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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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August 2015

 
Zuletzt geändert am 08.11.2015 @ 10:41

Exkursion
Fünf Tage Nolympia-Pause: zurück aus den Gletschern für unser Gletscherarchiv. Sulden/Südtirol, 6.8.2015. Fotografieren in 2.700 Meter Höhe an der Düsseldorfer Hütte – Wanderer strömen plötzlich zusammen und schweigen ehrfürchtig: Wir dürfen ein Steinadler-Weibchen beobachten, das seine Kreise in manchmal weniger als hundert Meter entfernt zieht. Da weiß ich wieder, warum ich mich ein Leben lang für die Natur eingesetzt habe.
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Webseite-Besucher
Im Juli 2015 besuchten 27.124 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite. Von Februar 2010 bis einschließlich Juli 2015 hatten wir damit 1.306.608 Besucher: Wir bedanken uns für das nach wie vor anhaltende Interesse.

Neu unter “Aktuelles”:
Leichtathletik-WM 2015 in Peking (21.8.2015; wird aktualisiert); Fifa-Kongress Mai 2015 und Folgen (4.6.2015; wird laufend aktualisiert); Hamburg 2024: Keine Bürgerbefragung!; Hamburg 2024: Dabei sein ist wichtiger als siegen; Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?; Berliner Senat ist nicht Charlie; Boston 2024: Privatbewerbung eines Baukonzerns; Die verkauften Leichtathletik-Weltmeisterschaften
2015 neu im Kritischen Olympischen Lexikon:
23.7.2015: Eurosport; 20.6.2015 (aktualisiert 19.7.2015): Aserbaidschan-Sport; 21.5.2015: Beilschmidt, Rolf; 25.1.2015 Aktualisiert nach Pechstein-Urteil: Court of Arbitration for Sport (Cas); 20.1.2015: DFB gegen Galopprennbahn; 19.1.2015: Afrika-Cup 2015; 19.1.2015: Handball-WM 2015; 17.1.2015: Deripaska, Oleg; 7.1.2015: Gazprom-NTW; 1.1.2015: Totalitärer Sport-Terminkalender
Laufend aktualisiert:
Hamburg-Berlin 2024 – Zur deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024: bis Juni 2014: hier; 7-8/2014: hier; 9-10/2014: hier; 11/2014 – 3/2015: hier. Ab April 2015 “Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024″ in der laufenden Chronologie unter IV.
Gazprom-Chronik – Was ein Gaskonzern und Sport, Oligarchen und Putin miteinander zu tun haben. Gazprom-Chronik (1) bis 31.12.2012: hier; Gazprom-Chronik (2) 1/2013 – 8/2014: hier; Gazprom-Chronik (3) ab 9/2014: hier; Gazprom-Chronik (4) ab 11/2014: hier

Neue Studie von Sylvia Hamberger und Axel Doering: Der gekaufte Winter – Eine Bilanz der künstlichen Beschneiung in den Alpen (22.4.2015)
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In eigener Sache
Ich bemühe mich meinerseits, korrekt zu zitieren und Quellen anzugeben. Umgekehrt wäre es fair, wenn auch die Nolympia-Webseite als Quelle in den Artikeln von Journalisten angegeben wird.
Dr. Wolfgang Zängl

Die Gliederung im August 2015 sieht so aus:
I: Zitate des Monats
II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden
III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden
IV: Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024
V: Allgemeine Nachrichten
VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.
VII: Sport-Millionen und -Millionäre
VIII: Totalitärer Sport-Terminkalender
IX: Doping-News
X: Die Sportsender ARD/ZDF
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I: Zitate des Monats

Der Präsident des Weltschwimmverbandes FINA, Julio Maglione, zählte bei der WM im russischen Kasan die Städte auf, die viel für den Schwimmsport tun: „St. Petersburg, Stalingrad, Moskau“ (Catuogno, Claudio, Schweigen in Stalingrad, in SZ 1.8.2015).

Bernhard Schwank, DOSB, Chef der Bewerbung Hamburg 2024, warb auf der IOC-Session in Kuala Lumpur für Hamburg 2024: „Die Faszination, dass eine Stadt ihr bestes Stück Land, das es hat, für die Spiele anbietet, ist ein starkes Statement“ (Schirmer, Andreas, Hamburgs Streben nach mehr Bekanntheit, in welt.de 3.8.2015).
Das ist kein „starkes Statement“, sondern der Ausverkauf der Stadt.

Der amerikanische Schwimmtrainer John Leonard zum Doping in der Leichtathletik und bei den Schwimmern und zur Rolle der russischen Nationalen Anti-Doping-Agentur: „Warum sollte eine korrupte Anti-Doping-Agentur, die sich für das Vertuschen von Proben bezahlen lässt, nur in einer Sportart Geschäfte machen?“ (Becker, Christoph, „Ich sehe, wie unser Sport unter die Räder kommt“, in faz.net 3.8.2015).

Thomas Kistner in der SZ zu den Doping-Enthüllungen von ARD und Sunday Times in der Leichtathletik: „Der Dopingmorast um die Leichtathletik ist genauso gewaltig dimensioniert wie der Korruptionssumpf um den Weltverband Fifa (Betrüger und Freunde, in SZ 3.8.2015).
Völlig richtig. Aber wie sieht es mit Doping im Fußball aus? Und mit Korruption in der Leichtathletik?

IOC-Präsident Thomas Bach – nie um ein Späßchen verlegen -, zum Dopingskandal beim Internationalen Leichtathletikverband IAAF: „Sollte es Fälle geben, die das IOC betreffen, werden wir sie mit unserer üblichen Null-Toleranz-Politik verfolgen“ (Simeoni, Evi, Blatter bleibt beim IOC auf der Strecke, in faz.net 4.8.2015. Vgl. auch unter IX).

IAAF-Präsident Lamine Diack weiß, warum die IAAF-Dopingenthüllungen erfolgt sind: „Ich glaube, es besteht die Absicht, diese Medaillen neu zu verteilen“ (Knuth, Johannes, Parolen und Peinlichkeiten, in SZ 4.8.2015).

WDR-Dopingexperte Hajo Seppelt zu seinen Doping-Enthüllungen in der Leichtathletik: „Doping ist ja letztlich nichts anderes als Korruption im Sport. Es geht um Erschleichung eines Vorteiles auf eine verbotene, auf eine unlautere Art und Weise, und dieser Vorteil führt am Ende auch zu erheblichen Profiten“ (Ostermann, Hans, „Doping ist nichts anderes als Korruption“, in deutschlandradiokultur.de 16.8.2015).
(Siehe auch unter IX).

Stefan Grass vom Olympiakritischen Komitee Graubünden zu neuerlichen Schweizer Bewerbungs-Überlegungen für Olympische Winterspiele: „Die Pseudo-Reform-Agenda des IOC-Chefs Thomas Bach ist in demokratischen Rechtsstaaten in Europa, Kanada und USA unglaubwürdig, nur Diktaturen steigen darauf ein“ ( Waser, Norbert, Aus Fehlern der letzten Kandidatur lernen, in Bündner Tagblatt 11.8.2015).

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II: Nachrichten von Olympischen Spielen, dem IOC und den Internationalen Sportverbänden

– Rio 2016 (I): Segeln im Dreck. „Das Olympia-Segelrevier in Rio gleicht einer Kloake. Die Guanabara-Bucht ist voller Müll, Fäkalien und Tierkadaver. Ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele versicherten die brasilianischen Organisatoren auf dem IOC-Kongress in Kuala Lumpur, das Problem in der Bucht und an der Copacabana in den Griff zu bekommen. Dem Segelweltverband reicht das nicht aus. Er kündigte an, unabhängige Experten einzuschalten. (…) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dem Internationalen Olympischen Komitee nach eigenen Angaben empfohlen, die wissenschaftlichen Untersuchungen der Rio-Gewässer auszuweiten. Es solle auch auf Viren getestet werden, schlug die WHO demnach vor. Nicht nur die Bucht, in der die Segelwettbewerbe stattfinden sollen, auch die Gewässer für die Langstreckenschwimmer und Triathleten gelten als gesundheitsgefährdend“ (Segelverband sorgt sich um Gesundheit der Athleten, in spiegelonline 1.8.201).
Von der „IOC-Agenda 2020“ ist weit und breit nichts zu spüren – zum Bericht der Tagesschau „Platz machen für Olympia“ vom 6.8.2015 über Rio 2016: hier. „Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt dem IOC inzwischen, Wasserproben nicht nur auf Bakterien, sondern auch auf Viren untersuchen zu lassen. Das IOC will das tun. (…) Den Delphinen in der Bucht scheint die braune Brühe jedenfalls nicht zu bekommen. Von einst 400 Exemplaren leben gerade noch mal 37“ (Tripmaker, Marco, Die Kloake unter dem Zuckerhut, in faz.net 5.8.2015). – „Neben den Bauarbeiten bereitet vor allem die Wasserqualität an den Wettkampfstätten der Ruderer, Segler und Langstreckenschwimmer Sorgen. Der Segelverband warnte seine Sportler vor dem Wasser in der Guanabara-Bucht, das IOC hielt dagegen, selbst die Weltgesundheitsorganisation hat sich eingeschaltet. Bach und Co. können sich darauf einstellen, dass es bis zur Eröffnungsfeier immer wieder Diskussionen geben wird, Gründe gibt es reichlich. Die Umsiedlungspolitik der Stadt, den Bau des Golfplatzes im Naturschutzgebiet Marapendi, die Verstrickungen von gleich sieben für Olympia-Projekte zuständige Bau-Großunternehmen in einen gewaltigen Korruptionsskandal um den Mineral-Öl-Giganten Petrobras“ (Rilke, Lucas, Hier soll in einem Jahr gespielt werden, in spiegelonline 5.8.2015). – Erste Opfer ein Jahr vor Rio 2016: „Bei den Testregatten ein Jahr vor dem Weltevent musste der koreanische Windsurfer Wonwoo Cho wegen stechender Kopfschmerzen, Kreislaufschwierigkeiten und Erbrechen zwischenzeitlich in ein Krankenhaus eingeliefert werden. (…) Auch deutsche Athleten hatten über die Zustände in der Guanabara Bay geklagt. ‚Der Geruch ist weiter unangenehm, und die Brühe sieht schlimm aus‘, sagte Laser-Topathlet Philipp Buhl. ‚Jeder sträubt sich vor dem Wasser‘, sagte 49er-Steuermann Erik Heil: ‚Überall, wo eine offene Stelle am Fuß, am Bein oder an der Hand ist, entsteht direkt eine Entzündung'“ (SID, Rio: schlimme Brühe, in SZ 22.8.2015). Der deutsche Segler Erik Heil nahm im August 2015 an einer Testregatta in der Guanabara-Bucht teil und musste ebenfalls anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Er „hat sich in dem verdreckten Olympiarevier vor Rio de Janeiro offenbar mehrere Infektionen an den Beinen und an der Hüfte zugezogen. (…) Beim Auslöser handelt es sich um multiresistente Keime“ (Infektionen bei deutschem Segler nach Testregatta, in spiegelonline 28.8.2015).
  
– Rio 2016 (II): Military Games
. Neues von der „friedlichen“ olympischen Bewegung: Amnesty International (AI) schreibt in seinem aktuellen Bericht „You killed my son: Killings by military police in Rio de Janeiro“, dass in den vergangenen fünf Jahren fast jeden Tag ein Mensch von Polizisten getötet wurde. „Allein in der Favela Acari im Norden der Stadt hat Amnesty klare Anzeichen dafür gefunden, dass es sich bei mindestens neun von zehn Fällen von Tötungen durch die Polizei im Jahr 2014 um außergerichtliche Hinrichtungen handelte“ (Brasilien: Tödliche Polizeigewalt in Rio de Janeiro, in amnesty,de 3.8.2015). – „Die Polizei von Rio de Janeiro hat laut einem neuen Bericht von Amnesty International in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1.500 Menschen getötet“ (AFP, Mordvorwürfe gegen Polizei, in SZ 4.8.2015). Der AI-Bericht erscheint ein Jahr vor Beginn der Olympischen Sommerspiele. „Für das Sportereignis sollen kommenden Sommer 85.000 Polizisten und Soldaten mobilisiert werden“ (Ebenda).

– Rio 2016 (III): „Olympia – für wen?“ Das fragen sich die Kritiker vom „Comitê Popular da Copa e das Olimpíadas do Rio de Janeiro“, die gerade Aktionstage gegen Rio 2016 initiieren. „Im Blickpunkt sind die Nachteile für die Bewohner von Rio de Janeiro, der Gastgeberstadt der Olympischen Spiele 2016: Räumungen von Armensiedlungen, die Sportstätten oder neuen Verkehrswegen weichen mussten, die Verdrängung von Straßenhändlern und -bewohnern im Stadtzentrum sowie ökologische Schäden. Zugleich könnten sich die Sponsoren und das IOC über saftige Gewinne freuen, während Investitionen, die eine lebenswerte Stadt ausmachen würden, nicht einmal erwägt werden, kritisieren die Comitê-AktivistInnen. (…) ‚Sport darf kein Geschäft sein‘, ist dort zu lesen, mit Hinweis darauf, dass es keinen wesentlichen Unterschied zwischen der Fifa und dem IOC gebe. Beiden gehe es vor allem um Profit, während die öffentliche Hand im Gastgeberland für einen Großteil der Kosten aufkommen müsse. (…) Besonders ärgerlich aus Sicht des Komitees ist, dass überhaupt nicht in den Breitensport investiert wird, während wenige HochleistungssportlerInnen gefördert würden, um eine Blamage im Medaillenspiegel zu vermeiden. (…) Ein weiterer Kritikpunkt ist der Bau eines neuen Golfplatzes mitten in einem Naturschutzgebiet am Atlantikstrand. Samt Extrageschenk an die Investoren: 22 20-stöckige Luxus-Wohnblocks dürfen sie auf dem Gelände bauen. Der Golfkomplex ist das krasseste Beispiel für Privatisierung und Umgehung bestehender Gesetze und Vorschriften im Namen von Olympia, klagt das Comitê Popular da Copa e das Olimpíadas do Rio de Janeiro an“ (Behn, Andreas, Die Verlierer stehen schon fest, in taz.de 23.8.2015).

– Bewerbung Almaty 2022: Nachrichten aus der Kasachstan-Diktatur. Ein Rückblick: Am 27.4.2015 wurde das offizielle Endergebnis der „Wahlen“ in Kasachstan bekannt gegeben. Gewonnen hat, wen wundert es, Diktator Nursultan Nasarbajew. „Der 74-Jährige erhielt laut dem (…) Endergebnis 97,7 Prozent der Stimmen. Damit kann der seit Anfang der Neunziger Jahre mit harter Hand regierende Nasarbajew die fünfte Amtszeit in Folge antreten“ (AFP, Sieg für Nasarbajew, in SZ 28.4.2015).

Peking 2022: Nachrichten aus der China-Diktatur (I). Der China-Korrespondent der SZ, Kai Strittmatter zu Peking 2022: „Die Gegend um Peking ist eine der trockensten der Erde, es herrscht katastrophale Wasserknappheit. In Peking liegt mehr Smog als Schnee in der Luft, Bürgermeister Wang Anshun selbst nannte deshalb seine Stadt ‚unbewohnbar‘. Im Ort Chongli, wo viele der Wettkämpfe stattfinden, fallen im Dezember und Januar nur zweieinhalb Millimeter Niederschlag“ (Strittmatter, Kai, Spiele der Heuchler, in SZ 1.8.2015). Zum Stichwort Menschenwürde und Olympische Sommerspiele 2008 in Peking schrieb Strittmatter: „Es sei klar, verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge 2008, dass die Spiele ‚viel dazu beitragen werden, die Lage der Menschenrechte in China zu verbessern‘. Das Gegenteil geschah. Chinas Hardliner benutzten die Spiele als Argument, um den Sicherheitsapparat aufzublasen, im Gefolge der Spiele überstieg das Budget für innere Sicherheit erstmals das für die Landesverteidigung. Heute verbrennen sich in China Tibeter, dem Internet wird noch das letzte Quäntchen freier Geist ausgetrieben, und die Zivilgesellschaft wird systematisch ausgerottet. KP-Chef Xi Jinping agiert noch repressiver als seine Vorgänger, in den vergangenen drei Wochen haben die Behörden mehr als 250 Bürgerrechtsanwälte und ihre Mitstreiter verhört, verschleppt und verhaftet“ (Ebenda). Die Rückgabe des Reisepasses an den Künstler Ai Weiwei ist für Strittmatter nur ein zynischer PR-Gag vor der Entscheidung des IOC für Peking 2022: „Andere sitzen weiter im Gefängnis: Die Journalistin Gao Yu, der uigurische Bürgerrechtler IlhamTohti, der Autor Liu Xiaobo, dem 2010 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. Tatsächlich ist China das erste Land, das die Olympischen Spiele zuerkannt bekommt, während es einen Friedensnobelpreisträger hinter Gittern sitzen hat. Liu Xiaobo hatte seine Freiheit übrigens am 9. Dezember 2008 verloren – keine vier Monate nach der Abschlussfeier der Sommerspiele in Peking. Die KP wird nun für ihre Chuzpe belohnt. Und alle Diktatoren der Welt dürfen sich in ihrem Verdacht bestätigt fühlen, dass alles hehre Gerede von Menschenwürde und Bürgerrecht bloß scheinheiliges Geschwätz ist“ (Ebenda).

– Peking 2022: Nachrichten aus der China-Diktatur (II). SZ-Reporter Kai Strittmatter traf sich im Juni 2015 in Peking mit dem Anwalt und Menschenrechtler Zhou Shifeng. „Ein Bekannter aus dem Apparat habe ihn angerufen, erzählte Zhou, und ihn gewarnt: ‚Pass auf, du bist der Nächste.‘ Dennoch, Angst habe er keine, sagte Zhou. Wie das? ‚Ich habe nichts Illegales getan. Was können sie schon tun?‘ Dann zählte er auf: ‚Mich festnehmen? Mich denunzieren im Staatsfernsehen? Als schlechten Menschen, als Betrüger?‘ Sechs Wochen später taten sie genau das. ‚Außerdem“, sagte Zhou, ‚bin ich der Chef einer Kanzlei mit vielen bekannten Anwälten. Wenn sie mich verschleppen, dann haben sie die am Hals.‘ Auch dafür fanden die Behörden eine Lösung: Sie steckten Zhous fünf Kollegen ebenfalls ins Gefängnis. Sofort nach den Festnahmen vermeldeten die Staatsmedien die ‚Zerschlagung eines bedeutenden Verbrechersyndikats‘. Damit war Zhous Kanzlei gemeint. Sie hatte sich einen Namen gemacht mit der Verteidigung von Opfern von Lebensmittelskandalen und illegalen Häuserabrissen, von misshandelten Petitionären und Feministinnen und von prominenten Andersdenkenden. (…) Schon im letzten Jahr kursierte ein Spruch: Früher seien in China die Anwälte hinter Gitter gegangen. Dann die Anwälte der Anwälte. Mittlerweile schnappe man die Anwälte der Anwälte der Anwälte. (…) Gleichzeitig ist der Parteichef Gefangener des Systems, das zu verteidigen er geschworen hat. Echte Unabhängigkeit der Justiz ist ihm ein Graus. Die KP muss weiter über allem stehen. (…) Die KP hat unter Xi Jinping nämlich wieder den Pranger eingeführt, eine Praxis, die China zuletzt in der Kulturrevolution pflegte. Seit zwei Jahren werden prominente politische Gefangene auf CCTV vorgeführt, lange bevor sie einen Gerichtssaal betreten, lange bevor sie ihren Anwalt zu Gesicht bekommen: reuig, geständig, gebrochen. Diese Filme werden von ernst dreinblickenden Sprechern mit einer kräftigen Prise Sex und Rufmord gewürzt und in den Nachrichten rauf- und runtergespielt“ (Strittmatter, Kai, Recht und Rache, in SZ 7.8.2015).

– Peking 2022: Nachrichten aus der China-Diktatur (III). Ein Artikel in Nature berichtet, chinesische Biologen hätten wegen der Skipisten der Olympischen Winterspiele aufgeschrien (Cyranoski, David, Chinese biologists lead an outcry over Winter Olympics ski site, in nature 11.8.2015). Junge chinesische Biologen sagten, dass die Pisten in einem geschützten Naturreservat liegen, das viele geschützte Arten wie Pekings einzige Shanxi-Orchideen beherbergt. Die geplanten Pistenbaustellen würden, so die Biologen, Umweltgesetze brechen und einen Präzedenzfall schaffen, der die bescheidenen Erfolge im Umweltschutz behindert. Die Online-Beiträge der Biologen in der chinesischen Social-Media-Webseite Weibo sind inzwischen nicht mehr aufzufinden.
Die geplanten alpinen Skipisten liegen genau im Herz des 4.600 Hektar großen Songshan Nationalparks. Der kürzlich zum Doktor promovierte Wang Xi hat am 1.2015 die Karten aus dem IOC-Evaluierungsreport mit denen der Nationalpark-Webseite montiert und festgestellt, dass sowohl der Start als auch das Ziel der alpinen Abfahrtsstrecken in das Gebiet des Nationalparks fallen. Xi teilte Nature mit, dass u. a. drei Orchideenarten betroffen seien, die unter der höchsten Schutzstufe im Pekings Artenschutzsystem stehen. Es gab von Wang Xis Mitteilung bei Weibo 240.000 Klicks – und zwei Tage später war nichts mehr im Internet. Der Entomologe Yun Ji hatte Xis Kartenmaterial kopiert und stellte dazu Informationen und Fotos über die seltensten und geschütztesten Pflanzen ins Netz, dazu Fotos von Vögeln, deren Lebensraum ebenfalls zerstört würde. Nach vier Stunden war auch Jis Weibo-Account nicht mehr erreichbar.
Weder das Olympische Komitee Chinas noch die Regierung in Peking haben dazu offizielle Erklärungen abgegeben. Am 7.8.2015 verkündete dann der stellvertretende Bürgermeister von Yanqing, dass Grenzen des Songshan-Nationalparks „angepasst“ würden und Teile des bisherigen Nationalparks verwendet würden, um „den nötigen Raum für lokale, nachhaltige Entwicklung zu schaffen und Ausgleich zwischen ökologischem Schutz und ökonomischer Wirtschaft zu fördern“ (Ebenda). Der Bürgermeister sagte, nach der „Anpassung“ würde es keine Überschneidung mehr geben zwischen den Skipisten und dem Nationalpark. Gemäß einer Regierungsanordnung von 2013 muss jemand, der die Grenzen von Nationalparks ändern will, einen Antrag vorlegen, der ein öffentliches Interesse bekundet, eine ökologische Bewertung und vier weitere Dokumente enthält. Xi und Ji konnten nirgendwo einen solchen Vorgang finden.
Peking 2022 fällt unter die IOC-Agenda 2020 – nichts Neues im IOC-Reich: Naturzerstörung as usual.

Peking 2022: Nachrichten aus der China-Diktatur (IV). Kai Strittmatter zu Peking 2008 und der Leichtathletik-WM im August 2015 in Peking:Und all die großen Versprechen auf mehr Offenheit? ‚Komplette Pressefreiheit‘ für ausländische Medien, hatten KP-Funktionäre einst angekündigt. Ein unzensiertes Internet. Saubere Luft. Und natürlich ‚die Verbesserung der Menschenrechte‘. Und auch das IOC sang das Lied Pekings. China gebe sich ‚große Mühe‘ bei den Menschenrechten, sagte Jacques Rogge vor Beginn der Spiele 2008. Mittlerweile muss man sagen: Bei jedem einzelnen dieser Punkte steht China heute schlechter da als damals. Selbst der Smog ist heute schlimmer. Hier immerhin hat die Regierung Abhilfe versprochen. Bei den Bürgerrechten ist mit Besserung erst mal nicht zu rechnen, im Gegenteil. 2008 stand China auf dem wenig ruhmreichen Platz 167 auf dem ‚Index der Pressefreiheit‘ von ‚Reporter ohne Grenzen‚. Im letzten Jahr war es auf Platz 175 abgerutscht. Die Zensur ist noch repressiver, Internet und soziale Medien sind unter KP-Chef Xi Jinping noch unfreier. Jene zarten Keime von Zivilgesellschaft, die damals zu sprießen begannen, werden von den Sicherheitsbehörden im Moment systematisch zertreten. In den letzten vier Wochen erst verhörten, verschleppten und verhafteten sie mehr als 260 Rechtsanwälte. Die wachsende Zensur in Netz und Medien, die Re-Ideologisierung an Universitäten und Think-Tanks hat dazu geführt, dass kritische Stimmen in China inzwischen noch seltener zu hören sind“ (Strittmatter, Kai, Mehr Stolz als Recht, in SZ 14.8.2015).

Sport-Demokratur bei den Schwimmern. Auch die Schwimmer landen beim Sport-Paten Scheich Al-Sabah aus Kuwait. Der Präsident des Internationalen Schwimmverbandes FINA, Julio César Maglione (*1935) aus Uruguay, ließ beim Kongress gerade ohne Widerstand die Amtszeitbeschränkung ändern, damit er 2017 ein drittes Mal gewählt werden kann. „Und 2019 wird dann Hussein al Mussalam gewählt, einer der engsten Freunde von Scheich Ahmad al Sabah“ (Becker, Christoph, “Ich sehe, wie unser Sport unter die Räder kommt”, in faz.net 3.8.2015).
Vergleiche auch: Die Sport-Demokratur

– Von Boston 2024 nach Los Angeles 2024. Das olympische Komitee der USA (USOC) wird wohl Los Angeles als Nachfolger der gescheiterten Bewerbung Boston 2024 benennen. Der Bürgermeister von L.A., Eric Garcetti, verwies auf die vom IOC geforderte Übernahme der Defizit-Garantie (an der Boston 2024 gescheitert war) und verwendete die üblichen Phrasen: „Ich denke, wir werden ökonomisch und sozial profitieren“ (Jamison, Peter, L.A. pushes to be U.S. candidate für 2024 Summer Olympics, projects $4-billion cost, in latimescom 10.8.2015).

– Sebastian Coe-Diack gewählt. Dem greisen IAAF-Langzeit-Präsidenten Lamine Diack (82) folgt der am 19.8.2015 gewählte Sebastian Coe, ein inzwischen gut vernetzter Sport-Millionär. Angesichts der massiven russischen Einflüsse auf die Leichtathletik-Funktionäre – und den immer noch aufzuklärenden russischen Doping-Skandalen -, war klar, dass es Coes Konkurrent, Sergej Bubka aus der Ukraine nicht schaffen würde. Peter Ahrens schrieb vor der Wahl in spiegelonline: „Ein echter Wille zur Aufklärung war bei Diack nie zu spüren. Ob die beiden Anwärter auf seine Nachfolge, Sebastian Coe und Sergej Bubka, damit beginnen werden, aufzuräumen, ist mindestens so undurchsichtig wie der Abgasdunst, in den sich Peking auch dieser Tage wieder hüllt“ (Ahrens, Peter, Peking? Doping? Kein Ding, in spiegelonline 18.8.2015). Vgl. auch: Die Leichtathletik-WM 2015 in Peking
Falls die IAAF den Dopingsumpf austrocknen würde, wäre ihre Geschäftsgrundlage unterminiert – siehe das olympische Motto: schneller, höher, stärker.

Tokio 2020 (I): Fahrradhelm geplatzt. Hallo Hamburg 2024: aufgepasst! Die ursprüngliche Bewerbung Tokio 2020 sollte kompakt und sparsam sein. „Fast die Hälfte der Wettkampfstätten existierten bereits, sie müssten nur erneuert werden, hieß es“ (Neidhart, Christoph, Tokios Fahrradhelm, in SZ 21.8.2015). Das neue Olympiastadion für Tokio 2020 sollte zunächst umgerechnet eine Milliarde Euro kosten. Der Entwurf von Zaha Hadid lag schnell beim Doppelten. Allein das „Schiebedach“ lag bei 220 Millionen Euro. Widerstand gab es aus den Tsunami-Gebieten: „Die Menschen dort wissen, dass der Wiederaufbau ihrer Küstenorte sich wegen der Bauerei für die Spiele weiter verzögern wird“ (Ebenda). 60 Prozent der Tokioter wollten ein modernisiertes altes Olympiastadion: Dessen Abbruch wurde aber schnell vom zuständigen Erziehungsministerium im Frühjahr 2015 begonnen und im Juli beendet. Kritiker, darunter zwei japanische Pritzker-Preisträger, warfen Hadids Entwurf Größenwahn vor: „Es hätte mit dem Entwurf frühere Olympia-Veranstalter übertreffen wollen, insbesondere Peking mit seinem ‚Vogelnest'“ (Ebenda). Andere wiesen auf die engen Beziehungen zwischen der Regierung und der Bauindustrie hin. „Zudem seien mehrere Nebenprojekte in Hadids Bau geschmuggelt worden, etwa das neue Hauptquartier des Olympischen Komitees von Japan. Der Steuerzahler hätte es bezahlt, ohne es zu bemerken“ (Ebenda). Nun stoppte der japanische Premier Shinzo Abe den Hadid-Bau. Neue Baupläne können erst ab 2017 realisiert werden: Die Zeit wird knapp. Inzwischen ist Japan in einer langjährigen Wirtschaftsrezession und hoch verschuldet: und kann sich das inzwischen viel zu teure Tokio 2020 realistischerweise gar nicht mehr leisten.

– Tokio 2020 (II): Zeitdruck. Das IOC hätte gern das Olympiastadion wie üblich schon sechs Monate vor der Eröffnungsfeier – im Januar 2020. IOC-Vizepräsident John Coates: „Wir haben nachdrücklich betont, dass die Übergabe im Januar stattfinden muss“ (IOC und Tokio streiten über Stadion-Fertigstellung, in zeit.de 25.8.2015). Aufgrund der kompletten Änderung der Baupläne wegen der ausufernden Kosten (siehe oben) gehen die Japaner davon aus, dass die Übergabe nicht vor April 2020 erfolgt.

– Graubünden: Bündner Olympia-Lobbyismus. Unverbesserlich: Die drei Dachverbände der Bündner Wirtschaft – der Gewerbeverband, die Handelskammer und der Arbeitgeberverband -, plus Hotelleriesuisse Graubünden erreichten, dass 90 Bündner Großräte einen Auftrag für eine neuerliche Kandidatur um Olympische Winterspiele unterzeichneten. Die Bündner Nationalrätin Silva Semadeni (SP) widersetzte sich der Bewerbung Graubünden 2022 und sagte zum neuerlichen Versuch: „Es ist eine Frechheit, zweieinhalb Jahre nach einem klaren Entscheid der Bündner Bevölkerung eine neue Kandidatur zu lancieren“ (Bisculm, Strefan, Olympiagegner kündigen Widerstand an, in Südostschweiz 29.8.2015). Die Befürworter verweisen auf die IOC-Agenda 2020, die angeblich dem Gigantismus entgegenwirken soll. „Semadeni fehlt der Glaube an den Reformwillen des IOC. ‚Die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 nach Peking hat es gezeigt: Olympia bleibt gigantisch. Graubünden braucht andere Perspektiven‘. Ins gleiche Horn stösst Stefan Grass, ehemaliger Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden. In seinen Augen hat sich mit der Agenda 2020 nichts geändert. ‚IOC-Präsident Thomas Bach fährt eine Pseudoagenda, weil er wieder mit Europa ins Geschäft kommen will.‘ Europa hat sich in den letzten Jahren von Olympia abgewendet. Neben Graubünden hatten auch Oslo, München und Stockholm dem IOC einen Korb gegeben. Grass glaubt, dass die Austragungsorte auch mit der Agenda 2020 vom Profit, welchen das IOC mit Olympischen Spielen erwirtschaftet, wenig sehen wierden. ‚Das IOC ist eine Geldmaschine und sie wird auch in Zukunft vor dem Zuschlag keine Verbindlichkeiten mit den Austragungsorten eingehen'“ (Ebenda).

– Olympia-Lobbyist und Schweizer Sportminister: Ueli Maurer. Der damalige Bundespräsident und Propagandist von Graubünden 2022, Ueli Maurer, besuchte gefühlte hundert Mal in seiner Amtszeit den Kanton Graubünden, um für die Bewerbung um Olympische Winterspiele Graubünden 2022 zu werben. Nun wirbt Maurer für Graubünden 2026: „Ja, ich bin für eine erneute Schweizer Olympia-Kandidatur“ (Tribelhorn, Marc, Häfliger, Markus, „Für eine erneute Olympia-Kandidatur“, in nzz.ch 29.8.2015). Leider erzählt Maurer für 2026 ähnlich ungenaues wie damals für die Bewerbung 2022. Er sagt nicht, dass die Schweiz dem IOC eine UNBEGRENZTE DEFITZITGARANTIE abgeben muss, sondern spricht nur von einer Milliarde Franken Zuschuss durch die Bundesregierung. 
Bei der Abwahl von Graubünden 2022 waren genau diese Fakten entscheidend: Der Host City Contract mit seinen Knebel-Bedingungen stand der Graubündner Bevölkerung öffentlich zur Verfügung. Ich finde es schade, dass viele Politiker ihre Wähler einfach falsch informieren. Sobald sie diese allerdings wahrheitsgetreu informieren, wird die olympische Bewerbung abgewählt oder abgeblasen, siehe München 2022, Oslo 2022, Krakau 2022.

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III: Aktuelle Sportsplitter von DOSB und den deutschen Sportverbänden

– Spitzensport ohne Staat?! Christian Hönicke fragte sich im Berliner Tagesspiegel, warum Deutschland 2015 über 153 Millionen Euro (ohne Sportsoldaten!) für den Sp(r)itzensport ausgibt, und warum der deutsche Bundes-Sportinnenminister Thomas de Maizière – angesichts der aktuellen Dopingenthüllungen – mehr Medaillen fordert. „Der Glanz der Sportler soll das Prestige des Landes mehren. Thomas de Maizière, als Bundesinnenminister für den Sport zuständig, forderte unlängst ‚mindestens ein Drittel mehr Medaillen‘ und begründete das mit der ‚Tradition in beiden deutschen Staaten‘ und ‚unserer Wirtschaftskraft‘. Eine fragwürdige Argumentation, die die Dopingtradition der beiden deutschen Staaten völlig ausklammert. Und auch den Umstand, dass sich die deutschen Sportler im Kampf um die Medaillen mit mutmaßlich gedopten Athleten messen müssen. Wenn schon der oberste Dienstherr seine Schutzfunktion gegenüber den deutschen Sportlern derart geschichts- und realitätsfern einnimmt – wer soll sie dann schützen? (…) Muss der Steuerzahler eigentlich für den Betrieb eines Milliardengeschäft aufkommen? Es gibt auch eine radikalere Alternative: Der Staat geht raus aus dem Spitzensport, komplett. Gedopt würde dann sicher auch. Aber immerhin nicht mit Steuermitteln“ (Hönicke, Christian, Muss sich der Sport aus dem Spitzensport zurückziehen? in tagesspiegel.de 4.8.2015).

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IV: Chancenlose Bewerbung Hamburg 2024

– Die Diplomaten vom IOC. „Mitte Juli traf sich in Hamburg eine kleine Runde von Experten, die Fragen des Zollverkehrs während Olympischer Spiele erörterte“ (Ludwig, Udo, Ulrich, Andreas, Olympische Diplomaten, in Der Spiegel 32/1.8.2015). Der Hintergrund: Das IOC könne den Anspruch haben, „dass seine Mitglieder während der Veranstaltung von Zollkontrollen weitgehend ausgenommen werden“ (Ebenda). Die IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau sprach in diesem Zusammenhang eine ganz andere Problematik an, dass nämlich „die Athleten ihr Sportequipment problemlos ein- und ausführen können, ohne hierfür Zölle erbringen zu müssen“ (Ebenda). Die Spiegel-Autoren halten es dagegen in Bezug auf die IOC-Mitglieder für „schwer vorstellbar, dass sie sich freiwillig am Hamburger Flughafen in die Schlange bei der Gepäckkontrolle einreihen würden“ (Ebenda). 

– Schwank, Hörmann und Vesper in Kuala Lumpur. Die Heroen der Bewerbung Hamburg 2024, Bernhard Schwank (DOSB), Alfons Hörmann (DOSB) und Michael Vesper (DOSB), warben bei der IOC-Session in Kuala Lumpur für Hamburg. Schwank: „Alle IOC-Mitglieder wissen inzwischen, dass sich Hamburg bewirbt. Wir stoßen auf große Neugier und großes Interesse“ (Schirmer, Andreas, Hamburgs Streben nach mehr Bekanntheit, in welt.de 3.8.2015).
Das hatte Schwank kurz vor der Pleite der Bewerbung München 2018 am 6.7.2011 in Durban auch so erzählt.

– „Feuer & Flamme“ geht vorsichtshalber auf Nummer sicher. Die Olympia-Initiative und das Hamburger Abendblatt promoten Hamburg 2024 mit einer Veranstaltungsreihe – und mit den üblichen Verdächtigen. So diskutierten am 6.8.2015: – Oberbaudirektor Jörn Walter (Hamburg), – Lutz Basse (Vorstandsvorsitzender SAGA GWG/Immobilienwirtschaft), – Wolfgang Maenning (Professor für Wirtschaftswissenschaften Uni Hamburg, unterstützte die Bewerbungen München 2018 und 2022), – Yvonne Frank (Hockey-Nationalspielerin), – Katja Kraus (Geschäftsführung Jung von Matt/Sports), – Dieter Becken (Inhaber Becken Holding/Immobilienwirtschaft), Rainer Eichholz (Geschäftsführer Zech Group/Immobilienwirtschaft), Gabriel Nießen und Benedikt Schroeter (beide AStA HCU – als zwei Alibi-Gegner), Ulrike Riedel (Vorstand Hamburger Hochbahn), Thorsten Testorp (Geschäftsführender Gesellschafter B&L Gruppe/Immobilienwirtschaft), Marc Ziemons (Assoziierter Partner gmp Architekten – vgl. Sportpalast-Architekten) sowie Professor Albert Speer (Geschäftsführender Gesellschafter AS&P, vgl. Sportpalast-Architekten). Macht elf Befürworter gegen zwei Gegner – in etwa die Verhältnisse auf den Diskussionspodien bei den Bewerbungen München 2018 und München 2022.

– AStA der Hamburger Universität wird verklagt. Der RCDS will vor das Verwaltungsgericht ziehen, weil der AStA für eine Anti-Olympia-Kampagne 5.000 Euro zur Verfügung gestellt hat: Der AStA müsse ein Pro & Contra aufzeigen (Koch, Jakob, Uni-Konservative wollen Klage gegen AStA einreichen, in welt.de 5.8.2015).
Schon interessant, dass Herr Alexander Otto/ECE und Fritz Horst Melsheimer, der Präses der Industrie- und Handelskammer Hamburg, gleichzeitig Millionen Euro für ihre Pro-Hamburg-2024-Initiative sammeln dürfen.

– À propos IHK Hamburg (I). Die Initiative „Die Kammer sind wir“ konnte als Opposition bei den Wahlen 2014 zwölf von 66 Sitzen im IHK-Plenum erringen. Als Folge musste Präses Fritz Horst Melsheimer das Gehalt seines Hauptgeschäftsführers Hans-Jörg Schmidt-Trenz veröffentlichen: Neben dem Dienstwagen gab es ein Festgehalt von 370.000 Euro plus Tantiemen von rund 105.000 Euro plus Nebeneinkünfte von 5.000 Euro, macht rund 480.000 Euro (Preuß, Olaf, Handelskammer legt Chefgehalt offen in welt.de 7.8.2015). Man gönnt sich ja sonst nix. Zum Vergleich: Erster Bürgermeister Olaf Scholz 177.577,44 Euro, Bundeskanzlerin Angela Merkel rund 221.300 Euro (Stürmlinger, Daniela, Handelskammer-Geschäftsführer verdient bis zu 475.000 Euro, in abendblatt.de 6.8.2015).
Zur Erinnerung: In der IHK sind alle Unternehmen Zwangsmitglieder. Und die Leitungen der IHKs gehen mit den Mitgliedsbeiträgen um, als wenn es ihr eigenes Geld wäre: Die IHK München hat vehement die Bewerbung München 2022 unterstützt (und daneben ihren Stammsitz für über zwölf Millionen Euro sanieren lassen). 

– À propos IHK Hamburg (II). Angeblich sind 69 Prozent der IHK-Mitgliedsunternehmen für Hamburg 2024. „Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Telefonbefragung des Meinungsforschungsinstitutes TNS Emnid im Auftrag der Handelskammer unter ihren Mitgliedern“ (Ebenda). Die 1.508 Firmen wurden im Auftrag der IHK Hamburg „repräsentativ ausgewählt“, was immer das heißen mag.
Es könnte also sehr wohl sein, dass die Vorgabe bei der Auswahl der Firmen „Pro-Hamburg-2024“ war. So wie für die Bewerbung München 2018 und 2022 mal schnell sportaffine Menschen befragt wurden: nicht gerade ein Musterbeispiel für Demoskopie.

– Sicherheit 2024: Geht ja gut los. Unter der Federführung der Hamburger Innenbehörde zusammen mit dem Bund soll eine „Projektgruppe 4: Sicherheit“ so schnell wie möglich ein Sicherheitskonzept für Hamburg 2024 ausarbeiten. „Doch die Projektgruppe hat es noch nicht einmal geschafft, sich zu konstituieren. Und das liegt offensichtlich daran, dass die federführende Innenbehörde noch nicht einmal weiß, dass sie damit beauftragt ist, das Planungsteam zu initiieren. Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde, betont nach Rücksprache mit dem für die Olympia-Sicherheit zuständigen Innenstaatsrat Bernd Krösser (SPD): ‚Dass es eine solche Projektgruppe geben soll, ist der Behörde nicht bekannt'“ (Carini, Marco, Mit Sicherheit noch nichts passiert, in taz.de 6.2015). Die Initiative NOlympia befürchtet dagegen: „Kommt Olympia nach Hamburg, wird die Stadt einer Festung gleichen: Polizeisperren, schwerbewaffnete Uniformierte überall, verstärkte Kameraüberwachung und der Einsatz des Militärs sind nur einige Aspekte dessen, wie der öffentliche Raum für die Spiele reguliert (…) Auch der Nachwuchs des kleineren Koalitionspartners, die ‚Grüne Jugend‚, lehnt Olympia in Hamburg ab, weil sich die Stadt in eine ‚Hochsicherheitszone‘ verwandeln dürfte. Die Parteijugend prognostiziert ‚Militärschiffe auf der Elbe, private Firmen, die den öffentlichen Raum mit Kameras überwachen und ein hermetisch abgeriegeltes olympisches Dorf’“ (Ebenda).

– Die Linke: „NOlympia in Hamburg“. Mehmet Yildiz und Özgur Yildiz haben eine 26-seitige Broschüre zusammengestellt: NOlympia in Hamburg – Risiken der Bewerbung und Austragung Olympischer Spiele, Hamburg, August 2015 (zur pdf: hier). Der Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft, Mehmet Yildiz, im Interview: „Wir lehnen Olympische Spiele in der jetzigen Form ab, weil es dem IOC nicht um Völkerverständigung geht oder darum, die Weltjugend des Sports zusammenzubringen, sondern nur um Profit für einige Sponsoren und Lobbyisten. Die Länder und Städte sollen die Kosten übernehmen und still sein. Ansonsten profitieren sie nicht. (…) Was jetzt schon auffällt ist, dass Kritiker in den Vereinen mundtot gemacht werden. Finanzielle Unterstützung vom Senat etwa bei Sportfesten gibt es nur, wenn das Olympia-Logo verwendet wird. Dabei sind gerade viele kleinere Vereine gegen diese Spiele, weil sie und ihre Sportstätten auch nicht profitieren werden, im Gegenteil: Manche Sport- oder Schwimmhalle wird inklusive Vorbereitung, Pause und Paralympischer Spiele sechs Monate bis ein Jahr geschlossen sein“ (Heike, Frank, „Massive Verschwendung von Steuergeldern“, in faz.net 15.8.2015; Hervorhebung WZ).

– Partei Die Linke gegen Hamburg 2024 – die Fraktionsvorsitzenden im Interview mit der WeltSabine Boeddinghaus: „Es ist doch aber unstrittig, dass die Olympischen Spiele nicht zu 100 Prozent in der Regie von Hamburg liegen werden, sondern innerhalb der Regeln des IOC und des DOSB. Wir werden für dieses Großereignis viele Kröten schlucken müssen, und das heißt am Ende viele Steuergelder. Zudem spielt der Sicherheitsaspekt eine Rolle, auch werden Bürgerrechte stark eingeschränkt. Die Stadt wird die Kosten beim Rückbau oder der Reinigung tragen müssen. Ganz abgesehen davon wird sich Olympia negativ auf den Wohnungsbau und die Stadtentwicklung auswirken, die Mieten werden steigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Linke das Hinterfragen unterstützt. Wir sind nicht allein, denn es gibt Initiativen wie Stop Olympia oder (N)Olympia. (…) So, wie Olympia mittlerweile pervertiert ist, unter den IOC-Vorgaben stattfindet und im Zusammenhang mit Doping, ist es für uns grundsätzlich unvorstellbar. Allenfalls, wenn wir zurück auf null gehen würden. Aber das kann ich mir unter den Prämissen des global agierenden Kapitalismus nicht vorstellen. Es wird zu sehr mit Geld jongliert, mit Macht und dem Missbrauch davon“ (Werner, Jana, „Der Olympia-Hype ist unreflektiert“, in welt.de 10.8.2015). – Cansu Özdemir: „Bei der Flüchtlingsproblematik scheitert die menschenwürdige Unterbringung auch an der Schuldenbremse. Obwohl jetzt viel Geld bereitgestellt wird, können wir keine Mindeststandards einführen. Warum können wir nicht die vielen leer stehenden städtischen Gebäude herrichten und als Unterkünfte nutzen? Es gibt so viele Einrichtungen in Hamburg, die zum Überleben immer wieder aufs Neue um ein paar Tausend Euro kämpfen müssen. Warum aber ist es so einfach, so viel Geld in Olympia zu investieren? Bei Olympia zieht das Argument der Schuldenbremse plötzlich nicht mehr“ (Ebenda).

– „Kulturolympiade“ ohne Geschichtswerkstatt St. Georg. Die Hamburger Kulturbehörde forderte u. a. die Geschichtswerkstatt St. Georg auf, sich an der „Kulturolympiade“ zu beteiligen. Zitat aus der Ablehnung der Geschichtswerkstatt: „Nun also noch das: Auch wir GeschichtswerkstättlerInnen sollen uns an einer „Kulturolympiade“ beteiligen, deren Ideen und Erträge am 28. September präsentiert werden, damit sie noch eingehen in die allseitige Pro-Olympia-Beeinflussung der BürgerInnen. In dieser Stadt bekommt man eh schon seit Monaten den Eindruck, dass das Referendum am 29. November nur noch eine Farce ist: Die Handelskammer, der Senat, das Abendblatt, der HVV usw., alles trommelt. Wir aus der Geschichtswerkstatt machen da nicht mit, so das einhellige Votum ihres Vorstandes. Wir halten nichts von der Bewerbung Hamburgs um die Olympischen Spiele. Die um sich greifende Eventisierung, die völlig unklaren (und weiter geheim gehaltenen bzw. kaschierten) Kosten, die voranschreitende Gentrifizierung, Zehntausende neue Hotelbetten und Gastrobetriebe, ein gigantisches Sicherheitsprogramm und die drastische Beschneidung von Rechten und öffentlichem Raum – all das trifft unser Viertel in besonderem Maße, all das sind Aspekte eines Olympia-Hypes, der einer aufgeklärten Stadtgesellschaft und einer von uns geförderten Stadtteilidentität diametral entgegensteht“ (zitiert nach www.nolympia-hamburg.de 11.8.2015).

– Olympia-Indoktrination: Senat erarbeitet „Handreichung“. „Befremden löst derweil die Schulbehörde bei der fraktionslosen Bürgerschaftsabgeordneten Dora Heyenn aus. Auf ihre Kleine Anfrage teilte der Senat ihr jetzt mit, dass die Behörde für abstimmungsberechtigte SchülerInnen ab 16 Jahren ‚eine Handreichung‘ erarbeite, um sie zur Teilnahme am Olympia-Referendum zu motivieren. Das wiederum alarmiert Heyenn, denn beim Volksentscheid ‚Unser Netz‘ 2013 hatte die Schulbehörde ‚eine völlig einseitige Broschüre‘, so Heyenn, verfasst, die auf ihren Protest hin eingestampft wurde. Die neuerliche Broschüre werde sie deshalb ‚ganz genau auf Neutralität prüfen‘, kündigt sie an. Zugleich attestiert sie dem Senat ‚einen speziellen Humor“. Denn dieser werde, so antwortet er Heyenn, ‚entsprechend dem Sachlichkeitsgebot in der Bevölkerung nicht für die Olympiabewerbung werben'“ (Veit, Sven-Michael, Beamte spielen nicht, in taz.de 11.8.2015).
Der Hamburger Senat lässt also die Hamburger Schüler ab 16 (Abstimmungsalter!) bearbeiten, damit sie am 29.11.2015 mit „JA“ stimmen. Neutralität sieht anders aus. Das erinnert stark an die Bewerbungen München 2018 und 2022!

– Hafenumbau unter Olympiaplanung. Bei einem erfolgreichen Referendum in Hamburg am 29.11.2015 will die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) mit den Planungen für Hamburg 2024 beginnen. „Der Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH) verlangt, dass Entscheidungen über die Umsiedlungen von Unternehmen frühestens 2017 getroffen werden dürfen, sofern das Internationale Olympische Komitee (IOC) dann eine Entscheidung für die Austragung der Spiele 2024 in Hamburg trifft. Der UVHH beklagt unter anderem, dass von einer Umsiedlung betroffene Unternehmen bis zu einer IOC-Entscheidung keine Planungs- und Rechtssicherheit hätten (…) “ (Preuß, Olaf, Olympiaplanung im Hafen soll noch 2015 starten, in welt.de 19.8.2015).
Das Chaos durch die Räumung des Kleinen Grasbrooks mit sämtlichen Hafenbetrieben plus dem darauffolgenden Aufbau der olympischen Bauwerke im Zeitraum 2017 bis 2024 kann man sich jetzt schon lebhaft vorstellen!

– BUND Hamburg kritisch. „Nach den Erfahrungen mit anderen Großprojekten in der Hansestadt sieht der BUND Hamburg die Olympia-Bewerbung kritisch“ (BUND Hamburg, Olympia in Hamburg – ja oder nein, BUNDmagazin Hamburg 3/2015, S. 4 und 5). Hauptkritikpunkte: ungenügendes Flächenmanagement, unklare Kosten, Flächen für Umsiedlung der Hafenbetriebe unklar, Natur- und Artenschutz ungeklärt, „Olympic City“ unter Druck der privaten Investoren etc. Beim Referendum am 29.11.2015 droht eine einseitige Werbeschlacht zugunsten Hamburg 2024. Zur Stellungnahme hier

– Hamburger Rechnungshof kritisch. Genannt werden u. a. die finanzielle Dimension, die zeitliche Enge für Planungen, die notwendige Akzeptanz der IOC-Regularien (Rechnungshof der Freien und Hansestadt Hamburg, Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg – Vereinbarkeit mit einer nachhaltigen Finanzwirtschaft, Hamburg 17.7.2015). Hier wird explizit der Vertrag mit der Gastgeberstadt (Host City Contract, HCC) erwähnt. Für den Rechnungshof ist die „irreversible Bindung an das Bürgerschaftsreferendum“ unvertretbar: Die Bürgerschaft muss das Recht haben, beim Eintreten bestimmter Umstände auszusteigen. Dazu gehören: – die Nichteinhaltung der Schuldenbremse, – erhebliche Kostensteigerungen, – die Unmöglichkeit der zeitlichen Realisierung, – zu hohe Kosten der Spiele für Hamburg im Vergleich zum Nutzen, – „rechtlich und wirtschaftlich inakzeptable Bedingungen des IOC, insbesondere im Hinblick auf die Übernahme unbeschränkter Gewährleistungen durch die Freie und Hansestadt Hamburg“ (A.a.O., S. 54f; Hervorhebung WZ). – „Besonders scharf kritisiert der Rechnungshof den Gastgeberstadtvertrag (‚Host-City-Vertrag‘), den Olympiabewerber wie Hamburg mit dem IOC abschließen. Der Vertrag regelt den Ablauf, die Planung und die Finanzierung der Spiele und wird immer wieder als ‚Knebelvertrag‘ kritisiert, in München war die Olympiabewerbung für 2022 unter anderem deshalb gescheitert, weil die Bürger diesen Absprachen misstrauten. Denn der Vertrag enhält zahlreiche Zusatzklauseln, die Bewerberstädte müssen weitreichende Garantien übernehmen. ‚Die sich hieraus ergebende, nahezu vollständige Verlagerung aller Risiken, insbesondere auch der Haftungsrisiken, auf die Freie und Hansestadt Hamburg führt zu einer deutlichen Unausgewogenheit von Leistung und Gegenleistung‘, heißt es beim Rechnungshof. Die mit Abgabe einer Bewerbung verbundene Verpflichtung der Gastgeberstadt dürfe nicht bedeuten, dass der Vertragsinhalt einseitig und unverhandelbar vom IOC vorgegeben wird“ (Woldin, Philipp, Rechnungshof warnt vor Risiken bei Olympiabewerbung, in welt.de 20.8.2015). Dazu wird das „noch nicht quantifizierbare Risiko aus der erwartbaren Übernahme von Gewährleistungen gegenüber dem IOC“ genannt. Zum kompletten RH-Papier: hier
Nachtrag: Der Rechnungshof hat am 21.8.2015 bedauert, dass das 55-seitige Papier der Öffentlichkeit bekannt wurde. Es sei lediglich ein „Prüfentwurf“ und noch nicht die Auffassung des Rechnungshofes (Stellungnahme, Hamburg 21.8.2015). Der Senat wies alle Bedenken im Papier des RH zurück. „Überrascht zeigt sich der Senat, dass der Rechnungshof unterstellt, der Vertrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werde wirtschaftlich inakzeptable Bedingungen enthalten. Der sogenannte Host City Contract liege bisher nicht vor, werde sich aber von früheren deutlich unterscheiden, heißt es in dem Senatspapier“ (Olympia:Senat weist Kosten-Warnung zurück, in ndr.de 21.8.2015).
Der neue Host City Contract wird sich nur minimal vom alten unterscheiden: nämlich genau bei den Punkten, die in der IOC-Agenda 2020 angesprochen wurden. Das sind größtenteils nur Details. Der IOC-Knebelvertrag bleibt der IOC-Knebelvertrag.
Kommentar von Marc Widmann in zeit.de: „Es ist erfreulich, wie tief sich Politiker und Journalisten in Hamburg in der vergangenen Woche über ein 55-seitiges vertrauliches Papier des Rechnungshofes gebeugt haben. Die Institution äußerte darin grundlegende Bedenken zur Olympiabewerbung – und löste ein enormes Echo aus. (…) Natürlich muss der Rechnungshof auf das Risiko hinweisen, das eine Bewerbung um die Spiele 2024 für die Stadt bedeutet. Auch ein Vergleich mit der Elbphilharmonie ist legitim: Wieder geht es um ein Projekt mit weltweiter Austragung, wieder ist eine erstaunliche Euphorie ausgebrochen, wieder sind kritische Einwände kaum zu vernehmen“ (Widmann, Marc, Die Spiele vor den Spielen, in zeit.de 27.8.2015).

– Kosten für Hamburg 2024 erst ab 2017 bekannt. Beim Referendum in Hamburg am 29.11.2015 werden keine auch nur annähernd präzisen Kosten bekannt sein. Die Frage, was Olympische Spiele 2024 in Hamburg in etwa kosten, wird – nur näherungsweise – erst nach der Vergabe der Spiele durch das IOC präzisiert werden. „Das wäre allerdings erst 2017 – und damit deutlich nach dem rechtlich bindenden und später nicht mehr änderbaren Referendum“ (DPA, 100 Tage vor Referendum: Kosten für Olympia sind unklar, in shz.de 20.8.2015).
Alle Hamburger, die am 29.11.2015 mit „Ja“ für Hamburg 2024 stimmen, kaufen also die Katze im Sack.

– NOlympia Hamburg: Hamburg 2024 dient Privatinteressen. Nach dem Bekanntwerden des Rechnungshof-Papiers sahen die Kritiker der Bewerbung ihre Kritikpunkte bestätigt. „Zudem kritisierten die Aktivisten die proolympischen Akteure als wirtschaftliche Profiteure der Spiele, mit dem Ziel, den Kleinen Grasbrook ‚zu privatisieren‘. Prominentestes Beispiel sei der ECE-Konzern, der im Besitz der Otto-Familie ist und die Olympiabewerbung stark vorantreibt. Diese Immobilienfirma profitiere von einem möglichen Bauboom rund um Olympia, die von dem Konzern mitveranstalteten runden Tische ‚Hamburg diskutiert die Spiele‘ seien deshalb reine Lobbyveranstaltungen und keine ergebnisoffenen Diskussionen. Ähnliches gelte für das Architekturunternehmen GMP, das den Masterplan miterstellt hat. Diese seien verantwortlich für die Kostenexplosion beim Flughafen in Berlin und ‚Experten für steigende Kosten'“ (Woldin, Philipp, Die Hauptfehler der Bewerbung – aus Kritikersicht, in welt.de 26.8.2015). Michael Rothschuh von NOlympia Hamburg: „Die Olympia-Begeisterung in der Bevölkerung bröckelt… Die Bewerbung für 2024 ist nur als Probelauf für 2028 gedacht. So kann man die Hamburger nicht hinters Licht führen“ (Lorenz, Markus, Olympia-Gegner geben Bürger-Referendum nicht verloren, in shz.de 26.8.2015). Nicole Vrenegor, NOlympia Hamburg: „Der Senat verwechselt PR mit fundierter Informationspolitik“ (DPA, NOlympia fordert Bewerbungsverzicht 2024, in kn-online.de 26.8.2015). Florian Kasiske, NOlympia Hamburg: „Mit der Olympiabewerbung gibt Hamburg die Schlüssel für die Stadt an das IOC ab“ (Ebenda).
Zur Zusammenfassung der „Acht Mythen rund um die Hamburger Olympia-Bewerbung“ von NOlympia Hamburg: hier

Verhandlungen um Moldau-Hafen. Die Wasserstraßendirektion in Prag verhandelt mit Hamburg über einen Grundstückstausch. Der „Tschechen-Hafen“ in Hamburg ist der wichtigste Hafen für die Tschechische Republik. Aber das Anbieten von Ersatzflächen wird schwierig. Der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, Gunther Bonz: „Es ist ja gemeinhin bekannt, dass die Wasserflächen im Hafen ausgesprochen knapp sind“ (Rehrmann, Marc-Oliver, Olympia: Geheimgespräche über Tschechen-Hafen, in ndr.de 26.8.2015).

– Senats-Flyer: „Abstimmungshilfe“ für den 29.11.2015. NOlympia Hamburg möchte bis zum 16.9.2015 mindestens 10.000 Unterschriften sammeln, damit ihre Stellungnahme „Argumente für ein NEIN zu Olympia“ in das Hamburger Informationsheft aufgenommen wird, das Ende Oktober an die Haushalte verteilt werden soll. Der Senat will eine olympiakritische Position aufnehmen – allerdings natürlich nicht die Version von NOlympia (Woldin, Philipp, Olympia-Skeptiker kämpfen um Formulierungen, in welt.de 27.8.2015).

– Schon wieder: Bewerbung als „nationales Anliegen“. Am 15.12.2010 sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel im Zusammenhang mit der Bewerbung München 2018 von einem „nationalen Anliegen im gemeinsamen Interesse von Bund, Ländern und Kommunen“ ((Merkel: Olympia 2018 ist nationales Anliegen, in merkur-online 15.12.2010; Merkel unterstützt Olympiabewerbung, in SZ 16.12.2010). – Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann verwies auf die so deklarierte “Nationale Aufgabe”: “Offenbar ging es darum, ob gebührenfinanzierte Sender die Olympiabewerbung als ‘Nationale Aufgabe’ offensiv unterstützen dürfen” (Riedel, Katja, Sendepause für Olympia, in SZ 26.3.2011). Und auch bei Hamburg 2024 betonte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Ole Schröder: „Die Bewerbung für Olympia ist ein nationales Anliegen“ (Olympische Spiele 2024 in Hamburg: Ein gesamtdeutsches Ziel, in bmi.bund.de 28.8.2015).

– ARD will schon wieder mehr Geld – mit der Begründung Hamburg 2024. 8,4 Milliarden Euro im Jahr 2014 für die Öffentlich-Rechtlichen Sportsender reichen nicht mehr. ARD-Vorsitzender Lutz Marmor äußert Finanzwünsche, u. a. für Sport – mit der Begründung der Bewerbung Hamburg 2024: „Beim Sport muss man aber sagen: Bestimmte Rechte hätten wir gerne weiterhin, dazu bekenne ich mich. An Sublizenzen für Olympia haben wir durchaus Interesse. Wie das aussehen könnte, ist offen, vom neuen Rechteinhaber Discovery gibt es noch keine Angebote oder Gespräche. Und wir können nicht jeden Preis zahlen, das ist klar. Aber stellen Sie sich mal vor, die Olympischen Spiele kämen wirklich nach Hamburg, und der öffentlich-rechtliche Rundfunk stünde vor der Tür. Das fände ich im Interesse unserer Zuschauer keine sehr wünschenswerte Vorstellung“ (Tieschky, Claudia, Die Reseren sind aufgebraucht, in SZ 29.8.2015; Hervorhebung WZ).
Vergleiche auch: Eurosport

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V: Allgemeine Nachrichten

– Schneller, höher, stärker: jünger. Die zehnjährige Schwimmerin Alzain Tareq aus Bahrain startete bei der Schwimm-WM in Kasan/Russland über 50 Meter Schmetterling und 50 Meter Freistil. Der zwölfjährige Ahnt Khaung Htut aus Myanmar startete über 100 Meter Brust. Der Welt-Schwimmverband FINA hat keine Altersbeschränkung (DPA, Mit zehn bei der WM, in SZ 6.8.2015).

– Der Coca-Cola-Konzern: Coca-Cola macht nicht fett. Coca-Cola ist einer der Hauptsponsoren von Fifa und IOC. Der hohe Zuckergehalt ist zweifelsfrei zuständig für die Fettleibigkeit vieler Jugendlicher und Erwachsener. „Wohl deshalb betreibt der Konzern in den USA jetzt eine neue Strategie, um seine Klientel bei Trinklaune zu halten: Statt bloß die Marke zu pflegen, sponsert das Unternehmen ein Forschungsgremium. Es heißt Global Energy Balance Network. Und wie es der Zufall will, propagieren die honorigen Experten des Forschungsverbundes eine brausefreundliche Botschaft: Nicht die Limo macht nämlich dick, sondern der Bewegungsmangel. Wer würde das nicht gerne glauben? Viele Leute möchten guten Gewissens ihr Fast Food futtern und ihre Coke trinken, die je Liter immerhin 420 Kilokalorien liefert. Aus purem Zucker. Dafür müssen sich diese Menschen halt etwas mehr bewegen. Schon stimmt die Energiebilanz“ (Zinkant, Kathrin, Klebrige Argumente, in SZ 11.8.2015) Matthias Schulze, Professor am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam, stellt klar: „Wer abnehmen will, dem kann Bewegung zwar helfen. Aber es funktioniert vor allem, wenn auch die zugeführte Energiemenge reduziert wird“ (Ebenda). Auch die Professorin und Ernährungsforscherin Marion Nestle hält Sport zur Reduzierung einer übermäßigen Energiezufuhr für nicht ausreichend: „Normaler Sport ist nicht genug, um eine übermäßige Energiezufuhr auszugleichen“ (Ebenda). – „Nicht zuletzt zeigen das Studien, in denen Übergewichtige durch Sport versuchten abzunehmen. Vergeblich. Und dass zuckerlastige Getränke dick machen, haben gerade jene Untersuchungen belegt, die nicht von der Industrie finanziert waren“ (Ebenda).

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VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa, DFB etc.

– „Ein Elend namens Fifa. Tim Röhn in welt.de zur Kandidatur von Uefa-Präsident Michel Platini um Blatters Nachfolge als Fifa-Präsident: „Frankreichs ehemaliger Nationalspieler Michel Platini stilisiert sich zum Erneuerer des Weltfußballs. Dabei ist er tief in das System Sepp Blatter verstrickt. (…) Platini ist in seiner Karriere als Fußballchef nicht als Reformer oder Visionär aufgefallen. (…) Am Ende geht eben nichts über die Familie, so sieht es sowohl Blatter als auch Platini. Bei ihm spricht nichts dafür, dass er besser ist als der noch amtierende Präsident“ (Röhn, Tim, Ein Elend namens Fifa, in welt.de 4.8.2015). – Platini „stimmte bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 für Katar, kurz danach bekam sein Sohn einen Managementjob bei einem Ableger des katarischen Staatsfonds. Zufall, beteuerte Platini, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. (…) Und dass in Katar Zehntausende Menschen wie Sklaven behandelt werden, ist in den Augen des ehemaligen Weltklassespielers ebenfalls nicht Sache der Fifa. Er sei glücklich damit, für das Emirat gestimmt zu haben, sagt er. Das gelte auch für seine Stimme für die WM 2018 in Russland. Es interessiert ihn nicht, dass die Russen in der Ukraine Krieg führen“ (Ebenda). 

– Propagandaschlacht für Katar 2022. Die Opposition in Katar hält die offiziell angekündigten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für leere Worte. Außerdem gibt es in konservativen Kreisen Widerstand gegen Reformen: „Der Shura Council, der konsultative Rat Qatars, in dem Stammesvertreter, alteingesessene Familien und einflussreiche qatarische Geschäftsleute sitzen, hatte sich vor Ramadan-Beginn gegen den Emir sowie seine Regierung gestellt und verlangt, den Reformprozess nicht weiter voranzutreiben“ (Ashelm, Michael, Wie Qatar die Fußball-WM retten will, in faz.net 8.8.2015). Dessen ungeachtet läuft die katarische Propagandamaschine: „Währenddessen sorgt das Emirat mit ungeheurem Aufwand für eine PR-Offensive, um das negative Meinungsbild gegenüber dem WM-Land zu korrigieren. Dahinter steckt vor allem die Angst, doch noch in den Sog des Korruptionsskandals rund um den Weltfußballverband Fifa zu geraten und dadurch möglicherweise das Recht auf die Ausrichtung des WM-Turniers 2022 zu verlieren. (…) Für Europa und die Vereinigten Staaten wurden PR-Agenturen engagiert. Eine von ihnen heißt Portland Communications, hinter der ein Berater des ehemaligen britischen Premiers Tony Blair steht. Auf höchsten Ebenen werden hier Verbindungen zu Meinungsmachern geknüpft, manchmal mit fragwürdigen Methoden. In England soll angeblich ein Sportblog im Internet eröffnet worden sein, in dem Prominente aus dem Fußballgeschäft gegen Bezahlung versuchten, der Kritik an Qatar etwas entgegenzusetzen“ (Ebenda).
Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Katar-Sport

Fifa-Taskforce: die üblichen Verdächtigen. Der neuen, “gefühlt einhundertsten ‘Reformkommission’ der Fifa” (Jens Weinreich) soll Francois Carrard (78) vorsitzen: Rechtsberater des IOC seit 1979, Generaldirektor des IOC von 1989 bis 2004 (Weinreich, Jens, Alles für die Familie, in spiegelonline 12.8.2015). Des weiteren – natürlich – Scheich Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait, Gianni Infantino, Generaldirektor der Uefa. “Infantino hat vor zwei Jahren die wichtigsten der von (Mark) Pieth und Theo Zwanziger eingebrachten Fifa-Satzungsänderungen geblockt, gemeinsam mit Platini und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Regeländerungen wie Amtszeitbegrenzung oder Alterslimit, die man jetzt plötzlich gutheißt” (Ebenda). Dazu Constant Omari aus dem Kongo: Er “macht kein Hehl aus seiner Ablehnung einer Amtszeitbegrenzung für Fifa-Offizielle” (Ashelm, Michael, Die Reform-Farce der Fifa, in faz.net 12.8.2015). – “Die aus Verbandsgreisen, altgedienten Sportfunktionären, zweifelhaften Strippenziehern und einigen unbescholtenen Zuarbeitern zusammengesetzte Riege unter der Leitung (…) Francois Carrard soll also für den Aufbruch in eine neue Zeitrechnung stehen. Ein Witz” (Ebenda).

– Der tiefe Fall des Fußball-Patriarchen Nicolás Leoz. „Der 86-Jährige ist einer der globalen Fussball-Patriarchen: 27 Jahre, von 1986 bis 2013, herrschte der Paraguayer über die Conmebol, Südamerikas Pendant zur europäischen Uefa. Bei der Fifa saß er 15 Jahre lang in der Regierung, im Exekutivkomitee. Seine Macht ging so weit, dass er das Parlament von Paraguay 1996 dazu brachte, einen palastartigen Neubau der Conmebol in der Hauptstadt Asunción mit einem diplomatischen Sonderstatus zu imprägnieren. (…) Leoz war ein Nationalheld in Paraguay. Unantastbar. Bis die Amerikaner kamen. Das FBI führt einen Feldzug gegen Korruption im Fussballgeschäft, Leoz zählt zu den Hauptzielen. Die Ermittlungen offenbarten ein Netz von verdeckten Geldströmen zwischen dem Präsidenten, seinen Untergebenen und Sportagenturen. Interpol schrieb den Ex-Präsidenten zur Fahndung aus, die USA fordern seine Auslieferung. Laut FBI hatte Leoz mit seinen Komplizen die Conmebol zum Selbstbedienungsladen umgebaut. Schloss der Verband einen Deal, verdiente der Präsident mit“ (Stäuble, Mario, Knellwolf, Thomas, Schweiz ermittelt gegen Südamerikas Fußball-Patriarchen, in Tages-Anzeiger 21.8.2015). Über Schweizer Bankkonten bei der Genfer Bank Pictet liefen viele Conmebol-Zahlungen. So überwies der japanische Sport-Vermarkter Dentsu im Winter 2004 rund fünf Millionen Franken. „Insgesamt gingen bei Pictet rund 19 Millionen ein. Aber nur acht Millionen gingen weiter zur Conmebol nach Paraguay. Der Rest verschwand – so der Verdacht – auf privaten Konten von Leoz und Deluca“ (Ebenda; Eduardo Deluca war langjähriger Conmebol-Geschäftsführer).

– Geldwäsche: 103 Verdachtsfälle. „Die Korruptionsermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft bei der Fifa gehen weiter. Die Ermittler untersuchen inzwischen 103 Verdachtsfälle von Geldwäsche. (…) Die Schweizer Fahnder operieren zwar eigenständig, kooperieren allerdings mit der ebenfalls ermittelnden US-Justiz“ (103 Verdachtsfälle von Geldwäsche, in spiegelonline 23.8.2015).
Vergleiche auch: Fifa-Kongress Mai 2015 und Folgen

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VII: Sport-Millionen und -Millionäre

– Berlusconi verkauft. Silvio Berlusconi verkauft 48 Prozent des AC Mailand an Bee Taechaubol aus Bangkok für 485 Millionen Euro. Gemunkelt wird, dass es eventuell chinesische Hintermänner gibt (Schönau, Birgit, Rätselraten nach dem Handschlag, in SZ 4.8.2015).

– Vier Jahre Arbeit für eine Uhr. Der Sprecher von Wladimir Putin, Dmitrij Peskow, hat die russische Eistänzerin Tatjana Nawka geheiratet. Er trug bei der Hochzeit eine Schweizer Luxusarmbanduhr, „für deren Finanzierung er bei seinem jetzigen Gehalt – russische Blogger haben das mal nachgerechnet -, vier Jahre lang arbeiten müsste“ (Zips, Martin, Teure Uhren, in SZ 5.8.2015). Es handelt sich um eine Uhr der Marke „Richard Mille“ für 500.000 Euro (Neshitov, Tim, Mit Essen spielt man nicht, in SZ 14.8.2015).

– 2014: 75 Millionen Euro; 2015: 62,5 Millionen Euro. Für den argentinischen Fußball-Stürmer Ángel Di Maria hatte Manchester United 2014 eine Ablöse von 75 Millionen Euro an Real Madrid bezahlt. Nun wechselt di Maria für 62,5 Millionen Euro zu Paris St. Germain (SID, Mit Di Maria auf den Gipfel, in SZ 7.8.2015).

– Die Adidas-Millionen. Der FC Bayern kassierte bisher etwa 25 Millionen Euro pro Jahr von seinem Ausstatter Adidas. Als Manchester United einen Vertrag über zehn Jahre und rund eine Milliarde Euro erhielt, murrte der FCB. Im April 2015 wurde der bis 2020 laufende Vertrag bis 2030 verlängert – mit bis zu jährlich 60 Millionen Euro für den FC Bayern. Adidas hat dem Konkurrenten Nike nicht nur Manchester United, sondern auch Juventus Turin abgejagt – für 30 Millionen Euro pro Jahr, der doppelten Summe wie Nike bisher zahlte (Ritzer, Uwe, Pokal vergeigt, Millionen gewonnen, in SZ 30.4.2015). 28 Millionen Euro pro Jahr lässt sich der Sportartikelhersteller in Form von Ware und Geld kosten, dass alle DFB-Teams mit den charakteristischen drei Streifen auf Trikots, Hosen und Trainingsanzügen auflaufen. Doch die Konkurrenz lauert. (…) Experten erwarten ein Wettbieten zwischen den Branchenführern Nike und Adidas, das dem DFB nur recht sein kann. Am Ende dürfte er pro Jahr mehr als 50 Millionen Euro kassieren. (…) Für weitere zehn Jahre als Ausrüster der Nationalmannschaften bietet Adidas dem Vernehmen nach 550 Millionen Euro“ (Ritzer, Uwe, Powerplay der Riesen, in SZ 13.8.2015).

– 10 Millionen Euro für Ronaldos Schuhe. Franck Ribéry (FC Bayern) erhält von seinem Fußballschuh-Hersteller 1,2 Millionen Euro, Mario Götze (FC Bayern) 1,5 Millionen Euro, Cristiano Ronaldo (Real Madrid) 10 Millionen Euro (Auffällig und knallig, in Der Spiegel 34/14.8.2015). „Bis zu 280 Euro bezahlen Kunden für die neuesten Modelle, die Herstellungskosten liegen meist unter 40 Euro“ (Ebenda). Nike: Umsatz 22,9 Mrd. €, Gewinn 2,5 Mrd. €, Mitarbeiter 62.600. Adidas: Umsatz 14,5 Mrd. €, Gewinn 0,5 Mrd. €, Mitarbeiter 53.731 (Ebenda).

WM 2014 in Brasilien: Bundespolizei ermittelt wegen Korruption. Die Operation „Fair Play“ der Bundespolizei untersucht die vom Baukonzern Odebrecht gebauten Arenen in Recife (Pernambuco), Rio de Janeiro (Maracana) und Sao Paulo (Itaquerao). Odebrecht beschäftigt 181.000 Mitarbeiter und agiert in 23 Ländern. „Odebrecht ist auch an Olympia-Bauten in Rio beteiligt – in einem Jahr finden hier die ersten Olympischen Spiele in Südamerika statt. (…) Konzernchef Marcelo Odebrecht war bereits am 19. Juni verhaftet worden. Denn der Konzern ist auch verwickelt in den Skandal um Geschäfte zwischen Baufirmen und dem größten Unternehmen Brasiliens, dem halbstaatlichen Petrobras-Konzern. Es soll um ein Bestechungsvolumen von mehreren Milliarden Euro gehen – über einen Zeitraum von rund zehn Jahren“ (Korruptionsverdacht im Stadion, in faz.net 14.8.2015).

– Formel-1-TV-Millionen. Seit 1991 überträgt RTL die Formel 1, seit 1996 Sky. Auch 2016 und 2017 werden sie übertragen. „Nach Bild-Informationen lässt sich RTL die Rechte rund 25 Millionen Euro pro Jahr kosten“ (SID, RTL und Sky zeigen weiter Formel 1, in SZ 22.8.2015).

– 21 Millionen Dollar für Bolt. Der Sprinter Usain Bolt aus Jamaika ist finanziell ein Selbstläufer: „Schon mit 15 galt er als künftiger Champion und bekam von Puma einen Vertrag. Es hat geklappt, mit welchen Mitteln auch immer. An der Attraktion Bolt verdient die gesamte Leichtathletik-Industrie, und Bolt selbst natürlich auch. 2014 betrug sein Einkommen laut Forbes-Magazin 21 Millionen US-Dollar“ (Hahn, Thomas, Hoffnungslauf, in SZ 22.8.2015).

– 80 Millionen Euro für Stürmer. Der VfL Wolfsburg soll den belgischen Nationalspieler Kevin de Bruyne für 80 Millionen Euro an Manchester City verkaufen – 74 Millionen Ablöse plus erfolgsbezogene Prämien. Der Jahresverdienst von de Bruyne lag bisher beim VfL bei 5,5 Millionen Euro; der VfL soll auf elf Millionen Euro verdoppelt haben. Manchester City hat angeblich 16 Millionen Euro geboten (Cáceres, Javier, De Bruyne zu Manchester City, in SZ 27.8.2015).

– Milliardengeschäft National Football League. Die National Football League (NFL) gehört US-Milliardären – die sich ihren Geschäftsbetrieb aber ungeniert aus öffentlichen Geldern finanzieren lassen. 1) Nach dem Hurrican Katharina war das Stadion der New Orleans Saints verwüstet: „Nur ein Jahr nachdem der Hurrikan Katrina das Stadion der New Orleans Saints verwüstet hatte, spielten die Saints wieder im behelfsmäßig errichteten Mercedes-Benz-Superdome. Bezahlt haben den eine Milliarde Dollar teuren Wiederaufbau primär die Steuerbürger. Der Eigentümer der Saints, der Milliardär Tom Benson, hatte den Wiederaufbau zur nationalen Pflicht erklärt. Dabei ist der Staat Louisiana einer der ärmsten des Landes. Zusätzlich erhält Benson jedes Jahr sechs Millionen Dollar für das Versprechen, in New Orleans zu bleiben“ (Vogt, Erich, Sonderzone für Reiche, in SZ 29.8.2015). 2) Minneapolis: „Zygmunt Wilf, Eigentümer der Minnesota Vikings, drohte damit, mit seiner Mannschaft in einen anderen Staat zu ziehen, sollte dieser nicht 50 Prozent der Kosten für ein neues Stadion übernehmen. Gouverneur und Landesparlament gaben nach und zahlten mehr als 500 Millionen Dollar“ (Ebenda).
70 Prozent der Neu- und Umbaukosten trägt die öffentliche Hand, oft auch Infrastruktur- und Unterhaltskosten. Die Liga hat den Non-Profit-Status; die Gewinne wandern steuerfrei in die Taschen der Milliardäre. Die NFL machte in der Saison 2014/2015 fast zehn Milliarden Dollar Umsatz: In 15 Jahren sollen es 25 Milliarden Dollar sein. „Das Herzstück des Geschäftsmodells der NFL sind die Übertragungsrechte. Die Sender CBS, NBC, FOX und ESPN werden bis 2022 insgesamt 39,6 Milliarden Dollar an die NFL zahlen. Dazu kommen bis zu 3,5 Milliarden Dollar von DirectTV und mehr als eine Milliarde Dollar von Telefon- und Internetfirmen“ (Ebenda). Autor Erich Vogt stellt sich die Frage, „ob der Nationalsport eine Zukunft hat, wenn die Plünderung öffentlicher Kassen zu seinem modus operandi gehört“ Ebenda).

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VIII: Totalitärer Sport-Terminkalender
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IX: Doping-News
Siehe hierzu auch die Doping-Hintergründe von Cycling4fans: hier und Aktuelle Doping-Meldungen hier und die Webseite der Doping-Opfer-Hilfe: hier

– Doping beim Schwimmen: kein Problem. Der chinesische Schwimmer Sun Yang wurde bei einem Dopingtest im Mai 2014 mit Trimetazidin erwischt. „Der chinesische Verband wollte ihn (den Positivtest; WZ) zunächst vertuschen, und der Welt-Schwimmverband FINA sprach seine Drei-Monats-Sperre so diskret aus, dass sie erst publik wurde, als sie schon wieder abgelaufen war“ (Catuogno, Claudio, Im Kreise der Giganten, in SZ 5.8.2015). So konnte Sun Yang bei den Asienspielen starten und bei drei Wettbewerben gewinnen. Sein Arzt bekam eine kleine Strafe. Der damals noch gesperrte Arzt betreute Sun Yang schon wieder bei den Asienspielen am Wettkampfbecken (Becker, Christoph, „Ich sehe, wie unser Sport unter die Räder kommt“, in faz.net 3.8.2015). Sun Yang gewann dann bei der WM im August 2015 im russischen Kasan Gold über 400 Meter Freistil und 800 Meter. Gold über 100 Meter Brust gewann in Kasan auch die Russin Julija Jefimowa, die im Oktober 2013 erwischt wurde: „Jefimowa war Ende Oktober 2013 positiv auf das anabole Steroid Dehydroepiandrosteron getestet worden. Der Weltverband FINA sperrte sie im Mai 2014 rückwirkend für 16 Monate, so dass sie bei der Heim-WM an den Start gehen konnte“ (Festspiele der Dopingsünder, in sport.de 6.8.2015). Üblich ist in solchen Fällen eine Sperre von zwei Jahren („Im Kampf gegen Doping auf ganzer Linie versagt“, in spiegelonline 8.8.2015). – „Seit Kasan vor sechs Jahren den Zuschlag für die WM 2015 bekam, gab es 21 Dopingfälle im russischen Schwimmen“ (Catuogno, Claudio, Schwimmen auf Messers Schneide, in SZ 4.8.2015).
Der FINA-Generalsekretär Cornel Marculescu beantwortete die Frage nach der Zahl der Dopingtests in Kasan mit 3000. „Auf die Nachfrage, ob damit jeder der gut 2.500 Athleten kontrolliert werde, war sich der Rumäne dann nicht mehr sicher: ‚Vielleicht sind es auch nur 300, ich weiß es nicht genau'“ (Ebenda).

– Datenstick aus dem IAAF zeigt weltweites Doping. Ende 2014 brachte Hajo Seppelt im WDR seine Dokumentation „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“. Dann kam ein Brief ohne Absender. „Darin: Ein Datenstick. Ein Ordner mit dem Namen IAAF. Und mehrere Dateien. (…) Die Daten kommen offenbar aus dem Innersten des Weltleichtathletikverbandes IAAF. Mehr als 12.000 offizielle Bluttests, rund 5.000 Athleten aus allen Disziplinen. (…) Die ‚Geheimsache Doping‘ ist bei weitem nicht nur ein russisches Problem. (…) Bei rund jedem siebten Athleten in den Listen finden sich Werte, die in den allermeisten Fällen nicht natürlich zu erklären sind“ (Seppelt, Hajo, Spinrat, Andreas, WDR, Im Schattenreich der Leichtathletik, in www.tagesschau.de 1.8.2015). Die WDR-Dokumentation heißt: „Geheimsache Doping, im Schattenreich der Leichtathletik„, 1.8.2015, 17.05 (55 Minuten). – „Über jeder dritten Medaille, die zwischen 2001 und 2012 bei Olympia oder einer WM in Ausdauerdisziplinen verteilt wurde, schwebt eine Wolke des Zweifels“ (Knuth, Johannes, Manipulationen, Korruption, Vertuschung, in SZ 3.8.2015).
Textprobe der Athletin Anastasia Bazdirewa, russische 800-Meter-Läuferin: „Von Anabolika kriege ich harte Muskeln, aber ich kann damit laufen. Das ist schwer, aber es geht“ (zitiert nach: Kistner, Thomas, Knuth, Johannes, Jede dritte Medaille unter Verdacht, in sueddeutsche.de 1.8.2015).
Dazu aus einem Kommentar von Michael Reinsch in der FAZ: „Die Leichtathletik scheint vor die Hunde zu gehen, und diejenigen, die Verantwortung übernommen haben für diesen faszinierenden Sport, schießen sich auf die ein, die Alarm schlagen. (…) Doper sind es, die der Leichtathletik den Krieg erklärt haben“ (Reinsch, Michael, Die Doper erklären den Krieg in faz.net 5.8.2015).
Vergleiche unter „Aktuelles“: Die Leichtathletik-WM 2015 in Peking

– Die wahren Schuldigen am IAAF-Dopingskandal: die Whistleblower. Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur und IOC-Vizepräsident, Craig Reedie, sagte, man sei „sehr überrascht“ über die Enthüllungen, „die wohl von einer undichten Stelle im Leichtathletik-Weltverband IAAF kommen“ (Kistner, Thomas, Verräter im System, in SZ 4.8.2015). Reedie: „Ich bin mir sicher, dass man dort ganz genau nachforschen wird, um die Quelle herauszufinden“ (Knuth, Johannes, Parolen und Peinlichkeiten, in SZ 4.8.2015). Thomas Kistner: „Die Quelle: Um die geht es! Geschlossene Systeme müssen sich nur vor Verrätern fürchten“ (Ebenda).

– Der Blatter der Leichtathletik: Lamine Diack. Michael Gernandt beschrieb in der SZ den Nierdegang der IAAF unter Präsident Diack, der dem plötzlich verstorbenen IAAF-Skandalpräsidenten Primo Nebiolo nachfolgte: „Der Senegalese wurde Präsident, als die Jahre extremer Doping- und Kommerzexzesse sich erst abzuzeichnen begannen und nicht zu erkennen war, dass sich Diack nicht wirklich gegen sie stemmen würde“ (Gernandt, Michael, Diacks System, in SZ 12.8.2015). Das Interesse an der Leichtathletik sank, weshalb u. a. die Vereinigung der olympischen Sommerverbände Asoif der IAAF das Privileg strich, die höchsten IOC-Zuwendungen über TV und Marketing zu erhalten. „Gleichwohl weiß Diack seine Geldmaschinerie zu schmieren. Er verführt den Markt mit Rekorden, die den Partnern die Exzellenz der IAAF verdeutlichen sollen, und die Athleten mit fetten sechsstelligen Prämien, auf dass sie sich zu Höchstleistungen aufschwingen, Verherrlichung garantiert, siehe Usain Bolt, Diacks Halbgott. Ein zynisches Spiel: den Betrugsanreiz, der in dieser Geschichte steckt, hat er nie erkennen wollen. Das ist Diacks System“ (Ebenda). Diacks System fördert geradezu Doping – sein System der hohen Prämien ruft das nun offen gelegte Doping geradezu hervor. Dazu kommt der schamlose Verkauf der IAAF-Weltmeisterschaften: „Die WM 2019 wurde dem unverschämt heißen Doha anvertraut, nachdem die Kataris 30 Millionen Euro ‚Entscheidungshilfe‘ geleistet hatten. Für 2021 erhielt Eugene (USA) den Zuschlag, einen Bewerbungsprozess ließ Diack nicht zu. Derlei hat den Argwohn gegenüber einem System gesteigert, dem Intransparenz, Korruption und Verschleierung nicht fremd sind“ (Ebenda). Für den langjährigen IAAF-Funktionär Luciano Barra ist das Problem „Diacks Philosophie von ‚Records and Riches‘, von Rekorden und Stars. Damit habe der greise Senegalese den Sport noch stärker in die Dopingfalle getrieben“ (Knuth, Johannes, Die Geschassten sind zurück im Geschäft, in SZ 18.8.2015).

– Gefallene IAAF-Heldin. Johannes Knuth schrieb anlässlich der Leichtathletik-WM 2015 in Peking in der SZ: „Und dann stößt man auf ein Plakat, das dem Pekinger Berufsverkehr plötzlich diese Botschaft entgegenruft: ‚Athletics for a better world!‘ – Leichtathletik für eine bessere Welt. Man kennt diese Parolen doch irgendwoher  . . . ach ja, vom Fußball-Weltverband. Handschlag für den Frieden und so. Tatsächlich ist die Schnittmenge zwischen der Fifa und dem Leichtathletik-Weltverband IAAF, der gerade in Peking Hof hält, derzeit recht groß“ (Knuth, Johannes, Die Geschassten sind zurück im Geschäft, in SZ 18.8.2015). Und Peter Ahrens in spiegelonline: „Die Macher der WM in Peking werben derweil in der Stadt mit den Stars der Branche. Auf einem Plakat ist auch die US-Olympiasiegerin Florence Griffith-Joyner zu sehen. Jene Athletin, die schon mit 38 Jahren verstorben ist. Dopinggerüchte um sie und um ihre Todesursache sind nie verstummt. Von daher ist sie wahrscheinlich die passende Werbeträgerin für diese WM“ (Ahres, Peter, Peking? Doping? Kein Ding, in spiegelonline 18.8.2015).
Vergleiche auch: Doping Russland

IAAF: Olympiasiegerin von London 2012 gesperrt. Die Goldmedaillengewinnerin über 1.500 Meter, Asli Cakir Alptekin (30) aus der Türkei, wurde zum zweiten Mal nach 2004 beim Dopen erwischt. Der türkische Leichtathletik-Verband wollte sie nicht sperren; der internationale Sportgerichtshof CAS sperrte Alptekin für acht Jahre und strich ihr zwischen 2010 und 2012 alle Titel und Preisgelder (Olympiasiegerin wegen Dopings für acht Jahre gesperrt, in spiegelonline 17.8.2015).

– 100-Meter-Lauf bei der WM 2015 in Peking. Gewinner am 23.8.2015 war Usain Bolt aus Jamaika (dort gibt es kein Dopinglabor) mit 9,79 Sekunden. Zweiter wurde Justin Gatlin mit 9.80 Sekunden – er war nur eine Hundertstel Sekunde langsamer. „Justin Gatlin ist 33, ein Alter, in dem andere Sprinter ihre Karriere beenden. Er jedoch stellt eine Bestzeit nach der anderen auf, im Mai lief er die 100 Meter in 9,74 Sekunden. (…) Er ist schneller als früher, schneller als jener Gatlin, der nachweislich gedopt war“ (Eberle, Lukas, Böser Junge, in Der Spiegel 34/14.8.2015). Gatlin wurde 2001 mit Amphetaminen erwischt (Ausrede: „Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom“). Die IAAF reduzierte die Sperre von zwei Jahren auf ein Jahr. 2006 wurde Gatlin auf Testosteron getestet. Die lebenslange Sperre konnte er durch seine Kronzeugen-Rolle gegen seinen Trainer Trevor Graham auf acht Jahre Sperre reduzieren, die durch ein Sport-Schiedsgericht auf vier Jahre reduziert wurde. Seit August 2010 startet Gatlin wieder (Wikipedia). „Von den zehn schnellsten 100-Meter-Sprintern in dieser Saison hat die Hälfte eine Dopingvergangenheit“ (Eberle 14.8.2015).
Und von den anderen – siehe Bolt – ist sie nicht bekannt.

– Der nächste Dopingskandal. „Kenias Leichtathleten droht bei der WM in Peking der nächste Dopingskandal. Kenianischen Medienberichten zufolge wurden 400-Meter-Läuferin Joyce Zakary und Hürdenspezialistin Koki Manunga nach ihren Vorläufen positiv getestet. Es wären die ersten Dopingfälle bei den Titelkämpfen in China. Wie das Nachrichtenportal ‚Sport News Arena’ berichtet, soll bei beiden Läuferinnen ein maskierendes Mittel für eine unbekannte Dopingsubstanz festgestellt worden sein“ (Kenias Athletinnen unter Dopingverdacht, in spiegelonline 26.8.2015). Joyce Zakary nach dem 400-Meter-Rennen im Vorlauf: „Ich wusste gar nicht, dass ich so schnell laufen kann“ (Knuth, Johannes, Ein Weltmeister und zwei Dopingfälle, in SZ 27.8.2015). Beim Finale fehlte Zakary dann, da ihr Dopingtest positiv ausgefallen war.
Medaillenspiegel der Leichtathletik-WM in Peking, Endstand: 1. Platz: Kenia 7 x Gold, 6 x Silber, 3 x Bronze; 2. Platz: Jamaika 7 – 2 – 3; 3. USA 6 – 6 – 6, 4. Großbritannien 4 – 1 – 2, 5. Äthiopien 3 – 3 – 2.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
Aus einem Kommentar von Peter Ahrens in spiegelonline: „Vor dem abschließenden Wochenende der WM hat Kenia sechs Mal Gold gewonnen, drei Mal Silber und zwei Mal Bronze. Weder die US-Amerikaner noch die Briten und die Deutschen, erst recht nicht die Russen konnten und können da mithalten. Und es folgen noch die Entscheidungen über die 5000 Meter bei Männern und Frauen, da wird es weitere Medaillen für die Afrikaner geben. (…) Im Land selbst werden Dopingkontrollen weitgehend willkürlich durchgeführt oder unterlassen. Seit Jahren wird angekündigt, dass ein Kontrolllabor in Nairobi gegründet werde. Es ist bisher bei der Ankündigung geblieben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada lässt die Dinge weitgehend laufen. Deren Direktor Craig Reedle wurde in der Vorwoche in der ARD mit dem Satz zitiert, dies sei Angelegenheit der Kenianer, dort werde man sich nicht einmischen. ‚Die kenianischen Behörden wissen doch, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen'“ (Ahrens, Peter, Kenias Athleten unter Verdacht, in spiegelonline 29.8.2015).

IAAF-„Kontrollen“ mangelhaft. „Die Lücken im Dopingkontrollsystem des Weltverbandes IAAF sind laut ARD und ‚Sunday Times‘ noch größer als angenommen. Die Blutdoping-Experten Michael Ashenden und Robin Parisotto übten nach einer Analyse von IAAF-Blutwerten harsche Kritik. Parisotto sagte mit Blick auf die Datenbank und die Anti-Doping-Arbeit der IAAF nach Einführung des Blutpass-Programms im Jahr 2009: ‚In den Folgejahren führte die IAAF nur etwa 25 Prozent aller Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen im Training durch. Es ist unredlich, wenn ein Sport behauptet, ein wirksames Blutpass-Programm zu haben, ohne die bestmöglichen Werkzeuge gegen Doping einzusetzen, die er effektiv hat‘, sagte Perisotto. (…) Ashenden bemängelte auch die laut Datenbank geringe Häufigkeit von Bluttests der IAAF bei jungen kenianischen Läufern: ‚Kenianer hatten bei der Junioren-WM 2010 30 Medaillen gewonnen – doch nur 7 der 215 Bluttests wurden bei Kenianern gemacht. Da frage ich mich, wie ernsthaft die IAAF diese Athleten wirklich kontrollieren wollte'“ (Experten nennen IAAF-Kontrollsystem mangelhaft, in spiegelonline 29.8.2015).
Ashenden kritisierte auch die geringe Anzahl und zeitliche Verzögerung von Bluttests, die bei Leichtathleten mit bereits auffälligen Blutwerten durchgeführt wurden: „Es gab etwa 500 abnormale Blutergebnisse zwischen 2009 und 2011, und die Richtlinien besagen, dass Experten sofort solche Fälle untersuchen müssen. Jedoch gab es laut Datenbank im Durchschnitt eine Verzögerung von acht Monaten bis zum nächsten Bluttest bei verdächtigen oder hochverdächtigen Athleten. In einigen Fällen dauerte es sogar länger als ein Jahr. Und ich habe gesehen, dass bei ungefähr einem Viertel der Fälle überhaupt keine weiteren Bluttests durchgeführt wurden“ (Seppelt, Hajo, Offenbar viel größere Lücken bei IAAF-Kontrollen, in sportschau.de 29.8.2015). – „Ashenden, der wie Parisotto zu den Erfindern der Nachweismethode für das Blutdopingmittel EPO zählt, hält es für besorgniserregend, wie stark Doping der Blutdaten zufolge bei jungen insbesondere russischen Leichtathleten ausgeprägt war: ‚Schon 2007, als man Athleten unter 23 Jahren testete, gab es unverkennbare Beweise, dass Blutdoping in die jüngeren Jahrgänge reingesickert war. Acht von neun der russischen Athletinnen hatten Werte, bei denen lag die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht auf Doping zurückzuführen war, bei 1 zu 10.000. Die männlichen russischen Junioren hatten die drei abnormalsten Werte bei jedem der Wettbewerbe. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Russen dabei nicht clean waren, lag bei mehr als 20 Millionen zu 1′“ (Ebenda). Auch bei jungen kenianischen Läufern gab es eine geringe Häufigkeit von Bluttests der IAAF: „Kenianer hatten bei der Junioren-WM 2010 30 Medaillen gewonnen – doch nur sieben der 215 Bluttests wurden bei Kenianern gemacht. Da frage ich mich, wie ernsthaft die IAAF diese Athleten wirklich kontrollieren wollte'“ (Ebenda).
Vergleiche: Leichtathletik-WM 2015 in Peking

– Tipp vom Doping-Profi. Der ehemalige Leiter des in Dopingskandale verwickelten Balco-Labors in Kalifornien, Victor Conte, „sagte, dass in der Leichtathletik gerade mehrere Substanzen im Umlauf seien, zum Beispiel der Wachstumsfaktor IGF 1 Long R 3, für den es nach wie vor keinen Test gebe“ (Knuth, Jihannes, Blutgrätsche von hinten, in SZ 28.8.2015). Conte gab bereits 2007 der Wada den Tipp, eingefrorene Proben der besten Athleten wie Usain Bolt, Carmelita Jetter, Jason Richardson, Mo Farah und Galen Rupp nachzutesten.
„Die Wada soll Conte vertraulich mitgeteilt haben, dass Nachtests ‚keine gute Idee‘ seien. ‚Man sagte mir, diese Nachtests auf künstliches Testosteron bei Usain Bolt oder anderen großen Stars werde es nicht geben‘, erzählte Conte: ‚Die Stars brächten der olympischen Bewegung viele Dollars von Sponsoren ein“ (Ebenda).

Wada-Präsident wiegelt ab. Am 30.4.2015 schickte Wada-Präsident Craig Reedie an die russische Anti-Doping-Beauftragte Natalia Zhelanova eine Email. Die ARD-Sendung “Geheimsache Doping. Wie Russland seine Sieger macht” solle nicht die guten Beziehungen zwischen der Wada und Russland bzw. dem russischen Sportminister Witali Mutko stören. Reedie schrieb, der Inhalt des ARD-Berichts sei in einer Zeit “vor den rechtlichen und budgetmäßigen Veränderungen in der Russischen Anti-Doping-Agentur” entstanden: eine glatte Unwahrheit, da die ARD-Informationen aus dem Jahr 2014 stammten. Reedie weiter: “Wada ist erfreut, dass diese Beziehungen die feindselige öffentliche Aufmerksamkeit überlebt haben, die durch die ARD-TV-Sendung verursacht wurde (und die wahrscheinlich noch länger anhalten wird). Auf der persönlichen Ebene wertschätze ich die Beziehung zu Minister Mutko, und ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie ihm ausrichten, dass es keinerlei Absicht der Wada gibt, etwas zu unternehmen, was diese Beziehung beeinträchtigen könnte”.
Die ARD unterstellt Reedie nun, “ein doppeltes Spiel auf hoher politischer Ebene” zu betreiben. Die nach dem ARD-Bericht eingesetzte “unabhängige” Wada-Untersuchungskommission hat bis heute keine Ergebnisse geliefert; anscheinend will die Wada in Russland nichts finden, um die politischen Beziehungen zwischen der Sportführung von Putin-Russland und der Wada bzw. auch dem IOC nicht zu gefährden.
Zum Beitrag von Hajo Seppelt “Wada-Chef: Geheime Absprachen mit russischer Regierung?” 28.8.2015: hier; Email von Craig Reedie an Zhelanova: hier; die nichtssagende Antwort von Ben Nichols/Wada 26.4.2015 an ARD: hier. Vergleiche auch: Doping Russland

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X: Die Sportsender ARD/ZDF

– Große Bitte an kritische Sport– und investigative Journalisten:
Bisheriger Text: Für die Zukunft eines besseren Sports und einer sinnvolleren Verwendung der öffentlich-rechtlichen Gebühren-Millionen wäre es wichtig, die fragwürdige Kooperation zwischen den Vertretern der gierigen Sportfunktionäre und den willfährigen Vertretern der öffentlich-rechtlichen Sportsender aufzudecken. Vermutlich ist es ein kleiner Kreis immer gleicher Personen, die Jahr für Jahr die Preisspirale für die TV-Sportübertragungen in die Höhe treiben. Bitte aufdecken! – Durch die Vergabe der Olympischen Spiele 2018 bis 2024 an den TV-Sender Discovery bzw. Eurosport hat das IOC dafür gesorgt, dass die sowieso schon sehr zaghaft geäußerte Kritik von ARD und ZDF an Sport-Großereignissen in Diktaturen wie den European Games beim Diktator Ilham Alijew im Juni 2015 in Aserbaidschan ausfallen wird: Vom hier übertragenden TV-Sender Sport1 war aus Baku nichts Kritisches zu vernehmen. Das wird nun Standard.
Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Eurosport


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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