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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Juli 2013

 
Zuletzt geändert am 20.08.2013 @ 11:54

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Im Juni 2013 besuchten 19.846 Internet-Nutzer unsere Nolympia-Webseite. Von Februar 2010 bis einschließlich Juni 2013 hatten wir 549.947 Besucher. Nach dem Beitrag “Das Geschäft mit den X Games” wurde Nolympia.de am Ende des Monats von jeweils über 1000 Besuchern besucht.
Wir bedanken uns für das anhaltende Interesse.

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Termine zur Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022:

Juli 2012:     Die USA sagen für die Bewerbung 2022 ab.
3.3.2013:
     Volksabstimmung OWSGraubünden 2022: ABGEWÄHLT
7.-9.3.2013:
Volksbefragung in Wien über OSS “Wien 2028″: ABGEWÄHLT
9.9.2013:     Abstimmung in Oslo über OWS “Oslo 2022″; Endstand nach www.vg.no/nyheter zur Frage,                       ob Oslo 2022 stattfinden soll: 51,83 Prozent Nein, 46,17 Prozent Ja, 2,1 Unentschieden
30.9.2013:    DOSB und Sportverbände geben gnädig bekannt, ob sie sich mit München 2022 bewerben                            wollen
10.11.2013:  Abstimmung in München über OWSMünchen 2022″ (eventuell)
14.11.2013:  Annahmeschluss beim IOC für die Bewerbung 2022
31.7.2015:    Entscheidung über den Austragungsort 2022
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Zitate des Monats:

Die Fifa zum Confed Cup, Juni 2013 in Brasilien: „Der Fifa Konföderationen-Pokal fand in einer Zeit breiter Massenproteste im ganzen Land statt, doch der Fußball brachte die Menschen in den Stadien zusammen. Das Turnier sorgte für reichlich Gesprächsstoff, insbesondere wegen der unglaublich vielen Tore“ (Glanz und Gloria für den Gastgeber, in fifa.com 1.7.2013). Vergleiche auch unter „Aktuelles“: Brasilianisches Tagebuch

IOC-Mitglied und Ex-Wada-Chef Richard Pound: „Die Fifa hat scheinbar die Vorstellung, dass sie mächtiger ist als die meisten Regierungen. Vielleicht stimmt das ja“ (Ostermann, Michael, Pound: Der Sport wird bald in eine Krise geraten, in sportschau.de 9.7.2013).

Sport ist … Ude: „mir meistens zu anstrengend.“ Ihr aktueller Fitnesszustand? Ude: „Siehe oben“ (Der Münchner OB Christian Ude im Interview Einmal Gips, immer Gips, in SZ 11.7.2013).

Bundessport-Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zur Kritik an der globalen US-amerikanischen Internetüberwachung: „Diese Mischung aus Antiamerikanismus und Naivität geht mir gewaltig auf den Senkel“ (Kamann, Matthias, Was der Senkel über die Angst der Politiker verrät, in Die Welt 14.7.2013; Näheres zu Friedrich siehe unter IV).

Ludwig Spaenle (CSU), bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus, zur Bewerbung München 2022: „Wir sind seit jeher entschlossen, alles Erforderliche zu tun, um dieses internationale Friedensfest nach München zu holen“ (Hutter, Dominik, Der Kampf um die Spiele, in SZ 17.7.2013).
Herr Spaenle sollte sich mal das Brasilianische Tagebuch zu Gemüte führen, um etwas über den wahren Charakter dieses „Friedensfestes“ zu erfahren.

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): „Wer für die Zukunft der Heimat auch für die Kinder und Enkelkinder ist, der muss für Olympia 2022 sein“ (traunsteiner-tagblatt.de 22.7.2013).

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Die Gliederung im Juli 2013 sieht so aus:

I: Nachrichten von Olympischen Spielen
II: “München olympisch″
III: Aktuelle Sportsplitter vom IOC, DOSB etc.
IV: Allgemeine Nachrichten
V: Sport-Millionen und -Millionäre
VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa etc.
VII: Doping-News
VIII: Die Sportsender ARD/ZDF

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I: Nachrichten von Olympischen Spielen

– Vorturnen für 2020 in Lausanne. Die Präsentation der drei Olympiakandidaten Madrid, Istanbul und Tokio für die Sommerspiele 2020 am 3.7.2013 beim IOC in Lausanne schien bizarr gewesen zu sein.
Istanbul: „Das Interesse der Olympier an der Sicherheitslage schien gering. Keine einzige Frage wurde der türkischen Delegation aus dem Plenum der außerordentlichen Vollversammlung in Lausanne zu den Protesten und der Polizei-Eskalation gestellt, obwohl mit dem stellvertretenden Premierminister Ali Babacan ein kompetenter Ansprechpartner nach Lausanne gekommen war. Niemand nahm es der Delegation übel, dass die Proteste nur beiläufig erwähnt wurden und stattdessen viel von Jugend, Strahlkraft und Vielfalt die Rede war, von der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, von Infrastruktur-Projekten und gigantischen Neubauten – obwohl ausgerechnet ein Bauvorhaben die Proteste in Istanbul auslöste. Und das in einer Zeit, da sowohl das IOC als auch der Welt-Fußballverband immer massiver von sozialen und politischen Problemen eingeholt werden (Simeoni, Evi, Madrid, der Sieger des Tages, in faz.net 3.7.2013; Hervorhebung WZ).
Madrid: bot den spanischen Kronprinzen auf – und den Wirtschaftsminister Luis de Guindos, „der mit großer Verve versicherte, dass Spiele 2020 in Madrid nicht unter der dramatischen Finanzschwäche des Landes würde leiden müssen“ (Ebenda).
Da fragt man sich doch: Wie will Madrid die Olympischen Spiele finanzieren? Man denke nur an die unbegrenzte Defizitgarantie etc. Das ganze Land würde unter den Olympischen Spielen leiden.
Tokio: „ist die sicherste Stadt der Welt“, so die Präsentation.
War da nicht was?
Sonstiges: Zu den Massenprotesten in Brasilien und Istanbul sagte der IOC-Präsidentschaftskandidat Richard Carrion zweideutig: „Wir hätten stocktaub sein müssen, nicht zu hören, was die Leute auf der Straße zu sagen haben… Wir hören uns die Botschaft besser an, wenn wir uns daran machen, Gastgeberstädte zu wählen“ (Ebenda). Aber wenn die Leute nichts einsehen? Und Thomas Bach? „Bach wandte ein, es müsste besser kommuniziert werden, welche positiven Auswirkungen Olympische Spiele auf ein Land hätten“ (Ebenda).
Vermutlich gibt es da nichts zu kommunizieren – außer vor frenetischen München-2022-Freunden.

London 2012 schöngefärbt. Ein Jahr nach den Olympischen Sommerspielen London 2012 präsentierte das britische Handels- und Investmentamt einen Milliardenüberschuss in einem Beitrag mit dem bezeichnenden Titel „Turning the Games into Gold“ (19.7.2013). Die Spiele hätten für einen zusätzlichen Umsatz von umgerechnet 11,5 Milliarden Euro gesorgt. Da die Spiele offiziell 10,19 Milliarden Euro gekostet hätten, wäre ein Gewinn von über eine Milliarde Euro entstanden. Die taz untersuchte die Zahlen: 1,9 Milliarden Pfund für „Extra-Investitionen“ werden als „eher spekulativ“ bezeichnet, der „Extra-Verkaufsumsatz“ von 5,9 Milliarden Pfund „hält einer Überprüfung nur schwer statt (Unschlagbar im Schönfärben, in taz.de 21.7.2013). „BBC-Wirtschaftsredakteurin Stephanie Flanders hat festgestellt, dass in dem Dossier Daten des ungefähren Umsatzes fehlen, der gemacht worden wäre, wenn die Spiele gar nicht stattgefunden hätten“ (Ebenda). Zur Behauptung, dass die Spiele dem Breitensport genützt hätten, schrieb Zoe Williams im Guardian, dass künftige Generation nicht von einem so flüchtigen Ereignis wie Olympische Spiele profitieren können, wenn sie unter einer Regierung aufwachsen, die den Schulsport beschneidet und Schulsportplätze verscherbelt: 50 waren es unter der derzeitigen Koalition, und die Labour Regierung verkaufte zwischen 2001 und 2010 sogar 242 Sportplätze (Williams, Zoe, London 2012 added up to more than pounds and pence, in the Guardian 19.7.2013).
Auch die SZ stellte fest, „auch diesem regierungsamtlichen Wirtschaftscoup mangelt es an nachvollziehbaren Basis… Das Zauberzahlenwerk wurde von unabhängigen Experten auf das reduziert, was heute Haupterbe jener WM ist: ein Sommermärchen. Unter Weglassung von Begleit-, Folge-, Sicherheits-, Opportunitäts- und sonstigen Kosten lassen sich die Muskelmessen des Sports halt locker für das zahlende Publikum schönrechnen“ (Kistner, Thomas, Britisches Sommermärchen, in SZ 22.7.2013).
– Frühe Disqualifikation für olympisches Erbe. Oliver Wainwright stellte sich im Guardian die Frage, was man eigentlich für die Kosten von elf Milliarden Pfund bei London 2012 bekommen habe. Die Kritik der Architektur war ziemlich vernichtend. Fazit: Bauen auf dem Gelände eines globalen Events wie Olympische Spiele ist ein schwieriger und teurer Weg, um eine gute Stadtplanung zu erreichen. „Um achtsame, großzügige Orte zu bauen, brauchen wir dazu wirklich die Olympischen Spiele als Entschuldigung?“ (Wainwright, Oliver, London’s Olympics legacy faces early disqualification in the Guardian 21.7.2013).

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II: “München olympisch″

– Fazit der X-Games in München 27. – 30-6.2013:
– “Der Bezirksausschuss stellt einen Dringlichkeitsantrag an das Münchner Umweltreferat mit der Forderung, den derzeitigen Lärmpegel bei den X-Games sofort nach unten zu regeln” (Zu viel Lärm? Anwohner gehen auf die Barrikaden, in abendzeitung-muenchen.de 28.6.2013).
– “Man kann seinem Jungen (Mädchen sind bei den X Games nur am Rand beteiligt) aber auch etwas Motorisiertes vors Kinderzimmer stellen. Eine 250-Kubik-Crossmaschine, mit der man springen kann, oder einen kleinen Rennwagen vielleicht, muss ja nicht gleich ein RallyCross-Fiesta mit 550 PS sein, wie sie die X-Games-Piloten am FröttmaRing bewegen. Oder vielleicht doch erst mal ein BMX-Rad, mit dem die X-Games-Helden helikoptermäßig über die Riesenschanze fliegen, manchmal auch direkt ins Krankenhaus” (Eder, Michael, Das Olympia von übermorgen, in faz.net 30.6.2012).
– “Wer stürzt, entschuldigt sich später für die Schwäche, gern über Twitter an alle Welt, wie der Amerikaner James Foster, der am Freitag mit seinem BMX in die Rampe fuhr und auf Kopf und Schulter landete” (Perkuhn 30.6.2013). – “Der Kalifornier wurde trotz Helm mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht, der spätere Sieger Chad Kagy meinte lapidar: ‘Wer Angst hat, darf nicht starten” (Tögel, Ralf, Happening im Luftraum, in SZ 1.7.2013). – “Nach einer Stunde Unterbrechung, in der viel Werbung über die Großbildleinwand flimmerte und die Moderatoren ‘den blauen Himmel’ lobten, wurde der Wettkampf fortgeführt” (Ignatowitsch, Julian, Warmbrunn, Benedikt, Von Rädern und Rollen, in SZ 1.7.2013).
– “Was all die Stürze, die Sprünge, das Inkaufnehmen mit ihm, seinem Körper, in zehn, zwanzig Jahren macht, darüber denke er nicht nach, sagt Chris Cole. ‘Später in meinem Leben habe ich lieber Schmerzen, als etwas zu bereuen’“ (Ebenda).
– “Das Spektakel der Freestyle-Motocrosser musste als einziger Wettbewerb komplett abgesagt werden: Zu feucht war der Untergrund. „Wir hätten über Nacht 12000 Kubikmeter Dirt austauschen müssen“, sagte Frank Seipp, der Organisations-Chef. Kartenbesitzern, die von den Verschiebungen im Zeitplan betroffen sind, empfahl Huber, sich zwecks der fälligen Rückerstattungen schriftlich an den Anbieter ‘München Ticket’ zu wenden” (Becker, Thomas, Erst NIX-Games, dann “beste Werbung”, in abendzeitung-muenchen.de 30.6.2013).
– “Die Spiele wirkten auf den ersten Blick tatsächlich wie die rücksichtslose Spektakel-Phantasie ihrer Erfinder vom US-Privatkanal ESPN… ‘Innovation ist ein großer Teil des Freestyle“, sagt der US-Motocrosser Nate Adams, in München Bronze-Gewinner im Speed- and Style-Contest. ‘Was Neues finden, etwas, das noch niemand gesehen hat. Gefährlicher, technischer. Dadurch bleibt es nie gleich, irgendjemand macht immer was Neues, um Fernsehzeit zu bekommen und einen Sponsor’… Skateboarder Chris Cole sagt, dass er im Adrenalin-Rausch die Härten der Jagd nach Neuem gar nicht so spüre, außerdem: „Mein Wille, das umzusetzen, nach was ich mich einmal gesehnt habe, ist viel größer als der Schmerz, den ich dabei einstecken werde.“ Und der Motocrosser Edgar Torronteras aus Spanien, in München Gewinner des Kunstsprung-Wettkampfes Best Whip, sagt auf die Frage nach dem Schmerz: ‘Wenn ich Schmerzen habe, nehme ich Pillen. So ist das’… Er lüftet seinen Kragen und zeigt die kantige Stahlplatte, die sein Schlüsselbein ersetzt, er schiebt das Hosenbein hoch, zeigt die Narbe am Fußgelenk und ruckelt am Knie, das kaputte Kreuzbänder aufweist. Das ist der Preis, und ihm ist klar, dass das Publikum davon nichts wissen will” (Hahn, Thomas, Show der Schmerzensleute, in SZ 1.7.2013).
– “Höher, schneller, weiter: Der Druck auf die Athleten, immer neue Spektakel zu bieten, der Drang zum Extremen, wird den X Games gern zum Vorwurf gemacht, doch letztlich ist dies nur das Grundgesetz des Leistungssports. Die X Games nehmen es nur ziemlich ernst. In der X-Games-Welt sind die verrückten Alten immer noch große Attraktionen, Männer, die wie der Motocrosser Brian Deegan auch dann noch weiterfahren und gewinnen, wenn ihnen die Ärzte in Notoperationen Niere und Milz herausgeschnitten haben. Männer wie Deegan oder der legendäre Hasardeur Travis Pastrana, der in München zum Bedauern aller fehlte, stehen für die Wildheit, mit der die Szene einst den etablierten Sport aufmischte. Sie haben die X Games groß gemacht, ihnen haben die Kids nachgeeifert, sie haben ESPN Millionen in die Kasse gespült…ESPN bestimmt die Regeln, ESPN lädt ein, die Athleten verkaufen sich an Sponsoren, die Sponsoren verkaufen ein Lebensgefühl. „Wir wollen einer globalen Community Actionsport präsentieren“, sagt ESPN-Sprecherin Amy Lupo. „Das ist eine Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht.“ Es ist die Sprache des Geldes. Die Outlaws von gestern tragen heute Red-Bull-Kappen und werden vom Fahrdienst zum Mittagessen chauffiert” (Eder, Michael, Action bis der Arzt kommt, in faz.net 1.7.2013).

Aber wie sieht es mit den Finanzen aus? Was hat die Stadt letztlich gezahlt?
Vergleiche unter „Aktuelles: Das Geschäft mit den X Games und im Kritischen Olympischen Lexikon: Brot und Spiele; Event

– Alpen abgezockt. Der WDR zeigte am 1.7.2013 von 22.00 bis 22.45 den Film von Johannes Höflich und Jo Angerer: „Alpen abgezockt“. Der Dokumentarfilm zeigt sehr deutlich die negativen Folgen der bedingungslosen Förderung des  Wintertourismus für Garmisch-Partenkirchen: München 2022 würde diese negativen Tendenzen noch weiter verschärfen. Zum Film hier.
Der FDP-Vorsitzende im Gemeinderat, Klaus Hilleprandt, hatte sich im Vorfeld lächerlich gemacht und eine Einstweilige Verfügung gegen den WDR-Film gefordert – ist das heute „liberal“? Fazit vom Münchner Merkur: „Der Fernsehbeitrag hat den Ort nicht durch den Dreck gezogen“ (Brinkmann, Tanja, Kritischer Blick auf den Tourismus, in Münchner Merkur 2.7.2013).
Zu „Alpen abgezockt“ passt sehr gut der Film von Ludwig Ott, der am 2.10.2011 im BR gezeigt wurde: „Die Bauern von Garmisch“.

– Garmischer 2022-Jubler. FDP Garmisch-Partenkirchen Ende Juni 2013: „Natürlich müssen wir uns jetzt auch um die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben“ (Kaiser, Wolfgang, Klares Bekenntnis zu Olympia 2022, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 28.6.2013). Aus dem Olympischen Wunschkatalog: Beschleunigung der Zugverbindung, Kramertunnel und Wanktunnel; keine Beteiligung des Ortes an den Bewerbungskosten, keine olympischen Denkmäler nach den Winterspielen, Wohnungen im Einheimischenmodell, zwei Drittel bis drei Viertel Zustimmung bei der Abstimmung am 10.11.2013 (Ebenda).
Der olympische Wunschkalender wird immer länger. Ob die Volksvertreter wohl selbst daran glauben?
Dazu die Pressesprecherin des CBS Garmisch-Partenkirchen: „Der Kramer- und auch der Wanktunnel sind nur schnell möglich, wenn wir den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhalten… Unsere Bewerbungskosten bekämen wir um ein Vielfaches zurück und zwar in Form einer Infrastruktur, die Garmisch-Partenkirchen endlich gerecht wird“ (Franziska Louisot, Leserbrief, Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 1.7.2013).
Nun war es genau der Garmisch-Partenkirchner CBS und dessen Bürgermeister Thomas Schmid, die den Ort durch millionenschwere Investitionen in den Wintersport in den Ruin getrieben und die Infrastruktur ruiniert haben. Jetzt suchen die Verursacher des Desasters ihr Heil im nächsten Sport-Großereignis Olympische Winterspiele. All diese Wünsche sind Lockvogel-Angebote, um die Bevölkerung zur Zustimmung beim Bürgerentscheid am 10.11.2013 zu bewegen. Die Realität sieht völlig anders aus.

– Merkwürdig. Es gab im Juni 2013 in ganz Brasilien während des Confed-Cup gigantische Proteste gegen die Fifa und ihren Boss Sepp Blatter. Die Bevölkerung protestierte gegen die Fifa und das IOC: gegen die Verschwendung von Milliarden für neue Luxus-Fußballstadien für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio, gegen die damit verbundenen Zwangsumsiedlungen, die Korruption etc. Die Bevölkerung demonstrierte auch für bessere Ausbildung und ein besseres Gesundheitssystem, die durch die riesigen Ausgaben für die  Sport-Großereignisse weiter beschnitten werden. Auch die Olympischen Winterspiele Sotschi 2014 werfen ihre Schatten voraus. Die Schäden im Zug der Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang werden ebenfalls sichtbar.
Völlig ungeachtet dessen bejubeln die offiziellen München-2022-Fans in München, Garmisch-Partenkirchen, Berchtesgaden und dem Chiemgau mit Ruhpolding und Inzell. DOSB und Sportverbände wollen über eine Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022 am 30.9.2013 entscheiden.
Wiederum: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber“ (Bertolt Brecht).

– München 2022 reloaded. Der Inzeller Bürgermeister Martin Hobmaier informierte den Gemeindrat, dass die Region südlicher Chiemgau offiziell in die Bewerberregionen aufgenommen wurde. „Inzell, Siegsdorf und Ruhpolding stehen sogar in der engeren Auswahl für den Standort des Olympischen Dorfes. Insgesamt sieht die Planung etwa 100 Wettkämpfe an maximal 13 Sportstätten vor. Die Langlauf-Wettbewerbe fänden auf alle Fälle im Raum Inzell, Reit im Winkl und Ruhpolding statt, Biathlon in jedem Fall in der Chiemgau-Arena am Zirmberg. In Garmisch wären die Sprungwettbewerbe, die Nordische Kombination, die Alpin– sowie die Snowboard-Wettbewerbe vorgesehen. In Berchtesgaden bleibe es bei Skeleton und Bob. München würde temporär eine Eishalle aufbauen. Zudem gibt es Überlegungen für Wettbewerbe im Münchner Olympiapark. Hobmaier betonte, dass der Status der Max-Aicher-Arena als Eisschnelllaufstützpunkt trotz des Baus der Eishalle in München auch nach der Olympiade nicht gefährdet wäre. In der Inzeller Halle würde ein Teil der geforderten 65 000 Quadratmeter Fläche für die auf die drei Regionen verteilten Mediencenter realisiert. Immerhin werden etwa 10 000 Medienvertreter aus aller Welt erwartet. Die weiteren Planungen gehen von 5000 Sportlern mit 20 000 Helfern und 19 000 Sicherheitskräften aus. Es sollen 1,6 Millionen Tickets vermarktet und etwa 3 Milliarden Fernsehzuschauer in aller Welt informiert werden“ (Olympisches Dorf: Inzell in der engeren Auswahl, in traunsteiner-tagblatt.de 3.7.2013; Hervorhebung WZ).
– Nichts dazugelernt und die Hälfte wieder vergessen. (Zitate aus: Ude sieht beste Olympia-Chancen, in sueddeutsche.de, 4.7.2013). OB Ude hält die Bewerbung München 2022 „für extrem aussichtsreich… Er sieht rosige Zeiten für Bayerns Olympia-Macher“. Ude: „… die Befürworter, die ich nach jahrelangen Umfragen in einer stabilen Mehrheit sehe…“
„Schaun mer mal, dann sehn mer schon“ (Franz Beckenbauer).
Sportsoldat Felix Neureuther (Zoll Ski-Team): „Für einen Sportler ist es einfach ein Traum, die Spiele im eigenen Land zu haben.“ – Skispringer Severin Freund: „Für deutsche Sportler gibt es einfach nichts Größeres als die Spiele im eigenen Land.“
Und für das eigene Land sind die Spiele nahezu unbezahlbar.

– Udes Metropolregion. Die „Europäische Metropolregion München“ (EMM) umfasst das  Gebiet von Eichstätt bis Garmisch-Partenkirchen und Ostallgäu bis Altötting; rund 5,6 Millionen Menschen leben hier. Nun gab es eine EMM-Konferenz in Waging am See. Der Münchner OB Ude ließ sich vor dem Text einer dortigen Plakatwand ablichten: „Die Metropolregion München unterstützt eine Bewerbung Münchens und seiner Partner um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022“ (Werbung für München 2022 in der Metropolregion, in traunsteiner-tagblatt.de 12.7.2013). Und wer ist der Vorstandsvorsitzende der EMM? Richtig, OB Ude (Metropolregion unterstützt Olympia, in SZ 16.7.2013).

– Josef Schmid (CSU München) hat ein Problem. Anlässlich  München 1972 wurde im Olympiapark ein „Olympischer Hain“ angelegt: Die teilnehmenden Länder sollten je einen Baum pflanzen, Dieser Hain ist damals aber nicht beschildert worden. „Deshalb regt Schmid an, den Baumbestand zu sichten und sich alte Unterlagen vorzunehmen, um die Idee des Olympischen Hains möglichst wieder sichtbar zu machen“ (Olympischer Hain soll gepflegt werden, in SZ 18.7.2013).
Vielleicht sollte sich München-2022-Befürworter Schmid doch eher um die 1600 für das Olympische Dorf 2022 zu fällenden ehrwürdigen Bäume im Park der Bundeswehr an der Dachauerstraße kümmern!

– Olympia-Freunde sammeln Geld. Am Freitag, 19.7.2013 versammelten sich in der Allianz-Arena auf Einladung der „Tourismus-Initiative München“ (TIM) potentielle Unterstützer und Sponsoren der Bewerbung München 2022: Eine dreiviertel bis eine Million werden benötigt. Vorstandsvorsitzender von TIM ist Thomas Muderlak, Chef der BMW-Welt (Olympia-Befürworter in München starten Kampagne, in abendzeitung-muenchen.de 16.7.2013). „Damit entsteht ein finanzkräftiges Gegengewicht zu den Olympia-Gegnern, die für eine Fortsetzung ihres Kampfes bereits in den Startlöchern sitzen… Die TIM übernimmt damit eine Aufgabe, die für die offizielle Rathauspolitik tabu ist. Zwar darf auch die Stadtspitze ihre Sympathie für Olympia kundtun und Argumente liefern. Ein offener Aufruf, beim Bürgerentscheid pro Olympia zu stimmen, wäre aber ein Verstoß gegen das sogenannte Sachlichkeitsgebot“ (Hutter,
Dominik, Der Kampf um die Spiele, in SZ 17.7.2013).
Nun „steht“ man eigentlich in den Startlöchern. Und zur finanziellen Ausstattung: Albert Speer & Partner überarbeiten die Bewerbung München 2018 zu München 2022 und werden über 400.000 Euro von der Stadt München für „Informationsmaterial“ pro München 2022 erhalten. Und ungezählte Mitarbeiter der städtischen Verwaltung und Referate werden ihre Manpower für München 2022 einsetzen.
Nolympia München 2022 verfügt über keine nennenswerten finanziellen Mittel und meist nur über ehrenamtliches Engagement. Siehe unter „Aktuelles“: Goliath gegen David.
Zur Erinnerung: Bei der Bewerbung Graubünden 2022 ist der Schweizer Bundespräsident (und Sportminister Ueli Maurer zu Propagandazwecken elfmal in den Kanton gefahren. Und das Budget der Befürworter lag bei 5,6 Millionen Schweizer Franken, das der Gegner bei etwa 80.000 Franken. Das Komitee Olympiakritisches Graubünden hat die Abstimmung dennoch gewonnen.

Unter dem Titel „Olympia, nein Danke!“ schrieb René Hofmann dazu in der SZ: “Das Nein im Gebirge ist ein mächtiges sportpolitisches Wetterleuchten. Dessen Licht lässt vieles, was hier schiefläuft, in scharfen Kontrasten hervortreten… Keine andere Nation ist ähnlich eng mit den Mächtigen des Sports verbandelt. Dass nun selbst die Schweizer „Olympia, nein danke!“ sagen, heißt deshalb etwas. Es signalisiert den Lenkern des Sportgeschäfts, dass sie schnell umsteuern sollten… Es ist vor allem ein ungutes Gefühl: Die Einnahmen wandern zu den Verbänden, die Kosten müssen die Bürger des Ausrichterlandes schultern. Wie viel Abneigung ein solches Szenario – Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht – hervorruft, mussten in der Schuldenkrise die Banken erkennen. Nun deutet sich für die Welt des Sport Ähnliches an… Das Thema Olympia ist zur Gefahr geworden. Ein Renner ist es fast nur noch dort, wo es nicht wirklich demokratisch zugeht.” (SZ 5.3.2013).

– In eigener Sache: Der Zängl Kulturpark ist Zwangsmitglied in der IHK München und Oberbayern. Natürlich habe ich nach den TIM-Machenschaften der IHK München und Oberbayern umgehend unseren Rechtsanwalt beauftragt, den Sachverhalt im Hinblick auf Austritt, Verlegung des Firmensitzes etc. zu prüfen. Da anscheinend schon zahlreiche IHK-Zwangsmitglieder rechtliche Schritte ergriffen haben, erließ das Bundesverfassungsgericht am 7.12.2001 ein Grundsatzurteil (Aktenzeichen 1 BvR 1806/98). Inhalt: Die Pflichtmitgliedschaft in Industrie- und Handelskammern ist mit dem Grundgesetz vereinbar und verhältnismäßig. Eine IHK kann quasi ohne demokratische Kontrolle prinzipiell alles tun, um das „Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft“ zu vertreten: Und so unterwirft sich die IHK von München und Oberbayern bedingungslos den olympischen Geschäftemachern und fördert diese noch nach Kräften.
Derzeit prüfe ich die Verlegung des Firmensitzes nach Niederbayern.

– Spaenle: „Internationales Friedensfest“. Der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Ludwig Spaenle (CSU), hat dagegen nur folgendes zur Bewerbung München 2022 beizutragen: “Wir sind seit jeher entschlossen, alles Erforderliche zu tun, um dieses internationale Friedensfest nach München zu holen” (Ebenda).
Herr Spaenle sollte sich mal das Brasilianische Tagebuch zu Gemüte führen, um etwas über den wahren Charakter dieses “Friedensfestes” zu erfahren.
Zu den Hintergründen der bemerkenswerten Tourismus Initiative München“, die richtigerweise München-2022-Initiative heißen müsste, siehe unter „Aktuelles“: Etikettenschwindel München 2022.

– Grüner Kreisverband Garmisch-Partenkirchen gegen München 2022: Nein zu Olympia 2022 als historische Chance (Landkreis GAP): „Die Grünen haben in ihrer Versammlung auf Kreisebene ohne Gegenstimme die erneute Bewerbung zu Olympischen Winterspielen abgelehnt. „Das gesamte Konstrukt um Olympia passt nicht mehr in unsere Zeit“, wundert sich Sprecher Dr. Korbinian Freier über den erneuten Anlauf zur Bewerbung.
Für den Kreisverband sei es unverständlich, warum man sich mit den Erkenntnissen zu den Machenschaften rund um Olympia erneut diesem Verfahren unterwerfen wolle. Besonders die Vertragsgestaltung mit Organisationen wie dem IOC missfällt den Grünen. „Man könnte den Eindruck gewinnen, wir haben aus Finanzkrise und Co nichts gelernt“, erklärt Freier. „Bei Olympischen Spielen werden weiterhin die Gewinne politischer und finanzieller Art von der finanziellen, ökologischen und sozialen Verantwortung entkoppelt.“ Die geplanten Bürgerentscheide ändern daran für die Grünen nichts: Mit einem „Ja“ zu Olympia würde den Planern eine Blankovollmacht erteilt werden. Abgesehen davon seien Olympische Spiele in ihrem stetigen Wachstum längst zu groß für eine sozial- und umweltverträgliche Durchführung. Das werde aktuell auch in Brasilien offenbar. Mit der Ablehnung der Bewerbung zu Sommerspielen in Österreich 2028 und zu Winterspielen 2022 in der Schweiz hätte man nun die historische Chance, ein Umdenken bei den Mächtigen zu bewirken. Das Argument der Verbesserung der Infrastruktur mit Olympia lassen die Grünen dabei nicht gelten: „Man verkauft weder seine Kinder für ein neues Auto noch sollte man deutsche Infrastrukturpolitik vom IOC abhängig machen“. Die Kreisgrünen unterstützen daher weiterhin das Bündnis Nolympia, um das Potential für einen sozial und ökologisch verträglichen Tourismus rund um Garmisch-Partenkirchen zu stärken“ (PM 18.7.2013).

– Zukunft, Kinder, Enkelkinder = 2022. Bei der FDP-Podiumsdiskussion zum Thema „Tourismus im Chiemgau“ sagte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): “Wer für die Zukunft der Heimat auch für die Kinder und Enkelkinder ist, der muss für Olympia 2022 sein” (traunsteiner-tagblatt.de 22.7.2013). Auch der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl (CSU) sprach sich für die Bewerbung aus, weil der Chiemgau eine hervorragende Sportregion sei. Der Grassauer Bürgermeister Rudi Jantke (SPD) sagte im Zusammenhang mit sinkenden Übernachtungszahlen: „Wir würden erheblich von Olympia profitieren“ (Ebenda). – „Das Achental wäre mit Gästen voll“ (Ebenda).
Die bisherigen Gäste würden sich die jahrelangen Bauarbeiten, den Dreck und Staub und Lärm mit Sicherheit nicht antun und wegbleiben: wie es üblicherweise an allen olympischen Austragungsorten geschieht.

– Denkmal oder nicht Denkmal. Das Landesamt für Denkmalpflege hält das Gelände und die Bauten der Bundeswehr an der Dachauerstraße sehr wohl für ein Denkmal: Das Amt gibt der Stadt München bis 1.9.2013 Zeit zur Stellungnahme. Die Stadt München und die Staatskanzlei tun alles, damit das Gelände der Bundeswehr KEIN Denkmal wird, um die Bewerbung München 2022 durchzudrücken: Hier soll das Olympische Dorf entstehen – und hier müssten 1600 schützenswerte Bäume gefällt werden. OB Ude „hatte sich gleich nach Bekanntwerden der Denkmal-Pläne an Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch gewandt, dem das Landesamt unterstellt ist. Sowohl Heubisch als auch Staatskanzlei-Chef Thomas Kreuzer schickten Beruhigendes zurück: Da die Stadt ‚die Planungen für das Gelände bereits im Rahmen der Olympiabewerbung 2018 verfolgt hat und zu dieser Zeit noch nicht von einer Denkmaleigenschaft ausgegangen wurde, besteht Vertrauensschutz für die weitere Umsetzung dieser Pläne‘. Heißt: es darf abgerissen werden an der Dachauerstraße. Staatskanzlei und Wissenschaftsministerium bestätigen, dass dies weiterhin gilt: Man habe von der Aufnahme in die Denkmalliste vorerst abgesehen“ (Hutter, Dominik, Riedel, Katja, Neue Probleme für Olympia-Bewerbung, in SZ 23.7.2013).
Abholzen und abreißen oder nichtabholzen und nichtabreißen: Das ist hier die Frage. Staatsregierung und Stadt München gemeinsam hinter Abrissbirne und Motorsäge vereint…

– Privatisierung des Olympiaparks beginnt. Der Süßgetränk-Hersteller und seit 1.5.2013 Eigentümer des Münchner Eishockey-Erstligisten EHC, Red Bull bekam vom Münchner Stadtrat am 24.7.2013 grünes Licht: Er darf auf dem Platz des olympischen Radstadions (ein klassischer White Elephant) eine Eishockey- und Basketball-Arena für 10.000 Zuschauer bauen. Der Stadtrat wie auch der Olympia-Aufsichtsrat zeigen sich aufgeschlossen für die Idee“ (Hutter, Dominik, Neues Stadion im Olympiapark, in SZ 25.7.2013).
Die Kosten in dreistelliger Millionenhöhe übernimmt Red Bull, dafür bekommt Red Bull das Areal des Radsportstadions in Erbpacht (Costanzo, David, Kommt hier die Bullenhalle? in tz 26.7.2013)..
Mit dem FC Bayern und dem EHC sowie dem Olympiastützpunkt sollen langfristige Mietverträge abgeschlossen werden. Der FC Bayern zieht dann von der Rudi-Sedlmayer-Halle (wird der nächste White Elephant) in die neue Halle. Das alte Eissportstadion soll abgerissen werden. „Interessant ist die neue Halle außerdem im Hinblick auf eine mögliche Bewerbung Münchens um Olympische Winterspiele 2022. Auch der Olympiastützpunkt mit Eiskunstlauf und Shorttrack soll dort seine Heimat finden“ ((Schnitzler, Johannes, Tögel, Ralf, Lauter Sieger, in SZ 26.7.2013).
Lustig: „Red Bull versichert zudem, der Olympiapark GmbH (OMG) nicht ins Kerngeschäft zu pfuschen“ (Ebenda).
Aus einem Leserbrief von Frank Becker-Nickels, München in SZ 1.8.2013: „Soll das geplante Red-Bull-Stadion jetzt zur endgültigen Zerstörung des Olympiaparks in einem bisher ruhigeren Randbereich ausarten? Ein Stadion mit 10 000 Plätzen braucht auch zusätzliche Parkplätze, zumal in einem Randbereich, wo es mit der Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr fast nur per Tram wohl schwierig sein dürfte… Offensichtlich lassen sich die Stadträte derart von Investoren blenden, dass einem Angst und Bange wird. Wie hier einer der schönsten grünen Bereiche des Olympiaparks meistbietend verschleudert wird! Hat man aus den X-Games und den Autorennen denn nicht gelernt, wie sensibel der gesamte Park ist? Kann man dieses notwendige Übel zwischen Wirtschaftlichkeit und Parkcharakter nicht wirklich auf die heute schon bebauten Flächen östlich vom Zeltdach konzentrieren? Und überhaupt: was geschieht dann mit den alten Eishallen? Und wo bleibt hier der Denkmalschutz, der uns seit Jahren den desolaten Ex-Busbahnhof Olympiazentrum als Ruine beschert, mit seinem ständigen Credo contra Hotel und für den Olympiapark und seinen eigenen unveränderlichen Charakter. Hier könnte sich der Denkmalschutz unter Beweis stellen; nicht nur wie aktuell für das benachbarte Bundeswehrgelände, das vor Jahren zum Olympischen Dorf der gewünschten Winterspiele werden sollte. Oder will die Stadt hier mit dem Red-Bull-Stadion gleich schon eine Spielstätte für die neuerliche Bewerbung zur Winterolympiade 2022 schaffen, schlicht und einfach über die Köpfe der Bürger hinweg?“
Neben dem geplanten abriss des Radsportstadions wird der Olympiapark weiter kräftig umgebaut. So soll die zentrale Hochschulsportanlage abgerissen und neu gebaut werden, und am alten Busbahnhof soll ein Hotel entstehen. „Beide gehören allerdings zum Denkmal-Ensemble Olympiapark“ (Kronewiter, Thomas, Offene Fragen zum Olympiapark, in SZ 1.8.2013).

– Denkmal nach mehr als 40 Jahren. Eine Erinnerungsstätte für die Terroropfer der Olympischen Sommerspiele 1972 in München (elf israelische Sportlern und ein deutscher Polizist wurden von der Terrorgruppe „Schwarzer September“ ermordet) soll auf einem Hügel an der Connollystr. 31 entstehen (Hutter, Dominik, Gedenken im Olympiadorf, in SZ 31.7.2013). Der Bau soll 1,7 Millionen Euro kosten, die vom Freistaat kommen. Ein zu bearbeitendes Problem: wie man den Gedenkraum vor Vandalismus schützen kann (Dürr, Alfred, Bau ohne Beispiel, in SZ 1.8.2013).

– Bach hat keine negativen Auswirkungen. Wenn DOSB-Präsident Bach IOC-Präsident würde, hätte dies keine negativen Folgen für die Bewerbung München 2022. Sagt zumindest Bach. „Ich glaube, dass wenn ich die Wahl tatsächlich gewinnen würde, es für das Thema Olympia und Olympische Spiele in Deutschland einen positiven Schub geben würde“ (Bach: Wahlsieg kein negativer Effekt für München, in zeitonline 31.7.2013).
Ein (realistischer) zweistelliger Milliardenbetrag aus öffentlichen Geldern für München 2022 wäre doch ein schönes Mitbringsel für die Wahl als IOC-Präsident.


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III: Aktuelle Sportsplitter vom IOC, DOSB etc.

– Aus der DOSB-Sportdemokratur: Rudern im Ruderverband. Der Präsident des Deutschen Ruderverbandes (DRV), Siegfried Kaidel, verlor in jüngster Zeit zwei Stellvertreter. Karsten Bach wollte gerade mal sieben Monate mitmachen, dann trat er zurück, durfte dazu aber nichts sagen: „Ich habe mich gegenüber dem Verband verpflichtet, keine Interviews und öffentlichen Äußerungen zu diesem Vorgang abzugeben“ (Mölter, Joachim, Gestörte Kommunikation, in SZ 6.7.2013). Der zweite Stellvertreter, Georg Grützner, schrieb dagegen einen Brief an die 80.000 DRV-Mitglieder. „Das Schreiben hat es in sich. Darin nennt Grützner recht unverblümt den Führungsstil von Präsident Kaidel und seinem verbliebenen Stellvertreter Torsten Gorski als Grund für den Rückzug. ‚Letztlich‘, sagt Grützner, ‚wollen die beiden alles allein entscheiden.‘ In seinem offenen Brief beklagt er fehlendes Vertrauen und fehlende Freiheiten in der Zusammenarbeit und zwar ‚in erschreckend hohem Maße von Anfang an‘; er bemängelt, dass er ‚bei wichtigen öffentlichkeitsrelevanten Themen‘ wiederholt nicht eingebunden worden und ‚eine stringente Informationspolitik (des Vorstands, Anm.) in Richtung Präsidium nicht zu erkennen‘ gewesen sei… Ob im elfköpfigen DRV-Präsidium tatsächlich immer die Mehrheit entscheidet, bleibt dahingestellt“ (Ebenda).

Vom ÖOC in den Knast. Der ehemalige mächtige Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Heinz Jungwirth, muss fünf Jahre ins Gefängnis. Dazu war er schon im Juli 2012 vom Wiener Straflandesgericht verurteilt worden: Nun hat das Wiener Oberlandesgericht am 12.7.2013 dieses Urteil bestätigt. „’Eine Reduktion steht nicht im Raum‘, hielt der Vorsitzende Dietmar Krenn mit dem Verweis auf die ‚extrem hohe Schadenssumme‘, vor allem aber auf die persönliche Bereicherung und den langen Tatzeitraum in seiner Begründung fest“ (Datler, Markku, Jungwirth-Urteil: Der tiefe Fall eines Sportfunktionärs, in diepresse.com 12.7.2013). Die Affäre begann, als Fotos über Jungwirths Lebensstil bekannt wurden: „Der Generalsekretär trat nach 27 Dienstjahren zurück – und damit nahm die Aufarbeitung erst ihren eigentlichen Lauf. Ominöse Handyrechnungen und Flugtickets tauchten auf, die Buchführung des ÖOC bis 2005 aber nicht mehr. Sie soll in Schuhschachteln verschwunden sein, ein dafür durchaus übliches EDV-System gab es nicht. Auch wurde dem Verbleib von Geldern aus Salzburgs Olympiabewerbung nachgegangen und das Zutun eines Lobbyisten wurde beleuchtet“ (Ebenda).
Angeblich wussten der frühere ÖOC-Präsident Leo Wallner wie alle anderen von nichts. „Nun steht nach dem rechtskräftigen Urteil fest, dass Heinz Jungwirth von 2003 bis 2009 seine Zeichnungsberechtigung auf ÖOC-Konten missbraucht und sich Gelder für private Zwecke angeeignet hat. Ein Fuhrpark, zehn Pferde, eine Reithalle im Ausmaß von 70 mal 20 Metern, Reitlehrer, etc. – all das stand in der Anklageschrift“ (Ebenda).

IOC-Präsident verteidigt Fifa und IOC. Jacques Rogge verteidigte die riesigen öffentlichen Ausgaben für die Fußball-WM 2014 in Brasilien und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio: Sie würden langlebigen Nutzen hinterlassen „for generations to come“ (Wilson, Stephen, Rogge defends spending on Olympics, WCup in Brazil, in apnews.com 10.7.2013). Die ausgegebenen Milliarden würden große Verbesserungen für die Infrastruktur bringen. Rogge: „Die Investitionen dienen den kommenden Generationen, sei es die Metro, sei es die Buslinien, die Verbesserungen der Flughäfen, der Häfen. Das wird der Gemeinschaft für sehr lange Zeit dienen“ (Ebenda: siehe die Siemens-Story gleich im Anschluss!).
Ich glaube, dass der Fifa-Weltcup einen großen Auftrieb für die Olympischen Spiele sein werden. Ich glaube, dass der Fifa-Weltcup ein Erfolg wird… Was die öffentlichen Gelder betrifft, ist dies die selbständige Entscheidung jeder Regierung, welche Olympische Spiele durchführt“ (Ebenda).
Ob IOC-Rogge das alles selber glaubt?

– Siemens in Brasilien: Samba corrupti. Bericht von Peter Burghardt und Klaus Ott in der SZ am 16.7.2013: „Der Konzern hat bei der brasilianischen Wettbewerbsbehörde Cade Selbstanzeige wegen Kartellabsprachen bei Bau und Wartung von U-Bahnen und Zügen in São Paulo und Brasília erstattet. Bei sechs öffentlichen Ausschreibungen sollen die Konzerne Bombardier aus Kanada, CAF aus Spanien, Mitsui aus Japan und eben Siemens ihre Angebote und Preise ausgemauschelt haben. Das betrifft Geschäfte von mehreren Hundert Millionen Euro. Insider berichten von offenbar ’nachweisbaren Absprachen‘ und ‚großen Summen‘. Siemens sagt dazu nur, man sei über die Untersuchungen von Cade informiert und kooperiere ‚vollumfänglich mit den Behörden‘. Das mea culpa aus München kommt reichlich spät. Die Causa reicht zurück bis ins Jahr 2008, in dem Siemens erste Hinweise auf Verstöße erhalten hatte. Später hatten sich brasilianische Lokalpolitiker sowie ein früherer Siemens-Mitarbeiter wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen an heimische Staatsanwälte gewandt. Die wiederum fragten auch bei Siemens an, was es damit auf sich habe. Lange Zeit kam dabei nichts heraus, weil der Konzern angeblich nicht fündig wurde. Später folgte die Selbstanzeige… Bereits im Juni 2008 hatte Siemens sehr konkrete Hinweise auf schmutzige Machenschaften in São Paulo bekommen. Bei der von Siemens für solche Fälle eingeschalteten Anwaltskanzlei Beckstein in Nürnberg ging ein Brief aus Brasilien ein, in dem ein dortiger Abgeordneter auf fünf eng beschriebenen Seiten ganz genau schilderte, wie Siemens mit anderen Konzernen bei großen Nahverkehrsprojekten alles abgesprochen haben soll. Und das angeblich garniert mit Schmiergeld für Regierungsmitglieder und Behördenvertreter… Es geht, unter anderem, um die neue Metro-Linie 5 in São Paulo. Um neue Züge, um Wartungsverträge und um einiges mehr. Alles sehr teuer, alles sehr profitabel für jene, die den Zuschlag erhalten. Alles sehr peinlich, sollte sich erweisen, dass die beteiligten Konzerne sich an Brasiliens Bürgern bereichert hätten. Ach ja, auch die in dem Schreiben von 2008 genannten Konzerne sind größtenteils identisch mit jenen, die heute Gegenstand der Kartelluntersuchung sind“ (Burghardt, Peter, Ott, Klaus, Ausgerechnet Siemens, in SZ 16.7.2013).
Zuerst der öffentliche brasilianische Nahverkehr plus dies und das, dann der Fernverkehr etc.: Die Siemens-Katze lässt das Mausen nicht. Arme Brasilianer!
Vergleiche auch unter „Aktuelles“: Der olympische Siemens-Konzern: Samba corrupti und die Siemens-Connection von DOSB-Präsident Thomas Bach im Kritischen Olympischen Lexikon.

– Sotschi 2014 hat den längsten – Medaillenspiegel. Waren es in Vancouver noch 86 Disziplinen, sind es in Sotschi 2014 schon 98, stolze 12 mehr (Wikipedia, Sochi 2014 Presents Competition Schedule, in gamesbids.com 22.7.2013). In Pyeongchang 2018 werden es wieder mehr sein, und noch mehr wird es 2022 geben.

– Polen-Slowakei 2022 ganz billig. Krakau 2022 plus Hohe Tauern werden von den Verantwortlichen (wie üblich weit zu niedrig) auf gerade mal zwei Milliarden US-Dollar geschätzt (Caplovic in Poland to negotiate joint candidacy for Winter Olympics, in spectator.sme 24.7.2013).

– Spanien doppelt olympisch. Wenn Madrid 2020 durchfällt, bewirbt sich 40 Tage nach der Abwahl Barcelona um die Olympischen Winterspiele 2022. (Spain Preparing A Bid For 2022 Winter Olympics Amid Madrid 2020 Campaign, in gamesbids.com 29.7.2013).

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IV: Allgemeine Nachrichten

– Machtkampf im Weltradsportverband UCI. Brian Cookson ist Präsident des britischen Radsportverbandes und bewirbt sich um das Amt des UCI-Präsidenten. „Er tritt gegen den amtierenden UCI-Präsidenten Pat McQuaid an. Allerdings ist noch immer unklar, ob die Nominierung des UCI-Chefs überhaupt gültig ist. McQuaid hatte sich vom Schweizer Radsportverband aufstellen lassen, weil sich sein irischer Heimatverband gegen ihn gewandt hatte. Drei Mitglieder von Swiss Cycling klagten anschließend gegen die Nominierung des Iren. Eine Entscheidung des Schweizer Verbandsschiedsgerichts steht noch aus. Wann das dreiköpfige Gremium den Einspruch gegen die Nominierung McQuaids verhandelt, ist noch unklar. McQuaid steht seit Monaten in der Kritik wegen seines Umgangs mit dem Dopingskandal um Lance Armstrong“ (McQuaid kandidiert, in SZ 2.7.2013).
Näheres zur UCI hier.

Inzwischen sind sowohl Pat McQuaid als auch Brian Cookson von der UCI zu offiziellen Kandidaten erklärt worden. McQuaid hat seit Frühjahr 2013 Wahlkampf betrieben und unter anderem Fahrräder in Asien und Afrika verschenkt. Sein Plan, von einer „unabhängigen Kommission“ die Korruptionsvorwürfe gegen die UCI untersuchen zu lassen, existiert nicht mehr.
Im Interview mit Andreas Burkert in der SZ äußerte der Brite Brian Cookson zur Wahl: „Dass der irische Verband ihn (Pat McQuaid) ablehnte, spricht für sich. Und ich habe die komplette Unterstützung meines Verbandes.“ Zur Annahme der 125.000 Dollar durch McQuaid und seinen Vorgänger Hein Verbruggen und die Rücktrittsforderung sagte Cookson: „Ja, das war ein sagenhafter Fehler… Ich verspreche für die ersten sechs Monate meiner Amtszeit die Einrichtung einer sauberen, unabhängigen, gerichtsfesten Untersuchung.“ Und zur Aufarbeitung der Dopingaffäre: „Wenn man realistisch ist, muss man leider sagen, dass es unmöglich ist, jeden aus dem Sport zu drängen, der es verdient hätte. Aber wir müssen es unbedingt versuchen“ (Burkert, Andreas, „Wir brauchen einen kompletten Wechsel“, in SZ 3.7.2013).
Zu hoffen wäre, dass Brian Cookson für einen Neuanfang gewählt wird. Zu befürchten steht, dass sich der Radsport-Pate Pat McQuaid mit Hein Verbruggen im Hintergrund durchsetzt. So wie Rudolf Scharping beim Bund Deutscher Radfahrer im März 2013 wiedergewählt wurde. Wer will bei der UCI und den nationalen Verbänden wirklich eine Aufklärung? Wenn zum Beispiel der ehemalige Radsportprofi und Doper Alexander Winokurow jetzt beim Rennstall Astana Manager ist und der ehemalige Radrennfahrer und Doper Bjarne Riis Manager von Team Saxo Bank ist. Und wenn fünf Radprofis erreichen, dass der Untersuchungsbericht des französischen Senats zum Doping in Frankreich erst nach Abschluss der Tour de France 2013 veröffentlicht wird (Erst nach der Tour, in SZ 4.7.2013; Burkert, Andreas, Auf der Flucht vor unangenehmen Fragen, in SZ 5.7.2013).
Auch Andreas Burkert sieht bezüglich der Wiederwahl schwarz: „McQuaid wird wohl wiedergewählt, in der UCI  geht es leider nicht anders zu als in Sepp Blatters Fifa“ (Burkert, Andreas, Scherze auf Papier, in SZ 9.7.2013).

– Tricky Pat: Was sich doch die alten Sportsfreunde so einfallen lassen, um an der Macht zu bleiben. Als Pat McQuaid nicht mehr von seinem irischen Verband aufgestellt wurde, wurde er im Mai 2013 Mitglied des Schweizer Verbandes und ließ sich von den Schweizern zum Kandidaten ausrufen. Aber drei Mitglieder des Schweizer Verbandes zogen vor Gericht: Das Schweizer Schiedsgericht soll am 22.8.2013 entscheiden. Da ging McQuaid auf Nummer Sicher: Seine UCI versandte Ende Juli 2013 „einen Vorschlag des malaysischen Verbandes, dass von nun an, also schon für die Wahl am 27. September, die Zustimmung zweier Verbände für eine Nominierung ausreichend sei. Deswegen sei es allen Verbänden bis zum 30. August möglich, Kandidaten zu benennen; McQuaid übrigens habe schon drei Nominierungen erhalten, aus der Schweiz, aus Marokko und aus Thailand, wo er überall Verbandsmitglied sei. Auf die Nachfrage, wann und durch wen dieses Datum festgelegt wurde, antwortete die UCI nicht“ (Aumüller, Johannes, Hilfe aus Thailand, in SUZ 1.8.2013).
Das  Scham- und Ehrgefühl in der Sportdemokratur war nie sonderlich ausgeprägt – im Gegensatz zu Machterhalt und Korruption.

– Hurra: Neue Eliteschule des Sports in München. Der Planungsausschuss hat jetzt den Beschluss gefasst für das neue Gymnasium mit integrierter Eliteschule des Sports in Milbertshofen auf dem Gelände der ehemaligen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne. „Um den Bau nicht zu verzögern und zugleich die notwendige Kampfmittelsuche zu veranlassen, sind dort schon vor Monaten die Bäume gefällt worden“ (Entscheidender Schritt, in SZ 5.7.2013).

– Haider baute schwarz. Interview mit dem österreichischen Grünen und Kärntner Minister Rolf Holub, Korruptionsexperte.
Frage: Machen Sie aus dem überdimensionierten Fußballstadion aus der Haider-Zeit, das jetzt oft leer steht, auch ein Naturschutzgebiet?
Holub: Das ist möglicherweise ein Schwarzbau, der abgerissen werden muss.
Irre. Sind beim Stadionbau wirklich fünf Millionen Euro Schmiergeld geflossen?
Wie viel, wird sich zeigen, wenn auch die Vorgänge um den Club SK Kärnten aufgeklärt werden. Insgesamt wurden wohl 100 Millionen Euro bewegt“ (Hagelüken, Alexander, Kahlweit, Cathrin, „Wer reich ist, kauft billiger“, in SZ 5.7.2013; Hervorhebung WZ).

– Bayerischer Seehofer-Preis. „Im Saal der BMW Welt verlieh Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dann die Bayerischen Sportpreise 2013. Der Fußball-Rekordmeister FC Bayern und die Basketballerinnen des TSV Wasserburg wurden in der Kategorie ‚Persönliche Preisträger des Bayerischen Ministerpräsidenten‘ ausgezeichnet. „Es ist die Bestätigung, dass die Mannschaft mit dem Trainer ein tolles Jahr hingelegt hat. Das haben sie sich verdient“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandschef, Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen, und Vereinspräsident Uli Hoeneß nahmen die Trophäe aus den Händen von Seehofer entgegen“ (Neun Trophäen, in SZ 8.7.2013).

– Das Prinzip Überzahl. Man kennt es von der Formel 1: Bernie Ecclestone verführt immer mehr Staaten, Formel-1-Kurse zu bauen – und kann dann in aller Ruhe jene Veranstalter berücksichtigen, die ihm das meiste für das Auftauchen seines absurden Autorenn-Zirkus zahlen. Nun geht es mit den Sprungschanzen weiter: Auch hier schaffen die Sportverbände ein Überangebot. Ein Beispiel ist gerade St. Moritz:
„Auf dem Tisch liegt ein Projekt, das aus St. Moritz wieder ein Zentrum des Skispringens machen soll. Geplant sind am bisherigen Standort ein Neubau der Normalschanze (Hillsize 106 m) und eine neue Trainingsschanze (HS 67), zudem sollen die beiden Jugendschanzen (HS 47 und 17) renoviert und für den Sommerbetrieb mit Matten ausgelegt werden. Die Kosten belaufen sich auf 11,5 Millionen Franken, 8,2 Millionen muss die Gemeinde St. Moritz übernehmen. Am 24. November werden die Stimmbürger entscheiden.
Läge dann zumal das Versprechen der FIS vor, St. Moritz fix in den Weltcup-Kalender aufzunehmen, wäre die Aufgabe für die Initianten im Abstimmungskampf mit Sicherheit einfacher. Doch es wird bei aller Zuneigung der FIS keine Lex St. Moritz geben. Die Engadiner müssen den normalen Weg über den Continental Cup gehen und dort ihre Weltcup-Tauglichkeit beweisen. Der Österreicher Paul Ganzenhuber, Vorsitzender des Komitees für Kalenderplanung der FIS, rechnet damit, dass St. Moritz im November 2017 ein erstes Mal für den Weltcup-Auftakt infrage käme. Was er sagt, tönt jedoch wie ein Versprechen:
‚Die Chancen für St. Moritz liegen bei mindestens 90 Prozent.‘ Dies trotz grosser Konkurrenz aus dem Osten, namentlich aus Almaty (Kasachstan) (…) Die Schanze würde Anfang November beschneit und stünde danach den Teams für erste Schneetrainings zur Verfügung, um den 20. November herum fände der Weltcup-Auftakt statt“ (Die Türe für St. Moritz weit geöffnet, in nzz.ch 4.7.2013; Hervorhebung WZ).

– Oberhof überdacht. Welche Freude: „Draußen strahlte über den Wipfeln des Thüringer Waldes die Sonne bei 25 Grad, drinnen, in der neuen Starthalle an der Oberhofer Rennschlittenbahn, da glänzte das Eis. Bei acht Grad plus fröstelten die meisten Gäste der Eröffnung trotz mitgebrachter Jacken. Mit 932.000 Euro wurde die seit Jahren bestehende künstliche vereiste Startstrecke von einer 130 Meter langen, sieben Meter breiten und 2,50 Meter hohen Halle um- und überbaut“ (Neue Starthalle schützt Oberhofer Eisbahn vor Sommerhitze.
Keine Rückfragen über Energieverbrauch etc.
„Die Kufen-Asse verdienten sich mit zehn Olympiamedaillen in Vancouver als erfolgreichste deutsche Wintersportler die neue Trainingsstätte“ (?! Ebenda; Hervorhebung WZ).
Dabei übernahm der Bund 55 Prozent der Kosten.
Mit dabei: Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz und der Leiter des Wintersportzentrums Oberhof, Wolfgang Fillbrich. Kurzer Rekurs auf das Biathlon-Sportpersonal Oberhof:
Thomas Schulz, Bürgermeister: “der 2011 nach mehrjährigen Korruptionsermittlungen vom Amtsgericht Meiningen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von fast 9000 Euro verurteilt wurde” (Purschke, Thomas, Millionen für Oberhof, in dradio.de 30.12.2012).
Wolfgang Filbrich, Olympiastützpunkt-Chef: “Gegen OSP-Chef Filbrich wurde ein Korruptionsermittlungsverfahren gegen Zahlung von 7500 Euro Geldauflage eingestellt, wie 2010 bekannt wurde” (Ebenda).
Holger Wick: “einst DDR-Biathlet und Skilangläufer im Armeesportklub Oberhof sowie Stasi-Spitzel, heute Sportdirektor des Thüringischen Skiverbandes” (Purschke, Thomas, Oberhof darf nicht schwächeln, in taz.de 10.1.2013).
Hartmut Gollhardt, Biathlon-Landestrainer: “ein Vertreter der alten DDR-Schule und bekannt für cholerische Attacken” (Ebenda).
Enrico Heß, Tourismus-Chef: “Gegen Heß wurde im Januar 2012 ein Strafbefehl rechtskräftig, wegen unerlaubten Entfernen vom Unfallort. Das Amtsgericht Suhl verurteilte ihn zu 1.500 Euro Geldstrafe und einem mehrmonatigen Fahrverbot” (Ebenda).
Dazu Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes: “eine DDR-Doping-Altlast” (Ebenda; aus der Chronologie Januar 2013).

– Ein US-Freund, ein guter US-Freund… Bundessport-Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte zielsicher zur Kritik an der globalen US-amerikanischen NSA-Internetüberwachung: „Diese Mischung aus Antiamerikanismus und Naivität geht mir gewaltig auf den Senkel“ (Kamann, Matthias, Was der Senkel über die Angst der Politiker verrät, in Die Welt 14.7.2013). Die taz titelte dazu: „Der Depp vom Dienst“ (taz, 15.7.2013).
Was ist von einem für den Sport zuständigen Bundesinnenminister anders zu erwarten: der auch erst aufgrund von Gerichtsbeschlüssen die mit dem DOSB heimlich getroffenen Zielvereinbarungen herausrückt?
Natürlich ist der Bundes-Sportinnenminister auch für München 2022. Hans-Peter Friedrich (CSU) fand schon München 2018 “super”: “Je früher wir den Zuschlag für Olympische Spiele bekommen, umso besser für den Spitzensport in Deutschland, umso besser für den Breitensport” (Innenminister plädiert für Olympia-Bewerbung, in SZ 7.6.2013).
Irrtum: Der immer teurere und aufwändigere Spitzensport geht zu Lasten des immer schlechter gestellten Breitensports.

– Bad News for Bernie. Im Juli 2013 bekam Formel-1-Chef Bernie Ecclestone von der Münchner Staatsanwaltschaft die 223 Seiten starke Anklageschrift – in englisch. Eccelestone wird Bestechung und Anstiftung zur Untreue vorgeworfen. Er hat dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar überwiesen, damit die BayernLB ihre Anteile an der Formel 1 an die Investmentgesellschaft CVC verkaufte und Ecclestone deren Geschäftsführer bleiben konnte. Ecclestone besaß die Chuzpe, sich von der BayernLB 41,4 Millionen Dollar als „Provision“ für die Vermittlung von CVC zurückzuholen. Die BayernLB will ihrerseits 400 Millionen Dollar Schadensersatz, weil der damalige CVC-Kaufpreis von 814 Millionen Dollar um 350 Millionen zu niedrig gewesen sei, dazu addierte die BayernLB noch die „Provision“.
Gribkowsky wurde 2012 zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Für Eccelestone besteht eine weitere Gefahr, weil die BayernLB im Staatsbesitz ist: Damit hätte er quasi Beamte bestochen (Deckstein, Dinah, Hacke, Detlef, Wulzinger, Michaela, 39 Zeugen, in Der Spiegel 30/22.7.2013). „Der Chef eines der größten und profitabelsten globalen Sportereignisse wegen Bestechung auf der Anklagebank, das wäre ein Novum im Weltsport“ (Ott, Klaus, Anklage auf Englisch, in SZ 18.7.2013). Die bei der Formel 1 startenden Autofirmen begehren ihrerseits langsam auf, weil sich Industriekonzerne nach den diversen Schmiergeldskandalen – siehe Siemens – zumindest offiziell strenge Compliance-Regeln gegeben haben (Neudecker, Michael, Im Sinne der Schlagzeile, in SZ  18.7.2013; Ott, Klaus, Bernies Angst, in SZ 19.7.2013).
Die britische Zeitschrift Indipendent berichtete, dass 2011 die Formel 1 rund 1,5 Milliarden Dollar Einnahmen und 470 Millionen Dollar Gewinn gemacht hat: Dafür wurden aufgrund eines Steuervermeidungsmodells gerade einmal 1,5 Millionen Dollar Steuern gezahlt (Ott, Klaus, Steuersparmodell Formel 1, in SZ 26.7.2013). Die Investmentgesellschaft CVC als Hauptaktionär äußerte sich nicht dazu. Geäußert hat sich dagegen Weltmeister Sebastian Vettel – zu Ecclestone: “Es ist einfach schön zu sehen, wie ein Mensch alleine so viel bewegen kann über eine so lange Zeit, mit der Liebe zum Sport” (Baden in Bernie-Land, in SZ 2.8.2013).
Klaus Ott warf nicht nur den Sport-Sponsoren versagen vor, sondern auch der Wirtschaft und nennt als Beispiel “die Daimler AG, die mit Mercedes im Rennsport dabei ist. Im Fall Ecclestone laviert Daimler auf peinliche Art und Weise” (Ott, Klaus, Kultur des Wegguckens, in SZ 30.7.2013). Ecclestone hat mit 44 Millionen Dollar einen Staatsbanker bestochen: “Mal angenommen, Daimler-Chef Dieter Zetsche hätte so agiert: heimliche Millionentransfers an einen Geschäftspartner über Briefkastenfirmen in der Karibik und im Indischen Ozean. Zetsche wäre seinen Job sofort los” (Ebenda).

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V: Sport-Millionen und -Millionäre

Für die unteren Schichten: Brot und Spiele. Für die Oberschicht: Tanz ums Goldene Kalb.

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Beckenbauer als Gazpromi. Der „Kaiser“ ist seit 2012 „Gazprom-Sportbotschafter“ und soll als solcher auch für das Putin-Russland werben. Bei seiner ersten Pressekonferenz als Gazprom-Sportbotschafter sagte Beckenbauer: „Ich bin hier als Sportler. Es geht um ein Miteinander, nicht um Politik“ (Thaler, Claudia, Lassen Sie uns nicht über Politik reden! in spiegelonline 2.7.2013). Beckenbauer soll für die Winterspiele in Sotschi 2014 und die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland werben. „Dass bei dem einstigen Fußballkaiser purer Idealismus am Werk ist, scheint wenig wahrscheinlich. Auf die Frage, wie viel Beckenbauer mit seinem Werbedeal bei Gazprom verdiene, lächelt dieser nur verschmitzt und verweist auf seinen Manager Marcus Höfl. Auch der schüttelt den Kopf: ‚Die genaue Summe habe ich vergessen‘, sagt er. Wichtig seien für ihn nur die Werte und das Miteinander im Sport, sagt Beckenbauer, und Gazprom-Vize Medwedew stimmt seinem deutschen Freund zu: „Ohne Ideale wäre solch ein Projekt nicht möglich gewesen“, sagt er. Ohne eine lukrative Geldsumme an Beckenbauer sicherlich auch nicht“ (Ebenda; Hervorhebung WZ. Höfl ist Ehemann von Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">– Der Kreml-Sport-Konzern. Am 5.10.2013 boxt der Ukrainer Wladimir Klitschko gegen den Russen Alexander Powetkin – für eine Gage von 23 Millionen Dollar, davon 17,4 Millionen Dollar für Klitschko. Ersteigert hat den Kampf der Geschäftsmann Andrej Rjabinskij. Mitbezahlen wird der Kreml-nahe Mineralölkonzern Rosneft: Rosneft-Chef Igor Setschin ist ein enger Freund von Präsident Wladimir Putin (Rosneft gegen Gazprom, in SZ 3.7.2013), der ein persönliches Interesse an dem Kampf hat. „Der russische Staat kontrolliert den Konzern… der Konzern Rosneft ist dabei, ähnlich wie Gazprom, nicht nur im Energiesektor sehr aktiv, sondern auch im Sport. Im Schach, im Fußball oder auch im Judo: ein Schelm, wer da an die Judo-Leidenschaft von Putin denkt“ (Aumüller, J., Warmbrunn, B., Ein Daumen für den Kreml, in SZ 5.7.2013).

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"> – Milliardär Batista und das Eon-Geld. Der Brasilianer Eike Batista, Intimfreund des früheren brasilianischen Präsidenten Lula, hatte bis vor kurzem noch ein Vermögen von 30 Milliarden US-Dollar; es ist nun auf zehn Milliarden abgeschmolzen. Das bekam auch der deutsche Eon-Konzern zu spüren, der 2012 in Batistas Unternehmen MPX Energia mit 350 Millionen Euro eingestiegen war. Im Frühjahr 2013 verkaufte Batista noch ein Paket für 600 Millionen Euro an Eon. „Auf jede Fall hat Eon das Brasilien-Abenteuer dann bereits rund eine Milliarde Euro gekostet“ (Jede Menge Ärger für Eon in Brasilien, in SZ 5.7.2013).
Aber das Maracana-Stadion, das darf Batista nach wie vor billigst pachten.
Eon-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen, Konzernstratege, „sieht in Brasilien wie auch in dem zweiten neuen Auslandsmarkt des Konzerns, der Türkei, enorme Wachstumsmöglichkeiten“ (Ebenda).
Kleiner Investitionstipp für Teyssen: Ägypten wäre auch noch interessant!
– Batista noch mehr verarmt
. „Batistas Aktien rutschten in den Keller, sein Kontostand verlor der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge 91,6 Prozent, geblieben sind vorläufig noch 2,9 Milliarden Dollar“ (Burghardt, Peter, Ende eines Wirtschaftswunders, in SZ 8.7.2013).
– Kein Sohn armer Eltern. Batista erzählte bis vor kurzem, „dass er 2015 den Mexikaner Carlos Slim überholen und der reichste Mensch der Welt sein werde… Batistas Vater war Energieminister und Präsident des Bergbau-Riesen Vale… Batista kaufte Minen im Amazonas-Gebiet und anderswo… ‚Brasilien hat mir erlaubt, Monopoly zu spielen'“ (Burghardt, Peter, Eike Batista, in SZ 15.7.2013).

– Borussia Dortmund kauft ein. Der armenische Mittelfeldspieler Henrikh Mkhitaryan von Schachtjor Donezk wechselt für 25 Millionen Euro zu Borussia Dortmund (Mkhitaryan fix, in SZ 9.7.2013). Soweit sogut? Die Hintergründe illuminierte Freddie Röckinghaus in der SZ:
„Schon Ende Juni hatte Ruben Hayrapetyan, Mulit-Milliardär und Lenker eines Firmen-Imperiums, bis letztes Jahr Parlamentsabgeordneter und nebenbei Präsident des armenischen Fußballverbands, in einem Interview mit dem armenischen Dienst Armsport erklärt, dass die Transferrechte an Mkhitaryan nur zur Hälfte bei Schachtjor Donezk lägen, zu je einem Viertel jedoch bei dessen vorherigen Klubs, Metalurg Donezk und Pyunik Eriwan. Eigentümer des FC Pyunik ist zufällig Hayrapetyan selbst. In Armenien ist Hayrapetyan im vorigen Jahr unter anderem dadurch in die Schlagzeilen gekommen, weil einer seiner Leibwächter einen bekannten Oppositionellen in einem öffentlichen Restaurant totgeschlagen hat und deshalb demnächst vor Gericht steht.
Im Hintergrund hatte sich in Armenien das Gezerre um die lockenden Ablöse-Millionen aus dem sich anbahnenden Transfer Mkhitaryans schon länger aufgebaut. Der 24-Jährige hatte sich deshalb im Juni nach Wien abgesetzt und seinem Klub Schachtjor bereits angekündigt, dass er nicht mehr zurückkehren werde und in jedem Fall in den „Westen“ wechseln werde. Offenbar hatten Schachtjor-Chef Rinat Achmetow (dessen Privatvermögen von Forbes auf 16,5 Milliarden Euro geschätzt wird), Metalurg-Chef Sergej Taruta (ebenfalls Eigentümer eines post-sowjetischen Industrie-Konglomerats) und der Armenier Hayrapetyan einen Wechsel zum ebenfalls Oligarchen-geführten russischen Klub Anschi Machatschkala bevorzugt. Anschi soll bereits im Mai 35 Millionen Euro für Mkhitaryan geboten haben“ Röckinghaus, Freddie, Der verwegenste Transfer, in SZ 8.7.2013; Hervorhebung WZ).
Frage eines in Leibeigenen-Fragen Unbedarften: Und wenn nun Borussia Dortmund in der Champions-League gegen Schachtjor Donezk spielen muss – darf/muss
Henrikh Mkhitaryan dann mitfahren?

– ARD und ZDF übertragen Lisicki nicht. Das Wimbledon-Finale der Frauen 2013 zwischen Sabine Lisicki und der Siegerin Marion Bartoli wurde von den Öffentlich-Rechtlichen Sportsendern ARD und ZDF nicht übertragen. Die Rechte lagen beim Bezahlsender Sky. Dazu stand in einem SZ-Artikel von Thomas Hahn und Claudia Tieschky:
„Gerade das Fernsehen hat sich den Sport längst als konsensfähige Unterhaltung zu eigen gemacht. Sport verspricht gute Quoten. Und die Quote lässt sich kaufen – als Rechtepaket von Vereinen und Verbänden. Das haben nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender erkannt, etwa das ZDF, das für geschätzt 50 Millionen Euro pro Jahr die Champions League erwarb. Auch der Verlag Axel Springer befeuert mit der Super-Unterhaltung Bundesliga sein kostenpflichtiges Internet-Modell und erwarb dafür die Rechte für Internet-Zusammenfassungen der Spiele – zum Preis von etwa 24 Millionen Euro für vier Jahre.
Die Wirklichkeit des Fernsehsports ist gekauft. Es findet statt, wofür die einzelnen Sender die Rechte haben und was deren Budget hergibt. Auch unter dem besonderen Rundfunk-Status ist der Sport rund um börsennotierte Vereine, Rennställe, Vermarkter und Sponsoren zu einem ganz besonderen Business gewachsen – zu einem Geschäftsmodell, von dem viele profitieren, nur nicht unbedingt die Zuschauer. Manchmal, wie im Fall Lisicki, fällt das besonders auf. Dann regen sich die Leute auf, weil die Rechte an der Wirklichkeit eben beim Bezahlfernsehen liegen und die Übertragung nicht frei zu empfangen ist. (…)
Wirtschaftlich ist das legitim. Für den Rundfunk aber, zumal für den öffentlich-rechtlichen, ist es ein Problem. Und das Problem hat nicht allein damit zu tun, dass inzwischen bei ARD und ZDF der Sport das ‚mit Abstand kostenintensivste Ressort‚ ist – vor Kultur, Film, Kinder und Jugend, wie der Bericht der KEF es kritisch ausweist, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten.
ARD und ZDF haben angekündigt, 2014 die Wimbledon-Übertragung wieder sichern zu wollen. Blöd nur, dass dann auch Fußball-WM ist. Kein noch so rasender Reporter kann das bewältigen. Aber es sind die Gesetze des Marktes und der Quote, die den Rundfunk hetzen“ (Hahn, Thomas, Tieschky, Claudia, Die gekaufte Wirklichkeit, in SZ 9.7.2013; Hervorhebung WZ).
Vergleiche auch: Die Öffentlich-Rechtlichen Sportsender

– Siegfried Schneider bei der Arbeit. Schneider war früher Leiter der bayerischen Staatskanzlei und unermüdlicher Promoter der Bewerbung München 2018: bis er für ein stattliches Jahresgehalt von 220.000 Euro als Chef zur Landeszentrale für Neue Medien (BLM) wechselte. Nun vermakelte er als Aufsichtsrat des Fußballvereins TSV 1860 München dem Verein einen neuen Sponsor, der jährlich 1,6 Millionen Euro zu zahlen bereit ist: „Nach SZ-Informationen hat Aufsichtsrat Siegfried Schneider (…) den Deal über seinen persönlichen Kontakt zu VW-Boss Martin Winterkorn eingefädelt“ (Kleffmann, Gerald, VW kommt, Halfar geht, in SZ 10.7.2013; Goderbauer-Marchner gibt sich kampfbereit, in SZ 19.2.2011). Zur inhaltlichen Kritik am Wirken Schneiders in der BLM siehe Wittl, Wolfgang, Irritierende Signale in SZ 13.6.2013.

– Armer Bernard Tapie. Wie im Juni 2013 hier berichtet, ist der frühere Adidas-Eigentümer Bernard Tapie in Schwierigkeiten. „Nun ist er eine der zentralen Figuren in einer Affäre um staatliche Millionenentschädigungen. Es ist bereits ein Anklageverfahren wegen bandenmäßigen Betrugs eingeleitet worden. Bei einer viertägigen Vernehmung konnte er vor zwei Wochen die Verdachtsmomente gegen ihn nicht ausräumen. Ihm droht nun gemeinsam mit weiteren Beteiligten ein Prozess. Für die Vernehmung musste Tapie sogar vier Tage in Polizeigewahrsam verbringen. Jetzt hat die französische Justiz auch noch einen Teil seines Vermögens eingefroren. Justizkreise in Paris bestätigten einen Bericht von Le Monde. Betroffen seien unter anderem zwei Lebensversicherungen mit einem geschätzten Wert von knapp 21 Millionen Euro, Tapies Anteile an einem Pariser Stadtpalais im Wert von knapp 70 Millionen Euro sowie eine große Villa im südfranzösischen Nobelort Saint-Tropez, die Tapie 2007 für 48 Millionen Euro gekauft hatte. Hintergrund ist eine staatliche Entschädigungszahlung an Tapie in Höhe von insgesamt rund 400 Millionen Euro im Jahr 2008, die er nach einem umstrittenen Schiedsverfahren erhielt. Tapie hatte sich von der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais beim Verkauf seiner Adidas-Anteile geprellt gesehen und deswegen geklagt. Nach Ansicht der Ermittler beruhte der Schiedsspruch aber auf einem organisierten Betrug. (…)
Der Fall könnte auch auf den damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy zurückfallen. Es besteht der Verdacht, dass Tapie die hohe Summe auch deshalb erhielt, weil er Sarkozys Wahlkampf 2007 unterstützte“ (Busse, Caspar, Tapies Millionen, schockgefrostet, in sueddeutsche.de 10.7.2013).
Gleichzeitig wurde bekannt, dass dem früheren Fußball-Profi Dejan Savicevic und anderen Spielern von Olympique Marseille vor dem Finale des Europapokal der Landesmeister 1991 Geld geboten wurde. „Von einem namentlich nicht genannten Manager hätten er und weitere Teamkollegen von Roter Stern Belgrad 500 000 D-Mark für eine Niederlage gegen Olympique Marseille geboten bekommen, sagte Savicevic der Nachrichtenagentur AP. Belgrad hatte das Finale mit 5:3 im Elfmeterschießen gewonnen“ (
Savicevic‘ späte Vorwürfe, in SZ 12.7.2013). Tapie war zu der Zeit Präsident von Olympique Marseille; der Klub wurde 1994 „zum Zwangsabstieg in die 2. Liga verurteilt, weil ein Liga-Spiel gegen US Valenciennes verschoben worden war. Marseille wurde die Meisterschaft 1993 aberkannt, Tapie 1997 im Zuge der Affäre zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, von denen er sechs Monate absaß“ (Ebenda).

– Lukrative Berufskleidung. Die Profifußballer bekommen für das Tragen der Sportklamotten beträchtliche Summen. Der Adidas-Chef Herbert Hainer nahm den deutschen Spieler Mesut Özil von Real Madrid unter Vertrag – für geschätzte 3,5 Millionen Euro. Da musste sich Hainer schon tüchtig ärgern, als der FC-Bayern-Neuzugang Mario Götze (er kostete 37 Millionen Euro) einen Lapsus beging: „Der hielt stolz sein neues Bayern-Trikot mit der Nummer 19 von Sponsor Adidas in die Kameras – und trug dazu selbst ein weißes T-Shirt mit ‚Nike‘ auf der Brust… Götze persönlich hat aber einen Ausrüstervertrag mit Nike. Er wird also nun in Adidas-Ausrüstung für den FC Bayern antreten, seine Schuhe allerdings kommen weiterhin von Nike. Özil wiederum, der beim Adidas-Klub Real Madrid kickt, war bis zum vergangenen Sommer privat ebenfalls an Nike gebunden, nun wechselt er zu Adidas“ (Busse, Caspar, Millionen für eine kleine Elite, in SZ 12.7.2013).
Moderne Sport-Leibeigenschaften eben…

– Facebook-Fußball. Mesut Özil wird „von den Vermarktern nicht nur in Toren und Vorlagen gemessen, sondern in den Zahlen seiner sozialen Kontakte. ‚Facebook und Twitter sind die neuen Parameter in dieser Branche‘, sagt ein Experte. Özil hat doppelt so viele Facebook-Freunde wie
Schweinsteiger, Götze und Philipp Lahm zusammen, 10,5 Millionen haben sich auf seiner Seite eingeschrieben… Was er deinen Freunden und Followern mitteilt, darüber entscheidet er wohl nicht ganz allein“ (Selldorf, Philipp, Dein Freund und Follower, in SZ 15.7.2013).

– Hoeneß-Millionen. Die Schweizer Bank von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Vontobel, hatte Mitte 2012 ausgerechnet, dass Hoeneß 6,3 Millionen Euro nachzahlen müsste. Am 17.1.2013 überwies Hoeneß eine Abschlagszahlung von zehn Millionen Euro an sein Finanzamt. Am 20.3.2013 kamen Steuerfahnder, nahmen Hoeneß fest und setzten in gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß. Die Steuerschuld soll dann im Juli 2013 bei 3,2 Millionen Euro liegen (Leyendecker, Hans, stunden der Wahrheit, in SZ 15.7.2013). Nach einer Entscheidung des BGH soll es eine Faustformel geben, „von einem Schaden für den Fiskus von mehr als  einer Million Euro an sei in aller Regel nur noch eine Gefängnisstrafe möglich. Die Realität ist das nicht“ (Leyendecker, Hans, Eine Regel, an die sich keiner hält, in SZ 15.7.2013).

– Sechs von 20. „Der ägyptische Milliardär Mohamed Al-Fayed verkaufte den englischen Fußball-Erstligisten FC Fulham an den amerikanisch-pakistanischen Shahid Khan, dem auch die Jacksonville Jaguars aus der US-Football-Liga NFL gehören. „Damit „sind nun sechs der 20 Premier-League-Klubs im Besitz eines Amerikaners“ (Amerikaner kauft FC Fulham, in SZ 15.7.2013). Dazu gehört der FC Chelsea dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch etc.

– Formel-1-Team wird russisch. Der Formel-1-Rennstall von Peter Sauber hat drei neue russische Sponsoren: Investment Corporation International Fonds, staatlicher Fonds zur Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Förderation und das Nationale Institut für Luftfahrt und Technologie. Der neue Sauber-Pilot ist der 17jährige Russe Sergej Sirotkin: Er ist der Sohn von Oleg Sirotkin, Direktor vom  Nationalen Institut für Raumfahrt und Technologie. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“ (Russen retten Sauber, in SZ 16.7.2013).

– Oligarch auf Einkaufstour. Dmitrij Rybolowljew
hat den Fußballklub AS Monaco gekauft und dazu noch ein paar Spieler: für 60 Millionen Euro Radamel Falcao von Atlético Madrid, James Rodríguez und Joao Moutinho für 70 Millionen Euro. „Insgesamt verpflichtete Monaco für 144 Millionen Euro neue Spieler – und verfügt nun über den zweitteuersten Kader der französischen Liga – direkt hinter dem Meister Paris Saint Germain, der seit Jahren mit katarischem Geld um sich wirft“ (Joeres, Annika, Dünger fürs Casino, in SZ 18.7.2013). Nicht alle Anhänger von AS Monaco sind glücklich über den russischen Milliardär: „Zumal Rybolowljew schon einmal wegen Mordes angeklagt war und sein Vermögen durch undurchschaubare Düngergeschäfte anhäufte“ (Ebenda).

– Millionenspiel Fußball. Der französische Fußballklub Paris St. Germain, im Besitz der Investorengruppe Qatar Sport Investment (QSI), gab für den Stürmer Edinson Cavani 64 Millionen Euro aus, für den 19jährigen Innenverteidiger Marquinhos 35 Millionen Euro. Manchester City (Eigentümer Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi) will 25 Millionen Euro für den Stürmer Alvarto Negredo zahlen und hat schon Jesús Navas für 20 Millionen Euro und Stürmer Stevan Jovetic für 25,5 Millionen Euro geholt. Manchester United (Eigentümer Familie Glazer) zahlt für Cesc Fàbregas 28,9 Millionen Euro (PSG holt brasilianisches Talent Marquinhos, in spiegelonline 19.7.2013). Usw.usw.

– Petrol-Unternehmer geht, Palmöl-Unternehmer kommt. Massimo Moratti
ist Erdöl-Unternehmer; ihm gehört seit 18 Jahren der Fußballklub Inter Mailand. In dieser Zeit steckte Moratti knapp 1,2 Milliarden Euro in den Verein: Nun ist kein Geld mehr da. Deshalb will er 75 Prozent des Vereins für 300 Millionen Euro verkaufen – an den Indonesier Erick Thohir, dem Erben des Konzerns Astra, der Autohandel, Speditionen, Kohlegruben und Palmölherstellung betreibt. Thohir gehören bereits Anteile  am NBA-Team Philadelphia 76ers und am Fußballcub D.C. United (Schönau, Birgit, Eine Ära endet, in SZ 20.7.2013).

– Wechsel wg. Gehalt. Carlos Tévez, argentinischer Mittelstürmer, wechselte für „nur“ zwölf Millionen Euro von Manchester City zu Turin: „in dessen letztem Vertragsjahr wäre sonst die wahnwitzig anmutende Gehaltszahlung von gut 17 Millionen Euro fällig geworden“ (Honigstein, Raphael, Ende der Seifenoper, in SZ 31.7.2013). Der Klub Manchester City von Scheich Mansour muss wohl etwas sparen: Er hat den mit 230 Millionen Euro teuersten Spielerkader der Welt (Ebenda).

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VI: Aktuelle Sportsplitter von Fifa, Uefa etc.

– Katar rüstet weiter auf. „Das Emirat Katar will vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 im eigenen Land  weitere 118 Kampfpanzer des Typs Leopard für mehrere Milliarden Euro kaufen. Außerdem wolle der Wüstenstaat 16 Panzerhaubitzen ordern“ (Weitere „Leoparden“ für Katar, in SZ 15.7.2013). – „Der Zwergstaat gilt als Hauptfinancier der Muslimbrüder in Ländern wie Ägypten. Gleichzeitig unterstützte das Emirat, das reich an Erdgas ist, die Oppositionsbewegung in Libyen im Krieg gegen das Gaddafi-Regime. Seit etwas mehr als einem Jahr finanziert Katar die Bewaffnung syrischer Rebellen“ (Neue Panzer für den Emir, in spiegelonline 14.7.2013).

– „Ergebnisabsprachen“. Dem italienischen Fußball und Miroslav Kloses Verein Lazio Rom droht ein neuer Manipulationsskandal. Neben Lazio müssen sich auch der FC Genua, US Lecce sowie acht Profis wegen angeblicher Ergebnisabsprachen am 24. Juli vor Gericht verantworten, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Zu den verdächtigten Spielern soll auch Lazio-Kapitän Stefano Mauri gehören… Seit Mitte 2011 wurden in Italien bereits mindestens 50 Personen wegen Manipulationen verhaftet“ (Lazio vor Gericht, in SZ 11.7.2013).

– 146 Tore in zwei Spielen. „Mit auffällig hohen Siegen haben zwei nigerianische Amateurklubs den Sprung in den Profi-Fußball angestrebt – und sind vom Verband (NFF) prompt suspendiert worden. 79:0 hatten die Plateau United Feeders ihr Playoff-Spiel gegen den FC Akurba gewonnen, der FC Police Machine kam zu einem 67:0 gegen den FC Babayaro. „Das ist eine irrsinnige Farce“, hieß es in einer Verbandsmitteilung. Die NFF vermutet hinter den Resultaten finanzielle Absprachen und Manipulation“ (79:0 und 67:0, in SZ 11.7.2013).

– Im Fifa-Armenhaus. Zwei Fußballspieler der Nationalmannschaft von Belize wurden in einen Bestechungsversuch involviert: Sie sollten gegen die Mannschaft der USA in der Gold-Cup-Partie schlecht spielen, meldeten den Versuch aber der Fifa. „Während für die Favoriten Profis am Ball sind, deren Beste Millionen verdienen, kassieren Belizes Amateure 75 Dollar pro Tag, plus 250 Dollar Spielprämie sowie einen einmaligen Bonus von 2500 Dollar für die Teilnahme. Die Concacaf zahlt offenbar nur die Reisespesen. Was die alte Kernfrage aufwirft, wohin die Milliarden fließen, die im Weltfußball akquiriert werden – und wer den ehrenamtlichen Funktionären bei der Geldverteilung auf die Finger schaut. In Belize wurden die Spieler selbst aktiv, um ihr Gold-Cup-Budget auszugleichen. Laut Gaynair veranstalteten sie ‚Grillfeste und alles mögliche‘, um Spenden einzutreiben“ (Kistner, Thomas, Offerte im Einkaufszentrum, in SZ 15.7.2013; Hervorhebung WZ).
Mehr als 180 Millionen Schweizer Fifa-Millionen gehen zum Beispiel in das neue Blatter- pardon: Fifa-Museum auf dem Zürichberg, der damit bald zugebaut sein wird. Aber die Stadt Zürich kuscht wie eh und je vor der Fifa: Der Stadtrat ist stolz darauf, „eine der bedeutendsten Sportorganisationen“ in der Stadt zu haben.
Weiß der Stadtrat, dass er mit der Fifa auch eine der korruptesten Sportorganisationen in der Stadt hat?
Zum Museum geht es hier.

Fifa und IOC ruinieren Brasilien. Zu den Ereignissen und Unruhen rund um den Confederations Cup, die Fußball-WM 2014 und Rio 2016 gibt es einen Beitrag mit Pressestimmen unter „Aktuelles“: Brasilianisches Tagebuch.

– Fußballerfolg steigert nationale Aggression. Ein Politikwissenschaftler der Universität Berkeley kam zu dem Ergebnis: „Staaten, die sich für eine internationale Fußballmeisterschaft qualifizieren, treten in der Folge aggressiver  gegenüber anderen Nationen auf“ (Vom Ball zur Waffe, in SZ 22.7.2013).

-Teueres Uefa-Endspiel. Um das Endspiel der Fußball-EM 2020 bewerben sich die deutschen Städte Berlin und München. „Doch falls München den Zuschlag bekommt, kommen erhebliche Kosten auf die Landeshauptstadt zu. Sechs bis sieben Millionen Euro soll das Spektakel insgesamt kosten, davon wird einiges aus öffentlichen Kassen bezahlt werden“ (Lode, Silke, Entscheidung vor dem Spiel, in SZ 23.7.2013) – dazu dürfen die Ticketbesitzer den öffentlichen Nahverkehr kostenlos benutzen. Die Uefa schreibt 70.000 Plätze vor – deshalb hat wohl der FC Bayern sukzessive seine Platzzahl in der „Allianz-Arena“ erhöht. Infrage käme auch noch Dortmund, aber: „Dort gibt es kein Fünf-Sterne-Hotel – für die Uefa ein K.o.-Kriterium“ (Ebenda). Und die nächsten Knebelverträge warten: „Nach ersten groben Schätzungen würde die EM die Stadt etwa 7,5 Millionen Euro kosten… Allein 2,4 Millionen sind für ein Fanfest im Olympiapark eingeplant, 987.000 Euro kosten die von der Uefa geforderten Gratis-MVV-Tickets für alle Eintrittskartenbesitzer, 2,3 Millionen sind für ‚freiwillige Aktivitäten‚ vorgesehen, darunter ein schon vor den Spielen beginnendes Rahmenprogramm. Dieses Geld kann die Stadt wohl nahezu komplett abschreiben. Die Möglichkeiten zur Refinanzierung sind nach Einschätzung des Sportamtes ’stark limitiert‘, da sämtliche Vermarktungsrechte bei der Uefa liegen“ (Hutter, Dominik, Teure Bewerbung, in SZ 31.7.2013; Hervorhebung WZ).
Wieder einmal: Die Gewinne werden von IOC, Fifa, Uefa privatisiert, die Kosten und Lasten sozialisiert.
Hallo Sportfreunde der Stadt München: Schon mal überlegt, was man mit 7,5 Millionen Euro alles Sinnvolles anstellen kann?!
Nein – haben die Sportbeamten nicht. Das Sportamt von Thomas Urban (früher DAV): „Dafür sei München bei einem Zuschlag eine Aufmerksamkeit sicher, die durchaus mit einer Weltmeisterschaft oder Olympischen Spielen vergleichbar sei“ (Hutter, Dominik, München unterwirft sich den Auflagen der Uefa, in sueddeutsche.de 30.7.2013).
Oh heiliger Strohsack: Wahrscheinlich berechnet wieder jemand den zehnfachen Werbeeffekt der 7,5 Millionen Euro offizieller Kosten. Lasst es doch bleiben!

– Das neue Maracana-Stadion
1950: “… ein lebender Mythos. Menschen jeder Schicht passten hinein, sie durften ungehemmt feiern, und die meisten Tickets waren billig. Das Städtische Stadion von Maracana gehörte dem Volk, und man sah darin viele Leute aus den Armenvierteln, den Favelas. Jeder hatte seinen Platz” (Burghardt, Peter, Fremd im geliebten Zuhause, in SZ 25.7.2013)
2013: “1,2 Milliarden Reais haben die Bauherren verschleudert, mehr als 400 Millionen Euro, um den Wünschen der Fifa gerecht zu werden. Ein Bombengeschäft für Unternehmen und Funktionäre, bezahlt nicht zuletzt mit Steuergeld, es übernimmt ein privates Konsortium… Unterdessen wurden die Fifa-Tarife für das WM-Endspiel in einem Jahr bekannt: 330 und 1980 Reais, gut 110 bis fast 700 Euros. Brasilien ist entsetzt” (Ebenda).

– Ein Fazit zu Südafrika 2010: 70 Millionen Euro ließ sich die Fifa nach der Fußball-WM 2010 in Südafrika das „Nachhaltigkeitsprogramm“ kosten: 14 Millionen für das neue Gebäude des Fußball-Verbandes, sieben Millionen für Teambusse, vier Millionen für Fußball-Entwicklungsprojekte und 45 Millionen für das Programm „Legacy Trust“. Drei Jahre nach der WM sind erst 12 der 20 „Zentren für 2010“ (Fifa-Felder für Jugendliche) in Betrieb. José Cabral von der CapeUniversity in Kapstadt: „Zugang haben nur die Kinder, die im Verein spielen… Den Funktionären geht es darum, eine neue Elite heranzuzüchten, nicht um den nachhaltigen Nutzen für die Massen“ (Windmann, Antje, Mister Flo vom Chiemsee, in Der Spiegel 31/29.7.2010).
„Fünf Milliarden Euro hat Südafrika die Fußballparty gekostet. Das 450 Millionen Euro teure Stadion in Kapstadt steht meist leer. Die Stadt ächzt unter den vier Millionen Euro Unterhaltskosten pro Jahr. Damit das Inventar nicht verwittert, wurden die rund 55.000 Stühle mit Plastik überzogen“ (Ebenda).
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VII: Doping-News

– Team Gerolsteiner Doping. Im Prozess des Teamchefs Hans-Michael Holczer gegen den früheren Radprofi Stefan Schumacher ließen sich die früheren Sportärzte von Team Gerolsteiner etwas einfallen. Mark Schmidt erschien trotz zweiter Vorladung nicht vor Gericht wg. Urlaub und bot an, am 6.8.2013 zu kommen. Ernst Jakob ließ sich entschuldigen und wird am 6.8. von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. „Jakob, Chefarzt der Sportklinik Hellersen, war früher Mitarbeiter der in Dopingpraktiken verstrickten Freiburger Sportmedizin und auch ehemaliger Betreuer von Jan Ullrich beim Team Bianchi“ (Erst nach dem Urlaub, in SZ 4.7.2013). Sportarzt Achim Spechter wies alle Dopingvorwürfe zurück: Das von Schumacher geschilderte systematische Doping habe es nicht gegeben. „Ich habe es immer abgelehnt, wenn mich ein Sportler nach Synacthen gefragt hat“ – er habe ein Placebo injiziert (Gerolsteiner Arzt bezichtigt Schumacher der Lüge, in spiegelonline 4.7.2013).

– Die NADA-DOSB-BMI-Connection: Am 3.7.2013 stellte die Nada ihren Jahresbericht 2012 vor. Dazu Boris Herrmann in der SZ: „Vermutlich bleibt der Anti-Doping-Kampf in Deutschland so lange ein Torso, wie sich der DOSB und die Bundesregierung gegen ein Anti-Doping-Gesetz wehren. Manfred von Richthofen, der DOSB-Ehrenpräsident, hat ein solches Gesetz gerade öffentlich gefordert“ (Herrmann, Boris, Epo an der Ecke, in SZ 2.7.2013).Nada hat kein Geld, wie immer. Bei der Vorstellung der Jahresbilanz kündigte die Nada unabhängige Wettkampfkontrollen bei den Spielsportarten an: „was nicht zuletzt der Deutsche Fußball-Bund erfolgreich zu verhindern wusste“ (Herrmann, Boris, Betteln bis zum Untergang, in SZ 4.7.2013). Das wäre vielleicht gar nicht nötig gewesen, da die Nada sowieso nicht weiß, wie sie ihren laufenden Betrieb nach dem 31.12.2013 finanzieren soll. „De facto ist die Nada ein mittelständischer Bettelbetrieb. Der Bund zahlt, die Länder weigern sich. Aus der Wirtschaft gibt es sage und schreibe einen Sponsor, die Firma Adidas“ (Ebenda).
Erfolgsbilanz der Nada? Von Wegen. „Im Jahr 2012 hat die Nada 8.567 Trainingskontrollen durchgeführt. Dabei wurden acht Sportler mit verbotenen Substanzen erwischt… Die Erfolgsquote liegt immerhin bei 0,093 Prozent… In einer Studie der Sporthilfe räumten Anfang des Jahres beispielsweise 5,9 Prozent der Sportler ein, regelmäßig zu Dopingmitteln zu greifen“ (Ebenda).

– Doping-Stunde der Wahrheit. Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, äußerte am 6.7.2013 bei den deutschen Meisterschaften in Ulm: „Irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit“ (Reinsch, Michael, „Doping eine Straftat“, in faz.net 8.7.2013). – „Prokop erinnerte daran, dass die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im vergangenen Jahr in Stuttgart den Antrag des DLV ‚mit krachender Mehrheit‘ abgelehnt habe, die Zuwendungen des DOSB an die Nada von 500.000 auf 1,5 Millionen Euro zu steigern. Der DOSB argumentierte, da eine Million aus der Sportförderung des Bundes umgewidmet worden sei, sei dies ein Beitrag des Sports. Prokop sieht auch in der in der vergangenen Woche veröffentlichten Erfolgsbilanz der Nada das Scheitern der institutionalisierten Doping-Bekämpfung abgebildet. „Acht positive Fälle bei rund neuntausend Proben bestätigen uns“, sagte er. „Diese Zahl entspricht nicht der Realität.“ Studien von Emrich/Pitsch hätten ergeben, dass knapp die Hälfte der Spitzensportler dope, der Mediziner Perikles Simon hatte bei einer Untersuchung festgestellt, dass mindestens sieben Prozent der Nachwuchssportler dopten, und bei einer Umfrage der Stiftung Deutsche Sporthilfe hatten knapp sechs Prozent der Athleten angegeben, regelmäßig Doping-Mittel zu nehmen. (Ebenda)

– „Gestern Weltrekordler, heute ein Wrack“. Ines Geipel ist Präsidentin des Vereins Doping Opfer Hilfe und ehemalige Sprinterin der DDR. Im Interview äußerte sie:
– Ob die deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Ulm im Juli 2013 dopingfrei seien: „Ja, offiziell sind die Meisterschaften sauber. Die NADA sagt, 0,1 Prozent der Proben sind positiv, also vernachlässigbar. Wir wissen aber natürlich, gerade aus der letzten Studie der Sporthilfe, dass die anonymen Aussagen der Athleten deutlich andere sind.“
– Ob die Tour de France „sauber“ ist: „Wir haben maßlos verdreckte Rennen gehabt. Wir haben Outings gehabt. Und es ist nicht erklärt, wieso diese Tour de France, die hundertste, nun ausgerechnet sauber sein soll. Und, wie gesagt, wir sind in einer großen Glaubensmaschine. Wir wollen das abnehmen. Wir wollen diese Siege sehen nach wie vor.“
– Ob der Kampf gegen Doping zu gewinnen sei: „Er ist zu gewinnen. Es gibt natürlich die Möglichkeit für einen weitaus saubereren Sport. Nur das ist nicht zu gewinnen über die Sätze der Athleten, die sozusagen voll Chemie sind, sondern das ist zu gewinnen über das, was wir tatsächlich tun in den Bereichen, in welcher Weise wir die Athleten tatsächlich schützen. Da geschieht zu wenig. Wir haben uns nicht emanzipiert von dieser Glaubensmaschine des schönen Sports.“
– Ob der Antidopingkampf etwas für weltfremde Idealisten ist: „Warum soll der Sport sauber sein, wenn die Gesellschaft völlig zugedröhnt ist.“
– Zum Vorschlag der Grünen, 200 Euro Rente im Monat an die DDR-Dopingopfer zu bezahlen: „Gemessen tatsächlich an den schweren Schädigungen ist das ja vor allen Dingen auch eine Frage der Anerkennung dieser Geschichte. Im politischen Raum ist das völlig abgewatscht worden, vor allen Dingen von CDU und SPD. Und jetzt können wir nur in eine neue Runde gehen und sagen: Die Schäden sind da.“
– Zur Situation des gesamtdeutschen Dopings: „Und die jungen Trainer zum Beispiel, die heute antreten und sagen, wir wollen wirklich was anderes, wir wollen vor allen Dingen ohne Chemie starke Leute, starke Athleten heranziehen, mit denen arbeiten – und dann schlägt im Grunde diese Altstruktur immer wieder durch und mobbt die jungen Leute raus.“
(Steinhage, Martin, Gestern Weltrekordler, heute ein Wrack, in dradio.de 6.7.2013).

“60 Prozent in London 2012 gedopt”. “Der renommierte Sportmediziner Professor Perikles Simon von der Universität Mainz hält einen glaubwürdigen Anti-Doping-Kurs im deutschen Spitzensport nur mit ‘vollkommen neuen Leuten’ für möglich. In dem bestehenden System sei eine Kurskorrektur ‘absolut unmöglich’. (…) Perikles Simon glaubt, dass ’60 Prozent der Teilnehmer an den Olympischen Spielen 2012 in London gedopt gewesen sind’. Etwas anderes anzunehmen, sei unrealistisch. ‘Wenn ich mir den olympischen Spitzensport ansehe, halte ich im Grunde das Segeln für die einzige Sportart, in der nicht gedopt wird. Dafür sind dort die Boote gedopt.’ Dass die deutsche Sportführung wirklich daran interessiert sei, Doping im Hochleistungssport zu bekämpfen, glaubt der Wissenschaftler nicht. ‘Dieses System schafft sich selbst. Und solange Funktionäre und Sportpolitik aus dem bestehenden System rekrutiert werden, wird sich im deutschen Sport nichts ändern… Dass wir in Deutschland ein wirksames Kontrollsystem haben, wie immer wieder betont wird, ist eine Lüge.’ Der Spitzensport in diesem Lande sei Showsport, sagte Perikles. »Und die Sportverbände in diesem Land vertreten genau diese Form des Sports. Ich frage mich, wie man einen solchen Sport mit Steuergeldern fördern kann. Dann kann man auch genausogut Sport-Showformate im Fernsehen mit Steuergeldern unterstützen.’ Simon hält auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) für ein untaugliches Instrument: ‘Wer sich ständig mit dem eigenen finanziellen Überleben beschäftigt, hat keine Zeit dafür, sich maßgeblich und wirksam um den Kampf gegen Doping zu bemühen’” (Fischer, Christoph, “Neuer Kurs funktioniert nur mit neuen Leuten”, in Reutlinger Generalanzeiger 9.7.2013).

– Dem Spitzensport droht ein Tsunami. Der ehemalige WADA-Chef und Mitglied des IOC, Richard Pound im Interview mit der Sportschau zu Entwicklungen bei Fifa und IOC: „Ich kenne die Politik der FIFA nicht. Ich weiß aber, dass die Golfstaaten sich für alles Mögliche bewerben. Und sie haben so viel Geld wie Öl. Als Außenstehender kann ich mir schwer vorstellen, dass man bei 50 Grad Hitze Fußball spielen kann.. Sie erkünden Reformen, so wie der Weltradsportverband regelmäßig erklärt, das Peloton ist sauber. Es sind die Taten, die zählen. Die FIFA hat darüber geredet, was sie tun wird, aber bisher hat sie noch nichts getan. Die FIFA hat scheinbar die Vorstellung, dass sie mächtiger ist als die meisten Regierungen. Vielleicht stimmt das ja.“ – „Meine Vermutung ist, dass der Sport bald in eine Art Krise geraten wird. Ich denke, wenn die Sponsoren aussteigen, ist es vorbei. Sehen Sie sich den Radsport an. Da verlassen die Sponsoren den Sport schon. Irgendwann werden auch die Regierungen sagen: Wir werden nicht länger Einrichtungen bauen für Euch oder Ihr könnt diese Einrichtungen nicht mehr nutzen, wenn wir nicht zufrieden damit sind, wie ihr gegen die Korruption vorgeht. Der Sport sollte sich dessen bewusst sein. Viele Funktionäre tun aber weiter so, als gebe es das Problem nicht. Dann werden sie es eben auf die harte Tour lernen. Irgendwann werden sich die großen Konzerne fragen, warum machen wird das, warum riskieren wir unsere Reputation? Dann werden sie Kunst oder etwas anderes sponsern. Wenn das passiert, kann sich das zu einem Tsunami für den Sport ausweiten.“ – „Niemand will die Doper finden… Fußball, Leichtathletik, Schwimmen – alle haben dieses Problem. Die Leute haben die falsche Vorstellung, dass sie ihren Sport beschützen, wenn sie verstecken, was los ist, anstatt deutlich zu machen, was vor sich geht und zu sagen: Das ist falsch…wenn Sie im olympischen 100-Meter-Finale stehen, haben Sie schon lange vorher gewusst, wann dieser Lauf stattfindet. Wenn Sie an diesem Tag den Dopingtest nicht bestehen, bestehen Sie auch keinen Intelligenztest. Was es braucht sind unangekündigte Trainingskontrollen. Wissen Sie, wie viele Spieler im Testpool der FIFA registriert sind? Zehn! Denken Sie mal darüber nach“ (Ostermann, Michael, Pound – „Der Sport wird bald in eine Krise geraten“, in sportschau.de 9.7.2013; Hervorhebungen WZ).

– Gen-Doping im Kommen. Gendoping ist durch die Möglichkeit des Absetzens kontrollierbar geworden, wie Professor Mario Thevis vom Kölner Zentrum für Präventive Dopingforschung feststellte: „Ein Beispiel in dem Zusammenhang ist das Myostatin, Myostatin ist ein natürlicher Regulator des Muskelwachstums. Und wenn ich diesen kontrolliert für einen gewissen Zeitraum ausschalten kann, dann habe ich eine deutliche höhere Effektivität beim Muskelwachstum zu beobachten“ (Kreuzer, Heinz-Peter, Der Horror ist im Sport angekommen, in dradio.de 21.7.2013).
Und erfahrungsgemäß wird auch umgehend verwendet, was funktioniert.

– Tyson Gay, Asafa Powell: die nächsten Doper. Sprinter Tyson Gay gab am 14.7.2013 selbst bekannt, dass seine A-Probe vom 16.5.2013 eine verbotene Substanz aufgewiesen hat. Am selben Tag wurde bekannt, dass der frühere 100-Meter-Weltrekordler Asafa Powell aus Jamaika positiv auf das Stimulanzium Oxilofrin getestet wurde, ebenso seine Teamkollegin Sherone Simpson, die 100-Meter-Zweite von Peking 2008. Gleichzeitig wurde der Konditionstrainer von Powell in Italien festgenommen: Er hatte Powell und Simpson mit Dopingmittel versorgt (Auch Powell positiv auf Doping getestet, in spiegelonline 14.7.2013; Hahn, Thomas, Tyson Gay und Asafa Powell positiv getestet, in SZ 15.7.2013; Powells Konditionstrainer in Italien festgenommen, in spiegelonline 15.7.2013).

– Powell gibt nicht auf. Asafa Powell will weiterstarten: „Ich habe nie daran gedacht, aufzuhören… Es gibt noch viel zu erreichen“ (Dopingsünder Powell setzt Karriere fort, in spiegelonline 25.7.2013).

– Bolt bald allein zuhaus.Sein großer Konkurrent, Asafa Powell? Positiv. Sprinterin Sherone Simpson? Positiv. Diskuswerferin Allison Randall? Positiv. Diskuswerfer Traves Smikle? Positiv. Am Donnerstag kam noch ein Spieler der Nationalmannschaft hinzu, der ebenfalls eine positive Probe abgegeben hatte. Jamaika steckt tief in einem Dopingskandal, ein Ende scheint derzeit nicht in Sicht – eher im Gegenteil: Fast wöchentlich kommen neue Verdachtsfälle hinzu… ‚Aber Doping ist keine Maßnahme, die ich ergreife, um bessere Leistungen zu erbringen‘, versicherte Bolt. Von den zehn schnellsten 100-Meter-Läufern der Geschichte gelten derzeit nur er und sein Landsmann Nesta Carter als unbelastet“ („Ich bin sauber“, in spiegelonline 25.7.2013; Hervorhebung WZ).

– Erfurter Blutdoping vom Sportgerichtshof CAS legalisiert. CAS: Blutdoping erst seit Januar 2011 verboten. Wada: Die UV-Bestrahlung des entnommenen Blutes war schon vor 2011 schon verboten (Grundsatzurteil im Fall Erfurt, in SZ 23.7.2013).

– Doping im Baseball: Ryan Braun wurde für die restlichen 65 Saisonspiele gesperrt, da er auf der Kundenliste der Anti-Aging-Klinik Biogenesis in Florida stand und das Wachstumshormon HGH genommen haben soll (Baseball-Star Braun für 65 Spiele gesperrt, in spiegelonline 23.7.2013).

– Doping im Tennis: „Nach dem Serben Viktor Troicki, der am Donnerstag nach einem verweigerten Bluttestvom Tennis-Weltverband ITF für 18 Monate gesperrt worden war, ist nun angeblich der kroatische Topspieler Marin Cilic positiv getestet worden“ (Cilic im Verdacht, in SZ 29.7.2013).

– Doping im Fußball:  Nach der Tour de France 2013 wurde der französische Doping-Report zum Radsport veröffentlicht. Dort fand auch der Fußball Erwähnung. Stephane Mandard, der Sportchef von Le Monde, hatte den Chef des (später von der UCI hinausgeworfenen) Pariser Dopinglabors, Pierre Bordry, gefragt, „warum
er neben den Urinproben der Tour-Fahrer von 1998 nicht auch die der WM-Fußballer nachgeprüft habe. Bordry habe ihm gesagt, ein Gesandter des Weltverbandes Fifa sei damals im Labor aufgekreuzt und habe ‚alle Proben gewissenhaft zerstört, die einmal für negativ erklärt worden waren‘. Zu der Zeit gab es keine Aufbewahrungspflicht für spätere Nachkontrollen. Sicher ist sicher?“ (Kistner, Thomas, Auffallend hohe Werte, in SZ 27.7.2013).

-Radsport: Nachfolger für Erythropoetin gefunden. „Was sich heute mit Epo abspielt, könnte sich in einer Dekade mit Aicar wiederholen… Dioe Parallelen sind verblüffend. Beide Präparate haben hohes medizinisches Potenzial. Epo hilft gegen Blutarmut, stärkt Patienten nach schweren Operationen und Chemotherapien. Aicar baut Fett ab und sorgt gleichtzeitig für eine Stärkung der Muskulatatur“ (Mustroph, Tom, Epo und Aicar – Verblüffende Parallelen, in tagesspiegel.de 26.7.2013). Beide sind als natürliche Substanzen im Körper, wodurch Doping schwer nachweisbar ist. Epo konnte erst seit 2000 nachgewiesen werden; für Aicar gibt es noch gar keinen Test (Ebenda).

– Zabel scheibchenweise. Der frühere Radrennfahrer Erik Zabel hatte im Juni 2007 gestanden, im Jahr 1996 einige Tage Epo genommen zu haben. Daraufhin hatte Zabel (mit Kollegen Rolf Aldag) ein Gespräch mit DOSB-Präsident Bach und DOSB-Generaldirektor Vesper, nach dem groß eine „Anti-Doping-Kampagne“ angekündigt wurde, die nie stattfand (Erste Konsequenzen, in SZ 27.7.2013). Bei der Doping-Untersuchung des französischen Senats wurde Zabel erneut schwer belastet und gestand im Juli 2013, dass er 2007 gelogen hatte und in Wirklichkeit jahrelang gedopt hatte. Er trat daraufhin aus dem Profi-Beirat des Weltradsportverbandes UCI aus und als Sportlicher Direktor des übel beleumdeten russischen Katjuscha-Rennstalls zurück (Aumüller, J., Burkert, A., Zabel spürt die Konsequenzen, in SZ 30.7.2013). Auch Zabel fühlte sich im Interview gemüßigt, den heutigen Radsport weißzuwaschen: „… ich bin wirklich überzeugt, dass der heutige Radsport nicht mehr mit der dunklen Ära meiner Zeit zu vergleichen ist“ (Doping bis 2003: Erik Zabel legt ein umfassendes Geständnis ab, Interview von Andreas Burkert mit Erik Zabel, in SZ 29.7.2013).
Wird es wieder 15 Jahre dauern, bis das heutige Doping im Radsport enthüllt wird?

– Ein Kommentar dazu von Thomas Kistner: „Während von Skandinavien über Österreich bis Italien Anti-Doping-Gesetze in Kraft sind, verteidigt der Deutsche Olympische Sportbund mit Klauen und Zähnen seine Minimalregelung. Sie besteht aus einem Appendix am Arzneimittelgesetz, der gar als Aufforderung zum Dopen gelesen werden kann: Dem Staatsanwalt sind Ermittlungen erst ab einer exorbitanten Menge an Dopingfunden erlaubt. Ungefähr so, als würde die Latte für Trunkenheit am Steuer auf 2,5 Promille gelegt. Wer steuerte da nicht ganz entspannt die Bar an? (…) Nun dürfen chronisch Ahnungslose wie Bach und Vesper wieder sehr bestürzt reagieren. Im Herbst übrigens kürt das Internationale Olympische Komitee den neuen Präsidenten. Was den Favoriten und langjährigen Musterfunktionär Bach angeht, weiß der Sport, was er kriegt und was nicht. In rauen Zeiten mag das hilfreich sein für eine Gesellschaft, die sich trotz aller Affären wohlfühlt, so wie sie ist“ (Kistner, Thomas, Wo Lügenbarone protegiert werden, in sueddeutsche.de 25.7.2013; Protegierte Lügenbarone, in SZ 25.7.2013; Hervorhebung WZ).

UCI wie gehabt. Die Untersuchung des französischen Senats über die Tour de France 1998 ergab 18 positiv getestete Fahrer und 12 des Dopings verdächtige Fahrer (Burkert, Andreas, Entlarvte Lebenslügen, in SZ 25.7.2013). Dazu äußerte Pat McQuaid’s Weltradsportvereinigung UCI: „Die Analysen des französischen Labors im Jahr 2004 entsprechen nicht den technischen Standards für Anti-Doping-Tests und können daher nicht als Beweis im Rahmen von Anti-Doping-Untersuchungen angenommen werden. Sie würden nicht die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens ermöglichen“ (Ullrich und Zabel stehen auf Epo-Liste, in spiegelonline 24.7.2013; Peschke, Sara, Nichts außer Genugtuung, in spiegelonline 24.7.2013). Und der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, sekundierte McQuaid eilfertig, der Report aus Frankreich habe „für die Gegenwart und die Zukunft des Radsports keine Bedeutung“ (Burkert, Andreas, Entlarvte Lebenslügen, in SZ 25.7.2013).
Die Radsport-Reihen fest geschlossen…

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VIII: Die Sportsender ARD/ZDF im Juli 2013

Die Auflistung der Sportsendung erfolgte nur für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, nicht für die Dritten Programme und ist vermutlich nicht vollständig (Sondersendungen!). Finanziert werden diese Sportsendungen durch die zwangsweise erhobenen Rundfunkgebühren.
Vergleiche auch hierzu: Die öffentlich-rechtlichen Sport-Sender

Ergebnis für Juli 2013:
ARD = 1475 min = 24 h 35 min; ZDF = 1155 min = 19 h 15 min
ARD und ZDF gesamt:  2630 min = 43 h 50 min

6.7. ARD Sportschau 15.00 – 19.50: 290 min
7.7. ARD Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ZDF SportExtra 16.25 – 19.00: 155 min
11.7. ZDF SportExtra Frauen-Fußball-WM 20.15 – 22.45: 150 min
13.7. ARD Tourenwagen DTM 14.30 – 16.00: 90 min
ARD
Sportschau 18.00 – 18.45: 45 min
ARD
Ligafieber 18.45 – 19.50: 65 min
14.7. ARD Sportschau live Tourenwagen DTM 13.15 – 16.15: 180 min
ARD
Sportschau 18.00 – 18.30: 30 min
ZDF
Sportreportage Damen-Fußball-WM etc. 17.10 – 18.00: 50 min
ZDF
SportExtra Frauen-WM 20.15 – 22.25: 150 min
17.7. ARD Sportschau live Frauen-Fußball-WM 17.45 – 20.00: 135 min
20.7.  ARD Sportschau 18.00 – 18.45: 45 min
ARD
Ligafieber 18.45 – 19.50: 65 min
ZDF
SportExtra 15.30 – 17.00: 90 min
ZDF
Das aktuelle Sportstudio 23.00 – 24.00: 60 min
21.7. ARD Triathlon 14.50 – 16.20: 90 min
ZDF
Sportreportage Fußball-Frauen-EM etc. 17.10 – 18.00: 50 min
24.7. ZDF SportExtra FC Bayern – FC Barcelona 20.15 – 22.45: 150 min
27.7. ZDF SportExtra Supercup 2013: B. Dortmund – FC Bayern 20.15 – 22.30: 135 min
ZDF
Das aktuelle Sportstudio 22.30 – 23.25: 55 min
28.7. ARD Sportschau live 15.20 – 18.30: 190 min
ZDF
Sportreportage 17.10 – 18.00: 50 min
ZDF
Schwimm-WM 18.00 – 19.00: 60 min
29.7. ARD Schwimm-WM 18.00 – 19.50: 110 min
31.7. ARD Sportschau live Schwimm-WM 18.00 – 19.50: 110 min




Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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