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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Mrz 262014
 
Zuletzt geändert am 04.12.2016 @ 16:41

Wolfgang Zängl
26.3.2014, aktualisiert 4.12.2016

Gliederung:
Intro
1. Sportverbands-Demokratur *
1.1. Stimmen-Fang * 1.2. Gehorsam im Bach-Vesper-DOSB *1.3. Allein-Herrscher: Rudern im Ruderverband * 1.4. Basketball-Demokratur * 1.5. Ein Land, eine Stimme * 1.6. Bewährte Kräfte steigen auf
2. Wie man Sport-Präsident wird * 2.1. Modell starker Kandidat, viele schwache Gegenkandidaten * 2.2. Wer durchfällt * 2.3. Kein Gegenkandidat * 2.4. Tricks: Die  Wahl des UCI-Präsidenten
3. Horst Dasslers Schüler *
3.1. Juan Antonio Samaranch * 3.2. Der ewige Blatter * 3.3. Thomas Bach
4. Bewerbungen für Olympische Spiele *
4.1 Abstimmung über  München 2018 * 4.2. Oslo 2022 und das Geld * 4.3. München 2022 wird vorbereitet *4.4. Hintertüren
5. Schlechte Verlierer: Stimmen aus dem Sport zur Abwahl von München 2022

6. Der  elitäre Spitzensport * 6.1. Nur Spitzensport zählt * 6.2. Die Geldverteilung * 6.3. Geheime „Zielvereinbarungen“
7. Teure Olympische Party
8. Der Sport ist „unpolitisch“ *
8.1. Bahnsport-WM 2013 in Weißrussland  * 8.2. Eishockey-WM 2014 in Weißrussland * 8.3. Totalitärer Sport-Terminkalender * 8.4. Diktaturen grundsätzlich kein Problem
9. Sport-Pressearbeit * 9.1. Pressearbeit beim DOSB * 9.2. Pressearbeit beim IOC
10. Demokratur im Sportausschuss * 10.1. Sportausschuss 2009 – 2013: Kritik unerwünscht * 10.2. Der Sportausschuss: auch 2013 bis 2017 ein DOSB-Ausschuss * 10.3. Sportfunktionäre teilen Steuermillionen auf
11. Sport-Demokratur Fifa * 11.1. Confed-Cup 2013 * 11.2. Fußball-WM 2014 in Brasilien * 11.3. Fußball-WM 2018/2022
12. Sport-Demokratur IOC: Sotschi 2014 * 12.1. Aufrüstung * 12.2. Trauerverbot * 12.3. Unterdrückung 12.4. Deutsche  Sportvertreter zufrieden * 12.5. Schiebungen * 12.6. Scheineiligkeiten * 12.7. Öffentliche Meinung: uninteressant * 12.8. Fazit Sotschi 2014
13. Die Sport-Demokratur: Ein Fazit
Nachträge
Quellen

Intro
1) IOC, Fifa, Uefa und die Internationalen Sportverbände inszenieren seit geraumer Zeit eine Parallel-Welt: mit eigenen Regeln, Gesetzgebung, Pressionen. 2) Sie setzen ihre rigiden finanziellen und organisatorischen Ziele über den politischen Einfluss, die Medien und steigende Mitgliederzahlen in demokratischen Gesellschaften durch. 3) In totalitären Staaten und Diktaturen werden sie hofiert: finanzielle und propagandistische Mittel stehen ihnen unbegrenzt zur Verfügung. 4) Der Effekt „Brot-und-Spiele“ trägt dazu bei, die global existierenden Probleme zu vertuschen und zu verdrängen. Damit werden ernsthafte Problemlösungen verhindert und unterminiert.
Je offensichtlicher die ökologische, ökonomischen und sozialen Probleme werden, umso stärker wird die Weltherrschaft des Sports: dazu gehören die Olympischen Spiele und die Dominanz der großen nationalen und internationalen Sportverbände. Brot und Spiele eben. Weltweit. Über Printmedien, Fernsehen und Internet. Der irrwitzige offizielle Ablenkungsapparat ist gewaltig. Die deutschen öffentlich-rechtlichen Sportsender ARD und ZDF zahlen jährlich Hunderte Millionen Euro an den Sport aus dem Zwangsmitgliedsbeitrag. Und warum? Damit die Bevölkerung den Matadoren zuschaut: Nicht ohne Hintergrund hatte der Londoner Bürgermeister Boris Johnson den Zeitraum der Spiele vom 25. Juli bis 12. August 2010 zum “Spaß-Epizentrum des Universums” erklärt. Die 19 olympischen Tage wurden allerdings die teuerste Party der Welt – bis Sotschi 2014 kam. 2014 bei den Putin-Spielen, bei Skifahren und Bobfahren, bei Biathlon und Skispringen. 240 Stunden übertragen die beiden öffentlich-rechtlichen Sportsender. Und damit die Bürger nicht aufmüpfig werden oder kritisch oder ihre Interessen vertreten: sondern schlicht ruhig gestellt werden. Von Doping, Korruption und Schiebung ist sowieso keine Rede mehr.
Es können hier nur Fragmente der Sport-Demokratur aufgezeigt werden, die in der Realität noch wesentlich umfassender ist.

1 Sportverbands-Demokratur
1.1. Stimmen-Fang
Am 8.12.2012 stimmte die Mitgliederversammlung des DOSB in Berlin über den Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ab, das Anti-Doping-Gesetz zu verschärfen: Die DOSB-Spitze um den damaligen DOSB-Präsidenten (und jetzigen IOC-Präsidenten) Thomas Bach und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper war strikt dagegen. Zwei Delegierte des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV), Karl Rauh (BLSV-Vizepräsident) und Rainer Riedel, wollten dem DLV-Antrag zustimmen. “Bei unserer Rückkehr auf unsere Plätze waren die Kuverts geöffnet, die Stimmkarten nun an Herrn Kern und Herrn Mayr verteilt” (Hahn 6.6.2013). Und die beiden unlegitimierten Neuwähler Kern und Mayer stimmten für den DOSB-Antrag. BLSV-Präsident Günther Lommer, stramm auf der Bach-Vesper-DOSB-Linie, begründete den Stimmkartenklau so: “Ich erwarte von meinem Leuten schon, mich zu unterstützen” (Ebenda).
Rauh, der langjährige Präsident des BLSV, trat daraufhin am 5.6.2013 als BLSV-Vizepräsident zurück: “… der Fall gibt ein Beispiel dafür, wie leichtfertig in der Sportpolitik bisweilen mit demokratischen Grundrechten umgegangen wird” (Ebenda).
Sport-Demokrat Lommer wollte auch tatkräftig mit seinem Apparat BLSV München 2022 unterstützen:, wie er auf dem BLSV-Verbandstag am 7.6.2013 ankündigte “Wir dürfen das Feld nicht wieder jenen überlassen, die Verhinderer sein wollen” (bild.de 7.6.2013).

1.2. Gehorsam im Bach-Vesper-DOSB
Thomas Kistner kommentierte in der SZ den vom damaligen DOSB-Präsidenten Thomas Bach (mit seinem DOSB-Generaldirektor Michael Vesper) stromlinienförmig konzipierten DOSB: “Im Deutschen Olympischen Sportbund, dem er präsidiert, regt sich Unmut über sein auf Kontrolle und Gehorsam gegründetes Regiment. Dass es kein nationales Anti-Doping-Gesetz gibt, fällt ebenso auf Bach zurück wie die Versteckspiele um deutsche Medaillenziele, die erst ein Gerichtsbeschluss zutage förderte” (Kistner 10.5.2013; Hervorhebung WZ; siehe auch 6.3.).

1.3. Allein-Herrscher: Rudern im Ruderverband
Der Präsident des Deutschen Ruderverbandes (DRV), Siegfried Kaidel, verlor in jüngster Zeit zwei Stellvertreter. Karsten Bach war nur sieben Monate im Amt, dann trat er zurück, durfte dazu aber nichts sagen: „Ich habe mich gegenüber dem Verband verpflichtet, keine Interviews und öffentlichen Äußerungen zu diesem Vorgang abzugeben“ (Mölter 6.7.2013).
Der zweite Stellvertreter, Georg Grützner, schrieb dagegen einen Brief an die 80.000 DRV-Mitglieder. “Das Schreiben hat es in sich. Darin nannte Grützner recht unverblümt den Führungsstil von Präsident Kaidel und seinem verbliebenen Stellvertreter Torsten Gorski als Grund für den Rückzug. ‘Letztlich’, sagt Grützner, ‘wollen die beiden alles allein entscheiden.’ In seinem offenen Brief beklagt er fehlendes Vertrauen und fehlende Freiheiten in der Zusammenarbeit und zwar ‘in erschreckend hohem Maße von Anfang an’; er bemängelt, dass er ‘bei wichtigen öffentlichkeitsrelevanten Themen’ wiederholt nicht eingebunden worden und ‘eine stringente Informationspolitik (des Vorstands, Anm. WZ) in Richtung Präsidium nicht zu erkennen’ gewesen sei… Ob im elfköpfigen DRV-Präsidium tatsächlich immer die Mehrheit entscheidet, bleibt dahingestellt” (Ebenda).

1.4. Basketball-Demokratur
Thomas Braumann
ist Präsident der Basketball-Bundesliga (BBL) und Jan Pommer Geschäftsführer der BBL. Braumann stand im März 2014 „massiv in der Kritik. Die Vorwürfe haben es in sich: Alleingänge, Unwahrheiten und Klüngelei bei der soeben kommunizierten vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Pommer bis 2018, bei der rechtliche Vorgaben ignoriert worden seien; generell eine Intransparenz des Ligaverbandes gegenüber den Klubs, deren Interessensvertretung die BBL sein müsste“ (Kleffmann 22.3.2014). Der Deutsche Basketball-Bund (DBB), der mit 26 Prozent an der BBL beteiligt ist, wusste nichts von der Vertragsverlängerung mit Pommer bis 2018. Braumann behauptete zunächst, dass das Präsidium und die Gesellschafter eingebunden waren, konnte dies aber nicht belegen. Braumann: „Ich habe mit einem Gesellschaftervertreter des DBB gesprochen, er hat zugestimmt“ (Ebenda). Wer dies war, wollte Braumann nicht sagen. Der Geschäftsführer von Brose Baskets Bamberg, Wolfgang Heyder: „Es passiert zu viel im stillen Kämmerlein“ (Ebenda).
Wegen der sich zuspitzenden Kriegsgefahr mit Russland gab es in der Ukraine Überlegungen, die Basketball-EM 2015 in der Ukraine zurückzugeben. Pommers unsensibler Kommentar zu einem eventuellen Einspringen Deutschlands: „Das würde uns eine Menge Wind unter den Flügeln geben“ (SZ 21.3.2014).

1.5. Ein Land, eine Stimme
Das pseudodemokratische Prinzip bei der Fifa und Internationalen Sportverbänden lautet: „Ein Land – eine Stimme“. Damit hat ein Zwergstaat oder eine Mini-Insel eine Stimme – genau wie ein großes Land.Mit dabei sind auch viele kleine Staaten, die mit den jeweiligen Sportarten bisher nichts zu tun hatten.Dieses Prinzip Eine-Stimme-für-jeden-Klein- und Großstaat soll Demokratie vorgaukeln. In Wirklichkeit dient es dazu, die großen Verbände auszuhebeln und – auch mit finanziellen Zuwendungen – leichter Mehrheiten beschaffen zu können: ein wichtiger Bestandteil der Sport-Demokratur!
Bei der Fifa funktioniert das so: “In der Zeit, seit Blatter in der Fifa wirkt, ist die Zahl der gleichberechtigten Nationalverbände von 139 auf 208 angestiegen” (Affentranger 9.6.2011). Die Vertreter dieser kleinen (aber auch vieler großer Länder) werden nicht demokratisch legitimiert, sondern akklamiert, abgesegnet, vorgeschoben – oder bei Nichtfunktionieren: abserviert. „Blatter schüttet seit Jahren möglichst viel Geld an kleine Verbände aus, die sich für kein WM-Turnier qualifizieren und nichts zum Reichtum der Verbandskasse beitragen. Aber sie haben beim FIFA-Kongress Gewicht, denn sie haben eine Stimme, die genauso zählt und nicht weniger als die des mitgliederstarken DFB. Kein Wunder, dass Blatter vor ein paar Wochen in Sao Paulo erneut den Anspruch auf eine weitere Amtszeit erhob und Chancen hat, erneut zu gewinnen“ (Kalwa, Reith 15.7.2014).
Thomas Kistner schrieb dazu in der SZ: „Dass Länder wie Tonga, Tuvalu, Nauru weniger Bürger haben als eine deutsche Kleinstadt, aber in der Fifa ein Stimmverhältnis von 3:1 etwa gegenüber einem Sieben-Millionen-Mitglieder-Verband wie dem DFB besitzen sollen, zeigt das Demokratieverständnis des Fifa-Patrons. Platinis Uefa ist besorgt, sie erhebt schon jeden Sprengel in Europa zum Verband: Eine Auswahl Gibraltars trifft in der EM-Qualifikation auf die DFB-Elf. Der Vatikan fehlt noch“ (Kistner 24.3.2014).
Beim Internationalen Handball-Verband (IHF) sieht das so aus: “Wenige Wochen vor dem Kongress (im Juni 2009; WZ) hat Moustafa bei der IHF durchgesetzt, dass den Funktionären aus den ärmsten Nationen die Flüge nach Ägypten bezahlt werden” (Eggers, Erik 15.6.2009). Auf dem Kongress im Juni 2009 in Kairo nahm IHF-Präsident Hassan Moustafa dann acht neue Mitglieder auf: Bhutan, Brunei, Kambodscha und die Föderierten Staaten von Mikronesien, Guam, Kiribati, St. Lucia, der Marshall Inseln, Papua Neuguinea, Swasiland und Tuvalu (SZ 28.10.2013). „Eine im Handball bedeutungslose Stimmvieh-Armada von Togo bis Tobago wird, wie in anderen Weltverbänden, den Dunkelmann auf den Thron hieven“ (Kistner 17.5.2010). Damit hatte der IHF 199 Mitglieder: Jeder hat EINE Stimme. D.h. der Deutsche Handball-Bund hat eine Stimme – und der winzige Inselstaat Tuvalu auch.

1.6.Bewährte Kräfte steigen auf
Der neue DSV-Präsident
Franz Steinlewar im DSV bisher zuständig für Rechtsfragen und den Antidoping-Bereich. Er hat als bisheriger Vizepräsident mit dem umstrittenen DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller eng kooperiert. “Doch gerade im Antidopingkampf ist Steinle nicht unbedingt als vorbildlicher Spitzenfunktionär aufgefallen. Im engen Schulterschluss mit dem bisherigen DSV-Präsidenten Alfons Hörmann und dem DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller kam es im Verband immer wieder zu höchst fragwürdigen Entscheidungen. Der amtierende DSV-Generalsekretär Pfüller war in der DDR laut Zeitzeugen als Cheftrainer und Funktionär des DDR-Skiverbandes selbst in das Dopingsystem eingebunden. Jahrelang hat Pfüller im DSV dopingbelastete DDR-Kollegen protegiert. Erinnert sei hier an den Fall des DDR-Biathlontrainers Frank Ullrich, der heute Skilanglauf-Bundestrainer ist. Im Jahr 2009 kam eine vom Deutschen Skiverband eigens eingesetzte Untersuchungskommission zum Ergebnis: Wenn Ullrich auch heute daran festhalte, dass es sich damals im DDR-Biathlon lediglich um legale Mittel gehandelt habe, gehe die Kommission von einem ‘unbewusst gesteuerten Verdrängungsmechanismus’ aus. Das Gremium stand ausgerechnet unter dem Vorsitz des Juristen und damaligen DSV-Vize Franz Steinle” (Purschke 29.12.2013). Der DOSB empfiehlt in solchen Fällen die Einschaltung seiner zentralen Dopingkommission. “Der Skiverband tat das nicht. Stattdessen kam die DSV-Untersuchungskommission unter Franz Steinle verbandsintern und eigenmächtig zu dem Ergebnis, keine arbeits- oder dienstrechtlichen Schritte gegen Trainer Frank Ullrich einzuleiten” (Ebenda).

2 Wie man Sport-Präsident wird
2.1. Modell starker Kandidat, viele schwache Gegenkandidaten
Am 10.9.2013 gab es bei der Wahl zum IOC-Präsidenten fünf Gegenkandidaten gegen Thomas Bach. Das sah demokratisch aus, dabei war von vornherein klar, dass es Bach werden würde: Der kuwaitische Scheich
Ahmed Al-Fahad Al-Sabah gilt als der „Sport-Pate“ und hatte längst die Weichen gestellt. Die Bestätigung von Bach war nur noch eine Formsache.
Thomas Kistner schrieb zur Wahl Bachs in der SZ: “Die Kür lief für den Deutschen letztlich so, wie es Brauch ist im undurchsichtigen Weltsportgeschäft: Mit internem Druck, den sportpolitische Seilschaften offenkundig vor der Wahl ausübten, sowie dann in der Wahl mit soliden Stimmpaketen aus der Dritten Welt. Noch tags zuvor hatte ja in Buenos Aires eines der zwölf afrikanischen IOC-Mitglieder bestätigt, was zum Basiswissen für viele Mitbewerber gehörte: Dass der Scheich das Dutzend Kollegen vom afrikanischen Kontinent spätestens bei deren Erdteil-Konvent im Juni auf Bach eingeschworen habe” (Kistner 10.9.2013).

2.2. Wer durchfällt
Wie die Regie von Al-Sabah funktionierte, zeigte sich bei der Wahl des IOC-Exekutivkomitees. Der kritische Geist Richard Pound fiel überraschend durch, gewählt wurde die unkritische Amerikanerin Anita DeFrantz. Diese hatte dem Präsidenten des Internationalen Ruderverbandes, Denis Oswald, bereits  vor der Wahl von einer Anfrage aus dem Umfeld von Scheich Al-Sabah berichtet, ob sie denn in die Exekutive wolle – und so geschah es dann auch.

2.3. Kein Gegenkandidat
Wahl des neuen DOSB-Präsidenten:
Als Nachfolger von Thomas Bach wurde der Präsident des Deutschen Ski-Verbandes, Alfons Hörmann, am 7.12.2013 zum DOSB-Präsidenten gewählt. Er  war der einzige Kandidat. Mögliche Gegenkandidaten wurden im Vorfeld ausgeschieden.

Wahl des neuen DSV-Präsidenten:
Am 29.12.2013 wurde erwartungsgemäß der Stuttgarter Jurist Franz Steinle mit 66 von 74 Stimmen zum Nachfolger von Alfons Hörmann gewählt (SZ 30.12.2013). Warum erwartungsgemäß? Weil schon am 15.12.2013 eine Email Nolympia erreichte, dass der Kandidat Christian Neureuther nicht erwünscht war. Im Hintergrund war auch die Oberammergauerin Miriam Vogt, seit 2005 Präsidentin des Bayerischen Skiverbandes, als Vizepräsidentin des DSV ausgemauschelt worden. “Auch Peter Fischer, Präsident des Skiclubs Garmisch und Geschäftsführer für die alpinen Ski-Weltcups, war von DSV-Kreisen zu einer Kandidatur ermuntert worden. Am Ende soll in aller Stille hinter den Kulissen die Entscheidung für den Schwaben Steinle und für Vogt als Stellvertreterin gefallen sein – mit Neureuther und Fischer hat bis heute niemand gesprochen” (Holzapfel, Reinbold 10.1.2014). Neureuther und Fischer traten dann erst gar nicht zur Wahl an. “Es gab keinen Wahlkampf”, sagte Steinle (Voigt 30.12.2013).
Bei einem einzigen Kandidaten braucht es auch keinen Wahlkampf.

Wahl des IHF-Präsidenten:„In der Internationalen Handball-Föderation (IHF) hat Hassan Moustafa schon lange keine Gegner mehr. Dass der Ägypter beim IHF-Kongress im Oktober (2013; WZ) in Doha für vier weitere Jahre gewählt wird, gilt als sicher” (Eggers 26.9.2013). Hassan regiert seit 2000 im Welthandball – damit würde er bis 2017 exakt 17 Jahre seinem Spitznamen „Handball-Pharao“ gerecht. Und so kam es auch: Ohne Gegenkandidaten wurde der „Pharao“ mit über 90 Prozent gewählt.

2.4. Tricks: Die Wahl des UCI-Präsidenten
Die alten Sportsfreunde lassen sich so manches einfallen, um an der Macht zu bleiben. Als der Präsident des Internationalen Radsport-Verbandes UCI, Pat McQuaid, vor der Präsidentenwahl im September 2013 nicht mehr von seinem irischen Verband aufgestellt wurde, wurde er im Mai 2013 Mitglied des Schweizer Radsport-Verbandes und ließ sich von den Schweizern zum Kandidaten ausrufen. Aber drei Mitglieder des Schweizer Verbandes zogen vor Gericht: Das Schweizer Schiedsgericht sollte am 22.8.2013 entscheiden. Da ging McQuaid auf Nummer Sicher: Seine UCI versandte Ende Juli 2013 “einen Vorschlag des malaysischen Verbandes, dass von nun an, also schon für die Wahl am 27. September, die Zustimmung zweier Verbände für eine Nominierung ausreichend sei. Deswegen sei es allen Verbänden bis zum 30. August möglich, Kandidaten zu benennen; McQuaid übrigens habe schon drei Nominierungen erhalten, aus der Schweiz, aus Marokko und aus Thailand, wo er überall Verbandsmitglied sei. Auf die Nachfrage, wann und durch wen dieses Datum festgelegt wurde, antwortete die UCI nicht” (Aumüller 1.8.2013).
McQuaid fiel dann bei der Wahl am 27.9.2013 gegen den Briten Brian Cookson durch. Cookson wird allerdings eine Nähe zum russischen Verbandspräsident und Oligarchen Igor Makarow nachgesagt, der auch Besitzer des übel beleumundeten Rennstalls Katjuscha ist. Dazu ist Makarow “Chef des russischen Verbandes, Mitglied des UCI-Management-Komitees und – ganz nebenbei – mit seinem Konzern Itera der offizielle Sponsor des Kontinentalverbandes UEC” (Hettfleisch 25.9.2013). Vergleiche auch: Oligarchen-Sport

Das Demokratieverständnis und Ehrgefühl in der Sport-Demokratur war und ist nicht ausgeprägt – im Gegensatz zu Machterhalt und Korruption.

3 Horst Dasslers Schüler
Horst Dassler, Sohn von Firmmengründer Adolf Dassler und Eigentümer der Firma Adidas, unterwanderte mit seinen Zöglingen von 1977 bis zu seinem Tod 1987 den gesamten internationalen Sport. Horst Dasslers Team bestand u. a. aus Joao Havelange (Fifa-Präsident), Juan Antonio Samaranch (IOC-Präsident), Sepp Blatter (Fifa-Präsident), Kim Un Yong (GAISF), Anwar Chowdhry (AIBA), Primo Nebiolo (IAAF), Thomas Bach (seit 10.9.2013 IOC-Präsident) usw. Die amtierenden IOC- und Fifa-Präsidenten – und ihre Vorgänger – waren Dassler-Adepten.

3.1. Juan Antonio Samaranch
Altfaschist, 1980 in Moskau zum IOC-Präsidenten gewählt. Er ernannte eigenhändig und nach Gutdünken neue IOC-Mitglieder, ließ sich per Akklamation wählen und schaffte den Amateurstatur ab. Unter Samaranchs Herrschaft von 1980 bis 2001 wuchsen die IOC-Umsätze, stieg die Korruption, wurde Doping hoffähig.

3.2. Der ewige Blatter
Blatter kam 1975 zur Fifa (Fédération Internationale de Football Association) und wurde von Horst Dassler für das Amt des Generalsekretär empfohlen, das er von 1981 bis 1998 ausübte. Seit 1998 ist er Fifa-Präsident und seit 1999 IOC-Mitglied. Bei seiner ersten Wahl 1998 hatte Blatter noch eine Beschränkung auf zwei Wahlperioden angekündigt. 2011 wurde Blatter – bis 2015 – gewählt. 2014 kündigte er in Sotschi eine weitere, die fünfte Wahlperiode, an: Das wäre dann bis 2020. Von 1981 bis 2020 wäre Teflon-Blatter, an dem nichts hängen blieb, dann in höchsten Positionen bei der Fifa gewesen: Er konnte natürlich nichts für die zahllosen Skandale, die sich in seinen unzähligen Amtszeiten bei der Fifa ereignet haben.

3.3. Thomas Bach
Anlässlich der Kandidatur von Bach um das Amt des IOC-Präsidenten schrieb Jens Weinreich zum Team des ehemaligen Adidas-Chefs Horst Dassler: „Das Erbe Dasslers wirkt nach, jedenfalls in personeller Hinsicht. In Fifa-Präsident Joseph Blatter, einst bester Kumpel Dasslers – und eben in Dasslers ehemaligem Adlatus Thomas Bach. Thomas  Bach, Ex-DOSB-Präsident, nun IOC-Präsident: Bach will als Mitglied der sportpolitischen Abteilung von Adidas, wo er Mitte der achtziger Jahre unter Dassler als Direktor fungierte, nie etwas mitbekommen haben von den unsauberen Geschäften, vom flächendeckenden Geben und Nehmen. Und Bach hat auch seit Dasslers Tod im Jahr 1987 alle Klippen erfolgreich umschifft, etwa wenn seine fürstlich dotierten Geheimverträge mit Wirtschaftskonzernen (Holzmann, Siemens) publik und in Frage gestellt wurden. Bach prägte dazu den wunderbaren Begriff der „vielfältigen Lebenssachverhalte“ (Weinreich, Jens, Macht, Moneten und Medaillen, in spiegelonline 10.5.2013).
Thomas Kistner über Thomas Bach nach dessen Wahl zum IOC-Präsidenten am 10.9.2013: “Er war stets ein Mann des Systems, das er nun verkörpert” (Kistner 31.12.2013).

4 Bewerbungen für Olympische Spiele
4.1. Abstimmung über München 2018

Im Mai 2011 gab es sowohl einen Bürgerentscheid als auch ein Ratsbegehren in Garmisch-Partenkirchen. Nach einer bemerkenswerten Materialschlacht der Befürworter von München 2018 und einem hohen Einsatz des Rathauses und der Pro-Presse gewannen die Befürworter das Bürgerbegehren knapp mit 50,49 Prozent und das Ratsbegehen mit 54 Prozent.
Die FDP stellte am 15.6.2011 in München das Positionspapier “Rückenwind für Olymia 2018″ vor, in dem die Olympiagegner aufgefordert wurden, das Votum der Bevölkerung zu akzeptieren (dapd 15.6.2011). FDP-Mitglied Thomas Bach äußerte: “Wir sind sehr froh über die Unterstützungserklärung” (Ebenda) und bemerkte in einem Brief an Axel Doering, dem Initiator des Bürgerbegehrens in Garmisch-Partenkirchen sinngemäß, dass “unter Demokraten” jetzt das Abstimmungsergebnis auch von den Olympiagegnern zu akzeptieren sei, vulgo der Widerstand gegen München 2018 aufzuhören habe. Am 6.7.2011 bei der IOC-Sitzung in Durban erlitt München 2018 dann eine eindeutige Niederlage mit nur 25 zu 63 Stimmen für Pyeongchang.

Interessant daran ist, dass Bach, der DOSB, die Bewerbungsgesellschaft München 2018, der Münchner OB Ude und der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Schmid zunächst alles getan haben, um genau dieses Bürgerbegehren zu verhindern. Dann hat diese Allianz mit extremem materiellen und personellen Einsatz ein Gegen-Bürgerbegehren eingeleitet. Es kam sogar zu Sachbeschädigungen und Todesdrohungen gegen die Olympia-Gegner. Trotzdem war das Ergebnis mit einer knappen Mehrheit mäßig: Und dann spielten sich Bach & Co. als die großen Demokraten auf, die dieses Bürgerbegehren als Beweis für ihr Vorhaben werten.

4.2. Oslo 2022 und das Geld
Oslo will sich um die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben. Die Bewerber drückten sich aber um eine klare Aussage zur „unbegrenzten Defizitgarantie“: “Am 19. Juni will Oslo einen Antrag für eine Staatsgarantie bei der norwegischen Regierung einreichen. Rückenwind aus der Bevölkerung erhoffen sich Politiker durch eine Volksbefragung über die Bewerbung am 9. September (dpa 10.6.2013; SZ 7.6.2013). Die Staatgarantie soll über umgerechnet knapp drei Milliarden Euro laufen.
Das IOC besteht natürlich auf einer unbegrenzten Defizitgarantie. Wie schon öfter geschrieben: Die Defizitgarantie garantiert dem IOC die Milliarden-Gewinne und den Austragenden die Milliarden-Defizite.
Einer der Hauptverantwortlichen für Oslo 2022 ist IOC-Mitglied Gerhard Heiberg. “Heiberg und das IOC brauchen weltweit Städte, die sich bereit erklären, die Rechnung zu schultern für die riesigen Großsport-Ereignisse sommers wie winters. Die Schweizer Wähler haben bereits wegen der riesigen Kosten Anstrengungen begraben, Olympische Spiele 2022 auszutragen” (Berglund 18.6.2013).
Norwegens nationale Sportorganisation Idrettsforbundet investierte fünf Millionen Norwegische Kronen (rund 625.000 Euro) für die Abstimmung, um Oslos Wähler zu einem Ja für Oslo 2022 zu bewegen. Die linke Partei (SV) stimmte gegen die Bewerbung ab, da es “unethisch” sei, so viel Steuergelder für nur wenige Wochen im internationalen Sport-Rampenlicht auszugeben. Marianne Borgen von der SV: “Wir könnten eine Menge sportlicher Verbesserungen für diese Summe haben” (Ebenda). Auch die Gewerkschaftsorganisation LO war gegen Oslo 2022. Das Referendum war übrigens NICHT-BINDEND, non-binding (www.thelocal.no 22.6.2013).
Im September 2013 sprachen sich dann in Oslo gerade einmal 53,5 Prozent der Bürger für Oslo 2022. Umfragen im Frühjahr 2014 ergaben über 55 Prozent Ablehnung, im Norden Norwegens sogar über 80 Prozent. Die Bewerbung Oslo 2022 ging trotzdem munter weiter: Am 14.3.2014 wurde sie in Lausanne beim IOC eingereicht.

4.3. München 2022 wird vorbereitet
Am 26.9.2011 fand ein Empfang im Alten Münchner Rathaus als Abschlussfeier von München 2018 und zur Verleihung der Auszeichnung “München leuchtet” an Katarina Witt und Verena Bentele statt. Der  damalige DOSB-Präsident Thomas Bach kündigte eine neuerliche Kandidatur von München und Garmisch für 2022 oder gar für 2026 an: “Wir können Olympia in München und Garmisch-Partenkirchen, das ist die klare Aussage… Diesen Schatz dürfen wir nicht vergraben” (Abendzeitung 27.9.2011; sueddeutsche.de 26.9.2011). Was wollte Bach mit dieser Ankündigung in Wirklichkeit nicht vergraben: seine realen Ambitionen 2013 auf den IOC-Präsidentensessel? Oder weitere 33 Millionen Euro für die nächste oder übernächste Bewerbung?
Gleichzeitig wischte Bach mögliche Bewerbungen von Hamburg und Berlin um Olympische Sommerspiele locker vom Tisch. Das immerhin brachtete einige Fragen auf der nächsten Sitzung des DOSB im Dezember 2011 in Berlin mit sich! Im Berliner Tagesspiegel wurde moniert: “Aber die Art und Weise, wie die Entscheidung zustande kommt, ist undemokratisch” (Voigt 27.9.2011).
Das ist ja das Wesen der Sport-Demokratur!

4.4. Hintertüren
Am 10.11.2013 fand in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden, in Garmisch-Partenkirchen und der LH München ein Ratsbegehren über München 2022 statt. Der Münchner OB Christian Ude war sich offiziell völlig sicher, dass die Zustimmung bei allen vier Bürgerentscheiden kommen würde. Inoffiziell baute Jurist Ude aber schon vor und mauschelte folgendes mit dem DOSB aus, wie es im Münchner Merkur vom 1.10.2013 stand: „Auf Udes Initiative hin einigte sich der DOSB gestern darauf, das Erreichen des Quorums nicht als zwingende Bedingung festzulegen. Sollte es bei einem der Entscheide verfehlt werden, das Votum aber positiv ausfallen, wolle man an der Kandidatur festhalten” (Schmidt 1.10.2013; Hervorhebung WZ).
Am 10.11.2013 wurde dann München 2022 vierfach abgewählt. Trotzdem die Befürworter in München eine Millionensumme investierten, 2.500 Plakatständer aufstellten und die Plakate vier mal wechselten (also 50.000 Plakate klebten): Das Netzwerk Nolympia verfügte über rund  40.000 Euro, stellte 750 Plakatständer auf und hatte ein einziges Plakatmotiv.
Vergleiche: Goliath gegen David I; Goliath gegen David II

5 Schlechte Verlierer: Stimmen aus dem Sport zur Abwahl von München 2022
Pat Cortina, Eishockey-Bundestrainer zur vierfachen Abwahl von München 2022: „Too much democracy“ (merkur-online.de 11.11.2013; Hervorhebung WZ).
Maria Höfl-Riesch, Skirennläuferin: “Einige Wähler werden ihre Entscheidung noch bereuen. Unsere Gesellschaft ist satt, wir wissen gar nicht, wie gut es uns im Moment geht… Schade, dass die Leute so engstirnig sind” (Ebenda; Hervorhebung WZ).
Gerd Heinze, Präsident Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft: “Die Bayern haben keinen Arsch in der Lederhose. Sie sind nicht bereit, das geringste Risiko einzugehen, um Dinge nach vorn zu bringen, die für ganz Deutschland wichtig wären” (welt.de 11.11.2013).
Franz Beckenbauer: „Ich bin mir nicht sicher, ob man zukünftig immer das Volk befragen sollte. Früher hat es auch ohne Bürgerentscheide Großereignisse gegeben. Die Gegner sind eben immer aktiver. Die gehen alle zur Wahl hin und nehmen noch ihre Großmutter mit“ (merkur-online 12.11.2013). – “Olympia ist für mich ein Geschenk. So eine Chance hat man nur alle 50 Jahre, wenn überhaupt. Die Münchner, die Bayern, haben das in meinen Augen verschlafen, und ich bin mir sicher, dass sie das noch bereuen werden. (…) Es wird gerne gesagt, die Knebelverträge seien nicht akzeptabel, ich bin mir aber sicher, dass 90, nein, 95 Prozent derer, die von Knebelverträgen reden, nicht mal wissen, was das ist“ (Kerber 12.11.2013).
Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL): “Ich halte es für bedenklich, wenn eine gut organisierte Minderheit mit teilweise fragwürdigen Argumenten auf eine nicht gut organisierte Mehrheit trifft, die wiederum ihre guten Argumente kaum ins Feld führt. Es ist zu einfach, nur auf IOC und Fifa zu schimpfen und den Sportlern zu unterstellen, sie hätten nur für sich selbst gesprochen. Denn die Gegner von Olympia in München 2022 haben auch nur für sich gesprochen” (Hecker 13.12.2013).

6 Der elitäre Spitzensport
6.1.
Nur Spitzensport zählt
Der Leiter des Olympia-Stützpunktes, Klaus Pohlen, definierte seine Vorgben füür Medaillen im Februar 2012 so: “Seine Zielsetzung sind olympische Medaillen: Gold, Silber, Bronze, am besten in dieser Reihenfolge” (Ebenda).
Der Spitzensport und seine Medaillen haben oberste und einzige Priorität. Dazu passt der Beschluss des Münchner Stadtrats von Juli 2011, wonach kleinere Vereine, Sozialprojekte, Initiativen, aber auch die Volkshochschule sich mit Einfach- und Kleinsporthallen begnügen müssen. Die 22 Doppel- und 21 Dreifachsporthallen werden künftig nur noch Schulen und denjenigen Münchner Sportvereinen zur Verfügung stehen, “die wettkampforientierten Spitzen- oder Leistungssport ausüben” (Draxel 2.8.2011).
Alles für dem Elitensport –zu Lasten des Breitensports: Das ist die Sport-Demokratur.

6.2. Die Geldverteilung
Das Procedere: Zur Festlegung der Förderhöhe des Spitzensports bittet das Bundesministerium des Innern (BMI) den DOSB um eine Bewertung: Dieser spielt einerseits den neutralen Gutachter, andererseits soll er aber als Dachverband die Ziele der Verbände vertreten. „Der DOSB ist eine Institution mit zwei gegensätzlichen Aufgaben. Darin sehen viele das Grundproblem des deutschen Sports“ (Drepper 24.7.2012). Der DOSB trifft sich einzeln mit den Sportverbänden – und hat sich schon vorher mit dem BMI über die Förderhöhe geeinigt. Der Ex-Vizepräsident des Deutschen Leichtathletikverbandes, Eike Emrich, stellte nach einem Treffen fest: „Es wird nur gehandelt, um zu handeln. Als wäre man an den Hof zitiert worden, um dort in einem großen Ritual vorgeführt zu bekommen, wie die Machtverhältnisse sind“ (Ebenda). Arne Güllich, vormals beim DOSB mit der Entwicklung der Zielvereinbarungen befasst und heute Professor für Sportwissenschaft in Kaiserslautern, stellte fest: „In internen Sitzungen wird ohnehin vorher abgesprochen, wer was will… Die Mitarbeiter im DOSB wissen bei ihrer Arbeit genau, was am Ende herauskommt“ (Ebenda).
Das ganze Vorgehen ist bewusst eine große Geheimniskrämerei, wie Daniel Drepper schreibt: „Nach außen bleiben die Absprachen jedoch geheim, sie bleiben Herrschaftswissen von DOSB und Bundesinnenministerium. Bis vor einem Jahr wussten nicht einmal die Verbände untereinander, wie viel Geld andere Verbände vom Steuerzahler bekommen“ (Ebenda).

6.3. Geheime „Zielvereinbarungen“
Zwischen BMI, DOSB und Sportverbänden werden Zielvereinbarungen über die zu erzielenden Medaillen getroffen. Wenn die Sportverbände nicht spuren und die DOSB-Vorgaben nicht akzeptieren oder gar protestieren, riskieren sie die Förderung. Dazu der sportpolitische Sprecher der SPD, Martin Gerster: „Ich höre immer wieder von Verbandsvertretern, Verhandlungen über die Zielvereinbarungen seien die pure Erpressung. Aber es herrscht eine Atmosphäre der Angst. Öffentlich äußert fast niemand Kritik“ (Ebenda).
Zur pseudodemokratischen Legitimierung verwies Vesper im Sommer 2011 auf den DOSB-Präsidialausschuss Leistungssport. Dazu Drepper: „“Was Vesper nicht sagt: Die vier Verbandsvertreter im Präsidialausschuss haben überhaupt nichts zu melden“ (Ebenda).
Das Herrschaftswissen der DOSB-Chefetage gibt die Richtlinien und Medaillenanzahl vor: Und alles soll geheim bleiben, vor allem die Zielvereinbarungen. Der Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Frank Hensel äußerte dazu: „Hätte der DOSB klare, transparente und für alle Beteiligten nachvollziehbare Kriterien für die Zuweisung der Mittel an die Verbände, bräuchte er sich nicht vor einer Veröffentlichung zu fürchten“ (Schenck, Drepper 2.8.2012). Erst durch ein Gerichtsurteil im Sommer 2012 – von den Journalisten Daniel Drepper und Niklas Schenk erstritten -, wurde der DOSB gezwungen, die Zielvereinbarungen offenzulegen.

7. Teure Olympische Party
Das Beispiel London 2012: Für nicht wenige Bewohner Londons bedeuteten die Olympischen Bauten den Verlust ihres ursprünglichen Viertels und ihres Wohnortes: Für sie blieb nach der Zwangssanierung von Ostlondon kein Wohnraum mehr, weil er abgerissen oder zu teuer wurde. “Schöne neue Welt? Im Londoner East End, dem alten Arbeiterbezirk, ist in den vergangenen Jahren ein pompöser Olympiapark entstanden. Und einiges ist auch verschwunden. Zum Beispiel die ehemaligen Bewohner” (Klimke 27.3.2012). Die Londoner Mieten stiegen durch die Olympischen Spiele noch weiter, die Armut blieb, und die Arbeitslosigkeit lag hier bei 14,7 Prozent – doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt (Ebenda). Auf Wohngebäuden wurden während der Spiele Luftabwehr-Raketen installiert.
Und der Funfaktor verteuerte weiter. Nicht ohne Hintergrund hatte der Londoner Bürgermeister Boris Johnson den Zeitraum der Spiele vom 27. Juli bis 12. August zum “Spaß-Epizentrum des Universums” erklärt. Die 17 olympischen Tage wurden allerdings die teuerste Party der Welt – bis Sotschi 2014 kam.

8 Der Sport ist „unpolitisch“
8.1. Bahnsport-
WM 2013 in Weißrussland
Kurz nachdem Diktator Alexander Lukaschenko im März 2012 die Hinrichtungen von Oppositionellen durchführen ließ, beschloss der Weltradsportverband UCI im April 2012, die Bahnrad-WM 2013 in Minsk durchzuführen. UCI-Sprecher Enrico Carvani wies darauf hin, dass Weißrussland die Junioren-EM 2009 bestens ausgerichtet habe. Auf die Frage zur Lukaschenko-Diktatur sagte Carvani: „Für uns spielen politische Gründe nie eine Rolle.“ Es gebe „keinen Grund, Weißrussland diese WM zu verweigern“ (Aumüller, Neudecker 19.5.2012).

8.2. Eishockey-WM 2014 in Weißrussland
Der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF, RenéFasel
sagte am 23.9.2012 im Deutschlandfunk, die Entscheidung der Eishockey-WM 2014 in Weißrussland stehe fest und werde nicht revidiert. Als er zu Menschenrechtsverletzungen in Weißrussland gefragt wurde, entgegnete Fasel: “Ich habe das nicht mitgekriegt, also diese News habe ich nicht verfolgt” (tagesspiegel.de 24.9.2012; Hervorhebung WZ).

8.3. Totalitärer Sport-Terminkalender
Zum Totalitären Sport-Terminkalender hier
(Auflistung Webseite: Der Sport ist politisch – ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

8.4. Diktaturen? Grundsätzlich kein Problem!
Fifa-Präsident SeppBlatter schreckte nicht davor zurück, im März 2011 in die ehemalige Militärdiktatur Myanmar (früher: Birma) zu reisen und sich mit den Herrschenden abbilden zu lassen. Der dortige Fußball-Verbandschef Zaw Zaw und sein Firmenkonglomerat Max Myanmar erhielt von der Fifa 400.000 Dollar zur Neugestaltung eines Jugendcamps. Zaw Zaw geriet wegen seiner engen Beziehungen zur Junta um General Than Shwe auf die Sanktionsliste der Schweiz: Das Berner Staatssekretariat für Wirtschaft überprüft nun, warum sich die Fifa als Verein nach Schweizer Recht nicht an die Sanktionsbestimmungen gehalten hat (Kistner 28.3.2011).
Und IOC-Präsident Thomas Bach lud Wladimir Putin am 17.3.2014 zum IOC nach Lausanne  ein – einen Tag, nachdem Putin die ukrainische Halbinsel Krim annektieren ließ.

9 Sport- Pressearbeit
9.1. Pressearbeit beim DOSB
– Zensur
In “Schwieriger Umgang des DOSB mit Journalisten” von ZAPP-Autor Andreas Becker (NDR, 15.5.2013) wurden ebenfalls dazu Beispiele genannt. Eine Pressemitteilung der Doping-Opfer-Hilfe e.V. (DOH) wurde vom DOSB übernommen. Pressesprecher Christian Klaue strich allerdings den folgenden kritischen Satz: “Heftige Kritik übte der DOH an DOSB-Präsident Bach, der trotz mehrfacher Aufforderung seine (…) Zusagen zu einer Zusammenarbeit mit den Dopingopfern nicht eingelöst habe.” Als Andreas Becker darauf insistierte, dass dieser Satz der DOH-PM in der DOSB-PM hätte stehen bleiben müssen, konterte Klaue eiskalt: “Dann hätten wir sie gar nicht mitgenommen.”

DOSB-Pressearbeit wird auffällig
Die ZAPP-Redaktion des NDR problematisierte die Pressepolitik des Bach-Vesper-DOSB. Im Beitrag “Fischer-Solms kritisiert die DOSB-Pressearbeit” (ZAPP, NDR 15.5.2013) erwähnte Herbert Fischer-Solms, der langjährige Sportchef des Deutschlandfunks und heutiges Vorstandsmitglied der Doping-Opfer-Hilfe (DOH), viele Bespiele für die sowohl autoritäre als auch arrogante Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DOSB seit 2006.

DOSB-Propaganda
Herbert Fischer-Solms
urteilte über die Pressepolitik des DOSB unter Bach und Vesper: “Wir haben eine sehr stringente Pressepolitik, die sich ganz klar danach richtet, was der Präsident und sein Generaldirektor als Meinung vorgeben. Und wir haben eine Presseabteilung, die (…) sich mehr als eine Art Propagandaabteilung als als Presseabteilung offenbar versteht. Und das geht eben dann soweit, dass man Gesinnung, so wie sie der DOSB versteht, dass man die verbreitet und dass man die auch durchsetzen möchte – und auch bei Kollegen” (Hervorhebung WZ).

Schwarze DOSB-Listen
Fischer-Solms beleuchtete auch einen für Nolympia interessanten Hintergrund: “… dass zum Beispiel im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Olympischen Winterspiele 2018 in München, dass die kritische Berichterstattung  regelmäßig angefeindet wurde. Es kamen regelmäßig Anrufe, es kamen Mails, es kamen Anrufe vom Pressesprecher, es kamen auch Hinweise vom Generaldirektor. Wir haben es erlebt, dass in einer dieser Presseveranstaltungen (…), als der DOSB-Generaldirektor Vesper beim Deutschlandfunk war, da fingen die an, einen Zettel herauszuholen und aufzuzählen, wie oft welcher kritische Journalist im Deutschlandfunk berichten durfte zu den Plänen, Olympische Winterspiele 2018 in München zu veranstalten. Also ein unglaubliches Verhalten, was man im Grunde genommen in einer Demokratie und einem Land, in dem die Pressefreiheit gilt, doch für sehr ungewöhnlich halten muss. Uns wurde aufgelistet, welche Journalisten wie oft kritisch über Olympische Spiele in München berichtet haben. Unfassbar, aber hat stattgefunden.”
Frage von ZAPP: Das heißt, es gibt eine schwarze Liste mit klarer Häufigkeit?” (Hervorhebung WZ)
Fischer-Solms: “Also es gibt so etwas wie – nennen Sie es Schwarze Liste, wie auch immer.”
Zur Erinnerung: Der DOSB hatte im November 2009 die Chefredakteure aller Münchner Tageszeitungen auf die Zugspitze eingeladen, um sie “katholisch” bzw. olympiafreundlich zu machen. Ein weiterer Beweis für die “Sport-Demokratur”.

– Juristisches Vorgehen
Achim Muth von der Mainpost stellte Bach Fragen zu “Doping in Deutschland”, zu Bachs Unkenntnis jeglicher Dopingvorgänge in seiner Zeit als aktiver Fechter und seiner Verbindung zum Tauberbischofsheimer Fechttrainer Emil Beck, der wiederum enge Verbindungen zu den Freiburgern Reindell und Keul sowie DDR-Trainern hatte. Thomas Bach ließ seinen Anwalt Christian Schertz antworten, der umgehend mit rechtlichen Schritten drohte. Muth: “Eine Presseanfrage wird mit einem anwaltlichen Verfahrenskürzel beantwortet, statt Antworten wird gemauert und gedroht. Nach einer langen Einleitung mit vielen Worten wie ‘Verdachtsberichterstattung’. ‘Mandant’, ‘Berichterstattungsanlass’ schreibt Scherz schließlich: ‘Zu Ihren Fragen kann festgestellt werden, dass sich hier jegliche Verbindung zu Ihrem Mandanten in einem etwaigen Bericht verbietet” (Muth 29.8.2013). Ähnliches schrieb Schertz auch der Journalistin Grit Hartmann (aufgrund des Artikels vom 13.8.2013, siehe unten), vergleiche hier bei Jens Weinreich. Der Presseanwalt der Mainpost, Johannes Weberling, schrieb: “Das offenbar hinter dem Vorgehen von Herrn Bach stehende Verständnis des Grundrechts der Pressefreiheit in einer freien Gesellschaft hat mich regelrecht erschreckt” (Muth 29.8.2013; Hervorhebung WZ).

9.2. Pressearbeit beim IOC
Der IOC-Sprecher Mark Adams wurde für seine Kommentare und Konstrukte während Sotschi 2014 einschlägig bekannt. Er lobte die Atmosphäre der Putin-Spiele: „Die Spiele sind eine große Show. Insbesondere im Olympischen Dorf lebt man in Harmonie“ (Gertz 21.2.2014). Als die italienische transsexuelle Aktivistin Vladimir Luxuria mit der Regenbogenfahne der Schwulenbewegung über das Veranstaltungsgelände lief, verhaftet und abgeschoben wurde, äußerte Adams: “Wir bitten alle darum, ihren Argumenten woanders Gehör zu verschaffen!” (Gennies 18.2.2014).
Zum Bürgerkrieg in der Ukraine bemerkte Adams, das IOC hätte sich mit der ukrainischen Delegation zusammengesetzt und klargemacht, “dass es andere Arten gibt, sich der Opfer zu erinnern, eine Schweigeminute im Olympischen Dorf zum Beispiel” (Gertz 21.2.2014).
Auf die Frage eines Journalisten, was geschehen wäre, wenn jemand einen Trauerflor getragen hätte: “Das ist völlig hypothetisch, nächste Frage bitte” (Ebenda).
Zur Rolle von Wladimir Putin äußerte Adams: “Natürlich sind wir sehr glücklich, diese Unterstützung von einem Staatsmann zu haben” (Ebenda).
Zur Verhaftung und Verurteilung zu drei Jahren Lagerhaft für das Mitglied der Umweltwacht Nordkaukasus, Jewgenj Witischko, sagte Adams: Wir haben uns bei den lokalen Behörden erkundigt und erfahren, dass sein Fall nicht mit den olympischen Spielen zu tun hat” (Ebenda; Hervorhebung WZ). Zur Verhaftung der Pussy-Riot-Frauen äußerte sich Adams so: “… es scheint mir ein Fall für die lokalen Behörden zu sein” (spiegelonline 18.2.2014; Hervorhebung WZ). Adams weiter: “Der Zugriff der Polizei erfolgte nicht in Zusammenhang mit den Winterspielen” (faz.net 19.2.2014; Hervorhebung WZ).
Am 19.2.2014, einen Tag nach der Verhaftung der beiden Frauen von Pussy Riot, sagte er: „Um sie daran zu erinnern, falls es nötig ist: Wir sind kein supranationales Parlament, keine internationale Organisation wie die UN“ (Gertz 21.2.2014). Adams warnte Pussy-Riot am selben Tag vor Protesten auf dem Olympia-Gelände: “Eine Demonstration wäre nicht akzeptabel” (Ebenda). Das IOC dulde keine politischen Demonstrationen: “Wir sind nicht die Vereinten Nationen” (Ebenda). In dem von Pussy-Riot gedrehten Film sind die Olympischen Ringe zu sehen und Übergriffe der Sotschi-Sicherheitskräfte. Offizieller IOC-Kommentar zur Aktion von Pussy Riot: “Es ist eine Schande, wie die Olympischen Spiele als politische Bühne missbraucht wurden” (SZ 21.2.2014).
Damit ist nicht die Darstellung von Putin-Russland gemeint!

10. Demokratur im Sportausschuss
10.1. Sportausschuss 2009 – 2013: Kritik unerwünscht
Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages tagte bis Herbst  2011 öffentlich. Ende September 2011 lautete der Titel eines Artikels in zeitonline “Nickerchen im Sportausschuss”. Jens Sejer Andersen von “Play the Game” präsentierte kritische Thesen zum Spitzensport vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages. “Der Großteil der Ausschussmitglieder reagierte abwehrend, machte sich klein… Vor allem die Mitglieder der Regierungsfraktionen wirkten desinteressiert bis undiszipliniert. Nicht alle konnten während der dreistündigen Sitzung die Augen offenhalten, manche spielten mit ihrem iPad” (Fritsch 29.9.2011).
Was macht die Sport-Demokratur mit solcher Kritik? Genau. Die Ausschussmitglieder MdB Klaus Riegert (CDU) und MdB Joachim Günther (FDP) stellten den Antrag, die Sitzungen des Sportausschusses ab sofort unter Auschluss der Öffentlichkeit abzuhandeln. Und sie waren erfolgreich mit den 10 Stimmen von CDU, CSU und FDP: Schon sind die Sitzungen nichtöffentlich (Weinreich 28.10.2011).
Die damalige sportpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Viola von Cramon, kam sich “ein bisschen wie bei Putin” vor (Herrmann 28.10.2011). Michael Reinsch schrieb in der FAZ: “Dass die Sportpolitiker von Union und Freien Demokraten der Öffentlichkeit die Tür ins Gesicht schlagen, ist nur deshalb kein Skandal, weil sie die Bedeutung des Ausschusses, der vor zehn Jahren noch die Entschädigung für Opfer des Dopings in der DDR initiierte, ohnehin längst unterminiert haben” (Reinsch 26.10.2011).
Da die Sitzungen seit Oktober 2011 nicht mehr öffentlich stattfinden, müssen nun Sachverständige wie von Transparency International, aber sogar die Herren vom DOSB draußen warten. Dessen fast zu jeder Sitzung eingeladenen Chefs – der damalige Präsident Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper sowie oftmals weitere „Fachleute“ vom DOSB – müssen aber nur pro forma warten: Sie werden umgehend hereingebeten und tragen dort ihre Ansichten vor, die dann in der Regel von der Mehrheit des Sportausschusses übernommen werden.
Auf seiner Sitzung am 9.11.2012 beschloss der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP erneut, am Ausschluss der Öffentlichkeit festzuhalten (sueddeutsche.de 9.11.2011). Der sportpolitische Sprecher der SPD, Martin Gerster, äußerte: “Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass dem Deutschen Olympischen Sportbund es offenbar recht ist, dass wir jetzt hinter verschlossenen Türen tagen” (Kempe 8.11.2011).
Das ist dem DOSB sicher sehr recht, sofern der Ausschluss der Öffentlichkeit nicht sogar seine Idee war. Die Sport-Demokratur ist kein Freund von Transparenz und Demokratie.
Auch in der Legislaturperiode 2013 bis 2017 bleiben die Sitzungen des Sportausschusses natürlich nichtöffentlich.

10.2. Der Sportausschuss: auch 2013 bis 2017 ein DOSB-Ausschuss
Im neu zusammengestellten 18-köpfigen Sportausschuss des Bundestages sitzen auffallend viele Abgeordnete, die auch Sport-Funktionäre sind: Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende, ist Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Eberhard Gienger, neuer CDU-Sportsprecher, ist ehemaliger Bronzemedaillengewinner im Turnen und war u. a. ehemaliger Vizepräsident Leistungssport im DOSB. Frank Steffel (CDU) ist Präsident des Handball-Bundesligisten Reinickendorfer Füchse Berlin. Stephan Mayer (CSU) war Mitglied des Aufsichtsrates der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, München. Dieter Stier (CDU) ist Leiter des Reit-, Zucht- und Ausbildungsstalles Markwerben und seit 1990 geschäftsführender Vorstand des Weißenfelser Reitverein e.V. Ingo Wellenreuther (CDU) ist seit 2010 Präsident des Karlsruher Sport-Clubs und seit 2013 Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Reinhard Grindel (CDU) ist 1. Vizepräsident des Niedersächsischen Fußballverband e.V. (NFV), Barsinghausen und im Kuratorium der Robert-Enke-Stiftung Hannover. Gudrun Zollner (CDU) war 1988 bis 2009 Gründungsvorsitzende des Reiterhof Wallersdorf e.V. und von 1995 bis 2005 Fachbeirat Vielseitigkeit im Pferdesportverband Niederbayern/Oberpfalz. Seit 1988 Fachübungsleiterin Reiten; seit 1993 Richterin der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen in Bayern. Michaela Engelmeier-Heite (SPD), ist SPD-Sportsprecherin, Judolehrerin und Vizepräsidentin des Deutschen Judo-Bundes. Detlev Pilger (SPD) ist im BSC Güls, BSC Güls Alte Herren, BSC Güls Förderverein, BSC Güls Förderverein Kunstrasenplatz (Vorstand), TuS Koblenz. (Quellen: Deutscher Bundestag; bundestag.de 15.1.2014; Webseiten MdB; Herrmann 16.1.2014).
Nicht fündig wurde ich bei Johannes Steininger (CDU), Karin Strenz (CDU), Matthias Schmidt (SPD), Carsten Träger (SPD), Andre Hahn (Die Linke), Katrin Kunert (Die Linke), Monika Lazar (Bündnis 90/Die Grünen), Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen). Damit sind zehn von 18 Mitglieder des Sportausschusses Sportfunktionäre oder hatten und haben Spitzenämter im Sport:

10.3 Sportfunktionäre teilen Steuermillionen auf
Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages entscheidet über die Vergabe von Millionenbeträgen – und er ist ein Sprachrohr der DOSB-Interessen. Boris Herrmann kommentierte diese Interessensvermengung in der SZ: “Grundsätzlich ist es ja schön, dass sich so viele Bundespolitiker im sportlichen Ehrenamt engagieren. Eingedenk der Tatsache, dass es zu den Hauptaufgaben des Sportausschusses gehört, die Verteilung der staatlichen Sportfördermittel an die Spitzenverbände zu überwachen, stellt sich aber schon die Frage, ob dieses Gremium in jeder Hinsicht unabhängig agieren kann” (Herrmann 16.1.2014).

11 Sport-Demokratur Fifa
11.1. Confed-Cup, Juni 2013
Der Confed-Cup in Brasilien im Juni 2013 war quasi als Generalprobe für die Fußball-WM 2014 gedacht. Der  Test ging gründlich schief: Plötzlich sah die Bevölkerung die zwölf Luxus-Stadien für die Fifa-Paten – und das schlechte Schulsystem, das marode Gesundheitssystem, den unzureichenden Öffentlichen Verkehr, die Korruption. Es gab Aufstände von Hunderttausenden: Auslöser war eine Erhöhung der Busfahrpreise. Fifa-Präsident Blatter lieferte die üblichen ignoranten Zitate und wurde wie üblich ausgepfiffen.
– Blatter 1:
„Der Fußball ist stärker als die Unzufriedenheit der Menschen. Wenn der Ball einmal rollt, werden die Menschen das verstehen, und es wird aufhören… Ich finde, diese Personen nutzen die Plattform des Fußballs und die Anwesenheit der internationalen Presse, um bestimmte Proteste klar zu machen. Ich habe Dilma und Aldo gesagt, dass wir ihnen vertrauen“ (kleinezeitung.at 17.6.2013). – „Wie die FIFA betonte, seien die Demonstrationen Angelegenheit des Gastgebers“  (Ebenda).
– Der Sportminister:
„Nach Einschätzung der Fifa werden die Proteste jedoch nicht zunehmen, der Fußball sei stärker als die Unzufriedenheit. Sportminister Aldo Rebelo wurde deutlicher: „… Die Spiele werden stattfinden. Wir werden keine Gegenbewegung dulden“ (euronews.de 18.6.2013).
– Blatter 2:
“Brasilien hat diese WM verlangt. Wir haben Brasilien diese Weltmeisterschaft nicht aufgezwungen. Sie wussten, um die WM zu bekommen, müssen Stadien gebaut werden” (spiegelonline 19.6.2013). – „Derweil haben sechs Austragungsstädte des Confed Cups um die Entsendung von Truppen der brasilianischen Nationalgarde gebeten.“ (Ebenda).
– Blatter 3: „Sepp Blatter ist zu den Halbfinalspielen nur noch kurzfristig an- und sofort wieder abgereist. Dem Internetportal UOL erklärte er trotzdem noch einmal die Proteste: ‚Das sind soziale Probleme Brasiliens und nicht des Fußballs. Der Fußball bringt nur Freude für die ganze Welt.’ Ob er sich sicher fühlt, der Botschafter der Freude? ‚Natürlich.’ Darauf ein Schlückchen von dem guten Tropfen. Auf die Einsatztruppen von der Nationalgarde“ (Kistner, 29.6.2013; Hervorhebung WZ).
– Kolonialmacht Fifa. Interview von Thomas Kistner mit Chris Gaffney, Gastprofessor für Architektur und Städtebau an der Universität Fluminense, Niteroi: „Die Fifa ist die Kolonialmacht in dieser Zeit. Sie hat die Errichtung einer Parallel-Regierung verlangt, das ist nun das WM-Organisationskomitee. Dann gibt es das WM-Gesetz, es ändert nationales Recht und ermöglicht Ausnahmen. Dann ist da der Veranstalter-Vertrag, der alles an die Fifa übergibt. Die Fifa sammelt hier 3,5 Milliarden Dollar ein, zieht weiter und hinterlässt teils privatisierte Stadien und Räume, die keinen funktionalen Sinn mehr haben“ (Kistner 5.7.2013; Hervorhebung WZ).
Vergleiche: Brasilien Juni 2013

11.2. Fußball-WM 2014 in Brasilien
„Problemlösung“ im Sport
Am 27.11.2013 stürzte ein Kran auf der Baustelle des Estádio Itaquerão um: Ein Dachkomplex von 500 Tonnen fiel auf eine Tribüne. Mindestens zwei Arbeiter starben. Die Dachkonstruktion stammt vom deutschen Ingenieurbüro Werner Sobek (Tripmaker, Wallrodt 29.11.2013).
“Und was tat nun der frühere Corinthians-Präsident Andrès Sanchez, einer der führenden Sportfunktionäre, nach dem tödlichen Zusammenbruch? Er griff gemeinsam mit Sicherheitsleuten einen Reporter der Zeitung Folha de São Paulo an und zerstörte sein Handy, damit dieser nicht mehr filmen konnte” (Burghardt 28.11.2013; Hervorhebung WZ).

– 4 bis 5 Milliarden Fifa-Gewinn. Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke plauderte zum vermuteten Gewinn der Fifa bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien: “Die genaue Zahl weiß ich nicht, es werden ungefähr vier Milliarden US-Dollar sein… Dies ist eine vorsichtige Schätzung – Berater gehen eher davon aus, dass der Betrag bei fünf Milliarden Dollar liegen wird” (Sinnott 24.6.2013). Zur Erinnerung ein Zitat von Valcke im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2014 in Brasilien vom 17.4.2013: „Das mag jetzt vielleicht verrückt klingen, aber manchmal ist weniger Demokratie bei der Planung einer WM besser. Wenn es ein starkes Staatsoberhaupt mit Entscheidungsgewalt gibt, vielleicht wie Putin sie 2018 hat, ist es für uns Organisatoren leichter als etwa in Ländern wie Deutschland, in denen auf verschiedenen Ebenen verhandelt werden muss“ (Valcke: „Weniger Demokratie bei Planung hilfreich, in welt.de 24.4.2013).

– Task Force. Zur FußballWM 2014 soll eine Spezialeinheit aus 10.000 Sicherheitskräften gegen Proteste vorgehen. “Die Task Force solle in allen zwölf WM-Städten zum Einsatz kommen… Die aus Freiwilligen der nationalen Sicherheitstruppe gebildete Einheit werde seit 2011 zur Konfrontation mit gewalttätigen Demonstranten ausgebildet… Zur Ausstattung gehören auch Miniroboter mit Kameras” (SZ 4.1.2014).
Gleichzeitig werden brasilianische Krankenhäuser geschlossen, und das Schulsystem leidet, weil das Geld in den Stadienbau und die WM– und Olympia-Infrastruktur fließt.

11.3. Fußball-WM 2018/Russland, 2022/Katar
Blatter verlegt – oder nicht.Ursprünglich hatte die Fifa-Evaluierungskommission die Kandidaten für die FußballWM 2018 (Russland) und 2022 (Katar) durchfallen lassen. Prompt wurden sie dann von der Exekutivkommission gewählt. Schließlich drang bis zur Fifa durch, dass in Katar im Sommer bis zu 45 Grad heiße Temperaturen herrschen. Fifa-Präsident Blatter nannte im August 2013 die Wahl Katars “eine Fehlentscheidung” und trat für eine Winter-WM 2022 ein. “Warum ist weder der Fifa-Präsident noch jemand anderes mit mindestens Hauptschulabschluss beim Wahlkongress aufgestanden und hat auf diese Mogelpackung hingewiesen? “(Ahäuser 28.8.2013).
2015 steht außerdem die Wahl des Fifa-Präsidenten an – und Blatter will erneut antreten. Mit dem Thema Katar will er seinen Konkurrent um das Amt des Fifa-Präsidenten im Jahr 2015, Uefa-Präsident Michel Platini, einen bekennenden Katar-Fan, aus dem Weg räumen.

Keine Sklaven, keine Kritik. Franz Beckenbauer zu den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der FifaWM 2022 in Katar: “Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen” (focus.de 4.11.2013).
Interview in der Welt mit Franz Beckenbauer: „Kennen Sie den Emir (von Katar; WZ) persönlich?“ Beckenbauer: „Ja, klar.“ Zur möglichen Kritik von Fußballern an der Fußball-WM in Katar äußerte Beckenbauer: “ Aber ihnen (den Kataris; WZ) ist es letztendlich wurscht, wann die WM stattfindet. Dort spielt Geld keine Rolle, die bekommen beides hin, Sommer oder Winter. Und ich finde, wenn einer mault, dann bleibt er zu Hause, dann findet die WM eben ohne ihn statt“ (Alle Zitate: Wallrodt 29.1.2014).

12 Sport-Demokratur IOC:Sotschi 2014
Vergleihe auch: Sotschi IV – Februar 14
12.1. Aufrüstung:
– Olympische Aufrüstung I: “Raketenkreuzer USS Ramage und Kommandoschiff USS Mount Whitney haben mit 600 amerikanischen Marinesoldaten im Schwarzen Meer Stellung bezogen. Die Olympischen Spiele können beginnen” (faz.net 3.2.2014).
– Olympische Aufrüstung II: Simon Jenkins schrieb in The Guardian: “Eine Armee von 30.000 Mann wird eingesetzt. Weitere 30.000 Polizisten und Sicherheitskräfte des Inneren liegen in Reserve. Raketenwerfer und Verfolgungseinheiten sind eingeteilt. Luft- und Seeeinheiten stehen bereit… Zusätzliche Straßensperren riegeln 60 Meilen ‘Verbotszone’ ab. Darin werden alle Bewegungen überwacht und kontrolliert… Sport als Stellvertreter für Krieg ist so alt wie George Orwell. Aber moderne Groß-Ereignisse sind keine Stellvertreter mehr für irgendwas. Sie sind selbst bombastische, staatliche, kommerzielle, nationalistische Versammlungen, die heutzutage zum Terrorismus einladen” (Jenkins, Simon, Winter Olympics: one day the worm will turn against these gods of sport, in theguardian.com 10.1.2014).

12.2. Trauerverbot
– Trauerflor-Verbot I:
Der Bruder der Norwegischen Langläuferin Astrid Jacobsen war am 7.2.2014 überraschend verstorben. Die norwegischen Langläuferinnen waren daraufhin beim Skiathlon mit einem Trauerflor unterwegs. Sie bekamen vom IOC deshalb eine Rüge. Das IOC bezog sich auf die Olympische Charta, Regel 50.3: “Jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda ist an den olympischen Stätten, Austragungsorten oder in anderen olympischen Bereichen untersagt.” IOC-Sprecherin Emanuelle Moreau: “Doch wir glauben, dass an den Wettkampfstätten, in denen die Atmosphäre festlich ist, nicht der richtige Ort für Trauer ist” (spiegelonline 10.2.2014).

– Trauerflor-Verbot II: Auch die Ukrainerdürfen nicht trauern.Da in der Ukraine seit Wochen und Monaten bürgerkriegsähnliche Zustände mit nunmehr täglich Dutzenden Toten herrschen, hatte das ukrainische Nationale Olympische Komitee am 19.2.2014 beim IOC den Antrag gestellt, dass die ukrainischen Athleten einen Trauerflor tragen dürfen. Das IOC lehnte diesen Antrag mit Hinweis auf bestehende Regeln ab. Kommentar von Claudio Catuogno in der SZ: “Was verlangt das IOC da von den Hauptdarstellern seiner Show? Dass sie gefälligst ihren Job machen als Rädchen in der globalen Kommerzmaschine. (…) Gar nicht zu ertragen ist es, wenn man es in Bezug zu den Parolen von Menschlichkeit und Weltfrieden setzt, mit denen sich das IOC selbst ständig schmückt” (Catuogno 20.2.2014).

12.3. Unterdrückung
– “Drei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi haben Menschenrechtler dem Gastgeber Russland zunehmenden Druck auf Kritiker des Ringe-Spektakels vorgeworfen. Bürgerrechtler, Umweltschützer und Journalisten, die Missstände aufdecken wollten, würden immer wieder von Sicherheitskräften bedrängt, kritisierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) am Mittwoch in Moskau. Es gebe Festnahmen von Aktivisten sowie Verhöre und Hausbesuche von Polizeibeamten. Je näher die Eröffnungsfeier am 7. Februar in dem Schwarzmeerkurort rücke, desto stärker versuchten die Behörden, kritische Informationen zu unterdrücken, hieß es” (faz.net 15.1.2014). Jane Buchanan von HRW äußerte, Russland benutze die Sicherheitsinteressen in und um Sotschi, “um Kritiker zu bedrängen und einzuschüchtern” (Ebenda).
– Der Umweltaktivist Jewgeni Witischko von der Organisation Umweltwacht Nordkaukasus wurde gerade zu drei Jahren Haft verurteilt. Das IOC hält sich derweilen heraus. Buchanan: “… die Spiele in Sotschi finden stattdessen in einer Atmosphäre der Angst und Einschüchterung statt” (Ebenda). – “Witischko hätte das Zeug dazu, zum Protestgesicht der Spiele zu werden. Er ist Geologe und Mitglied einer Organisation namens ‘Ökologische Wacht für den Nordkaukasus’ – der Gruppe, die in den vergangenen Monaten am nachdrücklichsten die üblen Vorgänge und Umweltsünden rund um das geschätzt 50 Milliarden Dollar teure Lieblingsprojekt von Staatspräsident Wladimir Putin angeprangert und aufgedeckt hat. Schon 2012 war Witischko zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er gemeinsam mit anderen Aktivisten auf einen Zaun nahe der Sommerresidenz des Gouverneurs von Krasnodar Protestparolen gesprayt hatte. Ihrer Ansicht nach war der Zaun illegal errichtet worden, außerdem soll die Gouverneursvilla in einem Naturschutzgebiet stehen. Im Dezember 2013 wandelten die Instanzen die Bewährungsstrafe auf einmal in eine dreijährige Haftstrafe um. Ihr Vorwurf: Verstoß gegen die Bewährungsauflagen” (Aumüller 25.1.2014).
– Der Krsasnodarer Universitätsprofessor Michail Sawwa , ein Politologe und Direktor einer Nichtregierungsorganisation, wurde im April 2013 verhaftet; er saß lange in Untersuchungshaft und steht derzeit noch bis 3.2.2014 unter Hausarrest (Ebenda). Das IOC will mit der Angelegenheit nichts zu tun haben – wieder einmal unzuständig. „’Wir haben (das Organisationskomitee) Sotschi 2014 gebeten, uns mit mehr Informationen zu versorgen. Dessen Informationen deuten darauf hin, dass der Fall Witischko nichts zu tun hat mit der Vorbereitung der Olympischen Spiele’, sagt das IOC auf SZ-Anfrage. ‘Wir müssen solche Ausführungen den kompetenten Behörden überlassen.’ Auf die Frage, ob sich IOC-Präsident Bach während der Spiele mit Witischko treffen wird, gab es keine Antwort” (Ebenda).
Links
– Großzügiger IOC-Präsident. Zum Recht auf Meinungsäußerung sagte IOC-Präsident Bach: “Die Spiele sollten nicht als Bühne für politische Demonstrationen benutzt werden (…) aber die Athleten genießen die Freiheit der Meinungsäußerung. Sollten sie in Pressekonferenzen politische Statements abgeben wollen, steht ihnen das absolut frei” (Winterfeldt 27.1.2014).
Großzügige Sport-Demokratur à la Bach und Putin!
Vergleiche auch Putin: Krieg und Spiele

12.4. Deutsche Sportvertreter zufrieden
Thomas de Maizière besuchte Sotschi, fühlte sich wohl und äußerte am 16.2.2014. „Wenn man aus Deutschland mit der großen kritischen Begleitung kam, dann sieht man hier nur, dass für die Sportler alles gerichtet ist, wie sie es brauchen. Und wenn die Athleten zufrieden sind, bin ich es auch“ (Zimmer-Amrhein 17.2.2014). Zur Lage der Menschenrechte in Russland sagte de Maizière, diese werde „durch die Olympischen Spiele in Sotschi nicht zwingend besser, aber vermutlich auch nicht zwingend schlechter“ (Ebenda).
Entweder de Maizière ist uninformiert, dann taugt er nichts in diesem Amt. Oder er verharmlost bewusst. dann beleidigt er alle Opfer von Putin-Russland und der Putin-Spiele.
Der zweite deutsche Jubler war DOSB-Präsident Alfons Hörmann, den auch nichts an den russischen Gastgebern störte: „Es ist endlich mal der Fokus bei Sport-Großveranstaltungen in aller erster Linie auf die Athleten gelegt und nicht wie so oft viel für die Kulisse von Spielen getan worden“ (Ebenda). – „Das, was Sotschi hier bietet, wird neue Maßstäbe für Athleten und Betreuer setzen und wird für die künftigen Bewerber eine gewisse Messlatte darstellen“ (Ebenda).
Keine Rede von Ausbeutung der Arbeiter, Verletzung der Menschenrechte, Enteignungen, Umweltzerstörungen, Repressionen, 50 Milliarden US-Dollar kosten incl. Oligarchenanteil, etc.
Warum das Schweigen von Politikern und Sportfunktionären die Sportler belastet? Weil es ein weiterer Baustein zur Sport-Demokratur ist. „Athleten werden alleingelassen von den Funktionären, die auch eher schweigen zu Menschenrechten und Umweltverbrechen, sie werden drangsaliert vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), das ihnen verbietet, etwas zu sagen“ (Gertz 15.2.2014).

12.5. Schiebungen
– Schiebungen I: Bereits Anfang Februar 2014 berichtete die französische Zeitung L’Équipe über mögliche Medaillenabsprachen zwischen Russland und den USA beim Eiskunstlauf. „Die Eiskunstlaufverbände Russlands und der USA, will ‚L’Équipe‘ von ihrem Informanten erfahren haben, hätten sich in geheimen Absprachen darauf geeinigt, den Mannschafts-Titel an Russland und die Trophäe im Paartanz an die USA zu vergeben. Mithilfe der Preisrichter, schrieb das französische Fachblatt in seiner Freitagsausgabe“ (Welter 9.2.2014).
Und wer gewann? Charlie White und Meryl Davis aus den USA gewannen die Eistanz-Kür. Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow gewannen den Paarlauf. Russland gewann den Teamwettbewerb Eiskunstlauf.

– Schiebungen II: Außerdem gewann dann – äußerst überraschend – die junge Russin Adelina Sotnikowa Gold im Eiskunstlauf der Damen, vor der von allen als wesentlich besser eingestuften Südkoreanerin Kim Yuna. Aus der Presseschau von René Hofmann in der SZ: „Einen ‚Skandal‘ sah L’Equipe und spottete: ‚Welch Hohn!‘ Für die südkoreanische Zeitung Joongang Ilbo war es ‚ein Fehlurteil‘, für den Corriere dello Sport ‚Unrecht‘. Die Chicago Tribune witterte ‚Hausmannskost, angerührt, um eine tosende Menge Russen ruhigzustellen‘. Die L.A. Times schrieb: ‚Manche mögen es Skandal nennen, andere Skating. Der gesunde Menschenverstand aber nennt das, was da passiert ist, einfach nur falsch’“ (Hofmann 22.2.2014).
Ein Eiskunstlauf-Offizieller, der nicht genannt werden wollte, äußerte gegenüber USA today, die Zusammensetzung des Gremiums „war deutlich schräg zugunsten von Sotnikowa: Das ist, was sie machen können“ (Hofmann 24.2.2014). Alexander Lakernik, der Vizepräsident des russischen Eislauf-Verbandes, fungierte dazu als Technischer Kontrolleur; zum Preisgericht gehörte Alla Schechowzowa, die Frau des früheren Präsidenten und heutigen Generalsekretärs des russischen Eiskunstlauf-Verbandes. Der Preisrichter Juri Balkow aus der Ukraine wurde bereits 1999 vom Internationalen Eislauf-Weltverband ISU wegen „auffälliger Wertungen“ bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano für ein Jahr gesperrt (Ebenda).

12.6. Scheinheiligkeiten
IOC-Präsident Thomas Bach sagte zum Sieg der Russin Adelina Sotnikowa: „Es gibt ja keinen Protest“ (Hofmann 24.2.2014). Das ist nun schon arg geheuchelt. René Hofmann stellte in der SZ fest, dass ein solcher nach den ISU-Statuten, Regel 123.4.A.i gar nicht möglich ist: „Gegen die Bewertungen der Schiedsrichter, der Wertungsrichter und des technischen Komitees sind keine Proteste erlaubt“ (Hofmann 24.2.2014). Bach ist gelernter Jurist und kennt als langjähriger IOC-Vizepräsident und jetziger IOC-Präsident den genauen Sachverhalt nur allzu gut.

12.7. Öffentliche Meinung: uninteressant
Die öffentliche Meinung ist den Herren von IOC, Fifa und den Internationalen Sportverbänden immer schon egal gewesen – bis heute. Ein Beispiel: Am 16.3.2014 annektierte Putin die ukrainische Krim-Halbinsel für Russland. Am selben Tag feierte ungeniert das International Paralympic Committee mit Präsident Philip Craven zusammen mit IOC-Präsident Thomas Bach und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den Abschluss der Paralympics 2014 in Sotschi. Am 17.3.2014 lud Bach bei einem festlichen Essen Putin zu einem Besuch nach Lausanne ins IOC-Hauptquartier ein: als ob nichts geschehen sei.

12.8. Fazit Sotschi 2014
– Wichtigste Bedingung für das IOC (und die Fifa/Uefa) sind: ein Regime oder ein Staat, der bedingungslos Geld für Brot und Spiele bereitstellt – auch wenn dies für die Bevölkerung bedeutet: Brot oder Spiele. – Der Schulterschluss des autoritären Putin-Russlands mit den Sportverbänden war offensichtlich: IOC-Präsident Bach und IPC-Präsident Craven feierten unisono Hand in Hand mit Putin und fühlten sich dort kritiklos wohl. – Auch und gerade während der Olympischen Spiele wurden Kritiker inhaftiert und verurteilt. – Sport wird von den Sportpaten als „Friedensbewegung“ verkauft. – Für die Sportpaten von IOC und Fifa ist es völlig egal, was die Welt über sie denkt: Hauptsache, ein Staat mit welcher politischen Ausrichtung  auch immer bringt die Milliarden für „Brot und Spiele“  auf.

13. Die Sport-Demokratur: ein Fazit
– Sportfunktionäre behaupten, der  Sport sei unpolitisch. Er ist politisch und er verhält sich politisch. (Siehe: Der Sport ist politisch) Und die Sportfunktionäre präferieren zunehmend autoritäre und totalitäre Regimes. Das verhindert jede Kritik und die Forderung nach Transparenz.
– Der Sport verändert demokratische Länder: Diktaturen nähern sich nicht Demokratien an, sondern umgekehrt. Die „unpolitischen“ Sportverbände gehen mit ihren Sport-Großevents immer öfter nach Russland, Weißrussland, Ukraine, Aserbaidschan, Kasachstan, Katar, Bahrain, China…
– Der IOCFifaUefaSport ist im wahrsten Sinn des Wortes „systemstabilisierend“: Aber er stabilisiert die falschen Systeme – und destabilisiert Demokratien. So hilft er, Diktaturen „hoffähig“ zu machen: Die Verletzung von Menschenrechten, die brutale Ausbeutung von Arbeitern, die Sklaverei-ähnlichen Zustände, die brutale Verfolgung von Regimegegnern und die flächendeckenden Umweltschäden treten in den Hintergrund.
– Die Sportfunktionäre BachBlatter-Platini etc. werden immer mächtiger: weil die Politiker sie gewähren lassen und sich des Sports bedienen.
– Die Globalisierung des Sports stärkt – nicht nur über Nationalhymnen und –fahnen, Nationenwertung, Fackeln etc. – nationalistische Tendenzen: Dies ist durchaus beabsichtigt.
– Die Olympic Broadcasting Services (OBS) zeigen IOC-Bilder, der Host Broadcasting Service (HBS) zeigt Fifa-Bilder, das „Weltbild“ zeigt Uefa-Bilder. Sie könnten auch den totalitären Systemen den Weg weisen, wie Fernsehen geht: Gezeigt werden unkritische Bilder, heile Sportwelt, keine Proteste, pure Sport-Ideologie. Die Eliten – Machthaber und Sportfunktionäre in ihren Stadionlogen – bleiben ausgeblendet. OBS, HBS und Weltbild ändern die Sichtweisen und Sehgewohnheiten auch der westlichen Demokratien.
Sport-Dauerberieselung: In europäischen Restaurants und Bars, auf Flughäfen und Bahnhöfen, in Messen und U-Bahnen laufen inzwischen ganztätig Sportsender wie Sky TV, Canal Plus und Rai Sport und übertragen flächendeckend Sportveranstaltungen.
– Der Breitensport wird nicht nur finanziell zugunsten des Elitesports zurückgefahren.
– Durch die immer höheren staatlichen Zuwendungen und Einkünfte von Fernsehsendern und Sponsoren wird der internationale Sport zunehmend korruptionsanfällig.
– Das Dopingproblem wurde von den internationalen Sportverbänden an Wada und Nada delegiert: Es wird zunehmend ignoriert und sogar toleriert. (Siehe Blutdoping Erfurt)
– Die internationalen Sportevents verursachen massive ökologische Schäden: u. a. durch den massenhaften globalen Verkehr und gewaltige Mengen an CO2-Emissionen, sinnlose, nur für den kurzen Sportevent gebaute Wettkampfstätten (White Elephants), die immense Summen kosten und vielfältige Folgeschäden verursachen.
Das alles wird kaum noch thematisiert: Brot und Spiele sind wichtiger. Die Politik knickt ein. Und die Fernsehsender übertragen die makellosen Bilder aus der verlogenen Scheinwelt von IOC-FIFA-UEFA

Nachtrag 1: Der Pharao korrumpiert Deutschlands Handballer
Der Pharao korrumpiert Deutschlands Handballer. Im Juni 2014 scheiterte die deutsche Handball-Nationalmannschaft an der Qualifikation zur WM 2015 in Katar. „Es war das dritte Mal binnen drei Jahren, dass die deutschen Handballer ein internationales Großereignis verpassen, nach Olympia 2012 in London und EM 2014 in Dänemark“ (Mölter, Joachim, „Es ist klar, dass das eine Lex Deutschland ist“, in SZ 10.7.2014). Nun traf sich der Rat der internationalen Handball-Föderation IHF in Zagreb und beschloss  eine „Wildcard“ für die WM 2015 für Deutschland. Und die deutschen Handball-Funktionäre jubelten sogleich. Sie hätten besser einmal nachgedacht. „Der Rat unter seinem Präsidenten Hassan Moustafa (genannt ‚der Pharao‘; WZ) hat dafür nämlich einfach dem ozeanischen Kontinentalverband den Startplatz bei der WM weggenommen“ (Ebenda). Als „Begründung“ stand auf der IHF-Webseite: „Es gibt gegenwärtig keinen kontinentalen Verband in Ozeanien, der von der internationalen Handball-Föderation anerkannt ist“ (Ebenda). Angeblich hätte Ozeanien nicht die erforderliche Anzahl von Verbänden. „Das wundert einen schon, denn Ozeaniens Kontinentalverband OCHF hatte auch früher nicht mehr als die 13 Mitgliedsländer, welche die IHF auf ihrer Homepage anführt“ (Ebenda). Der SZ-Autor Mölter zitiert die aktuellen IHF-Statuten vom Januar  2014, in denen unter Artikel 10.2.1. „mindestens zehn“ Länder gefordert sind. Auf der IHF-Homepage sind 13 Länder unter Ozeanien aufgelistet. „Was nun zur Status-Änderung geführt hat, dazu schweigen IHF und ihr umstrittener Präsident Hassan Moustafa“ (Mölter, Joachim, Nur Ärger und Enttäuschung, in SZ 11.7.2014). Der wahre Grund: „In Deutschland schöpft die IHF aus dem größten Zuschauer- und Sponsorenpotential“ (Ebenda).
Die Australier gingen auf ihrer Homepage immer noch von der Teilnahme an der WM 2015 aus: Sie sind „schockiert und verärgert“ (Mölter 10.7.2014). „‚Einfach irrational‘ nannte Australiens Verbandschef Alex Gavrilovic das Argument der IHF, dass es derzeit keinen anerkannten Kontinentalverband Ozeaniens gebe und Australien deshalb keinen Platz haben könne“ (Mölter, Joachim, Nur traumlose für die Deutschen, in SZ 22.7.2014).
Der ehemalige deutsche Weltklasse-Handballer Daniel Stephan meinte dazu: „Aber es ist auch klar, dass das eine Lex Deutschland ist. Die IHF braucht Deutschland und hat nun einen äußerst fragwürdigen Weg gefunden“ (Ebenda). Der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), Bernhard Bauer, ist „glücklich und dankbar“ und „hält die Wildcard nicht für eine ‚Lex Deutschland‘; dies zu behaupten sei ‚respektlos‘ gegenüber ‚einem demokratisch gewählten Gremium wie dem Rat der IHF'“ („Glücklich und dankbar“, in Der Spiegel 29/14.7.2014).
„Demokratisch gewählt“ – es darf gelacht werden. Bei der IHF hat jedes Land eine Stimme – wie bei der Fifa. Und schon frisst der deutsche Handball-Bund dem Pharao aus der Hand – und verzichtet auf Kritik an dessen äußerst umstrittener Amtsführung. Ein weiteres Beispiel aus der Sport-Demokratur.
Der Isländische Handballverband (HSI) beansprucht nun den freiwerdenden Platz. „Nach Darstellung der Isländer hat der europäische Verband EHF sie als ersten Nachrücker benannt, falls ein Platz frei wird bei der WM“ (Island will Wildcard, in SZ 19.7.2014). – „Die  Isländer beanspruchen für sich, als erster Nachrücker für einen frei werdenden WM-Platz auf der Liste des europäischen Verbandes EHF gestanden zu haben; den bis vor kurzem geltenden Regeln zufolge hatte der Kontinentalverband das Nominierungsrecht für Nachrücker. Diese Regel sei aber erst nach Abschluss der Qualifikationsrunde geändert worden und dürfe damit erst für die nächste WM gelten“ (Mölter, Joachim, Nur traumlose für die Deutschen, in SZ 22.7.2014).
Joachim Mölter beurteilte in der SZ das Vorgehen der IHF als „fadenscheinige Begründungen. Die IHF hat zudem ihre eigenen Regeln so gebeugt und zurechtgebogen, bis der DHB als erster Nachrücker für den freien Platz in Frage kam“ (Mölter, Joachim, Erfolg geht vor, in SZ 22.7.2014).
Am 20.7.2014 wurden die WM-Gruppen in Doha ausgelost. Und so werden die deutschen Handballer im Januar 2015 in Katar wie vom Pharao vorgesehen mitspielen.

Nachtrag 2: „Demokratie“ im Schach
Der frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow wollte Präsident des Schach-Weltverbandes FIDE werden. Derzeitiger Amtsinhaber ist seit 1995 Kirsan Iljumschinow (*1962), früherer Präsident der russischen Teilrepublik Kalmückien (1993 bis 2010). „Anfang Oktober 2005 bot er seinen Rücktritt an, wurde aber von Wladimir Putin für eine weitere vierjährige Amtszeit nominiert. (…) Im Juni 2011 zeigte er sich während des Bürgerkriegs in Libyen bei einer Schachpartie mit Diktator Muammar al-Gaddafi“ (Wikipedia). – „Iljumschinow zeigte sich als FIDE-Präsident mit Diktatoren wie Saddam Hussein und Baschar Assad. Von Gaddafi hat er sogar eine FIDE-Weltmeisterschaft in Libyen sponsorn lassen. Heute kommt der größte Einfluss aus Russland. (…) Wie Garri Kasparow in einem Interview (…) sagte, wird über Iljumschonows Gedeih und Verderb im Kreml längst entschieden. ‚Er hängt völlig vom Putin-Regime ab. Ohne Geld aus Moskau gäbe es keinen Wahlkampf'“ (Löffler, Stefan, Putins (Schach-)Rochaden in deutschlandfunk.de 10.8.2014). Nun hat Putin ein Motiv, Kasparow zu verhindern, der seit Jahren zu seinen Kritikern zählt.
In der FIDE herrscht – wie in der Fifa, im Internationalen Handballverband und vielen anderen Sportverbänden der Sport-Demokratur das Prinzip: ein Land, eine Stimme. „Bei früheren FIDE-Wahlen haben Delegierte ihre Stimmzettel mit dem Mobiltelefon abfotografiert oder mit präparierten Stiften angekreuzt – mutmaßlich, um mit einem Beweismittel ihr Schmiergeld abholen zu können“ (Ebenda).
Schon im Vorfeld war klar: Kasparow wird nicht Präsident werden. Die nächste Schach-WM findet im November 2014 im russischen Sotschi statt, und Putin will keinen Präsidenten Kasparow; auch der frühere Schach-Weltmeister Anatolij Karpow (sitzt für Putins Partei „Einiges Russland“ in der Duma) ist dagegen (Vgl. Aumüller, Johannes, Schlammschlacht in der Schachwelt, in SZ 2.8.2014).
Am Sport hängt, zum Sport drängt die ganze Welt…
Bei der Abstimmung im norwegischen Tromso erhielt Iljumschinow 110 Stimmen, Kasparow 60 (Kasparow verliert, in SZ 12.8.2014).

Nachtrag 3: Einstimmigkeit (1) – DOSB
Am 6.12.2014 fand in Dresden die DOSB-Vollversammlung statt – ohne Überraschungen. Wahl 1: Alfons Hörmann wurde einstimmig (408 Stimmen) zum DOSB-Präsidenten gewählt. Wahl 2: Der DOSB soll sich um Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin bewerben (408 Stimmen). Wahl 3: Der DOSB akzeptiert die neue Struktur mit hauptamtlichen Direktorium und ehrenamtlichem Aufsichtsrat (407 Stimmen, eine mutige Gegenstimme). Wahl 4: Der Floorball-Verband Deutschland wird einstimmig als 99. Mitgliedsverband aufgenommen (Deutschland bewirbt sich um Olympia 2024, in spiegelonline 6.12.2014).
Eine lebendige Demokratie sieht anders aus als diese Wahlergebnisse, die aus Kasachstan oder Aserbaidschan stammen könnten. Raider heißt jetzt Twix. Und der bisherige DOSB-Generaldirektor (Michael Vesper) heißt jetzt Geschäftsführender Vorstand (Michael Vesper). Der hatte auch schon bisher Enthaltungen geschweige denn Gegenstimmen nicht gern.

Nachtrag 4: Einstimmigkeit (2) – IOC
Monaco, IOC-Session zur Agenda 2020: „Die Messe war längst gelesen, es ging jetzt nur noch um die Verabschiedung der vorletzten von 40 Empfehlungen – dass der Sport „den Dialog mit der Gesellschaft stärken“ solle -, da fuhr Rita Subovos Hand empor. Kurz und unkontrolliert. Thomas Bach aber, der Präsident auf dem Podium, der per Markerstift selbst Buch führte zu den immer selben Abstimmungen, registrierte das Zucken sofort. ‚Ist das ein Nein?‘, kam es neugierig von oben, und Rita Subovo erstarrte. ‚Oder haben Sie nur mit Ihrem Schreibgerät gefuchtelt?‘ Letzteres selbstverständlich, die angefasste Indonesierin wies jede Absicht weit von sich, den olympischen Einheitskonvent Sekunden vor dem Abpfiff noch mit einer Gegenstimme beflecken zu wollen. Alles lief reibungslos bei der Selbstreform des Internationalen Olympischen Komitees in Monte Carlo, nicht eine Enthaltung gab es“ (Kistner, Thomas, Alles hübsch inszeniert, in sueddeutsche.de 10.12.2014).

Nachtrag 5: Gegenkandidaten werden nicht gern gesehen
„Als eines der prominenteren Opfer, das veranschaulicht, was passiert, wenn man sich Bach in den Weg stellt, gilt der frühere Stabhochspringer Sergej Bubka. Weil der sich anmaßte, im Präsidentschaftswahlkampf des IOC 2013 Bach herauszufordern, verlor er in seinem leichtathletischen Stammverband (IAAF) die Rückendeckung des dort amtierenden Präsidenten Lamine Diack aus dem Senegal, ebenfalls IOC-Mitglied. Damit gilt als ausgeschlossen, dass Bubka nun den alternativen Karriereplan verfolgen und kommenden Sommer IAAF-Boss werden kann. Während Sebastian Coe, Organisationschef der Spiele in London 2012, seine Präsidentschaftsbewerbung öffentlich gemacht hat, heißt es, Bubka sei nahegelegt worden, mit Verweis auf die schwierigen Verhältnisse in der Heimat den Verzicht auf die Kandidatur bekannt zu geben, um sein Gesicht zu wahren(Winterfeldt, Jörg, Meinungsfreiheit, ja, aber… in berliner-zeitung.de 9.12.2014).

Nachtrag 6: Einstimmigkeit (3) – DOSB
DOSB-Papst/Präsident Alfons Hörmann zur Wahl des DOSB zwischen Hamburg und Berlin: „Das ist wie bei der Papstwahl. Am Ende kommt ein einstimmiger Beschluss heraus“ (Johannes Aumüller, Hamburgs Vorteil, in SZ 12.1.2015). – „Zum anderen spotteten manche Beobachter, das Prozedere in der Sixtinischen Kapelle sei ‚deutlich demokratischer‘ als im deutschen Sport“ (Ebenda).

Nachtrag 7: Olympische Sportdemokratur in Boston angekommen
„Falls Sie ein städtischer Angestellter von Boston sind, gibt es nun ein offizielles Dekret: Sprechen Sie nicht schlecht über die Olympischen Spiele“(Levenson, Michael, Walsh OK’d ban on criticism of Olympic bid, in bostonglobe.com 21.1.2015; Hervorhebung WZ). Bürgermeister Martin J. Walsh hat mit dem Olympischen Komitee der USA (USOC) ein Abkommen getroffen, das städtischen Beschäftigten verbietet, die Bewerbung Boston 2024 zu kritisieren. Das gemeinsame Abkommen zwischen Boston und dem USOC verbietet der Stadt Boston und ihren Beschäftigten, schriftliche oder mündliche Bekundungen abzugeben, die das USOC oder die Olympischen Spiele verunglimpfen oder herabsetzen und schädlich für deren Ansehen sind. Sarah Wunsch von der „American Civil Liberties Union“ von Massachusetts äußerte, dass das Agreement von Walsh und dem USOC offensichtlich die Redefreiheit der städtischen Angestellten einschränkt und hält dies für verfassungswidrig. Sie forderte Walsh auf, diese Vereinbarung sofort zu revidieren, sodass Lehrer, Feuerwehrleute und andere auf den neun geplanten städtischen Treffen frei reden könnten. Walsh betonte, er wolle nicht die Diskussion über die Bewerbung behindern, aber es handelte sich um eine „Standardklausel“: „Die Klausel stand in der Vereinbarung, und wir haben sie unterschreiben müssen“ (Ebenda). USOC-Sprecher Patrick Sandusky verteidigte die Abmachung ebenfalls als „Standardklausel-Vereinbarung“.
Hallo, Herr IOC-Präsident: Ist das die versprochene neue Demokratie und Transparenz der IOC-Agenda 2020? Und hallo Hamburg 2024 und Berlin 2024: Habt ihr wirklich Lust, so etwas zu unterschreiben?

Nachtrag 8: Human Rights Watch zu Menschenrechten und Sport
Die Amerikanerin Minky Warden ist Direktorin bei Human Rights Watch und äußerte im FAZ-Interview u. a.: „Fifa-Präsident Blatter will zum fünften Mal gewählt werden. Jacques Rogge war beim IOC zwölf Jahre im Amt. Durchschnittlich werden öfter Päpste gewählt als neue Vorsitzende in internationalen Sportverbänden.“ – „Wir wissen, dass sportliche Mega-Events die Menschenrechtslage in den Ausrichterländern verschärfen. Wir haben das in Peking 2008 gesehen, wir haben es in Sotschi gesehen.“ – „Repressive Regime wollen Sportveranstaltungen, wollen Mega-Events. Sie dürfen dann neben internationalen Politikern stehen. Sie kriegen Zugang zu Geld, kriegen neue, moderne Anlagen. Und diese Länder haben den Bedarf, den Drang nach diesen Veranstaltungen. Aserbaidschan schaltet Werbung in den Vereinigten Staaten für die European Games im Sommer, um dort als Land wahr- und ernstgenommen zu werden, auf der wirtschaftlichen, auf der politischen Ebene. Das ist der tatsächliche, greifbare Nutzen dieser Veranstaltungen für die politische Führung. Baku und Aserbaidschan haben im vergangenen Jahr und im Vorlauf der European Games eine der schwerwiegendsten Verschärfungen der Menschenrechtslage erlebt. Im Bereich der Meinungsfreiheit, in der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit.“ (Alle Zitate: Ashelm, Michael, Becker, Christoph, „In Saudi-Arabien herrscht Geschlechter-Apartheid“, in faz.net 29.1.2015).

Nachtrag 9: Fifa – Da waren es nur noch vier
Fifa-Präsidentschaftswahl am 29.5.2015: Der ewige Sepp Blatter – „Mission noch nicht vollendet“ – tritt zum fünften Mal an. Blatter-Verteidiger Jérôme Champagne gab auf. Noch dabei: Der Präsident des niederländischen Fußball-Verbandes, Michael van Praag, der portugiesische Fußballer Luis Figo und der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein. Blatter-Spezl Domenico Scala prüft, wer nach den Fifa-Regeln von den dreien kandidieren darf. (Vielleicht keiner?) Die Uefa plant eine konzertierte Aktion gegen Blatter angesichts des Ausstiegs von fünf Sponsoren. Ob es hilft – bei 209 Stimmen? „Also erbringt die Gunst von Monserrat, Anguilla, Turks & Caicos, Cook- und Jungfern-Inseln allein schon fünf Voten im Parlament, obwohl sie insgesamt keine 90.000 Bürger haben: Düren bei Köln ist größer“ (Kistner, Thomas, Champagne gibt auf, in SZ 3.2.2015). Der Deutsche Fußball-Verband hat sieben Millionen Mitglieder – und eine Fifa-Stimme.
So funktioniert die globale Sportdemokratur – nicht nur bei der Fifa, sondern beim Handballverband, bei den Reitern und überall.

Nachtrag 10: Hamburg- und Berlin-Befragung
Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hat die Politik für den Umgang mit den Meinungsumfragen in Berlin und Hamburg zur möglichen Olympia-Bewerbung kritisiert. (…) ‚Grundsätzlich bin ich dafür, dass man die Bevölkerung mitnimmt’, erklärte Seifert. ‚Aber wir leben in einer Zeit, in der Personenminderheiten Meinungsmehrheiten suggerieren können, auch durch den geschickten Einsatz sozialer Medien.’ Daher sei ein Meinungsbild nicht allein auf Umfragen zu reduzieren“ (DPA, DLF-Geschäftsführer Seifert kritisiert Politik für DOSB-Umfrage, in zeitonline 25.2.2015). Noch besser formuliert es Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga: “Wir sollten auch nicht zu viel Rücksicht auf irgendwelche Abstimmungen nehmen. Mal ketzerisch gefragt: Warum sollen Leute befragt werden, die sich eh nicht für Sport interessieren?” (Ebenda).
Weil zum Beispiel auch Sport-Uninteressierte für die DOSB-Brot-und-Spiele mitbezahlen müssen, Herr DEL-Geschäftsführer.

Nachtrag 11: Untransparentes Verfahren 2024
Das Präsidium des DOSB entscheidet zwischen Hamburg 2024 und Berlin 2024. Das Verfahren ist intransparent, und ortsansässige Vertreter gelten als befangen. „Diskussionen gibt es auch über die Bedeutung der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 21. März. Die bisher veröffentlichte Tagesordnung deutet darauf hin, dass sich dort nur noch ein Kandidat präsentieren kann – die vom Präsidium bereits vorgeschlagene Stadt. Mancherorts wird dies mit Blick auf gängige demokratische Gepflogenheiten kritisch gesehen. Ein DOSB-Sprecher sagt, dass sich die Tagesordnung auf Antrag ändern ließe. Jedoch hätten beide Städte erklärt, dass sie das Votum des Präsidiums am 16. März akzeptieren würden“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Hamburg und Berlin rätseln über Wahlverfahren in sueddeutsche.de 27.2.2015).
Konkret sieht das DOSB-Verfahren also so aus: Plusminus zehn Personen entscheiden am 16.3. zwischen Hamburg und Berlin. Und am 21.3. nickt eine außerordentliche Mitgliederversammlung die erwählte Stadt ab. Sportdemokratur pur…
So war es dann auch:

Nachtrag 12: Hamburger für Hamburg 2024? Berliner für Berlin 2024?
Forsa veröffentlichte die Zahlen der Umfrage von Ende Februar 2015. DOSB-Präsident Alfons Hörmann jubelte. Und zwar über die Hamburger Zustimmung von 64 Prozent, die Berliner Zustimmung von 55 Prozent. Hörmann: “Wir freuen uns über die riesige Zustimmung zu Olympischen und Paralympischen Spielen” (DOSB, PM DOSB veröffentlicht Ergebnisse der Forsa-Umfrage, 10.3.2015).
Naja, Herr Hörmann, eine “riesige Zustimmung” sieht anders aus als 55 und 64 Prozent.
Die endgültige Abstimmung findet am 21.3.2015 in der Frankfurter Paulskirche statt: wie sinnträchtig!. Wobei “Abstimmung” in der Sport-Demokratur Abnicken heißt: “Die Delegierten der empfohlenen Stadt werden gar nicht mehr nach Frankfurt am Main reisen, das Abnicken der DOSB-Mitglieder gilt als Formsache” (Olympia – Hamburg will es mehr, in spiegelonline 10.3.2015).

Nachtrag 13: DOSB – Meinungsäußerung erlaubt, Votum nicht
Die Spitzenverbände des deutschen Sports wollten im Vorfeld der Entscheidung vom 21.3.2015 eine Meinungsabfrage organisieren. Siegfried Kaidel, Ruderpräsident und Sprecher der Spitzenverbände, schrieb einen Brief, um eine „Meinungsumfrage“ zu organisieren. Kaidel: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein klares Votum der Verbände ignoriert wird“ (Aumüller, Johannes, Auf Nummer sicher, in SZ 14.3.2015). Bernhard Bauer, Handball-Präsident, betonte, die Verbände seien „keine Erfüllungsgehilfen, die Souveränität der Verbände muss berücksichtigt werden“ (Ebenda). Da schritt der Herr DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper aber umgehend ein. „Doch nun grätscht der DOSB dazwischen. Er stellt infrage, ob es überhaupt zu einem formalen Beschluss der Spitzenverbände kommt. Ob deren Haltung als ‚Meinungsumfrage‘ oder ‚Votum‘ eingeholt werde, werde erst der Verlauf der Sitzung zeigen, sagte ein Sprecher“ (Ebenda).
In der DOSB-Sport-Demokratur zeigt sich letztlich immer, wer die Sportmillionen des Bundesinnenministers freihändig an die Verbände verteilt.

Nachtrag 14: Wieder Einstimmigkeit gefragt
Jens Weinreich zur Kür von Hamburg 2024 durch die DOSB.Mitrgliederversammlung am 21.3.2015: „Am Ergebnis wird nicht mehr gerüttelt. Die DOSB-Vollversammlung wird diese ‚Empfehlung des Präsidiums‘, den eigentlichen Olympiabeschluss, am kommenden Sonnabend an symbolträchtigem Ort, in der Frankfurter Paulskirche, mit voraussichtlich 100 Prozent aller Stimmen absegnen. Der Berliner Landessportbund (LSB) oder einzelne Sportfachverbände, die Hamburg nicht für die beste Wahl halten, werden kaum riskieren, die Feierlichkeiten zu stören. Abweichler sind unerwünscht“ (Weinreich, Jens, Hamburg 2024: Das Problem der Einmütigkeit, in krautreporter.de 17.3.2015).

Nachtrag 15: Einstimmigkeit in der Sport-Demokratur
Am 21.3.2015 stimmten 410 Delegierte des DOSB in der geschichtsträchtigen Frankfurter Paulskirche (drunter tun es die DOSB-Oberen nicht) über Hamburg 2024 ab. Und wen wundert es: Das Ergebnis war EINSTIMMIG (Hecker, Anno, Hamburg geht ins Olympia-Rennen, in faz.net 21.3.2015).
Wie es eben in der Sport-Demokratur gern gesehen wird – siehe Wahl von Alfons Hörmann zum DOSB-Präsidenten, Beschluss der IOC-Agenda 2020 etc.
– Total(itär)e Einigkeit. Dazu aus einem Kommentar von Jürgen Ahäuser in fr-online: „Im Jahr 1848 hat die bürgerliche Gesellschaft an gleicher Stelle den Aufstand gegen die Aristokratie geprobt. Dass die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes in der Frankfurter Paulskirche gegen das DOSB-Präsidium und die hauptamtliche Führung des deutschen Sports, den DOSB-Vorstand, aufmucken würden, war nicht zu erwarten. Ein bisschen Grummeln in der Sport-Demokratie wäre aber ganz nett gewesen. (…) Die demonstrative Einigkeit nicht nur beim inbrünstigen Intonieren der Nationalhymne sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees im Sommer 2017 dem sich jetzt so einig gebenden Sport-Deutschland noch Zerreißproben bevorstehen. Kaum waren die letzten Töne von Einigkeit und Recht und Freiheit verklungen, sickerte durch, dass die Bürgerbefragung in der Freien Hansestadt vielleicht erst nach Abgabe der offiziellen Bewerbung stattfinden soll. Das wäre alles andere als das viel beschworene Mitnehmen der Hamburger. Nicht nur die Fans von NOlympia würden das als Affront empfinden“ (Ahäuser, Jürgen, So einig, in fr-online 23.3.2015; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 16: DFB-Schatzmeister über direkte Demokratie
Reinhard Grindel
, CDU/CSU, Schatzmeister DFB, stellvertretender Vorsitzende des Sportausschusses, bei der Sport-Debatte im Bundestag zum Antrag von Bündnis 90/Die Grünen (Drucksache 18/3556, S. 9177ff; Hervorhebungen WZ): “Sie vergießen hier Krokodilstränen wegen der Bewerber für die Olympischen Winterspiele 2022. Gleichzeitig verlangen Sie eine Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen. Aber ich will Ihnen schon – auch ein bisschen in Abgrenzung zu Frau Engelmeier – entgegenhalten: Wenn man im Fall von München diese Form der Bürgerbeteiligung nicht durchgeführt hätte, sondern auf das Votum der von den Bürgern gewählten parlamentarischen und kommunalpolitischen Gremien vertraut hätte, dann hätten wir in meinen Augen jetzt sehr gute Chancen für eine Winterolympiade in München, einer Stadt, die den Anforderungen Ihres Antrages mehr entsprochen hätte als die Bewerberstädte Almaty oder Peking. Ich bin ganz sicher: Die leider manchmal etwas zu schweigsame Mehrheit der Bürger in München und Umgebung würde sich auf diese Spiele freuen. Es wäre in München auch anders gegangen und im Sinne der Menschen und der olympischen Idee vielleicht auch besser.”

Nachtrag 17: Presse-Freiheit… Der Boxweltmeister Floyd Mayweather wurde 2012 wegen häuslicher Gewalt zu einer Haftstrafe verurteilt. Mayweathers Manager ist Al Haymon. „Außerdem geht Haymon rigoros gegen alle Kritiker vor. Am Samstagabend zum Beispiel twitterten die CNN-Journalistin Rachel Nichols und die ESPN-Reporterin Michelle Beadle, dass ihnen die Akkreditierungen entzogen worden seien. Beide hatten darüber gesprochen, dass Mayweather auch die Mütter seiner Kinder geschlagen habe“ (Warmbrunn, Benedikt, Al Haymon, in SZ 4.5.2015).

Nachtrag 18: Fifa: Gelebte Sport-Demokratur. “Schritt für Schritt ebnet die sogenannte Fußballfamilie Sepp Blatters Weg in die fünfte Amtszeit. Dessen drei Herausforderer, die bei der Präsidentenwahl am 29. Mai beim Fifa-Konvent in Zürich gegen ihn antreten wollen, erhielten jüngst bei den Erdteil-Kongressen in Asien und der Karibik nicht einmal das Rederecht, um ihre Kandidaturen vorzustellen” (Geld von oben, in SZ 5.5.2015; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 19: European Games in Aserbaidschan. DOSB-Vorstandsvorsitzender will während der European Games im Juni 2015 in der Diktatur Aserbaidschan mit der Opposition sprechen. Originalton Michael Vesper: „Wir werden die Themen selbstverständlich bei unseren Gesprächen vor Ort und mit Vertretern des Gastgeberlandes ansprechen“ (DOSB, HRW informiert DOSB über Menschenrechtssituation in Baku, in dosb.de 28.1.2015). – „Zudem werde man versuchen, sich – wie schon bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi so auch in Baku – mit NGOs und Aktivisten zu Hintergrundgesprächen zu treffen“ (Ebenda).
Hallo Herr Vesper: Es gibt keine Opposition mehr, mit der Sie reden könnten – falls Sie das jemals vorgehabt hätten (vgl. Chronik Juni 2015). Also: klatschen, feiern, dem Diktator die Hand schütteln und den Mund halten. Genau wie bei Sotschi 2014.
Vesper übte sich dann in Zynismus vor den European Games: „Ich habe den Eindruck, viele, die früher nicht wussten, wo Aserbaidschan liegt, sind jetzt Experten in Menschenrechtsfragen“ (Becker, Christoph, Die  große Show des Präsidenten, in faz.net 10.6.2015; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 20: Auch die Schwimmer bei Scheich Al-Sabah. Der Präsident des Internationalen Schwimmverbandes FINA, Julio César Maglione (*1935) aus Uruguay, hat gerade die Amtszeitbeschränkung ändern lassen, damit er 2017 ein drittes Mal gewählt werden kann. „Und 2019 wird dann Hussein al Mussalam gewählt, einer der engsten Freunde von Scheich Ahmad al Sabah“ (Becker, Christoph, “Ich sehe, wie unser Sport unter die Räder kommt”, in faz.net 3.8.2015).

Nachtrag 21: Ein ehemaliger DDR-Sportfunktionär
Peter Gösel war Sportkader in der ehemaligen DDR und ist seit 1994 Präsident des Landessportbunds Thüringen. „Einem kritischen Journalisten sagte Gösel einmal, er gehöre ‚im Dorfbrunnen ertränkt‘. Später entschuldigte er sich zwar, aber die Öffentlichkeit meidet er“ (Fritsch, Oliver, Wo die DDR noch Wahlen gewinnt, in zeit.de 20.11.2015).

Nachtrag 22: Macht im Sport durch Geldverteilung
„Dass es noch eine Zeit dauern wird, ehe es im Thüringer Sport zu einem Wandel kommt, bewies die Angst eines Thüringer Sportverbandspräsidenten. Er kritisierte Beilschmidt, ‚der im LSB wie schon früher als DDR-Sportklubchef machtbesessen allein die Fäden zieht‘. Seinen Namen aber wollte er nicht veröffentlicht wissen: ‚Weil ich große Sorge um meinen Verband habe, dass Beilschmidt uns dann abstraft und uns die Gelder kürzt'“ (Purschke, Thomas, Schallende Ohrfeige für die Altkader, in faz.net 23.1.2015).
So hält es auch der DOSB–Vorstandsvorsitzende Michael Vesper: Macht über die  Geldverteilung…

Nachtrag 23: Sport-Demokratur Hamburg 2024
„In der privaten Initiative ‚Feuer und Flamme‘ haben sich vor allem Bau- und Finanzbranche zusammengetan, sie sammeln Geld für ihre millionenschwere Pro-Olympia-Kampagne und machen massiv Werbung. Im Rathaus unterstützen fünf von sechs Fraktionen offiziell die Bewerbung, alle außer den Linken. Wer in den anderen Fraktionen dagegen ist, ist still“ (Braun, Carina, Die  Stimmungsmacher, in taz.de 21.11.2015).

Nachtrag 24: Katarina Witt zur Niederlage Hamburg 2024
Die frühere deutsche Eisläuferin Witt sprach sich für eine eine erneute deutsche Olympia-Bewerbung aus und sagte der Bild am Sonntag: „Vor 300 000 Nein-Sagern, die in Hamburg gegen Olympia gestimmt haben, dürfen wir doch nicht kapitulieren“ (DPA, Witt zu Olympia-Bewerbung: Nicht beleidigt sein und aufgeben, in zeit.de 6.12.2015). Auch sollte künftig die Bevölkerung nicht mehr gefragt werden: „Reicht es nicht, wenn in der Demokratie Volksvertreter gewählt sind und sie dann entscheiden?“ (Ebenda).

Nachtrag 25: Der ehemalige Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, Hans-Wilhelm Gäb, über die Empfänglichkeit internationaler Sportfunktionäre
„Aber ich habe eine Vorstellung von den Abläufen in den sich komfortabel bettenden internationalen Führungsgremien des Sports. Dort dominieren oft Vertreter aus Ländern, die an den Werten des Sports weniger interessiert sind, wohl aber am Glanz des Amtes und seinen großen und kleinen Vorteilen. Für sehr viele Funktionäre aus ärmeren Ländern ist während der Sitzungen in aller Welt schon das Reisen, das Chauffeurs-Auto vor Ort und die Beherbergung in Fünf-Sterne-Hotels ein Luxus, den man durch Widerspruch und Opposition nicht riskieren möchte. Und vor allem: Jedes dieser Länder hat, wie in den Vereinten Nationen, eine Stimme, also genauso viel wie Deutschland oder die Vereinigten Staaten. Diesen Menschen und Mehrheiten mit unseren Vorstellungen von Demokratie und Moral zu begegnen ist extrem schwierig, stößt auf Unverständnis, manchmal sogar auf direkte Gegnerschaft. Da zerbrechen hehre Ziele an der Wirklichkeit. (…) Der internationale Sportbetrieb, in dem Machtmenschen wie Herr Putin und Scheichs aus Arabien Strippen ziehen, ist mittlerweile in gar keiner Weise mehr vom politischen Gemenge zu unterscheiden“ (Hecker, Anno, „Der Sport vergisst seine Stärke“, in faz.net 16.12.2015).

Nachtrag 26: Der Interims-DFB-Präsident und die geheime Wahl
Rainer Koch ist nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach zusammen mit Reinhard Rauball Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes und Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes. Am 4.7.2015 trafen sich 17 Vereine der bayerischen Landesliga, um abzustimmen, ob sie das Hausrecht abgeben und der Verband die Videos aus den Stadien vermarkten darf. „Die Abstimmung ist geheim, und zwei Vereine stimmen mit ‚Nein‘. Worauf Koch angeblich im Saal fragt, wer die beiden Abweichler seien. Als sich nur einer meldet, lässt der Verband eine gemeinsame Erklärung herumgehen, darauf die Vereinsembleme. Wer damit einverstanden ist, soll hinter seinem Emblem unterschreiben. danach steht es nicht mehr 15:2, sondern 16:1. ‚Der Koch hat  einfach alle demokratischen Gesetze einer geheimen Wahl außer Kraft gesetzt‘, erinnert sich der Journalist Dirk Meier, der dabei war. ‚Der hat das so gebogen, wie er es haben wollte'“ (Buschmann, Rafael u. a., Fähnchen für Trinidad, in Der Spiegel 52/19.12.2015). Fazit des Spiegel-Artikels: „Demokratie fast wie in Katar“ (Ebenda). Rainer Koch ist seit 2008 Richter am Oberlandesgericht München.

Nachtrag 27: Der Interims-DFB-Präsident und sein Freispruch
Am 16.12.2015 äußerte Rainer Koch in SportBild, die Ermittlungen der Kanzlei Freshfields ließen für ihn nicht erkennen, warum der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach seine Posten im Exekutivkomitee von Fifa und Uefa aufgeben müsse. „Weil der DFB die Euro 2024 nach Deutschland holen wolle, sei es doch ‚töricht‘, auf Niersbach alls Türöffner zu verzichten. Und als wäre das Satire, nicht bitterer Ernst: Obwohl die Staatsanwaltschaft Frankfurt in der WM-Affäre gegen Niersbach ermittelt – Verdacht auf Steuerhinterziehung -, soll ausgerechnet der Beschuldigte international den DFB vertreten“ (Ebenda). Der Spiegel-Artikel verzeichnet dazu auch zwei Lügen von Niersbach: In den Freshfields-Vernehmungen hatte Niersbach eingeräumt, schon 2002 habe ihm Franz Becvkenbauer bedeutet, mit den 6,7 Millionen Euro seien stimmen für die Wiederwahl von Sepp Blatter gekauft worden. „In seiner denkwürdigen Pressekonferenz im Oktober (2015; WZ) hatte Niersbach nämlich noch behauptet, erst 2015 vom Louis-Dreyfus-Kredit erfahren zu haben. Also nicht 2005, obwohl er damals  selbst ‚Honorar für HLD‘ – Herrn Louis-Dreyfus – auf einen Zettel geschrieben hatte. Und schon gar nicht 2002“ (Ebenda). Genauso fingiert war Niersbachs Aussage, die 6,7-Millionen-Provision an die Fifa wäre als Absicherung des 170-Millionen-Euro-Zuschusses der Fifa für die WM 2006 gewesen. „Dass Niersbach damit aber auch zwei Lügen eingeräumt hatte, stört Koch und den Verband offenbar nicht“ (Ebenda).

Nachtrag 28: Regenbogenfarben verboten
Der Spielführer der schwedischen Handballmannschaft, Tobias Karlsson, wollte bei der Handball-EM Mitte Januar 2016 in Polen ein quergestreiftes Armband mit den Regenbogen-Farben rot, orange, gelb, grün, blau und violett tragen: das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. „Aber bunt, gar regenbogenbunt wird sie in keinem Fall sein, das hat der europäische Handball-Verband EHF vor dem Turnierbeginn am Freitag klargestellt: ‚Die Kapitänsbinde wird als Teil der Spielkleidung einer Mannschaft betrachtet und muss dieser deshalb entsprechen. Sie sollte einfarbig oder in den Farben der jeweiligen Nation sein‘, hieß es in einem Hinweis, den alle Teams bekamen“ (Mölter, Joachim, Verbotener Stoff, in SZ 16.1.2016). – „In dem Moment, in dem Schwedens Handballer am Samstag zu ihrem EM-Auftaktspiel gegen Slowenien antraten, war klar, dass die Regenbogenbinde kein Thema mehr ist. Ihr Kapitän Tobias Karlsson führte die Schweden mit einem blauen Armband zum 23:21-Erfolg“ („Keine Botschaften auf dem Spielfeld“, in SZ 18.1.2016). Der Präsident des Europäischen Handballverbandes, Jean Brihault, „wehrte sich zudem gegen den Eindruck, dass sein Verband die Meinungsfreiheit von Aktiven unterbinden wolle: ‚Ich erwarte nicht, dass die Athleten zu gesellschaftlichen Themen schweigen. Ich begrüße es, wenn sie aktiv sind – aber nicht auf dem Spielfeld‘. Auch eine Diskriminierung von Homosexuellen bestritt er: ‚Das kümmert uns nicht, damit haben wir kein Problem.‘ Das hat offenbar eher der Weltverband IHF; dem wird vorgeworfen, bei der jüngsten WM im Dezember zwei weibliche Funktionäre wegen ihrer sexuellen Orientierung bei der Auswahl der technischen Delegierten übergangen zu haben“ (Ebenda).

Nachtrag 29: DFB und Nordkorea
Am 15.4.2016 wurde Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach zum DFB-Präsidenten gewählt. Dazu aus einem Beitrag von Johannes Aumüller in der SZ: „Rein formal läuft das Ganze am Ende wieder so, wie solche Tage in Sportverbänden nun mal ablaufen. Eine Tagung im Saal ‚Harmonie‘, nur ein Kandidat fürs verwaiste Präsidentenamt, eine offene Abstimmung und nahezu nordkoreanische Verhältnisse beim Wahlergebnis: 98,4 Prozent für den Bewerber – also ist an diesem Freitag um 13.04 Uhr der CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel, 54, zum zwölften Präsidenten in der Geschichte des Fußball-Bundes (DFB) gewählt. (…) Es gibt viele in der Szene, die zweifeln, ob Reinhard Grindel tatsächlich geeignet ist, einen ’neuen DFB‘ zu errichten. Und so mancher Skeptiker fühlt sich vom Ablauf des Wahltages in seiner Meinung durchaus bestätigt“ (Aumüller, Johannes, Schwärmen von Seeler, in SZ 16.4.2016. Laut HeuteJournal des ZDF vom 15.4.2016 wurden die Journalisten während des Wahlvorgangs vom DFB des Saales verwiesen.) Aumüller weiter: „Aber neben dem Disput zwischen Profis und Amateuren gab es ja noch dieses Thema, das den außerordentlichen Bundestag und die Präsidenten-Neuwahl überhaupt erst ausgelöst hat: die WM-Affäre. Grindel spricht viel davon, dass es jetzt um Vertrauen und Integrität gehe. Aber Anmerkungen über pikante Zutaten des Skandals wie etwa die anrüchigen 6,7 Millionen Euro fehlen in seiner Rede, ebenso Vorwürfe in Richtung der damals Verantwortlichen wie etwa Franz Beckenbauer“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 30: Der Innenminister und das Referendum
Bundessport-Innenminister Thomas de Maizière äußerte im SZ-Interview zum verlorenen Referendum Hamburg 2024: „Ich bin generell kein Freund von Plebisziten. (…) Ich war bei Olympia auch kein Befürworter des Referendums“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, „Der Sport ist im Kern nicht verrottet“, in SZ 30.4.2016). Und zur Frage einer DOSB-Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2028 oder 2032: „Würde ich mir sehr gut überlegen, ob man da noch mal ein Plebiszit vor Ort macht“ (Ebenda).

Nachtrag 31: Bach gründet sein Privat-Gremium „Olympic Summit“
Im Juni 2016 mussten die russischen Sportler trotz des hinlänglich bewiesenen russischen Staats-Doping zu den Olympischen Sommerspielen 2016 nach Rio gebracht werden. „Für den 21. Juni hat IOC-Präsident Thomas Bach zum so genannten Olympic Summit nach Lausanne geladen. (…) Der Olympic Summit in Lausanne hat keinerlei Beschlussrecht und wird im IOC-Grundgesetz, der Olympischen Charta, nicht einmal erwähnt. Bach hat diese Treffen im Herbst 2013 nach seiner Amtsübernahme eingeführt und legt die bislang wechselnde Teilnehmerschaft selbst fest. Neben einigen Top-Vertretern des IOC, etwa die vier Vizepräsidenten sowie die Athletensprecherin Claudia Bokel (Deutschland), sind stets auch die Präsidenten der Vereinigungen aller Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und der Dachorganisationen der olympischen Sportverbände dabei, also beispielsweise Bachs Wahlhelfer Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait. Stammgäste sind zudem die NOK-Präsidenten aus den USA (Larry Probst) und aus Russland (Alexander Schukow). (…) Schukow ist Präsidiumsmitglied in Putins Partei Vereinigtes Russland und stellvertretender Vorsitzender der Duma. Er wurde 2010 nach dem desaströsen Abschneiden Russlands bei den Winterspielen in Vancouver installiert – vier Jahre später belegte Russland Rang eins der Nationenwertung bei den Heimspielen in Sotschi“ (Weinreich, Jens, Gesamtes russisches Olympia-Team soll auf den Prüfstand, in spiegelonline 18.6.2016; Hervorhebung WZ). Dazu Jens Weinreich in spiegelonline: „Die Zusammensetzung dieses Olympic Summits, der in der Olympischen Charta nicht auftaucht und folglich keinerlei Beschlussrecht hat, wurde vom IOC zuvor nicht bekanntgegeben. „Diese handverlesene Runde von 18 Personen (Maglione war telefonisch zugeschaltet) beriet nun also die Frage der Zulassung für die Olympischen Spiele 2016 – und entschied angeblich einstimmig, obwohl der Summit keinerlei Beschlussrecht hat. Bach verkündete anschließend eine sogenannte Deklaration von fünf Punkten. Russland wird demnach in Rio ein Team stellen“ (Weinreich 21.6.2016b).
Und aus einer Analyse von Jens Weinreich in spiegelonline: „ROC-Präsident Alexander Schukow, unter dessen Regie Russland in der Medaillenwertung der Winterspiele 2014 in Sotschi einen märchenhaften Sprung auf Rang eins gemacht hatte, saß am Dienstag beim sogenannten Olympic Summit in Lausanne mit Bach im Konferenzraum des Palace Hotels. Und Schukow, offenbar mitverantwortlich für die Manipulation olympischer Dopingproben im Kontrolllabor in Sotschi, klärte nicht etwa auf, sondern attackierte seine Kritiker. (…) Diese handverlesene Runde von 18 Personen (Maglione war telefonisch zugeschaltet) beriet nun also die Frage der Zulassung für die Olympischen Spiele 2016 – und entschied angeblich einstimmig, obwohl der Summit keinerlei Beschlussrecht hat. Bach verkündete anschließend eine sogenannte Deklaration von fünf Punkten. Russland wird demnach in Rio ein Team stellen. (…) Noch einmal: Dieser Olympic Summit hat gemäß olympischer Charta keinerlei Beschlussrecht. Mit der Deklaration von Lausanne wies die Bach-Gefolgschaft nun aber den Ausweg für Rio. Während die IAAF am Freitag noch erklärte, russische Leichtathleten könnten, wenn sie überzeugend ihre Sauberkeit nachweisen und einer weiteren Überprüfung standhalten, nur unter neutraler Fahne in Rio teilnehmen, sagte Bach am Dienstag: Für Olympia zugelassene Russen starten selbstverständlich unter der Flagge ihres Landes und ihres NOK (Weinreich, Jens, Ein fauler Kompromiss, in spiegelonline 21.6.2016; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 32: „99,9 Prozent“ im Sport
Die Vorsitzende der Deutschen Anti-Doping-Agentur Nada, Andrea Gotzmann, über den Unterschied von Politik und Sport: „Die Regierungsvertreter sind, schon aufgrund der regelmäßigen demokratischen Wechsel in der Politik, bei Weitem nicht so gut organisiert wie die Sportfunktionäre. Letztere kriegen ja auch Entscheidungen mit Mehrheiten von 99,9 Prozent hin“ (Kistner, Thomas, „Wir wollen, dass nichts mehr unter den Teppich gekehrt wird“, in SZ 10.8.2016).

Nachtrag 33: Turner-Sportdemokratur
Der Deutsche Turner-Bund verlor bei den Wahlen um die Spitzenämter im Weltverband FIG aufgrund von Absprachen nicht nur die Kandidatur um das Amt des Vizepräsidenten, sondern sogar noch seinen Platz in der Exekutive. Nachfolger für den 20 Jahre amtierenden Italiener Bruno Grandi wurde der Japaner Morinari Watanabe. Die drei Stellvertreter kommen aus lupenreinen Diktaturen: der Russe Wassili Titow, die Weißrussin Nelli Kim und der Chinese Luo Chaoyi. „Aufgrund von Absprachen zwischen den Turnverbänden Asiens und Amerikas wurden unter anderem Kandidaten aus Katar, Syrien, Südkorea und den USA in das Führungsgremium gewählt“ (DPA, „Abgesprochen“, in SZ 20.10.2016).

Nachtrag 34: European Games – von der Diktatur Aserbaidschan 2015 zur Diktatur Weißrussland 2019
Die europäischen nationalen olympischen Komites beschlossen am 21.10.2016 mit 43 von 50 Stimmen, die European Games 2019 an die Diktatur Weißrussland zu vergeben. Nur Dänemark und Norwegen waren dagegen, fünf NOK enthielten sich. Der Sport verfügt über eine Palette von Druckmitteln, hier Repressionen auszuüben. „Das Druckmittel des EOC, einige aufmüpfige Fachverbände zur Teilnahme an den European Games zu bewegen, sind Olympiaqualifikationen. Wie schon 2015 in Baku (für Rio de Janeiro 2016) sollen auch 2019 in Minsk in einigen Sportarten Quotenplätze für die darauffolgenden Sommerspiele (Tokio 2020) vergeben werden“ (Weinreich, Jens, Der Diktator und die Spiele, in spiegelonline 21.10.2016).

Nachtrag 35: 100 DFB-Prozent für Grindel
„Am Freitag (4.11.2016; WZ) wählen die 620 Delegierten aus Regional- und Landesverbänden sowie den Vertretern des Ligaverbandes den DFB-Präsidenten. Einziger Kandidat ist Amtsinhaber Reinhard Grindel“ (Der DFB-Bundestag im Livestream, in faz.net  3.11.2016). – „Reinhard Grindel bleibt Präsident de Deutschen Fußball-Bundes. Der 55-Jährige wurde beim Bundestag in Erfurt für drei weitere Jahre gewählt. Die Wahl fiel einstimmig aus“ (Grindel bleibt DFB-Präsident, in spiegelonline 4.11.2016; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 36: Wie die Ethikkommissions-Demokratur funktioniert
„Ethikkommission – das klingt in diesen Tagen immer gut. Beim Weltverband Fifa gibt es bereits seit 2013 ein solches Komitee, das zumindest im vergangenen Jahr recht umfangreich sanktioniert hat. Aber DFB-Boss Grindel räumt selbst ein, dass ein Vergleich mit dem Fifa-Ethikerstab nicht möglich sei. Fünf Mitglieder umfasst das DFB-Gremium, darunter als Vorsitzenden den früheren Außen- und Justizminister Klaus Kinkel (FDP). Der 79-Jährige und seine Mitstreiter sollen vor allem beratend, im Bedarfsfall auch ermittelnd tätig sein. Compliance-Experten monieren, dass Grindel selbst die Mitglieder requirierte, dabei sollten diese doch im Zweifel gegen den Präsidenten selbst ermitteln. Für die Urteile zu etwaigen Erkenntnissen der Kinkel-Kommission wiederum gibt es keine eigene rechtsprechende Ethikkammer wie bei der Fifa. Das übernehmen stattdessen die Vorsitzenden von Sportgericht und Bundesgericht des DFB, jeweils ergänzt um zwei Ethik-Beisitzer“ (Aumüller, Johannes, Attacke auf die Cappuccino-Eltern, in SZ 5.11.2016).

Nachtrag 37: Mutko spielt Bande über Skandinavien
In einem Interview mit DFB-Präsident Reinhard Grindel stellten Johannes Aumüller und Thomas Kistner in der SZ wichtige Zusammenhänge her: „Ein anderes Thema, das Kritik hervorrief, ist Ihre Positionierung für den neuen Uefa-Chef Aleksander Ceferin aus Slowenien. (…) Wie kam es dazu, dass der DFB von einer Figur wie dem Holländer Michael van Praag, der als unbescholten gilt und mit Reformen warb, abrückte? Und sich – anders als etwa England – Herrn Ceferin zugewandt hat, der aus dem Nichts kommt? (…) Tatsächlich ist es so, dass mit Ceferin und dessen Landsmann Tomas Vesel, dem neuen Compliance-Chef der Fifa, die wichtigsten Ämter um Infantino zwei langjährige Bekannte besetzen, die ein paar Häuser entfernt in Ljubljana wohnen. (…) Entscheidend mitgewirkt hat Witali Mutko, Russlands Fußball-Chef, Regierungsmitglied und schwer belastet im Staatsdopingskandal. (…) Richtig ist, dass die Skandinavier Ceferin vorschlugen. Bei dem Treffen im Mai war sogar Infantino dabei, organisiert hatte es der norwegische Generalsekretär, der da schon bei der Fifa angeheuert hatte. Kurz danach sprang Mutko auf den Zug und brachte elf Verbände mit. Dass Mutko eingedenk der sportpolitischen Weltlage nicht selbst vorpreschen konnte, ist klar: Dann wäre Ceferin ein Mann Moskaus, der DFB und anderen westliche Verbände hätten ihn kaum wählen können. Ist der Dreh mit Skandinavien nicht genau die Art, wie Sportpolitik funktioniert?“ (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, „Wir haben alles getan“, in SZ 12.11.2016).

Nachtrag 38: DFB Nordkorea
„Ein Hauch von Nordkorea wehte über das Erfurter Messegelände. Was immer auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Anfang November beschlossen wurde – es geschah meist nach der Methode Kim Jong Un: einstimmig, ohne Aussprache, ohne Kritik“ (Latsch, Gunther, Klatsche, in Der Spiegel 47/19.11.2016; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 39: Hörmanns Erzählungen (I) – Wie Hörmann einen Trägervereins-Vorstand entlässt
Der DOSB will seinen für Leistungssport zuständigen DOSB-Vorstand Dirk Schimmelpfennig als neuen Leiter der Trainerakademie in Köln inthronisieren – als Vorsitzender des Trägervereins. Die Kosten der „Trainerakademie des DOSB“ trägt natürlich nicht der DOSB selbst, sondern vornehmlich der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen den Etat der Akademie: „… der DOSB wiederum hat seine eh nicht üppigen Zuwendungen gerade von 37 000 Euro um 5000 Euro jährlich gekürzt. Ohne jede Vorwarnung“ (Catuogno, Claudio, Auf den Felsen geschleudert, in SZ 18.11.2016). Die Ablösung des bisherigen Trägervereins-Vorstand hat sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann so ausgedacht: „Er hat Thomas Weikert, dem bisherigen Trägerverein-Vorstand, einen knappen Brief mit den neuen Personalien geschrieben: ‚Ich darf Sie bitten, diese Personalien auf Ihrer Mitgliederversammlung am 24. November zu bestätigen.‘ Ungeschickter geht es kaum. Weikert ist als Präsident des Tischtennis-Weltverbands ITTF einer der letzten international profilierten deutschen Sportfunktionäre. Weist man so einen schriftlich an, gefälligst seine eigene Abwahl zu organisieren? Weikert wehrt sich nun. Nicht, weil er an dem Stuhl klebt, den er 2008 erst auf Drängen des damaligen DOSB-Chefs Thomas Bach übernahm. Sondern, weil er die Vorgehensweise als ‚des DOSB nicht würdig‘ empfindet“ (Ebenda).
Der DOSB und Würde? Eine Contradictio in Adjecto…
Dazu Anno Hecker in der FAZAlfons Hörmann hatte in einem Brief vom 8.11.2016 den Vorstandsvorsitzenden der DOSB-Trainerakademie in Köln, Thomas Weikert, zum Rücktritt aufgefordert. Weikert weigerte sich, weil die Aufforderung „ohne jede vorherige Rücksprache“ erfolgt war und beklagte „Stillosigkeit, Unhöflichkeit und rechtliche Fragwürdigkeit“, „zumal Hörmann den Präsidenten des internationalen Tischtennis-Bundes heftig persönlich angriff, ihm eine ‚Selbstinszenierung‘ zum Schaden von ‚Sportdeutschland‘ unterstellte. Weikert habe eindrucksvoll ‚die Maske fallen lassen“ (Hecker, Anno, Präsident im Scherbenhaufen, in FAZ 3.12.2016).  Weikert forderte eine Entschuldigung. Hörmann erklärte, dass es im Sommer 2016 Gespräche über die Ablösung Weikerts in großer Runde zusammen mit dem Leiter der Trainerakademie, Lutz Nordmann, gegeben habe. Weikert präsentierte eine akribische Aufstellung, dass es einen Austausch gegeben habe; Nordmann bestätigte dies. Weikert: „Es ist schlicht erlogen“ (Ebenda). Hecker: „Hörmann wird nicht zum ersten Mal in seiner Amtszeit bezichtigt, die Unwahrheit gesagt zu haben“ und erwähnt das Beispiel des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (Ebenda).

Nachtrag 40: Hörmanns Erzählungen (II) – Wie ein Manifest erfunden wird
Bei der Sitzung mit dem Bundes-Sportinnenminister zur Leistungssportreform im November 2016 erzählte DOSB-Präsident Alfons Hörmann die Geschichte vom Pferd… Angeblich wurden zur umstrittenen Leistungssportreform 500 Athleten befragt, darunter zwölf als kritisch bekannte. „Hörmann trug überdies vor, dass der DOSB rund 500 Athleten einbezogen habe und etwa ein Fünftel davon ’sehr umfangreich‘ zu Zielstellungen, Motiven, Sorgen und Bedenken befragt hätte, darunter zwölf Topathleten, die dem DOSB besonders kritisch gegenüberstehen würden. Die Namen behielt Hörmann allerdings für sich. Hörmann zufolge habe sich die Olympiamannschaft in einem ‚Manifest‘ positioniert, das eine überwältigende Mehrheit für die Reform, nämlich eine ‚Zustimmung von über 95 Prozent‘ signalisiere. Das Manifest solle alsbald öffentlich gemacht werden, sagte Hörmann“ (Mehr Reformen, mehr Millionen, in SZ 25.11.2016; Hervorhebung WZ). – „Vergangenen Donnerstag saß dieser neben dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin, um das Konzept für die Leistungssportreform vorzustellen. Er sprach über die Eckpunkte dieser Reform, und dort baute er auch eine Passage ein, die seitdem für viel öffentliches Kopfschütteln und ebenso viel Unmut bei den Athleten sorgt. (…) Der DOSB-Chef trug nämlich zwischen seinen Anmerkungen zur Reform vor, dass der Verband rund 500 Athleten einbezogen und etwa ein Fünftel davon sehr umfangreich zu Zielstellungen, Motiven, Sorgen und Bedenken befragt habe. Und er ergänzte, dass ein frisch vorliegendes ‚Manifest‘ des Olympia-Teams eine ‚Zustimmung von über 95 Prozent‘ signalisiere. Zusammengefasst klang das so, als hätten 95 Prozent von 500 Athleten gesagt: Ja, wir finden die kritisierte Reform gut. (…)  Inzwischen hält der DOSB fest, dass die besagte Befragung nicht Teil der Leistungssportreform gewesen, sondern ‚parallel im Zuge eines üblichen Markenprozesses‘ abgelaufen sei. Dafür seien zunächst ‚Interviews mit Athleten, Verbandsvertretern und vielen Sportinteressierten in Deutschland‘ geführt worden. Konkrete Nachfragen zu diesem Punkt beantwortet der DOSB nicht, etwa wie viele Athleten genau in diese Interviews involviert waren“ (Aumüller, Johannes, Der lange Weg zu den 95 Prozent, in SZ 29.11.2016).
In Wahrheit fand die Befragung also zu einem ganz anderen Thema statt. Dazu Johannes Aumüller in einem Kommentar in der SZ: „Eine Athleten-Umfrage konkret zur Reform gab es nie; die Zahl bezog sich auf eine Umfrage zur Stärkung der Marke ‚Olympiamannschaft‘. Drei Jahre ist Alfons Hörmann nun im Amt, und solche Episoden passen ins Bild. (…) Aber die Zahl von Fehlern, fragwürdigen Auftritten und Langstrumpfschen Wirklichkeitsdeutungen ist immens. Und die Frage ist, ob es außer dem Sport noch einen Bereich gibt, in dem sich jemand mit einer derartigen Bilanz so lang im Amt halten kann. (…) Die Leistungssportreform war das Lieblingsprojekt des DOSB-Bosses. Es ist inhaltlich ein fragwürdiges Gebilde herausgekommen, weil die künftige Förderung trotz globaler Dopingauswüchse viel zu stark auf Medaillen abzielen soll. Das rief viel Kritik hervor, nicht zuletzt von den Athleten – denen Hörmann nun vorgaukelte, als seien sie fast geschlossen für die Reform“ (Aumüller, Johannes, Alfons Langstrumpf, in SZ 29.11.2016; HervorhebungWZ).

Nachtrag 41: DOSB-Spitzensportreform – 433 mal Ja, eine Gegenstimme
DOSB-Mitgliederversammlung 2. und 3.12.2016 in Magdeburg: Es geht u. a. um die umstrittene Reform des Spitzensports. „Es ist die Frage, wie umfänglich sich der Unmut über Hörmann in Magdeburg dokumentiert. Der DOSB-Boss weiß aber, ebenso wie seine Kritiker: Wirkliche personelle Alternativen sind kaum in Sicht. Und zudem kann er darauf hoffen, dass das Reformkonzept trotz aller Kritik eine hohe Zustimmung erfährt. Denn die Delegierten müssen bei einem Nein befürchten, dass das BMI die Mittel nicht erhöht. Nur bei einem Ja soll das Gesamtbudget steigen“ (Aumüller, Johannes, Gegrummel in Magdeburg, in SZ 2.12.2016). Und so funktioniert es dann auch: „Die Spitzensportreform ist auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) mit deutlicher Mehrheit verabschiedet worden. Auf der Sitzung in Magdeburg gab es bei 439 Stimmberechtigten nur eine Gegenstimme und fünf Enthaltungen“ (DOSB-Mitglieder stimmen Spitzensportreform zu, in spiegelonline 3.12.2016). – „Der Förderverein Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG), dessen Aufgabe es ist, sich ‚für die Verbreitung des Olympischen Gedankens in Sport und Gesellschaft‘ einzusetzen, lieferte die Gegenstimme in Magdeburg“ (DOSB-Miotglieder beschließen Spitzensportreform, in www.sportschau.de 3.12.2016).

Quellen:
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Ahäuser, Jürgen, Wendehals, in fr-online 28.8.2013
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Aumüller, Johannes
– Neudecker, Michael, Schweigen statt diskutieren, in SZ 19.5.2012
 Hilfe aus Thailand, in SZ 1.8.2013
– Danach droht die Strafkolonie, in SZ 25.1.2014
Bayerischer Sport unterstützt Olympia-Bemühungen wortgewaltig, in bild.de 7.6.2013
BBL hofft auf Verzicht, in SZ 21.3.2014
Beckenbauer: Nicht mal
FußballWM 2496, in merkur-online 12.11.2013
Beckenbauer: Verstehe Kritik an Katar, in focus.de 4.11.2013
Becker, Andreas, Schwieriger Umgang des DOSB, NDR, 15.5.2013
Berglund, Nina, Powerful Olympic campaign fires up, in
www.newsinenglish.no 18.6.2013
Blatter: Demonstranten nutzen Fußball als Plattform, in kleinezeitung.at 17.6.2013
Blatter kritisiert Demonstranten, in spiegelonline 19.6.2013
Bürger haben gesprochen: Es ist vorbei, in merkur-online.de 11.11.2013
Burghardt, Peter, Tote auf der WM-Baustelle, in SZ 28.11.2013
Catuogno, Claudio, Ohne Ventil, in SZ 20.2.2014
Dagmar Freitag leitet Sportausschuss, in bundestag.de 15.1.2014
dapd, FDP stellt sich mit Positionspapier hinter Münchner Olympiabewerbung, 15.6.2011
Deutscher Bundestag

“Die Bayern haben keinen A… in der Lederhose, in welt.de 11.11.2013
Die Kriegsschiffe sind da, in faz.net 3.2.2014
dpa, Olympia 2022: Oslo will sich bewerben, in Münchner Merkur 10.6.2013
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Fischer-Solms kritisiert die DOSB-Pressearbeit, ZAPP, NDR 15.5.2013
Fritsch, Oliver, Nickerchen im Sportausschuss, in zeitonline 29.9.2011
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– Tränengas zum Champagner, in SZ 29.6.2013
– „Wir können hunderttausend Leute auf die Straße bringen“, in SZ 5.7.2013
– Olympia-Chef von Scheichs Gnaden, in sueddeutsche.de 10.9.2013
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Pussy-Riot-Aktivistinnen offenbar in Sotschi festgenommen,, in spiegelonline 18.2.2014
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Zweite Chance für
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