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Okt 072017
 
Zuletzt geändert am 01.11.2017 @ 14:36

Polizeieinsätze in Fußballstadien: Die Kosten

Intro

„Wir sind alle Weltmeister.“ Das war der Slogan des DFB nach der Fußball-WM 2016 für die deutsche Bevölkerung – damit der Hype um den Fußball anhält. Realiter wurden natürlich nur die 23 Spieler des WM-Kaders Weltmeister.

Für die Austragung jedes Profi-Fußballspieles zahlt der deutsche Staat und (damit wir alle): Denn damit ist ein immer mehr gesteigerter Polizeieinsatz in den Stadien verbunden. Die kommerziellen Profiteure der Profi-Ligen müssen trotz ihrer Milliardengewinne bis jetzt keinen Unkostenbeitrag dafür leisten.

Deshalb soll diese kleine, unvollständige Chronologie die Vorgeschichte erklären und die Probleme schildern.

April 2010

„Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) geht in die Offensive: Am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen, das den 36 Vereinen der Ersten und Zweiten Bundesliga gehört und das den Sport vermarktet, in Frankfurt neue Zahlen zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von König Fußball. Danach spielt der Profifußball in Deutschland als Arbeitgeber und Steuerzahler eine größere Rolle als bisher bekannt. ‚Unser Fußabdruck ist größer als erwartet‘, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Die Studie, die die Unternehmensberatung McKinsey erstellte, kommt pünktlich zu einem Gipfel der DFL mit Politik und Polizei am Freitag kommender Woche. Dabei geht es darum, ob die Vereine sich an den Kosten von Polizeieinsätzen bei Spielen beteiligen sollen. Seifert lehnt das ab: ‚Wir sind nicht bereit, Teilkosten zu übernehmen.‘ Er sehe dafür schon allein verfassungsrechtlich keine Grundlage. Die Sicherheit rund um öffentliche Veranstaltungen zu gewährleisten, sei eine Aufgabe der öffentlichen Hand. ‚Bei Castor-Transporten wird diese Frage auch nicht gestellt‘, sagte er. Mit der Studie will die DFL aufzeigen, welche Werte der Profifußball in der deutschen Wirtschaft schafft. Zugrunde gelegt wurden dabei Daten aus der Saison 2007/08 mit allen Spielen der beiden Bundesligen, des DFB-Pokals, der Europaligen mit deutscher Beteiligung und der Herren-Nationalmannschaft. Danach beläuft sich die Wertschöpfung auf 5,1 Milliarden Euro im Jahr. (…) Zu jedem Euro, den die Bundesligavereine selbst erwirtschaften, kommen 1,40 Euro von Vermarktern, TV-Anstalten und Werbetreibenden hinzu, 0,20 Euro von Begünstigten wie Hotels und Gastronomie sowie 0,80 Euro von Zulieferern wie Einzelhandel und Sicherheitsdiensten. Das heißt: Pro 100 Euro, die im Fußball erwirtschaftet werden, kommen 240 Euro außerhalb dazu. McKinsey spricht von einem ‚hohen Abstrahleffekt‘. Am Profifußball hängen zudem 71 000 Vollzeitstellen. Rechnet man Teilzeit-Beschäftigte mit ein, sorgt die Branche für 110 000 Jobs – so viele wie Daimler oder Siemens. (…) Dem stellt die Studie die Kosten gegenüber, die der Profifußball verursacht, insgesamt 200 Millionen Euro. Der Großteil davon sind mit 150 Millionen Euro Kosten für Polizeieinsätze. „Wir haben uns dabei an der höchsten von der Polizei genannten Summe orientiert”, sagte Seifert. Ziehe man die Kosten ab, zahle der Profifußball netto 1,5 Milliarden Euro an den Staat. Das entspricht 0,1 Prozent aller öffentlichen Einnahmen. (…) Aber, so fügte er (Seifert; WZ) an: „Wir werden nicht beinhart in die Gespräche gehen, wir wissen, was wir an den Einsätzen der Polizei haben‘” (Freiberger, Harald, So viele Jobs wie Daimler, in SZ 14.4.2010).

November 2011

Der Präsident der Bundespolizei, Matthias Seeger, musste Ende Oktober 2011 im Bundesministerium des Innern antreten: Er hatte mehr Geld für seine Behörde gefordert, da in der vergangenen Fußballsaison 2010/2011 95.283 Bundespolizisten bei Fußballspielen Dienst leisten mussten. „Seit Monaten schränken die Beamten in den Inspektionen ihre Streifenfahrten in den Grenzgebieten ein, weil nicht genügend Geld für Sprit da ist. Außenstellen der Bundespolizei werden geschlossen. Sparen, sparen, sparen, lautet das Motto. Sogar für die Fußball-Bundesligen, erzählen Beamte, werden weniger Einsatzkräfte abgestellt. Allerdings nur bei den Spielen, bei denen keine Randale der Fans zu erwarten ist und die als sicher gelten. Fast 100 000 Mal haben Bundespolizisten in der vergangenen Saison beim Fußball Dienst geschoben, etwa in den Bahnhöfen, Zügen und auf den Anfahrtswegen, um Ausschreitungen zu verhindern. Das bedeutet, an jedem Spieltag waren im Schnitt mehr als 2600 Beamte unterwegs; fast immer an den Wochenenden“ (Ott, Klaus, Zum Rapport ins Ministerium, in SZ 5.10.2011).

Januar 2012

Das Bundesministerium des Innern möchte eine Kostenbeteiligung an den Polizeieinsätzen. „Im Klartext: Die Kicker-Branche, die künftig gut fünf Milliarden Euro in drei Jahren erlöst, soll die Polizeikosten mittragen“ (Kistner, Thomas, 29.12.2012). Nach Angaben der Polizeigewerkschaft handelt es sich um die „Jahresarbeitsleistung von elf Hundertschaften der Polizei, deutlich mehr als 100 Millionen Euro an Personalkosten, die der Steuerzahler bezahlt“ – DFB und DFL sollten sich mit mindestens 50 Millionen Euro beteiligen (Ebenda).

Das Geld wäre da: „In der kommenden Saison erlösen die Profiklubs alleine aus der Vermarktung ihrer TV-Rechte 200 Millionen mehr… Wenn der Fußball seinen Beitrag daran nun aufstockt, wie es geplant ist, ist das richtig“ (Catuogno, Claudio, Kulturgut Fußball, in SZ 13.1.2012; Hervorhebung WZ).

April 2012

Der Spiegel gibt die jährlichen Kosten der Polizeieinsätze der Fußball-Bundesliga mit 150 Millionen Euro an – und die Kostenbeteiligung der Vereine an den Polizeieinsätzen mit null Euro. “Zum Vergleich: Gebühr, die ein Sitzblockierer in Stuttgart für das Wegtragen durch Polizeibeamte bezahlen muss: bis zu 80 €” (Der Spiegel 17/23.4.2012, S. 69).

August 2012

Die Allgemeinheit zahlt die Polizeieinsätze gegen Hooligans und Randalierer allein. Die Münchner Polizei bot in der Fußball-Saison 2011/12 18.785 Beamte auf (Fuchs, Florian, Gewalt bei Fans nimmt zu, in SZ 24.8.2012).

Oktober 2012

Polizeieinsätze bei SV Darmstadt kosteten 1,72 Millionen Euro
„Für den Fußball-Drittligisten fielen in der Saison 2011/2012 für den Steuerzahler 1,72 Millionen Euro an. Bei der Eintracht, die in der zweiten Liga spielte, waren es 1,80 Millionen. Für Darmstadts Liga-Konkurrent Offenbacher Kickers wurden 1,47 Millionen Euro ermittelt. Dies teilte Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) auf eine kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Daniel Mack mit. Insgesamt kosteten die Einsätze in den ersten drei Ligen in Hessen in der vergangenen Saison 6,23 Millionen Euro. 2009/ 2010 waren es 4,21 Millionen, in der Vorsaison 3,76 Millionen.  (…) Nach Angaben des Innenministeriums gibt es in Hessen 1100 ‚Problemfans‘. Als Gewalttäter sind in einer speziellen Datei 440 Anhänger der Eintracht erfasst. Offenbach kommt auf 169, Darmstadt auf 68, Wehen Wiesbaden auf 49 und der FSV Frankfurt auf 22“ (Rhein: Polizeieinsätze kosten 6,23 Millionen, in fnp.de 2.10.2012).

Dezember 2012

„Bei Borussia Dortmunds Heimspielen, monierte Polizeipräsident Norbert Wesseler erst letzte Woche, müssten seine Leute immer stärker durchgreifen. Nur in der Hinrunde gab es bereits 44 Verletzte zu beklagen, darunter zwölf Beamte; damit stünden fast so viele Übergriffe zu Buche wie in der ganzen Vorsaison, so der Behördenchef. (…) Darin verzeichnet das Bundesinnenministerium (BMI) einen dramatischen Anstieg der Straftaten bei Erst- und Zweitligaspielen. Gab es in der Saison 2001/02 insgesamt 861 Körperverletzungsdelikte, hat sich die Anzahl zehn Jahre später, in der Spielzeit 2011/12, mehr als verdoppelt: 1831 Delikte. Das BMI stützt sich dabei auf die Jahresberichte der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS). Erheblich verstärkt habe sich auch der Widerstand gegen die Staatsgewalt. Für Spiele der beiden Bundesligen, im DFB-Pokal sowie für alle sonstigen Partien von europäischen Klub-Wettbewerben bis Länderspiele wurden 2001/02 noch insgesamt 187 Fälle berichtet; in der Saison 2011/12 waren es mehr als doppelt so viele: 371. (…) Die Rechtsgrundlage sieht just dort wenig überzeugend aus, wo die Politiker den Hebel am liebsten ansetzen möchten. ‚In der Diskussion‘, teilt das BMI mit, ‚befindet sich derzeit vor allem die Frage der Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen im Zusammenhang mit Fußballspielen durch die Vereine.‘ Im Klartext: Die Kicker-Branche, die künftig gut fünf Milliarden Euro in drei Jahren erlöst, sollte die Polizeikosten mittragen. Das fordert auch Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Zur Debatte stünde die ‚Jahresarbeitsleistungen von elf Hundertschaften der Polizei, deutlich mehr als 100 Millionen Euro an Personalkosten, die der Steuerzahler bezahlt.‘ DFB und DFL sollten sich daran ‚wenigstens mit 50 Millionen beteiligen‘ (…) Tatsächlich spricht viel dafür, den immensen Reibach, der in den Fußball fließt, sinnvoller zu verwenden als nur für die Bezahlung von Kickern und Beratern. Doch ‚soweit die Bundespolizei betroffen ist‘, konstatiert die Bundesregierung betrübt, verfüge sie ‚derzeit über keine Rechtsgrundlage‘, um den Klubs Sicherheitskosten außerhalb der Stadionzone aufzuzwingen. Das könnten allenfalls die Länder“ (Kistner, Thomas, Wachsende Gewalt, in SZ 29.12.2012).

 

Dezember 2013

– Fußballsaison 2012/13 kostet Bundespolizei 38 Millionen Euro
Die Fußballsaison 2012/2013 kostete die Bundespolizei – und damit die Steuerzahler – für die Sicherung von Zügen und Bahnhöfen 38 Millionen Euro. 1700 gewaltbereite Fans sind bekannt; es gab 270 Verletzte bei insgesamt 2860 Straftaten und 751 Gewaltdelikten (Fußballeinsätze kosten 38 Millionen Euro, in Der Spiegel 1/30.12.2013).

– Bremen will Rechnung stellen
Der Präsident von Werder Bremen, Klaus-Dieter Fischer, trat im Januar 2014 aus der SPD aus. Der Grund: Bei der Bremer Polizei liefen bei den Heimspielen von Werder Kosten von 2,8 Millionen Euro auf, „bezahlt von einer klammen Stadt, während die Vereine gewaltige Einnahmen kassierten. (…) Bremen ist hoch verschuldet, mit größter Mühe konnte die SPD kürzlich 40.000 Euro zusammenkratzen, damit der Notruf für vergewaltigte Frauen nicht stillgelegt wird“ (Widmann, Marc, Die Rote für die Roten, in SZ 8.1.2014). Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kündigte bereits an, sich „mit allen juristischen Möglichkeiten bis hin zum Bundesverfassungsgericht zu wehren“ (Ebenda).

Juni 2014

– Zahl der verletzten Polizisten verdoppelt
„Bei Einsätzen im Umfeld von Fußballspielen hat sich die Zahl der verletzten Polizisten in der abgelaufenen Saison 2013/2014 im Vergleich zur vorherigen Spielzeit nahezu verdoppelt: Den neuen Spitzenwerten von 158 verletzten Beamten führt die Bundespolizei auf den vermehrten Einsatz von Pyrotechnik bei gewaltbereiten Fans zurück“ (Mehr Gewalt, in Der Spiegel 27/30.6.2014).

 

Juli 2014

– Erste Kostenrechnung
„Das Spiel, das am 13. Dezember um 15.30 Uhr im Bremer Weserstadion angepfiffen werden soll, wird ein ziemlich außergewöhnliches sein. Denn wenn an diesem 15. Spieltag der Bundesligasaison der örtliche Fußballklub SV Werder gegen Hannover 96 antritt, geht es um mehr als nur um Sieg, Niederlage und Tabellenplatz. Erstmals will sich ein Bundesland den kostspieligen Polizeieinsatz für ein Bundesligaspiel bezahlen lassen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) werde nach diesem Spiel wohl eine Rechnung erhalten, kündigte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Dienstag an. Der rot-grüne Senat beschloss einstimmig, dafür das Gebührenrecht zu ändern. Künftig will Bremen bei ‚gewinnorientierten Großveranstaltungen‘, bei denen die Polizei ‚erhebliche gewalttätige Ausschreitungen‘ erwartet, den Organisatoren die Kosten für den verstärkten Einsatz von Polizisten in Rechnung stellen. Die neue Regel zielt in erster Linie auf Fußballspiele – allerdings nur auf jene, bei denen die Behörden das Gewaltrisiko als hoch einstufen. Die Partie Werder Bremen gegen Hannover 96 gilt bei der Polizei als so ein ‚Rotspiel‘, bei denen 700 Beamte oder mehr über die Sicherheit der Stadionbesucher wachen. Bei einem normalen Bundesligamatch kommen nur 150 bis 180 Beamte zum Einsatz. Alles was über den Aufwand für ein solches ‚Grünspiel‘ hinausgeht, soll nach den Bremer Plänen künftig die DFL zahlen. ‚Die Kosten werden im Einzelfall ermittelt‘, sagte Mäurer. Der Senat rechnet mit Beträgen von etwa 300 000 Euro für ein Spiel wie Bremen gegen Hannover. Allerdings könnte es auch teurer werden: Zum Nordderby Werder gegen den Hamburger SV sind im März gleich 1200 Polizisten ausgerückt. (…) Erste Aufwallungen gibt es schon. So kündigte DFL-Präsident und DFB-Vize Reinhard Rauball am Dienstag postwendend an, er werde bei der Präsidiumssitzung des DFB an diesem Freitag den Antrag stellen, fortan keine Länderspiele mehr im Bremer Weserstadion auszutragen. Mehr noch, er will auch beantragen, das bereits vergebene EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am 14. November in eine andere Stadt zu verlegen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach verkündete, er sei damit ‚voll auf einer Linie‘. Die DFL gab zudem bekannt, sie werde gegen den Bremer Beschluss ‚alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen‘. Der Alleingang der Hansestadt sei ‚mit unseren verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar‘. Bereits Anfang des Monats hatten die Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, des DFB und der DFL sich in einem gemeinsamen Protestbrief an Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und die Landesinnenminister gegen das Bremer Vorgehen gewandt: ‚An öffentliche Sicherheit darf kein Preisschild gehängt werden.‘ Die Bremer treibt indes die nackte Not. Der kleine Stadtstaat mit knapp 550 000 Einwohnern ist schon lange hoch verschuldet. Vor wenigen Tagen verhängte die Finanzsenatorin mal wieder eine Haushaltssperre. Allein in der Saison 2013/14 hat das klamme Land 1,4 Millionen Euro für die Polizeieinsätze bei Bundesliga-Spielen gezahlt“ (Bielicki, Jan, Widmann, Marc, Teurer Anstoß, in SZ 23.7.2014).

– Andere Bundesländerfolgen nicht
Die anderen Bundesländer wollen dem Bremer Vorbild derzeit nicht folgen. „Solange es keine bundeseinheitliche Regelung gibt, steht das nicht zur Diskussion“, sagt Baden-Württembergs Innenminister Lothar Gall (SPD). Auch in Nordrhein-Westfalen sei ‚eine Beteiligung der Vereine kein Thema‘, heißt es aus dem Düsseldorfer Innenministerium. Im Land mit den meisten Bundesligaklubs verwenden die dortigen Polizei-Hundertschaften 30 Prozent ihrer Einsatzzeit auf die Sicherung von Fußballspielen. Bundesweit hat die Gewalt in und um die Stadien zuletzt stark zugenommen, besonders gegen Polizisten. Nach Zahlen der nordrhein-westfälischen Polizei wurden in der Saison 2012/13 bei Gewalttaten rund um Spiele der ersten und zweiten Liga 788 Menschen verletzt. 242 waren Polizisten“ (Bielicki, Jan, Widmann, Marc, Teurer Anstoß, in SZ 23.7.2014; Hervorhebung WZ).

– Die DFB-Konsequenz: Entziehung aller Länderspiele
„Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat auf die umstrittene Gesetzes-Offensive der Bremer Landesregierung reagiert und der Hansestadt bis auf Weiteres die Länderspiele entzogen. (…) Das DFB-Präsidium tagt am Freitag in Frankfurt. Damit braucht der DFB für das EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am 14. November (20.45 Uhr) einen neuen Austragungsort“ (SID, Länderspiel entzogen, in SZ 24.7.2014).

SZ-Interview mit dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer: „Das soll wohl heißen – jetzt zeigen wir mal Bremen, wer mit wem hier tanzt. Ich finde, dieses Vorgehen spricht Bände. Es ist für die Fußballbranche ziemlich ungewohnt, dass ihr mal jemand auf die Füße steigt. (…) Es scheint einer Majestätsbeleidigung gleichzukommen. (…) Wir haben das Problem, dass die Polizeieinsätze bei Fußballspielen extrem hohe Kosten verursachen. Wir sind nicht in der Lage, die vielen Tausend Überstunden zu bezahlen, die in den letzten Jahren angefallen sind. Und wir sehen auch nicht, dass sich die Entwicklung bessert, im Gegenteil. Deswegen halten wir es für angemessen, dass die DFL sich an den Kosten beteiligt. (…) Wir können uns selbstverständlich über das Gebührenrecht gewisse Kosten erstatten lassen. Es ist überhaupt kein Widerspruch, dass man auf der einen Seite Steuern bezahlt und dennoch mit Gebühren belastet wird. (…) Das Thema Geld ist im Übrigen auch gar nicht unser Hauptthema. Mein Interesse ist es, die Gewalt zu reduzieren. Die Verhältnisse auf den Bahnhöfen an Spieltagen sind für mich katastrophal und unerträglich. (…) Es geht ja nur um die Risikospiele, bei denen oft mehr als tausend Polizisten eingesetzt werden. Das sind bei uns eine Hand voll Spiele pro Saison, wenn zum Beispiel die Teams aus Hamburg oder Hannover kommen. So ein Spiel kann gut und gerne 250 000 oder 300 000 Euro mehr kosten als ein normales Spiel. Nur diese Mehrkosten wollen wir in Rechnung stellen. (…) Die DFL hat gerade einen Vertrag für die Übertragungsrechte über 2,5 Milliarden Euro abgeschlossen, wie ich gelesen habe. Insofern dürften einige 100 000 Euro für sie nicht das Thema sein“ (Widmann, Marc, „Es scheint einer Majestätsbeleidigung gleichzukommen“, in SZ 24.7.2017).

– Von 1977 zu 2014
„Unentschieden endete das Spiel, 3:3. Nur eine Gelbe Karte gab es, auch sonst blieb alles friedlich im Stuttgarter Neckarstadion, als der VfB zum Saisonauftakt des Jahres 1977 auf den FC Bayern traf. Die Polizei aber hatte Schlimmeres befürchtet und 80 zusätzliche Beamte aus Tübingen geholt. Die Rechnung dafür über 10 307,85 Deutsche Mark schickte sie dem Verein. Der klagte – und scheiterte. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen entschied: Die Polizei dürfe sich ‚bei privaten Veranstaltungen‘ sehr wohl Kosten ersetzen lassen, wenn weitere ‚als die im üblichen örtlichen Dienst eingesetzten Polizeibeamten‘ herangezogen würden. Lang ist’s her. Fußball ist ein Milliardengeschäft geworden, und auch sonst muten die Zahlen von damals fast putzig an. Heute stellt die Polizei zu Hochrisikospielen der Bundesliga schon mal 800, 1000 oder mehr Beamte ab, um der stark gewachsenen Gewalt aus Anlass der Partien zu begegnen. Ein Streitpunkt aber ist derselbe geblieben: Wer zahlt das? Der Steuerzahler, weil die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ureigenste Aufgabe des Staates ist? Oder nicht doch der Organisator einer Veranstaltung, die den Polizei-Großeinsatz erst auslöst und die zudem Millionengewinne in seine Kassen spült? (…)Es geht dabei eben nicht nur um den Fußball, sondern vor allem darum, welche Polizei das Land haben will: Soll sie in allererster Linie Träger staatlicher Gewalt sein, der im Auftrag und auf Kosten des Staates für die Sicherheit der Bürger sorgt? Oder ein Dienstleister, für dessen Leistungen der Begünstigte zu zahlen hat? Die Unterscheidung ist gar nicht so leicht zu treffen. Schon heute ist die Polizei beides, und Gebühren für polizeiliches Handeln gibt es längst, samt ‚Polizeibenutzungsgebührenordnung‘, wie das in Berlin heißt. Je nach Bundesland zahlt zum Beispiel, wer einen Schwertransport von Polizei begleiten lassen muss. Oder wessen Alarmanlage einen Fehlalarm auslöst. Oder wer berauscht in einer Ausnüchterungszelle landet. (…) Natürlich lässt sich darüber streiten, ob ein Polizeieinsatz im Stadion überwiegend öffentlichen oder privaten Interessen dient. Doch keine Schlägerei wird verhindert und kein Bengalo weniger abgefeuert, müssten die Vereine für die abgestellten Polizisten zahlen. Dazu müsste der Staat die Branche verpflichten, selbst mehr gegen die Stadiongewalt zu tun. Solche Auflagen dürfen ruhig teuer werden für die boomende Industrie der Weltmeister. Der Schutz der Bürger aber, die jedes Wochenende zu Hunderttausenden in die Stadien ziehen, gehört zur Kernaufgabe des Staates“ (Bielicki, Jan, Gleiches Recht für Diebe und Fußballfans, in SZ 25.7.2014).

Aus einem Kommentar von Peter Sturm in faz.net:  „Das, was der Deutsche Fußballbund jetzt als Vergeltung ins Werk setzt, ist allerdings anmaßend. Der größte Sportverband der Welt meint offenbar, staatliche Institutionen seien ihm untertan. Zumindest müssten diese alles unterlassen, was die Autoritäten des Fußballs nicht gut finden. Also wird Bremen die Austragung eines Qualifikationsspiels zur Fußball-Europameisterschaft entzogen. Und die Funktionäre, von denen man fast annehmen könnte, ihnen sei der Weltmeistertitel zu Kopf gestiegen, beschließen gleich noch, das aufmüpfige Bremen künftig bei Länderspielen gar nicht mehr zu berücksichtigen. (…) Die Damen und Herren in den Führungsetagen sollten bedenken, dass sie erstens Teil dieses Staates sind und vor allem zweitens auch auf dessen Institutionen angewiesen sind“ (Sturm, Peter, Anmaßung des DFB, in faz.net 25.7.2014; Hervorhebung WZ).

„Bremen goldrichtig“: „Björn Tschöpe, Fraktionsvorsitzender der SPD Bremen, hat den Vorstoß des Bremer Senats, die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen der DFL in Rechnung zu stellen, verteidigt. Die Angelegenheit müsse auf dem Rechtsweg geklärt werden. (…) Tschöpe sähe Bremen durch den Vorstoß nicht isoliert. ‚In allen Umfragen sagen bis zu 80 Prozent der Befragten, dass, was Bremen macht, ist goldrichtig.‘ Man habe den Bund der Steuerzahler und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) an der Seite. Im Gespräch kritisierte er auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann: ‚Er nimmt den Breitensport in Geiselhaft für die wirtschaftlichen Interessen eines Milliardenunternehmens, wie die DFL. Herr Hörmann sollte sich fragen, ob er an der Stelle ein richtiger Vertreter des gemeinwohlorientierten Sports ist.‘ Für ein normales Bundesligaspiel seien in Bremen 200 bis 300 Polizisten im Einsatz, zählte der SPD-Politiker auf. Bei Hochrisikospielen, wie gegen den Hamburger SV oder Hannover 96, seien es 1.200. ‚Da kommen Zusatzkosten von 300.000 bis 500.000 Euro auf uns zu‘“ (Sturmberg, Jessica, „Was Bremen macht, ist goldrichtig“, in deutschlandfunk.de 26.7.2014).

– Wählt der Fußball SPD ab?
„Nicht zuletzt Trainer Robin Dutt hat bisher offenbar die SPD gewählt. Bisher . . .   Denn jetzt ist ihm der Kragen geplatzt. ‚Da weiß man ja, wo man sein Kreuzchen machen muss nächstes Mal‘, brummte der Fußballlehrer, nachdem klar war, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) das Kriegsbeil ausgraben würde. Der gesamte Verein ist zutiefst verärgert über den Vorstoß des SPD-geführten Bremer Senats, der eine Beteiligung der DFL an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen der Bundesliga durchsetzen will. Einen entsprechenden Beschluss des Senats, über den das Bremer Parlament noch abstimmen muss, will die DFL rechtlich bekämpfen. (…) Der Streit um die Kosten für Bundesligaspiele führt nun tatsächlich dazu, dass der DFB ein in Bremen geplantes Länderspiel gegen Gibraltar nach Nürnberg verlegt hat. (…) Während Werder Bremen mit Wut auf den Bremer Senat und mit Verständnis für DFL und DFB reagierte, kritisierten Teile der Bremer Politik den Beschluss scharf. Diese ‚fragwürdige Strafaktion‘, so Innensenator Ulrich Mäurer, schädige nicht nur die Bremer Fußballfans und die Wirtschaft. Er solle auch Warnung an die anderen Bundesländer sein, sich „ja nicht Bremen anzuschließen“. Wirtschaftssenator Martin Günthner sprach von einem „klaren Foul“ des DFB: Dort „mag ja mancher der Auffassung sein, dass König Fußball die Welt regiert. Für Bremen gilt das nicht“. Und auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Matthias Güldner, wunderte sich über den „Versuch der Beeinflussung eines demokratisch gewählten Parlaments“. Der SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe ging noch weiter: ‚Die Entscheidung des DFB wirft ein Schlaglicht auf das Verhältnis von mächtigen Unternehmen und Verbänden zum demokratischen Staat. Der Versuch, sich mit wirtschaftlicher Macht Gefolgschaft und Gefälligkeiten zu organisieren, wird in diesem Fall erfolglos bleiben‘“ (Wiegand, Ralf, Nürnberg statt Bremen, in SZ 26.7.2014).

DFL-Präsident Reinhard Rauball im SZ-Interview: „Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit ist immer die Aufgabe und das Monopol des Staates. Er ist für die Gefahrenabwehr zuständig, und auch in Zeiten leerer Staatskassen bleibt das so. Wenn wir an den Aufgaben der Polizei herumbasteln wollen, dann wird das ein ordnungspolitischer Bruch und ein Verfassungsbruch. (…) Bei dem, was dem Senator in Bremen vorschwebt, geht es aber darum, dass eine Gebührenpflicht für die Gefahrenabwehr eingeführt würde, die immer Aufgabe der Polizei ist und bleibt. Die gewünschte Änderung ist gleich mit mehreren Verfassungsartikeln nicht vereinbar. Weder der Ligaverband noch die Vereine sind ja Veranlasser oder Zweck-Veranlasser von Gewalt, die es im öffentlichen Raum gibt. Wenn es in der Innenstadt oder im Bahnhof oder anderswo im öffentlichen Raum an einem Bundesliga-Spieltag Gewalt gibt, dann hat das ursächlich doch nichts damit zu tun, dass wir im Stadion Fußballspiele veranstalten. Die Gewalt wird von den Tätern geplant und ausgeführt, ohne dass die Vereine dies wollen oder beteiligt sind. Und die Frage ist ja außerdem: Wer bestimmt denn, was ein sogenanntes Risikospiel ist? (…) Es kann doch unmöglich gesagt werden, dass die Bundesliga-Vereine dazu ermutigen, dass irgendwo Gewalt ausgeübt wird. Sobald die Leute die Stadiontore durchschritten haben, übernehmen ja die Vereine die Sicherheitsverantwortung und bezahlen dafür im Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag an private Sicherheitsdienste. Aber für den öffentlichen Raum ist und bleibt die Polizei zuständig – auch in der Nähe der Stadien. Wenn wir daran rühren, dass die Polizei für die Aufrechterhaltung öffentlicher Sicherheit und Ordnung zuständig ist, dann kann das künftig auf jedes beliebige Thema angewendet werden. Jeder kann dann für alles Mögliche zur Kasse gebeten werden“ (Röckenhaus, Freddie, „An Populismus hat man sich ja gewöhnt“, in SZ 25.7.2017). Rauball äußerte zur Absage des EM-Qualifikationsspiels Deutschland gegen Gibraltar im November 2014: „Ja, das stimmt, das werde ich beantragen, und ich habe das im Vorfeld schon mit dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und meinen Liga-Kollegen im Präsidium vorbesprochen. Es kann nicht sein, dass wir Bremen etwas Gutes mit so einem Länderspiel tun, bei dem viel Geld in die Stadt fließt. Und im Gegenzug werden wir mit unberechtigten Forderungen konfrontiert“ (Ebenda).

– Teure Bundesliga
Daten der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze zeigen den Aufwand der Polizei bei Bundesligaspiele: „Demnach leisteten die Beamten der Länder in der abgelaufenen Saison mehr als 650.000 Stunden für Bundesligaspiele. Der größte Aufwand wurde am 6. April dieses Jahres betrieben: Beim Spiel Braunschweig gegen Hannover kümmerten sich 3181 Beamte um 23.150 Stadionbesucher. Zusätzlich zu den Beamten der Länder sind an den Spieltagen Bundespolizisten unterwegs zur ‚Überwachung des Fanreiseverkehrs‘ an Bahnhöfen. In der Saison 2012/13 waren dafür pro Woche durchschnittlich 2140 Beamte nötig. Kosten: 27,8 Millionen Euro. Nicht berücksichtigt sind in den Rechnungen erhebliche Ausgaben für Transport und Übernachtung der Beamten“ (Einsatz für Fußball, in Der Spiegel 31/28.7.2014). In der Bundesligasaison 2013/14 beliefen sich die Einsatzkosten der Polizei auf 39 Millionen Euro; Bremen lag bei 3,2 Millionen Euro (Ebenda).

– Bremen wehrt sich
„Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) hat die Verlegung des EM-Qualifikationsspiels gegen Gibraltar von Bremen nach Nürnberg massiv kritisiert. Er warf dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor, Druck gegen eine demokratisch legitimierte Entscheidung auszuüben. „Das ist kein Umgang mit einem gewählten Parlament und einer Landesregierung.“ Bisher steht der Bremer Senat mit seiner Absicht allein da, die Bundesliga an den Kosten der Polizeieinsätze bei Risikospielen zu beteiligen. Andere Bundesländer lehnen den Vorstoß ab, der beim DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu Protesten und dem Länderspiel-Entzug geführt hat. Das könnte sich nach einem Musterverfahren ändern, mit dem Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) rechnet“ (DPA, Kritik aus Bremen, in SZ 28.7.2017).

– „DFB brutal“
„Kaum einen Tag hat das Präsidium gebraucht, um im politischen Streit mit dem Bundesland Bremen einen schneidigen Sportboykott zu beschließen und das EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am 14. November von Bremen nach Nürnberg zu verlegen. Auch künftig soll es keine Länderspiele in der Hansestadt geben – so lange, wie die Bremer Politik fordert, dass sich der Profifußball an besonders teuren Polizeieinsätzen bei brisanten Bundesligaspielen beteiligt. (…) Schon diese Haltung, die Austragung von Länderspielen sei eine ‚Belohnung‘ für was auch immer, erreicht die Grenze des erträglichen Selbstbewusstseins von König Fußball. Es ist verblüffend, dass der DFB die Nationalmannschaft als Druckmittel einsetzt für einen Streit, den die Deutsche Fußball-Liga (DFL) über die Bundesliga führt. (…) Man kann beim DFB zu Recht der Meinung sein, die Bremer spielten Foul, weil sie als Einzige aus einer mit allen Ländern getroffenen Vereinbarung aussteigen wollen. Den Fans in Bremen alle Länderspiele wegzunehmen, ist dann aber ein Revanchefoul. Das verdient die Rote Karte“ (Wiegand, Ralf, Ein erstaunlich rabiater Akt, in SZ 28.7.2014).

– Deutsche Straftaten im WM-2014-Gefolge
„Eine geheime Polizeistatistik (‚VS – Nur für den Dienstgebrauch‘), die der ‚Welt‘ vorliegt, zeigt: In den vier WM-Wochen wurden im Zusammenhang mit Fußballfeiern fast 3000 Straftaten begangen. Auf eine Bilanz von genau 2888 registrierten Straftaten kommt der Bericht der ‚Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze‘, einer 1991 von den Innenministern eingerichteten Stelle, die zentral Daten über Gewalt im Fußball sammelt. Unter den einzeln aufgelisteten Delikten steht Körperverletzung mit 385 Vorfällen an erster Stelle. Das zweithäufigste Delikt waren Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz (213). In 70 Fällen gab es Widerstand gegen die Staatsgewalt, wozu sowohl die Verweigerung gegenüber einer polizeilichen Anweisung als auch tätliche Angriffe auf Polizeibeamte gehören. 33 mal kam es zu einem Verstoß gegen Paragraf 86a des Strafgesetzbuchs („Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“). So wurde bei einer Feier nach dem Finale auf der Leopoldstraße in München von Teilnehmern der ‚Hitlergruß‘ gezeigt. In Frankfurt an der Oder schlugen in derselben Nacht randalierende Jugendliche Scheiben ein und riefen ‚Sieg Heil!‘. In vier Fällen kam es zu Anzeigen wegen Landfriedensbruch. 2183 Straftaten lassen sich laut Statistik nicht in die aufgelisteten Deliktbereiche einordnen. Dazu dürften unter anderem auch Raub und Verstöße gegen das Waffengesetz zählen, die sich in anderen Fußball-Statistiken der Polizei häufig finden, hier aber nicht gesondert angezeigt werden. Insgesamt waren in dieser Zeit mehr als 75.000 Polizeikräfte im „WM-Einsatz“. Bundesweit gab es bei den Feiern während der WM 730 Verletzte. Darunter waren 106 Polizeibeamte, 252 Störer, aber auch 348 Unbeteiligte sowie 24 Ordner, die bei den Veranstaltungen für Sicherheit sorgen sollten“ (Hollstein, Miriam, Die gewalttätige Seite der Fußball-WM, in welt.de 28.7.2017; Hervorhebung WZ). Allein beim Endspiel am 13.7.2014 waren in Baden-Württemberg 2.368 Polizeikräfte im Einsatz, in Bayern 6.822 und in Berlin 1.084 (Ebenda).

August 2014

– 50 Millionen Euro für Polizeieinsätze gefordert
„Im Streit über die Finanzierung von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen hat der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, eine Pauschale der Vereine in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro pro Jahr gefordert. Mit dieser Gebühr sollen seiner Ansicht nach die erhöhten Einsatzkosten bei Risikobegegnungen aufgefangen werden, sagte er der ‚Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‘.  (…) Wendt unterstützt damit die Forderung des Landes Bremen, den Vereinen erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in Rechnung zu stellen. (…) Die Bremer Politiker mussten sich nach ihrem Beschluss heftige Kritik gefallen lassen. ‚Wir haben eine klare Vereinbarung mit der Innenministerkonferenz, dass wir unsere Präventivmaßnahmen verstärken und im Gegenzug die aus unserer Sicht verfassungswidrige Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen weiterhin nicht thematisiert wird‘, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Dem Verein Werder Bremen und der Weserstadion GmbH entsteht durch die Verlegung des Länderspiels nach eigener Aussage ein finanzieller Schaden von rund 600.000 Euro. ‚Die Zeche zahlen wir‘, beklagte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung: ‚Dass das Land Bremen aus der Solidargemeinschaft der Innenministerkonferenz ausschert, ist natürlich traurig.‘ Filbry bezeichnete die DFB-Entscheidung, das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Gibraltar nach Nürnberg zu verlegen, als ‚absolut nachvollziehbar‘“ (Polizeigewerkschaft fordert 50 Millionen Euro für Fußball-Einsätze, in spiegelonline 2.8.2014).
Es ist schon interessant, dass der Verein Werder Bremen offensichtlich 600.000 Euro Einnahmen verbucht hätte, aber für Polizeieinsätze in Bremen Geld verweigert wird.

– Bayern will kein Geld
„Trotz extrem hoher Kosten will der Freistaat die Fußballvereine auch weiterhin nicht bei Polizeieinsätzen gegen randalierende Fans zur Kasse bitten. Das Bremer Modell, nach welchem Spielveranstalter für einen erhöhten Beamten-Einsatz zahlen sollen, ist für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kein Vorbild. Es sei Sache des Staates, für die öffentliche Sicherheit zu sorgen. Das stößt auf Kritik: Hermann Benker, der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern, rechnet vor, dass der Staatshaushalt bei 200 eingesetzten Polizisten mit mindestens 100 000 Euro belastet werde. Großeinsätze der Polizei bei Fußballspielen sind längst keine Einzelfälle mehr. Bei Bayern-Derbys ist nahezu immer mit Krawall zu rechnen. Als der FC Bayern München im April vergangenes Jahr den 1. FC Nürnberg zum Heimspiel empfing, kam es vor der Partie zu Ausschreitungen. Randalierende Fans warfen Steine und Flaschen, die Polizei antwortete mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Die Bilanz: 30 Festnahmen und 16 verletzte Beamte. (…) Der Freistaat indes lässt es sich einiges kosten, das Modell nicht zu übernehmen: An jedem Fußballwochenende sind 500 bis 1000 Landespolizisten zu Spielen der ersten und zweiten Liga im Einsatz, teilte das Innenministerium mit. Hinzu kommen Bundespolizisten in Bahnhöfen und auf Reisewegen. Das Aufgebot variiere je nach Anzahl der Zuschauer, angereisten Fans und sogenannten Problemfans, sagte ein Ministeriumssprecher. So seien bei einem Heimspiel des FC Ingolstadt 04 etwa 60 bis 200 Landespolizisten im Einsatz, beim FC Bayern mindestens 200. Beim Hochrisikospiel des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart im Mai mit anschließender Meisterfeier seien 682 Beamte im Einsatz gewesen, teilt das Polizeipräsidium München mit. Allein in der vergangenen Saison seien 16 Heimspiele des TSV 1860 und des FCB als Hochrisikospiele eingestuft worden. Wie viele Polizisten zusätzlich zum normalen Aufgebot bei Hochrisikospielen eingesetzt werden, sei nicht erfasst“ (Seidel, Jörn, Krawall zulasten der Steuerzahler, in SZ 4.8.2017). Hermann Benker äußerte Unverständnis, warum Bayern sich nicht dem Bremer Vorstoß anschloss: „Der Ligaverband kassiert für die Vermarktung der Fernsehrechte jährlich Hunderte Millionen Euro. Da ist es nicht zu viel verlangt, wenn er für die übermäßige Inanspruchnahme der Polizei eine Sicherheitsgebühr entrichtet“ (Ebenda). Benker lieferte auch eine Erklärung: „Solange unsere Spitzenpolitiker in den Aufsichtsräten der Fußballklubs sitzen, habe ich wenig Hoffnung, dass sich das bundesweit durchsetzt“ (Ebenda). – „In den bayerischen Fußballklubs stößt das Bremer Modell auf erheblichen Widerstand. ‚Der Bremer Senat missachtet rechtsstaatliche Prinzipien‘, sagte ein Sprecher des FC Bayern. Voll des Lobes ist er für Innenminister Herrmann, der bei seiner Meinung bleibt: ‚Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt die originäre Zuständigkeit beim Staat und damit bei der Polizei.‘ Nur in ihren eigenen Räumen seien die Spielveranstalter verantwortlich für den geordneten Ablauf“ (Ebenda). – „Das Bremer Konzept greift indes nicht nur bei Fußballspielen. Es regelt die ‚Finanzierung von Polizeieinsätzen bei gewinnorientierten Großveranstaltungen‘. Als Voraussetzung für die Kostenbeteiligung gilt, dass eine Veranstaltung auf einen wirtschaftlichen Überschuss abzielt, mehr als 3000 Besucher hat und Störungen der öffentlichen Sicherheit im Vorhinein zu erwarten sind.

– NRW-Innenminister Ralf Jäger will Polizisten reduzieren
Das NRW-Innenministerium „hat einen Erlass ausgearbeitet, der eine Reduzierung der Zahl bei Fußballspielen eingesetzter Polizisten vorsieht. In dem dreiseitigen Dokument, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es, es sollten in einer Pilotphase bis zum 27. September (2014; WZ) diejenigen Spiele der ersten drei Ligen identifiziert werden, die mit weniger oder ganz ohne Beamte der Bereitschaftspolizei auskämen. Laut Jäger wird dazu das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg unter anderem analysieren, bei welchen Partien es in den vergangenen Jahren Ausschreitungen gab. Zusammen mit aktuellen Erkenntnissen etwa der szenenkundigen Beamten werde der Einsatzleiter dann den jeweils geeigneten Kräfteansatz wählen. Zugleich sollen sich die Vereine stärker als bislang für die Sicherheit in ihren Stadien einsetzen. Generell will Jäger, dass sich Einsatzhundertschaften den Fans künftig nur im Notfall zeigen. (…) ‚Die Polizei wird aber weiterhin für Sicherheit beim Fußball sorgen‘, verspricht Innenminister Jäger. Doch das bezweifelt der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert. ‚Mir macht das Konzept große Bauchschmerzen‘, so der frühere Hundertschaftsführer aus Bochum. ‚Tausende Problemfans werden eine verdeckte Aufstellung der Polizeikräfte als Einladung verstehen, sich in den Innenstädten auszutoben.‘ Die Einheiten würden dann wiederum, wenn Krawalle entstanden seien, mit größerer Härte einschreiten müssen, als wenn sie sie schon im Keim hätten ersticken können. (…) NRW-Innenminister Jäger begründet sein Projekt mit einer strukturellen Überlastung der Bereitschaftspolizei. Schon jetzt müssten die 18 Hundertschaften des Landes ein Drittel ihrer Einsatzzeit auf Fußballspiele verwenden. Durch den Aufstieg zweier weiterer NRW-Vereine in die erste Liga – es handelt sich um Köln und Paderborn – werde sich die Belastung weiter erhöhen. ‚Das kann ich dem Steuerzahler nicht mehr vermitteln‘, so Jäger. Wie aus einem internen Dokument des Ministeriums hervorgeht, setzte die Polizei in der vergangenen Saison bei jedem Spiel der ersten drei Ligen durchschnittlich 235 Beamte ein. Sollte dieser Kräfteansatz beibehalten werden, benötigte NRW in der kommenden Spielzeit 54.285 Polizisten für Fußballspiele – das wären fast 5000 mehr als in der vergangenen Saison. (…) Unterstützung für Jäger kommt auch vom NRW-Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus: ‚Das ist mutig und zukunftsweisend. Wir lassen keinen Zweifel daran, dass die Polizei einschreitet, wenn Straftaten passieren, aber die kräftezehrende Rundum-Betreuung wird es nicht mehr geben.‘ (…) Politisch ist das Manöver dennoch nicht ohne Risiko für Ralf Jäger: Sollte es bei schlecht geschützten Partien zu Krawallen kommen, stünde der Innenminister plötzlich persönlich in der Verantwortung. Sollte sich das Konzept jedoch bewähren, müsste Jäger wiederum die Frage beantworten, warum in den vergangenen Jahren offenbar stets zu viele Polizisten beim Fußball eingesetzt wurden“ (Diehl, Jörg, Eins zwei Polizei, drei vier keiner hier, in spiegelonline 4.8.2014).

– Wasserwerfer für Vereine?
„Die Ankündigung von Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger, bei einigen Fußballspielen der ersten drei Ligen keine Polizei mehr einsetzen zu wollen, hat für gespaltene Reaktionen gesorgt. ‚Es gibt Aufgaben im Umfeld der Stadien und auf dem Weg dorthin, die nur die Polizei wahrnehmen kann‘, sagte etwa Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) der ‚Bild‘-Zeitung. Im Zentrum der Kritik an den Jäger-Plänen steht die Frage: Wer soll gegen Randalierer und gewaltbereite Anhänger vorgehen, wenn keine Polizei vor Ort ist? ‚Der Schutz der friedlichen Fans vor solchen Gruppen gehört zu den Kernaufgaben der Polizei. Und daran wird sich auch nichts ändern‘, sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). ‚Der Staat hat im öffentlichen Raum das Gewaltmonopol. Das kann kein Verein im Griff haben‘, sagt Dynamo Dresdens Geschäftsführer Robert Schäfer der ‚Bild‘-Zeitung und fragt rhetorisch: ‚Sollen wir uns jetzt Wasserwerfer und Waffen kaufen und vielleicht von Schusswaffen Gebrauch machen?‘“ („Sollen wir uns Wasserwerfer kaufen?“, in spiegelonline 5.8.2014).

– Ein Drittel der Polizeizeit für Fußball
„Das vergangene Wochenende war für die Polizei in Düsseldorf und Essen mal wieder ein recht ereignisreiches. (…) In der Düsseldorfer Altstadt und im Zentrum von Essen schlugen sich Hooligans, bis zu 300 sollen es gewesen sein. Die Gewalttäter kamen aus England, sie waren Anhänger von Newcastle United und West Ham United, die einen Ausflug zum Schalke-Cup in Gelsenkirchen nutzten, um sich gegenseitig zu verprügeln. Nur ein paar Kilometer weiter hielt die Polizei Anhänger von Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Köln auseinander, deren zweite Mannschaften zum Saisonauftakt in der Regionalliga West aufeinandertrafen. Viel mehr hätte auch nicht passieren dürfen in Nordrhein-Westfalen – und das, obwohl die neue Bundesliga-Spielzeit noch nicht einmal begonnen hat“ (Dörries, Bernd, Weniger Polizisten bei Bundesliga-Spielen, in SZ 5.8.2014). Bis zu zehn Prozent mehr Einsätze der Polizei seien durch den Erfolg von Paderborn und Köln zu erwarten, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Montag in Düsseldorf. Bei der angespannten Haushaltslage sei das nicht zu finanzieren: ‚Bereits jetzt verwendet die Bereitschaftspolizei ein Drittel ihrer Einsatzzeit nur für die Sicherheit von Fußballspielen.‘ Jäger will deshalb die Polizeipräsenz bei manchen Spielen reduzieren. Nicht bei brisanten Derbys wie Dortmund gegen Schalke, aber zum Beispiel bei Partien von Bayer Leverkusen, dessen Fans als unproblematisch gelten.  (…) Ligapräsident Reinhard Rauball hat zumindest nichts gegen den Vorstoß aus Düsseldorf. ‚Wir waren im Vorfeld nicht über entsprechende Konzepte informiert. Die Überlegungen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sind aber im Grundsatz durchaus nachvollziehbar.‘ (…) Dass dem so ist, liegt auch an Jägers Klarstellung, dass es ihm nur um eine bessere Verteilung der vorhandenen Kräfte gehe, nicht aber um mehr Geld. (…) Auch Jäger hat wenig Verständnis mit seinen SPD-Kollegen im Norden. ‚Man kann die Sicherheit im öffentlichen Raum nicht einfach anderen aufs Auge drücken.‘ Es sei nun mal die Aufgabe der Polizei, für Ordnung zu sorgen, wenn Menschen feierten. Sonst könne in Deutschland kein Volksfest mehr gefeiert werden, ohne dass danach eine Rechnung von der Polizei komme. Was Jäger durch seinen Vorstoß auch erreichen will, sei eine bessere Koordination der Polizeieinsätze und -taktiken innerhalb der Bundesländer. (…) Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU), der auch Vorsitzender der Sportministerkonferenz von Bund und Ländern ist, sagte, das Gewaltmonopol im öffentlichen Raum obliege der Polizei, die auch weiter mit Großeinsätzen beim Fußball präsent sein werde“ (Dörries, Bernd, Weniger Polizisten bei Bundesliga-Spielen, in SZ 5.8.2017). – „‘Wir wollen mit den friedlichen Fans kooperieren, das ist die Mehrzahl. Wir werden das Konzept bei den Spielen testen, die in der Vergangenheit ohne Krawalle blieben – und das waren die meisten‘, sagt Jäger. (…) ‚Da, wo es in der Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben hat, werden wir auch weiterhin mit vielen tausend Beamten im Einsatz sein‘, so Jäger. (…) Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU), der auch Vorsitzender der Sportministerkonferenz von Bund und Ländern ist, sagte, das Gewaltmonopol im öffentlichen Raum obliege der Polizei, die auch weiter mit Großeinsätzen beim Fußball präsent sein werde“ (Glindmeier, Mike, Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Jäger-Vorstoß, in spiegelonline 5.8.2017).

Dazu Heribert Prantl in einem Kommentar in der SZ: „Der Fußball bestimmt das Arbeitsleben der deutschen Bereitschaftspolizei. Dreißig Prozent ihrer Kraft und ihre Kräfte sind durch die Polizeiarbeit vor und bei den großen Fußballspielen gebunden. Wenn sich ein Innenminister da nicht überlegen würde, ob das so bleiben kann, trüge er den Namen Innenminister zu Unrecht. Wenn der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) vorsichtig versuchen will, die Polizeieinsätze bei einigen Fußballspielen zu reduzieren, ist das nicht ungehörig. (…) Es ist auch nicht verboten, darüber nachzudenken, ob die Vereine, die ja Wirtschaftsunternehmen sind, an polizeilichen Sonderkosten zu beteiligen sind“ (Prantl, Heribert, Bereit sein ist alles, in SZ 5.8.2014).

Und aus einem Kommentar von Florian Gathmann in spiegelonline: „Nun hat ausgerechnet das kleine Bremen als erstes Land aufbegehrt. Den Vorstoß des dortigen Innensenators, die Deutsche Fußball Liga (DFL) künftig an den Einsätzen bei sogenannten Risikospielen zu beteiligen, torpedierte die mächtige DFL umgehend. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entzog Bremen ein Länderspiel. Aber die Kostendebatte ist wohl nicht mehr zu stoppen. Den Vorschlag aus der Hansestadt mag mancher noch belächelt haben, aber nun mischt sich auch Nordrhein-Westfalen in die Debatte ein: Der Innenminister des bevölkerungsreichsten Bundeslands will künftig einfach weniger Polizisten zu Spielen schicken, bei denen keine schlimmen Krawalle zu erwarten sind. Das könnte eine Lösung für die Bundesländer sein. Aber sauberer ließe sich das Problem Sicherheit vs. öffentliche Haushaltsnot wohl über das Bremer Modell klären: Nicht weniger Polizisten bei Fußballspielen als bisher, aber dafür eine Kostenbeteiligung der Verbände oder Vereine. So wird es beispielsweise in England oder Frankreich praktiziert. Berechnen ließe sich das – anders als von der Fußball-Lobby behauptet – ohne Probleme. Schließlich stellt in Deutschland regelmäßig die eine Landesregierung der anderen die Kosten für ausgeliehene Polizisten bei Großeinsätzen in Rechnung. (…) Dazu kommt: Auch wenn sie es nach Möglichkeit vermeiden möchten – die DFL und die meisten Vereine könnten sich eine Beteiligung an den Kosten problemlos leisten. Fußball ist ein Millionengeschäft. Und wo das nicht der Fall ist, beispielsweise im Osten des Landes, wäre sicherlich eine gütliche Einigung der Klubs mit der öffentlichen Hand möglich – so wird das beispielsweise bei finanzschwachen Vereinen in Frankreich gehandhabt. Und wer weiß – vielleicht hätte ein Kostenbeteiligungsmodell am Ende auch noch einen weiteren Effekt: Dass die DFL und die Vereine aus monetären Gründen mehr dafür tun, dass ihre Anhänger sich friedlicher verhalten“ (Gathmann, Florian, Wer kicken lässt, soll zahlen, in spiegelonline 5.8.2014).

– GdP gegen DPolG
„Wie diffizil das Thema ist, zeigt auch die unterschiedliche Bewertung der beiden Polizeigewerkschaften, die sich am Dienstag dazu äußerten – und sich selbst offenbar nicht einig sind, wie mit dem Pilotprojekt umzugehen ist. Weniger Polizisten bei Bundesliga-Spielen? Ein ‚Spiel mit dem Feuer‘ sagt die Gewerkschaft der Polizei (GdP), ‚mutig und richtig‘ findet das dagegen die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). (…)„Die Gleichung, dass mehr Polizei ein höheres Maß an Sicherheit ergibt, geht nicht auf“, sagte der renommierte Fanforscher Gunter A. Pilz, ‚im Gegenteil, das ist eine fatale Botschaft. Ein massives Polizeiaufkommen führt in der Fanszene zu Solidarisierungseffekten gegen diese Machtdemonstration und in der Regel zu mehr Konfrontation‘“ (SZ, SID, „Fatale Botschaft“, in SZ 6.8.2014).

– Armes Bremen
„Mit 20 Milliarden Euro steht der Stadtstaat in der Kreide. 20 Milliarden, bei gut 650 000 Einwohnern. Wer da anfängt zu dividieren, erhält obszöne Ergebnisse. (…) Bremen kann die Extraschichten seiner Polizisten nicht mehr bezahlen, behauptet der Senator. 300 000 Überstunden hätten die 2600 Beamten angehäuft; würde man die auszahlen, kämen mehr als sechs Millionen Euro auf den Haushalt des Innensenators zu. Geld, das nicht da ist. Deshalb soll jetzt die Gebührenordnung geändert werden, damit das Land dem Veranstalter von Bundesligaspielen, der Deutschen Fußball-Liga (DFL), bei außergewöhnlich aufwendigen Einsätzen – sogenannten Risikospielen – Rechnungen schicken kann.(…) Bremen hat die höchste Armutsquote der Bundesrepublik, 23,1 Prozent der Bevölkerung gelten als von Armut gefährdet. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist nirgendwo höher, ebenso wie die Zahl der Wohnungseinbrüche. Die ist zwar rückläufig – und doch mit mehr als 500 Fällen pro hunderttausend Einwohnern die höchste in Deutschland. Für die Pflege der Grünflächen wird hier am wenigsten Zeit und Geld aufgewendet. Das Armutsrisiko für Kinder ist in Bremen am größten, die Pro-Kopf-Verschuldung am höchsten, die Zahl der Privatinsolvenzen unübertroffen. Die Chance auf eine gute Ausbildung ist dafür gering, sogar die Lebenserwartung ist in Bremen eher niedrig. Statistisch gesehen also: ein verlorenes Land. (…) Manchmal, sagt Innensenator Mäurer, säßen die Senatoren Bremens beisammen, um über die Verlängerung einer halben Stelle für einen Sozialarbeiter zu beraten“ (Wiegand, Ralf, Bremen verstehen, in SZ 8.8.2014).

– Runder Fußball-Tisch
„Bundesliga-Geschäftsführer Andreas Rettig hat im seit Wochen schwelenden Streit um die Kostenbeteiligung für Polizei-Einsätze in Bremen für einen Dialog geworben. (…) In der Sache aber blieb Rettig hart. Der Vorstoß des Bremer Senats, die Liga künftig an Kosten für Polizei-Einsätze bei Risikospielen zu beteiligen, sei der falsche Weg: „Zu glauben, die DFL gibt einen Scheck, und dann ist alles klar, ist zu kurz gedacht“, sagte Rettig. Stattdessen müsse ein gemeinsames Konzept verfolgt werden, um die Gewalt rund um den Fußball einzudämmen. Dann würden auch die Polizeikosten sinken. (…) Der DFL-Geschäftsführer lobte in der komplizierten Debatte hingegen ausdrücklich das in Nordrhein-Westfalen geplante Pilotprojekt, die Polizeikräfte bei ausgewählten, weniger gefährdeten Bundesliga-Partien zu reduzieren und damit Geld zu sparen“ (DPA, SID, Runder Tisch zum Polizei-Streit, in SZ 11.8.2014).

Fanforscher Jonas Gabler im Spiegel: „Die Polizeieinsatzstunden sind in den vergangenen 15 Jahren im Verhältnis zu den Zuschauerzahlen und auch zur Zahl der registrierten Gewalttäter ständig gestiegen. Daher ist es legitim, sich Gedanken zu machen. Fußballgewalt gibt es seit über 30 Jahren. Seitdem war die Antwort darauf fast immer nur: mehr Polizei. Ich kann mir vorstellen, dass auch manche Einsatzleiter dieses Pilotprojekt über vier Spieltage begrüßen. (…) Ein Drittel der Einsatzzeiten der Bereitschaftspolizei entfällt heute auf Fußballspiele. Es ist ein gesellschaftliches Anliegen, diese Kosten zu reduzieren. Eine weitere Komponente kommt hinzu. Die hohe Polizeipräsenz wird nicht nur von Ultras oder Hooligans, sondern auch von normalen Fußballfans beklagt. Sie sehen ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt. So haben sich zwei Blöcke formiert – Fans auf der einen Seite, Polizei auf der anderen. Das hat zu vielen Konflikten geführt“ („Riesenchance für die Fankultur“, in Der Spiegel 33/11.8.2014).

– FC Bayern gegen TSV 1860
„Mit 3:1 gewann der FC Bayern gegen die Sechzger im Vergleich der zweiten Mannschaften vor knapp 12 500 Zuschauern, die Polizei präsentierte am Mittwoch ganz andere Zahlen: 13 Festnahmen gab es in München, am Bahnhof Grafrath nahmen Bundespolizisten nach Mitternacht noch einmal drei Bayernfans in Gewahrsam, die sich in einem Alex-Zug mit Löwenfans geschlägert hatten. Den Festgenommenen werfen die Polizisten Körperverletzungen, Landfriedensbruch, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und Beleidigung vor. Vier Polizisten wurden verletzt: Einem Beamten schossen Randalierer aus nächster Nähe eine Leuchtrakete an den Oberkörper, der Qualm drang in den Helm – der Mann erlitt eine Rauchgasvergiftung. ‚Wären unsere Leute nicht geschützt und gepanzert gewesen, würden die Verletzungen bei so etwas wesentlich schlimmer ausfallen‘, sagt ein Polizeisprecher. 500 Anhänger der Löwen hatten sich gegen 17 Uhr auf dem Candidplatz getroffen, um von dort aus zum Grünwalder Stadion zu ziehen. Die Teilnehmer des Marsches zündeten immer wieder Rauchbomben und Feuerwerkskörper, was dort Anwohner belästigte, aber weit weniger problematisch war als am Viktualienmarkt bei den Bayernfans“ (Fuchs, Florian, Leischwitz, Christoph, Fan-Randale auf dem Viktualienmarkt, in SZ 14.8.2014).
Nachlese: „Nach der Partie am vergangenen Dienstag, die die Amateure des FC Bayern mit 3:1 gewonnen hatten, sprach das Präsidium von einer ‚neuen Dimension‘ der Probleme, die es so bei Fußballspielen in der Stadt noch nie gegeben habe. Etwa 400 Anhänger des FC Bayern hatten sich am Abend auf dem Viktualienmarkt getroffen und zahlreiche Bengalos gezündet. Standbetreiber hatten aus Angst um ihre Ware ihre Geschäfte frühzeitig geschlossen. Nach der Viertligapartie mit 12 500 Zuschauern bilanzierte die Polizei 13 Festnahmen wegen Körperverletzungen, Landfriedensbruch, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und Beleidigung“ (Fuchs, Florian, Spiel und Frieden, in SZ 19.8.2017). Die Polizei setzte „vergangenen Dienstag 400 Polizisten ein, bei normalen Spielen in der Allianz-Arena genügen auch mal 250. Das Präsidium will sich deshalb eng mit dem Innenministerium absprechen, weil Probleme mit Hooligans nicht nur in München bestehen. Bei der Partie Fürth gegen Nürnberg vergangene Woche kam es ebenfalls zu Ausschreitungen“ (Ebenda).

– Rauball droht mit Bundesverfassungsgericht
„Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) soll sich nach den Plänen des Bremer Senats an den Kosten für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen beteiligen. DFL-Präsident Reinhard Rauball will das mit allen Mitteln verhindern. ‚Notfalls gehen wir bis vor das Bundesverfassungsgericht‘, sagte der 67-Jährige dem ‚Focus‘ für den Fall, dass die Liga zur Zahlung der anvisierten 300.000 Euro pro Risikospiel aufgefordert würde. (…) Die Bremer Landesregierung will die DFL noch in diesem Jahr an den Kosten für Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen des SV Werder im Weserstadion beteiligen. Eine entsprechende Gesetzesänderung beschloss der Senat trotz massiver Kritik aus Politik und Sport“ (Rauball droht Bremen mit Bundesverfassungsgericht, in spiegelonline 16.8.2014). – „Bremen will, dass sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) an den Kosten beteiligt, im Raum stehen rund 300 000 Euro pro Partie. ‚Wir drücken uns nicht vor dieser Verantwortung‘, sagte Rauball zu der seit Wochen andauernden Sicherheitsdebatte. ‚Wir wehren uns aber dagegen, dass Bremen ausschert, obwohl wir uns mit der Innenministerkonferenz längst auf Vorgehen und Absprachen geeinigt hatten‘, erklärte der Jurist: ‚Bremens Vorstoß ist einmalig und schafft Rechtsunsicherheit, weil alle anderen Länder ihm nicht gefolgt sind‘“ (DPA, Rauball entschlossen, in SZ 18.8.2014).

– Profifußball geht es „immer besser“
„Dem Profifußball in Deutschland geht es finanziell immer besser. Zwei Drittel (65 Prozent) der Klubs aus erster und zweiter Liga sehen sich in der abgelaufenen Saison in der Gewinnzone. Vor einem Jahr waren es gerade vier von zehn Vereinen (39 Prozent). Das ergab die jährliche Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) bei den Profiklubs. Die Anzahl der Vereine, die beim Gewinn an der Nulllinie herumkrebsen, ist deutlich gesunken – von 24 auf drei Prozent. ‚Der deutsche Profifußball hat seine Hausaufgaben gemacht und steht heute erfreulich gut da‘, sagt EY-Manager Hubert Barth. Besonders gut hat sich die erste Bundesliga entwickelt. Dort sehen 72 Prozent der Klubs in der abgelaufenen Saison einen Gewinn, etwas mehr als im Vorjahr. 28 Prozent gehen sogar von einem hohen Gewinn aus. Auch die anderen Klassen weisen bessere Ergebnisse aus als 2013: In der zweiten Bundesliga erwarten 59 Prozent der Klubs einen Gewinn, in der dritten Liga sind es 19 Prozent. (…) In der Saison 2012/13 setzten die Klubs der ersten und zweiten Liga nach Zahlen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) 2,6 Milliarden Euro um. In der Umfrage von EY gaben nun sechs Erstliga-Klubs an, dass ihr Umsatz bei mehr als 100 Millionen Euro liegt. Nur zwei Erstligisten nahmen weniger als 50 Millionen Euro ein. (…) Der größte Einnahmeblock kommt aus den Medienrechten. In der abgelaufenen Saison zahlten Fernsehsender und Internet-Dienstleister den Profivereinen 653 Millionen Euro. In der neuen Saison werden es 57 Millionen Euro mehr sein. Die weiteren Einnahmequellen sind Eintrittsgelder, Werbung und Sponsoring, Transfers sowie Merchandising“ (Freiberger, Harald, Ballkünstler, in SZ 21.8.2014).

– 70 Millionen Euro kosten Polizeieinsätze
„70 Millionen Euro allein in der vergangenen Saison – wer soll die Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen bezahlen? Seit Wochen wird darüber gestritten, vor allem in Bremen. (…) 300.000 Euro pro Spiel: An diesen Kosten für den Einsatz der Polizei soll sich künftig die DFL beteiligen, so hat es der Bremer Senat im Juli beschlossen. Davon will sich der Deutsche Fußball-Bund augenscheinlich aber nicht beeindrucken lassen. (…) Insgesamt haben Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen den Steuerzahler in der vergangenen Saison rund 70 Millionen Euro gekostet, hinzu kamen erhebliche Kosten für Transport und Unterbringung der Beamten. Aber es gibt große Unterschiede zwischen den verschiedenen Mannschaften und Spielorten. Abgerechnet werden meist sechs bis acht Stunden Dienst pro Polizist und Spiel, nur bei etwa jedem zehnten Spiel dauert der Einsatz durchschnittlich mehr als acht Stunden. Normalerweise sind pro Spiel keine 300 Polizisten vor Ort. Krasse Ausreißer mit mehr als 1000 eingesetzten Polizisten und mehr als 9000 Einsatzstunden lassen sich an einer Hand abzählen und haben eines gemeinsam: Es sind Regional-Derbys, deren Krawallpotenzial traditionell höher ist. (…) An welchen Spielorten gibt es den größten Polizeiaufwand? Betrachtet man die 20 Spiele mit den meisten Einsatzstunden, so taucht tatsächlich Bremen fünf Mal auf; Dortmund, München und Schalke nur je drei Mal, obwohl sie deutlich größere Stadien haben. Bremen gehört auch zu den Spitzenreitern beim Polizeiaufwand pro Zuschauer: Wieder taucht es fünf Mal unter den Top 20 auf, übertrumpft nur vom Sonderfall Braunschweig, in dessen Stadion vergleichsweise wenige Zuschauer passen“ (…) Schon jetzt investieren auch die Vereine in die Sicherheit bei ihren Heimspielen: Im Schnitt stellen sie mehr als doppelt so viele Ordner wie die Polizei Polizisten. Allerdings zeigt sich ein merkwürdiges Missverhältnis ausgerechnet bei Problemspielen. Betrachtet man die 20 Spiele mit den meisten Einsatzstunden der Polizei, so sind hier weniger Ordner als Polizisten vor Ort“ (Hunger, Bertolt, Elmer, Christina, Polizeieinsätze in Braunschweig und Bremen am größten, in spiegelonline 22.8.2014).

– Anfrage von MdL Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen) vom 20.8.2014: -Polizeieinsätze bei Fußballspielen. In Klammern Auszüge der Antworten des Staatsministeriums des Innern vom 23.10.2014)
1.Wie haben sich die Einsatzzeiten von Polizeieinsatzkräften bei Fußballspielen in Bayern seit  dem Jahr 2010 entwickelt (bitte aufschlüsseln nach 1. Liga, 2. Liga, 3. Liga, Regionalliga)?
(Bundesliga 2009/10: 63.694; 2013/14: 96.010; 2. Bundesliga 48.370; 55.301)

1.1 Wie verhalten sich die Einsatzzeiten der Bayerischen Polizei zur Sicherung von Fußballspielen zu den Gesamteinsatzzeiten der Bayerischen Polizei?
(Keine Statistik vorhanden)

  1. Wie setzen sich diese Polizeieinsatzkräfte zusammen (Bayerische Polizei, Polizei aus anderen Bundesländern, Bundespolizei)?
    (Grundsätzlich Einsatzkräfte der Bayerischen Polizei; wenn diese nicht ausreichen, Unterstützungskräfte aus anderen Bundesländern)
  2. Wie viele Spiele sind in dieser Saison und waren seit dem Jahr 2010 pro Saison in der ersten, zweiten und dritten Fußballbundesliga in Bayern angesetzt?
    (2013/14: Bundesliga 51, 2. Bundesliga 51)
  3. Wie viele Spiele werden oder wurden davon als Hochrisikospiele eingestuft?
    (2013/14: 39)

4.1 Werden oder wurden darüber hinaus Spiele als Hochrisikospiele eingestuft?
(2013/14: 8)

  1. Wie viele Polizeieinsatzkräfte werden bei „normalen“ Fußballspielen eingesetzt (bitte aufschlüsseln nach 1. Liga, 2. Liga, 3. Liga, Regionalliga)?
    5.1. Wie viele Polizeieinsatzkräfte werden bei sogenannten Hochrisikospielen eingesetzt (bitte aufschlüsseln nach 1. Liga, 2. Liga, 3. Liga, Regionalliga)?
    (Keine gesonderte Statistik. 2013/14: Kräfte Bundesliga 12.841; 2. Bundesliga 8.683)
  2. Wie hoch ist die Anzahl der gewaltbereiten Fußballfans in Bayern?

(6.1 Wie hoch ist die Anzahl der gewaltbereiten Fußballfans deutschlandweit?
Zusammen waren 2014 in Bayern ca. 1700, bundesweit 18.000 Personen bekannt)

  1. Welche Kosten fielen für Polizeieinsätze zur Sicherung von Fußballspielen in Bayern seit 2010 an (bitte aufschlüsseln nach 1. Liga, 2. Liga, 3. Liga, Regionalliga)?
    8. Welche Kosten trägt davon der Freistaat Bayern, welche Kosten tragen andere Bundesländer oder der Bund?
    (Fragen 7 und 8 zusammen: „Polizeieinsätze bei Fußballspielen dienen der Aufrechter-haltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und laufen überwiegend im Umfeld der Veranstaltungen ab. Aufgaben des Veranstalters, wie Zugangskontrollen oder Ordnertätig-keiten, nimmt die Polizei dabei nicht wahr. Da für dieses hoheitliche Handeln der Polizei nach geltender Rechtslage vom Veranstalter keine Kosten erhoben werden können, werden auch keine Aufzeichnungen bezüglich der Höhe, Zusammensetzung, örtlichen Verteilung oder nach sonstigen Kriterien geführt. Insoweit können hierzu auch keine Zahlen benannt werden.“)
    Dazu die DPA-Meldung: „Bayerns Polizei muss zur Verhinderung von Gewaltexzessen bei Fußballspielen einen immer größeren Personalaufwand betreiben. Sowohl die Zahl der beteiligten Polizisten als auch die Einsatzzeiten sind stark gestiegen. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Landtagsanfrage der Grünen hervor. In der Saison 2013/14 fielen in den ersten vier Ligen mehr als 223 000 Einsatzstunden an, 60 000 mehr als 2009/10. Allerdings gab es 2009/10 noch keine rein bayerische Regionalliga. Beteiligt waren in der vergangenen Saison 33 000 Beamte – eine große Zahl im Vergleich zu den Hooligans: In Bayern gelten 1700 Fußballfans als gewaltbereit. Die Grünen fordern deshalb mehr Geld für Fanprojekte. ‚Im gleichen Zeitraum haben sich die Mittel für die präventive sozialpädagogische Arbeit der Fanprojekte nur minimal erhöht‘, kritisierte die innenpolitische Sprecherin Katharina Schulze“ (DPA, Mehr Polizeipräsenz bei Fußballspielen, in SZ 31.10.2014).

– FC Bayern setzt Stadionverbote aus
„32 der 90 Stadionverbote resultierten aus Ereignissen im April 2013, manche der vom Ausschluss betroffenen Anhänger gehören zur Schickeria. Damals kam es am Rande des Spiels des FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen, aber auch mit der Polizei. Club-Fans sollen Auslöser der Gewalt gewesen sein, aber auch Leute von der Schickeria mischten mit. (…) Die Münchner Polizei hingegen reagierte empört auf die neue, ungeahnte Liberalität des FC Bayern. Man sei in die Entscheidung über die Aussetzung der Stadionverbote ‚nicht eingebunden‘ gewesen, erklärte ein Polizeisprecher. Es handle sich um ein „falsches Signal“ an die von der Polizei so bezeichneten Fußballrandalierer. ‚Die begnadigten Personen sind die, die bei der nächsten Partie dann wieder unseren Einsatzkräften gegenüberstehen und Ärger machen‘, sagt Baumann. Zudem dauerten die Ermittlungen gegen viele dieser Personen an. Einen solchen Alleingang eines Fußballvereins in München habe man noch nicht erlebt, heißt es im Münchner Präsidium. Die Polizei habe nur von der Entscheidung erfahren, weil am 11. August Kopien der sogenannten Aussetzungsschreiben im Präsidium eingegangen seien. Der FC Bayern München, so der Vorwurf, verstoße gegen DFB-Richtlinien zu Stadionverboten“ (Fuchs, Florian, Krass, Sebastian, Bayern begnadigt Ultras, in SZ 28.8.2014).

September 2014

– Fußball-Schläger unterwegs
„Die Münchner Justiz hat ein Zeichen gegen gewaltbereite, radikale Fußballfans gesetzt. Wegen Landfriedensbruch verurteilte das Amtsgericht am Montag einen 22-jährigen FC-Bayern-Fan aus München zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Er war an blutigen Schlägereien vor dem Spiel der Bayern gegen den 1. FC Nürnberg im April 2013 beteiligt. (…) Laut Staatsanwaltschaft herrschten am Nachmittag des 13. April vergangenen Jahres ‚bürgerkriegsähnliche Zustände‘ am Fröttmaninger Stadion. Rund 450 gewaltbereite Anhänger des Clubs lieferten sich mit etwa 150 Mitgliedern der Bayern-Ultra-Fangruppen Schickeria und Inferno blutige Auseinandersetzungen. Anhänger des FC Bayern verfolgten dabei Fans aus Nürnberg eine Böschung zur A 9 hinab, wo der Verkehr zeitweise zum Erliegen kam. Die Polizei setzte Schlagstöcke, Pfefferspray und eine Reiterstaffel ein. 16 Polizisten wurden teils erheblich verletzt“ (Salch, Andreas, Harte Strafe nach Stadion-Schlägerei, in SZ 9.9.2014).

Oktober 2014

– FC Kaiserslautern gegen Karlsruher SC
„Die Krawalle rund um das Südwestderby in der 2. Fußball-Bundesliga am Samstag zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem Karlsruher SC (2:0) haben die Frage nach der Sicherheit im Fußball neu aufgeworfen und das Thema Kosten für Polizeieinsätze zurück ins Gespräch gebracht. ‚Die Polizei ist fassungslos über die Gewaltbereitschaft beider Fanlager“, sagte Einsatzleiter Franz-Josef Brandt. 18 Verletzte, drei Festnahmen, gezündete Pyrotechnik, massive Attacken auf die Sicherheitskräfte und Sachschäden listet der Polizeibericht auf. Einsatzkräfte des Polizeipräsidiums Westpfalz, der Bereitschafts- und der Bundespolizei hatten laut des Berichts „alle Hände voll zu tun und mussten immer wieder Auseinandersetzungen mit starkem Personalaufwand unterbinden‘. Polizeidirektor Brandt kündigte an, alles zu unternehmen, um die Randalierer zu überführen. Dazu steht den Ermittlern umfangreiches Bildmaterial zu Verfügung. Bereits vor dem Anpfiff hatten sechs Polizisten durch Böller und Pyrotechnik, die vor allem von FCK-Anhänger eingesetzt wurden, Knalltraumata oder leichte Verletzungen erlitten. (…) Auf dem Weg zum Bahnhof griffen KSC-Anhänger die Polizei an, die drei Schläger festnahm; am Bahnhof bewarfen FCK-Hooligans die Polizei mit Flaschen und beschädigten dabei mehrere Einsatzfahrzeuge. (…) Vorfälle wie in der Pfalz oder zuletzt beim Bundesliga-Derby zwischen Köln und Mönchengladbach sind Argumente für diejenigen, die von den Klubs eine Beteiligung an den Kosten von Polizeieinsätzen fordern. So dürfte sich beispielsweise der Bremer Senat in seiner Haltung bestätigt fühlen“ (SID, Polizei ist fassungslos, in SZ 6.10.2014).

– Schalke 04 gegen Herta BSC
Schalke gewann 2 zu 0. „Dennoch kam es im Anschluss an das Spiel zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Fans. Zwölf Polizisten wurden verletzt. Vor dem Hauptbahnhof in Gelsenkirchen wurde eine Einsatzhundertschaft gegen 21.40 Uhr von mehreren Schalker Anhängern angegriffen. Die Fans warfen Flaschen und Pyrotechnik. Als gleichzeitig ein Buskonvoi der Berliner Gästefans zum wartenden Sonderzug eintraf, brach eine Schlägerei zwischen beiden Lagern aus. Zwölf Polizisten wurden verletzt, drei Beamte mussten ihre Verletzungen im Krankenhaus ärztlich versorgen lassen. Ein Randalierer wurde vorläufig festgenommen. Auch Geschäfte, der Bahnhof und Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt“ (Zwölf Polizisten bei Fan-Massenschlägerei verletzt, in spiegelonline 19.10.2014).

– Bremer Bürgerschaft verabschiedet Gebührengesetz
„Künftig wird Bremen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einen Teil der Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen im Weserstadion in Rechnung stellen. Die Bürgerschaft verabschiedete am Mittwoch in zweiter Lesung ein entsprechendes Gebührengesetz. Es könnte bereits am 13. Dezember beim Nordderby Werder Bremen gegen Hannover 96 angewendet werden. Werde die Begegnung als Risikospiel eingestuft, müssten mehr Polizeibeamte für die Sicherheitssorgen als üblich, sagte eine Sprecherin des Innenressorts. In dem Fall erhalte die DFL einen Kostenbescheid, um den erhöhten Aufwand auszugleichen“ (DPA, SID, Bremen verlangt Geld, in SZ 23.10.2014).

November 2014

– Bremer Not
„An diesem Freitag wird ganz Deutschland mal wieder daran erinnert, dass es im Norden einen Stadtstaat gibt, der zwar nach vielen Parametern das ärmste deutsche Bundesland ist, sich aber mit viel Einfallsreichtum seiner Not widmet. Am Freitag findet nämlich in Nürnberg das Länderspiel der Nationalmannschaft gegen Gibraltar statt, das ursprünglich mal im Weserstadion geplant war, ehe der Deutsche Fußball-Bund es den Bremern sozusagen zur Strafe wegnahm. Der Kommerzfußball fand die Bremer Idee nicht gut, die Kosten für Hochrisiko-Heimspiele des SV Werder an die Bundesliga weiterzureichen. Die Bürgerschaft hat der Idee zugestimmt, Innensenator Ulrich Mäurer hat die erste Rechnung über 350 000 Euro für Dezember zur Partie Werder – Hannover 96 angekündigt. Der Liga-Verband DFL sperrt sich und will den SV Werder zahlen lassen. Es ist ein exemplarischer Fall, der zeigt, wie der Profi-Fußball seine Interessen über Beschlüsse gewählter Parlamente stellt“ (Hahn, Thomas, Not macht bremisch, in SZ 12.11.2014).

Januar 2015

Umfrage Institut für Demoskopie Allensbach vom Dezember 2014: „Das Vorgehen Bremens wurde teilweise kontrovers diskutiert. Andere Bundesländer haben sich – auch wegen rechtlicher Bedenken hinsichtlich der Zulässigkeit einer solchen Regelung – bislang nicht angeschlossen. In der Bevölkerung findet die Kostenbeteiligung von Bundesligavereinen bzw. DFL allerdings breite Zustimmung: 50 Prozent der Bürger sind der Auffassung, dass die Vereine bzw. die DFL die Kosten vollständig übernehmen sollten. Weitere 33 Prozent sind der Meinung, dass sich Bundesländer sowie Vereine und DFL die Kosten teilen sollten. Lediglich 6 Prozent der Bevölkerung befürworten die bisherige Regelung, dass die Kosten für die Polizeieinsätze vollständig von den Bundesländern getragen werden“ (IfD Allensbach, Bundesligavereine in der Pflicht, in Allensbacher Kurzbericht 27.1.2015; Hervorhebung WZ).

Februar 2015

– Bremer Fanprojekt werfen Polizei aggressives Verhalten vor
„Ausgerechnet in Bremen, wo Polizeieinsätze beim Fußball ohnehin ein brisantes Thema sind, ein Politikum, weil der Senat die Kosten bei riskanten Spielen künftig nicht mehr alleine tragen will. Und wo das Verhältnis zwischen Fans und Polizei lange als entspannt galt. Davon kann keine Rede mehr sein, wenn man der Darstellung des Bremer Fan-Projekts folgt. Das Fan-Projekt ist eine sozialpädagogische Einrichtung, die mit jungen Fans zusammenarbeitet und sich für die Interessen der Ultras stark macht. Die Mitarbeiter der Einrichtung beobachten ‚ein zunehmend aggressives Vorgehen der Bremer Polizei‘ gegen Werder-Fans, heißt es in einer Mitteilung, die das Fan-Projekt nach dem jüngsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (2:1) herausgebracht hat. Durch überhöhte Polizeipräsenz habe am Spieltag eine ‚beängstigende Atmosphäre‘ geherrscht. (…) In Bremen wird in diesen Tagen eine knifflige Frage diskutiert: Wie soll ein Polizeieinsatz beim Fußball aussehen? Und wie nicht? Das Fan-Projekt hat wenig Verständnis, dass die Ultras auf dem Weg zum Stadion von der Polizei gefilmt werden, dass die Polizisten ‚in voller Kampfmontur ihren Dienst‘ verrichten würden, wie Rutkowski sagt, und dass beim Spiel gegen Leverkusen auch Polizisten vor dem Ostkurvensaal in Stellung gegangen seien, dem Treffpunkt der Ultras, obwohl es ein Übereinkommen mit der Polizei gibt, hier zurückhaltend aufzutreten. Das Fan-Projekt wirft der Polizei Unverhältnismäßigkeit vor. (…) Die Bremer Ultraszene hat sich in den vergangenen Jahren in viele Gruppen gespalten, das macht es der Polizei schwer, den Überblick zu behalten. Außerdem begegnen sich Fans und Polizisten nicht nur am Spieltag. Als neulich die AfD ihren Parteitag in Bremen abhielt, bewacht von einem großen Polizeiaufgebot, waren auch Werder-Fans unter den Gegendemonstranten. Rutkowski vom Fan-Projekt spricht davon, dass zwischen einigen Ultras und der Polizei ein Kleinkrieg ausgetragen werde, der über den Fußball hinausgehe. Einen Dialog zwischen den Konfliktparteien gibt es nicht“ (Buchheister, Hendrik, „Beängstigende Atmosphäre“, in spiegelonline 14.2.2014).

März 2015

– Die Ultras und die Fans
„‘Akute Lebensgefahr!‘ Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende der zweitgrößten Gewerkschaft der deutschen Polizisten, hatte, wie fast immer, die besten Hardliner-Statements zum Thema parat. ‚Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir den ersten Toten haben‘, kommentierte Wendt die Zusammenstöße von Polizei und Ultra-Fans nach dem Bundesligaspiel des VfB Stuttgart gegen Hertha BSC vor einer Woche. Zwölf Polizisten wurden verletzt. Ein Beamter hatte dreimal mit scharfer Munition in die Luft gefeuert, weil er sich gegen die Schlägertruppe nicht mehr anders zu helfen wusste. Nun gilt der Talkshow-Dauergast Wendt zwar fast allen im Fußball-Milieu, vom Präsidenten bis zum Hooligan, als verbaler Hyperventilierer, der für einen knackigen Spruch gerne mal den Rechtsstaat links liegen lässt. (…) Warum wird man Ultra-Fan? Weil man für Fußball und für seinen Verein brennt – und weil sich darum ein Lebensinhalt spinnen lässt. Die Gruppen geben jungen Leuten, vor allem jungen Männern, ein Gefühl von Gemeinschaft, Anerkennung, Verantwortung. Hinzu kommt oft eine Romantisierung des Fußballs, eine Überidentifizierung mit dem Verein und seiner Tradition. (…) Den Zugang zu den größeren, etablierten Ultra-Gruppen muss man sich als junger Fan verdienen, es gibt kein Formular, mit dem man einfach beitritt. Von den 80 000 Zuschauern in Dortmund dürften vielleicht 700 zu einer Ultra-Gruppe gehören. Anderswo sind es noch weniger. Allerdings bilden Ultras meist das Epizentrum der Stadion-Stimmung, mit Anfeuerungschören, Choreografien. Sie erzeugen beim BVB die spezielle Atmosphäre der Südtribüne, die weltweit bekannt ist. (…) ‚In einigen Gruppen‘, sagt einer, der nicht genannt sein will, ‚bestimmen inzwischen die stumpfen Leute, die gut boxen können, den Diskurs. Früher bist du in einer Gruppe was geworden, wenn du was auf dem Kasten hattest.‘ In Dortmund etwa gelten die ‚Desperados‘ inzwischen als Gruppe, in der sich die Schläger-Fraktion durchgesetzt hat – ohne dass deshalb alle mitmachen würden. In vielen Ultra-Gruppen übernimmt gerade eine jüngere Generation die Meinungsführung. Für die neuesten Krawalle machen Szenekenner vor allem den in Mode gekommenen Drogen-Konsum bei vielen Ultras verantwortlich: ‚Kokain, Amphetamine, alles was aufputscht‘“ (Röckenhaus, Freddie, Suche nach der roten Trennlinie, in SZ 14.3.2015).

April 2015

– Arena Grünwalder Stadion
„Die Polizei verwandelt das Grünwalder Stadion vor dem Derby der zweiten Mannschaften von FC Bayern und TSV 1860 in eine Festung. Gewaltbereite Ultras sind zwar unterwegs, aber die Beamten behalten die Lage im Griff. – Der Polizeieinsatz war enorm: Mit mehr als tausend Beamten, etwa fünf Mal so vielen wie bei einem normalen Bundesligaspiel in der Fröttmaninger Arena, hat die Polizei am Montag das Umfeld des Grünwalder Stadions in eine Festung verwandelt. Wohl nur deshalb blieben befürchtete Krawalle im Vorfeld des Viertligaderbys der Amateurmannschaften des FC Bayern und des TSV 1860 aus. Auch bei den Fanmärschen durch die Stadt zum Stadion kam es – im Gegensatz zum Vorjahr, als vier Polizisten verletzt worden waren – zu keinen Ausschreitungen. Einige Fans, die gegen das Vermummungsverbot verstoßen oder pyrotechnische Gegenstände dabei hatten, wurden festgenommen. (…) Schon von zehn Uhr an hatten sich die Anhänger der Bayern im Tal vor der Heiliggeistkirche gesammelt. Sie skandierten ‚Tod und Hass dem TSV!‘. Rund 200 polizeibekannte gewaltbereite Ultras, Hooligans und Jung-Hools zählten Fachleute der Polizei unter den bis zu 4000 Fans, die sich gegen Mittag auf den Marsch Richtung Sendlinger Tor machten. (…) Auf Seiten der Blauen mischten sich militante Unterstützer aus Nürnberg und Kaiserslautern unter die ebenfalls etwa 200 gewaltbereiten Anhänger. Wegen dieses angekündigten Krawalltourismus war auch die Bundespolizei mit rund 200 Beamten im Einsatz. Sie behielten den Hauptbahnhof und die S-Bahnhöfe im Auge. In einem Regionalzug aus Nürnberg rissen anreisende Rowdies die Deckenverkleidung herunter. Schaden: etwa 500 Euro. Die Münchner Polizisten machten erstmals im Rosental ernst. Bayernfans hatten Bengalos gezündet und Böller geworfen – daraufhin stoppte die Polizei den Zug. (…) Zwischen den beiden Lagern bildete die Polizei mit mehr als 75 Fahrzeugen eine Wagenburg. Kräfte des Unterstützungskommandos, Hundeführer und berittene Polizisten der Reiterstaffel sorgten zusätzlich dafür, dass die verfeindeten Lager sich nicht zu nahe kamen. Kurzfristig spitzte sich die Situation zu, als eine Tram mit Fans einfuhr, die Beamten mussten Schlagstöcke einsetzen um zu verhindern, dass rivalisierende Gruppen aufeinander losgingen. Durch die vergrößerte Sicherheitszone konnten die Polizisten bereits vorm Stadion Krawallmacher aus dem Verkehr ziehen, die Pyrotechnik oder Sturmhauben zur Vermummung dabei hatten. Zwölf Betretungsverbote hatte das Kreisverwaltungsreferat vor dem Spiel gegen bekannte Gewalttäter ausgesprochen“ (Bernstein, Martin, Maximaler Einsatz, in SZ 7.4.2015). – „Die ‚kleinen Derbys‘ zwischen den Regionalligamannschaften des FC Bayern und des TSV 1860 werden möglicherweise künftig nicht mehr im Grünwalder Stadion stattfinden, sondern in der Arena in Fröttmaning. Am Tag nach dem Ostermontagsspiel, bei dem die Polizei nur durch den massiven Einsatz von 1200 Beamten die rivalisierenden und teils gewaltbereiten Fan-Gruppierung davon abhalten konnte, aufeinander loszugehen, sind sich Polizei, Fußballverantwortliche und Stadt einig, dass sich dringend etwas ändern muss. (…) Zwölf Festnahmen gab es rund um das Derby, fünfmal mussten die Beamten die Identität von Fans feststellen, die sich nicht an die Auflagen hielten. Bengalos und andere Pyrotechnik vorm und im Stadion, Vermummung mit Sturmhauben, Beleidigungen, Körperverletzungen, ein Flaschenwurf, ein Hitlergruß – das waren die Gründe. Zwei Randalierer wurden bis Spielende festgesetzt, gegen zwölf mutmaßliche Gewalttäter hatte die Stadt in Absprache mit der Polizei schon im Vorfeld Betretungsverbote für das gesamte Umfeld des Grünwalder Stadions in Giesing verhängt. (…) Für den Polizeivizepräsidenten steht fest: ‚Jetzt sehen alle: Es ist genug.‘ Die Fanmärsche durch die Stadt hätten sich zu einer Machtdemonstration entwickelt, die verfeindeten Lager stünden sich nicht als sportliche Rivalen gegenüber, ‚das ist der blanke Hass‘“ (Bernstein, Martin, „Jetzt sehen alle: es ist genug“, in SZ 8.4.2015).

– Werder Bremen gegen den HSV
Besonders gut befreundet sind die Anhänger der benachbarten Klubs allerdings nach wie vor nicht, sie gelten als traditionell verfeindet. So kam der Bremer Senat auf die Idee, eine seit Monaten schwelende Drohung erstmals in die Tat umzusetzen: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) soll ungefähr 300 000 Euro dafür bezahlen, dass beim Nordderby am 19. April im Weserstadion mehr Polizisten im Einsatz sein werden als gewöhnlich. Aber die DFL will nicht bezahlen. (…) Die Begegnung mit dem abstiegsgefährdeten Erzrivalen aus Hamburg dagegen wird von Innensenator Ulrich Mäurer und seinen Experten als „Rot-Spiel“ eingestuft, also als besonders bedrohlich, weil mit zahlreichen gewaltbereiten Fans gerechnet wird. Gewöhnliche Partien stehen im Rang von „Grün-Spielen“, da werden auf Kosten des Bundeslandes gewöhnlich 150 Sicherheitsleute für die maximal 42 000 Zuschauer auf den Tribünen und die Nachbarschaft abgestellt. Bei „Rot-Spielen“, also einem wie Werder gegen den HSV, gehen die Planungen von mindestens 1000 Polizisten aus, viele davon müssen aus anderen Bundesländern angefordert werden. Beim jüngsten Aufeinandertreffen seien es 1200 Beamte gewesen, berichtete Mäurer der SZ. Von zusätzlichen Kosten von 500 000 Euro war die Rede. (…) Die DFL sei über die bevorstehende Rechnung informiert worden, so Mäurer. Zugestellt werde der Bescheid natürlich erst nach dem Spiel, wenn man wisse, was das gekostet habe. Die geschätzten 300 000 Euro seien für die DFL ja kein wirklich gewaltiger Betrag. Die DFL jedoch sieht das anders. „Der Alleingang des Bundeslandes Bremen löst keine Probleme und ist rechtlich äußerst fragwürdig“, sagte ein DFL-Sprecher am Mittwoch. Der Vorstoß werde deshalb von der Liga ebenso abgelehnt wie vom Deutschen Olympischen Sportbund, dem Deutschen Fußball-Bund „und allen anderen Bundesländern“. Die DFL will sich mit allen juristischen Möglichkeiten wehren. Auch Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry hatte das Gesetz des Senats im Herbst 2014 kritisiert und auf einen Plan der DFL gegen die Gewalt in den Stadion verwiesen“ (Burghardt, Peter, Prantl, Heribert, Bremer Risikospiel, in SZ 9.4.2015).

Dazu aus einem Kommentar von Heribert Prantl in der SZ: „Die Fußball-Lobby (die vor lauter Geld kaum mehr laufen kann) behauptet nun, es sei rechtswidrig, wenn der Staat künftig für Polizei-Großeinsätze bei Fußballspielen Geld verlangt. Das Gegenteil ist richtig: Es ist rechtswidrig, kein Geld zu verlangen. (…) Die Fußball-Liga macht 2,2 Milliarden Umsatz im Jahr. Wenn nun ein Sicherheitsobolus verlangt wird, der für ein Fußballspiel, bei dem tausend Polizisten im Einsatz sind, bei 300 000 Euro liegt – dann sollte die Fußball-Liga nicht lamentieren; sie sollte dankbar sein für den Einsatz und zahlen. Das ist recht – und billig ist es auch. Man kann sich mit Fug und Recht fragen, ob es nicht eine Art von Haushaltsuntreue darstellt, wenn andere Bundesländer für solche Großeinsätze keine Gebühren erheben“ (Prantl, Heribert, Warum die Liga zahlen muss, in SZ 9.4.2015; Hervorhebung WZ).

– Nordderby: Werder Bremen-Ultras gegen rechte Hooligans
„Nach dem Schlusspfiff gab es für einige Bremer Anhänger allerdings unschöne Erlebnisse. Offenbar wurde eine Gruppe Werder-Ultras vor dem Stadion von rechtsradikalen Hooligans angegriffen. (…) Die angegriffenen Ultras flohen laut Fan-Projekt-Mitarbeiter Behm in Richtung Stadion, wo sie von der Polizei eingekesselt worden sein sollen. Auch die aus dem Stadion kommenden Ultras wurden laut Behm anschließend auf einer Kreuzung eingekesselt. Als die Polizisten die Straße frei machen wollten, kam es nach übereinstimmenden Angaben zu rüden Szenen: ‚Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Pfefferspray auf alles los, was da rumstand‘, sagt der Augenzeuge aus der Ultra-Szene“ (Buchheister, Hendrik, Rechte Hooligans greifen Werder-Ultras an, in spiegelonline 19.4.2015).

– Bahn-Verbot für HSV-Ultras
„Die Verwüstung eines Zuges am Rande des Nordderbys zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV gab den Ausschlag: Die Eisenbahngesellschaft Metronom hat ein Bahnverbot für alle Ultra-Fan-Gruppen ausgesprochen. Bei den Krawallen am Sonntag sei eine Grenze deutlich überschritten worden, begründete ein Sprecher des Unternehmens den Schritt. Rund 300 HSV-Fans hatten die Inneneinrichtung zweier Waggons schwer beschädigt. Nach Metronom-Angaben entstand ein Schaden in Höhe von etwa 100.000 Euro. Das Fahrverbot gelte ab den nächsten Spielen und nicht nur für aggressive HSV-Fans, sondern auch etwa für Ultras von Hannover 96 und Hansa Rostock. (…) Nach Metronom-Angaben verursachen Fans durch Vandalismus in Zügen pro Jahr Kosten in Höhe von einer Million Euro“ (Bahn-Betreiber schließen Ultras aus, in spiegelonline 24.4.2015).

Juni 2015

– Bremen stellt DFL die Rechnung
„Die Bremer Polizei hat der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nun die angekündigte Rechnung für das Bundesligaspiel Werder Bremen gegen den Hamburger SV (1:0) vom 19. April zukommen lassen. Demnach will die Hansestadt an der Weser die DFL für den Sondereinsatz beim Nordderby mit 425 718,11 Euro zur Kasse bitten. (…) Außer 450 Polizisten aus Bremen wurden beim Duell gegen den HSV auch 500 Beamte der Bundespolizei aufgeboten, weil Gewalt der Fans erwartet worden war (die es dann vereinzelt auch gab). Die errechnete Summe sei ‚ein beeindruckender Beleg für die besondere Belastung für die Polizeien der Länder und des Bundes‘, so Bremens Innensenator Ulrich Mäurer“ (Bremen bittet DFL zur Kasse, in SZ 25.6.2015).

Juli 2015

– Nochmal Werder Bremen gegen HSV
„Das Spiel beschäftigt die Bremer Öffentlichkeit immer noch und mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft. Grund sind heftige Ausschreitungen vor dem Stadion. Rechte Bremer Hooligans hatten offenbar Bremer Ultras angegriffen. Diese verstehen sich überwiegend als links, als antifaschistisch und antirassistisch. Bei dem anschließenden Versuch, eine Kreuzung zu räumen, sollen Polizisten die Ultras den Hooligans in die Arme getrieben haben. Die Polizei bestreitet das. Es gibt ein Video, auf dem zu sehen ist, wie mehrere Ultras auf einen Mann losgehen, auch Valentin soll auf dem Video zu sehen sein. (…) Der Konflikt zwischen Rechten und Linken im Umfeld des SV Werder hat eine Vorgeschichte, in der Polizei und Staatsanwaltschaft eine zweifelhafte Rolle spielen. 2007 überfielen Hooligans eine Feier von Bremer Ultras. Erst viereinhalb Jahre später kam es zum Prozess, die Täter kamen mit geringen Geldstrafen davon“ (Buchheister, Hendrik, Linke Ultras kämpfen gegen rechte Hooligans – und die Polizei, in spiegelonline 17.7.2015).

– FC Bayern München II gegen TSV 1860 München II
„Es geht um das sogenannte kleine Derby, am Sonntag werden in der Regionalliga der FC Bayern München II und der TSV 1860 München II aufeinander treffen. Die kleinen Bayern gegen die kleinen Löwen – das bedeutet, auch die verschiedenen Fangruppierungen, seien es Ultras oder normale Fußballfans, werden sich ebenfalls begegnen: 12 500 Fans, das Spiel ist ausverkauft. Es ist eine besondere Pressekonferenz, zu der Polizei und Stadt an diesem Dienstag gemeinsam in die Ratstrinkstube des Rathauses geladen haben. Sie wollen aus der vergangenen Begegnung lernen, am Ostermontag war dieses Aufeinandertreffen, auch da standen sich nicht nur die beiden Mannschaften gegenüber, nicht nur die Fans, darunter etwa 370 ‚Problemfans‘. Im Einsatz waren auch 1100 Polizisten. Geballte Polizeipräsenz. Trotzdem kam es zu einigen Zwischenfällen – und nachher zu Diskussionen, ob der Polizeieinsatz in dieser Stärke angemessen oder überzogen gewesen sei“ (Riedel, Katja, Abrüstung, in SZ 29.7.2015). – „1500 Fans zogen am Vormittag vom Tal über den Viktualienmarkt zum Sendlinger Tor, begleitet von Schwefelgeruch und roten Rauchschwaden. Und diese Bengalos zündeten die Bayern-Fans auch im Grünwalder Stadion. Das nicht ausverkaufte Spiel, das gerade erst angepfiffen worden war, musste unterbrochen werden. Die Polizei postierte Einsatzkräfte vor dem roten Fanblock. (…) An diesem Sonntag waren 900 Einsatzkräfte im Einsatz, hinzu kamen Stadion-Ordner. Beim letzten Derby am Ostermontag waren 1100 Beamten vertreten gewesen. Insgesamt nahm die Polizei bis zum Abpfiff 14 Fans fest, die entweder mit Pyrotechnik gezündelt, einen Beamten beleidigt oder mit einem Becher geworfen hatten“ (Riedel, Katja, Abgerüstet, in SZ 3.8.2015).

November 2015

– FC Bayern gegen Olympiakos Piräus
„Am Dienstag um 20.45 Uhr beginnt in der Arena das Champions-League-Heimspiel des FC Bayern gegen die griechische Mannschaft von Olympiakos Piräus. Bis zu 1000  Polizisten werden dann im Einsatz sein. Zum einen wegen der derzeit zwar weiterhin ‚abstrakten‘, dennoch aber seit Paris, Hannover und Brüssel erhöhten terroristischen Bedrohung. Zum anderen wegen der realen Gefahr, dass unter den 66. 000 Bayern-Fans und den 4000 zum Spiel erwarteten Olympiakos-Anhängern gewaltbereite Hooligans Ausschreitungen provozieren. Militante Piräus-Fans sind nach Erkenntnissen der Polizei mit dem Bus auf dem Weg nach München. Vor dem Hintergrund der Anschläge von Paris bittet die Polizei, auf ohnehin verbotene Pyrotechnik zu verzichten. (…) Beim Hinspiel zwischen Piräus und München im September hatten griechische Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken auf Bayern-Fans eingeschlagen, nachdem eine Gruppe von zum Teil vermummten Gästen die Piräus-Anhänger provoziert hatte“ (Bernstein, Martin, Risiko-Spiel gegen Piräus, in SZ 24.11.2015).

Mai 2016

– Der FC Bayern feiert den Pokalgewinn – ohne Bayerischen Rundfunk
„Weil die Bayern von dem öffentlich-rechtlichen Sender eine Beteiligung an den ihnen wiederum von der Stadt München in Rechnung gestellten Kosten verlangte, verzichtete der BR auf eine Übertragung der Feierlichkeiten anlässlich des Pokaltriumphs von Berlin. Nun diskutiert die Lokalpolitik, ob der FC Bayern seine Kompetenzen überschritten hat – und wie ‚kleingeistig‘ die Forderung des Klubs gegenüber dem BR war. (…) Durch die Absage der Pokal-Feier-Übertragung im bayerischen Dritten wegen einer nicht näher definierten ‚kurzfristigen finanziellen Forderung‘ des FC Bayern (BR-Pressemitteilung) war der Eindruck entstanden, die Bayern würden Geld dafür verlangen, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender die sehr öffentliche Titel-Sause an einem der öffentlichsten Orte Münchens überhaupt übertragen darf. Für all jene, die den Klub gerne mal zum FC Buy€rn verballhornen, der mit Geld die Welt regiert, war das Wasser auf die Mühlen. (…) Die Ankündigung, dass das Fest dennoch in Ausschnitten live im Free-TV-Sender Sport 1 und auf den vereinseigenen Plattformen zu sehen sein würde, hatten die Bayern erst mit Schlusspfiff in Berlin in sozialen Medien, über die Homepage und via Sport 1 mitgeteilt – ohne freilich Hintergründe zur Programmänderung im BR zu erwähnen. (…) Tatsächlich wollte der FC Bayern kein Geld an der Feier verdienen, er wollte nur so wenig wie möglich bezahlen. Sowohl der Verein als auch der BR bestätigten, dass die Stadt München von den Bayern 300.000 Euro verlangt hatte, als Beteiligung an den vor allem für Sicherheit anfallende Kosten für die bereits zweite öffentliche Weißbierorgie innerhalb einer Woche. Die Hälfte, 150. 000 Euro, wollten die Bayern vom Sender haben“ (Wiegand, Ralf, Unter Bayern, in SZ 24.5.2017). – „Die nicht eben seltenen Fußballpartys verursachen nicht nur beim Sender und bei der Stadt München erhebliche Kosten. Die Polizei war mit etwa 150 Beamten im Einsatz, um die Pokalfeier auf dem Marienplatz zu begleiten“ (Bovensiepen, N., Fuchs, F., Hutter, D., Der Anpfiff, in SZ 24.5.2016).

August 2016

– 400 Polizisten für TSV 1860 gegen FC Bayern
„Mit etwa 400 Beamten hat die Polizei am Sonntagnachmittag das Viertelliga-Derby des TSV 1860 und des FC Bayern im Grünwalder Stadion gesichert. (…) Nach einem Zwischenfall vom Freitag war die Polizei gewarnt. Zum Bundesligaauftakt waren vor einer Kneipe am Nordfriedhof 40 gewalttätige Fans der Roten und der Blauen mit Baseballschlägern und offenbar auch mit Messern und Totschlägern aufeinander losgegangen“ (Bernstein, Martin, 400 Polizisten bewachen Derby, in SZ 29.8.2016).

September 2016

– Randalierer sollen zahlen
„Fußballklubs dürfen künftig Geldstrafen, die ihnen wegen Randale im Stadion auferlegt werden, von den Übeltätern zurückfordern. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) sind die Verursacher solcher Ausschreitungen den Vereinen zu Schadensersatz verpflichtet. (…) Damit öffnet der BGH die Tür für Regressklagen gegen randalierende Fans“ (Janisch, Wolfgang, Fußballklubs dürfen Randalierer zur Kasse bitten, in SZ 23.9.2016).

Oktober 2016

– Länderspiel Deutschland gegen Nordirland
„Die Polizei Hannover hat für das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalelf gegen Nordirland eine erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften in der niedersächsischen Landeshauptstadt angekündigt. (…) Die Polizei wird die Einlasskontrollen unterstützen und auch in der Innenstadt präsent sein. Zudem sind Sprengstoffspürhunde im Einsatz“ (SID, „Besonderes Spiel“, in SZ 11.10.2016).

– Pfefferspray im Regionalzug
„Die Partie galt als Risikospiel. Vor und während des Zweitligaspiels zwischen dem FC Ingolstadt und dem TSV 1860 München am 14. Februar 2014 randalierten Anhänger der Löwen. Die 60er verloren das Derby im Audi Sportpark gegen die Schanzer mit 0 : 2. Nach der Partie kam es zu einer erneuten Eskalation. Der Zwischenfall ereignete sich am Bahnhof Petershausen. In einem Regionalzug hatten Bundespolizisten, die 60er-Fans auf dem Rückweg nach München begleiteten, Pfefferspray versprüht. (…) Nachdem der Zug in Petershausen angehalten hatte, sollen sich zum Teil vermummte 60er-Fans auf dem Bahnsteig einer Gruppe Polizisten mit ‚Hals-Abschneider-Gesten‘ gegenübergestellt und Flaschen sowie eine leere Bierkiste nach ihnen geworfen haben. Die Bundespolizei hatte deshalb Verstärkung beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord angefordert“ (Salch, Andreas, Pfefferspray im Zug, in SZ 14.10,2016).

Mai 2017

– Bremen verliert vor Verwaltungsgericht
„Das Land Bremen will trotz der Niederlage vor dem Verwaltungsgericht weiter für eine Beteiligung der Deutschen Fußball Liga (DFL) an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen kämpfen. (…) Das Bremer Verwaltungsgericht hatte in erster Instanz die Gebührenbescheide des Bundeslandes für rechtswidrig erklärt und aufgehoben. Damit setzte sich die DFL mit ihrer Klage durch. In dem Rechtsstreit ging es um eine Rechnung über 425.718 Euro für den Einsatz beim Bundesliga-Nordderby zwischen Werder und dem Hamburger SV am 19. April 2015. Weitere Rechnungen sollten folgen. Das Gericht hatte in der Verhandlung darauf hingewiesen, dass es die Berechnungsmethode für die Kosten für zu unbestimmt und damit für rechtswidrig hält. ‚Die Kritik an den fehlenden ausreichenden Bemessungsfaktoren insbesondere für die Kosten des Einsatzes von Polizeikräften anderer Bundesländer können wir so nicht nachvollziehen‘, sagte die Sprecherin“ (Bremen drängt weiter auf Beteiligung des DFB, in spiegelonline 18.5.2017).
„Am Mittwochnachmittag gaben die Richter in erster Instanz der Klage der DFL statt und hoben den Gebührenbescheid auf. Die Gebührenfestsetzung sei rechtswidrig, hieß es in der Begründung. Was aber nicht bedeuten muss, dass dieses Match vorbei ist. Anlass des Duells zwischen Bundesland und Bundesliga sind ein Gesetz und seine Folgen. Im Herbst 2014 beschloss die SPD-geführte Regierung des Stadtstaates, dass sich die Veranstalter an den Mehrkosten bei Großveranstaltungen beteiligen müssen, dabei geht es nicht zuletzt um sogenannte Hochrisikospiele. Im April 2016 war es so weit: Nach dem Nordderby im Weserstadion bat Bremen die Ligavertretung mit 425 718,11 Euro zur Kasse. Damals hatte es bei einer Massenschlägerei zwischen Hamburger und Bremer Hooligans Verletzte und Sachschäden gegeben. Statt der üblichen 200 bis 250 Beamten waren 969 Ordnungshüter im Einsatz gewesen, sie absolvierten dabei laut ihrer Auftraggeber 9537 Arbeitsstunden. Gegen die geforderte Summe klagte die DFL und bekam nun Recht“ (Bremen scheitert vor Gericht, in SZ 18.5.2017).

– Dortmund kein EM-Bewerber?
„Der deutschen Bewerbung um die EM 2024 droht der Verlust des ‚Fußball-Tempels‘ in Dortmund. Die Ruhrgebietsstadt will laut übereinstimmenden Medienberichten am 1. Juni entscheiden, ob sie die Interessenbekundung an Spielen der Endrunde wieder zurückzieht. Grund dafür seien undurchsichtige Anforderungen seitens des Deutschen Fußball-Bundes und der Europäischen Fußball-Union Uefa. (…) Besonders die Kosten für die Sicherheit seien nicht planbar. Dazu kämen Anforderungen an die Infrastruktur, deren finanzielle Höhe nicht einzuschätzen sei. Die Gesamtkosten seien nicht zu beziffern“ (Dortmund prüft EM-Rückzug, in spiegelonline 24.5.2017). – „Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat auf Kritik an der Bewerbung um Austragungsorte für die EM 2024 reagiert. Der DFB verlängerte die Frist für interessierte Städte um einen Monat bis 10. Juli und bot weitere Gespräche an. Zuvor hatte die Stadt Dortmund Kritik wegen unkalkulierbarer finanzieller Risiken geäußert und einen Rückzug in Erwägung gezogen“ (DPA, Frist verlängert, in SZ 26.5.2017).

– Relegationsspiel 1860 München gegen Jahn Regensburg
„Am späten Abend twitterte die Münchner Polizei, dass zehn Beamte durch Wurfgeschosse aus der Nordkurve leicht verletzt worden waren. Die schlimmen Ausschreitungen überschatteten das Relegationsrückspiel zwischen dem TSV 1860 und Jahn Regensburg und letztlich auch den Jubel der Gäste über das verdiente 2:0 und den Aufstieg in die zweite Liga. So war das Traurigste an diesem Tag nicht die schwache Leistung der uninspiriert spielenden Löwen, sondern die Randale hasserfüllter Chaoten, die das Spiel an den Rand des Abbruchs brachten. (…) Doch nach dem 0:2-Rückstand kurz vor der Pause kippte die Stimmung – acht Minuten vor Ende eskalierte die Situation endgültig. Fans und Ultras aus der Nordkurve kletterten auf den Zaun, zerrissen das Fangnetz hinter dem Tor, warfen erste Stangen aufs Spielfeld. Im Eilschritt formierten sich gepanzerte Einsatzkräfte rund um das Regensburger Tor, Sitzschalen flogen aufs Feld. Auch auf der Haupttribüne rasteten einige Zuschauer aus, pöbelten und warfen mit Bierbechern. (…) Dutzende Sitzschalen und Stangen flogen permanent über den Polizei-Wall aufs Tor und in den Fünfmeterraum, Pentke (der Regensburger Torhüter; WZ) war fast ausnahmslos nur noch damit beschäftigt, Gegenstände aus dem Weg zu räumen. Und der aufgebrachte Mob war nicht mehr zu beruhigen. Vermummte Gestalten warfen Stangen aufs Feld…“ (Kinast, Florian, „Wir hatten Angst“, in spiegelonline 31.5.2017). – „Schiedsrichter Daniel Siebert unterbrach das Spiel in der 81. Minute, Polizisten und Ordner positionierten sich vor der Nordtribüne. Nach einer 15-minütigen Unterbrechung wurde das Spiel fortgesetzt und auch nicht abgebrochen, als weitere Wurfgegenstände auf den Platz flogen. Mehrere Polizisten wurden leicht verletzt“ (DFB ermittelt nach Ausschreitungen von 1860-Fans, in spiegelonline 31.5.217).

– Münchner Polizeipräsident für Stadionsperren
„Polizeipräsident Hubertus Andrä findet für das Verhalten mancher Löwenfans am Dienstagabend beim Relegationsspiel in der Fröttmaninger Arena nur ein Wort: inakzeptabel. Und er fordert von Fußballverbänden, Vereinen und Verantwortlichen rigorose Konsequenzen. Andrä denkt beispielsweise daran, einzelne Abschnitte im Stadion komplett zu sperren, Geisterspiele ohne Zuschauer durchzuführen oder Punktabzüge für Vereine zu verhängen. (…) Die Partie war als ‚High-Risk-Spiel‘ eingestuft worden, 570 Beamte waren im Einsatz. „Ein Relegationsspiel bedeutet ja für Verein und Fans auch eine existenzielle Situation. Und die entsprechenden Emotionen waren natürlich da“, sagt Pressesprecher Martins. Eigentlich sei im Stadion der Veranstalter für die Sicherheit zuständig. Die Polizei schreite nur ein, wenn ‚etwas aus dem Ruder läuft‘. So wie am Dienstag. Während des Spiels waren nur vereinzelt dunkel gekleidete Beamte zu sehen, als die Situation eskalierte, lief plötzlich eine ganze Polizeikette vor der Nordkurve auf. (…) Den Münchnern war klar, dass sie bei der Strafverfolgung der Täter gute Chancen haben, auch ohne sie aus dem Block zu ziehen: Die Videoüberwachung im Stadion ist exzellent, es lässt sich minutiös beobachten, wer was gemacht hat. ‚Unsere Ultras wissen, dass sie später Besuch von der Kripo bekommen‘, kündigt Martins an. Zahlreiche Randalierer seien ohnehin polizeibekannt. Die Polizei hat nun eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, um alle Straftaten aufzuklären. Während des Einsatzes wurden bereits zehn Personen festgenommen – allesamt Sechzger. Ihnen werden Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, Beleidigung, gefährliche Körperverletzungen und Diebstahl vorgeworfen“ (Wimmer, Susi, Polizeipräsident fordert Stadionsperren, in SZ 1.7.2017).

August 2017

– Hansa Rostock gegen Herta BSC
„Die Feindschaft zwischen Fans von Hertha BSC und Hansa ist bekannt. Die Polizei war gewarnt. 1400 Beamte waren im Einsatz. Zwei Blöcke des Stadions blieben komplett leer, damit die Gruppen sich nicht zu nahe kommen konnten. Aber schon in der ersten Halbzeit brannten einzelne Bengalos im Hertha-Block. Kurz nach der Pause brannten plötzlich viele, Feuerwerksraketen schossen aus der Berliner Ecke. Da brach Schiedsrichter Robert Hartmann das Spiel zum ersten Mal ab. Nach zwei Minuten ging es weiter. Hertha gewann die Kontrolle über das Spiel. Und im leeren Block neben den Berlinern entrollten vermummte Rostocker irgendwann ein Hertha-Plakat, 30 mal zwei Meter groß, das sie vor drei Jahren in Berlin geklaut hatten. Sie zeigten es und zündeten es an. Ein Affront. Die Berliner antworteten mit zornigem Feuerwerk. Es war die 74. Minute. Sitzschalen brannten. Qualm lag über dem Feld“ (Hahn, Thomas, Qualm über dem Spiel, in SZ 16.8.2017).

September 2017

– Grindel: alles Transparent
„Die großen Verlierer sind Mönchengladbach, Nürnberg, Bremen und Hannover. ‚Alle Stadien waren EM-tauglich, keine Arena ist durchgefallen‘, versicherte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Freitag. Die Empfehlung des Bewerbungskomitees, das alle Kandidaten ‚in einem detaillierten, transparenten und beispielhaften Verfahren‘ geprüft habe, sei eins zu eins übernommen worden. (…) Der DFB stellte klar, dass er in den gescheiterten Orten keine ‚Länderspiele oder sonstige Kompensationen‘ plane“ (SID, DPA, Ohne Gladbach, mit Frankfurt, in SZ 16.9.2017).
Länderspiele bekommt Bremen vom DFB ja sowieso nicht mehr.

– Bewerbungsverfahren für Uefa-WM-2024 verfassungswidrig?
„Teile der Verpflichtungserklärungen, die deutsche Städte für das Bewerbungsverfahren für die Fußball-EM 2024 unterschrieben haben, sollen verfassungswidrig sein. Das behauptet zumindest der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts, Wolfgang Hoffmann-Riem. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet, könnten die Erklärungen, die der Europäischen Fußball-Union (Uefa) Sonderrechte zusichern, zu rechtswidrigen Grundrechtseingriffen führen. So würden sich die Städte etwa verpflichten, in einer sogenannten ‚kommerziellen Zone‘ 500 Meter rund um das Stadion politische und religiöse Demonstrationen generell zu unterbinden. (…) Die Versammlungsfreiheit sei durch das Grundgesetz und die europäische Menschenrechtskonvention geschützt. (…) Die Städte können von den unterschriebenen Erklärungen nicht zurücktreten. Die Uefa begründete die Forderungen laut NDR damit, dass ‚Sport und Politik nicht vermengt werden sollten’“ (Grundrechtsverletzungen im EM-Bewerbungsverfahren? in spiegelonline 19.9.2017). – „Ähnlich angreifbar sind die verlangten Zusicherungen, im Bedarfsfall Gesetze zum Schutz von Uefa-Vermarktungsrechten zu erlassen. Solche Verpflichtungen, zum Beispiel seitens eines Bürgermeisters, seien ‚hoch problematisch, denn in einem gewaltenteilenden Staat wie in Deutschland ist die Gesetzgebung Sache der Parlamente‘. Die meisten betroffenen Städte wollten die Probleme nicht kommentieren oder äußerten keine Bedenken; bis auf Bewerber Bremen, der den Originaltext anpasste, um ihn rechtssicher zu unterzeichnen“ (SZ, „Ganz klar verfassungswidrig“, in SZ 20.9.2017).

– Bremen informiert sich – als einziges Bundesland
„Von den Bewerberstädten Hannover, Dortmund, Düsseldorf, Köln, München, Berlin, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Leipzig, Nürnberg, Mönchengladbach, Stuttgart und Bremen gaben nach NDR-Anfrage nur die Bremer an, den Originaltext umfassend angepasst zu haben, um ihn rechtssicher unterzeichnen zu können“ (Grundrechtsverletzungen im EM-Bewerbungsverfahren? in spiegelonline 19.9.2017).
Und wer flog u. a. raus? Bremen – auch weil der Stadtstaat seine Polizeieinsätze bei Fußballspielen bezahlt haben möchte. Bremen bekommt auch keine DFB-Länderspiele mehr.

– Geheime Punktzahlen für EM-Stadien
„’Zehn aus 14′, so lautete monatelang das Motto des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Es ging darum, die Städte auszusuchen, mit denen sich der Verband im Duell mit der Türkei um die Austragung der EM 2024 bewerben möchte. Und wann immer in dieser Zeit die Rede auf das Auswahlverfahren kam, durfte ein Wort nicht fehlen: ‚Transparenz‘. Die Kür sollte für alle nachvollziehbar sein. Vor einer Woche teilte der DFB seine Entscheidung schließlich mit. Aber nun zeigt sich: Die angebliche Transparenz ist stark eingeschränkt. Denn die entscheidenden Daten, auf denen die Auswahl des DFB fußte, will er nicht mitteilen. (…) Der DFB verteidigt seine Haltung über den geheimniskrämerischen Umgang mit den entscheidenden Daten“ (Aumüller, Johannes, Die Punktzahlen bleiben geheim, in SZ 23.9.2017).
Schade eigentlich, dass alles so geheim bleibt. Sonst wäre vermutlich offensichtlich geworden, warum Bremen rausgefallen ist: Schließlich will der Bremer Senat die Kosten für die Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen ersetzt bekommen – und wurde prompt mit der Verlegung eines Länderspiels abgestraft.

Soweit also die Geschichte der Kosten der Polizeieinsätze im Profifußball. Ob sie jemals von den Verursachern = Profiteuren erstattet werden, bleibt abzuwarten.
Deshalb wird diese Chronologie fortgesetzt.

NB: Es ist schon erstaunlich, mit welcher Härte der Staat gegen politische Demonstranten vorgeht – und welche Freiräume er offenbar den gewaltbereiten Fußball-Hooligans einräumt.

Vergleiche auch: Hooligans Fußball-EM 2016

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