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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Februar 2010

 
Zuletzt geändert am 27.03.2014 @ 17:41

Vancouver

(Siehe auch 18 Gründe: Vancouver)

In Vancouver mussten kurz vor den Spielen tausende Tonnen Schnee per Lkw und Hubschrauber zum Cypress Mountain gebracht werden, um die Snowboard- und Freestyle-Ski-Wettbewerbe zu ermöglichen. Die Temperaturen lagen bei vier Grad plus. Jacques Rogge gab den umwelt-besorgten IOC-Präsidenten: „Die Erderwärmung ist deswegen definitiv ein Faktor, der in Zukunft bei der Vergabe von Winterspielen in Betracht gezogen werden muss.“ Er verwies dann aber sofort auf „die Möglichkeiten zum Ausgleich von Schneemangel“: „Es sind aber auch schon Verbesserungen von Schneekanonen und bei der Herstellung künstlichen Schnees festzustellen, was die Folgen des Klimawandels mildern kann.“ (Schnee für Cypress Mountain, in SZ 5.2.2010; Rogges Sorgen, in SZ 10.2.2010)

Das ist eine typische IOC-Aussage: Das olympische Business-as-usual geht weiter, dann eben mit neuen Schneekanonen. In Sotschi werden diese bitter nötig werden: Im Januar 2010 hat man dort 19 Grad plus gemessen. (Becker, Thomas, Putinsche Dörfer, in SZ 11.2.2010)

Quer

Im Bayerischen Fernsehen wird in der Reihe „Quer“ (Christoph Süß) wird der Film „Olympia-Bewerbung: Widerstand aus dem Oberland“ gezeigt.

http://blog.br-online.de/quer/index.php?/Olympia-Bewerbung-Widerstand-aus-dem-Oberland_10022010.html

Deutscher Landkreistag

Diese nach eigenen Aussagen für 56 Millionen Bürger verantwortliche (ansonsten weitgehend unbekannte) kommunale Institution sprach sich im Februar einstimmig für die Olympia-Bewerbung aus – zur Freude der Bewerbungsgesellschaft.

Garmisch-Partenkirchen

Anfang Februar 2010 veröffentlichte der ÖDP-Vorsitzende des KV GaP ein Positionspapier. Darin stellte er Fragen zu den Vergabebedingungen des IOC, der Zukunft der örtlichen Landwirtschaft, dem Schuldenstand der beteiligten Gemeinden und anderen ungeklärten Problemen. (Beuting, Rolf, ÖDP-Positionspapier, Fragen und Überlegungen zur Olympia-Bewerbung 2018 von Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau, Murnau Februar 2010)

Am 8.2.2010 übergaben vier Grundstückseigentümer einen Brief an Bürgermeister Schmid, indem sie ihre Weigerung erklärten, ihre Grundstücke zwischen Eissporthalle und Bahnlinie für das geplante Snow-Village zu verkaufen, zu verpachten oder zu tauschen: „Der Erhalt der Grundstücke als landwirtschaftliche Flächen ist unser erklärtes Ziel.“

Schmid machte dem knappen Dutzend Grundstückseigentümer an der Riffelstraße ein Angebot: Zwei Drittel der für das geplante Snow Village eingeplanten Flächen will die Gemeinde als späteres „Einheimischenmodell“ kaufen; ein Drittel sollten die Eigentümer selbst als Bauland nutzen dürfen. Damit stiege der Wert der bislang landwirtschaftlichen Flächen pro Quadratmeter von 20 bis 30 auf 550 Euro für Bauland. (Holzapfel, Matthias, Aus Wiesen soll Bauland werden, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.2.2010)

Dieses Verzweiflungsangebot des regierenden Gemeinderates könnte man auch als aktive Bestechung bezeichnen.

Die neun Vereine in GaP hatten in einem Offenen Brief Anfang Februar 2010 an Bürgermeister und Gemeinderat die Aufforderung gerichtet, keine weitere Planung des Snow Village südlich des Eissportzentrums zu verfolgen. Die CSU hatte dem Bürgermeister bei der Gemeinderatssitzung am 10.2.2010 ein A4-Papier mit Namen und Unterschrift von insgesamt 24 Grundstückseigentümern übergeben, die ihre Grundstücke nicht verkaufen wollen. Trotzdem sprach sich der Gemeinderat mit 17 Stimmen gegen die CSU-, SPD- und FDP-Vertreter für den Standort am Eissportzentrum aus. (Holzapfel, Matthias, Dorf wächst am Eissportzentrum,  in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 11.2.2010; Olympisches Dorf rund ums Eisstadion, in SZ 12.2.2010)

Biosphärenreservat

(Siehe auch: 18 Gründe: „Innovative Leitprojekte“)

Eines der „18 Leitprojekte“ aus dem Entwurf „Umweltkonzept“ vom November 2009 war das geplante UNESCO-Biosphärenreservat im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, das von der Bewerbungsgesellschaft und DOSB-Generaldirektor Vesper lautstark propagiert wurde, ohne dass es mit einer der betroffenen 22 Gemeinden abgesprochen wurde. Der Ohlstädter Bürgermeister zitierte aus einem Schreiben des Landratsamtes, dass es nicht Voraussetzung für eine Olympiabewerbung sei. Fünf Bürgermeister erklärten explizit ihren Widerstand. (Stöckerl, Eva, Funkstille: München lässt alle Fragen offen, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 18.2.2010;  Biosphärenreservat „am falschen Platz“, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 18.2.2010)

Damit ist das „Leuchtturmprojekt“ der Bewerbungsgesellschaft sang- und klanglos untergegangen und das „grüne Erbe“ Olympischer Spiele 2018 wieder ein Stück kleiner geworden. Es wird nicht dessen letzte Schrumpfung sein.

Kramer-Tunnel „Verkehr“

Beim Politischen Aschermittwoch der CSU am 17.2.2010 in GaP wehrte sich die Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch gegen die Aussagen des Münchner OB Ude, er könne die CSU in GaP nicht ernst nehmen, die nur dem ausgetretenen Bürgermeister Schmid ein Bein stellen wolle. Koch verwies neben  der Zustimmung der Bürger zur Olympia-Bewerbung auf die Ablehnung der vorliegenden Planungen. Der CSU-Vorsitzende Max Wank erklärte: „Wir sind dafür, aber richtig.“ Er zeigte sich sehr erfreut über den Baubeginn des Kramer-Tunnels, an dem MdB Alexander Dobrindt und Landrat Harald Kühn maßgeblichen Anteil hätten.  „Dass nun auch Bewegung in den Wanktunnel gekommen sei, habe man nicht zuletzt der Olympia-Bewerbung zu verdanken.“ (Kaiser, Wolfgang, Einladung an Oberbürgermeister Ude, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 19.2.2010)

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), die Parteikollegen Dobrindt und Kühn bringen also die Tunnel „in Bewegung“: So falsch das Bild auch sein mag, so tragisch werden die Auswirkungen der neuen Transitrouten für Garmisch-Partenkirchen  werden.

BR-Umfrage

Mitte Februar 2010 veranstaltete der Bayerische Rundfunk eine Internet-Umfrage unter seinen Hörern zur geplanten Bewerbung. Die Frage „Ich bin für die Bewerbung“ wurde von 41,3 Prozent, „Ich bin gegen die Bewerbung“ von 56,4 Prozent angeklickt. (BR-online 14.2.2010: Olympia 20218: Voting-Mehrheit gegen Olympiabewerbung)

Gleichzeitig wurde bekannt, dass das IOC eine geheime Umfrage vor der Vergabe der Winterspiele durchführen will. DOSB-Präsident Bach kündigte an, das IOC wolle „die Athleten nur dorthin schicken, wo sie wirklich willkommen sind… für eine erfolgreiche Bewerbung Münchens muss die Bevölkerung hinter dieser Idee stehen“ und erwähnte die Unterstützung durch Bundespräsident, Bundeskanzlerin und bayerische Staatsregierung. (Geheim-Umfrage wegen Olympia in München, in tz-online 12.2.2010)

Der BR-Umfrage zufolge steht  die Bevölkerung mitnichten hinter der Bewerbung. DOSB und OB Ude behaupten dagegen, dass ihnen Umfragen mit 80 Prozent Zustimmung vorlägen. Vielleicht verwechseln sie dabei wieder einmal die Haltung der Parlamentarier und Gemeinderäte mit der Meinung der Bevölkerung.

Thomas Bach

(Siehe auch 18 Gründe: „Sportstätten“)

Der DOSB-Präsident argumentiert ähnlich wie sein Generaldirektor Vesper mit standardisierten „Baukasten-Argumenten“. In einem Interview zu Vancouver wiederholte er holzschnitzartig das Repertoire: Die Bewerbung mit München + 2 sei kompakt, der Wintersport in Deutschland beliebt, die Spiele werden nachhaltig, die Infrastruktur ist vorhanden. Die Biathlon-Wettbewerbe in den fertigen Anlagen in Ruhpolding sei unmöglich, weil „mehr Umweltbelastung“ durch Verkehr und versiegelte Flächen entstehen würde.

Zum Widerstand gegen die Bewerbung sagte Bach: „Die einen sind Kritiker, die Großveranstaltungen per se ablehnen. Diese Gruppe ist im Dialog schwer zu erreichen. Dann gibt es eine Gruppe, die die Bewerbung mit konstruktiver Kritik begleitet. Die dritte Gruppe sagt: Was ist für mich drin?“ (Auch für München in Vancouver, in Friedberger/Augsburger Allgemeine 10.2.2010)

Die konstruktive Kritik übende Gruppe wird am Ende mit ziemlich leeren Händen dastehen, siehe Biosphärenreservat: Denn die Entscheidungen fallen ganz woanders.

Die Vancouver-Delegation

(Siehe auch 18 Gründe: Vancouver)

(Siehe auch 18 Gründe: Verkehr)

Die Olympischen Winterspiele wurden am 12.2.2010 in Vancouver eröffnet. Dorthin reisten unter anderem Bewerbungschef Willy Bogner, Bundesinnenminister Thomas de Mazière, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der Münchner OB Ude, der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Thomas Schmid und der Landrat des Berchtesgadener Landes, Georg Grabner plus Vertreter des DOSB und der Bewerbungskommission, um die Bewerbung München 2018 zu präsentieren. 70 „Sportbotschafter“ unterstützten als ehemalige Olympiateilnehmer die Münchner Bewerbung 2018. (Bielicki, Jan, Schaulaufen in Vancouver, in SZ 20.1.2010; Zehn Botschafter für Olympia 2018, in SZ 29.1.2010)

Die Olympischen Winterspiele wurden am 12.2.2010 in Vancouver eröffnet. Dorthin reisten unter anderem Bewerbungschef Willy Bogner, Bundesinnenminister Thomas de Mazière, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der Münchner OB Ude, der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Thomas Schmid und der Landrat des Berchtesgadener Landes, Georg Grabner plus Vertreter des DOSB und der Bewerbungskommission, um die Bewerbung München 2018 zu präsentieren. 70 „Sportbotschafter“ unterstützen als ehemalige Olympiateilnehmer die Münchner Bewerbung 2018. ((Bielicki, Jan, Schaulaufen in Vancouver, in SZ 20.1.2010; Zehn Botschafter für Olympia 2018, in SZ 29.1.2010)

Willy Bogner fasste seine Vancouver-Erfahrungen so zusammen: „Deutlich wird auch die weltweite Aufmerksamkeit, die Olympische Spiele auf eine Stadt richten. Wenn man diese Werbewirkung auf drei Milliarden Fernsehzuschauer bezahlen müsste, würde das viele, viele Milliarden kosten.“

Dieser Vergleich mit den potentiellen Kosten von Fernseh-Werbezeit für eine Stadt ist natürlich unsinnig. Außerdem sind für eine Austragungsort die „Werbekosten“ von Olympischen Winterspielen in der Realität extrem hoch: Die Städte bezahlen die Milliarden Schulden Jahrzehnte lang ab. Und wem nützt diese „Werbewirksamkeit“? Geworben wird letztlich nur für das IOC und seine Sponsoren.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière sagte auf die Frage nach dem Widerstand in GaP: „Ich höre von Bedenken in Garmisch, die müssen überwunden werden… Garmisch kann doch nichts Besseres passieren, als das seine Verkehrsprobleme durch nachhaltige Konzepte gelöst werden.“

Die Verwendung des Wortes NACHHALTIG als inflationär zu bezeichnen ist noch weit untertrieben: Nun bezeichnet der Bundesinnenminister auch noch neue Autobahnstrecken und –tunnels als nachhaltig.

Die Nachhaltigkeit hat heutzutage jeder gepachtet: Autokonzerne und Fluggesellschaften, Stromversorger und Mineralölkonzerne, sogar Olympische Bewerbungsgesellschaften. Nur merkwürdig, dass die Welt so aussieht, wie sie aussieht.

Und zu den erwarteten Durchführungskosten sagte de Maizière: „Aber manche scheuen ja auch die konkreten Durchführungskosten, denen muss man sagen: Diese Kosten werden im wesentlichen durch das IOC bestritten.“ („Es betrifft auch Wintersportverbände, Interview in SZ 13.2.2010)

Die Märchen vom zahlenden IOC wiederholt sich von Thomas Bach bis zu Thomas de Maizière; vergleiche hierzu unsere 18 Gründe: Finanzrisiko und Erfahrungen!

OB Ude in Vancouver

In Vancouver unterlief OB Ude ein böser Fehler, als er für die Bewerbung 2018 mit dem Oktoberfest warb, auf dem es niemals einen ernsthaften Zwischenfall gegeben hätte („has never had a major security incident“): Damit ließ er das Attentat von 1980 mit 13 Toten und 211 Verletzten unter den Tisch fallen. (Hofmann, René, Forster, Karl, Das verwünschte Manuskript, in sueddeutsche.de 17.2.2010)

Ude sagte weiter in Vancouver: „Wir möchten den Olympiapark zu einem neuen Wintersportzentrum machen, das der Olympischen Bewegung auch die nächsten 40 Jahre dienen kann.“ (Bewerbungsgesellschaft  2018, Pressemitteilung 15.2.2010)

Viel wird das Olympische Erbe vom Olympiapark nach der Bebauung nicht mehr  übrig gelassen haben!

Auch in Vancouver ging Ude in Interviews in altbewährter Manier auf die Bewerbungs-Kritiker los. Er sehe ein „ernstzunehmendes Problem” darin, dass „unsere Umweltqualitäten, die ich als überragend empfinde, von einigen Umweltverbänden in Frage gestellt werden …  Von einigen Verbänden würde man nichts hören, wenn sie das olympische Thema nicht hätten.” (SZ 15.2.2010, „Unglaublich positiv)

Er halte „die Widerstände für ein Medienprodukt. Umweltverbände wissen natürlich, dass mit Olympia eine gewisse Medienpräsenz garantiert ist. … Dennoch muss ich darauf hinweisen, dass so manche Organisation, die hier im Namen der Menschheit auftritt, nur sehr wenige Mitglieder hat… Es ist aber eine Tatsache, dass nirgendwo auf dem Globus weniger in die Bergwelt hinein betoniert werden muss als in München und Garmisch. Wir haben unter ökologischen Gesichtspunkten gravierende Vorteile gegenüber Annecy und Pyeongchang, weil ein Großteil der Infrastruktur bereits vorhanden ist.“ (Völker, Markus, „Widerstände sind ein Medienprodukt“, in taz 16.2.2010)

Wieder einmal wiederholt Ude die selben Argumente, die auch der DOSB endlos wiederholt, ohne dass sie deshalb wahrer werden. Seine „Argumente“ zeugen davon, dass weder er noch der DOSB bereit sind, sich mit den verheerenden Folgen durch die Olympischen Winterspiele auseinenanderzusetzen. Ude wird damit selbst zum Problem: Er geht auf fundierte Kritik furios und abseits jedem Demokratieverständnis los. Der Eindruck drängt sich auf, dass der Realitätssinn verloren geht.

In Vancouver patzte auch Ministerpräsident Seehofer, der nach der Pressekonferenz von OB Ude am 19.2.2010 zu einem zweiten Pressegespräch einladen wollte, obwohl das IOC-Statut dies nicht zulässt. (Ärger um Seehofers Olympia-Auftritt, in SZ 22.2.2010) Willy Bogner fasste seine Vancouver-Erfahrungen so zusammen: „Deutlich wird auch die weltweite Aufmerksamkeit, die Olympische Spiele auf eine Stadt richten. Wenn man diese Werbewirkung auf drei Milliarden Fernsehzuschauer bezahlen müsste, würde das viele, viele Milliarden kosten.“ („Wir müssen noch viel tun“, Interview, in SZ 26.2.2010)

Dieser Vergleich mit den potentiellen Kosten von Fernseh-Werbezeit für eine Stadt ist natürlich unsinnig. Für einen Austragungsort sind diese „Werbekosten“ von Olympischen Winterspielen in der Realität extrem hoch: Die Austragungsorte bezahlen tatsächlich  Milliarden mit zweifelhaftem Nutzen – und an den Schulden Jahrzehnte lang ab. Und wem nützt diese „Werbewirksamkeit“? Geworben wird letztlich nur für das IOC und seine Sponsoren.

Strippenzieher für München

In Vancouver wurde auch bekannt, dass die Bewerbungsgesellschaft den Berater Jon Tibbs unter Vertrag genommen hat, der beste Beziehungen zum IOC hat. (Weinreich, Jens, Ein Strippenzieher für delikate Aufgaben, in sueddeutsche.de 15.2.2010)

Jens Weinreich stellte fest:: „Ein derartiges Zusammenwirken von Sport, Politik, PR-Beratern und Lobbyisten gab es nie zuvor.“ Allerdings hat Pyeongchang schon zwei Mal verloren: „Die Südkoreaner haben Milliarden investiert und alles getan, was das IOC verlangte.“ (Weinreich, Jens, Olympisches Oktoberfest, in Berliner Zeitung 17.2.2010)

Außerdem hat das IOC 2007 den Sponsorenvertrag mit Samsung bis 2015 verlängert – für 100 Millionen Dollar. (Kistner, Thomas, So korrupt ist das IOC, in Cicero Juni 2008)

Bern 2002

Der Schweizer Kanton Bern wollte sich 2002 um die Winterspiele 2010 bewerben. Die Berner Bevölkerung lehnte dies in einer Volksabstimmung mit 78,8 Prozent der Stimmen ab. Die damals federführende Abgeordnete der Grünen im Grossen Rat, Sabine Gresch zog angesichts der Spiele in Vancouver ein Resumé: „Es gab kaum Presseberichte über die großen finanziellen, ökologischen und sozialen Probleme, die Vancouver 2010 mit sich gebracht hat.“ Die „green Olympics“ waren hundertprozentiger Etikettenschwindel. Gresch zitierte die Professorin Helen Lenskyi, die in einem Buch über Vancouver 2010 zu dem Schluss kam, dass es für jede Stadt auf diesem Planeten ein Desaster wäre, die Spiele zu erhalten.

Solche Spiele wären für die Schweiz eine Schuhnummer zu groß gewesen, schrieb Gresch. Zum Glück hatten die Berner Bürger die Bewerbung abgelehnt. (Gresch, Sabine, Olympische Spiele: Ein glänzendes Desaster, in Der Bund 26.2.2010)

München

Am 19.2.2010 schrieb der Fraktionsvorsitzende der Münchner CSU, Josef Schmidt einen Brief an OB Ude und empfahl ihm, aufgrund der Kritik und Bedenken der Bürger von Garmisch-Partenkirchen sich doch einmal vor Ort zu informieren.

MdL Ludwig Hartmann, dessen politischer Zuständigkeitsbereich das Fünfseenland um Starnberg ist, forderte die Kreisgrünen dort auf, an Claudia Roth zu schreiben, da es verheerend wäre, „wenn sich die grüne Bundestagsfraktion für die Winterspiele in Garmisch aussprechen würde“. (Zettler, Katrin, Anlauf, Thomas, Gemischte Gefühle für Olympia-Bewerbung, in SZ LK Starnberg, 22.2.2010)

Brief an das IOC

Da es noch exakt 500 Tage bis zur Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 waren, schrieb MdL Ludwig Hartmann am 21.2.2010 in Absprache mit Nolympia einen Brief an den IOC-Präsidenten. Er betonte, dass es entgegen der Aussage von OB Ude („kein nennenswerter Widerstand“) sehr wohl Widerstand gegen die Bewerbung gäbe und empfahl Jacques Rogge die Website www.nolympia.de. Er kündigte ihm an, ihn alle 50 Tage über den weiteren Widerstand zu informieren. (Vgl. auch Post von den Olympia-Gegnern, in SZ 23.2.2010)

Die FDP-Sprecherin für Sport- und Kulturfragen, MdL Julika Sandt warf Hartmann daraufhin vor, das Vorgehen „schädigt das Ansehen der Landeshauptstadt und des Freistaates … Bereits vorhandene Sportstätten können genützt werden“; außerdem seien, überall anders größere Eingriffe in die Natur nötig. „Die Mehrheit der bayerischen Bevölkerung steht hinter der Bewerbung.“ Die sportlichen Leistungen bei Olympischen Spielen wecke Begeisterung und motiviere Jugendliche. (FDP: München ist bester aller möglichen Olympiastandorte, 23.2.2010)

Das waren und sind die Standardargumente der Bewerbungsgesellschaft, die zu 100 Prozent von Parteienvertretern im Landtag und im Münchner Stadtrat übernommen wurden und nie einer nötigen Überprüfung unterzogen wurden. Jedes einzelne dieser „Argumente“ ist sachlich falsch.

Oberammergau

In Oberammergau ergab eine Befragung des Gemeinderates, dass Anfang Februar 2010 von den 188 Eigentümern der 422 benötigten Grundstücke 25 Prozent mit „Nein“ oder „Tendenz zu Nein“ votierten; 30 Prozent sind noch unentschlossen. Allein die Kosten von temporären Sportstätten auf der Romanshöhe werden auf 21 bis 32 Millionen Euro taxiert. Zehn Prozent dieser Kosten hätten Bund, Land und Gemeinde zu tragen; Oberammergau wäre also mit einer Million Euro beteiligt. Als fragwürdig wurde auch empfunden, dass Vertragspartner der Grundstückseigentümer und Bauern die Gemeinde Oberammergau sein solle und nicht der Freistaat. (Hutter, Ludwig, Noch viel Aufklärung notwendig, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 9.2.2010; Bauern fordern Freistaat als Vertragspartner, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 20.2.2010)

Ein längerer Bericht im Spiegel schilderte die Erfahrungen der deutschen Delegation in Vancouver und parallel dazu die Ereignisse in Oberammergau, wo die Gemeinderätin Christl Freier im November 2009 als einzige im Gemeinderat gegen die Bewerbung gestimmt hatte. Inzwischen aber wendete sich die Stimmung in der Gemeinde. (Pfeil, Gerhard, Weiße Krawatten, in: Der Spiegel 8/22.2.2010)

Am 21.2.2010 fand in Oberammergau eine Veranstaltung von Nolympia mit den Vertretern Korbinian Freier, Andreas Keller und MdL Ludwig Hartmann statt. Hartmann zufolge hatte das Planungsbüro Albert Speer und Partner Oberammergau deshalb für Biathlon- und Langlaufwettbewerbe vorgeschlagen, weil es in der Region kaum eine so große Fläche ohne Naturschutzauflagen gab. Auch die hohe Attraktivität der Landschaft sei für die Fernsehbilder bedeutsam. Die Veranstaltungs-Besucher beklagten die schlechte Informationspolitik der Bewerbungsgesellschaft und der Gemeinde; außerdem passe der Olympia-Rummel nicht zum Image des Passionsspielortes, der touristisch mit Natur, Erholung und Wellness werbe.

(Sievers, Johanna, Mehr Informationen für beide Seiten, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 22.2.2010)

Wintersport-Festival im Olympiapark

Vom 26. bis 28. Februar 2010 veranstaltete die Bewerbungsgesellschaft, die Olympiapark GmbH und Vereine ein „Wintersportfestival“. Mit Schneekanonen wurden im Olympiastadion 1500 Tonnen Kunstschnee auf grünen Hügeln vorproduziert, der angeblich wegen des Sponsorings der Beschneiungsfirma nicht 75.000 Euro, sondern weniger als 5.000 Euro kostete. Am Coubertinplatz wurde mit einem Fackelzug eine „Lichtbotschaft“ nach Vancouver geschickt. („Der Wintersport muss in die Stadt“, in sueddeutsche.de 19.2.2010; Fuchs, Florian, Winterspiele im Park, in sueddeutsche.de 25.2.2010; Becker, Astrid, Olympia zum Ausprobieren, in SZ 1.3.2010)

Christian Hierneis von der BN-Kreisgruppe München schrieb dazu am 1.3.2010 in einer Pressemitteilung: „Begrüßt von einer riesigen Schneekanone wandert man über sonnenbeschienene grüne Wiesen zu einigen Streifen und Flecken von Schnee, der aber nicht in München gefallen ist … ‚Grün’ waren beim Münchner „Wintersportfestival“ nur die Wiesen. So wird es auch 2018 sein: grüne Wiesen statt „ökologischer Spiele“. (Bund Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe München, Vorgeschmack auf die „grünen“ Spiele, München 1.3.2010)


Laufende Chronologie der Olympischen Winterspiele 2018 in München +2 (wird laufend aktualisiert und ergänzt):
1936 - 1972 bis 1997 - 2007 - 2008 - Januar 2009 - Februar 2009 - März 2009 - April 2009 - Mai / Juni 2009 - Juli 2009 - August / September 2009 - Oktober 2009 - November 2009 - Dezember 2009 - Januar 2010 - Februar 2010 - März 2010 - April 2010 - Mai 2010 - Juni 2010 - Juli 2010 - August 2010 - September 2010 - Oktober 2010 - November 2010 - Dezember 2010 - Januar 2011 - Februar 2011 - März 2011 - April 2011 - Mai 2011 - Juni 2011 - Juli 2011 - August 2011 - September 2011 - Oktober 2011 - November 2011 - Dezember 2011 - Januar 2012 - Februar 2012 - März 2012 - April 2012 - Mai 2012 - Juni 2012 - Juli 2012 - August 2012 - September 2012 - Oktober 2012 - November 2012 - Dezember 2012 - Januar 2013 - Februar 2013 - März 2013 - April 2013 - Juni 2013 - Mai 2013 - Juli 2013 - August 2013 - September 2013 - Oktober 2013 - November 2013 - Dezember 2013 - Januar 2014 - Februar 2014 - März 2014 - April 2014 - Mai 2014 - Juni 2014 - Juli 2014 - August 2014 - September 2014 - Oktober 2014 - November 2014 - Dezember 2014 - Januar 2015 - Februar 2015 - März 2015 - April 2015 - Mai 2015 - Juni 2015 - Juli 2015 - August 2015 - September 2015 - Oktober 2015 - November 2015 - Dezember 2015 -

Literatur zur NOlympia-Chronologie

Nolympia-Chronologie, komplett / Stand Mitte Juli 2010 als pdf-Datei

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