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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Jul 092013
 
Zuletzt geändert am 04.03.2014 @ 11:04

Pressestimmen zu einem Sport-Drama

Wolfgang Zängl 9.7.2013, aktualisiert 4.3.2014

Vom 15. bis 30. Juni 2013 fand in Brasilien der Confederations-Cup in statt: Das ist ein interkontinentaler Fußball-Wettbewerb für Nationalmannschaften unter der Regie der Fifa. Millionen Einwohner protestierten. Anbei einige Pressereaktionen zum Ablauf.

„Angefangen hatte es am 13. Juni in São Paulo, weil die Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr um 20 Centavos erhöht worden waren. Von 3 Reais auf 3,20 Reais, 1,12 Euro. Das klingt nach wenig und ist für viele Pendler trotzdem eine ganze Menge, Brasilien wird zunehmend unbezahlbar. Immer mehr Autos verstopfen die Straßen, ausgespuckt von riesigen Fabriken und gefüttert mit Benzin und Ethanol. Aber in Transportmittel für jedermann wurde nicht besonders viel investiert“ (Burghardt 19.6.2013).

15.6.2013

Frank Molter, Geschäftsführer der Firma Hightex aus Bernau am Chiemsee, die Membran-Dachonstruktionen für die drei Fußballstadien in Porto Alegre, Natal und Rio (Maracana) liefert, will keine Kritik gelten lassen: „Man könnte stattdessen sagen: Seht her, was für ein tolles Stadion die Metropole Rio jetzt hat. darauf können sie stolz sein. Ein bisschen mehr Spaß am Leben könnte uns auch nicht schaden“ (Myer-Blankenburg 15.6.2013).

17.6.2013

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Eröffnungs-Auspfeifen: Am 15.6.2013 wurde (wie in den Fußball-Stadien inzwischen üblich) Fifa-Präsident Sepp Blatter ausgebuht, dann die daneben sitzende brasilianische Staatspräsidentin Dilma Roussef (Kistner 17.6.2013).

– Demonstrationen: Die Demonstranten wollen „mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit anstatt Milliarden von Staatsgeldern für die sportlichen Großanlässe und kritisierten Zwangsräumungen im Zuge der Vorbereitungen. Die Kundgebung in Brasilia wurde von einem Heer von Polizeikräften unter Einsatz von Tränengas und Gummischrot aufgelöst… wer den Diskussionen im Internet folgt, findet Wortmeldungen einer jungen Generation von Brasilianern“ (Brühwiller 17.6.2013). Diese junge Generation schreit „nach einem Ende der Korruption und nach einem funktionierenden öffentlichen Dienst, die die hohen Steuern und Lebenshaltungskosten rechtfertigt“ (Ebenda).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Brot oder Spiele: “Etwa 100.000 Menschen zogen am Montag durch Rios Zentrum. 200.000 sollen in ganz Brasilien demonstriert haben” (Wißmann 18.6.2013). Eine Demonstrantin hielt ein selbstgemaltes Plakat in die Höhe. ‚O circo custaria nosso pao’ – Der Zirkus wird uns das Brot kosten (Ebenda).
Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Brot und Spiele

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Schulsystem: „Zwischen 2002 und 2010 habe fast die Hälfte aller Schulen dichtgemacht, bevorzugt im ländlichen Raum“ (Kistner 18.6.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Blatter 1: „Der Fußball ist stärker als die Unzufriedenheit der Menschen. Wenn der Ball einmal rollt, werden die Menschen das verstehen, und es wird aufhören… Ich finde, diese Personen nutzen die Plattform des Fußballs und die Anwesenheit der internationalen Presse, um bestimmte Proteste klar zu machen. Ich habe Dilma und Aldo gesagt, dass wir ihnen vertrauen“ (kleinezeitung.at 17.6.2013). – „Wie die FIFA betonte,seien die Demonstrationen Angelegenheit des Gastgebers“  (Ebenda).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">18.6.2013

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Der Sportminister: „Nach Einschätzung der Fifa werden die Proteste jedoch nicht zunehmen, der Fußball sei stärker als die Unzufriedenheit. Sportminister Aldo Rebelo wurde deutlicher: „… Die Spiele werden stattfinden. Wir werden keine Gegenbewegung dulden“ (euronews.de 18.6.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Sport-Steuerschulden: Die 80 Profiklubs haben eine Steuerschuld von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro: „Über Rückzahlungen wird da nicht groß nachgedacht. Vielmehr sei schon ein Vorstoß der Fußball-Lobby bei Sportminister Aldo Robelo deponiert, heißt es in Kongresskreisen, demnach soll Staatspräsidentin Dilma Rousseff einen Antrag zur Streichung dieser unschönen Lasten einbringen“ (Kistner 18.6.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">Fifa-WM-Gesetz: „Mit dem WM-Gesetz wurde unter anderem der einheimische Kleinhändlermarkt verdrängt und der Weg der FifaSponsoren wie den US-Braukonzern Budweiser freigeräumt, der sein Bier in den WM-Arenen ausschenken darf. In Stadien, in denen sonst nicht von ungefähr ein striktes Alkoholverbot für ein manchmal allzu leidenschaftliches Publikum gilt“ (Ebenda).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Fußball oder Soziales: „’Was die Brasilianer umtreibt, ist der Verlust ihrer Kaufkraft mit der Inflation und die Unfähigkeit des Staates, konkrete Lösungen zu finden, was die Krise der Bereiche Gesundheit, Bildung, Sicherheit und Transport betrifft’“, schreibt die Zeitung ‚Folha de São Paulo’. Was dagegen definitiv nicht helfe: mehr Fußball“ (Peters 18.6.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Fahrpreiserhöhungen: Mitte Juni 2013 protestieren über 200.000 Menschen in mehreren brasilianischen Städten gegen die FußballWM und ihre Milliarden-Kosten, dazu Fahrpreiserhöhungen in Sao Paolo. „Auslöser war eine Erhöhung der Bus-Fahrpreise Anfang des Monats. Doch längst geht es nicht mehr um die 20 Centavos (ca. 8 Cent; WZ) teureren Busfahrkarten. Der Unmut richtet sich auch gegen die überteuerten Stadien, die Kungelei zwischen Regierenden und Fifa und Kleptokraten in Kongress und Senat“ (spiegelonline 18.6.2013a). – „Brasiliens Wirtschaftswachstum lag im ersten Quartal 2013 nur noch bei 0,6 Prozent. Die Inflationsrate stieg hingegen bis Mai auf 6,5 Prozent, die Lebensmittelpreise stiegen sogar um 13 Prozent“ (spiegelonline 18.6.2013a).
Die Demonstranten „wollen nicht, dass Brasilien immer teurer wird und Milliarden für Stadien ausgibt, statt für Schulen und Krankenhäuser. Sie wollen mehr Wohnungen und weniger Einkaufszentren, billigere Verkehrsmittel und mehr Justiz. Sie wollen weniger Korruption, weniger Gewalt, weniger Straflosigkeit“ (Burghardt 18.6.2013a).

– Martialische Militärpolizei: „Die meisten Widerständler sind junge, friedliche Leute, unter ihnen viele Studenten. Manche hatten sich Brasiliens Nationalfarben in die Gesichter gemalt und trugen Flaggen. Nur eine Minderheit war in Kampfstimmung. Doch die Militärpolizei nutzte auch diesen Anlass, um eine Kundgebung in eine Feldschlacht zu verwandeln. Martialische Sicherheitsleute mit schwarzen Rüstungen waren teils zu Fuß angerückt, teils auf Pferden, über ihnen flog ein Hubschrauber. Sie hatten Hunde dabei und Knüppel und verschossen Gummipatronen und Tränengas. Dazu wurde Pfefferspray versprüht, bis auch Unbeteiligten die Augen brannten, acht Demonstranten wurden verhaftet… Die Demonstranten waren entsetzt, die Ordnungshüter zufrieden. Hauptsache, die Kundgebung kam nicht zu nahe an das Maracanã heran. „Das Ziel der Militärpolizei, dass dieses Ereignis stattfinden konnte, wurde erfüllt“, meldete Oberst Frederico Caldas. Er meinte das Fußballspiel…
Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten für Brasilianer sowie der schlechte Zustand von öffentlichen Schulen und Krankenhäusern steht im Kontrast zu den wahnwitzigen Ausgaben der Regierung für die Fußball-WM. Die Generalprobe dafür ist derzeit der Konföderationen-Pokal, hinzu kommen auch die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Allein die WM soll elf Milliarden Euro verschlingen, gewaltige Summen scheinen in dunklen Kanälen zu verschwinden, was bei aller Sportbegeisterung nicht wenigen missfällt“ (Burghardt 18.6.2013b).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Ordenflut: Der frühere Verbündete der brasilianischen Militärdiktatur, José Maria Marin (82 Jahre alt) ist heute CBF-Chef und möchte 2014 wiedergewählt werden. Als er jetzt den Verdienstorden von Brasilia erhielt, zeigte er sich bei seinen potentiellen Wahlmännern mit einer Feier in einem Edelrestaurant erkenntlich: „Zum Gelage ließ er sämtliche Cartolas (Sportfunktionäre; WZ) der Erstligaklubs und aller Verbände einfliegen“ (Kistner 18.6.2013). Sein Stellvertreter Marco Polo del Nero wurde ebenfalls geehrt: „2012 waren Haus und Kanzlei des Advokaten von der Bundespolizei durchsucht und er selbst kurzzeitig festgenommen worden. Erst kurz zuvor war del Nero in den Fifa-Vorstand eingerückt“ (Ebenda).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Unbezahlbare Eintrittspreise: Fazit der Kommerzialisierung des Fußballs durch die Fifa-Herren Havelange, Blatter, Teixeira etc.: “Außerdem kann sich der Durchschnittverdiener die neuen, erhöhten Eintrittspreise nicht leisten. Fußball, einst der große Gleichmacher, wird zur Klassenfrage” (Wißmann 18.6.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">„Sao Paulos Bürgermeister Fernando Haddad signalisierte nach den Massenprotesten erstmals, dass es möglicherweise eine Rücknahme der Preiserhöhung geben könne“ (spiegelonline 18.6.2013b).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">19.6.2013

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Graffity an einer Wand in Sao Paulo: „Die Busfahrer sind unser Taksim-Platz“ (Schoepp 19.6.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">Der brasilianische Rapper Emicida: „Unsere Schulen im Land sind miserabel ausgestattet, die Krankenhäuser eine Katastrophe, die Polizei killt Leute, wie sie gerade Lust hat, und der Staat hält sich nicht an Gesetze. Ich bin Brasilianer, ich liebe Fußball, aber ich möchte, dass die Regierung auch die Vorraussetzungen schafft, dass es allen Brasilianern in ihrem eigenen Land gut geht. Und nicht nur den Ausländern, die für ein paar Wochen hier zu Gast sind… Es gibt keinen Wohlstand ohne Korruption und Lügen“ (In Brasilien geht nichts ohne Korruption und Betrug, in spiegelonline 19.6.2013).

Stadien statt Krankenhäuser: In Brasilien sind ähnliche Fehlinvestitionen absehbar, etwa in der Hauptstadt Brasília. Das neue Nationalstadion kostete statt der geplanten 275 Millionen Dollar am Ende mehr als 480 Millionen Dollar. Nach der WM werden die meisten der 72.000 Plätze jedoch höchstens noch für große Popkonzerte gebraucht: Der lokale Fußballclub spielt nur in der dritten Liga. ‚Zwei Kilometer von hier verfallen die Krankenhäuser und Schulen‘, sagt ein Student, der sich den Protesten vor dem Stadion angeschlossen hat. Und auch in Manaus, Natal oder Cuiabá fehlt es an hochklassigen Clubs, um die neuen Stadien nach der WM zu füllen“ (Diekmann 19.6.2013).

Diktatorenfreund. José Maria Marin, Präsident des brasilianischen Fußballverbandes, „war ein glühender Verteidiger der Militärdiktatur, die von 1964 bis 1985 im größten Land Lateinamerikas herrschte. Als Abgeordneter im Landesparlament von São Paulo hielt er eine Lobrede auf einen berüchtigten Folterknecht der Generäle. Präsidentin Rousseff, die für eine linke Splittergruppe im Untergrund kämpfte, wurde von Schergen der Militärs festgenommen und gefoltert. Im kommenden Jahr wird Diktatur-Verehrer Marin voraussichtlich die Fußballweltmeisterschaft eröffnen. ‚Sein Auftritt wäre eine weltweite Schmach für Brasilien’, sagt der Sportjournalist Juca Kfouri. (…)
Marin hat beste Kontakte zu den Streitkräften und ultrareaktionären Kreisen in der Politik. Während der Diktatur gehörte er der rechten Partei Arena an, die von den Militärs gegründet wurde… Menschenrechtler machen Marin mitverantwortlich für den Tod des Diktaturgegners Vladimir Herzog. Herzog leitete den Fernsehsender TV Cultura in São Paulo, als er 1975 von einem Greiftrupp der Militärs festgenommen wurde. Seine Häscher brachten ihn in ein Folterzentrum, dort starb er kurz darauf. Die Militärs stellten seinen Tod als Selbstmord dar, in Wirklichkeit wurde er wahrscheinlich zu Tode gefoltert. Zwei Wochen vor Herzogs Tod hatte Marin im Landesparlament von São Paulo das Programm von TV Cultura kritisiert. Der Sender sei unpatriotisch und von subversiven Elementen unterwandert. (…)

Herzogs Sohn Ivo führt die Kampagne zur Absetzung des CBF-Präsidenten an, er hat über 54.000 Unterschriften gesammelt. ‚Marin gehört nicht zur Welt der Demokratie“, sagt er. „Es ist so, als ob ein Altnazi die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland organisiert hätte’“ (Glüsing 19.6.2013).

„Der 81-Jährige galt während der brasilianischen Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 als Günstling der Generäle. Rousseff befand sich in dieser Zeit im Widerstand und landete gar in einem der berüchtigten Foltergefängnisse. Kaum verwunderlich, wollte sie an diesem Abend keinesfalls mit dem ehemaligen Bürgermeister São Paulos abgelichtet werden. Doch das Protokoll des Abends liess das Unvermeidliche eintreffen: Links der Präsidentin sass Marin und zu ihrer Rechten der ungeliebte Fifa-Präsident Sepp Blatter. Alle drei wurden sie mit Pfiffen und Buhrufen eingedeckt. Für die ansonsten populäre Rousseff eine im höchsten Masse peinliche Erfahrung“ (Sturzenegger 20.6.2013).

– Verheizte Fußballer: „Im Fußballverband haben die Präsidenten der regionalen Verbände das Sagen. Sie sind dafür verantwortlich, dass es insgesamt 27 Meisterschaften der Bundesstaaten gibt, die Spieler werden bis an den Rand der Erschöpfung ausgelaugt. Im vergangenen Jahr besuchten durchschnittlich 13.000 Zuschauer die Spiele der nationalen Meisterschaft. Bei den regionalen Wettbewerben blieben die Stadien zumeist leer. ‚Die Funktionäre tragen die Hauptschuld am Niedergang des brasilianischen Fußballs’, sagt Journalist Kfouri“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">Adidas-Chef Herbert Hainer: „Aber sobald die WM startet, werden die Demonstrationen vorbei und die Menschen vom Fußball begeistert sein. Die WM wird dem ganzen Land helfen, so wie sie 2006 auch Deutschland geholfen hat“ (Ritzer 19.6.2013).

Blatter 2: „Brasilien hat diese WM verlangt. Wir haben Brasilien diese Weltmeisterschaft nicht aufgezwungen. Sie wussten, um die WM zu bekommen, müssen Stadien gebaut werden“ (spiegelonline 19.6.2013).

„Derweil haben sechs Austragungsstädte des Confed Cups um die Entsendung von Truppen der brasilianischen Nationalgarde gebeten.“ (Ebenda)

Kommentar von Andreas Rüttenauer in der taz: „Hallo! Ist da irgendjemand auf dieser Welt, der die Fifa nicht für eine Mafiaorganisation hält? Gibt es jemanden, der Sepp Blatter für eine ehrliche Haut hält? Ist da jemand, der sich wundert, wenn im Zusammenhang mit dem Internationalen Fußballverband von Korruption die Rede ist?
Nein? Hallo, liebe Fifa-Freunde in der weiten Fußballwelt, wo seid ihr? Es gibt wohl niemanden, der hier die Hand heben würde. Die Fifa ist ein Drecksverein. Jeder weiß das – auch der verrückteste Fußballjunkie. (…)
Und doch ist die Organisation noch immer in der Lage, ganze Staaten zu erpressen. Sie hat den Fußball so groß gemacht, dass die Länder, die sich darum bewerben, die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft als Auszeichnung verstehen. Und so ist auch Brasilien auf die Knie gegangen. Es wurden Milliarden in irrwitzige Stadionprojekte gesteckt, es wurden Gesetzte verabschiedet, die der Fifa steuerfreie Gewinne zusichern, die den Sponsoren besonderen Schutz zuteil werden lassen, die jedes Risiko dem Staat zumute (…)
Die wütenden Bürger könnten auch dafür sorgen, dass Staaten, die stolz auf ihre demokratischen Verfasstheit sind, nicht mehr vor der Fifa in die Knie gehen. Jérôme Valcke, der Generalsekretär des Verbandes hat schon mal unverblümt ausgesprochen, dass es nervig ist, Turniere in demokratischen Gesellschaften zu veranstalten: Es müsse so viel verhandelt werden, bis man endlich habe, was man will“ (Rüttenauer 19.6.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">20.6.2013

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Abflug. „Nach seinem Nachtflug aus Brasilien in die Türkei muss sich Joseph Blatter vorgekommen sein wie im Märchen vom Hasen und dem Igel. Egal wo er auch hinkommt – eine Diskussion über Demonstrationen und Gewalt ist schon vor ihm da. Der Fifa-Präsident verlässt das WM-Gastgeberland inmitten der Massenproteste während des Confed-Cups – und jettet ins nächste Krisengebiet, wo die Menschen unzufrieden mit der Politik des eigenen Landes sind“ (sueddeutsche.de 20.6.2013).

21.6.2013

– Keine Absage?!: Fifa-Sprecher Pekka Odrizola: „Es wurde weder darüber diskutiert noch in Erwägung gezogen, den Confederations Cup oder die WM abzusagen“ (spiegelonline 21.6.2013).

– Fußball-Idol Pelé liegt falsch. „’Vergessen wir dieses ganze Chaos, das in Brasilien geschieht, und denken wir daran, dass das brasilianische Team unser Land, unser Blut ist“, verkündete Pelé am Mittwoch in einer Videobotschaft für den Fernsehsender Globo. Das Volk solle nun aufhören mit den Protesten und sich darauf konzentrieren, die Mannschaft zu unterstützen: ‘Ich bitte die Brasilianer, nicht die Themen durcheinanderzubringen. Wir beginnen gerade, uns auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten.’ Seit der Ausstrahlung dieses Videos ergeht ein Shitstorm über Pelé. Zehntausende, Hunderttausende machen ihrem Ärger über das Idol auf Facebook und Twitter Luft, nennen ihn einen ‚Verräter’ und ‚Vertreter des Großkapitals’. Bei der großen Demonstration in Rio de Janeiro gestern Abend schwenkten Protestler Transparente gegen ihn. In Belo Horizonte skandierten sie ‚Pelé, verpiss dich’“ (spiegelonline 21.6.2013a).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Mehr als eine Million Brasilianer demonstrieren. Am 20.6.2013 protestierten gegen die FußballWM 2014 in Brasilien und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro: 300.000 Menschen in Rio, 10.000 in Sao Paolo, 50.000 in Recife, 15.000 in Brasilia etc.. Beklagt wurde, dass die Lebenshaltungskosten nach oben geschossen sind, die Steuerlast zugenommen hat, dass sich das Schul- und Krankenhaussystem verschlechtert hätte – bei gleichzeitigen Milliardeninvestitionen in WM und Olympische Spiele. Auf Plakaten stand: “Der Fußball steht über den Rechten – warum, Dilma?” Staatspräsidentin Dilma Rousseff sagte ihre Japan-Reise ab (spiegelonline 21.6.2013c; spiegelonline 21.6.2013b).

– Regierung lenkt ein. In Sao Paulo, Rio de Janeiro und anderen Städten werden die Fahrpreiserhöhungen für Busse zurückgenommen. Sprecher der Bewegung „Movimento do Passe Livre“ (Bewegung für freie Fahrt) feierten die Rücknahme als Sieg; es gehe ihnen aber um mehr: „ein besseres Bildungssystem, weniger soziale Gegensätze, kostenlosen Nahverkehr, mehr Krankenhäuser und weniger Straflosigkeit für korrupte Politiker… Der Bürgermeister von Rio, Eduardo Paes, kündigte indes an, er werde die Kosten bei Bildung und Gesundheit hereinholen“ (Schoepp 21.6.2013).

– Fragen: „Die meisten Revoluzzer kommen aus der Mitte der Gesellschaft, genauso wie in Istanbul, Kairo oder Madrid… Immer mehr Brasilianer fragen sich, ob ein Staudamm in den Regenwald und ins Indianergebiet gerammt werden muss, weshalb Großrundbesitzer die Ureinwohner verjagen, wieso sich Politiker die Taschen vollstopfen und warum Polizisten straflos morden. Stimmen im Parlament wurden gekauft, Richter verdienen fürstlich. Den meisten Brasilianern dagegen reicht das Geld nicht mehr, weil ihr Land mit dem Aufstieg sagenhaft teuer geworden ist. Sao Paulo und Rio de Janeiro haben ein Preisniveau wie New York. Die Leute fragen sich jetzt, wie der weltgrößte Sojabauer Chef des Umweltausschusses werden konnte, obwohl er ein legendärer Kahlschläger ist und von Greenpeace die ‚Goldene Kettensäge’ bekam. Und sie fragen sich, warum staatliche Schulen und Krankenhäuser verfallen, wenn offenbar Milliarden für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 übrig sind“ (Burghardt  21.6.2013).

– Danke, Brasilien! „Damit haben sie nicht gerechnet, die Herren des Weltfußballverbandes (Fifa). Eine Million Menschen demonstrierten am Donnerstagabend in 100 Städten gegen teure Stadien und den Gigantismus der Fifa. Ausgerechnet in Brasilien, dem fußballverrücktesten Land der Welt, in dem Männer auf der Straße stehen, mit einem Ball jonglieren und dafür Geld bekommen. Der Protest richtet sich natürlich nicht nur gegen die Fifa. Den Menschen geht es um die Unfähigkeit ihrer Regierung, die es nicht schafft, die soziale Entwicklung der wirtschaftlichen anzugleichen. Ihnen geht es um Korruption und Inflation. Doch untrennbar damit verbunden ist der Kniefall der brasilianischen Regierung vor der Fifa und dem IOC, den Wächtern über die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Die Menschen in Rio, São Paulo und Belo Horizonte tun damit der ganzen Welt einen Gefallen. Ihre Proteste zeugen nicht nur von der demokratischen Reife eines Landes, das noch vor 30 Jahren von Generälen regiert wurde. Sie setzen den Sportgiganten auch ein Stoppschild: Bis hierhin, und nicht weiter. Endlich erhebt sich eine Demokratie gegen die zutiefst anti-demokratische Fifa… Die großen Sportverbände werden umdenken müssen. Das wird allen guttun, auch den Sportlern und den Wettkämpfen, um die es bei diesen Großereignissen längst nur noch am Rande geht. Dafür: Danke, Brasilien!“ (Spiller 21.6.2013).

22.6.2013

– Blatter 3:
„Es wirkt wie eine Themenreise. Sepp Blatter hat Brasilien am Donnerstag verlassen. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa flog in die Türkei, wo am Freitag die Weltmeisterschaft der U20-Mannschaften begann… In Brasilien, wo gerade der Confederations Cup gespielt wird, der als Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 dient, musste Blatter Massenproteste erleben, die sich auch gegen den Gigantismus richten, die seine Organisation dem Land oktroyiert hat. Und in der Türkei erwartet ihn ebenfalls eine angespannte Lage, welche die gewaltigen sportpolitischen Ambitionen des Landes erschüttern könnte. (…)
… das WM-Vorspiel bietet einen Anlass, gesamtgesellschaftliche Fragen zu stellen: Ist so ein Turnier den Aufwand wert? Ließe sich das viele Geld nicht andernorts klüger investieren? Wieso dürfen die internationalen Sportverbände bei der Vergabe ihrer Großereignisse so viele Bedingungen diktieren? Und wieso gelten für die Besteuerung ihrer Einnahmen so oft Sonderregeln?… Panem et circenses , die alte Ablenkungsformel von Brot und Spielen – sie wirkt nicht mehr. Für die Global Player der Sportindustrie bedeutet das eine einschneidende Veränderung. Als Monopolisten konnten sie sich lange fast alles erlauben. Nun müssen sie reagieren… Die Machtstrukturen, die in der Fifa und im Internationalen Olympischen Komitee herrschen, blockieren Erneuerungsprozesse. Und das althergebrachte Personal ist offenbar unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Vor seiner Abreise hat Sepp Blatter, 77, den Brasilianern ausgerichtet, er verstehe all ihre Proteste schlicht nicht. Der ‚gute Fußball und die hervorragenden Stadien’ seien doch nur dazu da, ‚zu unterhalten und Emotionen zu geben’“. (Hofmann 22.6.2013; Hervorhebung WZ).

– Es war eimal ein Traumstrand. Thomas Kistner berichtet vom Besuch eines Fußballspiels im Stadion „Castelâo“: „Die Favela ‘Mata Galinha’, frei übersetzt: „Totes Huhn“, liegt weit weg von Fortalezas palmenumwehten Stadtstränden Mucuripe und Meireles. Trotzdem hat das tote Huhn etwas zu bieten: Ein Ufo ist am Rande der Favela gelandet. Es ist von absurder Dimension, beherbergt 65.000 Sitze, Aufzüge über vier Stockwerke, gläserne Luxuslogen und nennt sich Stadion ‘Castelão’. Das Ufo ist so gewaltig, dass es sogar auf das Meer vor Mucuripe und Meireles zugreift.. Zehntausende Protestler gingen hier auf die Barrikaden, denn auch die Nordestinos fragen sich, was so ein Trumm bei ihnen soll… Es gibt keine Taxis in der Favela. Nur viele Gassen. Bleibt also nur der Weg nach vorne, auf der neu asphaltierten Straße Richtung Ufo, es ist ja nicht weit. Rein in die Menge, die überwiegend friedlich demonstriert, aber hin und wieder von Vermummten und Krakeelern auf Trab gebracht wird. Und von den Knallkörpern, die ständig irgendwo detonieren; dunkler Qualm steigt auf, manchen ergreift Panik, Leute rennen andere Leute über den Haufen. Am Himmel knattern Helikopter, dick wattierte Militärpolizisten beugen sich raus. Und die breite Straße hier, die zum Ufo führt, ist bald brechend voll…Was dieses Ufo hier sucht? Man muss das die Politiker fragen, die in den Luxuslogen die Puppen tanzen lassen. Sie haben das Ufo mit Hunderten Millionen Reais gefüttert und dabei ignoriert, dass es im strukturschwachen Nordosten ganz andere Probleme gibt. Etwa das mit der Kanalisation: Leider war kein Geld mehr da, um neue Rohre zu installieren. Deshalb landet der Unrat direkt im Meer. So verschmutzt ist das Wasser, dass die Nordestinos ihre Traumstrände Mucuripe oder Meireles nicht mehr zum Schwimmen nutzen können: Baden verboten.  Fast möchte man auf die Straße gehen“ (Kistner 22.6.2013; Hervorhebung WZ).

– „Olympischer Friede“:Rousseff kündigte Maßnahmen an, um die Mängel im öffentlichen Dienstleistungssystem zu beseitigen: ‚Wir können sehr viele Dinge viel besser machen.’ Es solle ein Plan zur Verbesserung des öffentlichen Transportwesens entwickelt, mehr Geld aus den Öleinnahmen in die Bildung investiert und Ärzte aus dem Ausland nach Brasilien geholt werden… Am Freitagabend protestierten in mehreren Städten des Landes erneut Tausende von Menschen gegen Korruption und soziale Missstände. In Barra da Tijuca im Westen Rios, wo das olympische Dorf für die Sommerspiele 2016 entsteht, setzte die Polizei kurzzeitig Tränengas ein“ (spiegelonline 22.6.2013).

23.6.2013

– „Teflon-Sepp“,  von Jens Weinreich:Joseph Blatter ist eigentlich hart im Nehmen. Teflon-Sepp nennen manche den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird Blatter in den Stadien der Welt nun schon ausgepfiffen. Sein Verband gilt vielen Menschen als Synonym für Vetternwirtschaft und Korruption, für skrupellose Geschäftemacherei… Brot und Spiele. Fußball als Opium fürs Volk. Es hat irgendwie immer funktioniert. Bis jetzt… Im fußballverrücktesten Land des Planeten demonstrieren Millionen Menschen nicht nur für bessere Lebensbedingungen, für Bildung, Gesundheitsfürsorge und eine faire Chance an der gesellschaftlichen Teilhabe. Sie demonstrieren gegen das Fußball-Geschäft! Gegen Geschäftemacherei, Korruption, gegen Gigantismus und die Verschleuderung von Steuermitteln für den Bau überdimensionierter Arenen, die nach der Sause – ob nun nach der Fußball-WM 2014 oder den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro – kaum vernünftig genutzt werden können (…)
Die Menschen demonstrieren gegen diese White Elephants genannten sportiven Investruinen – und damit direkt gegen die Fifa und deren Pflichtenhefte. Gegen Sepp Blatters engste Freunde und Geschäftspartner: die kriminellen Cartolas, Brasiliens Fußballfunktionärsclique, die seit Jahrzehnten den Lauf der Dinge bestimmt und zu denen Blatters Fifa-Vorgänger João Havelange zählt. Ausgerechnet in Brasilien scheint sich die Fifa-Welt zu ändern. Dabei hat Blatter so fleißig Portugiesisch gepaukt. Doch nun hört ihm niemand mehr zu. (…)
Blatter verkauft seine Fifa konsequent als Weltverbesserungsanstalt, er will den Weltfrieden retten, die Armut und den Hunger bekämpfen und den Analphabetismus abschaffen. Die Welt retten, darunter macht es die Fifa nicht, „Für den Fußball – für die Welt“ lautet nicht umsonst ihr Slogan. Aber zur Erinnerung: Es ist nicht der Slogan der Caritas, sondern eines Milliardenkonzerns mit Sitz in Zürich, der deshalb statuarisch als Verein organisiert ist, weil er sich damit gewissen steuerlichen Verantwortlichkeiten und einer stärkeren Kontrolle durch Gesetzgeber entziehen kann“ (Weinreich, Jens, Wir sind das Fußball-Volk! In spiegelonline 22.6.2013).

– Rechte Fußballfunktionäre: „Man nennt sie die Cartiolas. Eine Kaste korrupter brasilianischer Sport- und Fußballfunktionäre… Die Cartolas um Havelange und den amtierenden Präsidenten des brasilianischen Fußballverbandes CBF, José Maria Marin, 81, gehörten stets den Ultrarechten an. Immer an der Seite der Militärdiktatoren, ob nun im eigenen Land zwischen den Sechziger- und Achtzigerjahren, oder in Argentinien, wo Havelange 1978 die WM ausrichten ließ. In Argentinien machte Havelange Privatgeschäfte mit General Videla und anderen aus der Mörder-Clique der Junta. Mit Admiral Carlos Alberto Lacoste, der als Fifa-Vizepräsident eingesetzt wurde und lange für die Finanzen des Weltverbandes zuständig war (…)
Ein Schützling der Junta-Generäle heißt Julio Humberto Grondona, 81, er wurde 1979 als Chef des argentinischen Verbandes Afa installiert. Grondona ist Erster Vizepräsident und Finanzchef der Fifa. Blatters wichtigster Mann. Grondona, der angeblich Schwarzkonten in mehreren Ländern unterhält, die mit mehr als 100 Millionen Dollar gefüllt sein sollen, widersetzt sich allen zarten Reformansätzen. (…)
Havelanges ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Terra Teixeira war seit 1989 CBF-Präsident, er hatte einen quasi lebenslangen Sitz im Fifa-Exekutivkomitee und war Boss des Organisationskomitees der WM 2014 in Brasilien. Als solcher hatte er mit sich selbst als CBF-Präsident einen Vertrag abgeschlossen: Eventuelle Millionengewinne des WM-OK sollten auf sein Privatkonto fließen. Für Verluste wäre er nicht verantwortlich gewesen. (…)
Die WM 2014 in Brasilien ist ein Gemeinschaftsprodukt der Cartolas des CBF, der Fifa und der südamerikanischen Fußballkonföderation Conmebol, als deren Präsident nun Nicolás Leoz, 84, aus Paraguay ins Spiel kommt. Leoz hat mehr als eine Million Franken Schmiergeld von der ISL erhalten und trat deshalb im Frühjahr von seinem Posten in Fifa und Conmebol zurück. Den WM-Plan hatte er aber einst mit Havelange, Teixeira, Grondona und Blatter ausgeheckt “ (Weinreich 23.6.2013; Hervorhebung WZ).

24.6.2013

– Reich und Arme: „Öffentliche Busse, Züge und Straßen sind teilweise eine Beleidigung für ihre Nutzer, ebenso staatliche Schulen und Krankenhäuser. Wer jemals stundenlang in einem Stadtbus in Rio eingequetscht war oder in São Paulo Ewigkeiten im Stau stand, der ahnt das – viele Brasilianer erleben es jeden Tag. Nur die Elite kann sich erstklassige Versorgung, beste Wohnlagen oder gar Hubschrauber leisten. Für Normalverdiener sind Brasiliens Metropolen angesichts von Immobilienpreisen wie in New York und unverschämten Telefongebühren kaum mehr zu bezahlen. Vor diesem Hintergrund wirken die zwölf neuen Luxusarenen für die WM wie eine Provokation. Wie Monumente von Verschwendung und Bestechung. ‚Copa pra quem?’, fragt die kritische Masse, eine berechtigte Frage: WM für wen? Für Fifa, VIPs, Unternehmer, Politiker, Oberschicht. Die Stadien sind Erste Welt, die Versorgung ist Dritte Welt, spotten Kritiker. Brot und Spiele“ (Burghardt 24.6.2013).

– Mehr Brot, weniger Spiele: „Beim Aufstand in Brasilien prallten das große Geld der wenigen und die leeren Taschen der vielen aufeinander. Das war ein besonders fantasievolles Transparent bei den jüngsten Protesten in Brasilien: ‚Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, wir verändern soeben Brasilien! (…)
‚Brot und Spiele’, mit dieser politischen Zauberformel haben römische Kaiser ihr Volk beruhigt. Wer genug zu essen hat und genug Unterhaltung hat, ist ruhig. Das war wohl auch eine Überlegung der politisch Verantwortlichen und der Sportfunktionäre in Brasilien. Die zwei Mega-Sportevents sollten den Nationalstolz beflügeln und dem sogenannten Wirtschaftswunder unter Präsidentin Dilma Rousseff die Krone aufsetzen. Völlig unerwartet ist dieser Schuss nach hinten losgegangen. Denn für viele Brasilianerinnen und Brasilianer stimmt die Rechnung nicht mehr, Sie haben wenig Brot und sehen nur teure Spiele. (…)
Brasilien ist in den vergangenen Tagen zu einem Brennpunkt des großkapitalistischen Spiels geworden: Weltmeisterschaften und Olympia sind ganz nach dem Geschmack von Grundstückspekulanten, Bauherren und Tourismusmanagern. Wer schon bisher im unteren Drittel der Einkommenspyramide gelegen ist, geht bei diesen Spielen der Großen leer aus.
Die Botschaft der Demonstranten ist eindeutig: Mehr Brot, weniger Spiele!“ (Bruckmoser 24.6.2013).

– 4 bis 5 Milliarden Fifa-Gewinn. Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke plauderte zum vermuteten Gewinn der Fifa bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien: „Die genaue Zahl weiß ich nicht, es werden ungefähr vier Milliarden US-Dollar sein… Dies ist eine vorsichtige Schätzung – Berater gehen eher davon aus, dass der Betrag bei fünf Milliarden Dollar liegen wird“ (Sinnott 24.6.2013). Der ehemalige brasilianische Fußballstar Romario ist inzwischen im brasilianischen Parlament und kritisierte die Fifa: „Sie kommen, installieren den ganzen Zirkus, sie bezahlen überhaupt nichts, und dann nehmen sie alles mit.“ – „Der wirkliche Präsident unseres Landes ist die Fifa. Die Fifa kommt in unser Land und errichtet einen Staat im Staat“ (Ebenda).
Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young zählen zu den üblichen Schönrechnern von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Sie berechneten, dass die WM 2014 der brasilianischen Wirtschaft zusätzliche 50 Milliarden Dollar bringen würde, wovon 12,4 Milliarden $ in die Infrastruktur fließen und 28 Milliarden $ als Einkommen für die Bevölkerung bleiben würden. Das Gastgeberland Brasilien würde zusätzliche acht Milliarden $ einnehmen (Ebenda). Dabei wird allein die Fifa-Steuerfreistellung Brasilien 248,7 Millionen Dollar kosten. Das IOC wird dann 2016 vergleichbare Steuerbefreiungen erhalten (Ebenda).

25.6.2013

– Die Fußball-Funktionärs-Welt: „So ist nur logisch, dass die Fifa-Führer beim aufgewühlten Confed Cup die Weltentrücktheit fremder Sternbewohner offenbaren. Das Ganze beruhigt sich, wenn erst der Ball rollt, meinte Weltverbands-Präsident Sepp Blatter, ehe er den Brennpunkt Richtung Türkei verließ. Seitdem repräsentiert sein Statthalter Jérôme Valcke glänzend die verbandspolitische Ignoranz. Als in Salvador Steine gegen Fifa-Busse flogen, erzählte der Fifa-Generalsekretär der Zeitung O Globo : „Ich denke nicht, dass die Fifa das Gefühl haben sollte, etwas falsch gemacht zu haben. Wir sind nicht dafür verantwortlich, was passiert.“ Valcke, ein von Affären umwölkter Ex-Rechtehändler, ist der Mann, den man anhören sollte in diesen Tagen. Er vermittelt, wie weit sich der Planet Fußball von der Welt entfernt hat. Schon im April hatte er gesagt: „Um eine WM zu organisieren, ist weniger Demokratie manchmal besser.“ Stimmt. Das gilt auch für Olympia und ist seit Berlin 1936 bekannt. Es ist das Vergabemuster, das den WM-Turnieren 2018 in Putins Russland und 2022 in Katar zugrunde liegt. Es ist das Denkmuster auf Planet Fußball. (…)
Brasiliens katzbuckelnden Politikern zwangen sie ein WM-Gesetz auf, das Zehntausende Kleinhändler entrechtet und Kommunen ermächtigt, für das Event mehr Schulden aufzuladen als sonst erlaubt. Wenn die Cartolas mit ihrem Cup wedeln, zeigen auch demokratische Politiker demütig Einsicht in die Notwendigkeit von immer größeren Stadien, Flughäfen, Hotels. (…)
Als es los ging in Brasilien, ergriff IOC-Thronanwärter Thomas Bach (dessen Kandidatur Blatter fast als Erster begrüßte) das Wort. Im Hinblick auf die Spiele 2016 in Rio meinte er, Olympia sei ein ‚großartiger Katalysator, um positive Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft anzustoßen’. Als einen Kernpunkt führte Bach den Straßenbau an. Doch freie Fahrt zu leeren Reit- oder Rugbystadien hilft nicht weiter im Kampf ums Brot. (…)
Wie wichtig ist heute der Sport? Ist er zu wichtig, als dass man ihn in den Händen von ein paar Dutzend Kameraden lassen darf? Gesellschaftsbewegende Ereignisse, die alle öffentlichen Bereiche durchdringen, wären unterm Dach von Institutionen wie der Uno besser aufgehoben. Wenn also die Welt auch künftig eine spannende Fußball-WM will, muss das ja nicht unbedingt eine Fifa-WM sein“ (Kistner 25.6.2013; Hervorhebung WZ).

– „Private Money“: Der damalige brasilianische Sportminister Orlando Silva versprach 2007: „Die Stadien für die Fußball-WM werden mit privatem Geld gebaut. Es wird kein Cent öffentliches Geld für die Renovierung der Stadien benötigt“ (Homewood 25.6.2013; Hervorhebung WZ).

26.6.2013

– Rousseffs Versprechungen: „Sie will ein Plebiszit einberufen und so die seit Jahrzehnten verschleppte Reform des politischen Systems anschieben. Im August sollen die Brasilianer darüber abstimmen, wie sie die Korruption bekämpfen und den Kongress transparenter gestalten wollen. Rousseff will alle Exekutivebenen – Präsidentin, Gouverneure und Bürgermeister – zu strenger Ausgabenkontrolle verpflichten, um die Inflation einzudämmen. Ärzte aus den Krisenstaaten Südeuropas sollen in den armen Regionen Brasiliens aushelfen, wo brasilianische Ärzte ungern arbeiten. Eine Steuerreform soll den öffentlichen Nahverkehr zur Priorität machen, bislang hat die Regierung vor allem die Produktion von Autos gefördert. Sämtliche Royalties aus den Einnahmen der Ölförderung sollen ins öffentliche Bildungssystem fließen. Ein neues Gesetz soll Korruption als ‚Schwerverbrechen’ ahnden. (…)
Letztendlich müsste für einen nachhaltigen Umbau des politischen System die Verfassung geändert werden. Das hatte die Präsidentin zunächst auch angestrebt, aber am Dienstagabend ruderte die Regierung zurück: Sie will die Reformen per Volksentscheid durchsetzen. Für eine Verfassungsreform fehlt ihr die Unterstützung in ihrem eigenen Regierungsbündnis“ (Glüsing 26.6.2013).

„Mensalao“: „Viele Abgeordneten lassen sich ihr Stimmverhalten bezahlen: Sie erwarten Vergünstigungen in Form von gut dotierten Posten bei Staatsunternehmen, Finanzspritzen für ihren Wahlkreis oder halten einfach die Hand auf: Auf allen Ebenen des Staates kommt es immer wieder zu Stimmenkauf. (…) Vertraute von Präsident Lula hatten den Stimmenkauf während dessen erster Amtszeit praktisch institutionalisiert: Die Regierung überwies Abgeordneten der verbündeten Parteien monatliche Beträge, damit sie wichtige Abstimmungen nicht blockierten. Dieses Schema, ‚Mensalao’ genannt, wuchs sich zum größten Skandal der Ära Lula aus, die Verantwortlichen wurden zur Rechenschaften gezogen und zu hohen Haftstrafen verurteilt“ (Ebenda).

27.6.2013

– Abtauch-Übung. “Längst sind die Fifa-Fahnen eingeholt vor dem nobelsten Hotel am Platz, dem Copacabana Palace direkt am Strand von Rios feinem Stadtteil. Das Emblem des Fußball-Weltverbandes wird in Brasilien allmählich zu einer Gefahr für alle, die es zeigen oder tragen. Brasiliens Sportfunktionäre, die Cartolas, sind gleich nach dem Eröffnungsspiel abgetaucht, bei dem Staatspräsidentin Dilma Rousseff und Fußball-Weltverbands-Chef Sepp Blatter ausgepfiffen wurden…
Brasiliens Nationaltrainer Felipe Scolari forderte am Freitag erzürnt die Medien auf, der Welt mitzuteilen, dass die Fifa seiner Seleção gar verboten habe, vor heimischem Publikum zu trainieren. Weil sich aber nun auch der staatstragend eskortierte Vergnügungstrip ins Stadion für die Fußball-Familie in einen Kreuzweg verwandelt hat, bot der Weltverband erstmals beim Confed Cup Sicherheitsmaßnahmen für Werbepartner und Gäste an – sagte zumindest ein Vertreter des Autosponsors Kia dem Landesportal UOL. Allein Kia unterhält mehr als 50 internationale Gäste, die zum Feiern kamen. Der Sprecher wollte nicht bestätigen, dass es einen Plan B gebe, der den Wechsel von Sponsor-Autos auf neutrale Fahrzeuge vorsieht.
Zum Halbfinale in Belo Horizonte hat sich das Oberhaupt der Fußball- Familie zurückgemeldet: Sepp Blatter kommt von der U20-WM in der Türkei zurück. Vor der Partie wollte er noch ein Forum mit dem Namen ‚Fußball für die Hoffnung’ eröffnen. Am Montag teilte die Fifa aber mit, dass ‚aufgrund einer unvorhersehbaren Änderung des Veranstaltungsortes die Eröffnungszeremonie, die für die Medien zugänglich sein sollte, abgesagt werden muss’. Jeder Auftritt Blatters kann ein neuer Zündfunken sein. Nun wird der Hoffnungs-Konvent vier Tage hinter verschlossenen Türen ablaufen. Und Blatter? Wurde direkt ins Stadion Mineirão expediert. Mit welchem Untersatz, wurde nicht verraten“ (Kistner 27.6.2013).

„Besonders enttäuscht sind die Demonstranten darüber, dass das Maracana-Stadion nicht mehr dasselbe ist. Es war kein Zufall, dass die Stadtplaner von Rio Ende der vierziger Jahre ausgerechnet dieses Grundstück für den Bau des Stadions wählten. Es liegt an einer zentralen Stelle in der Stadt, wo sich die armen Viertel des Nordens und die reichen Viertel der Südzone miteinander verbinden. (…) Ganz vorn weht eine Fahne, auf der das Stadion abgebildet ist. ‚O maracana é Nosso!‘ steht darauf. Das Maracana gehört dem Volk! (…) Und dann diese unglaubliche Nachricht: Die Regierung des Bundesstaates von Rio de Janeiro kündigte die Privatisierung des Stadions an. Die nächsten Jahrzehnte hat jetzt ein Konsortium das Sagen, an dem der Baukonzern Odeprecht das Sagen hat“ (Blasberg, Fischermann 27.6.2013).
28.6.2013

– Kampf gegen Favelas: „Für die Fußball-WM 2014 räumt Rio de Janeiro in seinen Favelas auf. Mit Panzern und Kampfhubschraubern dringen Spezialeinheiten in die Slums ein, um Drogengangs zu verjagen. Dabei zeigt die Besetzung der Elendsviertel vor allem eines: was schiefläuft im Land. (…) Jeder vierte der zwölf Millionen Einwohner des Großraums lebt laut Stadtverwaltung in einer illegal errichteten Siedlung. (…)
Und der ‚Komplex des Deutschen’, benannt nach einem frühen Siedler, war besonders verrufen: Epizentrum des Kokain-Handels, Heimat des Comando Vermelho, des Roten Kommandos. Die Gangster kontrollierten den Alemão und seine geschätzten 85.000 Einwohner, sie dealten, raubten, lieferten sich Bandenkriege mit den Nachbar-Slums – ungestört von der Polizei, die sich nur sporadisch herwagte. (…) Aber dann bekam Brasilien die Fußball-WM, Rio die Olympischen Spiele 2016, und die Regierung des Bundesstaats Rio beschloss: Dieses Bild können wir den Besuchern nicht zeigen. Sie schickte das Militär in den Alemão, um das Rote Kommando zu verjagen. (…) Rio räumt auf, Rio wird sicher, so lautet die Botschaft ein Jahr vor der Fußball-WM. (…) Doch so prächtig die Fassade aussieht – tatsächlich kontrolliert das Gesetz gerade mal drei Dutzend der 1071 Favelas rund um Rio. Und dort ist der Frieden brüchig. (…)
Und spätestens 2016 werde das Comando Vermelho sowieso zurück kehren, glauben Bewohner: nach Olympia, wenn sich Rio nicht mehr so ums Image sorgen muss“ (Hecking 28.6.2013).

29.6.2013

– Die Schule neben dem Maracana-Stadion: „Gleich neben dem Maracanã-Stadion in Rio steht eine Grundschule, die nun für Parkplätze und ein Einkaufszentrum weichen soll. Der Widerstand der Eltern und Lehrer des kleinen Instituts ist zum Symbol des Aufstands geworden, der sich gegen Habgier und Willkür der Herrschenden richtet. Man übersieht die Schule in diesen Tagen fast, dabei klebt sie am Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro. Vor der berühmtesten und derzeit umstrittensten Fußball-Bühne der Welt stehen Absperrgitter und weiße Zelte, sie verdecken die Escola Municipal Friedenreich. Aber der Unterricht geht während dieses Konföderationen-Pokals weiter und der Aufstand erst recht. (…)
Doch dieses Bildungsinstitut für Sieben- bis Zwölfährige soll zur WM oder spätestens vor Olympia 2016 in Rio verschwinden, wenn es nach Politikern und Unternehmern geht. Sie wollen das Gebäude mit der weinroten Fassade von 1965 abreißen und den Unterricht in einen Neubau irgendwo anders hin verlegen, damit Investoren an dieser Stelle Parkplätze und Shopping- Center bauen können. (…)
Es begann 2009, als die Pläne für den Umbau des mythischen Maracanã bekannt wurden. Die Friedenreich-Schule demonstrierte gegen Zerstörung und Größenwahn. Gemessen am Notenschnitt ist sie die zehntbeste Volksschule Brasiliens, auch Bedürftige und Behinderte werden unter ihrem Dach betreut. Wieso sollen sie Konzernen weichen? (…)
Mittlerweile haben Millionen Brasilianer erkannt, dass etwas schiefläuft im vermeintlichen Wunderland. Stadien wie das neue Maracanã sind ein Auslöser, sie gelten als Monumente der Verschwendung. Drei Jahre lang wurde die Betonschüssel nach den Wünschen des Fußball-Weltverbandes Fifa renoviert, die Friedenreich-Kinder und -Erwachsenen litten unter Krawall, Staub und Gestank. Und als das Werk wieder eingeweiht wurde, merkte man, was passiert war: 1,2 Milliarden Reais haben die Bauherrn verschleudert, mehr als 400 Millionen Euro. Das meiste davon Steuergeld. Insgesamt soll die WM mit ihren zwölf Austragungsorten elf Milliarden Euro kosten. Öffentliche Schulen wie diese und Krankenhäuser wehren sich derweil gegen den Verfall, und auf den Straßen vor den Toren kollabiert der Verkehr. (…)
Zumal dem legendären Maracanã die Seele genommen wurde, weil sich die Veranstalter allen Wünschen der Fifa fügten. Früher passten 200 000 Menschen hinein, ein Heiligtum für jedermann. Nun ist es ein durchgestylter Tempel der Elite, mit VIP-Logen und Champagner und ohne Fahnen und Musik. Farbige aus den umliegenden Armenvierteln in den Hängen findet man auf den Rängen kaum mehr, die Eintrittskarten sind zu teuer. Obendrein wurden das Leichtathletik-Stadion und das Schwimmbad am Maracanã geschlossen, dort hatten Leichtathleten und Schwimmer trainiert. (…)
So gehen sie alle auf die Straße, immer wieder. Lehrer und Eltern sind zusammengerückt. Sie unterstützten auch die wenigen Ureinwohner nebenan, die dennoch von der Militärpolizei aus der Ruine eines ehemaligen Indianermuseums gezerrt wurden. Sie ertragen das Tränengas und das Pfefferspray und die GummigeschosseUnd sie fuhren mit Bussen zum Rathaus, wo über die Causa Friedenreich befunden wird. „Vorher wussten wir nicht mal, dass man bei solchen Sitzungen zusehen kann“, sagt die Lehrerin Aline Mora. „Jetzt wissen wir, dass wir nicht nur beim Wählen Verantwortung tragen.“ Die erste Abstimmung der Stadträte ging unter ihrem Jubel knapp zu ihren Gunsten aus, die zweite folgt demnächst. Der Bürgermeister will aber sein Veto einlegen, falls der Standort Friedenreich gewinnt“ (Burghardt 29.6.2013; Hervorhebung WZ).

– Blatter 4: „Auch die Fifa tut ihr Bestes, um die Stimmung in Brasilien dem vorrevolutionären Frankreich anzugleichen. Während im WM-Land die Straßen brennen, verkündete der Fußball-Weltverband gerade einen neuen Sponsor: Den ‚offiziellen Champagner’-Status für die WM 2014 erhält die Edelmarke Taittinger. Sie kommen gar nicht mehr nach im Veranstalterland, die Tollheiten der Fußballbosse so flott zu geißeln, wie sie verzapft werden. Als etwa am Mittwoch Sepp Blatter erklärt hatte, die Proteste hätten gar nichts mit dem Fußball zu tun, entrollten die Fans am Donnerstag beim Halbfinale in Fortaleza ein riesiges Plakat: ‚Fifa go home!’ Aber an Blatter perlt alles ab. Er ist die Fifa, und er geht nicht heim. (…)
Stündlich, so hat es den Eindruck, müssen die Sicherheitsmaßnahmen um Blatters Hofstaat erhöht werden, das Finale am Sonntag im Maracanã-Stadion könnte auf den Ausnahmezustand zusteuern. Und Blatter und die Seinen müssen wenigstens geschützt werden, wenn sie schon nicht mehr zu retten sind. (…)
Sollte sich unter politischen Entscheidungsträgern einmal herumsprechen, dass WM oder Olympia keine göttlichen Gaben sind, die man mit gebeugtem Knie empfängt, dann könnte weithin die Erkenntnis dämmern, dass der Big Deal mit den Cartolas prinzipiell so abläuft wie just zwischen Zuckerhut und Amazonas: Die Ausgaben werden sozialisiert, die Einnahmen privatisiert – und zwar innerhalb der Schampus schlürfenden Fußball-Familie. Veranstalterländer künftig als Fifa-Wirtstiere zu bezeichnen, wäre vielleicht ein erster Schritt. (…)
Sepp Blatter ist zu den Halbfinalspielen nur noch kurzfristig an- und sofort wieder abgereist. Dem Internetportal UOL erklärte er trotzdem noch einmal die Proteste: ‚Das sind soziale Probleme Brasiliens und nicht des Fußballs. Der Fußball bringt nur Freude für die ganze Welt.’ Ob er sich sicher fühlt, der Botschafter der Freude? ‚Natürlich.’ Darauf ein Schlückchen von dem guten Tropfen. Auf die Einsatztruppen von der Nationalgarde“ (Kistner 29.6.2013; Hervorhebung WZ).

30.6.2013

– Sport ist Politik. „Wenn heute zum Abschluss des Konföderationen-Pokals im Gastgeberland wieder Hundertausende auf die Straßen gehen, wenn sie wieder Plakate mit Sprüchen wie: ‚Die Copa für wen?’, ‚Millionen für das Volk, nicht für die FIFA!’ Oder: ‚Sepp Blatter ist nicht unser Präsident’, in die Höhe halten und wenn es wieder zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen und der Polizei kommt, dann sind es nun am Finaltag schon fast gewohnte Bilder, die man sieht. Begleitumstände eines Sport-Events, an die man sich schon fast gewöhnt hat. (…)
Und wie reagiert die Sportwelt? Sie diskutiert bei den Bildern von Steine werfenden Demonstranten oder knüppelnden Polizisten, ob die Großevents in diesem offenbar fragilen Staat überhaupt stattfinden können. FIFA-Präsident Sepp Blatter hatte Brasilien anscheinend wegen der Proteste nach Beginn des Turniers gleich wieder verlassen. Er beschuldigte die aufgeregte Masse, seinen geliebten Fußball für ihre Zwecke zu missbrauchen. Sein Generalsekretär Valcke sagte schon weit vor Beginn der Ausschreitungen, ein demokratisches Land mache die Ausrichtung eines Großturniers nicht leichter. Jetzt hofft er, dass die Bewegung auf der Straße nicht bis zur WM 2014 anhält. (…)
Dennoch werden längst Alternativausrichter für die WM 2014 gehandelt. England, die USA aber auch Deutschland sollen bereitstehen. Wie einfach und wie erbärmlich ist diese Haltung der Sportregenten. (…)
Brasilien geht auch deswegen gegen die Demonstranten mit harter Gewalt vor, weil es Angst vor den Sanktionen der FIFA hat. Entzöge der Weltverband dem Land die WM, wäre das ein Desaster für Brasilien. Ein Teufelskreis. Denn: Das brutale Einschreiten der Sicherheitskräfte erzeugt bei den Protestierenden wiederum noch mehr Wut. (…)Der Sport darf nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Diese Funktionärsfloskel ist spätestens mit den Vorkommen in Brasilien endgültig unglaubwürdig. Sport ist Politik“ (Reese 30.6.2013; Hervorhebung WZ).

1.7.2013

– Blatter 5: „Freitagnacht gönnte sich die Fußballfamilie eine kleine Festivität auf den ausladenden, zum Meer blickenden Terrassen des Copacabana Palace . Die rastlos rotierenden Blinklichter der zum Schutz abgestellten Polizeifahrzeuge davor steuerten ihren Teil bei, indem sie die eleganten Scheibenfronten der Luxusherberge in ein verruchtes Rot tauchten. Partytime. Stunden vorher hatten sich die Macher des Confed Cups den Medien in voller Besetzung präsentiert und erzählt, warum das Ganze ein Riesenerfolg sei. ‚Die Fifa ist gewachsen, der Fußball ist gewachsen’, fand Sepp Blatter, Chef des Weltverbandes. Die Gesichter um ihn herum versuchten, Zuversicht auszustrahlen. Und natürlich grätschte keiner dazwischen, als Blatter einmal mehr seine Exklusivansicht verbreitete, dass die Demonstranten den Fußball nur als Vehikel missbraucht hätten. ‚Ich verstehe die sozialen Unruhen’, dozierte er gnädig. Und fügte an: ‚Aber wir mischen uns in die Politik nicht ein.’
Auch dieser Unsinn durfte so stehen bleiben. Bekanntlich hat Blatters unpolitische Fifa dem Veranstalterland sogar ein eigenes WM-Gesetz aufgezwungen, das Zehntausende Kleinhändler entrechtet und die Kommunen ermächtigt, für das Event mehr Schulden aufzunehmen als verfassungsmäßig erlaubt. Überdies fanden Tausende Menschen eines Tages das berüchtigte ‚D’ auf ihre Häuser gesprüht, die Ankündigung für demolição – Abriss. Sie wurden zwangsenteignet und aus dem angestammten Milieu vertrieben, weil sie in der Nähe eines neuen oder umgebauten WM-Stadions lebten; deren prächtige Architektur Blatter lobte. Die Zwangsumgesiedelten nicht als Opfer schmerzfreier Sportpolitik, sondern als Kollateralschäden von forscher Stadtentwicklung abzutun, gehört zu den leichteren Funktionärsübungen. (…)
Links neben Blatter sitzt Aldo Rebelo. Naturgemäß sieht auch Brasiliens Sportminister keine Verbindung zwischen Fußball und Protesten. Obwohl sich einer wie er schwer damit tun dürfte, den Cartolas heute so brav nach dem Munde zu reden. 2000/2001 hatte Rebelo, damals Chef der Kommunisten im Lande, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Brasília geleitet, der alles unternahm, um Ricardo Teixeira hinter Gitter zu bringen. Der war bis 2012 Boss des nationalen Fußballverbandes CBF, saß seit 1998 in Blatters Fifa-Vorstand und holte 2007 die WM ins Land. Aber der Kämpfer Rebelo hat Frieden mit den Cartolas geschlossen und fährt dabei selbst nicht schlecht. Mittlerweile posiert er gern im Dress des Nationalteam-Ausrüsters vor den Kameras und beantwortet die Frage, worin das von der Fifa vollmundig versprochene Vermächtnis der WM für Brasilien bestehe, so: in der ‚Freude’, das hier erlebt haben zu dürfen.
Daneben sitzt José Maria Marin, Teixeiras Nachfolger als CBF-Boss. Marin war ein Günstling der Militärdiktatur, er hielt Lobreden auf Sérgio Fleury, den brutalen Folterchef der Generäle, und soll in den Tod eines Journalisten verwickelt sein. Was zu bestreiten ihm leichter fällt als den Medaillenklau von 2012. Es existiert ja ein Video, wie er bei der Siegerehrung eines Juniorenturniers eine Goldplakette verstohlen in die eigene Hosentasche stopfte.
Und rechts neben Blatter? Da sitzt Jérôme Valcke, als Generalsekretär höchster Hauptamtlicher der Fifa und der eigentliche Organisationschef der WM. Der Franzose ist so affärenresistent wie Blatter und blickt auf eine Karriere zurück, die alles hat, um von Francis Ford Coppola verfilmt zu werden.
Das Spiel um Platz drei im heißen Salvador müsse um ein Uhr mittags Ortszeit angepfiffen werden, damit Blatter genug Zeit bleibe, auch das Endspiel persönlich zu sehen, das um 19 Uhr Ortszeit in Rio begann.
Zum Finale wünschte sich Blatter sehnsüchtig seine neue Fußballfreundin Dilma Rousseff an die Seite, die frohe Erwartung hatte er auch öffentlich geäußert. Am Freitag kam der protokollarische Schlag: Dilma mag nicht. Die Staatschefin gab ihm einen Korb. Rousseff wollte nicht noch einmal mit Blatter gesehen werden, sie war ja schon beim Eröffnungsspiel ins Pfeif- und Buh-Ritual geraten, das ihrem Vorredner galt. Nach dem Desaster in Brasília nahmen die Proteste Fahrt auf, und Rousseff erlitt beim Confed Cup einen hohen politischen Schaden. Ihre Umfragewerte rutschten von 57 Prozent auf 30 Prozent“ (Kistner 1.7.2013; Hervorhebung WZ).

– Kampf ums Maracana: „Aber der Ärger über die Fifa ist nicht vergessen, trotz des Verbots politischer Bekundungen wurde auch ‚Das Maracanã ist unser’ angestimmt. Nicht ganz so lautstark, aber die Kritik an der Privatisierung des populären Fußballtempels in Rio de Janeiro wird inzwischen auch von vielen geteilt, die sich die gesalzenen Eintrittspreise leisten können. Die Reste von Tränengasschwaden, die zu Spielbeginn ins Maracanã wehten, waren kaum zu spüren. Schlechter erging es den rund 5.000 Demonstranten, die 500 Meter von Stadion entfernt vor einer massiven Polizeisperre ausharrten. Kurz vor Anpfiff kam es zur Konfrontation, erste Steine flogen auf die Uniformierten. In üblicher Manier deckte die Polizei ganze Straßenzüge mit Tränengas ein und machte mit Gummigeschossen und Knüppeln Jagd auf die Protestler. (…)
Schon am Vormittag war die erste Demo Richtung Maracanã unterwegs. Jenseits der Tumulte wollte die Bewegung rund um das ‚Komitee gegen WM und Olympia’ ihren Standpunkt nicht zuletzt den internationalen Medien vermitteln, die die Stadt inzwischen verlassen haben. Früher war das legendäre Stadion, das 1950 für die erste WM in Brasilien errichtet wurde, ein öffentlicher Ort. Hier trafen sich Menschen aus allen Stadtteilen, Arm und Reich jubelten und litten miteinander. Generationen von Fußballfans kreierten hier eine ganz eigene Kultur, Gesänge und Riten, die in Brasilien nicht wegzudenken sind. Damit soll jetzt Schluss sein. Das Maracanã ist nicht nur an diesem Sonntag abgesperrt. Der Geldbeutel entscheidet in Zukunft über die Besetzung der Fankurve. Im Zuge der Privatisierung soll das ganze Areal in ein Einkaufsparadies verwandelt werden, für die Parkplätze und Zufahrtswege müssen eine Favela, eine öffentliche Schule, weitere Sportstätten und das denkmalgeschützte Gebäude des Indígena-Museums weichen.
Einige der Demonstranten sind nicht nur wütend, sie sind den Tränen nahe. Vor der unbeweglichen Polizeikette wird ihnen klar, dass das Maracanã wirklich nicht mehr ‚unseres’ ist. Es wird zum Symbol einer ungerechten, hygienischen Stadt, in der es nicht um die Bewohner geht, sondern um die ökonomischen Interessen derjenigen, die großen Wert auf eine korrupte Stadtverwaltung legen“ (Behn 1.7.2013; Hervorhebung WZ).

– Blatter 6: Endspiel. 1.7.2013, Endspiel Confed-Cup: Brasilien-Spanien 3 : 0. „Verlässlich verlief auch das Rahmenprogramm. Draußen in der Stadt protestierten 8000 Menschen, das Stadion sicherte ein 11 500 Mann starkes Polizei- und Militäraufgebot – genug, um in Paraguay einzumarschieren. Drinnen im Stadion aber gab es eine Auswahl, die noch schlimmer dran war als die Spanier: die Fifa. Nach der Absage von Staatschefin Dilma Rousseff zierten die offizielle VIP-Gästeliste neben dem Fifa-Vorstand nur noch zwei Gouverneure sowie Rios Bürgermeister. Was Sepp Blatter anging, so startete die Fifa-Bildregie im Stadion zwei Übertragungs-Versuche, die schnell abgebrochen wurden. Vor der Partie wurde der Fifa-Chef mit einem Trikot eingeblendet, sofort dröhnten die Buhrufe. Phase zwei war raffinierter angelegt: Die Seleção führte 3:0, das Stadion sang sich ins Glück – da würde doch ein kurzer Blatter-Gig nicht stören? Und ob. Die Tonlage kippte sofort, schnell weg mit ihm. Bei der Siegerehrung wurden Blatter und der Cartola-Clan dann nur noch seitlich und von schräg hinten ins Bild gesetzt. Sicher ist sicher, bei diesem Confed Cup“ (Kistner 2.7.2013; Hervorhebung WZ).

– „Fifa, zahl mein Ticket“. „Für einen Moment hat sich Brasiliens Präsidentin vielleicht doch gefragt, ob sie sich am Sonntag nicht ins Maracanã-Stadion von Rio hätte wagen und den Pokal überreichen sollen. Der 3:0-Sieg der Seleção im Finale gegen Spanien war der Höhepunkt zweier auch für Dilma Rousseff turbulenter Wochen, ihre Beliebtheit hat sich binnen 14 Tage auf 30 Prozent halbiert. Deshalb blieb sie der Arena am Sonntag fern, sie wollte nicht wieder neben dem Fifa-Boss Joseph Blatter ausgepfiffen werden. Die Trophäe überreichte stattdessen der verhasste Blatter nebst Sportminister Aldo Rebelo an Kapitän Thiago Silva, Frau Rousseff gratulierte aus Brasília. (…)
Vor dem Stadion wurde wie immer während dieses Confederation Cups gegen horrende WM-Kosten, Korruption, miese Krankenhäuser, Schulen und Verkehrssysteme demonstriert. ‚Fifa, zahl‘ mein (Bus)Ticket’, stand auf Plakaten oder ‚das Maracanã gehört uns’. Die geplante Privatisierung der Arena ist für die Widerständler der Gipfel der Frechheit. Ungefähr 5000 Menschen hatten sich versammelt, 40 Aufständische besetzten außerdem die neue Zentrale des brasilianischen Fußballverbandes CBF in Rios Vorort Barra da Tijuca. ‚Marín raus’, wünschten sie sich, gemeint war der übel beleumundete CBF- Patron José María Marín. Er soll das Gebäude weit über Marktwert gekauft haben, was gut zu den absurd teuren Arenen passt. ‚Er ist nicht Herr des Fußballs’, sprach João Hermínio Marques von der Fan-Front. ‚Der Fußball gehört dem Volk.’ Die Militärpolizei vertrieb das Volk wie üblich unter dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die 11 000 Ordnungshüter sorgten auch dafür, dass niemand die Absperrung am Maracanã durchbrach“ (Burghardt 2.7.2013).

Fifa feiert Fußball. Die Fifa zum Confed Cup, Juni 2013 in Brasilien: “Der Fifa Konföderationen-Pokal fand in einer Zeit breiter Massenproteste im ganzen Land statt, doch der Fußball brachte die Menschen in den Stadien zusammen. Das Turnier sorgte für reichlich Gesprächsstoff, insbesondere wegen der unglaublich vielen Tore” (Glanz und Gloria für den Gastgeber, in fifa.com 1.7.2013).

5.7.2013

– „Riesiger Diebstahl“. Interview von Thomas Kistner mit Chris Gaffney, Gastprofessor für Architektur und Städtebau an der Universität Fluminense, Niteroi:
„Die Menschen haben spät begriffen, dass hier ein riesiger Diebstahl stattfindet – aber besser spät als nie.“
„Unser Comitê Popular da Copa e das Olimpíadas (Komitee für WM und Olympia) ist eine der Stimmen, die die Einhaltung der Verfassungsrechte im Land fordern. Einheiten des Komitees gibt es in allen WM-Städten. Das ist ja das Spannende an globalen Sport-Events wie dem Confed Cup: Die Medien stellen alles aus – das Gute und das Hässliche. So konnten die sozialen Bewegungen eine klare Stimme finden.“
„Wir informieren die Medien über die Zwangsumsiedlungen für die Olympischen Spiele, über die Privatisierung des Maracanã-Stadions, wir beobachten aber generell Entwicklungen in der Stadt. Bis hin zu dem Massaker beim Polizeieinsatz letzte Woche in der Favela Complexo da Maré, als zehn Menschen starben. (…)
„Wir werden verfolgt, wir werden fotografiert.“
Zur wirtschaftlichen Entwicklung: „Die Versprechen der wirtschaftlichen Entwicklung blieben unerfüllt. Ja, es gibt höhere Konsum-Standards, man kann sich vieles kaufen. Aber in der Mittelklasse muss man dafür doppelt bezahlen, wenn man sich aus dem miserablen öffentlichen System lösen will: für die Privatschule, die private Sicherheit, für das Auto, weil der öffentliche Verkehr nicht funktioniert. Habe ich dann ein Auto, habe ich keine Straße.“
Zum Umbau des Maracana-Stadions: „Das Maracanã wurde für die WM 1950 von der Stadt Rio als größtes Stadion der Welt gebaut, es sollte so viele Menschen wie möglich fassen: 200.000. Das war ein offener, öffentlicher Raum – der größte dieser Art seit dem römischen Kolosseum. Dieser Raum funktionierte über 60 Jahre, alle Züge, Busse, Bahnen führten hin, es versammelten sich arm, reich, schwarz, weiß, braun. Integriert waren die umliegenden Anlagen, Indio-Museum, Schule, olympische Schwimm- und Leichtathletikanlage. Letztere sind jetzt geschlossen, die Olympia-Athleten haben keine Trainingsstätte mehr. Charakteristik und innere Architektur des Stadions wurden zerstört, in zwölf Jahren wurde Maracanã dreimal umgebaut, die Preise gingen rauf; für Fußballspiele um 400 Prozent in einer Dekade. Zugleich wird die Architektur außen herum eliminiert, die Privatisierung läuft. 570 Millionen Euro Steuergelder sind in diese Dekonstruktion geflossen. Jetzt reflektiert Maracanã die globale Fußballwirtschaft, mit Champagner und Kaviar in gekühlten Räumen – und damit die vorherrschende Trennung in der Gesellschaft.“
Zur Fifa als Kolonialmacht: „Die Fifa ist die Kolonialmacht in dieser Zeit. Sie hat die Errichtung einer Parallel-Regierung verlangt, das ist nun das WM-Organisationskomitee. Dann gibt es das WM-Gesetz, es ändert nationales Recht und ermöglicht Ausnahmen. Dann ist da der Veranstalter-Vertrag, der alles an die Fifa übergibt. Die Fifa sammelt hier 3,5 Milliarden Dollar ein, zieht weiter und hinterlässt teils privatisierte Stadien und Räume, die keinen funktionalen Sinn mehr haben.“
Zum IOC und zur Vergabe Olympischer Spiele: „Bisher sagen sie einfach: Okay, ihr habt sieben Jahre – ab jetzt. Und dabei pochen sie für die Stadtplanung auf den olympischen Masterplan, der für die Siegerstadt erstellt wurde. Aber diese Pläne werden nicht von den Entwicklungen einer Stadt bestimmt. Sondern von einer PR-Firma. (…) PR-Firmen, die auf die Spiele spezialisiert sind. Die wissen, was die olympische Gemeinschaft von einer Bewerbung erwartet, vom Transport bis zu den Stadien. Also wird alles exklusiv so aufgezogen, damit man die Olympiabewerbung gewinnt. Exakt. Und wer gewinnt, unterzeichnet den Veranstaltervertrag und verpflichtet sich, das zu liefern, was er in der Bewerbung versprochen hat. Wenn sie das aber tun, zwingen sie auch Leute, ihre Häuser zu räumen, sie müssen Gesetze dafür schaffen und öffentliches Geld nehmen, um Projekte zu finanzieren, die nichts mit der Stadt zu tun haben. Und sie verletzen demokratische Normen und Menschenrechte.“
Und auf die Frage von Thomas Kistner, wie Rio nach den beiden Großsportevents WM 2014 und Olympische Sommerspiele 2016 aussehen wird: „Kaputt. Mit einem Transportsystem, das kein Netzwerk hervorgebracht hat. Die Steuern werden höher sein. Die Unterschiede zwischen den Schichten werden wachsen. Man wird die Konsolidierung der Olympiastadt sehen, die im südlichen Teil attraktiv, sonnig und sexy sein wird. Der restliche Teil der Stadt wird gewissermaßen vergessen sein: demobilisiert, arm, gewalttätig, mit schmutzigen Stränden“ (Kistner 5.7.2013; Hervorhebung WZ).

Fazit

Die bedauernswerten Brasilianer haben gerade den Confed Cup hinter sich; Fußball-WM 2014 und Olympische Sommerspiele 2016 liegen noch vor ihnen.
Alten brasilianischen Sportfunktionären, die jahrzehntelang im Amt sind und die schon mit den Militärdiktaturen in Brasilien und Argentinien gekungelt und kooperiert haben, holten mit vielen Tricks und Connections die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 ins Land. Brasilien hätte sich beide Sport-Großereignisse weder ökonomisch noch ökologisch leisten können. Und die Bürger des Landes zahlen die Rechnungen: über Steuern, hohe Lebenshaltungskosten, nutzlose Luxusstadien. Es wird noch viele Jahre daran zu leiden haben, während die Sport-Parasiten Fifa und IOC wie üblich ihre Milliarden nach Zürich und Lausanne transferieren werden.

Selbes Thema, anderer Ort: München 2022. Es ist so  traurig wie beschämend, dass deutsche Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker so tun, als wenn die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022  an München eine große Chance und eine Gnade des IOC sei: München und Deutschland würde es nicht anders ergehen als Brasilien. Nachgerade lächerlich ist es, wenn zum Beispiel der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Thomas Schmid den Planern klare Vorgaben machen und sich nicht dreinreden lassen will: „Wir schaffen an” (Münchner Merkur 5.6.2013).
Das IOC würde auch bei der Bewerbung München 2022 zur Besatzungsmacht, mit Knebelverträgen und Defizitgarantien, Luxussportstätten und Luxushotels. Es würde mit Milliardengewinnen abziehen. Und die deutsche Bevölkerung hätte Milliarden zu bezahlen – für 17 Tage olympische Party.
Es ist schade, dass man über diese Tatsachen überhaupt noch argumentieren muss.

Nachtrag 1: „Bereits am 17. Juni, kurz nach Beginn des Confed Cups, hat Generalstaatsanwalt Roberto Gurgel gegen das sogenannte WM-Gesetz im Lande beim Obersten Gerichtshof interveniert, er bezeichnete einige Artikel der denkwürdigen Sonderregelung für den Privatverein Fifa als nicht verfassungsmäßig und drängt auf deren Annullierung… Staatspräsidentin Dilma Rousseff focht das WM-Gesetz im Juni 2012 auf massives Drängen der Fifa und gegen heftigen Widerstand im Parlament durch… Dass die Fifa eine Kolonialherrschaft ausübe, ist im angehenden WM-Land fast gängiger Sprachgebrauch. Das aufgezwungene WM-Gesetz entrechtet unter anderem zehntausende Kleinhändler und ermächtigt Kommunen, sich für das Event mehr Schulden aufzuladen als gesetzlich erlaubt“ (Kistner 12.7.2013). Der Profit der WM 2014 für die Fifa wird auf drei Milliarden Euro geschätzt, die Kosten für Brasilien auf 11 Milliarden Euro. „Laut Klageschrift handelt es sich dabei vielmehr ‚um eine wirklich illegitime Begünstigung'“ (Ebenda). Dazu wird die Fifa von allen Haftungsansprüchen für etwaige Unfälle freigestellt, das Verursacherprinzip auf die öffentliche Verwaltung übertragen. Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke hatte kürzlich erst betont: „Weniger Demokratie ist für eine WM-Organisation manchmal besser“ (Ebenda).
„Im Kern greift die Bundesanwaltschaft zwei Artikel des WM-Gesetzes an, deren Annullierung weitreichende Folgen für die Fifa hätte: Die Steuerbefreiung für die sogenannte Fußballfamilie rund um den Weltverband und dessen Ableger sowie die Freistellung der Fifa von allen zivilen Haftungsansprüchen für Unfälle und Ereignisse im WM-Kontext. Das haftungsrechtliche Verursacherprinzip, so moniert der Bundesstaatsanwalt, lasse sich nicht willkürlich aushebeln und die Schuldfrage einfach pauschal auf die öffentliche Verwaltung abwälzen“ (Kistner 11.7.2013).
Das wird, so steht zu fürchten, zu spät sein. Interessante Konstellation: Wenn der brasilianische Staat tatsächlich als erster eine juristische Offensive ergreift, könnte die Fifa 2014 nicht zur WM auftauchen und Brasilien verklagen. Allerdings würden dann der Fifa die Milliarden-Einnahmen einer WM 2014 entgehen…

Vergleiche auch unter „Aktuelles“: Brasilien 2013: Fifa-Sause und IOC-Party
Und im Kritischen Olympischen Lexikon: Blatter, Sepp; Brot und Spiele; Fifa; Havelange, Joao; IOC, White Elephants

Nachtrag 2: Siemens in Brasilien: tango corrupti.
Bericht von Peter Burghardt und Klaus Ott in der SZ am 16.7.2013: „Der Konzern hat bei der brasilianischen Wettbewerbsbehörde Cade Selbstanzeige wegen Kartellabsprachen bei Bau und Wartung von U-Bahnen und Zügen in São Paulo und Brasília erstattet. Bei sechs öffentlichen Ausschreibungen sollen die Konzerne Bombardier aus Kanada, CAF aus Spanien, Mitsui aus Japan und eben Siemens ihre Angebote und Preise ausgemauschelt haben. Das betrifft Geschäfte von mehreren Hundert Millionen Euro. Insider berichten von offenbar ’nachweisbaren Absprachen‘ und ‚großen Summen‘. Siemens sagt dazu nur, man sei über die Untersuchungen von Cade informiert und kooperiere ‚vollumfänglich mit den Behörden‘. Das mea culpa aus München kommt reichlich spät. Die Causa reicht zurück bis ins Jahr 2008, in dem Siemens erste Hinweise auf Verstöße erhalten hatte. Später hatten sich brasilianische Lokalpolitiker sowie ein früherer Siemens-Mitarbeiter wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen an heimische Staatsanwälte gewandt. Die wiederum fragten auch bei Siemens an, was es damit auf sich habe. Lange Zeit kam dabei nichts heraus, weil der Konzern angeblich nicht fündig wurde. Später folgte die Selbstanzeige… Bereits im Juni 2008 hatte Siemens sehr konkrete Hinweise auf schmutzige Machenschaften in São Paulo bekommen. Bei der von Siemens für solche Fälle eingeschalteten Anwaltskanzlei Beckstein in Nürnberg ging ein Brief aus Brasilien ein, in dem ein dortiger Abgeordneter auf fünf eng beschriebenen Seiten ganz genau schilderte, wie Siemens mit anderen Konzernen bei großen Nahverkehrsprojekten alles abgesprochen haben soll. Und das angeblich garniert mit Schmiergeld für Regierungsmitglieder und Behördenvertreter… Es geht, unter anderem, um die neue Metro-Linie 5 in São Paulo. Um neue Züge, um Wartungsverträge und um einiges mehr. Alles sehr teuer, alles sehr profitabel für jene, die den Zuschlag erhalten. Alles sehr peinlich, sollte sich erweisen, dass die beteiligten Konzerne sich an Brasiliens Bürgern bereichert hätten. Ach ja, auch die in dem Schreiben von 2008 genannten Konzerne sind größtenteils identisch mit jenen, die heute Gegenstand der Kartelluntersuchung sind“ (Burghardt, Peter, Ott, Klaus, Ausgerechnet Siemens, in SZ 16.7.2013).
Siemens musste wegen diverser Schmiergeldaffären 2007 über eine Milliarde Euro Strafe zahlen und wechselte nahezu alle Vorstandsmitglieder aus. Peter Löscher wurde der neuer Siemens-Vorstandsvorsitzender und damit neuer Saubermann. Wirklich?
Von 2008 bis 2010 herrschte Funkstille im großen Siemens-Konzern, auch nach neuen Hinweisen auf schmutzige Deals in Brasilien im Herbst 2010: „Aber auch dann ohne Ergebnis. Wollte Siemens vielleicht gar nicht wissen, was in Brasilien geschah, weil das aufstrebende Land in Südamerika den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 erhalten hatte? Solche Großereignisse gehen einher mit Großinvestitionen in Stadien, Verkehr, Telekommunikation und anderen Infrastruktur-Projekten, die Milliardenbeträge kosten. Und bei denen meist sehr viele Aufträge für Siemens anfallen, weil der von München aus global agierende Industriekonzern genau auf solche Vorhaben spezialisiert ist. Da liegt der Verdacht nahe, dass Siemens die Auftrags-Aquisation in Brasilien nicht mit peinlichen Untersuchen belasten wollte… Die jetzigen Kartell-Ermittlungen kommen für die meisten der davon betroffenen Konzerne zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Brasilien plant eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von São Paulo nach Rio de Janeiro. Um das neue Megaprojekt mit modernsten Schnellzügen bewerben sich gleich mehrere der Unternehmen, die den Staat beim öffentlichen Nahverkehr ausgenommen haben sollen.“ (Ebenda: Hervorhebung WZ).
Zuerst der öffentliche brasilianische Nahverkehr plus dies und das, dann der Fernverkehr etc.: Die Siemens-Katze lässt das Mausen nicht. Arme Brasilianer!
Vergleiche auch die Siemens-Connection von DOSB-Präsident Thomas Bach!

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">Nachtrag 3: Das neue Maracana-Stadion
1950: „… ein lebender Mythos. Menschen jeder Schicht passten hinein, sie durften ungehemmt feiern, und die meisten Tickets waren billig. Das Städtische Stadion von Maracana gehörte dem Volk, und man sah darin viele Leute aus den Armenvierteln, den Favelas. Jeder hatte seinen Platz“ (Burghardt 25.7.2013)
2013: „1,2 Milliarden Reais haben die Bauherren verschleudert, mehr als 400 Millionen Euro, um den Wünschen der Fifa gerecht zu werden. Ein Bombengeschäft für Unternehmen und Funktionäre, bezahlt nicht zuletzt mit Steuergeld, es übernimmt ein privates Konsortium… Unterdessen wurden die Fifa-Tarife für das WM-Endspiel in einem Jahr bekannt: 330 und 1980 Reais, gut 110 bis fast 700 Euros. Brasilien ist entsetzt“ (Ebenda).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">Nachtrag 4: Fußball-WM 2014 in Brasilien wirft ihre Schatten voraus
Im Vorfeld wurde von brasilianischen Politikern und der Polizei bei den Unruhen anlässlich des Confed-Cups im Juni 2013 versucht, mit “Agents provocateurs” den Widerstand gegen die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 zu kriminalisieren, wie sich im Juli 2013 herausstellte: “Von Polizei und Geheimdienst eingeschleuste Provokateure haben wohl die Gewalt bei den Demonstrationen gegen den Gouverneur von Rio de Janeiro gezielt angeheizt. ‘Zahlreiche Protestteilnehmer berichten, dass Polizisten in Zivil zum Steinewerfen und zu anderen Gewaltaktionen aufrufen’, sagt Maurízio Santoro von Amnesty International. (…) Überdies gab die Militärpolizei zu, dass sie Agenten in Zivil eingeschleust hat; einer soll einen Molotow-Cocktail geworfen haben” (Agenten mit Molotow-Cocktails, in Der Spiegel 31/29.7.2013). Peter Burghardt schrieb in der SZ: “Allerdings richtet sich mancher Verdacht auch gegen Politiker und Militärpolizisten. Regierungsnahe Kräfte scheinen seit Monaten bemüht zu sein, dem vornehmlich friedlichen Widerstand gegen Korruption, Verschwendung, Polizeigewalt und auch gegen die Fußball-WM das Image des Vandalismus zu verpassen. Das soll auch hartes Zugreifen gegen Protestierer rechtfertigen. Dabei sind die Uniformierten selbst, die manchmal brutal zu Werke gehen, ein bedeutender Teil des Problems. (…) Neue Tarife im miserabel funktionierenden Nahverkehr hatten den brasilianischen Volkszorn 2013 zunächst in São Paulo geweckt, die folgende staatliche Repression fachte die Wut erst so richtig an. Bald richteten sich riesige Kundgebungen auch gegen die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio, für die Milliarden ausgegeben und ganze Stadtteile umgegraben werden, während nebenan Schulen und Krankenhäuser verlottern. Obendrein ist man beim Bau der absurd überteuerten Stadien im Verzug, und bei den Arbeiten sterben immer wieder Handwerker. ‘Não vai ter copa’ war der Schlachtruf bei Protesten gegen das Turnier, ‘es wird keine WM geben.’ Bei Umzügen in Rio wurde nun ein Plakat mit dieser Aufschrift gesichtet: ‘Es wird Karneval geben, aber keine WM’” (Burghardt, Peter, Masken der Wut, in SZ 26.2.2014).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">Quellen:
Augenverschließer auf Welttournee, in sueddeutsche.de 20.6.2013
Blatter: Demonstranten nutzen Fußball als Plattform, in kleinezeitung.at 17.6.2013
Behn, Andreas, Wenig erreicht, aber viel bewegt, in taz.de 1.7.2013
Blasberg, Marian, Fischermann, Thomas, Spiel ihres Lebens, in Die Zeit 27.6.2013

Blatter kritisiert Demonstranten, in spiegelonline 19.6.2013
Brasiliens Fußballer solidarisieren sich mit den Demonstranten, in spiegelonline 18.6.2013b
Brasiliens Präsidentin Rousseff sagt Japanreise ab, in spiegelonline 21.6.2013c
Bruckmoser, Josef, Lieber mehr Brot statt immer teurere Spiele, in Salzburger Nachrichten 24.6.2013
Brühwiller, Tjerk, Brasilianer demonstrieren gegen Fußball, in nzz.ch 17.6.2013
Burghardt, Peter
– Wachstumsschmerzen, in SZ 18.6.2013a
– Schulen statt Stadien, in SZ 18.6.2013b
– Der Riese ist erwacht, in SZ 19.6.2013
– Ich bin doch nicht blöd, in SZ 21.6.2013
– Sonst kippt Brasilien, in SZ 24.6.2013
– Im Schatten der Macht, in SZ 29.6.2013
– Gruß aus Brasilia, in SZ 2.7.2013

– Fremd im geliebten Zuhause, in SZ 25.7.2013
Diekmann, Florian, Wut auf die Weltmeister der Verschwendung, in spiegelonline 19.6.2013
Glüsing, Jens
– Der Fußballdiktator, in spiegelonline 19.6.2013
– Brasiliens Präsidentin kündigt Radikalreform an, in spiegelonline 26.6.2013
Hecking, Claus, Scheinfriede in Rios Armenvierteln, in spiegelonline 28.6.2013
Hofmann, René, Auf der Kippe, in SZ 22.6.2013
Homewood, Tom, Analysis: Brazil riots raise questions over sporting mega-events, in reuters.com 25.6.2013
Hunderte Verletzte bei Protesten in Brasilien, in spiegelonline 21.6.2013b
Hunderttausende protestieren gegen teure FußballWM, in spiegelonline 18.6.2013a
Kistner, Thomas
– Eine Stadt voller Wutbürger, in SZ 17.6.2013
– In die eigene Hosentasche, in SZ 18.6.2013

– Gewehre, Gefuchtel, Geschrei, in SZ 22.6.2013
– Weit weg von der Welt, in SZ 25.6.2013
– Tränengas zum Champagner, in SZ 29.6.2013
– Blick in die tiefsten Abgründe, in SZ 1.7.2013
– Für Team, Land und Familie, in SZ 2.7.2013
– „Wir können hunderttausend Leute auf die Straße bringen“, in SZ 5.7.2013
– Justizrevolte gegen die Fifa, in dradio.de 11.7.2013
– Klage in Brasilien gegen Sonderregel, in SZ 12.7.2013
Massenproteste ohne Einfluss auf WM-Pläne, in spiegelonline 21.6.2013
Meyer-Blankenburg, Lukas, Ab in den Süden, in SZ 15.6.2013
Olympia 2022: “Für uns wird es
billiger”, in Münchner Merkur 5.6.2013

„Pelé, halt den Mund“, in spiegelonline 21.6.2013a
Peters, Katharina, Brasilianer erheben sich gegen Milliardensportfeste, in spiegelonline 18.6.2013

Proteste gegen WM und Olympia in Brasilien, in euronews.de 18.6.2013
Reese, Jonas, Sport-Kommentar: Schwaches Bild der Fifa beim Confederations Cup, in dradio.de 30.6.2013
Ritzer, Uwe, Die Materialschlacht, 19.6.2013
Rousseff verspricht „großen Pakt“ für ein besseres Brasilien, in spiegelonline 22.6.2013
Rüttenauer, Andreas, Die Fifa ist ein Drecksverein, in taz.de 19.6.2013
Schoepp, Sebastian
– Aufstand in Brasilien wegen Fußball-WM, in SZ 19.6.2013
– Brasilianer erzwingen Zugeständnisse, in SZ 21.6.2013
Sinnott, John, A fair World Cup deal for Brazil? in
CNN 24.6.2013
Spiller, Christian, Danke, Brasilien! In zeitonline 21.6.2013
Sturzenegger, Martin, Der meistgehasste Brasilianer, in tagesanzeiger.ch 20.6.2013
Weinreich, Jens, Wie die WM 2014 mach Brasilien kam, in berliner-zeitung.de 23.6.2013
Wissmann, Constantin, Brasilianer wollen die Fifa-Rechnung nicht zahlen, in zeitonline 18.6.2013

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