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Walther Tröger

Walther Tröger (* 1929) war ab 1961 Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), von 1992 bis 2002 Präsident des NOK und von 1989 bis 2009 Mitglied des IOC.

Walther Tröger war ein eher herkömmlicher Sportfunktionär und stand seinem IOC-Kollegen Thomas Bach kritisch gegenüber. Er beschrieb ihn einmal so: „Ein typischer Fechter, der fintiert und zusticht, wenn niemand damit rechnet“ (Kistner, Juni 2008). Bach hatte im NOK zunächst wenig zu melden und versuchte, über den Deutschen Sportbund (DSB) Einfluss zu gewinnen. Tröger war damals Präsident des NOK und verbat sich bei der Generalversammlung des NOK im Oktober 1996 in Chemnitz „die unfreundliche Übernahme“ durch den DSB.

Tröger scheiterte dann bei der Wiederwahl im NOK 2002, und im Mai 2006 hatte Bach sein Ziel erreicht: DSB und NOK wurden zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vereinigt – mit Thomas Bach als Präsidenten.

Tröger hatte Standpunkte, die in ökologischer und politischer Hinsicht seltsam anmuteten. Bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville etwa wurden die aggressiv betriebene Kommerzialisierung und die Umweltzerstörung stark kritisiert. 20 Europa-Abgeordnete bezeichneten die Winterspiele als „ökologisches Negativbeispiel“. Tröger, damals Generalsekretär des deutschen NOK, griff daraufhin die protestierenden Abgeordneten an (Münchner Merkur 9.1.1992).

Im April 2008, vier Monate vor den Olympischen Sommerspielen in Peking, wurde der Menschenrechtsaktivist Hu Jia zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Amnesty International prangerte Peking an, das versprochen habe, die Menschenrechtslage vor den Olympischen Spielen zu verbessern. Tröger warnte in diesem Zusammenhang Sportler, gegen Chinas Tibet-Politik zu protestieren:

„Wer in gekennzeichneten Bereichen gegen das Verbot unzulässiger Werbung oder Propaganda verstößt, kann unverzüglich und nach Prüfung des Einzelfalls ausgeschlossen werden … Selbstverständlich steht ihm frei, an den Spielen nicht teilzunehmen, wenn er nicht bereit ist, die Regeln anzuerkennen“ (Falksohn u.a., n-tv, Wikipedia).

Im April 2009 hatten sechs ehemalige dopingbelastete DDR-Trainer, die nun für den Deutschen Leichtathletikverband arbeiteten, eine Erklärung zu ihrer früheren Tätigkeit abgegeben. Tröger nannte die DDR-Dopingvergangenheit von noch heute aktiven Trainern „irrelevant“ und „vergeben“ (WDR 6.4.2009).

März 2015: Aufschlussreich ist ein Interview mit Tröger in der Berliner Zeitung
Zu den misslungenen Bewerbungen München 2018 und München 2022 äußerte Tröger: „Es kann doch nicht angehen, dass die Mehrheit einer Minderheit der Stimmberechtigten die eigentliche Mehrheit, von der ich sicher bin, dass es sie gab, überstimmt. Hier sind, und das habe ich meinen Kollegen auch gesagt, gravierende Fehler gemacht worden. Man hat zugelassen, dass ein Mann mit einem Wort, nämlich „Knebelverträge“, über die Dörfer zieht und die Leute auf seine Seite, die Anti-Seite, zieht. Und niemand ist dagegen aufgetreten und hat erklärt, dass es gar keine Knebelverträge gibt“ (Hettfleisch 9.3.2015).
– Zur von Tröger behaupteten Beeinflussung der großen Menge durch kleine Gruppen: „Natürlich, weil die große Menge nicht informiert, vielleicht auch nicht interessiert ist. Das haben wir doch in der Politik mit Pegida und anderen genauso. Da muss man eben dagegen arbeiten. Und wir, der Sport, können das eigentlich besser als die Politik. Weil wir in unseren Reihen, wenn die Entscheidung mal getroffen ist, keine Opposition haben“ (Ebenda. Die NOlympia-Bewegung setzt Tröger also gleich mit Pergida).
– Zu den steuerlichen Vergünstigungen für das IOC: „Die gibt es nur in der Schweiz, nicht im Ausrichterland. Das hat das IOC immer so gehandhabt – ganz im Gegensatz zur Fifa“ (Ebenda). Das ist nun völlig falsch: Sowohl Fifa wie das IOC oder inzwischen auch die Internationalen Sportverbände fordern Steuerbefreiung im Gastgeberland, siehe Host City Contract. Auch der Veranstalter des Golf-Ryder-Cups fordert von der Gastgebernation eine Steuerbefreiung (Bensiek, Arne, Deutschland bewirbt sich mit Brandenburger Golfplatz, in tagesspiegel.de 10.3.2015).
– Zur IOC-Agenda 2020 fragte Hettfleisch, wieviel der Vorschläge Tröger denn davon bekannt waren. Die interessante Antwort: „So gut wie alle. Und ich habe meiner Kollegin Claudia Bokel auch zunächst gesagt, dass ich vom Ergebnis enttäuscht war, worüber sie wiederum enttäuscht war“ (Ebenda).
– Zur Bewerbung um Olympische Sommerspiele 2024 sagte Tröger: „Lassen Sie es mich so formulieren: Wenn die Wahl auf Hamburg fällt und die Bewerbung gut ist, wäre der Name ganz sicher kein Makel. Es wird dann die deutsche Bewerbung sein. Da weiß man auf der ganzen Welt, salopp gesagt: In Deutschland stemmt die Spiele zur Not auch die Wach- und Schließgesellschaft“ (Ebenda. Der Inhalt spricht für sich).

Nachtrag 1: Tröger fand ein ganz wichtiges Argument für die Bewerbung Hamburgs um Olympische Sommerspiele 2024:
“Hamburg ist eine Shopping-Stadt par excellence. Das muss dem IOC und seinen Frauen klar gemacht werden” (Kauflust der Frauen soll Olympia-Zuschlag bringen, in welt.de 26.10.2015).
In Paris und Rom gibt es ja kaum etwas zu kaufen…

Nachtrag 2: Tröger interpretierte die Niederlage der Bewerbung München 2022: „München ist an der Mehrheit der Minderheit gescheitert. Die Mehrheit war für die Spiele, hat aber nicht abgestimmt. Die anderen waren nur lauter“ (Gratisausgabe Bild-Zeitung zuir Bewerbung Hamburg 2024, November 2015).
Wenn man an die S-Bahn-Durchsagen, die ganzseitigen Anzeigen des FC Bayern, die 12.500 Plakatständer mit jeweils vier Plakaten der Befürworter von München 2022 denkt, ist das eine ziemliche Unverschämtheit Trögers. Oder einfach nur undemokratisch.

Quellen:
Ex-NOK-Präsident Walther Tröger hält DDR-Dopingvergehen für ,irrelevant’, in www.wdr.de 6.4.2009
Fahnder beim NOK, in Spiegel 29/1999
Falksohn, Rüdiger, Hacke, Detlef, Lorenz, Andreas, Pfeil, Gerhard, Puhl, Jan Wagner, Wieland, Olympia in Ketten, in Spiegel 7.4.2008
Hettfleisch, Wolfgang, „Die Präsentation von Berlin war die beste aller Zeiten“, in berliner-zeitung.de 9.3.2015
Kistner, Thomas, Der Strippenzieher, in Cicero Juni 2008
Teuffel, Friedhard, Walther Tröger wird 80, in Tagesspiegel 4.2.2009
Tröger droht Olympia-Startern, n-tv
Tröger verteidigt Olympia-Macher, in Münchner Merkur 9.1.1992
Walther Tröger zum 80. Geburtstag, Deutscher Squash-Verband 6.2.2009
Walther Tröger zum IOC-Ehrenmitglied ernannt, in www.handelsblatt.com 9.10.2009
Wikipedia