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WBA-Institute

Im Zuge von Greenwashing und Klimaneutralität braucht es natürlich entsprechende Institute, die gegen Geld die ökologischen Persilscheine erteilen. Das sind die von mir so benannten WBA-Institute, wobei das Kürzel für: Wir Berechnen Alles steht.

So rechnete das Institut für Energie- und Umweltforschung IFEU in Heidelberg die Ökobilanz von Getränkedosen besser als die von Glasflaschen. Auftraggeber waren die größten europäischen Getränkedosenhersteller, die völlig unrealistische Annahmen vorgaben und sofort nach Erscheinen der Studie verkündeten: „Die Getränkedose ist grün.“ Die Deutsche Umwelthilfe erreichte schließlich Ende August eine Unterlassungserklärung: Das „Forum Getränkedosen“ darf nicht mehr behaupten, dass die Getränkedose eine umweltfreundliche Verpackung und ökologisch konkurrenzfähig mit der Mehrwegflasche sei.

Solche energetischen Vergleichsrechnungen, Klima-Bilanzierungen und ähnliche Rechenkünste kosten natürlich Geld. Und damit bezahlen die WBA-Institute weitere Mitarbeiter, die laufend mehr werden, weil immer mehr CO2-frei und klimaneutral gerechnet und ökobilanziert werden muss. Schließlich schwärmte der deutsche Bundesumweltminister im November 2009 von einem CO2-freien Industriestaat Deutschland. Auch die Alpen können klimaneutral gerechnet werden. Dafür braucht es noch mehr Berechnungen: noch mehr Arbeit für die WBA-Institute.

Für die Berechnung der CO2-freien Winterspiele 2018 in Deutschland hatte diese Rolle (traurigerweise) das Freiburger Öko-Institut übernommen. Andere WBA-Institute rechnen andere Projekte schön.

Diese ursprünglich mit Ökologie-Fragen befassten Institute haben sich damit den Angeboten des Marktes und der Industrie gebeugt: Aufträge, Wachstum, mehr Mitarbeiter, Geld. Mit dem ursprünglichem Auftrag hat das nicht mehr das Geringste zu tun. Sondern mit dem Schönrechnen des ökologischen Desasters. Mit Glattbügeln, Hinbiegen, Verdrängen…

Im Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen 2012  in London ist interessant, dass sich die Bevölkerung anscheinend doch nicht so einfach für dumm verkaufen lässt. Eine Befragung ausgerechnet im Auftrag des IOC-TOP-Sponsors General Electric (GE) vom September 2011 ergab, dass gerade einmal fünf Prozent der UK-Verbraucher an einen grünen Leumund oder eine Reduzierung der Umweltbelastung durch London 2012 glauben. Nur zwölf Prozent der Briten glauben an ein nachhaltiges Olympisches Erbe. GE was not amused, da die eigenen Produkte damit bezüglich Umweltfreundlichkeit unglaubwürdig würden.
Auch für London 2012 stellten die Umweltexperten der diversen Öko-Institute ein grünes Zeugnis aus. So war z.B. Tom Gater des Umweltberatungsinstituts Futerra der Meinung, dass die Spiele Milliarden Menschen die umweltfreundlichen Technologien näherbringen würden (greenbusiness 9.3.2012).

Nachtrag 1: Öko-Institut auch bei Hamburg 2024 dabei
Die Agentur Proprojekt und das Architekturbüro AS&P, die mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen beauftragt sind, „haben ihrerseits das Öko-Institut Freiburg und die Sporthochschule Köln mit der Durchführung eines Umwelt-Screenings und eines Nachhaltigkeitskonzepts unterbeauftragt“ (Position des Zukunftsrats zur Olympia-Bewerbung Hamburgs: Ja oder nein zu Olympia – eine Vertrauensfrage, Hamburg 27.10.2015).

Vergleiche auch: Quo vadis, Öko-Institut?

Quellen:
Deutsche Umwelthilfe
– PM 4.8.2010: Ein Lehrstück an Verbrauchertäuschung: Wie Dosenhersteller Bierbüchsen ökologisch schön rechnen
– PM 1.9.2010: Forum Getränkedosen unterschreibt Unterlassungserklärung
London Olympics fail to convince public of sustainability legacy, in greenbusiness.co 9.3.2012
Weber, Stefan, Kampf um die Dose, in SZ 27.8.2010