werden, in sieben Jahren zum Ausdruck der Verantwortungslosigkeit menschlichen Handelns werden. Die olympischen Winterspiele 2018 in Garmisch-Partenkirchen, Gut Schwaiganger, Königssee und München könnten dann weltweit Beachtung finden – nicht als Fest der Jugend, sondern als Menetekel im Klimawandels.

Ein Menetekel vor allem für die Gemeinden Garmisch-Partenkirchen, Schönau am Königssee und Ohlstadt mit Gut Schwaiganger, wo die Schnee-Wettbewerbe stattfinden sollen.

Zumindest muss man diesen „GAU“ für die Olympischen Winterspiele 2018, der umso wahrscheinlicher wird, je klimasensibler der Veranstaltungsort ist, in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Man muss wissen, auf welch dünnem Eis der öffentlichen Akzeptanz man sich diesem Termin nähert.

Garmisch-Partenkirchen wird im Fall des Zuschlags die Hauptlast und die Verantwortung für die schneeabhängigen Olympischen Winterspiele 2018 tragen und sollte zu „München 2018“ im eigenen Namen „Nein“ sagen.

©goef-ad

 

Das Bürgerbehren bietet dazu die Möglichkeit: http://www.nolympia.de/wp-content/uploads/Unterschriftenliste-Brgerbegehren-110221.pdf