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Karl Ritter von Halt

Karl Ritter von Halt (*1891, † 1964) war von 1944 bis 1945 und von 1951 bis 1961 NOK-Präsident. Von 1929 bis 1945 und von 1951 bis 1964 war er Mitglied im > IOC, von 1937 bis 1945 und von 1957 bis 1963 Mitglied im Exekutivkomitee des IOC.

1922 promovierte er über „Die Pflege der Leibesübungen an Hochschulen. Ein Beitrag zur regenerativen Bevölkerungspolitik“ mit dem Grundtenor: „Aufrüstung durch Sport“. Darin schrieb er: „Gesund, kräftig, ausdauernd und leistungsfähig machen uns die Leibesübungen … So übten unsere Väter ihren Körper. Darum waren sie auch das Herrenvolk Europas“ (Schwarzmüller).

Am 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP und in die SA ein. Er wurde Leiter des Fachamtes für Leichtathletik im „NS-Reichbund für Leibesübung“. 1936 wurde er Direktor bei der Deutschen Bank. Dort leistete er erhebliche Spendenzahlungen an die SS und gehörte zu deren „Freundeskreis Heinrich Himmler“. SS-Chef Himmler ernannte ihn am 1.10.1944 zum „Reichssportführer“.

Auch in der Deutschen Bank vertrat er NS-Gedankengut: „Der Name ‚Deutsche Bank’ verpflichtet. Deutsch sein, heißt, nationalsozialistisch sein. Und ohne Nationalsozialist kann man nicht mehr den Namen ‚deutsch’ tragen“ (Schwarzmüller).

Er war Präsident des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen der Sommerspiele 1936 in Berlin und Vorgesetzter von Carl Diem. Da die antisemitischen Ausschreitungen im Werdenfelser Land ab 1933 immer extremer wurden, musste er sich angesichts der Gefahr eines Boykotts der Sommerspiele 1936 in Berlin um Mäßigung bemühen – und sah sich gezwungen, an seinen Vorgesetzten zu schreiben: „Ich bitte davon überzeugt zu sein, dass ich diese meine Sorge nicht deshalb äußere, um den Juden zu helfen. Es handelt sich ausschließlich um die olympische Idee und um die olympischen Spiele …“ (Schwarzmüller). von Halt schrieb an das   Reichsinnenministerium in Berlin: „Ich melde mich nicht, um den Juden zu helfen, aber wenn die Propaganda in dieser Form weitergeführt wird, dann wird die Bevölkerung von Garmisch-Partenkirchen so aufgeputscht sein, dass sie wahllos jeden jüdisch Aussehenden angreift und verletzt. Wenn in Garmisch-Partenkirchen die geringste Störung passiert, dann – darüber sind wir uns doch alle im Klaren – können die Olympischen Spiele in Berlin nicht durchgeführt werden, da auch alle übrigen Nationen ihre Meldung zurückziehen würden“ (Golüke, Mueller 17.11.2016). „Damit waren die Spiele von Garmisch-Partenkirchen auch der entscheidende Testlauf für die Sommerspiele in Berlin. Nachdem vor allem die USA sich gegen einen Boykott entschieden hatten, wurden die Winterspiele zu einem Triumph für die nationalsozialistischen Gewaltherrscher. Goebbels notierte in seinem Tagebuch: ‚Das haben wir gut gemacht. Viel Arbeit hat’s gekostet. Doch hat es sich gelohnt.‘ Rudolf Heß schrieb: ‚Wir hätten es nicht besser einrichten können, wenn wir selbst das Schicksal zu beeinflussen gehabt hätten'“ (Ebenda).
von Halt wusste um die Verbrechen des Nazi-Regimes, da er auch mit SS-Chef Heinrich Himmler die Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen besucht hatte (Tolsdorff). Als Präsident des Organisationskomitees für die geplanten Olympischen Winterspiele 1940 in Garmisch-Partenkirchen äußerte er: „Wir werden nichts … versäumen, um der Welt wieder ein Winterfest von wahrhaft olympischer Größe und Würde zu bieten.“ Am 22. November 1939, also schon mitten im Zweiten Weltkrieg, informierte von Halt das IOC von der Absage der Olympischen Winterspiele 1940 in Garmisch-Partenkirchen (Laude, Bausch A. 141). Am 22.11.1939 schrieben von Halt und der Präsident des Deutschen Olympischen Ausschusses, von Tschammer und Osten an den IOC-Präsidenten de Baillet-Latour, dass die olympischen Sportstätten in Garmisch-Partenkirchen fertiggestellt seien: „Da aber die Voraussetzung für die Durchführung Olympischer Spiele darauf beruht, dass das organisierende Land selbst im Friedenszustand ist und da die deutschen Vorschläge auf Herbeiführung eines Weltfriedens, der aus dem jetzigen Konflikt herausführen sollte, von der englischen und französischen Regierung abgelehnt wurden und der Krieg daher weitergeführt werden muss, sehen sich der Deutsche Olympische Ausschuss und das von diesem eingesetzte Organisationskomitee für die V. Olympischen Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1940 gezwungen, den Auftrag der Durchführung dieser Spiele zurückzugeben“ (Ostler u. a., S. 189).

Als leitende Persönlichkeit der NS-Wirtschaft wurde von Halt am 7. Mai 1945 von den sowjetischen Streitkräften verhaftet und kam ins Lager Buchenwald in Haft, bis er durch Intervention der IOC-Größen > Avery Brundage und Sigfrid Edström freikam. Brundage nannte von Halt „einen perfekten Gentleman“; Edström beendete die Diskussion im IOC mit den Worten: „Das sind alte Freunde, die wir heute begrüßen“ (Andrew Jennings).

Bereits 1951 saß er wieder im IOC, reaktivierte seine Kontakte zu den IOC-Präsidenten Edström und Brundage, war zweimal im Exekutivkomitee, präsidierte von 1951 bis 1961 dem westdeutschen Nationalen Olympischen Komitee (NOK) und war von 1961 bis 1964 dessen Ehrenpräsident, außerdem Ehrenpräsident des Internationalen Handballverbandes und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Das Stadion in Garmisch-Partenkirchen hieß von 1945 bis 1958 „Stadion am Gröben“. 1958 wurde das Sportstadion am Gröben in Garmisch-Partenkirchen in „Dr.-Ritter-von-Halt-Stadion“ umbenannt. „Stadion am Gröben“ heißt es erst wieder seit Juli 2006: Die Gemeinderatsmitglieder wurden anlässlich der Umbenennung per E-Mail aufgefordert, „auf eine Behandlung dieses Themas in der Öffentlichkeit zu verzichten“ (Meyhoff/Pfeil 18.1.2010).

Siehe auch NS-Sportfunktionäre

Quellen:
Adolfs Rekruten, in Der Spiegel  41/1971
Brinkmann, Tanja, Ein sportpolitischer Skandal, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 20.2.2010
Golüke, Nick, Mueller, Michael, Die Winterspiele von Garmisch-Partenkirchen, in br.de 17.11.2016
Jennings, Andrew, Das Olympia-Kartell – Die schäbige Wahrheit hinter den fünf Ringen, Reinbek 1996
Klee, Ernst, Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Koblenz 2010
Meyhoff, Andreas/Pfeil, Gerhard, Olympia – Die versteckten Spiele, in Spiegel 3/18.1.2010
Ostler, Josef, Schwarz, Peter, Schwarzmüller, Alois, Wörndle, Franz, Die Kehrseite der Medaille – IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936, Garmisch-Partenkirchen 2016
Rode, Jan C., Willi Daume und die Entwicklung des Sports in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1970, Göttingen 2010
Schwarzmüller, Alois, 1936 – Anmerkungen zu den Olympischen Winterspielen/Karl Ritter von Halt, in members.gaponline.de)
Tolsdorff, Tim, 10.000 Abfahrtsläufer für Hitler, in einestages/spiegelonline 6.2.2011
Wikipedia