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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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November 2015

 
Zuletzt geändert am 09.12.2015 @ 17:58

Zur Abwahl von Hamburg 2024 am 29.11.2015 unter “Aktuelles”: hier
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In eigener Sache: Wegen der entsetzlichen Ereignisse am 13.11.2015 in Frankreich wird die Sport-Berichterstattung darüber sehr zurückhaltend sein.

Webseite-Besucher
Im Oktober 2015 besuchten 32.167 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite. Von Februar 2010 bis einschließlich Oktober 2015 hatten wir damit 1.396.705 Besucher: Wir bedanken uns für das nach wie vor anhaltende Interesse.

Neu unter “Aktuelles”:
Doping Russland (2): Die Wada-Untersuchung (12.11.2015, wird laufend aktualisiert);
Fußball-WM 2006: Blatters WM-Kabinett 2000 – und was daraus wurde (21.10.2015); Leichtathletik-WM 2015 in Peking (21.8.2015; wurde aktualisiert); Fifa-Kongress Mai 2015 und Folgen (4.6.2015 bis 10.10.2015); Hamburg 2024: Keine Bürgerbefragung!; Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen; Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?; Berliner Senat ist nicht Charlie; Boston 2024: Privatbewerbung eines Baukonzerns; Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften
2015 neu im Kritischen Olympischen Lexikon:
23.7.2015: Eurosport; 20.6.2015 (aktualisiert 26.11.2015): Aserbaidschan-Sport; 21.5.2015: Beilschmidt, Rolf; 25.1.2015 Aktualisiert nach Pechstein-Urteil: Court of Arbitration for Sport (Cas); 20.1.2015: DFB gegen Galopprennbahn; 19.1.2015: Afrika-Cup 2015; 19.1.2015: Handball-WM 2015; 17.1.2015: Deripaska, Oleg; 7.1.2015: Gazprom-NTW; 1.1.2015: Totalitärer Sport-Terminkalender
Laufend aktualisiert:
Hamburg-Berlin 2024 – Zur deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024: bis Juni 2014: hier; 7-8/2024: hier; 9-10/2014: hier; 11/2014 – 3/2015: hier. Ab April 2015 “Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024″ in der laufenden Chronologie unter IV.
Gazprom-Chronik – Was ein Gaskonzern und Sport, Oligarchen und Putin miteinander zu tun haben. Gazprom-Chronik (1) bis 31.12.2012: hier; Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier; Gazprom-Chronik (3) ab 9/2014: hier; Gazprom-Chronik (4) ab 11/2014: hier

Studie von Sylvia Hamberger und Axel Doering: Der gekaufte Winter – Eine Bilanz der künstlichen Beschneiung in den Alpen (wird ab 8.12.2015 aktualisiert)

Für einen etwas theoretischeren Hintergrund siehe meinen Text vom Oktober 2015:
Das System des Homo industrialis – Einführung in das finale Denken
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In eigener Sache
Ich bemühe mich meinerseits, korrekt zu zitieren und Quellen anzugeben. Umgekehrt wäre es fair, wenn auch die Nolympia-Webseite als Quelle in den Artikeln von Journalisten angegeben wird. Tut eh niemand.
Dr. Wolfgang Zängl

Die Gliederung im November 2015 sieht so aus:
I: Zitate des Monats
II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden
III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden
IV: Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024
V: Allgemeine Nachrichten
VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.
VII: Sport-Millionen und -Millionäre
VIII: Totalitärer Sport-Terminkalender
IX: Doping-News
X: Die Sportsender ARD/ZDF
XI: Überraschungspunkt: IOC = IAAF = Fifa

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I: Zitate des Monats

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht bei dem Referendum am 29.11.2015 eine Mehrheit ab 50,01 Prozent: „Das ist dann demokratisch legitimiert“ (Drexler, Martina, Müller, Gerd, Deutscher Olympia-Chef: 50,01 Prozent reichen, in kn-online.de 4.11.2015).
Hörmanns neue Bescheidenheit… oder Angst?

Der Sportdirektor von Rio 2016, Rodrigo Garcia, zur Wasserqualität der Guanabara-Bucht, wo die olympischen Segelwettbewerbe stattfinden werden: „Es darf nicht passieren, dass ein Boot im Unrat stecken bleibt. (…) Die Stadt operiert auch mit sogenannten Eco-Barrieren – Schranken, die den Unrat zurückhalten – sowie Eco-Booten, die den Müll sammeln“ (Stauffer, René, „Wir können nicht die ganze Bucht reinigen“, in tagesanzeiger.ch 5.11.2015).
Alles Eco!

Herbert Fischer-Solms zur Rolle von Theo Zwanziger im DFB-Skandal: „Angesichts dieser Sachlage ist es nicht unangemessen, Zwanziger in diesem Fall als falschen Fünfziger zu bezeichnen“ (Mehl, Albert, Herbert Fischer im Interview zu „janusköpfigem“ Theo Zwanziger und DFB-Affäre, in giessener-anzeiger.de 6.11.2015).

IAAF-Präsident Sebastian Coe zum Doping-Skandal um Lamine Diack und wem auch immer in der Leichtathletik: „Das sind dunkle Tage für unseren Sport“ („Dunkle Tage“, in nzz.ch 8.11.2015). Der wahre Sebastian Coe äußerte sich bei seiner Wahl im August 2015 zum Doping-Problem der IAAF – aus der August-Chronologie: „Dazu passten die Äußerungen von Sebastian Coe, designierter Nachfolger von IAAF-Präsident Lamine Diack: Coe schimpfte über “selbsternannte Experten” und sprach von einer “Kriegserklärung an meinen Sport” (Knuth, Johannes, “Eine Kriegserklärung”, in SZ 6.8.2015).
Fragt sich, wer hier dem Sport den Krieg erklärt hat.

Sebastian Coe nach seiner Wahl zum IAAF-Präsidenten am 19.8.2015: „Die Zuschauer müssen glauben, dass die Leistungen im Stadion auf legalem Weg zustande kommen“ (Knuth, Johannes, Russlands Leichtathletik droht der Ausschluss, in SZ 10.11.2015).
Glauben heißt: nicht wissen.

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II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden

– Geld, aber kein Interesse. Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Behindertensportler in Katar: „Die  Hitze von fast 40 Grad Celsius war an der Grenze des Zumutbaren, die gähnende Leere im Stadion von Doha ernüchternd. (…) Dem Zufall überließen die Kataris bei der bisher größten WM nichts, die reichen Gastgeber scheuten keine Kosten und Mühen. Doch die mangelnde Zuschauerresonanz und die klimatischen Gegebenheiten konnten sie nicht ändern“ (Leistungsschübe vor leeren Tribünen, in sueddeutsche.de 1.11.2015). Bundestrainer Willi Gernemann sprach von einem „skurrilen Bild. Die Kataris haben zwar Geld, aber offensichtlich kein Interesse am Sport“ (Ebenda). Vergleiche: Katar-Sport

– Hubschrauber-Segeln. „Die olympischen Segelwettbewerbe in Rio de Janeiro werden für Stau im Luftverkehr sorgen. Der Santos Dumont Airport in Rio wird an Regatta-Tagen für viereinhalb Stunden geschlossen. Dies bestätigte die Regierung. Die Einflugschneise des Flughafens liegt über der Guanabara Bay. Die Wettbewerbe dort sollen von Helikoptern aus übertragen werden“ (SID, Segler stoppen Luftverkehr, in SZ 6.11.2015).
An die „Wir-berechnen-alles-Institute“: Geht das auch alles in eure klimaneutrale Bilanz von Rio 2016 ein?

– Nächster Angeklagter: Lamine Diack. Der seit 1999 und bis August 2015 amtierende Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, Lamine Diack, ist von den französischen Justizbehörden angeklagt worden. (Der IAAF residiert in Monaco.) Diack wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. „Die Wada-Ermittler seien auf ein ‚Mafia-ähnliches Geflecht‘ gestoßen, aufgezogen von Diack und seinen Söhnen. Das Anti-Doping-Ressort der IAAF habe weniger der Aufklärung gedient, sondern als Geschäftsmodell, mit dem sich die Familie Diack bereichert haben soll, mit Dollé als Teilhaber. Die Diack-Söhne Papa, jahrelanger Marketingberater der IAAF, und Khalid sowie der Anwalt Cissé wurden in einem Fall angeblich mit einer Liste gedopter russischer Athleten beim russischen Verband vorstellig, kurz vor den Olympischen Spielen 2012. Es begann ein Spiel aus Erpressungen und Deals. (…) Diack senior soll ‚mehr als eine Million Euro‘ damit erlöst haben, positive Dopingproben zu vertuschen. Und auch Sohn Papa Diack sei wegen seiner ‚aktiven Rolle‘ zur Fahndung ausgeschrieben“ (Knuth, Johannes, Erpressung über die Söhne, in SZ 7.11.2015).

– Russischer Sportminister Vitali Mutko aggressiv. Mutko spielte die Bedeutung der französischen Untersuchung herunter und sagte der Tass, dass das alte Management schon ausgetauscht wurde. Mutko: „Bei uns gibt es Doping-Probleme wie im Rest der Welt auch“ („Dunkle Tage“, in nzz.ch 8.11.2015).
Bezahlt der Rest der Welt wirklich auch an Diack & Co und die IAAF, um ertappte Dopingsünder freizukaufen?

– Sebastian Coe hatte „keine Ahnung“. „“Die jüngsten Vorwürfe seien ‚widerlich‘, sagte Coe. Von Erpressung habe er, der acht Jahre bei Diack als Vizepräsident in die Lehre gegangen war, ‚keine Kenntnis'“ (Knuth, Johannes, „Widerlich“, in SZ 9.11.2015).

– Wada-Report fordert Ausschluss Russlands.
Am 9.11.2015 veröffentlichte die Wada-Untersuchungskommission den Report von Richard Pound, Richard McLaren und Günter Younger zum WDR-Film über das Doping-System in Russland (zum Report mit 335 Seiten: hier). „Und jetzt berichtete Pound, das alles noch viel schlimmer sei, er erzählte von ‚Korruption und Schmiergeld-Praktiken auf höchster Ebene in der Welt-Leichtathletik. (…) Als Begründung zog Pound den Tatbestand des ’staatlich gestützten Dopings‘ heran. (…)  Die Ermittler ordneten viele Akteure aus der ARD-Dokumentation der Betrugsseite zu, sie fügten sogar weitere Darsteller dazu, die zeigten, wie tief das Betrugssystem in Russland Wurzeln geschlagen hat. Im Verband habe eine ‚Kultur des Betrügens‘ geherrscht, die teils bis heute andauere. Gregory Rodschenkow, Chef des von der Wada akkreditierten Anti-Doping-Labors in Moskau, soll insgesamt 1417 Dopingproben zerstört haben. Ein zweites, baugleiches Labor habe offenbar dazu gedient, Dopingproben vorzutesten; die Kontrolleure ließen positive Proben verschwinden, negative reichten sie an die offiziellen Testbehörden weiter“ (Knuth, Johannes, Russlands Leichtathletik droht Ausschluss, in SZ 10.11.2015; Hervorhebung WZ).- „Pounds Kommission sollte ein paar Monate später feststellen, dass es neben dem Wada-akkreditierten Labor in Moskau noch ein zweites gibt, das über die gleichen Apparate und wissenschaftlichen Kenntnisse verfügt. Mutmasslich wurden dort Urinproben von gedopten Athleten Vorkontrollen unterzogen. Waren sie sauber, gingen sie weiter an das offizielle Labor“ (Geisser, Remo, Schweinestall Leichtathletik, in nzz.ch 9.11.2015). Richard Pound zur Involvierung des russischen Staates: „Ich glaube nicht, dass es irgendeine andere mögliche Schlussfolgerung gibt. Sie können es nicht nicht gewusst haben“ (Rilke, Lukas, Das  große Ausmisten, in spiegelonline 10.-11.2015).

– Sport-Staat Putin-Russland. Zu dieser kriminellen Energie kommt der Druck vom Staat: „Der Bericht spricht zudem von ‚direkter Beeinflussung des russischen Staates bei den Moskauer Laborprozessen‘. Agenten des russischen Geheimdiensts FSB sollen die Labore in Moskau und während der Winterspiele 2014 in Sotschi überwacht und ein ‚Klima der Einschüchterung‘ verbreitet haben. Staatliche Eingriffe waren derart verbreitet, so Pound, dass Witali Mutko, der russische Sportminister, unmöglich nichts von all dem habe wissen können; Mutko soll sogar angeordnet haben, Proben zu vernichten“ (Ebenda). – „Wie das Beispiel Russland zeigt. Trainer setzen Sportler unter Druck und fungieren als Drogendealer. Die Cheftrainer, Mediziner und Verbandsbosse fördern dieses System. Die vermeintlichen Dopingbekämpfer schützen es. In Russland war der Chefmediziner des Verbandes, Sergei Portugalow, ein Dopingdealer, der auch für die Athleten Pläne zur effizienten Einnahme von Medikamenten erstellte und sogar selbst die Spritzen setzte. Ausserdem war er eine zentrale Figur, wenn es darum ging, die Sportler unter dem Radar der internationalen Kontrollsysteme zu halten. Wer bezahlte, blieb sauber. Dafür sorgte Portugalow zusammen mit dem Direktor des Moskauer Labors, Gregori Rodschenko. Dieser ersetzte den Urin von Dopern durch saubere Wässerchen oder liess Tests fehlerhaft durchführen. Seine Unverfrorenheit zeigte sich im Dezember 2014, als die Wada eine Kontrolle des Labors ankündigte. Rodschenko räumte nach eigenen Worten ein wenig auf – und zerstörte 1417 Dopingproben“ (Geisser 9.11.2015).
Zur Erinnerung: Wladimir Putin forderte am Oktober 2015 von der UN eine Resolution zur “Ent-Politisierung” des Sports (Back in Russia, Bach speaks out against political boycotts, in usatoday.com 21.10.2015).
„Entpolitisierung des Sports“: nicht schlecht! Putin müsste z. B. seinen Sportminister von direkten Eingriffen in die Dopingpolitik abziehen und seine FSB-Geheimdienstmannen sofort aus den Labors zurückziehen!

– Der merkwürdige Mister Reedie. Hauptberuflich ist Craig Reedie eigentlich Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. „Der hatte vor einem Jahr zwar Pounds Kommission auf die russische Leichtathletik angesetzt, dem Vernehmen opponierte er intern aber gegen eine derartige Mission. Die Daily Mail hatte zudem enthüllt, dass Reedie im Sommer sanfte E-Mails an Witalij Mutko schickte, den russischen Sportminister: Man werde schon nichts ausgraben, was die Partnerschaft zu Russland beeinträchtigt, beteuerte Reedie. Die Wada-Kommission stellte in ihrem Bericht nun pikiert fest: ‚Derartige Zusicherungen wurden gegeben, bevor die Vorwürfe gegen Russland überhaupt untersucht werden konnten.‘ Was Reedie jetzt, in einem Interview mit der New York Times, gar nicht leugnet. Er bedauert vor allem, dass die E-Mail in die Öffentlichkeit gezerrt wurde. Was die Frage aufdrängt: Welche Rolle spielt der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur lieber: Kontrolleur oder Beschützer des Sports? (…) Die Wada, schrieb der Guardian zuletzt, habe sich ‚in ein zahmes Biest verwandelt, gefesselt von ihrer Verfassung und ihrem Budget‘. Zuletzt nahm die Agentur 26 Millionen Dollar jährlich ein, ein kümmerlicher Betrag, um ein weltumspannendes Netz gegen Dopingtäter zu knüpfen. Andererseits hängt sie an den Gremien des Sports (Knuth, Johannes, Zahmes Biest, in SZ 13.11.2015).
Aber das soll doch so sein: dass die Wada abhängig ist und ein „zahmes Biest“. Deshalb wurde Reedie ja auf den Chefposten gesetzt.

IAAF suspendiert Russland – vorerst. Sportminister Mutko will dies bis zu dem Olympischen Spielen 2016 bereinigt wissen. Hochsprungtrainer Jewgeni Saagorulko gab sich uneinsichtig: „Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“ (Russlands Sportminister beschwichtigt, in spiegelonline 14.11.2015).
Die Spatzen sind in diesem Fall ziemlich groß! Hinter den Kulissen läuft mit Sicherheit zwischen IAAF und Putin-Sport-Russland längst das Zulassungsprocedere der russischen Leichtathleten für Rio 2016!

– Und das IOC? „Das IOC hält fest, dass die Gründe für diese Untersuchung sich auf Handlungen beziehen, die in der Vergangenheit liegen“ (Leicester, John, Former IAAF head investigated in Russia doping probe, in AP 4.11.2015). – „“Aufgrund seiner Null-Toleranz-Politik gegen Doping wird das IOC alle notwendigen Maßnahmen und Sanktionen einleiten…“ (IOC entzieht Diack die Ehrenmitgliedschaft, in spiegelonline 10.11.2015).
Doping ist – wie im aktuellen IAAF-Skandal – immer erst dann für das IOC ein Problem, wenn Doping offenkundig ist, bewiesen und an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Vergleiche zum Folgenden auch unter „Aktuelles“: Doping-Russland (2): Die Wada-Untersuchung

– Bach: Russland auf „gutem Weg“! IOC-Präsident Thomas Bach besuchte das Treffen der europäischen Olympischen Komitees in Prag und berichtete, „er habe ein gutes Gespräch mit Alexander Schukow, dem Chef des russischen Olympischen Komitees, geführt“ (SID, Schnelle Strafen, in SZ 21.11.2015). Laut Schukow sollen alle am Doping Beteiligen zur Verantwortung gezogen werden.
Da würde es leer werden in der Aschenbahn! Interessant: Niemand spricht mehr von unrichtigen Anschuldigungen gegenüber Russland – da war wohl die Beweislage zu erdrückend.
„Gedopte Athleten würden nach den Standards internationaler Anti- Doping-Regeln bestraft. Zudem würden sich die russische nationale Anti-Doping-Agentur, das Anti-Doping-Labor in Moskau sowie der nationale Leichtathletik Verband dem Wada-Code unterwerfen. ‚Wir haben das mit großer Zufriedenheit registriert‘, sagte Bach“ (Ebenda).
Das russische Doping-White-Washing ist im vollem Gang.
Dazu passt, dass der Präsident des European Olympic Comittee (EOC), der einschlägig bekannte Patrick Hickey, Russland schon die Generalabsolution erteilte – dabei ist der Wada-Bericht über das systematische russische Dopingsystem gerade einmal zwei Wochen bekannt. „Er wolle russische Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro sehen, sagte Hickey laut der russischen Nachrichtenagentur Tass in Prag… Es sei an der Zeit für das EOC, das Nationale Olympische Komitee Russlands zu unterstützen“ (Becker, Christoph, Europa-Spiele 2019 finden in Russland statt, in fazt.net 20.11.2015). Hickey zum russischen System-Doping: „Ich glaube, dass Russland zukünftig in einer Führungsrolle vorangehen kann“ (Trotz Dopingskandal: Russland soll Europaspiele 2019 ausrichten, in zeit.de 21.11.2015).
Dazu aus einem Kommentar von Thomas Kistner in sueddeutsche.de: „Die klarste Reaktion aber steuert Leichtathletik-Chef Wadim Selitschenok bei, der die böse Welt-Anti-Doping-Agentur Wada gern zurückstutzen würde: ‚Niemand bestreitet, dass sie sehr wichtig ist. Aber mir scheint, dass sie zu viele Vollmachten bekommen hat.‘ (…) Wer einen IOC-Vize wie den Doping-Verharmloser Craig Reedie an der Wada-Spitze und einen weiteren Abkömmling der alten Funktionärsschule, Sebastian Coe, an der Spitze der globalen Leichtathletik weiß, braucht nicht zu befürchten, dass die Milliardenindustrie mit der (naturgemäß weithin manipulierten) Körperleistung auf Dauer Schaden nimmt durch die Russen-Affäre. Zur Sicherheit hat Bach erklärt, dass sein IOC nicht die Autorität hätte, Russland von den Spielen auszusperren. Warum auch? Das IOC ist nur Besitzer der Spiele. Es wird also noch allerlei Theater fürs Publikum aufgeführt, bevor, kurz vor Beginn der Rio-Spiele 2016, die Entwarnung vom IOC kommt: Russlands Sport hat sich selbst gereinigt – wir heißen Putins porentief saubere Athleten willkommen!“ (Kistner, Thomas, Wie viel Ulm mit Moskau gemein hat, in sueddeutsche.de 20.11.2015).

– Russland auf noch besserem Weg! Zur Belohnung für das raffinierte Dopingsystem mit doppeltem Anti-Doping-Labor von Putin-Russland soll der Doping-Staat die European Games 2019 bekommen – mit den Austragungsorten Sotschi und Kasan. Nachdem Diktator Ilham Alijev aus Aserbaidschan im Jahr 2015 die Erstauflage der European Games austragen durfte, ist nun Putin-Russland 2019 dran. Patrick Hickey: „Russland ist weiterhin der  bevorzugte Partner des EOC für die European Games 2019“ (Trotz Dopingskandal: Russland soll Europaspiele 2019 ausrichten, in zeit.de 21.11.2015).
Vorschlag für die European Dictator Games 2023: Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan…
Im Ernst: Es ist schon so unglaublich wie vorhersagbar, mit welcher Chuzpe das IOC und Internationale Sportverbände über den Wada-Bericht zum russischen System-Doping hinweggehen und die Sport-Szene – wie IOC-Präsident Thomas Bach – gesundbetet nach dem Motto: Null Toleranz (gegenüber den Kritkern des IOC-Dopingssystems).

– Rio 2016: doppelt so viel Sicherheitskräfte wie bei London 2012. „Brasilien hat nach den verheerenden Terroranschlägen in Paris die Sicherheit bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) versichert. (…) Bei der größten Sportveranstaltung der Welt setzt Brasilien auf doppelt so viel Personal wie Großbritannien 2012 in London, neben 47.000 Sicherheitskräften stehen 38.000 Soldaten bereit“ (SID, Brasilien „garantiert“ Sicherheit bei Olympischen Spielen 2016, in zeit.de 15.11.2015).

– Gegen Abholzung uralter Wälder für Skipisten in Peongchang 2018. Der Schweizer Naturschutz veröffentlichte folgenden Aufruf: „Im Februar 2018 finden in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang die 23. Olympischen Winterspiele statt. Schon jetzt sind Firmen im olympischen Auftrag dabei, Regenwald abzuholzen, wo 500-jährige Bäume und vier bedrohte Tierarten vorkommen. Dies, um dort neue Skipisten zu bauen, welche lediglich für einige Tage benötigt werden. Helfen Sie mit, dieser unsinnigen Zerstörung Einhalt zu gebieten!
Es ist kurzsichtig, unlogisch und vor allem nicht rückgängig zu machen. Ist der Wald bei Pyeongchang erst einmal gerodet, ist er für immer dahin. Das Internationale Olympische Komitee hat die Spiele in Südkorea zu den ‚Green Olympics‘ erklärt ― sie sollen auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit beruhen. Im Gegensatz zu dieser Erklärung werden nun aber riesige Regenwald-Flächen abgeholzt, um Platz zu machen für Skipisten, welche lediglich für einige Tage genutzt werden“ (Unterschreiben Sie gegen die Olympische Abholzung, in naturschutz.ch 21.11.2015).

– Typische nach-olympische Stimmung London 2012 im Jahr 2015: Zum Stadtteil Stratford schrieb John F. Jungclaussen in der Zeit: „Die Bedürfnisse des Stadtteils? Stratford ist heute auch ein Schauplatz der Schattenseiten, die selbst gelungene Olympische Spiele haben. Ausgerechnet hier haben viele Menschen den Glauben an die erneuernde, wohlstandschaffende Kraft von Olympia verloren. Sie fühlen sich von der rasanten Entwicklung ihres Stadtteils zurückgelassen. (…) Hotels und ein Einkaufszentrum voll mit Luxusboutiquen verbinden den alten Ortskern mit dem neuen Olympiapark, in dem mehr als 10.000 neue Wohnungen entstehen. Das alles hat Jobs geschaffen und Stratford von seiner Trostlosigkeit befreit. Es hat aber auch eine neue Mittelschicht angelockt und die Immobilienpreise in die Höhe schießen lassen“ (Jungclaussen, John F., Die Stille nach dem Schluss, in die zeit 25.11.2015).

Thomas Hahn in der SZ in einem Kommentar zum IOC: „Noch im vergangenen Jahr hat IOC-Präsident Thomas Bach bei Winter-Olympia in Sotschi die Russen für den 50 Milliarden Dollar teuren Irrsinn gelobt… Die Debatten um Menschenrechtsfragen in den nicht-demokratischen Olympia-Ländern China und Russland führte das IOC nicht neutral, sondern im Sinne seiner Gastgeber. Und bei den Urproblemen des Sports, Korruption und Doping, reagierten die Verbände meistens erst, wenn Behörden oder Medien die Autonomie des Sports durchbrachen“ (Hahn, Thomas, Streiche gegen die Skepsis, in SZ 28.11.2015). Und zur IOC-„Agenda 2020“ schrieb Hahn: „Aber erstens ist das Papier der 40 Empfehlungen auch erst aus der Not geboren, nachdem ein europäischer Winterolympia-Bewerber nach dem anderen an der Bevölkerung gescheitert war. Zweitens sind die Spiele dadurch nicht kleiner geworden“ (Ebenda).

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III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden

– Also doch: 6,2 Millionen Düsseldorfer Euros für die Tour de France. „Die Stadt Düsseldorf wird sich für den Start der Tour de France 2017 bewerben. Der Rat der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt entschied sich am Donnerstagabend denkbar knapp mit 40:39 Stimmen dafür, als Kandidatenstadt für den ‚Grand Depart‘ der übernächsten Frankreich-Rundfahrt ins Rennen zu gehen. (…). Denn trotz geheimer Abstimmung war offensichtlich: Nur Stimmen der Republikaner und der AfD verhalfen der Stadt-Regierung zu der 40:39 Abstimmung. Vorstandschef Michael Vesper vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sagte der ‚Rheinischen Post’: ‚Das nützt der Stadt, das nützt aber auch dem gesamten Düsseldorfer Sport. Das ist ein Beitrag zur internationalen Positionierung des deutschen Sports.’ (…) Knackpunkt waren die Kosten für das mehrtägige Event. Laut einer Studie soll der „Grand Depart, bestehend aus der Teampräsentation, dem Auftakt-Zeitfahren am Samstag und dem Start zur ersten Etappe die Stadt rund 6,2 Millionen Euro an Zuschüssen kosten. Demgegenüber sollen Effekte für Hotellerie und Gastronomie von 57 Millionen und ein Media-Wert von 30 Millionen Euro stehen. Kritiker hatten die Rechnung angezweifelt“ (Düsseldorf bewirbt sich um die Startetappe, in spiegelonline 6.11.2015). Für London lautete die Milchbubenrechnung: 30 Millionen Euro Antrittsetat, positiver wirtschaftlicher Effekt: 120 Millionen Euro. London war schlauer als Düsseldorf und hat abgelehnt (Ebenda).

 

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IV: Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024

 Zur Abwahl von Hamburg 2024 am 29.11.2015 unter “Aktuelles”: hier

– Schönes Bild mit NO. Tausende Anhänger von Hamburg 2024 formten im Stadtpark die fünf olympischen Ringe. Dutzende Olympia-Gegner formten ein „NO“ – gut aus der Luft zu sehen (Tausende Olympia-Fans formten menschliche Ringe, in spiegelonline 8.11.2015).

– Hamburger Zukunftsrat zur Bewerbung Hamburg 2024: „Olympische Spiele können prinzipiell nicht nachhaltig oder in diesem Sinne zukunftsfähig sein. (…) In der Vorstellung der Bewerbung Hamburgs durch Bürgermeister, DOSB-Präsident, Sportsenator und Oberbaudirektor am 9.10. spielte das Nachhaltigkeitskonzept (bis auf die Nachnutzung des Olympiastadions) keinerlei Rolle. (…) Nach der jetzigen Sachlage und in diesem frühen Verfahrensstand kann eine rationale Entscheidung zur Olympiabewerbung, die nicht „die Katze im Sack“ kaufen und hohe Risiken vermeiden will, nur ein „Nein“ sein. Es ist völlig offen, ob und ggf. wann die oben genannten Voraussetzungen und Bedingungen für eine positive Bewerbungsentscheidung nachgeholt werden (können)“ (Zukunftsrat, Ja oder Nein zu Olympia – eine Vertrauensfrage, Hamburg 27.10.2015). „Am 20. Oktober hatten der rot-grüne Senat, Zukunftsrat, der Naturschutzbund NABU und der Deutsche Olympische Sportbund eine Absichtserklärung für Nachhaltigkeit unterzeichnet“ (Zukunftsrat ist gegen Bewerbung, in ndr.de 1.11.2015). Nun empfiehlt der NABU Hamburg 2024 am 29.11.2015 nicht mehr; der Zukunftsrat ist dagegen , und der BUND war sowieso dagegen. Zum Positionspapier des Zukunftsrats: hier

– Öko-Institut auch bei Hamburg 2024 dabei. Die Agentur Proprojekt und das Architekturbüro AS&P, die mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen beauftragt sind, „haben ihrerseits das Öko-Institut Freiburg und die Sporthochschule Köln mit der Durchführung eines Umwelt-Screenings und eines Nachhaltigkeitskonzepts unterbeauftragt“ (Position des Zukunftsrats zur Olympia-Bewerbung Hamburgs: Ja oder nein zu Olympia – eine Vertrauensfrage, Hamburg 27.10.2015). Vergleiche auch: Quo vadis, Öko-Institut?

IOC-Knebelvertrag bleibt IOC-Knebelvertrag. Aus einem Beitrag der Abgeordneten Mehmet Yildiz und Özgur Yildiz: „Ein genauer Blick auf den für Hamburg gültigen Host-City-Contract (der Gastgebervertrag zwischen Stadt und IOC, kurz ‚HCC‘) indes bietet aber kaum Änderungen der bisherigen Praxis, Gastgeberstädten Knebelverträge vorzulegen. Ein Blick in das Hauptvertragswerk, die ‚HCC Principles‘, bringt Erstaunliches zutage: So heißt es im Absatz ‚Gesamtschuldnerische Haftung der Gastgeberstadt‘, dass ‚die Gastgeberstadt, das gastgebende NOK (Nationales Olympisches Komitee) und das OCOG (Organisationskomitee) gesamtschuldnerisch für alle ihre Verpflichtungen, Garantien, Zusicherungen und andere Verbindlichkeiten […] unabhängig davon, ob sie einzeln oder gemeinsam eingegangen sind, haften.‘ Es überrascht wenig, dass im gleichen Atemzug das NOK von finanziellen Verpflichtungen ausgenommen wird, gehört der deutsche Vertreter der Olympischen Familie – der DOSB – doch zur Olympischen Gesamtfamilie. Die Gesamthaftung trifft auch dann noch zu, wenn die Einnahmen z.B. aus dem sogenannten Durchführungsbudget (’sog. OCOG-Budget‘, also der Posten, der unmittelbar für die Durchführung der Spiele benötigt wird) nicht ausreichen, um die von Hamburg kalkulierten Durchführungskosten in Höhe von 3,4 Milliarden zu decken. Sollten die Ausgaben die Einnahmen, z.B. aus dem Ticketverkauf, übersteigen, haftet wieder die Stadt. (…) Ohne die vorherige Zustimmung des IOC dürfen weder Verhandlungen mit nationalen, internationalen oder regionalen (nicht)staatlichen Organisationen oder mit anderen Staaten geführt werden, die irgendeine Verbindung zu den Spielen haben. Sprich: Ohne Erlaubnis des IOC darf der Senat weder mit dem Deutschen Roten Kreuz, Umweltverbänden oder Gewerkschaften über die Grundlagen medizinischer Hilfe, Umwelt- oder Arbeitssrechtstandards vor oder während der Spiele reden. (…) Was großspurig von Senat und Olympischer Familie als großer Reformsprung propagiert wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine Reformlüge. In wesentlichen Bereichen hat sich tatsächlich nichts geändert. Der ‚Hamburger HCC‘ reiht sich in die Riege vorangegangener HCC’s und bleibt somit ein Knebelvertrag, der die Risiken einseitig an die Stadt delegiert, während die Profite von IOC und Top-Sponsoren eingestrichen werden. Zu Recht verwies der Vizepräsident des Rechnungshofes im Ausschuss darauf hin, dass ‚trotz der hier und da weichen Formulierung keine wesentliche Abweichung zu dem Vorgängermodell gefunden‘ wurde“ (Yildiz, Mehmet, Yildiz, Özgür, Von wegen „Olympia-Reform“: Zum Host-City-Contract für Hamburg, in linksfraktion-hamburg.de 3.11.2015; Hervorhebung WZ).

– Die Materialschlacht beginnt. 3.000 Kästen mit Leuchtreklame werden Hamburg bis zum 29.11.2015 „verzieren“. Zwei Millionen Euro stehen der Agentur Faktor 3 Sport mit Geschäftsführer Christian Hinzpeter für Werbung zur Verfügung – über die Handelskammer und Alexander Otto (ECE-Konzern) (Trotier, Kilian, Widmann, Marc, Olympia: Da bahnt sich was an, in Die Zeit 29.10.2015). Im Frühjahr 2015 schien noch alles gut zu laufen für Hamburg 2024. „20.000 Menschen im Dunkeln mit Fackeln in der Hand an der Alster – das war das Bild, das Hamburg im März lieferte, im Rennen gegen Berlin. Frederik Braun (Miniatur-Wunderland; WZ) sagte damals, er habe ‚Pipi in den Augen‘ gehabt“ (Ebenda).
Ein Fall für einen Urologen?
Die nächste Massenschau Mitte November 2015: 10.000 Menschen sollen in den olympischen Farben gekleidet die Olympischen Ringe bilden.
Infantiles Getrappel wie das Miniatur-Olympiastadion… Ob das IOC damit zu beeindrucken ist?
Inzwischen kam die Flüchtlingskrise dazu, die teure Rettung der HSH Nordbank, der Fifa-Skandal, eine Hafenwirtschaft, die nicht vom Kleinen Grasbrook wegziehen will, der Streit mit dem Bund um 6,2 Milliarden Euro (Ebenda; und der DFB-Skandal, nicht zu vergessen). DIE Zeit fragt sich angesichts des von Bürgermeister Olaf Scholz geforderten finanziellen Vertrauens trotz fehlender Zusagen vom Bund: „Die Bürger sollen ihrem Bürgermeister einen Freibrief ausstellen. Eine kühne Taktik ist das, man könnte auch sagen: dreist“ (Ebenda).

– „Jugend gegen Olympia“ verriss die Plakatthemen. U. a.: „Das ermöglicht unserer Stadt neue Wege“: Mobilitätskonzept liegt nicht vor. – „Ja zu grünen Spielen auf dem Grasbrook“: Der NABU empfiehlt kein Ja, der BUND sagt NEIN (s. u.). – „Damit Hamburger nicht länger für Fast Food steht“: „Der vielleicht dreisteste Werbespruch: Wenn Hamburg(er) durch Olympia nicht länger für Fast Food steht, warum gehört McDonald’s (und Coca-Cola) dann zu den Hauptsponsoren von Olympia?“ – „Diese Spiele sind für uns alle ein Gewinn“: „Die Spiele sind vielleicht für IOC und Konzerne ein Gewinn, nicht aber für die durchschnittliche Hamburger Familie. Denn sie wird durch Olympia von steigenden Mieten und sozialer Spaltung bedroht und findet sich im Sommer 2024 in einem Riesengefahrengebiet wieder“ (Eine Analyse der Hamburger Olympia-Plakatkampagne, in jugendgegenolympia.de 1.11.2015).

– Scholz wird nervös. „Alle wollen dasselbe: Olaf in die Elbe“ riefen die Olympiakritiker bei einer Veranstaltung im „Haus des Sports“. Scholz geht – lautstärkemäßig mit Mikro im Vorteil – in die Luft und lässt durch die Polizei räumen (Exner, Ulrich, Olympia-Saboteure bringen Scholz in Rage, in welt.de 3.11.2015).

– Tricky Hörmann. DOSB-Präsident Alfons Hörmann zur völlig ungeklärten Finanzierung von Hamburg 2024 bzw. den fehlenden 6,2 Milliarden Euro durch den Bund: „Wenn der Bund nicht nein sagt, dann ist das für mich die schönste und klarste Form der Zustimmung, die man in einer so frühen Phase erwarten kann“ (SID, Hörmann: Keine Klarheit über Olympia-Finanzierung bis zum Referendum, in zeit.de 6.11.2015).

– Derzeit keine 6,2 Milliarden Euro vom Bund. Hamburg 2024 wartet immer noch auf (unrealistische) Zusagen. Am 10.11.2015 verkündete Sportstaatsrat Christoph Holstein, dass es noch keine Einigung gebe (Keine Einigung mit dem Bund über Olympiafinanzierung, in zeit.de 10.11.2015).

– BUND Hamburg: Entscheidende Informationen fehlen. „Obwohl bis heute alle Briefwahlunterlagen verschickt sein sollen und bereits seit mehr als einer Woche per Post über Hamburgs Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 abgestimmt werden kann, fehlen aus Sicht des BUND entscheidende Informationen für die Wählerinnen und Wähler. ‚Der Senat und die Bewerbergesellschaft haben mehrfach angekündigt, dass Hamburg das Thema Nachhaltigkeit im Vergleich zu den Mitbewerbern ganz nach vorne stellen wird. Belege dafür gibt es nicht‘, so Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND. (…) Auch das für Ende Oktober 2015 zugesagte Mobilitätskonzept lasse weiter auf sich warten. Während der Spiele müssten in Hamburg ca. 500.000 Menschen zusätzlich pro Tag zu dem bereits jetzt kaum zu bewältigenden Verkehrsaufkommen durch die Stadt transportiert werden. Wie der Öffentliche Personennahverkehr für diese enorme logistische Herausforderung aus- und umgebaut werden müsste, sei aber nur in Ansätzen bekannt (…) Er könne daher nur eine Empfehlung für das Referendum geben: ‚Ein klares NEIN zu Olympia in Hamburg‚, so Braasch.“ (PM BUND Hamburg, Briefwahl-Unterlagen verschickt, entscheidende Informationen fehlen, in bund-hamburg.bund.net 5.11.2015; Hervorhebung WZ). Zur PM: hier

– Olympische Gratis-Bildzeitung. 16 Seiten Gratis-Bild für die Hamburger mit pro-olympischer Stimmungsmache für Hamburg 2024 in einer Auflage von 950.000: So sieht Chancengleichheit zwischen Befürwortern und Gegnern von Hamburg 2024 in Wirklichkeit aus (Vgl. Unsere Lieblingszitate aus der Gratis-Olympia-Bild, in jugendgegenolympia.de 5.11.2015).
Hamburg-2024-Promotoren: Das nennt man in der Werbung einen Overkill-Effekt. Das kann auch schief gehen.

– Elbe-Bürgerinitiative gegen Hamburg 2024. Die Bürgerinitiative „Hamburg für die Elbe“ ruft auf, am 29.11.2015 gegen Hamburg 2024 zu stimmen. Hamburgs Schulden betrugen Anfang November 2015 über 26 Milliarden Euro, wie die Schuldenuhr der Haspa zeigte. Als Gründe nannte die BI: – Der Bund hat die geforderten 6,2 Milliarden Euro nicht zugesagt; – Der Kostenreport ist unsicher; – die Sicherheitskosten sind viel zu niedrig angesetzt; der Vertrag des IOC ist nach erfolgtem Zuschlag nicht rückgängig zu machen; das IOC verlangt Gesetzesänderungen und Auskünfte über die Olympia-Gegner. Deshalb: „Stimmen Sie beim Referendum mit NEIN“ (Olympia – falscher Deal, Hamburg 9.11.2015).

– 20 Kilometer Olympic Lanes. Auf Anfrage der Partei Die Linke teilte die Hamburger Verwaltung mit, dass zwanzig Kilometer vorgesehen sind (20 Kilometer Sonderfahrspuren fürs IOC: Hamburgs Olympic Lanes, in nolympia-hamburg.de 10.11.2015). Um die tatsächliche Zahl der Teilnehmer gab es Streit. Die Linksfraktion zum olympischen Spektakel: „Die Olympia-Begeisterung der Hamburger/innen geht spürbar zurück. Und erfundene Fans haben zum Glück keine Stimmen beim Referendum“ (Koch, Jacob, War der Olympia-Weltrekord im Stadtpark gar keiner? in welt.de 10.11.2015).

– DIE LINKE stoppt Privat-Wahlurnen von Hamburg-Befürwortern. „Die Pro-Olympia-Kampagne hat in Einkaufszentren die HamburgerInnen aufgefordert, ihre Wahlbriefe zum Referendum in Wahlurnen nachempfundene und mit Wahlwerbung beklebte Kästen auf Werbeflächen einzuwerfen. Nach einer Intervention der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft teilte das Landeswahlamt nun mit, dass die vermeintlichen Wahlurnen ‚zur Vermeidung jeglicher Irritationen nicht mehr (verwendet werden). Dies ist auch aus unserer Sicht eine gute Entscheidung.‘ – ‚Gut, dass diese seltsame Praxis jetzt beendet wird‘, erklärt dazu Mehmet Yildiz, sportpolitischer Sprecher der Fraktion. ‚Denn es ist politisch sehr fragwürdig, wenn Akteure einer politischen Auseinandersetzung vermeintliche Wahlurnen aufstellen und amtliche Wahlunterlagen entgegennehmen. Aus unserer Sicht kann dabei nicht garantiert werden, dass das Wahl- und das Postgeheimnis gewahrt bleiben. Wer stellt sicher, dass alle Briefe das Wahlamt erreichen?'“ (PM DIE LINKE stoppt private „Wahlurnen“ der Pro-Olympia-Kampagne, Hamburg 11.11.2015).

– Auf die Krise des olympischen Kernsports Leichtathletik verweist Ralf Wiegand: „Wenn der Sport, wie jetzt, auf allen Ebenen erodiert, das Bild sich rundet, kommt zum Werteverfall der Werteverlust. Das wird dem Sport allmählich substanziell gefährlich. Etwa in der Leichtathletik: Akzeptiert der Verband das Ausmaß des Skandals, muss er Russland bannen und sich von einem großen Markt verabschieden. Tut er es nicht, muss sich etwa eine Stadt wie Hamburg fragen, ob sie wirklich Olympische Spiele veranstalten will, deren Kernsport diese Leichtathletik ist“ (Wiegand, Ralf, Wie verkommen der Spitzensport ist, in sueddeutsche.de 11.11.2015).

– Wie wirkt sich der DFB-Skandal auf Hamburg 2024 aus? Das war Thema bei einer Hamburger Podiumsdiskussion. Joachim Kellner, Marketing-Professor, erwähnte im Gespräch mit zdfsport.de auch den VW-Skandal: „Die Frage ist nicht, wie es sich auswirkt, sondern wie stark. (…) Wir haben durch die Skandale unser Saubermann-Image verloren. Deutschland hält immer sehr die moralische Fahne hoch, und jetzt kommen gleich zwei Skandale hintereinander. Das überträgt sich auf das Land und logischerweise damit auf die Bewerbung der Stadt“ (Lorenzen, Ralf, Kollateralschaden durch DFB-Skandal? in zdfsport.de 12.11.2015).  

– Grüne Bürgermeisterin Fegebank wirbt (immer schon) für Hamburg 2024. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen) „rührte eindringlich die Werbetrommel. Olympia biete eine großartige Chance für die Entwicklung der Stadt, sagte Fegebank in der aktuellen Stunde. (…) Nach Überzeugung der Grünen würde Olympia auch bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise helfen. ‚Mit Olympia geht das besser‘, sagte Fraktionschef Anjes Tjarks“ (Olympia: 20 Prozent haben schon abgestimmt, in ndr.de 13.11.2015). Der Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu bedauerte den IAAF-Skandal und seine Auswirkungen auf die Bewerbung Hamburg 2024: „Das wird Aufschwung geben für die Olympiagegner in Hamburg. Ich hoffe, dass das nicht so schlimm wird“ (Lorenzen, Ralf, Kollateralschaden durch DFB-Skandal? in zdfsport.de 12.11.2015). 
Abgesehen von den falschen Versprechungen bleibt unklar, weshalb ausgerechnet Olympische Spiele zum Parteiprogramm der Hamburger Grünen gehören! Hat ihnen das DOSB-Vorstandsvorsitzender Michael Vesper eingebläut? Zur Erinnerung: Am 20.11.2010 wurde auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Freiburg der Antrag angenommen, die Bewerbung Münchens um Olympische Winterspiele 2018 nicht zu unterstützen.

– Hamburger Wohlfahrtsverband SOAL e.V. gegen Hamburg 2024: „Die Verschärfung der sozialen Spaltung in der Stadt und die  Einschränkung der demokratischen Grundrechte durch die Vorgaben des IOC tragen wir als Wohlfahrtsverband nicht mit“ (zitiert nach: Vrenegor, Nicole, FAIRspielen.de 14.11.2015).

– FC-St. Pauli-Mitglieder gegen Hamburg 2024. „Den Antrag ‚Nein zu Olympia 2024 in Hamburg‘ nahmen die 580 Mitglieder mehrheitlich an“ (DPA, Hamburg gespalten, in SZ 22.11.2015). – „Die Fanclubs des FC St. Pauli hatten sich zudem deutlich gegen eine Bewerbung für die Spiele ausgesprochen“ (St. Pauli-Mitglieder sprechen sich gegen Olympia-Bewerbung aus, in spiegelonline 15.11.2015).

– Charity-Partner von Hamburg 2024 werden am 26.11.2015 präsentiert.  Drei Tage vor der Abstimmung am 29.11.2015 will Olaf Scholz die ausgesuchten Chayrity-Partner mit vermutlich viel Pomp und Kokolores präsentieren – darunter die Kinderhilfsorganisation „Plan International“ (Kaiser, Lena, „Wer sicher gewinnt, sind die Kinder“, in taz.de 15.11.2015). Unter den Unterstützern von Plan International regt sich Widerstand.

– Doping-Opfer-Hilfe-Verein gegen Hamburg 2024. „Unter dem Motto ‚Hamburg kann München‘ hat sich der Dopingopfer-Hilfe-Verein (DOH) in die Reihe der Gegner der Bewerbung der norddeutschen Hafenstadt um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 eingereiht. Wie die DOH-Vorsitzende Ines Geipel am Mittwoch in Berlin erklärte, sollen in den kommenden Tagen 500 000 Postkarten in den Hamburger Haushalten landen, auf denen die Doping-Opfer die Hamburger auffordern, es den Münchnern nachzutun und beim Referendum am 29. November gegen Olympische Spiele in ihrer Stadt zu votieren. Die Münchner hatten sich bei einer Befragung im Jahr 2013 gegen eine Bewerbung ihrer Stadt um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 gewandt“ (Cáceres, Javier, Post für Hörmann, in sueddeutsche.de 18.11.2015). Geipel berichtete, dass der DOSB nicht einmal mehr Briefe des DOH beantworten würde. – Aus einer Anzeige der DOH: „Wir sagen: Mit Null-Verantwortungs-Politik keine Olympischen Spiele in unserem Land! LIEBE HAMBURGER, AUCH SIE KÖNNEN NEIN SAGEN. München konnte es. Danke!“ (Hamburg kann München, Anzeige 20.11.2015).

– Jeder deutsche Steuerzahler schickt 150 Euro nach Hamburg. „6,2 Milliarden Euro soll der Bund, nach Wunsch der Olympiaplaner, zur Ausrichtung der Sommerspiele beisteuern. Konkret würde also jeder deutsche Steuerzahler ungefähr 150 Euro nach Hamburg schicken. (…) Ein als Sportveranstaltung getarntes Stadtentwicklungsprojekt, von Dritten bezahlt – was für ein Plan! (…) Dasselbe Geld würde in anderen Projekten viel höhere Erträge abwerfen. (…) Unterm Strich bleiben für Olympia in Hamburg kaum gute Argumente übrig“ (Müller, Martin, Die heimlichen Kosten Olympias, in sueddeutsche.de 17.11.2015). Hamburg ist bereits jetzt schon mit rund 24 Milliarden Euro verschuldet – dazu kommen Milliarden für die  Rettung der HSH Nordbank und die Flüchtlingsbetreuung (Trotier, Kilian, Widmann, Marc, Olympia – dafür oder dagegen? in zeit.de 18.11.2015).

– BUND kritisiert Nachhaltigkeitskonzept: „zu spät und zu unverbindlich!“ (PM 19.11.2015). Auch die Finanzgestaltung zweifelte der BUND Hamburg an: „So wurden die Kosten für eine Klimakompensation in Höhe von 33 Mio. Euro bei der Summenbildung im olympischen Finanzreport sogar komplett vergessen“ (Ebenda). – Johannes Müller von der Grünen Jugend: „Das Nachhaltigkeitskonzept für Olympia ist ein Sammelsurium unverbindlicher Absichtserklärungen“ (von Appen, Kai, Der wählbare Albtraum, in taz.de 19.11.2015).

– Abendveranstaltung der Befürworter. Olaf Scholz, der unvermeidliche Oberbaudirektor Jörn Walter und der ebenso unvermeidliche DOSB-Präsident Alfons Hörmann „sind zufrieden, es ist gut gelaufen, sie lachen viel“ (Knaack, Benjamin, Olympia-Referendum in Hamburg: Der Ringkampf, in spiegel.de 19.11.2015).
„Für das Wasser im Olympia-Wein ist an diesem Abend Joachim Lau von ‚Stop Olympia‘ zuständig. Dem Lehrer werden in der knapp zweistündigen Veranstaltung zehn Minuten eingeräumt, in denen er mit der Moderatorin über seine Bedenken sprechen soll. Es wird eine unwürdige Veranstaltung, Lau wird von der Moderatorin ständig unterbrochen, verliert den Faden. Die Halle ist mucksmäuschenstill“ (Ebenda).

– Hamburg finanziert Hafenumzug. Neun Tage vor dem Referendum zauberte der Hamburger Senat eine Vereinbarung mit der Hafenwirtschaft über die sehr kostspieligen Umzüge aus dem olympischen Hut. Punkt 3 der Absichtserklärung besagt: „Die Freie und Hansestadt Hamburg stellt die betrieblich erforderlichen Ersatzinvestitionen an den neuen Standorten sicher und trägt entsprechende Kosten… Darüber hinaus gehende im Zusammenhang mit der Verlagerung anfallende Kosten, insbesondere nachweislich verlagerungsbedingte Kosten, werden ebenso getragen (Absichtserklärung vom 20.11.2015). Beabsichtigter – und extrem teurer – Nebeneffekt: „Die Hafenwirtschaft zählt sich nun eindeutig zu den Olympiabefürwortern: ‚Wir legen Wert auf ein deutliches Votum zu Olympia. Und das fällt positiv aus'“ (Henrichs, Bastian, Woldin, Philipp, Hafen arrangiert sich mit Olympia, in welt.de 20.11.2015). Das Flächenproblem: „Für die rund 100 Hektar auf dem Kleinen Grasbrook steht nur etwa die Hälfte an Ausgleichsflächen im Hafennutzungsgebiet zur Verfügung“ (Ebenda). Falls Hamburg den Zuschlag 2024 nicht erhält, wird die Forderung der Hafenbetriebe erfüllt, keine Wohnungen auf dem Kleinen Grasbrook zu bauen (Ebenda).
Hamburger Knieschuss!

-Hamburgs Tricksereien. Die Hamburger Morgenpost titelte zu den Kosten des Hafenumzuges am 25.11.2015 „Trickst die Stadt bei den Kosten?“- „Die Tinte auf dem Papier ist kaum getrocknet, da tauchen die ersten Zweifel an der Olympia-Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH) auf. (…) Es war noch nicht mit allen Firmen gesprochen worden. Die Kosten waren noch nicht exakt berechnet. (…) in der Vereinbarung taucht jedoch keine Summe auf. Die Kosten sind also nicht gedeckelt“ (Hafenumzug wegen Olympia: Trickst die Stadt bei den Kosten? in mopo.de 25.11.2015).

– Blankoscheck am 29.11.2015. „Doch trotz allen Bemühens um Transparenz: Der Ringkampf teilt die Stadt. Denn letztlich unterschreiben die Hamburger einen Blankoscheck“ (Böcking, David, Bossy, Franziska, Teurer wird’s immer, in spiegelonline 20.11.2015). – „Die Finanzierung der Olympischen Spiele, die schlichte Frage: Wer bezahlt am Ende die Rechnung? wird vor der Schließung der Wahllokale am kommenden Sonntag um 18 Uhr nicht beantwortet werden können“ (Exner, Ulrich, Hamburgs Ringen um die Spiele in Zeiten des Terrors, in welt.de 22.11.2015). Dabei spielt das Bundesministerium des Innern erkennbar auf Zeit: Unterlagen zur Prüfung der Finanzsituation der Bewerbung Hamburg 2024 würden „sukzessive“ eingehen, wichtige Informationen fehlten noch . „Das BMI will unabhängig davon keine unbegrenzte Finanz- und Haftungsgarantien für die Spiele 2024 abgeben, wie sie das IOC vom Ausrichter Olympischer Spiele im sogenannten Host City Contract verlangt“ (Kempe, Robert, Stadt, Land, Bund, in wdr.de 23.11.2015; Hervorhebung WZ).

Sport-Demokratur Hamburg 2024: „In der privaten Initiative ‚Feuer und Flamme‘ haben sich vor allem Bau- und Finanzbranche zusammengetan, sie sammeln Geld für ihre millionenschwere Pro-Olympia-Kampagne und machen massiv Werbung. Im Rathaus unterstützen fünf von sechs Fraktionen offiziell die Bewerbung, alle außer den Linken. Wer in den anderen Fraktionen dagegen ist, ist still“ (Braun, Carina, Die  Stimmungsmacher, in taz.de 21.11.2015). Selbst der frühere Hamburger Erste Bürgermeister Ole von Beust äußerte: „Hamburg sollte dezenter werben – das kommt bei den Menschen hier besser an“ (Lauterbach, Jörn, Mehrheit ist Mehrheit – aber wie lange noch? in welt.de 21.11.2015).

– Sportjournalist gegen Hamburg 2024. Der Hamburger Sportjournalist Klaus Blume äußerte in einem Gastbeitrag u. a.: „Von den zwölf Olympischen Spielen die ich besucht habe, ist mir nur Barcelona 1992 positiv im Gedächtnis geblieben. (…) Ansonsten aber überwiegen bis heute Sportbetrug, Tristesse und Big-Business“ (Blume, Klaus, Gegen Olympia in Hamburg, in deutschlandradiokultur.de 22.11.2015).

– Medien-Lobby-Partnerschaft Hamburg 2024: die geballte Presse-Macht. „In Hamburg läuft gerade eine Olympia-Bewerbung. Die Hansestadt möchte die Spiele 2024 ausrichten, am 29. November findet ein Referendum statt, und wie üblich unterhält die Spiele-Lobby hier sogenannte Medien-Partnerschaften, unter anderem zum Verlagshaus Axel Springer und zum Hamburger Abendblatt. (…) Kürzlich erst hatten die Hamburger eine Sonderausgabe der Bild im Briefkasten, die zwar im Titel die Prädikate ‚unabhängig‘ und ‚überparteilich‘ trug, aber im Grunde ein Werbeblatt für Spiele an der Elbe war. Das Abendblatt hat der Olympia-Besoffenheit am Samstag die Spitze aufgesetzt. Eine fiktive Beilage aus dem Jahr 2024 hat Hamburgs wichtigste Lokalzeitung herausgebracht, auf 20 Seiten blicken die Autoren darin auf Olympia in Hamburg zurück. Tenor: Super war’s. (…) Aber die Stadt hat exakt jene 1,2 Milliarden Euro beigetragen, die Olaf Scholz, mittlerweile Kanzler, 2015 als Bürgermeister versprochen hatte. Und der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees sagt, Hamburg habe die ‚besten neuen Spiele‘ geliefert. (…) Hanseatische Bescheidenheit ist wohl doch ein Mythos, und das Abendblatt versteht was von PR“ (Hahn, Thomas, Mit Sonne, in SZ 24.11.2015).

– 200 Millionen jährlich aus dem Haushalt für Hamburg 2024. Heike Sudmann, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft für Die Linke: „Wenn Olympia wirklich kommt, muss Olympia ja bezahlt werden. Und diese 200 Millionen Euro, die jetzt jedes Jahr aus dem Haushalt herausgenommen werden sollen, muss man irgendwo anders wegnehmen, denn das Geld vermehrt sich nicht von alleine. Jedenfalls nicht in dem Haushalt. Und das wird auch zu Lasten von sozialen Einrichtungen gehen. Das wird vor allem zu Lasten von den Einrichtungen gehen, wo es wenig Protest gibt“ (Interview mit Heike Sudmann, in jugendgegenolympia.de 24.11.2015).

Vesper wie üblich. Podiumsdiskussion der Deutschen Olympischen Gesellschaft in München – mit dem netten Titel „Leistung und Freude im Sport“.
Da denkt man doch gleich an das russische Dopingsystem und den Skandal um den Internationalen Leichtathletik-Verband…
Eine Teilnehmerin war Katharina Schulze, MdL, vormals auch NOlympia München: „Irgendwann konnte Katharina Schulze ihre ganzen Fragen nicht mehr zurückhalten. ‚Ich nehme an, dass ich zu dieser Diskussion sowieso nur eingeladen wurde, um ketzerische Fragen zu stellen‘, mutmaßte die sportpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, bevor sie loslegte. Warum zeigen die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) keine klare Kante gegen Politiker, die Menschenrechte verletzen? Warum ist Olympia jedes Mal eine völlig überdimensionierte Sportveranstaltung? Und warum sollte man die Knebelverträge des IOC überhaupt akzeptieren?“ (Mühlbach, Alexander, Nicht gewollte Diskussion, in SZ 25.11.2015). DOSB-Vorstandsvorsitzender Michael Vesper antwortete mit Blick auf Hamburg 2024 in seiner üblichen bescheidenen Art: „Bei aller Kritik an Olympia muss man auch uns mal die Chance geben, anderen Ländern zu zeigen, wie man die Spiele richtig organisiert“ (Ebenda).

– Lachseeschwalbe stoppt Elbvertiefung. Nicht die Umweltverbände, sondern ausgerechnet die Gutachter der Hamburger Hafenbehörde HPA haben festgestellt, dass von gerade einmal noch 36 Brutpaare der Lachseeschwalbe (auf der Roten Liste) 34 Paare in Neufelderkoog an der Elbe leben. Nach der geplanten Elbvertiefung wären die dortigen Lachseeschwalben verschwunden (Slavik, Angelika, Mach den Abflug, in SZ 25.11.2015). Intreressant in diesem Zusammenhang: die Folgen der Zuschüttung diverser Hamburger  Hafenregionen für  olympische Bauten.

– Die Hamburger TAZ-Redakteurin Lena Kaiser zu Hamburg 2024: „Meinetwegen können die Olympischen Spiele dort stattfinden, wo sie hingehören: im Fernsehen – aber bitte nicht vor meiner Haustür. Das wäre immerhin ein Ort, wo man die Option hat, Olympia abzuschalten“ (Kaiser, Lena, Wollen wir Olympia? in taz.de 26.11.2015).

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V: Allgemeine Nachrichten

-Vortrag zum Homo industrialis. Im Rahmen von Klimaherbst München habe ich am 28.10.2015 einen Vortrag gehalten zum Thema: Das System des Homo industrialis – Kleiner Exkurs in das finale Denken. Seit 1.11.2015 ist der Text mit Fotos am Netz. Zum Text hier 

– Sportgeschäft = Krieg. „Under Armour, ‚Unter der Rüstung‘ also – der Name ist Programm. Taktgenau dribbelt eine Armee aus Basketballern zu heroischer Musik, Golfbälle schlagen wie Granaten ein und schwerbewaffnete Jäger in tarnfleckigen Kampfanzügen legen in einsamen Herbstlandschaften mit modernstem Schießgerät auf das Wildtier an. Sportartikelhersteller inszenieren ihre Werbeclips gerne kämpferisch; das gefällt der jugendlichen Zielgruppe. Aber keiner kommt so martialisch daher wie Under Armour. Da scheint es, als gebe es keine fröhlich-entspannten Läufer in blühenden Parks, sondern nur Einzelkämpfer, die bei Sturm und Regen durch Schlamm und unwegsames Gelände pflügen. (…) Die im Sommer in München eröffnete Deutschlandzentrale ist der Brückenkopf für den Feldzug auf dem alten Kontinent. Und von Feldzügen sollte eigentlich etwas verstehen, wer einen ehemaligen Kommandeur amerikanischer Elitesoldaten und einen Ex-CIA-Mitarbeiter im Aufsichtsrat hat“ (Schmieder, Jürgen, Auf sie mit Gebrüll, in SZ 3.11.2015).

– Bündnis 90/Die Grünen: Öffentlichkeit für den Bundes-Sportausschuss. „Es ist und bleibt ein Ärgernis, dass der Sportausschuss in nicht öffentlicher Sitzung tagt. Die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben zum wiederholten Mal eine Öffnung der Sportausschusssitzung abgelehnt. Das ist unverständlich und trägt nicht zu mehr Transparenz und zu einer Öffnung der Ausschüsse bei“ (PM Bündnis 89/Die Grünen, Weiter keine Klarheit über verschwundene WM-Millionen, in gruene-bundestag.de 5.11.2015).

– St. Moritz: Kosten der Sprungschanze verdoppelt. „Die Geschäftsprüfungskommission hat dem Gemeinderat von St. Moritz am Donnerstagabend den Bericht über die Entwicklung der Mehrkosten für den Neubau der Sprungschanzenanlage präsentiert. Statt der von der Bevölkerung genehmigten 11,5 Millionen Franken soll die Schanze nun plötzlich doppelt so viel kosten“ (Kritik für das Schanzendebakel, in suedostschweiz 6.11.2015).

– FC Bayern: das Park-Deck. Rund um das Stadion in Freimann geht es bei jedem Fußball-Spiel des FCB rund – im wahrsten Sinn des Wortes. „Verstopfte Nebenstraßen, zugeparkte Gehwege und Einfahrten, Beschimpfungen: Die Freimanner leiden seit Jahren unter der Rücksichtslosigkeit, mit der Fußball-Fans dieses Viertel in Beschlag nehmen. (…) Hunderte Autos fallen wie Heuschrecken in die ansonsten ruhige Gegend rund um den U-Bahnhof Kieferngarten ein. Sie kurven durch die kleinen Seitenstraßen vorbei an Einfamilienhäusern, stellen ihre Wagen auf Gehsteigen, auf Grünstreifen, vor Hauseinfahrten ab. Die Anwohner sehen sich machtlos einer gleichgültigen Blech-Armada gegenüber. (…) Seit Anfang des Jahres ist der immense Frust der Freimanner noch weiter angeschwollen. Der FC Bayern darf die Zuschauerränge bei Bundesligaspielen um 4000 auf 75 000 Plätze aufstocken; knapp 70 000 dürfen es bei internationalen Spielen sein“ (Mühleisen, Stefan, Im Ausnahmezustand, in SZ 7.11.2015). Der Strafzettel der Polizei für Falschparken kostet zehn Euro – das kostet das Stadion-Parkhaus auch. Ein Falschparker sagte zu Anwohnern, er würde hier auch nicht wohnen wollen. „Und es wird deutlich, weshalb so viele das Wohngebiet bevorzugen – und eben nicht die Parkhäuser am Stadion benutzen. Es dauere mindestens zwei Stunden, bis man da nach dem Spiel wieder rauskommt, sagt er, das gehe nicht bei 400 Kilometern Rückfahrt“ (Ebenda).

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– Ski-Events im Klimawandel:
14./15.11.2015 Spezialslalom in Levi/Finnland: 170 Kilometer nördlich des Polarkreises sind die Temperaturen zu warm zum Beschneien, und es herrscht Schneemangel (SID, Ski Alpin: Weltcup-Rennen in Levi abgesagt, in zeit.de 5.11.2015).

– Skirennsport im Klimawandel. „Verbände und Skifirmen müssen in diesem Klima einen Skirennsport vermarkten, der den Wandel der Natur am stärksten spürt. Am 16. Februar 2014, am Tag des Super-G bei den Winterspielen in Sotschi, sprang die Temperatur auf knapp zehn Grad. Jungbong, der Zielort des Weltcups in Korea sowie der olympischen Abfahrt für 2018, liegt auf 540 Metern Seehöhe“ (Knuth, Johannes, Zeit für Auszeiten, in SZ 27.11.2015).

– Trinkwasser für Schneekanonen. In den Hotels und Privathaushalten in Mitterfirmiansreut im Bayerischen Wald geht das Trinkwasser aus, trotzdem im Speichersee 27.500 Kubikmeter Wasser sind. „Der Haken: Das Wasser im Speichersee ist dafür da, die Schneekanonen der Gemeinde zu füllen“ (Glas, Andreas, Wenn Duschen zum Luxus wird, in SZ 14.11.2015).

– Deutscher Skiverband kauft Schneefabrik. Die DSV-„Snow Factory“ kostete 800.000 Euro und wurde erstmals beim Klingenthaler Skispringen im November 2015 eingesetzt. Die Schneefabrik hat den Nachteil, „dass ein Riesengefrierfach sehr viel Energie verbraucht. (…) Zirka 600 Kubikmeter des teuren Container-Schnees hatten Wind und Regen über Nacht aufgefressen, weshalb am Freitag zwölf Lastwagen Spezial-Schnee, Crush-Eis zur Fischkühlung aus Hamburg angefahren wurden“ (Kreisl, Volker, Mit eigenem Gefrierfach, in SZ 21.11.2015; Hervorhebung WZ).

– Kein Schnee zum Saisonauftakt in Ischgl. Über 1.000 Schneekanonen für 238 Kilometer Pisten liefen zum Saisonstart am 28.11.2015 nicht, weil es zu warm war- Auf der Ischgler Idalpe in 2.300 Meter Höhe gab es zehn Grad plus und mehr. Die Silvretta Seilbahn AG machte 2014 70 Millionen Euro Umsatz und erzielte 14 Millionen Euro Gewinn. „Etwa 50.000 Euro kostet eine der trommelförmigen Schneekanonen. (…) Aus einem Kubikmeter Wasser machen die Anlagen etwa 2,5 Kubikmeter Kunstschnee, die etwa zwölf Euro kosten. Die riesigen Wasserreservebecken in den Bergen sind da eingerechnet. Pro Saison gibt Ischgl rund zehn Millionen Euro für Kunstschnee aus“ (Dörnfelder, Andreas, Hubik, Franz, Frau Holle streikt in Ischgl, in handelsblatt.com 16.11.2015). Ischgls Tourismus-„Vordenker“ Günther Aloys denkt beim Klimawandel an Kühlschlangen im Boden und ein gläsernes Dach über den Pisten: „Wir fliegen schließlich auch auf den Mond“ (Ebenda).

– Der künstliche Sprung-Schanzen-Winter. Vom 20. bis 22. November 2015 findet in der Vogtland-Arena in Klingenthal der Weltcup-Auftakt der Skispringer statt. „In der Vogtland-Arena in Klingenthal wird der Winter vorgezogen: Dort wird seit Donnerstag Kunstschnee hergestellt. Denn in vier Wochen beginnt der Weltcup auf der Schanze. Auf dem Aufsprunghang und im Auslauf wird deshalb reichlich Schnee gebraucht. Die Anlage ‚Snowfactory’ hat der Deutsche Skiverband im Südtiroler Bozen gekauft. Mit ihr können ganz ohne chemische Zusätze täglich 50 Tonnen Wasser in das begehrte Weiß verwandelt werden. 20 Tage soll produziert werden“ (Kunstschnee aus vollen Rohren, in mdr.de 24.10.2015). – Bei frühlingshaften Temperaturen wurden 3.000 Kubikmeter „Schnee“ bzw. Eiskristalle produziert von zwei Anlagen, die eine sechsstellige Summe gekostet haben und vom DAV an die Veranstalter vermietet wurden: „Nächster Einsatz für die ‚Snowfactory‘ ist die Arena ‚Auf Schalke‘, wo drei Tage vor Sylvester die Biathleten im Einsatz sind“ (DPA, Skispringen bei Plusgraden: Auftakt dank Technik gesichert, in sueddeutsche.de 18.11.2015; Kerber, Christian, „Weinendes Auge“ in Klingenthal, in sportschau.de 18.11.2015).
Skisport in der Klimaerwärmung: Was das Ganze an Kilowattstunden und Wasser erfordert, interessiert den Deutschen Skiverband nicht.

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VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.

– DFB-Kuschelkurs. Thomas Kistner in der SZ: „Deutschlands Funktionäre sind viel zu lange auf Kuschelkurs geblieben mit dem fallenden Fifa-Patron Sepp Blatter und dessen System. Warum, das tritt nun zutage: Sie haben all die Zeit vor Enthüllungen gezittert. Sie wussten, dass im Bauch des havarierenden Tankers Fifa allerlei Torpedos herumliegen, und dass genug Spezialisten unterwegs sind, die sie scharfmachen können. Wie Blatter, dem Franz Beckenbauer bis zuletzt Girlanden band, und von dem wohl die größte Gefahr ausgeht: die Enttarnung der wahren Fifa-Korruptionsgeschichte. Sie lagert im Giftschrank dieses alten Mannes. (…) Unabhängig von der Angst, dass Blatter am Ende eh alle in den Abgrund mitreißen könnte. Ihn dürfte es kaum scheren, dass er kaum einen loyaleren Verband als den DFB hatte, keinen treueren Sponsor als Adidas“ (Kistner, Thomas, Zu lange auf Kuschelkurs, in SZ 1.11.2015).

– FC Bayern auf Malta. Im Fifa-Exekutivkomitee, das am 6.7.2000 Deutschland die WM 2006 verschaffte, saß Josef Mifsud aus Malta. Er vereinbarte mit dem damaligen FCB-Präsidenten Franz Beckenbauer in einem Geheimvertrag ein Spiel des FC Bayern in Malta: dafür erhielt Malta 250.000 Dollar. Die Summe kam von der Schweizer Agentur CWL mit Günter Netzer als Geschäftsführer: CWL gehörte damals zum Kirch-Imperium (Warshaw, Andrew, Harris, Nick, Franz Beckenbauer hit by new claims of corruption as German legend is alleged to have been key player in Malta cash ‚bribe‘, in mailonsunday.co.uk 31.10.2015; Kistner, Thomas, Wenn 250.000 Dollar vom Himmel fallen, in SZ 2.11.2015). Der damalige Schatzmeister Maltas, Norman Darmanin Demajo, der beharrlich nachfragte, wurde von Mifsud aus dem Amt gedrängt und folgte ihm später als Präsident nach.
Sylvia Schenk, ehemals Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Sportbeauftragte von Transparency Deutschland und Mitglied der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024, sieht den DFB bezüglich der Bewerbung um die Fußball-EM 2024 nicht beschädigt: „International dürften sich die Folgen in Grenzen halten – welcher mögliche Konkurrent ist denn derzeit völlig ohne Probleme?“ (Malta-Verbandsboss: 250.000 Dollar fielen vom Himmel, in sueddeutsche.de 1.11.2015). Am 10.11.2015 propagierte Schenk bei einer Podiumsdiskussion Hamburg 2024: „Sylvia Schenk, die für den Sport zuständige Expertin von ‚Transparency International‘, setzt großes Vertrauen in das IOC. Die ‚Weltregierung‘ des Sports habe erkannt, dass ‚die Kostenschraube dringend nach unten gedreht werden muss“ (Bellinger, Andreas, Olympia-Abstimmung ohne Finanz-Garantien aus Berlin, in ndr.de 11.11.2015).
Schenk tut sich immer weniger einen Gefallen: Sie sollte ihren Alibi-Posten bei Transparency International endlich aufgeben.

– Steuerfahnder suchen 6,7 Millionen Euro beim DFB. Am 3.11.2015 durchsuchten 50 Beamte der Frankfurter Steuerfahndung die Zentrale des DFB. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet: „Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft gegen den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und dessen Vorgänger Theo Zwanziger“ (Steuerfahnder durchsuchen DFB-Zentrale, in spiegelonline 3.11.2015).
Die Erklärung der Staatsanwaltschaft im Wortlaut: „Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und dem Geldtransfer von 6,7 Millionen Euro des WM-Organisationskomitees des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an den Fußball-Weltverband FIFA Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall aufgenommen. Diese richten sich gegen den Präsidenten des DFB und einstigen Vizepräsidenten des Organisationskomitees, den im Jahr 2006 amtierenden DFB-Präsidenten und damaligen Schatzmeister des Organisationskomitees sowie den früheren DFB-Generalsekretär. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, im Rahmen ihrer damaligen Verantwortlichkeiten die Einreichung inhaltlich unrichtiger Steuererklärungen veranlasst und hierdurch Körperschafts- und Gewerbesteuern sowie Solidaritätszuschlag für das Jahr 2006 in erheblicher Höhe verkürzt zu haben. Nach derzeitigem Erkenntnisstand soll eine durch das Organisationskomitee im Frühjahr 2005 geleistete Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro für eine Kostenbeteiligung an einem Kulturprogramm im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als Betriebsausgabe steuermindernd geltend gemacht worden sein, obwohl ihr tatsächlich ein anderer Zweck zugrunde lag und die Zahlung daher nicht als abzugsfähige Betriebsausgabe hätte geltend gemacht werden dürfen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Frankfurt am Main Durchsuchungsbeschlüsse für die Geschäftsräume des DFB sowie die Wohnungen der Beschuldigten erlassen, die am heutigen Tag durch mehr als 50 Beamte der Frankfurter Steuerfahndung sowie der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Frankfurt am Main vollstreckt werden. (…)“ gez. Nadja Niesen, Oberstaatsanwältin (spiegelonline 3.11.2015).
„In Verbandskreisen werden nachträglich fällige Steuern in Höhe von 2,2 Millionen Euro für möglich gehalten, plus Zinsen seit 2006. Das ergäbe insgesamt rund 3,5 Millionen Euro“ (Aumüller, Johannes, Leyendecker, Hans, Ott, Klaus, DFB-Größen droht Millionen-Zahlung, in SZ 4.11.2015). Verantwortlich für die Zahlung der 6,7 Millionen Euro waren damals Zwanziger und Schmidt.

– Hausdurchsuchungen bei DFB-Funktionären. Am 3.11.2015 wurden auch die Privatwohnungen des ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, des derzeitigen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und des ehemaligen DFB-Generalsekretärs Horst R. Schmidt durchsucht. Franz Beckenbauer hat seinen Wohnsitz in Österreich, Fedor Radmann seinen in der Schweiz (Ahrens, Peter, Rilke, Lukas, 50 Beamte, drei Orte, ein Skandal, in spiegelonline 3.11.2015).

– DFB-Sport-Funktionärs-Leben. „Mit Niersbach, Schmidt und Zwanziger müssen nur ein Trittbrettfahrer, ein Buchhalter und ein ehemaliger Steuerinspektor eine Anklage befürchten. (…) Verantworten muss sich auch Horst R. Schmidt, der langjährige Generalsekretär und spätere Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes. Er kennt die andere Seite des Sports, das Spiel hinter den Kulissen, wie kaum ein anderer. Er arbeitete schon für das Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1972 in München, dann saß er im OK für die Fußball-WM 1974 in Deutschland. Schmidt erwarb sich auch jahrzehntelang Verdienste bei Fifa und Uefa, die er bei der Ausrichtung von Welt- und Europameisterschaften beriet. Im Jahr 2010 gehörte er sogar zum Organisationskomitee von Südafrika“ (Horeni, Michael, die langen Schatten des Sommermärchens, in faz.net 4.11.2015).

– Pressekommentare:
Peter Ahrens in spiegelonline: „Und Niersbach? Der mag kein Apparatschik sein, aber er war und ist ein Mann aus dem Apparat. (…) Früher hat man sich von Lichtgestalten durch die Manege führen lassen, heute von den Großsponsoren. Ohne Adidas, ohne Mercedes läuft beim DFB gar nichts. Das hat Niersbach nicht nur nicht verhindert, er hat es massiv gefördert. Das Selbstbewusstsein des DFB ist ein geliehenes. Wenn der Verband sich wirklich reformieren will, dann braucht er auch einen Vorsitzenden, der sich aus diesen Abhängigkeiten zu lösen versteht“ (Ahrens, Peter, Der Präsident schweigt, in spiegelonline 4.11.2015).
Heribert Prantl in der SZ: „Dem Fifa-Präsidenten schaut die Hybris aus jedem Knopfloch. Und bei den Funktionären vom DFB ist es zum Teil nicht anders. (…) Es wird Fußballfunktionäre geben, die davon schwadronieren, dass die Staatsanwälte den DFB kaputt machen wollen. Nein, das erledigt der Deutsche Fußballbund, das erledigen Niersbach, Zwanziger und Co. schon selbst“ (Prantl, Heribert, DFB zerlegt sich selbst, in SZ 4.11.2015).
– Niersbach schweigt. „Nachdem am Dienstag neben der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes auch Niersbachs Wohnhaus von Steuerfahndern durchsucht worden war, hatte der 64-Jährige keinen Kommentar zu den Beschuldigungen abgegeben. Und auch am Tag darauf schwieg Niersbach. (…) Die Frage, wohin das Geld des Franzosen (Robert Louis-Dreyfus; WZ) ursprünglich einmal geflossen ist, steht seit Wochen im Zentrum des gesamten Skandals und ist bis heute nicht geklärt“ (Der Präsident schweigt, in spiegelonline 4.11.2015).
– „Wie einst bei Al Capone“Johannes Aumüller, Hans Leyendecker und Klaus Ott vergleichen das Vorgehen der Frankfurter Staatsanwaltschaft mit dem der US-Behörden bei Al Capone: „Wenn Strafverfolger bei Delikten wie Untreue, Betrug oder Bestechung wegen der erfolgten Verjährung nicht mehr ermitteln dürfen, schauen sie streng auf die Steuer. (…) Der Steuersatz auf den Überschuss lag also bei etwas mehr als dreißig Prozent. Das wären dann, bezogen auf die 6,7 Millionen Euro, rund 2,2 Millionen Euro gewesen, die dem Fiskus vorenthalten worden wären. (…) Nur selten wird bei Steuerdelikten im unteren einstelligen Millionenbereich angeklagt. Von Haft gar nicht zu reden. Aber was der Frankfurter Fiskus jetzt auswertet, ist gleichwohl happig. Die Steuernachzahlung dürfte für den DFB mit Zins und Zinseszins bei 3,5 Millionen Euro liegen“ (Wie einst bei Al Capone, in SZ 4.11.2015).
Michael Horeni in faz.net: „Der DFB gehört, und dafür ist die Ermittlung der Staatsanwaltschaft nur das vorerst letzte Teil in einem großen Puzzle, ebenfalls zum korrupten Geflecht des internationalen Fußballs, dessen Zentrum in Zürich liegt, bei der Fifa. Aber auch die Deutschen – die so gerne besser erschienen wären bei ihrem Erfolg als andere – haben mit ihrer noch immer undurchsichtigen Zahlung von 6,7 Millionen Euro offenkundig mit dazu beigetragen, dass ein mafiöses System mit dem Fußball machen konnte, was es wollte. Und nur so konnte die Weltmeisterschaft, das wertvollste Gut des Fußballs, auch im Wüstenstaat Qatar landen. So schließt sich in diesen Tagen ein teuflischer Kreis im Fußball: An dem Tag, als das Sommermärchen zu den Deutschen kam und mit dem die Deutschen so glücklich wurden, hatte der DFB seine Werte schon verraten“ (Horeni, Michael, die langen Schatten des Sommermärchens, in faz.net 4.11.2015).
Und so wurde der DFB zum Sommer-Märchenerzähler
Thomas Kistner in der SZ: „Schließlich die Pressekonferenz, in der Niersbach, gelernter Mediendirektor, statt Aufklärung ein Stammelsurium aus Widersprüchen und Erinnerungslücken feilbot. Spätestens jetzt war er zum Problem geworden. Aus all den Gründen kann er nicht länger DFB-Chef sein…“ (Kistner, Thomas, Wie bei Blatter, in SZ 5.11.2015).
Michael Horeni in faz.net: „Blatter hat in den Jahrzehnten seines unseligen Wirkens als Generalsekretär und Präsident der Fifa ein korruptes System rund um den Fußball-Globus geschaffen, das Zentrum der Verdorbenheit. Er ist von der Ethikkommission des Weltverbandes für jede Aktivität im Fußball suspendiert worden. Trotzdem tritt er nicht zurück. Uefa-Präsident Platini hat seine Stimme an Qatar verschachert. (…) Auch Platini ist derzeit von der Ethikkommission aus gesperrt. Aber er hält sich trotzdem für den besten Kandidaten bei der Fifa-Präsidentenwahl im Februar – und glaubt weiter, Uefa-Präsident sein zu müssen. Und Niersbach sagt bewusst nicht die Wahrheit. (…) Seit Dienstag ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft gegen den DFB-Präsidenten wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Und seitdem schweigt der Präsident, der sonst gern plaudert. Und klebt am Sessel, wie Blatter und Platini. Der Weltfußball und seine Anführer: ein Klub der Sesselkleber“ (Horeni, Michael, Schweiger und Sesselkleber, in faz.net 8.11.2015).
Thomas Kistner in der SZ: „Insofern bewegt sich die Causa Blattini jetzt keineswegs zwischen Freispruch und Sperre, sondern irgendwo zwischen Pest und Cholera. Bleibt es bei der Version der stillen Vertragsabsprache, geht es um Bilanzfälschung und Untreuedelikte. In den Fifa-Büchern ist Platinis angebliche Zwei-Millionen-Forderung ja nie aufgetaucht. Und weil sie nach fünf Jahren ohne Rückforderung de jure verjährt war, also spätestens im Jahr 2008, hätte sie 2011 nicht einfach ausgeschüttet werden dürfen. Für so einen Umgang mit Fußballmitteln stehen viele Jahre Sperre im Raum. Wird aber Korruption nachgewiesen, droht dem Duo lebenslang“ (Kistner, Thomas, Der Fall Blattini, in SZ 13.11.2015).

– DFB: Fifa-Kontakt Bin Hammam. Neuer Fund der Frankfurter Staatsanwaltschaft: eine handschriftliche Notiz des DFB-Funktionärs Horst R. Schmidt von 2003 zu einem Treffen des WM-Organisationskomitees im kleinen Kreis. „Neben anderen Details ist darin auch eine Zusatzvereinbarung mit dem Weltverband Fifa aus dem Jahr 2002 erwähnt, in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken (beim ominösen Rücktransfer im Jahr 2005 waren das dann mit Zinsen 6,7 Millionen Euro). Als zuständiger Fifa-Funktionär für dieses Geschäft ist in dem Vermerk Mohamed bin Hammam genannt, ein Unternehmer aus Katar. Er war viele Jahre Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee, als ein Vertreter Asiens. 2012 wurde er von der Ethik-Kommission der Fifa für jegliche Tätigkeit im Fußball gesperrt; wegen erdrückender Beweise für Korruption“ (Leyendecker, Hans, Ott, Klaus, DFB-Affäre: Konkrete Spur zu Bin Hammam, in sueddeutsche.de 6.11.2015).

– Zwanzigers Timing. „Gegen Niersbach führt die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Verfahren, weil er im Herbst 2007 kurz nach seiner Ernennung zum DFB-Generalsekretär die Steuererklärung unterschrieb, in der die 6,7 Millionen Euro als Beitrag für ein WM-Kulturprogramm und damit womöglich fälschlicherweise als Betriebsausgaben geltend gemacht wurden. Dabei hatte die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ihr Testat offenkundig schon mehr als ein halbes Jahr vorher abgegeben. Nun wundert sich mancher Experte im Lande, warum der ausgebildete Steuerinspektor Theo Zwanziger, 2007 bereits zum alleinigen DFB-Chef aufgerückt, und der vielgelobte Verwaltungsfachmann Horst Schmidt, vor Niersbach 15 Jahre lang Generalsekretär, die Steuererklärung so lange liegen ließen – bis Niersbach im Amt war. Das Duo hatte auch im April 2005 die Zahlung der 6,7 Millionen Euro formal in Auftrag gegeben“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Niersbachs Schweigen, in SZ 6.11.2015).

– Niersbachs Unterschrift. „Das vom SPIEGEL nun erstmals im Faksimile vorgelegte Papier besagt augenscheinlich das Gegenteil. Es stammt aus dem November 2004 und enthält eine Handschrift, bei der es sich nach Angaben von Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger und eines Ex-Mitarbeiters von Niersbach eindeutig um die Handschrift des Präsidenten handelt. Der SPIEGEL hat zudem selbst Niersbach-Schriftproben zum Vergleich herangezogen. Die handschriftliche Anmerkung ergänzt einem gedruckten Text mit den Worten „das vereinbarte Honorar für H.L.D. an Sie zu überweisen mit der Bitte um Weiterleitung auf folgendes Konto“: Das H.L.D. steht dabei für Herrn Louis-Dreyfus. Wenn Niersbach tatsächlich der Verfasser ist, hat er damit nicht nur gewusst, wer das Geld bekommen sollte, Louis-Dreyfus nämlich, sondern war sogar aktiv am Zahlungsmanagement beteiligt“ (Dahlkamp, Jürgen, Handschriftliche Notizen belasten Niersbach, in spiegelonline 7.11.2015).

– 2,5 Millionen Steuerhinterziehung – plus Zinsen. „Der Deutsche Fußball-Bund soll Steuern in Höhe von 2.567.125 Euro hinterzogen haben. Das geht in der Sommermärchen-Affäre nach SPIEGEL-Informationen aus dem Durchsuchungsbeschluss vom 29. Oktober hervor, der auf Antrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt erfolgte. (…) Aus dem Dokument wird auch ersichtlich, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt der Version des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach nicht glaubt“ (DFB soll rund 2,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben, in spiegelonline 6.11.2015).

– Wer folgt auf Wolfgang Niersbach? Die Spekulationen sind in vollem Gang. Im Gespräch sind der Vorsitzende der Deutschen Fußball Liga (DFL), Reinhard Rauball – oder der Vorstandschaf des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge. Zur Erinnerung 1) Bewerbung München um Olympische Winterspiele 2018. Der Vorstandschef des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, polterte Richtung Garmisch: „Mir gehen diese Quertreiber in Alpennähe gegen den Strich“ (Fußballgott, hilf! in SZ 15.7.2010). Zur Erinnerung 2) aus der Chronologie: “Neben Beckenbauer stand laut Frankfurter Allgemeine Zeitung auch Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge für kurze Zeit im Fokus der Garcia-Ermittlungen. Der 58-jährige sei um eine Stellungnahme zu seinem Zollvergehen vom 7. Februar 2013 gebeten worden. Damals war er aus Doha kommend bei der Einreise nach Deutschland mit zwei Luxusuhren erwischt worden und musste eine Geldstrafe in Höhe von 249.900 Euro zahlen. Rummenigge ist seitdem vorbestraft” (Beckenbauer bei WM Persona non grata, in sueddeutsche.de 14.6.2014).

– Der Rücktritt. Am 9.11.2015 trat Wolfgang Niersbach von seinem Amt als DFB-Präsident zurück. „Schon um 9.18 Uhr war Niersbach in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main angekommen, um sich auf die Krisensitzung am Nachmittag vorzubereiten. (…) Niersbach selbst zeigte sich im Vorfeld sehr zuversichtlich und versprach Antworten. Knapp acht Stunden später war er nicht mehr Präsident, die versprochenen Antworten kamen nicht“ (Der Tag des Rücktritts, in spiegelonline 10.11.2015).
Dazu Johannes Aumüller in der SZ: „Vieles deutet darauf hin, dass er nicht der große Drahtzieher war, aber zumindest ein Mitwisser. Doch Niersbach hat zwei Fehler gemacht. Er hat, erstens, das Sommermärchen für unantastbar und sauber deklariert – was sich nach dem Fund der neuen Dokumente wohl nicht mehr halten lässt. Und er hat, zweitens, im Sommer und im Herbst 2015 ein schlechtes Krisenmanagement geboten. Er informierte sein Präsidium unzureichend und gaukelte eine Aufklärung vor, die so nicht stattfand. Er gab jene Pressekonferenz und sagte dabei offenbar nicht die Wahrheit. Ein Mann, der gelogen hat, an der Spitze? Ein Mann, gegen den die Steuerfahnder ermitteln? Diese Fragen wurden zuletzt in der ganzen Republik gestellt“ (Aumüller, Johannes, Auszug aus der Chefetage, in SZ 10.11.2015). Niersbachs Rücktritt war nur ein partieller: „Denn als DFB-Chef trat Niersbach zwar zurück, seine gut bezahlten Ämter in den internationalen Gremien von Europas Fußball-Union Uefa und dem Weltverband Fifa wird er vorerst behalten“ (Ebenda).
Vorerst. Niersbach hat den Weg des ehemaligen VW-Chefs Martin Winterkorn gewählt: Der trat als solcher zurück, wollte aber die anderen Posten im Konzern behalten – bis er auch da gegangen wurde.

– Noch halten alle dicht. Thomas Kistner zum aktuellen Stand: „Der Staatsanwalt ermittelt, vielleicht aber ist die Lösung der Millionenfrage gar nicht dort zu finden, wo er sucht. Das Schweigen der Beteiligten bis in den Untergang signalisiert, dass das Geld irgendwo gelandet sein könnte, wo der öffentliche Skandal am größten wäre. Die Antwort kennt wohl derjenige am besten, der sich gerne ‚Kaiser‘ nennen ließ“ (Kistner, Thomas, Alle Augen auf Beckenbauer, in SZ 10.11.2015).

– Vertrag mit Jack Warner. Einen höchst anrüchigen Vertragsentwurf von Anfang Juli 2000 zwischen dem bis heute skandalumtosten Vertreter des Nord- und Mittelamerikanischen Fußballverbandes Concacaf, Jack Warner und dem DFB unterzeichnete Franz Beckenbauer. „Auch Radmann soll an dem geplanten Warner-Deal beteiligt gewesen sein. Sein Name ist DFB-Kreisen zufolge in dem Warner-Vertrag ebenfalls vermerkt“ (Leyendecker, Hans, Ott, Klaus, Beckenbauer tief in WM-Affäre verstrickt, in SZ 11.11.2015). Wenige Tage später, am 6.7.2000 wurde über die WM 2006 abgestimmt, die mit 12:11 Stimmen an Deutschland ging (Leyendecker, Hans, Ott, Klaus, Spur zu Beckenbauer in WM-Affäre, in sueddeutsche.de 10.11.2015). Der DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball zur Frage, ob dies als Bestechungsversuch zu werten sei: „Das muss man so werten, dass zumindest über diese Frage nachgedacht worden ist“ (Beckenbauer unterschrieb umstrittene Vereinbarung mit Jack Warner, in spiegelonline 10.11.2015). – „Das Papier verändert alles. Wer nach Warners Regeln mitspielen will, ist kein Salon-Heiliger. Er zeigt vielmehr, dass er die Spielregeln des dunklen Geschäfts verstanden hat“ (Leyendecker, Hans, Ott, Klaus, Ein Papier, das alles verändert, in SZ 11.11.2015).

– Kein Bild mit Beckenbauer. „Der deutsche Fußball und Franz Beckenbauer – das war jahrzehntelang eine symbiotische Verbindung. Das eine war ohne den anderen nicht denkbar. Damit dürfte jetzt Schluss sein.
Es ist nur ein kurzes Statement, aber es steckt sehr viel mehr dahinter: ‚Ich hätte es mir nie vorstellen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir die WM 2006 auf saubere Art bekommen haben.‘ Das schreibt der Chef der ‚Sport Bild‘, Alfred Draxler, in seiner neuen Kolumne. Es ist eine Art Abschiedsbrief. Nicht nur von einem Journalisten, der bis zuletzt treu zu seinem ‚langjährigen Freund‘ Franz Beckenbauer gestanden hat. Es ist ein Abschiedsbrief: Der Fußball in Deutschland und Franz Beckenbauer, über 50 Jahre eine schier unauflösliche Verbindung, geben ihre Scheidung bekannt“ (Ahrens, Peter, Kaiserdämmerung, in spiegelonline 10.11.2015).
Von der Lichtgestalt zur Zwielichtgestalt …

– Albtraum Sommermärchen. Andreas Rüttenauer schrieb in taz.de: „Glückliche Deutsche, eingehüllt in schwarz-rot-gelbe Stoffbahnen, schwelgen selig in ihrem neuen unverkrampften Patriotismus und begrüßen die Welt mit einer nie gesehenen Gastfreundschaft. Das ist die verlogene Botschaft des Sommermärchens. (…) In der Langzeitstudie ‚Deutsche Zustände‘ ist das Team um den Erziehungswissenschaftler Wilhelm Heitmeyer zu dem Ergebnis gekommen, dass es rund um die WM zu einer Zunahme ‚gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit‘ gekommen ist. Dass heute sorgenvolle Pegidisten ganz unverkrampft neben Nazi-Kadern stehen und ‚Wir sind das Volk!‘ in den Abendhimmel grölen, hat eine Vorgeschichte. (…) Nein, das Sommermärchen war in Wahrheit ein veritabler Albtraum. Dass auch noch Geld geflossen sein soll, um sie ins Land zu holen, passt da nur allzu gut“ (Rüttenauer, Andreas, Sommermärchen? Von wegen! in taz.de 10.11.2015).

– Merkel hängt trotzdem am Sommermärchen. Bundeskanzlerin Angela Merrkel forderte von DFB Aufklärung, sagte aber gleichzeitig: „Die Erinnerungen sind unveränderbar“ („Die Erinnerungen sind unveränderbar“, in spiegelonline 13.11.2015).

Anno Hecker zu den Skandalen im Weltsport und dem DFB in faz.net: „Die Bereitschaft der Bürger, Steuergelder in Turniere oder Olympische Spiele zu investieren, sinkt gerade rapide. Langfristig wird sich die Gesellschaft fragen müssen, ob der Staat ein Förderer bleiben kann. Denn Funktionäre schaffen ein System, das ihnen Macht, Weltreisen und Anerkennung sichert, nicht aus freien Stücken ab. Selbst die Integren stützen mit ihrer Passivität den Verrat an den Werten des Sports. Man kann das hinnehmen und zuschauen, wie sich Sportorganisationen zugrunde richten“ (Hecker, Anno DFB-Skandal: Der Sport ist ein grenzenloses Geschäft, in faz.net 11.11.2015).

– Jack Warner muss ausreisen. „Für den 2. Dezember ist Warners Auslieferung in die USA geplant. Danach könnte er Erhellendes zu all diesen Themen beitragen…“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Jack the Ripper, in SZ 11.11.2015). – „Am Dienstag entscheidet ein Untersuchungsrichter in Trinidad & Tobago über ein Auslieferungsbegehr der US-Justiz“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Spur in die Karibik, in SZ 28.11.2015).

– Mehr ist weniger. Gianni Infantino, Uefa-Generalsekretär, will statt mit bisher schon 32 Fußball-Mannschaften mit 40 Teams spielen. Diesen Vorschlag machte Infantino in einem Interview mit AP (Infantino denkt über WM mit 40 Teams nach, in spiegelonline 10.11.2015).
Besser: Gianni Infantilo?

– Merkwürdiger DFB-Kandidat. Der Chefredakteur des Kicker, Rainer Franzke, wies darauf hin, dass sich der als neuer DFB-Präsident gehandelte Reinhard Grindel, CDU-Bundestagsabgeordneter, stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses des Bundestages und DFB-Schatzmeister sich bei der Abstimmung im Bundestag zum Gesetz über die Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung im Frühjahr 2014 enthalten habe. „582 Bundestagsabgeordnete stimmten dem Gesetz zu, drei waren dagegen, sieben enthielten sich der Stimme. Der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel enthielt sich der Stimme. (…) Mitten in den größten Skandalen in der Geschichte der nationalen und internationalen Verbände wie FIFA, UEFA und DFB wird der Name jenes Mannes gehandelt, der sich bei der Verabschiedung eines Gesetzes gegen Stimmkauf und Korruption der Stimme enthalten hat“ (Franzke, Rainer, es wäre ein Skandal im Skandal, in kicker.de 12.11.2015). – „Für problematisch hielt indes auch Grindel seine Doppelrolle nie, obgleich er vom DFB veröffentlichungspflichtige Monatseinkünfte der Stufe 2 bezieht – also mindestens 42.000 Euro im Jahr“ (Hartmann, Grit, DFB-Präsidentschaftsanwärter in Erklärungsnot, in berliner-zeitung.de 13.11.2015). Auch interessant: „Diese Zeitung hatte ihre Fragen übrigens an das Büro des Bundestagsabgeordneten adressiert – die Antwort kam aus dem DFB, Abteilung Public Relations“ (Ebenda).

– Beckenbauers Erzählungen. Franz Beckenbauer gab in der SZ ein Interview: zu einigen Details – hier einige seiner Antworten (alle Zitate: Hoeltzenbein, Klaus, Krach, Wolfgang, Leyendecker, Hans, Ott, Klaus, „Ich hätte alles gemacht“, in SZ 21.11.2015).
Zur Frage, wer für Deutschland gestimmt hat: „Wir hatten den Block der Europäer. Und wir hatten Unterstützung vom Emir, vom Emir aus Katar.“ – Zur Frage der gekauften WM 2006: „Wir haben doch gar kein Geld gehabt. Wir hatten gar nichts, wir waren ja auf die Zuschüsse der Fifa angewiesen.“ – Zur Frage des von Beckenbauer unterschriebenen Vertrags mit Jack Warner: „Wissen Sie, was ich damals alles unterschrieben habe? Tausende von Briefen, Tausende von Erklärungen, Tausende Vereinbarungen. Ich habe immer alles einfach unterschrieben, ich habe sogar blanko unterschrieben. (…) Sie werden doch nicht glauben, dass ich nur eine einzige Vereinbarung oder nur ein einziges Dokument gelesen habe. Wenn ich das anders gemacht hätte, tät ich heut’ noch lesen. Sie glauben es nicht, aber das ist so! Wenn ich jemandem vertraue, unterschreibe ich alles. Blanko. Alles unterschreibe ich dem.“ – Zu seinem Vertrauten Fedor Radmann: „Fedor war immer dabei.“ Und zur Frage, ob der Warner-Vertrag von Radmann verfasst wurde: „Ich habe nie was aufgesetzt. Ich habe nur unterschrieben.“ – Zur Frage der Lieferung von Panzern nach Saudi-Arabien im Zusammenhang mit der WM-Vergabe: „Panzer? War das so? Was habe ich, was haben wir als Bewerbungskomitee mit den ganzen Geschäften, mit Panzern zu tun?“ – Zur Person von Mohamed Bin Hammam: „Ein liebenswürdiger Mensch mit einem wirtschaftlichen Background. Mohamed bin Hammam ist Milliardär. Kein Grund, irgendetwas anzuzweifeln.“
Zum Schuldschein von Robert Louis-Dreifus: „Ich weiß bis heute nicht, dass ich einen Schuldschein unterschrieben habe. Aber wenn die behaupten, dass ein Schuldschein da war, dann wird es schon so gewesen sein. Ich weiß es wirklich nicht. (…) Was soll ich dazu sagen, wenn ich nichts mehr dazu weiß. Alles andere ist doch Spekulation.“ – Zur Frage, ob Beckenbauer Unangenehmes verdrängt: „Verdrängen . . ., vielleicht. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Die ganze Berichterstattung über den Fall beispielsweise, die lese ich nicht. Vielleicht hat das was mit Verdrängung zu tun.“

– Blatter bestellt Bundesverdienstkreuz. Der ehrenwerte, derzeit suspendierte Fifa-Pate Sepp Blatter hatte das Bundeskanzleramt am 17.5.2005 wissen lassen, dass er zum Anlass der Fußball-WM 2006 das Bundesverdienstkreuz erwartet. Im Juli 2006 bekam er es wie bestellt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (Ott, Klaus, Ordensbedürfnis, in SZ 24.11.2015).
Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für den deutschen Staat, es zurückzufordern.

– Kirch-Anwalt formulierte DFB-Warner-Vertrag. Alexander Liegl, Anwalt von KirchMedia und späterer Geschäftsführer dort, konzipierte am 2.7.2000 den Vertrag zugunsten Jack Warner. KirchMedia „hatte 1997 für 1,7 Milliarden Mark von der Fifa die Europarechte für die Übertragungen der Weltmeisterschaften 2002 und 2006 gekauft und ein großes geschäftliches Interesse daran, dass das Turnier 2006 in Deutschland stattfand“ (Die Spur führt zu Leo Kirch, in spiegelonline 28.11.2015).

 

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VII: Sport-Millionen und -Millionäre

– Neunzehnjährige Millionen-Fußballer. Anthony Martial, Fußballer von Manchester United, kam für 70 Millionen Euro vom AS Monaco. Kingsley Coman, FC Bayern, wurde für sieben Millionen Euro ausgeliehen, könnte vom FCB für 21 Millionen Euro gekauft werden (Kneer, Christoph, Fantasiespieler, in SZ 13.11.2015).

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VIII: Totalitärer Sport-Terminkalender

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IX: Doping-News

Siehe hierzu auch die Doping-Hintergründe von Cycling4fans: hier und Aktuelle Doping-Meldungen hier und die Webseite der Doping-Opfer-Hilfe: hier

– WDR-Film von Andrea Schültke und Thomas Purschke: Missbraucht für Medaillen – Doping und Menschenversuche im DDR-Sport, 2.11.2015, 22.45 – 23.15: hier

– Neues Anti-Doping-Gesetz DOSB-weichgespült. Immer schon hat der DOSB sein wichtigstes Anliegen durchgebracht: die Zuständigkeit der sportbestimmten „Sportgerichtsbarkeit“ gegenüber Zivilgerichten. (Dagegen klagen derzeit einige Athleten wie Claudia Pechstein vor ordentlichen Gerichten.) Nun hat es der DOSB noch geschafft, in der endgültigen Gesetzesversion, die am 13.11.2015 vom Bundestag beschlossen wurde, ein weiteres Anliegen unterzubringen: „Außerdem wird der Versuch, Dopingmittel in geringer Menge zu besitzen, nicht mehr unter Strafe gestellt“ (Zwei Änderungen, in SZ 7.11.2015). Dazu soll ein Athlet straffrei bleiben, wenn er sich Dopingmittel besorgt und sie vor der Benutzung wegwirft (Ebenda).
Dazu aus einem Kommentar von Claudio Catuogno in der SZ: „Ein modernes Anti-Doping- Gesetz, sagt er (Justizminister Heiko Maas; WZ), stärke Hamburgs Bewerbung um die Spiele 2024. Wer das glaubt, kann ja mal der Frage nachgehen, warum es erst jetzt in Kraft treten darf. Antwort: Weil der deutsche Sport in Person des bestens vernetzten DOSB-Präsidenten Thomas Bach so ein Gesetz jahrelang hintertrieben hat mit dem Argument, der Sport habe doch schon eine ‚Null-Toleranz- Politik gegen Doping‘; wofür brauche es denn da noch den Staatsanwalt? Und dieser Anti-Doping-Gesetz-Feind Thomas Bach sitzt jetzt dem IOC vor, welches die Olympischen Spiele vergibt, und hat auch schon eine Idee, wie er und seine Organisation die Mafia-Affäre um Russland und die Leichtathleten in den Griff bekommt. Genau: mit der in Deutschland erprobten ‚Null-Toleranz-Politik‘. Der globale Sport ist zum gespielten Witz geworden. Es haben nur noch nicht alle gemerkt. Die Hamburger aber, die in zwei Wochen an die Urnen und für Olympia stimmen sollen – die ahnen vermutlich schon was“ (Catuogno, Claudio, Zwielicht-Gestalten, in SZ 14.11.2015).

– Deutscher Sportarzt angeklagt. Ein ehemaliger Sportarzt des Uniklinikum Ulms war früher an der Sporthochschule Köln in der Doping-Forschung aktiv: Ihm wird jetzt im Verfahren am Landgericht Memmingen vorgeworfen, „Dopingmittel hergestellt, in Verkehr gebracht und verwendet zu haben“ (ARD, Sportarzt hatte offenbar doch Kontakt zu Kaderathleten, in br.de 1911.2015). Der Arzt wurde bei der Ruder-Junioren-WM 2014 in Hamburg und bei der Betreuung der U19-Nationalmannschaft eingesetzt (Ebenda).

– Österreichischer Skilangläufer gesperrt. Harald Wurm wurde wegen Dopingverdacht suspendiert, sein Langlauf-Cheftrainer Gerald Heigl zog sich freiwilig zurück. Während Sotschi 2014 wurde der Österreicher Johannes Dürr positiv auf Epo getestet (Becker, Christoph, Langläufer Wurm suspendiert, in faz.net 19.11.2015).

– Bulgarische Gewichtheber gesperrt. Da elf bulgarische Gewichtheberinnen und -heber im April 2014 auf das anabole Steroid Stanozolol getestet wurden, dürfen sie wegen wiederholten Dopingmissbrauchs nicht bei Rio 2016 teilnehmen (SID, Bulgariens Gewichtheber nicht bei Olympia in Rio, in zeit.de 20.11.2015).

– Russische Biathleten gedopt. „Wegen des Doping-Skandals im vorletzten Winter hat der Biathlon-Weltverband Ibu den russischen Verband mit der höchst möglichen Disziplinarstrafe belegt. 100.000 Euro muss die Russische Biathlon-Union (RBU) nach den positiven Dopingproben von Alexander Loginow, Jekaterina Jurjewa und Irina Starych in der Saison 2013/2014 zahlen“ (Russischer Biathlonverband muss 100.000 Euro zahlen, in spiegelonline 25.11.2015).

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X: Die Sportsender ARD/ZDF
– Große Bitte an kritische Sport– und investigative Journalisten:
Bisheriger Text: Für die Zukunft eines besseren Sports und einer sinnvolleren Verwendung der öffentlich-rechtlichen Gebühren-Millionen wäre es wichtig, die fragwürdige Kooperation zwischen den Vertretern der gierigen Sportfunktionäre und den willfährigen Vertretern der öffentlich-rechtlichen Sportsender aufzudecken. Vermutlich ist es ein kleiner Kreis immer gleicher Personen, die Jahr für Jahr die Preisspirale für die TV-Sportübertragungen in die Höhe treiben. Bitte aufdecken! – Durch die Vergabe der Olympischen Spiele 2018 bis 2024 an den TV-Sender Discovery bzw. Eurosport hat das IOC dafür gesorgt, dass die sowieso schon sehr zaghaft geäußerte Kritik von ARD und ZDF an Sport-Großereignissen in Diktaturen wie den European Games beim Diktator Ilham Alijew im Juni 2015 in Aserbaidschan ausfallen wird: Vom hier übertragenden TV-Sender Sport1 war aus Baku nichts Kritisches zu vernehmen. Das wird nun Standard.
Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Eurosport

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XI: Überraschungspunkt: IOC = IAAF = Fifa

– Thomas Kistner in der SZ zum DFB-Skandal: „Es wäre absurd, so zu tun, als hätte nur der Fußball ein Strukturproblem. Auch die olympische Welt pflegt die Selbstkontrolle, geheime Voten, stille Deals, Knebelverträge. In diesen Welten kandidieren die Deutschen nun um zwei Großereignisse, geplant im Partyjahr 2024: die Fußball-EM und Sommerspiele in Hamburg. Und das ist jetzt schon ein Problem: Wie will man seriös Stimmen sammeln – wenn man fast keine Autorität mehr hat“ (Kistner, Thomas, Zu lange auf Kuschelkurs, in SZ 1.11.2015).

Dirk Fischer, Präsident des Hamburger Fußball-Verbandes: „Ich will, dass die Fifa und das IOC endlich korruptionsfrei werden“ („Betroffen, überrascht und sehr traurig“, in spiegelonline 9.11.2015; Hervorhebung WZ).

– Johannes Knuth in der SZ zum Doping-Skandal beim Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF, der „Kernkompetenz“ Olympischer Spiele – und Russland: „Die an Russland adressierten Forderungen bergen zudem Brisanz für den Weltsport, auch für Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der Sport verbrüdert sich ja seit langem mit dem Kreml. Staatschef Putin hat zig Führungsposten bei internationalen Verbänden und im IOC mit Vertrauten bestückt. Wada-Chef Craig Reedie hatte seinem Freund Mutko (russischer Sportminister; WZ) zudem im Sommer eröffnet, man werde schon nichts unternehmen, was die Freundschaft trüben werde“ (Knuth, Johannes, Russlands Leichtathletik droht Ausschluss, in SZ 10.11.2015).


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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