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Planersprache

* Abfallanfall * Benchmarks * Ice-Cluster * Jobmotor Biosphäre * Media Village * Multi-Stakeholder-Initiatve * Snow-Cluster * Stakeholder * Sub Media Centre * Testimonials * Umwelt-Screening * Workforce mit Volunteers * Zwei-Cluster-Konzept …

Das sind alles Begriffe aus dem „Umweltkonzept“ der Bewerbungsgesellschaft München 2018.

Wenn Planer härtere Maßnahmen ergreifen, verstecken sie dies hinter harmlos erscheinenden Formulierungen, die interpretationsbedürftig sind. Alle Zitate sind ebenfalls dem „Umweltkonzept München 2018“ , Stand 9.11.2009 entnommen. (Neuere Versionen weichen nicht gravierend ab.) Die Projektleitung hatten die Deutsche Sporthochschule Köln und – bemerkenswerterweise – oder besser unverständlicherweise – das Öko-Institut Freiburg, das sich damit den Angeboten des kommerziellen Marktes ergibt: Aufträge, Wachstum, Geld. Nur hat das Ganze mit dem ursprünglichem Auftrag Ökologie nichts mehr zu tun: sondern mit schönrechnen, tricksen, hinbiegen

Garmisch-Partenkirchen, Hornabfahrt:

„Bei Übernahme des derzeitigen Planungsstands ergeben sich allerdings für die unteren Pistenabschnitte Überlagerungen mit den angrenzenden Waldflächen … Das gilt ebenfalls für die Zuschauertribünen A2 im Zielbereich, wo zusätzlich noch die Einsehbarkeit des Zielhangs zu prüfen ist“ (S. 20f.).

Wenn sich Pistenabschnitte mit Waldflächen überlagern: schlecht für die Waldflächen. Außerdem ist der Wald zu wenig einsehbar, also muss man abholzen und planieren.

„Aus den vorliegenden Planungsunterlagen geht die Beförderung der Zuschauer zum Zielhang nicht hervor. Fuß- und Fahrstraßen sind nicht gekennzeichnet“ (S. 21).

Frei übersetzt: Sie müssen noch gebaut werden.

Garmisch-Partenkirchen, Hornabfahrt:

„Der gesamte Hang ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. FHH-Gebiete, Vogelschutzgebiete oder gar Naturschutzgebiete sind auch in der Umgebung der Wettkampfstätten nicht vorhanden“ (S. 21).

Frei übersetzt: Ein Landschaftsschutzgebiet stellt heute gar kein Hindernis dar. Und auch bei Naturschutzgebieten würden sich sicher (Bau-)Lösungen finden lassen.

Garmisch-Partenkirchen, Kandahar-Abfahrt:

„Bei Übernahme des derzeitigen Planungsstands ergeben sich am südwestlichen Ende kleinflächige Überlagerungen mit besonders geschützten Biotopen und auch die Einsehbarkeit des Zielhangs ist aufgrund des Waldes fraglich“ (S. 23f).

Frei übersetzt: Die von Plänen überlagerten Biotope müsste man wegbaggern und umsetzen; der Wald behindert die Sicht, also muss abgeholzt werden.

Und das steht in einem „Umweltgutachten“, das korrekt „Umweltzerstörungsgutachten“ heißen müsste!

Garmisch-Partenkirchen, Sub Media Centre:

„Auf einer Fläche von ca. 20 ha soll temporär für die Olympischen Spiele ein Sub Media Centre eingerichtet werden“ (S. 31).

20 ha sind 200 000 m2! Das Projekt ist mittlerweile gestrichen; inzwischen ist ein „Snow Village“ aktuell.

Schönau am Königssee, Ice-Cluster:

„Südlich der Bobbahn sind drei Zuschauertribünen vorgesehen, die auf Basis des Orthofotos im Bereich des Waldes liegen. Aufgrund der größeren Flächen ist nicht davon auszugehen, dass es sich hierbei um die Rodungsflächen handelt, die im vorliegenden Textteil des Bebauungsplans zum Ausbau der Bobbahn enthalten sind“ (S. 33).

Frei übersetzt: Die gekennzeichneten Rodungsflächen reichen bei weitem, nicht aus. Wenn die geplanten Zuschauertribünen im Bereich des Waldes liegen, muss der Wald weg.

FFH-Gebiet „Buckelwiesen“ am Gudiberg:

„Die Umgebung des Skihangs Gudiberg ist als FHH-Gebiet „Mittenwalder Buckelpisten“ ausgewiesen. Bei Verwendung der Außengrenze, die in der Maßstabsebene 1:25 000 vorliegt, ergeben sich deutliche Überlagerungen mit der skisportlich genutzten Fläche. Mit der zuständigen Behörde wäre zu klären, ob es für diesen Bereich einen konkretisierten Grenzverlauf gibt und ob aktuelle Kartierungsdaten vorliegen, aus denen hervorgeht, ob an den betroffenen Stellen Lebensraumtypen im Sinne der FHH-Richtlinie vorhanden sind. Auf Basis dieser Daten könnte eine Abschätzung des Konfliktpotenzials bzgl. der FHH-Gebietsausweisung getroffen werden“ (S. 35f).

Frei übersetzt: Flächen im Bereich der Buckelwiesen werden in jedem Fall gebraucht. Konflikte sind höher, wenn „Lebensraumtypen“ da leben: Dann könnte man sie gegebenenfalls umsiedeln. Allerdings muss man den entstehenden Ärger einschätzen.

Zusammenfassende Darstellung:

„Lediglich ein kleiner Teil von unter 2 % der skisportlich genutzten Fläche ist explizit für die Olympischen Spiele baulich umzugestalten bzw. eine bestehende Pistenfläche seitlich zu erweitern“ (S. 35).

Frei übersetzt: Man zählt sämtliche Skiflächen im gesamten Skigebiet zusammen und kommt dann auf „nur“ zwei Prozent Neubau. Das ist der – offizielle – Stand November 2009. Bei diesen „unter zwei Prozent“ neu in Anspruch genommener Fläche kann es sich aber  –  nach den Angaben der Planer – nur um die Waldflächen handeln, die zusätzlich – bereits nach den heutigen Plänen – gerodet werden sollen. Weitere Flächen kommen sehr wahrscheinlich dazu. (Vergleiche 18 Gründe: Naturschutz)

Beim olympischen Abfahrtslauf von Vancouver 2010 war besonders auffällig, dass die Rennläufer von Winterspielen zu Winterspielen immer schneller den Berg herunterkommen. In Whistler hatten sie 120 km/h und mehr Speed: Man will ja das Publikum nicht langweilen. Die Folge sind gerodete Schneisen mit bis zu 100 Meter Breite – wegen der Sturzmöglichkeiten. Das hätte mit Sicherheit Konsequenzen für die Kandahar in Garmisch-Partenkirchen: Die Rodungen würden weiter gehen.

„München 2018 vermeidet neue Eingriffe in Schutzgebiete, Bergwald und bedeutende Biotopflächen“ (S. 38).

Gerade wurde oben noch überlegt, wie man damit umgehen kann.

Quelle:
Umweltkonzept München 2018, Projektleitung Deutsche Sporthochschule Köln/Prof. Dr. Ralf Roth, Öko-Institut Freiburg, Christian Hochfeld, Stand 9.11.2009