- Nolympia - http://www.nolympia.de -

Sportpalast-Architekten

Vorbemerkung

Schon im 20., aber erst recht im 21. Jahrhundert gelten Sport-Prestigebauten wie Fußball-Arenen oder Olympiastadien als Symbole für Bedeutung, Macht, Wachstum, für Geld – und für Schulden. Sie werden von weltberühmten Architekten entworfen, deren Reputation mit solch gigantomanen Sportbauten – den so genannten „kühnsten Bauten der Gegenwart“ – wächst. Oder mit den Worten von Enthusiasten ausgedrückt: „Es ist nur recht und billig zu sagen, dass die atemberaubenden skulpturalen Stadien des 21. Jahrhunderts die Äquivalente der mittelalterlichen Kathedralen darstellen“ (Gaines, Jäger S. 103).
Dieser Vergleich ist typisch für die Hybris von Medien und Industrie gegenüber Sport-Großbauten.

Die Sportpaläste sollen also für Modernität, Reputation, Prestige stehen, obwohl sie nach den Sportereignissen wie Olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaften fast nicht mehr genutzt werden und kaum zu verantworten sind.

Denn oft genug müssen für diese Sportpaläste auch in demokratischen Ländern Gebäude und Stadtteile abgerissen und Menschen umgesiedelt werden. Und da das IOC Olympische Spiele häufig an „demokratieferne“ Länder vergeben hat und vergibt – wie in jüngster Zeit an China (Peking 2008) und Russland (Sotschi 2014), werden Sportpaläste dort ohne demokratische Entscheidungen und Strukturen gebaut: mit allen Nachteilen für die Bevölkerung, die Ökologie und die Ökonomie.

Ein vorläufiges Fazit der Sportpaläste könnte sein:
a)  Sportpaläste sollten ursprünglich große Ansammlungen von Besuchern sportlicher, aber auch kultureller und politischer Veranstaltungen aufnehmen können.
b) Autoritäre politische Massenbewegungen bemächtigten und bemächtigen sich der Sportpaläste, die deren Absichten in ihrer Gigantomanie dienten – und dienen.
c) Architekten von Weltgeltung entdecken den umsatzstarken Stadion- und Arenenbau, der nun quasi wertfrei als Architektur für alle Staatsformen zur Verfügung gestellt wird – mit einem „maximalen Gänsehautfaktor“ (Paul Henry, Architekt bei HOK Sport, in Gaines, Jäger S. 103).
d) Die Sportpaläste werden weltweit im Vierjahresrhythmus Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften ökonomisch aufwändigst produziert und nach den Wettkämpfen fast nicht mehr genutzt – mit hohen Folgekosten. Oder sie werden für wenige Wochen Sportereignisse temporär errichtet.

In jedem Fall sind diese gigantischen Sportbauten angesichts Klimaerwärmung und zu Ende gehender fossiler Rohstoffe im 21. Jahrhundert nicht mehr zu verantworten.
Deshalb hat das Thema „Sportpaläste“ mit NOlympia zu tun. Damit soll nicht gegen Moderne Architektur per se argumentiert werden.

Der Sportpalast
Wie die Geschichte zeigt, können Sportpaläste durch ihre Gigantomanie auch ganz anderen und sportfernen Zwecken dienen. Der 1910 vom Architekt Hermann Dernburg erbaute Berliner Sportpalast bot bis zu 10.000 Menschen Platz. Er war zunächst die Bühne für Sportveranstaltungen wie Sechs-Tage-Rennen, Eisschnelllauf, Eishockey, Boxkämpfe etc., aber auch für kulturelle Veranstaltungen. In der Weimarer Republik fanden dort immer häufiger Parteitage und politische Veranstaltungen statt. „Goebbels erkannte früh das propagandistische Potential dieser Halle und bezeichnete sie als ‚unsere Tribüne’. Folgerichtig fanden nach der ‚Machtergreifung’ 1933 kaum noch Sportveranstaltungen statt: Der Sportpalast wurde die Bühne der NSDAP. Und nicht von ungefähr hielt Goebbels am 18. Februar 1943 im Sportpalast seine berüchtigte Rede, in der er zum „Totalen Krieg“ aufrief. In dieser berüchtigten Rede teilte Goebbels dem deutschen Sport in der Hauptsache die Aufgabe zu, Kräfte zu stählen und sie “in der großen Notzeit des Volkes zum Einsatz zu bringen” (zitiert nach Bernett 1976, S. 94).

Ein weiterer Sport-Großbau war neben dem vom Architekten Werner March geplanten „Deutschen Sportforum“ (das spätere Reichssportfeld, vgl. zu den furchtbaren Ereignissen im März 1945 hier) das ebenfalls von March geplante Berliner Olympiastadion für 74.000 Besucher, das im August 1936 eröffnet wurde. Zunächst sollte das Deutsche Stadion für die Olympischen Spiele umgebaut werden. Hitler ordnete „wegen des zu erwartenden propagandistischen Effekts für das nationalsozialistische Deutschland im Oktober 1933 den Bau eines neuen Großstadions am gleichen Ort an… Das Stadionoval ist in etwa an der Ost-West-Achse der von Hitler und Albert Speer geplanten Welthauptstadt Germania ausgerichtet…“ (Wikipedia).

Das Berliner Olympiastadion wurde ab 2000 für die Fußball-WM 2006 bis 2004 nach Plänen von Gerkan, Marg & Partner modernisiert, siehe unten.

Sportbauten und Diktatoren
Autoritäre Regimes brauchen Podien zur Selbstdarstellung: große Hallen, Exerzierplätze, Aufmarschfelder. Monumentale Bauten wie der Sportpalast, aber auch große Sportstadien bieten sich bis heute als Bühne für Propagandazwecke an. Diese modernen Sportpaläste machen diverse Symptome autoritärer und diktatorischer Systeme sichtbar:

– Sie suggerieren durch ihre Größe Macht und Einfluss des Systems.- Zutritt haben nur Ausgewählte und Auserwählte, keine Oppositionellen.
– Schon die Platzverteilung ordnet das Machtgefüge: Die Elite ist nahe dem Vortragenden, Vorsitzenden, Leiter. Die Menge füllt die Ränge: säuberlich sortiert auch durch die Hierarchie bzw. die Platzpreise.
– Der versammelten Masse wird durch ihre schiere Ansammlung Stärke suggeriert; sie erleidet einen gewollten Verlust an Realitätsbewusstsein.
– Gleichzeitig wird der Einzelne unbedeutend. (Der Leitspruch der NS-Volksgemeinschaft lautete nicht von ungefähr: „Du bist nichts, dein Volk ist alles.“)
– Einige wenige haben die Deutungshoheit über Inhalt und Aussagen, über Mikrofon und Kamera.
– Die Übertragungsmöglichkeiten (zunächst Radio, dann Fernsehen) transportieren das im Saal gefühlte Allmachtsgefühl nach außen.

Aus diesem Grund bevorzugen auch heutige Herrscher überdimensionierte Sportbautenn und diktaturfreundliche Großstadien. Nicht nur das IOC bestellt sie, lässt sie bauen, weiht sie ein.

Die Diskussion um China
Die chinesische Regierung engagierte in den letzten Jahren viele renommierte westliche Architekten. Im Jahr 2007 waren bereits 50 deutsche Architekturbüros in China tätig (Erling 15.4.2007). Die dahinter stehende Absicht der Chinesen beschrieb Hanno Rautenberg so: „Sie wollen sich mit der Avantgarde brüsten und ihre Weltoffenheit demonstrieren. Die kühnsten Bauten der Gegenwart, das sollen alle sehen, stehen in Peking“ (Rautenberg 27.3.2008).

Als in China im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2008 der Widerstand in Tibet von den chinesischen Militärs brutal niedergeschlagen wurde, begann eine Diskussion über Architekten und deren Bauten für das chinesische Regime. Kontrovers diskutierte Objekte gab es hier mehr als genug. So baute z.B. das Basler Büro Herzog & de Meuron für die Olympischen Sommerspiele 2008 das Nationalstadion Peking (das so genannte “Vogelnest“) mit 91.000 Plätzen (die nach den Spielen auf 80.000 reduziert wurden), für das 42.000 Tonnen Stahl verbaut wurden. An dessen Entwurf wirkte der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei als künstlerischer Berater mit, der bald unter vielen Repressionen der chinesischen Behörden zu leiden hatte. So sollte er im November 2010 auf eigene Kosten das Gebäude abreißen lassen, in dem sich sein Atelier befand. Ai Weiwei wurde im April 2011 von den chinesischen Behörden an einen unbekannten Ort verschleppt und am 22. Juni unter strengen Auflagen wieder freigelassen.

Einige sehr bekannte Architekten lehnten jede Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung ab. Andere sahen keine Probleme darin, für das chinesische Regime staatstragende Bauten zu errichten. So äußerte Albert Speer: „Für unsere Aufgabe ist es egal, ob an der Spitze ein Diktator, ein Monarch oder eine demokratisch gewählte Regierung sitzt“ (Rautenberg 27.3.2008). Zum „Vogelnest“ und dem von Rem Koolhaas für das chinesische Staatsfernsehen CCTV gebaute Hochhaus sagte Speer abwiegelnd: „Die Olympiabauten sind Architekturdenkmäler und Ausnahmen“ (Erling 15.4.2007).

*

Die jüngsten Monumentalbauten für Sport- und Kulturereignisse (Olympische Spiele, Weltausstellungen etc.) wurden von großen Architekturbüros errichtet. Diese globalisierten ihr Geschäft und bauten internationale Büros auf – mit immer mehr Mitarbeitern. Dies diente auch dem eigenen Ruhm – und der Geschäftsausweitung. Im Fall China spielte plötzlich die undemokratische politische Struktur der staatlichen Auftraggeber keine große Rolle mehr, im Gegenteil. Autoritär strukturierte Regimes sind effizienter in der Durchsetzung großräumiger Bebauungen, von Enteignungen und Umsiedlungen, beim Abreißen gewachsener Strukturen und ganzer Stadtviertel.

Gleichfalls verharmlost wird auch der äußerst zweifelhafte Charakter des IOC als einer der Hauptinitiatoren dieser überdimensionierten Sportarchitektur. Ebenso wenig spielt eine Rolle, was die Sportpaläste kosten, ob sie später weiter Verwendung finden und welche Folgekosten sie verursachen. Im Fall des Pekinger „Vogelnestes“ betrugen die Kosten laut Jacques Herzog rund 316 Millionen Euro (Der Spiegel 31/2008); es verursacht pro Jahr über 10 Millionen Euro laufende Kosten und ist inzwischen weitgehend ungenutzt (Geinitz 31.7.2007; Hungermann 10.7.2011; Wikipedia).

Manchmal sind die Zusammenhänge auch eher banal: „Blatters Bürochefin ist verheiratet mit dem Architekten Charles Botta, der auch auf der Fifa-Webseite dokumentiert ist: Er baut fleißig WM-Stadien, ob in Südafrika oder in Brasilien. Zudem hat seine Baumanagementgruppe den sündteuren Verbandspalast der Fifa hoch oben auf dem Zürichberg realisiert“ (Kistner 2012, S. 29).
Es folgt nun eine kurze, unvollständige Darstellung und Auflistung der in den letzten Jahren gebauten Sportpaläste und Groß-Stadien von den drei bedeutenden Architekturbüros Gerkan, Marg & Partner, Herzog & de Meuron und Albert Speer & Partner.

*

Gerkan, Marg & Partner (gmp), Hamburg
Meinhard von Gerkan (* 1935); Volkwin Marg (* 1936). Gegründet 1965; 500 Mitarbeiter, weltweit neun Büros.

gmp baute drei der zehn Fußballstadien für die Fußball-WM 2010 in Südafrika; Durban kostete umgerechnet 270 Millionen Euro, Kapstadt 420 Millionen Euro und Port Elizabeth 170 Millionen Euro (Läsker 25.65.2010). Die fünf Stadion-Neubauten und fünf komplett umgebauten Stadien stehen nun größtenteils leer, da sie nicht oder fast nie genutzt werden und hohe Folgekosten verursachen (siehe White Elephants). mgp baut auch drei Fußballstadien für die Fußball-WM 2014 in Brasilien, die nach der WM 2014 ähnlich unternutzt sein werden wie die Stadien in Südafrika nach der WM 2010. Es sind die Stadien in Brasilia, Manaus und Belo Horizonte (Czycholl 25.2.2014).
„Hunderte Architekten zeichnen für gmp allein in China“ (Meinhof 15.1.2013). – „Gmp hat Erfahrungen mit Stadionbauten in korrupten Ländern – Aserbaidschan, China, Südafrika“ (Lichterbeck 24.4.2014) – und natürlich Brasilien.
Meinhard Gerkan-Interview im Spiegel:
Der Spiegel interviewte Meinhard von Gerkan im April 2011. Auf die Frage, was Gerkan zu den Vorwürfen der Drangsalierung Andersdenkender durch die chinesischen Behörden sage, antwortete dieser sehr deutlich: „Dieser Vorwurf wird von Ihnen erhoben, jetzt und hier. Das heißt ja nicht, dass ihn auch andere anführen.“ Gleichzeitig lobte er das chinesische Regime: „Noch nie hat es in der Geschichte Chinas so viel Freiheit für das Individuum gegeben.“
Gerkan, Mark und Partner (gmp) bauten von 2007 bis 2010 das Chinesische Nationalmuseum in Peking am Platz des Himmlischen Friedens (gmp setzte sich u. a. gegen Herzog & de Meuron und Foster and Partners durch). Der Spiegel erinnerte deshalb an das Massaker von 1989, bei dem die Regierung tausende Studenten töten ließ und fragte: „Gab es in der Planungsphase Ideen, im Entwurf auf die spezifische Geschichte des Platzes einzugehen?“ Gerkan antwortete: „Nein. Der Platz spielte keine Rolle… Wir sollten ein Museum bauen, das als Schaufenster der 5000-jährigen Geschichte Chinas dienen sollte…“
Die Spiegel-Redakteure gaben nicht auf: „Aber der Platz ist historisch kontaminiert.“ Gerkan konterte: Nach dieser Argumentation müsste man schlussfolgern, dass man auch in Deutschland nicht mehr bauen darf. Deutschland ist insgesamt kontaminiert.“ Und fuhr fort: „Was haben Sie als das angesehenste deutsche Nachrichten-Magazin eigentlich davon, das bekannteste deutsche Architekturbüro mies zu machen? Ihre Fragen sind böswillig.“
Die Spiegel-Redakteure erklärten die drei Haltungen der deutschen Architekten zu China: „… gar nicht in China bauen, nur für private Bauherren arbeiten oder eben auch staatliche Aufträge mit einer gewissen Signalwirkung anzunehmen. Sie sind ein Repräsentant letzterer Haltung, die durchaus umstritten ist.“ Gerkan: „Natürlich! Architekten finden erfolgreiche Architekten nie gut!“
Auf die Bemerkung Gerkans, dass sich das Nationalmuseum von gmp als moderater Bau „in die Umgebung einfügt“, konterten die Spiegel-Redakteure: „Genau das ist doch das Problem. Es fügt sich ein, weil es sich hinter einer alten Fassade totalitärer Architektur versteckt.“
Gerkan erwiderte: „Wenn überhaupt etwas regimeunterstützend ist, dann sind es solche Bauten wie die Senderzentrale von CCTV in Peking.“
Der Spiegel: „Einem Propaganda-Fernsehsender eine moderne Fassade zu schenken, wie es Ihr niederländischer Kollege Rem Koolhaas gemacht hat, so einen Auftrag würden Sie ablehnen?“ Gerkan: „Wir bauen ebenfalls einen Fernsehsender, der ist sogar noch größer. Aber anders. Das Koolhaas-Gebäude ist grauenvoll, unfunktional, stadtbeleidigend, hochmütig.“
Gerkans Beschimpfungen in Richtung Koolhaas sind insofern interessant, als hier konkurrente Vorstellungen von Architektur aufeinander treffen. Es geht Gerkan lediglich um vorgebliche unterschiedliche Formensprache. Interessant ist, dass anscheinend weder Koolhaas noch Gerkan ein Probleme haben, für das totalitäre chinesische Regime das Hochhaus eines staatlichen Fernsehsenders zu bauen: per se dient ein solches Gebäude der Massenpropaganda, der Manifestation der Macht.
(Alle Zitate: Der Spiegel 15/2011).
Im August 2014 wurde Gerkan in einem Interview die Frage gestellt: „Bürger engagieren sich immer mehr für ihre Städte, auch durch Proteste. Braucht die Stadt der Zukunft mehr Bürgerbeteiligung?“ Gerkan antwortete: „Grauenhafte Vorstellung! Die Verantwortung für Steuergelder darf nicht bei Laien liegen“ (Tröster, Christian, Volland, Bernd, „Am Schluss waren alle gegen alles“, in Hamburg – Das Magazin aus der Metropole, 8/2014).

Volkwin Marg sagte im SZ-Interview im Oktober 2014 u. a: „Natürlich sind Stadien Kathedralen. (…) Für den kollektiven Rausch und die emotionale Triebabfuhr in der Unterhaltung. Die Masse, die sich da versammelt, die ist sich selbst Spektakel. Das Entscheidende ist: Masse denkt nicht, Masse fühlt. (…) Es sind diese Stadien, die modernen Kathedralen, in denen die Besucher die bestellte Claqueurmasse für den Fernsehzuschauer sind“ (Herrmann, Boris, Weissmüller, Laura, „Warschau hat jetzt eine funktionierende Stadtkrone“, in SZ 11.10.2014). Zum leerstehenden Cape Town Stadium sagte Marg: „Und jetzt sagen Sie: was für eine Idiotie, das überhaupt gebaut zu haben“! Ich sage: Diese Idee war phantastisch“ (Ebenda). Zum Stadion in Manaus (vier WM-Spiele 2014, danach war Schluss): „Das Leben ist absurd. Wenn Sie sich zum Sterben legen, können Sie sich diese Frage auch noch einmal stellen, ob das Ganze nicht absurd war? (Ebenda). Zum Umbau des Berabéu-Stadions von Real Madrid äußerte Marg: „Real Madrid ist ein Verein, der zeigt, in welchen Dimensionen man dieses Show-Geschäft betreiben kann. Was wir dort machen, ist die Weiterentwicklung der Gattung über die Fußballarena hinaus zu einem komplexen Wallfahrts- und Konsumort rund um die Uhr. Präsident Florentino Pérez hat sich vorgenommen, das Ding total zu modernisieren. Mit Ladenzeile, Panorama-Umgang, Schiebedach. Oben drauf kommt ein Hotel mit Blick auf den Rasen. Warum ich das mache? Es gibt nichts Aufregenderes. Wir sind jetzt beim heiligen Gral angelangt. Und klar ist: Da werden nachher schon alle ihre Mäuler dran wetzen“ (Ebenda). „Die deutschen Architekten hatten bereits bei der WM 2010 und WM 2014 mehrere Stadien geplant“ (WM 2018: Das sind Russlands Stadien, in spiegel.de 1.12.2017).

gmp bauen weltweit Sportgroßbauten, u. a. in
Brasilien: Arena da Amazonia; Estadio Nacional de Brasilia, Brasilia; Estadio Mineirao, Belo Horizonte
China: Bao’an Stadion, Universiade 2011, Shenzen-Bao’an; Century Lotus Sports Park, Foshan; Shanghai Oriental Sport Center, Shanghai; Universiade Sports Center, Shenzen
Deutschland: Commerzbank Arena, Frankfurt/Main; Olympiastadion, Berlin; RheinEnergieStadion, Köln; Sportforum Kiel, Kiel; Stadion der Freundschaft, Cottbus
Indien: Dr. S.P.M. Swimming Pool Complex, New-Dehli; Jawaharlal Nehru Stadion, New Dehli
Lettland: Tennishalle der Jurmala Residenz, Jurmala/Riga
Polen: Nationalstadion, Warschau; Stadion Slaski, Chorzow
Rumänien: Lia Manoliu Stadium, Bukarest
Russland: Multifunktionsstadion Wolgograd, u. a. für Fußball-WM 2018
Slowenien: Joze Plecnik Stadion, Ljublijana
Südafrika: Cape Town Stadion, Kapstadt; Moses Mabhida Stadion, Durban; Nelson Mandela Bay Stadion, Port Elizabeth
Ukraine: Olympiastadion Kiew, Kiew
Usbekistan: Sportpark Tashkent, Tashkent
(Quelle: Webseite gmp)
Nachtrag zum geplanten Umbau des Estadio Santiago Bernabéu von Real Madrid für ca. 400 Millionen Euro:
“Dem kommenden Umbau liegt ein Plan des deutschen Architektenbüros GMP zugrunde, der im Januar 2014 vorgestellt worden war. Demnach soll das Fassungsvermögen auf 90.000 Plätze vergrößert werden und das Stadion eine beleuchtbare Fassade erhalten. Zudem sind im Bereich der Arena ein Luxushotel und ein Einkaufszentrum geplant” (Gericht kippt Stadion-Deal von Real Madrid, in spiegelonline 1.8.2014; Hervorhebung WZ).
Gerkan, Marg und Partner zeichnen auch als Planungsteam für die Bewerbung für Olympische Sommerspiele Hamburg 2024 verantwortlich.

Herzog & de Meuron, Basel
Die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron gründeten ihr Büro 1978 in Basel und beschäftigen derzeit 330 Mitarbeiter an sechs weltweiten Standorten.
Der Auftrag des Nationalstadions in Peking für die Olympischen Sommerspiele 2008 verursachte viel Kritik und eine Diskussion über das chinesische Regime.

Jacques Herzog-Interview im Spiegel:
Anlässlich der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking und des Nationalstadions gab Jacques Herzog dem Spiegel ein Interview. Zum Bau des in der Weltöffentlichkeit stehenden Nationalstadions sagte er: „Nicht der moralisch denkende Mensch, sondern nur ein Idiot hätte sich dieser Chance verweigert… Wir sind uns inzwischen sicher, dass es richtig war, dort zu bauen.“

Sodann verstieg er sich zu der Feststellung, das Nationalstadion habe etwas „Subversives“, „zumindest nicht so leicht Kontrollierbares oder Überblickbares“. Der Spiegel fragte nach: „Ihre Architektur als Akt des Widerstandes? Übertreiben Sie da nicht?“ antwortete Herzog: „Nein, wir sehen das Stadion als Trojanisches Pferd.“
Das Bauwerk als Monument der Subversion: auch eine Art der Verklärung!

Herzog verteidigte die chinesische Regierung: „Auch wir können das Missachten von Menschenrechten in keinster Weise akzeptieren. Wir denken aber, es hat sich etwas in diesem Land getan. Wir sehen einen Fortschritt.“ – „Gerade die letzten paar Jahre konnten wir doch aber einen Aufbruch einer neuen Generation von Künstlern, Architekten und intellektuellen erleben.“ Und weiter: „China ist nicht weniger demokratisch geworden und respektiert auch die Menschenrechte nicht weniger als früher.“
Die Drangsalierung und Verhaftung von Ai Weiwei im Jahr 2011, also drei Jahre später, war Herzog beim Interview nicht bekannt; er konnte sie sich aber wohl auch nicht vorstellen. Auf die Frage kritischer Journalisten, warum die Olympischen Spiele 2008 in Peking abgehalten wurden, wurde auch vom IOC auf vermeintliche Fortschritte verwiesen: Das Regime öffne sich dadurch und werde demokratischer. Aber das war ein Irrtum: Schon direkt vor und kurz nach den Spielen wurden die Repressionen wieder verschärft.

Über die Architekten-Kollegen, die sich weigern, in China zu bauen, sagte Herzog: „Das ist eine weltfremde, auch arrogante Haltung ohne Kenntnis und Respekt vor der unglaublichen kulturellen Leistung, welche das Land kontinuierlich über die letzten 5000 Jahre erbracht hat und bis heute erbringt.“
Die totalitäre Ausrichtung der chinesischen Regierung wird von Herzog mit keinem Wort erwähnt.

Der Spiegel fragte dann: „Aber hätte man Ihren Entwurf angetastet, ihn ästhetisch verdorben, dann wären Sie auf die Barrikaden gegangen?“ Herzog antwortete: „Ja, das ist der Bereich, in dem wir noch gehört werden, wenn überhaupt.“
Herzog würde also Widerstand leisten, wenn der Bauherr, in diesem Fall der chinesische Staat, in die künstlerische Konzeption und damit in die Hoheit des Architekten eingegriffen hätte. Dem politischen System China steht Herzog weitgehend unpolitisch gegenüber.

(Alle Zitate: Der Spiegel 31/2008)

Weltweite Sportprojekte von Herzog & de Meuron u. a. in

China: Nationalstadion für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking („Vogelnest“, 2003-2007)
Deutschland: Allianz-Arena München (2002-2005)
Schweiz: St.-Jakobs-Stadion, Basel (2000-2001)

Albert Speer & Partner (AS&P), Frankfurt/Main
Albert Speer (+ 1933). Erste Bürogründung 1964 in Frankfurt/Main, AS&P 1984; 120 Mitarbeiter, Dependance in Shanghai, temporäre Büros.
Albert Speer bezeichnet sich als Städteplaner, weniger als Architekt. Sein Büro zeichnete z.B. für die Expo 2000 in Hannover verantwortlich und baut unter anderem zwei „Autostädte“ in China: Anting im Norden und Changchun mit 300.000 Einwohnern und 120 Quadratkilometer Fläche (Erling 15.4.2007).

Das Büro organisiert auch Vorbereitung, Bewerbung und komplette Bewerbungsunterlagen für Wettbewerbe und Mega-Events jeder Art. Es führte die (verlorenen) olympischen Bewerbungen Leipzig 2012 und München 2018 durch und lieferte den erfolgreichen Masterplan für die Fußball-WM 2022 in Katar (gekühlte Fußballstadien bei Außentemperaturen von plus 45 Celsius!). Eingeplant wird auch die Konstruktion von Sitzplatz-reduzierbaren und komplett abbaubaren Fußballstadien (Matzig 9.12.2010). (Auch das Olympiastadion für London 2012 soll nach den Spielen von 80.000  auf 25.000 Sitzplätze rückgebaut werden; Gaines, Jäger S. 103).

Albert Speer senior war ab 1937 Hitlers Generalbauinspektor, ab 1942 Reichsminister für Bewaffnung und Munition und gehörte zu den 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess, in dem er zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Albert Speer „junior“ äußerte über seinen Vater: „Und Verehrung? Nein. Aber er war ein guter Architekt“ (Matzig 30.4.2010).

Hier taucht wieder die angeblich unpolitische akademische Architektenleistung auf, deren Würdigung lediglich ästhetischen Kriterien unterliegt und die losgelöst vom politischen Impetus und von moralischen Kriterien gesehen wird. Speer senior war eindeutig der führende NS-Architekt, der nicht nur für monumentale Parteitagsbauten der NSDAP verantwortlich zeichnete. Er war Hitlers Staatsbaumeister, der dessen größenwahnsinnige Ideen in architektonische Pläne und Realität umsetzte.
Im Rahmen der „Welthauptstadt Germania“ plante Speer ab 1937 Monumentalbauten wie die „Große Halle“ mit 315 mal 315 Metern Grundfläche und 320 Meter Höhe, voluminöse Verkehrsachsen und riesige neue Stadtteile. Speers Pläne hätten den Abriss von rund 50.000 Wohnungen und die Umsiedlung von 150.000 Menschen in Berlin bedeutet.
Kann dieser Repräsentant des faschistischen Systems ein „guter Architekt“ sein?
Mit dieser Sichtweise stellt sich die Frage zwischen Diktatur oder Demokratie nicht mehr, siehe Speers Bemerkung vom Anfang, dass es „für unsere Aufgabe“ egal sei, ob sich an der Spitze ein Diktator, ein Monarch oder eine demokratisch gewählte Regierung befinde.
Speer junior im Jahr 2012: „Großereignisse wie Olympia oder Fußball-WM machen das Undenkbare denkbar. Es gibt dann keine Tabus. Feste Termine sind sehr hilfreich, wenn eine Stadt umgebaut werden muss.“ – „Die jungen Leute müssen das Gefühl für Siege und Niederlagen lernen, die Härten und Ausdauer des Sports“ (Smoltczyk 26.5.2012)

Sportprojekte und Sportevents, u. a. in

Abu Dhabi: Fifa Club World Cup 2008/2009
Deutschland: Studie und Rahmenplanung Allianz Arena München (2001), Bewerbung Olympische Sommerspiele Leipzig 2012, Bewerbung und Planung Olympische Winterspiele München 2018 und München 2022; Bewerbung für Sommer-Universiade 2019 in Aserbaidschan (gestoppt; Weinreich 28.4.2015); Bewerbung um Olympische Sommerspiele Berlin 2024 (zusammen mit ProProjekt);
Katar: Bid Book Fifa WM 2022, bis zu acht Fußballstadien für die WM 2022
Innsbruck 2026, Olympische Winterspiele (Weinreich 2.1.2017). „Eine Bietergemeinschaft aus der Firma Pro Projekt AS + P, dem Management Center Innsbruck (MCI) sowie der Firma Solid Event Management und Consulting GmbH prüft  Szenarien, wie dritte Winterspiele in Innsbruch nach 1964 und 1972 möglich wären“ (Datler 6.5.2017).

Nachtrag Juni 2014: Aus einem Beitrag von Falk Jaeger im Tagesspiegel
„Wenn am Donnerstag in Brasilien die Fifa-WM angepfiffen wird, stehen die Deutschen schon als Weltmeister fest – als Weltmeister im Stadionbau. An der Errichtung von sechs der zwölf Spielstätten waren deutsche Architekten und Ingenieure beteiligt. (…) Seit der WM 2006 in Deutschland sind deutsche Architektenteams weltweit gefragt, RKW und HPP aus Düsseldorf, Schulitz aus Braunschweig, allen voran aber von Gerkan, Marg und Partner (gmp) Hamburg/Berlin/Aachen, die inzwischen als Marktführer gelten. Weit über 60 Stadien haben sie entworfen, zwei Dutzend sind realisiert oder im Bau, ob in Europa, Afrika, Nahost, China oder Südamerika“ (Jaeger, Falk, Weltmeister im Stadionbau, in tagesspiegel.de 10.6.2014).
Folgende zwölf Stadien kommen für die Fußball-WM 2014 zum Einsatz: Belo Horizonte/Estádio Mineirao 58.259 Zuschauer, erbaut 1965/renoviert; Brasília/Estádio Nacional 69.432 Zuschauer, errichtet 2013; Fortaleza/Estádio Casatelao 60.348 Zuschauer, erbaut 1973/Umbau 2012; Manaus/Arena da Amazônia 39.118 Zuschauer, Neubau 2014; Recife/Arena Pernambuco 42.583 Zuschauer, erbaut 2013; Rio de Janeiro/Estádio do Maracana, 74.689 Zuschauer, erbaut 1950/Umbau 2013; Cuiabá/Arena Pantanal, 39.859 Zuschauer, erbaut 2014; Curitiba/Arena da Baixada, 38.533 Zuschauer, erbaut 1913/Umbau 2014; Natal/Estádio das Dunas, 38.958 Zuschauer, Neubau 2013; Porto Alegre/Estadio Beira-Rio, 42.9912 Zuschauer, erbaqut 1969/Umbau 2013; Salvador/Arena Fonte Nova, 51.708 zuschauer, Neubau 2013; Sao Paulo/Itaquerao-Arena, 61.606 Zuschauer, Neubau 2014 (SZ 11.6.2014).
Und die meisten sind nach dem 13.7.2014 White Elephants!

Nachtrag Juli 2014:  Stadien als „Emotionsmaschinen“
Aus einem Beitrag von Gerhard Matzig in der SZ über Fußballstadien, die Kathedralen von heute: “… dass moderne Fußballstadien einerseits als Emotionsmaschinen fungieren. Und andererseits: Dass sie mittlerweile tatsächlich wie am Fließband hergestellt werden. (…) Obschon sie stets behaupten, Unikate, ja Baukunst ganz eigener Art zu sein, so haftet ihnen mittlerweile dennoch in einer so fußballgesättigten Epoche wie der unsrigen etwas Massenhaftes an. (…) . Man kommt den Stadien nicht aus. Es sind die großen Versammlungsorte der Gemeinschaft, Kathedralen von heute, Glaubensräume unserer Epoche. es ist beängstigend, wie sich der Bautypus des Stadions durchgesetzt hat” (Matzig, Gerhard, Die Kathedralen von heute, in SZ 11.7.2014). Matzig verweist auch auf den hohen Anteil deutscher Architektenbüros: “Vier davon, in Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Manaus und Brasilia, sind mit Hilfe deutscher Architekten und Ingenieure entstanden oder umgebaut worden. Das Hamburger Architekturbüro gmp (von Gerkan, Marg und Partner) sowie das Stuttgarter Ingenieurbüro sbp (Schlaich, Bergermann und Partner) gehören zu den versiertesten Stadionplanern der Welt” (Ebenda).
Zum Ingenieurbüro sbp: Arbeiten u. a. für Maracana-Stadion/Rio de Janeiro; Fassade Stadion Valencia; Arena da Amazônia/Manaus; Hazza Bin Zayed Stadion Abu Dhabi; Nationalstadion Warschau; Stadion BC Place Vancouver (Quelle: http://www.sbp.de/de)

Nachtrag Oktober 2014: Alte Bekannte.
Und wieder tauchen uralte Bekannte auf: “Der jetzt anberaumte Workshop mit DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank, Geschäftsführer der gescheiterten Münchner Olympiabewerbungen für die Winterspiele 2018/2022 und den Agenturen Albert Speer & Partner und ProProjekt soll Hamburg die Chance eröffnen, sein Konzept detaillierter zu erklären” (Ebenda). – Und bei einer Darstellung des Olympiageländes in Hamburg steht als Nachweis: “Animation Hamburger Olympiagelände: (c) Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp)” (Osadnik, Susanne, Olympia – Stresstest für den Immobilienmarkt, in capital.de 30.9.2014).

Nachtrag 3: Frankfurter Sport-Ausverkauf
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat zum Schnäppchenpreis 15 Hektar in Frankfurt-Niederrad auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn in Erbpacht erworben: für seine neue Zentrale. Das verantwortliche Architekturbüro ist der Sportpalast-Architekt und Frankfurter Albert Speer mit seinem Büro Albert Speer & Partner. Das bedeutet 15.000 Quadratmeter Grund auf 99 Jahre für 6,835 Millionen Euro (Leppert, Georg, Letzter Aufgalopp, in fr-online.de 13.10.2014). „Kritik und Vorwürfe an den DFB und die Stadt Frankfurt aber gibt es weiter. Einer lautet, dass die Stadt das Areal auf der Rennbahn unter Wert an den DFB vergeben habe. (DFB-Generalsekretär Helmut) Sandrock wehrt sich dagegen und sagt: ‚Es waren immer faire Verhandlungen mit der Stadt, aber uns wurde nichts geschenkt‘ (Wittershagen, Michael, Ashelm, Michael, „Fort Knox in Frankfurt“, in faz.net 10.12.2014). Von wegen nichts geschenkt: Das ist ein richtiges Schnäppchen: Pro Quadratmeter für gerade einmal 0,38 Cent im Monat. Sogar das Frankfurter Revisionsamt rügte (Leppert 13.10.2014).

Nachtrag 4: Albert Speer und die Tabus
Albert Speer & Partner war u. a. federführend bei der Bewerbung Katars für die Fußball-WM 2022. Im Folgenden Ausschnitte des Spiegel-Interviews (alle Zitate: Großekathöfer, Maik, Moreno, Juan, „Die waren bei Null“, in Der Spiegel 2/5.1.2015). Speer: „Großereignisse wie Olympische Spiele oder eine Fußball-Weltmeisterschaft machen das Undenkbare denkbar. Es gibt dann keine Tabus.“ Der Spiegel: „Ihr Büro hat den Masterplan  für die Fußball-WM 2022 in Katar übernommen (…) zwölf Stadien in der Wüste, teilweise in Sichtweite, Kühlung auf jedem Sitzplatz, 20 Grad Lufttemperatur im Mittelkreis, selbst bei Außentemperaturen von 50 Grad. (…) Sprachen wir wirklich gerade von Nachhaltigkeit? – Speer: „Ja, aber natürlich. Auch hier stand von Anfang an Nachhaltigkeit im Vordergrund.“ … Der Spiegel: „Sie verstehen also die ganze Diskussion nicht, ob Katar die richtige Wahl war?“ Speer: „Wir Deutschen und auch die Europäer insgesamt werden – global betrachtet – immer weniger und spielen auf der Welt einer immer kleinere Rolle. Die Einzigen, die aber immer dagegen sind, sind die Europäer.“ … Speers Projektplaner Stefan Klos äußerte zu Katar: „Wissen Sie, was bei unserer Präsentation auf der ersten Folie stand? Too hot, too small, too boring. Zu heiß, zu klein, zu langweilig. Wir sagten ihnen, so sehen wir euch – und so sieht euch die ganze Welt. Dieses Image zu ändern, das war die Aufgabe.“ (Ebenda). … Speers geschäftsführender Gesellschafter Friedbert Greif zur Frage, ob eine Vergabe an Katar sinnvoll ist: „Was ist das für eine Frage? Natürlich ist es legitim, dass ein Land wie Katar und damit die arabische Welt die WM bekommt.“

Nachtrag 5: Millionen ür AS&P
Die Bewerbung Hamburg 2024 war für AS&P durchaus lukrativ – im Gegensatz für die Hansestadt. „Denn aus der Wirtschaft kommen von den Sponsoren der Privatinitiative ‚Feuer und Flamme‘ nur 2,4 Millionen Euro. Zwei Posten der Olympia-Rechnung kosten alleine jeweils mehr als drei Millionen Euro. Zum einem das Referendum, das von der Stadt Hamburg bezahlt wird. Zum anderen belasten die Honorare für die Entwicklung der Bewerbungsdokumente von der Arbeitsgruppe Proprojekt/Albert Speer & Partner die Kasse. Sie machen fast die Hälfte der restlichen sieben Millionen Euro aus, die sich die Stadt und der Bund teilen sollten, so die Pläne des Hamburger Senates. Aber der Bund ist nicht willens, zu zahlen. Nicht zum ersten Mal gibt es Diskussionen um die Olympiakosten. Schon mit dem Finanzreport für die geplanten Sommerspiele 2024 an der Elbe war die Bundesregierung nicht einverstanden. Die Hamburger Planer hatten die Zuschüsse des Bundes viel zu hoch angesetzt. Auch damals war ein Nein aus Berlin gekommen“ (Kreuzer, Heinz-Peter, Hamburg muss Kosten alleine tragen, in deutschlandfunk.de 23.3.2016).

Quellen:
Beyer, Susanne, Der unsichtbare Riese, in Der Spiegel 51/2007
Beyer, Susanne, Doerry, Martin, Reinhardt, Nora, „Weltfremd und unglaubwürdig“, in Der Spiegel 15/11.4.2011
Beyer, Susanne, Knöfel, Ulrike, „Nur ein Idiot hätte nein gesagt“ – Interview mit Jacques Herzog, in Der Spiegel 31/2008
Bernett, Hajo, Guido von Mengden – „Generalstabschef“ des deutschen Sports, Berlin 1976
Czycholl, Harald, Gold für Deutschland in Sotschi und Brasilien, in welt.de 25.2.2014
Datler, Markku, Olympia 20926 in Tirol, in diepresse.com  6.5.2017
Erling, Johnny, Albert Speer junior: „Wir sind halbe Chinesen“, in welt.de 15.4.2007
Gaines, Jeremy, Jäger, Stefan, Albert Speer & Partner, Ein Manifest für die Nachhaltigkeit, München, Berlin, London, New York 2009
Geinitz, Christian, Dabei sein war alles in Peking, in faz.net 31.7.2010
Hellmann, Frank, Leere Pracht, in berliner-zeitung.de 25.6.2012
Hungermann, Jens, Ist Olympia kaum mehr als eine große Party? in weltonline 10.7.2011
Kistner, Thomas, Fifa Mafia, Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball, München 2012
Läsker, Kristina, „Ein schöner Hysteriekessel“, in SZ 25.5.2010
Lichterbeck, Philipp, WM in Brasilien: Manaus, ein tödliches Stadion mitten im Dschungel, in zeitonline 24.4.2014
Matzig, Gerhard
– Albert Speer über Größe, in SZ 30.4.2010
– Kathedralen für das Übermorgenland, in SZ 9.12.2010
Meinhof, Renate, Meinhard von Gerkan, in SZ 15.1.2013
Micky Maus in Hitlers Heimkino – Interview mit Albert Speer, in spiegelonline 14.12.2004
Rautenberg, Hanno, Wie viel Moral braucht Architektur? in zeitonline 27.3.2008
Smoltczyk, Alexander, Vater Morgana, in Der Spiegel 22/26.5.2012
„Vorsicht ist ein Vorteil“, in Der Spiegel 51/2007
Webseite zu Herzog & de Meuron: http://deu.archinform.net/arch/291.htm
Webseite zu Gerkan, Marg & Partner: http://www.gmp-architekten.de/
Webseite zu Albert Speer & Partner: http://www.as-p.de/
Weinreich, Jens
– Warum ein autoritäres Regime die ersten European Games ausrichtet, in krautreporter.de 28.4.2015
– Der Überlebenskampf: Olympische Winterspiele, in jensweinreich.de, Blog, 2.1.2017
Wikipedia