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Nagano 1998

Der Ort Nagano in Japan war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1998 mit 72 Nationen. Es kamen 2.302 Teilnehmer, es gab 68 Wettbewerbe, es dauerte 16 Tage.

Über 13 Millionen Euro kostete allein die Bewerbung. Nagano hat umgerechnet fast 10 Millionen Euro für die „Spezial-Betreuung“ von Olympia-Funktionären des IOC (einschließlich Geishas) bezahlt. 90 dicke Ordner mit Unterlagen dazu wurden von einem Mitglied des Bewerbungskomitees verbrannt (weltonline 20.1.1999).

Den größten Nutzen der Olympischen Winterspiele zogen neben der Bauwirtschaft zwei Hotelbetreiber: Seibu und Tokyu. Der Mischkonzern Tokyu bekam für seine Hotel- und Freizeitanlagen im Wintersportort Hakuba eine verbesserte Verkehrsanbindung. Der reichste Mann Japans, Yoshiaki Tsutsumi war Präsident der Seibu-Gruppe, die in der Umgebung von Nagano an den Austragungsorten Shiga Kogen und Karuizawa viele Hotel, Ski- und Golfanlagen gebaut hat. Tsutsumi war außerdem: Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Präsident des nationalen Skiverbandes, des Eishockey-Verbandes und Vize-Chef des olympischen Organisationskomitees. (Spiegel 23.2.1998)

Bulldozer schlugen für 16 Tage Olympische Winterspiele breite Pisten für eine Gebirgsautobahn in die Berge. Obwohl Nagano mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen angebunden wurde, fuhren Funktionäre und Sportler mit Autos und Bussen – angeblich auf Wunsch des IOC. Für die Bobbahn wurden 5000 Bäume gefällt. In Nagano wurde eine der größten und teuersten Eishallen der Welt gebaut – für umgerechnet 230 Millionen Euro. „Wer die Riesenbauten nach der Olympiade benutzen soll, ist häufig noch ungeklärt. Fest steht nur: Den Unterhalt muss die Stadt Nagano bezahlen, die bereits verzweifelt nach Spendern sucht.“ Heerscharen von Beamten wurden abkommandiert, Schulklassen mussten zum Jubeln antreten. (Spiegel 7/10.2.1997)

Nach den Winterspielen
Nagano ist so gut wie bankrott: Der Schuldenberg beträgt 14 Milliarden Euro. Der erhoffte Tourismusboom ist ausgeblieben. Die Baukosten für Infrastruktur (mit Schnellzuganbindung) und die Betriebskosten für die vielfach leer stehenden Anlagen belasten den Haushalt. Nagano und der japanische Staat werden 25 Jahre lang den Schuldenberg abzutragen haben – bis 2023. (Quelle: spiegelonline, 11.2.2002; Kuske 28.1.2010)
„Die hochfliegenden touristischen Erwartungen der Olympiainvestoren haben sich nicht erfüllt, im Gegenteil: Das Interesse der Japaner am Skilaufen ist geradezu eingebrochen… Fährt man jetzt durch Hakuba, sieht man Gebäude, die seit Jahren leerstehen… Während vor den Spielen drei Winter lang der Weltcup-Zirkus hier gastierte, ist seither kein großes Rennen mehr gelaufen. Olympia 1998 war ein flüchtiges Ereignis…“ (Mehnert, 8.1.2010)

Quellen:
Geplatzte Seifenblase, in Spiegel 10.2.1997
Korruptions-Skandal: Das erste IOC-Mitglied tritt zurück, in weltonline 20.1.1999
Kuske, Tobias, Angst vor Milliardedefizit in Vancouver, in Sponsors  28.1.2010)
Mehnert, Volker, Das lange Glück des Wasserkäfers im Strudel, in faznet 8.1.2010
Nie mehr nach Japan, in Spiegel 23.2.1998
Olympia: Geplatzte Seifenblase, in Der Spiegel 7/10.2.1997