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Internationale Sportverbände

Schweiz für Sportverbände ideal
Mehr als 60 internationale Sportverbände und internationale Sportorganisationen haben ihren Sitz in der Schweiz, allein 22 Sportverbände und 21 Sportorganisationen im Kanton Vaud (Lausanne, capitale olympique, Stand 12/2012). Dies geschah nicht ohne Grund.
In der Schweiz ist die Gründung von Gesellschaften sehr einfach und geschieht weitgehend ohne große Vorschriften. Dazu ist es einfach, die Statuten so zu gestalten, dass der wirtschaftliche Ziel wegfällt (Swissinfo.ch 6.3.2008). Die internationalen Sportverbände sind hier steuerlich frei gestellt, müssen also für ihre zum Teil riesigen Gewinne keine Steuer abführen. (Die Internationale Athleten IAAF praktiziert dies im ebenfalls steuerfreundlichen Fürstentum Monaco.)
In der Schweiz ist gerade eine Diskussion bis hinauf zum Bundesrat entbrannt, ob die steuerliche Befreiung weiter so gehandhabt werden soll; eventuell soll dieses „Privileg“ nun in nächster Zeit enger reglementiert werden (Vgl. Wulzinger in Der Spiegel 48/2010).
Jens Sejer Andersen von “Play the Game” sagte über die Internationallen Sportverbände: “Die Verbände haben sich in den letzten dreißig Jahren ein sehr gut funktionierendes  globales System aufgebaut – die Politiker der einzelnen Länder haben Probleme, weltweit so zu kooperieren, dass international gültige Gesetze geschaffen werden können” (Uthoff 4.10.2011). Thomas Kistner schrieb in seinem Buch „Fifa Mafia“: “Das Schweizer Vereinsrecht ist eine Traumvorlage für Sportverbände, die ja faktisch Millionen- oder Milliardenbetriebe sind. Zwei Personen können einen Verein gründen; es existiert keine Registerpflicht, schon gar keine Verpflichtung zu Buchprüfung oder für externe Kontrollen” (Kistner 2012, S. 273).

Lausanne bietet auch Mietfreiheit
„Lausanne machte den Sport zur Politik und tut bis heute alles, damit das ‚Gravitationzentrum der Welt des Sports‘ (…) nicht von einer anderen Stadt abgeworben wird“ (www.swissolympic.ch, Lausanne, capitale olympique, S. 2).
Lausanne lockte in der Vergangenheit immer weitere Sportverbände mit Sonderkonditionen an und wird dies auch künftig tun. Das vom IOC genutzte Château de Vidy wird von der Stadt Lausanne kostenlos zur Verfügung gestellt. Das 2007 gemeinsam von der Stadt Lausanne, dem Kanton Waadt (Vaud) und dem IOC  gebaute „Maison du Sport International“ (MSI) besteht aus drei großen Gebäuden; ein viertes entsteht gerade. Dessen Büroflächen sind bereits vermietet, und die Warteliste ist lang. Eine Sprecherin der Stadt Lausanne konstatierte: „Immer mehr Verbände, die nicht in der Schweiz sind, realisiieren, wie wichtig es ist, in der Nähe des IOC und der anderen Verbände zu sein“ (Ebenda S. 3).
Neue Verbände müssen in den ersten zwei Jahren keine Miete bezahlen. „Und Lausanne kämpfte lange, dass die internationalen Sportverbände in der Schweiz auch in Zukunft von den Steuern befreit bleiben“ (Ebenda, S. 2)
Dazu begünstigt die Rechtssprechung im Kanton Waadt (Vaud) Unternehmen und Verbände. Angeblich nehmen Stadt und Umland pro Jahr 100 Millionen Franken durch die Organisationen ein (Ebenda).

Sport-Paläste
Dieses in der Schweiz gewährte Privileg der Steuerfreiheit setzen IOC und Fifa dann im jeweiligen Austragungsland Olympischer Spiele bzw. Fußball-Weltmeisterschaften durch. Meist residieren die Internationalen Sportverbände an vornehmsten Adressen in luxuriösen Anwesen.
Einige der Sport-Pyramiden habe ich im März 2011 fotografiert. Zum Teil sind die profanen Verwaltungen an anderen Orten untergebracht. Sie sind zu finden unter: Die Sport-Paläste

Nachtrag März 2015: Der UCI-Report
Im März 2015 wurde der Bericht des Internationalen Radsport-Verbandes UCI veröffentlicht. Dort stehen auch Fakten, welche die Internationalen Sportverbände betreffen. Dazu aus einem Kommentar von Michael Reinsch in der FAZ: „Im Report des Radsport-Weltverbands wird der Schutz von Lance Armstrong und anderen beschrieben. (…) Unter Strukturen von Autokratie, Intransparenz und Vetternwirtschaft leiden auch viele andere Sportverbände. (…) Und doch ist der Report jeden Cent der drei Millionen Euro wert, die er gekostet hat. Denn vor allem beschreiben seine Autoren die Muster, nach denen Verbruggen und seine UCI handelten – bis hin zur Einsetzung des wie ein Strohmann agierenden irischen Nachfolgers Pat McQuaid. Dies macht den Report brandaktuell, denn unter solchen Strukturen von Autokratie, Intransparenz und Vetternwirtschaft leiden auch andere Sportverbände. (…) Die Analyse des UCI-Reports geht weit über den Radsport hinaus und ist auch relevant für die Fifa des Joseph Blatter, die Leichtathleten des Lamine Diack, die Handballer des Hassan Moustafa, die Gewichtheber des Tamas Ajan und aller anderen Verbände, die sich nach Gutsherrenart führen lassen“ (Reinsch, Michael, Führung nach Gutsherrenart, in faz.net 9.3.2015).

Nachtrag April 2015: Weiter Steuerbefreiung
„In der Schweiz sind das IOC sowie seine in der Schweiz ansässigen Unterverbände von den Bundessteuern befreit. Die anderen Sportverbände profitieren von weitgehenden Steuererleichterungen. So bezahlte der Weltfußballverband FIFA nach eigenen Angaben in 2013 rund 17 Millionen Franken Steuern. Die Steuererleichterungen für Sportverbände wurde zuletzt durch eine Petition der JUSO angefochten Der Nationalrat lehnte den Vorstoß im März (2015; WZ) mit 116 zu 67 Stimmen ab“ (Lausanne profitiert von Sportverbänden, in suedostschweiz.ch 9.4.2015).

Nachtrag Januar 2017: Sport-Dämmerung
„Große Verbände wie die Fifa, der DFB, das IOC oder der betrügerische Internationale Leichtathletikverband IAAF, dessen Präsident gegen Geld positive Dopingproben verschwinden ließ, sind klandestine, von Kameraderie und Gier durchsetzte Gebilde, die sich ihre eigenen Regeln gegeben haben. Jahrzehntelang konnten die  Funktionäre, die es an die  Spitze dieser Apparate geschafft hatten, ungestört mauscheln und tricksen. Doch in den vergangenen Jahren ist ihr schmutziges Geschäft schwieriger geworden. Das FBI treibt die  Fifa  vor sich her. Steuerfahnder marschieren  in der DFB-Zentrale in Frankfurt ein. Whistleblower offenbaren sich in den Medien. Hacker knacken Datenbanken und E-Mail-Accounts. Nach Jahrzehnten der Verklärung erlebt der Sport eine Ära der Aufklärung. Die abgeschottete Welt der Funktionäre, sie ist nicht mehr ganz so sicher“ (Pfeil, Gerhard, Idole, in Der Spiegel 1/30.12.2017).

Quellen:
Kistner, Thomas, Fifa Mafia. Die schmutzgen Geschäfte mit dem Weltfußball, München 2012
Lausanne, capitale olympique, in www.swissolympic.ch
Uthoff, Jens, Interview mit Jens Sejer Andersen: “Kein Mensch glaubt, was Blatter sagt”, in taz.de 4.10.201
Wulzinger, Michael, Zürcher Sündenfall, in Der Spiegel 48/2010
Wikipedia
www.iaaf.org
www.ifsports-guide.ch
www.swissolympic.ch
www.uefa.com