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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Dezember 2014

 
Zuletzt geändert am 08.11.2015 @ 10:50

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Im November 2014 besuchten 28.929 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite. Von Februar 2010 bis einschließlich November 2014 hatten wir damit 1.070.094 Besucher: Wir bedanken uns für das anhaltende Interesse.
Neu unter “Aktuelles”: 
Doping Russland; Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften; Olympisches Abholzen für Pyeongchang 2018; Agenda 2020 – Wie das IOC sein Geschäftsmodell erweitern will; Fifa spricht sich frei; Sotschi: Formel 1 in Putin-Russland; Oslo 2022 abgesagt; IOC-Knebelvertrag bleibt IOC-Knebelvertrag; Olympische Bewerbung 2024 verpfuscht
Neu im Kritischen Olympischen Lexikon:
22.12.2014: Wintersport im Klimawandel: 2014/2015; 18.11.2014: Hayatou, Issa; 18.11.2014: Totalitärer Sport-Terminkalender; 6.9.2014 Kosten Olympischer Spiele; 8.11.2014: Timtschenko, Genadij Nikolajewitsch
Laufend aktualisiert
im Kritischen Olympischen Lexikon:
Hamburg-Berlin 2024 – Zur deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024: bis Juni 2014: hier; 7-8/2014: hier; 9-10/2014: hier; 11-12/2014: hier
Was ein Gaskonzern und Sport, Oligarchen und Putin miteinander zu tun haben. Gazprom-Chronik (1) bis 31.12.2012: hier; Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier; Gazprom-Chronik (3) ab 9/2014: hier; Gazprom-Chronik (4) ab 11/2014: hier

In eigener Sache
Die Webseite und ihre Informationen stehen allen zur Verfügung, um die tatsächlichen Hintergründe im Spitzensport und seinem Umfeld aufzuzeigen und zu beschreiben. Ich bemühe mich meinerseits, korrekt zu zitieren und Quellen anzugeben. Umgekehrt wäre es fair, dass auch die Nolympia-Webseite als Quelle in den Artikeln von Journalisten angegeben wird.
Dr. Wolfgang Zängl

Die Gliederung im Dezember 2014 sieht so aus:
I: Zitate des Monats
II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden
III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden
IV: Aktuell aus München und Bayern
V: Zur DOSB-Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin
VI: Allgemeine Nachrichten
VII: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.
VIII: Sport-Millionen und -Millionäre
IX: Der totalitäre Sport-Terminkalender
X: Doping-News
XI: Die Sportsender ARD/ZDF
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I: Zitate des Monats

IOC-Präsident Thomas Bach zeigte sich bei der IOC-Sondersession in Monaco zur Agenda 2020 an der Bewältigung der jüngsten russischen Doping-Vergangenheit uninteressiert: „Das eine Thema hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir schauen hier in Monaco in die Zukunft, die Vorfälle in Russland fanden in der Vergangenheit statt“ (Kistner 6.12.2014).

Jörg Winterfeldt zur IOC-Sitzung über die Agenda 2020 in der Berliner Zeitung: „So erinnert das IOC unter dem Deutschen Bach wieder mehr an den mit harter Hand geführten Verein des einst unter General Franco sozialisierten Spaniers Juan Antonio Samaranch. Jeder darf seine Meinung sagen, so lange er sich in den Abstimmungen brav dem vom Chef verordneten Kurs unterordnet“ (Winterfeldt, Jörg, Meinungsfreiheit, ja, aber… in berliner-zeitung.de 9.12.2014).

Jochen Klingovsky in den Stuttgarter Nachrichten zur unzureichenden IOC-Agenda 2020: „Denn so lange das IOC zum Beispiel auch künftig Steuererleichterungen von Olympiastädten fordert, wird es den Makel der Profitgier so schnell nicht los. Und das Dopingproblem, siehe Russland, scheint eher größer als kleiner zu werden. Einen Zirkus aber, der nur aufs Geld schaut und in dem Artisten auch noch als Betrüger überführt werden, wird die Gunst des Publikums nicht gewinnen“ (Spiele in Berlin? Die Skepsis bleibt, in stuttgarter-nachrichten.de 9.12.2014).

Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes, auf der IOC-Tagung zur Agenda 2020: „Das Abstimmungsresultat im Kanton Graubünden war Ausdruck eines grundsätzlichen Misstrauens gegenüber dem IOK“ (Germann, Daniel, „Ab sofort gilt: Das IOK passt sich an“, in nzz.ch 10.12.2014).

Markus Weise, Hockey-Bundestrainer, zum Wechsel vom Sport zum Event in der IOC-Agenda 2020: „Es geht nur noch um Events. Und nebenbei machen wir den Sport kaputt“ (Armbrecht, Anne, Penders, Peter, Schneller, höher, schlanker, in FAZ 12.12.2014).

DOSB-Vorstandsvorsitzender Michael Vesper zur Frage der Kosten Olympischer Spiele: „Man muss vor allem die Ängste nehmen, dass die Spiele die Stadt finanziell ruinieren. Das Gegenteil ist der Fall“ (Teuffel Friedhard, „Finanzieller Ruin durch Olympische Spiele? Das Gegenteil ist der Fall“, in tagesspiegel.de 30.12.2014)

Fifa-Generalsekretär Jêrôme Valcke ist gegen eine Veröffentlichung des Garcia-Berichtes und meinte verärgert über das globale verheerende Echo: „Ist es denn die Welt, die entscheidet, was die Fifa zu machen hat?“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, In einer eigenen Welt, in SZ 19.12.2014).

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II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden

Dow Chemical rechnet Rio-2016-Emissionen herunter. Die Giftgas-Katastrophe im indischen Bhopal mit 25.000 Toten und 100.000 Verletzten ereignete sich am 3.12.1984. Dow Chemical hat den Verursacher der Bhopal-Katastrophe, den US-Konzern Union Carbide, 2004 gekauft und weigert sich seitdem, für die Bhopal-Opfer aufzukommen. 2012 wurde Dow TOP-Sponsor des IOC – mit 100 Millionen US-Dollar in zehn Jahren. Genau 30 Jahre nach der Bhopal-Katastrophe hat das IOC Dow Chemical als offiziellen CO2-Berater engagiert. Dow soll Rio helfen, die Olympischen Spiele mit einem „niedrigen CO2-Level“ durchzuführen. Laut IOC können die olympischen Spiele ein „positives Beispiel“ sein, wie mit den ökologischen und sozialen Herausforderungen der Welt umgegangen werden kann (McDonough, Christen, Organizing Comittee Working with Dow Chemical to Offset 2016 Rio Olympics Carbon Emission, in swimswam.com 30.11.2014).
Bei TOP-Sponsoren wie Dow Chemical, McDonald’s und Coca-Cola

– Finanz- und andere Probleme bei Pyeongchang 2018. Das Olympiastadion in der Provinz Gangwon, das ausschließlich für die Eröffnungs- und Schlusszeremonie gebaut wird, soll 66,2 Milliarden Won kosten (rund 50 Millionen Euro; AP, Fears over South Korea’s rising 2018 WinterOlympics costs, 4.12.2014. Die Kosten sind vermutlich wie üblich zu niedrig angesetzt). Die südkoreanische Regierung hatte sich bereit erklärt, fünfzig Prozent der Kosten zu übernehmen, also 25 Millionen Euro. Die südkoreanische Provinzregierung von Gangwon hat bereits umgerechnet rund 1,22 Milliarden Euro in Skianlagen und Wettbewerbsstätten investiert, die eine zentrale olympische Wettkampfanlage darstellt. Die Provinzregierung muss neben dem Stadion noch acht weitere Anlagen bauen, dazu die Verbindungsstraßen. Sie fordert nun die Übernahme von 75 Prozent der Kosten. Insgesamt liegen die Kosten derzeit bei umgerechnet rund acht Milliarden Euro liegen (Ebenda). Die Provinzregierung von Gangwon droht, die Spiele 2018 zurückzugeben, falls ihre Forderung nicht erfüllt wird (Hyun-woo, Nam, Will PyeongChang give up 2018 Olympics? in koreatimes.co 4.12.2014; Hervorhebung WZ).
(Zu Südkorea und der Formel 1 siehe auch unter VI. Vgl. auch Olympisches Abholzen für Pyeongchang).
Der südkoreanische Rechnungshof stellte im Dezember 2014 fest, dass statt der versprochenen Sponsorengelder von 3,5 Milliarden Won (rund 2.,6 Millionen Euro) nur 5,2 Prozent hereinkamen und 2013 gar nichts. Das Organisationskomitee POCOG musste 2013 elf und 2014 10,5 Milliarden Won Kredite aufnehmen. Dazu sind die Finanzierungsprobleme des neuen Stadions für Eröffnungs- und Schlussfeier ungeklärt (siehe oben). Derzeit soll die Regierung die Hälfte übernehmen, je 25 Prozent sollen von POCOG und der Provinz Kangwon kommen (Viele Probleme für Olympia-Gastgeber in Pyeongchang, in sueddeutsche.de 30.12.2014). Das IOC hat vorgeschlagen, dass Pyeongchang 2018 aus Kostengründen die Bob- und Rodelwettbewerbe ins Ausland verlegt. Die Kangwon-Koalition ziviler Gruppen, in der 26 Organisationen zusammengeschlossen sind, hat im Dezember 2014 gefordert, dies zu tun (Ebenda).
Besonders peinlich: Cho Yang Ho ist Chef des POCOG. Er ist aber auch Chef der Fluggesellschaft Korean Air. Die Tochter von Cho Yang Ho, Cho Hyun Ah, hatte Mitte Dezember 2014 den Start eines Fluges New York-Seoul abbrechen lassen: Das Flugzeug war schon auf dem Weg zur Startbahn und musste zurück zum Terminal. Der Grund: Eine Flugbegleiterin hatte Macadamia-Nüsse statt im Schälchen in der Verpackung serviert. Deshalb musste der Chef des Kabinenpersonals das Flugzeug verlassen (Knien vor der Tochter des Chefs, in spiegelonline 13.12.29014). Die Staatsanwaltschaft erhebt nun Anklage gegen Cho Hyun Anh wegen Nötigung und Behinderung der Ermittlungen: Sie kam Ende Dezember 2014 in Untersuchungshaft (Tochter des Airline-Chefs kommt vor Gericht, in spiegelonline 7.1.2014). Und deshalb muss nun eventuell Vater Cho Yong Ho seinen Chefposten bei POCOG räumen.

– Die Partizipationsfalle. „Rechtzeitig vor der Session in Monte Carlo ist Transparency International am Freitag gemeinsam mit anderen großen Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch, Terre des Hommes oder Amnesty International in einem offenen Brief an das IOC herangetreten. Darin werden die IOK-Mitglieder aufgefordert, bei künftigen Vergaben von Spielen den Menschenrechten, den menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, dem Umweltschutz und der Prävention gegen Korruption eine hohe Bedeutung beizumessen. Schenk sagt, die Organisationen hätten Bach angeboten, das IOK bei der Umsetzung dieser Anliegen zu unterstützen“ (Germann, Daniel, Unter Verdacht, in n zz.ch 6.12.2014). Schenk propagierte die verlorengegangenen „Ideale“ des Sports: „Die olympische Agenda 2020 des IOC bringt die Chance, das zu ändern“ (Human Rights Watch, Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert vom IOC eine Vorreiterrolle für saubere internationale Großveranstaltungen, in hrw.org 5.12.2014). Schenk einige Tage später: „Von so einer Reform hätte ich vor einem Jahr nicht zu träumen gewagt“ (Berlin sucht seinen Olympia-Weg: „Wir brauchen ein Verfahren“, in 24.de1.12.2014). Bianka Schreiber-Rietig schrieb zu Schenks Rolle bei einer Podiumsdiskussion zur Bewerbung Berlin 2024 im sportspitze.de: „“Umso unverständlicher, dass Sylvia Schenk (…) nun teilweise das hohe Lied des IOC und DOSB singt. (…) Je öfter man die Transparency-Vertreterin hört, um so öfter stellt man sich die Frage: Für wen ist sie gerade in der Bütt? Der versuchte Spagat macht unglaubwürdig“ (Hängepartie in jeder Hinsicht, in sportspitze.de 22.12.2014).
Schenk (ehemalige Leichtathletin, Olympiateilnehmerin 1972) wird den Spagat zwischen ihrer Rolle bei Transparency International (Leiterin der Arbeitsgruppe Sport) und ihrer Rolle als immer unkritischere Befürworterin des IOC und Olympischer Spiele nicht lange aufrechterhalten können. Sie fällt damit in ihre frühere Rolle als Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (2001 bis 2004) zurück.
Ausgerechnet vom IOC – oder auch der Fifa – zu fordern, Menschenrechte zu achten oder internationale Standards für Arbeitsbedingungen einzuhalten, zeugt von Realitätsferne, wenn man sich die vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Zustände vor Augen führt. Das hat IOC oder Fifa noch nie interessiert – außer in ihren Hochglanzbroschüren. Ansonsten gehen IOC, Fifa und die Internationalen Sportverbände mit jeder Diktatur konform.
V
ergleiche: Totalitärer Sport-Terminkalender; Wie die Sport-Demokratur funktioniert

– Monaco 8./9.12.2014: Zur Agenda 2020 des IOC
5.12.2014: Neue Termine für die Bewerbung 2024: hier
6.12.2014: Thomas Bach zur Agenda 2020: „Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit und Jugend sind unsere Topthemen im Zuge unserer Reformagenda“ („Nachhaltigkeit in Sotschi sehr beeinträchtigt“, in spiegelonline 6.12.2014).
Beispiele für olympische Nachhaltigkeit: Sotschi 2014! Olympisches Abholzen für Pyeongchang 2018! Für Glaubwürdigkeit: IAAF-Skandale um WM-Vergabe 2019 an Katar! (Siehe oben) und die Teilnehmer-Schiebungen bei der Handball-WM mit deutscher Wild Card! Für Jugend: Doping-Skandal in Russland! Doping-Team Astana/Kasachstan! Biathlon-Doping mit Dr. Epo! (siehe unten)

7.12.2014: Das IOC legte Pyeongchang 2018 nahe, die olympischen Bob- und Rodelwettbewerbe in Asien, Europa oder den USA zu verlegen, um Kosten von 120 Millionen Dollar zu sparen: 100 Meter sind schon gebaut. „Für die nacholympische Nutzung der Bahn, deren Instandhaltung pro Jahr 3,5 Millionen Dollar verschlingen soll, liegt allerdings kein überzeugendes Konzept vor“ (Bob und Rodeln 2018 in Europa statt Südkorea? in spiegelonline 7.12.2014).
Bißchen früh dran, IOC! Das hätte man auch schon bei der Vergabe im Juli 2011 wissen können!
Umgehend wies Südkorea diesen Vorschlag zurück: „Auf keinen Fall werde das passieren, sagt Choi Moon-soon, Gouverneur der Provinz Gangwon, das werde das südkoreanische Volk nie akzeptieren“ (Voigt, Benedikt, Olympia und die Kosten: Warum der Sparkurs des IOC scheitert, in tagesspiegel.de 10.12.2014).
8.12.2014:
Die Sportpolitiker der Grünen, Monika Lazar und Özcan Mutlu in einer PM: „So gigantisch sich Olympische Spiele in letzter Zeit gegeben haben, so mäßig fallen die IOC-Reformen aus. Das Ziel hinter der Olympic Agenda 2020 von IOC-Präsident Bach ist klar: Er versucht, die laute und internationale Kritik am IOC aufzufangen. Umweltzerstörung, Diskriminierung, Geschacher bei der Olympia-Vergabe, Begünstigung von grotesker Misswirtschaft in den Bewerberstädten – die Liste der Vorwürfe ist lang. (…) Zum Beispiel findet sich das Wort Menschenrechte in keinem der 40 Vorschläge wieder“ (PM Grüne, Olympia-Reform: Längst überfällig, aber leider zu mutlos, 8.12.2014).
9.12.2014: Durchwinken. „Erwartungsgemäß ohne größeren Widerspruch hatten die 94 stimmberechtigten IOC-Mitglieder bis zum Nachmittag die Empfehlungen, die in den vergangenen Monaten in diversen Arbeitsgruppen formuliert worden waren, Punkt für Punkt durchgewunken“ (Hungermann, Jens, Das Ringen mit den Ringen, in welt.de 9.12.2014).
9.12.2014: Die IOC-Einstimmigkeit. Monaco, IOC-Session zur Agenda 2020: „Die Messe war längst gelesen, es ging jetzt nur noch um die Verabschiedung der vorletzten von 40 Empfehlungen – dass der Sport „den Dialog mit der Gesellschaft stärken“ solle -, da fuhr Rita Subovos Hand empor. Kurz und unkontrolliert. Thomas Bach aber, der Präsident auf dem Podium, der per Markerstift selbst Buch führte zu den immer selben Abstimmungen, registrierte das Zucken sofort. ‚Ist das ein Nein?‘, kam es neugierig von oben, und Rita Subovo erstarrte. ‚Oder haben Sie nur mit Ihrem Schreibgerät gefuchtelt?‘ Letzteres selbstverständlich, die angefasste Indonesierin wies jede Absicht weit von sich, den olympischen Einheitskonvent Sekunden vor dem Abpfiff noch mit einer Gegenstimme beflecken zu wollen. Alles lief reibungslos bei der Selbstreform des Internationalen Olympischen Komitees in Monte Carlo, nicht eine Enthaltung gab es“ (Kistner, Thomas, Alles hübsch inszeniert, in sueddeutsche.de 10.12.2014).
Vgl. auch: Die Sport-Demokratur
Jörg Winterfeld in der Berliner Zeitung: „Beim Internationalen Olympischen Komitee darf jeder seine Meinung sagen – so lange er sich in den Abstimmungen brav dem vom Chef verordneten Kurs unterordnet. Und der Chef ist der Machtmensch und selbsternannte Olympia-Reformer Thomas Bach. (…) So erinnert das IOC unter dem Deutschen Bach wieder mehr an den mit harter Hand geführten Verein des einst unter General Franco sozialisierten Spaniers Juan Antonio Samaranch. Jeder darf seine Meinung sagen, so lange er sich in den Abstimmungen brav dem vom Chef verordneten Kurs unterordnet. (…) Und den längstgedienten IOC-Mann Witali Smirnow ließ Bach das Plädoyer für die Altersbeschränkung halten, so dass am Ende sogar der renitente Weltfußballverbandschef Joseph Blatter (‚diskriminierend‘) seine Opposition nicht in einer Gegenstimme ausdrückte, obwohl das neue Alterslimit bedeutet, dass Blatter, 78, in zwei Jahren aus dem Komitee ausscheiden muss“ (Winterfeldt, Jörg, Meinungsfreiheit, ja, aber… in berliner-zeitung.de 9.12.2014. Fifa-Präsident Blatter ist seit 1999 IOC-Mitglied).
Thomas Kistner in der SZ: „Die Absicht ist klar: Das IOC zielt mit dem Absenken der Bewerbungshürde auf die westliche Welt, wo die Spiele in Bürgerentscheiden immer öfter abgelehnt werden. Dort sitzt die Kernkundschaft von Sponsoren und TV-Anstalten, hier steckt viel olympischer Nachwuchs – der Westen muss also zurück ins Boot. Sonst droht im Sommer bald dasselbe Problem wie bei den Winterspielen: Für 2022 stehen nur Peking und die kasachische Stadt Almaty im Ring. (…) So zeigt sich ein neues IOC-Bollwerk: Gefestigt überdies durch einen eigenen Fernsehkanal, zu dessen Finanzierung bis 2021 die Verbände und Olympiakomitees jeweils 72 Millionen Euro beizutragen haben. Und repräsentiert durch einen neuen Prachtbau in Lausanne. Die Reform sorgt auch dafür, dass der Verwaltungsapparat stark ausgebaut werden muss; der neue Stammsitz soll 450 Mitarbeiter beherbergen – statt rund 150, wie bisher“ (Alles hübsch inszeniert, in sueddeutsche.de 10.12.2014).

– Italien 2024 jetzt besser situiert? „Italien gab am Montag seine Kandidatur mit der Hauptstadt Rom für die Spiele in zehn Jahren bekannt. (…) Beim Rennen um die Spiele 2020 hatte Rom seine Kandidatur aus finanziellen Gründen zurückgezogen“ (Rom will die Olympischen Spiele 2024, in spiegelonline 15.12.2014). 2011 stoppte der damalige Premierminister Mario Monti die Bewerbung Roms aus finanziellen Gründen. Und heute? „An der aktuellen Lage Italiens hat sich seitdem praktisch nichts geändert. Die Staatsschulden drohen dem Land über den Kopf zu wachsen, die Wirtschaft steckt tief in der Rezession. Dazu kommen Korruption und Misswirtschaft bei allen öffentlich finanzierten Großprojekten, sei es bei der Weltausstellung 2015 in Mailand oder beim Staudammprojekt MOSE in Venedig. Aktuell wird die Hauptstadt Rom von einem Schmiergeldskandal bislang unbekannten Ausmaßes erschüttert. Organisierte Kriminalität und eine korrupte Stadt Verwaltung haben sich gemeinsam bereichert, zum Schaden des Steuerzahlers. Millionensummen flossen bei der Müllabfuhr, bei Baumaßnahmen, bei der Betreuung von Flüchtlingen. (…) Der Zeitpunkt für eine Bewerbung könnte also kaum ungünstiger sein. Noch bevor Roms Wettlauf um Olympia 2024 richtig gestartet ist, steht er schon unter einem schlechten Stern“ (Kleinjung, Tilmann, Olympiabewerbung als Trotzreaktion, in deutschlandfunk.de 20.12.2014).

– Franziskus olympisch? „Die Vatikanischen Gärten könnten nach Ansicht von Kardinal José Saraiva Martins als Wettkampfstätte dienen. Infrage kämen aber nicht nur die Gärten, sondern auch der Park der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo östlich von Rom… Laut Coni-Angaben (italienisches NOK; WZ) könnte zum Beispiel das Bogenschießen auf dem Petersplatz stattfinden“ (SID, Olympia im Vatikan? in SZ 19.12.2014).
Basketball im Petersdom? Beichten für die Olympische Familie in der Sixtinischen Kapelle?

– Französische Politiker warnen vor Paris 2024. Der Bürgermeister von Vincennes, Laurent Lafon und die Senatorin von Paris, Chantal Jouanno, sehen in der Idee von Francois Holland, sich mit Paris 2024 zu bewerben, eine große Gefahr. Im Fall von London 2012 hat sich das Budget von 2005 bis 2012 vervierfacht. Frankreich hat für einen solchen Zweck die Mittel nicht. Die Bewerbung um Olympische Spiele 2024 verschulde Frankreich nur umso mehr. Deshalb fordern die beiden Politiker ihren Präsidenten auf, seine Prioritäten zu überdenken (Candidature de Paris aux JO 2024: l’idée dangereuse de Francois Hollande, in La Tribune 15.12.2014).

– USA werden sich 2024 bewerben. Das nationale Olympische Komitee der USA (USOC) gab bekannt, dass es sich 2024 bewerben wird. Kandidaten sind Boston, Washington, San Francisco und Los Angeles (USA bewerben sich um Sommerspiele 2024, in spiegelonline 17.12.2014). Im Januar 2015 wurde Bostin ausersehen.
Vgl. unter „Aktuelles“: Boston 2024: Privatbewerbung eines Baukonzerns

– Einfach nein sagen. Dave Zirin und Jules Boycoff schrieben dazu einen Beitrag mit dem Titel “Warum San Francisco einfach ‘Nein’ zu den Olympischen Spielen sagen sollte”. Schulden, Vertreibungen, die Militarisierung von öffentlichem Raum und die Gentrifizierung durch Steroide sind für Zirin und Boycoff das, was die Spiele am Austragungsort anrichten. San Francisco sollte sich ein Beispiel an Boston nehmen und seinen Widerstand organisieren. Der America’s Cup 2013 sollte für San Francisco Warnung genug sein: Der Stadt wurden 1,4 Milliarden Dollar Extra-Umsatz versprochen – es wurden 364 Millionen. Von privaten Sponsoren kam statt der projektierten 32 Millionen nur ein Viertel. Die Steuerzahler hatten schließlich 5,5 Millionen Dollar aufzubringen. “Jetzt ist die Zeit gekommen, zu kämpfen, San Francisco. Lasst die Plünderer des internationalen Sports im voraus wissen, dass SF eine mächtige Protesttradition hat, die eingesetzt werden wird, falls die Olympier den Versuch wagen, SF zu ihrem neuen Spielplatz zu machen” (Why San Francisco Should Just Say ‘No’ to the Olympic Games, in thenation.com 3.12.2014; Übersetzung WZ).

– Boston-Widerstand. In CBS warnte Jon Keller vor unbezahlbaren Schulden, da der Bostoner Bürgermeister Marty Walsh äußerte, “es werde keine unbezahlten Schulden geben”. Der Tenor dieser politischen Verstärker hört sich immer gleich an: “Die Planung wird geschickt sein, das Budget solide, die Sponsoren großzügig. Auf keinen Fall werden die unglücklichen Steuerzahler von den Kostenüberschreitungen betroffen. (…) Tut mir leid, Herr Walsh. (…) Ich gebe Ihnen eine gelbe Karte für diese faustdicken Lügen, die Sie erzählen” (Keller, Jon, Boston Olympics Will Leave Plenty Of Unpaid Debts, in cbslocal.com 3.12.2014; Übersetzung WZ).
In Boston ist der Anführer der – privaten – 2024-Befürworter ein schwerreicher Baulöwe.

– Einnahmerekord für IOC. Für den vierjährigen Zyklus Winterspiele Vancouver 2010 und Sommerspiele London 2012 erhielt das IOC 3,14 Milliarden Euro für den Verkauf der TV-Rechte. Für Sotschi 2014 und Rio 2016 wurden 3,35 Milliarden Euro erlöst (SID, IOC meldet neuen Einnahme-Rekord, in sueddeutsche.de 20.12.2014).

– Diktatur Kasachstan ist euphorisch. Der stellvertretende Minister für Sport und Kultur, Tastanbek Yessentayev, lobte in einem Beitrag die helfende Rolle des Sports für die Diktatur Kasachstans: „Wir sollten mit Nachdruck ein positives Image unseres Landes als Welt-Sportmacht erreichen, das Resultat der Austragung großer internationaler Wettbewerbe und der Fernsehübertragungen in andere Länder. (…) Präsident Nursultan Nasarbajew hat persönlich die Bewerbung von Almaty für Olympische Winterspiele veranlasst, und heute ist Kasachstan näher als je zuvor, sie auszutragen. (…) Dank der Olympischen Spiele schafft eine Regierung ein vorteilhaftes Sportimage des Landes und gewinnt internationale Achtung und Anerkennung “ (Yessentayev, Tastanbek, Creating an Image of the Country through Sports, in astanatimes.com 22.12.2014).
Vergleiche: Der Sport ist politisch

– Neues von Putins Sport-Oligarchen. „Am vergangenen Donnerstag (18.12.2014; WZ) behauptete Putin während einer Pressekonferenz, in Russland könne es schon deshalb keine Palastrevolte geben, ‚weil wir keine Paläste haben‘. Nawalny twitterte umgehend Luftaufnahmen der luxuriösen Anwesen von Vertrauten des Kreml-Chefs. Zu sehen sind die ‚Häuser‘ der Brüder Rotenberg, Putins Judo-Kumpels, die mit Staatsaufträgen Milliarden gemacht haben“ (Bidder, Benjamin, Putins Angst vor einem Moskauer Maidan, in spiegelonline 22.12.2014; Hervorhebung WZ). Die Rotenberg-Brüder haben u. a. mit den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi Aufträge über sieben Milliarden Dollar eingeheimst. Wer die Paläste der Rotenbergs am Ende des Spiegel-Artikels besichtigen will: hier
Alexej Nawalny wurde in einem Politprozess am 30.12.2014 von der Putin-Justiz zu dreieinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt, sein Bruder Oleg muss dreieinhalb Jahre ins Straflager. – „Nun wird sein Bruder weggesperrt, wie er selbst Vater zweier kleiner Kinder – doch nie politisch aktiv. (…) Das System lasse sich jetzt auf eine einfache Formel bringen, schrien der Schriftsteller Boris Akunin auf Twitter: ‚Putinismus = Hasenfüßigkeit plus Niedertracht“ (Hans, Julian, Geisel des Staates, in SZ 31.12.2014). Nawalny sagte kurz vor der Urteilsverkündung unter anderem: „Ich werde mich keinem System fügen, das zum Ziel hat, uns alle zu bestehlen. Das ist im wahren Sinn eine Junta. Zwanzig Leute, die zu Milliardären geworden sind, die alles an sich gerissen haben, von den Staatsaufträgen bis zum Ölhandel. Noch einmal tausend ernähren sich an den Trögen dieser Junta. (…) Ein paar Dutzend Gauner beklauen uns jeden Tag. Und wir dulden das“ (Hans, Julian, „Zu viele Menschen starren auf den Tisch“, in SZ 22.12.2014).

– Rio 2016: unappetitlich. In der Guanabara-Bucht vor Rio sollen die olympischen Surf- und Segelwettbewerbe ausgetragen werden. In der Bucht landet das meiste Abwasser von Rio de Janeiro. Die Bucht, so wurde bei der Bewerbung 2009 versichert, werde vor 2016 zu 80 Prozent gereinigt. So gut wie nichts ist geschehen. Der Biologie Mário Moscatelli: „Wenn ich heute über die Guanabara-Bucht fliege, sehe ich, dass von den 44 Hauptzuflüssen noch fünf zu retten sind. Der Rest sind Rinnen aus Müll und Abwasser“ (Upadek, Carsten, Rios olympische Abwasser-Bucht, in deutschlandfunk.de 28.12.2014). – „An drei Stellen im Rio Carioca haben Wissenschaftler der staatlichen Stiftung Oswaldo Cruz Antibiotika-resistente, so genannte ‚Superbakterien‘ gefunden“ (Ebenda).

– Der Verkauf der IAAF-Weltmeisterschaften
Die Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 durch den IAAF an Katar geschah so: “Doha offerierte ein Sponsorenpaket in zweistelliger Millionenhöhe und eine Spende für Kunststoffbahnen zugunsten des IAAF-Entwicklungsprogramms” (Ebenda). Genauer: 30 Millionen Dollar (24 Millionen Euro) kommen von einer Bank aus Katar, die damit IAAF-Sponsor wird. Sieben Millionen Dollar (5,5 Millionen Euro) gehen in das Kunststoffbahn-Programm (Rowbottom, Mike, IAAF claim Doha’s $37 million offer in 2019 World Championship bid was legal and within guidelines, in insidethegames.biz 20.11.2014). – „Die Katarer hatten auf den letzten Drücker auch ein attraktives sogenanntes ‚Incentive‘ – einen nicht nur in der IAAF üblichen Extraanreiz – ausgelobt. Ein auf fünf Jahre angelegtes Sponsoringpaket mit einem Volumen von rund 30 Millionen US-Dollar sowie das Versprechen, Leichtathletik-Entwicklungsländern zehn Tartanbahnen zu stiften. Wer mochte da noch Nein sagen? 15 der 27 Council-Mitglieder jedenfalls nicht“ (Hungermann, Jens, Geld ist eben doch alles, in welt.de 29.11.2014).
– Es bleibt in der (Diack-)Familie. Der wie sein IAAF-Vorgänger Primo Nebiolo (1981 – 1999) inzwischen ähnlich skandalöse IAAF-Präsident Lamine Diack (1999 bis voraussichtlich 2115) freute sich über die Vergabe nach Katar: „Ich bin mir sicher, dass wir in Doha eine wundervolle Ausgabe der Weltmeisterschaft haben werden. (…) Das waren die besten Präsentationen, die wir je hatten“ (Doha to host the 2019 IAAF World Championships, in iaaf.org 18.11.2014). Die WM findet üblicherweise im August statt.
Da ist es heiß, wie man seit der Bewerbung Katars um die Fußball-WM 2022 weiß. Die Sommerhitze kann bis zu 50 Grad C erreichen.
Der Sohn von Lamine Diack, Papa Diack, verhandelt für die IAAF mit Geldgebern und bekommt dafür Provisionen. Helmut Digel: „Seine Agentur hat beste Beziehungen zu Russland, nach China und Korea…“ (Knuth, Johannes, Mölter, Joachim, „Europa darf nicht alleine die Maßstäbe setzen“, in SZ 3.12.2014). Dort fanden die letzten drei IAAF-WM statt.
Vergleiche unter „Aktuelles: Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften

– Schweiz: 128 zu 62 gegen Korruption. 128 zu 62: „Mit einer klaren Mehrheit hat hat sich das Schweizer Parlament dafür ausgesprochen, die Regeln zur Bekämpfung von Geldwäsche und Korruption auf leitende Mitarbeiter internationaler Sportgremien auszudehnen. Auch die Präsidenten des Fußball-Weltverbandes (Fifa), Sepp Blatter und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas  Bach, werden künftig als ‚politisch herausgehobene Persönlichkeiten‘ eingestuft. Damit findet nun auch bei ihnen Anwendung, was für mutmaßliche  Diktatoren schon länger gilt: Schweizer Banken sind verpflichtet, Kontrollmechanismen zur Erkennung illegitimer Finanzpraktiken anzuwenden“ (DPA, Wie Diktatoren, in SZ 15.12.2014). Der Abgeordnete Roland Büchel, der den Antrag eingebracht hatte, erklärte, „Korruptionsskandale in Sportorganisationen mit Sitz in der Schweiz hätten dem Land Schaden zugefügt. Betroffen sind rund 65 in der Schweiz ansässige internationale Sportföderationen“ (Ebenda).

– Handball schlägt Fußball. À propos Schiebungen – ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein in der SZ zum Handball-Pharao Hassan Moustafa: „Denn zumindest, was die Turniergestaltung angeht, findet die Fifa in den Handballern ihren ungekrönten Meister. Derart, wie sich der Ägypter Hassan Moustafa, Präsident des Weltverbandes IHF, sein Teilnehmerfeld hingebogen hat, hätte die Weltöffentlichkeit der Fifa niemals durchgehen lassen. Getroffen hat Moustafas Biegerei viele, bekanntlich auch die Deutschen, die nach verpasster Qualifikation plötzlich eine Wildcard (besser: Freilos) zugesteckt bekamen – mit dem sie jetzt klarkommen wollen“ (Hoeltzenbein, Klaus, Jenseits von Melsungen, in SZ 29.12.2014).

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III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden

– Die DOSB-Einstimmigkeit: viermal 100 Prozent! Am 6.12.2014 fand in Dresden die DOSB-Vollversammlung statt – ohne Überraschungen. Wahl 1: Alfons Hörmann wurde einstimmig (408 Stimmen) zum DOSB-Präsidenten gewählt. Wahl 2: Der DOSB soll sich um Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin bewerben (408 Stimmen). Wahl 3: Der DOSB akzeptiert die neue Struktur mit dem hauptamtlichen Direktorium und ehrenamtlichem Aufsichtsrat (407 Stimmen, eine mutige Gegenstimme). Wahl 4: Der Floorball-Verband Deutschland wird einstimmig als 99. Mitgliedsverband aufgenommen (Deutschland bewirbt sich um Olympia 2024, in spiegelonline 6.12.2014).
Das ZK des DOSB ließ abstimmen: Eine lebendige Demokratie sieht anders aus als diese Wahlergebnisse, die aus Kasachstan oder Aserbaidschan stammen könnten. Raider heißt jetzt Twix, sagt uns die Werbung. Und der bisherige DOSB-Generaldirektor (Michael Vesper) heißt jetzt Geschäftsführender Vorstand (Michael Vesper). Der hatte auch schon bisher Stimmenthaltungen geschweige denn Gegenstimmen nicht gern.
Vgl. auch: Die Sport-Demokratur
Außerdem übernimmt der alte Bekannte Bernhard Schwank beim DOSB den neu geschaffenen Posten eines Vorstands Internationales/Olympiabewerbung (Ebenda).“Schwank, der bei den gescheiterten Münchner Bewerbungen 2018 und 2022 viel Erfahrung gesammelt hat, sei laut Hörmann für die Themen Internationales und Olympiabewerbungen ‚der ideale Kandidat'“ (SID, Tischtennis-Vorstand Schimmelpfennig wird Vorstand Leistungssport beim DOSB, in zeitonline 4.12.2014).
Schwank war schon für München 2018 (vom IOC vernichtend abgewählt) und München 2022 (von der bayerischen Bevölkerung viermal vernichtend abgewählt) verantwortlich. Die Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024 ist sowieso verloren, da sich der Deutsche Fußball-Bund höchst aussichtsreich um die Fußball-EM 2024 bewirbt. Da kann sich Schwank gleich an die Bewerbung 2028 machen.

Jürgen Ahäuser schrieb in der Frankfurter Rundschau: „Jedenfalls kuschelten die 456 Spitzenfunktionäre am Nikolaustag im großen Saal so schön zusammen, dass die Harmoniesucht bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an Parteitage von Alt-Kommunisten erinnerte. (…) Reform des Leistungssports, Umkrempeln der hauptamtlichen Führung des DOSB, Antidoping-Gesetz, Finanzbericht, einschließlich der Erklärungen zur bis kurz vor der Mitgliederversammlung noch umstrittenen Mittelvergabe der Stiftung Deutscher Sport – alles in größter Harmonie per Handzeichen abgenickt“ (Ahäuser, Jürgen, Harmonisches Mittelmaß im DOSB, in fr-online.de 8.12.2014).
Johannes Aumüller stellte in der SZ fest: „Eines ändert sich mit der Strukturreform nicht: die mangelnde Transparenz bei den Bezügen der hauptamtlichen Spitzenfunktionäre. DOSB-Präsident Alfons Hörmann gab sich bei diesem Thema kategorisch: Der Verband könne alles offenlegen, ‚aber wir tun es nicht'“ (Aumüller, Johannes, Vorstand statt General, in SZ 8.12.2014).
Der Spitzenfunktionär Michael Vesper verdiente 2012 laut WDR pro Jahr 270.000 Euro (Zapp, Fischer-Solms kritisiert die DOSB-Pressearbeit, in ndr.de 15.5.2013, 23,20 Uhr; Stelle bei 28.20 Minuten).

– Sportler des Jahres. Am 21.12.2014 ging in Baden-Baden die Ehrung der „Sportler des Jahres“ über die DOSB-Bühne. Christof Kneer war dabei und schrieb in der SZ: „So wie im Kurhaus funktioniert die Sportwelt: In diesem eigenen Kosmos, den sich der Sport zurechtinszeniert und zurechtsendet, hat dann auch jede Art von Logik Platz. In diesem Kosmos darf Thomas Bach, der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), noch einmal unwidersprochen die ‚Spiele der Athleten‘ in Sotschi loben; in dieser Welt darf Alfons Hörmann, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), unwidersprochen behaupten, dass ‚Sport-Deutschland diese Spiele braucht‘ (gemeint ist Olympia 2024); und in dieser Welt darf dann sogar ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ‚die Reinheit und Faszination des Sports‘ loben. Von der Reinheit weiß man zum Beispiel, was der Konkurrenzsender ARD jüngst über die Doping-Umtriebe in Russland berichtete“ (Kneer, Christof, Ein Hoch auf die Bilder, in SZ 23.12.2014).

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IV: Aktuell aus München, Bayern und den Alpen

– Skisport im Klimawandel: Skicross in Val Thorens: abgesagt. Gröden und Alta Badia: Strecken derzeit noch teilweise grasgrün. Weltcup der alpinen Skifahrer im französischen Val d’Isère: abgesagt. Biathlon-IBU-Cup in Martell/Vinschgau: abgesagt. Snowboard Weltcup im Montafon: verschoben. Weltcuprennen auf dem Hochjoch: Abgesagt. Continentalcup in Garmisch-Partenkirchen: abgesagt. Vierschanzentournee gefährdet… Usw. usw.
Ausführlich und immer aktualisiert im Kritischen Olympischen Lexikon: Wintersport im Klimawandel: 2014/2015
Wann sehen die Wintersport-Funktionäre endlich ein, dass die Klimaerwärmung längst eingesetzt hat?

– „Wette aufs Wetter verloren“. Am Sudelfeld musste trotz des Baus eines riesigen Speicherbeckens und Millioneninvestitionen in Beschneiungsanlagen aufgrund warmer Temperaturen der geplante Saisonstart am 5.12.2014 verschoben werden. Der Fraktionschef der Grünen im Bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, stellte dazu fest: „Diese  Wette aufs Wetter haben die Liftbetreiber am Sudelfeld glatt verloren – und das leider wohl nicht zum letzten Mal“ (Wette aufs Wetter glatt verloren, PM 7.12.2014). Daran konnte auch eine von den deutschen Liftbetreibern bestellte Studie einer österreichischen Privatdozentin nichts ändern, in der Deutschlands Skigebieten noch auf Jahrzehnte Schneesicherheit bescheinigt wurde. Hartmann: „Aber der Klimawandel lässt sich auch durch geschönte Statistiken nicht wegdiskutieren“ (Ebenda).

– Einstimmig für Red Bull. Die Vollversammlung des Münchner Stadtrats stimmte einstimmig für den Bau der Red-Bull-Arena im Olympiapark. Nutzer werden der EHC Red Bull München (Eishockey) und der FC Bayern München (Basketball). Damit stimmte der Stadtrat auch für den Abriss der ehemaligen Radsporthalle (Hutter, Dominik, Neue Sporthalle im Olympia-Radstadion, in SZ 18.12.2014). Das Grundstück soll per Erbpacht vergeben werden.
Die Privatisierung des Olympiaparks beginnt.
„Das Rathaus will aber unbedingt auch ausreichend Eisflächen für den Schul- und Breitensport erhalten“ (Hutter, Dominik, Neue Arene für Eishockey und Basketball, in SZ 10.12.2014).
Da steht die Wette, dass dies in kürzester Zeit von den Profivereinen verunmöglicht wird. Und die Stadt ist nicht für den Sachverstand bekannt, sich gegen die Profis durchzusetzen.

– München 1972: White ElephantsDie SZ hat kurz den derzeitigen Stand aufgelistet (Das Erbe der Ringe, in SZ 17.12.2014). Olympiastadion: Seit die Fußballer in die Allianz-Arena  umzogen, finden kaum noch Sportereignisse statt, dafür viele Events. Das Stadioninnere ist asphaltiert, ebenso der Boden des Olympiasees. Soll demnächst für knapp 80 Millionen saniert werden. Ruder-Regatta: Bei der Anlage vergaß man wohl, „dass nicht nur der Ruhm, sondern auch die Bausubstanz bröckelt“ (Ebenda). – „Dass die Anlage als denkmalschutzwürdig eingestuft wird, macht die Lage nicht einfacher, weil Teile der maroden Tribüne und andere Bauten eigentlich abbruchreif sind“ (Ebenda). Olympia-Eisstadion: Stammt aus dem Jahr 1967. Wird demnächst abgerissen, siehe oben. Olympia-Radstadion: „Viel Gelegenheit, ein Radstadion zu sein, hatte das Olympia-Radstadion nicht“ (Ebenda). Sogar das 1972 wieder eingeführte Sechs-Tage-Rennen wurde in der Olympiahalle durchgeführt. Wird demnächst abgerissen, siehe oben. Olympia-Reitstadion Riem: Es wurde nach den Spielen auch zweckentfremdet und machte sich einen Namen als Open-Air-Arena für 30.000 Besucher. Aus Sicherheitsgründen verhängte die Stadt 2012 jedoch ein Konzertverbot“ (Ebenda). Olympiahalle: wird für Mega-Aktionärstreffen oder Rock-Konzerte genutzt. „Zwischen 2007 und 2014 wurden 69 Millionen Euro verbaut“ (Ebenda). Olympia-Schwimmhalle: Wurde von den Stadtwerken übernommen, muss grundlegend saniert werden. „Wie viel das kosten wird, verraten die Stadtwerke noch nicht“ (Ebenda). Rudi-Sedlmayer-Halle: Heißt jetzt Audi Dome. Wird derzeit von den Basketballern des FC Bayern genutzt – bis zu deren Umzug in die Red-Bull-Arena. weitere Nutzung fraglich. Olympia-Schießanlage: Der Bayerische Sportschützenbund übernahm sie zunächst in Erbpacht und kaufte sie 2006 für 1,72 Millionen Euro. Wird nach wie vor für Schießwettbewerbe genutzt.
Das Olympische Erbe von München 1972 ist genauso marode wie anderswo – jede Menge White Elephants. Und es kommt die Stadt teuer zu stehen: In den nächsten Jahren sollen über 400 Millionen Euro in den Olympiapark investiert werden.

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V: Zur DOSB-Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin (vgl. auch hier)

– Olympische Winterspiele 2022 kollidieren mit Fußball-WM 2022 im Winter. „IOC-Präsident Thomas Bach geht davon aus, dass es nicht zu einer terminlichen Kollision der olympischen Winterspiele 2022 mit der Fußball-WM in Qatar kommt.(…) Bach betonte, dass es ‚keine Gewinner‘ gebe, wenn die Olympischen Winterspiele 2022 und die Fußball-WM zusammenfielen. ‚Die Athleten und die Spieler würden die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, nicht bekommen. Auch für alle Sponsoren und Sendeanstalten, die daran beteiligt wären, wäre es sehr, sehr schwierig dies zu handhaben‘, sagte der 60-Jährige“ (dpa, Keine Kollision von Olympia und Fußball-WM 2022, in faz.net 2.12.2014).
Und nun übertragen wir die Situation auf die Olympischen Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin mit der Fußball-EM 2024 in Deutschland: „Die Athleten und die Spieler würden die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, nicht bekommen. Auch für alle Sponsoren und Sendeanstalten, die daran beteiligt wären, wäre es sehr, sehr schwierig dies zu handhaben“.
Völlig irreal, dass beides zusammen stattfinden würde – auch wenn die DOSB-Sportfunktionäre die Kollision bisher vehement abstreiten – zuletzt auf der Mitgliederversammlung am 6.12.2014 in Dresden! Hauptsache, es gibt noch einige Bewerber aus demokratischen Ländern – auch wenn die Bewerbung aussichtslos ist!

DOSB negiert Realtät. Auch auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 6.12.2014 in Dresden hieß es „Volle Kraft voraus“ für das wegen der DFB-Bewerbung um die Fußball-EM 2024 völlig unrealistische Projekt Olympische Sommerspiele 2024: Die Olympiabewerbung 2024 wurde „per Akklamation und ohne jegliche Diskussion abgesegnet“ (Ahäuser, Jürgen, Harmonisches Mittelmaß im DOSB, in fr-online.de 8.12.2014). Jürgen Ahäuser schrieb dazu in der Frankfurter Rundschau: „Doch jenseits der wohl auch durch die beste Bewerbung kaum zu überzeugenden Anhänger der Bewegung NOlympia, hat sich der deutsche Sport selbst einen gravierenden Stolperstein auf dem Weg zu den Spielen 2024 gelegt. Im Sommer in neuneinhalb Jahren sollen nämlich nicht nur Athletinnen und Athleten aus aller Welt um Gold, Silber und Bronze kämpfen, es soll auch Fußball auf allerhöchstem Niveau gespielt werden. Der Deutsche Fußball-Bund bewirbt sich um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024. (…) Es ist bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit die beiden sportlichen Großprojekte (noch) allenthalben angeschoben werden und die Frage „Wer soll das bezahlen?“ bislang umdribbelt wird. Selbst auf relativ schmal getrimmte Sommerspiele werden Milliardensummen verschlingen, und um die eine oder andere Renovierungsmaßnahme unserer Fußballtempel werden wir auch nicht umhinkommen“ (Ahäuser, Jürgen, Überdosis Sport, in fr-online 8.12.2014).

– „Abenteuerliche Argumente“ des DOSB. Johannes Aumüller schrieb in der SZ: „Mit abenteuerlichen Argumenten versucht der Deutsche Olympische Sportbund, die Chancen einer Bewerbung um die Sommerspiele 2024 großzureden. (…) Die Orchestrierung des Themas ist irritierender denn je. Das betrifft in erster Linie die sportpolitischen Eckdaten. Denn die Chancen sind nahe null. (…) In Paragraph 34 (der Olympischen Charta; WZ) heißt es, Ausrichtung und Ablauf der Spiele dürften in keiner Weise von einer anderen Veranstaltung beeinträchtigt werden, die in der Gastgeberstadt oder in ihrer Umgebung stattfindet. (…) Vorstandschef Michael Vesper überraschte mit einer exklusiven Fassung des IOC-Regelwerkes: ‚Die Regel 34 besagt, dass von einer Woche vorher bis einer Woche nach den Spielen kein vergleichbares Ereignis stattfinden darf‘. Eine EM sei üblicherweise im Juni und Juli, Sommerspiele erst in der zweiten August-Hälfte, da sei ausreichend Zeit dazwischen. Allerdings: Solche Zeitangaben finden sich in der Charta nicht (Aumüller, Johannes, Das bisschen Fußball, in SZ 8.12.2014; Hervorhebung WZ).Sponsoren werden eine solche enge zeitliche Überschneidung nicht akzeptieren, die Sicherheitsvorkehrungen wären in der Öffentlichkeit kam zu vermitteln. Außerdem hätte ein Bewerber aus den USA wegen des milliardenschweren TV-Vertrages mit NBC beste Chancen.
DOSB-Präsident Alfons Hörmann will nicht einmal die DOSB-Mitgliederversammlung über den Austragungsort entscheiden lassen. Am 16.3.2015 gibt das DOSB-Präsidium eine Empfehlung heraus, die am 21.3.2015 von den Mitgliedern abgesegnet werden soll. Die Delegierten haben praktisch keine Alternative. Hörmann: „Wir können keinem Mitgliedsverband verbieten, Anträge zu stellen. Ob das dann sinnvoll ist, ist etwas anderes“ (Ebenda).
So funktioniert sie, die Sport-Demokratur.

Nicole Vrenegor: Augen auf beim Olympia-Kauf – „Warum Hamburg sich nicht auf Olympische Ausmaße mästen lassen sollte”. Zum Diskussionsbeitrag in der Zeitung des Winterhude-Eppendorfer Turnvereins von 1880: hier

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VI: Allgemeine Nachrichten

– Südkorea lehnt Formel 1 ab. Ohne Wissen der südkoreanischen Organisatoren hat der Motorsport-Weltverband FIA am 3.12.2014 Südkorea als 21. Saisonrennen in den Terminplan aufgenommen, obwohl die Südkoreaner ihre Schwierigkeiten der FIA mitgeteilt hatten. „Die Organisatoren in Südkorea leiden unter den ausufernden Kosten für das Rennen. Zwischen 2010 und 2013 wurde ein Verlust von etwa 170 Millionen Euro eingefahren“ (SID, Südkorea will keine Formel 1, in SZ 5.12.2014). Damit findet kein Lauf in Südkorea statt. (Zu Pyeongchang 2022 siehe unter 1).

– Eiszeit im Eisschnelllauf… „In den Niederlanden, der mit Abstand größten und wichtigsten Nation im weltweiten Eisschnelllauf, ziehen immer mehr Sportler und Trainer einen Boykott der EM in Tscheljabinsk (10. und 11. Januar) in Erwägung. (…) Wohl kaum ein Land außer der Ukraine steht Russland in der weltpolitischen Krise unversöhnlicher gegenüber als die Niederlande. Von den 298 Todesopfern, die der weltweit geächtete Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 im Juli über der Ukraine gefordert hat, stammten 192 aus den Niederlanden. (…) Ohne niederländische Läufer wäre die EM am Ural eine Veranstaltung zweiter Klasse. Im Februar hatten die Oranje-Stars bei der Olympia-Show in Sotschi acht Gold-, sieben Silber- und acht Bronzemedaillen abgeräumt“ (Oranje droht mit EM-Boykott, in sueddeutsche.de 10.12.2014; vgl. auch Fischer, Sebastian, Flug MH17 noch im Kopf, in SZ 11.12.2014). Umgehend forderte Andrej Wahutin, der Vizepräsident des Eisschnelllauf-Verbandes RSU, vom internationalen Eisschnelllauf-Verband ISU den Ausschluss des niederländischen Teams: „Ich weiß nicht, wie die Entscheidung der ISU nach der Meldung der Athleten sein wird. Aber nach diesen Worten denke ich, muss über einen Ausschluss gesprochen werden“ (Ebenda). – Der niederländische Eisschnelllaufverband KNSB knickte ein: „Wie der Weltverband ISU sei auch der KNSB der Ansicht, dass man Sport und Politik nicht vermengen sollte, sagte KNSB-Sportdirektor Arie Koops“ (DPA, Niederländer debattieren, in SZ 13.12.2014).

– Formel 1 in Katar?
Zuerst hatte Bahrain einen Formel-1-Kurs – und sich von Bernie Ecclestone ein Vetorecht für weitere Kurse in der Nachbarschaft einräumen lassen. Dann verständigte sich Bahrain mit Abu Dhabi auf einen weiteren Formel-1-Grand Prix in der Gegend. Nun will – natürlich – auch Katar einen Formel-1-Kurs bauen. Im Dezember 2014 scheiterte dies am Veto Bahrains – zum Bedauern von Ecclestone (dpa, Bahrein und Abu Dhabi gegen Qatar, in faz.net 12.12.2014).
Wie viele überflüssige und ausgemusterte Formel-1-Kurse gibt es eigentlich weltweit schon?

– Antrag von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag: „Für verbindliche politische Regeln im internationalen Sport – Menschenrechte achten, Umwelt schützen, Korruption bekämpfen“ (Drucksache 18/3556, 17.12.2014).

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VII: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.

– Putin, der Emir von Katar und andere. „Offenbar haben Reporter der Sunday Times weit mehr Belastungsmaterial über die korruptionsverdächtigen WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 aufgetrieben als die Fifa-Ethikchefs Michael Garcia und Hans-Joachim Eckert. Das britische Blatt berichtete am Sonntag über angebliche Bestechungsversuche vor allem der Russland-Werber und stützt sich dabei auf eine Datenbank der England-2018-Bewerber“ (Kistner, Thomas, Wenn Putin mit dem Emir…, in SZ 1.12.2014). Schon die Times hatte im Juni 2014 Details enthüllt; Garcia beendete just an diesem Tag seine Untersuchung und lehnte das Angebot ab, Einsicht zu nehmen, da ihm alles längst bekannt sei (Ebenda). „Die Times berichtet auch über Verdachtsmomente gegen Katar. Die Erdgasindustrie habe, in Verbindung mit den Russen, Voten über bilaterale Handelsabkommen zu sichern versucht. Ein gemeinsames Gasförderprojekt auf der sibirischen Halbinsel Yamal in dem Kontext habe Putin mit dem Emir direkt besprochen“ (Ebenda). Auch Sepp Blatter kommt in der Times vor: Russlands damaliger Ministerpräsident Putin „soll mit Petersburger Politadjutanten in den Bewerb eingegriffen und sogar mit Fifa-Chef Sepp Blatter um Stimmen lobbyiert haben. Zu Blatter erhebt die Times, die zudem über ‚Millionen Dokumente‘ aus Computern des asiatischen Fußballverbandes verfügen will, weitere schwere Vorwürfe. So heißt es in der Parlamentseingabe, Blatter verdiene mit an der Verbindung der Fifa mit Großkonzernen“ (Ebenda).

– 1,5 Millionen Dollar für ein Fifa-Exekutivmitglied? Die frühere Pressesprecherin der Bewerbung Katar 2022 und jetzige Whistleblowerin Phaedra Almadji, berichtete dem Fifa-Chefermittler Michael Garcia über die Bestechung eines afrikanischen Exekutivmitgliedes der Fifa durch einen Katarer mit einer Million Dollar. Der Fifa-Mann sagte: „Ah, eine Million Dollar … warum nicht eineinhalb Millionen“ (Informantin beschuldigt Katar der Bestechung, in sueddeutsche.de 9.12.2014). Für diese Summe lief der Deal dann – auch mit zwei weiteren afrikanischen Fußball-Funktionären. „Damals hätten in einer Hotel-Lobby in Angolas Hauptstadt Luanda drei Übergaben von Geldkoffern stattgefunden“ (SID, Übergabe in Luanda, in SZ 10.12.2014). Almadji beklagte sich über Hans-Joachim Eckert: „Er hat mich dem Löwen zum Fraß vorgeworfen, indem er mich in dem Report identifizierbar gemacht hat“ (Ebenda).

– Krim-Klubs doch ab 1.1.2015 suspendiert. Die Uefa „hat den Klubs der von Russland annektierten Halbinsel Krim die Teilnahme an russischen Wettbewerben verboten. Der Beschluss gilt vom 1. Januar 2015 an. Zudem darf der russische Verband (RFU) keine Wettbewerbe auf der Krim ohne Erlaubnis der Uefa und des ukrainischen Verbandes organisieren“ (dpa, Krim-Klubs nicht zu Russland, in SZ 5.12.2014).

– Knickt die Fifa vor dem Frauenprotest ein? Im Beitrag „Der Fifa-Geld-Kunstrasen“ wird die gerichtliche Klage von 61 Fußball-Nationalspielerinnen gegen den von der Fifa geplanten Kunstrasen bei der Frauen-Fußball-WM 2015 in Kanada beschrieben. Nun deuten sich Änderungen an. „Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke bemühte sich bei Hintergrundtreffen in Ottawa, die um die Klage entstandene Unruhe bei den Delegationen zu beruhigen. Die WM 2019, um die sich Frankreich und Südkorea bewerben, werde ‚auf alle Fälle auf Rasen gespielt‘, sagte Valcke“ (Steinbichler, Katrin, Warmspielen in Ottawa, in SZ 8.12.2014).

– Frankfurter Sport-Ausverkauf. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat zum Schnäppchenpreis 15 Hektar in Frankfurt-Niederrad auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn in Erbpacht erworben: für seine neue Zentrale. Das verantwortliche Architekturbüro ist der Sportpalast-Architekt und Frankfurter Albert Speer mit seinem Büro Albert Speer & Partner (Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Die Sportpalast-Architekten). Das bedeutet 15.000 Quadratmeter Grund auf 99 Jahre für 6,835 Millionen Euro (Leppert, Georg, Letzter Aufgalopp, in fr-online.de 13.10.2014). „Kritik und Vorwürfe an den DFB und die Stadt Frankfurt aber gibt es weiter. Einer lautet, dass die Stadt das Areal auf der Rennbahn unter Wert an den DFB vergeben habe. (DFB-Generalsekretär Helmut) Sandrock wehrt sich dagegen und sagt: ‚Es waren immer faire Verhandlungen mit der Stadt, aber uns wurde nichts geschenkt‘ (Wittershagen, Michael, Ashelm, Michael, „Fort Knox in Frankfurt“, in faz.net 10.12.2014). Von wegen nichts geschenkt: Das ist ein richtiges Schnäppchen: Pro Quadratmeter für gerade einmal 0,38 Cent im Monat. Sogar das Frankfurter Revisionsamt rügte (Leppert 13.10.2014).
Und 7000 Quadratmeter der ehemaligen DFB-Zentrale werden frei – an der Otto-Fleck-Schneise. Wie praktisch: „Denn auch andere Sportorganisationen könnten in einigen Jahren als Mieter oder Käufer in Frage kommen, schließlich sind schon jetzt verschiedene Verbände an der Otto-Fleck-Schneise untergebracht. Dazu zählen der Deutsche Olympische Sportbund, die Stiftung Deutsche Sporthilfe, Landessportbund Hessen, Deutsche Volleyball-Verband oder der Deutsche Motorsport Verband. Auch das Sportmedizinische Institut und der Olympiastützpunkt Hessen sind dort zu Hause“ (Wittershagen, Ashelm 10.12.2014).
Eine richtige Sport-Idylle…

– Michael Garcia zurückgetreten. Fifa-Chefermittler Garcia trat am 17.12.2014 von seinem Amt als Fifa-Chefermittler zurück, nachdem der Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission, Domenico Scala, Garcias Einspruch gegen das Eckert-Urteil zurückgewiesen hatte (Fifa-Exekutive stimmt für Veröffentlichung des Garcia-Reports, in spiegelonline 19.12.2014). „Weil es im Weltverband einen Führungsmangel gebe, weil sein Vertrauen in die Unabhängigkeit der rechtssprechenden Kammer verloren gegangen sei – weil er alle Hoffnung auf den Willen zur Aufklärung in der Fifa aufgegeben habe“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Rücktritt mit Attacke, in sueddeutsche.de 17.12.2014). Grund war die Entscheidung der Fifa-Berufungskommission, Garcias Einspruch gegen das Urteil von Hans Joachim Eckert, dem Leiter der rechtssprechenden Kammer, zurückzuweisen. Eckert hatte Sepp Blatter zum honorigen Mann und die Vergabe der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an Katar als sauber erklärt. Die Berufungskommission wertete Eckerts Stellungnahme als „freiwillig erteilte persönliche Meinung“ und nicht als Urteil, wiewohl Sepp Blatter nach Eckerts Statement vom November 2014 die Ermittlungen als abgeschlossen bezeichnet hatte (Ebenda). Garcias abschließendes Urteil über die Fifa: „Keine unabhängige Regierungskommission, kein Ermittler und kein Schiedsgericht kann die Kultur einer Organisation ändern“ (Ebenda). – „Blatter, seit 1998 Präsident, zuvor seit 1981 Generalsekretär, ist die Frucht dieser Kultur. Er wird diese nicht mehr antasten. (…) Die Fifa braucht keine Gläubigen und keine Wähler. Sie sitzt auf einem Produkt, das so gut wie unzerstörbar ist. Die Fifa braucht bloß Fußballspieler und Fußballfans“ (Esslinger, Detlev, Wähler, Gläubige, Fußballfans, in SZ 22.12.2014).
Und Fernsehanstalten, die dieses anrüchige Fußballgeschehen für sehr viel Geld übertragen wollen.

Fifa-Exekutive möchte Garcia-Bericht veröffentlicht sehen. Am 19.12.2014 sprach sich die im Luxusort Marrakesch im Fünf-Sterne-Hotel La Mamounia tagende Fifa-Exekutive für die Veröffentlichung aus. Ob es dazu kommt, ist höchst fraglich. Fifa-Präsident Sepp Blatter: „Wir werden die Abstimmung für 2018 und 2022 nicht revidieren“ (Fifa-Exekutive stimmt für Veröffentlichung des Garcia-Reports, in spiegelonline 19.12.2014). Blatter zählt für seine Wiederwahl 2015 auf ein uneiniges Uefa-Europa und rechnet mit Spanien, Italien, Türkei, Moldau, Litauen, Lettland, Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Russland und Norwegen (Kramer, Jörg, Wulzinger, Michael, Alle gegen Sepp, in Der Spiegel 49/1.12.2014). Und nun darf ausgerechnet der Blatter-Getreue Hans-Joachim Eckert den Garcia-Bericht bearbeiten und entscheiden, was – wann? – veröffentlicht und was geschwärzt wird (May, Philipp, Die Fifa-Farce, in deutschlandfunk.de 27.12.2014).

– Blatters Spiel auf Zeit. Der Rücktritt von Chefermittler Michael Garcia hatte für die Fifa ein erbärmliches Presseecho. Plötzlich war der ewige Blatter doch bereit, den Garcia-Report zu veröffentlichen: „Wir waren immer entschlossen, die Wahrheit muss ans Licht“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Blatters Kehrtwende, in SZ 20.12.2014). Nur wann und wie? Und was wird geschwärzt? Und da die Fifa – vorsorglich? – eine Anzeige „gegen Unbekannt“ bei der Schweizer Bundesanwaltschaft eingereicht hat, wird alles dauern – vermutlich über den 29. Mai 2015 hinaus. Da will sich Blatter das fünfte Mal zum Fifa-Präsidenten küren lassen. Der Schweizer Nationalrat Roland Büchel zu Blatters Spiel auf Zeit: „Blatter war immer ein gewiefter Taktiker. Für solche Zeitverzögerungsaktionen kriegt man auf dem Spielfeld die gelbe Karte“ (Ebenda).

– Aus einem Kommentar von Thomas Kistner in der SZ zum Vorsitzenden der rechtsprechenden Fifa-Kammer, Hans-Joachim Eckert: „Bei Blatter-Versteher Eckert hat sich die Ethik-Regelkunde in eine Geheimwissenschaft verwandelt, die niemand versteht. (…) Weil er Fragen schafft, wo es Klarheit braucht, und weil er aus Garcias Schritt auch eigene Schlüsse zu ziehen hat, sollte Eckert zurücktreten“ (Kistner, Thomas, Blatter und seine Richter, in SZ 19.12.2014).

Thomas Kistner zum selben Thema im Deutschlandfunk: „Ein Gutachter ist der deutsche Sportjurist Martin Nolte, der zweite ein Züricher Sportrechtler – den die FIFA aber nicht beim Namen nennt. Das ist bizarr: Gibt es da etwas zu verstecken? Kein Wunder, dass die FIFA-Gutachter Eckerts milde Sichtweise teilen. Sie stören sich auch nicht an der absurden Geschichte der russischen WM-Bewerber. Die wollen ihre Kandidatur, Putins Milliardenprojekt, über geliehene Computer gelenkt haben – und die sind nach Rückgabe an den Besitzer leider, leider zerstört worden. Daher gibt es kaum Daten zu den siegreichen Russen. Wer solche Stories glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann“ (Kistner, Thomas, Wie die Fifa ihre trübe Vergangenheit zudeckt, in deutschlandfunk.de 21.12.2014).

„Wie der FC Bayern das System stützt“. So lautete der Artikel von Detlef Esslinger in der SZ. Textprobe: „Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern, hat am Wochenende unfreiwillig erklärt, warum Blatter so ungefährdet ist, dass er sogar vor einer weiteren Amtszeit an der Spitze der Fifa steht. (Rummenigge würde ihn, wie die meisten seiner deutschen Kollegen, gerne loswerden.) Im ZDF-Sportstudio beklagte Rummenigge zunächst den Mangel an Demokratie und Transparenz in der Fifa, wurde dann aber gefragt, warum der FC Bayern denn erneut sein Wintertrainingslager im sinistren Katar aufschlagen wird. Weil dort die sportlichen Bedingungen die besten seien, antwortete er. So ist das beim Fußball generell: Sofern der Ball schön läuft, ist letztlich alles andere egal“ (Esslinger, Detlef, in SZ 22.12.2014; vgl. auch Januar 2015: Der FCB lässt sich von Doha freihalten).

– Bayern-Arena wächst. Von derzeit 71.168 Besucherplätzen soll die FC Bayern-Arena in Fröttmaning auf 75.000 Plätze erweitert werden. Die U 6 zum Stadion ist derzeit bereits an der Grenze der Belastung.  Die benachbarten Wohnviertel werden zugeparkt. Ein im Auftrag des FC Bayern erstelltes Gutachten kam bei TOP-Spielen zu einer Lösung mit Shuttle-Bussen ab Donnersberger Brücke – die derzeit kaum angenommen wird (Stefan Mühleisen, Schön gerechnet, in SZ 18.12.2014;: ders. Die Arena wächst auf 75.000 Plätze, in SZ 18.12.2014).

– Krim-Annektierung kein Fehler. Der Organisationschef der Fußball-WM 2018 in Russland, Alexej Sorokin, wurde im Spiegel-Interview gefragt: „Kürzlich präsentierte Ihr Organisationskomitee das WM-Logo auf der Fassade des Bolschoi-Theaters in Moskau. Dabei wurde eine Landkarte der Russischen Föderation eingeblendet, mit der Krim als Teil des Landes. Im Ausland war das ein Skandal. Bedauern Sie den Fehler?“ Sorokin: „Fehler? Wieso Fehler?“ (Eberl, Lukas, Schepp, Mathias, „Wir haben edle Motive“ in Der Spiegel 51/15.12.2014).

– Neues von Katar-Sport. Nach einem Bericht im Guardian starb 2014 alle zwei Tage ein nepalesischer Arbeiter auf den Baustellen der Fußball-WM 2022 in Katar, obwohl die Regierung versprochen hatte, die Bedingungen zu verbessern (Gibson, Owen, Pattisson, Pete, Cup workers revealed, in The Guardian 23.12.2014). Die nepalesische Behörde für Auslandsbeschäftigung teilte mit, dass 157 Arbeiter zwischen Januar und Mitte November 2014 umkamen (im Vergleichszeitraum 2013: 188). 67 starben durch plötzlichen Herzstillstand, acht durch Herzanfall. 2012 und 2013 starben insgesamt 964 Arbeiter aus Nepal, Indien und Bangladesch. Menschenrechtsorganisationen klagten Katar an, selbst die bescheidensten Reformen zu verhindern. Katar selbst hatte Anfang 2014 bei der Anwaltskanzlei DLA Piper eine Untersuchung in Auftrag gegeben. DLA Piper empfahl, die Todesfälle von einer unabhängigen Kommission untersuchen zu lassen. „Das Emirat versprach zudem, das Kafala-System zu reformieren. Doch selbst diese minimalen Reformen wurden bis heute nicht umgesetzt, kritisiert Amnesty International“ (Teevs, Christian, Die Katastrophe von Katar, in spiegelonline 24.12.2014; Hervorhebung WZ).
Hauptursache der Todesfälle sind die langen Arbeitszeiten bei hohen Temperaturen um die 50 Grad Celsius. Nicholas McGeehan von Human Rights Watch, äußerte: „Wir wissen, dass Menschen, die lange Zeit bei hohen Temperaturen arbeiten, höchst anfällig für tödliche Hitzschläge werden, und deshalb ist es offensichtlich, dass diese Zahlen weiter Alarm auslösen“ (Guardian 23.12.2014). Das in Katar praktizierte Kafala-System bindet die Arbeiter an die Länge ihres Arbeitsvertrages, der oft bis zu fünf Jahren betragen kann. In Katar arbeiten 1,4 Millionen ausländische Arbeiter, darunter 400.000 Nepalesen auf den Baustellen, die mit umgerechnet rund 175 Milliarden Euro veranschlagt werden. Ein Arbeiter verdient mit Zulagen zwischen 192 und etwa 440 Euro im Monat (Steinberger, Karin, Irre, in SZ 12.7.2014).

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VIII: Sport-Millionen und -Millionäre

– 2014: 30 Milliarden Euro aus Fernsehrechten. Laut TVSM Global Report 2015 betrug die Gesamtsumme der Fernsehrechte für Sportübertragungen im Jahr 2014 36,8 Mrd. Dollar – rund 28,8 Mrd. Euro. Das ist seit 2010 ein Anstieg um 34 Prozent. „Bis 2017 wird ein weiterer Anstieg um 21 Prozent auf rund 44,5 Milliarden Dollar (35,9 Milliarden Euro) erwartet“ (SID, Fernsehrechte für Sport erlösten 2014 fast 30 Milliarden Euro, in zeitonline 10.12.2014).
Mit den TV-Milliarden werden Brot und Spiele finanziert…

– Deutscher Ryder-Cup – auf ein Neues. Unklar ist – auch hier -, ob mit Hamburg oder Berlin. „Neuerdings ist Golf olympisch. Doch einen 18-Loch-Platz, der höchsten internationalen Standards gerecht wird, gibt es weder in Berlin noch in Hamburg, sondern etwa in Valley am Tegernsee; der ist seit Dienstag aber aus dem Rennen. in Berlin würde in Groß Kienitz eine Anlage vom Reißbrett entstehen, in Hamburg würde das bestehende Gut Kaden wohl komplett umgebaut. Beides ist teuer und geht nur mit Investoren“ (Catuogno, Claudio, Schön clever, schön doof, in SZ 10.12.2014).

– Fahren ohne Führerschein für 540.000 Euro. Der Fußballer Marco Reuss (Borussia Dortmund) wurde beim Autofahren mit einem gefälschten holländischen Führerschein in einem Sportwagen der Marke Aston-Martin erwischt. „Die Staatsanwaltschaft berechnete bei Reus ein Netto-Monatseinkommen von 180.000 Euro als Grundlage und verurteilte den Fußball-Profi zu 90 Tagessätzen“ („Falsch abgebogen“ – für 540.000 Euro, in SZ 19.12.2014).

– Zwei Milliarden für die LA Clippers. Soviel bezahlte der ehemalige Chef von Microsoft, Steve Ballmer, im August 2014 für den Basketballverein aus Los Angeles. Der neue Trainer Doc Rivers verdient über 50 Millionen Dollar in fünf Jahren (Schmieder, Jürgen, Milliardär als Maskottchen, in SZ 29.12.2014).

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IX: Der totalitäre Sport-Terminkalender
Im Kritischen Olympischen Lexikon: hier

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X: Doping-News

Siehe hierzu auch die Doping-Hintergründe von Cycling4fans: hier und Aktuelle Doping-Meldungen hier
und die Webseite der Doping-Opfer-Hilfe: hier

– Kasachstan-Doping-Sport. Für Kasachstan fahren zwei Radteams – Astana Pro Team (mit Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali) und das Nachwuchsteam Astana Continental Team (inzwischen aufgelöst). „Am 11. September wird bekannt, dass Walentin Iglinsky am 11. August positiv auf EPO war. Am 2. Oktober wird bekannt, dass Iglinskys älterer, ungleich erfolgreicherer Bruder Maxim am 1. August positiv auf EPO war – wenige Tage nach dem Ende der Tour de France, die er an der Seite des Siegers Vincenzo Nibali absolviert hatte. Am 16. Oktober wird bekannt, dass Ilja Dawidenok am 27. August positiv auf ein anaboles Steroid war. Am 19. November wird bekannt, dass Wiktor Okischew am 29. Mai positiv auf ein anaboles Steroid war. Am 27. November wird bekannt, dass Artur Fedossejew am 16. August positiv auf ein anaboles Steroid war. (…). Alle fünf sind bei Astana angestellt. Zwei von ihnen als Leistungsträger im World-Tour-Team, drei von ihnen als Hoffnungsträger im Pro-Continental-Team, einer Art Nachwuchsschmiede, wie sie sich ambitionierte Teams zunehmend leisten“ (Gertsch, Christoph, Hört doch auf! in nzz.ch 2.12.2014). 
Der Manager beider Astana Teams ist der kasachische Ex-Radrennfahrer Alexander Winokurow. Er wurde 2007 des Blutdopings überführt und gewann 2012 bei London 2012 Olympiagold. Winokurow behauptete, es seien alles Einzeltäter und war sich sicher, dass das Astana-Team für die World Tour der UCI zugelassen würde (Vinokourov suspends Astana Continental Team, in cyclingnews.com 27.11.2014; SID, Nibali bleibt Astana treu, in SZ 29.11.2014; SID, Wieder Doping bei Astana, in SZ 20.11.2014). „Astana ist quasi ein kasachisches Staatsprojekt, der Chef unterhält beste Beziehungen zum Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Das Geld ist kein Problem“ (Gertsch 2.12.2014). – „Die Tageszeitung Gazzetta dello Sport veröffentlichte am Mittwoch eine Liste von 38 Radprofis, die in den Jahren 2010 und 2011angeblich engen Kontakt zum italienischen Dopingarzt Michele Ferrari hatten. Darunter befinden sich 17 Astana-Profis, allen voran der heutige Teammanager Alexander Winokurow“ (SID, Freie Fahrt, in SZ 11.12.2014). Die Staatsanwaltschaft Padua präsentierte 550 Seiten Ermittlungsergebnisse, nach Angaben der Gazzetta dello Sport auch mit Fotos von Winokurow und Ferrari im Astana-Trainingslager (Umstrittenes Astana-Team bekommt Lizenz, in SZ 10.12.2014). – „Alles andere als ein Entzug würde die Rhetorik von der veränderten Anti-Doping-Einstellung schnell entlarven“ (Aumüller, Johannes, Ein Puzzle für Dreijährige, in SZ 9.12.2014). Doch genau das Gegenteil geschah.

– „Auf Bewährung“. Am 10.12.2014 erteilte der Internationale Radsportverband UCI dem Astana-Rennstall die Lizenz für die „World Tour“. UCI-Präsident Brian Cookson spielte den Oberlehrer: „Die Situation bleibt überaus ernst. Astana fährt ganz klar auf Bewährung, wir werden die Situation genau verfolgen“ (Aumüller, Johannes, Weiterfahren auf Bewährung, in SZ 12.12.2014). Der britische Radrennfahrer Peter Kennaugh empörte sich: „Was dieser Sport für eine Lachnummer sein kann! Die sauberen Fahrer müssen zusammenstehen und diese Betrüger rausdrängen!“ (Ebenda).
Rückblende: Brian Cookson wurde am 27.9.2013 zum Präsidenten des Weltradsport-Verbandes UCI als Nachfolger des skandal-umtosten Pat McQuaid gewählt. „Cooksons größtes Problem ist ein Verbündeter: Igor Makarow. Der 51-jährige Milliardär ist Eigentümer des ProTour-Teams Katjuscha, Chef des russischen Verbandes, Mitglied des UCI-Management-Komitees und – ganz nebenbei – mit seinem Konzern Itera offizieller Sponsor des Kontinentalverbands UEC. Als Wahlkampfhelfer ist der im Gasgeschäft reich gewordene Oligarch mit guten Beziehungen zum Kreml nicht zimperlich“ (Hettfleisch 25.9.2013). Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob die dopingbedingte Sperre des Katjuscha-Rennstalls vom Dezember 2012 am 15.2.2013 auf (SZ 16.2.2013; spiegelonline 15.2.2013). Ein möglicher Grund für die Lizenzerteilung: “Manche vermuten daher auch sportpolitische Motive, beispielsweise werden dem russischen Oligarchen Igor Makarow, der mit seinem Geld hinter Katjuscha steht, Ambitionen auf internationale Posten nachgesagt” (SZ 16.2.2013).
Vergleiche auch: Hein Verbruggen, Pat McQuaid und die UCI: hier; Oligarchen-Sport; Makarow, Igor

– 700 Opfer meldeten sich bislang beim Doping-Opfer-Hilfe-Verein. Bei der DOH-Beratungsstelle haben sich 700 Doping-Geschädigte des DDR-Sports gemeldet; die Vorsitzende Ines Geipel rechnet mit 2000 Geschädigten. Der DOH fordert eine Opferrente von 200 Euro im Monat (dpa, 700 Geschädigte, in SZ 2.12.2014; Fischer, Sebastian, Spätfolgen des Sports, in SZ 2.12.2014). Bei einer Diskussionsrunde der Grünen Bundestagsfraktion berichteten die Betroffenen über ihre Erfahrungen: „… von Unwissenheit, von erschütternden Recherchen über die eigene Vergangenheit, von Testosteron-Doping im Kindesalter. Und: von zerstörten Nieren, Tumoren, Herzfehlern, Depressionen, Lebensgefahr“ (Fischer 2.12.2014).

– Staatsdoping in Westdeutschland. „An der Sporttraumatologischen Spezialambulanz in Freiburg wurde laut BMI mit dessen Fördergeldern das Wachstumshormon Genotropin angeschafft. Das geht aus internen Vermerken in BMI-Unterlagen hervor, die die ARD-Sportschau und die WDR-Sendung Sport Inside im Zuge einer Recherche eingesehen haben. Das BMI selbst hielt im Jahr 1999 den markanten Vorgang um den Leiter der Spezialambulanz, Armin Klümper, fest. In einem Vermerk heißt es, ‚dass Klümper nachweislich im Jahre 1992 für circa 9000 DM aus Fördermitteln des BMI Genotropin angeschafft und wohl verabreicht hat‘. (…) Insgesamt, so geht aus den eingesehenen BMI-Unterlagen hervor, unterstützte das Ministerium Klümpers Sporttraumatologie zwischen 1980 und 1996 mit 1,2 Millionen Mark. Die Fördermittel für die Spezialambulanz flossen über den damaligen Deutschen Sportbund (DSB) ohne konkrete Zweckbestimmung zum Verein ‚Bundesleistungszentrum Freiburg-Herzogenhorn e.V.'“ (Gulde, Georg, Freiburger Sportmedizin: Bund finanzierte einst Dopingmittel, in badische-zeitung.de 2.12.2014).

– WDR-Film „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“ von Hajo Seppelt
Ausführlich unter „Aktuelles“: hier

IBU-Vizepräsident schickt Sohn zu Dottore Epo. Der Italiener Gottlieb Taschler ist Organisationschef des Biathlon-Weltcups in Antholz und wurde im September 2014 als Vizepräsident der Internationalen Biathlon-Union IBU wiedergewählt. Wie die Staatsanwaltschaft Padua ermittelte, vermittelte Taschler 2010 seinen Sohn Daniel Taschler, einen mäßig erfolgreichen Biathleten, an Dottore Epo, Michele Ferrari. Gottlieb Taschler sagte zur Südtiroler Tageszeitung: „Es ging um ein medizinisches Problem meines Sohnes, nicht um Doping“ (Mölter, Joachim, Der Arztbesuch des Sohnes, in SZ 12.12.2014; ders., Nichts wissen, nichts sagen, in SZ 13.12.2014). Gottfried Taschler ist auch Vizepräsident Sport der IBU (Spur im Biathlon, in SZ 11.12.2014).
Ferrari wurde wegen Sportbetrugs und Verstoßes gegen Anti-Doping-Gesetze angeklagt und ist von der Anti-Doping-Agentur der USA, der Usada, im Zusammenhang mit Lance Armstrong lebenslang gesperrt worden. „Man darf gespannt sein, warum er seinen Sohn nicht zu einem Facharzt schickte, sondern ausgerechnet mit Michele Ferrari zusammenbrachte“ (Ebenda). Die Gazzetta dello Sport hat Abhörprotokolle, in denen Ferrari mit Daniel Taschler die Dosis („immer 1000“) und die Spritzmethode („in die Vene“) bespricht („In die Vene?“ – „In die Vene“, in SZ 12.12.2014).
Die Staatsanwaltschaft Padua ermittelt gegen Ferrari als Mitglied einer 30-köpfigen Bande, die mit systematischem Doping 30 Millionen Euro umgesetzt hat, wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche (Mölter 12.12.2014). Die IBU hielt sich völlig bedeckt. Ihre Generalsekretärin Nicole Resch: „Wir äußern uns nicht zu dem Fall, wir warten auf die Fakten“ (Mölter, Joachim, Nichts wissen, nichts sagen, in SZ 13.12.2014). Im Interview Mitte Januar 2015 mit dem ZDF entbehrte Taschler nicht eines gewissen Witzes: „In meinem Amt kennt man viele Personen, die alle irgendetwas nebenbei machen. Deshalb kann ich ihn ja trotzdem um Rat fragen“ (SID, DPA, Taschler: Nur ärztlicher Rat, in SZ 23.1.2015).
Ferrari ist im „Nebenberuf“ Dr. Epo. Oder war es der Hauptberuf?

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XI: Die Sportsender ARD/ZDF

– ARD und ZDF übertragen Handball-WM in Katar nicht. Mit einer willkürlich vom Internationalen Handball-Verband IHF und seinem Präsidenten Hassan Moustafa gewährten „Wild Card“ hat sich der Deutsche Handballbund – mit 800.000 Mitgliedern der größte Handball-Verband der Welt – für die WM 2015 in Katar „qualifiziert“. Nun wird die WM nicht in den deutschen Sendern ARD und ZDF übertragen. Der Rechteinhaber, der katarische TV-Sender BeIn Sports, eine Tochter von al-Jazeera, hat von der IHF die TV-Rechte für rund 81 Millionen Euro erworben (bzw. damit Katar als Austragungsland eingekauft). BeIn Sports wollte die TV-Bilder nur verschlüsselt senden, damit waren ARD und ZDF nicht einverstanden (Eggers, Erik, ARD und ZDF verzichten auf Übertragung, in spiegelonline 2.12.2014). Grund ist die Reichweite der Übertragungssignale: ARD und ZDF wollten die WM wie ihr anderes Programm auch in andere Länder, z. B. in Ferienhotels am Mittelmeer, senden (Mölter, Joachim, Verlustgeschäft für alle, in SZ 3.12.2014). Eventuell sollte Sportdeutschland.tv einspringen: Das ist das Internetportal des DOSB (WM im Internet, in SZ 6.12.2014). Schließlich überträgt der Pay-TV-Sportsender Sky das komplette Turnier mit 88 Spielen vom 15.1.-1.2.2015. Der Preis für die Fernsehrechte ist unbekannt (DPA, Doch WM-Bilder, in SZ 30.12.2014).

– Große Bitte an kritische Sport- und investigative Journalisten:
Für die Zukunft eines besseren Sports und einer sinnvolleren Verwendung der öffentlich-rechtlichen Gebühren-Millionen wäre es wichtig, die fragwürdige Kooperation zwischen den Vertretern der gierigen Sportfunktionäre und den willfährigen Vertretern der öffentlich-rechtlichen Sportsender aufzudecken. Vermutlich ist es ein kleiner Kreis immer gleicher Personen, die Jahr für Jahr die Preisspirale für die TV-Sportübertragungen in die Höhe treiben. Bitte aufdecken!


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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