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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Oktober 2015

 
Zuletzt geändert am 11.01.2016 @ 15:51

Webseite-Besucher
Im September 2015 besuchten 29.985 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite. Von Februar 2010 bis einschließlich September 2015 hatten wir damit 1.364.638 Besucher: Wir bedanken uns für das nach wie vor anhaltende Interesse.

Neu unter “Aktuelles”:
Fußball-WM 2006: Blatters WM-Kabinett 2000 – und was daraus wurde (21.10.2015); Leichtathletik-WM 2015 in Peking (21.8.2015; wurde aktualisiert); Fifa-Kongress Mai 2015 und Folgen (4.6.2015 bis 10.10.2015); Hamburg 2024: Keine Bürgerbefragung!; Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen; Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?; Berliner Senat ist nicht Charlie; Boston 2024: Privatbewerbung eines Baukonzerns; Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften
2015 neu im Kritischen Olympischen Lexikon:
23.7.2015: Eurosport; 20.6.2015 (aktualisiert 19.7.2015): Aserbaidschan-Sport; 21.5.2015: Beilschmidt, Rolf; 25.1.2015 Aktualisiert nach Pechstein-Urteil: Court of Arbitration for Sport (Cas); 20.1.2015: DFB gegen Galopprennbahn; 19.1.2015: Afrika-Cup 2015; 19.1.2015: Handball-WM 2015; 17.1.2015: Deripaska, Oleg; 7.1.2015: Gazprom-NTW; 1.1.2015: Totalitärer Sport-Terminkalender
Laufend aktualisiert:
Hamburg-Berlin 2024 – Zur deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024: bis Juni 2014: hier; 7-8/2014: hier; 9-10/2014: hier; 11/2014 – 3/2015: hier. Ab April 2015 “Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024″ in der laufenden Chronologie unter IV.
Gazprom-Chronik – Was ein Gaskonzern und Sport, Oligarchen und Putin miteinander zu tun haben. Gazprom-Chronik (1) bis 31.12.2012: hier; Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier; Gazprom-Chronik (3) ab 9/2014: hier; Gazprom-Chronik (4) ab 11/2014: hier

Studie von Sylvia Hamberger und Axel Doering: Der gekaufte Winter – Eine Bilanz der künstlichen Beschneiung in den Alpen (22.4.2015)
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In eigener Sache
Ich bemühe mich meinerseits, korrekt zu zitieren und Quellen anzugeben. Umgekehrt wäre es fair, wenn auch die Nolympia-Webseite als Quelle in den Artikeln von Journalisten angegeben wird. Tut eh niemand.
Dr. Wolfgang Zängl

Die Gliederung im September 2015 sieht so aus:
I: Zitate des Monats
II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden
III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden
IV: Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024
V: Allgemeine Nachrichten
VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.
VII: Sport-Millionen und -Millionäre
VIII: Totalitärer Sport-Terminkalender
IX: Doping-News
X: Die Sportsender ARD/ZDF
XI: Überraschungspunkt: IOC = Fifa

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I: Zitate des Monats

Claudio Catuogno in der SZ: „Das Dopingkontrollsystem ist vor allem Blendwerk fürs Publikum, leicht zu umgehen. Der Spitzensport ist eine globale Muskelindustrie, ein Illusionstheater, an dem viele verdienen“ (Catuogno, Claudio, Kaputt, in SZ 2.10.2015).

Der Schweizer Historiker Walter Aeschimann zu den Fifa-Skandalen: „Ist ein Maß an Dekadenz erreicht, brechen Systeme in sich zusammen. Das gilt auch für den Weltsport und seine Verbände wie die Fifa (Aeschimann, Walter, Eine große Lüge, in nzz.ch 7.10.2015).

DOSB-Präsident Alfons Hörmann zum Finanzreport Hamburg 2024: „Mehr Klarheit braucht ein Bürger aus Hamburg nicht“ (DPA, Hörmann sieht Hamburger ausreichend über Olympia informiert, in zeit.de 14.10.2015).
Wieder einmal ein echter Hörmann!

Peter B. Birrer zum Sommermärchen-Märchen in nzz.ch: „Für keine WM würde man mehr die Hand ins Feuer legen. Es ist, als ginge ein System Konkurs“ (Birrer, Peter B., Die Fußball-Krise erreicht Europa, in nzz.ch 16.10.2015).

Thomas Kistner in der SZ über den Fall, dass die Vorwürfe im Spiegel gegen die WM-Vergabe zutreffen: „Dann wird das Sommermärchen, das man der Welt bis heute stolz als Geburtsstunde eines weltoffenen, gastfreundlichen Deutschland in Erinnerung ruft, künftig noch ein Ansehen in der Welt haben wie ein Dieselauto von VW“ (Kistner, Thomas, Das Fußballgeschäft – eine bizarre Parallelwelt, in sueddeutsche.de 16.10.2015).

Evi Simeoni in der FAZ zum DFB-Skandal: „Selbst der Verstand von Staatschefs und Industriekapitänen trägt angesichts eines berühmten Kickers oft kurze Hosen“ (Simeoni, Evi, Jetzt ist Niersbach dran, in faz.net 16.10.2015).
Und eine Bundeskanzlerin besucht bei der Fußball-WM 2010 und 2014 die Umkleidekabinen der deutschen Mannschaft…

Der frühere DLV-Präsident und langjähriges Mitglied des IAAF-Councils, Helmut Digel zum Doping in der Leichtathletik: „Die einzelnen Disziplinen des Laufens, Springens und Werfens haben jeweils ihr eigenes Doping-Problem. Wir stehen dem ohnmächtig gegenüber und singen nach außen hin das Hohelied der Leichtathletik. Ich muss konstatieren, dass ich zwei Jahrzehnte lang Teil einer Heuchelei war“ (Reinsch, Michael, „Ich war zwei Jahrzehnte Teil einer Heuchelei“, in faz.net 20.10.2015).

DOSB-Präsident Alfons Hörmann zu der Frage, dass die Hamburger Bürger bei Hamburg 2024 wissen müssten, wer was bezahlt: „Selbstverständlich wäre es schön, wenn da Klarheit wäre. Aber notwendig ist es nicht“ (Widmann, Marc, „Der Weg ist richtig“, in zeit.de 24.10.2015).

Lothar Müller in der SZ: „Der DFB ist der Fifa-Welt um Sepp Blatter nähergerückt, und das ist eine Welt nahe am Abgrund, nahe am Untergang“ (Müller, Lothar, Too big to fail, in SZ 24.10.2015).

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II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden

– Vorolympische Sicherheit in Rio. An der Copacabana wird selektiert: „An den Wochenenden werden jetzt öffentliche Buslinien, welche die Armenviertel im Norden mit der reichen Südzone verbinden, umgeleitet“ (Herrmann, Boris, Operation Sommer, in SZ 12.10.2015). Rios Bürgermeister Eduardo Paes sieht dies als präventive Maßnahme. „Im Hinblick auf Olympia im kommenden Jahr will er sich keine weitere Sicherheitsdebatte leisten. Menschenrechtler kritisieren, dass die Politik von Paes vor allem darin besteht, die Armut zu kriminalisieren, anstatt ihre Ursache zu bekämpfen“ (Ebenda). Die Bewegung „Coletivo Papo Reto“ setzt sich für freien Strandzugang ein und organisiert Demos und Konzerte. „Bei einer Veranstaltung am Wochenende in Ipanema kreiste ein Polizei-Hubschrauber um die Bühne, stets die Waffen auf den Sprecher gerichtet“ (Ebenda).
So also sieht die „olympische Friedensbewegung“ in Wirklichkeit aus.

– Tiroler Geschäfte mit Peking 2022. „Eine Delegation von Tiroler Unternehmen bot in dieser Woche den chinesischen Verantwortlichen ihr Know-how für die Planung und den Bau des alpinen Skizentrums an. (…) Die Innsbrucker Bellutti Planen lieferten unter anderem Startnummern für die vergangenen vier Winterspiele. Tiroler Rohre hat für Sotschi Rohre für die Beschneiungsanlagen geliefert. Leitner ist bereits mit Liftanlagen und über die Töchter Prinoth und DemacLenko mit Pistenfahrzeugen und Beschneiungsanlagen in China vertreten“ (Eckerieder, Stefan, Olympia 2022 als Turbo für Tiroler Firmen, in tt.com 16.10.2015).

– „Betrüger will Chef werden“: So betitelte Claudio Catuogno in der SZ die Präsidenten-Kandidatur im Eislauf-Weltverband ISU des französischen Verbandschefs Didier Gailhaguet. „… bei Olympia 2002 in Salt Lake City zwang Gailhaguet die französische Wertungsrichterin, im Paarlaufen das russische Duo an Rang eins zu setzen. Im Gegenzug wurde im Eistanzen das französische Paar zum Sieger gekürt – mit russischer Hilfe. Die Sache flog auf, Gailhaguet wurde verbannt und für drei Jahre gesperrt, der Kufensport schlitterte in seine größte Krise (…) Dass der verstoßene Obermanipulator 2007 bei der Wahl zum französischen Verbandschef auf Anhieb wieder eine Mehrheit bekam, hat ihn selbst am meisten überrascht. Dass er jetzt als erster Bewerber seine Kandidatur für die neue ISU-Spitze bekannt gegeben hat, dass er über den Sport herrschen will, den er einst beinahe im Alleingang vernichtet hätte – das taugt geradezu als Lehrstück dafür, wie es so läuft in diesem Glitzerbetrieb. Der Sport sucht nach Leuten, die etwas geleistet haben – und am Ende landet er immer wieder bei jenen, die sich etwas geleistet haben“ (Catuogno, Claudio, Betrüger will Chef werden, in sueddeutsche.de 19.10.2015).

– Auch ein „olympisches Erbe“: der Londoner Arcelor Mittal Orbit Tower. Der Aussichtsturm wurde für den Olympischen Park, London 2012 konzipiert und hat den britischen Steuerzahler 3,1 Millionen Pfund an Zuschüssen gekostet. Nun hat der Abgeordnete Len Duvall nachgerechnet und fand heraus, dass der Turm in der Saison 2014/2015 rund 520.000 Pfund Verlust gemacht hat – also 10.000 Pfund pro Woche (Gani, Aisha, Olympic Parc’s Orbit tower costing taxpayer £ 10,000 a week, in thegardian.com 20.10.2015).

– Bach und Putin gegen politische Sport-Boykotte. Am 21.10.2015 trafen sich 150 Olympier aus 120 Ländern zum „World Olympic Forum“ in Moskau. IOC-Präsident und Ex-Fechter Thomas Bach eröffnete es und sprach sich in Gedenken an die olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau, wo er nicht antreten durfte, gegen politische Boykotte aus: „Ich wusste, wenn die Führer der Welt auf die Athleten gehört hätten, dann hätte dieser Boykott nie stattgefunden“. Zumal der ja auch angeblich die Autonomie des Sports gefährdete. Wladimir Putin forderte von der UN eine Resolution zur „Ent-Politisierung“ des Sports (Back in Russia, Bach speaks out against political boycotts, in usatoday.com 21.10.2015).
Das neue sportpolitische Traumpaar: Bach-IOC und Putin-Russland – ein totalitärer Herrscher in Russland und ein totalitärer Herrscher im IOC. Wer hat denn den Sport für seine politischen Zwecke missbraucht: Sotschi 2014, Formel 1, Fußball-WM 2018 etc.?  Also, Putin-Russland: ruhig die Krim annektieren, in die Ostukraine einfallen und den hunderttausendfachen Massenmörder Assad in Syrien unterstützen: Boykotte kommen vom Bach-IOC mit Sicherheit nicht. Deshalb wurde Bach ja IOC-Präsident.
Vergleiche dazu: Totalitärer Sport-Terminkalender

– Kein alpiner Abfahrtslauf mehr? Olympische Winterspiele 2022 in Peking bzw. in der Skiregion von Yanqing: Da fehlt nicht nur das Wasser für die Schneekanonen, sondern auch der Berg für den Abfahrtslauf. denn die von der FIS vorgeschriebene Fallhöhe ist zu gering. Deshalb fragt sich die Liechtensteiner Abfahrerin Tina Weirather: „Wir sollten nicht darüber diskutieren, ob wir auf die Abfahrt verzichten, sondern warum wir Winterspiele in ein Gebiet geben, in dem es keine Strecke gibt“ (Dreis, Achim, Die Abfahrer gehen ab, in faz.net 24.10.2015). Das IOC argumentierte bei Pyeongchang 2018 und Peking 2022, es erschließe „neue Märkte“. Der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, Wolfgang Maier, dazu: „Den Käse hören wir jetzt wieder“ (Ebenda).

– Jon Pult, Sozialdemokratische Partei (SP), gegen Graubünden 2026. „90 Großräte und nun leider auch die Bündner Regierung verschließen die Augen vor der Realität“ (Pult, Jon, PM Zwängerei gegen den Volkswillen, in SP, Kanton Graubünden, 26.10.2015). Zu den Bewerbungen 2022 schrieb Pult: „Alle Bewerbungen aus demokratischen Staaten für die Spiele 2022 wurden von der Bevölkerung oder auf deren Druck zurückgezogen (St. Moritz, Barcelona, München, Stockholm, Krakau, Oslo). Warum? Weil das IOC ein höchst unglaubwürdiger und finanziell untragbarer Partner ist – etwa gleich glaubwürdig wie die Fifa, bei der endlich alles am Auffliegen ist“ (Ebenda). Dazu Stefan Grass vom Komitee Olympiakritisches Graubünden: „Wenn es tatsächlich zu einer Schweizer Kandidatur kommt, sind wir bereit“ (Waser, Norbert, „Kein Allheilmittel, aber eine Option“, in Bündner Tagblatt 27.10.2015).

Internationale Sportverbände erfüllen demokratische Standards nicht. Die Organisation Play the Game veröffentlichte eine Analyse der 35 Olympischen Sportverbände: „Sports Governance Observer 2015“ und stellte sie bei der Veröffentlichung der Internationalen Konferenz „Play the Game“ am 25.10.2015 in Aarhus vor. Nicht nur die Fifa verfehlt grundsätzliche Normen der Demokratie, Transparenz und Verantwortlichkeit. Die Mehrzahl der Sportverbände hat keine Zeitbeschränkung für die Wiederwahl von gewählten Funktionären, keine öffentlichen Informationen über Rechenschaft und Tätigkeiten, keine Integritätsprüfung ihrer Leiter, keine Offenlegung von Gehältern und Begünstigungen und keine tatsächlichen internen Kontrollmechanismen wie z.B. eine unabhängige Ethik- und Rechnungsprüfungs-Kommission. Der Bericht stellt u. a. fest: – dass nur vier von 35 Verbänden ein Vorschlagskommitee haben, das Integrität und berufliche Tests prüft; – nur zwölf Verbände veröffentlichen extern geprüfte Finanzberichte auf ihrer Webseite, nur sechs veröffentlichen Informationen über Vermögenswerte und Einnahmen; – sechs Verbände haben klare Interessenskonflikte; – in keinem einzigen Verband entspricht die Nominierung der Kandidaten transparenten und objektiven Bedingungen; zwölf Verbände haben keine Ethikkommission… (New report shows need for fundamental reform across all international sport, in playthegame.org 25.10.2015; zum Report: hier).

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III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden

– Kein Parallelslalom 2016. Der Parallelslalom am 1.1.2016 findet weder in München noch in Garmisch-Partenkirchen statt. Das entschieden FIS und DSV am 2.10.2015. 2017 soll er wieder stattfinden – dann vielleicht in Wien, nach dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Schloss Schönbrunn. Der Österreichische Skiverband mit seinem Präsidenten Peter Schröcksnadel „schielt schon länger auf den Parallelslalom am attraktiven Neujahrstag“ (Effern, Heiner, Viele offene Fragen, in SZ 1.10.2015). Gleichzeitig drängte der Vorsitzende des SC Garmisch, Peter Fischer, auf „Aussagen der Politik pro Weltcup, pro 1. Januar und einer neuen Bewerbung für eine Ski-Weltmeisterschaft 2023“ (Reinbold, Peter, Das Herz sagt ja, der Verstand sagt nein, in merkur.de 4.10.2015). Und die hochverschuldete Gemeinde Garmisch-Partenkirchen? „Dass eine neuerliche Bewerbung für eine Ski-WM Sinn macht, darüber besteht in der heimischen Wirtschaft Konsens. (…) Die Erkenntnis scheint sich im Gemeinderat durchzusetzen, dass der Rotstift nicht bei den Sportgroßereignissen angesetzt werden sollte“ (Ebenda).
Zur Erinnerung: Die Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen erforderte Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe und verschärfte das Schuldenproblem des Ortes noch weiter. Der DSV zog mit einem Gewinn von fünf Millionen Euro von dannen. Schon der Verlauf der damaligen WM wäre fast der Klimaerwärmung zum Opfer gefallen. Und dann eine Ski-WM 2023, also zwölf Jahre später…

Hörmann (1): Flüchtlinge. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht im Hamburger Referendum am 29.11.2015 eine Herausforderung, die „insbesondere unter dem Aspekt der Flüchtlingskrise noch einmal etwas schwerer zu finden ist“ (Aumüller, Johannes, Fifa und Flüchtlinge, in sueddeutsche.de 30.9.2015). Die Flüchtlingsproblematik komme „zur absoluten Unzeit, was das Thema Olympia anbelangt“ (Ebenda). – „Richtig ist wohl umgekehrt: Die olympische Bewerbung kommt gerade zur absoluten Unzeit“ (Burghardt, Peter, Schöne Schimäre, in SZ 9.10.2015).
Vielleicht baut Hörmann auch einfach schon mal vor, falls das Referendum nicht in seinem Sinn  ausgeht?
Hörmann möchte aber auch „das eine mit dem anderen wirkungsvoll“ vereinen: „So wie man derzeit hilfebedürftige Menschen aufnehme, wolle man ‚2024 Athletinnen und Athleten sowie die weltweite Sportfamilie willkommen heißen“ (Olympia 2024 in Gefahr: Flüchtlingskrise „zur absoluten Unzeit“, in mopo.de 1.10.2015).
Einfach schön…

Hörmann (2): DOSB mag nicht für Doping-Opfer zahlen. Ende September 2015 verkündete das Bundesinnenministerium (BMI), dass es 10,5 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt zur Linderung der Not der Opfer des DDR-Zwangsdopings zur Verfügung stellen wird (Hecker, Anno, Druck für den Sport, in faz.net 4.10.2015). Die Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe-Vereins, Ines Geipel, war dankbar für den Vorstoß des BMI, wies aber darauf hin, dass die Einmalzahlung an etwa 1.000 Opfer für jeden 10.500 Euro ausmachten: Das reiche in der Regel nicht einmal für Medikamente und Reha-Maßnahmen (Aumüller, Johannes, Der Sport gibt nichts, in SZ 6.10.2015).
Der Parlamentarische Staatssekretär, Ole Schröder, forderte den DOSB auf, dieselbe Summe zur Verfügung zu stellen. „Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, sagte im DLF, hierbei könne es sich nur um ein Missverständnis handeln. (…) Im Idealfall solle die Summe aus einem allgemeinen Topf von Sportgeldern vom BMI entnommen werden. ‚Von einem 20-Millionenbedarf war nie die Rede‘, sagte Hörmann“ (May, Philipp, DOSB-Präsident Hörmann: „Ein Missverständnis“, in deutschlandfunk.,de 3.10.2014). – Ole Schröder hatte diese Forderung in seinem Interview gestellt. Hörmann mit der Arroganz seines Amtsvorgängers Thomas Bach: „Ich hab mir noch nicht die Mühe gemacht, das anzuhören“ (Aumüller 6.10.2015). Zu den 10,5 Millionen Euro aus dem Bundesministerium des Inneren sagte Hörmann: „Das ist Geld, das dem Sport an anderer Stelle fehlt“ (Ebenda). Hörmann argumentierte auch, dass der Sport gar keine eigenen Mittel habe. „Dass sich der DOSB gerade einen Neubau über 25 Millionen Euro leistet, den er zur Hälfte selbst finanziert, sieht Hörmann aufgrund seines Finanzierungsmodells nicht als Widerspruch“ (Ebenda).
Da bietet sich doch angesichts der Frankfurter Nassauereien die Forderung an, sämtliche staatliche Subventionen an den Sp(r)itzensport sofort einzustellen.

– „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Der Satz von Lenin gilt erst recht für den DOSB. Dessen Vorstandsmitglied für den Leistungssport, Dirk Schimmelpfennig, will noch weit mehr Kontrolle über die einzelnen Sportverbände: „Der DOSB möchte „auch stärkeren Einfluss auf konkrete Personalien bei den Verbänden nehmen. Das beginnt für Schimmelpfennig schon bei den Sportdirektoren“ (Aumüller, Johannes, Mehr Macht für die Zentrale, in SZ 8.10.2015). Beim Curling- und beim Eisschnelllauf-Verband wurden die Posten der Sportdirektoren unter dem Einfluss des DOSB neu besetzt. Laut Schimmelpfennig soll es nun auch einen Anspruch geben „auf mehr Durchgriffsmöglichkeiten, aber auch auf die Besetzung einzelner konkreter Trainerstellen“ (Ebenda). Für die Sport-Spitzenverbände bedeutete dies noch mehr Macht in der Hand der olympischen Zentrale, des DOSB und seines autoritär regierenden Vorstandsvorsitzenden Michael Vesper. Angeblich sollen die Eingriffe in Absprache mit dem Bundesministerium des Inneren und seines Medaillen-hungrigen Ministers Thomas de Maizière erfolgen – des Ministeriums, das ja auch die dreistelligen Millionenbeträge für den Spitzensport beim DOSB abliefert. „Aber mache Verbandsvertreter stellen im Gegenzug die Frage, warum es für die Verhandlungen über Geld, Ziele und Personal überhaupt des DOSBs bedarf – und ob sich das nicht direkt mit dem Innenministerium klären lässt“ (Ebenda).
Weil sich der DOSB seit 2006, der Zwangsvereinigung des DSB und des NOK, unter seinem damaligen Präsidenten Thomas Bach als Schalt- und Schnittstelle für die Macht und das Geld im Sport aufgebaut hat: Und jetzt geht die Zentralisierung noch weiter. 

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IV: Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024

– Keine Kostenaufstellung, aber Wundertüten und Metamorphosen. Am 1.10.2015 stellten Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) und Oberbaudirektor Jörn Walter den „Masterplan“ für Hamburg 2024 vor. „Zu den Kosten äußerten sich beide nicht. ‚Das Finanzkonzept wird alsbald die Öffentlichkeit erreichen‘, sagte Stapelfeldt“ (Olympia-Plan steht – nur das Preisschild fehlt, in ndr.de 1.10.2015). Der Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024, Nikolaus Hill, öffnete die olympische Wundertüte und versprach die Modernisierung und Barrierefreiheit vieler Schul- und Vereinssportstätten in allen Bezirken (Ebenda). Der Umbau des Kleinen Grasbrooks soll von privaten Bauherrn finanziert werden. Olympische Metamorphosen: Im Stadionmantel des Olympiastadions würden 400 Wohnungen eingebaut, die 60.000 Sitzplätze würden auf 20.000 reduziert, die Olympiahalle würde zum Kreuzfahrtterminal, die Olympiaschwimmhalle zum Sport- und Freizeitbad (Ebenda). Zu den steigenden Kosten durch die Flüchtlingsströme sagte Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher, diese seien schon im Haushalt eingeplant (Kreuzer, Heinz Peter, Kritik für Hamburgs Finanzplan, in deutschlandfunk.de 10.10.2015).
Jetzt, im Oktober 2015, sind die Kosten für Flüchtlinge also schon bis 2024 im Haushalt eingeplant!

– de Maizière kann beides. Der Bundes-Sportinnenminister Thomas de Maizière kann beides – die Fußball-EM 2024 in Deutschland und die Olympischen Sommerspiele 2024 in Hamburg. „Wir können beides. Ich glaube nicht, dass sich das gegenseitig ausschließt“ (Kipp, Almut, Was kosten Olympische Spiele in Hamburg? in welt.de 7.10.2015).
Seid umschlungen, Milliarden Euro…

– Olaf Scholz instrumentalisiert Flüchtlingsproblematik. Scholz sagte Anfang Oktober: „Wir brauchen den olympischen Boom, um ihnen eine Perspektive zu schaffen“ (Heike, Frank, Hamburg plant Olympia als Bundesjugendspiele, in tagesspiegel.de 8.10.2015).
Vulgo: Ohne Olympische Spiele kann den Flüchtlingen nicht geholfen werden. Keine Begründung ist absurd genug…

– Hamburg 2024 kostet 11,2 Milliarden Euro – oder mehr. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und der Chef der Senatskanzlei, Christoph Krupp, stellten am 8.10.2015 den Finanzreport für Hamburg 2024 vor. Den Ausgaben von 11,2 Milliarden Euro stehen Einnahmen von 3,8 Milliarden Euro gegenüber: bleiben 7,4 Milliarden Euro, die der Steuerzahler tragen müsste (Olympia in Hamburg kostet 11,2 Milliarden Euro, in welt.de 8.10.2015). 1,2 Milliarden Euro will Hamburg übernehmen. „Neue Schulden dürfen die Kommunen laut Gesetz ohnehin bald keine mehr machen. Die restlichen 6,2 Milliarden Euro müsste der Bund übernehmen, also jeder Steuerzahler. ‚Dieses ist die am besten durchgerechnete Bewerbung, nicht nur Deutschlands – ever‘, sagt der SPD-Mann. Die Zahlen seien inklusive Inflation, Risikozuschlägen und weiteren Sicherheiten so bemessen, dass man sie ‚eher unterschreiten als übertreffen‘ werde“ (Burghardt, Peter, Inklusive Inflation, in SZ 9.10.2015). Zum Finanzreport: hier
Hahaha. Hamburg 2024 wäre allerdings erst in neun Jahren: Da laufen noch viele Kostensteigerungen die Elbe hinunter …
Hamburg will nach dem Zuschlag 2017 jährlich 200 Millionen Euro zur Seite legen – insgesamt also 1,4 Milliarden Euro, die anscheinend nirgends groß abgehen. Der Bund soll mindestens sechs Milliarden Euro beisteuern (Ebenda). In Kiel, wo die olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen werden sollen, rechnet Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) mit Kosten von rund 250 Millionen Euro. Allein der Umbau des Hafenbeckens kostet 123 Millionen Euro (Eberts, Carsten, Der 7,4-Milliarden-Euro-Plan, in sueddeutsche.de 8.10.2015).
Peter Burghardt
dazu in der SZ: „Gewöhnlich sind Veranstaltungen dieser Größenordnung erheblich teurer als im ersten Moment vermutet. Gerade die Sporthistorie kennt die abstrusesten Beispiele. Außerdem hat Hamburg seine Erfahrung mit dem Konzertpalast namens Elbphilharmonie, die zwar immerhin vor dem Berliner Flughafen eröffnet wird, voraussichtlich im Januar 2017, aber zehnmal so viel kostet wie zunächst geplant. Nach jüngster Schätzung 789 Millionen Euro. Daran ist Scholz weitgehend schuldlos, dennoch muss der populäre Profi mit Hochrechnungen für noch wesentlich größere Umbauten vorsichtig sein, das weiß er selbst. Es geht bei der Idee mit dem Sportfest auch um seinen Ruf als verlässlicher Manager. Nüchtern bleiben müsse man da, er sei ‚begeistert, nicht euphorisch‘. (…) Ansonsten ist da noch das Problem mit der HSH Nordbank. Bis zu zehn Milliarden Euro könnte deren Debakel Hamburg kosten. Das wären 12,7 Elbphilharmonien oder 40,3 Millionen Flüchtlinge, wie die Zeit ermittelte.  Oder 1,35 Mal Olympia“ (Burghardt, Peter, Inklusive Inflation, in SZ 9.10.2015).

– Ein Beispiel für Milchbubenrechnung Hamburg 2024: Sicherheitskosten. Bei London 2012 lagen die Sicherheitskosten bei 1,7 Milliarden Euro. Hamburg 2024 – zwölf Jahre später – kommt laut Finanzkonzept mit 461,12 Millionen Euro aus (S. 85). Warum? Die Kostenberechner verfügen über eine große Prognosesicherheit und „gehen von grundsätzlich friedlich verlaufenden Spielen 2024 in unserer Stadt aus“ (S. 80). – „Die Ansätze orientieren sich durchgängig an den oben formulierten Grunderwartungen, dass Hamburg friedliche und von größeren Störungen unbehelligte Olympische und Paralympische Spiele erleben darf“ (S. 85)
Oh heilige Einfalt!
– „Eigene Personalkosten werden in die Berechnungen nur in Anteilen aufgenommen“ (S. 81).
Vermutlich lautet das „Argument“, dass die Beamten ja sowieso bezahlt werden müssen.
– „Hamburg geht davon aus, dass die Olympischen und Paralympischen Spiele als ein gesamtdeutsches Ereignis klassifiziert sind und deshalb der Bund und die einbezogenen Länder für Einsatzkräfte und Einsatzmaterial keine Kostenerstattung erwarten“ (SA. 82; dito). – „Der Personalkostenaufwand für die landeseigenen Kräfte umfasst auch hier lediglich die Kosten für Verpflegung und für den Ausgleich anfallender Mehrarbeit“ (S. 84).
Die selbe olympische Milchbubenrechnung wurde bei der Bewerbung München 2018 um Olympische Winterspiele gemacht: Dort schlug die Sicherheit gerade einmal mit 33 Millionen Euro – für private Sicherheitsdienste – zu Buch, obwohl die Sicherheitskosten für Vancouver 2010 bei mindestens 700 Millionen Euro lagen.
Der Beauftragte Sicherheit von Hamburg 2024, Gerhard Ruschmeyer, ist sich ganz sicher, dass die Hamburger Veranstalter „solche Ausrichtungen wie London es gezeigt hat, mit Militär im Hafen oder Raketen auf den Dächern, auf gar keinen Fall benötigen“ (Reese, Jonas, Hamburgs knapp berechnetes Sicherheitsbudget, in deutschlandfunk.de 11.10.2015). Passten in London bis zu 89.000 Polizisten aus, sollen in Hamburg weniger als ein Viertel ausreichen. Sicherheitsbeauftragter Ruschmeyer: „Wir haben geplant, dass wir bis zu 2.500 Mitarbeiter, Polizei zeitgleich im Einsatz haben, und wenn man das auf den Tag jeweils auslegt, dann kommen wir auf die Zahl von 10.000 Unterstützungskräften. Und zur Bezahlung des Personals haben wir uns festgelegt, dass die Personalkosten jeweils nicht berechnet werden“ (Ebenda). Dagegen Dennis Pauschinger, Sicherheitsexperte für Sportgroßereignisse: „Was auffällig am Hamburger Sicherheitskonzept ist, dass die Terrorabwehr nur am Rande erwähnt wird. Und das verwundert, weil olympische Sicherheit seit vielen Jahren miteingebettet ist im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Das hat seinen Anfang genommen seit 1972 München aber dann nochmal einen Schub bekommen seit dem 11. September 2001. Und Sozialwissenschaftler sprechen eben darüber, dass Sicherheit zu einem integrierten Teil des olympischen Rituals geworden ist“ (Ebenda).

– Aus einem Kommentar von Dennis Pauschinger in playthegame.org: „Die Planer haben eine olympische Utopie geschaffen. Ziemlich unwahrscheinlich im Zeitalter der olympischen Sicherheit nach dem 11. September 2001. Trotzdem behaupten die Hamburger Offiziellen, dass die neuen Olympischen Spiele nachhaltig sein werden, ein wirkliches Erbe hinterlassen, das erste klima-neutrale Event sein und einen bescheidenen Hamburger Anstrich haben werden – Versprechen, die von anderen Gastgeberstädten nie gehalten wurden. (…) Ein detaillierter Blick auf jene, die hinter den Hamburger Plänen stehen, könnte erhellend sein. Die Allianz der Unterstützer besteht auf einer weiten Spanne von wichtigen Wirtschaftsvertretern. Anführer dieser Allianz ist Hamburgs mächtige Handelskammer, die ein Prozent der Bewerbungsgesellschaft hält. Alexander Otto, der Vorstand und Eigentümer der ECE Investment-Gruppe (Einkaufspassagen), brachte Millionen auf, um die Kampagne zu unterstützen. Ein Team von Werbeprofis der wichtigsten Hamburger Werbeagenturen sind verantwortlich für die jeweiligen Bereiche, in denen die Stadt dekoriert wird. Öffentliche Verkehrsmittel, öffentliche Gesellschaften, Banken und Supermarktketten verbreiten die Bewerbungsideen und verwenden die ‚Feuer-und-Flamme‘-Symbole, wo immer es geht. Das Planungsteam ist aus weltbekannten Gesellschaften gebildet worden wie KCAP, gmp international, Arup Group London, AS&P neben anderen. Albert Speer, der auch für die Fußballstadien Katar 2022 verantwortlich zeichnet, leitet das AS&P Architekturbüro“ (Pauschinger, Dennis, Olympic Games reloaded? in playthegame.org 13.10.2013). Arup Group London ist ein Ingenieurbüro; KCAP Architects hat Büros in Rotterdam, Zürich, Schanghai. Pauschinger verwies auch darauf, dass Hamburg an keinem Punkt auf die hohe Anzahl potenzieller Risiken hinwies, die eine olympische Bewerbung für die Bewerberstadt mit sich bringen kann.

– Kritik an Hamburgs Finanzplan.
Die Partei Die Linke kritisiert, dass die vorgestellten Zahlen vage sind und Risiken fehlen. „Der Bericht klärt zum Beispiel nicht, welche Hafenbetriebe wie und zu welchen Kosten verlagert werden“ (PM Olympia: „Wahre Zahlen gibt es erst nach dem Referendum“, in linksfraktion-hamburg.de 8.10.2015). Die Frage, ob Hamburg ein Drittel und der Bund zwei Drittel aufbringen soll, wird erst im Februar 2016 geklärt – drei Monate nach dem Referendum am 29.11.2015.
Volksinitiative Stop Olympia: „Am 29. November 2015 werden wir also über die Katze im Sack abstimmen müssen“ (Die Zahlen sind da! in www.stopolympia.de 8.10.2015). 352 Millionen Euro werden für Grundstückserlöse für die OlympiaCity veranschlagt, von lokalen Sponsoren werden 1,1 Milliarden Euro erwartet. Olaf Scholz äußert, ohne Olympia keine OlympiaCity. „Wir fragen: Wofür braucht Hamburg eigentlich einen Stadtteil auf dem Kleinen Grasbrook mitten im Hafen?“ (Ebenda). Für die Verlagerung der Hafenbetriebe wurden 509,24 Millionen Euro angesetzt. Die Betriebe bekommen dafür nur neue baureife Flächen, keine Entschädigungen. „Die Kosten der reinen Verlagerung werden mit ca. 206 Millionen Euro ziemlich niedrig angesetzt“ (Ebenda).
Dirk Seifert, fairspielen: „Das sind gigantische Zahlen, wenn man bedenkt, dass es hier um eine Sportveranstaltung geht“ (Schnäppchen ohne Gigantismus: Olympia derzeit für 11,2 – 14,7 Mrd, Euro, in fairspielen.de 8.10.2015). Zu den 11,2 Milliarden Euro kommen noch 1,135 Milliarden Euro für die nacholympische Phase, dazu private Investitionen bis 2024 von 3,63 Milliarden Euro und bis 2040 von 4,99 Milliarden Euro. Für die OlympicCity wären 2,313 Milliarden Euro plus Mediendorf von 1,229 Milliarden Euro fällig (Ebenda). Zu den 461 Mill. Euro Kosten für Sicherheit: „Diese Kosten liegen auch deutlich unter denen, die vor einigen Wochen von der Welt aus ‚internen Senatskreisen‘  veröffentlicht wurden. Dabei war die Rede von Kosten in Höhe von 1,38 Mrd. Euro“ (Seifert, Dirk, Hamburg halbiert olympische Sicherheit – Finanzreport in der Debatte, in fairspielen.de 12.10.2015).
Peter Burghardt in der SZ: „Schon jetzt darf man fragen, ob Hamburgs Volksentscheid in diesen Zeiten Sinn ergibt. Genau genommen müssten alle Steuerzahler Deutschlands darüber befinden, ob im Falle einer Ernennung der Hansestadt ungefähr 7,4 Milliarden Euro für Sommerspiele in sieben Jahren ausgegeben werden sollen. Denn den größten Teil des Budgets hätte der Staat aufzubringen. Und das ist nur eine erste Kalkulation, lange vor einem möglichen Baubeginn, noch länger vor Schlussfeier und Kassensturz“ (Burghardt, Peter, Schöne Schimäre, in SZ 9.10.2015).

– Hafenunternehmen: „unsolide Kostenschätzung“. Der Umzug der Unternehmen vom Kleinen Grasbrook sei zu niedrig angesetzt; dazu werden Miet- und Pachteinnahmen für Hamburg 2024 eingesetzt, die der Instandhaltung von Hafen und Zufahrtswegen verloren gingen. Dazu lässt der Hamburger Senat viele Kosten nicht über den Haushalt laufen, um die Schuldenbremse einhalten zu können. So laufen Kosten über die Hamburg Port Authority (HPA) oder über öffentliche Unternehmen unter dem Dach der Hamburgischen Gesellschaft für Vermögensverwaltung mit z. B. Hamburg Messe oder der Wohnungsbaugesellschaft Saga-GWG und Sprinkenhof (Seifert, Dirk, Hafenverband sagt „unsolide“ und „vorläufige Schätzung“, in fairspielen.de 9.10.2015).
Die Bewerbung München 2018 lässt grüßen! Da gab es die „Zwangsverpflichteten“ von OB Christian Ude wie Stadtwerke München, Messe München, Olympiapark GmbH, Flughafen München etc. Und bei Hamburg 2024 gibt es die „Zwangsverpflichteten“ von Bürgermeister Olaf Scholz.

– Handelsblatt: Hamburg 2024 vor dem Aus. „Der Hamburger Traum von Olympia droht frühzeitig zu platzen. Die Bundesregierung will offenbar die von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) geforderte hohe Beteiligung an den Kosten nicht mitmachen. (…) Berlin habe der Hansestadt klar signalisiert, dass der Bund nicht mit sechs Milliarden Euro dabei sein werde, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Damit ist acht Wochen vor der Volksabstimmung in Hamburg völlig unklar, wie das Projekt seriös finanziert werden soll. (…)
Scholz gestand am Donnerstag ein, der Bund habe der Finanzierung bislang noch nicht zugestimmt, zeigte sich aber optimistisch“ (Olympia-Traum nicht zahlen, in handelsblatt.de 9.10.2015).

-Pressestimmen zu den 11,2 Milliarden Euro:
Katharina Grimm in stern.de: „Der jährliche Haushalt von Hamburg beträgt rund 12 Milliarden Euro. (…) Statt ein neues Stadtviertel, das dank der Spiele durch staatliche Zuschüsse entstehen könnte, selbst zu entwickeln, wird viel verkauft (…) Die Elbphilharmonie, ein schillerndes Aushängeschild für die Hansestadt – ärgerlich ist dabei die Kostenexplosion. (…) Klar ist nur eines: Der Steuerzahler muss die Zeche zahlen. Ähnliches ist bei den Olympischen Spielen zu befürchten“ (Hamburg, bitte keine Olympischen Spiele! in stern.de 8.10.2015).
Christoph Kapalschinski in handelsblatt.de: „Die mehr als unklare Finanzierung ist eine zu große Belastung, um in Zeiten der Flüchtlingskrise grünes Licht für das Milliardenprojekt Olympia zu bekommen. Schließlich ist Olympia in Hamburg ein Luxusprojekt“ (Olympia wird zu überflüssigen Luxus, in handelsblatt.de 9.10.2015).
Michael Rosentritt in tagesspiegel.de: „Nur mögen die Deutschen, die nicht in Hamburg leben, unter diesen Voraussetzungen immer noch die Jugend der Welt begrüßen? Vielleicht sollte ja der Bund seine Bürger nochmal fragen, ob ihnen Olympia in Hamburg sechs Milliarden Euro oder mehr wert wäre. Das wird er aber bestimmt nicht tun“ (Muss Hamburg derart alimentiert werden? in tagesspiegel.de 9.10.2015).
Die Welt: „Aus politischen Kreisen in Berlin war auf Nachfrage zu hören, dass die von Hamburg erbetene Summe von mehr als sechs Milliarden Euro nicht gezahlt werden würde – das würde die jetzt vorgestellte Kostenrechnung aushebeln“ (Noch keine Einigung mit Bund über Olympia-Kosten, in welt.de 9.10.2015).
Heinz Peter Kreuzer zitiert in deutschlandfunk.de den Olympiakritiker Dirk Seifert: „Olympiagegner Seifert würde die Milliarden stattdessen gezielt für den sozialen Wohnungsbau einsetzen. Denn die Kritiker fürchten, dass die Wohnungen, die bei Olympia entstehen würden, zu teuer und nur für wohlsituierte Menschen erschwinglich seien. Die sozial Schwachen würden hinten runter fallen. Die Olympiaplaner betonen, ein Drittel der Neubauten würde sozial gefördert, ein Drittel frei finanziert, ein Drittel würden Eigentumswohnungen“ (Kritik für Hamburger Finanzplan, in deutschlandfunk.de 10.10.2015).
Philipp Woldin in welt.de: „Gibt es bis zum 29. November keine verbindlichen Zusagen des Bundes, müssten die Hamburger über eine Bewerbung abstimmen, ohne zu wissen, ob diese finanziell überhaupt realistisch ist. (…) Hamburg muss sich bis spätestens Februar 2016 mit dem Bund verständigen, dann muss die Stadt weitere Unterlagen beim IOC einreichen“ (Nun beginnt das Feilschen um die Olympia-Milliarden, in welt.de 11.10.2015).

– Oympiakritik aus der Wissenschaft: Positionspapier Hamburger WissenschaftlerInnen zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele 2024. Dazu aus einem Beitrag in der SZ: „In dem Positionspapier thematisieren die vier Verfasser ein ‚unkalkulierbares finanzielles Risiko‘ und eine ’soziale Verdrängung‘ und hinterfragen eine ökologische Nachhaltigkeit des Projekts. Wesentliche Konfliktpunkte der Bewerbung blieben unerwähnt. (…) Der Vorstoß der Wissenschaftler ist der erste heftige öffentliche Gegenwind für Hamburgs mögliche Olympia-Bewerbung, die am 29. November zur Wahl steht. Bei der Bürgerbefragung muss eine einfache Mehrheit für die Austragung der Spiele erreicht werden, zudem müssen 20 Prozent aller Wahlberechtigten mit Ja stimmen – in Hamburg sind das etwa 260 000 von 1,3 Millionen Wahlberechtigten. Werden die Zahlen nicht erreicht, muss der Deutsche Olympische Sportbund die bereits eingereichte Bewerbung zurückziehen“ (SID, „Manipulative Züge“, in SZ 15.10.2015).

– Finanzierung von Hamburg 2024 steht nicht. „Hamburgs Senat scheint ein Finanzierungsproblem für die Olympischen Sommerspiele 2024 zu bekommen. Wie das ‚Hamburger Abendblatt‘, die ‚Welt‘ sowie das ‚Handelsblatt‘ übereinstimmend berichten, ist der Bund nicht bereit, die von Scholz geforderte Summe von 6,2 Milliarden Euro beizusteuern. (…) Der Hamburger Senat kalkuliert mit Gesamtkosten für das Sportfest in Höhe von 11,2 Milliarden Euro. Abzüglich voraussichtlicher Gewinneinnahmen soll die öffentliche Hand demnach rund 7,4 Milliarden Euro bezahlen. Bürgermeister Scholz hatte bei der Präsentation des Finanzberichtes in der vergangenen Woche gesagt, dass Hamburg 1,2 Milliarden davon tragen würde – den Rest müsse der Bund übernehmen. (…) Scholz hatte mehrfach betont, für die Olympischen Spiele keine Schulden machen zu wollen. Auch eine höhere Investition als 1,2 Milliarden Euro schloss er aus. Er hatte angedeutet, eher aus dem Rennen auszusteigen, als die Hamburger Finanzen zu ruinieren“ (Bund erteilt Scholz‘ Milliarden-Wunsch eine Absage, in spiegelonline 15.10.2015).

– Das muss den Hamburgern reichen! DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht keine Probleme mit den Sicherheitskosten, den Hafen-Umzugskosten etc. Zum Finanzreport Hamburg 2024 sagte er: „Mehr Klarheit braucht ein Bürger aus Hamburg nicht“ (DPA, Hörmann sieht Hamburger ausreichend über Olympia informiert, in zeit.de 14.10.2015).
Und damit basta!

– „Feuer und Flamme“: vom IOC gelöscht. Hamburg darf das Logo für seine Olympia-Bewerbung laut Bild nicht mehr benutzen, weil das IOC den offiziellen Kandidaten die Verwendung der olympischen Flamme verbietet. Dies sei Hamburg schon Mitte September mitgeteilt worden (Hamburg darf Olympia-Flamme nicht mehr nutzen, in ndr.de 16.10.2015).

– Ganz Deutschland. „Nach Hamburger Hochrechnungen müsste der Bund alles in allem mehr als fünfmal so viel bezahlen wie der Stadtstaat Hamburg. Man könnte die Frage stellen, warum dann nur in Hamburg abgestimmt wird und nicht deutschlandweit“ (Burghardt, Peter, Aumüller, Johannes, Erste Fehlkalkulation, in SZ 17.10.2015).

– Hamburg-2024-Lobbyist Kahrs fordert mehr Geld. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs aus Hamburg ist praktischerweise haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied im Aufsichtsrat der Hamburger Bewerbungsgesellschaft. Kahrs fordert nun mehr Geld vom Bund für Hamburg 2024. „Es hätte sich ja jeder bewerben können. Am Ende ist in Deutschland Hamburg ausgewählt worden. Das hat ja nicht Hamburg entschieden, damit ist es keine Hamburger Bewerbung mehr, sondern jetzt bewirbt sich die Bundesrepublik Deutschland“ (Reese, Jonas, Streit um Olympia-Kosten, in deutschlandfunk.de 17.10.2015).
Erstens hat der DOSB die Entscheidung Hamburg gefällt. Zweitens bewirbt sich der DOSB. Drittens, wenn Deutschland die olympische DOSB-Rechnung – so um die 15 Milliarden Euro mindestens -, bezahlen soll, sollte man all jene befragen, welche die Rechnung bezahlen müssen: die Wahlberechtigten in Deutschland. Das würde allerdings nicht gut ausgehen für Hamburg 2024. 

– „Hamburg ist schon tot“: So titelte Andreas Rüttenauer in taz.de: „Olympia Hamburg gibt es bisher nur als Modell. Das wird wohl auch so bleiben“ (Ebenda). Rüttenauer verurteilte das Vorgehen von Olaf Scholz, 1,2 Milliarden Euro aus Hamburg beizusteuern und 6,2 Milliarden Euro vom Bund zu verlangen: „Was Scholz da gemacht hat, ist eine Erpressung, die ihresgleichen sucht. (…) Und klar ist jetzt auch, dass die Hamburger Wählerinnen und Wähler bei der Volksabstimmung über die Olympiabewerbung nicht wissen, welche Folgen ihr Votum hat. Sie wissen, welche Kosten der Senat ansetzt, sie wissen aber nicht, wer diese tragen soll. Die Bürgerinnen und Bürger vor diesem Hintergrund am 29. November zur Wahl zu rufen, darf man getrost als Unverschämtheit bezeichnen“ (Rüttenauer, Andreas, Hamburg ist schon tot, in taz.de 17.10.2015).

– DFB-WM-2006-Skandal schadet/schadet nicht Hamburg 2024. Willi Lemke, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Sport: „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, kann man einen Schaden für die Olympia-Bewerbung nicht vollkommen ausschließen“ (VW, FIFA, DFB: Hamburgs Olympia-Pläne gefährdet? in ndr.de 19.10.2015). – Joachim Kellner, Professor für Marketing: „Die Frage ist nicht, wie es sich auswirkt, sondern wie stark. Und ich glaube, das ist ziemlich katastrophal. (…) Die Denke ist: Wenn sie beim Fußball betrogen haben, warum sollen sie nicht auch bei Olympia betrügen? (…) Bis zur Abstimmung im November ist das Thema nicht abgegessen. Es fängt ja gerade erst an. Das ist für Hamburg grauenhaft“ (Ebenda). – Sylvia Schenk, im Aufsichtsrat der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024: „Das läuft alles gut“ (Jansen, Jonas, Friede, Freude, Fischbrötchen, in faz.net 25.10.2015. Schenk, ehemals Präsidentin des Bundes deutscher Radfahrer, wechselt fröhlich die Seiten, immer mit ihrer Mitgliedschaft bei Transparency International wedelnd). – FIS-Präsident Gian-Franco Kasper: „Die Hamburger werden sich zweimal überlegen, ob sie voll und ganz Ja sagen zu Olympia. Einfach, weil man denkt: Es ist sowieso alles korrupt“ (DPA, Funktionäre fürchten Schaden für Olympia-Bewerbung, in welt.de 25.10.2015). DOSB-Präsident Alfons Hörmann: „Wir haben aus der gescheiterten Bewerbung für München 2022 gelernt und sind in Hamburg von Anfang an den Weg der Transparenz gegangen“ (Ebenda). Interessant 1) München 2022 war also nach höchstpersönlichem Eingeständnis des DOSB-Präsidenten nicht transparent – das haben wir von NOlympia schon immer behauptet. Interessant 2) Hamburger Transparenz: Was ist mit den geschrumpften Sicherheitskostenn, siehe oben? Was ist mit den Umzugskosten der Hafenbetriebe? Was zahlt der Bund – sicher nicht die geforderten 6,2 Milliarden Euro, die bei der Endabrechnung sowieso nicht reichen würden! – Die Lösung hat Alt-IOC-Mitgied Walther Tröger: „Hamburg ist eine Shopping-Stadt par excellence. Das muss dem IOC und seinen Frauen klar gemacht werden“ (Kauflust der Frauen soll Olympia-Zuschlag bringen, in welt.de 26.10.2015).
In Paris und Rom gibt es ja auch kaum etwas zu kaufen…

– BUND Hamburg empfiehlt NEIN. Der BUND Hamburg hat zwei Wochen vor dem Referendum am 29.11.2015 die Hamburger aufgerufen, mit NEIN zu stimmen. Die Hafenumsiedlung habe gravierende ökologische Auswirkungen, die Folgen für die Elbe durch Zuschüttung des Travehafens ebenso, die versprochenen nachhaltigen Auswirkungen vermag der BUND nicht zu sehen, die OlympiaCity werde auch durch die geplante Privatfinanzierung nicht ökologisch etc. (PM BUND empfiehlt „Nein“ beim Olympia-Referendum, in bund-hamburg.bund.net 15.10.2015).
ZUR PM: BUND empfiehlt „Nein“ beim Olympia-Referendum. Dazu gab es ein Positionspapier vom BUND. Prof. Hubert Weiger, der Vorsitzende des BUND, besuchte am 20.10.2015 die geplanten olympischen Baustellen: den Kleinen Grasbrook: Er soll komplett abgesiedelt werden, ohne dass bekannt ist, wo die Hafenunternehmen angesiedelt werden. Dazu kommt der Travehafen, der zugeschüttet werden soll. Der Travehafen hat aber eine hohe Wertigkeit als „Kinderstube“ für die Elbfische. Durch ein Zuschütten verschwinden wichtige „Retentionsflächen“ (PM Rückenwind aus Berlin, in bund-hamburg-bund.net 20.10.2015). Der BUND-Vizegeschäftsführer Paul Schmid sagte zur DOSB-Einladung an BUND und NABU (siehe unten): „Wir haben die Einladung zu der Erklärung abgelehnt. Wir unterschreiben nichts vor einem Referendum“, da dies als „verkapptes Ja zu Olympia“ interpretiert werden könne (Veit, Sven-Michael, Umweltschützer uneins, in taz.de 21.10.2015).

– NABU-Vorstand macht bei Hamburg 2024 mit. Der NABU Hamburg lieferte das ökologische Feigenblatt ab und nahm an der Einladung des DOSB teil: „Der rot-grüne Senat, der Zukunftsrat, der Naturschutzbund NABU und der Deutsche Olympische Sportbund unterzeichneten am Dienstag eine entsprechende Absichtserklärung“ (Enge Zusammenarbeit für nachhaltige Spiele vereinbart, in welt.de 20.10.2015). Der NABU-Vorsitzende und ehemalige grüne Umweltsenator Hamburgs, Alexander Porschke, räumte „unterschiedliche Meinungen“ im NABU ein (Veit 21.10.2015). 

– Erweiterter NABU-Vorstand gibt keine Empfehlung ab. „‚Auf seiner gestrigen Sitzung hat der erweiterte Vorstand des Nabu Hamburg einstimmig beschlossen, angesichts der Chancen und Risiken der Olympiabewerbung keine Empfehlung für das anstehende Referendum abzugeben“, sagte Alexander Porschke, Vorsitzender des Nabu Hamburg. Für eine belastbare gemeinsame Empfehlung zum Referendum gebe es noch zu viele Unklarheiten. (…) Damit muss die Olympiabewerbung ohne die Unterstützung der großen Umweltverbände auskommen: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte sich explizit gegen die Spiele ausgesprochen“ (Nabu gibt keine Empfehlung für Referendum ab, in welt.de 23.10..2015).

– Hamburg-24-Propagandafilm fast ohne Sportler. „Imagefilm reloaded: Weil kaum Sportlerinnen in einem Werbefilm für die Hamburger Olympia-Initiative zu sehen waren, muss der Streifen nach Kritik und Spott in den sozialen Medien überarbeitet werden“ (DPA, Panne bei Imagefilm für Hamburger Olympiabewerbung, in zeit.de 22.10.2015).
Aber Sportler sind doch nicht das Wichtigste am Sport: Ohne die Sportfunktionäre gibt es doch gar keinen Sport …

– NOlympia-Kongress in Hamburg: Vom 23. bis 25. Oktober 2015, Uni Hamburg, von-Melle-Park 9, Programm unter: http://nolympia-kongress.de/

– Olympischer Sicherheits-Rabatt. Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London berechnete man für die Sicherheitskosten 1,7 Milliarden Euro. Bei Hamburg 2024, zwölf Jahre später, setzten die Kostenplaner von Olaf Scholz im Oktober 2015 461 Millionen Euro an. „Von den 461 Millionen Euro entfallen 278 Millionen auf Polizeiarbeit, die Feuerwehr erhält 145 Millionen Euro. An Hilfsorganisationen gehen 18,9 Millionen, nach Schleswig-Holstein 5,4 Millionen, die Projektsteuerung kostet etwas mehr als 13 Millionen Euro. (…) 10.000 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten aus anderen Bundesländern sind eingeplant, dazu kommen noch 500 Feuerwehrmänner und -frauen. Geht es nach den Olympia-Planern in Hamburg, soll der Bund und andere Bundesländer die zusätzlichen Kräfte bezahlen – deshalb tauchen diese Kosten in unbekannter Höhe auch nicht im Sicherheitsbudget auf“ (Woldin, Philipp, Olympia-Sicherheit zum Schnäppchenpreis, in welt.de 24.10.2015: Hervorhebung WZ). – Komisch: Im Juni 2015 kostete die olympische Sicherheit noch 1,38 Milliarden Euro, wie ein streng vertrauliches Sicherheitskonzept der Polizei feststellte (Fengler, Denis, 1,38 Milliarden Euro für sichere Spiele in Hamburg, in welt.de 15.6.2015). Dazu Andreas Bellinger in ndr.de: „Dass Hamburg mit dieser essenziellen Frage erstaunlich locker umzugehen scheint, offenbarte sich schon bei den ersten Plänen für das olympische Dorf. Die selbst vor 43 Jahren in München schon obligatorischen Zäune fehlten; die Zuschauer sollten sogar mitten durch das Dorf zum Olympiastadion pilgern. Das mutet ebenso weltfremd an, wie die sicher liebenswerte Idee, die Athleten auf dem Wasser zur Eröffnungsfeier zu schippern. Wunderschön und spektakulär, aber eben vor dem Hintergrund latenter Terrorgefahr ziemlich gewagt“ (Bellinger, Andreas, Olympia: Jetzt entscheiden die Bürger, in ndr.de 26.10.2015).

– Das große Geld für Hamburg 2024. „Mehr als 70 verschiedene Unternehmen hat der Hamburger Bau-Milliardär Alexander Otto bereits davon überzeugt, jeweils zwischen 15.000 und 100.000 Euro für die Bewerbungskampagne ‚Wir sind Feuer und Flamme‘ zu spenden. Seitdem klar ist, dass Berlin als nationaler Konkurrent aus dem Rennen ist, sind noch einmal mehr als zwei Millionen Euro dazugekommen. Insgesamt hat Otto, der mit seinen ECE-Einkaufszentren reich geworden ist, bislang drei Millionen Euro eingesammelt. Damit lassen sich viele Events organisieren und Kühlschrankmagneten in Feuerflammenform herstellen. Zwanzig Agenturen, die sonst miteinander um Aufträge kämpfen, trommeln gemeinsam für die Spiele – und sind deutlich lauter als die Gegner, wie etwa die Wissenschaftler, die in ihrer ‚Olympiakritik‘ anzweifeln, dass die Ethik-Regeln wirklich eingehalten werden. Und aus Studien zitieren, die belegen sollen, dass die Ausrichtung der Spiele nur selten einen nachhaltigen Bonus für die jeweiligen Städte gebracht hat, wie die Befürworter versprechen“ (Jansen, Jonas, Friede, Freude, Fischbrötchen, in faz.net 25.10.2015).

– St. Pauli empfiehlt nicht! Der HSV, die Hamburg Towers und viele andere Sportvereine wurden vom DOSB zum Jubeln verdonnert: Nur der FC St. Pauli gibt seinen Mitgliedern keine Richtung vor (Alle machen Olympia-Werbung – außer St. Pauli, in shz.de 27.10.2015).
Zur Erinnerung: Bei der Bewerbung München 2022 fand das Vierfach-Referendum am 10.11.2013 statt. Am 9.11.2013 platzierte der FC Bayern in allen großen Münchner Tageszeitungen eine ganzseitige Anzeige pro München 2022. Das  war eine Fehlinvestition – München 2022 wurde am Tag danach vierfach abgewählt.

– Hamburger Landesrechnungshof bleibt beim Nein. Die Parlamentarische Geschäftsführerin von Die Linke, Heike Sudmann, schrieb in einem Beitrag: „In der anschließenden politischen Debatte verwies die rot-grüne Regierungskoalition gerne darauf, dass der Rechnungshof die Risiken noch gar nicht beurteilen könne, da das IOC sich ja reformieren wolle und daher auch die Verträge anders als bisher aussehen könnten. Tja, dumm gelaufen. Im September 2015 veröffentlichte das IOC den Vertragsentwurf für Olympia 2024. In der Sitzung des Sportausschusses erklärte der Rechnungshof auf meine Frage zu dem Vertragswerk: ‚Wir haben (…) eigentlich trotz der in der Tat hier und da weicheren Formulierung keine wesentlichen Abweichungen zu dem Vorgängermodell gefunden – wesentlich in dem Sinne, dass die Stadt sich also anschließend sehr viel besser stehen würde, wenn sie zu diesen Bedingungen abschließen dürfte und nicht zu denen, die jetzt etwas Peking akzeptieren musste. Also da hat sich nicht viel geändert‘ (vgl. Wortprotokoll der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Sport und Olympia und sechs weiterer Ausschüsse vom 09.10.2015, S. 10/11)“ (Sudmann, Heike, Olympia  2024: Der Lack blättert, BürgerInnenbrief 10/2015).

– Aus einem Kommentar im Freitag zu Hamburg 2024: „Das IOC bildet seit vielen Jahren gigantische monetäre Rücklagen aus den Einnahmen der olympischen Spiele, während die Gastgeber regelmäßig mit großen Schuldenbergen zurück bleiben. Bezahlen muss am Ende natürlich der Steuerzahler. Wir alle dürfen also Jahre für diese Schulden arbeiten gehen. Die Knebelverträge des IOC tun ihr Übriges. Nach Ansicht eines Universitätsprofessors der Universität Regensburg sind die Verträge des IOC nach deutschem Recht als sittenwidrig zu beurteilen. Sie belasten die Gastgeber einseitig, während das IOC seine Monopolstellung ausnutzt. (…) Neuerdings werden Pläne für derartige Großevents mit Worten wie Nachhaltigkeit und Zukunftsgerichtetheit angereichert. Nach den Hamburger Senatsplänen soll die Olympiahalle zu einem Kreuzfahrtterminal umfunktioniert und das Olympiastadion auf eine Kapazität von 20.000 Personen zurück gebaut werden. Das klingt in der Tat nachhaltig, ändert letztlich aber nur wenig: Den Plänen zufolge soll ein Olympiastadion für eine Kapazität von 70.000 Personen errichtet werden. Und das für nur ein paar Wochen! Die hierdurch verursachten Kosten stehen zum Nutzen völlig außer Verhältnis, ein solcher Bau wäre schlicht höchst unwirtschaftlich. Ein Großteil des Stadions soll wieder abgerissen werden. Alternativ könnte man genauso gut einfach im ganz großen Stil Geld verbrennen. Rückbau auf eine Kapazität von 20.000 Zuschauer? Wozu?“ (Nein zu Olympia! in freitag.de 26.10.2015).

– Kein Geld für Hamburg 2024 aus der Wirtschaft. 50 Millionen Euro kostet die Bewerbung mindestens. Die Bundesregierung will zehn Millionen Euro beisteuern, Hamburg 15 Millionen Euro. Fehlen 25 Millionen Euro, die aus der Wirtschaft kommen sollen. „Umso überraschender die Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage (Drucksache 21/1969) von Heike Sudmann (DIE LINKE). (…) Die einzige feste Zusage gibt es von der Hamburger Hochbahn, die die Bewerbung durch ‚ein Sponsoring (Finanz- und Sachleistungen) von bis zu 100.000 Euro in den Jahren 2016 und 2017 unterstützt. Wir Hamburger/innen bekommen so über die HVV-Ticketpreise (nächste Fahrpreiserhöhung um 1,9 Prozent zu Januar 2016) einen Vorgeschmack darauf, wie der Senat in Zukunft in kleinen Dosen seine Olympiaträume finanzieren wird“ (Vrenegor, Nicole, Bewerbungskosten: 25 Millionen aus der Wirtschaft? Bisher 0 Zusagen! in fairspielen.de 30.10.2015; Olympia kostet Hamburg viel mehr – Wirtschaft hält sich raus, in linksfraktion-hamburg.de 29.10.2015).

– Budget gegen Kiel 2024: 1.600 Euro. Die Linke klebt in Kiel, wo die Segelwettbewerbe stattfinden sollen, bis zur Abstimmung am 29.11.2015 500 Plakate und verteilt 25.000 Flyer: Das Budget von 1.600 Euro sei, wie der Kreissprecher Florian Jansen feststellte, „auf keinen Fall auf Augenhöhe“ (Hiersemenzel, Christian, Linke sagt Nein zu Olympia, in kn-online.de 30.10.2015). Für Jansen hat sich die Stimmung geändert: „Der Lack ist ab. Immer mehr Menschen beginnen, kritische Fragen zu stellen“ (Ebenda). Die geschätzten Kosten in Kiel von 123 Millionen Euro seien für die hochverschuldete Stadt ein absoluter Größenwahn. Auch der Werbefaktor ist kein echter. Jansen: „Wer sich wirklich für Segeln interessiert, kennt die Stadt schon. Und alle anderen lernen sie auch dann nicht kennen“ (Ebenda).

– DFB-Marketing-Firma macht das Hamburg-2024-Geschäft. „Ausgerechnet die DOSB-Agentur ‚Deutsche Sport Marketing (DSM)‘ hat den Auftrag bekommen, die ‚Sponsorpartner‘ zu suchen, die die besagten 25 Millionen aus der Wirtschaft übernehmen. ‚Die Deutsche Sport Marketing (DSM) hat den offiziellen Auftrag, die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 zu vermarkten und Partner zu akquirieren‘, so erklärte der DOSB in einer Pressemitteilung vom 30.9. Welche Vergütung bekommt die DSM dafür? Und wer entscheidet eigentlich über die Vergabe solche Aufträge? Entscheidet allein die Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024, in der der DOSB als Gesellschafter 51% des Stimmrechts innehat? Gibt es eine Kontrolle über die Budgetvergabe seitens der Bürgerschaft? Auch hier drängt sich der Verdacht auf, dass der Senat schon längst jede Handhabe in Bezug auf das Bewerbungsverfahren an den DOSB abgegeben hat“ (Vrenegor 30.10.2015).

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V: Allgemeine Nachrichten

– Urban kommt, geht, kommt, geht… Der frühere Hauptgeschäftsführer des Deutschen Alpenvereins und glühende Befürworter der Bewerbung München 2018, Thomas Urban, hat 2013 zum ersten Mal und nun zum zweiten Mal (endgültig?) seinen Job als Leiter des Münchner Sportamtes hingeschmissen. Er wird Geschäftsführer des Deutschen Behindertensportverbandes (Ein Kommen und Gehen, in sueddeutsche.de 1.10.2015).

– Der Sport ist für Sportfunktionäre da. Turner Fabian Hambüchen zum Verlauf der Deutschen Meisterschaft in Gießen 2015: „Die Bedingungen waren für uns Sportler nicht optimal und sollten in Zukunft besser sein. Für die VIPs wurde Raum ohne Ende geschaffen, und wir Turner hatten kaum noch Platz in der Halle. In den Pausen sind wir aufeinandergepfercht zusammengesessen, und uns wurde noch nicht mal Wasser oder ein bisschen Obst zur Verfügung gestellt. (…) Es sind generell die alten verkrusteten Strukturen und Denkmuster, die dringend weg müssen – und das betrifft oft nicht nur den DTB, sondern das deutsche Sportsystem allgemein“ (DPA, SID, Hambüchen erwägt Boykott, in SZ 1.10.2015).

– Smog-Tennis in Peking. 7.10.2015: Tennismatch in Peking. „Auffällig dabei: Etliche Zuschauer, die die Partie im National  Tennis Center verfolgten, trugen Atemschutzmasken, um sich vor dem Smog zu schützen, der sich über die Hauptstadt Chinas gelegt hat. Die schmutzige Luft ist bei dem Turnier, bei dem Männer und Frauen antreten, ein großes Thema. (…) In einem Facebook-Eintrag klagte der Slowake Martin Klizan, die schlechte Luft habe zu Hustenanfällen geführt und drohte, bei solchen Bedingungen die Veranstaltung künftig zu meiden. Die Nachricht wurde später gelöscht“ (Dicke Luft in Peking, in SZ 8.10.2015).

– Dreispringer gewinnt nach sieben Jahren gegen den DOSB. Der Dreispringer Charles Friedek sprang im Juni 2008 die Normweite von 17 Metern wie gefordert zwei Mal – allerdings in einem Wettbewerb. Der DOSB beharrte auf (nicht eindeutig festgeschriebenen) zwei Wettbewerben und nahm Friedek nicht mit zu den Olympischen Sommerspielen Peking 2008. Das Deutsche Sportschiedsgericht gab Friedek 2008 recht: Aber der DOSB nominierte ihn trotzdem nicht. Friedek klagte vor dem Landgericht Frankfurt und bekam eine hohe Summe zugesprochen. Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt verlor er: Nun bekam er jetzt im Oktober 2015 vor dem Bundesgerichtshof recht. „Friedek fordert 133.500 Euro für entgangene Sponsoren-, Preis- und Startgelder“ (Friedek gewinnt Prozess gegen den DOSB, in spiegelonline 13.10.2015; DOSB muss Dreispringer Friedek entschädigen, in sueddeutsche.de 13.10.2015).
Geht also doch – den DOSB nicht vor seinem Sportgericht, sondern vor ordentlichen Gerichten zu verklagen!
Aus einem Kommentar von Johannes Knuth in sueddeutsche.de zur Beziehung zwischen Sport-Funktionären und Athleten: „Dem deutschen Sport liegt viel an seiner Rechtsprechung, wenn es nach ihm geht, sollen sich Sportler allein den Richtern des Sports ausliefern. Dass das Sportgericht nun zugunsten Friedeks urteilte, passte dem Sport aber auch nicht; der DOSB setzte sich, indem er den Dreispringer nicht mitnahm, über den Richterspruch hinweg. Offiziell, weil Friedek die Schiedsvereinbarung für Athleten nicht unterzeichnet hatte. (…) Und dennoch: Für den Sport könnte es ein ungemütlicher Winter werden. Der BGH wird Anfang des kommenden Jahres wohl den Fall des SV Wilhelmshaven verhandeln, der Fußball-Landesligist könnte im Streit mit dem Fußball-Weltverband Fifa das System der Ausbildungsentschädigung ins Wanken bringen. Und dann ist da noch der Fall der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Pechstein fordert, ebenfalls vor dem BGH, nicht nur Schadenersatz vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU für eine aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Dopingsperre; sie bemängelt auch, dass Sportler sich exklusiv den Gerichten des Sports unterwerfen müssen. Im Fall Pechstein wird der DOSB also hoffen, dass das höchste deutsche Gericht die Exklusivität seiner Sportgerichtsbarkeit schützt. Im Fall Friedek war er hingegen selbst nicht bereit, ein Sportgerichts-Urteil zu akzeptieren“ (Knuth, Johannes, Dreisprung zum Schadenersatz, in sueddeutsche.de 13.10.2015).
Auch interessant: die disziplinierende Funktion der Athletenvereinbarung, die den Sportler/die Sportlerin dem DOSB unterwirft.

– Aus für Red-Bull-Arena? Da sind Red Bull und der FC Bayern früh draufgekommen: Der Eishockeyclub Red Bull München spielt in der Regel zwischen Freitag und Sonntag. Die Basketballer des FC Bayern am Sonntag in der Bundesliga. Beide wollten die neue Halle im Olympiapark München gemeinsam, nutzen. So wird das aber nichts: Da müsste man sich ja streiten, wer wann die Halle benutzen darf (Müller, Felix, Reichelt, Patrick, Red-Bull-Arena droht das Aus, in merkur.de 15.10.2015).

– Bayern: Breitensport verkommt. „An Bayerns Schulen gibt es immer weniger Sportunterricht. Übergewicht, Haltungsschäden und Bluthochdruck sind die Folgen“ (Günther, Anna, Kratzer, Hans, No Sports, in SZ 29.10.2015). Bayern war laut Günther Felbinger (Freie Wähler) im Sportunterricht-Ranking an der Spitze der Bundesländer: tempi passati. „Seit 1994 sei die Anzahl der Sportstunden stetig gesunken. Bei den Sportwettbewerben sei die Misere schon zu sehen. (…) Sie (die Sportlehrer; WZ) warnen seit Langem, dass im Gesundheitswesen eine Zeitbombe ticke. In Bayern gelten bis zu 20 Prozent der Kinder als übergewichtig. Ärzte entdecken bei ihnen Stoffwechselstörungen, Haltungsschäden und erhöhten Blutdruck. Um gegenzusteuern, müssten schon die Kleinsten täglich Sportunterricht haben, findet der Sportlehrerverband. ‚Die Hälfte der Grundschüler kann nicht mehr schwimmen, das ist eine dramatische Entwicklung‘, sagt Andrea Kaufmann, die Vizepräsidentin der bayerischen Sportlehrer. Zwei Stunden Sportunterricht pro Woche ist das im Lehrplan geforderte Minimum. Selbst diese Marke wird immer öfter unterschritten, weil Stunden ausfallen und Turnhallen belegt sind. (…) Wie es an Gymnasien und Realschulen aussieht, sei derzeit wegen einer Systemumstellung nicht zu erfassen, heißt es aus dem Kultusministerium. ‚Das ist eine glatte Lüge‘, sagt Felbinger. Er wisse aus verlässlicher Quelle, dass die Abfrage kein Problem sein dürfte. Die Zahlen seien schlicht zu schlecht, ‚aber wenn das publik würde, wäre Feuer unterm Dach‘, sagt der Sportlehrer Felbinger. Wie viele Stunden ausfallen und warum, wird im Ministerium ebenfalls nicht registriert“ (Ebenda).
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VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.

Vier Fifa-Sponsoren warnen. Sponsoren „versprechen sich vielmehr einen Werbeeffekt, indem sie vom guten Image des geförderten Sportlers oder der Veranstaltung profitieren. Das ist die Geschäftsgrundlage für jeden Sponsor. Ist dieses Image aber in Gefahr, könnte auch ihr eigener Ruf leiden. Deshalb haben vier der wichtigsten Fifa-Förderer – Coca-Cola, Visa, Anheuser-Busch und McDonald’s – den Rücktritt von Fifa-Boss Sepp Blatter gefordert. In seinem heutigen Gebrauch kommt das Wort (Sponsor; WZ) aus dem Englischen, ursprünglich aber aus dem Lateinischen, da bezeichnete es einen Bürgen. Man könnte also auch getrost sagen: Coca-Cola & Co wollen für Blatter nicht länger bürgen“ (Sponsor, in SZ 5.10.2015). Die vier US-Konzerne erheben ihre Rücktrittsforderung nicht von ungefähr. „Das US-Justizministerium, die Bundespolizei FBI, die Steuerbehörde IRS, Staatsanwälte und Richter behandeln die Fifa als RICO (Racketeer Influenced Corrupt Organization), als von Gangstern dominierte korrupte Organisation. (…) Denn die Fifa, ihre Nationalverbände sowie die kontinentalen Verbände fallen damit unter den RICO Act, ein Gesetz aus dem Jahr 1970, das die rechtlichen Optionen erweiterte, gegen organisierte Kriminalität vorzugehen“ (Weinreich, Jens, Eher ein Mafia-Clan als ein Sportverband, in weser-kurier.de 5.10.2015). – „Dass aber Adidas in Deckung bleibt und auf Reformübungen der Fifa verweist, über die man nur lachen kann, sagt einiges über den deutschen Konzern. Er stand seit jeher an der Seite der Fifa und ihrer Top-Leute“ (Kistner, Thomas, Das Ende naht, in SZ 5.10.2015).

– Sport-Sponsoring (1). Zur Rücktrittsforderung der vier US-Sponsoren an Blatter schreibt Thomas Kistner in sueddeutsche.de: „Denn bemerkenswert brüsk hat Sepp Blatter die Rücktrittsforderungen abgeschmettert, die gleich alle vier amerikanischen Spitzensponsoren (Coca-Cola, Visa, McDonalds, Anheuser-Busch) am Freitag erhoben hatten. ‚Auch wenn Coca-Cola ein wertvoller Fifa-Sponsor ist, glaubt Herr Blatter aus Überzeugung, dass es nicht im besten Interesse der Fifa wäre, wenn er sein Büro räumen würde, noch würde es den Reformprozess voranbringen. Deshalb wird er nicht zurücktreten‘, teilte Blatters US-Anwalt Richard Cullen mit. (…) Tatsächlich bröckelt das Werbefundament des Weltfußballs. In den zwei obersten Sponsorkategorien sind erst die Hälfte von insgesamt 14 Partnerpaketen verkauft – früher wurde hier verzehrend geboten. Das kündigt eine Schieflage an, schließlich wies die Fifa im vergangenen Vier-Jahres-Bericht Sponsoreinkünfte von rund 1,4 Milliarden Euro aus. Der Trend könnte auf die zweite Geldgeber-Säule durchschlagen, die TV-Sender. Gerade öffentlich-rechtliche Vertragspartner können Compliance-Probleme nicht einfach ignorieren“ (Kistner, Thomas, „Sponsoren wissen jetzt, dass dieses Geschäft riskant ist“, in sueddeutsche.de 4.10.2015).

– Sport-Sponsoring (2): Adidas, Gazprom, Hyundai bleiben der Fifa treu. Die Zeit bezeichnete Horst Dassler/Adidas einmal als „Erfinder der modernen Sportkorruption“ (zitiert nach: Busse, Caspar, Wenn Treue teuer wird, in SZ 6.10.2015). Und so steht Adidas in Treue fest zur Fifa. „Ähnlich abwartend wie Adidas zeigten sich zwei weitere Sponsoren: Der Autobauer Hyundai aus Südkorea und der Energiekonzern Gazprom aus Russland – eine durchaus zweifelhafte Gesellschaft. (…) Der Vertrag mit der Fifa läuft noch bis 2030. Der Sportartikelkonzern rüstet zudem die Fifa aus, stellt etwa die Bälle für die Weltmeisterschaften zur Verfügung oder kleidet Schiedsrichter ein“ (Ebenda).

– Sport-Sponsoring (3): Fifas Millionen. „Die Sponsoren sind sehr wichtig für die Fifa. Von 2011 bis 2014 kamen von ihnen 1,6 Milliarden Euro, das sind knapp 30 Prozent der Einnahmen. Mehr wird nur durch den Verkauf der Fernsehrechte vor allem an der Weltmeisterschaft erlöst, in Deutschland haben in der Vergangenheit vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF viel Geld dafür bezahlt. Derzeit hat die Fifa fünf sogenannte Premium-Sponsoren unter Vertrag: Neben Adidas sind das Coca-Cola, Gazprom, Hyundai und Visa. McDonald’s und Anheuser-Busch Inbev sind sogenannte WM-Sponsoren, die bei den Turnieren exklusive Rechte erhalten“ (Ebenda).

– Sport-Sponsoring (4): Deutschland. “ In Deutschland haben Unternehmen 2014 insgesamt rund drei Milliarden Euro für Sponsoring ausgegeben. Das geht aus einer Studie der Agentur Repucom hervor. Die Ausgaben für den Sport machen mehr als 60 Prozent des gesamten Sponsoring-Marktes aus“ (Schmidbauer, Jan, Kampf um den Kunden, in SZ 6.10.2015; Hervorhebung WZ).

– Sport-Sponsoring (5): Sponsor VW. „Unter der Führung von Martin Winterkorn hatte Volkswagen in den vergangenen Jahren das Engagement im Fußball gezielt und stark ausgebaut. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber der Konzern gehört zu den größten Sponsoren. So unterstützt VW als Partner nicht nur den DFB-Pokal, alle Spieler laufen bei Pokalspielen mit dem VW-Logo auf dem Arm auf. Die Konzernmarken VW, Audi, MAN und Seat unterstützen inzwischen auch 16 Vereine der ersten und zweiten Liga, von 1860 München über Eintracht Braunschweig bis hin zu Hannover 96, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04. Neben Wolfsburg ist das Unternehmen auch noch an zwei weiteren Klubs beteiligt: Die VW-Tochter Audi hält 8,3 Prozent an der FC Bayern München AG und knapp 20 Prozent am FC Ingolstadt, dem Überraschungsaufsteiger in die erste Liga. Martin Winterkorn ist nach wie vor im Aufsichtsrat des FC Bayern München“ (Angst um die VW-Millionen, in SZ 6.10.2015).

– Sport-Sponsoring (6): Coca Cola – Die Fifa unter den Sponsoren. Der Süßgetränke-Konzern hat in den letzten fünf Jahren fast 120 Millionen Dollar ausgegeben, um in pseudo-akademischer Gesundheitsforschung, in Partnerschaft mit Medizinergruppen und Fitnessprogrammen von Gemeinschaften die Diskussion um die epidemische Fettsucht zu entschärfen. Hunderte Zuschüsse wurden an diverse Organisationen gezahlt. So erhielten das American College of Cardiology 3,1 Millionen Dollar, die American Academy of Family Physicians über 3,5 Millionen Dollar, die American Academy of Pediatrics fast 3 Millionen Dollar, die American Cancer Society 2 Millionen Dollar und die Academy of Nutrition and Dietetics etwa 1,7 Millionen Dollar. Sandy Douglas, der Präsident von Coca-Cola Nordamerika, betonte, dass die philanthropischen Anstrengungen des Konzerns zum Wohl der Allgemeinheit geschehen würden (O’Connor, Anahad, Coke Discloses Millions in Grants for Health Research and Community Programs, in nytimes.com 22.9.2015). Dagegen stellte die Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle, Professorin an der New York University, fest, sie kenne keine anderen Lebensmittelkonzern, der so tief und weit in so viele öffentliche Organisationen eingedrungen ist. Nestle ist Autorin des Buches Soda Politics, das den Kampf des früheren New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg gegen die Süßgetränkkonzerne beschreibt. Sein Kampf für eine stadtweite Verbannung scheiterte – die “Soda Initiative” wurde abgelehnt. Nestle stellte fest, dass keine Organisation, egal wie klein sie auch ist, ohne Zuwendungen von Coca-Cola blieb (Ebenda; Coca-Cola’s funding of health research and partnerships, in thelancet.com 3.10.2015).

Fifa-Präsident arbeitet bis zum 26.2.2016. Sepp Blatter in der Bunten zu seinem geplanten Amtsabgang am 26.2.2016: „Ich versichere Ihnen, dass ich am 26. Februar aufhören werde. Dann ist definitiv Schluss. Aber keinen Tag früher.“
Bis zum 26.2.2016 muss also Blatters Putzkolonne fertig aufgeräumt und Spuren verwischt haben.
„Ich halte das aus, weil ich der Überzeugung bin, dass ich die nötigen Reformen zum Wohle der Fifa einleiten kann. Man muss mich nur endlich arbeiten lassen. (…) Ich werde bis zum 26. Februar kämpfen. Für mich. Für die Fifa. Ich bin überzeugt, dass das Böse ans Licht kommen und das Gute gewinnen wird“ (zitiert nach Teevs, Christian, „Das Böse kommt ans Licht, das Gute wird gewinnen“, in spiegelonline 7.10.2015).

Fifa-Ethikkommission beantragt Sperre für „Blattini“. Die Zahlung der zwei Millionen Franken von Blatter an Platni erfolgte im Februar 2011: kurz vor der Wiederwahl Blatters mit Hilfe des Uefa-Präsidenten Platini. Nun wird es ernst. Die Erklärungsversuche von beiden blieben wenig überzeigend. „Eine kuriose Version der Fußballbosse: Sie hätten das Honorar zwischenzeitlich vergessen. Vergessen? Zwei Millionen Schweizer Franken? Einfach so?“ (Kramer, Jörg, Schmid, Fidelius, Truckendanner, Petra, Idol ohne Glanz, in Der Spiegel  41/2.10.2015).
Sepp Blatter soll 90 Tage gesperrt werden. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen der “ungetreuen Geschäftsbesorgung” eingeleitet (Fifa-Ermittler beantragen Sperre für Sepp Blatter, in spiegelonline 7.10.2015). Blatters “skandalumwitterter Vize Issa Hayatou aus Kamerun würde satzungsgemäß vorerst das Amt übernehmen” (Ebenda). Auch Uefa-Präsident Michel Platini wurde für 90 Tage gesperrt und muss seinen Posten ruhen lassen (Fifa suspendiert Blatter und Platini für 90 Tage, in spiegelonline 8.10.2015). Platinis Spezialfreund Wolfgang Niersbach, DFB-Präsident, sprach von einem “schweren Rucksack” für Platini (Schwerer Rucksack für Platini, in spiegelonline 8.10.2015). Platini will Einspruch einlegen – die Uefa wählt deshalb keinen Interimschef (Platini wehrt sich gegen Fifa-Sperre, in spiegelonline 8.10.2015).

Fifa-Vize: Spitze! “Als Fifa-Präsident wurde am Donnerstag der Rangordnung entsprechend der bisherige Senior Vice President Issa Hayatou vorgestellt, der Sohn eines Sultans aus Kamerun. Hayatou hat von der einstigen Fifa-Partneragentur ISL Schmiergeld kassiert und steht zudem in dringendem Verdacht, aus Katar für seine Stimme bei der Vergabe der WM 2022 eine Millionensumme kassiert zu haben. Ihm werden noch allerlei andere unethische Sachverhalte angelastet. Bis Ende vergangenen Jahres hat er den Franzosen und ehemaligen ISL-Boss Jean-Marie Weber immer wieder mit Aufträgen im afrikanischen Fußballverband CAF versorgt. Weber ist jener Mann, der den größten Teil der gerichtsfest verbrieften 142 Schmiergeldmillionen der ISL verteilte, meistens in bar, und der die Namen aller Schmiergeldempfänger nicht preisgeben will und wird” (Weinreich, Jens, Suspendiert – und trotzdem gewonnen, in spiegelonline 8.10.2015).

Uefa-Vize: Spitze! An großartigen Stellvertretern Platinis hat die Uefa aufzubieten den berüchtigten Fußballpräsidenten Spaniens – und Fifa-Vizepräsidenten – Angel Maria Llona, den ukrainischen Oligarchen Grigorij Surkis und den Zyprer Marios N. Lerfkaritis, der durch einen Grundstücksverkauf an Katar Millionen verdiente – nach der WM-Vergabe, dazu den unbelasteten Niederländer Michel van Praag (Ebenda). Da Platini sein Uefa-Amt ruhen lassen muss, würde der Spezial-Multifunktionär Angel Maria Villar Llona nachrücken, der bereits mit der Fifa-Ethikkommision zu tun hatte, weil er im Zug der Vergabe der WM 2018 und 2022 nicht kooperieren wollte. „Und sein Sohn Gorka Villar, Generalsekretär des von der US-Justiz ausgehobenen Südamerika-Verbandes Conmebol, hat Untersuchungen der Justiz in Uruguay am Hals. Zu all dem passt, dass Gorka Villar ins neue Fifa-Reformkomitee berufen wurde“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Beben in Zürich, in SZ 9.10.2015; Hervorhebung WZ).

– Platinis fragwürdiger Unterstützer. „Am Wochenende forderte Südamerikas Kontinentalverband Conmebol die Aufhebung von Platinis Suspendierung; diese stelle die Integrität des Wahlprozesses für den neuen Fifa-Chef infrage. Conmebol – das ist der Verband, in dessen Geschäftsfilz die US-Justiz ein veritables Bezahlsystem für kontinentale Spitzenfunktionäre ermittelt hat, mit sauber gestaffelten Salären: unten Generalsekretäre, darüber nationale und internationale Verbandschefs. Die Amerikaner haben dabei Spitzenpersonal aus gleich allen zehn Conmebol-Mitgliedsländern im Visier. Einige Personen sind inhaftiert, für manche wurde bereits die Auslieferung in die Staaten bewilligt. Generalsekretär und starker Mann dieses besonderen Fußballreichs ist Gorka Villar, Sohn von Angel Maria Villar Llona. Gegen Gorka ermitteln Behörden in Uruguay, Papa Angel Maria rangiert als Nummer zwei in der Uefa hinter Platini…“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Das letzte Gefecht, in SZ 12.10.2015).

– Hyundai-Gründersohn will Blatter verklagen. Der Südkoreaner Chung Mong-Joon, bis 2011 Mitglied in der Fifa-Exekutive, soll im Zusammenhang mit der Bewerbung Südkoreas um die Fußball-WM 2022 gegen Fifa-Regeln verstoßen haben. Sein Fall wurde 2010 zu den Akten gelegt. Da er im Februar 2016 um den Posten des Fifa-Präsidenten kandidieren will, ermittelt nun die Fifa nun wieder. Er wurde am 8.10.2015 mit einer sechsjährigen Sperre belegt (Aumüller, Johannes, Schmach für Blatter und Platini, in SZ 9.10.2015). Chung will nun Blatter wegen Unterschlagung und Veruntreuung verklagen. „Begründung: Blatter gebe sein Gehalt nicht preis und betreibe ‚eine heimlichtuerische Geschäftsführung'“ (Chung will Blatter verklagen, in spiegelonline 7.10.2015).

– Blatter wankt. Blatter in der Schweiz am Sonntag: „Mich kann man zerstören – aber mein Lebenswerk kann man nicht zerstören“ (zitiert nach: Teevs, Christian, Neuer Regenmacher gesucht, in spiegelonline 12.10.2015).

– Aus einem Kommentar von Thomas Kistner in der SZ: „Es ist soweit. Sepp Blatter fällt vom Fifa-Thron. Nicht einmal auf einen Fußball-Platz darf er sich noch wagen, zumindest für die nächsten drei Monate. (…) Sepp Blatters Show wird weitergehen, der 79-jährige Schweizer blickt auf ein jahrzehntelanges Überlebenstraining in jener Sumpflandschaft des Sports zurück, die er selbst mit anlegen half. (…) Kann er den neuen Regenten der Fifa bestimmen – damit darin auch für ihn weiter ein Platz ist?“ (Kistner, Thomas, Der Pate wankt, in SZ 9.10.2015). – „Blatter will über seinen Nachfolger mitbestimmen. Sein letztes Gefecht. Er braucht dazu kein Büro in der Fifa-Zentrale in Zürich, nur sein Mobiltelefon“ (Wulzinger, Michael, Weltfremd im Wallis, in Der Spiegel 42/10.10.2015).

_ Notvorstand für die Fifa? Möglich als Notvorstand wären nach Christian Teevs vom Spiegel Domenico Scala, seit 2012 Vorsitzender der Fifa-Compliance-Kommission und der ehemalige Ermittler Mark Pieth. Scala hat bereits „einen Plan vorgelegt, wie die Fifa grundlegend reformiert werden kann. Ein wichtiger Punkt darin ist, dass die Mitglieder des Exekutivkomitees künftig vom Kongress gewählt werden müssten – und nicht mehr von den Konföderationen bestimmt werden. Für viele Experten ist die Macht der Kontinentalverbände eine Wurzel der Korruption in der Fifa“ (Teevs, Christian, Neuer Regenmacher gesucht, in spiegelonline 12.10.2015).

– Liste der gesperrten Fifa-Leute immer länger. Vernon Manilal Ferenando, Fußball-Präsident von Sri Lanka: seit März 2015 lebenslänglich gesperrt (Kistner, Thomas, Perspektive für Blatter und Platini: lebenslänglich, in sueddeutsche,.de 14.10.2015). Jeffrey Webb, Fifa-Vize und Concacaf-Präsident, wurde an die USA ausgeliefert. Seit dem 27.5.2015 sitzen in Schweizer Gefängnissen die Top-Fifa-Funktionäre Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas, Eugenio Figueredo, Rafael Esquivel und José Maria Marin. Generalsekretär Jérôme Valcke: suspendiert: Im September 2015 war ein Vertrag aufgetaucht, der Valcke eine Gewinnbeteiligung beim Ticketverkauf für die WM 2010 bis 2022 zusicherte (Ethikkommission beantragt neun Jahre Sperre für Ex-Generalsekretär Valcke, in spiegelonline 5.1.2016). Fifa-Präsident Sepp Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini: am 7.10.2015 für 90 Tage gesperrt. Chung Mong-joon: für sechs Jahre gesperrt. Wariwi Makudi, Thailands Verbandschef: ab 12.10.2015 für 90 Tage gesperrt. Nicolas Leoz, Fußballpräsident Paraguays: dort seit Juni 2015 unter Hausarrest und von Interpol gesucht. Lindile Kika, Südafrika: sechs Jahre gesperrt (SID, Fifa-Ethiker sperren auch Kika, in SZ 15.10.2015). Jack Warner ist allerdings noch auf freiem Fuß in Trinidad & Tobago.
Blatters Home of Fifa wird immer leerer.

– DFB hat Fußball-WM 2006 gekauft. Das ist die Aussage des Spiegel-Titels vom 17.10.2015. Sepp Blatter hat dies schon im Juli 2012 behauptete (Weinreich, Jens, Blatters Angriff aus der Ecke, in spiegelonline 16.7.2012). Nun wird diese Behauptung durch eine schwarze Kasse von 10,3 Millionen Schweizer Franken gestützt: Das Geld stammt vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus (Schwarze Kasse – Fußball-WM 2006 mutmaßlich gekauft, in spiegelonline 16.10.2015).
Zu den aktuellen, sich überschlagenden Pressemeldungen am besten zu unser Presseschau.

– Keiner schämt sich. Evi Simeoni fragt sich in der FAZ: „Es wäre eine Mega-Portion Naivität nötig, um zu glauben, der DFB könnte eine moralische Instanz inmitten all des korrupten Unrats im Fußball sein. Aber warum schämt sich keine der handelnden Personen?“ (Simeoni, Evi, Jetzt ist Niersbach dran, in faz.net 16.19.2015).
Weil Scham eine Ethik erfordern würde, die durch das Fifa-Business (und das IOC-Business) bei Sportfunktionären längst abgetötet ist.

FAZ fordert Antworten: „Wichtiger als eine Rückzahlung des Geldes sind Antworten auf diese Fragen: Wieso überweist ein Organisationskomitee 6,7 Millionen Euro an die Fifa? Wer hat das entschieden? Ist die angegebene Zweckbindung überprüft worden? Warum fällt angeblich erst zehn Jahre später auf, dass die Fifa über die Gelder möglicherweise frei verfügt hat? Und warum gab es nur eine interne Überprüfung der Vorgänge? Allein zum Schutz von DFB-Chef Niersbach, der nach Angaben des DFB die Untersuchung im Sommer einleitete, wäre eine externe Kontrolle sinnvoll gewesen“ (Hecker, Anno, Ashelm, Michael, Korruption bei Vergabe der Fußball-WM 2006? in faz.net 16.10.2015)..

– Rücktritt Niersbachs gefordert. Aus einem Kommentar von Jürgen Dahlkamp in spiegelonline: „DFB-Chef Wolfgang Niersbach dementiert eine schwarze Kasse für die WM 2006. Seine Glaubwürdigkeit kann das nach drei Tagen des Taktierens nicht mehr retten. Er sollte zurücktreten. (…) Unglaubwürdigkeit im Ehrenamt ist Unwürdigkeit für das Ehrenamt. Wolfgang Niersbach hat sich unglaubwürdig gemacht, er ist ein Mann, der für die alten Mächte im Fußball steht, für jene Funktionärsclique, die die Glaubwürdigkeit der Fußball-Sportpolitik komplett ruiniert hat. Als Mann von gestern sollte Niersbach auch keine Zukunft an der Spitze des DFB haben. Wer so viel Zeit für gute Erklärungen braucht, sollte etwas tun, was ganz schnell geht: zurücktreten“ (Dahlkamp, Jürgen, Die Ehre des Präsidenten, in spiegelonline 18.10.2015).

– Schweizer Richter und Staatsanwälte im Stadion. Die Fifa hat Züricher Richtern und Staatsanwälten von 1990 bis 2006 Tickets für WM-Endspiele zur Verfügung gestellt. Das berichtete z. B. der Präsident des Züricher Arbeitsgerichts, Hans-Peter Egli, dem Schweizer Tagesanzeiger. Bezahlt wurde von den Juristen der offizielle Preis: „Laut Darstellung des ‚Tagesanzeiger‘ lag der Marktwert der Tickets bei fast dem Zehnfachen der nominellen Preise“ (Schweizer Richter und Staatsanwälte bekamen WM-Finaltickets, in spiegelonline 17.10.2015). – „Pikant wirkt vor dem Hintergrund eine Untersuchung, die im Jahr 2002 elf Fifa-Vorstände unter europäischer Führung per Strafanzeige gegen Sepp Blatter angeschoben hatten. Ein Züricher Bezirksanwalt ermittelte schon damals gegen den Fifa-Präsidenten wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung. die Verdachtslage war breit, Ende 2002 wurde das Verfahren aber eingestellt – auf Grundlage des Schweizer Korruptionsstrafrechts, das seinerzeit noch milder war“ (Kistner, Thomas, Endspiel-Tickets für Juristen, in SZ 19.10.2015).

Fifa-Exekutive 2000: der Niedergang. Was wurde aus den Mitgliedern der Fifa-Exekutive, die am 6.7.2000 Deutschland als Austragungsland für die Fußball-WM 2006 gewählt haben? Siehe hier: Fußball-WM 2006: Blatters WM-Kabinett 2000 – und was daraus wurde (Betrag unter „Aktuelles“ vom 21.10.2015)

– Blattini: Zwei Millionen Franken unter Männern. Zwischen Blatter und Platini gab es keinen Vertrag über die dubiose Zwei-Millionen-Franken-Zahlung. Der Fifa-Ausschuss für Rechnungsprüfung und gute Unternehmensführung unter Domenico Scala konnte keine Unterlagen geschweige denn einen Vertrag in den Akten finden: Die Zahlung tauchte nicht in den Büchern auf. Blatter & Platini versicherten, es sei eine Sache „von Mann zu Mann“ gewesen (Blatter bezahlte Platini an den Fifa-Büchern vorbei, in spiegelonline 20.10.2015).

– Die DFB-Millionen der WM 2006: „56,5 Millionen Euro Gewinn hat allein der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gemacht“  (Simeoni, Evi, Keine krummen Dinger! in faz.net 19.10.2015). – „Allein durch die Sportförderung des Bundes sind in den Jahren von 2000 bis 2006 fast 300 Millionen Euro aus Steuergeld in die Fußball-WM 2006 geflossen“ (PM Bündnis 90/Die Grünen, Schwarze Kassen und Stimmenkauf? in gruene-bundestag.de 19.10.2015).

Beckenbauer vor ordentlichem Fifa-Verfahren. Am 21.10.2015 gab die Fifa bekannt, dass die Fifa-Ethikkommission gegen das ehemalige Mitglied der Fifa-Exekutive, Franz Beckenbauer, Anklage erheben wird. Hauptgrund ist neben einer Reise mit Fedor Radmann zum Emir von Katar, dass er sich bezüglich der Vergabe der WM 2018 an Russland „nach der Vergabe vom russischen WM-Förderer Gazprom ganz ungeniert als Sportbotschafter des vom Kreml gelenkten Staatsunternehmens engagieren und bezahlen ließ“ (Horeni, Michael, Der Kaiser auf der Anklagebank, in faz.net 21.10.2015).

– Neue Kandidaten für das Fifa-Präsidentenamt. „Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa, Oberhaupt des asiatischen Verbands AFC, möchte zwar offensichtlich antreten; gegen den Bahrainer werden allerdings schwere Vorwürfe erhoben. Nach Angaben des ‚kicker‘ ermittelt die Ethikkommission gegen das Exekutivmitglied wegen des Anfangsverdachts auf Verletzung von Menschenrechten. Und der Südafrikaner Tokyo Sexwale ist bisher nur der Wunschkandidat von Franz Beckenbauer“ (Fifa hält an Termin für Präsidentenwahl fest, in spiegelonline 20.10.2015; Hervorhebung WZ).

-Niersbachs interne Prüfung. DFB-Präsident Niersbach behauptete, von dem Vorgang mit den 6,7 Millionen Euro erst im Sommer 2015 erfahren zu haben (Die Fakten zum DFB-Skandal, in spiegelonline 24.10..2015). Er erzählte von einer seit Monaten laufenden internen DFB-Untersuchung bezüglich der 6,7 Millionen Euro. Dazu Oliver Fritsch in zeit.de: „Offen ließ Niersbach auch, was die internen Prüfungen ergeben haben, die der DFB angeblich seit Monaten führt. Namen, wer eingeweiht ist und wer befragt wurde, nannte Niersbach auch auf Nachfragen nicht. Das Versäumnis, seine Kollegen beim DFB nicht informiert zu haben, räumte er immerhin ein. Es muss jedenfalls eine sehr interne Prüfung gewesen sein. Vielleicht ein Selbstgespräch oder ein Gebet. Auffällig auch, dass Niersbach, abgesehen vom Mediendirektor, alleine auf dem Podium saß“ (Fritsch, Oliver, DFB: Die Karikatur eines Sportverbands, in zeit.de 22.10.2015).

– Niersbach-Pressekonferenz: Es gilt das gesprochene Wort. Auszüge: „Jetzt kommt der zweite Teil, den ich in dieser Geschichte, wie er sich darstellt, auch erst seit Kurzem kenne, auch immer noch nicht vollständig. – Wohin dort genau, auch das entzieht sich meiner und unserer Erkenntnis. Von diesem Vorgang aus dem Januar 2002 habe ich persönlich nichts gewusst… – Was habe ich mir persönlich vorzuwerfen? Ich habe von dem Vorgang erfahren im Juni etwa, den Tag genau kann ich nicht sagen, über Umwege. – Die Frage kann ich Ihnen auch nicht beantworten. – Auch da bin ich überfragt. – Ich habe ja gesagt, es war die Finanzkommission. Wer es aber dort bekommen hat, das entzieht sich meiner Kenntnis. – Aber wenn Sie nach meinem exakten Wissen fragen, dann muss ich passen. – Aber dass dahinter die Rückzahlung stand, das war mir nicht bewusst. – Nicht, dass es jetzt so aussieht, dass ich mich drücke, aber ich war in diese Finanzabwicklungen nur sehr bedingt eingebunden in meiner Zuständigkeit. Deshalb kann ich Ihnen auch heute nicht die restlose Aufklärung liefern. Da sind schon ein paar Fragen offen. – Auch das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann, weil ich nicht weiß, was bei dieser ersten Überweisung von Louis-Dreyfus an die Fifa-Finanzkommission für ein Titel dabei war. Das entzieht sich meiner Kenntnis. Oder auch unserer Erkenntnis. – Das kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit auch nicht sagen. Denn diese Transaktionen – das müssen die Untersuchungen ergeben. Das kann ich von meiner Position, von meiner Person aus nicht sagen. – Ich wäre selber froh, wenn ich es für mich selber präziser wüsste. – Wo ist das Geld hingegangen? Wer hat es erhalten? Die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. – Dass da was dranhing, das war mir nicht bekannt. Ich kann ja nur für mich persönlich einhundertprozentig sprechen, es war nicht bekannt. – Ich kann nur sagen, dass dies mir nicht bekannt war. – Es ist mir nicht bekannt, ob da Befragungen stattgefunden haben. – Ich weiß auch, dass der Wirtschaftsprüfer schon im Haus ist, aber inwieweit der jetzt schon tätig geworden ist, kann ich auch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. – Also der ganze OK-Haushalt ist ohne Steuermittel aufgebaut worden. Ich weiß jetzt nicht mehr die Gesamthöhe genau. – Also, ich weiß definitiv nicht, aus welcher Quelle überhaupt hochtheoretisch irgendetwas gekommen sein könnte. – Um diesen Vorgang, da ranken sich natürlich Fragezeichen, die auch ich sehe. Ich kann es immer nur wiederholen, wie der Abgang war und dass ich zu dem damaligen Zeitpunkt davon überhaupt nichts wusste, nicht die geringste Ahnung hatte“ (Die Pressekonferenz mit Wolfgang Niersbach im Wortlaut, aufgezeichnet von Christian Krämer, in spiegelonline 22.10.2015).

Fifa widerspricht DFB. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erklärte auf  der Pressekonferenz am 22.10.2015, dass der DFB für die WM 2006 250 Millionen Franken Zuschuss von der Fifa bekommen habe. Niersbach: „Aber im Gegenzug müssten zehn Millionen Schweizer Franken an die Finanzkommission überwiesen werden“ (Fifa stellt Niersbachs Version zur Millionenzahlung infrage, in spiegelonline 22.10.2015). Die Fifa (bzw. deren Rechtsanwaltskanzlei) widersprach umgehend: „Es entspricht in keinster Weise den Fifa-Standardprozessen und Richtlinien, dass die finanzielle Unterstützung von WM-OKs an irgendwelche finanziellen Vorleistungen seitens des jeweiligen OKs oder seines Verbandes gekoppelt ist. Im Übrigen ist ganz generell die Finanzkommission weder berechtigt, Zahlungen irgendwelcher Art in Empfang zu nehmen, noch verfügt sie über ein eigenes Bankkonto“ (Ebenda). Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger: „Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der  deutschen WM-Bewerbung gab“ („Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse gab“, in spiegelonline 23.10.2015). – „Es sei „ebenso klar, dass der heutige Präsident des DFB davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet sondern schon seit mindestens 2005. So wie ich das sehe, lügt Niersbach“ (Ex-DFB-Chef: Es gab „schwarze Kasse“, in nzz.ch 23.10.2015). Die Fifa (oder die Fifa-Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer) gegenüber dem Spiegel: „Nach heutigem Kenntnisstand wurde keine derartige Zahlung von 10 Millionen Schweizer Franken bei der Fifa 2002 registriert“ (Buschmann, Rafael u. a., Schuld und Schein, in Der Spiegel 44/24.10.2015).
Übrigens hat sich auch der DFB die Dienste von Freshfields Bruckhaus Deringer gesichert (Leyendecker, Hans, Jenseits von Kant und Ribéry, in SZ 29.10.2015). Theo Zwanziger war überrascht, als er einen Artikel der Zeit las, der „über enge Bande zwischen Freshfields-Frontmann Christian Duve sowie Friedrich Curtius, dem Büroleiter und Vertrauten von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, berichtete. Beide hatten bis Sommer zusammen ein Jahr lang im Vorstand des Rotary-Clubs Frankfurt gesessen“ (Zwanziger irritiert über  DFB-Ermittler – Netzer will klagen, in SZ 31.10.2015).

–  Oh wie schön: Deutsches Fußball-Museum. Die DFB-Nassauer haben wieder zugeschlagen – ein Fußball-Museum mit 7000 Quadratmetern Ball-Kult. Opfer ist die mit 2,5 Milliarden Euro hochverschuldete Stadt Dortmund. „Das Grundstück im Wert von mehreren Millionen bekam die DFB-Museumsstiftung umsonst, in diesem Jahr zahlt die Stadt 150.000 Euro Betriebskosten, ab dem kommenden sogar 300.000 Euro jährlich. Damit nicht genug, von den Gesamtkosten von mehr als 40 Millionen Euro übernahm der DFB gerade mal ein Fünftel, acht Millionen Euro – und das, obwohl der Verband nicht gerade knapp bei Kasse ist. Fast zwanzig Millionen Euro kommen vom Land Nordrhein-Westfalen, Sponsoren zahlen etwa zehn Millionen und dürfen sich dafür prominent platzieren. Die hoch verschuldete Stadt Dortmund überweist etwa fünf Millionen für Umbauten in der Umgebung und trägt das Hauptrisiko des Museums, von dem keiner weiß, ob die kalkulierten 270.000 Besucher pro Jahr kommen werden – bei Eintrittspreisen von 17 Euro für Erwachsene. Es ist eines der teuersten Museen im Land – dabei sind hier keine millionenschweren Picassos zu sehen, deren Erwerb gegenfinanziert werden muss. Man sieht den WM-Ball von 1954 und ein Trikot von Gerd Müller. Die Frage ist, wie viele Menschen das sehen wollen? Bleiben die Besucher aus, muss Dortmund noch tiefer in die Tasche greifen, ab einem Minus von einer halben Million Euro muss der Fehlbetrag aus dem Stadtetat beglichen werden, der eigentlich leer ist. Schon jetzt müssen wegen des Museums die Zuschüsse an andere Kultureinrichtungen gekürzt werden, auch das Konzerthaus nebenan soll weniger Geld bekommen“ (Dörries, Bernd, Die  Wahrheit liegt auf dem Bahnhofsplatz, in SZ 23.10.2015; Hervorhebung WZ). – „Franz Beckenbauer und Günter Netzer haben für die Gala zur Eröffnung des Fußballmuseums abgesagt“ (Gertz, Holger, Es war einmal, in SZ 24.10.2015).
Warum wohl?

– Elf Freunde müsst ihr sein… „Wenn man das Verhältnis von zwei Politikern beschreiben will, die in einer Partei sind, sagt man gern: Feind, Todfeind, Parteifreund. Beim Fußball geht es noch härter zu. Zwanziger will Niersbach erledigen“ (Aumüller, Johannes, Ott, Klaus, Leyendecker, Hans, Es geht noch härter, in SZ 24.10.2015).

– Klaus Brinkbäumer in spiegelonline: „Jeder, der Mitglied der Clique ist, profitiert davon, und jeder, der das System hinterfragt, gilt als Feind und wird abgestoßen. In anderen Welten, beispielsweise in der Politik, wäre Joseph Blatter unwählbar und Wolfgang Niersbach nicht gut genug, und Herren wie Alfred Draxler, Chefredakteur von ‚Sport Bild‘ und zugleich Franz Beckenbauers Förderer und Schützling, oder auch Helmut Markwort, ‚Focus‘-Herausgeber und bis ins hohe Alter Verwaltungsbeirat des FC Bayern, würden dort als Fans und Handlanger der Regierenden entlarvt werden. (…) Niemand zwingt Spieler, Sportjournalisten und Zuschauer, den Verstand vor der Arena auszuschalten“ (Brinkbäumer, Klaus, „Der Franz hat gesagt…“, in spiegelonline 24.10.2015).

– Lichtgestalt immer düsterer. „Kaiser“ Beckenbauer erklärte am 26.10.2015 u. a.: „1. Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen. 2. Um einen Finanzierungszuschuss der FIFA zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der FIFA-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen“ (Beckenbauers Erklärung, in SZ 27.10.2015). – Beckenbauer hat den Emir von Katar im Jahr 2009 besucht: Die Fifa-Ethikkomission ermittelt deswegen. „Für Katar habe Beckenbauer nicht gestimmt, ließ er über seinen Golfpartner Alfred Draxler (Chefredakteur von SportBild, siehe oben; WZ) in der Bild mitteilen. Angeblich habe Beckenbauer den Scheich sogar überreden wollen, die Bewerbung fallen zu lassen“ (Fritsch, Oliver, Franz Beckenbauer: Der über dem Gesetz steht, in zeit.de 22.10.2015). Zum Geschäft 6,7 Millionen Euro gegen 170 Millionen Euro aus einem Artikel von Thomas Kistner: „… wird die Absurdität der angeblichen Forderung – gib mir 6,7 Millionen, dann kriegst du 170 Millionen – nur von der Behauptung übertroffen, dass sich Beckenbauer daraufhin, laut Niersbach, mit dem Gedanken getragen habe, selbst die 6,7 Millionen vorzuschießen“ (Kistner, Thomas, „Keine Stimmen gekauft“, in SZ 27.10.2015).
Das ist doch mal ein überzeugendes Geschäftsmodell. Hallo, liebe Leser: Ich gebe jedem 6,70 Euro, wenn er mir später einmal 170 Euro gibt… 

Fifa-Ermittlungen gegen Beckenbauer vor dem Abschluss. „Der Fall Franz Beckenbauer steht bei der Ethikkommission des Weltverbands Fifa unmittelbar vor dem Abschluss. Die Ermittlungskammer der Kommission hat die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur Rolle Beckenbauers bei der Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar abgeschlossen und der rechtsprechenden Kammer zur Entscheidung über ein Urteil vorgelegt. (…) 2014 war Beckenbauer wegen mangelnder Zusammenarbeit mit der Kommission vorübergehend suspendiert worden. Er sollte damals, wie alle Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees, die bei der doppelten WM-Vergabe an Russland und Katar im Dezember 2010 beteiligt gewesen waren, der Kommission Fragen beantworten. Bei Beckenbauer ging es unter anderem um Geschäftsreisen nach Katar und seine Rolle als Sportbotschafter des von Gazprom geführten Verbands russischer Gasproduzenten, die er kurz nach der WM-Vergabe angenommen hatte“ (Fifa-Ermittlungen gegen Beckenbauer abgeschlossen, in spiegelonline 21.10.2015).

– Panzer gegen Fußball? Bei meiner Recherche zu den 24 Fifa-Exekutivkomitee-Mitgliedern fiel auf, dass Saudi-Arabien (Mitglied Abdullah Khalid Al Dabal) im Vorfeld der WM-Vergabe 2006 an Deutschland überraschend eine Waffenlieferung erhalten hat: Der Bundessicherheitsrat beschloss am 28.9.2000 die Lieferung von 1200 Panzerfäusten nach Saudi-Arabien (Kistner, Thomas, Perfektes Timing der Deutschland AG, in SZ 15.7.2000; vgl. hier). Am 2.12.2010 wurde Katar als Austragungsort gewählt. Der Katarer Mohamed Bin Hammam soll sich dafür stark eingesetzt haben und wies vor der Wahl Katars die Deutschen auf die Vergabe der WM 2006 hin. Nun ein kleines Gedankenspiel: „Es war im Jahr 2013, als die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung der Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann die Ausfuhr von 62 Leopard 2, einem Fahrschulpanzer Leopard 2, vier Kampfpanzer-Türmen, 24 Panzerhaubitzen, einem Fahrschulpanzer für die Panzerhaubitze, sechs Bergepanzern Wisent 2, entsprechender Munition, Bewaffnung und weiterer Ausstattung im Vertragswert von etwa zwei Milliarden Euro genehmigte. Grundlage der Genehmigung war das Kriegswaffenkontrollgesetz (KWKG). Für die endgültige Ausfuhr aber ist eine weitere Genehmigung nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG) erforderlich“ (Hickmann, Christoph, Mascolo, Georg, Zweifelhafte Lieferung an den Golf, in SZ 23.10.2015). Im Oktober 2014 sagte der neue Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), „dass sich die Lieferung dieses Waffensystems wie auch in den vergangenen Jahren nicht rechtfertigen ließe“ (Ebenda). – „Und nun? Nun wurden in den vergangenen Wochen vier Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 auf die Reise nach Katar geschickt, dazu drei Panzerhaubitzen. Und weitere Lieferungen werden folgen“ (Ebenda).
Ist ja nur ein kleines Gedankenspiel… Heutzutage denkt man eben an dieses und jenes…

– Totalitäre Staaten für Blatter. Der ewige Blatter steht gemeinsam mit Platini wegen der ungeklärten Überweisung von zwei Millionen Franken im Februar 2011 an diesen unter Druck: Platini hatte danach umgehend mit der Wahlwerbung für Blatter in der Uefa begonnen. „Die Fifa-Ethikkommission hatte Blatter und Platini für jeweils 90 Tage gesperrt. Einen vorzeitigen Rücktritt vor der Wahl seines Nachfolgers am 26. Februar schloss Blatter aus. ‚Ich will nach 41 Jahren bei der FIFA einen würdigen Abgang‘, sagte er. Unterstützende Briefe habe er unter anderem von Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping erhalten. Auch viele Nationalverbände drückten ihre Unterstützung aus. ‚Diese Solidarität tut sehr gut‘, sagte Blatter“ („Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt“, in spiegelonline 25.10.2015).

– Der nächste Gastgebervertrag -diesmal von der Uefa. München muss 2016 neue Schulden machen, weil ungefähr 700 Millionen Euro im Haushalt fehlen – aber investiert in die Fußball-EM 2020. Vier Partien werden in der Allianz-Arena ausgetragen (die dann nicht mehr so heißen darf). Das hat die Stadt zu bezahlen: 9,4 Millionen Euro Sachkosten für die vier Spiele, 2,4 Millionen Euro für Public Viewing im Olympiapark, 1,64 Millionen Euro für MVV-Freifahrscheine für Ticketbesitzer, Funktionäre und Helfer, fast eine Million Euro für Werbeflächen zum Nulltarif für die Uefa (Effern, Heiner, Sparen bei der Fußballsause, in SZ 26.10.2015). Dazu will das Sportamt für 1,9 Millionen Euro 6,5 Stellen schaffen. Der Stadtrat soll 2,8 Millionen Euro zur Nutzung „dieser einmaligen Werbeplattform“ bereitstellen, eine Million Euro soll das Begleitprogramm plus städtischem Empfang kosten, eine halbe Million die Tourismuswerbung: Das würde aufaddiert 20,64 Millionen Euro ergeben. Interessant: hier sind die Sicherheitskosten noch gar nicht enthalten. Bei der WM 2006 (damals als „Sommermärchen“, heute als Gruselstory bekannt) hat der Freistaat dies übernommen: Das wird bei der EM 2020 nicht mehr der Fall sein (Ebenda). Und wie es im Bayerischen heißt: „Der Kas ist bissn!“ – „Der Gastgebervertrag ist mit einigen Änderungen unterschrieben, ein Zurück wird es nicht geben. München und auch die anderen Ausrichterstädte haben darin den Sportfunktionären wieder einmal eine Menge von Sonderprivilegien zugestanden“ (Effern, Heiner, Ein Zurück gibt es nicht, in SZ 26.10.2015).
Da freuen wir uns doch schon jetzt auf die Bewerbung des DFB für die Fußball-EM 2024!

– Hans Leyendecker in sueddeutsche.de zur Überweisung von 6,7 Millionen Euro vom DFB an die Fifa: „Einer korrupten Organisation wurden Millionen zur Verfügung gestellt, mit denen Dunkelmänner nach Belieben hantieren konnten. Zur Tarnung dieser Transaktion mussten Bilanzen gefälscht, Aufsichtsgremien belogen werden, und vermutlich wurde auch der deutsche Fiskus betrogen. Das war kein Fehler, das war eine Art Beihilfe zur systemischen Korruption der Fifa. Es musste jemand geschmiert werden, damit ein Geschäft zügig abgewickelt werden konnte. Im Reich der Fifa gab es keinen Fußbreit Boden, den man sorglos betreten konnten. Das wussten die Beteiligten und sie machten dennoch mit. (…) Wahrscheinlich wird im Zuge dieser Affäre DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sein Amt verlieren. Er war eigentlich eine Randfigur der Geld-Geschichte, nicht wirklich zuständig und hatte auch in solchen Angelegenheiten keinen Durchblick. Dennoch wird er schon wegen erwiesener Unfähigkeit, Krisen zu bewältigen, gehen müssen. Und der Privatmann Beckenbauer?“ (Leyendecker, Hans, Mehr als nur ein Fehler, in sueddeutsche.de 27.10.2015).

– Netzer widerspricht Zwanziger. Günter Netzer warf Theo Zwanziger Verleumdung vor und verlangte bis 30.10. 14 Uhr eine Unterlassungserklärung: Zwanziger soll nicht mehr behaupten dürfen, dass Netzer ihm im Herbst 2012 gesagt habe, die 6,7 Millionen Euro seien für die vier Asiaten im Fifa-Exekutivkomitee gewesen. Zwanziger weigerte sich. Nun wird ihn wohl Netzer vor Gerichtverklagen (Zwanziger will keine  Unterlassungserklärung abgeben, in spiegelonline 28.10.2015).

– Fedor Radmann schwört. Radmann in der Zeit vom 29.10.2015: „Ich könnte beim Leben meiner sechs Kinder beschwören, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass nicht ein Mensch von uns bestochen wurde“ (Beckenbauer-Vertrauter Radmann: Keine Korruption, in zeit.de 29.10.2015).
Und wenn es nicht ein Mensch war, sondern mehrere?

– Blatter gegen Platini. Blatter behauptete, die USA sollten die WM 2022 bekommen. Er sagte im Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Tass: „Alles war gut, bis Nicolas Sarkozy ein Treffen mit dem heutigen Emir von Katar hatte. Nach dem anschließenden Essen hat Michel Platini gesagt, wes wäre gut, nach Katar zu gehen. Das hat alles geändert. Bei einer geheimen Abstimmung gingen vier Stimmen aus Europa von den USA an Katar. So kam es zum Ergebnis von 14:8 für Katar, sonst wäre die Abstimmung 12:10 für die USA gewesen und wir würden über eine wunderbare WM 2018 in Russland sprechen und nicht über irgendwelche Probleme bei der Fifa“ („Platini hat alles arrangiert“, in SZ 29.10.2015).

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VII: Sport-Millionen und -Millionäre

– Die Adidas-Millionen. Bei der WM 2014 verkaufte Adidas 2,1 Millionen Trikots der Nationalmannschaft. Adidas feilscht derzeit mit dem DFB um einen neuen Vertrag für die Fußball-Nationalmannschaft. „Der Poker um den Ausrüstervertrag ist eröffnet; von einem Eine-Milliarde-Euro-Angebot war zuletzt die Rede“ (Ritzer, Uwe, Heimatgefühl, in SZ 1.10.2015). Adidas-Vorstandsvorsitzender Herbert Hainer bestreitet die Milliarde, will aber das (sündteure) Trikot wieder in Deutschland produzieren lassen. Derzeit zahlt Adidas jährlich bis zu 25 Millionen Euro an den DFB. An Manchester United überweist Adidas jährlich 90 Millionen, an den FC Bayern 60 Millionen Euro (Ebenda).

– 2014 zahlte Messi angeblich 53 Millionen Euro Steuer. Die Madrider Behörde Abogacía del Estado möchte den Fußballer des FC Barcelona, Lionel Messi, hinter Gitter sehen, weil sie ihm und seinem Vater Steuerhinterziehung vorwirft: „Die Ermittler fanden heraus, dass Leos Vater und Vermögensverwalter, Jorge Horacio Messi, die Einkünfte aus den Sponsorenverträgen seines Sohnes über Firmen abwickelte, die ihren Sitz in schönen, weit entfernten Ländern hatten: in Belize und Uruguay, in Steuerparadiesen. In einem Fall, bei der Abmachung mit Adidas, schien es den Messis irgendwie vorteilhafter, dass das Geld auf ein Konto in der Schweiz überwiesen wurde. Der spanische Fiskus fühlte sich um 4,1 Millionen Euro geprellt und beantragte ein Verfahren. Das war vor zwei Jahren“ (Meiler, Oliver, „Wo die Kohle hinging, wusste ich nicht“, in SZ 12.10.2015).

– Nike kontra Adidas. Nike will Adidas noch weiter distanzieren. „Der Umsatz solle bis zum Geschäftsjahr 2020 um 63 Prozent auf dann 50 Milliarden Dollar zulegen“ (Reuters, Wettlauf von Nike und Adidas, in SZ 16.10.2015).

– FDP gegen Tour-de-France-Start in Düsseldorf. Der Düsseldorfer OB Thomas Geisel (SPD) hat Probleme mit seiner Ampelkoalition. „Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Chefin der Liberalen, nennt Gründe für das Nein ihrer Fraktion: Angesichts dringender Schulsanierungen sei nicht die Zeit, dafür mehr als sechs Millionen Euro auszugeben“ (FDP stimmt gegen Tour de France in Düsseldorf, in rp-online.de 20.10.2015).

– Chinesischer Sport-Milliardär. Der reichste Chinese heißt Wang Jianlin und besitzt laut Forbes 30 Milliarden US-Dollar. Er ist u. a. an Atlético Madrid beteiligt und hat im Februar  2015 für eine Milliarde US-Dollar die Schweizer Sportmarketingagentur Infront (CEO: Philippe Blatter, Neffe des FifaPaten) gekauft, die auch die Übertragungsrechte für die nächsten Fußball-Weltmeisterschaften hält (Wang Jianlin, in SZ 27.10.2015).

– Neues von den Sportmilliardären Rotenberg. Die Sotschi-Gewinnler und Putin-Freunde Arkadiy und Boris Rotenberg bekamen – trotz der offiziellen Sanktionen gegen sie – Hilfe von der Deutschen Bank: „In diesem Zusammenhang soll die Bank außerdem mit russischen Kunden Geschäfte gemacht haben, die nach der Krim-Annexion Russlands im vergangenen Jahr mit internationalen Sanktionen belegt worden sind. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge haben die Guthaben auf mehreren der in Rede stehenden Konten Vertrauten von Präsident Wladimir Putin gehört. Darunter seien ein Angehöriger des Präsidenten sowie zwei langjährige Freunde gewesen – Arkady und Boris Rotenberg, die durch Verträge mit staatlichen Unternehmen reich geworden waren und derzeit laut Bloomberg von den USA mit Sanktionen belegt sind“ (Schreiber, Meike, Und das nächste Milliarden-Risiko, in SZ 27.10.2015).

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VIII: Totalitärer Sport-Terminkalender

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IX: Doping-News

Siehe hierzu auch die Doping-Hintergründe von Cycling4fans: hier und Aktuelle Doping-Meldungen hier und die Webseite der Doping-Opfer-Hilfe: hier

– 25 Jahre deutsche Doping-Wiedervereinigung. Anno Hecker dazu in faz.net: „Mit dem internationalen Renommee wird nach wie vor die Unterstützung des Staates für den Spitzensport gerechtfertigt. Weil die Erfolge angeblich die Leistungsfähigkeit des Landes repräsentieren. Über den kausalen Zusammenhang zwischen einem WM-Titel eines deutschen Dreispringers und der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik kann man wohl streiten. Nicht aber über die Folgen dieses Leistungsanspruchs. Er war und ist der Nährboden für Manipulationen. Das hat die Politik zwar verstanden und will nun gegen den Willen des Sports endlich ein scharfes Anti-Doping-Gesetz durchsetzen. Aber gleichzeitig fordert der Innenminister mittelfristig ein Drittel mehr Medaillen. Vor diesem Hintergrund werden saubere Athleten in bestimmten Sportarten oder deren Disziplinen glauben, nur eine Wahl zu haben: friss oder stirb. Wie vor 45 Jahren, mitten im Kalten Krieg. (…) Im Verhältnis zur Förderung des Spitzensports (2015 geschätzt 500 Millionen Euro durch Bund und Länder) fällt die ideelle wie finanzielle Unterstützung für den Alltagssport und dessen Entwicklung lächerlich gering aus. Es existiert kein nationales Interesse“ (Hecker, Anno, Erfolg ist mehr als Medaillenflut, in faz.net 3.10.2015; Hervorhebung WZ).

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X: Die Sportsender ARD/ZDF

Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Eurosport

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XI: Überraschungspunkt: IOC = Fifa

Marc Hodler: Wahl der Olympischen Spiele immer schon verschoben. Hodler war zwei Jahrzehnte für olympische Bewerbungen zuständig. Am 11.12.1998 sprach Marc Hodler in der IOC-Zentrale in Lausanne über Bestechungen und löste die größte Krise der olympischen Bewegung aus: „Am 11. Dezember 1998 sprach Hodler über ‚klare Korruption‘, organisierten Stimmenkauf, schmutzige Werbekampagnen und sagte: Er kenne keine Stadt, die Olympische Spiele auf ‚unangreifbare Weise’ erhalten habe“ (Weinreich, Jens, Beim König im Wort, in sueddeutsche.de 17.5.2010).„Auf einmal aber sorgt ausgerechnet Marc Hodler, seit 1963 im Kartell des Schweigens und einer seiner Mächtigsten, dafür, dass Samaranchs Reden von der ‚olympischen Bewegung’ für die ‚Jugend der Welt’ als verkaufsförderndes Geschwätz entlarvt sind“ (Brinkbäumer, Klaus/Geyer, Matthias/Wulzinger, Michael, Olympia – Rutschbahn vom Himmel, in Spiegel 52/21.12.1998). Ende 1999 sagte Hodler: „Es gibt ein IOC-Mitglied, das vertritt die These, wonach Käuflichkeit allein eine Frage des Preises ist” (Kistner, Thomas/Weinreich, Jens, Der olympische Sumpf, München 2000, S. 74).

DOSB-Präsident verängstigt. „Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, appellierte an die Hamburger, angesichts der Turbulenzen um die Vergabe der Fußball-WM 2006 die Spitzenorganisationen des Sports nicht in einen Topf zu werfen. ‚In einem Fall geht es um FIFA und DFB und in unserem Fall um IOC und DOSB’“ (DPA, Olympia-Referendum: Abstimmung in Hamburg läuft an, in shz.de 26.10.2015).

IOC untragbar. Der Graubündner SP-Präsident Jon Pult zur Zurückziehung aller Bewerbungen aus demokratischen Staaten für die Spiele 2022: „Warum? Weil das IOC ein höchst unglaubwürdiger und finanziell untragbarer Partner ist – etwa gleich glaubwürdig wie die Fifa, bei der endlich alles am Auffliegen ist“ (Pult, Jon, PM Zwängerei gegen den Volkswillen, in SP, Kanton Graubünden, 26.10.2015).


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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