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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Nov 122013
 
Zuletzt geändert am 12.04.2017 @ 16:30

12.11.2013, aktualisiert 8.2.2014

10.11.2013:

Ludwig Hartmann, MdL, Sprecher NOlympia: „Das Votum ist kein Zeichen gegen den Sport, aber gegen die Profitgier des IOC. Ich glaube, in ganz Deutschland sind Olympia-Bewerbungen mit dem heutigen Tag vom Tisch. Die Menschen im Ballungsraum München und die Natur in den bayerischen Alpen haben einen wichtigen Sieg errungen“ („Es hat nicht am Konzept gelegen“, in spiegelonline 10.11.213).

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern: „Ökologisches Bewusstsein und Heimatliebe der Bürger haben über Kommerz und Gigantismus gesiegt. Dies ist ein Weckruf an das Internationale Olympische Komitee und den Deutschen Olympischen Sportbund, wieder zum Ursprung der olympischen Idee zurückzukehren und sich von einseitigen Knebelverträgen zu verabschieden. Den Alpen und der betroffenen Bevölkerung bleiben Schuldenberge und Landschaftseingriffe erspart“ („Es hat nicht am Konzept gelegen“, in spiegelonline 10.11.213).

11.11.2013:

Katharina Schulze, MdL, NOlympia München: „Wir haben einen 4:0-Sieg errungen. Ich erinnere mich noch, wie oft wir gesagt haben, dass die anderen so viel Geld haben und so viele Werbeagenturen. Aber wir hatten gute Argumente und viele Ehrenamtliche, die Lust und Zeit hatten, etwas zu tun“ (Hutter, Dominik, Riedel, Katja, Völklein, Marco, Viermal Nein, in SZ 11.11.2013).

Axel Doering, NOlympia Garmisch-Partenkirchen: „Heute sind wir alle Sieger, weil wir Olympia nicht bekommen“ (Reinbold, Peter, Doering: „Wir sind alle Sieger“, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 11.11.2013).

Christian Ude, Münchner OB: „Es ist eine klare Niederlage erlitten worden. Sie gilt nicht nur für 2022, sondern nach meiner persönlichen Einschätzung dauerhaft“ („Nix mit München dahoam“, in spiegelonline 10.11.2013).

Arno Makowsky, Chefredakteur AZ (und emsiger Befürworter von 2018 und 2022): „Das  Ergebnis ist so eindeutig, dass den Olympiafreunden noch heute der Schädel brummt. Doie Bayern wollen keine Olympischen Spiele, das haben sie am Sonntag eindeutig klar gemacht. Und noch etwas ist bei dieser Abstimmung klar geworden: Die Bürger lassen sich ihre Meinung nicht von den Medien vorschreiben. Nicht von den Politikern, nicht von den Medien, nicht von Prominenten“ (Olympia – das war’s. in Abendzeitung 11.11.2013).

Stefan Dorner, tz: „Vielleicht haben gestern sogar Menschen gegen 2022 gestimmt, die im Februar vorm Fernseher mit deutschen Olympia-Helden bei den Retortenspielen in Sotschi jubeln. Soll dieses geldgeile Regime des IOC woanders sein Unwesen treiben, aber nicht bei uns. Schneller, höher, Endstation“ (Ja dann lass‘ ma’s bleiben, in tz 11.11.2013).

Daniel Föst, FDP-Chef München: „München ist einfach satt“ (Es ist vorbei, in Münchner Merkur 11.11.2013).

Kassian Stroh, SZ: „Wie kann das sein? Da bewirbt sich München um die olympischen Winterspiele; dieser Plan wird im Rathaus wie im Landtag von allen maßgeblichen politischen Kräften getragen, mit Ausnahme der Grünen. Und dann lehnen die Bürger dieses Ansinnen derart deutlich ab. Dies taten nicht nur irgendwelche querulatorischen Garmischer Wiesenbesitzer, dies taten nicht nur saturierte Wohlstandsmünchner – dies taten sie alle gemeinsam“ (Ein Votum gegen die Politik, in SZ 11.11.2013).

René Hofmann in der SZ: „Das Votum ist eindeutig. Die Bürger in und um München wollen nicht noch einmal Olympische Spiele ausrichten“ (Rebellion gegen den Kommerz, in SZ 11.11.2013).

Matthias Holzapfel, Münchner Merkur: „Aber warum Deutschland die Spiele hätte bekommen sollen oder gebraucht hätte, das haben die unermesslich vielen Unterstützer der Idee aus Sport, Politik und Wirtschaft vor den Bürgerentscheiden nicht klar machen können. (…)) Und manchmal wirkten die Versprechungen der Politik auf die Bürger wie Erpressungsversuche: Ja zu Olympia, oder auf absehbare Zeiten keine Wohnungen, Straßen…“ (Kommentar zu Olympia: Klarheit ist wertvoll, in Münchner Merkur 11.11.2013).

Joscha Thieringer, Focus: „Es ist keine Niederlage des Sports, sondern ein Sieg der Demokratie und der mündigen Bürger. Politik, Sport, Medien – eine Woche vor der Abstimmung schien es, als würde die Entscheidung deutlich zugunsten der Olympia-Befürworter ausfallen. (…) Sie haben das Volk schlichtweg unterschätzt. (…) In Zeiten der Internet-Informationsgesellschaft reicht es nicht mehr aus, die Stadt mit bunten Wahlplakaten vollzustellen und Prominente auf TV-Galas lächelnd werben zu lassen“ („Armutszeugnis“? Olympia-Aus ist ein Sieg der Demokratie, in focus.de 11.11.2013).

Thomas Muderlak, Chef der BMW-Welt und der Befürworterinitiative „OJa“: „Mit einer solchen Niederlage haben nicht einmal unsere Gegner gerechnet“ (Hutter, Dominik, Riedel, Katja, Völklein, Marco, Viermal Nein, in SZ 11.11.2013).

Sven Hannawald, Ex-Sportler: „Einfach eine Dummheit, dieses Ergebnis“ („Einfach eine Dummheit, dieses Ergebnis“, in merkur-online.de 11.11.2013).

Pat Cortina, Eishockey-Bundestrainer: „Too much democracy“(Bürger haben gesprochen: Es ist vorbei, in merkur-online.de 11.11.2013).

Maria Höfl-Riesch, Skirennläuferin: „Einige Wähler werden ihre Entscheidung noch bereuen. Unsere Gesellschaft ist satt, wir wissen gar nicht, wie gut es uns im Moment geht… Schade, dass die Leute so engstirnig sind“ (Ebenda).

Ralph Huber, Olympiapark: „Wir sind in Deutschland so satt und selbstzufrieden, dass uns die Zukunft egal ist und wie keine Veränderungen haben wollen“ (Trauer bei  den Ja-Sagern in tz 11.11.2013).

Christian Spiller, Die Zeit: „Das Wahlergebnis zeigt vielmehr, dass Olympia die Menschen endgültig verloren hat. (…) Die Bürger haben entschieden: Die nachhaltigsten Spiele sind die, die nicht stattfinden“ (Olympia hat die Menschen verloren, in zeitonline 11.11.2013).

Christian Hierneis, NOlympia München: „Nur mal nebenbei, es ist die Vernunft. Ich habe jetzt den fünften Bürgerentscheid in eineinhalb Jahren mitgemacht, da ging es immer um solche Großprojekte, Startbahnen, Möbelhäuser. Und die Menschen glauben nicht mehr an das, was ihnen versprochen wird. Wenn diese Eingriffe kommen, sagen sie: Nein, wir wollen das nicht, weil unsere Lebensgrundlagen dabei zerstört werden“ (Schwarz, Marietta, Skiverband: Bürger haben aus Angst gegen Olympia gestimmt, in dradio.de 11.11.2013).

Anno Hecker, FAZ: „Wesentlich aber war eine im negativen Sinne unschlagbare Kombination, das Gefühl von Verschwendung zum Wohle eines Privatklubs: So haben die Olympiagegner argumentiert, als sie von ‚Knebelverträgen‘ des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sprachen, von Raffzähnen und Möchtegernfürsten“ (Eine Chance im Scheitern, in faz.net 11.11.2013).

Ecco Meineke, taz: „Von Bayern lernen, heißt siegen lernen! Das ist nicht von Pep und auch nicht vom Uli. Aber es könnte vom Bündnis ‚NOlympia 2022‘ stammen. Denn es gibt Koalitionen, es gibt Große Koalitionen und es gibt verdammt Große Koalitionen. Die OJa!-Kampagne für die Bewerbung Bayerns für die Olympischen Winterspiele 2022 war so eine. (…) Die krönende Schnapsidee waren schließlich Pro-Olympia-Durchsagen in der S-Bahn. Selbst eingefleischten Befürwortern stieß das sauer auf. Man hätte sich durchaus vorstellen können, am Sonntag, in der geheimen Wahlkabine, könnte plötzlich hinterrücks eine Blaskapelle auftauchen und ein Typ sein Megafon ins Bürgerohr stopfen und brüllen: „DA MUASST DES KREIZL MACHA!!“ Und dann das! Alle vier Standorte stimmen mit NEIN“ (Ja so eine Neineritis, in taz.de 11.11.2013).

Gerd Heinze, Präsident Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft: „Die Bayern haben keinen Arsch in der Lederhose. Sie sind nicht bereit, das geringste Risiko einzugehen, um Dinge nach vorn zu bringen, die für ganz Deutschland wichtig wären“ („Die Bayern haben keinen A… in der Lederhose, in welt.de 11.11.2013).

Harry Nutt, Berliner Zeitung: „Die in vier Volksentscheiden ermittelte Ablehnung der Bürger der betroffenen Ausrichterstädte München und Garmisch-Partenkirchen sowie der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land markieren einen gravierenden Akzeptanzverlust der olympischen Idee. (…) Die Entscheidung von München ist nicht der Verzicht irgendeines Bewerbers. Vielmehr ist sie das gewaltige Misstrauensvotum einer ganzen Region, die ihr bürgerliches Selbstbewusstsein und ihr bescheidenes Maß an Weltgeltung in den letzten 40 Jahren zu nicht geringen Teilen aus den Olympischen Sommerspielen von 1972 bezogen hat. (…) Wer am Sonntag mit Nein gestimmt hat, dürfte eine ziemlich genaue Vorstellung davon gehabt haben, was auf ihn zukommt, wenn die Karawane des Wintersports vor seiner Haustür haltmacht“ (Dabei sein ist nicht alles, in berliner-zeitung.de 11.11.2013).

Lisa Hegemann, Handelsblatt: „Nur einer schwieg: IOC-Präsident Thomas Bach. Ihn und seinen Verband haben das ‚Nein‘ der vier Landkreise besonders hart getroffen. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass sich die Bürger eines Landes gegen die Kandidatur stellen. Erst im März hatte sich auch der Kanton Graubünden in der Schweiz gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2022 ausgesprochen. In Graubünden stimmten 53 Prozent der Bürger dagegen. In Bayern fiel die Ablehnung noch heftiger aus: Die Bürger aller vier stimmberechtigten Städte beziehungsweise Landkreise entschieden sich gegen eine Kandidatur“ (Bach geht baden, in handelsblatt.de 11.11.2013)..

Christian Eichler, FAZ: „Möglicherweise haben die rund 1,07 Millionen wahlberechtigten Münchner, von denen 28,9 Prozent ihre Stimme abgaben, und die Bürger in den drei weiteren vorgesehenen Olympia-Orten am Sonntag nicht nur die Frage beantwortet, die auf dem Wahlzettel stand (…) Sondern auch die Frage, ob in einem demokratischen, dicht besiedelten Land wie Deutschland ein solches Weltereignis des Sports mit allen Chancen und allem Charme, aber auch allen Problemen und Polarisierungen noch realisierbar ist. (…) Allerdings war die Zustimmung für die Bewerbung nicht einmal im DOSB selber einmütig. Als einziger Mitgliedsverband hatte der Deutsche Alpenverein, über eine Million Mitglieder stark, nicht für die Bewerbung gestimmt, sondern sich am Tag vor dem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit seiner Mitglieder gegen die Bewerbung entschieden. Er nahm das Votum der Bürger vorweg. Der olympische Traum ist in Deutschland nicht mehr mehrheitsfähig“ (Das Ende des Wintermärchens, in faz.net 11.11.2013).

Björn Hengst, spiegelonline: „Tatsächlich ist das klare Bürgervotum auch angesichts der unterschiedlichen finanziellen Mittel von Befürwortern und Gegnern überraschend: Rund eine Million Euro stand der Pro-Kampagne ‚OJa! München 2022‘ zur Verfügung – nicht nur der Freistaat Bayern, die Stadt München, CSU, SPD und Freie Wähler hatten sich für die Bewerbung starkgemacht, auch der ADAC, Audi, der Halbleiterhersteller Infineon und der FC Bayern München traten als Partner auf. Das Budget der Gegner nimmt sich dagegen mickrig aus: 35.000 Euro konnte „NOlympia“ nach eigenen Angaben für seine Kampagne einsetzen“ (Triumph der Nein-Sager, in spiegelonline 11.11.2013).

Michael Groß, Schwimm-Olympiasieger: „Ich habe im Vorfeld in München schon gemerkt, dass die Gegner des Münchener Olympia-Projekts sehr klug und selbstbewusst argumentierten und sehr präsent auf den Straßen waren. Das sind nicht irgendwelche Spinner, die immer gegen alles sind, sondern Bildungsbürger, die sich ein differenziertes Bild von der Lage gemacht hatten. (…) Die Bayern haben sich also nicht gegen den Sport entschieden – im Gegenteil: Sie hatten Sorge, dass ihre Region und der Sport durch Olympia Schaden nehmen. Und offenbar war das Vertrauen nicht groß genug, dass die Gedanken von Nachhaltigkeit und Ökologie sich im Gigantismus der aktuellen Olympischen Veranstaltungen retten lassen. Wir können in Deutschland stolz darauf sein, dass die Bürger sich mittlerweile so genau überlegen, ob eine Sache wirklich was taugt oder nicht“ (tagesschau.de, „Bayern braucht Olympia nicht“, 11.11.2013).

Jens Weinreich, spiegelonline: „Das Votum reiht sich ein in eine Serie des Protestes gegen sportliche Mega-Events in diesem Jahr: Im März entschieden sich die Bürger des Schweizer Kantons Graubünden gegen eine Olympiabewerbung für 2022. Im Juni demonstrierten Millionen Brasilianer gegen den Investitionswahnsinn Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 in ihrem Land. Das ist zuallererst ein gutes Zeichen für die Demokratie. Sport als Opium für die Bürger? Die Droge wirkt nicht mehr uneingeschränkt“ (Aufstand gegen die olympische Allmacht, in spiegelonline 11.11.2013).

Christian Mayer über die „Münchner“ in der SZ: „Sie wollen bezahlbare Wohnungen, einen sicheren Job und einen Kindergartenplatz möglichst ums Eck. Sie suchen das Glück im Kleinen. Olympia empfinden sie nicht als Chance und Bereicherung, sondern als Risiko und Last. Ähnlich war die Stimmung im vergangenen Jahr, als die Münchner gegen die Erweiterung des Flughafens stimmten. Auch damals haben sie Wachstumsgedanken und Erfolgsmentalität eine Absage erteilt“ (Ein Dorf, in SZ 12.11.2013).
Das ist als Vorwurf gemeint.

12.12.2013:

Stefan Grass, Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden: „Der Grund für das Münchner Nein war ein ‚Antireflex gegen die Machenschaften einer selbstgerechten Gesellschaft des IOC‚ (Bayern sagt Nein, Graubünden jubelt, in der Südostschweiz 12.11.2013).

Gunnar Jans, Abendzeitung: „’Es hat sich gezeigt, dass man sich keine Spiele mehr kaufen kann’, besser als der NOlympia-Sprecher (Ludwig Hartmann; WZ) kann man es nicht formulieren“ (Nach dem Nein für München 2022 – Sportfunktionäre: Die schlechten Verlierer, in abendzeitung-muenchen.de 12.11.2013).

Franz Beckenbauer:  „Ich bin mir nicht sicher, ob man zukünftig immer das Volk befragen sollte. Früher hat es auch ohne Bürgerentscheide Großereignisse gegeben. Die Gegner sind eben immer aktiver. Die gehen alle zur Wahl hin und nehmen noch ihre Großmutter mit“ (Beckenbauer: Nicht mal Fußball-WM 2496, in merkur-online 12.11.2013). – „Olympia ist für mich ein Geschenk. So eine Chance hat man nur alle 50 Jahre, wenn überhaupt. Die Münchner, die Bayern, haben das in meinen Augen verschlafen,m und ich bin mir sicher, dass sie das noch bereuen werden. (…) Es wird gerne gesagt, die Knebelverträge seien nicht akzeptabel, ich bin mir aber sicher, dass 90, nein, 95 Prozent derer, die von Knebelverträgen reden, nicht mal wissen, was das ist“ (Kerber, Matthias, Beckenbauer zu Olympia-Gegnern: ‚Das werden Sie noch bereuen’, in abendzeitung-muenchen.de 12.11.2013).
Hallo Herr Beckenbauer: Link zu Host City Contract; Link zu Gutachten Prof. Manssen; Link zu Gazprom und Beckenbauer.
(Beckenbauer zu den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der Fifa-WM 2022 in Katar: „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen“ (Beckenbauer: Verstehe Kritik an Katar, in focus.de 4.11.2013).

Thomas Kistner, SZ: „Denn das Nein zu München richtete sich ausdrücklich nicht gegen den Sport oder Olympia generell, wie es die Gegner vor und nach der Abstimmung darlegten. Sondern im Kern gegen das IOC und die Art, wie der globale Spitzensport heute geführt und vermarktet wrd. (…) Das Glaubwürdigkeitsdefizit reicht tief in die nationale Sportpolitik hinein. Das dürfte zur größten Hypothek für den organisierten Sport aus dem München-Desaster werden“ (Und nicht mehr in meinem Hinterzimmer, in SZ 12.11.2013).

Gunter Gebauer, Sportphilosoph, FAZ: „Es ist eine Sache, den Sport zu lieben und ihn auszuüben, in die Berge zu gehen, Ski zu fahren, sich an der Landschaft zu erfreuen. Und es ist eine ganz andere Sache, wenn große Maschinen anrollen und die Berge abhobeln, wenn Journalisten aus aller Welt einfliegen und ein Weltspektakel veranstalten. Die Olympischen Spiele haben mit Sportliebe gar nichts zu tun. Man möchte Mega-Events schaffen“ (Hecker, Anno, „Olympia in den Händen von Barbaren“, in faz.net 12.11.2013).

Anno Hecker, FAZ: „Wenn sie also nein sagen zu Olympia, dann muss es triftige Gründe geben. Ihre Ablehnung geht weit über die Sorge um die Natur hinaus. Sie zielt direkt auf die Herrn der Ringe, auf die Weltregierung des Sports. Das ist das Erfreuliche an einem Bürgerentscheid. Die Menschen haben, anders als in Russland und in China, die Freiheit, dem IOC per Volksbefragung mal die Meinung zu sagen: So nicht! Und dabei sind sie nicht auf eine Propaganda der Olympiagegner hereingefallen, wie die deutsche Sportführung glauben machen will. So viel Mündigkeit darf man dem Wähler schon zutrauen“ (Kopfloser Sport, in faz.net 12.11.2013).

Andreas Rüttenauer, taz: „Abgewatscht: Die deutschen Freizeitsportler haben sich von den Spitzenverbänden emanzipiert. Der Deutsche Olympische Sportbund ist ratlos. Ratlos wirkten die Vertreter des organisierten Sports nach der Riesenwatschn, die ihnen die bayerische Bevölkerung verpasst hatte. Die werden sie noch lange spüren im Deutschen Olympischen Sportbund. (…)Der Sport braucht Olympia nicht. Das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis aus diesem für den DOSB so niederschmetternden Votum vom Sonntag“ (wer braucht schon Olympia, in taz.de 12.11.2013).

Thomas Kistner, SZ: „Das Glaubwürdigkeitsdefizit reicht tief in die nationale Sportpolitik hinein. Das dürfte zur größten Hypothek für den organisierten Sport aus dem München-Desaster werden. (…)Die Arbeit im DOSB wird nicht einfacher werden. Beim Bundestag am 7. Dezember wird Alfons Hörmann als Interims-Nachfolger für Bach an der DOSB-Spitze installiert. (…) Abzuwarten bleibt, ob Hörmann im neuen Umfeld ein Profil entwickeln kann, das ihm bisher nicht zu eigen war. Auch am Abend nach der Wahl hinterließ er einen farb- und ratlosen Eindruck, im Bayerischen Fernsehen verteidigte er die allseits als Knebelverträge empfundenen Veranstalter-Kontrakte des IOC so stur und trotzig, dass ihm sogar ein Verbündeter in die Parade fuhr: Christian Ude schlug sich demonstrativ auf die Seite des Olympia-Gegners Ludwig Hartmann und rügte die olympischen Vertragswerke. Münchens Oberbürgermeister hatte dafür ja vor Jahren bereits den Begriff ‚Zumutung’ geprägt“ (Wie das IOC die Menschen verprellte, in sueddeutsche.de 12.11.2013).

13.11.2013:

Christoph Kieslich, TagesWoche: „Argumente wie die Chancen, die solche Mega-Events bieten, die Innovationen und Investitionen, verfangen nicht mehr, weil in freiheitlichen Gesellschaften nicht länger ignoriert wird, dass die Veranstalter der grossen Sportmessen, das IOC und die Fifa, es geschafft haben, mir ihrem Geschäftsmodell das Risiko auf die Ausrichterländer abzuwälzen und den Profit für sich zu monopolisieren. IOC und Fifa sind Organisationen, die nicht mehr nur von kritischen Medien als Hort von Intransparenz, Korruption und Prunksucht verstanden werden. Und dass ausgerechnet in Deutschland die Olympia-Bewerbung Schiffbruch erlitten hat, muss dem neuen IOC-Präsidenten, dem Deutschen Thomas Bach, wie eine Ohrfeige vorkommen – wenn er den eine solche Sensibilität überhaupt noch besitzt. (…) Das Signal, das von München ausgeht, bedeutet: In Deutschland wird es ohne Zustimmung der Bürger künftig keine Olympischen Spiele mehr geben. Die andere Erkenntnis lautet: Im Alpenraum sind auf nicht absehbare Zeit olympische Winterspiele unvorstellbar“ (Das olympische Begräbnis in den Alpen, 13.11.2013).

Barbara Wülser, CIPRA International: „Nur das IOC hat noch nicht gemerkt, dass der Olympische Geist tot ist. Die Funktionäre reiben weiterhin fleissig an der Lampe und versprechen dem Geist einen Haufen Geld, auf dass er herauskomme und den Menschen Sand in die Augen streue. Wenn das nicht funktioniert, so wie in den Alpen im März 2013 in Graubünden und jetzt im November in München, haben sie immer noch einen Plan B: Sie lassen sich von Autokraten bestechen und vergeben die Spiele in totalitär regierte Länder, wo die BürgerInnen nichts zu sagen haben“ (Standpunkt: Aufgeklärte Olympiafreie Alpen, cipra.org 13.11.2013).

Alexander Maguier in Cicero: „Sportfunktionäre sind nach dem Olympia-Entscheid mächtig sauer auf den Pöbel – und haben diesen mit teils deftigen Schimpfworten bedacht. Dabei sollte man den Münchnern dankbar sein, dass sie uns diesen Mafia-Zirkel ersparen. (…) Aber zumindest Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, sollte standhaft genug sein, um endlich aus seiner Partei auszutreten. Der Mann ist nämlich Gründungsmitglied der Grünen. Und niemand anderem als den bayerischen Grünen ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Verschwendung von Steuergeldern in olympischem Ausmaß rechtzeitig verhindert wurde. Und zwar, wie es sich gehört: an der Wahlurne“ (Sie wollten sich nicht verarschen lassen, in Cicero 13.11.2013).

Peter Springer, Leserbrief: „Die (Ex-)Bosse des FC Bayern sind schon eine bemerkenswerte Combo: Einer bezichtigt die Olympia-Gegner der Dummheit, zieht nach Österreich und zahlt in Deutschland keine Steuern (und kann sich damit leicht für Olympia einsetzen, seine Steuergelder sind’s ja nicht), einer schmuggelt komische Uhren und einer hinterzieht Steuern. Toll!“ (merkur-online 13.11.2013).

Werner Lutz, Leserbrief: „Ergänzend möchte ich zu Steuerflüchtlingen wie Höfl-Riesch & Co. noch folgendes anmerken: Schon seit Kindes- und Jugendalter wird Madame Höfl-Riesch über die Sportförderung von unseren Steuergeldern mitfinanziert. Außerdem wird das ganze System über Sponsoren aufrecht erhalten. Aber genauer betrachtet, sind nicht diese großzügigen, wohlmeinenden Konzerne die tatsächlichen Geldgeber, sondern wir als Produktkäufer und Verbraucher. Bei diesen Unternehmen sind die Werbeetats und Sponsoring in der Produktkalkulation enthalten. Ohne diese Ausgaben wären die Produkte für uns um einiges billiger. Also sind wir als Kunden die wahren Sponsoren. So einfach ist das. Und nun dürfen sich die Olympia-Gegner von Leuten wie Höfl-Riesch, die aus lauter Dankbarkeit ihre Steuern nicht in Deutschland bezahlen, sondern in Österreich, noch auf unflätigste Weise beleidigen lassen“ (merkur-online 113.11.2013).

Peter Kleimeier, Leserbrief: „Interessant ist, dass alle wichtigen Politiker und Honoratioren dafür waren. Beunruhigend, denn sie verstehen ihr Volk nicht mehr. Olympia war mal toll, aber das war im vergangenen Jahrhundert. Heute ist es eine seelenlose Veranstaltung, in der Sportreporter versuchen, fehlende Begeisterung durch lautes Geschrei zu ersetzen“ (Berlin, SZ 13.11.2013).

Thomas Hartmann, Leserbrief: „Es wäre ein Paradigmenwechsel darum, weil es diese Bürgerinnen und Bürger satthaben, sich von den gleichen politischen Repräsentanten, die sich an solchen Großprojekten berauschen, zuerst geschönte Kostenrechnungen präsentieren zu lassen, um später erklärt zu bekommen, man habe für andere Investitionen kein Geld“ (Mannheim, SZ 13.11.2013).

14.11.2013:

 Christian Hönicke, Der Tagesspiegel: „Heute wird Bach die verbliebenen Bewerberstädte für die Winterspiele 2022 offiziell vorstellen. Es wäre eine gute Möglichkeit, diese Frage gleich mit zu beantworten. Denn weiter zu schweigen, das wäre keine gute Antwort. Es würde denen recht geben, die sowieso nicht glauben, dass der Verband aus dem Münchner Debakel irgendwelche Lehren zieht“ (tagesspiegel.de 14.11.2013).

Heiner Effern, SZ: „Je größer der Rausch, desto schlimmer der Kater… Besonders anfällig für Drogen erwiesen sich zuletzt die Garmisch-Partenkirchner: Sie konsumierten ihr spezielles Rauschmittel, das Wintersport-Event, exzessiv in Form einer Ski-WM und zweier Olympiabewerbungen. Der nun herrschende Kater ist deshalb mindestens weltmeisterlich. Als Vorleistung haben die Garmischer ihr Skigebiet modernisiert und sich dafür so verschuldet, dass zwischendurch der Haushalt wackelte… Sozialwohnungen: zum Großteil verkauft für die Skigebietssanierung… Vom Gewinn der gelungenen Ski-WM 2011 zockte der Deutsche Skiverband den Großteil ab. Dazu kommt jetzt die Niederlage im Bürgerentscheid für 2022“ (SZ 14.11.2013).

Dr. Dieter Spieß, Leserbrief: „Oh doch, wir haben die Chance ganz genau erkannt, vor allem haben wir erkannt, für wen dies eine Chance ist und wem nur die nachfolgenden Lasten bleiben… Und was Herrn Beckenbauer betrifft, der meint, uns alle für dumm erklären zu müssen: Ihm, scheint mir, geht es dabei wie dem Geisterfahrer auf der Autobahn, der meint, alle anderen seien Geisterfahrer. Es ist tragisch mitanzusehen, wie ein ehemals exzellenter Libero nur noch das eigene Tor trifft“ (Grassau, SZ 14.11.2013).

Friedhelm Buchenhorst, Leserbrief: „Seltsam verdrehte Denkschleifen äußern die Olympia-Befürworter jetzt, indem sie nach der ‚Schuld‘ für den Ausgang des Bürgerentscheides fragen. Da ist plötzlich von einer ’schweigenden Mehrheit‘ die Rede, deren Interessen durch ihr Fernbleiben von der Abstimmung auf der Strecke bleiben, oder davon, schon in der Schule ein Bewusstsein für politische Beteiligung zu fördern. Als ob der positive Ausgang des Bürgerentscheides ein Ausdruck von Dummheit sei! Und als ob nicht gerade politische Bildung eher gegen Olympia spricht als dafür!“ (Grafing, SZ 14.11.2013).

Christoph Süß, Quer, Bayerischer Rundfunk: hier

15.11.2013

Thomas Bach, IOC-Präsident: „Ich bin eher enttäuscht und besorgt, dass es in unserem Land möglicherweise in weiten Teilen eine gewisse Mutlosigkeit gibt, wichtige Zukunftsprojete konsequent anzugehen. Dies ist beim Bau von Flughäfen, Straßen und Bahnhöfen teilweise zu beobachten. Durch den Fall München gehört jetzt auch die Durchführung von Olympischen Spielen dazu“ (dpa, München-Aus: Bach „enttäuscht und besorgt“, in merkur-online 15.11.2013; Hervorhebung WZ).
Berliner Großflughafen, Stuttgart 21, Elbphilharmonie – aber NICHT München 2022…

Ludwig Hartmann, der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag und Nolympia-Sprecher, warf Bach „gnadenlose Selbstüberschätzung“ vor: „Dass die deutliche Mehrheit der Menschen in den möglichen Austragungsorten gegen die Winterspiele vor ihrer Haustüre war, hat unmittelbar mit dem IOC und dessen in Teilen sittenwidriger Vertragsgestaltung zu tun – und überhaupt nichts mit Mutlosigkeit… Wenn die Bürgerinnen und Bürger der Meinung sind, sie brauchen einen Tunnel, eine Bahnlinie oder eine Ortsumgehung, dann werden sie das jeweilige Projekt auch unterstützen. Sie erhalten dann etwas Bleibendes – und kein olympisches Strohfeuer, in dessen Glanz sich vor allem auch Funktionäre wie Bach sonnen wollen“ (PM Bündnis 90/Die Grünen, Selbstüberhöhung des IOC, 15.11.2013).

Reinhard Schüssler in der WAZ: „Es war ein starkes Zeichen. Ausnahmsweise mal aus einem Bundesland, das gewöhnlich eher peinliche Signale sendet. Mit der Verhinderung der Münchner Olympiabewerbung für die Winterspiele 2022 sind die Bürger in Bayern mehrheitlich selbstbewusst und mutig gegen die Allianz von Politik, Sport und örtlichen Medien aufgestanden. Bei denen, die es angeht, ist die Botschaft freilich nicht angekommen. Erwartungsgemäß… Erst wenn auch andere potenzielle Ausrichter erkennen (und die Konsequenz daraus ziehen), dass die olympische Idee zu wertvoll ist, um sie der Profitgier und dem Gigantismus samt Umweltzerstörung auszuliefern, wird das Zeichen von München nicht nur als kleines Störfeuer, sondern als Meilenstein in die olympische Geschichte eingehen. Also vermutlich nie“ (Thomas Bach und das IOC können unbesorgt sein, in derwesten.de 15.11.2013).

Oliver Welke, ZDF, Heute-Show: hier

16.11.2013

Franz Kotteder, SZ: „Wenn es aber darum geht, den Flugverkehr zu begrenzen oder sich einem Internationalen Olympischen Komitee zu unterwerfen, das von einer breiten Öffentlichkeit als korrupt empfunden wird, dann sieht mit einem Mal alles anders aus. Beim Bürgerentscheid sieht der Wähler die Möglichkeit zu korrigieren – und tut das dann auch.  Man könnte das durchaus Mut zur Veränderung nennen, vielleicht sogar Fortschritt. Zumindest aber verrät es ein gewisses Selbstbewusstsein: Die Münchner lassen sich ihre Visionen eben nicht so einfach von oben vorschreiben“ (Was ihr wollt, in SZ 16.11.2013).

Thomas Hauser in der Badischen Zeitung: „Gerade die Olympischen Spiele sind zum Symbol für gigantische Inszenierungen geworden, bei denen meist nur das Internationale Olympische Komitee profitiert, die ausrichtenden Orte aber zur Fernsehkulisse verkommen und ihre Bürger zu zahlenden Claqueuren. Drängte es München 1972 noch, ein weltoffenes und liberales Deutschland zu präsentieren, so würden viele dort ihre Stadt heute gerne verstecken, damit nicht noch mehr Zugereiste den Wandel vorantreiben – und die Preise weiter steigen lassen“ (Die Kunst, zuhause zu sein, in badische-zeitung.de, 16.11.2013).

Iris Hellmuth im Hamburger Abendblatt: „Mag aber auch sein, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem sich die Bürger immer schlechter für dumm verkaufen lassen – vor allem von internationalen Männersportbünden, die seit Jahrzehnten in gewohnter Selbstherrlichkeit nationales Recht aushebeln und finanzielle Risiken auf Staaten und damit ihre Bürger übertragen. Aber damit nicht genug: Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar werden Arbeitskräfte wie Sklaven gehalten, immer wieder sterben Menschen auf WM-Baustellen. „In jedem Land kann es geschehen, dass es Todesfälle auf Baustellen gibt“, war der lapidare Kommentar des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter dazu. Ach klar, wollte man ihm in dem Moment zurufen, lieber Sepp! Das sind eh nur Menschen, ertrinken doch auch jeden Tag im Mittelmeer! Das Nein der Bayern zu Olympia ist kein biedermeierlicher Rückzug in die eigene Komfortzone – es ist ein Warnschuss Richtung Fifa und IOC: Wenn es so läuft wie in der Vergangenheit, dann wollen wir eure Kommerzfestspiele nicht. Könnt ihr ja demnächst wieder irgendwelchen Scheichs oder Despoten andienen, aber bei uns ist für so viel korrupte Arroganz kein Platz“ (Olympia? Nicht in einer freien Stadt, in abendblatt.de 16.11.2013).

Der Freitag: „Alle haben sie verloren! Alle Großkopferten und die Medien! Alle wollten OlympJA! Beckenbauer, Hoeneß, Seehofer, die Kommunalpolitiker in Traunstein und Berchtesgaden. Die Münchner Bürger wollen wohl keinen zusätzlichen Boom, sie wollen endlich ihre Ruhe, vor noch mehr Zuzug, steigenden Preisen, ob bei Wohnungen oder wo auch immer. Die Menschen wissen, dass olympische Prachtbauten, wie das Olympiastadion oder die Olympiahalle in der Landeshauptstadt hinterher über Jahrzehnte hohe Kosten verursachen, mehr als sie später sportlichen Nutzen bringen. (…) Der Rest Deutschlands säße bei Olympia in Bayern ohnehin nur vor dem TV, interessiert sich nicht für steigende Mietpreise, Lebenshaltungskosten oder Hunger- Jobs im Bereich der Gastronomie in den betroffenen Alpen- Gebieten. Dagegen haben die Bürger entlang der Alpen gestimmt- ihr Votum: NOlympia!“ (Olympia 2022: Watschn für Politiker und Medien, in freitag.de 16.11.2013).

17.11.2013

Andrea Masüger, Schweiz am Sonntag: „Vor diesem Hintergrund entpuppt sich der Bündner Entscheid als geradezu progressiv. Immerhin stimmten die direkten Austragungsorte St. Moritz und Davos einer Kandidatur zu. In Wien und in München lehnten aber die Direktbetroffenen zum Teil massiv ab, so etwa das Wintersport-Mekka Garmisch-Partenkirchen. Es geht bei der Ablehnung also nicht um Gemeinden wie Almens, Pitasch oder Zillis, sondern um Weltmetropolen wie Wien und München. (…). Auch spielt die politische Gesinnung kaum mehr eine Rolle: In Graubünden wurde der Abstimmungskampf zu einem Streit zwischen Bürgerlichen und Links-Grünen, in Wien hingegen wurde die Kandidatur von der rot-grünen Koalition geplant und massiv propagiert. Man muss deshalb feststellen, dass Olympiakandidaturen in europäischen Demokratien kaum noch getragen werden. Es gibt eine Art Anti-Olympia-Konsens von den ländlichen Gebieten bis zu den urbanen Zentren. Die Gründe sind vielfältig, von der Angst vor Gigantismus und Umweltschäden bis zu einem massiven Misstrauen gegenüber den IOC-Funktionären“ (Olympia geht die Luft aus).
Deshalb: Olympiafreie Alpen!

Friedhard Teuffel in Der Tagesspiegel: „Wer ist eigentlich mutlos? Bürger in Bayern, denen es genügt, dass regelmäßig ein Wintersport-Weltcup bei ihnen vor der Haustür stattfindet sowie ab und zu mal eine Weltmeisterschaft und die auf Olympische Spiele einfach nicht scharf sind? Oder das Internationale Olympische Komitee (IOC), das die Entscheidung der Bayern als hasenfüßig abtut? (…) Die Welt ist groß genug und aus einem Nein zu Olympia in Bayern, Graubünden und Wien mag noch kein großer Trend abzulesen sein. Doch es sind Fragen. Zum einen die, wie attraktiv die Olympischen Spiele überhaupt noch sind. Zum anderen die, ob die finanziellen Risiken zwischen IOC und dem Austragungsort tatsächlich gerecht verteilt sind. Beide Fragen hängen miteinander zusammen. Denn für die Bürger in Bayern sind die Spiele nicht oder nicht mehr attraktiv genug, um sie nach den Bedingungen des Internationalen Olympischen Komitees austragen zu wollen“ (Sind die Olympischen Spiele noch attraktiv? in tagesspiegel.de 17.11.2013).

18.11.2013

Lukas Eberle, Maik Großekathöfer, Jörg Kramer, Conny Neumann, Der Spiegel: „Der Initiative ‚Oja! München 2022‘ stand eine Million Euro zur Verfügung, die CSU, die SPD und die Freuen Wähler machten sich für die Bewrrbung stark, auch der ADAC, Audi und der FC Bayern. in den Münchner S-Bahnen liefen Durchsagen, die die Fahrgäste aufforderten, für Olympia zu stimmen. Es half nichts. Die Allianz der Mächtigen scheiterte an der Zwergenkampagne der Bürgerinitiative Nolympia, das sind rund ein Dutzend Aktivisten mit einem Budget von 35.000 Euro. (…) Olympische Spiel sind allenfalls für den Spitzensport des Ausrichterlandes ein Konjunkturprogramm“ („Zu groß, zu teuer“, in Der Spiegel 47(18.11.2013).
Kleine Ergänzung: Wohl aus Platzgründen hat der Spiegel die Vielzahl von Organisationen nicht erwähnen können, die das Netzwerk Nolympia unterstützten: Von Bündnis 90/Die Grünen über Die Linke und die ÖDP bis zum Bund Naturschutz, den Jugendorganisationen der Grünen und des BN, Mountain Wilderness, Gesellschaft für ökologische Forschung, Naturfreunde, Gregor-Louisoder-Sriftung, Landesbund für Vogelschutz München, attac, Green City, etc.

Thomas Kistner, SZ: “Immer weniger Menschen gehen dem Party-Gedöns des globalen Sportmarketings auf den Leim. Das ist für die Kommerzmaschine eine gefährliche Entwicklung: Funktioniert die quasi-religiöse Überhöhung humaner Premiumprodukte nicht mehr, und dringt der Heldenkult um talentierte Körperleister nicht mehr ins Gros der Wohnstuben, zerbricht der gesellschaftliche Konsens, der den Illusionsbetrieb zusammenhält” (Das IOC und die Hasenfüße, in SZ 18.11.2013).

Michael Vesper zu  Garmisch-Partenkirchen: „Das Ergebnis sei ‚bedauerlich, und man müsse nun ‚in Ruhe analysieren‘, woran es lag  und auch, welche Fehler wir gemacht haben‘. Es dauert aber nicht lange, bis sich sein Ton ändert. Nach ein paar Minuten klingt Vesper wie ein beleidigter Junge, dem der Bengel von nebenan die Lego-Burg zertrümmert hat. ‚Haben Sie mal in Garmisch Urlaub gemacht?‘ fragt Vesper. Es ist seine Art zu sagen, der Ort müsse  mal modernisiert werden. Und die Spiele hätten geholfen. ‚Es gibt kein besseres Konjunkturprogramm als eine Olympiabewerbung. Aber es ist schwer, sich mit rationalen Argumenten gegen eine Stimmung durchzusetzen.‘ Schön doof die Garmischer, so sieht das Vesper“ (Eberle, Lukas, Großekathöfer, Maik, Kramer, Jörg, Neumann, Conny, Pfeil, Gerhard, „Zu groß, zu teuer“, in Der Spiegel 47/18.11.2013).

19.11.2013:

59 Prozent der Deutschen unterstützen die Abwahl von München 2022: Der Sport-Informations-Dienst (SID) ließ vom Nürnberger Marktforschungsinstitut puls eine repräsentative Umfrage durchführen: „Demnach halten es 59 Prozent der Befragten für richtig, dass eine Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt seitens der Bevölkerung in den möglichen Veranstaltungsorten abgelehnt wurde“ (SID, Mehrheit der Deutschen unterstützt Olympia-Nein, in merkur-online.de 19.11.2013).

30.11.2013:

Hans-Peter Krämer, DOSB-Übergangspräsident: „Ich habe immer noch nicht verstanden, warum man dem IOC in Verbindung mit den Verträgen mit Ausrichtern mangelnde Transparenz und Profitgier vorgeworfen hat. Die Verträge enthalten die gleichen Elemente wie bei jeder Fußball-WM oder Leichathletik-WM“ (Mertes, Berthold, auf der Heide, Gert, Hans-Peter Krämer zu München 2022, Sotschi und Doping, in general-anzeiger-bonn.de 30.11.2013).
Traurig genug.

Jörg Schild, Präsident des Dachverbands Swiss Olympic, kritisierte am 29.11.2013 bei „der Versammlung des Sportparlaments in Ittigen bei Bern das Internationale Olympische Komitee (IOK) und den internationalen Fussballverband (Fifa) harsch kritisiert. Sie verantworteten massgeblich die verbreitet negative Stimmung in der Bevölkerung gegen den Gigantismus im Sport, sagte Schild. IOK und Fifa benötigten einen Weckruf, denn etwa mit den Vergaben der Olympischen Winterspiele 2014 an Sotschi und der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar hätten die führenden Verbände dem Sport weiter Glaubwürdigkeit entzogen“ (Wenigstens Bonsai-Olympia, in nzz.ch 30.11.2013).

Dezember 2013:

7000 Kubikmeter Schnee würden für den FIS-Parallelslalom am Olympiaberg am 1.1.2014 benötigt. Für die Schneekanonen war es zu warm – bei 14 Grad plus am 18.12.2013. Der Reporter des Münchner Merkurs, Jörg Köhle, äußerte gegenüber FIS-Renndirektor Günter Hujara: „Kitzbühel hat schon mal Schnee vom Großglockner einfliegen lassen…“ Hujara antwortete: „Ich darf daran erinnern, welche Botschaft die Volksabstimmung in München vermittelt hat… Bestimmt gilt nicht das Motto: Weil man vier Euro hat, muss man zehn Euro rausschmeißen“ FIS-Renndirektor: „Situation ist prekär“, in Münchner Merkur 20.12.2013; Hervorhebung WZ). – „In Alliteration mit dem Olympia-Nein werden wir nicht anfangen, irgendwelche verrückten Dinge zu machen. In dem Umfeld, in dem wir uns derzeit in München bewegen, geht das nicht“ (Neudecker, Michael, Regen frisst Schnee, in sueddeutsche.de 20.12.2013; Hervorhebung WZ).

Heiner Geißler wertete die Ablehnung der deutschen Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2022 durch bayerische Bürger als Kritik am IOC: „Das war keine Ablehnung des Sports, sondern ein Verriss dieses korrupten Altherrenklubs, des Internationalen Olympischen Komitees. (…) In Qatar, wo 2022 die Fußball-WM stattfindet, ist das dieselbe Unmoral. Sportverbände gehen vor den verantwortlichen Leuten in die Knie. Wenn die Bayern sagen, da machen wir nicht mit, weil der Kommerz nicht alles diktieren darf, ist das absolut richtig“ („Charta wird mit Füßen getreten“, in faz.net 28.12.2013).

Robert Kempe im Deutschlandfunk zum Jahr 2013 und den DOSB: „2013 setzte es für den DOSB teils empfindliche Niederlagen. Die sicherlich bitterste: Der Bürgerentscheid über die Olympischen Spiele in München 2022 geht krachend verloren. Alle vier Abstimmungen in Garmisch-Partenkirchen, den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sowie in der Stadt München enden negativ. Ein in dieser Deutlichkeit unerwartetes Ergebnis. Daran änderte auch eine riesige Plakataktion nichts. Olympische Winterspiele in Deutschland dürften mit dem Ergebnis für lange Zeit vom Tisch sein. Thomas Bach ließ daraufhin vom IOC-Thron wissen, dass in München die Mutlosen gesiegt hätten. Der neue DOSB-Präsident Alfons Hörmann witterte in einer TV-Sendung gar Verschwörung: ‚Es wird Fundamentalopposition gegen den Sport gemacht, dass sich die gleichen Gegner gegen Olympia hier in München warmlaufen gegen die Fußball-Europameisterschaft 2024’“ (Kempe, Robert, Verpasste Chance, in deutschlandfunk.de 29.12.2013).

„Nicht dabei sein ist alles“. So nannte der Titel von Katja Riedel in der SZ vom 31.12.2013 zum Jahresausklang: „Am Ende lagen die Olympiaträume am Boden, und die Gegner Olympischer Spiele 2022 in München triumphierten mit einem lauten ‚4:0‘-Johlen. Die Bürger in München, aber auch in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein und in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen gaben am 10. November bei vier Bürgerentscheiden Olympia eine Watschn – und den politischen Entscheidern gleich mit. (…) Auch in den anderen Kommunen des Oberlandes wollte man keinen Zirkus, sondern vor allem eines: seine Ruhe. Hier setzt man inzwischen touristisch längst auf die Faktoren unversehrte Natur, Wellness und Erholung. Die Bilder aus dem russischen Sotschi, wo Bagger und Raupen ganze Landschaften umgruben und planierten, wirkten da vermutlich ebenso abschreckend wie der Inhalt der Vertragswerke, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Gastgeberstädte unterzeichnen lässt. (…) In den fünf Ringen sahen auch die Großstädter wenig Gewinn. Zur IOC-Skepsis gesellte sich wohl das Gefühl, dass München sich schon ohne olympische Wachstumshormone rasant entwickle. Sie hatten Angst, dass Olympia die Immobilienwerte und mit ihnen die Mietpreise zusätzlich anheizen könnte.“

Dmitri Schewtschenko von der „Umweltwacht Nordkaukasus“ zu Sotschi 2014: „Wir gehören dem Widerstand der ersten Stunde an. Unsere Arbeit konzentriert sich auch auf den Schutz der einzigartigen subtropischen Sümpfe und kann letztendlich nur wenig bewirken. Deshalb haben wir uns gefreut, als die Menschen in Bayern erfolgreich Widerstand gegen die Bewerbung für die Olympischen Spiele geleistet haben“ (Henneberger, Kathrin, „Die Kompensation ist ein Bluff“, in klimaretter.info 7.2.2014).

 

top: -9999px;">ch habe immer noch nicht verstanden, warum man dem IOC in Verbindung mit den Verträgen mit Ausrichtern mangelnde Transparenz und Profitgier vorgeworfen hat. Die Verträge enthalten die gleichen Elemente wie bei jeder Fußball-WM oder Leichathletik-WM.GA-Interview mit DOSB-Präsident: Hans-Peter Krämer zu München 2022, Sotchi und Doping | GA-Bonn – Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/interviews/Hans-Peter-Kraemer-zu-Muenchen-2022-Sotchi-und-Doping-article1209190.html#plx2060178722

top: -9999px;">Ich habe immer noch nicht verstanden, warum man dem IOC in Verbindung mit den Verträgen mit Ausrichtern mangelnde Transparenz und Profitgier vorgeworfen hat. Die Verträge enthalten die gleichen Elemente wie bei jeder Fußball-WM oder Leichathletik-WM.GA-Interview mit DOSB-Präsident: Hans-Peter Krämer zu München 2022, Sotchi und Doping | GA-Bonn – Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/interviews/Hans-Peter-Kraemer-zu-Muenchen-2022-Sotchi-und-Doping-article1209190.html#plx861588018

top: -9999px;">Ich habe immer noch nicht verstanden, warum man dem IOC in Verbindung mit den Verträgen mit Ausrichtern mangelnde Transparenz und Profitgier vorgeworfen hat. Die Verträge enthalten die gleichen Elemente wie bei jeder Fußball-WM oder Leichathletik-WM.GA-Interview mit DOSB-Präsident: Hans-Peter Krämer zu München 2022, Sotchi und Doping | GA-Bonn – Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/interviews/Hans-Peter-Kraemer-zu-Muenchen-2022-Sotchi-und-Doping-article1209190.html#plx861588018

 

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