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Doch nicht gerettet? Landschaft und Natur

©  Text:   Sylvia Hamberger, Axel Doering, Wolfgang Zängl, Gesellschaft für ökologische Forschung

 

Zweiter Versuch: München 2022?  Nein danke!    

Die schon für „München 2018“ wiederholte Formel: „Es ist schon alles da“, hat damals nicht gestimmt und wird auch für „München 2022“ nicht stimmen

Dauerhafte wie temporäre olympische Anlagen und Olympische Dörfer verbrauchen Flächen und Ressourcen. Mit „München 2022“ müssten bei der Nutzung weiterer Austragungsorte zwangsläufig auch weitere Olympische Dörfer, Medienzentren und Funktionsbauten (Telekommunikation, Organisation etc.) errichtet werden.

Garmisch-Partenkirchen:

Aber wohin?   

 

Chiemgau: Ruhpolding und Innzell

Reicht die Chiemgau-Arena, die für die Biathlon-WM 2012  ausgebaut worden war, auch für 2022? Möglicherweise muss in der Nähe ein zweites temporäres Stadion errichtet werden…

 

Für 2022 wieder nur ein Prozent! “Lediglich 1 % der benötigten Fläche wäre für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele dauerhaft baulich umzugestalten” (Steinmaßl, Hermann, Positionierung des Kreistages des Landkreises Traunstein, 27. September 2013). Woher man das kennt? Ein Prozent – das war auch die offizielle Zahl bei München 2018.

Die Bewerber „München 2018“ rechneten zahlreiche Maßnahmen nicht als Eingriff, wenn es sich z.B. um landwirtschaftlich genutztes Land handelte bzw wenn die massiven Eingriffe „temporär“ wieder rückgebaut werden sollten. Deshalb wurde in den Bewerbungsunterlagen ein absurd geringer Flächenverbrauch vorgegaukelt – so ist das auch bei „München 2022“.

 

Olympische Winterspiele sind die größte Wintersportveranstaltung der Welt.

Olympische Winterspiele sind zu groß für das Oberland, zu groß für die Voralpengemeinden:

Deshalb: Nein zu „München 2022“

 

Archiv 2018:
Zur Ausgangslage:

Weit über die Hälfte (66%) der Landschaften und Naturräume des Landkreises Garmisch-Partenkirchen sind ökologisch besonders wertvoll und wurden deshalb unter Landschafts- oder Naturschutz gestellt. Weitere wertvolle Bereiche wurden als FFH-Gebiete ausgewiesen. Auf staatlichen Flächen – wie auf Gut Schwaiganger – gilt eine besondere Sorgfaltpflicht des Staates. 84% des Gemeindegebietes Schönau am Königssee gehören zum Nationalpark Berchtesgaden.

Die Winterspiele sind als schneeabhängige Freilandspiele dem Klimawandel unterworfen. Um sie noch durchführen zu können, muss beim Ausbau der Sportanlagen und der künstlichen Beschneiung massiv in Landschaft und Natur eingegriffen werden.

Das Kapital dieser Region ist aber ihre einmalige Natur und Landschaft. Die streng geschützten Naturschutzflächen sind von der Planung für die Olympischen Winterspiele bisher weitgehend – aber nicht vollständig! – ausgenommen. Es ist zu befürchten, dass olympische Großbaustellen und Anlagen auch geschützte Biotope beeinträchtigen werden. Die Flächen, die unter Landschaftschutz stehen, sind aber in die Planungen direkt einbezogen – da gilt kein Schutzstatus mehr.

Die Bewerber rechnen viele Maßnahmen nicht als Eingriff, wenn es sich z.B. um landwirtschaftlich genutztes Land handelt bzw wenn die massiven Eingriffe „temporär“ wieder rückgebaut werden sollen. Deshalb wird in den Bewerbungsunterlagen ein absurd geringer Flächenverbrauch vorgegaukelt.

Im Bid Book werden von der Bewerbergesellschaft auch Flächen angeboten, die gar nicht zur Verfügung stehen. Denn viele Grundeigentümer und Bauern in Garmisch-Partenkirchen sehen keine Veranlassung, ihre Wiesen und Weiden und damit ihre Existenzbedingungen dem Olympia-Hype zu opfern.

Hier geht es nicht nur um Grünland – hier geht es um berühmte Kulturlandschaften mit artenreichen Blumenwiesen und alten Baumstädeln.

Olympische Winterspiele sind für enge Gebirgstäler wie das Loisachtal viel zu groß.

Garmisch-Partenkirchen wird von allen geplanten olympischen Austragungsstätten am meisten gefordert. Gegenüber der Ski-WM würde z.B. fast die fünffache Anzahl an Wettbewerben stattfinden.

Ein Bürgerbehrgehren, das direkt nach der WM im Februar 2011 gestartet wurde, hatte deshalb gut begründet den Ausstieg von Garmisch-Partenkirchen aus der Bewerbung „München 2018“ zum Ziel:

„Keine olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen!

Gegen den Ausverkauf unserer Heimat“

http://www.nolympia.de/burgerbegehren-gap/


In mehreren „Nachträgen“ hatten wir einige der Ereignisse in Garmisch-Partenkirchen beschrieben:

1.3.2011: Ablehnungsgründe betroffener Grundstückseigentümer in Garmisch-Partenkirchen

Rechtsanwalt Seitz übergab am 1.3.2011 mit einem Vertreter der Grundeigentümer der Evaluierungs-Kommision des IOC ein Schreiben. Darin werden nochmals die Gründe aufgezeigt, warum die Grundeigentümer die Bewerbung um die olympischen Spiele für 2018 ablehnen. Anbei die “Ablehnungsgründe betroffener Grundstückseigentümer in Garmisch-Partenkirchen”: Deutsche Fassung

11.1.2011: Wieder: falsche Behauptungen

Befremdet reagierte Seitz auf die Ankündigung einer baldigen Lösung des Streits durch Bayerns Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) am Montag: “Das ist schlichtweg unverfroren und falsch.“‘ (merkur-online, 1.1.2011).

Wieder redete man über die Köpfe der Grundeigentümer hinweg, nur um diese Bewerbung zu retten. Schneider hatte bei der Pressekonferenz zum Bid Book am 10.1. in München seine falschen „Erfolgsmeldungen“ (s.u.) wiederholt, offenbar um Angaben im Bid Book zu rechtfertigen. Der Rechtsanwalt der Grundeigentümer Ludwig Seitz widersprach Staatskanzleichef Schneider (CSU). Es gibt keine Einigung.

„Durch dieses Vorgehen zieht sich die Olympiabewerbung immer mehr Gegner heran, die der Bewerbung zunächst neutral oder aufgeschlossen gegenüber standen. Es geht längst nicht mehr um einzelne Grundstücke. Inzwischen ist den Grundeigentümern und mit ihnen immer mehr Bürgern in Garmisch-Partenkirchen klar geworden, dass nur durch die Verhinderung der Spiele die Identität des Ortes und ihre Heimat erhalten werden kann.“ (PM der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen des BN, 10.1.2011).

Nachtrag 16.12.2010: Bauern und Grundbesitzer fordern Rückzug der Bewerbung München 2018

In einem Schreiben ihres Anwalts an die Staatskanzlei teilen 59 Grundeigentümer mit, dass sie die Nutzung ihrer Grundstücke für die Olympischen Winterspiele 2018 kategorisch ablehnen. Die Staatsregierung wird aufgefordert, die Bewerbung offiziell zurückzuziehen.

Die „Erfolgsmeldungen“ von Minister Schneider entsprachen also nicht den Tatsachen: Die Grundstücke standen nie zur Verfügung. Minister Schneider hatte mit einer „Initiativgruppe“ in Garmisch-Partenkirchen über die Grundstücke verhandelt, die der falsche Ansprechpartner war. Denn diese Initiativgruppe hatte für die meisten Grundstücke kein Mandat.

Trotz mehrfacher Klarstellungen und eines Briefes, der im Namen von 167 Grundeigentümern am Tag der Entscheidung über das „Bid-Book“ an den Gemeinderat gerichtet wurde, wurde von Minister Schneider und der Bewerbungsgesellschaft immer wieder fälschlicherweise der Eindruck erweckt, die für die Bewerbung nötigen Grundstücke stünden zur Verfügung. In den vergangenen Monaten waren wiederholte Aufforderung, den Grundeigentümer endlich die genauen Pläne vorzulegen, unbeantwortet geblieben.

Eine Umplanung ist kaum möglich, da auch bei einer Planungsänderung ebenfalls nicht zur Verfügung stehende Grundstücke betroffen wären. Bei einer bereits angesprochenen Verlegung der Kandaharabfahrt ist wegen weiterer massiver Eingriffe in den Bergwald mit schärfstem Widerstand der Umweltverbände zu rechnen.

Die Forderung von Nolympia, die Pannenbewerbung München 2018 endlich einzustellen, erhält durch das Ultimatum der Grundbesitzer weiteren Rückhalt.

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Nachtrag 21.9.2010: Erfolgsmeldungen der Bewerber verwundern.

Es hat sich nichts Entscheidendes geändert, außer dass die Mitteilungen jetzt von der PR-Abteilung der Staatsregierung kommen. Bisher wurden statt neuer Ideen nur neue (und alte) Absichten aufgezeigt. Es ist nichts wirklich geregelt. Wenn die beteiligten Stadt- und Gemeinderäte auf dieser Basis dem Bewerbungsbuch (Bid-Book) zustimmen, begeben sie sich auf unverantwortliche Weise in die Hände des IOC und liefern sich unweigerlich entstehenden Sachzwängen aus.

In der chaotischen Bewerbung „München 2018“ wurde es immer schwieriger, auf konkrete Planungen der Bewerbungsgesellschaft einzugehen, da sich die Planungen fast im Vierzehn-Tage-Rhythmus geändert haben. Jede Änderung wurde als Erfolg oder „Durchbruch“ verkauft, obwohl sie meist das Resultat eines Misserfolgs war. Das scheint auch nach der Abgabe des „Bid Book“ im Januar 2011 so zu bleiben, denn trotz gegenteiliger Behauptungen der Bewerben stehen einige der maßgeblich wichtigen die Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen NICHT zur Verfügung.

Es gibt nur einen Trend : „Damit plant die Olympia-Bewerbungsgesellschaft immer mehr Einrichtungen auf Flächen der öffentlichen Hand“ (merkuronlie, 17.9.2010), also auf Gemeinde- und Staatsgrund. Ähnlich sieht es bei der Finanzmittel-Beschaffung für die Bewerbungskosten aus – auch hier wird auf öffentliche Gelder zurück gegriffen. Damit zeigt sich, dass die Bewerbung „München 2018“ ein ausschließliches Projekt nach dem Willen führender Politiker und Sportfunktionäre ist. Mit diesem Rückzug auf öffentliche Ressourcen demonstriert die Politik, dass sie an den Bürgern vorbei handelt.


Wer weiß, was noch kommt.

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Der geplante Landschafts-Verbrauch

Garmisch-Partenkirchen soll für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 den sogenannten Snow-Park mit den Alpinski-, Freestyle-, Ski-Cross, Snowboard- und Skisprung-Disziplinen und die „Nordische Kombination“ aufnehmen. 

Zu den eigentlichen Sportstätten und Pisten kommen folgende Flächen hinzu: das Snow-Village für 2.500 Athleten und Betreuer und Unterbringung sowie Arbeitsplätze für 3.700 Medienvertreter (Sub Media Center) plus temporäre „Funktionsflächen“ – Parkplatz-, Lager- und Serviceflächen – und ggf neue Verbindungsstraßen für die Athleten- und Medienbereiche, Tribünen für Presse und Besucher, Fernstraßen, Parkplätze für tausende Autos und Busse im Loisachtal, neue Hotelanlagen und alle Ver- und Entsorgungseinrichtungen sowie technische und Sicherheits-Infrastrukturen. und – was gerne vergessen wird – die Infrastruktur für die Sicherheitsmaßnahmen gegen Terror und Gewalt.

Alle Sportanlagen – auch die Pisten beidseitig in voller Länge und Breite bis hinauf zum Start – müssen mindesten 2 Meter hoch UMZÄUNT werden: Wildtiere und Wildwechsel werden dabei nicht berücksichtigt.

Die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe mit zwei Stadien und Loipen – mehr als 33 Hektar Landschaft und Wald – sind „temporär“ auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt geplant: Man rechnet mit bis zu 42.000 Besuchern an Spitzentagen. Schönau am Königssee erhält laut Planung die Rodel- und Bobwettbewerbe.

Kein Pappenstiel – das wissen auch die Olympia-Planer selbst: „Die Flächeninanspruchnahme der Sportstätten und der notwendigen Infrastruktur, die Beherbergung und Verköstigung von Millionen Menschen, deren Versorgung mit Energie und Wasser haben einen enormen Einfluss auf Umwelt und Ökosysteme.“ (Entwurf Umwelt-Konzept der Bewerbungsgesellschaft München 2018)

Aber es fehlt den Bewerbern der Mut, zu Inhalt und Dramatik dieser Aussage zu stehen. Denn um jeden Preis müssen die Spiele das Etikett ökologisch und nachhaltig tragen – vor allem, um im Rennen um den Zuschlag gut dazustehen. Schließlich erwartet das IOC ein Umweltkonzept, und die Weltöffentlichkeit wirft im Zuge des Klimawandels ein grünes Auge auf die Bewerbung. Man setzt sich einem Anspruch aus, den man allein schon wegen der Dimension der Spiele nicht erfüllen kann. Damit beruht die ganze Bewerbung auf einer Täuschung.

Eigentlich hätte schon die Umplanung  von Oberammergau nach Schwaiganger zum AUS für die Bewerbung führen müssen, denn der Status „candidate city“ für „München 2018“ bezieht sich auf das Konzept mit München, Garmisch-Partenkirchen, Schönau am Königssee und Oberammmergau!

Die Gemeindefläche Oberammergaus ist aber dank der Bürgerinitiative und einiger Grundbesitzer, die die „olympischen Nutzungsverträge“ nicht unterzeichnet haben, gerettet worden! Deshalb wurde das staatliche Gut Schwaiganger einbezogen.

Es zeigt sich bei all dem längst, dass Olympischen Winterspiele zu Dimensionen herangewachsen sind, die die naturräumlichen Kapazitäten dieser Gemeinden überfordern.

Winterspiele müssen großteils im Gebirge stattfinden – doch deren Täler und Berghänge können die Gigantomanie nicht mehr fassen.

Garmisch-Partenkirchen, Ausbau Gudiberg / ©goef-ad

Die Bauern fragen sich, wo ihre Tiere drei bis vier Jahre weiden sollen – denn solange wird Aufbau- und „Rückbau“ für die Winterspiele dauern. Und nicht nur die Bauern, sondern auch die Einheimischen und die Gäste sehen die jahrhundertealte Kulturlandschaft – das Kapital dieser Gegend – für ein 18tätiges Megaevent vor die Hunde gehen.

Stieranger, Garmisch-Partenkirchen / ©goef-ad

Hier geht es nicht nur um Grünland – hier geht es um berühmte Landschaften mit artenreichen und herrlichen Blumenwiesen und alten Baumstädeln, die platt gemacht werden müßten. Die verständliche Weigerung der Grundeigentümer könnte das gesamte Olympia-Konzept zur Makulatur machen, denn Umplanungen sind nicht möglich.

Blumenwiese, Garmisch-Partenkirchen, Zugspitzmassiv / ©goef-ad

Ex-Bewerbungschef Willy Bogner „appelierte“ bereits im Januar 2010 an „einzelne Bauern, die ihre hochsubventionierten Wiesen nicht an die olympischen Organisatoren verpachten wollten, ihrer Verantwortung für das Land gerecht zu werden.“ (Bielicki, Jan, München über den Wolken, in: SZ 28.1.2010).

In Vancouver äußerte sich Bogner dann abfällig über die Bauern aus Oberammergau, die sich um die Zukunft ihrer Landwirtschaft Sorgen machten: „Winterspiele sind ein Ereignis von nationaler Bedeutung, die Staatsbürger sollten sich an die Zusagen, die die Volksvertreter einmal gemacht haben, halten.“ Und der Spiegel kommentiert: „Ein harter, drohender Satz.“ (Pfeil, Gerhard, Weiße Krawatten, in: Der Spiegel 8/22.2.2010)

Der Münchner OB Ude beschimpfe Anfang Januar 2011 erneut die Grundeigentümer: “Den von den Medien beschriebenen ‘Bauernaufstand” gegen die Spiele gebe es nicht. Das habe ihm der Präsident des Bauernverbandes kürzlich bestätigt. Die Bauern, die ihr Geld mit der Landwirtschaft verdienten, seien für die Bewerbung. Probleme machten ‘vier, fünf, sechs Grundeigentümer, die etwas für sich herausschlagen wollen’. Diese Gruppe veranstalte ein ‘öffentliches Spektakel’, was einfach dadurch motiviert sei, dass sie ‘keinerlei Chancen auf Erfolg’ hätten” (SZ 3.1.2011).

Man fragt sich auch, welche Bauern dieser Bauernverbands-Präsident eigentlich vertritt?

Sportfunktionäre und Politiker wollen offenbar in Gutsherrenart über die Wirtschaftsgrundlagen der Bauern und Grundeigentümer verfügen.

Mit Zwangsenteignungen von Grund und Boden wird bereits gedroht. Aber so einfach ist das nicht.

Niemand – außer einem eingeschworenen kleinen Kreis – hatte die ganze Planung gesehen. Die Grundeigentümer wollten die Verträge, die sie zugeschickt bekommen hatten und „unterschrieben im Rathaus“ abgeben sollten, unter den gegebenen Umständen nicht unterzeichnen: „Darin sollen die Grundstückseigentümer unterschreiben, dass sie ihr Land für Parkplätze, Wettkampfstätten, Stadion, olympische Infrastruktur und Zufahrtswege zur Verfügung stellen. Was auf jedem einzelnen Stück Land geschehen soll, wird nicht schriftlich fixiert – für viele Eigentümer ein Grund, warum sie den Vertrag ablehnen“ (SZ, 9.7.2010).

Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Baumstadel, Garmisch Partenkirchen / ©goef-ad

Ein Teil der benötigten Gesamtfläche sollen temporär für die Olympischen Spiele genutzt wird, „wobei eine Regeneration und Wiederherstellung der landwirtschaftlich genutzten Flächen möglich ist.

„Möglich“ heisst aber nicht: sicher. Außerdem bleibt offen, ob hier nur die Grünmasse oder der Artenreichtum dieser Wiesen gemeint ist. Auch die zu erwartenden Bodenschäden werden nicht „rückbaubar“ sein.

Nach Olympischen Plänen will man die z.T. historischen Heustädel ab- und wieder aufbauen und die Wiesen regenerieren:  Legoland lässt grüßen.

Wie werden solche Wiesen nach den Olympischen Winterspielen aussehen?

Blumenwiese, Garmisch-Partenkirchen, Zugspitzmassiv / ©goef-ad

Die Landschaft verliert ihren einmaligen und authentischen Charakter und ihre ökologische Vielfalt.

Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft“ (Bayerischen Naturschutzgesetz, Artikel 1) sind nicht ohne gravierende Verluste zu regenerieren. Die Aussagen der Bewerbungsgesellschaft, dass keine „fachschutzrechtlichen Landschaftsbestandteile oder Schutzgebiete“ in Anspruch genommen würden, klingt wie ein Hohn. Das Kapital dieser Region ist ihre einmalige Landschaft.

Wiese als Parkplatz nach Ski-Weltmeisterschaft, 19.2.2011 / ©goef-ad

Garmisch-Partenkirchen

Umplanungen, die immer wieder verworfen wurden, zeigen, dass einem tragfähigen Gesamtkonzept die geeigneten Standorte fehlen. So ist das Snow-Village noch immer nicht in trockenen Tüchern, für das Media-Village werden z.T. Anlagen angeboten, wie der „Campingplatz Wieland“, die derzeit noch nicht existieren und deren Realisierung schon wieder einen ökologischen Minuspunkt für die Bewerbung bedeutet.

 

Pisten und Sportstätten

Die Alpin-Ski-Wettbewerbe sollen an der Kandahar, am Hausberg, am Gudiberg und auf den Skischanzen stattfinden.

Die Bewerber wollen damit punkten, dass sie vorgeben: „Die meisten Anlagen sind schon da.“ Dies stimmt nicht:

Nicht vorhanden sind Anlagen für Halfpipe, Buckelpisten und Parallelslalom. Die Anlagen für Snowboard und Freestyle sind inzwischen an der Hornabfahrt geplant. Keine Aussagen werden bisher zu weiteren Liftplänen, Unterbringung der Zuschauer (z.B. Hornabfahrt) und dazu notwendigen Eingriffen gemacht.

Der DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bezeichnete den Natur- und Umweltschutz als „unser Alleinstellungsmerkmal“. (DAV Panorama 4/2009, S. 7).  So versteckt man sich hinter der Behauptung, „die für die Ski-WM (2011) ertüchtigten Pisten (würden) für die Alpin-Wettbewerbe (schon) zur Verfügung stehen.

Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit sieht aber anders aus

Bergwaldrodung für neue WM-Pisten, Kandahar, Garmisch-Partenkirchen / ©goef-ad

Mit massiver Landschaftszerstörung wurde die Kandahar „weltmeisterlich“ hergerichtet.

Der Ausbau für die WM 2011 wich vollständig von den ursprünglich genehmigten Planungen ab.

Insgesamt wurden einschließlich der Flächen für den Beschneiungssee und Deponien über 16 ha wertvoller Berg- und ausgewiesener Schutzwald gerodet. Diese Rodungen haben die Vorgaben des Bergwaldprotokolls der Alpenkonvention (ein völkerrechtlich bindender Vertrag) missachtet, das insbesondere in Art. 6 den Bergwäldern mit Schutzfunktion eine Vorrangstellung einräumt, wonach diese an Ort und Stelle zu erhalten sind.  (Ausbauten der Kandahar für Ski-WM 2011 mit Fotovergleichen) Im Umweltkonzept für 2018 steht natürlich nichts über diese Umweltsünden, die bereits begangen wurden.

Dieses Verschweigen und Schönreden der Zerstörungen für die WM 2011 (ertüchtigte Pisten) lässt erahnen, welche Ertüchtigung für 2018 zu erwarten ist. Die neuen, schon im großen Stil aus dem Bergwald herausgeschlagenen Pisten der Kandahar werden den Olympischen Wettkampf-Standards für 2018 – mit hoher Wahrscheinlichkeit und nach allen bisherigen Erfahrungen – nicht genügen. Deshalb muss man von einem weiteren Pisten-Um- und Ausbau ausgehen.

Die gekühlte neue Großschanze könnte gerade noch den Kriterien im Jahr 2018 genügen.

Neue Skisprungschanze Garmisch-Partenkirchen / ©goef-ad

Wie groß die finanziellen Risiken hierbei sind, zeigt alleine der Neubau der Großschanze, deren Kosten von 9,8 Millionen auf über 17 Millionen Euro gestiegen sind. Diese Schanze wird meist nur wenige Mal im Jahr (Neujahrsspringen) genutzt.

Die kleine Schanze müsste neu gebaut werden und wahrscheinlich auch neue mit Beschneiungsanlagen bestückte Loipen für die Nordische Kombination.

Nicht vorhanden sind Anlagen für Halfpipe, Buckelpisten und Parallelslalom. Die Anlagen für Snowboard und Freestyle sind inzwischen an der Hornabfahrt geplant. Keine Aussagen werden bisher zu weiteren Liftplänen, Unterbringung der Zuschauer (z.B. Hornabfahrt) und dazu notwendigen Eingriffen, Kosten und Nachfolgelasten gemacht.

In den Bewerbungsunterlagen wird betont: „Lediglich ein kleiner Teil von unter 2 % der skisportlich genutzten Fläche ist explizit für die Olympischen Spiele baulich umzugestalten bzw. eine bestehende Pistenfläche seitlich zu erweitern“.

Schön wärs:  Wie sieht es bis 2018 aus? Und wie zuverlässig sind Planungen dieser Dimension (Erfahrungen mit der Ski-WM 2011).

Bei diesen „unter zwei Prozent“ neu in Anspruch genommener Fläche kann es sich –  nach den Angaben der Planer – nur um die Waldflächen handeln, die zusätzlich – bereits nach den heutigen Plänen – gerodet werden sollen. Weitere Flächen kommen aber dazu.

In Einzelnen wird genannt (Zitate aus dem Entwurf „Umweltkonzept“ der Bewerbungsgesellschaft, 9.1.2009/ Hervorhebungen durch uns):

Hornabfahrt:

Bei Übernahme des derzeitigen Planungsstands ergeben sich allerdings für die unteren Pistenabschnitte Überlagerungen mit den angrenzenden Waldflächen … Das gilt ebenfalls für die Zuschauertribünen A2 im Zielbereich, wo zusätzlich noch die Einsehbarkeit des Zielhanges zu prüfen ist.“

Und: „Der gesamte Hang ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiete oder gar Naturschutzgebiete sind auch in der Umgebung der Wettkampfstätten nicht vorhanden“.

Sowie: „Aus den vorliegenden Planungsunterlagen geht die Beförderung der Zuschauer zum Zielhang nicht hervor, Fuß- und Fahrstraßen sind nicht gekennzeichnet“ – müssten also noch gebaut werden.

Im Klartext heißt das: Im Landschaftsschutzgebiet wird – für Wegebauten, Aufstellmöglichkeiten für Medien-Übertragungswagen, Zuschauertribünen u.a. – Bergwald gerodet und Gelände planiert.

Kandahar-Abfahrten:

Die Landschaftszerstörung und Bergwaldrodung für die Ski-WM 2011 haben wir bereits thematisiert.  Im Entwurf des „Umweltkonzeptes“ wird weiter genannt: „ … auch die Einsehbarkeit des Zielhanges ist aufgrund des Waldes fraglich.

Man kann davon ausgehen, dass weiterer Bergwald gerodet wird.

Ob das alleine ausreichen wird, ist ebenfalls fraglich. Geht man von den Pisten in Vancouver/Whistler aus, kommen einem Zweifel, ob die jetzigen Kandaharabfahrten nicht viel zu schmal sind. Die immer höheren Geschwindigkeiten bei (Olympischen) Ski-Rennen und die daraus resultierenden Sicherheitsabstände und – einrichtungen erzwingen Pisten, deren Breite mit einer mehrspurigen Autobahn vergleichbar sind.

Die vorsichtigen Ansätze für eine Geschwindigkeitsverminderung auf den Abfahrten sind bisher gescheitert.

Gut Schwaiganger bei Ohlstadt

Das „Nordische Zentrum“ mit den Biathlon- und Langlauf-Wettbewerben ist auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt geplant (s. „Temporär“).

 

 

Auf staatlichen Flächen gilt eine besondere Sorgfaltpflicht des Staates in allen Naturschutz- und Umweltbelangen. In Schwaiganger werden zwei Stadien und Loipen nur an südlich bzw südwestlich exponierten Hängen angelegt. Die nördlich exponierten Hanglagen sind aus ökologischen Gründen nicht nutzbar.

Gut Schwaiganger liegt noch tiefer als Oberammergau.  Was dies für die Schneesicherheit bedeutet, kann man sich vorstellen. Das ist nur mit intensivster künstlicher Beschneiung zu bewerkstelligen – wenn überhaupt:

Das Gelände in Schwaiganger müsste für die Beschneileitungen und Zapfstellen aufgegraben werden: „Nur eine fest installierte Beschneiungsanlage ist technisch in der Lage, innerhalb einer vorgegebenen Zeit von 65 h die Strecke mit ausreichend Schnee (50 cm Mächtigkeit) zu belegen“ (Umweltkonzept der Bewerbung). Dabei handelt es sich um ein 7,6 km langes Leitungsnetz. Über eine weitere 1,75 km lange Leitung soll die Loisach als Wasserspender angezapft werden

Die Kühlung des Beschneiwassers gilt inzwischen als “unabdingbar”. Umfangreiche Anlagen mit Hauptpumpen, Leitungen und Kühltürmen wären auch in Schwaiganger erforderlich.

Der Energieverbrauch für die Olympische Grundbeschneiung der Nordischen Loipen wird mit 50 cm Kunstschnee und ca. 65.000 kWh angesetzt. Hinzu kommt die „Nachbeschneiung“in etwa gleicher Höhe – und dies alles für 17 Tage.

Die Attribute „ökologisch“ und „nachhaltig“ sind für die Bewerbung „München 2018“ eine Täuschung.

Sehr fraglich ist sogar, ob man in solchen sonnigen und tiefen Lagen in sieben Jahren überhaupt noch beschneien kann, denn auch Kunstschnee braucht Minustemperaturen: Im Februar 2011 – während der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen – herrschten tagsüber ausnahmslos Plusgrade – sogar im zweistelligen Bereich. Auch die Nachttemperaturen waren für die Jahreszeit viel zu warm.

Schönau am Königssee

Vom 14. bis 27. Februar 2011 trug man die Weltmeisterschaft für Bob- und Skeleton in Schönau am Königssee aus. In der Nationalparkgemeinde war das vorhandene Zentrum der Bob- und Rodelbahn mit Geldern aus dem Konjunkturförderprogramm II für die WM und mit Blick auf die Olympiabewerbung um- und ausgebaut worden: mit einem neuen Zielhaus und neuem Startbereich, neuer Schlusskurve und Anpassung der ganzen Strecke für höhere Geschwindigkeiten. Insbesondere beim Neubau und der Erweiterung des Rodelstarts wurden Felsen gesprengt, ein Wildbach verbaut und Bergwald (Schutzwald) gerodet. Dazu kamen drei Zuschauertribünen, die ebenfalls im Waldbereich gebaut wurden.

Ausbau und Sanierung der Kunsteisbahn Schönau / Königssee, 7.11.2010 / ©goef-rp

Bei diesem Ausbau hatte man natürlich die Bewerbung „München 2018“ im Blick – Schönau am Königssee soll dabei das „Königssee Sliding Centre“ aufnehmen. Doch Wolfgang Staudinger, der Cheftrainer des kanadischen Rodel-Verbandes, bezweifelte bereits Anfang Januar 2011, ob die neue Bahn den olympischen Anforderungen genügen könnte: „Für Weltcups und Weltmeisterschaften reicht es, aber für Olympia kann ich sie mir noch nicht vorstellen“ (SZ 7.1.2011).

Die Kosten explodierten, mit einer Steigerung von 40%. Aus 22 Millionen Euro wurden 30 Millionen Euro, so dass die Maßnahme in zwei Bauabschnitte unterteilt wurde. Der erste Bauabschnitt war mit 22 Millionen Euro ausgelobt worden, wurde im März 2010 begonnen und kurz vor Beginn der WM im Februar 2011 nahezu fertig gestellt.

Die Zustimmung des Kreistags hatte man durch das Druckmittel erreicht, man müsse sonst Fördergelder zurück zahlen: Dies stellte sich aber nach einer Bundestagsanfrage als nicht wahrheitsgemäß heraus.

Als Träger der Kunsteisbahn zahlt der Landkreis Berchtesgadener Land 10% der Kosten und hofft , dass bei den weiteren 8 Millionen Euro vor allem der Bund und das Land Bayern die Kosten übernehmen, denn unter den 20 oberbayerischen Landkreisen belegt das Berchtesgadener Land in der Umlagekraft Platz 18 (bis 2009 auf Platz 20). Wie hoch die Baukosten tatsächlich sind, ist noch offen.

Und wie teuer ggf die Bauanpassung an olympischen Normen werden könnte, steht völlig aus.

Außer durch die bautechnische Fehlplanung können sich die Kosten noch durch die besonderen geologischen Bedingungen im Bereich der Bob-/Rodelbahn weiter erhöhen: Das geotechnische Gutachten wurde der Situation nicht gerecht.

Durch die Bau-Eingriffe, die auch jetzt nach der WM noch nicht abgeschlossen sind, wurde das Steinschlagrisiko forciert und die Murengefährdung erhöht. Damit werden weitere Verbauungsmaßnahmen in direkter Nachbarschaft zum Nationalpark wahrscheinlich.

Das Gelände der Rodelbahn liegt in einer sog. geologischen Bruchstaffel mit mehreren großen, parallel verlaufenden Störungen. In der Erdgeschichte können hochmobile Gebirgsbereiche eingelagert worden sein, die heute an und in der Nähe der Rodelbahn liegen.

Bei der geplanten Erweiterung des Rodelstarts 1 wird zwangsläufig gleitungsgefährdetes Gelände angeschnitten. Es könnte damit in naher Zukunft zu Felsausbrüchen, und eventuell zu Hangabgleitungen kommen, die die Rodelbahn gefährden würden. Die Steinschlag-Häufigkeit ist bekannt und könnte zunehmen.

Ein großer Teil des Steinschlags wurde bisher durch den Schutzwald abgefangen, der aber für die Baumaßnahmen teilweise gerodet wurde. Steinschlag ist auch in anderen Hangbereichen zu erwarten, vor allem, wenn es zur Entwurzelung von Bäumen am Steilhang kommt.

In keinem Gutachten ist bisher eine Schädigung durch Eisabbruch im Winter angesprochen worden.

Außerdem wird die Gefahr einer katastrophalen Murenbildung – Beispiel Gerner Bach-Katastrophe – für den Klingerbach in keinem Gutachten angesprochen: aus dem Einzugsgebietgebiet kann es bei Sturzregenfällen trotz der Verbauungen zur Bildung von Muren kommen, die die Installationen der Bob-/Rodelbahn erheblich beschädigen würden. Auf jeden Fall liegt hier ein Gebiet mit erhöhtem Georisk-Potential vor.

Resümee: Die Olympischen Winterspiele 2018 sind in den dafür „auserwählten“ Alpengemeinden ohne hohen Natur- und Landschaftsverbrauch nicht zu haben.

Gerade hier sind die Flächen ökologisch besonders sensibel und in den begrenzten Talräumen besonders rar. Natur und Landschaft sind aber das eigentliche Kapital dieser Kommunen –  und nicht der vergängliche Ruhm, im Jahr 2018 eine Nummer hinter „München +2“ gewesen zu sein.

Für 18 Tage Party würde kostbare Kultur- und Natur-Landschaft geopfert – Landschaft, die nicht nur für den Tourismus da ist, von dem man lebt, sondern vor allem auch für die Einheimischen selbst, die ihre Landschaft lieben, pflegen und stolz darauf sind.

Deshalb können diese Spiele nicht ökologisch und nicht nachhaltig sein – und sie sind nicht fair gegenüber denjenigen, die hier leben und wirtschaften.