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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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März 2015

 
Zuletzt geändert am 08.11.2015 @ 10:47

Webseite-Besucher
Im Februar 2015 besuchten 30.032 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite – pro Tag durchschnittlich 1072. Von Februar 2010 bis einschließlich Februar 2015 hatten wir damit 1.156.962 Besucher: Wir bedanken uns für das anhaltende Interesse.

Neu unter “Aktuelles”:
Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen; Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?; Berliner Senat ist nicht Charlie; Boston 2024: Privatbewerbung eines Baukonzerns; Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften; Olympisches Abholzen für Pyeongchang 2018; Agenda 2020 – Wie das IOC sein Geschäftsmodell erweitern will
Neu im Kritischen Olympischen Lexikon:
25.1.2015 Aktualisiert nach Pechstein-Urteil: Court of Arbitration for Sport (Cas); 20.1.2015: DFB gegen Galopprennbahn; 19.1.2015: Afrika-Cup 2015; 19.1.2015: Handball-WM 2015; 17.1.2015: Deripaska, Oleg; 7.1.2015: Gazprom-NTW; 1.1.2015: Doping Russland; 22.12.2014: Wintersport im Klimawandel: 2014/2015; 18.11.2014: Totalitärer Sport-Terminkalender
Laufend aktualisiert:
Hamburg-Berlin 2024 – Zur deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024: bis Juni 2014: hier; 7-8/2014: hier; 9-10/2014: hier; ab 11/2014: hier
Gazprom-Chronik – Was ein Gaskonzern und Sport, Oligarchen und Putin miteinander zu tun haben. Gazprom-Chronik (1) bis 31.12.2012: hier; Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier; Gazprom-Chronik (3) ab 9/2014: hier; Gazprom-Chronik (4) ab 11/2014: hier

In eigener Sache
Die Webseite und ihre Informationen stehen allen zur Verfügung, um die tatsächlichen Hintergründe im Spitzensport und seinem Umfeld aufzuzeigen und zu beschreiben. Ich bemühe mich meinerseits, korrekt zu zitieren und Quellen anzugeben. Umgekehrt wäre es fair, wenn auch die Nolympia-Webseite als Quelle in den Artikeln von Journalisten angegeben wird.
Dr. Wolfgang Zängl

Die Gliederung im März 2015 sieht so aus:
I: Zitate des Monats
II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden
III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden
IV: Aktuell aus München und Bayern
V: Allgemeine Nachrichten
VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.
VII: Sport-Millionen und -Millionäre
VIII: Der totalitäre Sport-Terminkalender
IX: Doping-News
X: Die Sportsender ARD/ZDF

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I: Zitate des Monats

Karl Brenke, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Im Grunde braucht keine Stadt Olympische Spiele – aber das IOC braucht irgendeinen Austragungsort. Und dann kann es doch gerne die Sportanlagen und Infrastruktur selbst errichten“ (Reeh, Martin, „Berlin wird nicht gewinnen“, in taz.de 9.8.2015).

Walter Schneeloch, DOSB-Vizepräsident Breitensport: „Es könnte sein, dass wir zu dem Schluss kommen, keine Bewerbung für die Spiele 2024 abzugeben, weil uns die Zustimmung vielleicht nicht hoch genug erscheint… Bevor wir auf die Nase fallen, könnten wir einer neuen Bewerbung etwas mehr Zeit geben“ (DOSB-Präsident: Vielleicht keine Bewerbung um Olympia 2024, in Rheinische Post 11.3.2015).

Stefan Grass vom Olympiakritischen Komitee Graubünden zu Hamburg/Berlin 2024: „Mein Fazit: Das IOC geht in ganz Europa den ‚Bach‘ hinunter“ (persönliche Email, 11.3.2015).

Aus einem Kommentar von Peter Ahrens in spiegelonline zur DOSB-Wahl zwischen Hamburg 2024 und Berlin 2024: “Das Präsidium dürfte in seinem Meinungsbild noch relativ gespalten sein. Auf der einen Seite hätte Berlin beim IOC zweifellos bessere Karten, auf der anderen Seite ist hier das Risiko, dass die Bewerbung im September bei einem Bürgerentscheid kippen würde, wohl größer als in Hamburg. Und diese Blamage wollen sich Hörmann und Co in keinem Fall erlauben: Das ablehnende Votum der Münchner zu den Winterspielen 2022 hat beim DOSB eine traumatische Wirkung hinterlassen” (Ahrens, Peter, Hauptstadt oder Hansestadt – wer liegt vorn? in spiegelonline 12.3.2015).

Alan Posener in der Welt zu Hamburg 2024 und Berlin 2024: Eine Stadt, die kann, aber nicht wirklich will, gegen eine Stadt, die will, aber vielleicht nicht kann, und beide pleite; eine Bundesregierung, die das bezahlen muss, sich aber aus der Sache heraushält“ (Posener, Alan, Die Olympiabewerbung gibt keinen Sinn, in welt.de 15.3.2015). 

Thomas de Maizière zieht um: „Für Olympia sind wir ab heute alle Hamburger“ (Teuffel, Friedhard, Ganz oder gar nicht, in tagesspiegel.de 18.3.2015). 

Der sportpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Özcan Mutlu, zur Vergabe von Großsportveranstaltungen: „Wenn jemand IOC oder FIFA hört, da fällt einem als erstes Korruption, Intransparenz, Vetternwirtschaft, Duldung von Menschenrechtsverletzungen oder Naturzerstörung ein“ (Kempe, Robert, Grüne wollen verbindliche Vergabe-Kriterien, in deutschlandfunk.de 19.3.2015).

Der Vorsitzende des englischen Fußballverbandes, Greg Dyke, zu einer künftigen Bewerbung um die Austragung einer Fußball-WM: „Wir bewerben uns nicht, solange Blatter da ist“ (England erwägt Bewerbung – wenn Blatter weg ist, in spiegelonline 25.3.2015. England hatte sich um die WM 2018 beworben und nur zwei Stimmen erhalten – Gewinner wurde Russland).

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II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden

DOSB zu Besuch beim IOC. DOSB-Vorstand Michael Vesper besuchte mit seinem Kollegen Bernhard Schwank (zuständig für die durchgefallene Bewerbung München 2018 und die vierfach abgewählte Bewerbung München 2022 und jetzt beim DOSB zuständiger Vorstand für internationale Beziehungen) das IOC in Lausanne. „Vesper sprach vom fruchtbaren Start unserer Kooperation mit dem IOC bei der olympischen Bewerbung 2024“ (Goddard, Emily, German Olympic Sports Confederation officials meet with IOC as part of 2024 bid Invitation Phase, in insidethegames.biz 2.3.2015). Die Herren trafen sich u. a. mit Christophe Dubi, IOC Olympic Games Executive Director. 
Kleiner Rückblick zu Christophe Dubi und seinem Kommentar des Rückzugs von Oslo 2022: Den Rückzug von Oslo kommentierte das IOC mit eigenwilliger Ignoranz und Arroganz. Christophe Dubi, Exekutiv-Direktor der Olympischen Spiele beim IOC, schrieb in der Pressemitteilung: “Das ist eine verpasste Gelegenheit für die Stadt Oslo und für die norwegische Bevölkerung… Und es ist eine verpasste Gelegenheit für die herausragenden norwegischen Sportler, die nun nicht mehr in der Lage sind, neue olympische Höhen in ihrem Heimatland zu erreichen” (IOC Statement on Oslo 2022, olympic.org 1.10.2014). Vgl. auch Oslo 2022: abgesagt

– Sotschi macht „Gewinn“. Das Organisationskomitee Sotschi 2014 hat ausgerechnet, dass das Durchführungsbudget rund 50 Millionen Dollar Gewinn gemacht habe. Das IOC erhält 20 Prozent und beschloss, die zehn Millionen Dollar dem Russischen Olympischen Komitee zur Entwicklung des Sports, für den Olympischen TV-Kanal und für ein Olympisches Museum in Russland zu übereignen (IOC Executive Board meeting kicks off report on Sotchi 2014 operational profit, in olympic.org 26.2.2015). – „Am vergangenen Freitag veröffentlichten die Veranstalter der Winterspiele ihren operativen Überschuss: 53 Millionen Dollar, 44 Millionen Euro. Das Internationale Olympische Komitee kündigte an, seinen Anteil daran, etwa zehn Millionen Dollar, dem Nationalen Olympischen Komitee Russlands zu überweisen, um die Sportentwicklung in Russland und den Bau eines olympischen Museums zu unterstützen. Am selben Tag, Freitagabend um halb zwölf Moskauer Zeit, wurde Boris Jefimowitsch Nemzow, der Mann, der die atemraubende Korruption im Zusammenhang mit den Spielen in Sotschi mit Zahlen unterfüttert hatte, auf einer Brücke über die Moskwa, in Rufweite des Kremls, hinterrücks erschossen“ (Becker, Christoph, Boris Nemzow und der Korruptionssumpf, in faz.net 1.3.2015).
Zur Erinnerung: Sotschi 2014 hat über 50 Milliarden Dollar gekostet – der sogenannte „operative Gewinn“ liegt bei einem Promille der tatsächlichen Kosten.

– Boris Nemzow und der Sotschi-Korruptionssumpf. Am 27.2.2015 wurde der Putin-Kritiker Boris Nemzow vor dem Kreml von hinten mit vier Schüssen getötet. „Im Mai 2013, ein dreiviertel Jahr, bevor der russische Präsident Wladimir Putin die Olympischen Winterspiele von Sotschi eröffnete, dokumentierte Boris Nemzow den Preis von Putins Prestigevorhaben: mehr als 50 Milliarden Dollar. Nemzow und seinem Mut verdanken wir das Wissen, dass jede Goldmedaille, die in Sotschi im vergangenen Winter vergeben wurde, fast viermal so teuer war wie jede Goldmedaille bei den bis dahin teuersten Spielen der Geschichte 2008 in Peking. ‚Winterspiele in den Subtropen: Korruption und Missbrauch in Sotschi‘ hieß der Bericht, den Nemzow vor knapp zwei Jahren gemeinsam mit Leonid Martenjuk veröffentlicht hatte. Zwischen 25 und 30 Milliarden Dollar, schätzten die beiden, seien im Zusammenhang mit den Spielen gestohlen worden. Und Nemzow zeigte mit dem Bericht, dass er einer der schärfsten Kritiker des Systems der russischen Eliten bleiben würde, obwohl er in Russland von den staatlich gelenkten Medien lange vor den Spielen in Sotschi marginalisiert, schließlich diffamiert wurde“ (Becker, Christoph, Boris Nemzow und der Korruptionssumpf, in faz.net 1.3.2015).

– Teurer Berater für Boston 2024. Die Führung von Boston 2024 sucht einen Berater, der für hunderttausende Dollar Steuergelder die öffentlichen Ausgaben der Olympischen Sommerspiele 2024 kontrolliert. Senatspräsident Stanley Rosenberg: „Alles in allem – ich glaube nicht, dass wir diese Erfahrung in Massachusetts finden“ (Stout, Matt, Boston 2024 Olympic consultant would likely cost ‚hundreds of thousands‘, in bostonherald.com 4.3.2015). Das Tageshonorar für einen früheren Gouverneur soll bei 7.500 Dollar liegen.

– Baku 2015 und die Menschenrechte. Vom 12. bis 28. Juni 2015 finden in Aserbaidschans Hauptstadt Baku die „European Games“ mit 6.000 Sportlern statt. Seit 1969 regiert die Familie Alijew den Erdgas- und Erdölstaat Aserbaidschan mit eiserner Hand. Seit 1997 ist Ilham Alijew an der Macht – und gleichzeitig oberster Sportfunktionär (Becker, Christoph, Kost und Logis für Marionetten, in faz.net 5.3.2015). Im Vorfeld machte Amnesty International deutlich, dass die Menschenrechte im Gastgeberland auf einem Tiefpunkt angelangt sind. 22 Gefangenen wird demnächst mit falschen Anschuldigungen der Prozess gemacht. Der Guardian hat eine Liste von mindestens 98 Personen zusammengestellt, die vom Regime des Diktators Ilham Aliyew in Haft gehalten werden.
Leyla Yunus, Direktorin des Institute for Peace and Democracy, kam nach einem Boykottaufruf der European Games in Untersuchungshaft, ebenso wie ihr Gatte Arif Yunus (Gibson, Owen, Baku 2015: Amnesty warns of human rights violations with 100 days to go, in theguardian.com 4.3.2015). Der Europa-Direktor von Amnesty International, John Dalhuisen: „Niemand sollte sich täuschen lassen vom Glamour und Glanz der Internationalen Show, die Aserbaidschan da veranstaltet, um sich eine makellose internationale Reputation zu verschaffen und Geschäfte mit Ausländern zu machen… Die dortigen Machthaber gehören zu den repressivsten in Europa und werden mit Sicherheit auf dem Podium der Medaillengewinner sein, falls es um Preise für die Anzahl von Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger hinter Gittern geht“ (Ebenda).
Die European Games lässt sich Diktator Aliyew 6,5 Milliarden Britische Pfund allein für Infrastruktur und Wettkampfstätten kosten. Dazu berichtete der Guardian, dass Aserbaidschan die Reise- und Unterbringungskosten für die 6.000 Sportler aus den 50 teilnehmenden Nationen zahlen wird (Ebenda). „Wer auf Kosten des aserbaidschanisches Regimes anreist und ignoriert, dass Oppositionelle in Aserbaidschan eingekerkert werden, dass die Pressefreiheit auch im vergangenen Jahr weiter eingeschränkt wurde, so dass Reporter ohne Grenzen das Land mittlerweile auf Platz 162 führt, kurz vor Saudi-Arabien, aber deutlich hinter Weißrussland – der macht sich zur Marionette des Regimes. (…) Das ist aber nur das Vorspiel. Denn im Präsidentenpalast liegt die nächste Bewerbung schon in der Schublade. Es dürfte dann um das Jahr 2024 gehen – und Baku zum Konkurrenten für den deutschen Olympia-Bewerber werden, Hamburg oder Berlin. (…) Denn die Maßstäbe von Alijews Rundum-Sorglos-Einladung werden ganz schnell Begehrlichkeiten wecken. Wer 6000 Sportler einladen kann, für den sind auch 10.000 kein Problem“ (Becker 5.3.2015).

– Die wahre IOC-Agenda 2020 (I): Zensur. Der Dokumentarfilmer Alexander Gentelev hatte 2014 den kritischen Beitrag „Putins Spiele“ über Sotschi 2014 gedreht. Anfang 2015 kam seine zweite Dokumentation „Putins Spiele – Ein Jahr danach“ heraus. Das IOC verweigerte Gentelev in Kenntnis des kritischen ersten Beitrags sämtliche offiziellen Filmaufnahmen. „Die Juristen des MDR rieten auch dazu, das Wort ‚Olympia‘ zu streichen. (…) In Deutschland regelt das ein eigenes Gesetz, das Olympiaschutzgesetz (OlympSchG), das 2004 erlassen wurde, weil Leipzig sich für die Spiele 2012 bewarb. Danach dürfen Begriffe wie ‚Olympia‘ oder olympische Symbole nicht kommerziell genutzt werden. Kritiker halten das Gesetz für verfassungswidrig“ (Schneider, Martin, Offenbar politisch, in SZ 6.3.2015). Der DOSB hatte kürzlich Air Berlin abgemahnt: Die Fluglinie ist zwar Unterstützer der Bewerbung Berlin 2024, aber kein offizieller Partner des DOSB und musste deshalb auf dem Berlin-2024-Logo ihrer Flugzeuge das Wort „Olympia“ streichen.
Die betreuende MDR-Redakteurin Katja Wildermuth berichtete außerdem, dass alle Protagonisten, die sich im ersten Film kritisch geäußert hatten, „Besuch bekamen“ (Ebenda). – „Im zweiten Film kommt unter anderem Oppositionspolitiker Boris Nemzow zu Wort. Der Nemzow, der vergangenen Freitag in Moskau erschossen wurde“ (Ebenda).

– Die wahre IOC-Agenda 2020 (II): Naturzerstörung und Korruption. (Vergleiche dazu: Agenda 2020 – Wie das IOC sein Geschäftsmodell erweitern will). Das Naturschutzreservat Marapendi in Rios Stadtteil Barra war eines der letzten in Rio de Janeiro. Hier lebten unter anderem Wasserschweine, Dreibindengürteltiere und Breitschnauzenkaimane. Lebten. Denn jetzt ist hier eine Großbaustelle: Hierher kommt der Olympische Golfplatz 2016. Dagegen leisten seit Ende letzten Jahres 40 Protestierende von „Ocupa Golfe“ im Dreischichtbetrieb Widerstand. Der Biologe Marcello Mello sagte: „Man hält sich hier nicht lange mit der Umsiedlung dieser Tiere auf, die werden einfach erschossen“ (Herrmann, Boris, Schmutziges Grün, in SZ 5.3.2015). Dagegen der Chefplaner von Rio 2016, Joaquim Monteiro: „Das Gebiet des Golfplatzes war ein absolut verlassenes Gelände, da war gar nichts. Jetzt wird alles schön grün“ (Ebenda).
Für Mello ist der Golfplatz nur eine „Zwischennutzung“, nur die Möglichkeit, ein geschütztes Biotop in Bauland zu verwandeln: „Aus meiner Sicht ist dieser Golfplatz nicht für die Olympischen Spiele gebaut worden, sondern für die Interessen einiger privater Unternehmer, die eng mit der Lokalpolitik verbandelt sind“ (Ebenda). Die Staatsanwaltschaft in Rio ermittelt gegen Rios Bürgermeister Eduardo Paes. Ihm wird vorgeworfen, dass sein Wahlkampf von Pasquale Mauro finanziert wurde, dem halb Barra und neuerdings auch der Golfplatz gehören. Die Staatsanwaltschaft will von Paes wissen, ob er an der Umwandlung des Naturschutzgebietes Marapendi in Baugelände beteiligt war und ob Mauro den Grund zum Spottpreis von umgerechnet 20 Millionen Euro erhalten hat. „Als Bauland dürfte das knapp 100 Hektar große Gelände, auf dem auch Luxuswohnungen entstehen sollen, aber ein Vielfaches davon wert sein“ (Ebenda). Der Biologie Mello: „Wir haben es hier mit zwei offensichtlichen Verbrechen zu tun, mit einem an der Umwelt und einem am Steuerzahler“ (Ebenda). Dazu erlebt Rio gerade eine  gravierende Trockenperiode: Die Aktivisten gegen den Golfplatz berichten von täglich 1,5 Millionen Litern, die zur Pflege des Golfplatzes nötig sind. 20 Autominuten vom Olympischen Dorf liegt übrigens der Golfclub Itanhangá: Er zählt gemäß „Golf Digest“ zu den zehn besten von Brasilien und den hundert besten außerhalb der USA (Ebenda).
Leonie Feuerbach hat im Fall des Golfplatzes in der FAZ den brasilianischen Anwallt und Naturschützer Jean Carlos Novaes interviewt. Er ist Sprecher der Gruppe „Occupy Golf“ und der Gruppe „Golf für wen?“. Beide Gruppen erreichten, dass die Staatsanwaltschaft Klage gegen den Bürgermeister von Rio, Eduardo Paes, erhoben hat. Novaes: „Es sind genau genommen drei Anklagen. Eine, weil er die Unwahrheit gesagt hat, als er behauptete, das Gebiet sei schon verkommen, obwohl in Wirklichkeit laut Biologen von Stadtverwaltung und Staatsanwaltschaft 60 Prozent erhalten waren und der Rest dabei, sich auf natürlichem Wege zu erholen. Die zweite, weil der Bürgermeister behauptet hat, für den Golfplatz würden keine öffentlichen Mittel aufgewendet. Tatsächlich hat die Staatskasse aber aus verschiedenen Gründen gelitten, unter anderem, weil keine Steuergelder von der Baufirma gezahlt wurden“ (Feuerbach, Leonie, „Ein handfester  politischer Skandal“, in faz.net 31.3.2015). Der dritte Anklagepunkt betrifft die Korruption: „Das Bauunternehmen Cyrela wollte auf dem Gebiet des Naturparks schon lange einen Golfplatz bauen, durfte dies aber wegen der Naturschutzgesetzgebung nicht. Dann hat das Unternehmen die Wahlkampagne des Bürgermeisters finanziert. 500.000 brasilianische Reais (fast 145.000 Euro) soll Paes erhalten haben. Danach erlaubte er sowohl den Bau des Golfplatzes als auch den von Hochhäusern, obwohl in der Gegend zuvor nur sechsstöckige Gebäude erlaubt waren. Es geht also nicht nur um die Umweltfrage, sondern es gibt viele Hinweise auf einen handfesten politischen Skandal“ (Ebenda). Der Bauunternehmer Pasquale Mauro, der mit Cyrela zusammenarbeitet,  soll sich das Gebiet des Golfplatzes mit gefälschten Papieren und Betrug erschlichenn haben. „Diese Vorteile belaufen sich wohl auf mehrere hundert Millionen Reals; allein der Wert des Baugeländes, für das nichts bezahlt wurde, wird auf 300 Millionen Reals geschätzt, die Höhe der nicht gezahlten Steuern auf weitere 100 Millionen“ (Ebenda). 

– Toyota olympisch. Stolz verkündete IOC-Präsident Thomas Bach am 13.3.2015, dass Toyota das zwölfte Mitglied im TOP-Programm (The Olympic Partner) geworden ist. (Zur Erinnerung: Andere illustre Mitglieder in diesem so exklusiven wie teuren Club sind u. a. Coca-Cola, McDonald’s und Dow Chemical.) Bach: „Toyota und das IOC teilen die gleichen Werte, und wir heißen die Toyota Motor Corporation willkommen in der Olympischen Familie“ (IOC Announces Toyota as TOP Partner to 2024, in olympic-org 13.3.2015). Diese „Familienehre“ kostet einen TOP-Sponsor im Normalfall für den Zeitraum von zehn Jahren rund 100 Millionen Dollar kosten. Im Fall von Toyota wird es wohl noch etwas teurer: „Der Automobilhersteller Toyota wird von 2017 an bis 2024 weltweiter ‚Mobilitätspartner‘ der olympischen Bewegung. Der Wert des Geschäfts wird von japanischen Medien auf 835 Millionen Dollar geschätzt, die Nachrichtenagentur AP spricht von nahezu einer Milliarde“ (Simeoni, Evi, Ein Vorbild für Blatter und Co., in faz.net 3.4.2015).

– Wackelt Boston 2024? Evi Simeoni berichtete in der FAZ über Neuigkeiten aus Boston, dem Favoriten für 2024: „Die Zustimmung in der Bevölkerung wackelt, die Medien schießen zum Teil scharf, und die Politik spielt ihre Spielchen. Mitte Februar ergab eine Umfrage des Radiosenders WBUR, dass die Zahl der Olympia-Befürworter in Boston von 51 auf 44 Prozent gesunken ist – die Gegner haben deutlich zugelegt, von 33 auf 46 Prozent. (…) Mittlerweile allerdings wächst die Kritik daran, dass die Politik das Projekt ohne ein Bürgervotum unterstützt. Nicht erst seit herauskam, dass der ehemalige Gouverneur Deval Patrick für seine Einsätze als Botschafter der Bewerbung einen Tagessatz von rund 7000 Euro berechnet, reagieren die Bostoner allergisch auf Zahlenangaben. Auch die Tatsache, dass er eine ganze Seilschaft von politischen Mitstreitern im Bewerbungskomitee platziert hat, sorgt für Befremden. Den Beteuerungen, die Spiele würden ohne Steuergelder auskommen, glaubt kaum jemand“ (Simeoni., Evi, Boston als Beispiel für die nächste Phase, in faz.net 16.3.2015). Dazu rechnete der Boston Globe das Budget nach und kam zu dem Schluss, dass die projektierten Kosten von 4,7 Milliarden Dollar bei weitem nicht reichen. Das Durchführungsbudget (OCOG-Budget) liegt bei 4,7 Milliarden Dollar, das Non-OCOG-Budget bei 3,4 Milliarden Dollar und das Infrastruktur-Budget bei 5,2 Milliarden Dollar. „Wobei die letzte Position von dem Versprechen, den Steuerzahler zu verschonen, ausgenommen ist“ (Ebenda). Und das sind Kostenschätzungen für Boston 2024, die neun Jahre davor erstellt werden – wie sieht es dann erst 2020 oder erst recht 2024, 2026 aus? „Der Ökonomieprofessor Andrew Zimbalist erläuterte in einem Artikel, dass Sommerspiele seit 1976 im Durchschnitt 252 Prozent der ursprünglichen Berechnungen gekostet hätten, und erschreckte seine Leser mit der daraus folgenden Summe von 28,5 Milliarden Dollar (27,14 Milliarden Euro)“ (Ebenda).

Boston 2024: Zustimmung steil fallend
Eine Umfrage unter (allerdings nur) 504 Bewohnern des Boston-Gebietes ergab für die Monate von Januar bis März 2015 folgendes Bild für Boston 2024:
                                       Januar 2015      Februar 2015      März 2015
Zustimmung:                            51%                 44%                 36%
Ablehnung                                33%                 46%                 52%
Weiß nicht/Keine Aussage            16%                  10%                  13%
(Quelle: WBUR/MassINC Polling Group live telephone surveys, in wbur.org 20.3.2015)
Eine Präsentation von NOBOSTONOLYMPICS findet sich hier

– Falsches Vorbild für Hamburg 2024: London 2012. Der amerikanische Ökonom Andrew Zimbalist hat in seinem Buch „Circus Maximus“ u. a. auch die Olympischen Spiele 2012 in London analysiert. „Die Amerikaner haben ein seltsames Wort für ‚Fehlinvestition‘: ‚White Elephant‘. Ein solcher weißer Elefant – teuer, aber zu nichts zu gebrauchen – ist das Olympia-Stadion in London. Eingedenk schlechter Erfahrungen anderswo überlegten sich die Organisatoren der Spiele von 2012 zwar eine Nachnutzung – der Profi-Fußballclub West Ham United sollte künftig hier spielen –, doch bei der Planung des Stadions war nicht bedacht worden, dass die Aschenbahn würde entfernt werden müssen, um eine Fußball-Arena zu schaffen. Zudem war das Stadion für West Ham viel zu groß und musste um den oberen Rang mit 55.000 Plätzen verkleinert werden. Allein dieser Umbau kostete mindestens 323 Millionen Dollar – so viel wie andernorts ein Stadion. (…) Der Olympia-Park sollte ein Musterbeispiel nachhaltigen Lebens sein und das Land sich als kreativer, inklusiver und gastfreundlicher Ort präsentieren. Doch für die Jobs während des Baus waren die Bewohner der betroffenen Stadtteile nicht qualifiziert. Während der Spiele meldeten Theater, Taxen und Museen Nachfrageeinbrüche von 20 bis 40 Prozent. In den Hotels übernachteten weniger Menschen, wofür sie aber mehr ausgaben. Am eigentlichen Ost-London floss der Besucherstrom vorbei. Im Olympia-Park wurden die Ziele beim Klimaschutz und beim Anteil der Sozialwohnungen nicht erreicht. Die Spiele beschleunigten eine Gentrifizierung, die bereits angelaufen war. Und auch die Volkserziehung haute nicht hin: Ein Jahr nach den Spielen trieben die Briten eher weniger Sport als mehr. Dafür war Olympia, wie das Nationale Audit errechnete, mit 15,7 Milliarden Dollar Gesamtkosten mindestens dreimal so teuer wie geplant“ (Knödler, Gernot, Wie Olympia Städte auspresst, in taz.de 20.3.2015; Hervorhebungen WZ).

Leserbrief von Diane Simpson zu Boston 2024: Das ist nicht die Bewerbung von Boston. Es ist die Bewerbung von unserer Schattenregierung, der Boston-2024-Gruppe.Diese Gruppe verhandelt mit nationalen und internationalen Organisationen im Namen der Bürger von Boston, aber ohne unsere Erlaubnis. Solange bis ein Referendum abgehalten wird mit dem Ergebnis, dass die Bürger dieser Stadt dieses Unterfangen stark unterstützen, muss es angehalten werden. (…) Die hohen Herrscher von Boston 2024 sollen uns nicht mehr wie Konsumenten behandeln. Wir sind Bürger, und das ist unsere Stadt. Sie wollen öffentlichen Grund und Boden, und sie wollen das Versprechen öffentlicher Gelder zur Unterstützung ihrer Pläne. So sollten wir aufhören, über Märchengeschichten zu reden, bis wir herausfinden, ob die Bewohner von Boston diese Geschichte überhaupt aufgeführt haben möchten” (Until there is a referendum, this will not be ‘Boston’s bid’, in bostonglobe.com 18.3.2015; Hervorhebung WZ).
Diesen Brief könnte man mit Fug und Recht auch zu Hamburg 2024 schreiben.

IAAF-Vizepräsidenten-Kandidat verteilt 40 Rolex-Uhren. Der Ägypter Ahmad al Kamali feierte einen kometenhaften Aufstieg im Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF und ist außerdem der Direktor des Dubai Marathon, bei dem Preisgelder an weibliche und männliche Gewinner in Höhe von 183.000 Euro bezahlt werden. 2011 wurde al Kamali mit den meisten Stimmen in das IAAF-Exekutivkomitee gewählt. Nun verteilte er 40 Rolex-Uhren bei einem Kongress der Afrikanischen Athleten (CAA) in Addis Abeba an die Delegierten, deren Stimmen er für seine Kandidatur als IAAF-Vizepräsident haben wollte. Die IAAF-Regeln verbieten – offiziell – solche Geschenke. Und ein (1!) Präsident eines afrikanischen Leichtathletikverbandes, der anonym bleiben will, berichtete der spanischen Zeitung El Pais von dem Vorfall. Und so muss jetzt die Ethikkommission des IAAF tätig werden (Morgan, Liam, IAAF vice presidential candidate reportedly under investigation by Ethic Commission, in insidethegames.biz 25.3.2015).

– Uefa-Präsident Michel Platini skeptisch mit Hamburg 2024. Thomas Kistner berichtete in der SZ vom Uefa-Kongress in Wien: „Zur Deutschland-Frage äußerte Platini Richtungsweisendes. Gleich zwei global beachtete Events will ja der deutsche Sport 2024 ausrichten, erst die EM und Wochen später die Sommerspiele in Hamburg. Platini schmunzelt. Über die EM ist intern bereits viel geredet worden, sie soll Wolfgang Niersbachs Ägide als DFB-Präsident krönen und ist – ganz inoffiziell – schon im Zuge der EM-Vergabe 2020 platziert worden. Damals zog Deutschland zugunsten Englands zurück, das nun Halbfinals und Endspiel des europaweit ausgespielten Turniers ausrichten wird. Er werde den Teufel tun und den Deutschen Ratschläge erteilen, sagte Platini nun. Dann tat er es doch und erinnerte an die Türkei, die für 2020 ja dieselbe Doppel-Bewerbung EM/Olympia geplant hatte. ‚Am Ende‘, so Platini, ‚hatten sie alles verloren!‘“ (Kistner, Thomas, Der furchtlose Holländer überzeugt, in SZ 26.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Das olympische Erbe von London 2012. DOSB-Vorstandsvorsitzender Michael Vesper schrieb im DOSB-Informationsdienst „Sport schützt Umwelt“: „Und von London (2012) gingen so viele positive Impulse für die Stadtentwicklung aus zusammen mit einer hohen Zustimmung der Bevölkerung“ (Nr. 114, März 2015, S. 5). Nun kann man da  ganz anderer Ansicht sein – wie zum Beispiel Owen Gibson im Guardian. Der Titel seines Artikels lautet: „Goldene Versprechungen zum Erbe von London 2012 stellen sich als hohle Prahlerei heraus“. – „Hatten Sie schon einmal das Gefühl. Sie werden betrogen? … Das Versprechen lautete, die Durchführung der Spiele sollten nicht nur eine glanzvolle Ansammlung von Erinnerungen sein, sondern zuerst die Bevölkerung fitter machen…“ (Gibson, Owen, Golden promises of London 2012’s legacy turn out to be idle boasts, in theguardian.com 25.3.2015). Für 9,3 Milliarden Britische Pfund sollte Fettleibigkeit bekämpft, Kriminalität beseitigt, Erziehungsfortschritte erhöht und Gemeinschaften zusammen gebracht werden. Leider scheint es heute so, als ob die Spiele nie stattgefunden hätten, und das Kabinett legt reine Lippenbekenntnisse ab über die positive Kraft des Sports wie zum Beispiel in der Hochglanzbroschüre „A living Legacy“. Gleichzeitig werden die finanziellen Mittel für Regionalsport gekürzt. Inzwischen steigt die Kinder-Fettleibigkeit weiter. Die Zahl derer, die mindestens eine halbe Stunde Sport pro Woche treiben, ist weiter gefallen. Wir sind in der Gefahr, zu einer Zweiklassen-Gesellschaft zu werden. Das Versprechen, die olympischen Spiele von London würden die ersten Spiele werden, die eine gesündere Nation hervorbringen, entpuppen sich als hohle Prahlerei (Ebenda).

Peking 2022. Kai Strittmatter beschreibt im Schweizer Tagesanzeiger die Situation anlässlich des Besuches der 19-köpfigen IOC-Evaluierungskommission: „Weiße Bänder, von Schneekanonen in die braune Bergwüste gepinselt: Das ist Chongli. Chongli ist einer der neuesten Spielplätze für Pekings Wohlhabende, für die neue Ober- und Mittelschicht des Landes, die ihre Zeitgenossen im Westen in Vielerlei nachahmt. (…) Das gab es noch nie. Ein Bewerber, dessen Austragungsstätten mehr als 150 Kilometer voneinander entfernt liegen. Orte zudem, bei denen mehr Smog in der Luft liegt als Schnee am Boden. In Yanqing, wo die alpinen Skirennen stattfinden sollen, fallen genau fünf Zentimeter Schnee. Im Jahr. In Chongli, wo die Snowboarder, die Freestyler und die Langläufer hin sollen, vor allem aber die olympischen Wohnstätten, sind es ein paar Zentimeter mehr“ (Strittmatter, Kai, Weiße Bänder in der braunen Bergwüste, in tagesanzeiger.ch 28.3.2015).
Umwelt: Auch für die Umwelt sieht es nicht besser aus: „Dass die Luft in Peking und Umgebung für Menschen kaum geeignet ist, hat sich herumgesprochen, dass Pekings Bürgermeister Wang Anshun selbst deshalb seine Stadt im Februar ‚unbewohnbar‘ nannte, vielleicht noch nicht“ (Ebenda). In Peking lag der Smogwert kurz vor dem IOC-Besuch bei 162: „… der angebliche Luftkurort Chongli aber lag noch einmal mehr als das Doppelte darüber, bei gruseligen 402“ (Ebenda). Und beim Wasser sieht es auch nicht besser aus. Die UNO sieht eine kritische Grenze bei weniger als 1000 Kubikmeter Wasser pro Kopf im Jahr: In Peking waren es 100 Kubikmeter. Und in einer der trockensten Gegenden Chinas wird die künstliche Beschneiung endgültig zum Desaster.
Repression: China ist auch ein gutes Zeugnis für die tatsächliche Umsetzung der IOC-Agenda 2020: „Seit Parteichef Xi Jinping 2012 an die Macht kam, nehmen die Behörden der in den letzten Jahren keimenden Zivilgesellschaft die Luft zum Atmen. Nichtregierungsorganisationen sind Repressalien und Schikanen ausgesetzt. Am Dienstag, als die IOC-Inspektoren ihre offizielle Visite in Peking begannen, meldete das Pekinger Yirenping-Zentrum, eine Gruppe, die gegen Diskriminierung kämpft, eine Großrazzia der Sicherheitsbehörden in seinem Büro. (…) Maya Wang, Chinaexpertin der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch, nennt den Schlag gegen das Yirenping-Zentrum diese Woche ‚äußerst ironisch‘ angesichts der Tatsache, dass das IOK von den Regierungen ausdrücklich den Kampf gegen Diskriminierung verlange“ (Ebenda). Die Sprecherin des chinesischen außenministeriums, Hua Chunying, sagte: „Niemand hat das Recht, von China zu fordern, wichtige Personen freizulassen. Deshalb hoffen wir, dass bedeutsame Leute aufhören, sich weiter in Chinas juristische Souveränität einzumischen“ (Wan, William, China raids NGO offices in latest sign of crackdown on dissent, in washingtonpost.com 26.3.2015). – „Menschenrechtsgruppen oder Tibet-Aktivisten kritisierten Pekings Bewerbung scharf. Schon Olympia 2008 habe keine Verbesserungen bei der Verfolgung von Andersdenkenden gebracht. Ganz im Gegenteil, argumentierte Human Rights Watch. ‚Sieben Jahre später erleidet die Zivilgesellschaft außergewöhnliche Angriffe‘, sagte Sophie Richardson von Human Rights Watch. Tibet-Gruppen warnten das IOC: ‚Winterspiele 2022 in Peking hieße, den gleichen Fehler zweimal zu machen'“ (DPA, IOC-Inspektion beginnt in Peking – Rennen mit Almaty, in t-online 23.3.2015).
Auch der Umgang mit den tatsächlichen Kosten ist ein Beispiel für die neue „Transparenz“ der IOC-Agenda 2020: „Für die operativen Kosten der Spiele wurden 1,8 Milliarden Euro veranschlagt, für Baumaßnahmen und Renovierung 1,5 Milliarden Euro. Der Hochgeschwindigkeitszug, mit dem der Olympiatross in 50 Minuten – statt wie bisher drei Stunden – zu den Outdoor-Wettbewerben gelangen soll, kommt in den Berechnungen nicht vor. Er habe, heißt es, nichts mit Olympia zu tun und würde ohnehin gebaut. Für diese fast 200 Kilometer lange Bahnstrecke müssen Dörfer weichen, es werden Brücken und Tunnels entstehen. Geplant sind außerdem zwei neue Autobahnen. Angaben über die Kosten wurden verweigert…“ (Simeoni, Evi, Olympia auf Idiotenhügeln, in faz.net 30.3.2015).

– Airbnb poliert olympisch auf. Die Online-Mitwohnzentrale Airbnb hat einige Imageprobleme – und will diese als IOC-Sponsor beheben. „Es gibt Auseinandersetzungen (etwa in New York), mit Steuerbehörden und Streit um regionale Wohnungsgesetze, die eine Untervermietung zu kommerziellen Zwecken nicht immer erlauben. Die Reputation hat jedenfalls arg gelitten. Nun soll die Zusammenarbeit den Veranstaltern der Olympischen Spiele das Image offenbar Image offenbar wieder polieren. (…) Airbnb zahlt für die Kooperation in Rio eine nicht genannte Summe an die Veranstalter“ (Busse, Caspar, Ein Zimmer in Rio in SZ 31.3.2015).
Noch nicht bekannt, dass das IOC das Image nicht aufpoliert, sondern noch weiter dumpt?

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III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden

– Bewerbungsgesellschaft München 2018 immer noch nicht liquidiert. Laut Recherchen der WDR-Sendung „Spiele mit dem Bürger“ von Grit Hartmann und Robert Kempe (sport inside, WDR Fernsehen, Montag 2.3.2015, 22.45 Uhr; zum Film hier) prüft der Oberste Rechnungshof in Bayern immer noch die Geschäfte der München 2018 GmbH. „Anlass für die Prüfung, so teilte die Behörde auf Anfrage mit, sei ‚das finanzielle Risiko des Freistaats für den nicht von privaten Mitteln gedeckten Finanzierungsaufwand der Gesellschaft‘ gewesen. (…) Nach DOSB-Angaben kostete sie insgesamt 33 Millionen Euro, davon sollen rund 50 Prozent von privaten Sponsoren gekommen sein, aber 50 Prozent aus öffentlichen Mitteln. Ludwig Hartmann, der Fraktionschef von Bündnis90/Die Grünen im bayerischen Landtag, widerspricht dieser Darstellung vehement: Der DOSB habe ‚einen ziemlich kreativen Umgang mit der Wahrheit bei diesem Thema‘. In viel größerem Umfang als bisher bekannt seien Unternehmen im Besitz der öffentlichen Hand zur Finanzierung der Olympiabewerbung herangezogen worden. ‚Gut 50 Prozent der Gelder stammen von Unternehmen, die im Staatsbesitz sind. Man kann durchaus sagen, von den 33 Millionen hat gut die Hälfte der Steuerzahler bezahlt.‘ Hartmann warnte die Olympiabewerber in Berlin und Hamburg davor, auf finanzielle Prognosen von Sportpolitikern und -funktionären zu vertrauen: Bei der Münchner Bewerbung für 2018 sei ‚wahnsinnig viel versprochen‘, aber wenig gehalten worden. Er sei ‚überzeugt‘, es gehe auch jetzt nicht darum, ob international Berlin oder Hamburg den Zuschlag bekämen, sondern vielmehr darum, ‚für den Spitzensport diesen Bewerbungszirkus am Laufen zu halten'“ (sport inside/WDR, Bayerischer Oberster Rechnungshof prüft Geschäfte der Münchner Olympiabewerber, in presse.portal.de 2.3.2015).
Zur Erinnerung: Sponsoren waren die städtischen und staatlichen bzw. teilstaatlichen Unternehmen Stadtwerke München, Messe München, Olympiapark München, Stadtsparkasse München (die Zwangsverpflichteten des damaligen OB Christian Ude), dazu Flughafen München, Lotto Bayern, Deutsche Post, Deutsche Bahn…

– Rückblende: Der damalige DOSB-Generaldirektor Michael Vesper zur vierfachen Abwahl der Bewerbung München 2022 in Bayern: „Überrascht zeigt sich der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, in München. Er will es jetzt den Gremien und den beteiligten Kommunen überlassen, ob Deutschland noch mal zu Olympischen Sommer- oder Winterspielen antritt. ‚Dazu werden wir heute keine Aussage treffen‘, sagt er“ (Bürger lassen Olympia-Beerbung durchfallen, in sueddeutsche.de 10.11.2013).
Dafür ging es dann ziemlich fix mit der Bewerbung Hamburg 2024 und Berlin 2024!

– Berliner Senat lädt olympisch ein. 80 geladene Gäste wurden zu Wolfsbarsch mit Schwarzwurzeln, Rehrücken und Butterkekseis in das Bode-Museum eingeladen. „’Uns wurde gesagt, dass man auf so ein Signal aus Berlin gewartet hat‘, erklärte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, auf die Frage nach dem Sinn der Veranstaltung. Die Rechnung für den Abend teilen sich die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer, der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) und die Stadtwerber Berlin Partner. Das Dinner fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt“ (Bachner, Frank, Hoffmann, Kevin P., Berlin umwirbt den Sportbund im Bode-Museum, in tagesspiegel.de 2.3.2015). Kommentar von www.olympiaverhindern.de: „Das Bode-Museum war nur ein Ausweichquartier. Wäre das Pergamon-Museum nicht gerade wegen Renovierung geschlossen, hätte das Luxus-Dinner für die DOSB-Bonzen gestern dort und nicht im Bode-Museum stattgefunden – wie schon 1991 und wie schon 1936. Senat, IHK, Berlin Partner, DOSB – sie schämen sich nicht“ (Wolfsbarsch auf Staatskosten für DOSB-Bonzen, Polizeischikanen gegen Kritiker*innen – Es reicht! PM 2.3.2015).
Der DOSB ist die Sport-Einheitspartei Deutschland – und ein Monopol-Konzern.

– Kati Witt tarockt nach. Das „Gesicht“ der Bewerbung München 2018, Katarina Witt, äußerte zur Befragung der Hamburger bzw. Berliner über die Bewerbung 2024: „Sicher, es nutzt nicht, viele Menschen als Gegner zu haben, aber wenn eine Minderheit eine größere Aufmerksamkeit und Durchsetzungskraft bekommt, ist das bedauerlich“ (Olympia-Entscheidung: Witt kritisiert Bürgerbefragung als „ein wenig absurd“, in zeitonline 9.3.2015).
Die Mehrheit der Bürger als Minderheit?

– Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024? (Vgl. auch unter Aktuelles vom 10.3.2015: hier) Forsa veröffentlichte die Zahlen der Umfrage von Ende Februar 2015. DOSB-Präsident Alfons Hörmann jubelte. Und zwar über die Hamburger Zustimmung von 64 Prozent, die Berliner Zustimmung von 55 Prozent. Hörmann: „Wir freuen uns über die riesige Zustimmung zu Olympischen und Paralympischen Spielen“ (DOSB, PM DOSB veröffentlicht Ergebnisse der Forsa-Umfrage, 10.3.2015).
Naja, Herr Hörmann, eine „riesige Zustimmung“ sieht wohl anders aus als 55 und 64 Prozent. Vor allem angesichts der Materialschlacht der Befürworter, dem Einsatz sämtlicher Mittel der Stadtstaaten Hamburg und Berlin und den sehr begrenzten Mitteln der Gegner ist dieses Ergebnis kein Wunder.
Die endgültige Abstimmung findet am 21.3.2015 in der Frankfurter Paulskirche statt. Wie sinnträchtig: An diesem Ort trafen sich von 1848 bis 1849 Delegierte der Frankfurter Nationalversammlung. Und jetzt, am 21.3.2015, die erlauchten Delegierten des DOSB. Wobei „Abstimmung“ in der Sport-Demokratur Abnicken heißt: „Die Delegierten der empfohlenen Stadt werden gar nicht mehr nach Frankfurt am Main reisen, das Abnicken der DOSB-Mitglieder gilt als Formsache“ (Olympia – Hamburg will es mehr, in spiegelonline 10.3.2015).
Wobei Hamburg noch nichts gewonnen hat, Prozentpunkte hin oder her. Sehr wahrscheinlich laufen derzeit diverse finanzielle Verhandlungen im Hintergrund. Wie es im Sportbetrieb nicht erst seit Sotschi 2014, Russland 2018 und Katar 2022 der Fall ist.
Fazit: Es ist nicht ungewöhnlich, dass der DOSB das IOC-Geschäftsmodell Olympische Spiele zu verkaufen versucht: Das ist schließlich sein Geschäftsmodell. Das olympische Brimborium hat letztlich funktioniert. Nicht zu verstehen ist, dass sich die beiden größten deutschen Städte in diesen lächerlichen Wettkampf hineintreiben ließen: nach allem, was seit langem über Kostenentwicklung, Folgekosten, White Elephants, Korruption, Doping, etc. bekannt war – und in jüngster Zeit bekannt wurde. Und so würde es dem Hamburger Ersten Bürgermeister Olaf Scholz und dem Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller im Fall – des unwahrscheinlichen – Zuschlags ergehen wie der damals für London 2012 zuständigen Ministerin Tessa Jowell. Sie sagte bereits 2008 angesichts der Kostensteigerungen: „Wenn wir gewusst hätten, was wir heute wissen, hätten wir uns dann um die Spiele beworben? Mit Sicherheit nicht“ (Osborne, Alistair, Tessa Jowell: London 2012 Olympics was a mistake in light of recession, in Telegraph.co.uk, 12.11.2008).
Aktuelles zum Hamburg-Berlin-2024-Ergebnis vom 10.3.2015: hier. Zur Geschichte von Hamburg 2024 und Berlin 2024: Hamburg-Berlin 2024 (IV) und I-III

– Hamburg 2024/Berlin 2024: Das DOSB-Dilemma. “Dilemma: eine Situation beim Entscheiden, bei der die Wahl einer jeden der sich anbietenden Alternativen verlangt, eines der zu verfolgenden Ziele zugunsten eines anderen zu vernachlässigen” (Lexikon zur Soziologie, Opladen 1994).
Entscheidet sich der DOSB am 21.3.2015 für Berlin 2024, läuft er Gefahr, die Abstimmung am 13.9.2015 zu verlieren: Aber das IOC wird eher Berlin goutieren (mehr 5-Sterne-Hotels etc.). Entscheidet sich der DOSB am 21.3.2015 für Hamburg, könnte er – möglicherweise – die Abstimmung im September 2015 gewinnen: Aber für das IOC ist Hamburg eher zu klein. (Vgl. auch: Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?)
So kommt es, wenn man von Haus aus keine wirkliche Beteiligung der Bevölkerung gewollt hat, sondern taktiert und laviert und sich mit diffusen Umfragen zu behelfen versucht.

– Bescheidene Olympische Spiele: Contradictio in Adjecto. Peter Ahrens in spiegelonline
zur Wahl Hamburg 2024 oder Berlin 2024 am 21.3.2015: „Zu den 43 Vertretern, die der DOSB als Experten anhören will, bevor er seine Empfehlung am Abend ausspricht, gehören unter anderem Fechterin Britta Heidemann, die Ex-Bundesministerin Ulla Schmidt, Ex-Intendant Fritz Pleitgen und der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters. Was sie zu Fachleuten in der Frage macht, ob Hamburg oder Berlin die geeignetere Bewerberstadt für Olympische Spiele ist, ist nicht immer im Detail erkennbar. (…) Egal ob Berlin oder Hamburg, eine Bewerbung käme ernsthaft ohnehin erst für das Jahr 2028 in Betracht. Fußball-EM und Olympia innerhalb weniger Wochen im selben Land – das wird es nicht geben. Die Olympia-Bewerbung 2024 ist eine reine Show-Nummer. Eine Bewerbung der sportpolitischen Taktik, nichts anderes.(…) Hörmann hat am Samstag im ZDF-Sportstudio noch einmal damit geworben, dass Deutschland ‚kleine, bescheidene Spiele‘ veranstalten wolle. Ein Argument, das vor allem an die kritische Öffentlichkeit gerichtet ist. Dem DOSB-Boss ist bestens bewusst, dass er möglichst demütig auftreten muss, um vor dem finalen Bürgerentscheid im September die Bevölkerung gnädig zu stimmen. Mit Bombast ist in Deutschland nichts zu gewinnen, zu prägend sind die Erfahrungen aus Stuttgart 21, aus dem Flughafen Berlin-Schönefeld, aus der Elbphilharmonie in Hamburg. Also muss man ganz kleinlaut auftreten, wohl wissend, dass Olympische Spiele und Bescheidenheit letztlich zwei Unvereinbarkeiten sind“ (Ahrens, Peter, Und der Gewinner ist… in spiegelonline 15.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Wer hat telefoniert? Nach der Wahl von Hamburg 2024: „Hinterher hieß es, maßgebliche Vertreter des DOSB hätten vor der Wahl noch einige Spitzenverbände intensiv bearbeitet, für Hamburg zu votieren. DOSB-Präsident Alfons Hörmann wies das zurück. Er habe keine einzelnen Verbandschef angerufen, ‚das ist schlichtweg falsch’“ (Aumüller, Johannes, Cáceres, Javier, Glückwunsch an die Muschelschubser, in SZ  18.3.2015).
Wenn der DOSB-Präsident nicht angerufen hat, hat vielleicht der DOSB-Vorstandsvorsitzende angerufen…

Neu unter „Aktuelles“: Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen

– Vorprogrammierter Ärger. “Der Zentralverband der deutschen Schiffsmakler (ZVDS) betrachtet die geplante Anschlussnutzung der Flächen, wenn Hamburg olympische Spiele austragen darf, mit Sorge: Die Bewerbung Hamburgs zeige deutlich, dass die Frage, wie der Konflikt zwischen Wohnbebauung und gewerblicher Flächennutzung aufgelöst werden kann, noch zu klären ist, sagte der ZVDS-Vorsitzende Christian Koopmann anlässlich der Mitgliederversammlung der Schiffsmakler im Hamburger Hafen-Klub. ‘In jedem Fall rückt die Wohnbebauung an die operativen Hafenbetriebe heran. Aus unserer Sicht darf dieses aber nicht zu Einschränkungen für die Schifffahrt oder die Hafenbetriebe führen’, so Koopmann. Es bedürfe einer ‘dringenden’ Klarstellung dahingehend, ‘dass nicht die Hafenbetriebe oder Schiffe, sondern die Wohnungen die Störer sind’”, ergänzte er” (Schiffsmakler in Sorge über Zukunft des Olympia-Geländes, in welt.de 19.3.2015).
So einfach wie Scholz & Olympia-Friends es sich vorstellen, wird das sicher nicht auf dem Kleinen Grasbrook – bei geschätzten Umzugskosten der Hafenbetriebe von fünf bis sieben Milliarden Euro und dem Umzugsdruck auf neue Gebiete Hamburgs.

– Einstimmigkeit in der Sport-Demokratur. Am 21.3.2015 stimmten 410 Delegierte des DOSB in der geschichtsträchtigen Frankfurter Paulskirche (drunter tun es die DOSB-Oberen nicht) über Hamburg 2024 ab. Und wen wundert es: Das Ergebnis war EINSTIMMIG (Hecker, Anno, Hamburg geht ins Olympia-Rennen, in faz.net 21.3.2015).
Selbst in der russischen Duma gibt es noch einige Gegenstimmen!
DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU) setzte wieder sein neues Verbal-Bonmot ein: „Sportdeutschland steht vor einem Aufbruch“ (Hamburg jetzt auch offiziell deutscher Olympiabewerber, in spiegelonline 21.3.2015). In einer Kleinen Anfrage der Grünen im Bundestag vom 26.3.2015 steht die Frage: „Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, welche Gebietskörperschaften oder welche Menschen der vom DOSB verwendete Begriff ‚Sportdeutschland‘ (www.dosb.de vom 21. März 2015 „Sportdeutschland geht mit Hamburg ins Olympia-Rennen“) umfasst?“ (Deutscher Bundestag, Berlin, Drucksache 18/4492, 26.3.2015).
Sportdeutschland steht für: DOSB-Deutschland.
Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wusste ebenfalls etwas: „Es kann nicht sein, dass alle begeistert Olympische Spiele schauen, aber uns nicht zutrauen, sie zu organisieren. Wir können das“ (Ebenda).
Hallo, Scholz & Olympic Friends: Vielleicht schauen die Leute lieber zu, wenn sie das Olympische Spektakel nicht beherbergen müssen…
Und der Bundes-Sportinnenminister Thomas de Maizière gab den Ober-DOSB-Lobbyisten: „Eine große Sache gibt es nicht ohne Bedenken, aber davon darf man sich nicht lähmen lassen, man muss sie ernst nehmen, die Chancen sehen und nutzen, das täte unserem Land weit über die Olympischen Spiele hinaus verdammt gut“ (Hecker 21.3.2015).
Ob der Bundes-Sportinnenminister das selbst glaubt, was er da von sich gibt? Mal schauen, was die Hamburger glauben, die vor dem 15.9.2015 befragt werden sollen. Falls das überhaupt geschieht…

– Deutscher Nationalismus triumphiert. Treffpunkt der Sport-Versammlung war die geschichtsträchtige Frankfurter Paulskirche. DOSB-Präsident Hörmann predigte wieder von Sport-Deutschland. Die Stimmzettel waren Schwarz-Rot-Gold. Die 410 Delegierten mühten sich bei Tagesordnungspunkt 10 durch die deutsche Nationalhymne.
Behauptet jemand, der deutsche Sport sei nicht nationalistisch, der Sport an sich friedliebend und völkerverbindend?

– Total(itär)e Einigkeit. Aus einem Kommentar von Jürgen Ahäuser in fr-online: „Im Jahr 1848 hat die bürgerliche Gesellschaft an gleicher Stelle den Aufstand gegen die Aristokratie geprobt. Dass die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes in der Frankfurter Paulskirche gegen das DOSB-Präsidium und die hauptamtliche Führung des deutschen Sports, den DOSB-Vorstand, aufmucken würden, war nicht zu erwarten. Ein bisschen Grummeln in der Sport-Demokratie wäre aber ganz nett gewesen. (…) Die demonstrative Einigkeit nicht nur beim inbrünstigen Intonieren der Nationalhymne sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees im Sommer 2017 dem sich jetzt so einig gebenden Sport-Deutschland noch Zerreißproben bevorstehen. Kaum waren die letzten Töne von Einigkeit und Recht und Freiheit verklungen, sickerte durch, dass die Bürgerbefragung in der Freien Hansestadt vielleicht erst nach Abgabe der offiziellen Bewerbung stattfinden soll. Das wäre alles andere als das viel beschworene Mitnehmen der Hamburger. Nicht nur die Fans von NOlympia würden das als Affront empfinden“ (Ahäuser, Jürgen, So einig, in fr-online 23.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Abstimmung nach der Bewerbung. „Kaum jemand im Rathaus rechnet ernsthaft damit, dass ein dazu notwendiges Gesetz vor Ablauf der offiziellen IOC-Bewerbungsfrist am 15. September verabschiedet werden kann. Es könnte zu einer absurden Konstellation kommen: Die Bürger stimmen erst über das Olympiaprojekt ab, nachdem sich die Stadt bereits offiziell beworben hat. Derzeit wird für das Referendum ein Termin im November angepeilt“ (Buschmann, Rafael, Deggerich, Markus, Großekathöfer, Maik, Hacke, Detlev, Latsch, Gunther, Pfeil, Gerhard, Energie aus der Elbe, in Der Spiegel 13/21.3.2015). Nach über einem Jahr Vorlauf von Hamburg 2024 begründete Senatskanzleichef Christoph Krupp die Zeitverschiebung auf Oktober oder November 2015 wie folgt: „Das Referendum könnte eine Verfassungsänderung erfordern“ (SID, Hamburgs Bürgerbefragung im Oktober oder November, in zeitonline 24.3.2015).
Warum lässt man die Bürger eigentlich nicht jeweils nach den Olympischen Spielen abstimmen – ob sie diese haben wollen?

– Der Spiegel zitiert Axel Doering. Der aktuelle Spiegel vom 21.3.2105 zitiert aus dem Beitrag von Axel Doering von NOlympia Bayern bei einer Veranstaltung gegen Berlin 2024 von NOlympia Berlin im Oktober 2014: „Die Leute, die Olympia planen, werden euch belügen, sie werden euch betrügen, sie werden euch verleumden, sie werden mit falschen Zahlen arbeiten, glaubt mir, es geht denen nur darum, Geld zu verdienen, ihr werdet eure Stadt nicht wiedererkennen. Ihr müsst stark sein, ihr müsst zusammenhalten, nur so könnt ihr den Irrsinn stoppen“ (Buschmann, Rafael, Deggerich, Markus, Großekathöfer, Maik, Hacke, Detlev, Latsch, Gunther, Pfeil, Gerhard, Energie aus der Elbe, in Der Spiegel 13/21.3.2015. Ich war auch zu dieser Veranstaltung als Referent eingeladen und bin aus diversen Gründen froh, dass ich nicht noch einmal hin muss).
Genauso ist es – auch in Hamburg. Allein wie Scholz & Olympic Friends die Kosten der Verlegung der Hafenwirtschaft vom Großen Grasbrook verschweigen, obwohl in der Verwaltung längst Zahlen in Milliardenhöhe kursieren, ist ein Skandal. Siehe unten!

– Zum Thema Kleiner Grasbrook: In der Wirtschaftswoche vom 26.3.2015 fragte sich Andreas Freytag in einem sehr lesenswerten Kommentar: „Sollen wir uns Olympische Spiele leisten?“ Darin stellt Freytag fest:
„- Das Internationale Olympische Komitee ist notorisch korrupt, möglicherweise weniger als die FIFA (aber mehr geht ja auch kaum!). Immer wieder gibt es Berichte zu Zahlungen von Bewerberstädten und –verbänden an Mitglieder des IOC im Vorfeld von Vergabeentscheidungen. Auch fällt auf, dass die Auflagen der Vergabe sich regelmäßig über die Interessen der Menschen in den Olympiastädten hinwegsetzen. Die Interessen der Sponsoren scheinen eindeutig höher gewichtet zu werden.
– Dies hat sicherlich mit dem Gigantismus und dem Größenwahn der Sportfunktionäre zu tun. Die Anlagen müssen perfekt und groß sein, bereits Bestehendes hat nur geringe Aussichten, genutzt zu werden. Da hat die Stadt zum Glück schon einmal vorgebaut und in ihrem Konzept etliche bereits existierende Anlagen, z.B. die Bundesligastadien in Norddeutschland angegeben“ (Ebenda).
Im Artikel befindet sich auch ein sehr aufschlussreiches Schiebebild mit dem Kleinen Grasbrook im Ist-Zustand und mit der geplanten Olympia-Überbauung: hier. Der Kleine Grasbrook umfasst übrigens 4,5 Quadratkilometer oder 4,5 Millionen Quadratmeter –  die wegen 16 Tagen olympischer Party komplett umgesiedelt werden müssten. Man sieht, dass der Kleine Grasbrook mitnichten leer ist, sondern angefüllt mit Betrieben der Hafenwirtschaft. Geschätzte Umzugskosten allein hierfür laut N(O)lympia Hamburg: 5 bis 7 Milliarden Euro. Und das läuft alles unter dem Begriff der NACHHALTIGKEIT. So wie es der SPD-Fraktionschef Andreas Dressel formulierte: „Kompakte Olympische Spiele mitten in der Stadt, die in einzigartiger  Weise Nachhaltigkeit, Transparenz und Umweltschutz verbinden“ (Veit, Sven-Michael, Schöner die Spiele nie waren, in tat.de 25.3.2015; Hervorhebung WZ).
Nachhaltig ist das Abräumen der Hafenwirtschaft vom Kleinen Grasbrook sicher nicht. Von Transparenz war bei der Hamburger Bewerbung bis jetzt nichts zu bemerken. Und wer berechnet eigentlich die CO2-Bilanz für den Umzug der Hafenwirtschaft???

– Nichts gelernt aus München 2022. „DOSB-Präsident Alfons Hörmann trauert noch immer der gescheiterten Olympia-Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022 nach. ‚Es ist bitter, dass nur noch Almaty und Peking übrig sind. Jetzt wird deutlich, dass München die Spiele auf dem Silbertablett serviert bekommen hätte‘, sagte der 54-Jährige bei den Sternenfelser Gesprächen des Mühlacker Tagblatts. Im November 2013 war die Bewerbung Münchens an einem Bürgerentscheid gescheitert. Eine Hürde, die Hamburg auf dem Weg zu einer internationalen Bewerbung um die Sommerspiele 2024 noch überspringen muss. ‚Wir müssen uns von einem Bedenkenland zu einem Chancenland entwickeln‚, sagte Hörmann mit Blick auf den deutschen Kandidaten, der sich im Bewerber-Rennen gegen Berlin durchgesetzt hat“ (SID, Hörmann trauert Münchner Olympia-Chance nach, in zeitonline 25.3.2015).
Die DOSB-Sichtweise: Bedenken gegen Olympische Spiele sind sinnlos, wo sich doch so viele Chancen bieten. Keine Frage nach den Ursachen, warum Barcelona 2022, Graubünden 2022, München 2022, Krakau 2022, Lviv/Lemberg 2022, Oslo 2022 abgesagt haben. Zumindest war unser Widerstand gegen München 2022 nicht zwecklos!

– Der Sport-Bundestag. Am 26.3.2015 fand im deutschen Bundestag – bei mäßigem Besuch – eine Diskussion zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen statt: „Für verbindliche politische Regeln im internationalen Sport – Menschenrechte achten, Umwelt schützen, Korruption bekämpfen“. Dazu gab es bemerkenswerte Aussagen (Alle Zitate: Drucksache 18/3556, 97. Sitzung, Berlin 26.3.2015, S. 9167 – 9181).
Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen): „Wer über die Sportlerinnen und Sportler spricht, darf über die Veranstalter nicht schweigen. Reden wir also über Korruption in den Chefetagen der großen Sportverbände, insbesondere beim Internationalen Olympischen Komitee und dem Weltfußballverband. Bestechung, Vetternwirtschaft und Intransparenz sind die Merkmale der weltgrößten Festspiele. Ich finde, das ist des Sportes nicht würdig. Olympia und die Fußballweltmeisterschaften, die Orte weltweiter Freude und Begeisterung sowie weltweiten Mitfieberns, liegen in den Händen von Systemen, die wir staatlicherseits aufs Schärfste bekämpfen müssten. Das können wir nicht wollen. Das müssen wir ändern.“
Eberhard Gienger (CDU/CSU, Olympiateilnehmer, Mitglied im Sportausschuss): „Betrachten wir zunächst einmal den organisierten Sport für sich. Nimmt man die Autonomie des Sports ernst, können sich die unabhängigen und meist nicht in Deutschland ansässigen Weltverbände nur selbst ein sportpolitisches Regelwerk verschreiben. (…) Ein jährlicher Bericht über die Maßnahmen und Fortschritte der internationalen Sportverbände, wie im Antrag gefordert, ist nicht Aufgabe der Bundesregierung, sondern der Weltverbände.“
André Hahn (Die Linke): „Den Kommunen fehlt oft das Geld, um den Breiten- und Schulsport besser zu unterstützen. Deshalb muss dem Gigantismus bei Sportgroßveranstaltungen endlich Einhalt geboten werden. (…) Und Host-City-Knebelverträge wie in der Vergangenheit, meine Damen und Herren, darf es nicht mehr geben. (…) Die momentan nahezu uneingeschränkte Macht vor allem des Internationalen Olympischen Komitees und der FIFA muss endlich gebrochen werden.“
Michaela Engelmeier (SPD, Vizepräsidentin Deutscher Judo-Bund): „Hamburg plant ein rückbaubares Stadion. Überhaupt bieten die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland die Möglichkeit, ein gutes Konzept für nachhaltige Spiele zu präsentieren und umzusetzen. (…) Denn um die Glaubwürdigkeit und Integrität des Sports zu erhalten, bedarf es eines Richtungswechsels: weg vom Gigantismus und hin zu nachhaltigen und fairen Spielen.“
Wo bleibt die viel beschworene Nachhaltigkeit bei Hamburg 2024, wenn der Kleine Grasbrook komplett abgesiedelt wird und die Hafenwirtschaft woanders untergebracht werden muss – für drei Wochen olympische Party?
Reinhard Grindel (CDU/CSU, Schatzmeister DFB, stellvertretender Vorsitzende des Sportausschusses): „Sie vergießen hier Krokodilstränen wegen der Bewerber für die Olympischen Winterspiele 2022. Gleichzeitig verlangen Sie eine Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen. Aber ich will Ihnen schon – auch ein bisschen in Abgrenzung zu Frau Engelmeier – entgegenhalten: Wenn man im Fall von München diese Form der Bürgerbeteiligung nicht durchgeführt hätte, sondern auf das Votum der von den Bürgern gewählten parlamentarischen und kommunalpolitischen Gremien vertraut hätte, dann hätten wir in meinen Augen jetzt sehr gute Chancen für eine Winterolympiade in München, einer Stadt, die den Anforderungen Ihres Antrages mehr entsprochen hätte als die Bewerberstädte Almaty oder Peking. Ich bin ganz sicher: Die leider manchmal etwas zu schweigsame Mehrheit der Bürger in München und Umgebung würde sich auf diese Spiele freuen. Es wäre in München auch anders gegangen und im Sinne der Menschen und der olympischen Idee vielleicht auch besser.“
Grindel lieferte hier einen Schnellkurs in Sport-Demokratur ab.

– Schwächt die direkte Demokratie die Hamburger Bürgerschaft? Auszüge eines Interviews der Welt mit Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) „auch darüber, ob der Ausbau der direkten Demokratie die Bürgerschaft schwächt“ (Balasko Sascha, Meyer, Peter Ulrich, „Misstrauen ist ungerechtfertigt“, in welt.de 27.3.2015).
Die Welt: Bedeutet ein neues plebiszitäres Element letztlich auch eine Schwächung des Parlaments?
„Ja, wenn sehr schnell nach diesem Instrument gerufen wird. Es kann ja keine politische und parlamentarische Debatte ersetzen.“
Als Parlamentspräsidentin muss es Ihr originäres Interesse sein, ein starkes Parlament zu haben.
„Bisher hat, das was wir an Beteiligung der Bürger haben, den Parlamentarismus jedenfalls nicht gestärkt. Weder hat sich das Vertrauen in Parlament und Politik messbar erhöht. Noch ist die Wahlbeteiligung gestiegen.“
Wie viele Referenden kann die Bürgerschaft innerhalb einer Legislaturperiode verkraften? Kann man das alle halbe Jahre machen?
„Nein, vielleicht ein oder zwei Mal in einer Legislaturperiode. Wir müssen als Parlamentarier schon sehen, dass wir uns nicht selber klein machen. Wir sind gewählt, um Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen. Wir sind 121 gewählte Abgeordnete. Und ein Misstrauen an unserem Vermögen ist nicht gerechtfertigt.“
(Wie machen das nur die armen Schweizer?!)
Sie warnen also vor einer Schwächung der Hamburger Bürgerschaft, des Parlaments.
„Natürlich warne ich vor einer Schwächung des Parlaments. Auf der anderen Seite können wir aber auch nicht die Augen davor verschließen, dass es den Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung gibt. Dem muss Rechnung getragen werden.

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IV: Aktuell aus München und Bayern

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V: Allgemeine Nachrichten

– Samba corrupti (1). Der deutsche Baukonzern Bilfinger hatte an den zwölf Austragungsorten der Fußball-WM 2014 in Brasilien Verkehrsleitzentralen geliefert. Auftragsvolumen: sechs Millionen Euro. Über die Bilfinger-Tochter Mauell sollen 22 Millionen Euro für fiktive Beratungsleistungen an Lokalpolitiker und Mitglieder der Fifa geflossen sein (DPA, Vorwürfe gegen Bilfinger, in SZ 23.3.2015; Einecke, Helga, Herrmann, Boris, Schwarze Serie für Bilfinger, in SZ 24.3.2015).

– Samba corrupti (2). In Rio de Janeiro wird gegen Bürgermeister Eduardo Paes wegen Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2016 in Rio ermittelt (Ebenda). Siehe  auch unter II.

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VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.

– Carolin Emcke in der SZ zur Fußball-WM 2022 in Katar: Amnesty International dokumentierte allein im Jahr 2013 mehr als 1000 Fälle von Arbeitern, die in die Notaufnahme von Krankenhäusern eingeliefert wurden, nach Stürzen aus großer Höhe. (…) ‚Sklavenähnlich gehaltene Wanderarbeiter‘, nannte der deutsche Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, die elende Lebenswirklichkeit der Migranten. Der Guardian kalkulierte im vergangenen Herbst, bei gleichbleibenden Arbeitsbedingungen könnten bis zur WM 2022 bis zu 4000 Tieflohnarbeiter auf den Baustellen sterben. Und da glaubt die Fifa allen Ernstes, eine Verlegung in den Winter würde die Schamlosigkeit dieser WM mindern? Mit der klimatischen Entlastung der Sportler würde die physische und soziale Tortur der Migranten auf den Baustellen in Katar relativiert?“ (Emcke, Carolin, Unter Fans, in SZ 1.3.2015).

– Fußball-WM 2018: Zur Menschenrechtslage in Russland. „Barbara Lochbihler, stellvertretende Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Europäischen Parlament, hat dem Internationalen Fußballverband Fifa vorgeworfen, die sich ihrer Ansicht nach ‚beständig verschlechternde‘ Menschenrechtslage in Russland zu ignorieren und kein Interesse an den politischen Zuständen im Gastgeberland der kommenden Weltmeisterschaft zu haben. Westliche Politiker forderte sie auf, mögliche Besuche der WM 2018 von Verbesserungen bei der Presse- und Meinungsfreiheit, der ungehinderten Arbeit von Nichtregierungsorganisationen und der Aufklärung von Verbrechen in russischen Gefängnissen abhängig zu machen. (…) Die politische Marginalisierung und Einschüchterung von Nichtregierungsorganisationen habe sich noch verschärft, die Politik sei inzwischen ‚extrem repressiv‘. Durch die gesetzliche Pflicht für Nichtregierungsorganisationen, die auch durch ausländische Geldgeber unterstützt werden, sich in einem ‚Register für ausländische Agenten‘ führen zu lassen und ihren Status als ‚Ausländischer Agent‘ bei öffentlichen Tätigkeiten zu erwähnen, wird die Arbeit vielfach unmöglich gemacht. Laut Lochbihler verweise die Terminologie auf die Zeiten des Stalinismus“ (Becker, Christoph, Schwere Vorwürfe gegen die Fifa, in faz.net 5.3.2015).

– Die WM 2018: unbezahlbar für Russland? Der Rubel verfällt, die Öl- und Gaspreise sinken global, die Sanktionen wirken: Putin-Russland gerät in finanzielle Schwierigkeiten. „Der russische Minister für Sport, Witali Mutko, der auch im Fifa-Exekutivkomitee sitzt, kündigte im Januar an, das bislang festgesetzte Budget von 22 Milliarden Dollar um zehn Prozent zu kürzen. Bereits zuvor hatte die Regierung die Kapazität von zwei der zwölf Stadien von 45.000 auf 35.000 Plätze reduziert. Die Zahl der Trainingsplätze, die im Rahmen der Vorbereitung für die WM-Teams zur Verfügung gestellt werden sollen, wird von 48 auf 37 eingeschränkt. (…) Andrew Zimbalist, Wirtschaftsprofessor am Smith College in Northampton (US-Bundesstaat Massachusetts) und Autor des Buchs ‚Circus Maximus‘, sagt: ‚Sotschi war ein ökonomisches Desaster. Aus rationalen Gründen der Wirtschaftlichkeit dürfte Russland die WM gar nicht austragen“ (Lobe, Adrian, Kann sich Russland die Fußball-WM noch leisten? in welt.de 14.3.2015). Zwischenzeitlich mussten die Putin nahestehenden Oligarchen Alisher Usmanov und Roman Abramowitsch finanziell einspringen. „Im Januar überwies die Fifa 350.000 Dollar an den russischen Fußballverband – als ‚Extra-Bonus‘ für die Teilnahme an der Fußball-WM in Brasilien, wie es hieß. Russland schied zwar bereits in der Vorrunde aus, doch die Devisen nimmt das Regime dankend an. Dass die Fifa die WM in Russland angesichts der Querelen in Katar platzen lässt, hält auch Sportökonom Zimbalist für unwahrscheinlich. Zur Not zückt eben Sepp Blatter in Zürich das Scheckbuch“ (Ebenda).

– Zur Situation Fußball-WM Brasilien 2014: Thomas Kistner beschäftigte sich in der SZ mit der derzeitigen Situation Brasiliens ein Jahr nach der Fußball-WM 2014: Das Land befindet sich heute in desolater Wirtschaftsverfassung, soziale Spannungen sind stärker als je zuvor, erst am Wochenende zogen 1,5 Millionen Menschen protestierend durch die Straßen. Es sind dieselben Menschen, die sich während der WM angesichts der martialischen Präsenz einer insgesamt 175 000 Sicherheitskräfte umfassenden WM-Armee lieber still verhalten haben“ (Kistner, Thomas, Fußball zur Tarnung, in SZ 18.3.2014).
Und nächstes Jahr finden die Olympischen Sommerspiele Rio 2016 statt…

– Zur Situation Fußball-WM Russland 2018: Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, forderte aufgrund der russischen Aggression in der Ostukraine einen Boykott der Fußball-WM 2018 in Russland.
Frank Steffel, der CDU-Obmann im Sportausschuss des Bundestages forderte in Bild einen WM-Entzug, falls Putin seine aggressive Ukraine-Politik fortsetzt: „Solange russische Soldaten völkerrechtswidrig in der Ukraine Zivilisten ermorden, kann es keine Fußball-Weltmeisterschaft in Russland geben… Es wird keinen Boykott der Demokraten geben, sondern eine Verlegung der WM. Dann wird höchstens Russland die WM boykottieren. Die Fifa ist gefordert und nicht die nationalen Fußballverbände“ (SID, „Brücken bauen“, in SZ 18.3.2015). Auch Hessens CDU-Innenminister Peter Beuth forderte eine Absage: „Bei der Rolle, die Russland und Präsident Putin im Ukraine-Konflikt spielen, ist ein weiteres großes Sportereignis wie die WM 2018 in Russland unvorstellbar“ (Ebenda). IOC-Präsident Thomas Bach lehnte dagegen einen Boykott ab: „Der Sport hält die oftmals letzte Tür zum Dialog offen“ (Ebenda). DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schwafelte von den Tugenden des Sports: „Es ist sinnvoller, die weltweite Strahlkraft großer Turniere zu nutzen, um sich für Menschenrechte einzusetzen und wo nötig, auf politische Veränderungen zu drängen“ (Ebenda).
Wer von den Sportfunktionären hat denn vor und während Sotschi 2014 die Menschenrechtsverletzungen, die Korruption, die Unterdrückung in Putin-Russland thematisiert? Und am Tag vor der Schlussfeier von Sotschi 2014 fällte Putin den Entschluss zur völkerrechtswidrigen Annektion der Krim mit getarnten russischen Elitesoldaten. Das Gerede vom Sport als Brückenbauer erhält hier einen neuen Sinn. In Wirklichkeit wollen sich die Sportfunktionäre natürlich von niemand ihr Fest und ihr Geschäft nicht vermiesen lassen – Putin hin, Krieg her… Und genauso wird keiner der Sportfunktionäre bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Kasachstan oder China dergleichen thematisieren. Im Gegenteil – der internationale Sport lässt sich  ja bewusst auf Diktaturen ein.
Vergleiche: Der totalitäre Sport-Terminkalender

– Blatter schon im Fifa-Wahlkampf. Die Fifa hat sich mit der European Club Association (ECA) geeinigt: Für die WM-Turniere 2018 in Russland und 2022 in Katar erhalten die Vereine, die Spieler abstellen, jeweils 209 Millionen Dollar. Dafür muss die ECA die Fifa-Kröte schlucken, dass Katar 2022 im November und Dezember stattfindet und am 18.12.2022 endet (Fifa verdreifacht Entschädigung für die Vereine – auf 209 Millionen Dollar, in spiegelonline 20.3.2015). Thomas Kistner sagte zu den höheren Fifa-Zahlungen: „Sepp Blatter hat damit noch einmal deutlich gemacht, dass in der Welt des Fußballs nur drei Dinge zählen: nämlich Geld, Geld und nochmal Geld“ (Rawohl, Astrid, „In der Fußball-Welt zählen nur drei Dinge: Geld, Geld, Geld“, in deutschlandfunk.de 21.3.2015).

„Der Spielplan des Wahnsinns“. So nannte Birger Hamann in spiegelonline den Spielplan rund um die Fußball-WM vom 20.11. bis 18.12.2022 in Katar. „Das Turnier in Katar könnte im Extremfall für 28 englische Wochen sorgen. (…) Damit die WM-Teams genügend Zeit zur Vorbereitung haben, müsste der letzte Bundesligaspieltag vor der Weltmeisterschaft am 21./22./23. Oktober stattfinden. Anschließend haben die WM-Fahrer vier Wochen Zeit für Regeneration und Trainingslager. Die Weltmeisterschaft selbst wird vom 20. November bis 18. Dezember ausgetragen und umfasst damit nur einige Tage weniger als andere WM-Turniere. Wer Weltmeister werden will, muss in dieser Zeit sieben anstrengende Partien absolvieren. Den zwei Wochen Weihnachtsurlaub (19. Dezember bis 1. Januar) schließen sich drei Wochen Vorbereitung an (anstatt vier, wie in diesem Jahr). Weil drei Bundesliga- und zwei Champions-League-Spiele aufgeholt werden müssen, geht es am Wochenende 20. bis 22. Januar 2023 schon wieder los. Und dann wird es richtig hart: Es folgen sogar 16 englische Wochen nacheinander, weil die Rückrunde die Hochphase der Cup-Wettbewerbe ist“ (Hamann, Birger, Der Spielplan des Wahnsinns, in spiegelonline 20.3.2015).

Blatter-Interview in der Schweizer SonntagsZeitung. Fifa-Präsident Sepp Blatter (der Ewige) gab der Sonntagszeitung ein „etwas krudes Interview“ („Die Fifa ist einflussreicher als jede Religion“, in spiegelonline 22.3.2015). Alle folgenden Zitate aus: Spieler, Martin, „Ich glaube an Gott und an mich selbst“, in SonntagsZeitung 22.3.2015.
Blatter zum Boykott der Fußball-WM 2018 in Russland: „Das wäre falsch. Es ist auch ein Fehler, wenn man Russland isoliert. Das ist kontraproduktiv. Eine WM ist friedensfördernd.“
Wie zum Beispiel Friedensfreund Wladimir Putin und seine Annektierung der Krim, sein Krieg in der Ostukraine etc.
Blatter zur Fußball-WM 2022 in Katar: „Wir haben Katar gewählt. Jetzt gehen wir nach Katar. (…) Für mich ist undenkbar, dass wir Katar verschieben oder absagen.“
Blatter zum Reformprozess der Fifa: „Der Reformprozess ist noch nicht fertig. (…) Ich verspreche, dass ich – sofern ich im Mai wiedergewählt werde – diesen auch in meiner fünften Amtszeit vorantreiben werde.“
Blatter zu Vergütungen an die Verbände: „Aber es bringt nichts, den Verbänden von reichen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder der Schweiz mehr Geld zu geben. Stattdessen lassen wir die Verbände der ärmeren Länder aus Afrika, Asien und Lateinamerika proportional stärker an unserem wirtschaftlichen Erfolg partizipieren.“
Weil jede Südsee-Winzinsel eine Stimme hat – soviel wie der DFB mit sieben Millionen Mitgliedern.
Blatter zur Gerechtigkeit durch Fußball: „Die Fifa ist durch die positiven Emotionen, die der Fußball auslöst, einflussreicher als jedes Land der Erde und jede Religion. Wir bewegen Massen. Das wollen wir nutzen, um mehr Frieden, Gerechtigkeit und Gesundheit auf der Welt zu schaffen.“
Blatter auf die Frage, wo er seine Energie hernimmt: „Aus meinem tiefen Glauben. Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich glaube an Gott. Und ich glaube an mich selbst.“
Blatter zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem Fußball als Friedensbewegung: „Doch auch Präsident Wladimir Putin wird oft zu Unrecht kritisiert. Der Fußball baut Brücken. Das ist meine Mission: Ich will dank des Fußballs Frieden schaffen auf der Welt. Denn der Fußball hilft, Feindbilder abzubauen.“

– „Blatter unser“. Christian Gödecke schrieb unter diesem Titel einen Kommentar zu Blatters Interview in der SonntagsZeitung in spiegelonline: „Zwar kann Blatter nicht über Wasser gehen (zumindest ist das nicht gesichert), aber über diverse Korruptionssümpfe schaffte er es immer spielend leicht. (…) Sepp Blatter ist der Prophet des Fußballgottes. Und jetzt, da wir sicher sind, hätten wir da noch ein paar Ideen zur sofortigen Umsetzung:
– Er könnte aus dem Wüstensand in Katar Schnee machen. – Er könnte die Blinden wieder sehend machen.
– Er könnte den Sehenden dann die Kraft geben, auszusprechen, was sie sehen. – Er könnte das Kafala-System abschaffen. – Er könnte den Garcia-Report veröffentlichen. – Er könnte die Fifa reformieren. Und die Uefa gleich mit. Und das alles könnte er einfach so tun, ohne das ganze bürokratische Gedöns. Einfach durch Handauflegen. Die Wiederwahl wäre gesichert. Und der Fußballgott würde so richtig Zulauf bekommen“ (Gödecke, Christian, Blatter unser, in spiegelonline 22.3.2015).

– Zar Blatter und Zar Putin, 2018. Michael Ashelm in der FAZ zur WM 2018 in Russland: „Der Gastgeber 2018 steckt tief in der Krise, hat das Völkerrecht gebrochen, befördert einen Bürgerkrieg in der Ukraine. Präsident Putin hat in Russland die Opposition kaltgestellt und verfolgt einen Weg martialischer Propaganda. Die Europäische Union droht mit weiteren Sanktionen. Der Rubel-Verfall belastet die russische Wirtschaft und hat schon dazu geführt, dass erste WM-Projekte eingedampft werden. Und was sagt der Fußball zu alledem? Nichts“ (Ashelm, Michael, Fifa und Uefa wie im Mittelalter, in faz.net 22.3.2015).
Blatter sagt schon etwas, siehe oben: „Doch auch Präsident Wladimir Putin wird oft zu Unrecht kritisiert“ (Spieler, Martin, „Ich glaube an Gott und an mich selbst“, in SonntagsZeitung 22.3.2015). – „Fifa-Präsident Blatter, der den Kreml-Potentaten gerne hofiert, wiegelt ab, als gebe es keinen Entscheidungsdruck. Die Frage eines Boykotts oder einer Verlegung ist nicht abwegig unter den aktuellen Bedingungen. Über die menschenunwürdige Behandlung von Gastarbeiter-Kolonnen in Qatar werden (zu Recht) ganze Konferenzen abgehalten“ (Ashelm, Michael, Fifa und Uefa wie im Mittelalter, in faz.net 22.3.2015).

– Blatter kauft Wohlwollen der Klubvereinigung ECA. Der europäischen Klubvereinigung ECA steht der Präsident des FC Bayern, Karl-Heinz Ruimmenigge vor. „Mit 209 Millionen Dollar erkauft sich der Internationale Fußballverband Fifa das Einverständnis der Klubs, das Finale der Weltmeisterschaft im Jahr 2022 am qatarischen Nationalfeiertag auszutragen – am vierten Advent, dem 18. Dezember. Damit hat das Stillschweigen der Vertreter der Europäischen Klubvereinigung ECA um ihren Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge ein Preisschild. Der Betrag ist dreimal so hoch wie die Abfindungssumme, die Klubs für die Abstellung der Spieler für die WM im vergangenen Sommer in Brasilien erhalten haben – und sie wird auch schon im Sommer 2018 fällig, wenn die WM in Russland ansteht. Anders als im Falle Qatars steht beim nächsten Turnier noch nicht einmal fest, bei welchen Themen der FC Bayern, Real Madrid, Manchester United und Co. 2018 stillhalten werden. (…) Gut, ein paar Themen gibt es, bei denen sich die Vertreter der Klubs auch ohne 209-Millionen-Dollar-Schweigegeld schon schwer getan hatten – oder haben wir die Pressemitteilungen der ECA zur Diskriminierung der Homosexuellen in Putins Reich, zur Lage der Opposition, in den Straflagern und auf den WM-Baustellen etwa übersehen?“ (Becker, Christoph, Schweigegeld von der Fifa, in faz.net 20.3.2015). Christoph Becker wunderte sich in der FAZ auch über Blatters Coup: „… die Höhe des Schweigegeldes festzulegen, gelang so zügig und geräuschlos, dass sich die Frage stellt, ob der Deal nicht längst ausgehandelt war“ (Ebenda). – „Tatsächlich hat ja nun die von Karl-Heinz Rummenigge geführte ECA der Verlegung des WM-Turniers in die Adventszeit 2022 ganz ohne dissonante Begleitgeräusche zugestimmt und von ‚fairen Verhandlungen‘ gesprochen. (…) Zudem hat sich Blatter nun mit dem Coup, die äußerst geldbewusste ECA über riesige Zusatzerlöse in sein politisches Gesamtkonzept einzubinden, auch von den Kritikern in den Schlüsselverbänden und großen Ligen abgeschottet“ (Kistner, Thomas, „Einflussreicher als jede Religion“, in SZ 23.3.2015).
„Und die Klubvereinigung ECA, die den Deal zur Qatar-Kompensation mit der Fifa aushandelte und die vom Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge angeführt wird, ist ebenfalls nicht dafür bekannt, dass sie Standards setzt, die über die schlichten Belange des eigenen Wohls hinausgehen. Auch hier herrscht noch das Fußball-Mittelalter, zählt nur Macht und Geld, was einen verantwortungsvollen Umgang mit brisanten Problemstellungen weiterhin ausschließt. Die nächsten peinlichen Verwerfungen sind programmiert“ (Ashelm, Michael, Fifa und Uefa wie im Mittelalter, in faz.net 22.3.2015).
Kafala-System, tote Nepalesen auf den Baustellen der WM 2022 und Menschenrechtsverletzungen in Katar, Kriegspolitik, Verfolgung Homosexueller und Menschenrechtsverletzungen in Putin-Russland – egal: Die ECA-Millionen werden 2018 auch schon für 2022 ausbezahlt: zwei mal 209 Millionen Dollar. Und den Wintertermin für Katar 2022 hat Blatter gleich mit eingekauft.

– Nichts Neues auf den Baustellen Katar 2022. Die Menschenrechtsorganisation Sherpa hat den französischen Baukonzern Vinci wegen der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der Fußball-WM 2022 in Katar verklagt. „Ein Sherpa-Anwalt habe in Katar Migranten getroffen, deren Ausweise einbehalten wurden und die 66 Stunden pro Woche arbeiten mussten…“ (Reuters, Klage wegen Bauten in Katar, in SZ 25.3.2015). 

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VII: Sport-Millionen und -Millionäre

– Berlusconi verkauft 30 oder 100 Prozent. Der Eigentümer des AC Mailand, Sylvio Berlusconi, hat einen Vertrag mit den thailändischen Investor Bee Taechaubol unterzeichnet: Dieser soll bis Mai 2015 für 250 Millionen Euro 30 Prozent des AC Mailand übernehmen. Berlusconi muss eine Vertragsstrafe von zehn Prozent der Kaufsumme zahlen, sollte der Deal platzen: Der frühere italienische Ministerpräsident verhandelt noch mit weiteren Interessenten wegen eines Komplettverkaufs (Berlusconi verkauft Anteile am AC Mailand, in spiegelonline 8.3.2015). Die 250 Millionen für 30 Prozent sollen auch eine Marke für den Verkauf von 100 Prozent darstellen: „Dieser Preis würde demnach bei 800 Millionen Euro liegen“ (Schönau, Birgit, Berlusconi gibt Milan-Anteile ab, in SZ 9.3.2015). Der AC Mailand ist seit 1986 im Besitz von Berlusconis Konzern Fininvest, machte 2012 einen Umsatz von 284,9  Millionen Euro und ist mit 244 Millionen Euro verschuldet (Ebenda; Wikipedia).

– Noch länger noch mehr Geld für den Spitzensport. Der Bundes-Sportinnenminister Thomas de Maizière zeigt sich (wegen Hamburg 2024) noch länger großzügig: Bis 2019 wird der Spitzensport mit dem bisherigen (offiziellen) 138 Millionen Euro plus 15 Millionen Euro zusätzlich unterstützt (Deutscher Spitzensport erhält zusätzliche Millionen, in spiegelonline 20.3.2015). Das macht 153 Millionen Euro – eine unrealistische Zahl, weil z.B. die Kosten für die Sportsoldaten bei Bundeswehr, Zoll und Bundespolizei hinzu addiert werden müssen. Realistisch ist eine Zahl weit über 250 Millionen Euro.

– Geldbriefträger Sepp Blatter. Die Wahl des Fifa-Präsidenten Ende Mai 2015 rückt näher. Der ewige Blatter macht vor der Präsidentenwahl das, was er immer gemacht hat: Geld verteilen. Und nicht nur von Andorra bis Zaire: „Die Zeitung O Estado in Brasilien errechnet auf Grundlage des jetzt vorgelegten WM-Finanzberichts eine unschöne Schlagzeile: ‚Die WM hat sich mehr für die Funktionäre als für Brasiliens Fußball gelohnt.‘ Der gesamte Fifa-Tross kassierte im Vorjahr 110 Millionen Dollar an Salären, Boni und Sonstigem, zehn Millionen mehr, als 2014 in die Fußballentwicklung im Veranstalterland flossen. Wie üblich weist die Fifa, die sich große Transparenz bescheinigt, auch nicht aus, wie viele Millionen an Blatter oder Generalsekretär Jérôme Valcke gingen“ (Kistner, Thomas, Advent, Advent, in SZ 21.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Box-Millionen. Der WM-Boxkampf im Weltergewicht zwischen dem US-Amerikaner Floyd Mayweather und dem Philippino Manny Pacquiao am 2.5.2015 in Las Vegas schlägt bisherige Einnahmerekorde. Die 15.000 Eintrittkarten bringen 74 Millionen Dollar (68 Millionen Euro) und kosten damit im Schnitt 4.933 Dollar. Die Gesamteinnahmen liegen bei über 400 Millionen Dollar366 Millionen Euro (74 Millionen Dollar aus dem Ticketverkauf, in spiegelonline 24.3.2015).

– 157 Millionen Euro für einen Fußballspieler? Der FC Barcelona hat beim Kauf des Spielers Neymar offiziell 57 Millionen Euro ausgegeben. Die spanische Staatsanwaltschaft kommt auf andere Summen: 
17,1 Millionen Euro (an den FC Santos; bekannt); 40 Millionen Euro (Zahlungen an die Firma N&N, die Neymars Eltern Neymar da Silva und Nadine gehört; bekannt); 10 Millionen Euro (Handgeld für Neymar; bekannt); 2 Millionen Euro (Bonus für Neymar, weil er zu den Finalisten des Balon d’Or gehörte; bekannt); 4,5 Millionen Euro (für Freundschaftsspiele mit dem FC Santos; bekannt); 13,5 Millionen Euro (Einmalzahlung an das Finanzamt im Februar 2014; bekannt); 7,9 Millionen Euro für das Vorkaufsrecht an drei Santos-Spielern; weitere 8,5 Millionen Euro (an die Stiftung Neymar Jr., für einen Scouting- und Agentenvertrag mit N&N; neu); 2,7 Millionen Euro(Berater-Provision an den Vater; neu); 25,2 Millionen Euro (Strafe Rosell; neu); 3,8 Millionen Euro (Strafe Bartomeu; neu); 22,2 Millionen Euro (Strafe Barcelona; neu. Quelle: Neymar-Transfer könnte Barca 157 Millionen Euro kosten, in spiegelonline  24.3.2015). Die Staatsanwaltschaft hat für den früheren Barca-Präsidenten Sandro Rosell siebeneinhalb Jahre Haft und 25,1 Millionen Euro Geldstrafe beantragt, für Rosells Nachfolger Josep Mario Bartomeu zwei Jahre und drei Monate Haft und 3,83 Millionen Euro Geldstrafe. Der FC Barcelona soll 22 Millionen Euro wegen Steuerbetrugs  entrichten (Ebenda).

– Ryder-Cup, Millionen-Grab. Die deutsche Bewerbung für den Golf-Kontinentalwettbewerb USA gegen Europa im Jahr 2022 mit dem Golfkurs Bad Saarow in Brandenburg wird teuer. Allein die Lizenzierungsgebühr beträgt rund 20 Millionen Euro. (Kleffmann, Gerald, Schneidere, Jens,  Inspekteure in Bad Saarow, in SZ 24.3.20915).
Den 630.000 Golfspieler des DGV soll der Jahresbeitrag um drei bis fünf Euro erhöht werden.
Die Bundesregierung will die – inzwischen anscheinend Usus gewordene – Steuerbefreiung für den Ryder-Cup (noch) nicht erteilen. „Eine Sportart zu subventionieren, in der Millionäre so normal sind wie Finanzlöcher in Berlin und Brandenburg, wäre schwer vermittelbar gewesen“ (Kleffmann, Gerald, Hürden bis zur Party, in SZ 26.3.2015). Der Platz selbst gehört dem österreichischen Multimillionär Hans Peter Haselsteiner (Cáceres, Javier, Kollekte unter Golfern, in SZ 26.3.2015). Benötigt werden für Wettbewerb, TV-Aufbauten, Anlieferung, Hospitality und Stände 120 Hektar Fläche (Himmel, Petra, Beim Ryder Cup trägt Berlin das finanzielle Risiko, in welt.de 24.3.2015).

Uefa-Ausschüttungs-Milliarden. „Champions League und Europa League werden für die Fußballklubs finanziell noch attraktiver. Die Uefa schüttet für die Europacupstarter von der kommenden Saison an bis 2018 je 1,638 Milliarden Euro aus. 1,257 Milliarden Euro gehen an die Teams in der Königsklasse – eine Steigerung um gut 25 Prozent“ (Klubs erhalten 1,257 Milliarden Euro, in spiegelonline 31.3.2015).

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VIII: Der totalitäre Sport-Terminkalender

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IX: Doping-News

Siehe hierzu auch die Doping-Hintergründe von Cycling4fans: hier und Aktuelle Doping-Meldungen hier
und die Webseite der Doping-Opfer-Hilfe: hier
Neu im Kritischen Olympischen Lexikon: Doping Russland

– Freiburger Kommission: Doping auch bei Fußballern. Ein Mitglied der Freiburger Evaluierungskommission gab bekannt, dass bei den Unterlagen des Freiburger Sportmediziners Armin Klümper Belege gefunden wurden, dass bei den Fußballklubs SC Freiburg und VfB Stuttgart in den 70er und 80er Jahren Dopingmittel eingesetzt wurden (Kontrolleure finden Hinweise auf Doping bei Bundesliga-Fußballern, in spiegelonline 2.3.2015; Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, „Anabolika-Doping in systematischer weise“, in SZ 3.3.2015). Fraglich ist, warum das Kommissionsmitglied Andreas Singler, der nach der Auswertung der 60 gefundenen Aktenordner ein 60-Seiten-Gutachten angefertigt hat, unabgesprochen mit der Kommissionsvorsitzenden Paoli und seinen Kollegen damit an die Öffentlichkeit gegangen ist (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Stabil in der Defensive, in SZ 4.3.2015). Singler ist an der Universität Freiburg beschäftigt und war für die von der Universität geplanten Forschungsstelle im Gespräch (Kistner, Thomnas, Verschollenes und Verstecktes, in SZ 4.3.2015).
Aus einem Kommentar dazu von Peter Ahrens in spiegelonline: „Wahrscheinlich wird die Debatte um Doping nirgends so verlogen geführt. (…) Was dem Radsport in den vergangenen 20 Jahren widerfahren ist, der Leichtathletik ebenso, nämlich die Diskreditierung einer gesamten Sportart aufgrund von prominenten Dopingfällen, das darf dem Fußball nicht passieren. Er ist zu groß, zu wichtig. Zu viele verdienen an ihm viel zu viel Geld. Auch daher erscheinen die Erkenntnisse aus Freiburg, die am Montag von Andreas Singler, dem Mitglied der dortigen Dopingkommission, lanciert wurden, so beunruhigend. Kommerz, Korruption, Gewalt – all das hat der Weltfußball mehr oder weniger unbeschadet verkraftet. Weil der Sportart an sich eine so große Faszination innewohnt. Und weil Sponsoren davon ihr Image noch nicht beschädigt sehen. Doping dagegen ist dermaßen negativ besetzt, dass es bei Geldgebern Fluchtreflexe auslöst. Damit will man als Unternehmen, als Marke, partout nicht in Verbindung gebracht werden“ (Ahrens, Peter, Tut doch nicht so blöd, in spiegelonline 3.3.2015).

– Fußball: Too big to fail… Doping im Fußball? Undenkbar! „Doping bringt Fußballern nichts. Mit dieser alten Ausrede versuchen es manche noch immer. Franz Beckenbauer zuletzt in einem viel beachteten Auftritt im ZDF-Sportstudio. (…) Doch Doping im Fußball bleibt ein Tabu. In Fachzeitschriften ist jeder Spielerwechsel der dritten Liga wichtiger. Auch viele Fans wollen nichts davon wissen. Wer aufklären will, wie Toni Schumacher in den Achtzigern, fliegt raus. Als Fuentes auspacken wollte, wurde er sogar bedroht. Als er vor Gericht anfing, über Fußball zu reden, fragte die Richterin nicht mal nach. Auch die Politik schaut weg, unterstützt oder vertuscht sogar, wie die die Freiburger Kommission andeutet. Vielleicht ist König Fußball immun, weil zu wichtig. Too big to fail“ (Fritsch, Oliver, Fußball ist too big too fail, in zeitonline 3.3.2015). Und Robin Dutt, seit Januar 2015 (ausgerechnet!) Vorstand Sport des VfB Stuttgart, sagte der ARD: „Völlig uneffektiv, weil wir eine Mischsportart haben, eine technisch-taktische Komponente haben. Der Spieler wäre mit Dummheit gestraft, würde er versuchen, sich darüber irgendwie zu optimieren. Er würde sich sicherlich nachher in der Leistung eher verschlechtern“ (Catuogno, Claudio, Ahnungslos mit System, in SZ 5.3.2015).
Dazu aus dem Kommentar von Claudio Catuogno in der SZ: „Wer dopt, wird schlechter? Diese These ist so abenteuerlich, dass sie die Frage aufwerfen würde, wer hier tatsächlich mit Dummheit gestraft ist – würde die These nicht gerade von vielen nachweislich klugen Vertretern des Fußballbetriebs auf allen Kanälen unters Volk gebracht. Das legt eher den Schluss nahe, dass hier jemand für dumm verkauft werden soll, der es doch längst besser weiß: das Fußball-Publikum“ (Ebenda).
Dopingexperte Werner Franke erwähnte das schon häufiger im Fußball aufgetauchte Epo und sagte: „Es ist auffällig: Heute ist die Schnelligkeit viel höher als früher, dennoch bleiben die Ballkontakte im Fußball konstant… Einen FC Bayern muss man besonders in Katar abklopfen. Wenn etwas gemacht wird, dann in den Wettkampfpausen“ (DPA, SID, Akten vom Verein, in SZ 5.3.2015).

– Aussagen von Experten zum Doping im Fußball
Prof. Werner Franke, Doping-Experte: „Doping im Fußball hat eine lange Geschichte. Die Epo-Doping-Affäre von Juventus wurde vor Gericht behandelt. Es gab das Buch von Toni Schumacher, der beschreibt, wie es zuging. Der Fall Fuentes reichte in den Fußball hinein. Und bei der Frauen-WM in Deutschland flogen Spielerinnen der nordkoreanischen Mannschaft wegen Doping auf. (…) In der zweiten Halbzeit wirken sich Epo und sogenannte Epo-Mimetika fantastisch aus. Die Spieler sind so gut wie in der ersten Hälfte. Keine Ermüdungserscheinungen mehr. Wenn Sie heute eine Partie sehen, wie die Spieler am Ende noch rumflitzen, das war früher nicht so. Bei den sogenannten ‚Zweite-Halbzeit-Drogen‘ waren in Ballsportarten immer schon klassische Aufputschmittel dabei“ (Sonnabends, Lisa, „In der zweiten Halbzeit wirkt sich Epo fantastisch aus“, in suedddeutsche.de 5.3.2015).
Prof. Perikles Simon, Doping-Experte: „Es findet in Deutschland im Fußball null Dopingprävention statt, und es kann auch gar keine stattfinden, wenn die sogenannten Experten sich auf diesem Niveau bewegen.
Ich muss doch keinen Experten fragen, um zu wissen, dass eine Sprintausdauer bei einem Menschen hoch sein muss, wenn er im Spiel 100 Sprints absolviert. Das hat doch mit reiner Schnelligkeit nichts mehr zu tun. Und es ist doch jedem klar, wenn ein Spieler sich in drei solcher Spiele pro Woche keinen Fehler erlauben kann, dass er von einer entsprechend höheren Ausdauer und Durchsetzungsfähigkeit profitieren würde“ (Hönicke, Christoian, Doping im Fußball: „Unrat bis über beide Ohren“, in tagesspiegel.de 5.3.2015).
Anno Hecker in der FAZ: „So hat sich der Fußball zur dopingfreien Zone erklärt und Jahrzehnte ferngehalten von den in anderen Sportarten üblichen Anti-Doping-Systemen. (…) Weil sich allenfalls die Dummen erwischen lassen, wird kaum jemand positiv getestet. Die Zahlen aber sollen Eindruck machen: Nach 500 negativen Doping-Kontrollen während der WM 2010 in Südafrika formulierte Fifa-Präsident Joseph Blatter seinen ‚Bringt-doch-nichts‘ Schlusssatz: ‚Wir sollten nicht mehr über Doping im Fußball sprechen’“ (Hecker, Anno, Die große Verblendung, in faz.net 10.3.2015). Übrigens kooperiert die Fifa nicht mit der Nada, sondern kontrolliert selbst!

DOSB: Doping durch Verfassung geschützt. Das Anti-Doping-Gesetz wurde am 25.3.2015 im Bundeskabinett beschlossen. Es bestraft u. a. den Besitz auch geringster Mengen an Dopingmitteln. Dopern kann eine Gefängnisstrafe drohen. Der DOSB wollte ein gemeinsames Gesetz mit der Regierung durchsetzen, aber selbst der Bundes-Sportinnenminister Thomas de Maizière (CDU) lehnte dies ab: „Die Debatten werden im Bundestag weitergehen. Und dafür ist er ja auch da“ (Kabinett beschließt Entwurf für Anti-Doping-Gesetz, in spiegelonline 25.3.2015). Ähnlich argumentierte die Vorsitzende des Bundessportausschusses, Dagmar Freitag (SPD): „Also ich glaube, es ist zu erkennen, dass sich jede Seite – wenn ich es mal so bezeichnen darf – darauf besonnen hat, was ihre Aufgabe ist. Und Aufgabe der Politik ist es zum Beispiel Gesetze zu machen. Und wenn wir der Meinung sind, es ist Zeit, ein Gesetz zu machen, dann tun wir das. Das hat mittlerweile vielleicht eine andere Qualität als in den Vorjahren“ (Bouhs, Daniel, Machtverlust für den DOSB? Emanzpiation der Sportpolitik, in deutschlandfunk.de 25.3.2015).
Der DOSB kämpft nichtsdestotrotz weiter dagegen an – mit der so alten wie merkwürdigen Begründung: „Die Anwendung von Dopingmitteln durch die Sportler geschieht freiwillig unter Inkaufnahme der Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit. Ein solches Verhalten ist jedoch von unserer Verfassung geschützt und kann nicht umgekehrt zu staatlichen Eingriffen wider Willen ermächtigen“ (SID, „Wir schließen eine Lücke im Recht“, in SZ 26.3.2015; Hervorhebung WZ). DOSB-Vorstandsvorsitzender Michael Vesper süffisant: „Der DOSB ist eine sehr gewichtige Stimme und zwar nicht einzelnen Interessen verpflichtet, sondern dem Gesamtwohl des organisierten Sports. Und deswegen bin ich ganz sicher, wird seine Stimme auch weiterhin gehört werden“ (Bouhs 25.3.2015). Was Vesper so sicher macht: „Nun hat der DOSB aber natürlich auch einen großen Trumpf in der Hand: die anstehende Olympia-Bewerbung für Hamburg. Olympia in Deutschland – das soll schließlich auch nach dem erklären Willen der Regierung einen Medaillen-Regen bringen. Und das organisiert bekanntlich vor allem einer: der DOSB“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).
Und gibt es einen Medaillen-Regen ohne Doping?

– Schiedsvereinbarungen durch Anti-Doping-Gesetz fixiert. Der Leipziger Verfassungsrechtler Christoph Degenhart hält das neue Anti-Doping-Gesetz in Teilen für verfassungswidrig und konstatierte Grundrechtsverstöße „von besonderer Intensität“. – „Degenhart kritisiert vor allem, dass sich die rechtliche Stellung der Sportler verschlechtere. Problematisch sei, dass die Athleten gezwungen würden, Schiedsvereinbarungen mit den Verbänden zu schließen. damit würden sie sich einer Sportgerichtsbarkeit unterwerfen, die erhebliche rechtsstaatliche Defizite habe“ (Unmut in der Reiterszene, in Der Spiegel 10/28.2.2015).
Wahrscheinlich hat der DOSB nur scheinbar den Widerstand aufgegeben: Dafür hat er die Schiedsvereinbarungen gesetzlich einbetoniert.  

– Gut erholt aus der Doping-Pause. Die russische Doppel-Weltmeisterin im Schwimmen, Julia Jefimowa, ist Ende März 2015 nach 16-monatiger Dopingsperre in den USA Jahresbestzeit geschwommen. Im Juli 2015 findet in Russland die Schwimm-WM statt – vermutlich. „Eine Regel des Weltverbandes Fina sieht vor, bei vier Dopingfällen innerhalb von zwölf Monaten eine Kollektivstrafe für den Nationalverband zu verhängen. Jefimowa gehört dazu, ebenso Sergej Makow, der im Oktober 2013 aufgefallen war. Nummer drei ist Witalij Melnikow, sein Urteil hat die Fina gerade erst gefällt, ohne besondere Eile – vom Zeitpunkt der positiven Probe bis zur Sperre vergingen 15 Monate. Seit 2012 gibt es insgesamt 16 positive Proben von russischen Schwimmern. (…) Im Oktober 2014 verlieh Fina-Chef Julio César Maglione dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den höchsten Orden für besondere Verdienste im Wassersport. Das persönliche Engagement Putins leiste einen großen Beitrag zur Brüderlichkeit zwischen den Nationen, hieß es in der Begründung. Die soll es bei der Schwimm-WM zu sehen geben. Auf jeden Fall“ (Aleythe, Saskia, Bestzeit nach der Dopingsperre, in sueddeutsche.de 25.3.2015; Hervorhebungen WZ).

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X: Die Sportsender ARD/ZDF

– TV-Rechte wieder geheim. „ARD und ZDF bleiben dem Wintersport treu: Wie die beiden Sender am Mittwoch bekannt gaben, werden die Öffentlich-Rechtlichen auch 2019 und 2021 die Alpinen und Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in ihrem Programm übertragen. Auf einen entsprechenden Deal haben sich nun die internationale Sportmarketing-Firma Infront Sports & Media, die als Vermarktungspartner des Internationalen Ski Verbands (FIS) auftritt, und die Sportrechteagentur von ARD und ZDF geeinigt. Wie viel Geld die öffentlich-rechtlichen Sender für die Übertragungsrechte auf den Tisch legen, ist nicht bekannt“ (Neue TV-Rechte: ARD und ZDF investieren in Wintersport, in digitalfernsehen.de 18.3.2015; Hervorhebung WZ).

– Große Bitte an kritische Sport– und investigative Journalisten:
Für die Zukunft eines besseren Sports und einer sinnvolleren Verwendung der öffentlich-rechtlichen Gebühren-Millionen wäre es wichtig, die fragwürdige Kooperation zwischen den Vertretern der gierigen Sportfunktionäre und den willfährigen Vertretern der öffentlich-rechtlichen Sportsender aufzudecken. Vermutlich ist es ein kleiner Kreis immer gleicher Personen, die Jahr für Jahr die Preisspirale für die TV-Sportübertragungen in die Höhe treiben. Bitte aufdecken!


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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