nach unten
Graubünden gegen Olympische Winterspiele

Jetzt Spenden!

Oktober 2013

 
Zuletzt geändert am 27.03.2014 @ 17:41

Webseite-Besucher
Im September 2013 besuchten 22.819 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite. Von Februar 2010 bis einschließlich September 2013 hatten wir damit 612.795 Besucher. Wir bedanken uns für das anhaltende Interesse.

In eigener Sache: Trotz ehrenamtlicher Tätigkeit kosten die Nutzung von Zeitungsarchiven, Fachliteratur, die Fachliteratur, die Verwaltung der Webseite etc. Geld. Dazu haben wir 5.000 Euro für Informationsarbeit im Raum München aufgebracht.
Deshalb der Hinweis: Sie können uns spenden. Rechts oben auf der Nolympia-Webseite ist der grüne Button “Spenden”. Natürlich erhalten Sie eine steuerlich absetzbare Spendenquittung. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung.

—————————————————————————————————————————————————————–

ACHTUNG: Aufgrund des Ratsbegehrens am 10.11.2013 musste die Chronologie auf Sparflamme geführt werden: Sie ist nun weitgehend nachgetragen.

——————————————————————————————————————————————————————

Zitate des Monats

CSU-OB-Kandidat Josef Schmid zur Bewerbung des DOSB mit München 2022: „Das facht unser olympisches Feuer weiter an“ (Schmidt, Thomas, „Das facht unser olympisches Feuer weiter an“, in Münchner Merkur 1.10.2013. Hoffentlich verbrennt sich Schmid nicht.)

Aus dem Kommentar von René Hofmann in der SZ: „Niemand sollte sich von den optimistischen Einschätzungen der hiesigen Olympia-Lobbyisten in die Irre führen lassen. Die Spiele 2022 werden im Juli 2015 vom gleichen Gremium vergeben, das München beim letzten Mal krachend durchfallen ließ: der IOC-Session. Es wäre blauäugig zu glauben, München starte als Favorit, weil es zum zweiten Mal antritt“ (Hofmann, René, Ja zu einem Wagnis, in SZ 1.10.2013).

Stefan Grass vom Komitee Olympiakritisches Graubünden: „Das Ziel sind olympiafreie Alpen“ (4.10.2013, siehe auch Meldung unter I)

Christiane Lutz in der SZ zum Olympiaplakat von OJA! 22 unter dem Titel „Oja? Oje!“: Ein wilder Rauten-Salat in verschiedenen Blautönen, ein paar hingeschluderte Berg-Skizzen, mal einen Skifahrer, mal einen Snowboarder, Schnee spritzt“ (10.10.2013; siehe auch unter III).

Zitat aus der Münchner Stadtspitze: „Ude war der Sport völlig wurscht“ (Lode, Silke, Die ratlosen Retter, in SZ 12.10.2013)
Waren das noch schöne Zeiten, als Ude der Sport wurscht war!

Ludwig Hartmann, Fraktionschef Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag auf der Pressekomnferenz von NOlympia am 29.10.2013: „Sind wir eigentlich die letzten Deppen, die noch bereit sind, sich unter diesen Bedingungen zu bewerben?“ (Grüne gegen Olympia-Bewerbung, „Sind wir denn Deppen?“ in abendzeitung-muenchen.de 29.10.2013).

———————————————————————————————————————————————-

Die Gliederung im Oktober 2013 sieht so aus:

I: Veranstaltungen von Nolympia-München 2022
II: Stimmen zu München 2022
III: “München 2022″
IV: Nachrichten von Olympischen Spielen
VI: Aktuelle Sportsplitter von IOC, DOSB etc.
VI: Allgemeine Nachrichten
VII: Sport-Millionen und -Millionäre
VIII: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa etc.
IX: Doping-News
X: Die Sportsender ARD/ZDF

——————————————————————————————————————————————–

I: Veranstaltungen von Nolympia-München 2022: Vollständige Terminliste hier

Ein bayerisches Sprichwort heißt: Angst und Geld haben wir nicht. So geht es Nolympia – David gegen Goliath.
Bei Graubünden 2022 waren die geballte Schweizer Staatsmacht plus über fünf Millionen Franken für eine Bewerbung um Olympische Winterspiele aktiv; es wurden über 100 Pro-Veranstaltungen durchgezogen, der Schweizer Bundespräsident (und Sportminister) nahm elfmal teil. Die Gegner machten nur zwei Veranstaltungen. Das Ergebnis: Graubünden 2022 wurde abgeblasen.
Auch in Bayern findet eine Materialschlacht für München 2022 statt: Mit etwa einer Million Pro-Flyer wird versucht, die Bürger vor dem Bürgerentscheid zu beeinflussen. Für Plakatwände und Infomaterial wird sehr viel Geld aufgeboten: Die olympische Kriegskasse ist gut gefüllt – auch mit Steuergeldern. Viele Olympia-Fans werden in den Medien auftreten.
Nolympia hat kaum Geld, kaum Manpower, aber viel Wissen und Phantasie und Vertrauen in das Urteilsvermögen der Bürger. Wir machen nur wenige Veranstaltungen – aber die sind gut.

Alle Termine unter „Aktuelles: Termine vor dem 10.11.2013

Zur Abstimmung am 10.11.2013: Da an uns des öfteren die Frage gestellt wurde, ob Ausländer wahlberechtigt sind, hier eine Auskunft über das Büro von MdL Ludwig Hartmann:
Unionsbürger sind nach Art. 15 und 18 a der Bayerischen Gemeindeordnung in Verbindung mit Art. 1 und 2 des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes auch hinsichtlich der Teilnahme an kommunalen Abstimmungen (hier: Bürgerentscheid) wahlberechtigt. Eine Eintragung ist nicht erforderlich, vgl. zum Versand der Briefabstimmungsunterlagen bzw. zur Beantragung des Abstimmungsscheins http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kreisverwaltungsreferat/Wahlen-und-Abstimmungen/Buergerentscheid.html.

————————————————————————————————————————

II: Stimmen zu München 2022:

Bei Olympia fragen, „ob es dem Ort gut tut“, Interview mit Axel Doering im Deutschlandfunk: hier
Olympia-Hürde: München braucht 4:0-Sieg bei den Bürgern, sueddeutsche.de 1.10.2013, hier
Wieso ist Olympia schlecht? Interview mit Axel Doering in Neues Deutschland 2.10.2013, hier
BR, Rundschau 5.10.2013, 16.45: Einseitige Berichterstattung über München 2022: hier und BR-Textbeitrag hier
BR, Zündfunk-Gespräch 8.10.2013 mit Christian Hierneis, 1. Kreisvorsitzender Bund Naturschutz und Dominik Siegrist, CIPRA-Präsident: hier
BN Traunstein: Keine Olympiade im Chiemgau – hier
Schleich-Fernsehen: hier

– Aus dem Kommentar von René Hofmann in der SZ: „Niemand sollte sich von den optimistischen Einschätzungen der hiesigen Olympia-Lobbyisten in die Irre führen lassen. Die Spiele 2022 werden im Juli 2015 vom gleichen Gremium vergeben, das München beim letzten Mal krachend durchfallen ließ: der IOC-Session. Es wäre blauäugig zu glauben, München starte als Favorit, weil es zum zweiten Mal antritt. (…)
Zudem trifft München auf gefährliche Konkurrenz. Oslo ist zwar neu im Rennen, kann aber mit dem Charme der Spiele werben, die 1994 in Lillehammer viele verzückten. Almaty in Kasachstan wird Stimmen aus Osteuropa und Asien binden. Dass dem IOC seit kurzem ein Präsident vorsteht, der aus Deutschland kommt, ist ebenfalls eher ein Nach- denn ein Vorteil. Der Ringe-Zirkel achtet gerne darauf, dass einem Land nicht zu viel zukommt und der Chef neutral bleibt. Münchens zweiter Anlauf ist deshalb kaum weniger gewagt als der erste“ (Hofmann, René, Ja zu einem Wagnis, in SZ 1.10.2013).

– Aus dem Kommentar von Thomas Kistner in der SZ: „Mit Oslo rückt seit kurzem ein Kandidat ins Licht, der sehr ernst zu nehmen ist. (…). Einer, der auf der traditionellen Winterschiene noch mehr Glamour zu verbreiten weiß. Denn Norwegens Hauptstadt steht für Begriffe, die den gehobenen Sportfunktionär auf Knopfdruck in Verzückung versetzen: Holmenkollen und Lillehammer. Die legendäre Großschanze und der märchenhafte Winterort hatten schon die Spiele 1994 geprägt, vom damaligen Sportfest ’schwärmen noch heute Leute, die gar nicht dabei waren‘, sagt Gianfranco Kasper, Präsident des Ski-Weltverbandes FIS. Der auch im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sitzt, und in dieser Doppelfunktion fraglos zu den wichtigsten Juroren zählt. Insofern überrascht die Offenheit, in der er kürzlich bei der IOC-Session in Buenos Aires kundtat: ‚In meinen Augen wäre Oslo der stärkste Kandidat’“(Kistner, Thomas, Gefährlicher Konkurrent, in SZ 2.10.2013).

– Leserbrief von Rolf-Helmut Pfeiffer, München, SZ 7.10.2013: „Kehrseite der Propaganda. Der Olympiasee wird auf etwa drei Jahre zugeschüttet. Der Olympiaberg durch eine gigantische Halfpipe von oben bis unten verunstaltet. Die letzte grüne Lunge hinter den ZHS-Gebäuden soll durch eine etwa 400 Meter lange Eisschnelllaufarena mit Zufahrten von der Landshuter Allee zubetoniert werden. Die Eishockeyarena für 10 000 Besucher am Ort des früheren Radstadions wird den sowieso schon kleinen Grünbereich dort weiter verkleinern. Wie diese Zuschauermassen dorthin gelangen, wird wohl ein Geheimnis der ortsunkundigen Planer bleiben: Entweder mit mindestens 50 Trambahnzügen oder mit halbstündigem Fußmarsch vom U-Bahnhof Westfriedhof? Das Tollwood-Gelände soll mit Hochhäusern zugebaut werden, die den Olympiaberg und den See überragen! Und das alles für ein Zwei-Wochen-Event mit Mega-Baustellen von fünf Jahren, dazu eine gigantische Preisexplosion für die Münchner Bürger. Nein Danke, Herr OB Christian Ude mit den Propagandisten der SZ, die die Wahrheit über Olympia 2022 verschweigen.“

– Leserbrief von Gerhard Fruth, Haar, Münchner Merkur 10.10.2013: „Eigentlich müssten mindestens die Bewohner von ganz Bayern über die Olympiabewerbung abstimmen. Sie werden nämlich die aktuellen Kosten und die Folgekosten zu tragen haben. Es geht hier nicht um Millionen, sondern um Milliarden. Die endgültigen Kosten können heute noch nicht einmal annähernd berechnet werden. Es ist traurig genug, wenn gesagt wird: Stimmt ihr für Olympia, dann bekommt ihr dafür eine neue Straße. In der Zeitung steht, es werden Paten gesucht, damit alte Leute ein warmes Essen bekommen können. Mehr ist dazu nicht zu sagen.“

– Andreas Wimmer, Kommentar im Münchner Merkur am 14.10.2013 zur OJa-Kampagne: „Ich bin Sport-Lehrer an einer Münchener Realschule – wegen Sparmaßnahmen wurde an unserer Schule in München die Turnhalle geschlossen. Soll ich jetzt den Kindern und Eltern sagen, dass man statt einer Turnhalle lieber 29 Mio für eine unsichere Bewerbung ausgibt? Deshalb meine Bitte an ALLE, für die Sportunterricht unserer Kinder wichtig ist: Stimmt BITTE am 10.11. gegen Olympia. Es gibt sogar schon Briefwahlunterlagen. Googeln: ‚Antrag auf Ausstellung eines Abstimmungsscheins für den Bürgerentscheid München‘.“

Pressemitteilung Bund Naturschutz München und Leserbrief Bund Naturschutz Garmisch-Partenkirchen: hier
BN Berchtesgaden: Ressourcenverschwendung Olympia: Eigeninteressen und demokratische Grundsätze –hier

München 2022 fördert Politikverdrossenheit:

Email 17.10.2013 von W.K. an Nolympia: „Von Demokratie mag ich schon länger nicht mehr sprechen. Die Gleichschaltung der Medien erweist sich sogar an einem so ‚kleinen‘ Thema wie dieser Olympiabewerbung. Da muß man nur im Internet ‚muenchen 2022‘ eingeben und sich die ersten Seiten mit ihrer Lobhudelei anschauen. Im Großen freilich ist’s noch viel schlimmer.“

Email 17.10.2013 von G. S. an Nolympia: „Habe gestern die Abstimmungsbenachrichtigung der Stadt erhalten. Dieser Benachrichtigung ist eine ‚Kurzinformation‘ beigegügt, die eindeutig suggestiv für Olympia wirbt. Ist so etwas rechtens. Das ist doch das gleiche, wie wenn einer Wahlbenachrichtigung die Werbung für eine bestimmte Partei beiliegt. Kann man sich gegen eine derartige Beeinflussung wehren?“

Email 18.10.2013 von M. E. an Nolympia: „Man traut seinen Augen nicht: jeder Wahlberichtigung zum Bürgerentscheid liegt eine ‚Kurzinformation zu einer möglichen Bewerbung um die […] Winterspiele 2022‘ bei – samt der ganzen Propaganda, mit der dieser Wahnsinn schmackhaft gemacht werden soll. Das ist so, als ob mit der Wahlbenachrichtigung zur Landtagswahl die CSU ihr Parteiprogramm hat erläutern dürfen… Es ist unfaßbar.“

Leserbriefe am 21.10.2013 in merkur-online zum Beitrag von Heinz Mohr (1. Vorsitzender von OlympiJa Garmisch-Partenkirchen) von Rudolf G. Hörmandinger, Farchant, Wolfgang Graf, München und Wolfgang Zängl: hier

Joseph von Westphalen in der AZ: „Ich stimme natürlich mit NEIN… Die ziemlich schlagenden Argumente der Olympiagegner brauche ich hier nicht aufzuführen. Man braucht im Internet bloß nach ’nolympia‘ zu suchen und kann da alles nachlesen, was dagegen spricht. Mich stößt nicht nur die penetrante Geschäftemacherei mit Olympia ab, es freut mich auch die Tatsache, dass das Großsportereignis nicht überall willkommen ist, dass man nicht mehr alle möglichen Zerstörungen dem Ausbau der heißgeliebten Infrastruktur zuliebe widerstandslos in Kauf nimmt“ (Verantwortungsbereit, in AZ 26.10.2013).

Brief an OB Ude von D. H.: „Sehr geehrter Herr Ude, obwohl ich seit Jahrzehnten ein großer Sportfan bin, auch im Winter, so bin ich auch geborene Münchnerin. Ich finde es äußerst befremdlich, dass mit den Wahlunterlagen auch Werbung Pro Olympische Spiele in München 2022 mitversandt wurde, obwohl die Gegenargumente nicht zu verachten sind. Mein Verständnis von wahrer Demokratie, auch als SPD-Anhängerin, sieht definitiv anders aus – denn ich bin gegen die Spiele in München, gerade wegen der Gegenargumente, aber auch als Neuhauserin, die an der Grenze zum Olympiapark lebt. Es ist schon länger beängstigend, dass dieser in den Jahren sukzessive „reduziert“ wird. Hinzu kommt für mich auch das Argument, dass München zum Wohnen zunehmend kaum noch bezahlbar wird – und Sie können mich nicht überzeugen, dass dies durch Olympische Spiele in München nicht noch gravierender wird.
Indiskutabel finde ich auf jeden Fall, dass mit neutralen Wahlunterlagen zugleich „Werbung PRO“ versandt wird – wo kämen wir hin, wenn das bei Landtags-/Bundestagswahlen o.a. ebenso verlaufen würde. Ist das überhaupt rechtmäßig?! Mit besten Grüßen D. H.“

Brief von F. K. B. am 28.10.2013 an das Münchner Wahlamt: „Mit den Wahlunterlagen zur Abstimmung über eine Olympiabewerbung hat das KVR München bzw. das Wahlamt im gleichen Umschlag die Kurzinformation der Landeshauptstadt München zur Bewerbung verschickt. Verständlicherweise vertritt die Stadt eine Position pro Bewerbung. Eine gleichwertige Information zu den Argumenten gegen eine Bewerbung wurde nicht mit versandt. Das ist eine nicht vertretbare einseitige Beeinflussung des Wählers, da Sie dem Wähler die Argumente der Organisation Nolympia gegen eine Bewerbung nicht nur nicht gleichwertig zusenden, sondern sie ihm komplett vorenthalten. Trotz der Präferenzen der Stadt München ist das Wahlamt gegenüber den Wählern zu striktester Neutralität verpflichtet. Diese wurde mit dem Versand in dieser Form nachhaltig verletzt. Deshalb fordere ich Sie hiermit auf, sofort – und nicht nur „zeitnah“ – ein Faltblatt mit den Argumenten von Nolympia an denselben Wählerkreis der Stadt München zu schicken, der von Ihnen die Wahlunterlagen erhalten hat. Das Faltblatt muss von Format und Umfang dem der „Kurzinformation“ der Stadt München entsprechen, ein Anschreiben sollte den Grund des ergänzenden Versands nennen und vor allem darauf hinweisen, dass der Versand der Kurzinformation der Landeshauptstadt die Gleichberechtigung der Argumente für die Abstimmung gefährdet hätte, was durch diese Sendung korrigiert werden soll.“
 

——————————————————————————————————————————————————————-

III: “München 2022″

– Ude und DOSB: feige Trickser. Am 10.11.2013 findet in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden, in Garmisch-Partenkirchen und der LH München ein Bürgerentscheid über München 2022 statt. OB Ude war sich ja offiziell völlig sicher, dass die Zustimmung bei allen vier Bürgerentscheiden ungeheuer hoch ist. Inoffiziell baut Jurist Ude aber schon vor: „Nun hat OB Ude folgendes mit dem DOSB ausgemauschelt, wie es im Münchner Merkur vom 1.10.2013 steht: „Auf Udes Initiative hin einigte sich der DOSB gestern darauf, das Erreichen des Quorums nicht als zwingende Bedingung festzulegen. Sollte es bei einem der Entscheide verfehlt werden, das Votum aber positiv ausfallen, wolle man an der Kandidatur festhalten“ (Schmidt, Thomas, „Das facht unser olympisches Feuer weiter an“, in Münchner Merkur 1.10.2013).
So sieht die Sportdemokratur aus… Vergleiche auch: Goliath gegen David II

– Garmisch-Partenkirchner Lobbyarbeiter… Der Verein OlympiJa steht schon bereit und mit ihm eine größte Koalition. Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) will ihm die Lobbyarbeit überlassen. Peter Samstag (CSB) will, dass der Markt die Bürger (natürlich pro) informiert. Sigrid Meierhofer (SPD) will auch, dass die Gemeinde informiert. Hannes Krätz (Freie Wähler) sieht „alle Beteiligten in der Pflicht“. Elisabeth Koch (CSU) will, dass der Sport die Begeisterung vermitteln soll, vor allem Alfons Hörmann vom DSV und die Skiklubpräsidenten Peter Fischer und Michael Maurer (Holzapfel, Matthias, „Höchste Zeit“ für Information der Bürger, in merkur-online 1.10.2013).

Die Befürchtung von Axel Doering, Nolympia Garmisch-Partenkirchen: Wenn der Sport die Bewerbung auf den Weg gebracht hat, „dann werden uns die Befürworter überfluten“, weil hinter ihnen das Geld steht (Ebenda).
Das ist ja bereits beim Bürgerentscheid zu „München 2018“ im Mai 2011 passiert.
Vergleiche auch unter „Aktuelles“: Hallo München 2022-Fans

– Das Nachhaltigkeitskonzept von München 2022 stimmt – wieder – nicht.
Beispiel 1 – Park der Bundeswehr:So würden etwa in München mit dem neuen Olympischen Dorf dringend benötigte und bezahlbare Wohnungen auf dem sonst nicht zur Verfügung stehenden Gelände des Bundeswehrverwaltungszentrums entstehen. Und der Olympiapark würde nicht nur grüner, sondern bekäme zwei neue, moderne Hallen für Sport und Kultur“ (www.muenchen.de/rathaus/stadtinfos/Olympia2022).
Der Olympiapark würde nicht grüner, im Gegenteil: Es würden auf dem öffentlich zugänglichen Bundeswehr-Park über 1275 schützenswerte und insgesamt 2000 Bäume gefällt.
Die Wohnungen, die dafür abgerissen würden, sind bezahlbar – die neuen werden es nicht sein: Das neue Olympische Dorf würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Luxusimmobilien. Und die Münchner Mieten steigen mit Olympia erst recht …

Beispiel 2 – Versprechungen für Garmisch-Partenkirchen: „Zudem würde der Ort im Zuge der Olympischen und Paralympischen Winterspiele von weitreichenden Infrastrukturmaßnahmen profitieren – wie die dringend notwendigen Ortsumfahrungen Garmisch und Partenkirchen (Kramer- und Wanktunnel) sowie die Sanierung des Kongresshauses, des Olympia-Skistadions, des Olympia-Eissportzentrums und des Alpspitz-Wellenbads“ (Ebenda).
Die olympischen Versprechen für gleich drei Tunnel, diverse Sanierungen etc. im Gefolge von München 2022 gleichen einem Füllhorn – und sind doch nur gedacht, damit die Bürger am 10.11.2013 München 2022 zustimmen. Zur Erinnerung: Der Kramer-Tunnel wurde im Zug der Ski-WM im Februar 2011 in Garmisch-Partenkirchen beschlossen. Jetzt, im Oktober 2013, ist der Bau durch die völlig falsche Trassenführung stillgelegt, eine Fertigstellung nicht in Sicht. Und wie dann die tatsächlichen Verbesserungen aussehen würden, steht in den Sternen – und im Ermessen des IOC.

top: 0cm; margin-right: 0cm; margin-bottom: 6.0pt; margin-left: 18.0pt; text-indent: -18.0pt; mso-line-height-alt: 10.0pt; mso-list: l0 level1 lfo1; tab-stops: list 18.0pt;">Beispiel 3 – Versprechungen für Kandahar und andere Olympia-Pisten in Garmisch-Partenkirchen: „Die Sportstätte Kandahar wurde anlässlich der FIS Alpine Ski WM 2011 modernisiert und erfüllt dementsprechend die aktuellen FIS-Anforderungen für die Austragung Olympischer und Paralympischer Winterspiele“ (Konzeptstudie München 2022; Hervorhebung WZ). 2022 – das sind elf Jahre nach der FIS-Ski-WM 2011! Da ist die Kandahar 13 Jahre alt. Wer soll glauben, dass die Kandahar- und andere WM-Pisten (wie Hornabfahrt, Drehabfahrt, Gudiberg) in NEUN Jahren noch Olympischen Anforderungen genügen? Olympische Winterspiele sind die größte Wintersportveranstaltung der Welt. Man muss davon ausgehen, dass dafür weitere großflächige Skipisten- und Stadien-Ausbauten notwendig werden – von der Kunst/Schneebeschaffung im Klimawandel ganz zu schweigen.

– Freunde des Fußballfeldes: München 2018
Der damalige DOSB-Präsident Thomas Bach in einem Brief an Claudia Roth, 1.10.2010:
„Dauerhaft müssen lediglich 0,48 Hektar neue Flächen, also ein halbes Fußballfeld, für die Spiele in Anspruch genommen werden.“
Diana Stachowitz, sportpolitische Sprecherin der SPD, in einer Jubelrede auf München 2018 am 14.10.2010: „Nur ein Prozent der Flächen, die für die Sportstätten erschlossen sind, müssen permanent neu erschlossen werden… Das sind insgesamt 0,48 Hektar und damit weniger als ein Fußballfeld…“
Bach im November 2010: „…dass nur eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes versiegelt würde“ (Grün ohne Grüne, in Der Tagesspiegel 22.11.2010).
DOSB-Generaldirektor Michael Vesper im März 2011: Die Gegner „nehmen einzelne Informationen leider nicht auf, zum Beispiel die Tatsache, dass unsere Bewerbung nur weniger als ein Fußballfeld neue Flächen dauerhaft benötigt…” (Marietta Schwarz, Interview mit Vesper im Deutschlandfunk am 5.3.2011 zum Besuch der IOC-Evaluierungskommission).
Bach im November 2011: „Für München 2018 hätte nur eine Fläche der Größe eines Fußballfeldes zusätzlich versiegelt werden müssen“ (Grünberg, Rainer, Wenig, Peter, „Unsere Konkurrenten werden immer stärker“, in Hamburger Abendblatt 12.11.2011).
– Freunde des Fußballfeldes: München 2022
Georg Grabner, Landrat Berchtesgaden: „… lediglich 1 Prozent an Fläche – ‚kaum so groß wie ein Fußballfeld’ – müsse durch Grundstücksinanspruchnahmen dauerhaft gesichert werden“ („Ein neues Kapitel der Nachhaltigkeit“, in Berchtesgadener Anzeiger 2.10.2013).
Münchner Stadtrat, 2.10.2013, nur Pro-2022-Gründe in den Unterlagen für den Bürgerentscheid: „Die nötigen Flächen, so hieß es in der Sitzung, hätten nur die Fläche eines halben Fußballfeldes (0,3 ha)“ (Lenders, J., Neuer Oympia-Streit, in abendzeitung-muenchen.de, 3.10.2013).
Allein die Fläche des geplanten Olympischen Dorfes auf dem Gelände der Bundeswehr an der Dachauerstraße beträgt 26 Hektar; über 1275 schützenswerte Bäume müssten dort gefällt werden.

DAV diesmal demokratisch. Bei der Bewerbung München 2018 war der Deutsche Alpenverein (DAV) – auch durch das Gebaren seines damaligen Geschäftsführer Thomas Urban – stramm olympisch, auf Wunsch des Bach-Vesper-DOSB. Sogar der damalige Präsident Prof. Heinz Röhle wurde geopfert. Nun enthielt sich der DAV mutig am 30.9. bei der DOSB-Abstimmung: als einziger. Die 355 Sektionen sollen am 8.11.2013 nach einer Diskussion über eine Bewerbung abstimmen (Lode, Silke, In der Sportfamilie hängt der Haussegen schief, in SZ 2.10.2013).
Im Positionspapier der DAV-Sektion München und Oberland wird erwähnt, dass sich die Mehrheit des Münchner Stadtrates in der Begründung des Bürgerentscheides am 2.10.2013 für eine einseitige Pro-Position entschieden hat und keine Gegenargumente aufgenommen werden. Aus dem Statement der DAVSektion München & Oberland
: „Als sowohl Sport- wie auch Naturschutzverband muss der DAV das Für und Wider der Ausrichtung Olympischer Winterspiele in München und den bayerischen Alpen vor allem hinsichtlich der Naturverträglichkeit besonders sorgfältig abwägen. Und eine so grundsätzliche Entscheidung kann nach Meinung der Sektionen München und Oberland nur auf dem dafür vorgesehenen satzungsgemäßen und demokratischen Weg, nämlich durch eine Beschlussfassung in der DAV-Hauptversammlung erfolgen. Die nach der lediglich von Präsidium und Verbandsrat beschlossenen Unterstützung der Bewerbung Münchens als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2018 an den DAV herangetragene Kritik von unterschiedlichsten Seiten und auf unterschiedlichsten Ebenen zeigt, dass für eine solche Positionierung eine breite Legitimation im Verband notwendig ist“ (Münchner Stadtrat beschließt Bürgerentscheid zur Olympia-Bewerbung 2022 mit klarer Botschaft, in davplus.de 2.10.2013).

– Bürgermeister Schmid weiß was. Probleme herunterspielen, Konflikte leugnen, nicht informieren, Intransparenz: So könnte man das politische Vorgehen vom Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Thomas Schmid bei der Bewerbung München 2018 beschreiben. Und bei der Bewerbung 2022 sieht es offenbar nicht anders aus. Schmid zu den Konflikten mit den Grundeigentümern: „Nicht ein Privater muss gefragt werden, ob er da mitmachen will oder nicht.“ Schmid zum Protest: „Da ist sehr viel Luft raus. Die Leute merken, dass wir dazugelernt haben.“ Schmid zu den Eigentümern der angeblich nur drei strategisch wichtigen Grundstücke: „Und die haben bei mir im Büro, ohne es den anderen zu sagen, unterschrieben.“ Schmid zu den drei Tunneln: „Jedem ist klar dass die Tunnel nur mit Olympia kommen“ (Alle Zitate: Kornes, Andreas, Olympische Winterspiele: Münchens zweiter Versuch, in augsburger-allgemeine.de 29.9.2013).
Hier wieder einmal zur Erinnerung: Die Planung für den Kramertunnel wurde mit der Begründung durchgepeitscht, dass er zur Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen fertig sein sollte. Derzeit ist der Bau wegen dem vom Bund Naturschutz vorausgesagten Lockergestein eingestellt, und die Planung hat sich, wie erwartet, als Desaster herausgestellt; siehe oben.

– Schmid braucht doch private Grundeigentümer. Laut Münchner Merkur werden sehr wohl im Fall eines Zuschlags für München 2022 private Flächen benötigt. „Aber nicht für die Sportstätten“, erzählte Schmid und betonte, „es gebe diesmal keinen Grundbesitzer, der das vorliegende Konzept blockieren könne“ (Holzapfel, Matthias, Gemeinde geht auf Grundbesitzer zu, in Münchner  Merkur 7.10.2013).
Ob die Grundbesitzer das schon wissen?

– Täuschen und verharmlosen. Zur Erinnerung – der Garmischer Bürgermeister Thomas Schmid zu München 2022 im Mai 2013: “Den Planern will er allerdings klare Vorgaben machen und sich nicht dreinreden lassen. ‘Wir schaffen an’” (Olympia 2022: “Für uns wird es billiger”, in Münchner Merkur 5.6.2013; Hervorhebung WZ). Der Münchner FDP-Fraktionschef Michael Mattar zu den Knebelverträgen des IOC: „Dagegen müssen wir als demokratische Gesellschaft etwas tun“ (Lode, Silke, Die Bürger haben das Wort, in sueddeutsche.de 4.10.2013).
Das olympische Personal ist entweder naiv oder täuscht das Publikum: Außer dem IOC schafft niemand an, und an den IOC-Knebelverträgen ändert kein Stadtrat etwas.

– Demokratie sieht anders aus. Zum geplanten Bürgerentscheid am 10.11.2013 und dem Verhalten der Befürworter siehe:
Goliath gegen David II

– Offener Brief zur Bewerbung München 2022: Die Grünen in Garmisch-Partenkirchen sandten die Materialsammlung „Bewertung der geplanten Bewerbung für 2022 durch Nolympia“ an Landrat Harald Kühn, Vizelandrat Anton Speer und den Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, Thomas Schmid. Darin stellten sie u. a. die Fragen: „Wie kann es sein, dass für die Vergabe des Auftrages „Olympischer Winterspiele“ sämtliche Vergabegrundsätze der öffentlichen Hand unberücksichtigt bleiben? Wieso ist es für den „Auftragnehmer IOC“ möglich, Vertragsbedingungen zu diktieren und zu seinen Gunsten ein völlig einseitiges Verhältnis von Nutzen und Risiken herzustellen? Wie kann es sein, dass die Milliardengewinne, die bei Olympischen Spielen für den IOC auftreten, von der Steuer befreit sind?“ (Offener Brief, 5.10.2013).

– Neues vom Sport-Demokrat Lommer. Olympiafreunde-Veranstaltung am 7.10.2013 in Piding. Der Präsident des Bayerischen Landessportverbandes, Günter Lommer, will die Mitglieder der  Sportverbände aktivieren. Lommer zufolge „haben wir die Olympischen Winterspiele schon in der Tasche“ (Mindestens 8.300 müssten „Ja“ sagen, in Berchtesgadener Anzeiger 9.10.2013).
Hallo Herr Lommer, schon mal was von Oslo 2022 gehört?
„An den Olympia-Kritikern lässt Lommer kein gutes Haar: ‚Ich versteh die Welt nicht mehr, wir brauchen nur 0,3 Hektar neues Land, das sind doch Peanuts'“ (Ebenda).
Vergleiche „Freunde des Fußballfeldes, siehe  oben.
———————————————————————-
Zur Erinnerung: Am 8.12.2012 stimmte die Mitgliederversammlung des DOSB in Berlin über den Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ab, das Anti-Doping-Gesetz zu verschärfen. Zwei Delegierte des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV), Karl Rauh und Rainer Riedel, wollten dem DLV-Antrag zustimmen. “Bei unserer Rückkehr auf unsere Plätze waren die Kuverts geöffnet, die Stimmkarten nun an Herrn Kern und Herrn Mayr verteilt” (Hahn, Thomas, Plötzlich waren die Kuverts geöffnet, in SZ 6.6.2013). Und die beiden unlegitimierten Neuwähler stimmten für den DOSB-Antrag. BLSV-Präsident Günther Lommer, stramm auf der Bach-Vesper-DOSB-Linie, begründete den Stimmkartenklau so: “Ich erwarte von meinem Leuten schon, mich zu unterstützen” (Ebenda).
Bemerkenswert das Demokratieverständnis des Herrn Präsidenten Lommer: Offenbar merkt er nicht einmal, was er da anstellt.
Rauh, der langjährige Präsident des BLSV, trat daraufhin am 5.6.2013 als BLSV-Vizepräsident zurück: “… der Fall gibt ein Beispiel dafür, wie leichtfertig in der Sportpolitik bisweilen mit demokratischen Grundrechten umgegangen wird” (Ebenda; Hervorhebung WZ).
Wie oft wohl so etwas wie am 8.12.2012 geschehen ist? Und wie oft geschieht so etwas überhaupt in der DOSB-Sportdemokratur?
Sport-Demokrat Lommer will auch tatkräftig mit seinem Apparat BLSV München 2022 unterstützen:, wie er auf dem BLSV-Verbandstag am 7.6.2013 ankündigte “Wir dürfen das Feld nicht wieder jenen überlassen, die Verhinderer sein wollen” (Bayerischer Sport unterstützt Olympia-Bemühungen wortgewaltig, in bild.de 7.6.2013).
————————————————————————
„Olympia-Experte“ Andreas Bratzdrum vom Landratsamt Berchtesgaden kam zu Hilfe: „Bratzdrum ist zudem der Meinung, dass die Austragungsorte der vergangenen Olympischen Winterspiele immer mit einem Plus im Budget abgeschlossen hätten“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).
Jeder lügt, so gut er kann…

Zur Rekapitulation: Fazit einer Studie der Universität Oxford vom Juni 2012:
“In der Vergangenheit haben die Olympischen Spiele hohe Defizite eingefahren… Gemäss einer neuen Studie der britischen Universität Oxford ist den Olympischen Spielen eines gemeinsam: die Budgetüberschreitung. Gemäss der Studie konnten in den letzten 50 Jahren keine Sommer- und keine Winterspiele ihr ursprüngliches Budget einhalten. Im Durchschnitt sind die Endkosten 179 Prozent höher als ursprünglich angenommen. ‘Eine Olympiade ist für eine Stadt oder ein Land eines der finanziell riskantesten Projekte überhaupt” (“Olympia ist ein riskantes Projekt”, in Die Südostschweiz 14.2.2013; Hervorhebung WZ. In Englisch: “For a city and nation to decide to put on the Olympic Games is to decide to take on one of the most financially risky types of megaprojects that exist.”) – “… in den Endstadien der Vorbereitung kann der Fokus schnell von Kostenkontrolle auf Ausführung um jeden Preis wechseln, was sich in beträchtlichen zusätzlichen Kostenüberschreitungen auswirkt” (Ebenda; “… in the final stages of preparation the focus can quickly shift from cost control to delivery at any cost, resultung in significant additional overruns”.

– Mobilisierung in  Berchtesgaden. Bei der oben erwähnten Veranstaltung am 7.10. in Piding wurden von den Befürwortern per Zeitungsannonce alle Sportvereine eingeladen sowie alle Vermieter. Alle Sportvereine wurden aufgefordert, aktiv auf die Mitglieder für München 2022 einzuwirken. Dazu sollen alle Unternehmer angeschrieben werden. An öffentlichen Hallen und Plakatwänden soll PRO plakatiert werden. Grünen-Kreisrat Franz Eder kommentierte die einseitige Information zugunsten München 2022: „Von Sportlern erwarten wir einen fairen Wettkampf, und in der Politik schaffen wir es nicht einmal, faire Bedingungen für einen Bürgerentscheid zu organisieren“ (Grüne fühlen sich wie David gegen Goliath, in Reichenhaller Tagblatt 6.10.2013; Hervorhebung WZ).

 TIM aktiv! Die Tourismus Initiative München (TIM) geht die Münchner Wirtschaft an. So wurde u. a. der Infineon-Konzern aufgefordert, die Bewerbung München 2022 zu unterstützen. Der gesamte Vorstand folgtre sofort. Vorstandsvorsitzender Reinhard Ploss: „So ein sportliches Großereignis ist gut für München, gut für die Menschen in der Region und gut für die Wirtschaft“ (Aus dem Text von Infineon).

– Hurra: Pro-Olympia-Plakat ist da! 12.500 mal hängen die Pro-München-2022-Plakate seit kurzem im Stadtgebiet, bezahlt von den „reichen“ Freunden der Bewerbung wie Tourismus Initiative München (TIM) und der Landeshauptstadt München.  Schön sind sie nicht. Textprobe aus der SZ: „Ein wilder Rauten-Salat in verschiedenen Blautönen, ein paar hingeschluderte Berg-Skizzen, mal einen Skifahrer, mal einen Snowboarder, Schnee spritzt. Oja! Das muss die Werbung für eine Ü-40 Hütten-Gaudi-Warm-Up-Party irgendwo am Stadtrand sein. Oja! ist Lebensfreude in drei Buchstaben.(…) Die Plakate sollen angeblich für eine Zustimmung beim Bürgerentscheid werben, der am 10. November stattfindet, ganze 12.500 Plakate werden, laut Kreisverwaltungsreferat, für den Entscheid aufgehängt. Das kann nicht stimmen. Denn wer käme schon auf die Idee, mit einem derart scheußlichen Plakat für sein Anliegen zu werben? Onein!“ (Lutz, Christiane, Oja? Oje! in SZ 10.10.2013). Die Plakate wurden bis zum 10.11. dreimal ausgetauscht: macht insgesamt 50.000 Plakate!
Die Grünen haben ihre Plakatständer erst  einmal abgebaut. Der Münchner Parteivorsitzende Stefan Weisenburger: „Es gibt noch kein offizielles No-Olympia-Plakat. Wir hätten ein Übergangsplakat gebraucht. Und das wäre genauso teuer gewesen wie ab- und wieder aufzubauen. Wir verschonen die Leute lieber mal etwas“ (Müller, Felix, Jetzt für Olympia: Plakate-Flut nimmt kein Ende, in Münchner Merkur 9.10.2013).
Nolympia hat inzwischen an gerade  einmal 250 Stellen je drei Plakatständer aufgestellt: also insgesamt 750 Plakate – mit einem sehr guten Motiv, siehe Eingangsseite.

– Plakat: Niemand presserechtlich verantwortlich. Der Münchner Stadtrat Tobias Ruff (ÖDP) fragte beim Herrn Oberbürgermeister Ude nach, weil bei den 12.500 Plakaten niemand verantwortlich im Sinne des Presserechts (VISDP) gezeichnet habe: „Lediglich ein unbekanntes ‚Team München 2022‘ wird genannt“ (Anfrage: Gilt für Befürworter von Olympia 2022 kein Presserecht? 10.10.2013). Ruff fragt deshalb den OB, ob dem Kreisverwaltungsreferat der Verstoß gegen das Presserecht bekannt ist, ob die Verantwortlichen für die rechtswidrige Plakatierung angehört wurden, welche Sanktionen verhängt wurden in Anbetracht des 12.500fachen Verstoßes gegen das Bayerische Presserecht, ob Geldbußen verhängt wurden, ob die Druckwerke  eingezogen werden und ob ein sofortiger Vollzug der Sanktionsmaßnahmen vorgesehen ist.
„Das Münchner Kreisverwaltungsreferat bestätigte, dass die Plakate nicht den Anforderungen des bayerischen Pressegesetzes entsprechen, da das Impressum fehlt… Bis zum 23. Oktober haben sie (die Befürworter; WZ) Zeit, ihre Plakate  auszutauschen oder per Aufkleber mit einem Impressum zu versehen“ (Olympia-Freunde dürfen Impressum aufkleben, in SZ 22.10.2013).
Nolympia hat gerade mal 250 Plakatständer – aber mit einem sehr guten Plakat!
Die Gestaltung des Plakats: eine Katastrophe. Dazu fehlt der Eintrag „ViSdP“. Und nun sind noch unten die Sponsoren reingepresst – optisch ein Knieschuss. Die Bewerbung München 2022 scheint noch schlechter zu werden als München 2018.

– Freie Wähler für München 2022. Hubert Aiwanger setzte einmal mehr aufs „falsche Pferd“ und bekräftigte bei einer Klausurtagung (nicht zufällig) in Garmisch-Partenkirchen sein Ja zur Bewerbung München 2022 (Aiwangers klares Ja zu Olympia, in Mittelbayerische Zeitung 11.10.2013). Aiwanger zu seinen parteiinternen Kritikern: „‚Das sind nur Einzelmeinungen, diese Leute sind nicht mehrheitsfähig“‚, sagte Aiwanger am Rande der FW-Fraktionsklausur in Garmisch-Partenkirchen“ (Aiwanger ignoriert Kritik aus den eigenen Reihen, in SZ 12.10.2013).

– Die  Erpressung mit fünf Straßenbauprojekten. Der Leiter der Autobahndirektion Südbayern, Paul Lichtenwald, ist zufällig aus Garmisch-Partenkirchen, nicht zufällig ein Spezl von Christian Neureuther. Gar nicht zufällig trat Lichtenwald auf der Informationsveranstaltung des Vereins OlympiJa am 8.10.2013 auf. Und dort durfte er von sich geben, dass mit Olympischen Spielen 2022 folgende Straßenbauprojekte kämen: Auerbergtunnel, Umfahrung Oberau, Anschluss Ettaler Berg, Kramertunnel und Wanktunnel. Lichtenwald winkte mit dem Füllhorn von 610 Millionen Euro aus Steuergeldern (Fellner, Christian, Ohne Olympia passiert nichts vor 2030, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.10.2013).
Aus den 610 Millionen Euro dürften schlussendlich und realistisch eine Milliarde Euro werden. Dass es völlig unmöglich ist, bautechnisch und von der Kapazität her alle fünf Straßenbauprojekte auf einmal anzugehen und bis 2022 fertigzustellen, erwähnte Herr Lichtenwald nicht, ebenso wenig, wo die Milliarde Euro für das Werdenfelder Land herkommen soll. Wobei der Bund Naturschutz immer betont hat, dass die Ortsumgehung Oberau äußerst dringlich ist.

– Garmisch-Partenkirchner Grüne sagen Nein zu München 2022. Stark kritisiert wurde, dass ein Faltblatt des Marktes (wie an den drei anderen Orten) nur Argumente PRO München 2022 enthält. Axel Doering: „Ein zentrales Thema der Bewerbung ist, dass sie extrem unfair mit den Gegner umgeht“ (Holzapfel, Matthias, Nein! in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.10.2013).

– Münchner Grüne gegen München 2022. Am 10.10.2013 stimmten bei der Stadtversammlung die Münchner Grünen – bei nur zwei Gegenstimmen – gegen Olympische Spiele 2022 in München. Katharina Schulze: „Die Gründe gegen die Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2022 liegen auf der Hand: Die Gefahr riesiger Schuldenberge für die Austragungsorte, die Knebelverträge des IOC, der Klimawandel insbesondere in den Alpen und ein Wachstumswahn, der einer Boomstadt wie München nicht gut bekommt. Ich freue mich, dass die große Mehrheit der Partei diese Argumente teilt und bereit ist, auf der Straße für unsere Position in den nächsten Wochen zu werben!“ (Olympia: Münchner Grünen sagen nein, in Abendzeitung 11.10.2013).

– SPD feiert das „Höchstmaß an Transparenz und Information“. Markus Rinderspacher, Fraktionschef der SPD im Bayerischen Landtag: „Ich bin zuversichtlich, dass sich die Bürger und Bürgerinnen für den olympischen Gedanken begeistern werden… Uns ist es wichtig, ein Höchstmaß an Transparenz und Information gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern zu gewährleisten“ (PM SPD, 13.10.2013).
Großartig, die hier von der SPD als „Höchstmaß an Transparenz und Information“ gelobte einseitige Information der München-2022-Lobbyisten!

– ÖDP in Traunstein gegen München 2022. Die ÖDP sprach sich klar gegen eine Bewerbung des Chiemgaus für die Olympischen Winterspiele 2022 aus. Kreisschatzmeister Roman Babuczki: Wenn das IOC die finanziellen Auswirkungen seiner Vorschriften und Anforderungen selber bezahlen müsste, würden »sicherlich einfachere und umweltfreundlichere Spiele ausgerichtet“ (Alle Zitate aus: Klar gegen eine Olympia-Bewerbung, in Berchtesgadener Anzeiger 11.10.2013). Für Kreisrat Thomas Graf ist der Erhalt der Kreiskliniken wichtiger als ein „14-tägiges Großevent“.
Kreisrat Georg Huber aus Waging sagte, er könne „nicht nur nach Wunsch- und Spaßfaktor entscheiden“, sondern müsse die Verantwortung auch für nachkommende Generationen übernehmen. Und angesichts des Schuldenstandes von derzeit 74 Millionen Euro fehle das Geld für Sinnvolles. „Ich erinnere an einen Antrag von Elternbeirat und Schulleitung des Annette-Kolb-Gymnasiums Traunstein zum Bau einer Turnhalle. Leider ist hierfür momentan kein Geld vorhanden. Das Projekt wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Wie soll ich diesen Eltern erklären, dass ich für die Olympiabewerbung eine Menge Geld ausgebe, für einen verbesserten Schulsportunterricht aber nicht?“ (Hervorhebung WZ).
Dr. Ute Künkele erwähnte die Garantie für die Schneesicherheit: Mit dem Einsatz von Chemikalien und unter enormem Wasser- und Energieverbrauch muss Kunstschnee produziert werden – „und das alles aus dem wertvollen Trinkwasserreservoir für die Stadt Traunstein“. Biolandwirt Andreas Huber aus Waging, monierte die intransparente Finanzierung und kritisierte die Olympischen Spiele als „eine Plattform für Konzernwerbung“. Thomas Graf erwähnte die Bebauung von landwirtschaftlichen Flächen durch Straßenbaumaßnahmen, Sportstättenerweiterung und das Olympische Dorf, „obwohl viele Bauern landwirtschaftlichen Grund suchen“. Roman Babuczki aus Emertsham erinnerte an den elektrischen, vier Meter hohen Zaun von London 2012 – und die im Bid Book der Bewerbung München 2018 aufgeführten 40 Kilometer Sicherheitszaun.

– Münchner Olympiapark: Teurer White Elephant. „Auf knapp eine halbe Milliarde Euro beläuft sich die jüngste Prognose für die Sanierungskosten, die in den nächsten 20 Jahren auf die Stadt zukommen. Eine Prognose, die in der Vergangenheit regelmäßig nach oben korrigiert wurde. 80 Millionen Euro soll allein die Sanierung des Plexiglas-Zeltdaches kosten… Der laufende Betrieb ist in diesen Kalkulationen noch gar nicht berücksichtigt, im Frühjahr hat die Stadt den Zuschuss von 37,5 auf 40 Millionen Euro pro Jahr erhöht… Olympische Winterspiele sind ohnehin der große Traum der Parkverwalter, sie brächten Geld und einen klaren Planungsauftrag nach München“ (Lode, Silke, Die ratlosen Retter, in SZ 12.10.2013).
Und München 2022 würde dann die nächsten White Elephants in den Park setzen, die dann auf Jahrzehnte die nächsten olympischen Folgekosten verursachen!

– Oja-Chef lobt Buchhandlung Hugendubel. Der Chef der BMW-Welt und Sprecher der „Tourismus Initiativer  München, Thomas Muderlak, lobte am 14.10.2013 Hugendubel: Die Großbuchhandlung stellte ihre Fassade am Marienplatz für ein Riesenplakat des „Team München 2022“ zur Verfügung (Kampagne „OJa! zu Olympia 2022 gestartet, in Münchner Merkur 14.10.2013).
Merkwürdige Geschäftspolitik von Hugendubel: Viele lesende Gegner von München 2022 werden dort keine Bücher mehr kaufen, und Sportler sind ja nicht unbedingt als Leseratten bekannt. Ich finde kleine Buchhandlungen sowieso besser als den großen Hugendubel-Konzern, der die kleinen Buchhandlungen ruiniert – und sich selbst. Uns sieht dieser Konzern nie wieder.

– Wasmeier täuscht die Bevölkerung. Beim Start der Olympia-Kampagne am 14.10.2013 sagte der ehemalige Skirennläufer Markus Wasmeier: „Wir müssen der Bevölkerung sagen: Das sind eure Spiele!“ (Effern, Heiner, Startschuss für die Olympia-Kampagne, in SZ 15.10.2013).
Nein, Bevölkerung: Das sind nicht eure Olympischen Spiele – auch wenn ihr die Milliarden dafür bezahlen müsst. Das sind die Olympischen Spiele von IOC und DOSB und der Internationalen Sportverbände, die ihre Milliardengewinne steuerfrei in die Schweiz transferieren. Das sind die Olympischen Spiele von Coca-Cola, Dow Chemical und McDonald’s. Das sind die Olympischen Spiele der Sportfunktionäre und der Olympischen Familie“, die in Fünf-Sterne-Hotels hausen. Das sind die Olympischen Spiele von Bauwirtschaft und Tourismusindustrie. Das sind Olympische Spiele, die überflüssige Sportbauten hinterlassen und auf Jahrzehnte Schulden verursachen.

– Falscher Friede. TIM-Sprecher Thomas Muderlak forderte am 14.10.2013, die Olympischen Winterspiele 2022 als „Weltfriedensfest nach München und in die Region zu holen“ (Ebenda).
Merkwürdig, dass ein Weltfriedensfest einen vier Meter hohen Elektrozaun um seine Stätten braucht, dazu fast einen Milliardenbetrag für Sicherheit, Drohnen, Luftraumüberwachung etc. – nebst tausenden Polizisten, Soldaten und privaten Sicherheitskräften. Von Knebelverträgen, Versammlungsverboten, Demonstrationsverboten usw. ganz zu schweigen…

– Zwangs-Button! Hallo Friedensfreund Muderlak: neues  Exempel aus der olympischen Sportdemokratur. Alle Münchner Brauereien unterstützen die Bewerbung München 2022. Das reicht ihnen aber noch nicht. „In manchen Wirtschaften sind die Mitarbeiter gehalten, Werbebuttons zu tragen: mit einem klaren „Ja“ zu Winterspielen in München. Das  sorgt mancherorts für Verwunderung und Ärger “ (Ärger um Olympiabuttons für Kellner und Bedienungen, in br.de 15.10.2013). Der Wirt darf seine Bedienungen nicht dazu zwingen. Im Augustinerkeller sagte der dortige Wirt, „er hat die Buttons von der Brauerei bekommen, sie an sein Personal verteilt und einen Aushang gemacht, auf der die Vorteile von Olympischen Spielen für München aufgelistet sind“ (Ebenda). – „Wenn ein Gegner der Bewerbung sagt, das sei gemeine Beeinflussung Wehrloser, dann kann man dem nur entgegnen, dass er jetzt eben mitmachen muss beim Dreikampf im Wirtshaus: mehr Knödel essen, mehr Bier bestellen, und noch eine Runde Schnaps für alle obendrauf“ (Beisel, Karoline Meta, Bier, Knödel und olympischer Geist, in SZ 22.10.2013).
Hallo, Brauereien, ein Vorschlag: Auch die Gäste müssen den Button tragen, sonst bekommen sie kein Bier! Außerdem, Münchner Brauereien, ihr würdet sowieso nicht 2022 zum Zug kommen: Ihr seid keine IOC-Sponsoren!

– Die Stadt desinformiert. „Seit heute verschickt das Kreisverwaltungsreferat die Abstimmungsbenachrichtigungen mit allen wichtigen Informationen rund um den Entscheid an rund 1.080.000 abstimmungsberechtigte Münchnerinnen und Münchner“ (LH München, Jetzt haben die Bürger das Wort, in SZ 15.10.2013).
„Mit allen wichtigen Informationen“: Die bestehen aus einem Flyer von Albert Speer & Partner, den Organisatoren von München 2022, also ausschließlich Pro-München-2022-Propaganda (s. o.). Pfui Teufel. 

– Fast 80 Prozent gegen München 2022. In der Bayerischen Staatszeitung  fand  eine Umfrage statt: „Soll sich München erneut für die Olympischen Winterspiele bewerben?“
Ergebnis: 79,7 Prozent stimmten mit NEIN, nur 20,3 Prozent für Ja.

– Landesverband Bayern der NaturFreunde tritt dem Bündnis Nolympia bei. Siehe hier.

LBV-Kreisgruppe München tritt NOlympia bei. Die Kreisgruppe München Stadt und Land vom Landesbund für Vogelschutz tritt dem Bündnis NOlympia bei. Pressemitteilung hier

– Transparency Deutschland soll München 2022 retten. Mit großem Pomp wurde am 24.10.2013 der „Ethik-Code für die Bewerbung“ von DOSB-Generaldirektor Vesper vorgestellt. Die „Sportbeauftragte“ von Transparency International, Sylvia Schenk, schlug auf dieser DOSB-Veranstaltung ganz neue Töne an: „Sehr sanft erklärte sie das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu einem Apparat im Wandel… Auch die Verträge, die das IOC den Ausrichtern diktiert, seien nicht so schlimm wie ihr Ruf. Wirklich essentielle Probleme gebe es nicht“ (Effern, Heiner, DOSB verspricht transparente Spiele, in SZ 25.10.2013).
Handelt es sich um die nächste kritische Organisation, die vom DOSB „katholisch“ gemacht wurde? Oder hängt der neue unkritische Tonfall mit persönlichen Ambitionen von Frau Schenk zusammen, die ja in ihrem früheren Leben Präsidentin vom Bund Deutscher Radfahrer war?
NOlympia-Sprecher Ludwig Hartmann nannte die DOSB-Veranstaltung eine „Pflichtveranstaltung“, damit die Befürworter vor dem Bürgerentscheid ein gutes Bild abgeben würden. „Wie er fehlten alle Köpfe des Widerstands in der Olympiahalle“ (Ebenda).
Hierzu unsere Absage in Form eines Offenen Briefes an Vesper: hier.
Dazu unsere Stellungnahme. Das Aufgebot: Ein “Ethik-Code der Bewerbung” vom 23.10.2013 nennt unter “Richtlinien Bewerbungsgesellschaft” mit Punkt 1 – Interessenskonflikte: “Integrität setzt objektive und unabhängige Entscheidungsfindung voraus”. Unabhängige Entscheidungsfindung? Mit den Wahlunterlagen zum Bürgerentscheid am 10.11.2013 kamen auch die Flyer – nur mit den PRO-Argumenten. Wir bekamen viele Zuschriften mit der Frage: Darf das die Stadt, darf das die Gemeinde, der Landkreis? Es ist ein Ratsbegehren – da dürfen sie das. Aber Demokratie geht anders. Wenn schon im Vorfeld entgegen des eigenen “Ethik-Codes” massiv undemokratisch gehandelt wird: Wie soll das unter dem IOC-Diktat werden? Die Stadt München schützt uns sicher nicht. Und der Host-City-Knebelvertrag wird mit Sicherheit auch diesmal nicht öffentlich.

BN München fordert Offenlegung der IOC-Verträge: hier

Dazu ein Leserbrief von Wolfgang Graf, 25.10.2013: „Nachdem Olympiabefürworter für einen Schweizer Altherrenclub namens IOC extra Gesetze geradebiegen, Steuerschlupflöcher ermöglichen (für das IOC sind alle Gewinne steuerfrei) und hochriskante, rechtswidrige Verträge mit dem IOC auf Risiko des Steuerzahlers unterschreiben, haben die Olympiabefürworter plötzlich die Ethik für sich entdeckt! Herzlichen Glückwunsch! So werden aus Sündern Heilige! Dann müsste jetzt logischerweise der Kontakt zum IOC abgebrochen werden, die Sonderregelungen  und Verträge annulliert werden und die Bewerbung für olympische Spiele müsste abgesagt werden. Bin ja gespannt!“

– CSU-Kabinett wieder olympisch. In Treue fest verbunden ist die Seehofer-Regierung nach München 2018 auch München 2022. Schade nur, dass Herr Staatskanzlei-Chef Schneider nicht mehr mitmachen darf, der muss ja jetzt seinen neuen Job (mit über 200.000 Euro dotiert) bei den Neuen Medien ausfüllen. Dafür weiß seine Nachfolgerin, Christine Haderthauer (die mit dem Mann, der die Miniaturoldtimer aus dem Gefängnis verkauft), dass die Spiele „ein Aushängeschild in der  ganzen Welt“ wären und „einen weiteren Schub für den Wirtschaftsstandort Bayern“ ringen würden (Effern, Heiner, Szymanski, Mike, Staatsregierung ganz sportlich, in SZ 23.10.2013).

– Siemens auch bei 2022 wieder olymisch. Nach Vorgänger Peter Löscher trommelt nun auch der jetzige Siemens-Chef Joe Kaeser für München 2022: Das ist kein Wunder, bekommt der Münchner Konzern doch bei allen Olympischen Spielen regelmäßig Milliardenaufträge. Vergleiche hierzu im Kritischen Olympischen Lexikon: Siemens olympisch.
Kaeser: „Ob Olympia, Oktoberfest oder Champions League – München hat eine Siegermentalität und beherrscht Großereignisse“ (Scharnitzky, Ralf, Siemens-Chef trommelt für Winterspiele, in SZ 24.10.2013).
Ob wohl alle Münchner diese drei wenig liebenswürdigen Ereignisse mögen?

– Geschichten von den Galgenvögeln Nol und Ympia – von Florian Schlund, Die Linke. Bild anklicken: 1) hier 2) hier 3) hier 4) hier, 5) hier, 6) hier, 7) hier und 8) hier. Weiter gehts im November 2013.

– OJe-Plakate immer besser! Nachdem der vorgeschriebene Eintrag „Verantwortlich im Sinne des Presserechtes“ fehlte, gab es nun neue Plakatserien mit wiederum keinem V.i.S.d.P., sondern mit dem Eindruck: c/o Andreas Abold…
Und das neueste Motiv lautet: „Ja zu Winterspielen mit Tradition“.
Aber hallo, Befürworter: Da fallen einem doch die einzigen Olympischen Winterspiele mit Tradition in Deutschland ein – Garmisch-Partenkirchen 1936!

——————————————————————————————————————————————-

IV: Nachrichten von Olympischen Spielen

– Schwaches olympisches Feuer! 65.000 Kilometer lang soll der russische Fackelzug werden, bis die Fackel am 7.2.2014 in Sotschi eintreffen wird. Gleich fünfmal ging die Flamme schon am Anfang aus (Aumüller, Johannes, Schwaches Feuer, in SZ 9.10.2013). „Eine PR-Aktion des amerikanischen Feuerzeugherstellers Zippo sorgt in Russland für Ärger. Nachdem Fackelträger Schawarsch Karapetjan das Feuer in Moskau ausgegangen war, hatte es ein Sicherheitsbeamter per Feuerzeug wieder entzündet. Der Schnappschuss ging um die Welt, der Hersteller prahlte via Facebook und Twitter: ‚Zippo rettet Olympia'“ (Häme nach Panne, in SZ 10.10.2013). Russische Offizielle sind sauer, da nur Sponsoren mit Olympia werben dürfen.

Barcelona sagt ab – nicht ganz freiwillig. Die spanische Stadt bewirbt sich NICHT um Olympische Winterspiele 2022. Angeblich hätte die Niederlage von Madrid gegen Tokio bei der Wahl der Olympischen Sommerspiele 2020 die öffentliche Unterstützung ruiniert (Barcelona will not bid for 2022 Winter Olympics and Paralympics , it is claimed, in insidethegames 14.10.2013). Hoppla, Herr IOC-Präsident Bach! Das geht ja gut los: Xavier Trias, Bürgermeister von Barcelona, berichtete: „Bei einem Besuch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sei ihm von einer Bewerbung abgeraten worden. ‚Man hat mir gesagt, dass wir im Wintersport ein höheres Niveau erreichen müssten‘ (…) IOC-Präsident Thomas Bach hatte nach Medienberichten beim Treffen mit Trias darauf hingewiesen, dass der Wintersport weder in Katalonien noch im übrigen Spanien auf große Begeisterung stoße und dass das Land keine herausragenden Winter-Athleten vorzuweisen habe “ (Ein Konkurrent weniger für 2022, in SZ 18.10.2013). OB Ude frohlockte aufgrund von Wahlhelfer Bach: „Ein Verzicht der Spanier würde die Aussichten der Bewerbung München 2022 „weiter verbessern“ (Ebenda; vgl. auch Olympia 2022: Barcelona verzichtet, in zeit.de; Barcelona will auf Kandidatur verzichten, in merkur-online.de 17.10.2013).
Obacht, Herr OB: Wenn München 2022 nicht von der Bevölkerung am 10.11.2013 abgewählt wird, verliert München 2022 am 31.7.2015 gegen Oslo 2022. Und dann gibt es sicher viele Olympia-Trunkene (Wasmeier, Neureuther, Mittermaier…), die gleich München 2026 anpeile. So sieht man sich dann eventuell mit Barcelona 2026 wieder.

–   Vesper und Sotschi 2014.  DOSB-Generaldirektor Vesper gab am 7.10.2013 dem Südwestrundfunk SWR 2 ein Interview (Thies, Marion, Olympia-Funktionär Vesper: “Russland hält sich an olympische Charta”). Jörg Winterfeldt kommentierte dieses Interview am selben Tag in der Berliner Zeitung: “Michael Vesper war früher mal ein Grüner. Jetzt findet er es völlig in Ordnung, dass in Sotschi für die Olympischen Winterspiele nach Herzenslust gebaut und gerodet wird. (…) Da es etwas wie ein russisches Menschenrecht auf Nobelskigebiete gebe, müsse in Sotschi nach Herzenslust gerodet und gebaut werden dürfen, erklärte Vesper dem Südwestrundfunk, als wolle er nicht länger Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes bleiben, sondern lieber für noch mehr Geld als die kolportierte Viertelmillioneuro-Gage vom DOSB künftig in Putins Diktatur wieder sein angestammtes NRW-Ressort übernehmen.(…) Er wisse auch, dass das Demonstrationsrecht nicht nur in Russland häufig mit Füßen getreten werde. Es ist eben in vielen Ländern schlimm. Hauptsache, es gibt genug Beton und der Rubel rollt. Und es wird eine schöne Dienstreise im Februar für den verwelkten Grünen” (Winterfeldt,  Jörg, Menschenrecht auf Skigebiet, in berliner-zeitung.de 7.10.2013).

– Japan: Ein Stadion für 2,2 Milliarden Euro. Für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio plant die japanische  Regierung den Abriss des bisherigen Olympiastadion (54.000 Plätze) und den Neubau eines Stadions für umgerechnet 2,2, Milliarden Euro mit 80.000 Plätzen. Das ist dem tief verschuldeten Land nun zu teuer: Es soll etwas abgespeckt werden (Neues Stadion in Tokio zu teuer, in tagesspiegel.de 24.10.2013).

Vancouver 2010: Waren die Olympischen Winterspiele sieben Milliarden kanadische Dollar wert? Das fragte Forbes angesichts einer Studie von Prof. Bob Van Wynsberghe von der Universität British Columbia. In Vancouver  und Whistler profitierte der Studie zufolge die Infrastruktur, aber der Rest des Landes profitierte nicht (Were The Vancouver Olympics Worth $ 7 Billion? in forbes.com 25.10.2013). Versprochen worden waren Milliarden Dollar Gewinne, ein Tourismus-Boom, Ein Plus für den Bekanntheitsgrad von Vancouver, eine Viertelmillion neue Jobs. Der damalige Premier Gordon Campbell versprach: „Die Spiele werden sich selbst finanzieren“ (Palmer, Vaughn, Main Olympic benefit was to morale: study, in vancouversun.com 26.10.2013). Aber: Es kamen nicht mehr Besucher, und sie blieben nicht länger oder gaben mehr aus. Die Wissenschaftler konnten auch nicht feststellen, dass der Bekanntheitsgrad von Vancouver erhöht worden sei. Die ökonomische Situation für British Columbia war vernachlässigbar. Auch die Zahl der geschaffenen Jobs bewegte sich nur im Rahmen zwischen 38.530 und 51.510. Als Vorteile wurden bezeichnet: Der ausgebaute Sea to Sky Highway, die Verkehrsanbindung an den Flughafen und das Konferenzzentrum an der Vancouver-Pazifikküste.
Fazit: „Vancouver hatte keinen Vorteil durch die Olympischen Spiele während des Austragungsjahres oder danach“ (Ebenda). Der einzige nachweisbare Gewinn war der „feel-good factor“, der aus dem Medaillen-Gewinn und dem Austragen der internationalen Wettbewerbe herrührte (Ebenda).
War das sieben Milliarden kanadische Dollar (rund fünf Milliarden Euro) wert?
Nein, das war es nicht wert. Denn hinzu kommt die Situation des Olympischen Dorfes. Hier standen früher Sozialwohnungen, die abgerissen wurden. Dann ging der Bauträger Millenium pleite, und die Stadt Vancouver musste  einspringen. Die 1100 Wohnungen sollten in einer Mischung aus Eigentumswohnungen, Mietwohnungen und Sozialwohnungen weitergenutzt werden. Nun werden alle verkauft: Den steuerzahler trifft das Desaster immer noch mit umgerechnet 200 Millionen Euro (Calonego, Bernadette, Belebung am False Creek, in SZ 2.11.2013).

——————————————————————————————————————————————

V: Aktuelle Sportsplitter von IOC, DOSB etc.

– Bach belässt Hein Verbruggen im Amt. Der im IOC für die internationale Berichterstattung zuständige frühere Präsident der UCI, Hein Verbruggen, der in quasi jeden Skandal im internationalen Radsport involviert war, wird vom neuen IOC-Präsidenten bis nach Sotschi 2014 im Amt gehalten (Bach beruft Mitarbeiter, in SZ 17.10.2013).

—————————————————————————————————————————————–

VI: Allgemeine Nachrichten

– Ganz traurig: X-Games weg. Mitteilung der Olympiapark GmbH auf Facebook am 4.10.2013: „Völlig überraschend und für uns in keiner Weise absehbar hat ESPN als Veranstalter der X Games die vertraglich vereinbarten Veranstaltungen außerhalb der USA für die Jahre 2014 und 2015 abgesagt. Betroffen sind davon die X Games in München, Barcelona, Tignes und Foz do Iguacu. Dabei wurde gegenüber der Olympiapark München GmbH als Grund die wirtschaftlichen Ergebnisse dieses Jahres bei ESPN genannt. Alle Versuche, mit ESPN noch ins Gespräch zu kommen, wurden abgelehnt. Wir bedauern das sehr, denn für uns waren die X Games Ende Juni trotz der Witterungsproblematik ein großer Erfolg.“
Irgendwie scheint es sich bei der Leitung der Olympiapark GmbH um ein Dilettantenteam zu handeln. „Der gewagte Versuch, die Tourenwagen im Olympia-Rund kreisen zu lassen, schlug aber ebenso fehl wie das Air&Style-Festival und der X-Games-Anlauf“ (Hofmann, René, Verödeter Sportplatz, in SZ 5.10.2013). Dazu der stellvertretende Geschäftsführer Arno Hartung: Der Ausstieg von ESPN „hat uns wirklich völlig kalt erwischt“ (Lode, Silke, Tögel, Ralf, Kalt erwischt, in sueddeutsche.de 4.10.2013). Die X-Games waren als „Nullsummenspiel“ geplant, die Stadt München musste sogar noch eine Ausfallbürgschaft übernehmen.

– Formel 1: Ecclestone lässt noch häufiger fahren. Der vorläufige Formel-1-Kalender 2014:  16. März: Melbourne; 30. März: Sepang/Malaysia; 06. April: Manama/Bahrain; 20. April: Shanghai; 27. April: Yeongam/Südkorea (provisorisch); 11. Mai: Barcelona; 25. Mai: Monte Carlo; 01. Juni New Jersey/USA (provisorisch); 08. Juni: Montréal 22. Juni: Spielberg/Österreich; 06. Juli: Silverstone; 20. Juli Hockenheimring; 27. Juli: Budapest; 24. August: Spa/Belgien; 07. September: Monza; 21. September: Singapur; 05. Oktober: Sotschi/Russland; 12. Oktober: Suzuka/Japan; 26. Oktober: Abu Dhabi; 09. November: Austin/Texas; 16. November: Mexiko City (provisorisch); 30. November: São Paulo. Das bedeutet den Transport des gesamten Formel 1-Equipments mit sechs Jumbojets nach: Australien-Malaysia-China-Südkorea-Spanien-Frankreich-USA-Kanada-Österreich-England-Deutschland-Ungarn-Belgien-Italien-Singapur-Russland-Japan-Abu Dhabi-USA-Mexiko-Brasilien.
Die Erweiterung auf 22 Rennen sei sogar laut Red-Bull-Teamchef Christian Horner eine zu große Belastung für Mitarbeiter und Beschäftigte der Formel 1 (Red-Bull-Teamchef kritisiert geplanten Rekord-Kalender, in spiegelonline 4.10213).
Von der ungeheuren Belastung für die Umwelt reden die Formel-1-Leute nicht! Es gibt in Zeiten des Klimawandels kaum eine Veranstaltung, die so zum Symbol der Unvernunft wird wie die Formel 1: mit höchstem Spritverbrauch weltweit im Kreis fahren.
Vergleiche dazu im Kritischen Olympischen Lexikon: Motorsport

– Siegen durch Einbürgern. Beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) spielen die beiden eingebürgerten Chinesinnen Han Ying und Shan Xiaona. Und sie siegen für gewöhnlich – wie jetzt beim Tischtennis-Länderkampf gegen Rumänien. Für den Sportdirektor des DTTB, Dirk Schimmelpfennig, ist die Sache ganz einfach: „China ist die dominierende Nation im Tischtennis. Spielerinnen, die aus China kommen, spielen irgendwann so lange in Deutschland, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Also, wenn man moralisieren will, stellt man damit auch unser gesellschaftspolitisches System  in Frage“ (Hartmann, Ulrich, „Die beiden bereichern Europas Tischtennis“, in SZ 9.10.2013).
Was will Herr Schimmelpfennig uns damit sagen?

– Neuer DOSB-Präsident. Am 16.10.2013 wurde der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), Alfons Hörmann einstimmig vom DOSB nominiert und wird für (mindestens) ein Jahr wohl  am 7.12.2013 zum neuen DOSB-Präsidenten und Nachfolger von Bach gewählt (Einstimmig für Hörmann, in SZ 17.10.2013). Damit soll vermutlich auch eine Unterstützung der Bewerbung München 2022 geleistet werden. Hörmann sitzt für die CSU im Kreistag Oberallgäu, ist seit 2002 Präsident des Bayerischen Skiverbandes und seit 2005 des DSV. Er gilt „als schlau, aber auch als streng und bisweilen kompromisslos, als einer, der es genießt, an der Spitze zu stehe. Kritiker werfen ihm vor, er sei ein ‚gnadenloser Machtmensch'“ (Kistner, Thomas, Wenige Köpfe, wenige Konturen, in SZ 18.10.2013).
Hörmann war verantwortlich für die nordische Ski-WM 2005 in Oberstdorf (Millionendefzit), die alpine Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen (Millionendefizit), die Biathlon-WM 2012 in Ruhpolding (Millionendefizit). Sportdemokrat Günter Lommer (siehe oben) vom BLSV nannte die Wahl Hörmanns eine „Steilvorlage für Olympia 2022 in München“.
Da wäre dann kein Millionen-, sondern ein Milliardendefizit zu erwarten.
Auf einem Foto in der SZ vom 18.10.2013 ist Hörmann mit dem neuen IOC-Präsidenten Bach zu sehen – mit flächendeckend etikettiertem Anorak: Audi, Gore-Tex, Würth, Bogner. Die Voraussetzung der Sponsorenkompatibilität erfüllt er also.
Hörmann ist außerdem Chef der Hörmann Holding (4.000 Mitarbeitern und 650 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2011 laut Firmen-Webseite) und ist als solcher ziemlich beschäftigt., sodass er kaum die Kreise des DOSB-Generalsekretärs Vesper stören dürfte. Dieser sagte auch gleich eine loyale Zusammenarbeit zu (Teuffel, Friedrich, Der Sport hat zwei Jahreszeiten, in tagesspiegel.de 18.10.2013). Vesper „gilt nicht als harmoniesüchtiger Zeitgenosse. Ist es also egal, wer unter ihm DOSB-Chef wird?“ (Kistner 18.10.2013).
Hörmann setzte nach Amtsantritt 2005 auf den umstrittenen DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller. Originalton Hörmann: „Daran darf und kann ich nichts ändern, wenn wir unsere internationale Spitzenstellung behalten wollen“ (DSV aktiv, 7-8/2005, zitiert nach: Munzinger Archiv). Pfüller (*1949) war von 1968 bis 1971 Biathlet im DDR-Leistungszentrum Zinnwald, wurde 1978 stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Skiläuferverbandes der DDR und ist seit 2002 Sportdirektor des DSV (Wikipedia). Pfüller bestreitet bis heute, vom Doping in der DDR  etwas gewusst zu haben, obwohl 1992 eine Untersuchungskommission zum Ergebnis kam, dass „auch Pfüller mit der Organisation von Doping im Sport in Berührung gekommen sein muss“ (Purschke, Thomas, Sinistrer Forderer, in taz.de 4.3.2013).
Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Hörmann, Alfons
—————————————————————————————————————————————–
VII: Sport-Millionen und -Millionäre

– America’s Cup, Milliardärs-Cup II. Der amerikanische Milliardär Larry Ellison ist mit rund 36 Milliarden Dollar der fünftreichste Mensch der Welt und “hat es sich im Laufe der Jahre fast eine halbe Milliarde kosten lassen, um den America’s Cup und im Zuge dessen wohl das Segeln zu revolutionieren” (Mölter, Joachim, Fliegende Boote, in SZ 27.9.2013). “Nur die Milliardäre Tornquist (Team Artemis, Schweden) und Bertelli (Team Luna Rossa, Italien) wollten sich das leisten – und überraschend das kleine Neuseeland” (Ebenda). Dessen Budget betrug umgerechnet 84 Millionen Euro, das von Oracle lag bei 200 Millionen Euro (Schmieder, Jürgen, Wenn der Böse gewinnt, in SZ 27.9.2013).
Die nächste Runde: Erster Herausforderer beim 35. America’s Cup ist der australische Milliardär Bob Oatley: „Milliardär Bob Oatley und sein Sohn Sandy hatten die offizielle Herausforderung direkt nach dem Ende des entscheidenden 17. Rennens zwischen dem US-Team und dem Team New Zealand (9:8) eingereicht“ (Erster Herausforderer, in SZ 2.10.2013).
Ist es den Milliardären langweilig, oder geht es um das Prinzip: Wer hat das meiste Geld?

– Borussen-Bonus. Hans Joachim Watzke ist Vorsitzender der Geschäftsführung vom Fußballverein Borussia Dortmund. Er hat ein jährliches Festgehalt von 900.000 Euro und erhält  dieses Jahr einen Bonus von 2,156 Millionen Euro. Borussia Dortmund hatte in der Saison 2012/2013 einen Rekordumsatz von 305 Millionen Euro und einen Netto-Gewinn von 53,3 Millionen Euro (Watzke verteidigt Bonus, in SZ 16.10.2013). Der FC Bayern kam auf über 400 Millionen Euro Umsatz mit einem Sponsoring-Anteil von 95 Millionen Euro (FC Bayern mit Rekordumsatz, in SZ 10.10.2013).

– Bernabeu wird umgebaut und verliert Namen. Das Estadio Santiago Bernabéu von Real Madrid wird für viele Millionen von 85.500 auf 90.000 Plätze umgebaut. Deshalb soll der Name verkauft werden. Käufer: der derzeitige Trikotsponsor Emirates. Die Fluglinie aus Dubai bezahlt bereits jährlich 40 Millionen Euro für das Trikotsponsoring bis  2018; der Name Emirates-Stadion ist Emirates wohl noch einmal 50 Millionen Euro jährlich wert (Real Madrid denkt über neuen Stadionamen nach, in spiegelonline 17.10.2013). Wobei auch der jetzige Name bemerkenswert ist: Bernabéu war ein früherer Spieler von Real, der 1944 mit dem Stadionbau beginnen ließ, der bis 1947 abgeschlossen war – niemand weiß, woher in der Kriegszeit Geld und Beton herkamen…
Der FC Barcelona ist bei Katar Airways aus Katar gelandet und der FC Real Madrid bei Emirates aus Dubai: Die fossilen Milliarden ziehen.

– Fußballer-Proteste gegen französische Reichensteuer. Der Spieltag der französischen Ligue 1 am 15.11.2013 soll aus Protest ausfallen. Der Grund ist die „Reichensteuer“ von Präsident Francois Hollande: Für zwei Jahre sollen Löhne und Gehälter, die die eine-Million-Euro-Grenze übersteigen, jenseits der Million mit 75 Prozent besteuert werden. Dies betrifft insgesamt etwa tausend französische Gehälter. Von den erwarteten Mehreinnahmen von 500 Millionen Euro sollen 44 Millionen Euro vom Fußball kommen. Nicht betroffen ist Zlatan Ibrahimovic von Paris Saint Germain, der 14 Millionen Euro netto verdienen soll – die Eigentümer von PSG aus Katar bezahlen auch die Steuerlast (Meiler, Oliver, Frankreichs Klubs wollen streiken, in SZ 25.10.2013).

—————————————————————————————————————————————–
VIII: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa etc.

– Greenpeace im Fußball-Stadion. Beim Spiel FC Basel  gegen Schalke 04 (Sponsor: Gazprom) hängten Greenpeace-Aktivisten ein riesiges Poster über die Tribüne mit dem Text: „Gazprom Don’t foul the Arctic – Free The Arctic 30. Greenpeace„. Uefa-Präsident Michel Platini war Zeuge der Greenpeace-Demonstration. Der russische Staat hat letzte Woche ein Greenpeace-Schiff in internationalen Gewässern gekapert, das gegen Erdöl- und Erdgasausbeutung in der Arktis durch Gazprom protestierte. Das Greenpeace-Schiff wurde abgeschleppt; die Besatzung sitzt im Gefängnis  (Schalke-Gegner Basel droht Strafe, in spiegelonline 2.10.2013). Dem FC Basel droht nun eine Strafe der Uefa (Aumüller, Johannes, Top-Sponsor im Dienste Putins, in sueddeutsche.de 4.10.2013).
Die Greenpeace-Aktivisten klagt der russische Staat wegen Piraterie an; ihnen drohen bis zu 15 Jahren Haft. „Laut Greenpeace lag die ‚Arctic Sunrise‘ 40 Seemeilen vor der russischen Küste, also in internationalen Gewässern. Eine Sprecherin des Grenzschutzes im nordrussischen Gebiet Murmansk sagte hingegen, das Schiff habe sich in der von Russland festgelegten 500 Meter breiten Sperrzone rund um die Bohrinsel befunden“ (Justiz klagt alle Greenpeace-Aktivisten wegen Piraterie an, in spiegelonline 3.10.2013).
Wladimir Putins Sicherheitskräften ist kein Trick zu billig, um Greenpeace zu diffamieren: Nun wurden angeblich Drogen auf der Arctic Sunrise gefunden. Das Schiff liegt schon länger ohne Crew in Murmansk. Ein Greenpeace-Sprecher: „Ich will niemand beschuldigen, aber dort kann man finden, was man will“ (Nun auch noch Drogen, in SZ 10.10.2013).
Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Gazprom
Zu den Risiken der Rohstoff-Erschließung in der Arktis siehe hier. Und im Kritischen Olympischen Lexikon: Gazprom

– Murdock kauft DFL-Rechte. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verkaufte die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga für rund 80 Länder in Amerika, Europa und Asien ab der Saison 2015/16 für fünf Jahre an den TV-Konzern 21st Century Fox von Rupert Murdock. Damit verdoppeln sich die Einnahmen der DFL auf 140 Millionen Euro (Bundesliga weltweit, in SZ 15.10.2013).

– Katar 2022: Blatter gegen B(P)lattini. Die Wahl Katars für die Fußball-WM 2022 wurde mit Sicherheit gegen Geld organisiert, wie Fifa-Generalsekretär Jerôme Valcke in einer Email hinwies. Uefa-Präsident Michel Platini war für Katar, sein Sohn arbeitet dort. Platini will 2015 Fifa-Präsident werden. Sepp Blatter will dies bleiben – seit gefühlten hundert Jahre einschließlich Korruption, Schiebung, Bestechung. In Katar wird es im Sommer bis zu 50 Grad heiß: Das war dem Fifa-Exekutivkomitee „unbekannt“. Nun ist die Verlegung der WM in den Winter spruchreif: November, Januar, Februar… Regressansprüche unterlegener Bewerber stehen im Raum.
Die „Lösung“: Blatter stellt die Ermittlung gegen Platini wegen der WM-Vergabe an Katar ein, Platini kandidiert dafür nicht zum Fifa-Präsidenten. Allerdings ist es dann immer noch heiß in Katar im Sommer 2022 (vgl. Kistner, Thomas, Auftritt der Strategen, in SZ 5.10.2013).

– White Elephant: 2010 fertig, 2013 abgerissen? Das Cape Town Stadium in Kapstadt hatte sich Fifa-Präsident Blatter bei einem Segeltörn ausgedacht, weil ihm das alte nicht repräsentativ erschien. Und das Hamburger Sport-Büro Gerkan, Marg und Partner baute es für die Fußball-WM 2010. „Demolish it!“ (Reisst es ab!) riefen  Bewohner Anfang Oktober auf einer Bürgerversammlung. Es hat 55.000 Plätze, über 400 Millionen Dollar gekostet, steht meist leer – und verursacht vier Millionen Euro Unterhaltskosten pro Jahr. Läden, Events und Restaurants sollen es beleben. „Bis auf weiteres jedoch liegt das Stadion am Atlantikufer verlassen wie ein gestrandeter Ozeanriese da“ (Elefant am Kap, in spiegelonline 14.10.2013).

– Blatter großzügig?! Blatter sorgt sich um Afrika! Der Kontinent sei „unterpräsentiert“. In Europa kämpfen 53 Nationen um 13 Endrundenplätze für die WM 2014, in Afrika 54 Nationen um fünf (Blatter für mehr Afrika-Teams, in SZ 26.10.2013).
Und schon gibt es neue Stimmen für Blatter aus Afrika bei der Wahl zum Fifa-Ewigkeitspräsidenten 2015. Und vielleicht ein paar neue Stadien, siehe oben…

– Noch größere Fußball-WM, noch mehr Glück. Da Fifa-Präsident Sepp Blatter mehr afrikanische und asiatische Länder – zu Lasten der Europäer – möchte, schlug Uefa-Präsident Michel Platini vor, die Zahl der teilnehmenden Länder von 32 auf 40 zu erhöhen: „Wir haben 209 Mitgliedsverbände, warum sollten wir reduzieren? Macht mehr Menschen glücklich!“ (Platinis nächste Idee, in SZ 29.10.2013). Dadurch würde die Zahl der Vorrundenspiele von 48 auf 80 steigen. Thomas Kistner schrieb zum „Zicken-Krieg“ von Blatter und Platini: „Es ist das kinderleicht verdiente Geld des Fußballs, das es dem Sepp und dem Michel erlaubt, sich wie die Marx-Brothers der temporären Fußballpolitik aufzuführen“ (Kistner, Thomas, Zicken-Krieg, in SZ 312.10.2013).

– Rasssismus im Fußballstadion. Der Fußballer Yaya Touré von der Elfenbeinküste trug beim Spiel seines Vereins in Moskau am 23.10.2013 die Kapitänsbinde, auf der stand: „Nein zu Rassismus“. „Der dunkelhäutige Mittelfeldspieler von Manchester City musste sich beim 2:1-Erfolg in der Champions League bei ZSKA Moskau Affengeschrei anhören – und das am Aktionstag der Uefa gegen Rassismus“ (Touré schockiert, in SZ 23.10.2013).
Soviel zu Platinis „Macht mehr Menschen glücklich“, siehe oben.
Thomas Kistner kommentierte in der SZ:Könnte es sein, dass prallvollen Stadien, die manchen Menschen als Lebensmittelpunkt gelten, eine Ventilwirkung eignet? Dass sie ideale Abspielfläche sind für jede Art von Diskriminierung, speziell in Ländern wie dem künftigen Olympia- und Fußball-WM-Gastgeber Russland, das stolz ist auf sein Gesetz gegen homosexuelle Umtriebe?  In der Praxis sind Rassismus, Homophobie und andere Geschwüre fester Bestandteil dieser Körperleistungs-Industrie namens Sport. Im Widerspruch dazu steht die Propaganda der Fifa und ihres Europa-Ablegers Uefa. Es ist zwei Jahre her, dass Fifa-Chef Sepp Blatter die Einschätzung vertrat, es gebe keinen Rassismus im Fußball; falls doch, empfahl er Betroffenen einen Händedruck: Gut ist.  Die Verharmlosung der Missstände trug ihm Rücktrittsforderungen von Gewerkschaften und Nationalspielern ein; Blatter ignorierte sie. Seitdem schritt die allgemeine Entgleisung voran“ (Verharmloster Missstand, in SZ 25.10.2013).

– Leuchtspur-Munition auf Zuschauer. Beim Spiel Schalke 04 gegen Borussia Dortmund feuerten BVB-Anhänger gezielt Leuchtspur-Munition in Schalker Sitzblocks, wo auch Kinder und ältere Zuschauer waren. Die verfeindeten Extrem-Fanblocks von je 500 Mann mussten von einem starken Polizeiaufgebot getrennt werden. In Verdacht stehen die BVB-Fangruppen „Desperados“ und „Northside“ (Röckenhaus, Freddie, „Völlig unkontrolliert herumgeballert“, in SZ 28.10.2013). In diesem Zusammenhang titelte spiegelonline am 13.11.2013 einen Beitrag „Hooligans und Neonazis unterwandern deutschen Fußball“ und erwähnte auch ein Mitglied der Dortmunder Hooligangruppe „Northside“: „Völlig unverhohlen reisst er sein T-Shirt hoch, entblößt seinen durchtrainierten Körper. Mit dem rechten Arm zeigt er den Hitlergruß“ (Buschmann, Rafael, spiegelonline 13.11.2013).
Soviel zu Platinis „Macht mehr Menschen glücklich“, siehe oben.

– Brasilien verklagt Fifa. Derzeitige Gesamtkosten für die WM 2014: elf Milliarden Euro. Nun will Brasiliens  Regierung von der Fifa eine Kostenübernahme von 400 Millionen Euro für temporäre WM-Installationen. Die Fifa ändert – wie das IOC – einseitig die Verträge: „Die Fifa pocht auf den Veranstaltervertrag sowie auf spätere Zusatzvereinbarungen von 2009. Doch Brasiliens Justiz wirkt gut gerüstet. Sie entnimmt diesen Zusatzvereinbarungen, dass die Fifa die Finanzierungspflicht für die temporären Bauten in den WM-Stadien erst 2009, kurz vor Verkündung der Spielstätten, mitgeteilt habe. Im Grundvertrag von 2007 sei sie nicht enthalten. Das MPF sieht hier eine nachträgliche Änderung, die die Fifa Brasilien ohne Veto-Chance auferlegt habe“ (Kistner, Thomas, Brasilien klagt gegen Fifa, in dradio.de 25.10.2013).

IHF: Der Pharao und die Wiederwahl. Der Präsident des Internationalen Handball-Verbandes, der Ägypter Hassan Moustafa, wird auch der „Pharao“ genannt. „In der Internationalen Handball-Föderation (IHF) hat Hassan Moustafa schon lange keine Gegner mehr. Dass der Ägypter beim IHF-Kongress im Oktober in Doha für vier weitere Jahre gewählt wird, gilt als sicher“ (Eggers, Erik, Rückschlag für den Pharao, in dradio.de 26.9.2013). Er regiert seit 2000 im Welthandball – das wäre dann bis 2017 exakt 17 Jahre Handball-Pharao.
Und so kam es auch. Ohne Gegenkandidaten wurde der Pharao mit über 90 Prozent gewählt. Auch Schatzmeister Sandi Sola aus Kroatien wurde im Amt bestätigt: Fast hätte das nicht geklappt. „Der frühere Bankmanager Sola war freilich erst im Juli aus dem Gefängnis in seiner Heimat Kroatien entlassen worden, wo er drei Monate wegen des Verdachts auf Betrug und Unterschlagung in Untersuchungshaft saß“ (Jetzt auch mit Tuvalu, in SZ 28.10.2013).
Und der IHF ging den Weg der Sportdemokratur, den vor ihm auch sachon IOC, Fifa und viele andere Sportverbände gingen: Neue Mitglieder wurden Bhutan, Brunei, Kambodscha und die Föderierten Staaten von Mikronesien, Guam, Kiribati, St. Lucia, der Marshall Inseln, Papua Neuguinea, Swasiland und Tuvalu. Damit sind 199 Länder Mitglied – jedes hat EINE Stimme. D.h. der Deutsche Handball-Bund hat eine Stimme – und Tuvalu auch.
So lassen sich leicht Mehrheiten schaffen. Sportdemokratur eben.
Vergleiche hierzu im Kritischen Olympischen Lexikon: Moustafa, Hassan

– DFB-Präsident Niersbach will Fußball-EM 2024. Wolfgang Niersbach begrüßte am 24.10.2013 Uefa-Präsident Michel Platini mit „Très cher Michel“ und kündigte an, dass sich Deutschland um die Austragung der Fußball-EM 2024 bewerben wolle. Niersbach hatte sich in den eineinhalb Jahren seit Amtsantritt vornehm bei kritischen Themen zurückgehalten – wie z.B. die Affären der Fifa und ihres Präsidenten Blatter oder die Zustände auf den Baustellen der Fußball-WM 2022 in Katar. Niersbach wurde dann bei der DFB-Delegiertenversammlung am 25.10.2013 als DFB-Präsident wiedergewählt: „ohne Gegenkandidaten und mutmaßlich ohne größere Debatte, wie sich das halt für einen anständigen Sportverband gehört“ (Aumüller, Johannes, Ein Geschenk für die Wiederwahl, in SZ 25.10.2013). Zunächst erfolgte die Wahl per Akklamation: Eine Nachfrage nach Enthaltungen oder Gegenstimmen unterblieb zunächst, bis der für Rechtsfragen zuständige Vize-Präsident dies nachholte: „Dass dann niemand ein Kärtchen hob, versteht sich fast von selbst“ (Aumüller, Johannes, Niersbachs Botschaften, in SZ 26.10.2013). Niersbach hatte sich in den eineinhalb Jahren seit Amtsantritt vornehm bei kritischen Themen zurückgehalten – wie z.B. die Affären der Fifa und ihres Präsidenten Blatter oder die Zustände auf den Baustellen der Fußball-WM 2022 in Katar.

—————————————————————————————————————————————–

IX: Doping-News

– Dumm gelaufen: Spanische Doperin sitzt im Parlament. Die Leichtathletin Marta Dominguez (2002 Europameisterin über 5000 m in München, 2009 Weltmeisterin über 3000-Meter-Hindernislauf in Berlin) ist wegen ihrer Blutwerte zum zweiten Mal unter Dopingverdacht. Sie wurde schon im Zusammenhang mit der „Operación Perto“ kurzfristig festgenommen. Dominguez sitzt für die Regierungspartei PP im Oberhaus des Parlaments. Der Disziplinarausschuss des spanischen Leichtathletikverbandes wollte sich nicht mit dem Fall befassen und reichte ihn an die Sportbehörde CSD weiter. Die beruft sich darauf, dass es nicht zu ihren Aufgaben gehöre, über Doping-Sanktionen zu befinden. Die Behörde CSD ist der Regierung unterstellt: heikel (Eine politisch unkorrekte Affäre, in faz.net 9.10.2013).

– Doping in Jamaika. 1) Am 4.5.2013 wurde die jamaikanische Sprinterin Veronica Campbell-Brown positiv auf das Dioretikum Diuretika getestet, mit dem die Verwendung harter Leistungssteigerungsmittel verschleiert werden kann. Jetzt entschied die Disziplinar-Kommission des jamaikanischen Leichtathletik-Verbandes JAAA, welche Strafe die dreimalige Sprint-Olympiasiegerin erhalten soll: gar keine. Campbell-Brown wurde nur öffentlich verwarnt (Verwarnung statt Sperre, in SZ 4.10.2013). – 2) Die frühere Chefin der Anti-Doping-Agentur Jadco, Renée Anne Shirley, sagte, „dass es in den Monaten vor den Olympischen Spielen 2012 in London praktisch keine unangemeldeten Trainingskontrollen bei den jamaikanischen Athleten gegeben habe. (…) Jadco-Chef Herbert Elliott nannte Shirleys Darstellungen eine Lüge“. Wada-Präsident Howman äußerte: „Es gab eine Zeit von ungefähr fünf bis sechs Monaten in der ersten Hälfte des Jahres 2012, in der es keine wirksamen Operationen (der Jadco) gab.“ Howman war auch verärgert, weil eine Inspektion der Wada erst für 2014 angeboten wurde (Lax im Dopingkampf, in SZ 15.10.2013). – 3) Elliott erklärte Ende Oktober, dass drei Wada-Inspektoren schon am 28.10.2013 Jamaika besuchen würden (Wada inspiziert Jamaika, in SZ 25.10.2013). – 4) „Jamaikas Helden räumten in London acht von zwölf Einzelmedaillen über 100 und 200 Meter ab; allein Bolt holte dreimal Gold. Wie schon bei den Spielen 2008 in Peking, als sein Stern aufging. Seitdem schwelt die Vernunftsfrage: Wie ist es möglich, dass in einer Weltpopulation von bald sieben Milliarden Menschen der schnellste Mann und die schnellsten Frauen von derselben kleinen Zuckerinsel stammen?“ (Kistner, Thomas, Süßkartoffeln mit Sprengkraft, in SZ 19.10.2013). – 5) „Der jähe jamaikanische Rekordboom aber hat sich unter höchst branchenüblichen Verdachts- momenten entwickelt – nicht nur die schnellen Beine auf der Karibik-Insel sind legendär, sondern auch die laxen Dopingtests. Allein vor der Leichtathletik-WM im August in Moskau gab es drei prominente Sündenfälle: Die dreimalige Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown, 100-Meter-Weltrekordler Asafa Powell und Sprinterin Sherone Simpson wurden geschnappt“ (Ebenda). – 6) „Seit 2008 rennt Bolt alles in Grund und Boden, darunter zahllose Dopingsünder, die Spitzenläufer seiner Zeit“ (Ebenda). – 7) Renée Anne Shirley sagte im Oktober 2013 dem britischen Telegraph, „die Agentur sei unterbesetzt und bewältige keine Bluttests“ (Hahn, Thomas, Flucht ins Ungefähre, in SZ 20.11.2013). – 8) „Über den Jadco-Vorsitzenden Herb Elliott (…) berichtete zuletzt das Wall Street Journal, dass sich dessen Akademiker-Titel von den Universitäten in Columbia und Brüssel nicht bestätigen ließen“ (Ebenda).  – 9) Die Führung der Jadco trat Ende November 2013 zurück. „Allein in diesem Jahr wurden acht Doping-Fälle jamaikanischer Sportler bekannt“ (Jamaika reagiert, in SZ 25.11.2013).

– Neue Bundesregierung erwägt Anti-Doping-Gesetz. Die europäischen Länder Spanien,. Italien, Schweden, Norwegen, Österreich und andere haben Anti-Doping-Gesetze. In Deutschland hat der DOSB eine Verschärfung der Gesetzgebung bisher verhindert. Selbstschädigung ist in Deutschland grundsätzlich nicht verboten; außerdem muss der Beweis erfolgen, dass ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist (Keil, Christopher, Sauber siegen, in SZ 9.10.2013). Nun wird eine solche Antidoping-Gesetzgebung in Berlin erwogen. Allerdings dürfen die Erwartungen nicht allzu hoch angesetzt werden: Als das Bundesinnenministerium bei allen Ländern mit Anti-Doping-Gesetz nachfragte, hatte es in keinem seit 2009 eine Verurteilung gegeben (Ebenda).

UCI beruft Anwalt eines Dopers. Der frühere Anwalt Antonio Rigozzi des spanischen Radsportlers und Dopers Alberto Contador wurde in das UCI-Gremium externer Rechtsberater berufen. Er ersetzt den Belgier Philippe Verbiest. „Dieser hatte in dem wegen Clenbuterol-Dopings mit einer Sperre belegten Fall Contador die UCI vor dem Internationalen Gerichtshof CAS gegen den ehemaligen Tour-Gewinner und Rigozzi vertreten“ (UCI beruft Contadors Anwalt, in SZ 12.10.2013).

– Pferdedoping.  Prinzessin Haya bint Al Hussein von Jordanien ist eine der Ehefrauen von Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum, Emir von Dubai und die Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), seit 2007 IOC-Mitglied. Ihr Ehemann ist in den Distanzreiter-Skandal verwickelt. “33 Dopingverfahren in jüngerer Vergangenheit bei internationalen Distanzritten, fast alle bei Pferden aus arabischen Ländern, allein 20 von ihnen aus den Ställen der Maktoum-Familie, eine Häufung von Knochenfrakturen und Zusammenbrüchen sowie dreiste Regelverstöße haben seit dem Frühjahr das Langstreckenreiten in Misskredit gebracht. Jetzt hat der frühere Distanzreiter und belgische Nationaltrainer Pierre Arnould im Londoner Daily Telegraph davor gewarnt, dass das Distanzreiten in seiner Existenz bedroht sei, falls der Dachverband nicht endlich tätig wird. Arnould spricht von Dutzenden toten Pferden in der Saison 2011 bis 2012 in den Langstreckenrennen des mittleren Osten. (…) Scheich Mohammed, der wegen Dopings bereits 2009 sechs Monate gesperrt war, hat ausgerechnet seine Ehefrau beauftragt, die Vorkommnisse in seinen Ställen aufzuklären. Er will von den Machenschaften seines Personals nichts gewusst haben, auch nicht von den 124 Doping-Medikamenten (Schmerzmittel, Anabolika, Entzündungshemmer), die, verpackt in einer Kiste mit der Aufschrift „Horse Tack“ (Sattelzeug), im August in seiner Privatmaschine am Londoner Flughafen Stanstead von der britischen Polizei beschlagnahmt und vernichtet wurden” (Pochhammer, Gabriele, „Dutzende tote Pferde“, in 21.10.2013). Arnould erwähnte auch die Bestechung von Offiziellen, worauf ihm der Generaldirektor der FEI, Ingmar de Vos, Illoyalität und Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht vorwarf. Prinzessin Haya wird von Kritikern Befangenheit aufgrund ihrer familiären Beziehung vorgeworfen (Ebenda).

 – Rennstall Gerolsteiner. Der frühere Radrennfahrer Stefan Schumacher war beim Radrennstall Gerolsteiner und stand im April 2013 wegen Doping vor Gericht. Ernst Jakob war leitender Teamarzt bei Gerolsteiner. Er „beantwortet sämtliche Fragen mit dem Satz: ‚Ich werde dazu keine Stellungnahme abgeben.’ Der Schüler des Freiburger Gurus Joseph Keul betreute einst Jan Ullrich beim Team Bianchi; 2006 bei Olympia in Turin wollte er hohe Blutwerte der Langläuferin Evi Sachenbacher mit genetischer Disposition wegerklären und scheiterte damit vor dem Weltsportgerichtshof CAS“ (Hartmann 9.4.2013; Hervorhebung WZ). Und warum gibt es üblicherweise so wenig Zeugenaussagen wie jetzt im Fall Gerolsteiner? Thomas Kistner schrieb in der SZ dazu: „Die vier Gruppen – Athleten, Ärzte, Betreuer, Teamchefs – kommunizieren zum Doping untereinander aus Schutzgründen nach dem Vier- bis Sechs-Augen-Prinzip, wobei die obersten Sachverwalter nicht in das Procedere eingreifen müssen: Wirtschaftszwänge und innere Logik des Leistungsbetriebs sorgen schon bald dafür, dass der aufstrebende Athlet bald selbst bei Ärzten und Betreuern vorstellig wird“ (Kistner 10.4.2013).
Am 29.10.2013 wurde Stefan Schumacher vom Betrugsvorwurf freigesprochen. Im Oktober 2013 hat die Staatsanwaltschaft Hagen das Verfahren gegen Ernst Jakob eingestellt. Die Ermittlungen hätten „keinen genügenden Anlass zur Anklageerhebung “ ergeben. Teile der Vorwürfe seien verjährt; nach 2008 keine strafbaren Handlungen nachzuweisen (Ermittlungen beendet, in SZ 31.10.2013).

—————————————————————————————————————————————–
X: Die Sportsender ARD/ZDF im Oktober 2013

Die Auflistung der Sportsendung erfolgte nur für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, nicht für die Dritten Programme und ist vermutlich nicht vollständig (Sondersendungen!).

Finanziert werden diese Sportsendungen durch die zwangsweise erhobenen Rundfunkgebühren.
Vergleiche auch hierzu: Die öffentlich-rechtlichen Sport-Sender

Ergebnis für Oktober 2013:

ARD = 1235  min = 20 h 35 min; ZDF = 1260  min =  21 h  0 min

ARD und ZDF gesamt: 2495 min = 41 h 35 min

2.10. ZDF Uefa Champions League 19.20 – 19.35: 15 min
ZDF Uefa Champions League 20.25 – 23.15: 170 min
ZDF Uefa Champions League 1.10 – 2.45: 95 min
4.10. ARD Sportschau 19.45 – 19.50: 5 min
5.10. ARD Sportschau 18.00 – 20.00: 120 min
ZDF Das akt. Sportstudio  23.00 – 0.25: 85 min
6.10. ARD Sportschau  18.00 – 18.30: 30 min
ZDF SportExtra 16.05 – 17.00: 55 min
ZDF Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
15.10. ZDF SportExtra Schweden-Deutschland 20.15 – 23.45: 210 min
18.10. ARD Sportschau 19.45 – 19.50: 5 min
19.10. ARD Sportschau 14.30 – 16.00: 90 min
ARD Sportschau 18.00 –  20.00: 120 min
ZDF
Das aktuelle Sportstudio 23.00 –  0.25: 85 min
20.10. ARD Sportschau live 13.15 – 16.15: 180 min
ARD
Sportschau 0.20 – 0.40: 20 min
ZDF
Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
23.10. ZDF Uefa Champions League 19.20 – 19.35: 15 min
ZDF Champions League 20.25 – 23.15: 170 min
ZDF Champions League 0.45 – 2.20: 95 min
25.10. ARD Sportschau 19.45 – 19.50: 5 min
26.10. ARD Sportschau live Ski 9.25 – 10.40: 75 min
ARD Ski Alpin 12.30 – 14.00: 90 min
ARD Sportschau Fußball  15.30 – 17.50: 140 min
ARD 18.Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ZDF Aktuelles Sportstudio 23.00 – 0.25: 85 min
27.10. ARD Sportschau Ski 9.25 – 10.30: 85 min
ARD Sportschau Ski 12.40 – 14.00: 80 min
ARD Sportschau 18.00 – 18.30: 30  min
ARD Sportschau 0.05 – 0.30: 25 min
ZDF Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
30.10. ARD Sportschau Frauenfußball 17.45 – 20.00: 135 min


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

nach oben