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Jacques Rogge

Jacques Rogge (* 1942) ist seit 1991 Mitglied im IOC. Er wurde am 16. Juli 2001 in Moskau zum IOC-Präsidenten gewählt – auf seinen Wunsch in geheimer Abstimmung und nicht per Akklamation – und sagte: „Ich stehe für die Glaubwürdigkeit des Sports. Gegen Doping, gegen Korruption, gegen Gewalt.“ Im Oktober 2009 wurde Rogge ohne Gegenkandidaten bis 2013 wiedergewählt.

IOC-Präsident ohne Korrekturen
Der ehemalige chinesische Sportminister Yuan Weimin warf Rogge im Herbst 2009 in einem Buch vor, die Wahl im Jahr 2001 durch die Lobbyarbeit für die Pekinger Bewerbung 2008 gewonnen zu haben (SZ 20.10.2009). Rogge trat als Lobbyist für Peking auf, und als Gegenleistung wollten ihn die Chinesen bei der Wahl zum IOC-Präsidenten unterstützen. Am 13.7.2001 wurde Peking nominiert, und am 16.7.2001 wurde Rogge gewählt. Thomas Kistner zog 2008 eine Zwischenbilanz:

„Der Zauber dieses Bekenntnisses ist inzwischen verflogen. Rogges diplomatische Statements ähneln immer mehr den Floskeln seines Vorgängers Juan Antonio Samaranch … Samaranchs Horden kriegte er nie in den Griff, und auch die Tibet-Frage hat er kolossal unterschätzt“ (Kistner 6/2008).

2007 erhielten Rogge und das IOC für die negative Informationspolitik des IOC den Journalistenpreis „Verschlossene Auster“.

Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking zeigte sich Rogge völlig überfordert, um es halbwegs freundlich zu formulieren. Er sagte im Interview: „Niemand konnte den Gewaltausbruch am 10. März in Lhasa vorhersehen“ (SZ 31.12.2008). Die Demonstrationen in und um Tibet ließen ihn ungerührt. Er sprach vom unpolitischen Sport und ermahnte die Demonstranten: „Die Leute müssen die Gesetze des betreffenden Landes respektieren“ (Weimer, August 2008). Rogge lobte auch die chinesische Regierung für ihre Bemühungen, das Smogproblem in der Hauptstadt in den Griff zu bekommen (a. a. O.).

Als er schließlich doch Peking aufforderte, die „moralischen Versprechen“ einzuhalten und zur Verbesserung der Menschenrechte beizutragen, wurde er von der Sprecherin des chinesischen Außenministeriums abgekanzelt, das IOC solle sich aus „politischen Angelegenheiten heraushalten“ (Weinreich 10.4.2008). Rogge betonte, dass der Host City Contract nur finanzielle, technische und logistische Kriterien enthalte: „Es gibt keine vertraglichen Aussagen zu Fragen der Menschenrechte“ (a. a. O.). Für Rogge liefen in Peking „großartige Spiele“ (SZ 31.12.2008). Zum Dopingverdacht gegen den Sprinter Usain Bolt aus Jamaika sagte er: „Es ist der ewige und natürliche Verdacht gegen jeden, der eine großartige Leistung zeigt“ (SZ 31.12.2008).

Gebrochene Versprechungen
Rogge ist ein Mann der nicht gehaltenen Versprechungen und Widersprüche. Anfang 2007 sagte er:
„Wir werden genau beobachten, wie sich der Klimawandel auf die drei Bewerberorte auswirken wird. Die voraussichtlichen Schneebedingungen spielen bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2014 eine entscheidende Rolle. Kunstschnee ist keine Alternative, weil der auch nur bis zu Temperaturen von plus sechs Grad anwendbar ist“ (spiegelonline 10.2.2007).

Trotzdem fiel dann fünf Monate später, am 4. Juli 2007, bei der IOC-Tagung in Guatemala-Stadt die Entscheidung zugunsten des subtropischen russischen Ortes Sotschi: Die Temperatur Mitte Januar 2010 betrug dort plus 19 Grad.

Anfang 2010 versprach Rogge, dass Russland mit Sotschi bald „einen Wintersportort von Weltniveau“ besitzen wird, „ohne das einzigartige Ökosystem der Region“ anzutasten (Becker 11.2.2010). Die tatsächlichen Verhältnisse widersprechen dieser Aussage komplett (siehe Sotschi).

Ungebrochener Gigantismus
Die Kostensteigerung bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London von weniger als vier auf 19 Milliarden Dollar (Zimbalist; Stand 2010) kommentierte Rogge nach der üblichen IOC-Floskel: Dies sei durch städtebauliche Investitionen bedingt, die für die nächsten fünfzig Jahre gut angelegt seien. Der Stand Anfang 2012 für die Kosten von London 2012: 36 Milliarden Dollar!
„Jacques Rogge liess sich 2001 unter anderem mit dem Versprechen zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees wählen, dass er dem Gigantismus ein Ende bereite. Seither gab es zum Beispiel die
Sommerspiele 2008, die 40 Milliarden Euro gekostet haben sollen. Und kürzlich wurde in Russland erstmals bestätigt, dass in die Winterspiele 2014 in Sotschi 24 Milliarden Euro investiert werden“ (Geisser 12.2.2012).

Der Sport-Informationsdienst zog 2008 folgendes Fazit zu Rogge:
„Der Flame trat mit dem Ziel an, die Einheit und Unabhängigkeit der olympischen Bewegung zu wahren, den Gigantismus der Spiele zu stoppen und die Zahl der Athleten im Sommer auf 10 000 zu reduzieren. Außerdem wollte er den Sport menschlicher machen und den Kampf gegen Korruption und Doping verstärken. In vielen dieser Punkte musste Rogge Rückschläge hinnehmen. Zwar steht er für die strikteste Anti-Doping-Politik der IOC-Geschichte mit 4770 Tests in Peking, und nie zuvor war das IOC finanziell so gesund wie jetzt (Rücklagen in Höhe von 353 Millionen Dollar), doch der Gigantismus der Spiele ist keineswegs eingedämmt. Stattdessen waren in Peking 11 196 Aktive dabei … Proteste gegen die Menschenrechtssituation im Reich der Mitte ließen das IOC zudem in eine tiefe Krise schlittern … Dazu schwieg Rogge lange Zeit und fand auch danach selten klare Worte“ (SZ 25.10.2008).

Jens Weinreich schrieb dazu: „Jacques Rogge war 2001 mit dem Versprechen angetreten, die Olympischen Spiele bezahlbarer und nachhaltiger zu machen. Auch mit diesem Vorhaben ist er gescheitert. Denn in seiner Ära stehen Athen (Sommer 2004), Peking (Sommer 2008), Sotschi (Winter 2014) und Rio de Janeiro (Sommer 2016) für olympischen Gigantismus. Allenfalls in Vancouver (Winter 2010) und mit großen Abstrichen in London (Sommer 2012) wurde nachhaltig agiert – und selbst in London begann alles mit einer großen Lüge über die Kosten, als die Regierung in der Bewerbungsphase ein entsprechendes Gutachten verheimlichte“ (Weinreich 4.1.2013)

Rogge schlug 2009 die Profisportarten Golf und Rugby als olympische Disziplin vor: Damit gibt es 28 olympische Sportarten.

Rogges Olympische Jugendspiele
Mit den Olympischen Jugendspielen wollte sich Rogge ein Vermächtnis schaffen. Die Idee stammte dabei nicht von ihm, sondern von dem Klagenfurter Industriekaufmann Johann Rosenzopf, der sie in den neunziger Jahren zunächst Samaranch, dann Rogge vorschlug. Diese reagierten erst einmal ablehnend. Rogge teilte dann auf der IOC-Session 2007 mit, dass es Jugendspiele für 14- bis 18-jährige geben würde. Rosenzopf hatte sich 1999 beim Wiener Patentamt seine Idee schützen lassen. Es nützte ihm nur nichts: Die Idee wurde vom IOC genauso abgekupfert wie die der Artiade.

Das Debüt in Singapur 2010 eröffnete er selbst. Die Olympischen Jugendspiele im Winter fanden 2012 in Innsbruck statt. Es handelt sich hierbei letztlich um eine neue Geschäftsidee, einen zusätzlichen Umsatzbringer: noch mehr Fernsehrechte, noch mehr Sponsorengelder, noch mehr Doping bei Jugendsportlern, wie Rogge selbst befürchtet.

Sportführer Rogge
Da Rogge kein eindeutiges Profil abgibt (im Gegensatz zu seinem Vorgänger Samaranch), sollen Aussagen aus einem (vermutlich standardisierten Vortrag) Rogges vom Mai 2010 herausgestellt werden. Der DOSB kündigte ihn zur Veranstaltung am 21.5.2010 übrigens ungeniert als „Sportführer aus Belgien“ an.

Rogge dankte zunächst Karl-Heinz Huba (sport intern) vom Olympischen Club Starkenburg (den Huba mitbegründet hat) für die Ausrichtung der Veranstaltung. Auch hier stellt sich das IOC in Rogges Ausführungen wie üblich als Mischung aus Mutter Teresa, Brot für die Welt und UNO dar.

Rogge: „Sport ist die größte soziale Bewegung der Welt, und es ist unsere Verantwortung, dieses Netzwerk für gute Zwecke zu nutzen.“
Tatsache ist, dass der IOC-Sport nicht sozial ist, sondern ein elitärer Spitzensport mit allen negativen Konsequenzen: Er beansprucht unermessliche ökologische, ökonomische und soziale Ressourcen.

Rogge: „Für uns ist Sport ein Menschenrecht.“
Sport als Menschenrecht ist eine reine Erfindung des IOC. Und damit stellt sich das IOC als die Hüterin dieses vermeintlichen Menschenrechtes dar – der UNO gleichgestellt.

Rogge: „Diese (IOC-)Ziele, die sich auch mit den meisten der Millenniums-Ziele der Vereinten Nationen decken, sind: 1. Beseitigung von extremer Armut und Hunger.“
Diesem Ziel wäre am meisten mit der Abschaffung von IOC und FIFA und des elitären Spitzensports gedient.

Unter Punkt 2. behandelt Rogge „Förderung der Gleichheit zwischen Mann und Frau und Ermächtigung der Frauen.“
Sind deshalb im IOC von 114 Mitgliedern nur 19 Frauen?

Unter Punkt 4 behandelt Rogge die „Nachhaltige Umweltverträglichkeit“.
Wiederum: Am besten wäre der Umwelt gedient, wenn globale Großereignisse wie Olympische Spiele abgeschafft werden.

Unter Punkt 5 geht Rogge auf „Gesundheit der Kinder“ ein.
Warum werden dann Coca-Cola und McDonald’s als TOP-Sponsoren und Exklusivlieferanten eingesetzt?

Rogge: „Wie wir alle wissen, sind es die Mütter, die bei ihren Kindern das Interesse am Sport wecken; deshalb müssen wir sie in die Welt des Sports einbinden.“
Ach so ist das.

Rogge: „Der Schutz der Umwelt gehört zu den wichtigsten Aufgaben der olympischen Bewegung. Neben Sport und Kultur ist die Umwelt die dritte Dimension unserer Aktivitäten … In den letzten fünfzehn Jahren ist das IOC zum führenden Umweltpfleger auch jenseits der Olympischen Spiele geworden.“
Realität ist: Das IOC ist kein Umweltpfleger, und Olympische Spiele zerstören Umwelt. Also muss das IOC so tun, als ob das nicht der Fall ist – mit Placebo-Maßnahmen, mit Greenwashing, mit Ökologischem Blabla. Wiederum: Am besten ist der Umwelt gedient, wenn globale sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele abgeschafft werden.

Rogge: „Vancouver setzte völlig neue Maßstäbe in Sachen Umweltschutz und wird als ‚grünster’ aller bisherigen Schauplätze in Erinnerung bleiben.“
Das würden die (nicht befragten) Ureinwohner anders sehen, denen der Sea-to-Sky-Highway in die Natur planiert wurde. Und die vertriebenen Schwarzbären-Familien. Und die Bergwälder, wo 100.000 Bäume gefällt wurden. Und die mit tausenden Flügen von Sportlern, Helfern, Funktionären, Fans und Material belastete Atmosphäre… (Siehe unsere 18 Gründe gegen Olympia: Vancouver)
Und in Sotschi kommt es noch schlimmer!

Rogge: „Für Vancouver 2010 hat das Organisationskomitee zum ersten Mal die ‚Nachhaltigkeit’ als wichtige Dimension in sein Leitbild aufgenommen.“
Man kann viel aufnehmen, ohne dass etwas besser wird, siehe Nachhaltigkeit.

Rogge: „Angesichts der verbreiteten Fettleibigkeit vieler Kinder, die in den Konsumgesellschaften der Industrieländer aufwachsen, ist dies [die Olympischen Jugendspiele; W. Z.] die beste Art der Bekämpfung der drohenden neuen Pandemie.“
Auch bei Rogges ersten Olympischen Jugendspielen 2012 in Innsbruck werden das Süßgetränk Coca-Cola und der Hamburgerkonzern McDonald’s wieder tüchtig für Werbezeiten und Bandenwerbung zahlen und mit ihren Produkten zur Fettleibigkeit der Kinder beitragen.

Rogge: „So können Behinderte [über den Sport; W. Z.] ihr Handicap überwinden und trotz aller Widerstände ein erfülltes Leben führen.“
Hier gibt es viele Fachleute, die völlig anderer Ansicht sind. Die Paralympics, die bezeichnenderweise die Olympischen Ringe nicht als Symbol verwenden dürfen, stellen diese Handicaps explizit zur Schau. Sportwettbewerbe betonen die Unterschiede zwischen Nichtbehinderten und Behinderten erst recht. (Der Autor dieser Zeilen hat seinen Zivildienst in einer Institution für Körperbehinderte geleistet – und zwar sehr gern – und teilt diese kritische Haltung.)

Rogge: „Wenige Wochen später [nach dem Olympischen Kongress 2009 in Kopenhagen; W. Z.] wurde dem IOC der UN-Beobachterstatus zuerkannt und damit die Macht des Sports als Katalysator des gesellschaftlichen Wandels anerkannt.“
Nachdem es in den Neunzigerjahren mit dem Friedensnobelpreis nicht geklappt hat, spielt das IOC seine Macht aus und geriert sich immerhin UNO-ähnlich – deshalb auch der stete Verweis des IOC auf 205 Mitgliedsländer.

Rogge: „Wie ich schon oft gesagt habe, kann Sport sicher nicht alle Übel der Gesellschaft beseitigen …“
Noch dazu, wo der Sport viele selbst schafft – siehe White Elephants etc.

Rogge: „Das IOC und die Weltgemeinschaft der Sportler können nicht allein die sozioökonomischen Probleme, die immer wieder den Weltfrieden bedrohen, aus der Welt schaffen.“
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Das IOC und die Sportler können nicht allein die sozioökonomischen Probleme aus der Welt schaffen. Dabei tragen sie zu diesen sozialen und ökonomischen Probleme durch ihre pure Existenz bei – siehe Spitzensport-Finanzierung. Zum anderen schaffen die Olympische Spiele des IOC keinen Weltfrieden, sondern verschärfen erst recht nationalistische Tendenzen, siehe Flaggen, Hymnen, Medaillenspiegel.

Rogges menschenfreundliche Statements verlieren noch schneller ihre Bedeutung, wenn man sich den von ihm inthronisierten neuen TOP-Sponsor ansieht. Es ist der Chemie-Gigant Dow Chemical, bekannt als Lieferant vom Kampfstoff Napalm und Entlaubungsmittel Agent Orange im Vietnam-Krieg. Dow Chemical übernahm außerdem 2001 den Chemiekonzern Union Carbide, der 1984 die Katastrophe im indischen Bhopal mit 20.000 Toten und 500.000 zum Teil schwerst Verletzten verursachte. Dow Chemical verweigert seither weitere Entschädigungen für die Opfer, zahlt aber 100 Millionen US-Dollar für die Periode 2012 bis 2022 an das IOC, wo man das Geld dann doch gern nimmt.
Pecunia non olet – Geld stinkt nicht.

Unter Rogges Amtszeit von 2002 bis 2013 haben sich die Einnahmen durch Fernsehen und der weltweiten Sponsoren von 2,3 Milliarden auf 4,9 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Rogge kommentiert dies so: „Unser Ansatz ist nicht mehr kommerziell“ und suggeriert, dass das große Geld eher zum IOC kommt als umgekehrt (Blitz 8.7.2012).

Nachtrag Juni 2012: Derzeit haben Rogge und das IOC den Vorteil, dass Blatters Fifa ein Monopol auf Korruption und Schiebung zu hsben scheint. Das IOC bleibt im Windschatten der Fifa-Skandale, dabei bereitet es auch und gerade unter Rogge immer ginantomanere olympische Spiele vor, siehe London 2012 und Sotschi 2014. Den olympischen Gigantismus hat Rogge nicht abgeschafft, sondern weiter befördert – mit allen ökologischen und ökonomischen Brutalitäten.

Nachtrag Mai 2013: „“Reformversuche hat Rogge seit seinem Amtsantritt 2001 tatsächlich unternommen. Mehrfach ist er krachend am kollektiven Widerstand des Establishments gescheitert. Denn die Verbände haben schnell begriffen, dass sie nur zusammenhalten müssen, um weiter vom olympischen Vermarktungsprogramm zu profitieren und zu überleben“ (Weinreich, Jens,  Wer regiert den Weltsport? Teil 1, Blog 31.5.2013).

Nachtrag Juli 2013: IOC-Präsident verteidigt Fifa und IOC
Jacques Rogge
verteidigte die riesigen öffentlichen Ausgaben für die FußballWM 2014 in Brasilien und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio: Sie würden langlebigen Nutzen hinterlassen “for generations to come” (Wilson, Stephen, Rogge defends spending on Olympics, WCup in Brazil, in apnews.com 10.7.2013). Die ausgegebenen Milliarden würden große Verbesserungen für die Infrastruktur bringen. Rogge: “Die Investitionen dienen den kommenden Generationen, sei es die Metro, sei es die Buslinien, die Verbesserungen der Flughäfen, der Häfen. Das wird der Gemeinschaft für sehr lange Zeit dienen” (Ebenda: siehe die Siemens-Story gleich im Anschluss!).
Ich glaube, dass der Fifa-Weltcup einen großen Auftrieb für die Olympischen Spiele sein werden. Ich glaube, dass der Fifa-Weltcup ein Erfolg wird… Was die öffentlichen Gelder betrifft, ist dies die selbständige Entscheidung jeder Regierung, welche Olympische Spiele durchführt” (Ebenda).
Ob IOC-Rogge das alles selber glaubt?

Nachtrag 1: September 2013, Jacques Rogge tritt ab
Jens Weinreich zufolge ist der scheidende IOC-Präsident gescheitert: Das IOC liefert keinen ordentlichen Finanzbericht ab, seine Kommunikationspolitik ist eine Katastrophe, die Ethikkommission funktioniert undurchsichtig. Rogge wollte bei Amtsantritt gegen Gewalt und Gigantismus antreten, für die Glaubwürdigkeit des Sports und eine Reformierung des olympischen Programms. “Beim Thema Gigantismus und ausufernde Olympiakosten ist er kolossal gescheitert” (Weinreich, Jens, Mit stumpfen Skalpell, in spiegelonline 7.9.2013). Rogges Einführung  der “Olympischen Jugendspiele” (eine geklaute Idee, wie so vieles beim IOC) hat den Gigantismus noch erhöht. Oligarchen (wie der Russe Arkady Rotenberg und Putins Judofreund Marius Vizer, der kürzlich zum Präsidenten der Sport-Weltverbände Sportaccord, früher GAISF gewählt wurde) und Öl-Scheichs (wie der Kuwaiter Ahmad Al-Fahad Al-Sabbah) bestimmen zunehmend den Kurs (Ebenda). Der um das IOC-Präsidentenamt kandidierende Thomas Bach wurde sogar gerade im Spiegel als der “Strohmann” von Al-Sabah bezeichnet (Osang, Alexander, Der Strohmann, in der Spiegel 36/2.9.2013).

Nachtrag 2: zur Wahl von Bach als IOC-Präsident am 10.9.2013
„Er ist seit Samaranch auf die Situation vorbereitet worden“, hatte auch der Scheich vor der Wahl über seinen Favoriten gesagt. Woraus manche im IOC ablesen, dass die Ära Rogge ab 2001 ein Intermezzo gewesen sein könnte. Erzwungen durch die damalige Problemsituation, als das Image des Ringe-Konzerns beschädigt und der belgische Arzt zur Notoperation geholt worden war. Nun brechen neue Zeiten an. Bachs erste Aufgabe dürfte sein, die beschworene Einheit wiederherzustellen“ (Kistner, Thomas, Olympia-Chef von Scheichs Gnaden, in sueddeutsche.de 10.9.2013; Hervorhebung WZ).

Nachtrag 3: Dopingfälle 2002 von Rogge vertuscht
Nach Bericht im schwedischen Fernsehen mit dem Titel “Die heimliche Blutwelt der Skiläufer” ergab die Doping-Analyse von 25 Athleten der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City deutliche Hinweise auf die Verwendung unerlaubter Mittel. Laut der Dokumentation hat der internationale Skiverband FIS damals eine Liste mit 19 Athleten geführt – zwölf Männer und sieben Frauen -, die des Dopings verdächtigt wurden ” (Hinweise auf Doping bei Olympia 2002, in sueddeutsche.de 5.3.2014). Aus einem Kommentar von Jürgen Ahäuser: “Unglaublich, die Blutspur scheint ganz oben im Olymp angekommen zu sein. Für die Beobachter des Sports ist es ein geflügeltes Wort, für niemanden mehr die Hand ins Feuer zu legen. Dass die Vertuschung aber bis in die Spitze des IOC und die Kontrollorgane reicht, macht verzweifelt und sprachlos” (Ahäuser, Jürgen, Blutspur, in fr-online.de 11.3.2014).
Bei den Biathlon-Tests gab es laut dem damaligen Chef des Anti-Doping-Labors in Salt Lake City, Don Catlin, zwei Dopingfälle mit positiver EPO-Analyse: Er äußerte dies in einem Gespräch mit der New York Times. Der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge “soll persönlich dafür gesorgt haben, dass (…) zwei mögliche Dopingfälle aus dem Biathlon-Lager nicht weiterverfolgt wurden” (Schwere Vorwürfe gegen Rogge, in tz.de 10.3.2014). Die Namen wurden nicht bekannt, die Proben im Labor anonymisiert und inzwischen vernichtet; dazu sind die Fälle inzwischen verjährt: Die Verjährungsfrist beträgt zehn Jahre.
Deshalb wird alles erst nach zwölf Jahren bekannt: wieder ein Hinweis auf die gezielte Doping-Vertuschung im Weltsport.
Für den Doping-Experten Prof. Werner Franke ist die Entwicklung nicht überraschend: „Das wundert mich alles überhaupt nicht. Kein Mensch kann ohne die Unterstützung aus Doping-Staaten wie den ehemaligen Sowjet-Republiken IOC-Präsident werden – entsprechend wird auch nach der Wahl gehandelt. Das gilt bis heute“ (Schweigen im Zeichen der Ringe, in fr-online.de 11.3.2014).
Ob Prof. Franke dabei wohl an den amtierenden IOC-Präsidenten gedacht haben könnte?!

 

Vergleiche hierzu: Brasilianisches Tagebuch

Quellen:
Becker, Thomas, Putinsche Dörfer, in SZ 11.2.2010
Blitz, Roger
– McDonald’s Olympic sponsorsgip queried, in ft.com 8.7.2012
– Rogge hits back  over sponsorship criticism, in ft.com 8.7.2012
Der Asket wird noch gebraucht, in SZ 10.10.2009
„Die Kernfrage ist: Traust du den Leuten?“, in SZ 31.12.2008
Geisser, Remo, Euine Portion Wahnsinn nötig, in nzz.ch 12.2.2012
Gestärkt in die letzte Amtszeit, in SZ 10.10.2009
IOC: Jacques Rogge, ein Mann räumt auf, in rp-online 11.2.2005
IOC-Chef Rogge für vier Jahre wiedergewählt, in spiegelonline 9.10.2009
Kein Pakt mit China, in SZ 20.10.2009
Kistner, Thomas
– So korrupt ist das IOC, in Cicero Juni 2008
– Zurück in die gute alte Zeit, in SZ 9.10.2009
– Stiller Urheber sucht Vergleich, in SZ 14.8.2010
Nur eine Gegenstimme, in sueddeutsche.de 9.10.2009
Olympia mit Kunstschnee für Rogge kein Thema, in focus.de 10.2.2007
Rogge als IOC-Präsident bis 2013 wiedergewählt, in focus.de 9.10.2009
Rogge kandidiert wieder, in SZ 25.10.2008
Rogge, Jacques, Sport und Gesellschaftliche Entwicklung, Vortrag 28.5.2010, TU Darmstadt
Weimer, Wolfram, Not und Spiele, in Cicero August 2008
Weinreich, Jens
– Der Ton wird harsch, in sueddeutsche.de 10.4.2008
– Lexikon: Das moralische Versprechen, in spiegelonline-Themen
– Londoner Lüge, in SZ 7.10.2008
– Olympia 2022 in Graubünden: Paradies für Geber und Nehmer, Blog, 4.1.2013
Sponsoren-Milliardär IOC: Geld gegen Image, in zeitonline 21.7.2010
Stimmt die  Chemie? in faznet 21.7.2010
Wikipedia
Zimbalist, Andrew, Is it worth it?, in Finance & Development March 2010