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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Januar 2014

 
Zuletzt geändert am 30.09.2017 @ 17:06

Webseite-Besucher
Im Dezember 2013 besuchten 26.194 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite. Von Februar 2010 bis einschließlich Dezember 2013 hatten wir damit 768.113 Besucher. Wir bedanken uns für das anhaltende Interesse. Ab Januar 2014 wird www.nolympia.de etwas reduziert. Sotschi 2014 wird genau bewertet.

In eigener Sache
Die Webseite und ihre Informationen stehen allen zur Verfügung, um die tatsächlichen Hintergründe im Sport aufzuzeigen und zu beschreiben. Ich bemühe mich meinerseits, korrekt zu zitieren und Quellen anzugeben. Umgekehrt erwarte ich, dass auch die Nolympia-Webseite als Quelle in den Artikeln von Journalisten fairerweise angegeben wird. Es ist nicht hilfreich, wenn Journalisten bei mir lange um Informationen und um Hintergrund-Materialien zu den olympischen Fachthemen nachfragen und dann diese ohne jegliche Quellenangabe in ihre Artikeln einarbeiten.
Dr. Wolfgang Zängl

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Neu unter „Aktuelles:
Sotschi 2014/I 2007 – 6/2013: hier
Sotschi 2014/II 7-12/2013: hier
Sotschi 2014/III 1/2014: hier

Sotschi 2014/IV 2/14: hier

Neu im Kritischen Olympischen Lexikon: Pferde-Sport

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Zitate des Monats

„Allein die Seilbahnen Österreichs haben seit 2000 rund sechs Milliarden Euro in ihre Infrastruktur gesteckt“ (Brönstrup, Carsten, Wahnsinn am Berg, in tagesspiegel.de 13.1.2014).

Die Schweizer Skirennfahrerin Lara Gut zur Vergabe an Sotschi: „Die Olympischen Spiele sollten sportlich bleiben und nicht zu politischen Spielen werden. Es ist nicht der richtige Weg, die Olympischen Spiele des Geldes wegen zu vergeben“ (Skifahrerin gut kritisiert Vergabe an Sotschi scharf, in spiegelonline 26.1.2014).

Anatolij Pachomow, Bürgermeister von Sotschi, im Interview mit der BBC: „Hier gibt es keine Schwulen“ („Es gibt keine Schwulen in Sotschi“, in spiegelonline 28.1.2014).

Franz Beckenbauer zur Fußball-WM in Katar: „Und ich finde, wenn einer mault, dann bleibt er zu Hause, dann findet die WM eben ohne ihn statt“ (Wallrodt, Lars, „So gut wie jetzt war der FC Bayern noch nie“, in weltonline 29.1.2014).

Alpenschutzkommission CIPRA zu Olympischen Winterspielen: „Es gibt keine Olympischen Winterspiele, die in die Alpen passen“ (CIPRA, Zehn Argumente gegen Olympische Winterspiele in den Alpen, www.cipra.org 28.1.2014).

Alpenschutzkommission CIPRA zu Olympischen Winterspielen: „Die AlpenbewohnerInnen können sich glücklich schätzen über die olympiafreie Dekade“ (Warum Sotschi nicht in den Alpen liegt, CIPRA-Medienmitteilung, Schaan 29.1.2014).

Wladimir Kimajew von der Umweltwacht Nordkaukasus: Grüne Spiele? Ich höre diesen Ausdruck immer wieder. Ich weiß aber nicht, was er bedeuten soll“ (Spannagel, Lars, Olympia in Sotschi – die reinste Umweltkatastrophe, in tagesspiegel.de 30.1.2014).

FIS-Präsident Gian-Franco Kasper äußerte zu Sotschi: „Das macht den Sport kaputt, das sehen wir ganz klar“ (IOC-Mitglied Kasper: Gewaltige Kosten machen Sport kaputt, in SID/zeitonline 31.1.2014).

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Die Gliederung im Januar 2014 sieht so aus:

I: Nachrichten aus Sotschi 2014
II: Nachrichten von Olympischen Spielen und dem IOC
III: Aktuelle Sportsplitter
IV: Allgemeine Nachrichten
V: Sport-Millionen und -Millionäre
VI: Aktuelle Fußball-Sportsplitter von Fifa, Uefa etc.
VII: Doping-News
VIII: Die Sportsender ARD/ZDF

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I Nachrichten aus Sotschi 2014
Vergleiche  auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Putin, Wladimir

– Bachs Neujahrsbotschaft. In einem Kommentar zu Thomas Bachs Neujahrsbotschaft stellte Reinhard Schüssler in „Der Westen“ fest, dass sich Bach, der sich ins höchste Sportamt des IOC-Präsidenten laviert hat, mit keinem Mächtigen – und schon gar nicht mit Putin – anlegen möchte: „Um Terrorakte im Vorfeld der Spiele als ‚feige‘ zu verurteilen, ist nun wahrlich kein Mut nötig. Eher schon dafür, mit der Autorität des IOC-Vorsitzes nachdrücklich auf die Menschenrechtsverletzungen und das aktuell im Fokus stehende Anti-Homosexuellen-Gesetz im Land des Olympia-Gastgebers hinzuweisen. Doch Bach, der mit Lavieren die oberste Sprosse der Funktionärs-Karriereleiter erklommen hat, geht auch diesmal den Weg des geringsten Widerstandes und legt sich nicht mit noch Mächtigeren an. Mehr noch: Mit seinem platten Appell, die Olympischen Spiele sollten ‚keine Plattform für Politik‘ sein, ignoriert er geflissentlich die Realität. Hat es doch unpolitische Spiele noch nie gegeben. Niemand weiß dies besser als der IOC-Präsident“ (Schüssler, Reinhard, Bachs Botschaft: Sich mit keinem anlegen, in derwesten.de 1.1.2014).

– Rosa Chutor. Das neue Skiressort Rosa Chutor wurde vom russischen Oligarchen Wladimir Potanin erbaut. „Er hat beste Beziehungen zum Kreml. Rund 2,5 Milliarden US-Dollar hat er eigenen Angaben zufolge allein in das Skigebiet Roza Chutor investiert. Dass das in absehbarer Zeit Profit abwirft, ist unwahrscheinlich“ (Dornblüth, Gesine, Vom Badeort zum Wintersportmekka, in deutschlandfunk.de 5.1.2014). Der Direktor von Rosa Chutor, Aleksandr Belokobylskij, erläuert am Modell von Rosa Chutor: „Wir haben das meiner Meinung nach größte System für Kunstschnee an einem Kurort gebaut. Hier sind zwei Wasserreservoirs, von dort transportieren vier Pumpstationen das Wasser hoch bis zum Start der Abfahrt der Männer. Wir haben bereits 406 Schneekanonen fest installiert und weitere 25 mobile Kanonen“ (Ebenda). – „Potanin wird nach den Spielen an jedem Skipass, jeder Bratwurst und jedem Bier verdienen – ganz Khutor ist Privatbesitz“ (Spannagel, Lars, Olympias  Sklaven machen es möglich, in tagesspiegel.de 4.1.2014).

– Russische Nationale Aufgabe. „Die russische Regierung  hat Sotschi 2014 zur nationalen Aufgabe erklärt, Misstöne  sind unerwünscht“ (Ebenda).
In Deutschland hießen die Bewerbungen München 2018 und München 2022 fast genauso: „Nationales Anliegen“ im Namen der Bundesregierung und  des Freistaates Bayern.

– Sotschis White Elephants. „Doch was macht Sotschi nach Olympia? Bekannt als Kurort für die russische Mittelklasse, kann die Region nicht darauf hoffen, all die neuen Gästezimmer zu Olympia-Preisen zu füllen. (…) Zwar hat Sotschi jetzt in den Bergen ein perfekt angeschlossenes Wintersportangebot, mit dem es sich vom Sommergeschäft unabhängiger machen kann. Schwierig ist jedoch die Nachnutzung der sechs neu gebauten Stadien an der Küste. Eines ist der große Eispalast, und an ihm zeigt sich das Dilemma exemplarisch: Dort werden die wichtigsten Eishockey-Spiele stattfinden, und Eishockey ist vielleicht die wichtigste Sportart in Russland. Doch der Palast hat nur Platz für 12.000 Besucher, ein Drittel weniger als das Stadion im kanadischen Vancouver bei den Spielen 2010. Denn direkt nebenan steht schon das Hauptstadion „Fischt“ mit Raum für 40.000 Personen. (…)  Zwei gigantische Hallen nebeneinander könnten in Sotschi für den Dauergebrauch etwas viel sein, sagt Uliana Barbuschewa, die stellvertretende Stadionmanagerin. (….) Im Jahr 2012 hieß es noch, die Hälfte der Stadien an der Küste könnte abgebaut und in andere Landesteile transportiert werden. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede, stattdessen sollen sie unter anderem als Mehrzweckhallen, als Velodrom oder als Sportzentrum für Kinder genutzt werden“ (Triebe, Benjamin, Sotschi zwischen Wunsch und Wirklichkeit, in faz.net 2.1.2014).

– Die Situation der Homosexuellen in Sotschi. „Olympische Spiele in Russland – und Wladimir Putin drangsaliert Homosexuelle mit absurden Gesetzen. Ausgerechnet im Austragungsort Sotschi haben sich Schwule und Lesben ein kleines Paradies geschaffen. Aber wie lange geht das gut?“ Vorspann zum Artikel von Thorsten Schmitz: „Geschminkte Wahrheit“ im SZ-Magazin 2/10.1.2014

– Simon Jenkins schrieb zu Sotschi in The Guardian: „Eine Armee von 30.000 Mann wird eingesetzt. Weitere 40.000 Polizisten und Sicherheitskräfte des Inneren liegen in Reserve. Raketenwerfer und Verfolgungseinheiten sind eingeteilt. Luft- und Seeeinheiten stehen bereit… Zusätzliche Straßensperren riegeln 60 Meilen „Verbotszone“ ab. Darin werden alle Bewegungen überwacht und kontrolliert… Sport als Stellvertreter für Krieg ist so alt wie George Orwell. Aber moderne Groß-Ereignisse sind keine Stellvertreter mehr für irgendwas. Sie sind selbst bombastische, staatliche, kommerzielle, nationalistische Versammlungen, die heutzutage zum Terrorismus einladen“ (Jenkins, Simon, Winter Olympics: one day the worm will turn against these gods of sport, in theguardian.com 10.1.2014). Die Olympischen Winterspiele sind laut Jenkins die Ausrede für Putins extravagantes Sotschi. Dieser nannte bei der Bewerbung die lächerliche Summe von umgerechnet neun Milliarden Pfund. „Ich bezweifle, dass das IOC überhaupt gelächelt hat. Es konnte das Geld förmlich fühlen. Und alles an diesen Spielen ist Politik. Putin hat die Spiele bewusst in das Pulverfass des Nordkaukasus gelegt – meilenweit weg von Eis oder Schnee -, um die Strenge seines Regimes zur Schau zu stellen: in einer explosiven Region mit den abtrünnigen Tschetschenen, Tscherkessen, Dagestanier und Inguscheten“ (Ebenda). Jenkins beschreibt diese Sport-Großereignisse als gröbste Form der Politik, nämlich als nationales Prestige. „Der athletisch-militärisch-industrielle Komplex scheint eine faszinierende Anziehung auf die Führer der Welt auszuüben, eine Anziehung, die fachmännisch von Institutionen wie dem IOC und der Fifa ausgenutzt wird… Aber eines Tages wird sich das Blatt wenden. In Rio begehren die Armen (und die nicht so Armen) gegen diese Verschwendung auf. In Sotschi erweist sich Putins Spiel mit dem internationalen Terrorismus bereits als tödlich. So wie es geplant ist, werden in Katar Fußballer in der Hitze sterben, und die Stadien werden in der Wüste vermodern wie Ozymandias Ruinen. Eines Tages wird das alles schrecklich schiefgehen. Vielleicht hat dann ein mutiger Regierender den Schneid, diesen Unsinn zu beenden“ (Ebenda; Ozymandias war in einem Gedicht von Shelley aus dem Jahr 1817 ein Synonym für den Pharao Ramses II).

– Zum Kaukasus-Druckkessel Jochen Bittner und Cathrin Gilbert in Die Zeit: „Das geopolitische Umfeld, in das Wladimir Putin die Olympiapisten hat planieren lassen, lässt sich – freundlich – als Herausforderung beschreiben. Der Kaukasus ist eine Art Druckkammer aus geschichtsbeladenen, kriegstraumatisierten Ethnien und imperialen Kämpfen, die teils Jahrhunderte, teils nur Jahre zurückreichen“ (Bittner, Jochen, Gilbert, Cathrin, Vormarsch der Islamisten: „Es kann auch ein blonder Täter sein“, in die Zeit 19.1.2014).

– Tagung in Hamburg. „Die Olympischen Winterspiele & die Tscherkessen“ hieß eine Tagung des Hamburger Museums für Völkerkunde am 19.1.2014 in Hamburg. Programm: hier, Film „No Sochi! (2014: Winter of Discontent): hier
Literaturempfehlung: Manfred Quiring, Der vergessene Völkermord – Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen, Berlin 2013

– Finnlands Sportminister Paavo Arhinmäki fährt auch nicht nach Sotschi. „Arhinmäki nannte unter anderem die Verletzung der Menschenrechte in Russland als Grund für sein Fernbleiben. ‚Als Politiker muss ich es nicht unterstützen, wenn Menschenrechte missachtet, die freie Meinungsäußerung gegeißelt und sexuelle Minderheiten verfolgt werden‘, sagte der Politiker. Zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013 in Moskau war Arhinmäki noch gereist, hatte dort aber mit dem Tragen einer Regenbogenfahne gegen die verschärften Homosexuellen-Gesetze von Russlands Staatschef Wladimir Putin protestiert“ (Auch Finnlands Sportminister Arhinmäki boykottiert Sotschi, SID in zeitonline 17.1.2014). Damit haben abgesagt: Bundespräsident Joachim Gauck, die EU-Justizkommissarin Viviane Reding, Bundeskanzlerin Angela Merkel (vertreten durch den Bundes-Sportinnenminister Thomas de Maizière), der französische Präsident Francois Hollande, Israels Premier Benjamin Netanjahu, Großbritanniens Premier David Cameron (vertreten durch Sportministerin Helen Grant) (Ebenda). Vergleiche hierzu: Sotschi 2014 ohne Gauck, Reding, Hollande – und die anderen? hier

– Vesper: Sotschi 2014, München 2018, Deutschland 20?? „Es gibt keinerlei Restriktionen für Sportler, sich politisch zu äußern. Jedem ist es unbenommen, in Interviews seine Meinung zu sagen. Doch die Olympischen Wettkämpfe sollen eine Bühne des Sports bleiben. Verboten sind deshalb an den Sportstätten und im Olympischen Dorf demonstrative Aktionen“ (Zweigler, Reinhard, „Mir blutet das Herz, wenn ich das sehe“, in mittelbayerische.de 20.1.2014). – „In Sotschi musste alles neu gebaut werden: die Sportanlagen, Hotels, Straßen, und es wurde erheblich teurer als geplant. (…) Das Gegenmodell war die deutsche Olympia-Bewerbung von München für nachhaltige Winterspiele 2018, wo im Grunde bereits alles da gewesen ist“ (Ebenda). Alles da gewesen… Bei München 2022 seien 84 Prozent aller Sportstätten vorhanden gewesen – sagten die Befürworter. Alles da? Das einzige Gebäude, das heute München 2022-tauglich gelten kann, ist der Münchner Flughafen. „Wir werden nach den Spielen von Sotschi über eine mögliche neue deutsche Bewerbung für Olympische Spiele beraten. Ich kann nur sagen: Die nächste Bewerbung muss sitzen, auch wenn es vielleicht nicht im ersten Anlauf klappt“ (Ebenda). Fazit: Nichts verstanden.

– Putin gegen Boykott von Putins Spielen. Wladimir Putin beurteilte die Debatte über einen Boykott von Sotschi 2014 als „dumm“ und verwendete EDV-Satzbausteine, die sonst im Wortschatz des IOC vorkommen: Solche Sportereignisse sollen die schärfsten internationalen Spannungen „entpolitisieren“ und Brücken bauen. An die Adresse der Homosexuellen gerichtet sagte er: „Aber bitte lassen Sie Kinder in Ruhe“ („Das ist dumm“, in SZ 20.1.2014). Vielleicht sollte sich Putin einmal den Unterschied zwischen Homosexuellen und Pädophilen erklären lassen…

– Putins Sport-Gang. „Sport ist Außenpolitik, so sieht das der Kreml“ (Aumüller, Johannes, Überall Bekannte, in SZ 15.1.2014). Putins Spiele sind ein Produkt von Putins Sportfunktionären und Oligarchen, die den Weltsport erobert haben. Johannes Aumüller listete einige davon auf: -Fußball: Witalji Mutko ist Russlands Sportminister. Sergej Fursenko ist liiert mit Gazprom (demnächst hier mehr über die Verbindung Putin-Gazprom aus dem Buch von Jürgen Roth: Gazprom, WZ) und Vorstandsmitglied in der Uefa. „Gemeinsam mit Fursenko, dessen Bruder Andrej und noch ein paar anderen heute einflussreichen Personen gründete Putin Mitte der neunziger Jahre die sagenumwobene Datschen-Kooperative Osero (zu deutsch: See)“ (Ebenda). IOC: Vier IOC-Mitglieder hat Russland (nur die Schweiz hat eines mehr). Dazu gehören Witalji Smirnow (seit 1971) und Schamil Tarpischtschew (seit 1994). Alexander Schukow (seit 2013) war u. a. Putins Vize-Premier, von 1998 bis 2003 Mitglied des Aufsichtsrats der Sberbank und Mitglied des Wirtschaftsrates der russischen Regierung, seit 2010 Präsident des russischen NOK und der ehemalige Schwimmer Alexander Popow (seit 1999). Dazu mischen viele russische Putin-Freunde in den internationalen und nationalen Sportverbänden mit:
– Fechten: „Präsident des Fecht-Weltverbandes ist der Kreml-nahe Oligarch Alischer Usmanow, der mit einem Vermögen von geschätzt knapp 20 Milliarden Dollar zu den reichsten Männern der Welt zählt“ (Ebenda). – Rhythmische Sportgymnastik: Usmanows Frau Irina Viner ist Cheftrainerin des russischen Nationalteams und in diversen internationalen Komitees. – Radsport: Igor Makarow setzte den heutigen UCI-Präsidenten Brian Cookson gegen Pat McQuaid durch. – Schießsport: Wladimir Lisin („ein Dauer-Konkurrent Usmanows um den Titel ‚reichster Russe'“; ebenda) führt den europäischen Verbandund ist Mitglied in der Welt-Exekutive. – Eishockey: Im Vorstand sitzt der Duma-Abgeordnete und Präsident des Russischen Eishockeyverbandes, Wjatscheslaw Tretjak. – Judo: „Und die Internationale Judo-Föderation listet in seiner Führungsgruppe einen ‚Development Manager‘ mit dem Namen Arkadij Rotenberg auf – jener Arkadij Rotenberg, der früher ein Judo-Partner Putins war und sich nach Medienberichten rund um die Spiele in Sotschi über lukrative Aufträge in Milliardenhöhe freuen durfte“ (Ebenda). Biathlon: Präsident ist der vermögende Russe Michail Prochorow. – Kanu: „Außenminister Sergej Lawrow sitzt dem zentralen Rat der Kanuslalom-Föderation vor“ (Ebenda). – Ringen: Purtin-Freund Michail Mamiaschwili führt den russischen Verband. – Schwimmen: Den nationalen Verband führt der Duma-Vorsitzende Sergej Naryschkin. – Volleyball: Den nationalen Verband führt der Sekretär des Sicherheitsrates, Nikolaj Patruschew (Ebenda). Usw. Weiter gehören dazu noch viele Putin-Freunde und Sportfunktionäre, die keine russische Staatsbürgerschaft haben – wie zum Beispiel Marius Vizer, den Präsident des Judo-Weltverbandes und des Präsidenten von Sportaccord, dem Zusammenschluss aller Sportverbände (früher GAISF).

– Bach „wie Putins Botschafter“. „IOC-Boss Bach versucht eine PR-Offensive, um den demolierten Ruf Sotschis vor den Spielen aufzupolieren. (…) Den Olympiafans weltweit droht die Vorfreude auf die Spiele völlig vermiest zu werden, und das Internationale Olympische Komitee droht weiteren schweren Schaden zu nehmen. Daher hat sich dessen Präsident nun offenkundig zu einer Einmanngegenoffensive entschlossen“ (Winterfeldt, Jörg, Wie Putins Botschafter, in berliner-zeitung.de 27.1.2014). Bach startete eine – wenig ergiebige – Telefonkonferenz mit Journalisten – angesichts von ausgebeuteten Sotschi-Arbeitern, überbordenden Kosten, der Homosexuellen-Debatte, den Sicherheitsproblemen. „Manchmal muss sich Bach dabei vorgekommen sein wie Putins russischer Botschafter bei der UNO, manchmal hörte er sich aber auch exakt so an“ (Ebenda). Zum Recht auf Meinungsäußerung sagte Bach: „Die Spiele sollten nicht als Bühne für politische Demonstrationen benutzt werden (…) aber die Athleten genießen die Freiheit der Meinungsäußerung. Sollten sie in Pressekonferenzen politische Statements abgeben wollen, steht ihnen das absolut frei“ (Ebenda). Großzügige Sport-Demokratur à la Bach und Putin!
Bach forderte eine Olympische Politiker-Besuchspflicht ein. Er kritisierte die Politiker, die demonstrativ nicht nach Sotschi fahren – und damit unter anderem auch Bundespräsident Joachim Gauck. „Ich finde, wenn Politiker eine politische Botschaft haben, dann sollten sie auch den Mut haben, diese Botschaft im direkten Dialog mit den politisch Verantwortlichen vorzubringen und sie nicht auf dem Rücken der Athleten zu transportieren“ (IOC-Präsident Bach kritisiert Politiker, in faz.net 26.1.2014). – „Die Spiele sind für die Athleten da und den Sport. Die Athleten sollten von den Politikern unterstützt werden“ (Ebenda). – „Man darf nicht den Fehler machen, dass man die politische Meinung über ein Land auf die Spiele überträgt“ (Ebenda). Bach kritisierte auch den Begriff „Putin-Spiele“ als Schlagwort: „Es sind Olympische Spiele in Russland“ (Ebenda).
Aus einem Kommentar dazu von Jürgen Kaube in der FAZ: „… und freuen uns auf Spiele demnächst vielleicht in Nigeria, Guantanamo oder Tschetschenien. (…) Es folgt daraus auch zwingend eine olympische Besuchspflicht für Politiker. Alles andere wäre ein Verstoß gegen die Rollenerwartung. Sich dem Gefilmtwerden (mit Herrn Putin, mit Rennrodlern, mit Herrn Bach, mit Herrn Vesper) durch Abwesenheit zu entziehen, wertet Bach entsprechend als Dialogverweigerung“ (Kaube,  Jürgen, Schüttelpflicht, in faz.net 28.1.2014).

– À propos Sicherheit: Der amerikanische Sicherheitsexperte Michael McCaul äußerte in der russischen Zeitung Nowaja Gaseta: „Laut meinen Informationen sind rund 100.000 Einsatzkräfte des Militärs und der Polizei sowie Spezialagenten in Sotschi vor Ort“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).

– Das IOC-Herz der Finsternis (1): „Selbst die Empörung westlicher Länder über das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz wertete der IOC-Chef als positive Auswirkung der Spiele. In weltweit mehr als 70 Ländern sei Homosexualität verboten – im Gegensatz zu Russland. (…) ‚ Zur gleichen Zeit finden in Nigeria drakonische Verschärfungen der Gesetzgebung gegen Homosexualität statt, die kaum wahrgenommen werden. Die aktuellen Diskussionen sind also eine positive Wirkung der Spiele‚, sagte Bach. Auch die Einrichtung von streng regulierten Protestzonen außerhalb des Olympia-Zentrums von Sotschi versuchte er als Erfolg zu verkaufen. ‚Es gibt jetzt schon Menschen in Russland, die ihre Meinung frei äußern. Auch hierzulande bedürfen Demonstrationen der Genehmigung. Und dem Sicherheitsbedürfnis der Spiele muss Rechnung getragen werden’, meinte Bach“ (Thomas Bach kritisiert fernbleibende Politiker, in sueddeutsche.de 26.1.2014; Hervorhebung WZ).

– Amnesty International resigniert. „Amnesty International teilte am Montag resigniert mit, das IOC habe auf vorgelegte Beweise für Menschenrechtsverletzungen ‚kaum effektive Maßnahmen ergriffen’“ (Kistner, Thomas, Originelle Erinnerungen, in SZ 28.1.2014).
Nach den Ausführungen des IOC-Präsidenten muss man in der Tat  feststellen, dass die Olympischen Winterspiele so exzellent nach Sotschi passen wie das IOC in das Putin-Russland!

– Umweltwacht Nordkaukasus widerspricht Bach. „Suren Gasarjan, Vorstandsmitglied der ‚Ökologischen Wacht im Nordkaukasus‘, widersprach der Behauptung des IOC-Präsidenten Thomas Bach, wonach für jeden gefällten Baum ‚mehr als drei neue Bäume‘ gepflanzt worden seien. (…) ‚Das  stimmt einfach nicht. Gemäß der offiziellen Angaben der an den Bauvorhaben beteiligten Firmen ist die Zahl der gepflanzten Bäume weit niedriger als die der gefällten“(Becker, Christoph, Russische Umweltschützer widersprechen Bach, in faz.net 27.1.2014). Der Biologe Gasarjan nannte allein für die Straßen- und Bahntrasse zwischen Sotschi und Krasnaja Poljana die Zahl von 242.561 gefällten Bäume; vom staatlichen russischen Bahnunternehmen RSchD seien aber nur 70.000 wieder aufgeforstet worden (Ebenda). Die ökologischen Schäden im Nationalpark Sotschi seien immens: „Für die subalpinen Grasflächen, die für die olympischen Bauten zerstört wurden, gibt es keinen Ersatz. (…) Wir haben gerade erst entdeckt, dass mehrere große Waldgebiete im Tiefland von Imeritinskaja nahe dem Olympiapark aus dem Nationalpark herausgenommen und zur kommerziellen Entwicklung ausgeschrieben wurden“ (Ebenda).
In diesem Zusammenhang fällt die Werbung im ZDF für die Sotschi-Übertragungen besonders unangenehm auf: Wölfe laufen auf das olympische Feuer zu…

 – Angst und  Einschüchterung. Jane Buchanan von Human Rights Watch äußerte, Russland benutze die Sicherheitsinteressen in und um Sotschi, “um Kritiker zu bedrängen und einzuschüchtern” (Menschenrechtler beklagen Druck in Sotschi, in faz.net 15.1.2014). Der Umweltaktivist Jewgeni Witischko von der Organisation Umweltwacht Nordkaukasus wurde gerade zu drei Jahren Haft verurteilt. Das IOC hält sich derweilen heraus. Buchanan: “… die Spiele in Sotschi finden stattdessen in einer Atmosphäre der Angst und Einschüchterung statt” (Ebenda). – “Witischko hätte das Zeug dazu, zum Protestgesicht der Spiele zu werden. Er ist Geologe und Mitglied einer Organisation namens ‘Ökologische Wacht für den Nordkaukasus’ – der Gruppe, die in den vergangenen Monaten am nachdrücklichsten die üblen Vorgänge und Umweltsünden rund um das geschätzt 50 Milliarden Dollar teure Lieblingsprojekt von Staatspräsident Wladimir Putin angeprangert und aufgedeckt hat. Schon 2012 war Witischko zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er gemeinsam mit anderen Aktivisten auf einen Zaun nahe der Sommerresidenz des Gouverneurs von Krasnodar Protestparolen gesprayt hatte. Ihrer Ansicht nach war der Zaun illegal errichtet worden, außerdem soll die Gouverneursvilla in einem Naturschutzgebiet stehen. Im Dezember 2013 wandelten die Instanzen die Bewährungsstrafe auf einmal in eine dreijährige Haftstrafe um. Ihr Vorwurf: Verstoß gegen die Bewährungsauflagen” (Aumüller, Johannes, Danach droht die Strafkolonie, in SZ 25.1.2014). „Auch Gasarjan geht davon aus, dass die Strafverschärfung in Witischkos Fall im Zusammenhang mit der Kritik an den olympischen Bauvorhaben zu sehen ist“ (Becker, Christoph, Russische Umweltschützer widersprechen Bach, in faz.net 27.1.2014). Igor Chestin, der Direktor von WWF Russland, hat wegen des Falls Witischko an Bach geschrieben. Der IOC-Mediendirektor Mark Adams antwortete mit einer Email: „Wir können, unabhängig von unserer Beurteilung von Geschehnissen, nur bei Belangen einschreiten, die in direktem Zusammenhang mit den Spielen stehen“ (Ebenda). „Für Gasarjan zeigt diese Antwort, dass das IOC nicht die Verantwortung übernehme, die es für Umweltschäden und Menschenrechtsverstöße während der Vorbereitung der Spiele trage“ (Ebenda).
Witischko lebt inzwischen im politischen Exil in Estland.

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– Kritische TV-Beiträge zu Sotschi 2014: 27.1.2014: Tagesschau: Ausgebeutet auf den Sotschi-Baustellen (Film von Florian Bauer): hier27.1.2014, 22.45 ARD (WDR): Putins Spiele (Film von Golineh Atai und Udo Lielischkies) 27.1.2013, 23.30 ARD (WDR): Verraten und verkauft (Film von Florian Bauer) Pressemitteilung: hier 28.01.2014, arte, 20.15: Putins Spiel

– „Öffentlich-rechtliche Olympiahygiene“ nannte Jan Freitag seinen Kommentar, warum gute kritische Filme über Putins Sotschi 2014 nur auf späten Sendeplätzen liefen. „Aber es gibt dieses gute, öffentlich-rechtliche Fernsehen für alle. Man muss nur ein bisschen suchen. An einem Montag kurz vor Mitternacht zum Beispiel. Da lief gestern Steffi Wursters exzellente Langzeitbeobachtung Brot und Spiele, die Ursachen und Wirkung der 22. Winterolympiade in Sotschi so schmerzhaft seziert, dass unmissverständlich wird, was da am 7. Februar im russischen Sotschi beginnt: Putins Spiele. So hieß denn auch eine vorangehende Reportage, in der sich die ARD-Korrespondenten Golineh Atai und Udo Lielischkies – nach 23 Uhr – auf die Reise durch ein Land auf dem Weg Richtung Diktatur begeben. So heißt heute zudem ein weiterer Dokumentarfilm zum Thema, in dem der russisch-israelische Sachfilmer Alexander Gentelev, wie es so schön heißt, hinter die Kulissen blickt.  In allen drei Filmen geht es also um Olympia. Genauer: um Russland. Noch genauer: um Sotschi. Oder um ganz genau zu sein: ums wintersportliche Größtereignis einer Nation, die am Beispiel der subtropischen Sommerdestination Sotschi fast idealtypisch durchdekliniert, wie Politik in Despotien funktioniert. Das alles ist nicht nur bestens recherchiert, kreativ konstruiert, beispielhaft erzählt. Es ist auch löblich, im Entertainmenteinerlei des dualen Konkurrenzsystems überhaupt noch Sendeplätze für so viel Sachlichkeit ohne Glamour vorzuhalten. Allein: Es sind die falschen. (…) Die Ski-, Eis- und Rodelnachrichtenlage dominiert selbst den Umfang von Tagesschau und heute, deren Sendezeit bisweilen sogar gekürzt wird, weil Biathlon, Halfpipe, selbst Curling nun relevanter erscheinen als das politische Weltgeschehen“ (Freitag, Jan, Öffentlich-rechtliche Olympiahygiene, in zeitonline 28.1.2014).

– Ausbeutung und Oligarchen. „51 Milliarden US-Dollar wird von Experten als ebenso realistische wie gigantische Summe angesehen. Bis zu 30 Milliarden davon sollen in Firmen und Organisationen versickert sein, an denen Bekannte von Präsident Wladimir Putin beteiligt sind. Nur für einen Großteil der bis zu 100.000 Bauarbeiter schien kein Geld mehr übrig gewesen zu sein…  ‚Es steckt System dahinter‘, klagt Semejon Simonow in der am Montagabend ausgestrahlten WDR-Sendung ‚Sport Inside‘. Der Vertreter der Menschenrechtsorganisation Memorial sagt: ’90 Prozent aller Arbeiter der Olympiabauten von Sotschi haben entweder ihren Lohn gar nicht bekommen oder nur in Teilen. Mit ihrer Arbeit wurde Olympia erst möglich, aber bezahlt wurden sie dafür nicht.‘ 1500 Arbeitern habe er in Sotschi geholfen, sagt Simonow, vor allem Gastarbeitern. ‚Viele dieser Menschen haben keine Arbeitsverträge, in manchen Fällen nicht einmal eine Arbeitserlaubnis oder Registrierungspapiere. Nicht selten nehmen ihnen die Arbeitgeber vorhandene Dokumente einfach ab‘, schilderte Simonow das Vorgehen in Sotschi bereits im Oktober bei tagesschau.de. Er schätzt, dass statt der offiziellen 17.000 Gastarbeiter rund dreimal so viele Hilfskräfte aus dem Ausland gekommen seien, vor allem aus Zentralasien“ (Rilke, Lukas, Systematisch ausgebeutet, in spiegelonline 28.1.2014). IOC-Präsident Bach behauptete, dass das IOC mit Human Rights Watch in Kontakt sei – dort wusste leider niemand von verbesserten Bedingungen. Kurzfristig würden umgerechnet 6,1 Millionen Euro Löhne nachbezahlt, so Bach: Das wären bei 50.000 Gastarbeitern pro Nase rund 122 Euro. „Für Bach sind derlei Diskussionen ‚eine positive Wirkung der Spiele‘, wie er im ‚FAZ‘-Interview sagte. Zudem stellte der IOC-Boss fest: ‚Die Athleten bekommen auch in Sotschi exzellente Bedingungen.‘ Nur zu welchem Preis?“ (Ebenda).

– „Putin lügt“. Der Oppositionelle Alexej Nawalnyj berechnete mit seiner “Stiftung zum Kampf gegen Korruption” die tatsächlichen Kosten für Sotschi 2014. „Beim Bau der olympischen Sprungschanzen sollen die Auftragnehmer die anfängliche Kalkulation um das 36-fache überzogen haben, auch die Eishockey-Arenen kosteten 25-mal mehr als ursprünglich geplant. So jedenfalls steht es in einer Studie der Moskauer Stiftung für Korruptionsbekämpfung. (…) Glaubt man Nawalny, stimmt auch die offizielle Darstellung, wonach Russlands Oligarchen rund 30 Prozent der olympischen Investitionen schultern, nicht ganz. Sie hätten sich faktisch lediglich mit 3,5 Prozent beteiligt“ (Windisch, Elke, Was kostet Sotschi? in zeitoline 29.1.2014).
Putin gibt für die Kosten lediglich 6,5 Milliarden Dollar an: Der russische Staat würde drei Milliarden und private Investoren 3,5 Milliarden Dollar tragen. Nawalyj: “Es ist einfach Unsinn, eine vollkommene Lüge” (Schmidt, Friedrich, “Es ist kein Tauwetter – es sind die Olympischen Spiele”, in faz.net 28.1.2014). Laut Nawalnyj wurden die Staatshaushalte 2007 bis 2014 analysiert: 25,1 Milliarden Dollar kamen aus dem föderalen Haushalt, eine Milliarde Dollar aus dem Haushalt der Region Krasnodar, 7,6 Milliarden Dollar kamen von der Außenwirtschaftsbank VEB über Kredite, deren Rückzahlung das Finanzministerium garantiert hat. 10,5 Milliarden Dollar kamen von staatlichen oder teilstaatlichen Unternehmen wie Eisenbahn oder Gazprom: “Für diese Ausgaben zahlen wir Verbraucher, weil die Unternehmen die Preise für Strom oder ein Zugticket erhöhen. Nur ungefähr 53 Milliarden Rubel (1,6 Milliarden Dollar) sind tatsächlich Privatgelder, weniger als vier Prozent der Gesamtkosten” (Ebenda). 28 Objekte mit Kosten von 24,7 Milliarden Dollar wurden analysiert. Die Preiserhöhung durch Korruption liegt bei 5,7 Milliarden Dollar: “Diese Summe wurde geklaut beim Bau, das sind gut 42 Prozent” (Ebenda). – “In Sotschi sind einzigartige Wälder vernichtet worden, und zwar nicht im allgemeinen Interesse, sondern um den Preis für eine Straße weiter in die Höhe  zu treiben” (Ebenda; Hervorhebung WZ). – “Im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympiade wurden vier Residenzen Putins und Medwedjews gebaut. Es gibt eine geheime Residenz, die ‘Lunaja Poljana’ heißt. Sie wird als Biosphärenstation ausgegeben. Aber auf Fotografien, unter anderem von Satelliten, sieht  man, dass  es eine Art Superkurort für eine Person ist, gebaut im olympischen Rahmen mit Geld für die Spiele. Eine Straße wurde dafür für viel Geld durch den subtropischen Wald geschlagen, damit Putin bequem hinfahren kann” (Ebenda). Nawalnyj erwähnte auch die Menschenrechtsverletzungen und die Korruption: “Es ist ein Kreislauf: mehr illegale Arbeiter, mehr Schmiergeldzahlungen” (Ebenda). Nawalnyj wurde wegen angeblicher Unterschlagung von Holz verurteilt und auf Bewährung vorläufig in Freiheit gelassen – damit ist er nicht wählbar: “Als Verurteilter, der nur auf Bewährung frei ist, darf ich nicht antreten” (Ebenda; vgl. auch: Putin-Gegner dokumentiert mutmaßliche Korruptionsfälle, in spiegelonline 27.1.2014).

Der Bericht der „Moskauer Stiftung für Korruptionsbekämpfung“ benennt folgende Oligarchen und ihren olympischen „Umsatz“:
Arkady Rotenberg, buddy of Putin, $6.9 bn; Vladimir Kostylev, Evgeniy Sur and Gennady Timchenko, former builders of the Baikal-Amur Mainline, ca. $5.5 bn; Oleg Shishov, a businessman from Omsk, $2.1 bn; Leonid and Andrey Monosov, Vice-President’s of Olympstroy son,$152.9 mn; Alexander Tkachyov and Roman Batalov, Krasnodar governor and his son-in-law, $278.3 mn; Dmitry and Alexandr Svischev, Father of Member of Russian State Duma, $29.7 mn.
Dazu kommen noch als Verantwortliche der Umweltzerstörung; Vladimir Yakunin (Goldmedaille), President of Russian Railways; Protected forests destroying, beach wash-off, dump site creation; Anatoliy Pakhomov (Silbermedaille), Mayor of Sochi, Failure of the Zero Waste program, illegal waste dumps; Vladimir Potanin,(Bronzemedaille, $278.3 mn; Owner & president of Interros, Forest destroying, river pollution. Link hier

Vergleiche auch: Sotschi I 2007 – 6/2013: hier; Sotschi II 7-12/2013: hier; Sotschi 2014 III: Jan. 2014; Sotschi IV: Feb. 2014

– Putinsche Dörfer. „In Sotschi kann man besichtigen, wie Putins Macht zugleich Russlands Schwäche ist. Wenn er will, dass ein subtropischer Badeort in nicht ganz sieben Jahren zum Wintersportgebiet entwickelt wird, kann er das durchsetzen. Über Sinn und Kosten des Vorhabens wurde nicht gestritten, weil Putin es für bedeutend erklärt hatte. Die Folgen sind Korruption, Umweltzerstörung und Willkür gegen alle, die sich doch zu widersetzen versuchten. Gesetze galten in Sotschi in den vergangenen Jahren nur noch, wenn sie Olympia nicht im Wege standen. (…)Sotschi steht für das Modell, nach dem Putin Russland zu entwickeln versucht: auf Anweisung von oben. Durchsetzen kann er sich damit immer nur oberflächlich, so wie manches auch in Sotschi während der Spiele mehr Potemkinsches Dorf als Wirklichkeit sein wird. Echte Entwicklung von unten wird dadurch gebremst“ (Veser, Reinhard, Modell Sotschi, in faz.net 28.1.2014).

– Grüne Bundestagsfraktion fährt nicht nach Sotschi. PRESSEMITTEILUNG NR. 0080-14, 29: „Grüne Fraktion verzichtet auf Sotschi-Besuch.  Zu den Reisen von Mitgliedern des Sportausschusses zu den Olympischen Spielen nach Sotschi erklären Monika Lazar, Obfrau im Sportausschuss, und Özcan Mutlu, Sprecher für Sportpolitik: Ohne die Möglichkeit zu politischen Gesprächen macht eine Reise nach Sotschi keinen Sinn. Denn die Olympischen Spiele sind, wie auch die Paralympics, in diesem Jahr vor allem eines: die Spiele Putins. Umweltschutz, Menschen- und Bürgerrechte von Anwohnerinnen und Anwohnern, die Missachtung der Rechte Homosexueller und die Ignoranz im Umgang mit den kaukasischen Minderheiten spielen im Gastgeberland von Olympia 2014 keine Rolle. Sport und Politik gehören zusammen. Auch der Sport muss gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und an den Zuständen vor Ort ernsthafte und öffentliche Kritik äußern. Wer jetzt nach Sotschi fährt, wird nicht mit der Zivilgesellschaft oder mit Menschenrechtlern in Kontakt kommen, sondern sich nur die heile Scheinwelt der Spiele anschauen. Dieses Zeichen wollen wir nicht unterstützen. Daher verzichtet die grüne Fraktion auf eine Olympiareise. Wir werden die Vorgänge in Sotschi weiterhin deutlich kritisieren und das Thema im Bundestag auf der Tagesordnung halten. Dazu zählt auch, dass wir die Mitglieder der anderen Fraktionen nach ihrer Rückkehr im Ausschuss um einen Bericht ihrer Reise bitten werden“ (Hervorhebung WZ).

– Deutsche Sportsoldaten in Sotschi 2014. Der DOSB gibt bei seiner Zusammenstellung “Die deutsche Olympiamannschaft” 159 Mitglieder mit den Berufsangaben an. Davon sind 31 bei Polizei/Bundespolizei, 67 bei der Bundeswehr, 15 beim Zoll. Lediglich 46 Sportler sind nicht bei Polizei, Zoll oder Bundeswehr. Damit besteht die deutsche Sportlerdelegation zu 71 Prozent aus Sportsoldaten.
Quelle: DOSB, Die deutsche Olympiamannschaft: hier
Zur Erinnerung an die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver: Von 153 Athleten des deutschen Teams waren 99 Sportsoldaten (Bundeswehr 63, Bundespolizei 24, Zoll 12). Das waren knapp 65 Prozent Anteil Sportsoldaten.
Vergleiche auch „Die Siege der deutschen Sportsoldaten in Vancouver“: hier

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Proteste gegen Sotschi. „Gold für Menschenrechte“ lautete eines der Plakate von Amnesty International am 30.1.2014 in Berlin. Ein Vorwurf von AI lautete, dass die Sotschi-Veranstaltung und die Politik von Putin gegen die olympische Charta selbst verstoße, die jede Diskriminierung aufgrund von „Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen“ ablehne (Theile, Charlotte, Bei minus sieben Grad im Ostwind, in SZ 31.1.2014). – Human Rights Watch (HRW) kritisierte die Untätigkeit des IOC. HRW-Sprecher Wolfgang Büttner sagte, es sei „problematisch, dass sich das Komitee oftmals mit Versicherungen zufrieden gibt und keine tatsächlichen Veränderungen fordert“ (Menschenrechtler kritisieren das IOC, in derwesten.de 29.1.2013). In der Charta seien „ganz klar Menschenrechtsgrundlagen festgeschrieben“ – gleichzeitig erfolgten Zwangsumsiedlungen und Enteignungen, Lohnhinterziehungen bei vielen Arbeitern, (Ebenda). – Reporter ohne Grenzen warnten vor Gefahren für Journalisten durch die Überwachung von Telefon und Internet. -Die Berliner Doping-Opfer-Hilfe kritisierte den Zustand des IOC und Sotschi 2014 als „Ausverkauf der Werte des Sports und als humanitäre Bankrotterklärung“: „Geknebelte Menschenrechte, exorbitanter Raubbau an der Umwelt und die Olympiastätte Sotschi eine einzige Hochsicherheitszone“ – plus „Mega-Korruption, bedrohte und getötete Journalisten, Internetüberwachung sowie hohe Terrorgefahr“ (PM DOH, „Die olympische Idee wird auf dem Majdan-Platz verteidigt und nicht in Sotschi“, Berlin 31.1.2014; zur PM hier).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Bayerischer Sportminister fährt nach Sotschi. Innenminister Joachim Herrmann fährt zu den deutschen Sportlern. „79 der 152 deutschen Athleten stammen aus Bayern. Da gehört es sich doch, dass ich meine Rückendeckung zeige“ (Deutschländer, Christian, „Keine Alternative zu den russischen Spielregeln, in merkuronline 31.1.2014). Zu den russischen Sicherheitsvorkehrungen der Putin-Spiele äußerte Herrmann: „Für Olympia 2014 gibt es zu den russischen Spielregeln keine Alternative“ (Ebenda).

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II: Nachrichten von Olympischen Spielen und dem IOC
– Stockholm zieht zurück. Stockholm zieht die Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022 zurück. Gründe sind unvorhersagbare Kosten, nicht sinnvoll zu nutzende Sportstätten  und der Widerstand in der Bevölkerung. Damit sagt nach Graubünden 2022 und München 2022 auch Stockholm 2022 ab. Vergleiche unter „Aktuelles: Olympische Rückzüge

Olympisches Erbe endet schon nach vier Jahren. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 im kanadischen Vancouver wurden die 20 Brennstoffzellen-Busse groß angekündigt. Im März 2014 werden sie ausgemustert und durch Dieselbusse ersetzt. Die Brennstoffzellen-Busse waren unrentabel: Der Kaufpreis war viermal höher, der Unterhalt dreimal höher. Der Wintersportort Whistler bezahlte umgerechnet rund elf Millionen Euro, 32 Millionen Euro bezahlte die kanadische Regierung und British Columbia 17 Millionen Euro. Nach 3.000 (statt wie bei Dieselbussen nach 5.000) Kilometern waren Reparaturen notwendig. Der Präsident der Transportarbeiter-Gewerkschaft, Bill Williams: „Sie  hatten ständig Pannen“ (Calonego, Bernadette, Dicke Luft nach der Olympiade, in SZ 25.1.2014). Auch sah die Öko-Bilanz nicht gut aus: Der Wasserstoff für die Brennstoffzellen musste mit zwei Tanklastwagen aus einer Anlage in der Provinz Quebec nach Whistler in British Columbia gefahren werden. Williams: „Zwei Lastwagen fuhren ständig zwischen Quebec und Whistler hin und her, sie brauchten fünf Tage für die Strecke“ (Ebenda).

CIPRA International für olympiafreie Alpen. Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA hat Informationen zu früheren Olympischen Spielen und zur Ablehnung von Graubünden 2022 und München 2022 sowie Sotschi erarbeitet: – Erfahrungsberichte zu früheren Austragungsorten und Bewerbungen: hier – Warum Sotschi nicht in den Alpen liegt: hier – Weitere Informationen: hier – Zehn Argumente gegen Olympische Winterspiele in den Alpen: hier

– Hamburg wird in Bewerbung 2024 hineingetrieben. Die Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern war die treibende Kraft bei der Bewerbung Olympische Winterspiele 2022 in München. Fazit: viermalige  Abwahl am 10.11.2013. Nun wird die Handelskammer Hamburg aktiv. Deren „Präses“ Fritz Horst Melsheimer forderte bei der Jahresschlussansprache den Hamburger Ersten Bürgermeister Olaf Scholz auf, eine Olympia-Bewerbung Hamburgs zu unterstützen. Angeblich seien 57 Prozent der Bevölkerung dafür und nur 37 Prozent dagegen – das ergab eine Emnid-Befragung im Auftrag eben jener Handelskammer Hamburg (Präses Melsheimer beim „Ehrbaren Kaufmann“: „Herr Bürgermeister, packen Sie Olympia an!“, hk24.de 31.12.2013). Melsheimer griff übrigens  gleichzeitig noch die  „direkte Demokratie“ mitsamt dem Verbandsklagerecht an: „Umweltschutzverbände vertreten Partikularinteressen, und durch das Verbandsklagerecht werden diese Interessen einseitig bevorteilt“ (Ebenda). Sofort sprangen ihm Kommentatoren und Politiker begeistert zur Seite. „Und obwohl die olympische Idee aktuell eine ihrer größten Krisen erlebt, gilt: jetzt erst recht. (…)  Was Barcelona, Sydney und Rio können, das kann die Region Hamburg allemal“ (Lorenz, Markus, Olympia wagen, in shz.de 2.1.2014). – „Die öffentliche Kampagne der Handelskammer bleibt dennoch verständlich, sind Olympische Spiele immer auch ein Konjunkturprogramm für die Region“ (Grünberg, Rainer, Ein Zeichen setzen für Olympia, in abendblatt.de 2.1.2014). „Bereits heute genügen viele Hamburger Sportstätten in ihrer Grundstruktur olympischen Ansprüchen“ (Grünberg, Rainer, Sommerspiele in Hamburg, in abendblatt.de 4.1.2014).
Das so altbekannte wie falsche Argument – „Alles da“ traf schon für München 2022 in keiner Weise zu und würde auch für Hamburg 2024 nicht stimmen. Schleswig-Holsteins Verkehrs- und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD): „Eine solche Bewerbung würde mithilfe des Bundes dazu führen, die Infrastruktur im Norden innerhalb weniger Jahre fit zu machen“ (Ebenda) und schwärmte sogleich vom Ausbau der A7, der westlichen A-20-Elbquerung, der S4 nach Bad Oldesloe und der S21 nach Kaltenkirchen (Ebenda). Sportsenator Michael Neumann (SPD) kündigte an, dass es einen Bürgerentscheid dazu geben würde (Ebenda). Niemand fragt – der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) antwortet. Er ist nunmehr (ausgerechnet!) Gründungsdirektor des „Institute for Advanced Sustainability Studies“. In seiner Festrede zum Thema Nachhaltigkeit (!) beim DOSB-Neujahrsempfang in Frankfurt am Main propagierte Töpfer: „Wagen wir es doch wieder!“ und schlug einen recht merkwürdigen Weg vor: „Wenn Sie eine Nachhaltigkeitsdebatte führen, beginnen Sie nicht mit den ökologischen Fragen, sondern mit den sozialen“ (Töpfer ermuntert DOSB zu neuer Olympia-Bewerbung, in sueddeutsche.de 23.1.2014). DOSB-Präsident Alfons Hörmann predigte Vorsicht: „Der nächste Schuss muss sitzen“ (Grünberg, Rainer, Gemeinsames Olympia in Hamburg und Berlin, in welt.de 20.1.2014). – „Nach dem zweimaligen Scheitern Münchens ist eine deutsche Olympia-Bewerbung nach Ansicht von DOSB-Präsident Alfons Hörmann ‚erstmal durch'“ (Hörmann: Mit Olympia-Bewerbung „erstmal durch“, in sueddeutsche.de 17.1.2014).
Neueste Idee: eine Doppelbewerbung Hamburgs mit Berlin (Labinski, Anne, Hamburg und Berlin gemeinsam für Olympia? in tagesspiegel.de 21.1.2014; Grünberg, Rainer, Gemeinsames Olympia in Hamburg und Berlin? in welt.de 20.1.2014). Die Bewerbungsfrist für Olympische Sommerspiele 2024 läuft Mitte November 2015 ab.

– Winterspiele und Klimaerwärmung. Eine Studie der University of Waterloo/Kanada und des Management Center Innsbruck ergab, dass vergangene Olympische Winterspiele in Grenoble, Garmisch-Partenkirchen, Chamonix, Vancouver und Squaw Valley aufgrund der Klimaerwärmung heute nicht mehr möglich wären. Bis zum Jahr 2080 wären nur noch sechs der bisherigen Orte tauglich: Albertville, Calgary, Cortina d’Ampezzo, St. Moritz, Salt Lake City und Sapporo. “Die durchschnittliche Tagestemperatur im Februar von Winterspiel-Standorten ist der  Studie zufolge im vergangenen Jahrhundert stetig gestiegen: von 0,4 Grad Celsius bei Spielen in den 1920-er bis 1950er-Jahren auf 3,1 Grad Celsius, bei den Olympiaden in den 1960er- bis 1990-er Jahre und auf 7,8 Grad Celsius bei Spielen in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts” (Schlechte Aussichten für Winterspiele, in science.orf.at 24.1.2014). Vgl. auch Manning, Nick, Climate change threatens Winter Olympics, eurekalert.org 23.1.2014

– Rio 2016: 70 Prozent Kostensteigerung.Die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro verzeichnen bereits jetzt – im Januar 2014! – bereits 70 Prozent Kostenüberschreitung. Der Etat sei seit 2009 unter anderem aufgrund der Inflation (31,9 Prozent), der Hinzunahme vier neuer Sportarten und gestiegener Technologiekosten von 4.2 Milliarden Reais (2009) auf aktuell 7,0  Milliarden Reais angehoben worden. (…) Zu den XXXi. Olympischen Sommerspielen (Motto: ‚Viva a sua paixão – Lebe Deine Leidenschaft‘) werden 2016 insgesamt 10.500 Athleten aus 205 Ländern in Rio erwartet (Planungskosten für Rio 2016 steigen um 70 Prozent, in welt.de 23.1.2014).
Bei 70 Prozent wird es nicht bleiben bis zum Sommer 2016! Und die tatsächlichen Kosten werden wiederum nicht veröffentlicht.

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III: Aktuelle Sportsplitter

– Oberhof I: Loipe in brauner Landschaft. Die Tour de Ski und der Biathlon-Weltcup brauchen Schnee, der nicht liegt. Als Konsequenz wird jetzt ein riesiges Schneedepot mit 15.0000 Kubikmetern angelegt (etwa 1000 mittlere Lkw-Ladungen), wie es auch schon Klingenthal im Erzgebirge und Ruhpolding in Oberbayern haben (Zeitlupe: Warum 375.000 Badewannen Schnee gebunkert werden, in Thüringer Allgemeine 3.1.2014). – „Nur wenn Weltcup ist, dann kommen Heerscharen von feierwütigen Frührentnern an den Oberhofer Grenzadler, trinken Unmengen Glühwein und essen Bratwürste. Anschließend wird gejohlt, gesungen und geschunkelt. (…) Dieses Spektakel zu Ehren der Biathleten oder Skilangläufer wird sogar ausgerichtet, wenn gar kein Schnee liegt, nicht eine Krume. Zu warm ist es derzeit in der Thüringer Höh. Es gilt als lokalpatriotische Großtat, den meteorologischen Misslichkeiten zum Trotz eine Loipe in die braune Landschaft zu zaubern. Jeder Thüringer mit einem grünen Herzen in der Brust holt einen Schneeball aus dem Tiefkühler und bringt ihn nach Oberhof. Sogar 15 Lkw-Ladungen Schnee wurden aus der Arena in Gelsenkirchen herangekarrt. Das kostet nur 12.000 Euro, ein lächerlicher Betrag, wenn man bedenkt, wie werbewirksam diese Bilder sind: Topathleten staksen auf der mehlig-nassen Loipe herum, die wie ein Möbiusband des untergehenden Wintertourismus verloren in der Landschaft liegt. Abgesagt wird hier nichts (…) jetzt wird allen weisgemacht, dass die „Region“ diese Events braucht. Die VIP-Zelte wollen gefüllt, die Fernsehminuten versendet werden“ (Völker, Markus, Nicht ganz auf der Höh, in taz.de 4.1.2014). Dafür wurden 4000 Kubikmeter Schnee oberhalb von Oberhof in die dortige Skihalle transportiert. „Zu konstatieren ist noch, dass diese Skihalle in Oberhof einen Energiebedarf hat, der auf dem Niveau einer Kleinstadt liegt“ (Purschke, Thomas, Schnee- und Umwelt-Chaos in Oberhof, in deutschlandfunk.de 5.1.2014). Dazu wurde im Herbst 2013 ein Wasserdepot für 12.000 Kubikmeter zur Versorgung der Schneekanonen gebaut (Ebenda). Trotzdem reichte der Schnee nicht für die Klassik-Loipe: „Denn in Oberhof gibt es schon länger alles Mögliche – Wind, Regen, Nebel, Schlamm, aber immer seltener einen echten Winter. Beim Männer-Sprint am Nachmittag skateten die Biathleten diesmal über eine mit Salz verdichtete Eispiste aus Kristallen aller Art. Kunstschnee, Hallenschnee, Altschnee, Importschnee, was trotz Wärme eben zusammengekratzt wurde“ (Kreisl, Volker, Bewerbung im Nebel, in SZ 4.1.2014). – „Statt des geplanten Verfolgungsrennens in Diagonal-Technik wurden die Läuferinnen und Läufer zum Freistil-Sprint gebeten. Das ärgerte die polnische (Olympiasiegerin; WZ) Justyna Kowalczyk so sehr, dass sie ihren Start mit markigen Worten absagte: ‚Dumm, nicht ausgewogen und unfair'“ (Fräulein Kowalczyks Gefühl für keinen Schnee, in SZ 30.12.2013). Der in der Gesamtwertung führende Norweger Martin Sundby ärgerte sich im norwegischen Rundfunk: „Das ist doch nur noch eine Parodie hier. Wir machen doch nur noch, was Sponsoren und Fernsehzuschauer sehen wollen und drehen ein paar Runden. So ein Unsinn!“ (Ebenda).

– Oberhof II: Funktionäre wollen Biathlon-WM 2020. Oberhof hatte 2004 die Biathlon-WM, Ruhpolding 2012. Das Land Thüringen beteiligt sich mit 50.000 Euro an der 71.000 Euro teuren Durchführungs-Studie; danach können erst die Kosten beziffert werden. „Klar dürfte aber sein, dass jene acht Millionen Euro, die im Vorfeld der Titelkämpfe 2004 in die Modernisierung des Stadions geflossen sind, diesmal bei Weitem nicht ausreichen. ‚Wir sind in vielen Bereichen nicht mehr auf dem neuesten Stand‘, gab Sabine Reuß zu. „Wir brauchen größere Funktionsflächen für Athleten, Medien und Skitechniker. Die riesigen Wachs-Trucks überrollen uns sprichwörtlich'“ (Oberhof will 2020 die Biathlon-WM ausrichten, in Thüringer Allgemeine, 3.1.2013). – „Und die Funktionäre wollen überzeugt werden, dass Oberhof auch im Sommer 2020 eine Biathlon-WM veranstalten könnte. Es ist halt alles nur eine Frage des Willens“ (Völker, Markus, Nicht ganz auf der Höh, in taz.de 4.1.2014). – „Die Landespolitik ist trotz der Defizite, die sie etwa mit der Oberhofer Skihalle macht, offenbar fest entschlossen, die Biathlon-Arena für die nächste WM nach 2004 aufzurüsten“ (Kreisl, Volker, Bewerbung im Nebel, in SZ 4.1.2014).
Die Konkurrenz in Ruhpolding (WM-Ausbau für 16 Millionen Euro) will natürlich ebenfalls stattlich und staatlich alimentiert werden…

Oberhof III: „St. Moritz des Ostens“. Markus Völker schrieb dazu in der taz: „Langsam wird’s peinlich. In den vergangenen Tagen war oft vom „St. Moritz des Ostens“ zu lesen, wenn Oberhof gemeint war. Oberhof hat mit dem schweizerischen Kurort aber so viel zu tun wie Hellersdorf mit Blankenese. St. Moritz ist zwar auch weit davon entfernt, „mondän“ zu sein, aber im Engadin liegt wenigstens Schnee: 80 cm im Tal und 130 cm aufm Berg. In Oberhof liegt eigentlich gar nichts, außer der Hund begraben. (…) Im St. Moritz des Ostens logiert vielleicht nicht der Jetset, aber hier kann man Wetter machen. Das ist magisch, fantastisch, großartig“ (Völker, Markus, Nicht ganz auf der Höh, in taz.de 4.1.2014). Hallo Oberhofer Sportfans: Da das Phänomen Klimaerwärmung in Oberhof augenscheinlich völlig unbekannt ist – unter Wikipedia „K L I M A E R W Ä R M U N G“ nachsehen.

– Warmer und schwieriger Winter.
– Vom November 2013 bis 11.1.2014 hat es auf der Zugspitze nicht mehr geschneit (Günther, Anna, Die Schneesucher, in SZ 11.1.2014).
– Der Münchner Olympiapark wollte sich aus Reit im Winkl für den FIS-Parallelslalom am 1.1.2014 am Olympiaberg Schnee organisieren: Aufgrund des Schneemangels benötigte der Ort seinen Schnee aber selbst (Reit im Winkl konnte nicht helfen, in Traunsteiner Tagblatt 27.12.2013).
– „Letzte Überreste sind derzeit noch von den Loipen in Krün zu sehen… Selbst die beschneite Nachtloipe ist nicht befahrbar. Es ist einfach zu warm“ (Keine Spur vom Langlauf-Paradies, in merkur-online 3.1.2014).
– „Auch die Weltcup-Rennen der Skicrosser in Bischofswiesen am 17. und 18. Januar sind wegen Schneemangels abgesagt worden. (…) Bereits die  Wettkämpfe im französischen Megeve eine Woche zuvor waren aufgrund der ungünstigen Witterung gestrichen worden“ (Weltcup-Rennen in Bischofswiesen abgesagt, in zeitonline 3.1.2014).
– Die Weltcup-Rennen der Snowcrosser im Walliser Ort Veysonnaz, die für den 18. und 19.1.2014 geplant waren, werden wegen hoher Temperaturen nicht durchgeführt (Snowboardcross-Weltcup in Vessonnaz erst im März, in nzz.ch 8.1.2014).
– Am 13.1.2014 wurde der FIS-Ski-Weltcup der Damen in Garmisch-Partenkirchen wegen Schneemangels abgesagt. Nötig wären 50.000 Kubikmeter Kunstschnee für die Weltcup-Präparierung (Fellner, Christian, So grün ist die Weltcup-Piste Kandahar in merkur-online 14.1.2014). Pistenchef Karl Dirnhofer: „Auf den Seitenflächen und in den Sturzräumen, in denen die Sicherheitszäune und Fangnetze stehen, haben wir gar keinen Schnee“ (Effern, Heiner, Pistenblues, in SZ 14.1.2014). Axel Doering von Nolympia: „2022 werden uns die Bewerber dankbar sein, dass wir sie gestoppt haben“ (Ebenda). Doering hält den Skitourismus in Garmisch-Partenkirchen für kein funktionierendes Geschäftsmodell: „Dass der Ort „mit all seinem Geld, das er hat, in den schneegebundenen Wintertourismus einsteigt, das war eine Irrsinnsentscheidung“ (Ebenda).
– Auch kein Schnee im französischen Jura: „Am Sonntagnachmittag hatte es acht Grad in Chaux-Neuve in Frankreich, wo an diesem Wochenende die Weltelite der Nordischen Kombinierer zum neunten Weltcup-Wettbewerb des Winters zusammengekommen war“ (Ein weißes Band, in SZ 13.1.2014).
– Der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding im Januar 2014 konnte nur stattfinden, weil die Schneedepots mit übersommertem Schnee voll waren. „Mit Kunstschneekanonen erzeugte Ruhpolding im Winter 13.000 Kubikmeter Schnee und lagert ihn dann im Sommer in riesigen Kühlhallen ein“ (Voigt, Benedikt, Bergemann, Julian, Grüner wird’s noch: Europa leidet unter Schneemangel, in tagesspiegel.de 13.1.2014).
– Willingen karrt Schnee in ganz Deutschland zusammen. An der Mühlenkopfschanze in Titisee im Schwarzwald soll vom 31.1. bis 2.2.2014 ein Skisprung-Weltcup stattfinden. Es wurden 1.000 Kubikmeter Kunstschnee gebunkert. Weitere 2.500 Kubikmeter sind nötig. „Die Organisatoren aus Titisee-Neustadt werden ebenso Schnee nach Willingen liefern wie die Skihalle in Neuss, der Skidom in Bispingen und eine Firma aus Bremerhaven, die sogenanntes Crash-Eis herstellt, das im Normalfall für den Transport von Fischen wie Seelachs oder Makrele verwendet wird“ (Wegen Schneemangel: Willingen bestellt Schnee, in skispringen.com 17.1.2014).
– Damen-Weltcup verlegt. Das für den 25. und 26. Januar 2014 im slowenischen Ljubno geplante Weltcup-Skispringen der Damen muss aufgrund von Schneemangel und warmer Witterung nach Planica verlegt werden (www.skispringen-news.de 16.1.2014).
– Kein Herren-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen. Nun wurde auch der Herren-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen (Abfahrt 1.2.2014, Riesenslalom 2.2.2014) abgesagt und nach St. Moritz verlegt (Skiverband sagt erneut Rennen in Garmisch ab, in SZ 20.1.2014).
– St. Moritz und Kranjska Gora abgesagt. Wegen Nebel wurde in St. Moritz, dem Ersatzort für Garmisch-Partenkirchen, der Herren-Abfahrtslauf abgesagt. In Kranjska Gora, dem Ersatzort für Maribor, musste der Weltcup-Riesenslalom der Damen abgesagt werden: Zuerst gab es heftige Schneefälle, dann begann es zu regnen (Männer-Abfahrt und Frauen-Riesenslalom abgesagt, in suedostschweiz,ch 1.2.2014).
Es ist mehr als eine Ironie des Schicksals, dass zuerst Garmisch-Partenkirchen als geplanter Austragungsort der alpinen Wettbewerbe im Rahmen der Bewerbung München 2022 (abgewählt am 10.11.2013) abgesagt werden musste – und danach der „Ersatzort“ St. Moritz als geplanter Austragungsort der alpinen Wettbewerbe im Rahmen Graubünden 2022 (abgewählt am 3.3.2013).

– Kitzbüheler Hubschrauber-Orgie. Der Kitzbüheler Rennleiter Peter Obernauer: „Wir haben bis Sonntag 2.000 Kubikmeter Schnee mit dem Helikopter herbeigeschafft, das sind 1.800 Tonnen“ (Etwas Niederschlag gibt Hoffnung, in derstandard.at 21.1.2014). Zwei Hubschrauber flogen drei Tage lang im Drei-Minuten-Takt acht Stunden täglich die 2.000 Tonnen Schnee auf die Hausbergkante – für 100.000 Euro (Jung, Herbert, 100.000 Euro für Schnee auf der Streif, in bild.de 20.1.2014). Dazu kamen 200.000 Euro Kosten für die mobile Flutlichtanlage. „Gut zehn Millionen Euro kosten die Hahnenkammrennen damit, sieben davon trägt der örtliche Skiclub, drei Millionen steuert die Werbeagentur von Hati Weirather bei, der auch um die Sponsoren kümmert“ (Andiel, Christian, Gigantischer Aufwand für Hahnenkamm-Rennen, in berliner-zeitung.de 21.1.2014).

– Alpen-Geldhaufen. „Allein die Seilbahnen Österreichs haben seit 2000 rund sechs Milliarden Euro in ihre Infrastruktur gesteckt“ (Brönstrup, Carsten, Wahnsinn am Berg, in tagesspiegel.de 13.1.2014).

– Kritik am Kunstschnee. Axel Doering von der Kreisgruppe Bund Naturschutz in Garmisch-Partenkirchen formulierte im Januar 2014 die grundsätzliche Kritik am Kunstschnee für dpa. Die beschneite Fläche im Alpenraum entspricht der des Bodensees. Die eingesetzte Wassermenge ist höher als der jährliche Wasserverbrauch Münchens, und der Stromverbrauch liegt bei dem der Stadt Nürnberg. Die Beschneiungsgrundlagen wurden gelockert: „In den 1980er Jahren war in Bayern zunächst nur eine sogenannte Korrekturbeschneiung bis zur Baumgrenze erlaubt. Das erfolgte meist auf den Pisten in den unteren Lagen und zu den Sportwettkämpfen. Dafür gab es eine Beschneiungsrichtlinie des Landtags, die im Jahr 2005 völlig entschärft wurde. Jetzt werden ganze Skigebiete vom Tal bis in die Hochlagen beschneit“ (Naturschützer kritisieren Kunstschnee-Einsatz, in merkur-online 18.1.2014). Die Vegetation verändert sich durch das Planieren der Pisten. Murenabgänge und Erosion steigen, das Wasser fließt schneller ab. „Generell kann man davon ausgehen, dass auf einer Skipiste 35 Mal mehr Wasser abläuft als in einem gesunden Bergmischwald“ (Ebenda). Der Kunstschnee kostet durchschnittlich 3 bis 5 Euro pro Kubikmeter. Da heute klimabedingt immer öfter tagsüber beschneit wird, erfordert es teuren Spitzenstromsatz. „Damit eine Schneekanone nicht einfriert, hat sie eine elektrische Heizung. Gleichzeitig ist aber das Wasser in den Speicherseen oft zu warm zum Schneemachen und muss daher aufwändig gekühlt werden“ (Ebenda).

– Leserbrief von Britta Brandt, München zum derzeitigen Schneemangel und der Abwahl von München 2022: „Kann es nicht eher sein, dass die Neinsager einfach nur gesunden Menschenverstand bewiesen haben? (…) Nein, Bayern ist einfach der falsche Ort für Winterspiele, genauso wie Grönland der falsche Ort für Sommerspiele wäre“ (SZ 20.1.2014).

– Axel Hacke, Das Beste aus aller Welt: „Der Mensch kann mittlerweile künstlich Schnee produzieren, aber nicht, wenn es wärmer ist als ein Grad plus. Er kann weiße Bänder vom Berg ins Tal legen, um darauf Skirennen zu veranstalten; doch gelingt es ihm nicht, auch den Rest von Gebirg’ und Tal weiß zu beflocken. Warum nicht? Wieso nehmen wir es hin, dass die Natur uns die Erfüllung unserer größten Wünsche verwehrt? Kann es sein, dass wir klaglos die Launen einer irre gewordenen Schöpfung akzeptieren, die es nicht Winter sein lässt, wenn doch ein kurzer Blick in den Kalender lehrt: Es ist Winter! (…) Wir, die wir in einem subtropischen Ort namens Sotschi Winterspiele und in einer Gluthölle namens Katar Fußball-Weltmeisterschaften zu veranstalten in der Lage sind? (…) Wir werden lernen, Schnee bei fünfzehn Grad plus zu erzeugen. Wir werden mit diesem Schnee ganze Landstriche bedecken, wenn es uns beliebt. Wir werden gigantische Maschinen zur Überzuckerung kompletter Länder entwickeln. Wir werden auch Apparate zur Einsaugung des Schnees ab dem 15. März bauen“ (SZ-Magazin 24.1.2014).

– 51 Prozent der Deutschen für einen Boykott. „Die Hälfte der Deutschen würden einen Olympia-Boykott befürworten – und 51 Prozent meinen, dass hochrangige Politiker das Spektakel in Russland lieber nicht besuchen sollten. Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Umfrage des Sport-Informations-Dienstes und des Marktforschungsinstitut puls (Reimann, Marieke, „Das Phänomen ist neu“, in SZ 30.1.2014). Der Würzburger Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es schon mal ähnliche Zahlen zu solchen Umfragen gab. (…) Das ist ein Alarmsignal, da müsse sich jetzt auch die Funktionäre Gedanken machen“ (Ebenda).

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IV: Allgemeine Nachrichten

– Geheimnisträger ARD und ZDF. Interview in der SZ mit Prof. Paul Kirchhof, der ein Gutachten für die neue Zwangsabgabe aller Haushalte für ARD, ZDF und Deutschlandradio geschrieben hat. Frage von Claudia Tieschky: „Sie selbst haben mehr Transparenz verlangt, weil der Rundfunk jetzt von allen finanziert wird. Sind die Anstalten schon offen genug? Das ZDF hat zum Beispiel nie publiziert, was es für die Champions League bezahlt hat.“ Antwort Kirchhof: „Ich meine, es wäre eine Frage der öffentlichen Aufklärung, diese Summe zu nennen. Es handelt sich um öffentlich-rechtliche, zwangsweise erhobene Gelder, und darüber muss lückenlos Rechenschaft abgelegt werden. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, dass der Beitragszahler voll über die Verwendung der von ihm aufgebrachten Mittel aufgeklärt wird“ (Aufruf zum Verzicht, in SZ 8.1.2014; Hervorhebung WZ). Vergleiche auch: Die Öffentlich-Rechtlichen Sportsender

– Ein Sportfunktionär feiert Geburtstag. IOC-Präsident Bach wurde Ende Dezember 60 und ließ sich am 10. Januar 2014 in Fecht-Eldorado Tauberbischofsheim feiern. Eine Kolonne dunkler Limousinen rollte heran – u. a. mit Gazpromi Franz Beckenbauer, Gazpromi Gerhard Schröder, FDP-Parteikollege Hans-Friedrich Genscher, dem für die Finanzierung des Sports wichtigen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Katarina Witt und dem neuen/alten Bundessport-Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Außerdem waren neben vielen anderen die München 2018/2022-Botschafter Katarina Witt und Georg Hackl anwesend. Es wurden tatsächlich rote Teppiche ausgerollt, Schulkinder jubelten. Damit die Putin-Spiele Sotschi 2014 nicht thematisiert werden konnten, sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue: „Bitte nur Fragen zum Geburtstag jetzt“ (Hahn, Thomas, Gratulanten vom Golf, in SZ 11.1.2014). De Maizière ließ vor/für Bach ein unverlangtes Bekenntnis für Olympische Spiele ab: „Natürlich sei er dafür, sagte der CDU-Politiker, dass Deutschland künftig Olympische Spiele ausrichte“ (Becker, Christoph, Bachs Party mit Problemzonen, in faz.net 11.1.2014). Allerdings war die vierfache Abwahl der Bewerbung München 2022 auch bis zu ihm durchgedrungen: „Wenn wir den Olympischen Geist nicht wiederbeleben, werden wir nicht die Zustimmung der Bevölkerung finden, dafür ihr Geld auszugeben“ (Ebenda). Der Bundessport-Innenminister scheint ein recht inniges Verhältnis zum obersten Weltsportler gefunden zu haben: Als Geschenk hatte de Maizière für Bach, den er duzt, übrigens eine Polizeikelle dabei“ (Ebenda). Eingeladen hatte die Stadt Tauberbischofsheim, der Deutsche Olympische Sportbund und die Michael Weinig AG, dem weltgrößten Hersteller von holzverarbeitenden Maschinen, die in katarischem Besitz ist und deren Aufsichtsratschef Bach ist. Den Vorsitz der arabischen Handelskammer Ghorfa hat Bach niedergelegt; deren Generaldirektor war ebenfalls zum Geburtstag eingeladen, ebenso der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (Hahn, Thomas, Gratulanten vom Golf, in SZ 11.1.2014).

– Sportfunktionäre regeln Geldvergabe an den Sport. Im neu zusammengestellten 18-köpfigen Sportausschuss des Bundestages sitzen auffallend viele Abgeordnete, die  auch Sport-Funktionäre sind: Dagmar  Freitag (SPD), Vorsitzende, ist Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Eberhard Gienger CDU), neuer CDU-Sportsprecher, ist ehemaliger Bronzemedaillengewinner im Turnen und war u. a. ehemaliger Vizepräsident Leistungssport im DOSB. Frank Steffel (CDU) ist Präsident des Handball-Bundesligisten Reinickendorfer Füchse Berlin. Stephan Mayer (CSU) war Mitglied des Aufsichtsrates der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, München. Dieter Stier (CDU) ist Leiter des Reit-, Zucht- und Ausbildungsstalles Markwerben und seit 1990 geschäftsführender Vorstand des Weißenfelser Reitverein e.V. Ingo Wellenreuther (CDU) ist seit 2010 Präsident des Karlsruher Sport-Clubs und seit 2013 Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Reinhard Grindel (CDU) ist 1. Vizepräsident  des Niedersächsischen Fußballverband e.V. (NFV), Barsinghausen und im Kuratorium der Robert-Enke-Stiftung Hannover. Gudrun Zollner (CSU) war 1988 bis 2009 Gründungsvorsitzende des Reiterhof Wallersdorf e.V. und von 1995 bis 2005 Fachbeirat Vielseitigkeit im Pferdesportverband Niederbayern/Oberpfalz. Seit 1988 Fachübungsleiterin Reiten; seit 1993 Richterin der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen in Bayern. Michaela Engelmeier-Heite (SPD), ist SPD-Sportsprecherin, Judolehrerin und Vizepräsidentin des Deutschen Judo-Bundes. Detlev Pilger (SPD) ist im BSC Güls, BSC Güls Alte Herren, BSC Güls Förderverein, BSC Güls Förderverein Kunstrasenplatz (Vorstand), TuS Koblenz. (Quellen: Deutscher Bundestag; Dagmar Freitag leitet Sportausschuss, in bundestag.de 15.1.2014; Webseiten MdB; Herrmann, Boris, Zwei gegen zwei, in SZ 16.1.2014). Nicht fündig wurde ich bei Johannes Steininger (CDU), Karin Strenz (CDU), Matthias Schmidt (SPD), Carsten Träger (SPD), Andre Hahn (Doe Linke), Katrin Kunert (Die Linke), Monika Lazar (Bündnis 90/Die Grünen), Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen). Damit sind zehn von 18 Mitglieder des Sportausschusses Sportfunktionäre oder hatten und haben Spitzenämter im Sport: Und damit war und ist der Sportausschuss des deutschen Bundestages, der über die Vergabe von Millionenbeträgen entscheidet, ein Sprachrohr der DOSB-Interessen. „Grundsätzlich ist es ja schön, dass sich so viele Bundespolitiker im sportlichen Ehrenamt engagieren. Eingedenk der Tatsache, dass es zu den Hauptaufgaben des Sportausschusses gehört, die Verteilung der staatlichen Sportfördermittel an die Spitzenverbände zu überwachen, stellt sich aber schon die Frage, ob dieses Gremium in jeder Hinsicht unabhängig agieren kann“ (Herrmann, Boris, Zwei gegen zwei, in SZ 16.1.2014).
Mal schauen, ob die Sitzungen des Sportausschusses wieder öffentlich werden. Vermutlich nicht…

– Heli-Skiing mit dem SZ-Magazin. Zu gewinnen mit dem SZ-Magazin: ein Tagesausflug an den Arlberg mit Heli-Skiing. „Der Gewinner und eine Begleitperson fahren von München aus  mit einem BMW X1 zum Arlberg, dort geht es dann mit dem ‚BMW Power Ride Heli‘ auf einen Gipfel (…) und gemeinsam mit einem geübten Bergführer von der Skischule Warth durch Pulverschnee wieder sicher ins Tal… abends geht es nach München zurück“ (SZ-Magazin 5/31.1.2014, S. 37).

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V: Sport-Millionen und -Millionäre

Motorsport-Millionen. Das Formel-1-Team von Red Bull kostete im Jahr 2012 die Summe von 278,4 Millionen Euro. Das Formel-1-Team von Mercedes kostete den Konzern 181 Millionen Euro. Selbst  das kleine russische Team von Marussia kostete 76 Millionen Euro (Neudecker, Michael, Geld gewinnt, in SZ 3.1.2014). Schneller im Kreis fahren – und an Bernie Ecclestone zahlen…

– 81 Millionen Euro für Lewandowski geboten. Real Madrid wollte im Dezember 2013 für den Stürmer von Borussia Dortmund, Robert Lewandowski, für einen Sechs-Jahres-Vertrag 9,5 Millionen Euro pro Jahr bezahlen, dazu u. a. zehn Millionen Handgeld und 14 Millionen Euro für dessen Berater. Lewandowski unterschrieb dann beim FC Bayern, wo er für einen Fünf-Jahres-Vertrag 60 Millionen Euro kassieren wird (Real Madrid lockte Lewandowski mit 81 Millionen Euro, in spiegelonline 5.1.2013).

– Von 252-Millionen auf 275 Millionen US-Dollar. Der amerikanische Baseballstar (und Doper, siehe auch unter VII), Alexander Rodriguez, schloss 2001 einen Zehn-Jahres-Vertrag mit den Texas  Rangers über 252 Millionen Dollar ab. 2004 übernahmen die New York Yankees Rodriguez und den Vertrag. „2007 machte er dann von einer Ausstiegsklausel Gebrauch und handelte einen neuen Vertrag aus – wieder für zehn Jahre, diesmal sogar mit einem Gesamtvolumen von 275 Millionen Dollar“ (Mölter, Joachim, Profil: Alexander Rodriguez, in SZ 13.1.2014).

– Cash ist fesch. „In dieser Woche ist Brian Cashman, der Manager der New York Yankees, seinem Namen wieder einmal gerecht geworden: Cashman (wörtlich übersetzt: Bargeldmann) verpflichtete den Japaner Masahiro Tanaka. Der Baseball-Werfer wird mit einem Sieben-Jahres- Vertrag ausgestattet, der mit 155 Millionen Dollar dotiert ist; wobei Tanaka nach vier Jahren schon kündigen kann. Sein ehemaliger Klub, die Tohoku Rakuten Golden Eagles aus der japanischen Liga NPB, bekommt auch noch ein hübsches Sümmchen als Ablöse überwiesen: 20 Millionen Dollar. Damit haben die Yankees in der Winterpause 470 Millionen Dollar ausgegeben. Nicht einmal eingerechnet ist dabei die Luxussteuer, die der Klub aufgrund der immensen Gehälter bezahlen muss“ (Schmieder, Jürgen, Männer für Millionen, in SZ 25.1.2014). 25 Millionen Dollar sparen sich die Eigentümer der Yankees, Hal und Hank Steinbrenner, weil Alex Rodriguez wegen Doping gesperrt wurde (siehe oben). Tanaka führt aber finanziell nicht die Liste der Bestverdienenden an, sondern Clayton Kershaw: „Er hat sich jüngst mit den Los Angeles Dodgers auf einen Sieben-Jahres-Vertrag für 215 Millionen Dollar geeinigt. Mit einem Jahresgehalt von 30,7 Millionen ist der 25-Jährige nun der bestverdienende Baseball-Profi“ (Ebenda).

– Zukunftsmodell: Basketball-Sport-Lotterie. „Weltverband nimmt Spenden für Vergabe von WM-Wildcards“ (Mölter, Joachim, Basketballer ziehen ihre Bewerbung zurück, in SZ 29.1.2014). Der Hintergrund: Das Teilnehmerfeld der Basket-Ball-WM (30.8. – 14.9.2014) wird gegen Höchstgebot von einer Million Franken (ca. 815.000 Euro) versteigert. Damit soll die Stiftung des Internationalen Basketball-Verbandes Fiba gefördert werden (Ebenda).
Wer weiß, wo letztlich welche Gelder wo und bei wem landen…

– 20jähriger Fußballspieler erhält 55.000 Euro – pro Woche. Der dänische Stürmer Andreas Cornelius verdient pro Woche beim FC Cardiff 55.000 Euro. Cardiff stand Ende Januar 2014 auf dem letzten Platz in der englischen Premier League. Der Eigentümer des Clubs, der malaysische Milliardär Vincent Tan, warf den Transfer-Manager im Herbst 2013 hinaus: „Dieser hatte  gemeint, sein Einkaufsbudget läge bei 60 Millionen Euro, Tan wollte aber nur 40 Millionen freigeben“ (Selldorf, Philipp, Lichtjahre hinterher, in SZ 29.1.2014). Der Umsatz der Premier League in der Saison 2013/14 wird auf über  drei Milliarden Euro geschätzt (Bundesliga 2012/13: 2,17 Milliarden Euro). Hinzu kommen für die englischen Klubs über 800 Millionen Euro jährlich für globale TV-Erlöse (Ebenda).

– Football-Stadion für 1,6 Milliarden Dollar. Die Super Bowl des American Football gastierte am 2.2.2014 bei eisiger Kälte – minus 5 Grad Celsius – in New York. Auf dem Times Square wurden 500.000 Besucher erwartet. 2013 schauten bei der Super Bowl 164 Millionen Menschen die TV-Übertragung an. Die NFL-Teambesitzer entschieden im Jahr 2010 über den Austragungsort 2014: Sie belohnten New York, „dass die New York Giants und die New York Jets zusammen ein neues 1,6 Milliarden Dollar teures Stadion bauten: das ‚MetLife Stadium'“ (Bülow, Ulrike von, Fanmeile am Broadway, in SZ 30.1.2014). „Zum ersten Mal findet das Spiel in der am dichtesten bevölkerten und verkehrsreichsten Region Amerikas statt – eine Region, die überdies seit 9/11 als Terrorziel Nummer eins gilt. Das macht den Super Bowl XLVIII zum ganz besonderen Kraftakt – für die Spieler, die Veranstalter, die Polizei, die Gastgeber und vor allem die Fans. (…) Für die Sicherheitsbehörden jedoch ist das ein Alptraum. Mehr als 4000 Polizisten, FBI-Beamte, Anti-Terror-Teams und private Kräfte sind unterwegs, um das Gewühl im Auge zu behalten, zu Fuß, in Patrouillenbooten, in Hubschraubern. Die NFL selbst gibt auf eigene Kappe elf Millionen Dollar für Sicherheitsmaßnahmen aus“ (Pitzke, Marc, Football on Ice, in spiegelonline 31.1.2014).

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VI: Aktuelle Fußball-News von Fifa, Uefa etc.

– Polizeikosten: 38 Millionen. Die Fußballsaison 2012/2013 kostete die Bundespolizei – und damit die Steuerzahler – für die Sicherung von Zügen und Bahnhöfen 38 Millionen Euro. 1700 gewaltbereite Fans sind bekannt; es gab 270 Verletzte bei insgesamt 2860 Straftaten und 751 Gewaltdelikten (Fußballeinsätze kosten 38 Millionen Euro, in Der Spiegel 1/30.12.2013).

– Bundesliga will keine Polizeikosten zahlen. Der Präsident von Werder Bremen, Klaus-Dieter Fischer, trat im Januar 2014 aus der SPD aus. Der Grund: Bei der Bremer Polizei liefen bei den Heimspielen von Werder Kosten von 2,8 Millionen Euro auf. „bezahlt von einer klammen Stadt, während die Vereine gewaltige Einnahmen kassierten. (…) Bremen ist hoch verschuldet, mit größter Mühe konnte die SPD kürzlich 40.000 Euro zusammenkratzen., damit der Notruf für vergewaltigte Frauen nicht stillgelegt wird“ (Widmann, Marc, Die Rote für die Roten, in SZ 8.1.2014). Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kündigte bereits an, sich „mit allen juristischen Möglichkeiten bis hin zum Bundesverfassungsgericht zu wehren“ (Ebenda).

– Aufrüstung in Brasilien. Zur Fußball-WM 2014 soll eine Spezialeinheit aus 10.000 Sicherheitskräften gegen Proteste vorgehen. „Die Task Force solle in allen zwölf WM-Städten zum Einsatz kommen… Die aus Freiwilligen der nationalen Sicherheitstruppe gebildete Einheit werde seit 2011 zur Konfrontation mit gewalttätigen Demonstranten ausgebildet… Zur Ausstattung gehören auch Miniroboter mit Kameras“ (Anti-Protest-Truppe, in SZ 4.1.2014).
So funktioniert die Fußball-Demokratur… Gleichzeitig werden brasilianische Krankenhäuser geschlossen und das Schulsystem leidet, weil das Geld in den Stadienbau und die WM- und Olympia-Infrastruktur fließt.

– Trainieren in Katar. Das Aufbautraining Anfang Januar 2014 des FC Bayern erfolgte wo? Richtig: in Katar, wo sonst. Dort, wo der Ehrenpräsident des FC Bayern, Franz Beckenbauer, „keine Sklaven“ sichten konnte (Selldorf, Philipp, Jeden Tag ein bisschen besser, in SZ 8.1.2014).

– Trainieren in Abu Dhabi. Der holländische Fußball-Erstligist Vitesse Arnheim reiste zum Training nach Abu Dhabi, obwohl seinem israelischen Profi Dan Mori die Einreise verweigert wurde“ (Kirchner, Thomas, „Ein Klub ohne Rückgrat“, in SZ 8.1.2014). Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem: „Vitesse hätte sagen müssen: Das ist unsere Mannschaft, ihr müsst uns akzeptieren – oder wir kommen nicht“ (Ebenda). Vitesse-Trainer Peter Bosz wollte sich nicht an der Diskussion beteiligen: „Ich mache meinen Job, ich bin Fußballtrainer“ (Ebenda). Und der niederländische Fußballverband KNVB hatte den Ausschluss als ‚politische Frage‘ bezeichnet; man wolle sich lieber heraushalten (Ebenda). Weil bekanntlich der Sport unpolitisch ist… Roger van Boxtel ist Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse Menzis, einem Sponsor von Vitesse  Arnheim. Er schrieb an den Klubchef: „Einer der Gründe, warum Menzis den Profi-Fußball unterstützt, ist, dass Fußball Menschen in Bewegung bringt und zusammenführt, ungeachtet von Rasse, Glauben, Hautfarbe“ – deshalb solle der Verein öffentlich erklären, warum er ohne Mori geflogen sei (Sponsor protestiert, in SZ 11.1.2014). Die Arabischen Emirate erklärten inzwischen der Verein hätte es verpasst, rechtzeitig ein Visum für Mori zu beantragen (Ebenda).
Auch noch feige!

– Thomas Hitzlsperger hat sich geoutet. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Hitzlsperger gab Anfang Januar 2014 bekannt, dass er homosexuell sei. Angesichts der homophoben Pöbeleien in den Fußballstadien ein mutiger Schritt. Aber auch geschäftliche Zwänge verhindern das Outing im Spitzensport, wie Dirk Brüllau, der Sprecher eines Netzwerkes schwul-lesbischer Fanklubs berichtet, „dass ein Spieler durch Sponsorenverträge eine Einnahmequelle hat, die sehr von der Außendarstellung abhängt. (…) Die Spieler fürchten, bei einem Coming-out ihre Sponsorenverträge zu verlieren“ (Catuogno, Claudio, Möbus, Max, Reimann, Mareike, Helden im Neandertal, in SZ 10.1.2014). – “ Dass homosexuelle Sportler in den Marketing-Abteilungen großer Firmen eher durchs Raster fallen, darauf hat zum Beispiel die lesbische Fechterin Imke Duplitzer schon oft verwiesen“ (Ebenda). Patrik Maas vom Fanklub „Andersrum rut-wiess“ des FC Köln:  „Ein schwuler Fußballer bekommt, wenn er sich outet, vor allem Probleme mit dem Marktwert“ (Ebenda).

– Allianz Arena erweitert. Der FC Bayern hat die Allianz Arena seit der Eröffnung 2005 mehrmals  erweitert, zum Schluss auf 71.137 Besucher. Nun soll sie noch einmal auf 75.000 Plätze erweitert werden. Ein Grund: die Fußball-EM 2020. „Für die Endspiele der Europameisterschaft setzt die Uefa ein Stadion mit mehr als 70.000 Plätzen voraus, für diese Spiele kann sich München noch bis zum 25. April bewerben“ (FC Bayern will Allianz-Arena vergrößern, in SZ 22.1.2014; Beisel, Karoline Meta, Schäflein, Markus, Bayern will zweiter werden, in SZ 23.1.2014).

– Barcelona-Präsident trat zurück. Am 23.1.2014 trat FC-Barcelona-Präsident Sandro Rosell wegen der dubiosen Umstände des Transfers vom brasilianischen Fußballspieler Neymar zum FC Barcelona zurück, zurück. „Ein Richter des Nationalgerichts in Madrid hatte einer Anhörung über eine mögliche Anklage gegen Rosell am Mittwoch zugestimmt“ (Barca-Präsident tritt zurück, in SZ 24.1.2014). Der Apotheker Jordi Cases, Mitglied des FC Barcelona und der Rosell-Oppositionsgruppe „Go Barςa“, hatte nachgefragt, warum von den 57 Millionen Euro 40 Millionen an Neymars Vater überwiesen wurden. Als Rosell nicht antwortete, zeigte ihn Casas im Dezember 2013 wegen „unaufrichtiger Geschäftsführung“ an. „Barcelona musste alle Verträge rund um Neymars Transfer nach Madrid schicken, wo seither die Klauseln aus neun Dokumenten seziert werden“ (Ebenda).
Vergleiche hierzu im Kritischen Olympischen Lexikon: Rosell, Sandro

– Trainingslager und Zwangsarbeit. Der FC Bayern München und Schalke 04 hielten ihre Trainingslager in Doha/Katar ab. Es regnete leider. Der Guardian berichtete zur gleichen Zeit, dass wieder 36 Gastarbeiter aus Nepal beim Bau von Anlagen für die Fußball-WM 2022 in Katar umgekommen sind. „Die WM-Organisatoren sind sich durchaus bewusst, dass sich auf den Baustellen des Landes etwas ändern muss, das hat der Chef des WM-Organisationskomitees, Hassan al-Thawadi, immer wieder versprochen. Gemeinsam mit Human Rights Watch und Amnesty International hat das OK angeblich bereits eine Charta für den Arbeitsschutz entwickelt. Gesehen haben beide Organisationen das Papier aber noch nicht. (…) Der Kampf beginnt zu spät. Das muss auch die Fifa eingestehen“ (Peschke, Sara, Opfer des Chaos, in spiegelonline 27.1.2014).

– Puma zahlt 200 Millionen Euro. Der Sportausrüster Puma hat einen Fünfjahres-Vertrag mit Arsenal London über 200 Millionen Euro abgeschlossen – 40 Millionen Euro pro Jahr. Puma löst damit Nike als offiziellen Partner und Ausrüster ab (Busse, Caspar, Eine Katze für London, in SZ 28.1.2014).

– Wie Franz Beckenbauer die Welt sieht. Interview in der Welt: „Herr Beckenbauer, schauen Sie sich die Olympischen Winterspiele (in Sotschi; WZ) an?“ – Franz Beckenbauer: „Ja, ich werde sogar fünf Tage vor Ort sein.“ – Die Welt: „Guten Gewissens?“ – Beckenbauer: „Ja freilich. Warum nicht?“ –
Die Welt: „Kennen Sie den Emir (von Katar; WZ) persönlich?“  Beckenbauer: „Ja, klar.“ Zur Fußball-WM in Katar äußerte Beckenbauer: „Die Kataris sind voller Begeisterung für die WM. Das einzige, was sie nicht kontrollieren können, ist das Wetter, und im Juni, Juli ist es nun mal heiß. Aber ihnen ist es letztendlich wurscht, wann die WM stattfindet. Dort spielt Geld keine Rolle, die bekommen beides hin, Sommer oder Winter. Und ich finde, wenn einer mault, dann bleibt er zu Hause, dann findet die WM eben ohne ihn statt“ (Alle Zitate: Wallrodt, Lars, „So gut wie jetzt war der FC Bayern noch nie“, in weltonline 29.1.2014).

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VII: Doping-News

– Verbruggen und Armstrong: auf ein Neues!UCI-Präsident Brian Cookson hat drei Monate nach seiner Wahl an die Spitze des Radsport-Weltverbandes eine Kommission einberufen, die eine mögliche Verwicklung der UCI in den Dopingfall Lance Armstrong klären soll. (…) Zuletzt waren erneut Vorwürfe von Armstrong gegen den früheren Präsidenten Hein Verbruggen bekannt geworden. Der überführte Dopingsünder war nach eigenen Angaben 1999 positiv auf Steroide getestet worden. Auf Anraten Verbruggens habe Armstrong aber ein Rezept zurückdatieren lassen, um den Fund zu begründen“ (SID, UCI prüft Verbruggen, in SZ 9.1.2014).

– Baseball-Millionär erwischt. Baseball-Profi Alexander Rodriguez (siehe auch unter V) geriet 2013 mit 13 anderen Spielern unter Dopingverdacht. Sie sollen von der Anti-Aging-Klinik Biogenesis in Florida muskelaufbauende Mittel erhalten haben. Der Chef von Biogenesis, Anthony Bosch, trat als Kronzeuge gegen Rodriguez auf: „Ich habe ihm die Dopingmittel selbst gespritzt“. Dafür habe er bar monatlich 12.000 Dollar erhalten (Rodriguez belastet, in SZ 14.1.2014). Im Prozess wurde am 11.1.2014 entschieden, Rodriguez für 162 Spiele zu sperren – die komplette reguläre Saison 2014 (Schmieder, Jürgen, 162 Spiele Sperre, in SZ 13.1.2014). Rodriguez will nun gegen die nordamerikanische Profiliga MLB und die Spielergewerkschaft MLBPA klagen (Rodriguez klagt, in SZ 15.1.2014).

Heinrich-Böll-Stiftung: Von Glanz und Risiken – Elitekörper in Deutschland, Schadensbilanz und Zukunftsprognose, Tagung der Doping-Opfer-Hilfe e.V. und Verleihung der Heidi-Krieger-Medaille an Prof. Werner Franke, Berlin, 21.1.2014. „Ja, Werner Franke ist unbequem. Ja, seine pointierte Art mag grob scheinen. Und ja, sein ewiges Mahnen kann mitunter nerven. Aber schalten und walten nicht Täter von einst zum Teil heute noch immer im deutschen Leistungssportsystem? Sind nicht viel zu viele Lenker aus der Ära des DDR-Staatsdopings unbehelligt davon gekommen? Wird nicht das Mantra der Mächtigen von einer ‚Null-Toleranz-Politik‘ in der Antidopingarbeit gar zu oft ad absurdum geführt?“ (Hungermann, Jens, Großes Lob füür den Quälgeist mit der Streitaxt, in welt.de 23.1.2014). Der Heidelberger Molekularbiologe Franke kämpft seit den sechziger Jahren gegen Doping in Ost- und Westdeutschland und wendet sich auch gegen die verlogene Debatte über das Doping-West, ebenso gegen die  übliche Weiterbeschäftigung von DDR-Trainern mit Dopingerfahrung im wiedervereinten Deutschland. „Seltsam, dass der Spitzensport beim Thema Doping immer noch so sehr sich selbst überlassen ist“ (Hahn, Thomas, Skisportler testen Skisportler, in SZ 23.1.2014).
„Der ehrende Verein, bisher vorwiegend beschäftigt mit den Langzeitschäden des Staatsdopings der DDR, registriert mit Schrecken die fortdauernde Problematik. Ein Siebtel der 700 Dopingopfer aus der DDR befindet sich in psychiatrischer Behandlung, ein Teil sogar dauerhaft. (…) Der Mainzer Sportmediziner Perikles Simon rief eine Enthüllung der New York Times aus dem vergangenen August in Erinnerung. Die Welt-Antidoping-Agentur hatte 2011 unter 2000 Leichtathleten eine anonyme Erhebung durchführen lassen, um einen Eindruck vom Dopingausmaß zu erhalten. 29 Prozent der  Athleten bei der WM und gar 45 Prozent bei den Panarabischen Spielen gaben zu, gedopt zu haben. (…) Jedenfalls verhinderten Wada und IAAF die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Studienergebnisse von 2011″ (Winterfeldt, Jörg, Wie beim Affen, in berliner-zeitung.de 21.1.2014).
„Auf der ganztägigen Veranstaltung waren unter anderem Vertreter aus Wissenschaft und Politik anwesend. Ein Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes war nicht zugegen“ (Kempe, Robert, „Verpflichtung gegenüber den Opfern“, in deutschlandfunk.de 21.1.2014).

– Simon Perikles über Doping. Der Heidelberger Dopingforscher, Professor Simon Perikles: „Kann man ein System, in dem ein extremer Betrug herrscht, annähernd sauber kriegen?“ – Zum Kontakt mit dem für Sport zuständigen Bundesinnenministerium: „Ehrlich gesagt habe ich gar keinen Kontakt dorthin. (…) Ich glaube tatsächlich, es handelt sich hier um Systeme, die gar keine kritische Betrachtung von außen brauchen. Da ist es im Gegenteil lästig, wenn von außen noch draufgeguckt wird.“ Zum Verhalten der Sponsoren im Sport: „Der Sponsor macht eben im Zweifel seine eigene Sportshow ohne Dopingtests, so eine Art ‚Deutschland sucht den Superstar‘ im Sport.“ (Alle Zitate: Hönicke, Christian, „Die Leute wollen den Sport nicht entzaubern“, in tagesspiegel.de 23.1.2014). – „Unser Problem ist, dass der clevere Doper, gemeinsam mit einem Team mit Know-how im Hintergrund, sehr viele unterschiedliche Substanzen einsetzt, diese teilweise mischt und nur in geringen Konzentrationen verwendet.“ Zur Quote der Doper im Sport: „Ein roter Faden zieht sich durch alle Sportarten. Die Quoten dürften im Sommer wie im Winter relativ gleich sein. 60 Prozent halte ich für eine realistische Schätzung.“ – Zum IOC: „Im IOC gibt es zu viele Interessen, die gegen einen ernsthaften Anti-Doping-Kampf sprechen. (…) Auch die Doping-Labore vor Ort sind ein Problem. Wenn diese allein für olympische Spiele aufgemacht werden, sind frühzeitig alle Fakten bekannt.“ (Zitate: Jochem, Pascal, Simon: „Jede Sportart ist dopinganfällig, in DW.DE 13.1.2014).

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VIII: Die Sportsender ARD/ZDF

Die Auflistung der Sportsendung erfolgte nur für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, nicht für die Dritten Programme und ist vermutlich nicht vollständig (Sondersendungen!). Finanziert werden diese Sportsendungen durch die zwangsweise erhobenen Rundfunkgebühren. Vergleiche auch hierzu: Die öffentlich-rechtlichen Sport-Sender

Ergebnis für Januar 2014:

ARD:  4270 min = 71 h  10 min; ZDF:  3350 min =  55 h  50 min
Zusammen:  7.620 min =  127 h =  5 Tage

1.1. ZDF SportExtra 13.45 – 19.00: 315 min
3.1. ARD Sportschau live 10.35 – 19.50: 555 min
4.1. ARD Sportschau 9.10 – 19.50: 640 min
5.1. ARD 8.50 – 17.15: 505 min
ZDF SportExtra 16.20 – 18.00: 100 min
6.1. ZDF SportExtra 14.25 – 19.00: 275 min
9.1. ZDF 14.10 – 16.00: 110 min
10.1. ZDF SportExtra 14.00 – 16.00: 120 min
11.1. ARD Sportschau 18.00 – 18.55: 55 min
ZDF 9.25 – 18.00: 515 min
12.1. ARD Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ZDF SportExtra 10.20 – 17.00: 520 min
ZDF Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
16.1. ARD Sportschau live 14.10 – 16.00: 110 min
ARD Sportschau live 17.15 – 19.50: 155 min
17.1. ARD Sportschau live 10.00 – 12.00: 120 min
ARD Sportschau 13.00 – 19.50: 530 min
18.1 .ARD Sportschau 9.05 – 19.50: 645 min
ZDF Sportstudio 23.00 – 00.00: 60 min
19.1. ARD Sportschau 8.45 – 18.30: 585 min
ZDF Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
24.1. ARD Sportschau 19.45 – 19.50: 5 min
ARD Sportschau Bundesliga 20.15 – 22.45: 150 min
ARD Sportschau-Club 22.45 – 23.15: 30 min
ZDF SportExtra 11.15 – 13.00: 105 min
ZDF SportExtra 16.40 – 17.45: 65 min
25.1. ARD Sportschau 18.00 – 20.00: 120 min
ZDF SportExtra 9.25 – 17.00: 455 min
ZDF Sportstudio   23.00 – 0.25: 95 min
26.1. ARD Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ZDF SportExtra 10.15 – 17.00: 465 min
ZDF Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
31.1. ARD Sportschau vor acht 19.45 – 19.50: 5 min


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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