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Graubünden gegen Olympische Winterspiele

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Konzept Sportstätten

 
Zuletzt geändert am 24.10.2013 @ 12:25
© Foto: Gesellschaft für ökologische Forschung

© Text: Sylvia Hamberger, Gesellschaft für ökologische Forschung

Zweiter Versuch: München 2022?  Nein danke!

 

München soll – wie schon für 2018 geplant – das „Ice-Cluster“ erhalten und Garmisch-Partenkirchen das „Snow-Cluster“ , d.h. die meisten Schnee-Wettbewerbe.

Der „Endurance & Sliding Park“ in der Region Chiemgau/Königssee ist neu in der „Konzeptstudie“ München 2022. Hierbei handelt es sich – mit Ausnahme des Königssee, der schon 2018 in der Bewerbung auftauchte  – um einen kompletten neuen Standort. Folgende Austragungs-Gemeinden werden genannt: Ruhpolding, Inzell, Reit im Winkl und Siegsdorf – und eben Königssee. Jetzt hofft man offenbar mit dem Trick „Region Chiemgau/Königssee“ wieder nur drei Orte zu kreieren. Offenbar sind Inzell und Ruhpolding näher gerückt – sowohl an München als auch in Richtung Königssee. Inzwischen heißt es „Das Dreieck Siegsdorf direkt an der A8 von München nach Salzburg gelegen, Ruhpolding und Inzell verspräche kurze Wege“ (Effern, Heiner, Pläne für Winterspiele 2022 nehmen Konturen an, in SZ, 18.7.2013).

Nun also doch Ruhpolding – in NEUN Jahren – 2022? In Ruhpolding sollen dann Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe  stattfinden. In der „Konzeptstudie“ steht ganz unverbindlich das Wort „könnten“: „Die Biathlon-Wettbewerbe … könnten in der Chiemgau-Arena auf bereits bestehenden Strecken … ausgetragen werden“.

Aber die Chiemgau-Arena am Zirmberg würde wahrscheinlich nicht ausreichen für Olympische Spiele 2022. Müsste ein zweites „temporäres Stadion“ dazu gebaut werden? Aber wohin? Strenge Naturschutzauflagen um die Biathlon-Arena und Grundbesitz und Weiderechte umgeben das Gelände.

In Ruhpolding fand die Biathlon-WM 2012 statt. Die Flächenvorgaben hatte allein die Internationale Biathlon Union bestimmt – der Austragungsort musste sich für den WM-Zuschlag daran halten. Für diesen Um- und Ausbau wurde sogar der Antrag auf Befreiung von der Naturschutzverordnung “Östliche Chiemgauer Alpen” bewilligt, sprich: Für benötigte Flächen wurde das Naturschutzrecht bereits damals außer Kraft gesetzt.

Der Ruhpoldinger Biathlon-Weltcup 2013 hat ein Defizit von 350.000 bis 400.000 Euro verursacht (Mitteilung Sepp Hohlweger, Kreisfraktion Bündnids 90/Die Grünen, 25.9.2013).

Die Langlaufwettbewerbe sollen am Unternberg, Ruhpolding „im Bereich offener Wiesen und Waldrandflächen am Nordhang des Unternberg“ (Konzeptstudie, S. 40) stattfinden:  Wo soll die „temporäre“? Langlaufsportstätte mit einer Zuschauerkapazität von 20.000 Zuschauern gebaut werden? Woher kommt der Schnee? Müssten Kühlschlangen unter die Loipen eingebaut werden, damit der Kunstschnee nicht gleich wieder taut? In der Konzeptstudie wird auch verschwiegen, dass die Sportstätten und wahrscheinlich auch die Loipen 4 Meter hoch eingezäunt werden müssten – wie alle anderen Olympischen Sportstätten auch.

Biathlon und Langlauf sind bekannterweise SCHNEE-Wettbewerbe. Wo soll in NEUN Jahren – 2022 – der Kunst/Schnee herkommen, wo kommt das Wasser, wo kommt der Strom für die Schneeerzeugung, für den gesamten Olympia-Bedarf?

Die Stromversorgung der Gemeinde Ruhpolding hatte schon für die WM 2012 nicht ausgereicht. Allein für die Beheizung der Fanzelte bei der WM 2012 in Ruhpolding mussten mehrere tausend Liter Diesel in Generatoren verheizt werden

Die Inzeller Eishalle soll jetzt als Teil der geforderten 65 000 Quadratmeter Fläche für die auf die drei Regionen verteilten Mediencenter realisiert werden. In München soll stattdessen eine neue Eishalle für Eisschnellauf gebaut werden, neben zwei weiteren neuen Eishallen (eine feste, eine temporäre) für Eishockey.

Inzell-Außerfeld soll das dritte Olympische Dorf mit mindestens 1700 Betten aufnehmen – z.T. temporär, z.T. permanent -, dessen spätere Nutzung ungeklärt ist. Inzell hatte 2011 die Einzelstrecken-WM im Eisschnelllauf ausgerichtet (s. u. Archiv). Allein für das olympische Dorf geht man von 17 ha Flächenbedarf aus. Das Mediendorf bzw. die Unterbringung von 2000 Medienleuten ist noch vage, lässt aber nach den Erfahrungen mit der Bewerbung 2018 Schlimmes vermuten.

In Inzell müssten im Umfeld des Mediacenter, die Unterbringung der Medienleute, das Olympische Dorf und die Langlaufstrecken ökologisch und agrarökonomisch wertvolle Flächen geopfert werden. Wenn man die südlich von Inzell gelegenen Naturschutzgebiete (NSGs), Landschaftsschutzgebiete (LSGs) und Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiete, die Inzeller Filzen und die kartierten Lebensraum-Waldflächen abzieht, bleibt nur noch hochwertiges Kulturland mit Grünland und Streuobstwiesen dafür übrig. Oder man greift wie in Ruhpolding in die NSGs ein!

Berchtesgaden mit Königssee: In Berchtesgaden bleibt es wohl bei Bob, Rodeln und Skeleton. Auch hier ist fraglich, ob die bestehende Kunsteisbahn (FIB Bob- und Skeleton WM 2011) den olympischen Anforderungen auch 2022 noch genügt.

Geschichte wiederholt sich – das neue Argument ist das alte – wie viele andere von „München 2018“ :

“der Großteil der benötigten Sportstätten ist bereits vorhanden. .. Weniger als ein Prozent aller benötigten Sportstättenflächen müsste für Olympia 2022 baulich umgestaltet oder erweitert werden” (muenchen.de/rathaus 27.9.2013).

„Bereits vorhanden“ war auch die Formel für 2018 – gestimmt hat sie nicht.

Olympische Winterspiele können schon allein wegen dieser Größe weder „nachhaltig“ noch „grün“ sein. Sie sind ein Megaevent für 17 Tage, stellen für den Voralpen- und Alpenraum große Eingriffe in die Naturräume und Kulturlandschaften dar und bergen unüberschaubare soziale und finanzielle Risiken.

 Deshalb NEIN zu “München 2022″

Archiv 2018:

Die Olympischen Wettkämpfe sollen wegen des vermeintlichen Vorteils einer „kompakten Bewerbung“ nur an drei Orten stattfinden: in München („Eis-Park“), in Königsee (Bob, Rodeln und Skeleton) und in Garmisch-Partenkirchen („Schnee-Park“).

Zum „Schnee-Park“ gehören aber auch Langlauf- und Biathlon-Wettbewerbe. Die langwierige Suche nach geeigneten Orten für diese Wettkampfstätten zeigt die Problematik von München 2018 auf. Die Dimensionen Olympischer Winterspiele sind für das Oberland zu groß. Alle ursprünglich „ins Auge gefassten Gebiete“ der Planer – wie Klais, Kaltenbrunn und Barmsee – scheiterten wegen der Naturschutz- und FFH-Gebiets-Auflagen.

Die Bewerber wichen als Austragungsort zunächst auf Oberammergau aus. Damit war aber die „kompakte Bewerbung“ von „München plus 2“ bereits gescheitert. Ab da ging um „München + 3“ und die Bewerbung wurde unverfänglicher in „München 2018“ umbenannt.

Auch Oberammergau ist inzwischen ausgeschieden: Ein Erfolg für die Bürgerinitiative in Oberammergau, denn die Bewerbungsgesellschaft hatte den Passionsspielort wegen “massiven Widerstands” aus den Planungen für die Olympischen Spiele 2018 genommen (s. unter “Aktuelles”).

Eigentlich hätte schon der Ausstieg von Oberammergau zum AUS für die Bewerbung führen müssen, denn der Status “candidate city” für “München 2018″ bezieht sich auf das Konzept mit München, Garmisch-Partenkirchen, Schönau am Königssee und Oberammmergau!

Jetzt soll das „Nordische Zentrum“ mit den Biathlon- und Langlaufwettbewerben samt Stadien und Streckenverläufen auf dem staatlichen Grund von Gut Schwaiganger bei Ohlstadt gebaut werden:  Noch tiefer gelegen als Oberammergau und damit noch weniger schneesicher.

Die Klimaprognosen sprechen gegen Gut Schwaiganger – nur 660 m ü. NN: Wie und mit welchem Aufwand will man in acht Jahren in sonniger Lage Schnee-Wettbewerbe abhalten? Wo bleibt da das Nachhaltigkeitspostulat?

Die Planungen gehen davon aus, dass alle Anlagen des „Nordischen Zentrums“ temporär gebaut werden: mit hohen Kosten und gravierenden Eingriffen in die Landschaftsräume.

Einziges Kriterien für diese Wahl:  Staatlicher Besitz – also keine Grundbesitzer, die ihre Unterschrift für die olympische Nutzung – und damit längerfristige Zerstörung ihres Grundes – ablehnen könnten.

Es lässt sich in diesem Kontext nicht nachzuvollziehen, warum die Veranstalter Ruhpolding, Oberstdorf und Inzell nicht einbezogen haben:

Ruhpolding, Bautafel Chiemgau-Arena / ©goef-ob

Die Biathlon-WM findet 2012 in Ruhpolding statt. Dafür wird die Chiemgau-Arena für 16 Millionen Euro ausgebaut. Die Summe stammt komplett aus dem Konjunkturpaket II.

Ruhpolding, Ausbau Chiemgau-Arena / ©goef-sh


Oberstdorf bestritt die Nordischen Ski-WM 2005 (verschuldete sich dabei bis heute mit 63 Millionen Euro) und will sich nach der FIS-Absage für die WM 2013 wieder für eine Nordische Ski-WM bewerben. Sportstätten und Langlauf-Loipen sind vorhanden.

Inzell wird 2011 die Einzelstrecken-WM im Eisschnellauf ausrichten. Die neue Eisschnelllaufhalle mit Überdachung soll 36 Millionen Euro kosten – auch dieses Geld kommt aus dem Konjunkturpaket II.

Inzell, Eisschnelllaufhalle / ©goef-ob

Inzell, Bau der Eisschnelllaufhalle / ©goef-ob

Trotzdem will man für den olympischen Eisschnell-Lauf im Münchner Olympiagelände ebenfalls eine neue Halle bauen: temporär.

Ein schlüssiges Sportstätten-Konzept fehlt für den bayerischen alpinen Raum.

Die genannten Anlagen in Oberstdorf, Ruhpolding und Innzell sind bereits fertig oder kurz vor der Fertigstellung. Die Planungen für „München 2018“ sehen aber vor, die gleichen Anlagen nur für die olympische Nutzung nochmals zu bauen und nach den Spielen 2018 wieder abzureißen.

Damit mißachtet diese Planung ganz offensichtlich eines der angeblich „stärksten“ Argumente für olympische Spiele: Die Investitionen, gerade in Sportanlagen, sollen über Olympia hinaus einer langfristigen Nutzung dienen.

Jetzt sind Wettkampfstätten bereits vorhanden und werden modernisiert – ganz ohne Olympia – , aber sie sollen laut Bewerbungsunterlagen für 2018 nicht genutzt werden! Schilda läßt grüßen.

Nachtrag: Inzwischen sind die Olympischen Spiele für 2022 geplant – also nochmal 4 Jahre später im Klimawandel. Die Olympischen Spiele sind scvhon für Sotschi 2014 noch größer geworden, und die Energiewende fordert einen sparsamen Umgang mit Energie und Ressourcen.

Deshalb NEIN zu München 2022.

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