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Mai 2012

Zuletzt geändert am 17.05.2012 @ 17:47

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London 2012/15: Olympische Spiele lohnen sich nicht

Vergleiche auch London 2012/1-14
Die Ratingagentur Moody’s hat sich die Olympischen Sommerspiele London 2012 näher angesehen. Die daran geknüpften wirtschaftlichen Erwartungen wurden von Moody’s als unrealistisch klassifiziert. Die britische Regierung behauptete im Vorfeld, dass die Spiele Großbritannien aus der Rezession bringen würden. Offiziell wurden neun Milliarden Pfund investiert (Sky TV kommt dagegen in einer Gesamtbetrachtung schon auf 24 Milliarden Pfund, siehe früher).
Moody’s stellte fest, dass die Spiele sich auf den UK-Tourismus nur kurzfristig positiv auswirken würden: Da die Sportfans “unsatzschwach” sind und Geschäftsleute ausbleiben, wird die Prognose langfristig ungünstig. Hotels profitieren nur von erhöhten Preisen während der Spiele. Der Bausektor wird unter dem Abschluss der Olympia-Aufträge leiden: Seine Umsätze sind schon jetzt um acht Prozent zurückgegangen. Für Wirtschaftsunternehmen ergeben sich nur für einen kurzen Zeitraum höhere Umsätze.
Die Hauptgewinner sind laut Moody’s die TOP-Sponsoren des IOC wie Coca-Cola und McDonald’s sowie die London 2012-Sponsoren Lloyds Banking Group, British Airways und BP, die 700 Millionen Pfund aufgebracht haben. Moody’s: “Insgesamt halten wir es für unwahrscheinlich, dass die Spiele einen entscheidenden volkswirtschaftlichen Schub für Großbritannien bringen; die Auswirkungen der Infrastruktur-Maßnahmen sind schon vorbei” (Ruddick, Graham, Olympics ‘unlikely to boost’ economy, says Moody’s, in telegraph.co 1.5.2012; Weir, Keith, Moody’s dampens Olympic Games growth hopes, in uk.reuters.com 1.5.2012).
Malte Conradi schrieb zur Moody’s-Studie in der SZ: “Es ist inzwischen ein gut eingeübtes Mantra: Vor jedem sportlichen Großereignis der vergangenen Jahre haben Politiker und Veranstalter geschwärmt, was für ein super Geschäft das werden würde… Nach dem Wettkampf heißt es dann üblicherweise: Gut, wirtschaftlich hat sich die Sache nicht so richtig gelohnt, auf ein paar Milliarden werden wir sitzen bleiben. Aber die Stimmung war doch super!” (Conradi, Malte, Ohne Wert, in SZ 3.5.2012).

Nicht rentiert haben sich wohl auch die 22,7 Millionen Pfund (umgerechnet rund 29 Millionen Euro) für den 114 Meter hohen “Orbit Tower”, einen gedrehten Turm mit den Symbolen der olympischen Ringe. Der reichste Mann Großbritanniens, der Stahlmagnat Lakshmi Mittal, spendierte 19,6 Millionen Pfund für das Projekt.
Für Anita Singh vom Telegraph ist der Orbit Tower “an overgrown maypole” (ein übergroßer Maibaum), “a turd on the plaza” (ein Scheißhaufen auf dem Platz) und “a contorted mass of entrails” (eine verdrehte Masse von Eingeweiden). Der Autor des Building Design Magazins, Oliver Wainwright, schrieb zum Turm: “It’s just an obnoxious statement and a totem pole to the richest man in the U.K.” (Es ist nur ein widerwärtiges Statement und ein Totempfahl des reichsten Mannes im United Kingdom; Brooks, Matt, Heavy Medal, in washingtonpost.com 11.5.2012).

Die Spiele überlasten zudem die Londoner Infrastruktur. Der Flughafen Heathrow ist schon im Normalbetrieb an der Kapazitätsgrenze. Es fehlt Personal, das Computersystem bricht häufig zusammen. 1000 Stellen wurden bei der Grenzbehörde “Border Agency” gestrichen; die Zollbeamten wollen demnächst streiken. “Kritisch ist auch der Tag vor der Eröffnung. Am 26. Juli soll sich die Zahl der Passagiere um 45 Prozent erhöhen” (Thibaut, Matthias, Olympia in London – mit Sicherheit ins Chaos, in tagesspiegel.de 5.5.2012). Für den 13. August mit der Abschlusszeremonie baut der Flughafenbetreiber BAA “einen Sonder-Terminal eigens für die 10.000 Sportler und Offizielle, die auf einen Schlag die Stadt verlassen wollen” (Ebenda).

Die Aufrüstung für die olympische Sicherheit geht weiter. “Sicherheit wird groß geschrieben. Ob der Ring von sechs Raketeneinheiten mit Boden-Luft-Raketen um das Olympiagelände zur Beruhigung beiträgt, steht aber auf einem anderen Blatt… 800 Marinesoldaten werden auf dem Kreuzer HMS Ocean in der Themse  stationiert. Von dort werden auch Typhoon-Kampfflieger und Hubschrauber mit Stinger-Raketen befehligt, die den Luftraum über den Olympischen Spielen gegen mögliche Terrorattacken sichern sollen. Die umstrittenen Raketenabwehrbasen, beruhigt Olympia-Militärchef General Sir Nick Parker, seien ‘die letzte Verteidigungslinie’, um eventuell nach 9/11-Vorbild angreifende Flugzeuge abzuschießen” (Ebenda). Den Befehl zum Flugzeug-Abschuss würde Premier David Cameron persönlich geben.
Die britische Armee kann bei den Spielen eine neue akustische Waffe einsetzen: Sie gibt bis zu 150 Dezibel  ab, kann gezielte Angriffe auf menschliche Ohren machen und hat eine hörbare Reichweite von knapp neun Kilometern (Akustik-Waffe für Olympia, in SZ 14.5.2012),
Die olympische Friedensbewegung wirft ihre Schatten voraus.
Vergleichge auch den Artikel von Julian Boykoff.

Wada, DOSB-Präsident Bach und das Erfurter UV-Blutdoping

Die World Anti-Doping Agency (Wada) hatte bisher in allen Instanzen das am Olympiastützpunkt Erfurt praktizierte UV-Blutdoping spätestens ab 2005 als verboten erklärt. Im Mai 2012 ruderte die Wada zu – fast – jedermanns – Überraschung  zurück und deklarierte nun das UV-Blutdoping erst ab 2011 als verboten. Damit teilte die Wada plötzlich die von DOSB-Präsident Bach vertretene Meinung. Damit dürfen von den vorher betroffenen 30 Sportlern mindestens 25 zu den olympischen Sommerspielen London 2012 fahren.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
Vergleiche hier.

Das X-Games-Event

Vom 27. bis 30.6.2013 (dazu 2014 und 2015) werden im Münchner Olympiapark die Sommer-X-Games stattfinden, die es seit 1995 in einer Winter- und Sommerversion gibt. Sie werden jährlich an sechs Orten ausgetragen und wurden zum größten internationalen Event, zu “Weltspielen der Actionsportarten”. Die X-Games sind ein Franchise-Unternehmen des amerikanischen Fernsehsenders ESPN (Entertainment and Sports Production), der zum Disney-Konzern gehört. Das IOC hat sich bei den X-Games bedient und die Sommerdisziplinen BMX, Mountainbike und Skateboard sowie die Winterdisziplinen Snowboard und Skicross in das olympische Programm übernommen. “Olympia hat uns umarmt, und das hat uns enorm vorangebracht”, sagte ein Vermarkter (Klein, Günter, X-Games: Die Action-Sportarten zu Olympia, in Münchner Merkur 4.5.2012).
Der Olympiapark-Chef Ralph Huber schwärmte von “olympischen Spielen der Extremsportarten” (Lode, Silke, Willkommen zum Ersatz-Spektakel, in SZ 3.5.2012). “The Show must go on heißt die zynische Devise – und Stadt und Olympiapark GmbH freuen sich so überschwänglich, als wären die X-Games echte Olympische Spiele” (Schnitzler, Johannes, Events um jeden Preis, in SZ 3.5.2012). Dazu gibt es an den vier Tagen noch Live-Konzerte, Fashionshows und Filme – das übliche Hully-Gully für Event-Fans. “Die Zielgruppe besteht aus jungen Partygängern, die alles lieben, was schnell ist und dafüür schnell Geld ausgeben” (Ebenda).
Skateboarder und BMX-Fahrer kämpfen im Olympiastadion und auf einer Halfpipe im abgelassenen Olympiasee, Freestyle-Motocrosser in der Olympiahalle. Eine vierte Sportart könnte “Rally Car Racing” sein: “Da fahren vier bis sechs Autos, die aussehen wie eine Mischung aus DTM- und Rallye-Boliden, über einen Kurs mit Sprüngen und ein bisschen ‘Dirt’” (Klein 4.5.2012).
Das Budget, das der Münchner Olympiapark dafür jährlich aufbringen muss, liegt bei 3,3 Millionen Euro; das Risiko für die Stadt München soll bei einer Million Euro liegen, was abzuwarten bleibt (X-Games in München, in sueddeutsche.de 1.5.2012; Merz, Markus, Der X-Games-Park, in abendzeitung-muenchen.de 2.5.2012).
Johannes Schnitzler fragte in der SZ: “Nächster Showroom München – der Gewinner ist ESPN… Aber Events um jeden Preis? DTM, Supercross, Ski-Weltcup – dem jeweils einmaligen Ereignis wird der rote Teppich respektive grauer Asphalt ausgerollt… Was der Münchner Olympiapark aber auf jeden Fall braucht, ist eine Identität. Sonst verkommt er zum x-beliebigen Funpark” (Ebenda).
Dazu hat ihn der Chef Ralph Huber längst gemacht.
(Vergleiche auch Januar 2012 und im Kritischen Olympischen Lexikon: Event

Neues von der Ausstellung “Mythos Olympia – Kult und Spiele”

Über die Ausstellung des Martin-Gropius-Baus und der skandalösen Einflußnahme von Katar bzw. der Qatar Museums Authority, wurde in der Chronologie Januar und Februar 2012 berichtet. Nun verzichtet die Leitung ganz auf den umstrittenen zweiten Teil der sich mit den Olympischen Spielen seit 1896 beschäftigen sollte. Offizielle Begründung: Er würde nicht rechtzeitig fertig werden. Der zweite Teil wird dann aber in Doha und Athen gezeigt – außerhalb deutscher Einflußnahme (Gropius-Museum verzichtet auf das moderne Olympia, in zeit.de 10.5.2012).

Das Olympische Erbe München 1972 wird immer teurer

Wie bereits mehrfach erwähnt, kommen die diversen Olympiabauten (Stadion, Halle, Park, Regattastrecke etc.) den Münchner Haushalt teuer zu stehen. In die Bauten im Olympiapark müssen weitere dreistellige Millionenbeträge investiertt werden. Auch die Regattastrecke in Oberschleißheim ist in einem ziemlich verrotteten Zustand, da seit 40 Jahren nichts mehr investiert wurde: Allein die Sanierung der Tribüne wird auf mindestens acht Millionen Euro geschätzt. Dazu verursacht sie im Jahr eine halbe Million Euro Betriebskosten. Sie ist im alleinigen Besitz der Stadt München, nachdem sich die Alteigentümer Bund (1992) und Freistaat (2011) zurückgezogen hatten (Bachhuber, Klaus, Regatta ohne Ruderer in SZ 27.2.2012; Bock, Willi, Wettlauf um die Olympia-Regattastrecke, in abendzeitung-muenchen.de 8.5.2012). “Seit 1985 kursieren Gerüchte über eine Zerschlagung der Anlage” (Beck, Judith, Ratlose Ruderer, in SZ 9.5.2012).
Einige CSU-Stadtratsmitglieder hatten bereits im März 2012 moniert, “dass der Stadtrat zum wiederholten Mal Kostenexplosionen bei Aktionen zur ‘Zukunftsfähigkeit des Olympiaparks’  habe absegnen müssen” und sprachen von “Reibungsverlusten ohne Ende” (Olympiapark: Stadt verteidigt Kosten, in SZ 6.3.2012).
Als Leiter des Münchner Sportamtes und damit zuständig für die Münchner Sportanlagen tauchte im Mai 2012 ein alter Bekannter wieder auf: der ehemalige Geschäftsführer des DAV und Aufsichtsrat von München 2018, Thomas Urban, der zur Durchsetzung der München-2018-Befürwortung im DAV den ehemaligen DAV-Präsidenten Heinz Röhle gestürzt hatte. “Urban ist es zu verdanken, dass der DAV nicht wie andere Naturschutzverbände seine Unterstützung für die Olympiabewerbung zurückgezogen hat. Diese Haltung war seinerzeit in dem mitgliederstarken Verein heftig umstritten” (Mann vom Fach, in sueddeutsche.de 11.5.2012). Urban kam im Münchner Sportamt unter und kämpft jetzt um weitere Millionen für den Sport.

Special Olympics in Deutschland

Die Wettkämpfe für Menschen mit geistiger Behinderung finden vom 20. bis 26. Mai 2012 in München statt. 4500 Athleten, 2000 Trainer, tausende Helfer und Familienmitglieder nehmen daran teil (Laufer, Simon, Gemeinsam stark in München, in SZ 17.11.2011).
Wir werden über das fragwürdige Spektakel berichten.

Deutschland angeblich geil auf Olympische Spiele

Forsa, Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen, fand im Ma 2012 heraus, dass 68 Prozent der Deutschen möchten, dass sich Deutschland erneut um Olympische Spiele bewirbt; 63 Prozent fanden es prima, dass es immer weitere olympische Sportarten gibt, 37 % erhoffen sich einen Imagegewinn für Deutschland;  usw. Auftraggeber der Studie ist der Finanzdienstleister AWD, der von Carsten Maschmeyer gegründet wurde und nun zu Swiss Life gehört. Eigene Angabe von AWD: “AWD ist ‘Offizieller Finanzoptimierer der deutschen Olympiamannschaft’. Bereits seit den Olympischen Wettkämpfen in Athen 2004 ist AWD Co-Partner der deutschen Olympiamannschaft” (AWD, Deutsche sagen “Ja” zu Olympischen Spielen, presseportal.de 14.5.2012).
Ein Schelm, der Böses dabei denkt…
Der DOSB setzte die Jubel-Meldung natürlich umgehend auf seine Webseite: “Rund zwei Drittel der Bundesbürger trauen den deutschen Sportlern zu, dass sie bei den Olympischen Spielen in London mindestens Platz fünf im Medaillenspiegel belegen” (Forsa-Studie: Zwei Drittel glauben an Olympiamannschaft, dosb.de 17.4.2012).
Die Forsa-Umfrage erinnert an frühere Umfragen im Zusammenhang mit der Bewerbung München 2018, wo explizit Sportbegeisterte befragt wurden (genau 78,3 Prozent bei promit) oder keine Angaben zur Umfrage selbst gemacht wurden (Gesellschaft für Konsumforschung Nürnberg).

“Das weiß nur der Doktor Jungwirth” – Neues vom ÖOC

Am 7.5.2012 begann in Wien der Prozess gegen den ehemaligen Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), Heinz Jungwirth, der diese Position von 1982 bis 2009 innehatte: “der über ein Vierteljahrhundert mächtigste Mann im österreichischen Sport” (Albrechtsberger, Philipp, Jungwirth: “Es waren alle glücklich”, in kurier.at 7.5.2012). Er soll zwischen 2003 und 2009 mit Hilfe seiner Stellvertreterin und des ÖOC-Kassiers insgesamt etwa 3,5 Millionen Euro Gelder aus Vergütungen des IOC und Sponsorengelder veruntreut und auf einem “Schwarzgeldkonto” geparkt haben. Damit wurden der Reitlehrer des Sohnes, Nobelautos, Hausumbauten und Urlaube bezahlt. Über das Schwarzgeldkonto wurde aber auch eine Einladung des weißrussischen Diktators Alexander Lukaschenko nach Österreich bezahlt (Möseneder, Michael, Der Generalsekretär und der “windige Verein”, in derstandard.at 7.5.2012).
Der Richter war verwundert: “Ich frage mich, ob es im ÖOC auch normale Konten gegeben hat” (ÖOC: Jungwirth streitet Vorwürfe ab, in kurier.at7.5.2012). Jungwirth behauptete, dass der frühere ÖOC-Präsident Leo Wallner ihm freie Hand gelassen habe, beispielsweise beim “Österreich-Haus” bei Olympischen Spielen: “Kein Mensch hat mir gesagt, was es kosten darf… Gut muss es sein, passen muss es” (Ebenda).
Der von 1990 bis 2009 amtierende und dann im Herbst 2009 zurückgetretene ÖOC-Präsident Wallner ist auch involviert und wird in Salzburg angeklagt. Er soll wie Jungwirth Schadensersatz an das ÖOC leisten. Der ÖOC-Anwalt erklärte: “Das Problem für das heutige, das neue ÖOC besteht darin, dass wir fast keine Unterlagen haben, die sind alle verschwunden” (Kreuzer, Heinz Peter, Außer Kontrolle, in dradio.de 5.5.2012). Die gesamte Buchhaltung des ÖOC bis 2005 ist nämlich nicht mehr aufzufinden (Jungwirth-Prozess vertagt, Neues Gutachten beantragt, in kurier.at 9.5.2012; Wallner: “Hatte kein Wissen über Schwarzgeldkonto”, in kurier.at 8.5.2012; Möseneder, Michael, Gespenstischer Aktenschwund beim ÖOC, in derstandards.at 9.5.2012).
Am 3. Juli 2012 wird in Wien weiterverhandelt
Ermittelt wird auch gegen die ehemaligen Chefs der Bewerbungen Salzburg 2006, 2010 und 2014, Fedor Radmann, Gernot Leitner und Rudolf Höller und den Strategieberater Erwin Roth (Kreuzer).

Fußball-Munich de Luxe

Zum Endspiel der Fußball-Champions-League am 19.5.2012 in München (FC Bayern gegen FC Chelsea) legten nicht nur die Preise zu, sondern auch die Diktate der Uefa.
Die Flugstrecke  Heathrow-München kostet manchmal unter 100 Euro; am 19.5. verlangt die Lufthansa 460 Euro. Ein Zwei-Sterne-Hotel im Münchner Vorort Freimann verlangt für das Doppelzimmer 499 Euro, ein Drei-Sterne-Hotel in der Schwanthalerstraße 999 Euro. Karten für das Public Viewing wurden vom Olympiapark für fünf Euro abgegeben und werden inzwischen bei Ebay für 50 Euro versteigert (Tibudd, Michael, 1000 Euro fürs Doppelzimmer, in SZ 8.5.2012).
In der Allianz-Arena, pardon, “Fußball-Arena”, musste auf Befehl der Uefa der Allianz-Schriftzug verhüllt werden. Es wird Bier des Sponsors Heineken ausgeschenkt. Alkoholfreies liefert Heineken nicht: Deshalb kommt hier Paulaner zum Zug (Schubert, Andreas, Bier für die Welt, in SZ 9.5.2012). Alle Neonröhren müssen mit den Uefa-Farben Blau, Grün und Türkis ummantelt werden.
Die Uefa hat am 19.5. das Hausrecht und verfügt über das gesamte Stadion. Man rechnet mit 200 Millionen Fernsehzuschauern in 210 Ländern: 2600 Journalisten und Presseleute wurden akkreditiert (Fuchs, Florian, Ausgesperrt, in SZ 9.5.2012).
Am 18.5. gibt es ein VIP-Fest der Uefa. Es kostet 200.000 Euro und wird von der Stadt München bezahlt, die keinen Einfluss auf die Gästeliste hat. Das war eine der vielen kostspieligen Bedingungen der UEFA an den Austragungsort des Endspiels. Und verdruckst ist man auch noch: “Die Uefa zeigte sich auf Anfrage überrascht und konnte aus dem Stegreif nicht erklären, warum ihre Party aus Steuergeldern bezahlt wird. Die Stadt weiß jedoch ganz genau, wie sie zum Geldgeber wurde: Die 200.000 Euro für die VIP-Party waren Teil des Pakets der Uefa, das München akzeptieren musste, um Gastgeber des Finales zu werden” (Ebenda).
München bezahlt dafür einen hohen Preis, nämlich mindestens 1,4 Millionen Euro: zusätzlich noch 400.000 Euro (Uefa und Stadt München zahlen jeweils die Hälfte) für die Verlegung des Rollrasen beim Finale der Damen am 17.5. im Olympiastadion (dort ist der Innenraum schon für die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft zubetoniert!); 110.000 Euro für das Fanfest im Olympiapark; 90.000 Euro für die Übergabe der Pokale an die Stadt im April etc. (Lode, Silke, Geheimsache  Fußball-Party, in sueddeutsche.de 14.5.2012; Hahn, Thomas, Kommerzdenken schlägt Ästhetik, in sueddeutsche.de 17.5.2012).
Wie üblich bei Sport-Großveranstaltungen werden keine Kosten für die Sicherheit aufgeführt. Sicher ist nur, dass auch diese Kosten die Steuerzahler übernehmen.
Die Bewerbung Münchens um dieses Finale entschied übrigens OB Ude am Stadtrat vorbei im Alleingang.

ARD und ZDF liefern olympische TV-Orgie

Im Mai 2012 kritisierten die deutschen Privatsender die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF wegen der “maßlosen” Berichterstattung über London 2012: In den Hauptprogrammen und im Internet sollen insgesamt 900 Stunden olympischer Sport gesendet werden; vom 27.7. bis 12.8.2012 sollen 260 Stunden olympische TV-Berichterstattung” in ARD und ZDF gezeigt werden.
Der Chef des ARD-Olympiateams, Walter Johannsen, bügelte die Privatsender ab: “Es gibt keine rundfunkrechtlichen Bedenken” (Zu viel Olympia im TV? Privatsender schimpfen, in Münchner Merkur 16.5.2012).
Vergleiche auch: Die Sport-Sender

Aktuelle Sportsplitter von IOC, Fifa etc. in April 2012

- Sotschi 2014: In der russischen Provinz Dagestan sprengten sich Selbstmordattentäter in die Luft. “Nur wenige hundert Kilometer entfernt finden 2014 Olympische Spiele statt” (Selbstmordattentäter verüben Doppelanschlag, in spiegelonline 4.5.2012).
Der russische Geheimdienst FSB “hat nach eigenen Angaben Pläne für Anschläge in Sotschi im Jahr 2014 aufgedeckt… Den Angaben zufolge wurden (…) große Waffenbestände sichergestellt, darunter auch Boden-Luft-Raketen und Panzerminen” (Moskau: Anschläge auf Olympia vereitelt, in SZ 11.5.2012).
- Die Ukraine, die Fußball-EM und die Uefa: folgt

- St. Moritz 2022: Der Bundesrat ließ sich am 9.5.2012 über den Stand der Bewerbung St. Moritz 2022 informieren. Ob er eine Kandidatur unterstützen wrd, scheint offen. Gleichzeitig wartet der Bundesrat aber auf die Machbarkeitsstudie und begrüsst den Willen der Initianten, Spiele vorzuschlagen, die sich “aus Respekt vor Mensch und Natur an den Gegebenheiten des Landes orientieren” (Bundesrat wartet auf Machbarkeitsstudie, in nzz.ch 9.5.2012).
Dieser Teil der Schweiz – St. Moritz und Davos – wären von gravierenden Eingriffen bedroht: wie bei allen Olympischen Spielen geschehen. Der Greenwashing-Prozess ist im vollen Gang: in Wirklichkeit spielen Mensch und Natur im olympischen Geschäft keine Rolle.

- Die Verschuldung von Spanien soll kein Hindernis für die olympische Bewerbung von Madrid für die Sommerspiele 2020 darstellen. Im Gegensatz zum Rom zieht Madrid die Bewerbung aus finanziellen Gründen nicht zurück (vergleiche auch Chronologie April 2012). Die Geschäftsführerin des Spanischen Olympischen Komitees, Theresa Zabell, betonte, dass Madrid die Bewerbung auf keinen Fall zurückziehen würde: “This is not going to be Rome II” (Grohmann, Karolos, Spain recession will not affect Madrid 2020 Olympics bid, in uk.reuters.com 9.5.2012). Zabell legte die üblichen olympischen Leimruten aus: “Wir brauchen die Spiele wirklich. Wir haben eine hohe Arbeitslosenrate, und wir brauchen die Spiele, um das Land voranzubringen” (Ebenda).
Die Seglerin Zabell ist – wie so oft bei Sportfunktionären – ein olympisches Geschöpf: Sie gewann 1992 und 1996 olympisches Gold und steht in Treue fest zum IOC. Dass sie damit die dritte Bewerbung Madrids unterstützt und die spanische Hauptstadt im Verbund mit Madrids Bürgermeisterin Ana Botella im Fall einer erfolgreichen Bewerbung 2020 ins sichere Unglück stürzen würde, steht auf einem anderen Blatt.
Vergleiche hierzu London 2012

- Bei den Olympischen Sommerspielen London 2012 dürfen wieder einige altbekannte Leichtathletik-Dopermitwirken: Der 100-Meter-Spprinter Dwain Chambers wurde 2003 positiv getestet. Justin Gatlin, der 100-Meter-Olympiasieger von 2004, wurde seit 2001 mehrfach des Dopings überführt und 2006 ursprünglich bis 2014 gesperrt (Hahn, Thomas, Vorhang auf für die Überführten, in SZ 10.5.2012; Wikipedia). Ein Grund für die Rückkehr: Der Internationale Sportgerichtshof Cas kippte die Osaka-Regel des IOC, wonach ein überführter Doper nach Ablauf ihrer Sperre automatisch für die nächsten Olympischen Spiele disqualifiziert seien.

- Rangfolge bei Games Bids für die Olympischen Sommerspiele 2020: Baku/Asserbeidschan (2. Bewerbung): 43,66, Doha/Katar (2. Bewerbung): 53,08, Istanbul/Türkei (3. Bewerbung): 60,20, Madrid/Spanien (3. Bewerbung): 55,10, Tokyo/Japan (2. Bewerbung): 59,92 (Livingstone, Robert, BidIndex: Istanbul, Tokyo Lead 2020 Olympic Bid in Volatile Race, gamesbids.com 14.5.2012). Nachteil Madrid: Spanien ist so gut wie bankrott (“Madrid has proposed a budget significantly lower than all other bid rivals”; ebenda). Hier ist also nicht so viel zu holen: Das wird beim IOC nicht so gern gesehen.

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Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2:
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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