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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Feb 282011
 
Zuletzt geändert am 28.02.2011 @ 16:06

Initiative Transport Europe
info@ite-euro.comwww.ite-euro.com
c/o Iniziativa da las Alps
Postfach 28, CH-6460 Altdorf

an das

Internationale Olympische Komitee
z. Hd. Herrn Jacques Rogge
und alle Mitglieder des Vorstands
Rue de Vidy 9
CH- 1007 Lausanne

Betr.: Die Olympischen Spiele und die Verkehrsproblematik

25.2.2011

Sehr geehrter Herr Rogge,
sehr geehrte Damen und Herren des IOC-Vorstands,

wir wenden uns im Zusammenhang mit den Bewerbungen für die olympischen Winterspiele 2018 an Sie.

Sicherlich ist Ihnen bekannt, dass es in den beiden europäischen Bewerberregionen – Annecy und Garmisch-Partenkirchen/München – einen andauernden Widerstand gegen die Spiele gibt. Anders als manche glauben, wird dieser in der Zivilgesellschaft breit unterstützt. Die Zusammenschau der Argumente legt den Schluss nahe, dass die Problematik gravierend ist und die eigentlichen Ziele der Olympischen Charta durch sie verfehlt oder sogar auf den Kopf gestellt werden.

Die Europäische Verkehrsinitiative (ITE) – ein europäisches verkehrspolitisches Netzwerk mit 47 Mitgliedsorganisationen, von denen viele in den Alpen beheimatet sind – möchte Ihnen einige jener Kritikpunkte verdeutlichen, die mit dem Verkehr zu tun haben. Denn gerade der Verkehrsbereich bringt Herausforderungen mit sich, die leider oft zum massiven Nachteil der einheimischen Bevölkerung angegangen werden.

Dabei liegt es maßgeblich in der Macht des IOC, den eigentlich Frieden fördernden, Völker verbindenden und Vorbilder schaffenden Geist der Olympischen Spiele wiederherzustellen: Denn die Auswahlkriterien für die Bewerberorte, die technischen Handbücher und die späteren Verträge werden vom IOC bestimmt – die Schlüsselrolle spielen also Sie!

Unsere Forderungen:
– Das IOC bekennt sich ausdrücklich zur Alpenkonvention und ihrer Fachprotokolle und agiert in ihrem Sinne. Die begrenzte Umweltkapazität der Berggebiete (begrenzter Raum, instabile Hänge, Empfindlichkeit der Böden gegenüber Bodenverdichtungen, besondere Ausbreitungsbedingungen von Lärm und Luftschadstoffen) wird konsequent berücksichtigt.

– Die Auswahl-Kriterien für die Olympischen Winterspiele werden dahingehend überarbeitet, dass kein zusätzlicher Bau oder Ausbau von Straßeninfrastrukturen für die Olympischen Spiele mehr erfolgt. – Das IOC macht den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Spiele davon abhängig, dass vor, während und nach den Olympischen Spielen in den Gastgeberorten die Immissionsgrenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung und der Lärmschutz-Verordnung eingehalten werden.

– Das IOC macht die Zuschlag für die Austragung der Olympischen Spiele davon abhängig, dass insbesondere für die Berggebiete besondere Anstrengungen zur Reduktion des Straßenverkehrs und zur Verkehrsverlagerung unternommen werden. – Das IOC bekennt sich zu klimaneutralen Spielen: Es macht den Zuschlag für eine Bewerberregion davon abhängig, eine bereits existierende, mustergültige regionale Klimapolitik nachgewiesen werden kann, mit ehrgeizigen Zielen bei der Reduktion von Kohlendioxid (CO2). Kurzfristige, während der Spiele auftretende hohe Immissionen werden durch geeignete Maßnahmen innerhalb der betroffenen Region kompensiert. Die Spiele selbst geben vorbildliche Impulse für langfristige, klimaschonende Mobilitätsangebote.

– Helikopterflüge werden konsequent auf Rettungsflüge, Überwachung durch die Polizei, Flugaufnahmen für die Fernsehübertragungen beschränkt.

– Das IOC schreibt für die Mobilität einen mindestens 70%igen Anteil des ökomobilen Verkehrsmittel an allen Wegen im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen vor. (Ausgenommen sind lediglich Verkehrsströme, die der Rettung zuzuordnen sind.)

– Das IOC und die gesamte „Olympische Familie“ reduzieren die eigene Kfz-Fahrzeugflotte, die für die Spiele zur Verfügung stehen, auf ein Drittel des derzeitigen Fahrzeugbestands.

– Das IOC definiert eine Versorgung auf kurzen Wegen als Ziel. Regionale Produkte müssen uneingeschränkt zugelassen werden, und regionale Produzenten werden am Catering etc. beteiligt.

Die ethische Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die nachhaltige Entwicklung. Das IOC muss sich der Herausforderung stellen, dass die Ressourcen (ökologisch und finanziell) begrenzt sind. Bescheidenere Spiele, mit einer stärkeren Beschränkung auf den Sport als Mittelpunkt, würde die Opposition der Bevölkerung zweifellos reduzieren. Bisher genügt das Reglement des IOC dem nicht. Solange bis die notwendigen Fortschritte bei den Rahmenbedingungen für die Olympischen Spiele erreicht sind, unterstützen wir daher den Widerstand gegen die Winterspiele.

Einer Austragung der Spiele 2018 in den Alpen können wir nicht zustimmen.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Aschwanden, Präsident
Heike Aghte, Vorstand ITE Deutschland

Anhang: Detaillierte Überlegungen zu den Olympischen Winterspielen und der Verkehrsproblematik

Englische Fassung des Briefes

Englische Fassung der Argumente

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