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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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April 2015

 
Zuletzt geändert am 08.11.2015 @ 10:46

Webseite-Besucher
Im März 2015 besuchten 36.595 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite – pro Tag durchschnittlich 1.180. Von Februar 2010 bis einschließlich März 2015 hatten wir damit 1.193.557 Besucher: Wir bedanken uns für das anhaltende Interesse.

Neu unter “Aktuelles”:
Hamburg 2024: Keine Bürgerbefragung!; Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen; Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?; Berliner Senat ist nicht Charlie; Boston 2024: Privatbewerbung eines Baukonzerns; Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften; Olympisches Abholzen für Pyeongchang 2018; Agenda 2020 – Wie das IOC sein Geschäftsmodell erweitern will
2015 neu im Kritischen Olympischen Lexikon:
25.1.2015 Aktualisiert nach Pechstein-Urteil: Court of Arbitration for Sport (Cas); 20.1.2015: DFB gegen Galopprennbahn; 19.1.2015: Afrika-Cup 2015; 19.1.2015: Handball-WM 2015; 17.1.2015: Deripaska, Oleg; 7.1.2015: Gazprom-NTW; 1.1.2015: Doping Russland; 22.12.2014: Wintersport im Klimawandel: 2014/2015; 18.11.2014: Totalitärer Sport-Terminkalender
Laufend aktualisiert:
Hamburg-Berlin 2024 – Zur deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024: bis Juni 2014: hier; 7-8/2014: hier; 9-10/2014: hier; 11/2014 – 3/2015: hier. Ab April 2015 in der laufenden Chronologie.
Gazprom-Chronik – Was ein Gaskonzern und Sport, Oligarchen und Putin miteinander zu tun haben. Gazprom-Chronik (1) bis 31.12.2012: hier; Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier; Gazprom-Chronik (3) ab 9/2014: hier; Gazprom-Chronik (4) ab 11/2014: hier

Neue Studie von Sylvia Hamberger und Axel Doering: Der gekaufte Winter – Eine Bilanz der künstlichen Beschneiung in den Alpen (22.4.2015)
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In eigener Sache
Die Webseite und ihre Informationen stehen allen zur Verfügung, um die tatsächlichen Hintergründe im Spitzensport und seinem Umfeld aufzuzeigen und zu beschreiben. Ich bemühe mich meinerseits, korrekt zu zitieren und Quellen anzugeben. Umgekehrt wäre es fair, wenn auch die Nolympia-Webseite als Quelle in den Artikeln von Journalisten angegeben wird.
Dr. Wolfgang Zängl

Die Gliederung im April 2015 sieht so aus:
I: Zitate des Monats
II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden
III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden
IV: Loser-Bewerbung Hamburg 2024
V: Allgemeine Nachrichten
VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.
VII: Sport-Millionen und -Millionäre
VIII: Der totalitäre Sport-Terminkalender
IX: Doping-News
X: Die Sportsender ARD/ZDF
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I: Zitate des Monats

– Dopingexperte Werner Franke zur Behauptung von Bundestrainer Jürgen Löw, dass gegen Doping „wahnsinnig viel“ getan werde: „Öffentliche Lüge zur Beruhigung der Zuschauer und Sponsoren (Strepenick, Andreas, Doping in Freiburg: Laut Werner Franke ist der Fußball verseucht, in badische-zeitung.de 1.4.2015).

„Das IOC-System ist abgelaufen, veraltet, falsch, unfair und überhaupt nicht transparent“ (Attacke gegen IOC-Chef Bach, in SZ 21.4.2015). Das sagte nicht etwa ein Mitglied einer NOlympia-Organisation, sondern der SportAccord-Präsident Marius Vizer bei der Eröffnung der Generalversammlung am 20.4.2015 in Sotschi – in Anwesenheit von IOC-Präsident Thomas Bach (siehe auch unter II: Im Sport-Zirkus).

Der sportpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Özcan Mutlu, zu den „Europa-Spielen“ 2015 in der Diktatur Aserbaidschan: „Es geht nicht, dass Oligarchen sich Spiele kaufen. So geht die Lust am Sport kaputt“ (Becker, Christoph, Reinsch, Michael, Gefängnis in Baku, Beschwichtigung in Berlin, in faz.net 24.4.2015). Siehe dazu gleich unten.

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II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden

– Europaspiele in der Aserbaidschan-Diktatur. Im Juni 2015 finden in der Diktatur Aserbaidschan die Europaspiele statt – trotz einem jetzt schon übervollem Sportevent-Kalender. Die Asian Games und die Pan American Games gibt es seit 1951, die Pacific Games seit 1963, die All-African Games seit 1965 (Weinreich, Jens, Warum ein autoritäres Regime die ersten European Games ausrichtet, in krautreporter.de 28.4.2015).
Amnesty International verwies in diesem Zusammenhang auf Menschenrechtler, Journalisten und Oppositionelle, „die bedroht, brutal geschlagen und aufgrund konstruierter Anschuldungen inhaftiert wurden“ (Baku – Schattenseiten im Glanz der Europaspiele, in sportschau.de 1.4.2015). Laut Amnesty International sind die Europaspiele des Diktators Ilham Alijew, der auch Präsident des NOK von Aserbaidschan ist, ein Versuch, „mit viel Glanz und Glamour ihr Image aufzupolieren und so ausländische Unternehmen anzulocken“ (Ebenda). „Ein NOK-Präsident, dessen Kinder schon auf wundersame Weise Multimillionäre wurden und der sich vom Parlament lebenslange Immunität vor Strafverfolgung festschreiben ließ. Großganoven wie Alijew bleiben die idealen Partner für internationale Sportverbände, in deren Schlepptau zahlreiche Berater, PR-Firmen und Eventplaner glänzende Geschäfte machen“ (Weinreich 28.4.2015). So hatte z. B. der designierte Präsident des Internationalen Leichtathletikverbandes IAAF, Sebastian Coe, mit seiner Firma CSM Strategy seit Frühjahr 2012 mit Aserbaidschan einen Vertrag für die Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2020 (Ebenda).
Reporter ohne Grenzen erstellt regelmäßig eine Rangliste der Pressefreiheit von 180 Ländern: Dort steht Aserbaidschan auf Platz 162 (Ebenda). Vom Weltverband der Sportjournalisten (AIPS) wird auch kein kritisches Wort zu hören sein: Deren Präsident Gianni Merlo überreichte 2014 beim AIPS-Weltkonress in Baku Diktator Alijew einen Orden (Weinreich 28.4.2015).
Der Präsident des EOC, der Ire Patrick Hickey, setzte sich vor der Vergabe vehement für Aserbaidschan ein. Kein Wunder, Hickey hatte auch 2008 dem weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko den EOC-Oden verliehen (Ebenda). Unter IOC-Präsident Thomas Bach erhielt der ehrenwerte Mr. Hickey den neu geschaffenen Posten „Delegate Member for Autonomy“ (Ebenda).
Der Sportminister und der Botschafter Aserbaidschans tauchten im April 2015 im Sportausschuss des Deutschen Bundestages auf und beantworteten Fragen. Angeblich müsse man mit einem Ticket für die European Games kein Visa beantragen, das Internet würde nicht abgeschaltet, und das Demonstrationsrecht gelte. „Eine reine Werbeveranstaltung, kritisiert Özcan Mutlu, der sportpolitische Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen“ (Treusch, Wolf-Sören, Werbeveranstaltung im Bundestag, in deutschlandfunk.de 22.4.2015). Der aserbaidschanische Journalist Idrak Abbasov, der heute in Norwegen lebt, sagte: „Die Europaspiele werden nur für die PR der aserbaidschanischen Regierung genutzt“ (von Salzen, Claudia, Die Causa Kaukasus, in tagesspiegel.de 24.4.2015).
– Der DOSB und die Europaspiele. Der DOSB hatte im Dezember 2012 der Vergabe der Europaspiele an Aserbaidschan zugestimmt (Ebenda). in der European Games Commission (EOC) sitzt auch der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper (Weinreich 28.4.2015). Vesper übte sich im Vorfeld der European Games im Gesundbeten: „Mit Blick auf die Europaspiele sind wir gerade über die Einschränkung der Pressefreiheit und die Repressalien gegen Journalisten und Medien beunruhigt. Wir werden die Themen selbstverständlich bei unseren Gesprächen vor Ort und mit Vertretern des Gastgeberlandes ansprechen“ (Weinreich 28.4.2015). Hier bestehen berechtigte Zweifel. Vesper hatte Anfang August 2008 kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking die Internet-Zensur in China mit der Sperrung rechtsradikaler Seiten in Deutschland verglichen: „Bei uns sind es rechtsradikale Seiten, die gesperrt werden. Und es ist natürlich auch in China so, dass einzelne Seiten gesperrt werden“ (Vesper spielt Zensur herunter, in SZ 6.8.2008; Kistner, Thomas, Nicht ganz angekommen, in SZ 7.8.2008. Gesperrt wurden von Peking damals unter anderem die Seiten von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen, der BBC und der Deutschen Welle). Von daher werden die von Vesper großspurig angekündigten Gespräche unter Sportskameraden die kritischen Themen gerade nicht thematisieren.
Zur Erinnerung: „In China verdreifachte sich beispielsweise im Olympiajahr 2008 die Zahl der belegten Hinrichtungen. Und vor einem Jahr bereitete Wladimir Putin während der Winterspiele in Sotschi die verdeckte Annexion der Ukraine vor“ (Weinreich, Jens, Warum ein autoritäres Regime die ersten European Games ausrichtet, in krautreporter.de 28.4.2015; Hervorhebung WZ).
– Aserbaidschan: Diktatur as usual. Im Sportausschuss hatten der aserbaidschanische Botschafter und der Sportminister die Abgeordneten bezüglich der „Europa-Spiele“ zugesülzt (siehe oben). In der FAZ beschrieben Christoph Becker und Michael Reinsch die wahren Zustände der seit Ende der 1960er Jahre herrschenden Alijew-Diktatur (Becker, Christoph, Reinsch, Michael, Gefängnis in Baku, Beschwichtigung in Berlin, in faz.net 24.4.2015). Der Menschenrechtsanwalt Intigam Alijew wurde am 22.4.2015, 51 Tage vor Beginn der „Europa-Spiele“, zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, eine Woche davor der Menschenrechtsanwalt Rasul Jafarow zu sechseinhalb Jahren. „Der aserbaidschanische Bürgerrechtler wollte die ersten quasiolympischen Spiele Europas dafür nutzen, mit der Kampagne ‚Sports for Rights‘ auf die desolate Menschenrechtslage in seinem Land hinzuweisen. (…) Der bekannte Gründer und Leiter des Menschenrechtsclubs in Baku sitzt seit August 2014 hinter Gittern“ (von Salzen 24.4.2015). Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, äußerte zur Verurteilung von Jafarow und Alijew: „Leider sind diese Urteile nur der jüngste Versuch der aserbaidschanischen Regierung, jene Stimmen systematisch zum Schweigen zu bringen, die sich für mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Aserbaidschan aussprechen“ (Becker, Christoph, „Schockierend“, in faz.net 26.4.2015). Die Menschenrechtlerin Leyla Junus wurde mit ihrem Mann im Juli 2014 verhaftet, im Dezember 2014 die Journalistin Khadira Ismajilowa, „die aufgedeckt hatte, wie sich die Präsidentenfamilie persönlich bereichert“ (Ebenda).
Der Sprecher des aserbaidschanischen Außenministeriums, Hikmet Hadschijew, erläuterte die Bedingungen für Journalisten während der Europa-Spiele: „Die Akkreditierung wird entzogen, sollte ein Repräsentant (…) gegen Aserbaidschans territoriale Einheit, Unabhängigkeit, Interessen und Souveränität arbeiten. (…) Jede Medienperson, die verzerrte Informationen über Aserbaidschan verbreitet und damit die Interessen des Landes ungerecht darstellt, wird die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“ (Becker, Reinsch 24.4.2015). Der DOSB wird mit einer Delegation von 280 Sportlern nach Aserbaidschan reisen – vom Steuerzahler mit einer halben Million Euro gefördert. „Der DOSB (…) erklärte: ‚Die von Aserbaidschan erlassenen Bedingungen für Journalisten (…) zielen nach einer ersten Interpretation von uns nicht darauf ab, die Berichterstattung einzuschränken'“ (Ebenda). 
Vergleiche auch: Der totalitäre Sport-Terminkalender

– Was verdient der IOC-Präsident wirklich? Die Fifa versucht gar nicht erst, Transparenz vorzugaukeln: Niemand weiß, was ihr Präsident Sepp Blatter im Jahr wirklich verdient: Das wird seit Jahrzehnten als Geheimnis behandelt. Nun kommt die Transparenz-Offensive des IOC: Sein Präsident Thomas Bach soll eine Aufwandsentschädigung von 225.000 Euro bekommen (DPA, Wie viel Geld Thomas Bach vom IOC bekommt, in faz.net 2.4.2015). (Zum Vergleich: Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper verdiente in seiner damaligen Position als Generaldirektor 270.000 Euro im Jahr (Quelle: Zapp, Fischer-Solms kritisiert die DOSB-Pressearbeit, in ndr.de 15.5.2013, 23,20 Uhr; Stelle bei 28.20 Minuten) und wird sich in seiner neuen Position vermutlich noch verbessert haben.
Man kann also die 225.000 Euro von Bach glauben oder nicht… oder an die weiteren Möglichkeiten von Extravergütungen, Tagesgelder, Pauschalen diverser Art etc. denken. Da wären natürlich die persönlichen Steuererklärungen aus Deutschland und der Schweiz aussagekräftiger als eine nicht nachprüfbare IOC-Pressemitteilung. Außerdem hat Bach ja noch andere Jobs, z.B. den Aufsichtsratsvorsitz bei der Michael Weinig AG, Tauberbischofsheim.

Boston 2024 im April 2015. In der New York Times stellte Juliet Macur fest, dass es nicht so aussieht, als ob Boston die Olympischen Spiele 2024 haben wolle. Die Bostoner wollten dagegen bessere Schulen, und Sozialprogramme. „Das USOC mag jetzt vielleicht erröten, aber es hat sich selbst in diese Lage gebracht, indem es Boston auf die erste Stelle setzte – es hätte wissen müssen, dass es in letzter Zeit eine Flut von Städten gegeben hat, in denen die Mehrheit der Bürger gegen Olympische Spiele waren“ (Macur, Juliet, If 2024 Olympic Bid Is a Hot Potato, Boston Has No Appetite, in nytimes.com 2.4.2015). Macur erwähnt an dieser Stelle München, St. Moritz/Davos, Krakau, dazu die Bewerbung Wien 2028. Das USOC nahm die bei einer eigenen Umfrage festgestellte Zustimmung in Boston von 50,01 Prozent für bare Münze, obwohl dies wohl der Gipfel der Zustimmung war, die danach permanent von 44 Prozent auf nunmehr 36 Prozent fiel. Dagegen betrug die Zustimmung in Los Angeles 80 Prozent (Ebenda).
Im Boston Herald machte sich Joe Fitzgerald über die Crew der Bewerbung Boston 2024 lustig. John Fish, Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Suffolk Constructions, verschwende seine wertvolle Zeit mit einer missglückten Bewerbung 2024. Dazu käme eine unfähige Mannschaft, die viel Geld einstreicht: Der frühere Gouverneur Deval Patrick kassiert 7.500 Dollar pro Tag, „um ein fröhliches Gesicht zu zeigen“. Richard Davey, Patricks früherer Verkehrsminister, erhält 300.000 Dollar im Jahr – für was? Doug Rubin, der frühere Personalchef von Patrick, den Fitzgerald einen „Verlierer“ nennt, bekommt 15.000 Dollar im Monat. John Walsh, der frühere Wahlkampfleiter von Patrick, steht mit 10.000 Dollar monatlich auf der Gehaltsliste von Boston 2024 (Fitzgerald, Joe, Fish finds himself floundering on hook in Olympic PR mess, in bostonherald.com 6.4.2015).
Michael Levenson stellte im Boston Globe fest, dass der Widerstand gegen Boston 2024 nicht allen steht, wenn man Hamburg und Rom ansieht. Die dortigen kritischen Stimmen warnen ebenso vor den Kosten, den Bauverzögerungen und ungewählten olympischen Bossen, die versuchen, die Kontrolle über die Angelegenheiten der Stadt zu erringen. In Hamburg haben sich die Kosten für die Elbphilharmonie auf 870 Millionen Dollar hochgeschraubt. Mehmet Yildiz, Abgeordneter im Hamburger Senat: „Wenn man einmal in der Hand des IOC ist, steht die Türe zu Größenwahn und Korruption weit offen“ (Levenson, Michael, Boston not alone in public opposition to olympics, in bostonglobe.com 10.4.2015). Und Italien ist prädestiniert, von Verbrecherorganisationen und Korruption ausgenommen zu werden. „Die Neinsager in Italien sind durch einen Skandal namens ‚Mafia Capital‘ angespornt, der den langen Arm des organisierten Verbrechens in die Verträge der Stadt und die Hallen der politischen Macht Roms aufgezeigt hat“ (Ebenda).
Christine Brennan sprach sich in USA Today gegen Boston 2024 und für Los Angeles 2024 aus, falls das USOC auch nur den Hauch einer Chance für 2024 bewahren möchte. Das IOC stellt im Frühjahr 2016 die fünf Finalteilnehmer für 2024 fest: „Aber kann sich das IOC mit Boston wohl fühlen, wenn die Wahl der Bewohner von Massachusetts sechs Monate später drohend näher rückt? Die Führer des IOC, die immer in unser gemeinsames Geld verliebt sind, aber nie in uns, würden völlig zurecht feststellen, dass diese Wahl eine Entscheidung nicht nur über die Bewerbung Boston 2024 ist, sondern auch über sie selbst“ (Brennan, Christine, Bail on Boston Olympic bid, give it to L.A., in USA Today 16.4.2015).
Ebenfalls in USA Today stellt Rachel Axon Fragen: „Warum haben sie kein Referendum unterstützt, das sie verpflichtet, ihr Versprechen zu halten und keine Steuergelder zu verwenden? Und wer kontrolliert nach den Spielen den Grund und Boden, auf dem das vorgeschlagene Olympiastadion gebaut werden würde? Kann die Stadt Boston zumindest garantieren, dass keiner von Boston 2024, einer privaten Gruppe, welche die Bewerbung anführt, dieses Land bekommt?“ (Axon, Rachel, Tepid local support puts Boston’s Olympic bid in doubt, in USA Today 16.4.2015). 
„No Boston Olympics“ bekam auch Hilfe von Andrew Zimbalist, Autor des Buches Circus Maximus, der eine Förderung des Tourismus, ein Ansteigen der volkswirtschaftlichen Leistung und höhere Investitionen aus dem Ausland verneinte. „Die Opposition hingegen besteht aus bestens vernetzten, jungen, energiegeladenen Männern und Frauen, die sich in der kommunalen und bundesstaatlichen Politikerszene auskennen und die ruhig und entspannt immer wieder auf ein simples demokratisches Prinzip pochen. Der Steuerzahler habe ein Wort mitzureden, wenn er am Ende garantieren soll, dass das Milliardenprojekt auch tatsächlich stattfindet. Jemand wie Chris Dempsey, einer der drei Organisatoren von ‚No Boston Olympics‘. Ein Mann von 32 Jahren. ‚Unsere politische Führung sollte sich auf die richtigen Prioritäten konzentrieren. Dazu gehören die Olympischen Spiele aus unserer Sicht nicht. Wir müssen uns um unser Bildungswesen, unser Gesundheitssystem, kümmern. Wir brauchen kein Stadion, keine Schwimmhalle und kein Velodrom.‘ Angesichts solch beharrlich vorgetragener Bedenken, die in den Medien viel Widerhall finden, und schlechter Umfragewerte, blieb dem Bewerbungskomitee nicht viel übrig, als einem Referendum zuzustimmen. Nun dürfen und sollen die Wähler des gesamten Bundesstaats Massachusetts entscheiden. Nicht ein exklusiver Kreis von Unternehmern, Funktionären und Politikern“ (Kalwa, Jürgen, Die skeptischen Bürger Bostons, in deutschlandfunk.de 5.4.2015).
Plakate von No Boston Olympics: „Safer Streets.No Olympic Games.“ – „Better Transit. No Olympic Games.“ – „Better Housing. No Boston Olympics.“ – „Better Schools. No Boston Olympics.“ (Hermsmeier, Lukas, Boston will Olympia nicht, in tagesspiegel.de 13.4.2015).
Patrick Bahners schrieb in der FAZ: „Zimbalist zeigt aber auch, dass die Spiele für einzelne Branchen lukrativ sind – in erster Linie für die Bauindustrie. Ihre Vertreter geben denn auch im Gründerkreis von Boston 2024 den Ton an. John Fish, der Motor und Sprecher des Olympia-Unternehmens, ist der Eigentümer der größten Baufirma der Region. (…) Fish hat zugesagt, dass seine Firma sich nicht um Aufträge für die Bauten der Spiele bewerben wird. Kritiker rechnen vor, dass er auch so profitieren werde: Während sich die lokale Konkurrenz um die Zuschläge für Athletenquartiere und Stadien streite, könne Fish alles bauen, was während der Olympiavorbereitung noch so an Großvorhaben in Boston anfalle. (…) Vier große Komplexe müssten zusätzlich gebaut werden: ein großes Stadion, das Olympische Dorf, das Schwimmzentrum und die Radrennbahn. Die Athletenquartiere sollen in Studentenwohnheime umgewandelt werden. Es stellte sich heraus, dass Boston 2024 die Eigentümer einiger zur Bebauung vorgesehener Grundstücke noch gar nicht gefragt hat“ (Bahners, Patrick, Die Zweifel einer sportbegeisterten Stadt, in faz.net 23.4.2015. Das Ignorieren der Grundeigentümer im Fall Boston 2024 erinnert an die Bewerbungen München 2018 und 2022, wo die Eigentümer von Grund und Boden in Garmisch-Partenkirchen ebenfalls nicht berücksichtigt wurden).
– Gentrification befürchtet. “Als Gentrifizierung (engl. gentry [dʒɛntri] ‘niederer Adel’), auch Gentrifikation, bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel bestimmter großstädtischer Viertel im Sinne einer Abwanderung ärmerer und eines Zuzugs wohlhabenderer Bevölkerungsgruppen. Parallel kommt es zu einem Anstieg des Wohnpreisniveaus” (Wikipedia). Dies wird auch im Fall Boston 2024 befürchtet. Die frühere Senatorin Dianne Wilkerson äußerte auf einer Veranstaltung die Befürchtung, dass in Boston – wie an anderen olympischen Austragungsorten – ärmere Bevölkerungsschichten verdrängt werden würden. Der Anwohner Joao De Pina sagte, der wirtschaftliche Schub Olympischer Spiele würde jetzige Bewohner verdrängen: “Mission Hill ist bereits verloren, Northeastern hat dies erlitten. Die nächsten sind Roxbury, Dorchester, Mattapan. Leute, lest zwischen den Zeilen. Was hier passiert ist, ist Gentrifikation, und 2024 ist nur eine andere Methode, dies fortzusetzen” (Encarnacao, Jack, Roxbury crowd fears Olympic displacement, in bostonherald.com 29.4.2015).  
Vergleiche auch: Boston 2024 – Privatbewerbung eines Baukonzerns

Pyeongchang 2018: Großspende von Samsung. Der größte südkoreanische Mischkonzern Samsung macht weitere 84 Millionen Euro für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang locker. Damit seien zwei Fünftel der eingeplanten Sponsorenmittel eingesammelt worden, teilte das Organisationskomitee (POCOG) mit. „POCOG-Chef Yang Ho hatte im März eingeräumt, bei der Anwerbung einheimischer Sponsoren bisher schlechte Arbeit geleistet zu haben“ (Samsung-Gruppe wird Sponsor für Olympische Winterspiele 2018, in faz.net 6.4.2015). Zur Erinnerung: Cho Yang Ho ist nicht nur Chef des POCOG. Er ist auch Chef der Fluggesellschaft Korean Air. Die Tochter von Cho Yang Ho, Cho Hyun Ah, hatte Mitte Dezember 2014 den Start eines Fluges New York-Seoul abbrechen lassen: Das Flugzeug war schon auf dem Weg zur Startbahn und musste zurück zum Terminal. Der Grund: Eine Flugbegleiterin hatte Macadamia-Nüsse statt im Schälchen in der Verpackung serviert. Deshalb musste der Chef des Kabinenpersonals das Flugzeug verlassen (Knien vor der Tochter des Chefs, in spiegelonline 13.12.29014; vgl. Dezember 2014, Januar 2015).

– Olympische Winterspiele 2022: Umweltschäden. Peking bezeichnet seine Bewerbung selbst als „umweltfreundlich“ und „nachhaltig“: „Da nahe den Ski-Ressorts ausreichend Wasser vorhanden ist und der geschmolzene Schnee recycled wird, hat die Produktion von Kunstschnee keinerlei negativen Einfluss auf das lokale Ökosystem“ (Johnson, Ian, Scientists Question Environmental Impact of China’s Winter Olympic Bid, in nytimes.com 9.4.2015). Die Wirklichkeit sieht anders aus. In manchen Teilen von Peking regnet es 23 Inch (rund 58,4 cm) im Jahr, aber nahe den Ski-Ressorts sind es nur 15 bis 16 Inch (38 bis 40 cm). Zwei Drittel der Niederschläge fallen im Sommer. Im Dezember und Januar erhalten Gebiete wie Chongli nur ein Zehntel der Niederschläge. „Eines von den Ski-Ressorts in Chongli, Duolemeidi, hat vor zwei Jahren geschlossen. Mitarbeiter des Ressorts verweigerten Interviews, aber Ortsansässige sagten, dass die steigenden Wasserpreise den Kunstschnee zu teuer machten. Das Ressort öffnete kürzlich wieder in der Hoffnung, dass Peking den Zuschlag für 2022 erhält“ (Ebenda). Und in Peking war Wasser früher einmal ausreichend vorhanden – bevor die Megastadt in den letzten 25 Jahren auf 22 Millionen Einwohner wuchs (Ebenda). In Almaty, dem Gegner von Peking für 2022, sieht es nicht besser aus: Hier fallen 22 Inch pro Jahr. Für den Alpinsport ist bei Peking 2022 der Yanqing Songshan National Forest Park vorgesehen, ein geschütztes Naturschutzgebiet, in dem Autoverkehr verboten ist. Auch für Almaty 2022 sind olympische Ski-Ressorts in einem Nationalpark vorgesehen (Ebenda).   

– Weiter Steuerbefreiung für die Internationalen Sportverbände. „In der Schweiz sind das IOC sowie seine in der Schweiz ansässigen Unterverbände von den Bundessteuern befreit. Die anderen Sportverbände profitieren von weitgehenden Steuererleichterungen. So bezahlte der Weltfußballverband FIFA nach eigenen Angaben in 2013 rund 17 Millionen Franken Steuern. Die Steuererleichterungen für Sportverbände wurde zuletzt durch eine Petition der JUSO angefochten Der Nationalrat lehnte den Vorstoß im März (2015; WZ) mit 116 zu 67 Stimmen ab“ (Lausanne profitiert von Sportverbänden, in suedostschweiz.ch 9.4.2015).

– Martin Luther Bach. Unter dem Titel „Bach, der Reformator“  gab IOC-Präsident Thomas Bach in der Berner Zeitung wie üblich Bemerkenswertes von sich (alle Zitate: Keller, Marco, Ruch, Adrian, Bach der Reformator, in bernerzeitung.ch 13.4.2015).
IOC keine Machtzentrale: „Natürlich hat das IOC Einfluss auf die Gestaltung des Sports, es ist aber nicht die Machtzentrale.“
„Keine Machtzentrale“? Der Weltsport wurde vom IOC über Jahrzehnte gleichgeschaltet. Die nationalen Sportverbände sind weitgehend entmachtet und werden von den Nationalen Olympischen Komitees dominiert, siehe den Sport im DOSB-Deutschland.
IOC-Präsident im Ehrenamt: „Der IOC-Präsident – wie übrigens jedes IOC-Mitglied – arbeitet ehrenamtlich.“
Ein „Ehrenamt“ für 225.000 Euro im Jahr – plus diverse Sonderzahlungen und Extraboni: Das ist IOC.
Das IOC baut -wieder einmal: „Wir machen das mit der Entscheidung zum Bau des neuen Hauptquartiers auch sichtbar. Es ist eine erhebliche Investition von bis zu 200 Millionen Franken. Mein Nachfolger soll davon nicht nur 15 oder 20 Jahre profitieren.“
Der nächste olympische Palazzo prozzo, natürlich in Lausanne. Was Blatters Fifa auf den Zürichberg gestellt hat, kommt nun über Bachs IOC an das Ufer des Genfer Sees.
Am IOC-Wesen soll die Welt genesen: „Überlegt euch mal, wie gut es in unserer Weltgesellschaft funktionieren könnte, wenn es wäre wie an den Olympischen Spielen. Dort gibt es ein Gesetz, das für alle gilt, und vor diesem Gesetz sind alle gleich.“
Vor allem die Sportfunktionäre sind Gleiche unter Gleichen, allerdings ein bisschen gleicher…
„Der Sport ist der einzige Bereich des menschlichen Lebens, in dem es ein Weltgesetz gibt. Im Sport sind tatsächlich alle Menschen gleich. Dieses Prinzip dürfen wir nicht opfern.
Das Weltgesetz wird in Lausanne vom Internationalen Sportgerichtshof CAS ausgelegt, einer Unterorganisation des IOC. Hier sind also IOC-Judikative und IOC-Exekutive in einer Hand. Das soll die Bach’sche Demokratie sein. Und nicht nebenbei: Gehen wir einmal von der Bach’schen Hypothese eines weltweiten Sportglobus aus: Dann hätte man auch in allen Staaten Doping, Korruption, Schiebungen, eine Herrschaft alter Männer etc.: kein Vorbild- sondern ein weltweite Sport-Demokratur.

– Im Sport-Zirkus. SportAccord „ist die zentrale Dachorganisation der Sportverbände weltweit. Insgesamt gehören ihr 109 Organisationen an“ (Wikipedia). SportAccord-Präsident Marius Vizer sagte bei der Eröffnung der Generalversammlung am 20.4.2015 in Sotschi in Anwesenheit von IOC-Präsident Thomas Bach: “Das IOC-System ist abgelaufen, veraltet, falsch, unfair und überhaupt nicht transparent” (Attacke gegen IOC-Chef Bach, in SZ 21.4.2015). – „Für diejenigen, die vom Sport leben, ist es sehr interessant, das System, sagen wir das des IOC, zu verteidigen… Wir brauchen keine Kardinäle des Sports, keine Päpste“ (DPA, Vizer legt gegen IOC-Chef Bach nach, in sueddeutsche.de 22.4.2015). Nach Vizer gibt es unter den 115 IOC-Mitgliedern nur je 15 Stimmen von Athleten, Verbandspräsidenten und Vertretern der NOKs (Riskanter Alleingang, in taz.de 22.4.2015). Nach Vizer ist auch der Olympische TV-Kanal (für geschätzte 490 Millionen Dollar) verschleudertes Geld. Vizer hat für SportAccord im November 2014 mit Euronews einen Partnerschaftsvertrag abgeschlossen und will alle vier Jahre Weltmeisterschaften in den 91 Sportarten abhalten – in Konkurrenz zum IOC (Simeoni, Evi, Die Macht der Geld-Maschine, in faz.net 22.4.2015).
Umgehend gingen die Sportverbände gegen Vizer auf Distanz und scharten sich hinter Thomas Bach (bzw. hinter den Geldtöpfen des IOC). Die Weltverbände von Leichtathletik, Bogenschützen, Sportschützen kündigten ihre Mitgliedschaft bei SportAccord, 14 Weltverbände, darunter die Fifa, distanzierten sich von Vizers Aussagen (Ebenda). Die Vereinigung der Olympischen Sommersportverbände (Asoif) setzte am Dienstag die Mitgliedschaft aus – bis auf Judo, wo Vizer selbst Präsident ist. Auch die sieben Wintersport-Verbände missbilligten Vizers Vorgehen, genau wie die Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees – mit dem Kuwaiter Scheich al-Sabah als Präsidenten. „Nahezu alle Institutionen, die vom IOC finanziell alimentiert werden, versagen ihm die Gefolgschaft“ (Simeoni, Evi, Bach gebraucht den Säbel, in faz.net 22.4.2015). Und schließlich ging Wladimir Putin zum Lunch – mit Bach. Ende Mai 2015 trat Vizer zurück (SID, Vizer tritt zurück, in SZ 1.6.2015). Kommentar von Bach: „Das ist wirklich kein großes Ereignis. Vizer hat eine Meinung, die er exklusiv für sich hatte, vertreten. Er hat dann aber sehen müssen, dass er tatsächlich alleine ist und hat daraus die Konsequenzen gezogen“ (Zankl, Manuel, Olympia: Bach im Interview über das IOC-Image und Österreichs Chancen, in tt.com 3.6.2015).

– Bach schlägt Vizer. Ende Mai 2015 trat Vizer als Präsident von SportAccord zurück (SID, Vizer tritt zurück, in SZ 1.6.2015).

– Olympischer Fernsehsender: TV total. Ab April 2016 soll der TV-Kanal kommen mit Sitz in Madrid, rechtzeitig vor den Olympischen Sommerspielen in Rio 2016. Der totale Sportkanal wird eine digitale Plattform im Internet. „Was das IOC auf globaler  Ebene anstrebt, hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schon umgesetzt, mit sportdeutschland.tv“ (Huber, Joachim, Im Bild sein ist alles, in tagesspiegel.de 28.4.2015). Damit kann es mit den Öffentlich-Rechtlichen Sportsendern ARD und ZDF zu Problemen kommen: „Die Sportverbände, der DOSB wie das IOC, müssen aufpassen, sich mit eigenen TV-Plattformen die teuren Rechtedeals kaputtzumachen. Klar ist: Die Sommer- beziehungsweise Winterspiele werden auf dem IOC-Kanal zu sehen sein, immerhin wurden die Übertragungsrechte an den Sport-Events bereits an verschiedene Sender verkauft. In Deutschland wird Olympia 2016 von ARD und ZDF übertragen. Was die Sender für die Rechte bezahlt haben, verraten sie nicht“ (Ebenda). Und hier kommt wieder der Olympic Broadcasting Service ins Spiel: „Hier soll bis 2016 eine 100-köpfige Redaktion aufgebaut werden, sagte Yiannis Exarchos, Chef der Produktionsfirma Olympic Broadcasting Services. Er erwartet Einnahmen in Höhe von rund 600 Millionen Dollar (rund 580 Millionen Euro), die in den nächsten zehn Jahren durch den Sender eingespielt werden. Damit könnte das IOC seine Ausgaben decken, bis 2021 will der Verband 490 Millionen Euro in das Projekt stecken“ (Ebenda).
Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Olympic Broadcasting Services

– Paris 2024: Bürgermeisterin fällt um. Zuerst war Anne Hidalgo von den Sozialisten dagegen – dann hat ihr wohl der französische Präsident und Parteikollege Francois Hollande, der sonst nicht viel aufzuweisen hat und sich mit Paris 2024 profilieren möchte, ins Handwerk gepfuscht. „Präsident Francoise Hollande hat sich mehrfach für die mit 6,2 Milliarden Euro kalkulierten Spiele in Paris stark gemacht“ (Paris entscheidet über Bewerbung für Olympia 2024, in zeitonline 10.4.2015; siehe unten). Die Kandidatur soll 60 Millionen Euro kosten, die Spiele werden mit 6,2 Milliarden Euro (wie üblich weit zu niedrig) taxiert. Und wie üblich soll das Meiste bereits vorhanden sein (Welter, Ursula, Paris sagt „oui“ zu Olympia 2024, in deutschlandfunk.de 13.4.2015). Gleichzeitig will sich Paris um die Weltausstellung 2025 bewerben. „An kritischen Stimmen fehlt es nicht, die fragen: Braucht denn Paris – ohnehin die ’schönste Stadt der Welt‘ und internationales Tourismusziel Nummer eins – solche Events als zusätzliche Attraktion? Könnte der Massenandrang nicht im Gegenteil die Besucher vertreiben, die wegen der Kultur, der Gastronomie oder der Luxusgeschäfte kommen? Viele Hauptstadtbewohner befürchten, dass sich das angeblich so bescheidene Budget – ähnlich wie schon in London oder Athen – als Selbsttäuschung, wenn nicht sogar als absichtliche Unterschätzung der Kosten herausstellen wird“ (Balmer, Rudolf, Baguette und Spiele, in taz.de 18.4.2015).

– Rom 2024: das Vorbild. „Die passenden Symbole hat Roma 2024 bereits. Das Vorbereitungskomitee wird seinen Sitz im Foro Italico, einst Foro Mussolini, aufschlagen. Dort strahlen in Stein gehauene Athleten ein Heldenpathos aus, wie man es auch heutzutage noch aus Sportinszenierungen kennt. Doch das ist nur die eine Seite, wie Olympia in der italienischen Hauptstadt symbolisch verhandelt wird. Dem gegenüber stehen die fünf Handschellen, die eine Anti-Olympia-Initiative in Form der IOC-Ringe als ihr Logo auserkoren hat. Die Handschellen spielen auf die notorische Korruptheit römischer Kommunalpolitiker und Verwaltungsangestellter an. Kaum ein Großprojekt, das nicht von Bestechungsvorwürfen begleitet war. (…) Auch außerhalb Roms wird die Korruption als größtes Hindernis einer Olympiabewerbung eingeschätzt“ (Mustroph, Tom, Letztlich soll der Papst es richten, in taz.de 19.4.2015).

– Proteste wegen Rio 2016. Bereits mehr als 90 Prozent der Bewohner der Favela Vila Autodrome haben unter Druck ihre Heimat verlassen. 50 Familien bleiben immer noch: Sie blockierten die Abelardo Bueno Avenue, um gegen die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio zu protestieren. Ihre Grundstücke werden für eine Zugangsstraße zum Olympischen Park benötigt. Die Bewohner befürchten, dass ihre Grundstücke nach den Spielen mit Luxuswohnungen überbaut wird (Eisenhammer, Stephen, Rio residents protest Olympic eviction with road block, in reuters.com 1.4.201). 

– Rio 2016: Nacht-Sport. „Spät gelegte Sportereignisse in Brasilien kommen grundsätzlich der großen nordamerikanischen Fernsehzuschauerschaft zugute, weil Rio eine Stunde vor New York liegt und vier vor der US-Westküste. Dies kommt auch Asien zugute, wo sich die späten Abendwettkämpfe in Rio am Morgen des nächsten Tages abspielen und bis zum Nachmittag verlängert werden können“ (Wade, Stephen, The ‚Night Games‘ – Many Rio 2016 events end after Midnight, AP, 9.4.2015). Die Herren- und Damen-Finale im Volleyball finden deshalb ab 1.30 Uhr morgens statt. Basketball endet meist um Mitternacht. Viele Wettkämpfe finden bis mindestens 1 Uhr statt (Ebenda).

– Rio 2016: Rudern durch Fischkadaver? „Die Negativschlagzeilen um die stark verschmutzten Gewässer für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro reißen nicht ab: Nach dem Segelrevier ist nun auch die Ruder- und Kanustrecke betroffen. 500 Kilogramm Fischkadaver sollen pro Tag aus der Rodrigo-de-Freitas-Lagune gefischt worden sein. Insgesamt wurden schon mehr als 20 Tonnen Fisch aus dem Fluss geholt, so heißt es. Den hohen Anstieg des Fischsterbens erklärten die Behörden mit starken Regenfällen. Zuletzt war eine großangelegte Reinigungsaktion der Wasserstraßen von Rio wegen mangelnder Effizienz und zu hoher Kosten vorerst gestoppt worden“ (Tote Fische verstopfen Ruder-Lagune, in spiegelonline 16.4.2015).

– Olympischer Blechtrommler. IOC-Präsident Thomas Bach lobte den Einsatz von Ministerpräsident Matteo Renzi für die Bewerbung von Rom 2024 als „leidenschaftlichen und kompetenten Einsatz für die olympische Sache“ (Mustroph, Tom, Letztlich soll der Papst es richten, in taz.de 19.4.2015). Und da Francois Hollande zufälligerweise die Schweiz besuchte, kam er zufälligerweise auch in Lausanne beim IOC vorbei, besichtigte mit Bach das Olympische Museum und warb für Paris 2024. Dazu fiel Bach der Satz ein:“ Diese Kandidatur ist vorbildlich… Wir haben heute gesehen, dass die Bewerbung von Paris auf Nachhaltigkeit fußt, und das ist im Sinne der Agenda 2020″ (SID, IOC-Präsident Bach: Pariser Olympia-Bewerbung „vorbildlich“, in zeitonline 16.4.2015). Zu einer möglichen Kandidatur von Australien für die Olympischen Sommerspiele 2028: „Eine Kandidatur Australiens würde eine Menge Sympathie finden und tatsächlich eine gute Chance haben“ (DPA, IOC-Chef Bach räumt Australien gute Olympia-Chancen für 2028 ein, in zeit.de 29.4.2015).
Hallo, Herr Präsident Bach: Wann kommt etwas Positives zu Boston 2024 – und zur Loser-Bewerbung Hamburg 2024?

– Leichtathletik-WM 2021. Nachdem die Leichtathletik-WM 2019 durch einen Sponsoren-Scheck über  30-Millionen Dollar aus dem Emirat Katar nach Katar ging, ließ sich der ehrenwerte IAAF-Präsident Lamine Diack – quasi zur Wiedergutmachung – diesmal etwas anderes einfallen: Für 2021 gab es kein offizielles Bewerbungsverfahren. Katars 2019-Konkurrent Eugene im US-Staat Oregon bekam die WM 2021. Auch hier spielt Geld eine wichtige Rolle: „Eugene garantiert der IAAF in einem großen Paket öffentliche Gelder des Bundesstaates Oregon, finanzielle Unterstützung durch das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten und einen lukrativen TV-Vertrag inklusive landesweiter Übertragung durch den Fernsehsender NBC. ‚Wir können eine Menge Vorteile aus einer einzigartigen Chance ziehen, die so vielleicht nie mehr wiederkommt‘, sagte Diack. ‚Ich weiß, dass diese Entscheidung von dem üblichen Prozedere einer WM-Vergabe abweicht. Aber ich freue mich, dass meine Council-Kollegen diese außergewöhnliche Gelegenheit erkannt haben'“ (DPA, Vergabe ohne Bewerbung: WM 2021 erstmals in den USA, in faz.net 16.4.2015). – „Wichtiger war vermutlich der Umstand, dass die Amerikaner im Stillen lobbyiert hatten, diesmal keinen Gegner fürchten mussten, der in letzter Sekunde ein 30 Millionen schweres Sponsorenpaket schnürt“ (Außer Konkurrenz, in SZ 17.4.2015).
Sondern dass die Amerikaner dieses Mal das Sponsorenpaket selbst – außer Konkurrenz – schnürten.
Vergleiche: Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften

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III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden

– Kosten München 2018: noch immer unbekannt. Am 25.2.2015 stellte MdL Ludwig Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen) einmal mehr nach der Anfrage vom 15.11.2012 acht Fragen an die Bayerische Staatsregierung zur endgültigen Liquidierung und der Abschlussbilanz der Bewerbungsgesellschaft München 2018  die am 7.4.2015 vom Staatsminister der Finanzen, Markus Söder, im Prinzip nur so beantwortet wurden, dass der Liquidationssteuerbescheid noch nicht vorliege (Original-Antwort siehe unter www.ludwighartmann.de). Eine weitere Nachfrage von Hartmann vom 14.4.2015 nach dem Anteil der (teil-)staatlichen Finanzierung der Bewerbungsgesellschaft München 2018 wurde – nicht wirklich überraschend – nicht beantwortet mit dem Verweis auf den für die Liquidation fehlenden Liquidationssteuerbescheid. 
Katja Riedel
schrieb in der SZ zu den – gewollt – nach wie vor ungeklärten Kosten der Bewerbung München 2018, die am 6.7.2011 verloren wurde: „Doch bis heute ist Bayerns Finanzministerium nicht in der Lage, eine gesicherte Summe zu nennen. Dafür gibt es eine hübsch formulierte Entschuldigung: ‚Endgültige Zahlen liegen erst nach Abschluss der Liquidation der Bewerbungsgesellschaft vor. Der für die Liquidation notwendige Liquidationssteuerbescheid liegt noch nicht vor‘, heißt es in einer Antwort an den Grünen-Fraktionschef im Landtag, Ludwig Hartmann. Der stellt die simple Frage nach den Kosten ebenso wie Bayerns oberste Rechnungsprüfer. Und genau das macht offenbar die Sache so schwierig. (…) Solange nun die Prüfer nicht fertig sind, gibt es keine Liquidation der Gesellschaft und solange ist auch nicht klar, was der Steuerzahler wirklich geblecht hat“ (Riedel, Katja, Olympische Bilanz-Spiele, in SZ 17.4.2015).
Zur Erinnerung: München 2018 sollte völlig ohne öffentliche Steuergelder auskommen. Dann liefen 33 Millionen Euro auf. Und schon waren staatliche und halbstaatliche Unternehmen als „Privatwirtschaft“ beteiligt wie Flughafen München Lotto Bayern, Stadtsparkasse München, Olympiapark München GmbH, Messe München, Deutsche Bahn, etc. Mindestens die Hälfte des Haushalts kamen von dort. Wie bei Hamburg 2024 auch.

DOSB zieht die Zügel an. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gibt einer Qualifikation eine Qualifikation der Wasserballer für Olympia 2016 in Rio de Janeiro keine Chance: Sie sollen sich auf Tokio 2020 konzentrieren. Für die Wasserballer ist dies nach Teamkapitän Moritz Oeler „ein Schlag ins Gesicht“. „Der DOSB und sein größter Geldgeber, das Bundesinnenministerium, mischten sich zuletzt immer häufiger in Verbandsangelegenheiten ein. Der Deutsche Curling-Verband (DCV) erhielt erst nach der Einleitung struktureller Reformen weiter Fördergelder“ (SID, „Schlag ins Gesicht“, in SZ 27.4.2015).
Johannes Aumüller schrieb dazu in der SZ: „Jetzt sind also die Wasserballer dran. So wie vorher schon die Eisschnellläufer und die Eishockeyspieler. Und so wie davor die Curler. Fast im Monatsrhythmus kommen aus irgendeinem Fachverband Klagen, dass es künftig weniger Geld gibt – oder dass eine Kürzung der Mittel droht, wenn sich nicht dieses oder jenes ändert. Jeder Fall hat seine speziellen Facetten und Aspekte, aber es zeigt sich doch ein klarer Trend: Wenn dem Deutschen Olympische Sportbund (DOSB) und dem Bundesinnenministerium (BMI) die sportliche Situation und/oder die Strukturen bei einem Fachverband missfallen, greifen sie strikter ein als früher. (…) Zum anderen aber: Mit jedem einzelnen Fall drängt sich die Frage auf, wie weit und wie strikt DOSB und BMI durchgreifen wollen. Und wie vielen der weniger erfolgreichen Sportarten und Disziplinen noch Einschnitte drohen. Medaillen, Medaillen, Medaillen, das ist das fast schon unerträglich überragende Credo von CDU-Innenminister Thomas de Maizière geworden. Auch der DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist ein klarer Verfechter des Erfolgsprinzipes“ (Aumüller, Johannes, Nur Wasser für Medaillen, in SZ 29.4.2015).

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IV: Loser-Bewerbung Hamburg 2024
Siehe auch: Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen; Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?; Berliner Senat ist nicht Charlie
Hamburg-Berlin 2024 – Zur deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024: bis Juni 2014: hier; 7-8/2014: hier; 9-10/2014: hier ; ab 11/2014: hier

– Hamburg 2024: Keine Bürgerbefragung! Der Hamburger Senat stimmte am 1.4.2015 gegen eine Befragung der Bürger zu Hamburg 2024 und entschied sich für eine Befragung der Bürger im September 2024 – nach den geplanten Olympischen Sommerspielen. Näheres unter Hamburg 2024: Keine Bürgerbefragung!

– NABU Hamburg: Forderungen. Die Mitgliederversammlung lehnte eine Vorab-Festlegung auf ein negatives Votum ab. In einem Beschluss werden folgende Bedingungen gesetzt: – klimaneutrale Spiele; – deutliche Reduzierung der Schadstoff-Emissionen im Hamburger Hafen; – kein Verlust von Grün durch die Verlagerung der Hafenbetriebe vom Kleinen Grasbrook; – keine Schulden durch Hamburg 2024. „Sollte sich während der Planungszeit abzeichnen, dass diese Bedingungen nicht eingehalten werden (können), muss Hamburg seine Bewerbung wieder zurückziehen“ (Olympia-Resolution des NABU Hamburg, hamburg.nabu.de 31.3.2015). In diesem Fall wird der NABU beim Referendum für die Ablehnung der Spiele werben.
Falls es überhaupt zu einem Referendum kommen sollte…

– Referendum zu Hamburg 2024 mit Verfassungsänderung. Die Koalitionäre in spe haben sich am Mittwoch auf einen Weg zu einem Olympia-Referendum geeinigt. Es solle eine Verfassungsänderung geben, damit der Senat dem Volk wichtige Fragen wie diese zur verbindlichen Abstimmung vorlegen kann; zuvor müsse die Bürgerschaft dieses Referendum mit Zwei-Drittel-Mehrheit unterstützen. Laut Jens Kerstan (Fraktionschef der Grünen; WZ) wird es zusätzlich ein neues Instrument der Bürgerbeteiligung in Gestalt einer Online-Petition geben“ (Lorenz, Markus, Hamburg: SPD und Grüne einig über Olympia-Referendum, in shz.de 1.4.2015).
Das verfassungsrechtlich abgestützte Referendum kann dauern. Und eine Online-Petition ist leicht manipulierbar: Man muss nur die Sportverbände und Lobbyisten aus der Geschäftswelt aktivieren, was schon laufend durch die Hamburger Handelskammer geschieht.

-Die olympischen Rattenfänger von Hamburg (1): Rotgrüne Koalition pro Hamburg 2024. „Zusammen schaffen wir das moderne Hamburg“ lautet der Titel vom rot-grünem Koalitionsvertrag in Hamburg (ohne Datum). Dazu stehen bemerkenswerte Plattitüden zu Hamburg 2024:
„Mit der Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele darf die Unterstützung des Breitensportes nicht aus den Augen verloren werden. Im Gegenteil: Gerade die Bewerbung um Sommerspiele ist der Anlass, den Breitensport zu fördern. Es gilt der Grundsatz ‚Ohne Breite keine Spitze; ohne Spitze keine Breite.‘ Hier ist u. a. zu prüfen, inwieweit die Schwimmförderung weiterentwickelt werden kann“ (S. 105).
Immer im Auge behalten, wie der englische Breitensport durch die Olympischen Sommerspiele 2012 in London geschädigt wurde – und die  Fettleibigkeit britischer Kinder weiter zunimmt. Alle großspurigen Versprechungen wurden gebrochen.
Siehe im Kritischen Olympischen Lexikon: London 2012, Nachtrag 1 bis 3
„Die Spiele sollen transparenter, flexibler, nachhaltiger, bescheidener und kostengünstiger werden“ (S. 106).
Das ist vom IOC aus nicht wirklich geplant, sondern nur ein Schaufenster-Versprechen. Und im Fall von Hamburg 2024 kann man die Absiedlung der Hamburger Hafenwirtschaft auf dem Kleinen Grasbrook auf 8,5 Millionen Quadratmeter wohl kaum nachhaltig, bescheiden und kostengünstig nennen.
„Die Entscheidung über die Bewerbung sollen die Hamburgerinnen und Hamburger in einem Referendum noch in diesem Jahr treffen“ (S. 106).
Dagegen gibt es massiven (auch formaljuristischen) Widerstand. Und falls es doch dazu kommt, kann man sich die Materialschlacht der Befürworter (wie der Hamburger Handelskammer) schon jetzt gut vorstellen.
„Die Mehrzahl der Sportstätten ist bereits vorhanden“ (S. 106).
Diesen Spruch kennt man von den Bewerbungen München 2018 und 2022 – und überhaupt von allen Städte, die sich bewerben. Nach der Vergabe sieht es dann am Austragungsort plötzlich ganz anders aus.
„Für alle neu errichteten Stadien, Hallen und Wettkampfstätten muss es ein Nachnutzungskonzept geben. Entweder muss die Nachnutzung von Anfang an feststehen oder der Rückbau muss mit geringem Aufwand und umweltverträglich möglich sein“ (S. 106).
Das (nach 2024 völlig überflüssige) Hamburger Olympiastadion soll „rückgebaut“ werden. Anmerkung zum Rückbau des Londoner Olympiastadions aus London 2012: „Ein solcher weißer Elefant – teuer, aber zu nichts zu gebrauchen – ist das Olympia-Stadion in London. Eingedenk schlechter Erfahrungen anderswo überlegten sich die Organisatoren der Spiele von 2012 zwar eine Nachnutzung – der Profi-Fußballclub West Ham United sollte künftig hier spielen –, doch bei der Planung des Stadions war nicht bedacht worden, dass die Aschenbahn würde entfernt werden müssen, um eine Fußball-Arena zu schaffen. Zudem war das Stadion für West Ham viel zu groß und musste um den oberen Rang mit 55.000 Plätzen verkleinert werden. Allein dieser Umbau kostete mindestens 323 Millionen Dollarso viel wie andernorts ein Stadion“ (Knödler, Gernot, Wie Olympia Städte auspresst, in taz.de 20.3.2015; Hervorhebungen WZ).
„Für die Olympischen Spiele und die dafür erforderlichen Betriebsverlagerungen werden wir keine neuen Schulden machen und auch keine anderen Projekte zurückstellen. Wir werden rechtzeitig vor dem Referendum die Kosten und die Finanzierung transparent darstellen“  (S. 106).
Ob das die Verantwortlichen wohl selbst glauben?
„Die Luft im Hamburger Hafen soll spätestens zu den Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 so sauber sein, dass die europäischen Grenzwerte möglichst eingehalten werden“ (S. 107).
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „… dass die europäischen Grenzwerte möglichst eingehalten werden“. Europäische Grenzwerte müssen in jedem Fall eingehalten werden, ob mit oder ohne Olympische Spiele!
„Auch das Sicherheitskonzept soll dem Bild friedlicher Spiele in einer offenen und demokratischen Gesellschaft entsprechen. Es soll so wenig Beeinträchtigungen von Bürgerrechten wie möglich und nur so viel Kontrolle und Überwachung wie zwingend notwendig geben“ (S. 107).
Das glaubt nun vermutlich niemand mehr – nach Peking 2008, London 2012 und Sotschi 2014.
Schade, dass die Grünen vor lauter Mitregierungseifer wieder einmal ihre eigentlichen Ziele versenken. Und Hamburg 2024 zustimmen. Und keinen Widerstand gegen die Elbvertiefung leisten. Dafür drei Senatsposten bekommen. Und wiederum erstaunlich, dass die SPD ihre eigene Klientel so missachtet – siehe den Beitrag: Offener Brief an die SPD wegen München 2022

– Peinlich: Tschechen gehört Teil des Hamburger Hafens. Der sogenannte Moldauhafen ist ein 30.000 Quadratmeter großes Hafenbecken vom Ende des 19. Jahrhunderts, das der Tschechei durch den Vertrag von Versailles ab 1929 bis 2028 zur Verfügung gestellt wurde. „1993 trat die Tschechische Republik die Rechtsnachfolge der Tschechoslowakei an und übernahm damit das Gelände. Dieses liegt auf dem Kleinen Grasbrook in unmittelbarer Nähe zu dem Areal, auf dem Hamburg sein Olympisches Dorf mit Stadion und weiteren Wettkampfstätten errichten will. Und die Tschechen sorgen sich jetzt um ihr Areal und beklagen, dass sie von deutscher Seite nicht eingebunden werden. (…) Mitte 2014 habe die Direktion für Wasserstraßen der Tschechischen Republik die Hamburg Port Authority (HPA) daraufhin befragt, ob die Pläne für Olympische Spiele auch die Flächen berühren, die Tschechien benutzt. ‚Wir bekamen die offizielle Antwort, dass das Areal der Olympischen Spiele nicht das tschechische Hafengebiet betrifft, und seine Nutzung keineswegs eingeschränkt wird‘, sagt Tomas Ehler, Leiter der Handels- und Wirtschaftsabteilung der Tschechischen Botschaft. ‚Aus letzten, veröffentlichten Illustrationen kommt aber zum Vorschein, dass es nicht so sein muss.“ Den Entwürfen zufolge würden eine Reihe von Brücken den Zugang zum Moldauhafen beschränken oder sogar ganz sperren. Dieses sei für die Tschechische Republik ‚unannehmbar‘, so Botschaftsrat Ehler. ‚Wir verlangten daher im März dieses Jahres von der HPA eine Erklärung. Bisher bekamen wir keine Antwort darauf'“ (Kopp, Martin, Olympia-Plan verärgert Tschechen, in welt.de 8.4.2015).

-Die olympischen Rattenfänger von Hamburg (2). Aus einer kleiner Anfrage im Bundestag von Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen: „Ist es aus Sicht der Bundesrepublik Deutschland zu bewerkstelligen, wenn neben den Olympischen und Paralympischen Spielen und der Fußball-Europameisterschaft drei Megasportevents in Deutschland im Jahr 2024 stattfinden?“ – Antwort der Bundesregierung: „Aus Sicht der Bundesregierung ist Deutschland in der Lage, Sportgroßveranstaltungen professionell vorzubereiten und durchzuführen und drei Megasportevents in einem Jahr auszurichten“ (Deutscher Bundestag, Drucksache 18/4597, 13.4.2015. Vgl. auch SID, Olympia und Fußball-EM 2024: Bundesregierung sieht kein Terminproblem, in zeitonline 15.4.2015).

– Feuerlöscher und Flamme. „Auf dem Plakat am Eingang ist ein Feuerlöscher abgebildet. Hier im linksalternativen Kulturzentrum ‚Centro Sociale‘ treffen sich die Gegner der Olympischen Spiele 2024 oder 2028. ‚Olympische Spiele in Hamburg? Wir haben etwas Besseres vor!‘ ist das Motto des Bündnisses vom Anti-Olympischen-Komitee. Am Sonnabend kamen knapp 150 Kritiker des Großereignisses erstmals zusammen. Hamburgs Senat ist ‚Feuer und Flamme‘ für Spiele in der Stadt. Mit ihrem Feuerlöscher wollen die Gegner die Flammen für Olympia ersticken. (…) Die Olympia-Gegner warnten davor, dass Kosten ‚kleingeredet‘ und ‚in Schattenhaushalten versteckt‘ würden und verwiesen auf die ‚Kostenexplosion‘ beim Bau der Elbphilharmonie. Vieles sei nicht bedacht: ‚Wie olympiatauglich ist der Hamburger Flughafen und der Hauptbahnhof?‘, fragen sie und zitieren aus einer Studie der Oxford Universität, die eine durchschnittliche Überschreitung der Kosten bei Sommerspielen von 118 Prozent ausrechnete“ (Olympia-Gegner in Hamburg verabschieden Resolution, in welt.de 13.4.2015).

– Paris 2024 und Rom 2024 gegen Hamburg (2). Zur Bewerbung von Paris um Olympische Sommerspiele 2024 stand in der SZ: „Für 1992, 2008 und 2012 zog die Stadt jeweils den Kürzeren, zuletzt trotz bester Noten durch die Evaluierungskommission knapp gegen London (50:54). Nun soll es 2024 soweit sein – 100 Jahre nach den letzten Sommerspielen in Paris. (…) Über eine Olympia- Bewerbung sollen allerdings die Hamburger Bürger bei einem Volksentscheid im Herbst das letzte Wort haben. So etwas ist in Paris nicht vorgesehen, die Stadt will ihre Bürger in den kommenden Monaten aber mit öffentlichen Diskussionsveranstaltungen und über eine Website einbinden. Nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage der Zeitung Le Parisien sind 61 Prozent der Franzosen für die Bewerbung, bei den Bewohnern des Großraums Paris sind es 63 Prozent“ (DPA, SID, Mit breiter Mehrheit, in SZ 14.4.2015). Thomas Kistner schrieb dazu in einem Kommentar in der SZ: „Eine Stadt wie die an der Seine viermal abblitzen zu lassen, wäre ein politisches Risiko für die angeknockte IOC-Familie. Noch riskanter wäre es, Hauptstädte mit Weltruf wie Paris und Rom, das auch wiederholt im Ring stand, dazu wahrscheinlich Istanbul, zugunsten einer deutschen Hansestadt abblitzen zu lassen, die sich zum ersten Mal bewirbt. Dass sich mancher Beschwerdeführer dann mit spitzen Fragen an den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach wenden könnte, darf als wahrscheinlich gelten. Wenn nicht alle Zeichen trügen, gilt für Hamburgs Bewerbung das, was für vier deutsche Anläufe zuvor galt: gut gemeint, aber unglücklich terminiert“ (Kistner, Thomas, Höchste Hürden für Hamburg, in SZ 14.4.2015).

– Im Hamburg Business Club. An der Elbchaussee steht die Villa des Hamburg Business Club. In diesem exklusiven Ambiente trafen sich auf dem Podium der Hamburger Erste Bürgermeister Olaf Scholz und DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der den DOSB als „sportpolitisches Scharnier zum Weltsport“ bezeichnete (geschmiert mit rund einer Viertelmilliarde Steuergelder jährlich). Gegner: unerwünscht. „Den Olympia-Gegnern in Hamburg bläst der Wind ins Gesicht. (…) Endgültige Klarheit soll ein Volksentscheid im September geben. Bis dahin wollen die Gegner die Stimmung drehen, aber sie haben mit wachsenden persönlichen Anfeindungen zu kämpfen. Ganz offensichtlich wollen einige Hamburger keine offene Debatte über das Für und Wider“ (Drechsel, Alexander, Hamburg läuft sich warm für Olympia, in dw.de 14.4.2015).

– Jan Freitag zum Hamburger „Olympischen Minderwertigkeitskomplex“: „Somit besteht der einzige Zweck des sinnlosen PR-Getöses darin, der alten Kaufmannsherrlichkeit den Bauch zu pinseln. Die Bewerbung wurde ja nicht von Sportlern initiiert, beseelt von einer Art olympischem Geist, sondern von den Pfeffersäcken der Handelskammer, die den genetisch kodierten Hamburger Mehrwertigkeitskomplex strikt ökonomisch unterfütterte. Jetzt hat er ein, zwei Olympiaden Zeit, sich noch ein bisschen mehrwertiger zu fühlen. Aber vielleicht muss man Olympiade auch nur oft genug mit den echten Spielen verwechseln, dann finden sie tatsächlich mal an der Elbe statt. Jetzt muss sich Prag nur noch bewerben…“ (Freitag, Jan, Kolumne Wahnsinnsstadt: „Olympischer Minderwertigkeitskomplex“, in freitagsmedien.com 22.42015).

– „Angst vor dem Volk“. Der Verfassungsausschuss der Bürgerschaft tagte am 22.4.2015; die rot-grüne Koalition legte einen Vorschlag für eine Verfassungsänderung vor. „Dieses ‚Hamburg-Referendum‘ sieht eine Änderung und Ergänzung des Artikels 50 der Hamburgischen Verfassung vor. Auf Antrag des Senats soll die Bürgerschaft demnach mit Zwei-Drittel-Mehrheit Gesetzentwürfe zum Volksentscheid vorlegen dürfen. Laufende Volksbegehren sollen als Gegenvorschläge ebenfalls den Bürgern zur Abstimmung gestellt werden. (…) ‚Worum es hier im Kern geht, ist die Angst vor dem Volk’, bewertete Manfred Brandt vom Verein ‚Mehr Demokratie‘ diesen Vorschlag. Offenbar glaube die Stadt, die HamburgerInnen nicht von ihrem Olympia-Konzept überzeugen zu können. (…) Das ist auch eine Kritik von Dirk Seifert von der Initiative Nolympia. ‚Das Problem ist, dass zum angepeilten Zeitpunkt des Referendums noch überhaupt nicht klar ist, welche Baumaßnahmen und natürlich auch welche Kosten auf die Stadt zukommen‘, sagte Seifert. Alle Erfahrungen mit Olympia-Bewerbungen zeigten, dass es dann teuer werde, wenn das IOC ins Spiel komme und die Planungen konkreter werden“ (Kreutzträger, Ilka, Die Krux mit der Meinung des Volkes, in taz.de 23.4.2015).

– Hamburger Stimmvieh. „Rot-Grün will ein generelles Referendum in die Verfassung schreiben. Der erste Fall wäre dann die Befragung der Bürger ‚von oben‘ – sie stimmen für oder gegen die Spiele 2024 in Hamburg. Das Votum soll dann verbindlich sein und damit auch per Gesetz ausschließen, dass sich nach einem Referendum durch den Senat noch eine Volksinitiative gegen die Spiele in Hamburg formiert. (…) Zudem fürchtet die Koalition, dass eine einmalige Abstimmung über Olympia die Chancen für eine parallele Volksinitiative zu den Spielen erhöhen würde. Rot-Grün will deshalb das Referendum in der Verfassung für bindend erklären – und weitere Volksabstimmungen per Gesetz ausschließen“ (Unger, Christian, Olympia-Gegner finden Senatspläne „undemokratisch“, in welt.de 28.4.2015).. Die Gegner von Hamburg 2024 kritisieren das geplante Referendum als „zutiefst undemokratisch und intransparent; die Gegner sollen „mundtot“ gemacht werden“ (Ebenda).

– Hamburger Hafen schon jetzt voll. „Der Hamburger Hafen liegt im Vergleich zu anderen Welthäfen mitten in der Stadt. Und das wird zum Problem. Denn die angrenzenden Flächen sind bebaut. Dem Hafen fehlt schlicht und ergreifend der Platz, um weiter zu wachsen. (…) Im 7236 Hektar großen Hafen gibt es beispielsweise kaum noch freie Gewerbeflächen. Wie der Senat auf eine Anfrage der FDP-Bürgerschaftsfraktion jetzt einräumte, sind in diesem Jahr zwölf Flächen mit rund 20 Hektar verfügbar. (…) Die Olympiabewerbung verstärkt die Flächenknappheit akut. Die Idee der Spiele am Wasser auf dem rund 78 Hektar umfassenden Kleinen Grasbrook mag Sportveranstalter und Stadtentwickler in Verzückungen versetzen. Für Hafenplaner bedeutet sie viel Arbeit. Diese müssen zunächst die dort ansässigen Umschlags- und Handelsbetriebe umsiedeln, bevor die neuen Wettkampfstätten errichtet werden können. Doch wohin, bei der Flächenknappheit? (…)m SPD und Grüne wollen nun den Travehafen zuschütten, um Flächen zu gewinnen. Die Zuschüttung des Hafenbeckens wäre ein ähnlich schwerer Eingriff in die Elbe wie die Elbvertiefung, und somit ein gesondertes Genehmigungsverfahren mit Berücksichtigung aller Umweltauswirkungen nach sich zöge“ (Kopp, Martin, Hafen 4.0 als Lösung der Platzprobleme, in welt.de 28.4.2015).

– Umweltschädigung für Hamburg 2024. Aus einer Pressemitteilung des BUND Hamburg: „Auf Betreiben der Hamburg Port Authority (HPA) soll eine 45 ha große Fläche, die Vollhöfner Weiden (Altenwerder West), in das Hafennutzungsgebiet überführt und als Logistikfläche genutzt werden. Diese Fläche gehört laut aktueller Fachplanung der Umweltbehörde zum Biotopverbund Hamburg, so dass dieses Vorhaben klar gegen den rot-grünen Koalitionsvertrag verstößt. (…) Dem Gebiet Vollhöfner Weiden nördlich des Verlaufs der Alten Süderelbe wird laut Umweltbericht eine hohe Wertigkeit für die Tier- und Pflanzenwelt attestiert. Das Gebiet dient unter anderem als Jagdrevier für sechs Fledermausarten und beherbergt eine Reihe von in Hamburg gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Teile des Plangebietes gehören zudem zum Landschaftsschutzgebiet Moorburg und zum sogenannten Grünen Ring Hamburgs, dessen Schutz ebenfalls im Koalitionsvertrag verankert ist“ (BUND Hamburg, PM Erster Belastungstest für rot-grünen Koalitionsvertrag, Hamburg 29.4.2015). Der BUND Hamburg fordert die HPA auf, den Entwurf für die „Hafenplanungsverordnung Altenwerder“ sofort zurückzuziehen.
Der Kleine Grasbrook hat 8,5 Millionen Quadratmeter Fläche. Wenn Hamburg 2024 dort aufgebaut wird, werden durch die Verlagerung der Hafenbetriebe notgedrungen ökologisch wertvolle Flächen zerstört. Auch interessant: Ein funktionierendes Industrie- und Gewerbegebiet wird für 16 Tage olympisches Hullygully aufgegeben und für einen Milliardenbetrag umgesetzt.

– Hamburg-2024-Verfassungs-Grätsche. Am 28.4.2015 wurde der „Petitumsvorschlag nach dem VerfassungsA“ eingereicht: Änderung der Verfassung der  Freien und Hansestadt Hamburg. Der Verein „Mehr Demokratie e.V., Hamburg warnt vor Schnellschüssen: „An die Formel ‚Olympia‘ sollen Verfassungsänderungen geknüpft werden, deren Folgen derzeit niemand seriös beurteilen kann. Ob mit oder ohne Spiele in Hamburg – betroffen sind dann viele Themen. Unter dem Vorwand Olympia geht es um den Kern der Volksabstimmungsverfahren in Hamburg, etwa in der Frage: Dürfen Senat und Bürgerschaft dann auch ganz generell schnell mal mit einem Referendum dazwischen grätschen, wenn ihnen eine Volksinitiative, ein Volksbegehren nicht in den Kram passt? Nein-nein, das Instrument solle nur den ganz großen gesamtstädtischen Fragen vorbehalten sein, erklang es unisono aus der rot-grünen Koalition im Verfassungsausschuss. Aber wer entscheidet, was ‚groß‘ genug für eine Volksabstimmung von oben ist? (…) Doch schon bei der Frage, wie lange so ein Volksentscheid Bestand haben solle, wurden die Ansichten diffus: Drei Jahre, fünf Jahre? Und wie ist das dann mit der Wahlperiode – darüber hinaus oder wie? Geht es nicht doch darum, auf jeden Fall Gegner der Olympiapläne auszubremsen? Sehr seltsam auch der Plan, erst nach einer Zweidrittel-Mehrheit in Senat und Bürgerschaft ein Referendum- also einen Volksentscheid von oben – in Angriff zu nehmen: Das heißt also nur bei Themen, die in der Stadt ohnehin nicht strittig sind. Wäre es nicht viel wichtiger, gerade bei Projekten, die kontrovers diskutiert werden und nicht solche Zustimmungswerte haben, das Volk abstimmen zu lassen?“ (Gardiner, Angelika, Ein Schelm, wer auf solche Gedanken kommt, in mehr-demokratie.de/hh 29.4.2015).

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V: Allgemeine Nachrichten

– Neues von der FC-Bayern-Allianz-Arena. „Die Menschen im Münchner Norden sind Ungemach gewöhnt. Seit Jahrzehnten erdulden sie, dass in Freimann und Fröttmaning alles, was stinkt und lärmt, bei ihnen abgeladen wird: eine riesige Kläranlage, ein Autobahnkreuz, ausufernde Gewerbegebiete – und ein Fußballstadion, das regelmäßig Tausende Menschen in die Wohngebiete schwappen lässt. Obendrein ist seit Ende Januar der Menschenstrom noch ein bisschen angeschwollen: Der FC Bayern darf seine Zuschauerränge für eine Testphase bis zum Ende der Bundesliga-Rückrunde Ende Juli um knapp 4000 Plätze auf 75 000 aufstocken. (…) Die Stadt ist der Auffassung, dass die Stadion-Erweiterung verträglich abgewickelt werden kann, der Großteil des Stadtviertelgremiums glaubt das nicht. Die Stadt stützt sich dabei auf ein Verkehrsgutachten – das die Bürgervertreter als ’schön gerechnet‘ abtaten. Die Expertise geht von 900 Fahrzeugen aus, die während eines Spiels in den umliegenden Siedlungen abgestellt werden, BA-Politiker und Freimanner Bürger sagen: Es sind viel mehr. Das Planungsreferat hat dem Gremium nun schriftlich mitgeteilt, dass es die Einwände nicht beherzigen wird. ‚Nach Einschätzung aller am Genehmigungsprozess beteiligten Fachleute dürfte nach der nunmehr erfolgten Erhöhung der Zuschauerzahl auch für die umliegenden Wohngebiete keine nennenswerte Erhöhung des Such- und Parkverkehrs zu erwarten sein‘, heißt es in dem Schreiben der Behörde, das die zornigen Reaktionen ausgelöst hat“ (Mühleisen, Stefan, Überrollt, in SZ 7.4.2015).

– Neues vom Grünwalder Stadion. Lokalderby der Zweitmannschaften von TSV 1860 und FC Bayern im Münchner Grünwalder Stadion am 6.4.2015: 1.200 Polizisten sicherten das Umfeld des Spiels. 200 FC-Bayern-Hooligans skandierten „Tod und Hass dem TSV!“. Wegen 200 gewaltbereiter Fans aus Nürnberg und Kaiserslautern kamen 200 Bundespolizisten zum Einsatz. Die beiden Fanblocks wurden bei Betreten des Stadions von 75 Polizei-Fahrzeugen, Hundestaffeln und berittenen Polizisten getrennt (Bernstein, Martin, Maximaler Einsatz, in SZ 7.4.2015; ders. „Jetzt sehen alle: Es ist genug“, in SZ 8.4.2015).

Der Spiegel von Katar verklagt. Das  Hamburger Nachrichtenmagazin hatte im Oktober 2013 über den Fall des französischen Fußballers Zahir Belounis berichtet, der beim Fußball-Verein der katarischen Armee gespielt hatte. Er wurde dann nicht mehr eingesetzt, bekam kein Geld mehr und wurde auf der Grundlage des Kafala-Systems über zwei Jahre an der Ausreise gehindert. „Der Militärklub, der dem Emir nahesteht, verklagte das deutsche Nachrichten-Magazin vor einem Gericht in Doha auf Schadenersatz in Höhe von fünf Millionen Euro, die Klageschrift ging in Hamburg erst wenige Wochen nach dem ersten Verhandlungstag ein. Der Armeeklub wirft dem Spiegel ’seelischen und moralischen Mord‘ vor“ (Wulzinger, Michael, Im Alleingang, in Der Spiegel 11.4.2015).
Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Katar-Sport

– Putins Gefangener. Jewgenij Witischko ist Mitglied der „Umweltwacht Nordkaukasus“ und kritisierte vehement die Umweltzerstörungen im Gefolge von Sotschi 2014. Er wurde deswegen von der Putin-Justiz zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt: Seit über einem Jahr sitzt er im Gefängnis. Ein Gericht lehnte jetzt die Aussetzung der Haft auf Bewährung aus. „Das Gericht gab damit der Lagerverwaltung Recht, die argumentiert hatte, der Umweltschützer verdiene eine Freilassung auf Bewährung nicht, da er unter anderem ein Tomatenbeet nicht den Lagerregeln entsprechend gejätet, Essen unvorschriftsmäßig gelagert, Gefängnispersonal nicht adäquat gegrüßt und einem Mitgefangenen entgegen der Vorschriften seine Decke gegeben hatte. Die Verstöße seien Ausdruck seines Charakters, eine Aussetzung der Strafe komme daher nicht in Betracht“ (Becker, Christoph, Sotschi-Kritiker bleibt in Haft, in faz.net 16.4.2015).
Am 7.4.2015 trat Witischko in Hungerstreik.

– Bahrain-Diktatur und Formel 1: 2015 – wie gehabt. Am 19.4.2015 fand in Bahrain wieder das Formel-1-Rennen statt. Kurz zuvor war von der Formel 1 ein Papier unterschrieben worden, das die Achtung der Menschenrechte in ihre Leitlinien aufnahm. Wie viel dies im Fall Bahrain wert ist, zeigte der Vorfall kurz vor dem Rennen 2015: „Sie kamen nachts und nahmen mit, so viel sie tragen konnten. Handy, Computer, ja sogar einige Fotoalben schleppten die bahrainischen Sicherheitskräfte aus dem Wohnhaus, in das sie vor zwei Wochen eingefallen waren wie eine Spezialeinheit in eine von Geiselgangstern besetzte Bank. Nabeel Rajab, dem Ziel ihrer Operation, legten sie Handschellen an, nachdem sie ihn aus dem Schlaf gerissen hatten, und warfen ihn ins Gefängnis. Der wichtigste Menschenrechtsaktivist des Königreichs am Persischen Golf hatte öffentlich kritisiert, dass Häftlinge in Bahrain gefoltert werden. Seitdem hat niemand mehr etwas von ihm gehört. (…) ‚Die Formel 1 verschlimmert die Situation regelmäßig, weil das Rennen die Ursache von Menschenrechtsverletzungen ist‘, sagt Maryam al-Khwaja im Gespräch mit der ‚Welt am Sonntag‘. Die 27-Jährige ist die Stellvertreterin von Nabeel Rajab an der Spitze des Menschenrechtszentrums von Bahrain. Derzeit lebt sie im Exil in Dänemark, eine Einreise in das Königreich, das in etwa so groß ist wie die Hansestadt Hamburg, wäre zu gefährlich: ‚Wir haben weiterhin viele Probleme in Bahrain. Willkürliche Festnahmen, Razzien, Überwachung.‘ (…) Dass ihr Kollege ausgerechnet kurz vor dem sportlichen Highlight des Jahres, das regelmäßig das Interesse der Weltöffentlichkeit auf Bahrain lenkt, verschleppt wurde, ist in ihren Augen kein Zufall: ‚Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Festnahme von Nabeel Rajab und dem Rennen. Er sollte mundtot gemacht werden‘“ (Pausch, Simon, Jedes fünfte Formel-1-Rennen wäre gefährdet, in welt.de 19.4.2015; Hervorhebung WZ).
Vergleiche auch: Motorsport in der Bahrain-Diktatur

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VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.

– US-Senatoren gegen WM 2018 in Putin-Russland. „13 US-Senatoren appellieren an Sepp Blatter: Die Fifa soll Russland wegen seiner Ukraine-Politik die Fußball-WM 2018 entziehen. (…) Sie verweisen darauf, dass mehr als 40 Staaten Sanktionen gegen Russland beschlossen hätten – darunter fast die Hälfte der WM-Teilnehmer 2014. (…) Fifa-Sprecherin Delia Fischer wies das Ansehen zurück. Die Geschichte habe bewiesen, dass Konfrontation, Isolation und Boykotte von Sportveranstaltungen keine Probleme lösten. Dagegen könne die WM den Dialog zwischen Menschen und Regierungen fördern“ (US-Senatoren wollen Russland Fußball-WM 2018 entziehen, in spiegelonline 2.4.2015).
Die WM 2018 in Russland fördert ja schon seit Jahren den sportpolitischen Dialog zwischen Sepp Blatter und Wladmir Putin, und dieser Dialog kommt ganz ohne Diskussionen über Menschenrechte, die Diskriminierung von Homosexuellen etc. aus. Die „Geschichte“ hat bewiesen, dass die Internationalen Sportverbände keinen Boykott wünschen, der ihre Geschäfte stört. Dass keiner der Sportfunktionäre während eines Sportturniers mit den totalitären Herrschern über Menschenrechte redet (siehe Sotschi 2014!). Und außerdem kommen die Sportzaren ja prächtig mit Despoten und Diktaturen zurecht.
Siehe auch unter VIII: Der totalitäre Sport-Terminkalender

– Ein Freund, ein guter Freund… Joseph Blatter kann wohl bei der Fifa-Wahl am 29.5.2015 auf die 54 Stimmen Afrikas zählen. Damit hätte Blatter schon mehr als die Hälfte der notwendigen Stimmen. Der Fifa-Vize und Präsident des Afrikanischen Fußballverbandes CAF, Issa Hayatou versprach ihm die Stimmen und sagte, Blatter sei in Afrika „zu Hause“ (DPA, Afrika für Blatter, in SZ 8.4.2015). – „Bei der Uefa sollen Russland, zahlreiche südosteuropäische Verbände unter russischem Einfluss, ebenso Spanien, Italien, Ungarn und die Türkei, aber auch skandinavische Verbände wie Norwegen und Dänemark dazuzählen“ (Ewiger Sepp, in Der Spiegel 16/11.4.2015)
Pekunia non olet. Geld stinkt nicht.

– Vater Blatter. Kongress des Fußball-Kontinentalverbandes Nord- und Mittelamerika Concacaf in Nassau. Zehn Getreue kündigten an, am 29.5.2015 für Blatter zu stimmen. „Osiris Guzman, Präsident des Verbands der Dominikanischen Republik, verglich Blatter auf den Bahamas unter unter anderem mit Jesus, Abraham Lincoln und Martin Luther King, berichtete die BBC. Der Verband von Trinidad und Tobago pries den 79-Jährigen als ‚Vater des Fußballs'“ (Verbandschef vergleicht Blatter mit Jesus, in spiegelonline 17.4.2015)..

– Neues von: DFB gegen Frankfurter Galopprennbahn. Am 21.6.2015 wird der Bürgerentscheid stattfinden, ob die Stadt Frankfurt für ein Spottgeld das Gelände der Frankfurter Galopprennbahn an den DFB verschachert oder die Rennbahnfreunde bleiben können. (Näheres unter: DFB gegen Galopprennbahn) Dazu drei Pressestimmen.
Tobias Rösmann in der FAZ: “Die Stadt und der DFB, die für das Riesengelände nicht nur das rund 90 Millionen Euro teure Leistungszentrum, sondern auch einen für jedermann zugänglichen Park vorsehen, tun gut daran, sich der Diskussion auf allen Ebenen zu stellen. Und die Freunde des Galopprennsports, die die Bahn erhalten wollen, können sich schon jetzt zugutehalten, die Gegenseite zum Informieren zu zwingen. Dass die Stadt und der DFB die besseren Argumente haben, müssen sie nun beweisen. Sie müssen den Bürgern zeigen, dass die Akademie kein Millionärsbau wird, sondern eine Art Schmiede deutscher Fußball-Zukunft mit viel Raum für den Nachwuchs. Gelingt das nicht oder bleiben die Frankfurter am 21. Juni in Massen daheim, weil sie das Rennen zugunsten des DFB für gelaufen halten, könnte das Ergebnis zumindest zu einem Prestigeerfolg für die Initiatoren werden. Der Renn-Klub und die Initiative ‘Pro Rennbahn’ haben schon angedeutet, dass sie dafür bereit sind, Zahlen phantasievoll und Behauptungen schonungslos einzusetzen“ (Rösmann, Tobias, Millionärsbau oder Nachwuchsschmiede, in faz.net 2.4.2015).
Johannes Aumüller in der SZ: “Trotzdem kann der Bürgerentscheid für den DFB unangenehm werden. Unabhängig vom Erreichen des Quorums steht am Ende ein Wahlergebnis, und wenn dabei eine deutliche Mehrheit gegen den Neubau stimmt, tut dies dem Image eines Weltmeister-Verbandes nicht gerade gut. Zum anderen: Dem Fußballverband dürfte im Wahlkampf noch manche Debatte über Sinn und Unsinn seiner neuen Akademie ins Haus stehen. Immerhin hat die Stadt das 15-Hektar-Areal dem Verband zu günstigen Konditionen – 99 Jahre Erbpacht, 6,8 Millionen Euro – überlassen. Und immerhin soll der Neubau 89 Millionen Euro kosten. Da dürften sich viele fragen, ob es das wirklich braucht, um die Özils von morgen auszubilden” (Aumüller, Johannes, DFB-Akademie – Teures Heim für kleine Özils, in SZ 9.4.2015).
Christian Preußer in der Frankfurter Neuen Presse: „Mit großen Hoffnungen und bunten Plakaten ziehen die Bürgerinitiative Pro Rennbahn und der Renn-Klub in den Kampf um den Bürgerentscheid für den Erhalt der Niederräder Rennbahn. ‚Bebauung stoppen!‘ steht in fetten Lettern auf den Protestbildern geschrieben. (…) Im vergangenen Januar hatte die Initiative Pro Rennbahn den Bürgerentscheid zum Erhalt der Galopprennbahn erzwungen. Er ist für Sonntag, 21. Juni, terminiert“ (Preußer, Christian, Pro Rennbahn kämpft plakativ für Bürgerentscheid, in fnp.de 15.4.2015).

– Brasilien: Neue Präsidenten, alte Vorwürfe. Der berüchtigte Ricardo Havelange führte nicht nur den brasilianischen Fußballverband CBF, sondern war auch langjähriger Präsident der Fifa (und Vorgänger und Pate von Sepp Blatter). Sein Nachfolger Ricardo Teixeira war Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF und musste schließlich vor der brasilianischen Justiz nach Mexiko fliehen. Dann kam José Maria Marin: „Marin hat beste Kontakte zu den Streitkräften und ultrareaktionären Kreisen in der Politik. Während der Diktatur gehörte er der rechten Partei Arena an, die von den Militärs gegründet wurde. Seine politische Karriere verdankt er Paulo Maluf, einem in zahlreiche Korruptionsskandale verstrickten Ex-Gouverneur von São Paulo. ‚Marin und ich sind wie siamesische Zwillinge‘, sagte Maluf einmal über seinen Schützling“ (Glüsing, Jens, Der Fußballdiktator, in spiegelonline 19.6.2013). Und nun wurde Marco Polo Del Nero Nachfolger Marins. Er hat von Wagner Abrahao, einem Geschäftspartner des CBF, für umgerechnet 1,5 Millionen Euro ein Luxus-Penthouse gekauft und diesem im Gegenzug für 120.000 Euro ein gleichwertiges Luxus-Penthouse verkauft. Der ehemalige brasilianische Fußballstar Romário ist heute Bundes-Senator und bezichtigte Del Nero der Steuerhinterziehung. Der neue CBF-Präsident Del Nero ist „mit 74 Jahren ganz oben und hat den brasilianischen Fußball in einer schweren Krise geerbt: Die Vereine sind hoch verschuldet, die Stadien fast leer und die Spieler begehren auf gegen den Verband. Dazu kommt das Trauma aus dem 1:7 gegen Deutschland während der WM. Und dann ist da noch Del Neros Erzfeind Romário: der hat am Freitag wegen des dubiosen Penthaus-Deals die Staatsanwaltschaft gegen ihn eingeschaltet“ (Upadek, Carsten, Neuer Boss, alter Skandal, in deutschlandfunk.de 19.4.2015).

– Blatter zur Fußball-WM 2018: Bleibt doch daheim! „Sotschi (dpa) – FIFA-Präsident Joseph Blatter hat Forderungen nach einem Boykott der WM 2018 in Russland bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin erneut zurückgewiesen. Wer nicht glücklich sei mit dem Austragungsort, solle daheimbleiben, sagte der Chef des Fußball-Weltverbands am Montag der Agentur Interfax zufolge im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi. Er sei sicher, dass die Veranstaltung in drei Jahren ein ‚Fünf-Sterne-Turnier‘ werde“ (DPA, Blatter trifft Putin: WM wird „Fünf-Sterne-Turnier“, in sueddeutsche.de 20.4.2015).

– Europarat: Neuvergabe WM 2022. „Die parlamentarische Versammlung des Europarates hat angesichts massiver Korruptionsvorwürfe ein neues Verfahren des internationalen Fußballverbandes (Fifa) für die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Qatar gefordert. (…) Eine Mehrheit der Parlamentarier aus den 47 Europaratsländern stimmte am Donnerstag für die Entschließung. Qatar wurde darin wegen der katastrophalen Arbeitsbedingungen scharf kritisiert. (…) Der sozialdemokratische Berichterstatter aus Großbritannien, Michael Connarty, sagte, die Beweise für einen systematischen Stimmenkauf des Votums für Qatar seien eindeutig“ (Europarat fordert Neuvergabe, in faz.net 24.4.2015).

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VII: Sport-Millionen und -Millionäre

– Atlético Madrid wird 20 Prozent chinesisch. „Die Wanda-Gruppe aus China kauft sich mit 20 Prozent beim Verein aus der Hauptstadt ein und zahlt dafür etwa 44,98 Millionen Euro“ (SID, Für 45 Millionen Euro, in SZ 2.4.2015). Wanda hatte bereits im Februar 2015 für 1,2 Milliarden Euro den Sportrechtehändler Infront gekauft. Beides steht in Zusammenhang mit den „drei Träumen“ des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, wie Wanda-Vorstandsvorsitzender Wang Jianlin berichtet: „Unser Präsident hat gesagt, er hat drei Träume: Die Teilnahme Chinas an der Fußball-Weltmeisterschaft, das WM-Turnier zu veranstalten und vielleicht irgendwann Weltmeister zu werden. Die Stärke von Infront ist das Geschäft mit Fußball und Wintersport. Und mit den Ressourcen von Infront können wir die Verwirklichung dieser drei Träume beschleunigen“ (Kreuzer, Heinz Peter, China kauft Winterspiele, in deutschlandfunk.de 4.4.2015). Dazu kommt die Bewerbung von Peking um Olympische Winterspiele 2022 – auch hierfür soll Infront werben: „Die Entscheidung über die Weltmeisterschaft 2026 fällt erst 2017. In diesem Jahr will China aber mit Hilfe von Infront die Olympischen Winterspiele 2022 nach Peking holen. Denn die Schweizer Agentur vertreibt die internationalen Marketing- und TV- Rechte fast aller Wintersport-Verbände. ‚Das hat sicherlich auch mit der Olympiabewerbung zu tun, dass man auch versucht, sich in die Netzwerke einzukaufen. Die dann eben sehr einflussreich sind, auch bei der Vergabe Olympischer Spiele oder anderer Großveranstaltungen.‘ Für Dalian Wanda wäre eine erfolgreiche Olympiabewerbung auch in anderer Hinsicht ein gutes Geschäft. Der Immobilienkonzern könnte von den zahlreichen Neubauten für Olympia profitieren und so den überhöhten Kaufpreis für Infront refinanzieren“ (Ebenda). „Wanda zahlte das Doppelte dessen, was die Vorbesitzer einst für den Anteil investiert hatten“ (Grzannna, Marcel, Chinesischer Torjäger, in SZ 7.4.2015). Die Zeit der Immobilien in China scheint vorbei zu sein, nun kommt das Sportmarketing: „Um auch andere Sportarten in China gut vermarkten zu können, werden Infront die glänzenden Kontakte in der Volksrepublik wichtige Türen öffnen“ (Ebenda). Der Eigentümer des chinesischen Mischkonzerns Wanda, Wang Jianlin, wird auf rund 25 Milliarden Dollar Vermögen geschätzt (Ebenda).
Und so investieren die Einheitspartei Chinas und die Einheitspartei Russlands Milliarden in den internationalen Sport.

– Box-Millionen (II). Der WM-Boxkampf im Weltergewicht zwischen dem US-Amerikaner Floyd Mayweather und dem Philippino Manny Pacquiao am 2.5.2015 in Las Vegas schlägt bisherige Einnahmerekorde. Die 15.000 Eintrittkarten bringen 74 Millionen Dollar (68 Millionen Euro) und kosten damit im Schnitt 4.933 Dollar (74 Millionen Dollar aus dem Ticketverkauf, in spiegelonline 24.3.2015). – „Die Börse wird mit 60:40 zu Gunsten von Mayweather aufgeteilt, der damit bis zu 180 Millionen Dollar verdienen sollte; Pacquiao dürfte auf 120 Millionen kommen“ (Schmieder, Jürgen, Reich gegen heilig, in SZ 5.4.2015). Peter Ahrens schrieb in spiegelonline: „Floyd Mayweather hat sich für den kommenden Samstag einen speziellen Mundschutz anfertigen lassen, Diamantenstaub wurde dafür verwendet, zudem wurden mehrere 100-Dollar-Noten eingearbeitet. Das Teil, normalerweise ein Allerweltsartikel im Boxsport, hat 25.000 Dollar gekostet. (…) Am Freitag treffen sich die Kontrahenten zum öffentlichen Wiegen. Wer dabei zusehen will, muss zehn Dollar Eintritt zahlen, das gab es auch noch nie. (…) Man könnte jetzt noch von dem Champions Belt erzählen, dem Gürtel für den Sieger am Samstag, der bestickt ist mit 3000 Smaragden und einem Kilo reinem Gold, Kostenpunkt: eine Million Dollar“ (Ahrens, Peter, Der Irrsinn von Las Vegas, in spiegelonline 30.4.2015).
Kleines Beispiel aus der Sport-Demokratur: Mayweather wurde 2012 wegen häuslicher Gewalt zu einer Haftstrafe verurteilt. Mayweathers Manager ist Al Haymon. „Außerdem geht Haymon rigoros gegen alle Kritiker vor. Am Samstagabend zum Beispiel twitterten die CNN-Journalistin Rachel Nichols und die ESPN-Reporterin Michelle Beadle, dass ihnen die Akkreditierungen entzogen worden seien. Beide hatten darüber gesprochen, dass Mayweather auch die Mütter seiner Kinder geschlagen habe“ (Warmbrunn, Benedikt, Al Haymon, in SZ 4.5.2015).

– Sportliche Gehälter. Angeblich bekommt IOC-Präsident Thomas Bach nur 225.000 Euro pro Jahr. Roger Goodell, Commissioner der National Football League bekommt bis 2019 jährlich 44 Millionen Dollar. Bud Selig, bis Ende 2014 Commissioner der Major League Baseball: 22 Millionen Dollar. Adam Silver, National Basketball Association: 10 Millionen Dollar. Gary Bettman, Eishockey Liga: 8 Millionen Dollar. 35 Top-Mitarbeiter der Fifa: 33,5 Millionen Dollar. Fifa-Präsident Sepp Blatter selbst: Fehlanzeige. Uefa-„Administrationskosten“: 39,3 Millionen Euro. Uefa-Präsident Michel Platini: Fehlanzeige (Wenig Transparenz beim Jahresgehalt, in fr-online.de 9.4.2015).

– Ryder-Cup-Millionen. Die 630.000 Mitglieder aller deutschen Golfklubs müssen über zehn Jahre mit drei Euro jährlich erhöhten Mitgliedsgebühren 18 Millionen Euro aufbringen, um den Ryder Cup nach Deutschland zu holen. Die BMW AG und der Versicherungskonzern Allianz unterstützen als Sponsoren die Bewerbung. Bei einer Abstimmung des Deutschen Golf-Verbandes sprachen sich 68 Prozent dafür aus. Verlorene Golf-Millionen? „In den Ländern, die das Turnier zuletzt ausrichteten, gab es keine steigenden Golferzahlen“ (Aumüller, Johannes, Drei Euro, viele Fragen, in SZ 13.4.2015; Chancen steigen, in SZ 17.4.2015). 

– Gewinnsteigerung. Der brasilianische Rechtsverteidiger Danilo kam im Juli 2011 für 13 Millionen Euro zum Fußballklub FC Porto. Am 1.4.2015 verkündete der FC Porto, dass Danilo für 31,5 Millionen Euro zu Real Madrid wechselt (Cáceres, Javier, Kneer, Christof, Keiner für Pep, in SZ 15.4.2015).

– Maulkorb für Canal Plus. Der französische Fernsehsender Canal Plus bezahlt der französischen Fußball-Liga jährlich 540 Millionen Euro für die TV-Rechte. Die Spitzenteams Paris St. Germain und Olympique Marseille beschlossen nun, Canal Plus keine Interviews mehr zu geben. Das Vergehen: „Canal Plus hat gesendet, was die Profis Zlatan Ibrahimovic (PSG) und Dimitri Payet (Marseille) jeweils nach dem Abpfiff ihrer Liga-Spiele im Kabinengang an Unflätigkeiten von sich gaben. (…) Die TV-Gelder kassiert man aber natürlich gerne weiter“ (Kistner, Thomas, Pariser Mattscheibe, in SZ 15.4.2015).

– Olympischer TV-Kanal: Was kostet schon nichts? SportAccord „ist die zentrale Dachorganisation der Sportverbände weltweit. Insgesamt gehören ihr 109 Organisationen an“ (Wikipedia). SportAccord-Präsident Marius Vizer bezifferte bei der Generalversammlung am 20.4.2015 die Kosten für den vom IOC unter Thomas Bach geplanten TV-Kanal auf 450 Millionen Dollar (Sportfunktionär geht auf IOC-Präsident Bach los, in spiegelonline 20.4.2015). 

– Nächster US-Milliardär kauft nächsten Basketball-Klub. Der NBA-Verein Atlanta Hawks wurden von einer Investorengruppe um den US-Milliardär Antony Ressler für 850 Millionen Dollar gekauft (Milliardär Ressler kauft NBA-Klub Atlanta Hawks, in spiegelonline 23.4.2015).

Uefa Champions League: noch mehr Millionen. Die Uefa erhöht die Prämien für die 32 teilnehmenden Fußballmannschaften von einer Milliarde auf 1,25 Milliarden Euro. Der Champions-League-Sieger erhält 15 Millionen Euro Prämie, der zweite 10,5 Millionen Euro. Damit ist die Champions League „ein maßgebender Faktor des totalen Kapitalismus im Fußball“ (Selldorf, Philipp, Paläste fürs Kartell, in SZ 24.4.2015).

-Adidas-Millionen für den FC Bayern. Laut Sport-Bild bekommt der FC Bayern von seinem Ausrüster Adidasab 2020 zunächst 60 Millionen Euro pro Saison – mit einem Gesamtvolumen von 900 Millionen Euro bis 2030. Das läge allerdings immer noch unter der kolportierten eine Milliarde Euro für den englischen Fußballverein Manchester United für den Zeitraum von zehn Jahren (FC Bayern verlängert Vertrag mit Ausrüster, in spiegelonline 29.4.2015).

– Die Adidas-Aufrüstung kostet. Der FC Bayern kassierte bisher etwa 25 Millionen Euro pro Jahr von seinem Ausstatter Adidas. Als Manchester United einen Vertrag über zehn Jahre und rund eine Milliarde Euro erhielt, murrte der FCB. Im April 2015 wurde der bis 2020 laufende Vertrag bis 2030 verlängert – mit bis zu jährlich 60 Millionen Euro für den FC Bayern. Der Direktor des Deutschen Institutes für Sportmarketing, Gerd Nufer, äußerte dazu: „Die Schere zwischen den armen und reichen Fußballklubs klafft auseinander wie noch nie“ (Ebenda). – „Dem Wall Street Journal zufolge zahlten die Ausrüster an die 32 Mannschaften der in Kürze zu Ende gehenden Champions-League-Saison mehr als 340 Millionen Euro. Da bleibt für die anderen nicht mehr viel“ (Ebenda). Adidas hat dem Konkurrenten Nike nicht nur Manchester United, sondern auch Juventus Turin abgejagt – für 30 Millionen Euro pro Jahr, der doppelten Summe wie Nike bisher zahlte (Ritzer, Uwe, Pokal vergeigt, Millionen gewonnen, in SZ 30.4.2015). Nächster Profiteur möchte der Deutsche Fußball-Bund sein, bisher mit 28 Millionen Euro pro Jahr von Adidas alimentiert. Laut Sportbild sollen es mindestens 50 Millionen Euro werden (Ebenda). 

– Präsident kauft Hannover 96. Der Präsident von Hannover 96, der Hörgeräte-Produzent Martin Kind, hat – bereits im September 2014 – die letzten 15,66 Prozent Anteile seiner Profiabteilung über Kinds Investorengruppe Hannover Sales & Service GmbH & Co KG für 3,25 Millionen Euro übernommen: Damit gehören S&S 100 Prozent (Eberts, Carsten, Alle Macht für Kind, in SZ 29.4.2015). Umgerechnet ergäbe das einen Gesamtwert von gerade einmal 20,75 Millionen Euro. – „Der Stammverein Hannover 96 hat auch die letzten 15,66 Prozent seiner Anteile an der ausgelagerten Profi-Abteilung an die Investorengruppe um den Vereinspräsidenten und Unternehmer verkauft. (…) Einige Mitgliedergruppen hatten gegen den Verkauf mobil gemacht, weil sie eine zu große Machtfülle für den Hörgeräte-Unternehmer Kind befürchteten. 2018 könnte Kind Mehrheitseigner der Profi-Abteilung werden – eine Ausnahme in der ’50+1-Regel‘ zum Schutz der Vereine vor der Übernahme durch Investoren erlaubt, dass Privatgesellschaften einen Fußballbundesligisten mehrheitlich übernehmen können, sobald sie diesen 20 Jahre lang ‚ununterbrochen und erheblich‘ gefördert haben“ (Hannover 96 verkauft sich an Kind, in spiegelonline 28.4.2015). – „Dass sich die Proteste erst jetzt auf der Mitgliederversammlung mehrten, bei der es praktisch nichts mehr zu entscheiden gab, spricht dafür, wie heimlich und leise Kind in den letzten Jahren regieren konnte“ (Ebrrts 29.4.2015).

– Präsident verkauft AC Milan. Der Präsident und Haupteigentümer des Fußballklubs AC Milan, Silvio Berlusconi, möchte 500 Millionen Euro für den Mehrheitsanteil. Käufer sind entweder chinesische Unternehmer oder chinesische Staatsfirmen. Damit geht der Ausverkauf des italienischen Fußballs weiter. FC Internazionale Milan gehört dem Indonesier Erick Thohir, der AS Rom seit 2011 Amerikanern (Schönau, Birgit, Das Spiel ist aus, in SZ 30.4.2015).

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VIII: Der totalitäre Sport-Terminkalender

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IX: Doping-News

Siehe hierzu auch die Doping-Hintergründe von Cycling4fans: hier und Aktuelle Doping-Meldungen hier
und die Webseite der Doping-Opfer-Hilfe: hier

– DOH fordert: Kein Olympia in Deutschland ohne Klärung der Altlasten: „Deutschland will sich mit Hamburg um Olympische Spiele bewerben. Doch um die Glaubwürdigkeit des ehrgeizigen Megaevents ist es derzeit nicht gut bestellt. Denn noch immer ist die umfassende Aufklärung der Dopinghypotheken in Ost und West eine unabsehbare Baustelle. Und auch die vielen Dopingopfer im deutschen Spitzensport warten vergeblich auf nachhaltige Hilfe. „Wer jedoch jetzt ohne die Klärung der Altlasten Olympische Spiele in Deutschland forciert, der ist ganz klar weiterhin für systematischen Betrug und bringt das hehre Projekt Olympia von vornherein in Misskredit“, sagt Ines Geipel, Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe. Der DOH hat deshalb dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Bundesministerium des Inneren (BMI) sowie allen politischen Fraktionen sein Konzept für einen ‚Akutfonds des Sports‘ vorgelegt. Im Sinne des Rechtsfriedens sieht es die Regulierung der drastischen Spätfolgen von an die 2000 Dopingopfern vor, des Weiteren juristische Hilfe, den Aufbau eines bundesweiten Ärzteteams, die Gewährung von Einmalzahlungen in Akutfällen sowie bei Tod an Angehörige, Hilfen zur Erlangung von Akteneinsicht, die Finanzierung eines transdisziplinären Forschungsprojekts, das die Geschichte des deutschen Sports aus der Perspektive seiner Opfer schreibt, sowie die Durchführung einer medizinischen Langzeitstudie mit den Betroffenen“ (DOH, PM 2.4.2015). Zur PM: hier
Der DOH schlug 32 Millionen Euro für diesen „Akutfonds des Sports“ vor – „es ist derselbe Betrag, der bei der Olympiabewerbung für München in den Sand gesetzt wurde“ (Ebenda). Der DOSB „zeigte sich in einer ersten Reaktion reserviert. Ein mit 32 Millionen Euro ausgestatteter Fonds erscheine ‚unrealistisch‘, heißt es“ (SID, Soforthilfe für Dopingopfer, in SZ 4.4.2015).
Während 50 Millionen Euro für eine von vornherein wegen der Fußball-EM 2024 in Deutschland zum Scheitern verurteilte Bewerbung Hamburg 2024 völlig realistisch ist???

– “Alle sauber” in Russlands Leichtathletik. Der russische “Neuanfang” wurde am 6.4.2015 in Moskau ausgerufen: “Erstens: Der frühere 800-Meter-Olympiasieger Jurij Borsakowskij ist jetzt nicht mehr nur interimistisch, sondern ganz regulär Cheftrainer der russischen Leichtathleten. Zweitens: Doping ist in der russischen Leichtathletik von nun an offiziell abgeschafft. ‘Wir haben eine neue Mannschaft, in der sind alle sauber’, verkündete Borsakowskij. Doping sei eine Sache der Vergangenheit. (…) Wie es um die dopingfreie neue russische Leichtathletik tatsächlich bestellt ist, zeigen etwas besser wohl zwei andere Personalien. Walentin Maslakow, unter dessen Ägide als Cheftrainer zahlreiche Missstände und Positivfälle fallen, ist zwar von seinem Amt zurückgetreten, bleibt aber weiter im Geschäft: Er coacht jetzt die besten Nachwuchssprinter. ‘Jemand mit seiner Erfahrung muss dem Verband erhalten bleiben’, teilte Wadim Selitschok mit, der den Verband übergangsweise leitet. Und Geher-Spezialist Viktor Tschjogin, unter dessen Zöglingen die Doping-Statistiker in den vergangenen Jahren fast zwei Dutzend Fälle registrierten, ist in seinem Zentrum in Saransk weiter mit Athleten der Nationalmannschaft zugange. ‘Natürlich arbeitet er weiter’, sagte Sportminister Witalij Mutko kürzlich. ‘Wir haben derzeit keine Fragen’“ (Aumüller, Johannes, Neustart auf russisch, in SZ 8.4.2015). Der Kronzeuge des russischen Dopingsystems, Witalij Stepanow, sagte dagegen: „Maslakow ist noch da. Borsakowskij hat ihn als Leichtathletik-Chefcoach abgelöst, Maslakow ist jetzt Cheftrainer der Sprinter. Portugalow, der Chef der medizinischen Kommission, ist noch da. Der Trainer der Geher, Tschegin, ist noch da. Bisher sind alle noch da. Auch der andere Cheftrainer der Leichtathleten, Alexeij Melnikow, ist weiter im Amt” (Becker, Christoph, “Russlands Leichtathletik hat Olympia nicht verdient”, in faz.net 2.4.2015). Er folgerte: “Der russische Leichtathletik-Verband verdient es, von Olympia in Rio de Janeiro ausgeschlossen zu werden” (Ebenda). Bezeichnend war die Reaktion von Sportminister Mutko: “Mitte März erschienen Interviews mit Stepanow in „Sowjetskij Sport“ und auf „championat.com“ in Russland. Anschließend fragte die Reporterin von ‘Sowjetskij Sport’ den russischen Sportminister Witali Mutko zu den Vorwürfen. Mutko fragte die Journalistin: ‘Warum behandeln Sie Ihr Heimatland wie Dreck? Ja, ich bin der Minister, und ich bin hier für alles verantwortlich. Und Sie wollen mich, den Minister der Föderation, zu einer Reaktion auf diese Person bewegen? Das ist einfach lachhaft. Sie machen ihn ja zu einem Staatshelden!’“ (Ebenda).
Vergleiche auch: Doping Russland

– Dokumentation in der SZ zu Armin Klümper. In der SZ bearbeiteten vier Redakteure die neu entdeckten Akten über Armin Klümper. „Die Akten dokumentieren, wie der Guru dieses System aufbaute und betrieb; mit Hilfe der Pharmaindustrie, des Sportkonzerns Puma und anderer; gefördert und gestützt von der Politik und Sportverbänden; mit einer geheimen Kasse auf einem Privatkonto bei der Sparkasse Freiburg. Schon damals fanden sich deutliche Dopingspuren bis hin zum VfB Stuttgart, deutscher Fußballmeister von 1984. Dopingspuren, denen Staatsanwälte und Richter jedoch nicht nachgingen, sodass vieles im Dunkeln blieb“ (Aumüller, Johannes, Kelnberger, Josef, Ott, Klaus, Zick, Thomas, Doping in Deutschland – Wer wusste etwa? Wer half? Wer schaute weg? Eine Spurensuche, in SZ 18.4.2015). Klümper verschrieb u. a. die Dopingmittel Orciprenalin, Persantin, Alupent, Megagrisevit, Epo (Ebenda). Politische Förderer waren Gerhard Mayer-Vorfelder (MV), Minister für Kultus und Sport in Baden-Württemberg 1980 – 1991, Finanzminister von 1991 – 1998, ab 1975 Präsident des VfB Stuttgart (siehe oben!), von 2001 bis 2006 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. MV sorgte 1977 persönlich für Klümpers Professorenstelle an der Universität Freiburg. Patienten Klümpers waren u. a. Willi Daume, Präsident des NOK Deutschland; Heinz Eyrich, Justizminister Baden-Württemberg; der ehemalige Turner Eberhard Gienger, heute MdB (CDU) und Mitglied des Sportausschusses. – „Dutzende sichergestellte Rechnungen an den VfB Stuttgart sind an MV adressiert. Darunter auch Rechnungen für unerlaubte Dopingpräparate“ (Wie die Politik Armin Klümper geschützt hat, in badische-zeitung.de 17.4.2015).

– Weltradsport-Verband UCI: Nichts Neues. Johannes Aumüller schrieb zum „Neuanfang“ in der UCI unter dem seit September 2013 agierenden Präsidenten Brian Cookson: „Der Brite macht das rhetorisch etwas geschickter als seine Vorgänger, er hat eine in der Sportwelt wohlbekannte PR-Agentur (Vero) an seiner Seite und er hat in seinem ersten Amtsjahr einen Bericht über die verseuchte Vergangenheit erstellen lassen. Aber spätestens in dieser Woche hat sich gezeigt, dass sich in dem Moment, in dem es wirklich ernst wird, auch der Neuanfang nach Cooksonscher Prägung als zwar wohlklingendes, aber wenig substanzielles Gerede erweist. (…) Am Donnerstagabend hat die zuständige Kommission der UCI entschieden, dass die kasachische Equipe Astana um den letztjährigen Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali ihre Lizenz für die oberste Radsportliga behält und damit das automatische Startrecht für die großen Wettbewerbe. Jenes von staatlichen Stellen üppig alimentierte Team also, das in den zurückliegenden Monaten gleich fünf Dopingfälle (zwei bei den Profis, drei im Perspektivkader) zu verzeichnen hatte; bei dem im Umfeld fast ausschließlich vorbelastete Gestalten wirken, allen voran der überführte Blutdoper Alexander Winokurow. (…) UCI-Chef Cookson kann nun darauf verweisen, dass er formal den Ausschluss Astanas gefordert hat und ihn nur eine unabhängige Lizenzkommission überstimmt habe. (…) Vereinzelt gibt es kritische Stimmen, aber insgesamt bleibt der große Aufschrei aus. Das hat damit zu tun, dass es auch in anderen Teams einschlägig bekannte Manager und Mediziner gibt, wenn auch nicht so geballt wie bei den Kasachen“ (Aumüller, Johannes, Jeder schützt jeden, in SZ 25.4.2015).
Vergleiche auch: Hein Verbruggen, Pat McQuaid und die UCI

– Dopen im offiziellen Auftrag. Dopingsünder Alex Schwazer belastete seinen italienischen Leichtathletik-Verband Fidal schwer: „Die Verantwortlichen der medizinischen Abteilung seien über seine Dopingpraktiken informiert gewesen, sagte der Geher-Olympiasieger von Peking. Der Südtiroler gab an, dass die Verbandsärzte auch von seinen Kontakten zum Skandalmediziner Michele Ferrari gewusst hätten. (…) Er selbst habe dem Leiter der medizinischen Abteilung schon 2011 gestanden, dass er Dopingmittel benutze. Zwei Mitglieder der Ärztekommission und eine Verbandsfunktionärin müssen sich ab Mittwoch vor dem Bozner Landesgericht verantworten“ (SID, Schwazer belastet Verband, in SZ 27.4.2015). 

– Epo-Schluckspechte. Das Dopingmittel Epo musste bislang gespritzt werden: Nun gibt es Epo auch zum Schlucken. Der erste wurde schon damit erwischt – der französische Geher Bertrand Moulinet.
„Über das Dopingpotential ist man sich bei den Herstellern im Klaren. Die aktuellen Tests der Phase 3, die das Unternehmen Astellas gerade in Europa durchführt, firmieren offiziell unter den Namen ‚Alpen‘, ‚Pyrenäen‘ und ‚Dolomiten‘. Das sind die klassischen Gebirgszüge der Rundfahrten Tour de France, Vuelta a Espana und Giro d’Italia. Ist das schon offenes Dopingmarketing oder nur ein schlechter Scherz?“ (Mustroph, Tom, Epo-Pillen nachgewiesen, in deutschlandfunk.de 25.4.2015).

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X: Die Sportsender ARD/ZDF

– Große Bitte an kritische Sport- und investigative Journalisten:
Für die Zukunft eines besseren Sports und einer sinnvolleren Verwendung der öffentlich-rechtlichen Gebühren-Millionen wäre es wichtig, die fragwürdige Kooperation zwischen den Vertretern der gierigen Sportfunktionäre und den willfährigen Vertretern der öffentlich-rechtlichen Sportsender aufzudecken. Vermutlich ist es ein kleiner Kreis immer gleicher Personen, die Jahr für Jahr die Preisspirale für die TV-Sportübertragungen in die Höhe treiben. Bitte aufdecken!


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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