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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Nov 212013
 
Zuletzt geändert am 23.11.2013 @ 16:11

(N)Olympia-Nachlese

Axel Doering

Nachdem sich nun der Überschwang des „(N)Olympiasieges“ gelegt hat und eine große Zufriedenheit geblieben ist, möchte ich eine kleine Nachlese aus Garmisch-Partenkirchner Sicht  halten.

 Die Olympialobbyisten hatten viel Geld, eine Allianz aus SPD, CSU/CDU, FDP, Freie Wähler, Sport- und Wirtschaftsverbänden und viele prominente Sportlergesichter. Gute Argument und Feuer hatten sie nicht. Sie waren arrogant und von ihrem sicheren Sieg überzeugt.

So hat sich unsere durchgängige Nolympia-Arbeit nach München 2018 ausgezahlt.  Die 2018-Webseite der Olympiabewerbung wurde in dem Moment abgeschaltet, als es kein Geld mehr gab. Unsere Webseite nolympia.de lief mit beachtlichen Zugriffszahlen weiter. Hier übertraf das Ehrenamt den bezahlten Lobbyismus bei weitem, besonders dank der zähen Arbeit von Wolfgang Zängl, Sylvia Hamberger und Ralf Schmid.

Nach der Veröffentlichung der Konzeptstudie zur 2022-Olympiabewerbung war es einfach, auf dieser Arbeit und der gewachsenen Skepsis gegenüber Megaevents im Alpenraum anzusetzen.  Die Leute hatten die sittenwidrigen IOC-Knebelverträge schon im Kopf. Das war anders als beim Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen vor drei  Jahren.

Es ist uns gut gelungen, die Defizite der Bewerbung, die niemals wirklich nachhaltig war, schnell und umfassend zu thematisieren. Den Rest haben die Olympianer selbst gemacht. Unlautere Wahlwerbung, ein Overkill an Plakaten,  Lautsprecherdurchsagen in der S-Bahn, zuletzt in Garmisch noch ein kaum verhohlener Wahlaufruf des Pfarrers von der Kanzel der Kirche.  Dadurch  war es leicht, deutlich zu machen, dass die Olympiabewerber in Wirklichkeit nicht die Meinung der Bürger erfragen wollten, sondern ausschließlich und mit aller Geld-Macht ein Mandat für ihren Olympiawahnsinn zu erzwingen versuchten: David gegen Goliath. Von da an saßen immer mehr Leute im Boot von David: Und David hat gewonnen.

Zusätzlich half uns die Arroganz der Olympiapromis. Beckenbauer sah die Ketten der „Katar-Sklaven“ nicht und fand olympische Winterspiele toll, weil 29 Milliarden! Menschen zuschauen (kurze Notiz: Die Weltbevölkerung umfasste beim Jahreswechsel 2012/13 rund 7,1 Milliarden Menschen). Nicht gesagt hat Beckenbauer, dass er auf der Gehaltsliste von Gazprom für Sportgroßveranstaltungen insbesondere in Russland steht. Andere wie Breitner erklärten, „keine Sau wisse“, wo Ruhpolding und Garmisch-Partenkirchen liege (spezieller Einspruch von mir als Garmischer). Auch Wasmeier und andere erhöhten die Glaubwürdigkeit der Bewerber auch nicht.

Als am Abend des Bürgerentscheids die ersten Zählergebnisse kamen,  wurde es im Rathaus in Garmisch-Partenkirchen ganz still. Das 4:0 war von niemandem so deutlich erwartet worden.

In der Analyse des Erfolgs waren wir meines Erachtens zu sehr auf das IOC ausgerichtet. Es gab auch viele andere Gründe, Eingriffe in die Natur, Heimatliebe, erhöhte Miet- und Lebenshaltungskosten und die Erkenntnis, dass die Spiele für die Alpentäler zu groß sind. Etwas überrascht war ich von der relativ geringen Rolle, die die versprochenen (oder angedrohten) Straßen in unserem Tal gespielt haben.

Entsetzt hat mich, welch schlechte Verlierer viele der Olympianer und besonders auch viele Sportler waren.  Frau Höfl-Riesch findet, dass es den Leuten zu gut geht und sie engstirnig sind (nicht jeder hat einen so weiten Blick wie Frau Höfl-Riesch aus ihrem Österreichischen Steuerdomizil Kitzbühel). Herr Hanawald fand die Leute dumm und bedauerte, dass man für 2026 wohl keine Bewerbung mehr abgeben könne „weil dann die Leute, die diesmal dagegen gestimmt haben, noch leben“. Der DOSB hat den Vogel abgeschossen: Der designierte Präsident Alfons Hörmann nannte die Argumente der Gegner „blöde“ und  der Generaldirektor Vesper jammerte, dass eigentlich 73 Prozent der Bürger für Olympia wären, was inzwischen durch eine repräsentative Umfrage widerlegt wurde: 59 Prozent der befragten Bürger in Deutschland haben das Olympia-Nein gut geheißen. Ein weiteres Fazit: Wir waren zu freundlich zu den Sportlern, denn wir haben sie für fair gehalten. Viele dieser Spitzensportler sind aber inzwischen Teil des Systems und werden hinterfotzig und aggressiv, wenn man ihre Hoffnung auf den großen  Geldsegen auf Kosten der Allgemeinheit auch nur angezweifelt.

Wenn man heute durch Garmisch-Partenkirchen geht, spürt man allenthalben große Erleichterung. Die Gemeinde besinnt sich darauf, dass sie ihre Probleme selber lösen muss und für unser sanierungsbedürftiges Kongresshaus gibt es plötzlich vernünftige Ideen, die vorher undenkbar waren. Ich persönlich erlebe ungewöhnlich viel positive Zuwendung. Tagelang ist mein E-Mail-Fach übergequollen vor Gratulationen (und ein paar einzelnen Beschimpfungen) aus ganz Deutschland. Ganz große Fans habe ich bei  den Mietern einer Wohnung in unserer Nähe gefunden. Hier war bereits eine Wohnungsbesichtigung zur Wertermittlung der Wohnung angesetzt. Der Termin wurde am Montag nach dem Bürgerentscheid ersatzlos gestrichen.

Nachdem es mehr als nur ein Dutzend „Zwerge“ waren, die hier beteiligt waren, möchte ich mich für die Garmisch-Partenkirchner Kampagne bei  Andreas Keller, den Grünen und einer Reihe von Einzelpersonen bedanken, ohne deren (auch finanzieller) Hilfe der Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Es war eine tolle Zusammenarbeit zwischen uns aus Garmisch-Partenkirchen, Traunstein, Berchtesgadener Land und München. Wir haben viele Bürger animiert, uns zu unterstützen.

„Obgsagt is“, wie die Heute Show getitelt hat und der „Zwergenaufstand“, wie der Spiegel geschrieben hat, waren erfolgreich. Die Rolle des Davids ist am schönsten, wenn man den Kampf hinter sich hat und Gewinner geworden ist.

Liebe Davids: Ich hoffe, wir kommen doch noch alle zum Feiern zusammen!

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