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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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September 2013

 
Zuletzt geändert am 28.07.2014 @ 12:50

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Termine zur Bewerbung um Olympische Spiele:
Juli 2012:     Die USA sagen für die Bewerbung 2022 ab.
3.3.2013:     Volksabstimmung OWSGraubünden 2022: ABGEWÄHLT
7.-9.3.2013: Volksbefragung in Wien über OSS “Wien 2028″: ABGEWÄHLT
7.9.2013: Wahl des Austragungsortes der Olympischen Sommerspiele 2020 in Buenos Aires: Tokio
10.9.2013: Wahl des IOC-Präsidenten in Buenos Aires. Gewählt: „Strohmann“ Thomas Bach
9.9.2013:     Abstimmung in Oslo über OWS “Oslo 2022″: 53,5 % Ja-Stimmen, 43,6 % Nein-Stimmen, 2,9 % Enthaltungen
(Flertall for OL i Oslo i folkeavstemninen, in odloby.no/nyxheter 10.9.2013). Oslo ist angesichts seiner Sportstätten und den Ski-Stätten in Lillehammer Favorit. Angesichts der gewaltigen Materialschlacht der Befürworter sind 53,5 Prozent aber ein mageres Ergebnis.

30.9.2013:    DOSB und Sportverbände gaben gnädig bekanntgeben, dass sie sich mit München 2022 bewerben wollen
Das Ergebnis war wie erwartet: Geschlossene Zustimmung mit 81 Ja-Stimmen, nur der DAV hat sich enthalten.
Zu den Pressemitteilungen von Nolympia-Sprecher Ludwig Hartmann (Original hier) und den Sprechern von Nolympia München, Christian Hierneis und Katharina Schulze sowie Axel Doering/Garmisch-Partenkirchen: hier

15.10.2013: Forum Ökologie Traunstein – Informationsveranstaltung und Podiumsdiskussion „Pro & Contra Olympia 2022 im Chiemgau„, 20 Uhr Sailer Keller, Traunstein
10.11.2013:  Falls ja: Abstimmung in München, in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden und im
Ort Garmisch-Partenkirchen über OWSMünchen 2022″
14.11.2013:  Annahmeschluss beim IOC für die Bewerbung 2022
31.7.2015:    IOC-Entscheidung in Kuala Lumpur über den Austragungsort 2022

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Zitate des Monats

Der Bundesminister des Innern, Hans-Peter Friedrich, zur Studie „Doping in Deutschland„: „Der Bericht war nicht das, was wir in Auftrag gegeben haben. Deshalb wollten wir ihn nicht veröffentlichen“ (Reinsch, Michael, „Angst vor der Debatte“, in faz.net 2.9.2013).

Der Präsident des Internationalen Sportjournalisten-Verbandes AIPS, Gianni Merlo, anlässlich des IOC-Kongresses in Buenos Aires: „In ein paar Jahren wird das IOC wie die Titanic sinken. Alle singen und tanzen noch, aber der Eisberg ist schon nahe. Wenn sie weiter nur dem Dollar folgen, wird der Sport sterben“ (AIPS-Präsident Mero kritisiert IOC scharf, in SID/zeitonline 5.9.2013).

„Sollte Bach zum Präsidenten des IOC gewählt werden, wird sich dort nichts grundlegend ändern. Er ist ein Konformist durch und durch, der Kandidat des Systems, gegen das er nie aufbegehrt, dessen Prinzipien er nie infrage gestellt hat“ (Wolfgang Hettfleisch, Die Geduld des Fechters, in berliner-zeitung.de 5.9.2013; siehe auch unter I).

Thomas Kistner zur Wahl Bachs in der SZ: „Die Kür lief für den Deutschen letztlich so, wie es Brauch ist im undurchsichtigen Weltsportgeschäft: Mit internem Druck, den sportpolitische Seilschaften offenkundig vor der Wahl ausübten, sowie dann in der Wahl mit soliden Stimmpaketen aus der Dritten Welt“ (Olympia-Chef von Scheichs Gnaden, in sueddeutsche.de 109.2013).

Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS zu den Bewerbern 2022: „Also wir müssen schon froh sein, wenn sich noch jemand bewirbt“ (im Interview mit Thomas Kistner, „Oslo ist am stärksten“, in SZ 14.9.2013, siehe unten).

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Die Gliederung im September 2013 sieht so aus:
I: “München olympisch″
II: Nachrichten von Olympischen Spielen
III: Aktuelle Sportsplitter von IOC, DOSB etc.
IV: Allgemeine Nachrichten
V: Sport-Millionen und -Millionäre
VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa etc.
VII: Doping-News
VIII: Die Sportsender ARD/ZDF

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I: “München olympisch″

– Saufen bis 2022? Plakat, gesehen in der U-Bahn Anfang September 2013: „München will DIE HEIM-SPIELE. Die Münchner Brauereien sind für die Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022. München ’22 O Ja!“
Und wenn das IOC als Sponsor Budweiser (Anhaeuser-Busch) nimmt – wie die Fifa 2006 bei der Fußball-WM in Deutschland? Dann darf an sämtlichen Wettkampfstätten kein bayerisches Bier ausgeschenkt werden. Dumm gelaufen…

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Die Materialschlacht hat begonnen: Drei Millionen Euro (die Hälfte von der Landeshauptstadt München) stehen der „Tourismus Initiative München TIM“ (in Wirklichkeit die Fangemeinschaft der Bewerbung München 2022) zur Verfügung – mit allen Brauereien, dem Hotel Bayerischer Hof, Dallmayr, der BMW Welt und tatkräftiger Unterstützung der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern etc.

Die USA haben für 2022 dankend abgesagt, Graubünden 2022 ist abgewählt worden, bei Oslo 2022 haben die Gegner derzeit 58 %. Warum das so ist, fragt von der Münchner Fangemeinde niemand. Sie jubelt: Keiner hat die Olympischen Winterspiele 2022 gewollt, und schon haben wir sie gekriegt…
Und wenn das IOC als Sponsor Budweiser (Anhaeuser-Busch) nimmt – wie die Fifa 2006 bei der Fußball-WM in Deutschland? Dann darf an sämtlichen Wettkampfstätten kein bayerisches Bier ausgeschenkt werden. Dumm gelaufen…

– Unbeirrbarer Ude. Nach der Wahl Tokios für die Sommerspiele 2020 tat der Münchner OB Ude kund: Damit hätte München 2022 eine „große Chance“ bekommen.  Ude erzählte etwas vom „Proporz der Kontinente“ (Ude sieht große Olympia-Chancen, in SZ 9.9.2013). DOSB-Präsident Bach pfiff Ude übrigens sofort zurück. Die Wahl Tokios hätte keine Auswirkungen auf München: „Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe“ (Fahrenholz, Peter, Ude sieht große Olympia-Chance für München, in 8.9.213).
Man muss sich mehrfach bewerben, hieß es bei München 2018 im Hinblick auf Pyeongchang, das erst beim dritten Mal den Zuschlag für 2018 erhielt. Zur Aufklärung: Madrid hat bei 2020 nun das dritte Mal verloren, Istanbul zum fünften Mal!
Für Herrn Ude ruft Mykonos, nicht der Wintersport. Am 15.9.2013 waren die bayerischen Ministerpräsidenten-Allüren ausgestanden Und nach den hoffentlich verlorenen Bürgerentscheiden vom 10.11.2013 muss Ude endlich olympische Ruhe geben. Und ab Mai 2014 ist er kein Münchner OB mehr. Das wars dann. Wobei sich nun endgültig die Frage stellt, welches Movens Udes olympisches Engagement hat: Karriere? Politische Potenz? Pekuniäres? Nachruhm?

– Oslo 2022 tritt an. Am 9.9.2013 waren 53,5 Prozent der Bewohner Oslos für eine Bewerbung 2022 – auch dies für Ude kein Problem: Er hoffe, deshalb, dass sich die Bevölkerung beim Olympia-Bürgerentscheid am 10. November ‚besonders zahlreich‘ beteilige und ihre Haltung ‚klar zum Ausdruck‘ bringe“ (Olympia 2022: Starke Konkurrenz für München, in merkur-online 10.9.2013.

– Erste Absetzbewegungen gegen München 2022. Clemens Prokop. Präsident des DLV: „Die Delegierten des IOC werden künftig bei Entscheidungen vermutlich eher darauf achten, dass ein Land nicht zu dominant wird, wenn schon die Führungsposition nach Deutschland geht“ (Sportpolitik – Olympia: DLV-Chef Prokop: Bach-Wahl dämpft Chancen für München, in sueddeutsche.de 11.9.2013).
„Allerdings steht nicht zu erwarten, dass der gewiefte Thomas Bach sich in seinem neuen Amt angreifbar macht, indem er zu viel Engagement in eine neue Münchner Bewerbung investiert. Auch ist fraglich, ob die IOC-Mitglieder Deutschland nach dem olympischen Präsidentenamt auch noch den Ausrichterstatus zugestehen“ (Spannagel, Lars, Bach kommt – Oslo auch, in tagesspiegel.de 11.9..2013).
„Viele Kenner sagen, dass München jetzt erst mal seine Träume von Olympischen Winterspielen begraben kann. Denn nach Bachs Wahl könnten nicht gleich die nächsten Spiele, die vergeben werden, auch nach Deutschland gehen. Außerdem hätte München mit Norwegens Hauptstadt Oslo wohl einen starken Konkurrenten“ (Bachs Wahl und Münchens Olympia-Chancen, in br.de 11.9.2013).
Dazu Axel Doering von Nolympia Garmisch-Partenkirchen: „Der Herr Bach kann jetzt nicht mehr so offen für die Austragung der Olympischen Spiele in München eintreten“ (sueddeutsche.de 11.9.2013).
Zu den Ereignissen um eine mögliche Bewerbung München 2022 hat Axel Doering eine Pressemitteilung herausgegeben: Olympische Winterspiele: Nein danke.
Am 30.9.2013 entschied sich die DOSB-Versaammlung mit 81 Pro-Stimmen und einer Enthaltung (DAV) für die Unterstützung der Bewerbung München 2022, siehe unten.

– Hallo, München 2022-Fans, zur Erinnerung. Gian-Franco Kasper, Präsident des Welt-Ski-Verbandes FIS, äußerte nach der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen eine Woche später bei der Nordischen WM in Oslo: “Wir sind froh, dass wir jetzt wieder zurück im Schnee sind. Bei der letzten WM hatten wir ja nicht viel davon” (Spruch des Tages, Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 24.2.2011)
Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS, äußerte zu den Bewerbern um Olympische Winterspiele 2022: „Für Deutschland wäre es besser, sich jetzt erst ein oder zwei Jahre ruhig zu verhalten. Danach ist das mit dem deutschen Präsidenten international kein großes Thema mehr. … Oslo will ja nun mit einer Kandidatur kommen, das wäre eine starke Bewerbung. … In meinen Augen wäre Oslo der stärkste Kandidat. Man muss nur an den Holmenkollen denken, wenn dort 120.000 Menschen versammelt sind, das ist einfach traumhaft. … Da schwärmen sogar welche (IOC-Mitglieder; W.Z.) von Lillehammer, die bei den Spielen damals gar nicht dabei gewesen sind.“ Zu Bachs Einfluss:  „Ich glaube, dass IOC-Präsidenten nie Einfluss auf Städtewahlen genommen haben.“ Zu anderen Bewerbern: „Also wir müssen schon froh sein, wenn sich noch jemand bewirbt“ (Kasper im Interview mit Thomas Kistner, „Oslo ist am stärksten“, in SZ 14.9.2013, Hervorhebung WZ).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Verein zum Schutz der Bergwelt zu München 2022: „Olympische Winterspiele greifen vehementer in die Bergwelt ein, als alle anderen Veranstaltungen: Pisten und Loipen müssen gebahnt und künstlich beschneit werden, eine raumgreifende Infrastruktur für nur wenige Wochen ist notwendig. Es stellt sich an die Naturschutzverbände die Frage der Nachhaltigkeit – im Rückblick umso schärfer. Es kann nicht Aufgabe eines Verbandes sein, der sich dem Naturschutz verpflichtet hat, solche Veranstaltungen zu unterstützen, in der Hoffnung durch seine Mitarbeit noch Schlimmeres verhindern zu können. Partizipation wird hier zur Falle und wir zum Mittäter. Der Vorstand des Vereins zum Schutz der Bergwelt hat deshalb im Oktober 2009 beschlossen, sich aus der damaligen „Fachkommission Umwelt der Bewerbungsgesellschaft München 2018“ zurückzuziehen. Es wäre nicht zu verhindern gewesen, dass eine wie auch immer kritische „Partizipation“ am Verfahren in der Öffentlichkeit als Zeichen der Nachhaltigkeit der Planungen ausgelegt worden wäre. Wir konstatierten damals eine „strukturelle Nichttrennbarkeit von Partizipation und Mitverantwortung für eine „erfolgreiche Bewerbung““, und damit „eine Unvereinbarkeit mit der Satzung des VzSB.“ Dieser Gedanke gilt auch für die neue Bewerbung. (…)
Auf zwei neue Aspekte möchten wir noch hinweisen: 2011 wurde das Jahrhundertprojekt Energiewende beschlossen, mittels Volksentscheid am 15. September soll nun eine „Schuldenbremse“ in die Bayerische Verfassung aufgenommen werden. Das eine erfordert einen sparsamen Umgang mit der Energie, das andere mit Geld. Glaubt man wirklich, Olympische Winterspiele seien damit vereinbar?“ (Stellungnahme des VzSB, München 10.9.2013).

– Von München 2018 zu München 2022. Die olympische Mannschaft mit dem Hintergrund München 2018 werkelt ja nun schon seit geraumer Zeit an München 2022. Dazu erschien im September 2013 eine „Konzeptstudie für eine mögliche Bewerbung Münchens mit Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele München 2022“. Zum Teil sind es die selben Akteure wie bei München 2018: Albert Speer & Partner, Frankfurt; Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie, Köln und das Öko-Institut Darmstadt, das wieder die vermeintliche Klimaneutralität berechnen helfen darf. Für das Finanzierungskonzept ist Deloitte & Touche München zuständig, dazu kommt abold Büro für Marketingkommunikation München.
Die 67 Seiten sind eine Ansammlung aus den üblichen euphorischen und wolkigen Worthülsen, olympischen Satzbausteinen, nicht belastbaren Fakten und unrealistischen Aussagen: Die meisten Sportstätten wären bereits vorhanden; Olympische Spiele würden die Umwelt schonen bzw. sogar verbessern; München 2022 würden grüne und klimaneutrale Spiele. Die Bahnfahrt München Garmisch-Partenkirchen soll von etwa 85 auf 70 Minuten ertüchtigt werden: Dafür sind für den Autoverkehr drei Tunnels im Loisachtal geplant: der Kramertunnel (derzeit Bau eingestellt wegen verheerender Trassenführung), der Wanktunnel und der Auerbergtunnel (S. 49), wobei – wie bei München 2018 – behauptet wird, dass diese drei Tunnels sowieso kommen würden. Dabei stehen sie nicht als vordringlich im Bundesverkehrswegeplan. Dass eine Ortsumgehung für Oberau dringend erforderlich ist, hat auch der Bund Naturschutz bestätigt.
Die Aussagen zur Umwelt beinhalten das übliche ökologische Blabla (S.  58 – 61). Der Klimawandel wird kleingeredet. (Bei München 2018 ist die Berechnung der behaupteten „Klimaneutralität“ übrigens nie offengelegt worden.) Kein Wort auch zu den zu fällenden 1600 schützenswerten Bäumen auf dem Gelände der Bundeswehr für das Olympische Dorf. Verniedlichend werden erforderliche „kleinräumige Rodungs- und Erdbaumaßnahmen“ erwähnt (S. 29), wo es sich meist um Kahlschlag und Totalumbau handelt. „Temporäre Sportstätten“ gehören quasi schon zum Umweltschutz. Zur Sportstätte Kandahar in Garmisch-Partenkirchen steht lapidar, dass sie für die FIS Alpine Ski WM 2011 modernisiert wurde; sie „erfüllt dementsprechend die aktuellen FIS-Anforderungen für die Austragung Olympischer und Paralympischer Winterspiele“ (S. 28).
Aber ganz sicher erfüllt die Kandahar NICHT die Anforderungen für Olympische Winterspiele 2022!
2002 – in NEUN Jahren – sind die Umbauten für die WM 2011 ELF Jahre alt – das ist in Wintersportgroßveranstaltungen viel zu alt, um nicht auf dem dann neuesten Stand der Technik erneuert und ausgebaut zu werden. Außerdem werden im Klimawandel auch die heutigen Beschneiungsanlagen bei weitem nicht ausreichen. Schon bei der WM 2011 gab es große Probleme mit den Kunstschnee-Pisten (Link zu Ski-WM 2011 hier).
Bei der Berechnung der Finanzen kommt München 2022 im Vergleich zu den aktuellen Kosten Olympischer Winterspiele zu sensationell niedrigen Werten: Das OCOG-Budget für die Durchführung liegt bei 1,5 Milliarden Euro, das NON-OCOG-Budget mit den Infrastrukturmaßnahmen liegt bei 1,8 Milliarden Euro, zusammen also3,3 Milliarden Euro: ein wahres Sonderangebot.
Da wenig Neues, allerdings kürzer als im Bid Book 2018 geboten wird, können wir auf unseren Beitrag von Christian Hierneis und Dr. Andreas Keller verweisen: Stellungnahme zum Bid Book 2018. Hier lassen sich alle Stichworte auch zur Konzeptstudie 2022 suchen und vergleichen. München 2022 bleibt für das IOC: Zählkandidat, Füllmaterial, Lückenfüller.
Vergleiche dazu demnächst unter „Aktuelles“: Hallo München-2022-Fans

– Bürgerbegehren da, Investor weg. Das umstrittene riesige Luxushotel in Schönau am Königssee wird nicht gebaut. Kaum hat eine Bürgerinitiative gegen die überdimensionierten Baupläne die erfolgversprechende Unterschriftensammlung begonnen, zog der Investor N&F Königssee AG die Pläne zurück, für rund 50 Millionen Euro ein Hotel, drei Appartementgebäude und zwei Geschäftshäuser zu bauen. Angebliche Falschaussagen, sich ändernde Grundhaltungen im Gemeinderat und der „massive Widerstand“ aus der Bevölkerung brachten den Rückzug. „Die Gegner des Projekts sind ‚überrascht und erfreut‘, dass sie so schnell ihr Ziel erreicht hätten, sagte BI-Sprecher Klaus Gerlach. Sie hätten überwältigende Zustimmung beim Sammeln der Unterschriften für den Bürgerentscheid erfahren“ (Effern, Heiner, Aus für umstrittenes Luxushotel, in sueddeutsche.de 25.9.2013).

– Für und Wieder München 2022. Mitte September 2013 gründete sich die Initiative „OlympiJa“ für den Landkreis Traunstein. Zum ersten Treffen kam die lokale Prominenz: Landrat Hermann Steinmaßl mit Stellvertreter Sepp Kohnhäuser und die Bürgermeister Claus Pichler (Ruhpolding), Josef Heigenhauser (Reit im Winkl), Martin Hobmaier (Inzell) und Thomas Kamm (Siegsdorf). Tenor des Sprechers Christian Hümmer: München 2022 ist eine „dreijährige riesige positive Image-Kampagne für den Chiemgau“. „Es wird auch keine Finanzierungsdebatte um unsere Sportstätten geben. Für die temporären Anlagen ist der Landkreis nicht zuständig, damit kostet uns das auch nichts“ (Huber, Siegi, „OlympiJa2022“ will den ganzen Landkreis mobilisieren, in heimatzeitung.de 16.9.2013).
Oh heilige Einfalt.
Am 18.9.2013 fand in Traunstein das zweite Treffen der NOlympia-Gruppe Traunstein statt. Zu den Unterstützern zählen Bund Naturschutz, Bündnis 90/Die Grünen Traunstein, ÖDP Traunstein, lokale Umweltverbände und Initiativen wie der Verein zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns, der Umweltverband Alztal und die BI „A8-Bürger setzen Grenzen“. Bis zum Bürgerentscheid am 10.11.2013 sind mehrere Veranstaltungen geplant. Die erste ist eine Demonstration am 27.9. um 8.30 vor dem Landratsamt Traunstein, also kurz vor dem Beginn der Kreistagssitzung, bei der endlich erste Fakten zur Bewerbung des Chiemgaus auf den Tisch kommen sollen.
Zum Traunsteiner Nolympia-Widerstand gegen München 2022 unter Aktuelles: Hier
15.10.2013: Forum Ökologie Traunstein – Informationsveranstaltung und Podiumsdiskussion „in Salzburg Pro & Contra Olympia 2022 im Chiemgau„, 20 Uhr Sailer Keller, Traunstein
29.10.2013: Vortragsabend Olympische Spiele im Chiemgau – Was erwartet uns? Erfahrungen aus vier Olympiabewerbungen in Salzburg und München mit Willi Rehberg, Salzburg und Christian Hierneis, BN München

– Wer hätte das gedacht I? Der Skiverband Chiemgau e.V. (SVC) ist für München 2022. Der 1. Vorsitzende Engelbert Schweiger: „Im Hinblick auf die Entscheidung im Kreisausschuss positioniert sich der Skiverband Chiemgau klar und eindeutig für eine Bewerbung…“  (Olympiabewerbung München 2022, Brief vom 20.9.2013).

– Wer hätte das gedacht II? Der Ruhpoldinger Biathlon-Weltcup 2013 hat ein Defizit von 350.000 bis 400.000 Euro verursacht  (Mitteilung Sepp Hohlweger, Kreisfraktion Bündnis 90/Die Grünen, 25.9.2013)

– Wer hätte das gedacht III? Rückblick April 2013: Der Ruhpoldinger Bürgermeister Claus Pichler wies darauf hin, dass die für die WM 2012 für 16 Millionen Euro ausgebaute Biathlon-Anlage für Olympische Spiele 2022 nicht ausreichen werde. “Möglicherweise muss in der Nähe ein zweites temporäres Stadion errichtet werden… Doch er weist auch darauf hin, dass ‘die strengen Naturschutzrichtlinien’ rund um die Biathlon-Anlage ein vorsichtiges Planen nötig machten. Und natürlich zuerst auch Gespräche mit Grundbesitzern und Weideberechtigten anstünden. ‘Das schütteln wir nicht aus dem Ärmel’” (Nein bleibt Nein, in SZ 25.4.2013). Auch die Umweltschützer sollen eingebunden werden: “den stetigen Ausbau des Biathlonzentrums, das in einem ökologisch sensiblen Gebiet liegt, haben sie bislang großzügig mitgetragen” (Effern, Heiner, Erfahrung ist alles, in SZ 27.4,2013).

– Wer hätte das gedacht VI? Die Chiemgauer Wirtschaft ist für München 2022. „Die Vertreter der heimischen Wirtschaft im Landkreis Traunstein haben sich klar für eine Bewerbung zu den Olympischen Winterspielen 2022 ausgesprochen… Vor allem Investoren für Hotelprojekte auch in der gehobenen Kategorie würden auf die Region aufmerksam“ (Kreisausschuss spricht über Olympia-Bewerbung, in bg.land24.de 25.9.2013). IHK München und Oberbayern, Gewerbeverein Traunstein, Wirtschaftsbeirat Bayern, Wirtschaftsjunioren Bayern, Kreishandwerkerschaft Traunstein haben eine Unterstützer-Resolution unterschrieben: Alle sind in Erwartung der zu machenden Geschäfte für München 2022 (Wirtschaftsverbände unterstützen Olympiade 2022, in wochenblatt.de 25.9.2013).

–Wer hätte das gedacht V? Schon wieder kostet es den Steuerzahler kaum was. Die Kosten der Bewerbung werden erstmals offiziell angegeben: “Insgesamt kostet die Bewerbung mit 29 Millionen Euro, zwei Drittel davon sollen über Sponsoreneinnahmen finanziert werden” (Traunsteiner Kreistag stimmt für Bewerbung, in br.de 27.9.2013; Hervorhebung WZ). – „Die Stadt (München; WZ) kündigte an, das Bewerbungsbudget von 29 Millionen Euro sei durch Absichtserklärungen der Wirtschaft schon in Höhe von zwölf Millionen Euro gedeckt“ (Schon wieder München, in berliner-zeitung.de 29.9.3013).
Die Bewerbung München 2022 startet  mit der gleichen Sponsoren-Lüge wie die Bewerbung München 2018: Am Ende gab es hier Udes Zwangsverpflichtete – Unternehmen der öffentlichen Hand, welche mit Steuermitteln die – bislang nie abgerechneten – 33 Millionen Euro aufzubringen hatten, u. a. Lotto Bayern, Sparkasse München, Stadtwerke München, Flughafen München, Olympiapark GmbH, Messe München, Deutsche Bahn, Deutsche Post etc.

– Auch Traunstein macht mit! „Traunstein will sich an Münchens Olympia–Bewerbung beteiligen und dafür knapp 400.000 Euro ausgeben“ (Hub, Ralph, Traunsteiner Politiker wollen Winterspiele 2022, in abendzeitung-muenchen.de 27.9.2013). Die nächste Milchbubenrechnung: “Landrat Steinmaßl erklärte den Kreisräten, der Etat für die Bewerbung werde aus dem Traunsteiner Tourismusetat finanziert und würde somit keine weitere Belastung für den Haushalt bedeuten” (Ebenda).
Ist doch einleuchtend!

– Wer hätte das gedacht VI? Schon wieder ist alles vorhanden. „Denn der Großteil der benötigten Sportstätten ist bereits vorhanden. Bis zu 80 Prozent der Sportstättenfläche werden bereits heute intensiv durch den Sport genutzt, sei es als Pisten oder Schanzenanlagen, Hallen oder Bahnen“ (München 2022 – das Konzept für eine nachhaltige Olympiabewerbung, in muenchen.de/rathaus 27.9.2013).

– Wer hätte das gedacht VII? Schon wieder ist alles nachhaltig. „Durch die Beteiligung des Chiemgaus wäre München 2022 die nachhaltigste Bewerbung in der Geschichte Olymischer Winterspiele“ (Steinmaßl, Hermann, Positionierung des Kreistages des Landkreises Traunstein, 27. September 2013). Und: „Das herausragende Markenzeichen einer Bewerbung für die Winterspiele 2022 wäre dabei ihre Nachhaltigkeit“ (Ebenda).  Wie schon auf der Seite www.muenchen.de/2022 steht: „Damit wäre München 2022 die nachhaltigste Bewerbung in der Geschichte Olympischer Winterspiele“ (vgl. auch Effern, Heiner, Die 50-Jahr-Feier im Park, in SZ 28,9.2013). „Das belegt auch eine Konzeptstudie, die jetzt vorliegt. (…) Damit wäre München 2022 die nachhaltigste Bewerbung in der Geschichte Olympischer Winterspiele…“ (Steinmaßl 27.9.2013).
Kein Wunder: Diese Konzeptstudie stammt von Albert Speer & Partner, den Planern von München 2018 und München 2022.

Wer hätte das gedacht VIII? Wieder nur ein Prozent! „Weniger als ein Prozent aller benötigten Sportstättenflächen müsste für Olympia 2022 baulich umgestaltet oder erweitert werden“ (München 2022 – das Konzept für eine nachhaltige Olympiabewerbung, in muenchen.de/rathaus 27.9.2013). – „Lediglich 1 % der benötigten Fläche wäre für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele dauerhaft baulich umzugestalten“ (Steinmaßl, Hermann, Positionierung des Kreistages des Landkreises Traunstein, 27. September 2013).
Vielleicht sollten sich die olympischen Propagandisten besser absprechen: In der Kurzinformation des Landkreises Traunstein steht, dass von 16 Sportstätten nur elf vorhanden sind.
Und woher man das kennt? Ein Prozent – Das war auch die offizielle Zahl bei München 2018. Zum Beispiel hielt die sportpolitische Sprecherin der SPD, Diana Stachowitz, am 14.10.2010 eine Jubelrede auf München 2018 mit dem Titel „Ganz Bayern soll von Olympia 2018 profitieren“: „Nur ein Prozent der Flächen, die für die Sportstätten erschlossen sind, müssen permanent neu erschlossen werden… Das sind insgesamt 0,48 Hektar und damit weniger als ein Fußballfeld…“ (Chronologie, Oktober 2010).

– Olympiafreund Uli Hoeneß. Der Präsident des FC Bayern, Hoeneß, Januar 2010: „‚Aus Sicht des FC Bayern kann ich sagen: Wir sind daran interessiert, dass die Spiele nach München kommen.‘ (…) Kritik an der Bewerbung gelte es, ‚im Keim zu ersticken‚“ (WM in Südafrika ist für Uli Hoeneß ein Fehler, in welt.de 27.1.2010; Hervorhebung WZ). Hoeneß, September 2013: „Ich bin ein großer Freund von allen großen Sportereignissen. Und es würde unserem Land gut zu Gesicht stehen, eine Olympiade zu haben“ (Schon wieder München, in berliner-zeitung.de 29.9.2013).
Wenn München Schützenhilfe von Leuten wie Uli Hoeneß für seine Bewerbung bekommt, dann müssen sich die Olympia-Gegner nicht sonderlich anstrengen. Wer demokratische Teilhabe (und dazu gehört auch berechtigte Kritik an einer Sache) im Keim ersticken will und gleichzeitig meint, Winterspiele würden „unserem Land gut zu Gesicht stehen“, der sollte sich ruhig und bescheiden um seine Steuererklärungen und den FC Bayern kümmern und ansonsten schweigen“ (Leserbrief Prof. Dr. Klaus Weber an FAZ, 29.9.2013)..

– Olympischer Zeremonienmeister Ude. „In der Münchner Olympiahalle wird Oberbürgermeister Christian Ude zusammen mit dem ersten Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und den Landräten von Traunstein und dem Berchtesgadener Land das Finanzierungsmodell und ein überarbeitetes Sportstättenkonzept für Olympische Winterspiele im Jahr 2022 vorstellen“ (Olympische Winterspiele 2022 in München, in br.de 30.9.2013). DOSB-Generaldirektor versäumte nicht den Hinweis: „Alle wissen, dass eine Bewerbung – jetzt auch mit dem verbessertem Konzept – bessere Erfolgsaussichten hat, wenn sie zum zweiten Mal in Folge beim DOSB eingereicht wird“ (Ebenda).
Hallo olympische Sportsfreunde: Gegen Oslo 2022 habt ihr keine Chance. Strampelt euch ruhig noch 20 Monate ab bis zur Wahl von Oslo 2022 am 31.7.2015. Dann habt ihr für zwei erfolglose Bewerbungen über 60 Millionen Euro verbraten. Und dann schwärmt von München  2026.
Vergleiche auch unter „Aktuelles“: Hallo München-2022-Fans

– Ude weiß was. „Ich weiß aus vielen Umfragen, dass wir in München eine stabile Mehrheit für Olympia haben“ (Effern, Heiner, Hahn, Thomas, Hutter, Dominik, Lode, Silke, Sportverbände für Olympia-Kandidatur, in sueddeutsche.de 29.9.2013).
Umfragen, die außer Ude niemand kennt: Vor kurzem klang das noch ganz anders. Da hatte Ude noch regelrecht Angst vor dem Abstimmungsverhalten der Münchner Bevölkerung am 10.11.2013.

– His Master’s Voice. Am 30.9.2013 trafen sich die drei großen DOSB-Gremien: 62 Fachverbände, 16 Landessportbünde und 20 Verbände mit besonderen Aufgaben. Da wird dann über eine Unterstützung der Bewerbung München 2022 entschieden. Und wie wird das wohl ausgehen? Natürlich im Sinne des neuen IOC-Präsidenten: POSITIV! München 2022 ist für Bach ein wichtiger Zähl- und Mitmachkandidat – von dem freilich sicher ist, dass er die Spiele 2022 NICHT bekommt. Bach hat das Thema München 2022 auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2011 von der Tagesordnung nehmen lassen: Seine IOC-Kandidatur war ihm wichtiger. Deshalb kam ja auch schon keine deutsche Bewerbung für 2020 infrage: „Den privaten Ambitionen hat er eine – angesichts des Bewerberfeldes siegträchtige – deutsche Bewerbung um die Sommerspiele 2020 geopfert“ (Winterfeldt, Jörg, Bachs Versäumnis, in berliner-zeitung.de 25.9.2013).
Was muss das wohl für ein toller und wichtiger Job sein: IOC-Präsident…

– Wer hätte das gedacht? Alle. Die Vertreter des Deutschen Sports stehen wie ein Mann hinter München 2022: einstimmig mit 81 Ja-Stimmen – nur der DAV enthielt sich, da er erst bei seiner Mitgliederversammlung am 8.11.2013 über eine Beteiligung entscheiden wird (Holzapfel, Matthias, DOSB votiert geschlossen für Olympia 2022, in merkur-online.de 30.9.2013).
So ein hundertprozentiges Kollektiverlebnis kennt man sonst nur vom benachbarten Oktoberfest… Handverlesene Bach-Vesper-Funktionäre funktionieren wie das Zentralkomitee der ehemaligen UDSSR.
Zu den Pressemitteilungen von Nolympia-Sprecher Ludwig Hartmann (Original hier) und den Sprechern von Nolympia München, Christian Hierneis und Katharina Schulze sowie Axel Doering/Garmisch-Partenkirchen: hier
Der Bund Naturschutz in Bayern positioniert sich eindeutig: „Man werde die Gruppen an den Alpen ‚intensiv unterstützen‘, sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Winterspiele seien ‚weder nachhaltig noch klimaschutzgerecht durchführbar'“ (Effern, Heiner, Lode, Silke, Wieder im Widerstand, in SZ 28.9.2013).

– Die Schweinchen-Schlau-Strategie. Bach forcierte die Bewerbung um Olympische Winterspiele München 2018, verhinderte die Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2020, verschob die Bewerbung München 2022 von Dezember 2011 auf September 2013, kandidierte als IOC-Präsident seit Juni 2013, wurde es am 10.9.2013 – und schon wurde am 30.9.2013 die (chancenlose) Bewerbung München 2022 aus dem DOSB-Hut gezaubert.
Karriereplanung nennt man das. Bewundernswert? Nein, egoistisch.
Und alle vom DOSB machen mit. Und nicht nur der DOSB. Horst Seehofer (CSU): „Der Freistaat steht voll hinter der Bewerbung für München 2022“ (DOSB stellt Weichen für München 2022: Ja für München erwartet in www.sportal.de 29.9.2013).
Die Reihen fest geschlossen…und bezahlt wird vor allem aus Steuergeldern.

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II Nachrichten von Olympischen Spielen

– Aktuell: Tokio 2020 gewählt. Erster Durchgang: Madrid scheidet aus. Zweiter Durchgang: Tokio gewinnt mit 60 zu 36 Stimmen gegen Istanbul (Olympische Spiele gehen nach Tokio, in spiegelonline 7.9.2013). SIEHE UNTEN.

– Oslo 2022 – viel Gegenwind. Die etwa 60.000 Ausländer, die seit drei Jahren in Oslo leben und arbeiten, dürfen nun doch über Oslo 2022 am 9.9.2013 abstimmen. Sie sollten zunächst ausgeschlossen werden: Dies wurde aber nach Protesten von der Stadtverwaltung zurückgenommen (Berglund, Nina, How to cast an Olympic vote, in newsinenglish.no 29.8.2013). Nur 38 Prozent sind nach einer Umfrage der Tageszeitung „Aftenposten“ für Oslo 2022. „Somit kämpfen die Macher in Norwegen mit den gleichen Problemen wie die Crew um Gian Gilli im Bündnerland“ (Bevölkerung von Oslo stimmt über Olympia 2022 ab, in nzz.ch 6.9.2013).

Sogar Jacob Lund, der frühere Direktor für Sponsoring der größten norwegischen Bank Den Norske Bank, glaubt nicht, dass es eine gute Idee für Oslo ist, sich um die Olympischen Winterspiele zu bewerben. Er glaubt, dass die Kostenschätzung von Ernst & Young über umgerechnet 8 Milliarden US-Dollar realistischer sei als die offizielle Zahl des Nationalen Olympischen Komitees, die weniger als die Hälfte angibt. Die wenigen norwegischen Politiker, die ihre Meinung zu Oslo 2022 ausgedrückt haben, sind dagegen. Und ein früherer Nationaltrainer der Norwegian Athletic Association, Hakon Lutdal, schrieb kürzlich in der Zeitung Dagsavisen, die Olympier würden eine „ekelerregende Verschwendung von Geld“ repräsentieren, die der Sport nicht länger brauche. „Geld und Medien“ kontrollierten heute den Sport. Wenn Lillehammer als „the best ever“ bezeichnet würde, so Lutdal, dann könnte man die von Sotschi 2014 als „the last ever“ bezeichnen (Berglund, Nina, Oslo’s Olympic bid draws more fire, in newsinenglish.no 6.9.2013).

Das Ergebnis der Abstimmung vom 9.9.2013: 53,5 % Ja-Stimmen, 43,6 % Nein-Stimmen, 2,9 % Enthaltungen (Flertall for OL i Oslo i folkeavstemninen, in odloby.no/nyxheter 10.9.2013). Nina Berglund schrieb: „Die riesige Mobilisierung durch Sportstars, Bürokraten, die Vertreter von Tourismus- und Wirtschaftsinteressen und örtliche Sportorganisationen trug am Dienstag Früchte (bzw. war schuld) am Umschwung der öffentlichen Meinung, die zunächst gegen die Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022 in Oslo war… Siv Jensen, die Vorsitzende der Progress Party und vermutlich die nächste Finanzministerin Norwegens, hat bereits gesagt, dass sie gegen Oslo 2022 abgestimmt hat“ (Berglund, Nina, Oslo said ‚yes‘ to Olympics after all, in newsinenglish.no 10.9.2013).
Wie schon eingangs erwähnt: Oslo ist für 2022 Favorit.  Angesichts der gewaltigen Materialschlacht der Befürworter dennoch ein mageres Ergebnis und im IOC-Sinn nicht überwältigend!

125. IOC-Session, Buenos Aires
– Olympischer Zirkus (1): Anreise

Buenos Aires, IOC-Kongress, schwer bewachtes Hilton Hotel: „Das silbrige Gebäude ist zum Bunker geworden, als treffe sich dort die G20“ (Burghardt, Peter, Eingetroffen im Raumschiff, in SZ 5.9.2013).
Gianni Merlo, Präsident des Internationalen Sportjournalisten-Verbandes AIPS: „Die Straßen sind wie leergefegt. es sieht aus, als ob hier Krieg herrscht und kein Sport-Treffen stattfindet“ (AIPS-Präsident Merlo kritisiert IOC scharf, in zeitonline 5.9.2013). – „Der 66-Jährige prophezeit dem IOC eine schwierige Zukunft, der neue Präsident stehe vor großen Herausforderungen: ‚In ein paar Jahren wird das IOC wie die Titanic sinken. Alle singen und tanzen noch, aber der Eisberg ist schon nahe. Wenn sie weiter nur dem Dollar folgen, wird der Sport sterben'“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).
– Olympischer Zirkus (2): Jacques Rogge tritt ab
Der scheidende IOC-Präsident konnte seine Reformpläne laut Jens Weinreich nicht durchsetzen. „Beim Thema Gigantismus und ausufernde Olympiakosten ist er kolossal gescheitert“ (Weinreich, Jens, Mit stumpfem Skalpell, in spiegelonline 7.9.2013). Rogges Einführung der „Olympischen Jugendspiele“ (eine geklaute Idee, wie so vieles beim IOC) hat den Gigantismus noch erhöht. Oligarchen (wie der Russe Arkady Rotenberg und Putins Judofreund Marius Vizer, der kürzlich zum Präsidenten der Sport-Weltverbände Sportaccord, früher GAISF gewählt wurde) und Öl-Scheichs (wie der Kuwaiter Ahmad Al-Fahad Al-Sabbah) bestimmen zunehmend den Kurs (Ebenda). Dazu kommen Milliardäre wie der Argentinier Gerardo Werthein.
Das dubiose IOC-Personal sieht langsam wieder so aus wie unter Juan Antonio Samaranch, der von 1980 bis 2001 IOC-Präsident war.
– Olympischer Zirkus (3): Das Altern eines IOC-Präsidenten
„Es gibt IOC-Mitglieder, die ihren Gesprächspartnern gern zwei Bilder zeigen und dazu fragen: ‚Bist du sicher, dass es das ist, was du willst?‘ Auf den Fotos ist jeweils Jacques Rogge zu sehen, einmal im Jahr 2001, als der Belgier in Moskau zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gekürt wurde – und einmal im Jahr 2013. Der Unterschied ist frappierend, für manche gar schockierend. (…) Unter der Last des Amtes, der wichtigsten Funktion des Weltsports, scheint Rogge nicht um zwölf, sondern um 30 Jahre gealtert zu sein“ (Weinreich, Jens, Mit stumpfem Skalpell, in spiegelonline 7.9.2013).
Bach sollte doch IOC-Präsident werden!
– Olympischer Zirkus (4):
Drei Fußkranke bewerben sich um Olympische Sommerspiele 2020
Vergleiche auch unter „Aktuelles: Drei Fußkranke bewerben sich
Zu Madrid, Istanbul und Tokio, siehe hier.
Mein persönlicher Tipp im Olympischen Kaffesatzlesen am 7.9.2013 um 18 Uhr: Angesichts der Unruhen beim Confed-Cup der Fifa in Brasilien im Juni 2013, der angespannten Situation in Sotschi 2014 und der Situation Rio de Janeiro 2016 werden beim IOC die Nerven blank liegen. Da wirkt Tokio trotz Fukushima sicher. Und da dem japanischen Ministerpräsidenten Shinze Abo trotz der schwindelerregenden Staatsverschuldung Japans die Milliarden sehr locker sitzen, wäre Tokio doch der geeignetste Kandidat. Denn es geht doch um Geld. Nur um Geld. Und natürlich würde die Wahl mit der olympischen Hilfe zur „Überwindung der Fukushima-Katastrophe“ begründet.
Wenn nur niemand an Nagano 1998 denkt! Die japanische Stadt war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1998 – und ist dadurch noch immer mit rund zehn Milliarden $ verschuldet.
Das Ergebnis am 7.9.2013: Tokio “gewinnt” mit 60 zu 36 Stimmen gegen Istanbul. “Riesenjubel in Tokio” (Olympische Sommerspiele gehen nach Tokio, in spiegelonline 7.9.203).
Dieser “Erfolg” wird die Japaner teuer zu stehen kommen – dabei sind sie mit Fukushima schon furchtbar abgestraft.
„Ziemlich verärgert reagierten viele der 150.000 Nuklear-Flüchtlinge aus der Gegend hinter dem Kernkraftwerk Fukushima I auf die Vergabe der Spiele. Im Fernsehen äußerten mehrere von ihnen die Befürchtung, sie würden nun ganz vergessen. Besonders wütend waren sie auf Tsunekazu Takeda, den Präsidenten des japanischen Olympischen Komitees, der in Buenos Aires sagte, Tokio sei sicher, auch die Lebensmittel, es liege 250 Kilometer von der Reaktorruine entfernt; für die Leute von Fukushima hatte er aber kein Wort der Solidarität übrig. Derweil behauptete Premierminister Abe wider besseres Wissen vor dem IOC, man habe Fukushima I im Griff“ (Neidhart, Christoph, Der vierte Pfeil, in SZ 9.9.3013). Dabei häuften sich im September 2013 Berichte, wie wenig der Stromkonzern TEPCO die Folgen der Katastrophe im Griff hat.
– Olympischer Zirkus (5): Neuer IOC-Präsident aus Deutschland?
Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Thomas Bach.
„Sollte Bach zum Präsidenten des IOC gewählt werden, wird sich dort nichts grundlegend ändern. Er ist ein Konformist durch und durch, der Kandidat des Systems, gegen das er nie aufbegehrt, dessen Prinzipien er nie infrage gestellt hat“ (Hettfleisch, Wolfgang, Die Geduld des Fechters, in Berliner Zeitung 5.9.2013).
IOC-Mitglied und Scheich Al-Sabah aus Kuwait hatte in letzter Zeit etwas zu offen für Bach geworben – unter Verweis auf ihre „gemeinsame Vision“ (Osang, Alexander, Der Strohmann, in Der Spiegel 36/2.9.2013) und erwähnt nebulös eine zwölf Jahre alte Abmachung (Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas, Letzte Hoffnung der Abgeschlagenen, in SZ 7.9.2013). Osang bezeichnet Bach als den „Strohmann“ von Al-Sabah, der 2012 vom ehemaligen IOC-Mitglied Mario Vazques Rana der Korruption und des Stimmenkaufs bezichtigt wurde (Weinreich, Jens, Bach und der Strippenzieher-Scheich, in spiegelonline 3.9.2013). Und was wäre Bachs Position im internationalen Anti-Doping-Kampf und zur Welt-Anti-Doping-Agentur Wada? „Bach ist vehement gegen ein Antidopinggesetz. Er sieht keinen Handlungsbedarf und stellt bei Bedarf auch Persilscheine aus. (…) Dopingskandale tut er als bedauerliche Ausnahmen ab“ (Hettfleisch 5.9.2013). In diesem Zusammenhang dürfte auch die absurde DOSB-Diskussion um die Studie „Doping in Deutschland“ sicher aufmerksam im IOC verfolgt werden.
Es ist weitgehend egal, wer Präsident wird: Der Host City Vertrag bleibt ein  Knebelvertrag, das IOC bleibt eine olympische Heuschrecke, Doping und Korruption bleiben Doping und Korruption, die Sponsoren wie Coca Cola, McDonald’s und Dow Chemical bleiben die Sponsoren und die TV-Sender werden weiter hunderte Millionen Euro für die Übertragungsrechte an den Gladiatorenspielen entrichten.
Siehe ausführlich unter „Aktuelles“: 125. IOC-Session, Buenos Aires 2013
Olympischer Zirkus (6): Die Wahl
Am Dienstag, 10.9.2013 wurde der 9. IOC-Präsident gewählt. Nun also doch Bach: Im zweiten Wahlgang 49 Stimmen (dank Scheich Al-Sabah). Richard Carrion erhielt 29, Ser Miang Ng 6, Bach-Kritiker Oswald 5 und Sergej Bubka 4 (Thomas Bach wird neuer Präsident des IOC, in spiegelonline 10.9.2013).
Bei anderen Kandidaten hätte man sich ja mehr erwartet. Bei Bach weiß man, was einen erwartet – und was nicht. Beim Thema Doping zum Beispiel gar nichts. Und Wladimir Putin gratulierte umgehend.
Jetzt sind also zwei Haupt-Schüler von Horst Dassler an der obersten Spitze der wichtigsten Internationalen Verbände: Sepp Blatter, Fifa-Präsident seit 1998 und Bach, 2000 bis 2004 und 2006 bis 2013 IOC-Vize, nun Präsident. Nun ja.
Olympischer Zirkus (7); „Das geht ja schön los“
Jens Weinreich hatte sich am 10.9..2013 zur von Al-Sabah inszenierten Inthronisationsfeier von Bach ins Faena-Hotel begeben. Al-Sabah nahm Weinreich dessen Kamera ab und ließ ihn von vier Security-Kräften abführen, welche die Fotos auf dem Chip löschten. Al-Sabahs rechte Hand Husain Al-Musallam, Generalsekretär im asiatischen OCA und Vizepräsident des Internationalen Schwimmverbandes Fina: „Es interessiert mich einen Scheiß, was im SPIEGEL steht. Es interessiert mich einen Scheiß, was deutsche Medien berichten. Das kümmert uns nicht. Ich scheiße auf sie“ (Weinreich, Jens, „Interessiert mich einen Scheiß, was im Spiegel steht“, in spiegelonline 16.9..2013). Weinreich: „Ein IOC-Präsidentschaftskandidat, dem ich später davon erzählte, sagte: ‚Das geht ja schön los. Unglaublich. Das ist genau, was wir befürchtet haben'“ (Ebenda).
Sport-Proleten an der Macht – und Bach mittendrin.

Thomas Kistner zur Wahl Bachs in der SZ: „Die Kür lief für den Deutschen letztlich so, wie es Brauch ist im undurchsichtigen Weltsportgeschäft: Mit internem Druck, den sportpolitische Seilschaften offenkundig vor der Wahl ausübten, sowie dann in der Wahl mit soliden Stimmpaketen aus der Dritten Welt. Noch tags zuvor hatte ja in Buenos Aires eines der zwölf afrikanischen IOC-Mitglieder bestätigt, was zum Basiswissen für viele Mitbewerber gehörte: Dass der Scheich das Dutzend Kollegen vom afrikanischen Kontinent spätestens bei deren Erdteil-Konvent im Juni auf Bach eingeschworen habe“ (Olympia-Chef von Scheichs Gnaden, in sueddeutsche.de 10.9.2013).

Wie die Regie von Al-Sabah funktionierte, zeigte sich bei der Wahl des IOC-Exekutivkomitees. Der kritische Geist Richard Pound fiel überraschend durch, gewählt wurde die unkritische Amerikanerin Anita DeFrantz. Diese hatte Denis Oswald vor der Wahl bereits von einer Anfrage aus dem Umfeld von Scheich Al-Sabah berichtet, ob sie denn in die Exekutive wolle – und so geschah es dann auch.
Ein Ausblick auf die kommende Sportdemokratur unter Scheich Al-Sabah…

Der Scheich hat ein beeindruckendes Jahr 2013 hingelegt: im Mai 2013 machte er Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa aus der Herrscherfamilie von Bahrain zum Präsidenten des asiatischen Fußballverbandes, Ende Mai wurde Marius Vizer Chef von Sportaccord – und nun ist Bach IOC-Präsident von Al-Sabahs Gnaden.
Und Al-Sabah ist es egal, wer unter ihm IOC-Präsident ist: Hauptsache, der „Strohmann“ spurt…

Evi Simeoni zur „Geschäftspolitik“ des IOC in der FAZ: „Dass das Motto ‚Schneller, höher, stärker‘ auch fürs Geldscheffeln gilt, hatte Olympia-Neuerfinder Coubertin sicher nicht gemeint. (…) Die Winterspiele in Sotschi 2014 hat das IOC dem russischen Machthaber Wladimir Putin zu Füßen gelegt, weil der der Wintersport-Industrie neue Absatzmärkte in Aussicht stellte. Zwei Jahre später sollen die Sommerspiele in Rio de Janeiro stattfinden (…) Der Grund: Die Lage der brasilianischen Stadt ermöglicht dem amerikanischen Fernsehsender NBC, Hauptgeldgeber des IOC, Live-Übertragung zur attraktivsten Sendezeit. Die Spiele 2018 gingen an die Wintersport-Neulinge nach Pyeongchang (…) Südkorea bedeutet(e) aber wieder einmal: Marktexpansion. Tokio, das mit der Austragung der Sommerspiele 2020 beauftragt worden ist, bietet das größte Fernsehpublikum der Welt innerhalb derselben Zeitzone“ (Bach und das gekaufte Olympia, in faz.net 11.9.2013).

– Israelis, Ghorfa und Bach. Das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles forderte nach der Wahl Bachs, dass dieser seinen Chefposten bei der Ghorfa aufgibt – das hatte Bach sowieso schon geplant. „Bach war wegen seiner Position als Ghorfa-Präsident in die Kritik geraten, da diese Institution den Boykott israelischer Waren befördert habe“ (Druck auf Bach, in SZ 17.9.2013).

IOC mahnt Rio de Janeiro. Eine IOC-Bestandsaufnahme ergab, dass der Zeitplan für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio hinterherhinke. Im IOC-Geheimbericht wurde vermerkt, dass die Spiele in Gefahr seien. „Auch die Protestbewegungen im Juni während des Confed-Cups der Fußballer wurden intensiv beobachtet“ (SID, IOC nimmt Rio in den Schwitzkasten, in badische-zeitung.de 4.9.2013).

– Madrid reicht es. Dreimal hat die spanische Hauptstadt sich um Olympische Sommerspiele beworben – jetzt reicht es. Die Bürgermeisterin Ana Botella erklärte, man werde sich nicht um 2024 bewerben. Das „Olympiastadion“ soll langsam zu Ende gebaut werden und wird dann vom Fußball-Erstligisten Atlético Madrid benutzt (Madrid verzichtet auf weitere Olympia-Bewerbung, in spiegelonline 12.9.2013).

– Neues zu Sotschi 2014. Wladimir Putin verteidigte die Ausgaben von bislang über 50 Milliarden Dollar (37,5 Milliarden Euro): „Wir haben das getan, damit der Süden Russlands attraktiver und komfortabler wird (…) Unsere Bürger sollen nicht irgendwohin in den Urlaub fahren, in die Türkei, nach Europa, nach Italien, sondern ihr Geld hier ausgeben“ (Olympia-Finanzen: Putin verteidigt Rekordausgaben für Sotschi, in sueddeutsche.de 4.92013; Ausgaben verteidigt, in SZ 5.9.2013).
Sotschi 2014 ist also ein Tourismus-Projekt – allerdings ein ziemlich teueres: Mit den 50 Milliarden Dollar hätte man alle 143 Millionen Russen in Urlaub schicken können.
Zur Sicherheit für Sotschi 2014 versicherte Putin, dass alles sicher sei und die Behörden die Sicherheit gewährleisten werden: „Ich gehe davon aus, dass es unseren Geheimdiensten und Rechtsschutzbehörden gelingen wird, dies zu tun“ (Putin: Russische Geheimdienste werden für Sicherheit der Olympiade in Sotschi sorgen, in Ria.ru 4.9.3013).
Viktor Matveyev, der Chef der Ingenieurfirma Tekhnoprom, welche mit der Entwicklung des generellen Schemas der olympischen Konstruktionen betraut war, musste ins Gefängnis, wie die Behörden am 3.9.2013 bekanntgaben: Er soll umgerechnet 1,79 Millionen Dollar gestohlen haben (Sochi contractor arrested for $1,79 m fraud, in sbs.com.au 3.9.2013).
Hugh Williamson, Direktor bei Human Rights Watch, hätte da in Zusammenhang mit dem neuen IOC-Präsidenten Bach und Sotschi 2014 ein paar Vorschläge: „Der Sieger sollte schon in seiner Antrittsrede eine Reform des IOC vorschlagen, die die „Wahrung der Menschenwürde“ – ein Kernelement der Olympischen Charta – wieder in den Mittelpunkt der olympischen Bewegung stellen würde. Allzu oft scheint dies bei der Auswahl der Orte nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, während technische Prüfungen von Skisprungschanzen und Stadien und andere für einen reibungslosen Ablauf der Spiele notwendige Elemente im Vordergrund stehen. Doch spätestens mit Beginn der nächsten IOK-Präsidentschaft sollte auch die Achtung der Menschenwürde und Menschenrechte in den Katalog der Erfolgskriterien aufgenommen werden. Die Erfahrungen des IOK bei den Vorbereitungen für die Olympischen Winterspiele, die im Februar 2014 im südrussischen Sotschi eröffnet werden, zeigen, warum eine Neuausrichtung dringend notwendig ist und auch im Interesse der Organisation liegt.
Wie schon vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking wurden auch die Vorbereitungen für Sotschi von zahlreichen Berichten über Menschenrechtsverletzungen überschattet, die in direktem Zusammenhang mit den Spielen stehen. Tausende Menschen verloren ihr Zuhause, weil ihre Häuser den olympischen Bauprojekten weichen mussten. Vielen der Arbeitsmigranten, die den Bau der Sportstätten vorantreiben, wurde eine faire Bezahlung verweigert. Ortsansässige Aktivisten und Journalisten, die kritisch über die Olympiavorbereitungen berichtet hatten, wurden zum Schweigen gedrängt“ (Williamson, Hugh, Sotschi darf sich nicht wiederholen, in tagesspiegel.de 5.9.2013; Hervorhebung WZ).
Sotschi 2014 war kein olympischer Betriebsunfall, genauso wenig wie Peking 2008, Seoul 1988, Moskau 1980 – und Berlin 1936… Denn: Das  IOC bleibt das IOC.

– Tokio 2020 vertreibt Anwohner. Zum zweiten Mal wird Kohei Jinno durch Olympische Spiele vertrieben. Bei den Olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio 1968 musste er dem Olympiastadion weichen. Er zog in einen Wohnkomplex, der nun Tokio 2020 im Weg steht: Mehr als 200 Menschen müssen umziehen (Olympia vertreibt japanischen Rentner zum zweiten Mal, in sueddeutsche.de 17.9.2013).

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III: Aktuelle Sportsplitter von IOC, DOSB etc.

– Kein Doping in Deutschland. Am 2.9.2013 tagte der Sportausschuss des Deutschen Bundestages, um über die Studie „Doping in Deutschland“ zu beraten – bzw. besser: sie nicht zu behandeln. Mitautor Erik Eggers nahm im Berliner Tagesspiegel Stellung: hier.
„Fünf Minuten bekamen die Autoren Zeit, über drei Jahre Forschung zu referieren. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich erzählte, dass „in den 60er Jahren Doping nicht verboten“ gewesen sei. Staatssekretär Christoph Bergner (CDU), Agrarwissenschaftler: „Man sollte den historischen Kontext nicht aus den Augen verlieren“ (Eggers, Erik, Fünf Minuten für drei Jahre, in tagesspiegel.de 9.9.2013). „Kurzum, es war eine ziemlich unwürdige Show, die da im Sportausschuss aufgeführt wurde. Wenn irgendwann Historiker die Protokolle dieser Sitzung lesen, werden sie sich gehörig wundern, auf welch erbärmlichem Niveau die Aufarbeitung der westdeutschen Dopinggeschichte im Parlament stattgefunden hat. Die Volksvertreter haben zwar Aufklärung gefordert. Gewollt war diese Aufklärung, von wenigen Ausnahmen abgesehen, tatsächlich nicht“ (Ebenda).

Siehe zur Studie „Doping in Deutschland“: Randnotizen und zur Sitzung am 2.9.2013: Die Trickser von DOSB, BISp und BMI

– Richard Pound im Interview. IOC-Mitglied Pound, früherer Präsident der Wada, über die Situation des IOC:
– „Wir kämpfen gegen Doping und Korruption. (…) Viele Verbände arbeiten nicht transparent, ihre Finanzierungsmodelle sind nicht nachhaltig. Neun von zehn Sportverbänden würden ohne die finanzielle Unterstützung des IOK nicht mehr existieren.“
– „Die Aufgabe des IOK aber ist nicht in erster Linie, Olympische Spiele zu organisieren, und auch nicht, Reserven für weniger gute Tage anzuhäufen. Das IOK muss den Wert und die Faszination der Spiele schützen.“
– „Wir könnten eine Sportart, die sich nicht an die Spielregeln hält, aus dem olympischen Programm ausschließen und ihr damit auch das Geld entziehen. Hat das IOK beispielsweise den Eindruck, der Skiverband nimmt Doping nicht ernst, könnte es den Langlauf aus dem Programm kippen. Oder es könnte Weißrussland von den Spielen ausschließen, wenn das Land die ethischen Standards nicht erfüllt.“
(Quelle: Germann, Daniel, „Der Sport steht am Abgrund“, in nzz.ch 3.9.2013)

– 2014: 39 Medaillen. Der DOSB veröffentlichte (erst durch ein Gerichtsurteil 2012 erzwungen) die Zielvereinbarung für Medaillen in Sotschi 2014: 39 Stück, davon 16 Mal Gold (allein Ski: 17 Medaillen, davon 7 Mal Gold). Bei Vancouver 2010 gab es 30 Medaillen, davon 10 Mal Gold. Die Wintersportverbände können/dürfen 2013 über 8,14 Millionen Euro verfügen, die Sommersportverbände über 36,3 Millionen Euro (16 Mal Gold in Sotschi, in SZ 14.9.2013).

IOC-Karriereplanung ohne Nachfolgerplanung. Die Bach-Nachfolge als DOSB-Präsident ist ungeregelt und bleibt absurd. Am 20.9.2013 treffen sich die Präsidenten der Spitzenverbände, am 30.9.2013 wird über eine Bewerbung München 2022 entschieden. Ob aber bei der DOSB-Mitgliederversammlung am 7.12.2013 in Wiesbaden Bachs Nachfolger gewählt wird und wer es wird, steht in den Sport-Sternen (Aumüller, Johannes, Volles Programm, in SZ 18.9.2013). „Als der Präsident der Modernen Fünfkämpfer, Klaus Schormann, im Juni eine solche Debatte schon einmal anregte, wurde er schnell zurückgepfiffen“ (Ahrens, Peter, Das ungeregelte Erbe, in spiegelonline 11.9.2013). Ein Führungsmitglied des DOSB: „Ich hätte mir Vorarbeiten gewünscht“ (Hecker, Anno, Debattierklub sucht Orientierung, in faz.net 12.9.2013). – „Bach hatte sich eine Nachfolgediskussion bis zu seiner Wahl am Dienstag verbeten“ (Ebenda). – „Welchen Plan aber gibt es dann für die Führung des deutschen Sports? Etwa gar keinen? Diesen Eindruck erweckten Krämer und Vesper am Dienstag. Als hätte der Superstratege Thomas Bach keinen Moment über seine Wahl zum IOC-Präsidenten hinaus an die Zukunft des deutschen Sports gedacht. Und all seine Kombattanten im Präsidium standen still dabei“ (Hecker, Anno, Wer macht für ein Jahr den Vorturner? in faz.net 17.9.2013).
Kein Karrierist hat je seine Nachfolge geregelt.
Vizepräsident Hans-Peter Krämer soll die Zeit bis zur Mitgliederversammlung des DOSB am 7.12.2013 in Wiesbaden überbrücken. Der dort gewählte Kandidat hat eine Legislaturperiode für gerade ein Jahr – bis Dezember 2014. Der erste Kandidat, der sich aus der Deckung wagte, war DOSB-Vizepräsident für Breitensport und Präsident des Landessportbundes NRW, Walter Schneeloch. In jedem Fall ist klar: „Der neue Chef des DOSB wird sich wieder mehr um den deutschen Sport kümmern. Arbeit wartet genug“ (Ahrens 11.9.2013).

– Vesper will nicht – zumindest vorläufig. „Der Generaldirektor hat sich nicht viele Freunde gemacht mit seiner Fähigkeit, Mehrheiten zu organisieren und auf Widersprüche in der Sportgemeinde mit brachialer Wortgewalt zu antworten“ (Hecker, Anno, Debattierklub sucht Orientierung, in faz.net 12.9.2013). – „In den vergangenen Jahren stand er stets eng an der Seite  von Thomas Bach und gab des öfteren den Ausputzer; intern wie in der Öffentlichkeit“ (Aumüller, Johannes, Alle in Deckung, in SZ 12.9..2013). – „Stets im Sinne Bachs moderierte Vesper Debatten weg. Seine neueste Sprachkreation gilt dem dräuenden Straftatbestand Sportbetrug: ‚Wir haben ja ein Antidoping-Gesetz‘, formulierte Vesper nun. ‚Es heißt nur anders.‘ Falls das nicht Rhetorik ist, sondern auch Überzeugung, wäre für Bachs Schattenwurf im DOSB gesorgt“ (Hartmann, Grit, Und die Welt schaut zu, in berliner-zeitung.de 1.9.2013).
Außerdem verdient Vesper als DOSB-General um die 270.000 Euro pro Jahr, während der Präsidentenjob ein ehrenamtlicher ist. Vielleicht aus diesem Grund sagte er am 13.9.2013 bei der Konferenz der Sportminister, dass er nicht die Nachfolge von Bach antreten will (Vesper will nicht, in SZ 14.9.2013).

– Hoher ehrenamtlicher Aufwand. Der Posten des IOC-Präsidenten ist EHRENAMTLICH, deshalb aber nicht umsonst zu haben. Insidethegames berechnete, dass der neue IOC-Präsident Bach täglich Aufwandskosten von 2000 Dollar verursacht (2000 Dollar täglich, in SZ 27.9.2013).
Aber was kostet heute schon nichts?
Bach residiert derzeit im Hotel Palace in Lausanne. Mal schauen, wie lang er dort bleibt. Der damalige IOC-Präsident und Bach-Förderer Juan Antonio Samaranch zog 1980 ins Palace und blieb dort bis 2001. Aus dem Kritischen Olympischen Lexikon, Hill & Knowlton: „1999 erlaubte Samaranch zur Imagepflege Fotosessions in seiner video-überwachten Suite 310 im ‚Palace‘-Hotel in Lausanne, in dem er seit 1980 wohnte (laut IOC zum angeblichen Sonderpreis von 300 Schweizer Franken pro Nacht, das wären immerhin 109.500 Franken im Jahr).“

– Bundestagswahl und Sportausschuss. Die guten Nachrichten: Klaus Riegert (CDU) wurde nicht einmal mehr für den Bundestag aufgestellt. Sein Kollege Joachim Günter (FDP) flog wie alle FDP-Abgeordneten aus dem Parlament. Damit ist die schwarz-gelbe Mehrheit dahin, die unter anderem für den Ausschluss der Öffentlichkeit bei den Sitzungen gesorgt hatte, für die würdelose Behandlung von Dopingexperten, für die Durchsetzung der Forderungen des DOSB, für das Abwehren eines Anti-Doping-Gesetzes (vgl. auch: Hartmann, Grit, Schrumpfende Schnittmengen, in berliner-zeitung.de 23.9.2013). Wieder dabei: Ex-Turner Eberhard Gienger (CDU). Vermutlich neu dabei: Michaela Engelmeier-Heite (SPD), Ex-Judo-Nationalmannschaft, Vize-Präsidentin des Deutschen Judobundes (Küpper, Moritz, Wer geht, wer bleibt? in dradio.de 23.9.2013).
Die schlechte Nachricht: Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen) wurde nicht mehr in den Bundestag gewählt.
Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Sportausschuss Bundestag

– Europäisches Parlament gegen Eishockey-WM beim Diktator. Auf Druck von deutschen Parlamentariern, dem amerikanischen Senat und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa kam am 12.9.2013 eine Resolution des europäischen Parlaments durch, in der die Forderung erhoben wird, alle politischen Gefangenen in Weißrussland „bedingungslos und sofort“ freizulassen. Der Internationale Eishockeyverband IIHF wird aufgefordert. „seine Entscheidung ernsthaft zu überdenken, Weißrussland die Austragung der Eishockey-WM 2014 zu erlauben“ (Lukaschenka unter Druck, in faz.net 20.9.2013). IIHF-Präsident René Fasel in bewährter Verteidigungsmanier, wie er seinen Kumpel, Diktator Alexander Lukaschenko und den WM-Deal 2014 seit Jahren verteidigt: Der Sport müsse autonom und unpolitisch bleiben. „Es ist nicht die Aufgabe von Sportorganisationen und Athleten, sich wie Politiker zu verhalten“ (Ebenda).
Aber als Komplizen und Marionetten von Diktatoren!
Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon: Lukaschenko, Alexander; Fasel, René

– Trickser Pat McQuaid vor dem Aus. Der „Wahlkampf“ im Internationalen Radsportverband UCI fand am 27.9.2013 statt: Der langjährige Präsident Pat McQuaid (Nachfolger von Hein Verbruggen, seit 2005) gegen den britischen Herausforderer Brian Cookson. „Wobei das Wort Wahlkampf die Auseinandersetzung nur formal beschreibt. Tatsächlich ist es – wie so oft, wenn Sportfunktionäre um einen Posten balgen – eher eine Schlammschlacht mit vielen Tricks, vielen Vorwürfen und auch mit viel Geld im Hintergrund“ (Aumüller, Johannes, Viel Geld und viele Hintertürchen, in SZ 27.2013). Trickser McQuaid konnte nun doch keine Nominierung vorweisen: Eine entsprechende Satzungsänderung, dass zwei Verbände eine Nominierung erreichen könnten, wurde mit knapper Mehrheit vertagt. Die zweite Finte von McQuaid war, dass der Amtsinhaber automatisch zugelassen werden solle (Vertreter der Radfahrnationen Türkei und Barbados schlugen dies vor). Die dritte Finte McQuaids: „Als vor 90 Tagen die offizielle Frist für die Kandidatenaufstellung auslief, habe doch eine ordnungsgemäße Nominierung von McQuaid durch den Schweizer Verband vorgelegen… Schließlich ließ Cookson selbst McQuaid als Gegenkandidat zu – und gewann mit 24 zu 18 Stimmen (Aumüller, Johannes, Vergeblich getrickst, in SZ 28.9.2013).
Cookson wird allerdings eine Nähe zum russischen Verbandspräsident und Oligarchen Igor Makarow nachgesagt, der auch Besitzer des übel beleumundeten Rennstalls Katjuscha ist. Dazu ist Makarow „Chef des russischen Verbandes, Mitglied des UCI-Management-Komitees und – ganz nebenbei – mit seinem Konzern Itera der offizielle Sponsor des Kontinentalverbandes UEC“ (Hettfleisch, Wolfgang, Machavellis Erben, in berliner-zeitung.de 25.9.2013). Außerdem hat Cookson seit 2009 im Präsidium der UCI „an der Seite von McQuaid gesessen und war in den Zeiten der großen Dopingaffären nicht gerade als aktiver Widerpart aufgefallen“ (Aumüller, Johannes, Neustart mit Zweifeln, in SZ 28.9.2013).

– Selbstmordattentäter im Nordkaukasus aktiv. Ein Fahrzeug mit einer Bombe wurde vor einem Polizeigebäude gesprengt: Zwei Polizisten starben, 20 Menschen wurden verletzt. „In Tschetschenien und Inguschetien hatte es seit Sommer 2012 keine großen Anschläge mehr gegeben. (…) Darüber hinaus wollen die Terroristen angesichts des Syrien-Konflikts zeigen, dass der ‚Heilige Krieg‘ (Dschihad) nicht nur im nahen Osten, sondern auch im Kaukasus weiter geht (…) Außerdem wollen sie die Lage in der Region vor den Spielen in Sotschi zuspitzen“ (Nordkaukasus: Radikale schlagen vor Olympia zu, in ria.ru 27.9.2013).

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IV: Allgemeine Nachrichten

– Polizeifreies Stadion? Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger will keine Polizei mehr für das Stadion von Schalke 04 abstellen. Die Fans hatten bei einem Spiel gegen PAOK Saloniki am 21.8.2013 die Polizei mit Bierbechern beworfen und gerufen: „Das ist unser Stadion, verpisst euch“ (Dörries, Bernd, Keine Polizei mehr auf Schalke, in SZ 13.9.2013). Bei Heimspielen von Schalke 04 waren rund 600 eigene Ordner und mehrere Hundertschaften der Polizei im Einsatz. Die Polizeigewerkschaft kritisierte die Überlastung der Polizisten durch Fußball-Einsätze; „die Vereine konterten stets, dass sie als Steuerzahler Anspruch auf die Präsenz der Polizei hätten“ (Ebenda). Jäger rechnete vor, dass 30 Prozent aller Polizisten durch den Fußball gebunden seien (Dörries, Ralf Jäger, in SZ 16.92013).

– Hurra – Kati Wittt ist wieder da. Die von BMW bestens entlohnte Botschafterin für München 2018 darf sich auf dem „Munich Olympic Walk of Stars“ verewigen (Neqqache, Nadja, Die nächste Legende, in SZ 28.9.2013).

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V: Sport-Millionen und -Millionäre

– Fußball-Transfer-Geklimper. Fußballer Gareth Bale wechselte für fast 100 Millionen Euro zu Real Madrid. Real Madrid verkaufte Fußballer Mesut Özil für 50 Millionen Euro an Arsenal London (Hamann, Birger, Flucht aus dem Paradies, in spiegelonline 3.9.2013). AS Monaco bzw. sein Eigentümer, der russische Milliardär Dmitri Rybolowlew, hat Spieler für über 100 Millionen Euro eingekauft, Real Madrid für über 127 Millionen Euro (Ebenda; Meiler, Oliver, Vor dem Tor der Matador, in SZ 17.9.2013..

Für die spanische Fußball-Liga gibt es eine Schuldnerliste, datierend vom 30.6.2013: Real Madrid 590 Millionen Euro Schulden, Athletico Madrid 540 Millionen, Barcelona 470 Millionen. „Der Schuldenstand der Liga wird mit über 3,3 Milliarden Euro beziffert“ (Birrer, Peter B., Spiel mit wenig Grenzen, in nzz.ch 3.9.2013). FC Barcelona erhält von Katar Airways 32 Millionen Euro pro Jahr, Real Madrid von Emirates 22 Millionen (Ebenda; Hervorhebung WZ).

– Mesut Özil wird verkauft. Für 50 Millionen Euro verkaufte Real Madrid Mesut Özil an Arsenal London. Er soll dort sechs Millionen Euro pro Jahr verdienen – wie schon bei Real Madrid (Ahäuser, Jürgen, Moderner Sklavenmarkt, in fr-online.de 3.9.2013). Rot-Weiß Essen war „Ausbildungsverein“ von Özil: Der deutsche Klub profitiert deshalb mit rund 800.000 Euro am Transfer (Steinbichler, Kathrin, Teurer Reifeprozess, in SZ 4.9.2013).

– Transfermarkt Sommer 2013: Gareth Bale 100 Mio. €, Edinson Cavani 64 Mio. €, Radamel Falcao 60 Mio. €, Neymar 57 Mio. €, Mesut Özil 50 Mio. €, Mario Götze 37 Mio. € (Özil vor Götze und Gomez, in SZ 4.9.2013).

Fazit: „Allein Madrid sollen kurz- und langfristige Verbindlichkeiten von fast 600 Millionen Euro belasten. Monaco und der erneut unter den großen Einkäufern zu findende Nobelclub Paris St. Germain können ihre gewaltigen Transferdefizite nur anhäufen, weil sie von Oligarchen aus Russland (Dmitri Rybolowlew, Monaco) oder Investoren aus Katar (Paris) mit Hunderten Millionen gepimpt werden“ (Seid verschlungen, Millionen, in spiegelonline 3.9.2013; Hervorhebung WZ). Bei Real Madrid und FC Barcelona handelt es sich um den klassischen Fall eines Duopols:Hinter den beiden Hegemonen verarmt die Mittelschicht des Futbol. Sie kickt nur noch hinterher, verkauft alles Verkaufbare. Real und Barca dagegen investieren weiter“ (Oliver Meiler, Das Ende der Galaktischen, in SZ 7.9.2013).
Ähnliches in Richtung Duopol im Fußball passiert derzeit auch in Deutschland – mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund.

– Dennis Rodman besucht einen Freund. Der frühere amerikanische Basketballstar und zigfache Millionär Dennis Rodman besuchte im Februar 2013 den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un – und gleich noch einmal Anfang September  2013. Rodman hat im Diktator „einen Freund fürs Leben“ gefunden. Er verneinte auch, sich in Nordkorea für die Freilassung eines Landsmannes einzusetzen: „Ich will meinen Freund treffen und über Basketball sprechen“ (Dennis Rodman, in SZ 4.9.2013).

Vergleiche: Der Sport ist politisch

– Lionel Messi zahlt Millionen. Der Fußballstar des FC Barcelona wurde beschuldigt, von 2007 bis 2009 rund 4,16 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben, indem Einnahmen aus Messis Vermarktungsrechten in südamerikanische Steueroasen umgeleitet wurden. Nun hat Messi für die Jahre 2010 und 2011 im Juli 2013 zehn Millionen Euro und für die Jahre 2007 bis 2009 im August 2013 rund fünf Millionen Euro zurückgezahlt (Messi zahlt fünf Millionen Euro Steuern zurück, in sueddeutsche.de 5.9.2013; Aumüller, Johannes, Fünf Millionen von Messi, in SZ 6.9.2013).

– 17 Millionen pro Jahr. Real Madrid-Star Cristiano Ronaldo verlängerte seinen Vertrag bis 2018. „Demnach kassiert Ronaldo von nun an in jeder Saison 17 Millionen Euro und damit eine Million mehr als der bisherige Rekordverdiener Lionel Messi vom FC Barcelona“ (Cristiano Ronaldo verlängert bei Real, in spiegelonline 15.9.2013).

– Sechs Boxkämpfe für 200 Millionen Dollar. Der Boxer Floyd Mayweather (Weltergewicht) hat bis jetzt über 180 Millionen Dollar verdient. Beim Kampf am 14.9.2013 gegen den Mexikaner Saúl Álvarez werden es 41,5 Millionen Dollar mehr. Dieser Boxkampf „dürfte mit etwa 200 Millionen Dollar Umsatz der bislang ertragsreichste Kampf der Box-Geschichte werden“ (Schmieder, Jürgen, Pro Schlag 91.928 Dollar, in SZ 14.9.2013).

– Fußball-Patron verkauft. Der italienische Erdölmagnat Massimo Moratti hatte in den letzten 17 Jahren mehr als 1,2 Milliarden Euro in seinen Fußballverein Inter Mailand investiert. Nun hat er an den indonesischen Unternehmer Erick Thohir 70 Prozent der Anteile für 300 Millionen Euro verkauft; die restlichen 30 Prozent könnte Thohir in zwei bis drei Jahren übernehmen. „Rund die Hälfte der Kaufsumme wird in die Schuldentilgung fließen, die andere Hälfte bekommt Moratti“ (Schönau, Birgit, Mailand weint eine Träne, in SZ 21.9.2013). Der Ausverkauf der italienischen Liga geht weiter: AS Rom ist in den Händen von amerikanischen Investoren, Lokalrivale AC Mailand (Eigner: Silvio Berlusconi) soll demnächst an Chinesen gehen (Ebenda).
„Thohirs Astra-Konzern ist in Indonesien führend im Automobil-Handel, im Speditionsgeschäft, aber auch im Kohleabbau und in der Palmölproduktion. Hinzu kommen Kreditgesellschaften und Informationstechnologie. Ein Wirtschaftsimperium mit 170 Firmen und 185.000 Mitarbeitern“ (Ebenda). Thohir hat im Sportsektor Anteile am NBA-Team Philadelphia 76ers, am Fußballklub D.C. United, zwei indonesische Basketball-Klubs. Er ist Präsident der Southeast Asia Basketball Association (Ebenda).
Anscheinend gehört es für einen Oligarchen inzwischen zum guten Ton, in Sportklubs zu investieren.

– Vom America’s Cup zum Milliardärs-Cup. Der amerikanische Milliardär Larry Ellison wollte mit High-Tech-Booten und High-Speed-Rennen TV-Sender ködern und damit Sponsoren. Aber er trug mit den so sündteuren wie schnellen AC72-Katamaranen des America’s Cup 2013 eher zum Ruin des Segelsports bei. „Ellison wollte ein Spektakel der Superlative inszenieren, eine Ozean-Formel-1 mit Woodstock-Flair: Über das Wasser sollten mit mehr als 44 Knoten (81 Stundenkilometer) Hightech-Katamarane vom Typ AC72 brausen, vorbei an der Golden Gate Bridge, an Alcatraz, an Treasure Island. Auf dem Festland sollten die Menschen feinsten Wein und edlen Lachs kosten und Konzerte genießen. (…) Das mit dem Lachs hat geklappt (…) Aber sonst war zunächst kaum jemand da. Ellison hatte auf 15 Teilnehmer bei der Herausfordererrunde gehofft, es kamen drei (…) allen anderen war die Teilnahme zu teuer. Nur Team Neuseeland war, mit Hilfe des Staates zu einer überdimensionierten Investition (84 Millionen) bereit“ (Schmieder, Jürgen, Mit 44 Knoten in die Zukunft, in SZ 19.9.2013) – davon kamen 22 Millionen Euro vom Staat (Kemmling, Carsten. Erst Schufte, dann Helden, in spiegelonline 26.9.2013).
Larry Ellison/Oracle ist der fünftreichste Mensch der Welt mit rund 36 Milliarden Dollar und pervertierte mit seinem Geld die Kosten des America’s Cup 2013. Er „hat es sich im Laufe der Jahre fast eine halbe Milliarde kosten lassen, um den America’s Cup und im Zuge dessen wohl das Segeln zu revolutionieren“ (Mölter, Joachim, Fliegende Boote, in SZ 27.9.2013).- „Nur die Milliardäre Tornquist (Team Artemis, Schweden) und Bertelli (Team Luna Rossa, Italien) wollten sich das leisten – und überraschend das kleine Neuseeland“ (Ebenda). Dessen Budget betrug umgerechnet 84 Millionen Euro, das von Oracle lag bei 200 Millionen Euro (Schmieder, Jürgen, Wenn der Böse gewinnt, in SZ 27.9.2013). Neuseeland führte schon 8 : 1: Dennoch gewann  Oracle am Ende, weil es jede Nacht mit Computerspezialisten am Boot verbessert hat.
Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Techno-Doping

– Usain Bolts Millionen. „Nur ein paar Hunderttausend seiner auf 20 Millionen US-Dollar geschätzten Einkünfte verdiente Usain Bolt 2012 mit Startgeldern und Siegerprämien aus Wettkämpfen, Ein Vielfaches verdient er mit Werbung und Engagement abseits der Tartanbahn. Allein Puma soll ihm 2012 neun Millionen Dollar überwiesen haben“ (Personalien: Usain Bolt, in SZ 25.9.2013).

– Putins Gazprom-Millionen. Wer sich für das vielfältige Sportengagement des russischen Gazprom-Konzerns interessiert, siehe neu im Kritischen Olympischen Lexikon: Gazprom.

– Formel 1 ist zu teuer. Elf Formel-1-Teams gibt es derzeit: „Bis auf die Top-Rennställe Red Bull, Ferrari und Mercedes haben alle Teams  heftige finanzielle Sorgen“ (Brümmer, Elmar, Ein zu teurer Spaß, in SZ 25.9.2013). Der Eigentümer von Benetton-Renault ist inzwischen ein Luxemburger Investor. Dessen Repräsentant Eric Boullier: „Die Formel 1 ist zu teuer, und wer vorn sein will, muss immer mehr ausgeben. wer nicht vorn ist, bekommt keine Sponsoren“ (Ebenda). Kimi Räikkönnen bekam von Lotus nur schleppend sein Gehalt und geht zu Ferrari – für 20 kolportierte Millionen Euro Jahresgehalt. Die meisten Teams müssen inzwischen „Paydriver“ beschäftigen, die noch Geld fürs Cockpit mitbringen (Ebenda).

– Usain Bolts Millionen. „Nur ein paar Hunderttausend seiner auf 20 Millionen US-DFollar geschätzten Einkünfte verdiente Usain Bolt 2012 mit Startgeldern und Siegerprämien aus Wettkämpfen, Ein  Vielfaches verdient er mit Werbung und Engagement abseits der Tartanbahn. Allein Puma soll ihm 2012 neun Millionen Dollar überwiesen haben“ (Personalien: Usain Bolt, in SZ 25.9.2013).

– 76 Millionen nicht wert. Der schwedische Fußballspieler Zlatan Ibrahimovic zu Gehältern im Fußball: „Barcelona hat für mich vor vier Jahren 76 Millionen Euro ausgegeben. Ich war die Summe nicht wert. 100 Millionen für Bale? Auch nicht. Das System ist krank. Die Verträge, die wir bekommen – irre. Kein Fußballer ist dieses Geld wer“ („Jeder hat eine dunkle Seite“, in Der Spiegel 40/30.9.2013).

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VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa etc.

– Spanischer Transfer-Wahn. Kommentar von Thomas Kistner: „In Spanien tobt seit Jahren eine heftige Wirtschaftskrise, kürzt die Regierung dramatisch die Sozialleistungen, die Arbeitslosenquote führt zu einem Exodus der Jugend. Mittendrin kauft Real Madrid den Fußballer Gareth Bale für 100 Millionen Euro. Dennoch ist ein Aufschrei nicht in Sicht.(…) 24,5 Prozent der Spanier sind laut einer Länderanalyse der Internationalen Arbeitsorganisation ILO ohne Job. Noch ein Weltrekord. Man darf gespannt sein, wann die Obszönitäten einer zunehmend auf Marketing und Mediengedöns gebauten Industriebranche die Schmerzgrenze erreichen. Oder ob, im Gegenteil, die Sache mit den Fabelsummen, die der Fußball so bewegt, nur Teil eines 24-Stunden-Narkotikums für all diejenigen wird, die sich aus trostlosen Lebensrealitäten lieber in ihr privates Fußballpuzzle flüchten, mit Klub-Bettwäsche und Klub-Zahnbürste, um den Leib das Trikot des Lieblingsspielers gespannt, die Stunden vor dem Fernseher verbringend“ (Kistner, Thomas, Spanische Rekorde, in SZ 3.9.2013).

– Umsatz = Verschuldung. Real Madrid erzielte in der Saison 2012/2013 520,9 Millionen Euro Umsatz. Die Bruttoverschuldung liegt bei rund 500 Millionen Euro – ohne die 100 Millionen Euro für Gareth Bale (und die Transfereinnahmen) (Real Madrid verkündet Rekord-Einnahmen, in spiegelonline 6.9.2013).

– Premier League: 768 Millionen Euro für neue Spieler. In der Transfer-Saison 20012/2013 investierte die Bundesliga 270 Millionen Euro, die französische Ligue 1 375 Millionen Euro, die italienische Serie A und die spanische Primera Division je 395 Millionen Euro. Die englische Premier League führt mit 768 Millionen Euro (768 Millionen für Spieler-Transfers, in SZ 4.9.2013).

– Wem gehört ZSKA Moskau? Der erste Gegner von FC Bayern in der Champions League ist ZSKA Moskau. Präsident Jewgenij Giner verweist bei der Frage nach den Besitzverhältnissen auf die „Aktionäre“. ZSKA ist eine ZAO, eine geschlossene Aktiengesellschaft. Spuren führen nach London zu Bluecastle Enterprise Limited, die 2001 bei ZSKA einstieg und immer mehr Anteile übernahm. Die russische Forbes brachte heraus, dass vier russisch-ukrainische Geschäftsleute dahinterstecken, zu denen auch Giner gehört. Dieser „soll sein Geld vor allem dank seiner Mitgliedschaft in der Luschinowsky-Gruppe verdient haben (…) Auch ist ein Anschlag, der offenkundig Giner galt und bei dem dessen Sohn schwer verletzt wurde, als Teil von Streitigkeiten einflussreicher Gruppierungen gedeutet worden“ (Aumüller, Johannes, Irgendwo im Norden von London,, in SZ 17.89.2013). Erst kürzlich wurde Giner „zum neuen Vizechef der von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge präsidierten Europäischen Klubvereinigung ECA gewählt“ (Ebenda).

– Fußball-Rassismus. Wegen rassistischen Verhaltens ihrer Fans sind drei ungarische Fußballklubs von der Uefa bestraft worden, dazu zwei polnische Klubs (Uefa bestraft Clubs wegen rassistischer Fan-Vergehen, in spiegelonline 6.9.2013).

– Vom Sommer in den Winter? Fifa-Präsident Blatter ist inzwischen für die Verlegung der Fußball-WM 2022 in Katar in den Winter. Daraufhin ermahnte Australiens Fußballverband FFA die Fifa-Exekutive, „eine Entscheidung über den Termin intensiv auf die Folgen für die einst unterlegenen Bewerber wie Australien“ zu prüfen (…) Die FFA fordert eine prinzipielle Entscheidung für eine Entschädigung der Nationen, die gemäß der Fifa-Vorgaben Millionen in die Bewerbung für eine Sommer-WM investiert hätten. Gegen Katar waren Australien, Japan, Südkorea und die USA gescheitert“ (Australier drohen der Fifa, in SZ 18.9.2013).

– Blatter gegen Platini. Zurück zur Fußball-WM 2022 in Katar: Platini will Blatter 2015 ablösen. Blatter will Katar-Befürworter Platini wegen der WM 2022 über die Klinge springen lassen. Das 24-köpfige Fifa-Exekutivkomitee wusste leider nicht, dass es 45 bis 50 Grad heiß wird im Katar-Sommer. Blatter räumte politische Einflüsse bei der Vergabe an Katar ein: und meinte die Einladung von Platini durch den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy in den Élysée-Palast wenige Tage vor der Abstimmung: Mit am Tisch saß der Emir von Katar, Scheich Hamad Al Thani (Blatters Geständnis, in SZ 19.9.2013. Der SZ-Titel ist nicht ganz richtig: Blatter gesteht nie – außer, er kann mit einem solchen „Geständnis“ Konkurrenten belasten).
Platini tendiert für die Verlegung der WM 2022 auf Januar 2022, Blatter für November oder Dezember (Weiter Streit um Katar, in SZ 21.9.2013).
Preisfrage: Wie viel Geld war wirklich im Spiel bei der Vergabe nach Katar?

– Putin kauft sich in Fifa ein. „Gazprom ist ein umstrittener Partner, der regierungsnahe Konzern ist dass wirtschaftliche und politische Werkzeug des russischen Präsidenten Wladimir Putins, sein Marketing-Instrument und Geldesel, der verlängerte Arm des Kremls“ (Fritsch, Oliver, Fußballsponsor Gazprom:Ist die Champions League ein Helfershelfer Putins? in zeitonline 25.5.2013). Seit 2007 ist Gazprom (Anteil Russland: 50 Prozent plus eine Aktie) Sponsor beim deutschen Bundesligisten Schalke 04 (mit geschätzten 16 Millionen Euro jährlich), seit Juli 2012 Sponsor der Uefa Champions League. Dazu ist Franz Beckenbauer „Sportbotschafter“ Gazproms. Dabei unterstützt das Putin-Russland den syrischen Diktator Assad, maßregelt Oppositionelle, beeinflusst massiv die Justiz – und wird von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen stark kritisiert. Die sportpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Viola von Cramon: „Die Vertreter des Fußballs verschließen vor dieser Entwicklung ihre Augen und verspielen auf unbeholfene Art seine Glaubwürdigkeit“ (Fritsch 25.5.2013).
Nun ist die Fifa dran: Gazprom wird Sponsor von 2015 bis 2018. „Eine grundsätzliche Übereinstimmung sei schon im September bei einem Treffen zwischen Russlands Präsidenten Wladimir Putin, dessen Sportminister Witali Mutko, Gazprom-Geschäftsführer Alexei Miller und dem Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter getroffen worden“ (Fifa mit neuem Sponsor, in SZ 20.9.2013; Hervorhebung WZ).

Fußball-Wachstum. Der FC Liverpool hat ein altehrwürdiges Stadion an der Anfield Road – aber es hat nur 45.000 Plätze: zu klein für heutige Verhältnisse. 2010 übernahm die amerikanische Fenway Sports Group den Fußball-Club und plant für 180 Millionen Euro einen Ausbau auf 60.000 Zuschauer. Für den Ausbau von zwei Tribünen müssten 30 benachbarte Reihenhäuser abgerissen werden, womit deren Eigentümer nicht einverstanden sind (Ungeduld in Liverpool, in Der Spiegel 39/2^1.9.2013).

– Katar-Sklaven. Pete Pattisson berichtete im Guardian über die Arbeitssklaven, welche Katars Fußball-Sportstätten für die WM 2022 errichten: Wie die nepalesische Botschaft in Doha feststellte, starben zwischen 4. Juni 2013 und 8. August 2013 mindestens 44 nepalesische Arbeiter, mehr als die Hälfte durch Herzattacken, Herzversagen oder Arbeitsunfälle. Arbeiter berichteten, dass ihnen der Zugang zu Trinkwasser verweigert wurde – bei bis zu 50 Grad Celsius. Viele Nepalesen berichteten, dass sie seit Monaten nicht bezahlt wurden, damit sie nicht weglaufen. Ram Kumar Mahara (27) berichtete, dass sie 12 Stunden durcharbeiten mussten und dann die ganze Nacht keine Nahrung bekommen hätten – 24 Stunden Hunger: „Als ich mich beschwerte, beleidigte mich mein Vorarbeiter und schmiss mich aus dem Arbeitslager, in dem ich lebte und weigerte sich, mir irgendetwas zu bezahlen. Ich musste bei anderen Arbeitern um Nahrung betteln“ (Pattisson, Pete, Revealed: Qatar’s World Cup ’slaves‘, in theguardian.com 25.9.2013).
Viele Arbeiter haben riesige Schulden bei nepalesischen Arbeitsvermittlern. Die Pässe der Arbeiter werden an einigen Baustellen routinemäßig eingezogen, ohne dass ID-Cards ausgestellt würden: Damit werden diese Arbeiter zu illegalen Ausländern. Maya Kumari Sharma, nepalesische Botschafterin in Katar, bezeichnete das Emirat kürzlich als „offenes Gefängnis“ (Ebenda).
Katar will im Rahmen der Fußball-WM 100 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investieren: 20 Milliarden Dollar in neue Straßen, 4 Milliarden Dollar in einen Causeway zwischen Katar und Bahrain, 24 Milliarden Dollar für ein Hochgeschwindigkeitsnetz, dazu 55.000 Hotelzimmer (Ebenda).
Katar hat über 90 Prozent Anteil an ausländischen Arbeitskräften; Nepalesen stellen 40 Prozent. 2012 verließen über 100.000 Nepalesen ihr Land, um nach Katar zu gehen. Eines der ärmsten Völker der Welt (Nepalesen) wird von einem der reichsten Völker ausgebeutet – für das populärste Sportturnier der Welt (Ebenda).
Umesh Upadhyaya, der Generalsekretär der Vereinigung nepalesischer Gewerkschaften, sagte: „Jeder spricht über die Auswirkungen von Katars extremer Hitze auf ein paar hundert Fußballer. Aber alle ignorieren Elend, Blut und Schweiß der tausende ausländischer Arbeitskräfte, welche die Weltcup-Stadien bauen – in Schichten, die acht mal so lang wie ein Fußballspiel dauern können“ (Ebenda. Vergleiche auch: Katar soll Arbeiter wie Sklaven halten, in spiegelonline 26.9.2013.  Die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Sharan Burrow, hatte bereits im März 2013 im Interview mit der Bild-Zeitung geäußert,, Katar sei ein „Sklavenhändler-Staat. Um die Infrastruktur zu bauen, werden wahrscheinlich mehr Arbeiter sterben als Fußballer bei der WM auf dem Rasen stehen werden“ („Moderne Sklaverei“, in SZ 27.9.2013).
Und Besserung ist laut Burrow nicht in Sicht, wie sie im September 2013 feststellte: „Die katarischen Behörden tun in dieser Sache nichts, was Substanz hat“ (Ebenda). Azfar Khan vom UNO-Gremium Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stellte daraufhin fest, dass Katar bei der Umsetzung der Konvention gegen Zwangsarbeit versage, die Katar 2007 unterschrieben hat. „Die Kritik Khans hat Gewicht, da der ILO-Experte während der vergangenen zwei Jahre Katar eng begleitet hat“ (Uno wirft Katar Versagen beim Kampf gegen Zwangsarbeit vor, in spiegelonline 27.9.2013). Brandan Schwab ist Asien-Chef der Fifpro, dem Dachverband der Fußballer-Gewerkschaften und sagte dem Guardian: „Wenn die Berichte stimmen, muss der Fußball reagieren“ (Ebenda). Derzeit sind 1,2 Millionen ausländische Arbeiter in Katar; im Lauf der WM-Vorbereitung sollen noch einmal 500.000 hinzukommen (Ebenda).

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VII: Doping-News

– Doping in der American Football League. Der frühere Profi Christian Faurie hat ausgesagt, dass viele Spieler mit dem Wachstumshormon HGH dopen würden. Der Arzt Anthony Butch, Chef des Dopingkontroll-Labors in Los Angeles, bestätigte, „die Sportart verlangt extrem kräftige Spieler, die Körper wie Baumstämme haben und Verletzungen schnell auskurieren“ („Körper wie Baumsstämme“, in der Spiegel 36/2.9.2013).

– Sportler gegen Doping. Zwanzig deutsche Sportler der vergangenen fünf Jahrzehnte und aus acht Sportarten forderten als Gruppe „Wir gegen Doping“ den neuen IOC-Präsidenten Bach auf, energischer gegen Doping vorzugehen. Die Nada soll keine direkte Verbindung mehr zu Sportverbänden mehr haben, in Doping verstrickte Personen sollen vom Sport ausgeschlossen werden, unabhängige Personen sollen in die Anti-Doping-Arbeit eingebunden werden (Hecker, Anno, Forschung fortsetzen! in faz..net 12.9.2013). Außerdem sollen Lehren aus der Studie „Doping in Deutschland“ gezogen werden (Post für Bach, in SZ 13.9.2013).
Prof. Giselher Spitzer nahm zur Sitzung des Sportausschusses am 2.9.2013 in der FAZ Stellung, siehe hier.

– Bach und Dopingerfahrungen. Andreas Strepenick berichtete in der Badischen Zeitung (BZ), dass der Freiburger Mediziner Joseph Keul in einem Interview in der BZ am 29.8.1998 ein gutes Verhältnis zum IOC-Mitglied Bach pflegte. Dagegen DOSB-Sprecher Christian Klaue: „Herr Bach hat Herrn Keul weder ‚beraten‘ noch ‚unterstützt'“ (Strepenick, Andreas, Heikle Fragen: Thomas Bach und die Freiburger Sportmedizin, in badische-zeitung.de 9.9.2013). – „Keul gab seine Antwort auf die Frage im Interview 1998 freilich ganz bewusst. Mit Fax vom 27. August 1998 autorisierte er es. In der Rohfassung des Interviews war zunächst nur von einem „sehr guten Verhältnis“ zu Bach die Rede gewesen. Keul bat die BZ in seinem Fax ausdrücklich darum, diesen Satz noch ergänzen und öffentlich erklären zu dürfen, Bach habe ihn wiederholt ‚bei Dopingproblemen beraten und unterstützt‘. So hat die BZ es dann auch gedruckt“ (Ebenda).

– Doping-Gesetz nach Bach? Die CDU/CSU vertritt die – bisherige – Linie des Bach-Vesper-DOSB: Das Arzneimittelrecht reicht aus. Im Bundesinnenministerium werden am 26.9.2013 zehn Experten ihre Positionen vorstellen, u. a. die Befürworter einer Gesetzesverschärfung Sylvia Schenk (Transparency International), Markus Müller (Staatsanwaltschaft München) und der Kriminologe Professor Dieter Rössner (Sachse. Jonatan, Kommt das Anti-Doping-Gesetz? in dw.de 17.9.2013).

– Systematischer Dopingplan veröffentlicht. Die FAZ berichtete am 26.8.2013 von einem „Grundplan“ für Doping, den der frühere Verbandsarzt des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Armin Klümper, aufgestellt hat. Klümper organisierte „im Olympiajahr 1976 die Versorgung von Kaderathleten des Bundes Deutscher Radfahrer unter anderem mit Anabolika“ (Erstmals Belege für Manipulationsplan im Westen, in faz.net 26.9.2013). – „Er schrieb auch vor, an welchen Tagen die Anabolika Deca-Durabolin und Megagrisevit zu verwenden seien. Im ‚Rennprogramm‘, das ‚mindestens 3x vorher in anderen Rennen erprobt werden‘ müsse, legte er den Radrennfahrern nahe, ‚mindestens 4, besser 6 Tage vorher 1 Amp. Megagrisevit i.m. (intramuskulär) zu verwenden“ (Ebenda).

– Kein Interesse am Kampf gegen Doping.Richard Pound IOC-Mitglied und früherer Präsident der Wada, äußerte im September 2013 zur deutschen Anti-Doping-Agentur Nada: „Wenn eine armselig finanzierte Agentur weiter beschränkt wird, ist das ein Zeichen, dass niemand an einem ernsthaften Kampf gegen Doping interessiert ist“ (Reinsch, Michael, „Am Kampf gegen Doping ist niemand interessiert“, in faz.net 21.9.2013).

– Der CAS kostet. Der Anti-Doping-Kampf kostet weltweit über 50 Millionen Dollar jährlich. Dadurch steigen auch die Kosten für den Internationalen Sportgerichtshof (CAS): 2012 waren es 24,12 Millionen Dollar. Davon trägt das IOC ein Drittel, die Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC, Al-Sabah) ebenfalls ein Drittel, ein Viertel die Olympischen Sommersportverbände (ASOIF) und ein Zwölftel die Wintersportverbände (AIOWF) (Allgemeine Kostenexplosion auch beim Sportgerichtshof CAS, in sueddeutsche.de 24.9.2013).

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VIII: Die Sportsender ARD/ZDF im September 2013

Die Auflistung der Sportsendung erfolgte nur für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, nicht für die Dritten Programme und ist vermutlich nicht vollständig (Sondersendungen!).
Finanziert werden diese Sportsendungen durch die zwangsweise erhobenen Rundfunkgebühren.
Vergleiche auch hierzu: Die öffentlich-rechtlichen Sport-Sender

Ergebnis für September 2013:

ARD =  2397 min = 39 h 47 min; ZDF =  1184 min =  19 h 44 min

ARD und ZDF gesamt:  3581 min = 59 h 41 min

1.9. ARD Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ARD
Sportschau 0.20 – 10.40: 20 min
ZDF SportExtra 14.50 – 18.00: 190 min
5.9. ARD Sportschau 17.38 – 19.50: 122 min
6.9. ZDF Fußball-WM-Qualif. 20.15 – 23.30: 195 min
7.9. ARD Sportschau 18.00 – 19.00: 60 min
ZDF Das  akt. Sportstrudio 23.00 – 24.00: 60 min
8.9. ARD  Sportschau live 14.05 – 16.25: 140 min
ARD Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ZDF Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
9.9. ARD Sportschau live 17.38 – 19.50: 132 min
10.9. ARD Sportschau live 20.15 – 23.30: 195 min
ARD Sportschau-Club 23.30 – 24.00: 30 min
13.9.13 ARD Sportschau vor acht 19.45 – 19.50: 5 min
14.9. ARD Sportschau live 13.30 – 17.03: 213 min
ARD Boxen 22.55 – 1.30: 155 min
ZDF Das akt. Sportstudio 23.00 –  0.25: 85 min
15.9. ARD Sportschau live  13.15 – 17.00: 225 min
ARD Sportschau 23.50 – 0.10: 80 min
ZDF Sportreportage 17.10 – 19.00: 110 min
18.9. ZDF Uefa Champions League 19.21 – 19.35: 14 min
ZDF Champions League 20.25 – 23.15: 170 min
ZDF Champions League 1.10 – 2.45: 95 min
20.9. ARD Sportschau vor acht 19.45 – 19.50: 5 min
21.9. ARD Sportschau 18.00 – 20.00: 120 min
ZDF Das  akt. Sportstudio 23.00 – 0.25: 85 min
22.9. ARD Sportschau 23.10 – 23.30: 20 min
24.9. ARD Sportschau live 22.15 – 23.30: 75 min
25.9. ARD Sportschau live 20.15 – 23.45: 210 min
27.9. ARD Sportschau 19.45 – 19.50: 5 min
28.9. ARD Sportschau live 14.30 – 16.00: 90 min
ARD Sportschau live 18.30 – 20.00: 90 min
ZDF Das  akt. Sportstudio 23.00 – 0.25: 85 min
29.9. ARD Sportschau live 8.20 – 11.30: 190 min
ARD DTM 13.15 – 15.00: 105 min
ARD Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ARD Sportschau 0.05 – 0.25: 20 min
ZDF Sportreportage 17.15 – 18.00: 45 min


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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